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MCU Rewatch | Captain America: The Winter Soldier

Wie habe ich mich auf diesen Film gefreut! Nicht nur damals, als man die ersten Trailer sah, sondern auch jetzt wieder. Es ist ein großartiger, ich würde sogar sagen, fast perfekter Film. Von der Atmosphäre, der Musik, den Charakteren, den Schauspieler*innen, der Geschichte, den Twists und den Effekten stimmt alles. Es greift ineinander wie Zahnräder, um etwas noch viel Größeres anzutreiben. Die Filme von Captain America, angefangen bei The First Avenger bis Civil War gehören zu den besten Einträgen im MCU und haben den Charakter endgültig als zentralen Bestandteil des Marvel Universums und im Mainstream etabliert.

Ich weiß noch genau, als ich im IMAX-Saal des Salzburger Cineplexx saß. Es war das Kino am Bahnhof, einfach zu erreichen und toll ausgestattet. Der Bau an sich war etwas brutalistisch, mit seinen blanken Betonmauern und wuchtigem, doch offenem Design. Es gab immer wieder Stimmen, die das Kino für die schlichte Tristesse beklagten. Ich mochte es allerdings sehr. Es hatte etwas Einzigartiges und widerstand der sonst so modernen Architektur, der man überall begegnet. Und es war ein Kino. Was benötige ich da schon? Ich möchte mir Snacks kaufen können und Toiletten wären nicht schlecht. Ansonsten kommt es mir auf die Technik der Kinosäle an und dass die Sitze bequem sind. Der Rest ist nicht so wichtig. Leider hat das Kino spontan, quasi über Nacht, geschlossen. Es fehlt mir.

Jedenfalls saß ich im IMAX-Saal des Kinos und der Film startet. Es läuft das Marvel-Logo durch und es folgt die Intro-Szene mit Sam Wilson (»on your left«). Toller Einstieg, sehr sympathisch, auf vielen Ebenen. Black Widow holt Cap ab für einen Einsatz und schon sind sie in einem Flieger über einem Schiff. Cap springt aus dem Heck und landet mit einem Knall im Wasser. Es folgt eine meiner Lieblingssequenzen des MCU. Mit vollem Schildeinsatz kämpft sich Cap durch das Schiff. Der IMAX-Saal macht sich bezahlt, denn jedes Mal, wenn der Schild jemanden trifft oder wo abprallt, gibt es einen sehr zufriedenstellenden, satten Sound. Perfekt. Dazu die Musik und die fantastische Stunt-Arbeit. Großartig. Hätte gerne noch etwas länger gehen können.

Schon in dieser Anfangssequenz, als klar wird, dass Black Widow etwas anderes vorhat, als nur Geiseln zu retten, etabliert sich das Thema des Films: Vertrauen. Wer steckt mit wem unter einem Hut? Hat Nick Fury wirklich nur die besten Absichten? Gibt es Hydra wirklich noch? Wer ist Stephen Strange? Und könnten die Shirts von Chris Evans noch etwas enger sein? Alles essenzielle Fragen, die im Laufe des Films mehr oder weniger beantwortet werden.

Samuel L. Jackson als Nick Fury war ein Glücksgriff für Marvel. Das zeigt sich allein schon in der Aufzugfahrt, als er Cap in das Projekt Insight einführt. Seine Präsenz, wie er die Geschichte des Großvaters erzählt; es stimmt alles. Was zeigt er Steve? Drei Helicarrier, die die Welt überwachen sollen. Ausgestattet mit einer Bewaffnung, die alle Armeen der Welt in den Schatten stellt. Ausgestattet mit einer KI, die Bedrohungen eliminieren soll, bevor sie Verbrechen begehen können. Es ist ein Konzept, welches schon des Öfteren in Filmen verarbeitet wurde, doch durch die Einbindung ins Marvel-Universum kann man es schön übertrieben darstellen, ohne dass der Film an Glaubwürdigkeit verliert. Im Gegenteil; es ist eine Antwort auf das, was in New York passiert ist. Man will vorbereitet sein. Nicht nur auf Aliens, sondern auf alle Arten der Bedrohung, ob man von ihnen nun weiß oder eben noch nicht.

Das ist ein Thema, welches sich durch die zweite Phase des MCU zieht. Wie gehen die verschiedenen Charaktere mit den Ereignissen von New York um? Für alle war es das erste Mal, dass sie mit Aliens in Kontakt kamen. Das erste Mal, dass ihnen so richtig bewusst wurde, dass das Universum so viel größer ist, als sie es sich jemals erträumt hätten. Es ist schön zu sehen, dass Marvel sich die Zeit nimmt und den Charakteren erlaubt, traumatische Ereignisse zu verarbeiten. Deshalb wäre es so wichtig gewesen, etwas Ähnliches nach Endgame zu machen. Kleinere Filme, die den Charakteren zugestehen, innezuhalten und zu reflektieren. Dafür ist unter anderem Sam Wilson da. Steve braucht eine Bezugsperson, die er nicht nur durch die Avengers und S.H.I.E.L.D. kennt. Jemanden von außerhalb, der ihm Halt gibt und offen Ratschläge erteilt. Eine schöne Dynamik.

Diese wird jedoch schnell unterbrochen, wenn sich jemand tot geglaubtes aus Steves Vergangenheit zurückmeldet. Doch dieses Mal unter dem Einfluss von Hydra. Der erste Auftritt des Winter Soldiers ist beeindruckend. Alle Auftritte vom Winter Soldier sind beeindruckend. Jeder auf seine eigene Art und Weise. Sei es der Überfall auf Nick Fury, eine der coolsten Szenen des Films und ein Beispiel dafür, dass er immer Ressourcen zur Verfügung hat. Oder die Verfolgungsszene zu Fuß, über Dächer und durch Gebäude hindurch. Oder die Kampfszene zwischen Steve, Natasha und Sam und dem Trupp rund um den Winter Soldier auf offener Straße bei helllichtem Tag. Der Winter Soldier ist bedrohlich, nicht zu unterschätzen und eine Kampfmaschine sondergleichen. Als Steve herausfindet, wer unter der schwarzen Maske und dem dunklen Make-up steckt, ist er verständlicherweise schockiert und will unter allen Umständen seinen alten Freund retten.

Der Rückblick, der Steve und Bucky zeigt, ihre Freundschaft und wie sie immer füreinander da sind, ist perfekt getimt. Es dauert nur wenige Augenblicke und ist so schnell vorbei, wie er angefangen hat, doch es steckt so viel Herz in diesen Minuten, es ändert den Blick der Zuschauer*innen auf die brutale, erbarmungslose Kampfmaschine. Es macht aus ihr eine tragische Figur. Die wohl schrecklichste Szene ist wohl diejenige, in der Bucky Zweifel bekommt. Zweifel an sich und an seinem Ziel. Doch Alexander Pierce ist genauso erbarmungslos wie Hydra und so wird Bucky gelöscht, bis scheinbar nur noch der Winter Soldier übrig bleibt. Ich bin immer noch erstaunt, dass diese brutale Szene in einem Marvel-Film sein darf. Aus heutiger Perspektive nicht mehr vorstellbar, aber doch so wichtig. Keiner macht Witze oder einen dummen Spruch. Buckys tragisches Schicksal, die Folter und das Leid – einfach alles, was er in den vergangenen Jahrzehnten durchgemacht hat und ertragen musste, wird in dieser einen Szene grausame Realität.

Captain America – The Winter Soldier ist ein beeindruckender Eintrag ins MCU. Auf sehr vielfältige Art. Er steht da als Monument einer Ära, in der jeder Film anders sein durfte, in der man sich ausprobiert hat und nicht das große Ganze des MCU im Zentrum stand. Natürlich war es wichtig und schwang stets im Hinterkopf mit, doch das zentrale waren die Charaktere. Sie konnten ihre Geschichten erleben, sich weiterentwickeln und die Welt um sie herum verändern. Natürlich wurden neue Charaktere eingeführt, aber stets so, dass es sinnvoll ist für die eigentliche Geschichte und die Protagonisten. Wenn diese neuen Charaktere dann etabliert sind (wie eben Sam Wilson), kann man sie weiterentwickeln und ins Zentrum rücken. Captain America – The Winter Soldier ist ein Testament dafür, wie Comic-Verfilmungen aussehen können, wenn man sie ernst nimmt. Ein Film, der seinesgleichen sucht. Für mich eindeutig ein Meisterwerk.

Von Einhörnern und Schlössern

Seit Anfang 2023 gibt es bei BlueBrixx eine Einhorn-Serie. Zwar gibt es bereits von anderen Herstellern zu dem Thema Produkte, aber BlueBrixx macht dies eben auf ihre eigene Art: Mit viel mehr Liebe zum Detail, ein paar Ergänzungen und Produkten, die sowohl für sich stehen, als auch ein größeres Ganzes bilden können. Natürlich konnte ich nicht widerstehen und musste zugreifen. Es sind Einhörner und es glitzert – mir waren quasi die Hände gebunden.

Alles begann mit einem Einhorngarten. Ich musste erst nachschlagen, wann der erschienen ist, denn mir kam es so vor, als hätte ich diesen erst vergangenes Jahr aufgebaut. Dabei war das tatsächlich im März 2023. Ich habe auch nie einen Text dazu geschrieben oder das Set vorgestellt. Ein Versäumnis, das ich natürlich jetzt nachhole. Denn in der Zwischenzeit ist das nächste Set der Reihe erschienen: ein wunderbares, pink-weißes Einhornschloss. Es ist wunderbar.

Passend zu diesen Sets gibt es noch Einhorn-Serien, mit unterschiedlichen kleinen Einhörnern. Diese sind Brick-built und sehen wirklich fabelhaft aus. Auch hier gibt es mittlerweile die dritte Serie, die natürlich zusammen mit dem Schloss bestellt werden musste. Irgendwie muss man sein Schloss schließlich mit Bewohner*innen füllen. Leider hat sich BlueBrixx bei der ersten Bestellung vertan und mir Serie 2 beigelegt und nicht Serie 3 wie geordert. Zum Glück erschien aber kurz darauf noch die Kapelle von dem neuen mittelalterlichen Kloster, da habe ich es nochmal versucht. Beim zweiten Versuch klappte schließlich alles.

Ich habe diesbezüglich den Support angeschrieben, allerdings ist hier seit über einer Woche stillstand und ich habe noch nichts gehört. Der Support bei BlueBrixx, wenn man den YouTube-Kommentaren Glauben schenken darf, ist ja berüchtigt für seine quasi nicht-Existenz. Ich werde auf jeden Fall berichten, wie es bei mir war.

Das Einhornschloss jedenfalls ist großartig. Der Bau hat Spaß gemacht und war durchaus abwechslungsreich. Es ist natürlich nicht so detailliert ausgestattet und geplant, wie die Mittelalter-Sets, jedoch merkt man eindeutig, dass es sich um ein BlueBrixx-Modell handelt. An fast jeder Ecke gibt es etwas zu entdecken, die Türme sind alle unterschiedlich gebaut und ausgestattet. Außerdem hat das Gebäude an sich eine nette Tiefe, sodass man es gerne noch mit eigenen Details ausstatten oder eben die dazugehörigen Einhörner platzieren kann. Die exklusiv bei dem Set enthaltene Einhorn-Figur des Flameborn kann sich ebenfalls sehen lassen.

Ich bin wirklich begeistert und warte gespannt, was sich das kreative Team hinter den Sets noch einfallen lässt. Ich brauche nicht jedes Jahr mehrere dieser Einhorn-Sets. Jedes Jahr oder alle zwei Jahre eine Ergänzung, so wie es eben jetzt der Fall war, lasse ich mir aber gerne einreden. So bleibt es übersichtlich und kann sich in einem angenehmen Tempo weiterentwickeln. Zudem muss ja noch die Burg Blaustein und nun das Kloster Blaubrunn gebaut und gepflegt werden. Es gibt so viele tolle Sets.

Post-Tourismus

Man merkt, dass es in Salzburg langsam ruhiger wird. Die stressigen Wochen der Adventmärkte sind vorbei. Die Lokale gehen in eine mal mehr, mal weniger lange Pause und gönnen ihren Mitarbeiter*innen ein wenig Urlaub. Sie mussten sich in den vergangenen Wochen immerhin mit genug Touristen und Einheimischen, die die Stadt und ihre Angebote genießen wollten, auseinandersetzen. Es ist immer wieder schön, durch eine etwas ruhigere Stadt zu spazieren. Besonders wenn man etwas früher dran ist, so wie am Samstag beispielsweise.

Es war noch nicht einmal 11 Uhr morgens, da saß ich schon im Zug auf dem Weg in Richtung Stadt. Es war furchtbar kalt, zum Glück allerdings nicht eisig, aber trotzdem war der Waggon gut gefüllt. Doch sobald man den Hauptbahnhof verlässt, verläuft es sich und man kann seiner Wege gehen. Das Salzburg Museum hat leider immer noch geschlossen und es wird noch so einige Zeit dauern, bis es erneut seine Pforten für Besucher*innen öffnet. Doch das gleich daneben gelegene Café MUS empfängt gerne Gäste und bietet hervorragenden Espresso. Ich finde es ein wirklich tolles Lokal, mit nettem Personal und einer angenehmen Atmosphäre.

Mittagessen gab es schließlich im Hotel-Restaurant Goldgasse. Schon des Öfteren hatten wir abends versucht, einen Tisch zu bekommen, aber entweder war das Lokal oder die Küche noch nicht geöffnet, oder aber man bekam gar keinen Platz mehr. Doch zu Mittag ist die Situation schon etwas anders. Es sind nicht so viele Tische reserviert, und wir waren noch früh genug dran, bevor der größere Ansturm kam. Das Essen dort ist zwar etwas höherpreisig, doch die Qualität stimmt dementsprechend auch. Es kommt dann auch darauf an, wie das Essen präsentiert wird. Auf die Kleinigkeiten, die einen solchen Restaurantbesuch zu etwas Besonderem machen, wird hier geachtet und es lohnt sich immer wieder.

Eigentlich stand an diesem Tag ebenso noch eine Führung an. Doch wie sich herausstellen sollte, war dies gar nicht so einfach. Das Wohnhaus von Mozart hatte genau über dieses Wochenende geschlossen und würde erst später wieder eröffnet werden. Für die allgemeine Führung zu Salzburg mit einem kleinen Spaziergang, den wir eigentlich machen wollten, hätten wir uns anmelden müssen. Die spontane Führung fand dagegen zwei Stunden früher statt. Ich glaube, wir hatten noch etwas anderes im Kopf, aber auch das sollte nicht klappen. So gab es noch einen Tee im Altstadt-Hotel und einen kleinen Spaziergang durch die Getreidegasse.

Doch die nächste Gelegenheit, einen neuen Aspekt von Salzburg kennenzulernen, ist bereits gebucht. Ich werde sicher davon berichten. Die ersten Monate des Jahres sind immer wieder schön, in Salzburg zu verbringen. Es wirkt frisch und anders. Die Hektik der Weihnachtszeit legt sich, Ruhe kehrt ein und es ergeben sich stets Möglichkeiten, Neues zu entdecken. So wie es eben sein sollte.

One Ladekabel to rule them all

Nachdem ich schon seit einigen Monaten wieder Bart trage, in unterschiedlichen Längen, wurde es mal wieder Zeit für eine Glattrasur. Die neuen Haarschneider, die ich mir vor ein paar Wochen für die Bartpflege zugelegt hatte, leisteten dabei gute Dienste. Die alten Rasierer besaß ich schon wieder einige Jahre und man merkte ihnen das auch an. Als ich diese entsorgte, habe ich auch die Schublade unter dem Waschbecken entmüllt. Diese Schublade im Bad, die einigen Platz bietet, nutze ich gerne, um Dinge „temporär“ zu lagern, bis sie irgendwann zum Inventar gehören. Doch manchmal muss die Ordnung wieder hergestellt werden.

Wie sich herausstellen sollte, war ich dabei wohl etwas zu engagiert. Denn nicht nur hatte ich die alten Rasierer und deren Ladekabel entsorgt, ich hatte wohl aus Versehen auch das Ladekabel für den elektrischen Glatt-Rasierer weggeworfen. Da denkt man sich nun, als unbescholtener Bürger: Zum Glück gibt es die EU-Verordnung oder Vorschrift für einheitliche Ladekabel. Wieso sonst hätten alle Elektronikhersteller auf USB-C umgestellt, wenn dann trotzdem noch unterschiedliche Standards vorherrschen würden. Allerdings scheinen Rasierapparate nicht auf dieser Liste an elektronischen Geräten zu gehören.

Zwar besitzen sämtliche Rasierer, die ich habe oder hatte, einen fast identischen Stecker – den mit zwei Anschlüssen, flach und an den Seiten abgerundet – doch eben nur fast. Die Rundungen unterscheiden sich je nach Hersteller, mal ist in der Mitte unten eine kantige, mal eine etwas rundere Aussparung zu finden. So kann ich meinen noch übrig gebliebenen Rasierer partout nicht aufladen, weil es eben doch nicht überall Standards zu geben scheint. Ein Versäumnis, das doch bitte einmal nachgeholt werden sollte. Kopfhörer, Smartphone, Tablet, sogar das Macbook kann ich mit demselben Kabel laden. Nur im Bad muss ich unterschiedliche Anschlüsse parat haben und jedes Mal suchen, was gerade der passende ist, für das Gerät, dass ich in der Hand halte.

Sara Oliveira | Unsplash

Nachverfolgbarkeit

Seit Ende 2021 habe ich ein Journal von der Marke Leuchtturm1917. Darin kann man fünf Jahre lang festhalten, was man jeden Tag so gemacht hat, wie es einem geht und dergleichen. Was man eben in ein paar Sätzen ausdrücken kann. Dabei ist pro Seite ein Tag abgebildet und dieser Tag in jeweils fünf großen Zeilen unterteilt – pro Jahr eine. So kann man die Tage über die Jahre optimal vergleichen und sieht auf einen Blick, was man das Jahr zuvor, vor zwei Jahren und so weiter gemacht hat. Ich mag dieses Fünf-Jahres-Journal sehr gerne. Die Vergleichbarkeit ist wunderbar und es motiviert jeden Tag ein bisschen was aufzuschreiben. Es lassen sich Muster erkennen und Verhaltensweisen beobachten, die man vielleicht anders nicht gemerkt hätte.

Nun mache ich allerdings auch die Homework for Life von Matthew Dicks. Dabei trägt man in einer Tabelle, ich verwende dafür Numbers von Apple, jeden Tag eine Geschichte ein, die man erlebt hat. Man lässt den Tag Revue passieren und macht sich Gedanken. Ziel ist es, wenn ich jemandem fünf Minuten über meinen Tag berichten sollte, was das wäre. In den vergangenen Monaten bin ich mehr dazu übergegangen, einfach reinzuschreiben, was ich gemacht habe. Also eigentlich dasselbe, wie in dem Fünf-Jahres-Journal. Doch es ist ein feiner Unterschied zwischen den beiden Systemen. Das ist einer meiner Vorsätze für dieses Jahr, dass ich mich wieder mehr auf die Storytelling-Aspekte dieser Aufgabe konzentriere.

Jedenfalls vergesse ich durch diese Doppelung an Einträgen manchmal mein Fünf-Jahres-Journal. Oder ich trage in keinem der beiden Systeme etwas ein. Doch ich will eigentlich keinen Tag verlieren. Denn man findet mit der Zeit wirklich jeden Tag etwas, über das man berichten möchte, das erzählenswert ist oder an das man sich einfach gerne erinnert. Ohne diese Übung gäbe es sicherlich nicht diesen täglichen Blog. Aber wenn ich jetzt ein paar Tage vergessen habe, etwas einzutragen, ist es manchmal nicht so leicht nachzuvollziehen, was ich an genau dem Tag getan habe.

Da kommt mir unsere digitalisierte Welt sehr zugute. So lässt sich nicht nur schnell nachvollziehen, was sich den Tag über ereignet hat, sondern die Erinnerung daran ist mit Sicherheit einfacher. Ich kann unter anderem in der Fitness-App vom iPhone sehen, wann ich wo spazieren war und ob ich vielleicht danach noch trainiert habe. Ich kann sehen, welche Podcasts ich gehört habe und durch die verschiedenen Chatverläufe mir auch andere Dinge wieder ins Gedächtnis rufen. Fotos helfen genauso dabei, wie etwaige andere Apps, die man im Laufe des Tages verwendet. So kann ich meine Einträge ins Fünf-Jahres-Journal oder die Tabelle für Homework for Life mit einfachen Mitteln vervollständigen. Es lebe die digitale Welt.

God of War

Sechs Jahre nach Erscheinen von God of War dachte ich mir, es ist Zeit, diese scheinbar großartige Neuauflage der geliebten Playstation-Spielreihe selbst zu erleben. Ich kann nicht einmal genau sagen, warum ich so lange gewartet habe. Die ursprüngliche God of War-Trilogie habe ich geliebt und nicht nur einmal durchgespielt. Den dritten Teil habe ich sogar platiniert.

Ich kann mich noch erinnern, dass man für die Platin-Trophäe von God of War III das Spiel auf dem schwierigsten Schwierigkeitsgrad durchspielen musste. Genau dieser letzte Durchgang des Spiels hat mir noch gefehlt. Ich bin recht gut durchgekommen, bis zu einer Stelle, wo man gegen den dreiköpfigen Hund antreten musste (Zerberus). Ich habe es unzählige Male probiert und bin immer wieder gescheitert, bis ich dachte, ich muss dieses Unterfangen abbrechen. Eine kurze Internet-Recherche hat allerdings ergeben, dass es in der ersten Version des Spiels einen Bug oder etwas Ähnliches gab, den man ausnutzen konnte, um sich diesen Kampf einfacher zu machen. Ich habe also das Spiel gelöscht (weil der Bug mit einem Update gefixt wurde) und neu installiert, ohne es zu aktualisieren. So kam ich schließlich also doch an diesem vermaledeiten Hund vorbei und habe mir meine Platin-Trophäe abgeholt. Der Rest des Spiels war zwar ebenfalls nicht gerade leicht, aber nichts hat mich so sehr genervt und vor eine Herausforderung gestellt wie dieser Hund. Wenn ich mich richtig erinnere, startete ich den Kampf auch immer mit sehr wenig Leben oder es gab etwas anderes, was diesen Kampf schwieriger machte. Jedenfalls werde ich das so schnell nicht mehr vergessen. Und das Spiel ist mittlerweile schon 14 Jahre her.

Aber zurück zur Neuauflage von 2018. Nachdem ich Elden Ring mehrmals durchgespielt habe und am Steam Deck Spiele wie Vampire Survivors oder Blasphamous II genieße, wollte ich mal wieder ein richtig gutes Story-Game. Ein Spiel, das nicht nur durch großartige Charaktere besticht, sondern durch gut designte Welten, einen tollen Soundtrack; das eine wirklich mitreißende Geschichte erzählt. Wohin wendet man sich da also? Richtig, Sony. Die Last of us-Reihe ist großartig und Horizon muss sich ebenso wenig verstecken (auch wenn ich die beiden Spiele der letztgenannten Reihe ebenso erst noch spielen muss) – das Studio liefert immer wieder bahnbrechende Spiele ab. God of War Ragnarök gilt als Meilenstein der Spielgeschichte, also blieb mir nichts anderes übrig, als mit dieser Reihe meinen Neueinstieg zu wagen.

Kratos hat sich mittlerweile von seinen griechischen Wurzeln losgesagt und ein Leben in der nordischen Mythologie aufgebaut (in a new realm). Ein einfaches Leben als Ehemann und Vater. Seine Frau ist erst kürzlich gestorben und ihr letzter Wille war es, am höchsten Berg bestattet zu werden. Also macht sich Kratos mit seinem Sohn Atreus auf, die Asche der Mutter auf ebendiesem Berg zu verstreuen. Doch es wäre nicht God of War, wenn sich Kratos nicht unfreiwillige Feinde machen würde. So wird es ein schwieriger Aufstieg und eine lange Reise durch die Welten der nordischen Mythologie, und man trifft auf jede Menge cooler Charaktere, die man zum Teil wiedererkennt, von anderen Geschichten, die sich dieser Erzählungen bedienen. Man reist von Midgard nach Alfheim, Niflheim und in andere Welten entlang des Weltenbaumes Yggdrasil. So muss nicht nur Atreus über sich hinauswachsen und lernt seinen Vater von einer neuen Seite kennen, auch Kratos muss lernen, sich seinem Sohn gegenüber zu öffnen. Ihm seine Wurzeln näher bringen.

Als Erstes fällt einem die fantastische Grafik auf. Das Spiel erhielt, wenn ich mich recht entsinne, ein PS5-Update, aber kein richtiges Remake oder Remaster. Trotzdem sieht das Spiel besser aus, als so manche aktuelle Spiele, die einen ähnlichen Grafik-Stil verfolgen. Besonders auf Kratos wurde viel Wert gelegt, dass sein Charakter detailliert und echt aussieht. Die Welt um ihn herum, allen voran natürlich sein Sohn, steht dem allerdings um nichts nach. Dafür sorgen auch die großartigen Schauspieler bzw. Synchronsprecher. Christopher Judge als Kratos passt, wie ein Kettenschwert zu einem Space Marine – a match made in heaven. God of War beweist, was möglich ist, wenn man sich auf eine Konsole spezialisiert und alles aus ihr herausholt. Man merkt die Liebe zum Detail und dass den Machern die Reihe wichtig ist. Das war schon bei den alten Spielen der Fall. Nun bin ich sehr gespannt, wie Ragnarök aussehen wird.

Die Steuerung ist durchaus intuitiv, allerdings komplexer als noch bei den Vorgängern. Was natürlich an der Art des Spiels liegt. Die Neuauflage ist ein Third-Person-Action-Rollenspiel. Die alten waren zwar auch Third-Person, aber im Hack-and-Slay-Genre zu verorten. Atreus hilft in den Kämpfen ordentlich mit und es macht großen Spaß, mit ihm die Welt von Midgard und Co. zu erkunden. Die Geschichte entfaltet sich in einem angenehmen Tempo, und wir treffen immer mehr interessante Gestalten, die die beiden auf der Reise begleiten oder unterstützen.

Es gibt so einige Nebenmissionen, die man erledigen sollte, um bessere Ausrüstung zu bekommen und entsprechend aufleveln zu können. Diese Nebenmissionen sind jedoch kurzweilig und vertiefen die Geschichten der Charaktere und der Welt. Was allerdings etwas sauer aufstößt, ist der Schwierigkeitsgrad. Es gibt in God of War eine Art Hub, in den man immer wieder zurückkehrt und der sich im Laufe des Spiels verändert. Wenn man hier neue Gebiete freischaltet, will man diese natürlich erkunden. Atreus bestärkt einen sogar darin, dass man das tun sollte. Mit dem kleinen Ruderboot macht man sich also auf den Weg. Allerdings stößt man hierbei immer wieder auf Gegner, die mehrere Level über Kratos derzeitiger Stufe sind und mit uns den Boden aufwischen. Das frustriert und ist ungeschickt gelöst. Warum Gebiete freischalten und zum Erkunden aufrufen, wenn man nur gegen eine künstliche Level-Mauer rennt?

Ebenso hätte man das Erzeugen und Upgraden von Rüstungen etwas einfacher gestalten können. Es gibt sehr viele verschiedene Materialien, Rüstungsgegenstände und Möglichkeiten, diese mit Buffs und Fähigkeiten auszustatten. Ebenso die Waffen, die man findet. Das lenkt für meinen Geschmack etwas zu sehr von der Geschichte ab und ist mir zu komplex. Auch, dass man immer wieder in frühere Gebiete zurückkehren muss, um Kisten zu öffnen, die zuvor unzugänglich waren, weil man eine bestimmte Fähigkeit dafür benötigt, ist nicht ganz mein Stil. Das geht bei Metroidvania-Spielen, weil es hier zum Konzept gehört, aber bei God of War muss ich das nicht unbedingt haben.

Bis auf das Thema mit dem Schwierigkeitsgrad sind das allerdings Kritiken auf einem hohen Niveau. Im Nachhinein frage ich mich, warum ich so lange mit diesem großartigen Spiel gewartet habe. God of War ist ein würdiger Nachfolger und eine tolle Fortsetzung der Reihe. Die alten Teile und die früheren Geschichten werden nicht ignoriert, sondern geschickt in diese Neuauflage integriert. Atreus ist eine tolle Ergänzung und keinesfalls ein nerviger Begleiter, wie es bei manch anderen Spielen der Fall wäre.

Zum Schluss möchte ich noch ein Video empfehlen. Und zwar von der damaligen Ankündigung von God of War. Das war 2016 auf der E3. Ich habe das damals, glaube ich, gar nicht so mitbekommen. Aber Spiele sollten öfter auf diese Weise vorgestellt werden. Besonders, wenn diese Spiele eine so reichhaltige und lange Geschichte haben wie God of War. Wirklich fantastisch gemacht.

MCU Rewatch | Thor: The Dark World

Bisher hatten es zweite Teile im MCU wirklich nicht leicht. Mir kommt es so vor, als ob The Dark World zwar nicht ganz so schlecht aufgenommen wurde wie Iron Man 2, er musste allerdings einiges an Kritik wegstecken. Laut Wikipedia hatte das zweite Abenteuer von Thor die niedrigste Bewertung eines MCU-Films bei Rotten Tomatoes, bis Eternals 2021 in die Kinos kam. Beide haben das, meiner Meinung nach, nicht verdient. Besonders wenn man sich die Ereignisse ansieht, die sich im Film abspielen, finde ich The Dark World noch sehr viel gelungener als kommende Einträge in diesem Franchise.

Doch fangen wir mit dem Titel des Films an: The Dark World. Nichts dabei. Nur, dass er für die deutsche Ausstrahlung in The Dark Kingdom geändert wurde. Ich habe mich noch nie intensiver mit dem Abändern von Filmtiteln auseinandergesetzt. Allerdings habe ich es noch nie verstanden, dass man für die deutsche Vermarktung einen vorhandenen englischen Titel durch einen anderen englischen Titel korrigiert. Gleiches war übrigens bei Mission: Impossible – Ghost Protocol der Fall, der für den deutschsprachigen Markt den Zusatz Phantom Protokoll bekam. Sehr seltsame Entscheidungen, die manchmal zu mehr Verwirrung führen als zu mehr Klarheit. Aber andere Märkte haben ja ähnliche Vorgehensweisen, wie wir beim ersten Avengers-Film gelernt haben.

Kommen wir aber zurück zu Thor. Dieses Mal ist es Jane, die sich nach Asgard begeben darf und dort so eine Art fish-out-of-water-Situation erlebt. Odin plant natürlich sie gleich wieder wegzuschicken, ein paar Klischees müssen eben doch erfüllt werden, sieht aber schnell ein, dass es sehr wohl ihr aller Problem ist. Dass der Infinity Stone hier eine Art Äther ist, der schwebt und in der Gegend herumfliegt und kein tatsächlicher Stein ist durchaus eine nette Idee. Ich kann mich gar nicht mehr erinnern, ob erklärt wird, wie Thanos ihn in Steinform bringt, aber man muss ja nicht alles erklären.

Malekith als Gegenspieler bleibt leider nicht besonders nachvollziehbar. Seine Ziele sind zu abstrakt, werden nicht genau erklärt. Es heißt lediglich, dass er das Universum in Dunkelheit stürzen will. Dabei ist das eigentlich nicht richtig. Er will in das vorherige Universum zurück, das vor diesem hier bestand. Wenn ich das richtig verstanden habe, ist er, genauso wie der Äther, älter als das Universum selbst und findet sich in diesem neuen Zustand nicht zurecht – Veränderungen sind grundsätzlich immer schlecht, wie wir alle wissen. Ich weiß nicht, ob er in den Comics mehr Hintergrundgeschichte bekommt, aber das besser hervorzuheben und genauer zu formulieren, was er möchte, hätte dem Film sicherlich gutgetan. Genauso wie ein besseres Finale.

Der letzte Kampf zwischen unserem heldenhaften Team rund um Jane, Erik, Thor, Darcy und dem Azubi, sowie dem Bösewicht Malekith, der durch die Kraft des Äthers verstärkt wird, ist etwas enttäuschend. Der Dunkelelf bekommt ein paar Gliedmaßen weg-teleportiert und schon ist er besiegt. Auch wenn ich grundsätzlich ein Duell der Geister schätze (Stargate hat das Beispielsweise wunderbar gemacht, als sich Daniel Jackson mit dem Kollektiv der Replikatoren angelegt hat), wäre hier vielleicht mehr Blitz und Hammer-Action von Vorteil gewesen. So endet der Film recht abrupt und man kann den Sieg nicht wirklich genießen, genauer gesagt auskosten. Er fühlt sich nicht so verdient an.

Dann haben wir noch überraschenderweise zwei Tode im Film. Als Erstes verlieren wir leider Frigga (Rene Russo). Sie stirbt im Kampf mit Malekith. Dieser Kampf hätte ebenfalls etwas ausführlicher sein können. Allerdings spürt man ihren Tod durchaus deutlicher, da er sehr überraschend kommt. Mit dem Begräbnis, der Betroffenheit der Charaktere und der Musik kann der Verlust der Mutter wirken. Das Begräbnis zu See ist fantastisch gestaltet und man fühlt die Wucht der Verluste; toll gemacht. Es geht nicht gleich weiter, sondern man trauert. Auch wenn es später nie wieder zur Sprache kommt.

Beim scheinbaren Tod von Loki ist das ganz anders. Thor verliert zwar seinen Bruder, macht aber dann gleich mit dem Kampf weiter, reißt Sprüche und ist locker drauf. Für ihn ist er doch weg, wir bekommen das allerdings nicht wirklich zu spüren. Vielleicht hätte man mit der Auflösung etwas warten sollen. Was Loki mit Odin gemacht oder wie er sich ihm entledigt hat, wird leider auch nicht erklärt. Darauf müssen wir wohl bis zum nächsten Film warten.

Für mich ist, trotz der genannten Schwächen, Thor – The Dark World ein solider Eintrag ins MCU. Er macht Spaß zu schauen, lässt Momente auf die Zuschauer wirken und findet eine gute Balance. Die Charaktere sind weiterhin großartig besetzt und geschrieben. Alle bekommen ihren Moment im Rampenlicht, ohne dass sie sich gegenseitig im Weg stehen. Selbst Mjölnir wird zugestanden, ein wenig Situationskomik mitzubringen. Selbst die Post-Credit-Szene, die auf Guardians of the Galaxy anspielt, ohne auf diese wirklich einzugehen, ist großartig. Das sind Easter Eggs, die ich gerne sehen mag. Sie passen zum Film, geben etwas mehr Kontext, teasern aber gleichzeitig etwas Neues an, ohne zu sehr abzulenken.

Eiswelten

Es mag zwar kein Schnee liegen, trotzdem sieht man in der kalten Jahreszeit immer wieder weiße Felder und Bäume. Das ist das wunderbare, wenn es in der Nacht so bitterkalt wird und auch am Tag die Sonne nicht ihre volle Kraft entfalten kann. In den Schatten der Bäume bleiben Eiskristalle zurück und decken die Landschaft in einen leichten Hauch von weiß. Da konnte ich natürlich nicht anders, als ein paar Bilder zu machen.

Auf meiner typischen Spazierrunde am Wochenende habe ich vor nicht allzu langer Zeit ein paar Motive gewählt, die mir besonders gefallen haben. Manche mögen nicht viel zeigen, weil ich einfach nur ein Stück Gras fotografiert habe, aber die Kristalle sehen trotzdem hübsch aus. Leider wird das Foto mit dem Weg, der durch den Wald führt, der Realität nicht ganz gerecht. Es lag viel mehr Nebel über dem Ganzen und es sah sehr mythisch aus. Nachdem der Dezember über lange Zeit eher grau und düster war, tut es richtig gut, die vielen Sonnentage zu genießen. Hoffentlich bleiben sie uns noch eine Weile erhalten.

Traditionen entwickeln

Ab wann zählt etwas als Tradition? An Silvester bin ich nunmehr schon zum zweiten Mal zu Freunden nach Stuttgart, genauer gesagt Tübingen gefahren. Für mich ist es eine schöne Art, das Jahr abzuschließen und ein neues zu beginnen. Ich weiß heute schon, am Abend des 1. Januar, wo ich diesen Text hier verfasse, dass ich für den nächsten Jahreswechsel wieder dorthin fahren werde. Es ist auf etwas, das ich mich verlassen kann, das einen ähnlichen Ablauf hat – jedes Mal. Doch trotzdem ist es immer wieder schön, es werden neue Dinge probiert, die Themen ändern sich, über die gesprochen wird. Andere Aspekte wiederum laufen nach einem ähnlichen Schema ab, wiederholen sich und geben dem Ganzen eine Rahmung.

Vielleicht ist das, was für mich eine gelungene Tradition ausmacht. Etwas, das sich für einen selbst und die Menschen darum herum entwickelt hat. An dessen Gestaltung man mitwirken kann. Die Stabilität einer etablierten Tradition, die allerdings trotzdem nicht festgefahren ist, die mit der Zeit und den Menschen mitgeht. Menschen entwickeln sich weiter, verändern sich, lernen hoffentlich neue Dinge kennen und lassen andere Perspektiven zu. Traditionen können so natürlich weitergegeben und übernommen werden, doch sollten sie stets flexibel genug sein.

Deshalb mag ich am Ende des Jahres das Konzept von Weihnachtsfeiern. Man setzt sich mit Kolleginnen und Kollegen zusammen. Spricht über die Arbeit, was gut und was schlecht gelaufen ist, widmet sich jedoch genauso privaten Themen. Ein Revue passieren lassen des Jahres und Wünsche an das neue werden gerichtet. Weihnachtsfeiern gibt es allerdings ebenso im privaten Bereich. Mit Freund J. hat sich unter anderem eine Tradition entwickelt, dass wir jedes Jahr vor Weihnachten noch einmal essen gehen.

Das ist etwas, was wir fast jede Woche machen, mit Führungen, in neuen Lokalen oder an etablierten Plätzen. Trotzdem ist es vor Weihnachten noch einmal etwas Besonderes, da es wahrscheinlich das letzte Mal in diesem Jahr sein wird. Die Stimmung ist anders, das Herangehen auf eine Weise entspannter. So hektisch manche in der letzten Arbeitswoche sind oder vor Weihnachten noch etwas erledigen wollen, so entspannt wird es mit der Zeit auch.

Das ist doch das schöne, wenn man erwachsen ist. Man kann selbst entscheiden, welche Traditionen es wert sind, fortgesetzt zu werden und welche lieber ad acta gelegt werden sollten. Mit welchen Menschen man seine Zeit verbringen möchte. Weihnachten gehört für mich der Familie, Silvester ist etwas anderes. So soll für mich das Jahr enden, mit den Menschen, die mich mitunter am besten kennen. Mit denen ich lache, aber genauso über tiefgründige und sehr persönliche Dinge sprechen kann. So kann das neue Jahr positiv starten. Denn egal, was die Weltlage bringen wird, ich kann es zum einen ohnehin nicht beeinflussen. Und zum anderen weiß ich, ich habe Menschen in meinem Leben, mit denen sich schwierige Zeiten durchstehen lassen.

Anna Kutokova | Unsplash

Neues Jahr, neues Glück

Man traf sich am Wochenende erneut in Salzburg zu einem kulinarischen Erkundungstrip. Das Jahr endete am letzten Abend in der Weinbar so wunderbar köstlich, da durfte natürlich das neue Jahr nicht anders losgehen. Meine Hoffnungen, dass es eventuell nicht so zugehen würde, wie vor Weihnachten oder zwischen den Jahren, haben sich allerdings recht schnell erübrigt. Die Lokalbahn beförderte eine ganze Wagenladung voller Menschen in den Salzburger Hauptbahnhof, wo sich dann schnell alle ihre entsprechende Richtung suchten und ihrer Wege gingen.

Ich war sehr froh über meine Kleidungswahl. Habe ich mich doch statt des üblichen Hemdes für den zu Weihnachten bekommenen, gemütlichen und dicken Pullover entschieden. Die wehenden Winde reduzierten die gefühlte Temperatur deutlich, so fanden wir uns schnell in einem beheizten Shop ein, der in der Nähe des Doms liegt. Man findet direkt neben dem Museumscafé das Salzburger Heimatwerk. In deren Keller gibt es aktuell eine kleine Ausstellung des Künstlers Johann Weyringer, der jedes Jahr ein neues weihnachtliches Motiv malt. Meistens handelt es sich um Interpretationen der Krippenszene. Die Bilder sind äußerst bunt und gefallen nicht schlecht, vor allem weil es durch die abstrakteren Darstellungsweisen immer wieder Neues zu entdecken gibt. Jedoch wären mir die Bilder für das eigene Wohnzimmer zu unruhig, da braucht es schon eine kleine Galerie dafür. Ganz abgesehen von den Preisen für die verschiedenen Drucke der Bilder.

Nachdem der kulturelle Teil des Abends damit beschlossen war, fanden wir uns im gemütlichen Wintergarten des Stieglkellers wieder. Der Ausblick am Nachmittag, mit einem dunkelblauen Himmel, den Gebäuden, die Scheinwerfern wunderbar beleuchteten, bot beeindruckende Motive und ich konnte nicht umhin, ein paar Bilder zu machen. Auch auf dem Weg zum Gasthaus Hinterbrühl konnte ich noch ein paar hübsche Bilder der Burg ergattern. Der Blick hoch auf den Mönchsberg vom Winkel aus dem Bereich Arnsberg bietet sich einem nicht jeden Tag. Der Berg wirkt ob der steilen Klippen höher und die Festung noch einmal imposanter.

Nach einem hervorragend zubereiteten Wiener Schnitzel, das so dünn geklopft war, dass man es fast übersehen könnte – so wie es sich eben gehört – und einer Panade, die Beulen formte, die selbst eine Luftpolsterfolie neidisch machen, ging es selbstverständlich Richtung Weinbar. Wie jeder weiß, schließt Käse immerhin den Magen und wenn man dazu noch einen großartigen australischen Wein präsentiert bekommt, der unterschiedlichste Traubenarten miteinander vereint, sodass ein fruchtiger, vielseitiger Geschmack entsteht, kann man den Abend bei heiteren Gesprächen über die seltsamen Verhaltensweisen der hiesigen Politiker*innen angenehm ausklingen lassen.

Die Erkenntnisse über die überraschend schwierigen Koalitionsverhandlungen und dass es sehr wohl ausreicht, eine Koalition zu schließen, wenn auch mit so einigen größeren Kompromissen, um einen Herrn dessen Name sich auf Wickl reimt, nicht zum Bundeskanzler ernennen zu müssen, erspare ich den geneigten Leser*innen. Immerhin hatte man gerade noch den leckeren Geschmack des Weins im Mund, verbunden mit dem wunderbar aromatisch-cremigen Genuss eines Trüffel-Käses. Gereicht mit Oliven und einem knusprig weißen Baguette, das in ein Olivenöl getunkt wird, so mild und wunderbar grün-gold glänzend, man möchte es am liebsten einfach so aus der Schüssel schlürfen. Das neue Jahr kann also kommen. Kulinarisch wird es auf jeden Fall ein Fest.