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Haare und Bürsten

Was man sich im Eifer des Gefechts nicht alles einreden lässt. Aber wenn es hilft, dann macht man es doch gerne. Auch wenn es teuer scheint. Zudem investiert man einmal richtig und hat es dafür jahrelang. Wer billig kauft, kauft zweimal – ist das nicht der Spruch, der teure Anschaffung rechtfertigen soll? Es ist für das eigene Wohlbefinden, eine Kur für zu Hause quasi.

Neulich war ich beim Friseur, es ist mittlerweile ein paar Wochen her. Ich habe gefragt, ob sie Tipps hätte, wie ich morgens meine Haare schnell und einfach pflegen und stylen kann. Aktuell trage ich sie an den Seiten sehr kurz und oben länger – es geht in die Richtung Undercut. Meine Morgenroutine besteht im Grunde daraus, mit den Händen zu versuchen, das nächtliche Chaos in den Griff zu bekommen und halbwegs vorzeigbar auszusehen. Das erübrigt sich im Winter allerdings rasch wieder, wenn man eine Mütze aufsetzt, um sich gegen die Kälte zu wehren, die vor allem kurz vor sechs Uhr morgens, wenn ich das Haus verlasse, erbarmungslos bis tief in die Knochen vorrückt und man noch leicht verschlafen in Richtung Zug taumelt und hofft, diesen nicht zu verpassen oder dass zumindest die regelmäßigen Verspätungen einem zur Abwechslung mal etwas Gutes tun.

Jedenfalls will ich aktuell (noch) nicht auf meine typische Kurzhaarfrisur zurück. Seit Monaten und Jahren gehe ich schon zur selben Friseurin; wir kennen uns und sie ist eine der kompetentesten, die es in der Umgebung gibt. E. hat also den zugegebenermaßen indirekten Vorschlag unterbreitet, ich sollte vielleicht mit einer Wildschwein-Bürste arbeiten. Die pflegt nicht nur die Kopfhaut, sondern ebenso das Haar mit Hilfe der natürlichen Prozesse, die über Nacht auf der Kopfhaut stattfinden. Hört sich alles sehr fancy und schlüssig an. Kurzerhand nachgefragt, wo ich so eine bekomme (bei ihr natürlich) und am Ende der Session war ich im Besitz einer 150 € Haarbürste.

Ich meine, sie sieht wirklich toll aus, ist handgemacht, aus einem hübschen Stück Holz. Die Wildschweinhaare sind verkehrt herum in die Bürste eingebracht, um das Haar richtig kämmen zu können und die Kopfhaut zu pflegen. Es sind Pflegeprodukte dabei, damit die Bürste auch lange hält und alles kommt in einer schicken Holzkiste verpackt. Seitdem bürste ich mich jeden Morgen damit und bin mit dem Ergebnis recht zufrieden. Es ist nicht nur angenehm, es stylt das Haar auch wunderbar. Es bleibt genau in der Form, die ich haben möchte. Ob es unbedingt eine 150 € Wildschwein-Bürste sein muss, weiß ich nicht, aber man gönnt sich ja sonst nichts und das Weihnachtsgeld will ja schließlich ausgegeben werden. Man gönnt sich ja sonst nichts (außer vielleicht einem Steam Deck OLED, aber das ist eine andere Geschichte).

Noch ein Steam Deck

Mittlerweile ist es schon wieder über zwei Jahre, dass das Steam Deck erschienen ist. Valve hat mit einer Handheld-Konsole einen Trend gestartet, der bis heute anhält und immer leistungsfähigere Geräte nach sich zieht. Seit Jahrzehnten dominiert Nintendo den mobilen Gaming-Markt. Das Problem war nur, dass man damit nur Nintendo-Spiele spielen konnte. Eine Alternative, mit der man die eigene Steam-Bibliothek mit sich tragen konnte, hat noch gefehlt. Dieser Missstand gehört nun allerdings der Vergangenheit an. Man kann zwischen 500 € und 2.000 € für eine Handheld-Konsole ausgeben, je nachdem welchen Zweck sie erfüllen und welche Leistung dahinterstecken soll.

Vor zwei Jahren habe ich bereits ein Steam Deck mit LCD-Display getestet. Ich habe mir neue Spiele gekauft und Sales auf Steam ausgenutzt. Doch irgendwie wollte sich keine so richtige Spiellaune einstellen. Zwar habe ich damit das großartige Stray gespielt und so manch anderes Zeug probiert, doch wollte sich keine Routine einstellen. Ich habe es schließlich wieder verkauft. Nachdem ich inzwischen wieder mehr Zeit damit verbringe, Spiele zu spielen – auf der PS5 und der Xbox – wollte ich wieder einen Zugriff auf meine Steam-Bibliothek. Ein Gaming-PC war mir allerdings zu viel Geld. Also habe ich mich nach den aktuellen Handhelds erkundigt.

Das Asus Rog Ally X fiel mir dabei sehr schnell auf. Allerdings hatte es gemischte Rezensionen, was die Leistung, genauer gesagt die Verlässlichkeit des mobilen Windows anbelangt. Auch andere Handhelds hatten dieses Problem oder aber sie kosteten tausend Euro und mehr. Da kann man sich gleich einen PC kaufen. Also bin ich wieder auf das Steam Deck zurückgekommen. Dieses Mal allerdings auf dasjenige mit OLED-Display, welches nicht gleich von Anfang an verfügbar war. Es wurde die 512 GB Variante, da ich noch meine alte SD-Karte von meinem vorherigen Gerät hatte. Zwar hätte mich die weiße Limited Edition ebenso gereizt, aber der Aufpreis war es einfach nicht wert.

Nun habe ich das Steam Deck OLED mit 512 GB schon wieder seit ein paar Wochen zu Hause und bin sehr begeistert. Man kann zwischendurch eine Runde in Vampire Survivors spielen oder sich durch die fantastische Welt von Blasphamous II kämpfen. Es laufen aber ebenso Spiele wie Elden Ring oder The Witcher III darauf. Woran ich mich noch gewöhnen muss, ist die Steuerung. Die Art, wie man die seitlichen Controller-Teile hält, könnte Valve in einer zweiten Version gerne noch etwas ergonomischer gestalten und sich mehr an den Konkurrenten Xbox bzw. Playstation orientieren. Die 512 GB reichen vollkommen aus – man muss ja schließlich nicht immer die gesamte Bibliothek mit sich führen. Im Zweifel kann man natürlich Spiele auf die SD-Karte auslagern. Der OLED-Bildschirm ist großartig und die Lautstärke des Lüfters kommt mir leiser vor, als noch beim vorherigen Modell mit LCD (aber das kann auch Einbildung sein).

Aktuell bin ich sehr zufrieden mit dem Steam Deck und werde mir das hier sicherlich behalten und nicht gleich wieder verkaufen. Ob ich es wirklich auf Reisen mitnehmen werde, kann ich bisher nicht beantworten. Das hängt stark von der Art der Reise ab. Mobil spielen zu können, ist allerdings etwas Reizvolles. Es gibt die Steam Decks mittlerweile ebenso als Refurbished Varianten von Valve; also wiederaufbereitete Geräte, die zurückgeschickt wurden. Da kann man noch etwas Geld sparen. Wobei die 569 € für das Einsteiger-OLED-Modell im Vergleich mit den anderen Herstellern ein wirklich fantastischer Preis ist. Interessant wird es, wenn auch andere Hersteller das von Valve entwickelte SteamOS Betriebssystem verwenden dürfen. In den nächsten Jahren kommen sicherlich spannende Geräte dabei heraus.

Alexander Andrews | Unsplash

MCU Rewatch | Iron Man Three

Mit Iron Man 3 beginnt die zweite Phase des MCU. Bis heute ist es der letzte Solo-Auftritt von Robert Downey Jr. als Iron Man und wird es vermutlich auch bleiben. Umso erstaunlicher ist es, dass seine Präsenz im MCU trotzdem dermaßen spürbar ist. Allerdings ist der Film nicht gerade unumstritten oder ohne seine kontroversen Entscheidungen. Besonders beim ersten Mal, als ich den Film damals im Kino sah, ging ich eher enttäuscht wieder raus. Mit der Zeit wird der Film allerdings besser, vor allem wenn man den Twist kennt. Bis dorthin ist es allerdings zweifelsohne ein brillanter Eintrag ins MCU.

Iron Man 3 gelingt das, woran der Vorgänger scheiterte: eine glaubwürdige Darstellung der Belastungen, die die Erfahrungen in New York nach sich ziehen. Tony steigert sich nicht nur in die Konstruktion und den Bau immer neuer Anzüge, er ist regelrecht abhängig davon. Des Weiteren hat er immer wieder Panikattacken, will sich nicht einmal an die Situationen und seinen temporären Ausflug in die Weiten des Weltalls erinnern lassen. Er kompensiert es, indem er in alte Muster zurückfällt, bis ihn der Mandarin dazu zwingt zu reflektieren und sich auf seine Talente und Fähigkeiten zu besinnen. Er ist so viel mehr als Iron Man.

Die Szenen im verschneiten Tennessee sind fantastisch und stimmungsvoll umgesetzt. Der junge Harley als Counterpart nicht nur gut gecastet, sondern eine wunderbare Ergänzung zu Tonys mentalen Zustand. In dem Sinn, dass er ihm Paroli bieten kann, ihn auf die richtige Art herausfordert und aus den Reserven lockt. Die dann kommende Bedrohung wird somit persönlicher, intimer und es ist nicht gleich wieder die gesamte Welt bedroht. Es ist eine großartige Idee, nach den großen, weltumspannenden Krisen wieder auf bodenständige Abenteuer und Probleme zurückzukehren. Vielleicht etwas, was sich Marvel hätte merken sollen, für spätere Phasen. Denn nach Endgame hätte es mehr dieser intimeren Filme benötigt. Die großen Bedrohungen müssen erst wieder aufgebaut und verdient werden. Es kann nicht immer um die Rettung der Welt gehen.

Dieses intimere Erzählen von Geschichten setzt sich ebenso mit den Nebencharakteren fort. Pepper und Aldritch beispielsweise und Peppers Konflikte mit Tony. Natürlich ist in dieser Situation jemand anziehend, der sich mehr für sie interessiert. Pepper wird allerdings nie ihre Autonomie aberkannt, was schließlich im Finale damit endet, dass sie zur Abwechslung Tony das Leben rettet. Happy liegt zwar den halben Film im Krankenhaus, trotzdem nimmt er einen angenehmen Platz im Film ein. Seine Charakterstärke und der Drang, Tony zu unterstützen, etwas beizutragen, zeigen sich in den anfänglichen Szenen bis zum Attentat sehr deutlich. Rhodey darf sich ebenfalls weiterentwickeln, bleibt aber eher im Hintergrund. Trotzdem will ich ihn nicht missen und seine Rolle wird mit den kommenden MCU-Filmen weiter ausgebaut.

Kommen wir nun zu den beiden Gegenspielern oder dem einen Bösewicht, der zwei Rollen einnimmt. Aldritch als Extremis ist einem vergleichsweise jungen Comic entnommen worden (2005). Pearce stellt ihn wunderbar dar. Der Charakter ist elegant geschrieben und eignet sich als perfekter Drahtzieher hinter dem Mandarin. Kingsley als Mandarin ist brillant, und ich hätte mir gewünscht, es wäre der echte gewesen. Die TV-Einspieler im Film, die Monologe und One-Liner spricht Kingsley mit genau dem richtigen Maß an Gravitas. Einfach fantastisch unheimlich. Ich würde mir wünschen, dass er noch einmal die Rolle einnehmen darf, aber dieses Mal richtig. Scheinbar gibt es ja irgendwo den richtigen Mandarin im MCU – mal sehen, ob wir ihn auch antreffen werden.

Doch nicht nur die Geschichte, alles darum herum verstärkt die Sogwirkung des Films. Die Effekte können sich noch immer sehen lassen. All die unterschiedlichen Anzüge, die Tony entwickelt hat, teasern perfekt zukünftige Ereignisse an – allen voran der Hulkbuster. Die Musik hat den richtigen Retro-Touch, übertreibt es allerdings nicht. Und die Cinematographie fängt all das wunderbar ein. Wir erhalten tolle Bilder – den Film in der Weihnachtszeit anzusiedeln, war dafür die richtige Entscheidung. Bis auf den Twist bezüglich des Mandarin (den ich mittlerweile hinnehmen und akzeptieren kann) halte ich Iron Man 3 für einen der besten MCU-Filme (etwas, was ich wahrscheinlich noch des Öfteren schreiben werde). Er macht immer wieder Freude und schickt unseren Helden auf eine schmerzliche, aber lehrreiche Reise. Er darf sich weiterentwickeln und alle Beteiligten gehen stärker, ehrfahrungsreicher aus diesem Abenteuer heraus.

Beeindruckende Bilder

Seit ein paar Monaten habe ich ein Unsplash-Abo. Ich nutze die Bilder gerne für Texte hier im Blog oder auch andere Projekte. Manchmal begegnen mir auch einfach beeindruckende Bilder, die ich als Hintergrundbild verwende. Es ist eine sehr vielfältige Plattform, und wenn man sich etwas durch das üppige Archiv klickt, sucht und gräbt, findet man zu jedem Thema etwas Passendes. Man darf sich eben nicht mit dem erstbesten Bild zufriedengeben, das man findet. Auch wenn ich mich manchmal selbst dieser Taktik schuldig mache. Außerdem kann ich so die Fotografinnen und Künstlerinnen etwas unterstützen.

Alljährlich gibt es auf der Webseite Awards für verschiedenste Kategorien. Ich habe die Gewinner 2024 unten verlinkt. Es lohnt sich, einen Blick dort reinzuwerfen. Es sind wirklich tolle Ergebnisse dabei. Manches sind Fotos, die wirklich geschossen wurden, anderes sind Zeichnungen, Grafiken oder 3D-Renderings. Kreativität kennt eben keine Grenzen. Und wenn es klar ersichtlich ist, durch die Beschreibung beispielsweise, um was es sich handelt, finde ich keine Techniken oder Tools verwerflich. Aber eine KI-Debatte möchte ich hier nicht eröffnen. Es geht um die Unsplash Awards 2024 und wirklich tollen Ergebnisse der Künstler*innen.

Mich hat unter anderem das Bild des Jaguars nachhaltig beeindruckt – es dient seit Wochen als Wallpaper auf meinem iPhone. Tiere zu fotografieren und festzuhalten ist eine besondere Art der Fotografie, die mich immer wieder begeistert. Ich habe sogar einen Wildlife-Photography-Newsletter abonniert. Aber nicht nur der Jaguar hat es in sich. Das 3D-Rendering des trockengelegten Schiffes lädt zum Nachdenken ein. Zuerst dachte ich, es wäre ein Foto. Bei einem kurzen Blick fällt einem nichts Besonderes auf. Man fragt sich vielleicht nur, ob ein Schiff wirklich so stehen kann, aber das war es auch schon. Zu lesen, dass es sich tatsächlich um ein generiertes Bild handelt, inspiriert noch einmal etwas mehr. Denn dies hat sich jemand ausgedacht. Es gab ein Bild im Kopf, welches durch die digitalen Tools unserer Zeit Realität werden konnte.

Alex Shuper | Unsplash

Buchdruck (Jahr 1)

Ich habe ein Buch geschrieben! Na ja, fast. Nachdem das erste Jahr dieses täglichen Blogs abgeschlossen war, habe ich mir gedacht, das muss gefeiert werden. Zwar verpasste ich im ersten Monat ein paar Tage, da ich Corona bekam und noch nicht wirklich einen Puffer an Texten aufgebaut hatte, aber das sollte mich nicht daran hindern, mein erstes Jahr zu feiern. Immerhin habe ich seitdem jeden Tag einen Text veröffentlicht. Aktuell stehe ich bei über 430 veröffentlichten Texten und noch sehr viel mehr geplanten. Am Beginn des zweiten Jahres dachte ich, dass die Luft raus wäre, doch das waren nur vorübergehende Ermüdungserscheinungen.

Immerhin erstellt sich so ein Buch nicht an einem Tag. Wenn ich mich richtig erinnere, habe ich im September damit angefangen. Zum Druck ging es Ende November. Ich bin zum Glück zufriedener Besitzer der Affinity Suite. Ein Teil davon ist der Publisher, eine Art Adobe InDesign. Allerdings zahlt man hier pro Version nur einmal und kann die Software behalten. Es steht InDesign in nichts nach. Wirklich ein tolles Produkt. Diese Art des Software-Vertriebs (ohne Abo) ist vielleicht ein veraltetes Modell, aber ein hervorragendes. Damit habe ich also angefangen, mein Buch des ersten Jahres zusammenzustellen. Da man dort bequem mit Master-Seiten, Vorlagen und dergleichen arbeiten kann, war die erste Herausforderung alle Texte in der Veröffentlichungsreihenfolge dort hineinzubekommen und mit dem korrekten Datum zu versehen.

Das war insofern nicht so einfach, da die Reihenfolge, in der ich die Texte schreibe, nicht unbedingt der Reihenfolge entspricht, in der die Texte erscheinen. Zudem habe ich das Buch in vier Teile aufgeteilt. Der Erste entspricht dem normalen Blog, mit allen neuen Texten, die ich über das Jahr geschrieben habe. Der zweite Teil beinhaltet sämtliche Geek-Planet-Texte. Also jene alten Texte, die ich wiederaufbereitet und mit einer Einleitung versehen habe. Dann gibt es die Kurzgeschichten, die ich veröffentlicht habe (nur zwei, aber immerhin). Und schließlich habe ich mich entschieden, noch vier Bonustexte exklusiv für das Buch zu schreiben. Das Buch, welches das erste Jahr eines täglichen Blogs abbildet, muss schließlich komplett sein. So zählt das erste Jahr insgesamt 366 Texte mit 213.840 Wörtern. Das Buch, inklusive ein paar Bilder (ich habe nur wenige ins Buch übernommen), kommt auf über 500 Seiten.

Drucken ließ ich das Ganze bei wir-machen-druck. Dort kann man minimalste Auflagen bestellen. Ich habe mich für ein A5-Format entschieden, damit es wie ein herkömmliches Taschenbuch daherkommt. Der Umschlag ist farbig, aber das Innenleben schwarz/weiß. Letzteres hatte Kostengründe. Ich habe mir 20 Stück bestellt und diese an Freunde und Familie verschenkt. Es war ein Weihnachts- bzw. Neujahrsgeschenk, deshalb berichte ich auch erst jetzt darüber. Es sollte ja eine Überraschung sein. Ich denke, diese ist durchaus gelungen.

Falls ich für das zweite Jahr wieder ein Buch mache und wenn auch nur für mich, habe ich bereits ein paar Ideen für Verbesserungen. Zum einen muss der Abstand vom Inhalt zum Buchrücken größer sein, der fiel etwas knapp aus. Schrift und Abstände kann man noch etwas nachbessern und so Seiten sparen. Aber vom grundlegenden Design des Buches bin ich ganz zufrieden. Ich habe das Design im Laufe des Erstellprozesses dreimal geändert. Man bekommt eben immer wieder neue Ideen oder lässt sich von anderen Büchern oder Magazinen inspirieren.

Es ist schon etwas Besonderes, die eigenen Texte in gedruckter Form vorliegen zu haben. Ein echtes Buch in Händen zu halten und so die investierte Zeit und den Aufwand (nicht nur für das Erstellen des Buches) physisch greifbar zu machen. Es bereitet mir immer noch Freude, jeden Tag zu schreiben und diese für mich nun etablierte Gewohnheit beizubehalten. Ich habe noch viele Ideen im Kopf und Projekte, die ich umsetzen möchte. Aber ich möchte mich auch Herausforderungen stellen und über schwierigere Themen schreiben, die im Moment unseren Alltag prägen. Ich schreibe zwar oft über popkulturelle Themen, was sich so in meinem Alltag abspielt, worüber ich nachdenke, viel über Spiele, Filme, Serien und Bücher.

Allerdings soll der Kern des Blogs sein: »ich schreibe über alles und nichts«. Und mit »alles« meine ich eben unter anderem kontemporäre Themen und Ereignisse. Sie beschäftigen mich ebenso, wie uns alle. Doch schrecke ich manchmal davor zurück darüber zu schreiben, da sich manchmal innerhalb weniger Tage, sehr viel ereignen kann, wie man Beispiel von Syrien sehr gut nachvollziehen konnte und kann. Solche Ereignisse lösen allerdings Debatten aus, die immer wieder in unserer Gesellschaft vorkommen, nur eben unter anderem Vorwand. Oft sind es Debatten, die geführt werden, damit man sich nicht um die echten, schwierigeren Probleme kümmern muss, wo es keinen schuldigen gibt, keine „einfachen“ Lösungen (die es nie gibt, egal, was jemand sagt). Aber das führt jetzt an dieser Stelle zu weit.

Jedenfalls will ich auch darüber schreiben. Meine eigenen Gedanken dadurch sortieren und vielleicht einen anderen Blickwinkel anbieten. Oder einfach nur auf Texte verweisen, die Geschehnisse und Themen gut zusammenfassen, besprechen und einordnen. Manchmal scheint mir selbst ein täglicher zu wenig, mit all den Dingen, die so vor sich gehen. Allerdings ist es manchmal förderlich, mit etwas Abstand die Dinge zu betrachten, und seien es nur ein paar Tage. Insofern freue ich mich auf das, was die Zukunft so bringen mag.

to the stars and back II

Bevor es an dieser Stelle nächste Woche mit einem neuen queeren Webcomic weitergeht (welchen ich vorstellen werde, weiß ich aktuell noch nicht), möchte ich noch einmal zu to the stars and back zurückkommen. Ende Oktober habe ich diesen großartigen Webcomic vorgestellt (to the star and back). Da habe ich den Autor noch gelobt für die tolle Inszenierung. Sowohl was die Charaktere anbelangt als auch das Tempo der Geschichte. Die Zeichnungen sind dynamisch, die Farbpalette toll und jeder Charakter hat etwas Eigenes an sich. Es findet Humor ebenso Platz, wie ernste Diskussionen über psychische Probleme und schwierige Vergangenheiten.

Jedoch hat to the star and back ein gewaltiges Problem: Es ist vorbei. Habe ich den Webcomic Ende Oktober 2023 noch bis unter die Wolken angepriesen, endet er wenige Wochen später im Dezember auch schon. Ich sammle immer einen Monat etwa Episoden zusammen, um diese in einem Rutsch zu lesen. Völlig unbelastet und frohen Mutes öffne ich eines Sonntagnachmittags im Dezember also die Webtoons-App auf meinem iPad. to the stars and back war noch relativ weit oben auf meiner Leseliste, also kurzerhand auf die Kachel geklickt. Drei oder vier Folgen hatte ich aufzuholen. Nur an der letzten Folge stand in Klammern »(Series Finale)«. Ich war nicht bereit dafür.

Ich will auch gar nicht mehr in aller Breite über diesen großartigen Webcomic schreiben (habe ich erwähnt, dass er wirklich gut ist?). Kang Dae und Bo Seon sind mir im Laufe der Monate und Jahre ans Herz gewachsen. Keiner der beiden lässt sich durch seine Vergangenheit prägen oder als Geisel nehmen. Sie wollen es besser machen. Natürlich kostet das Kraft, Überwindung und eine Bereitschaft anderen Menschen wieder etwas mehr Vertrauen zu schenken. Aber mit der Zeit stärkt das ihr Band immer mehr. Es ist eine schöne Dynamik zwischen den beiden und ich habe sie gerne verfolgt.

Ich habe noch nicht viele Webcomics so lange verfolgt, dass ich ihr Ende erlebt hätte. Oder ich bin zu früh abgesprungen, war nicht konsequent genug beim Lesen, und so weiter. Nach all den Kapiteln, schönen Kommentaren und dem Mitfiebern ist es jedenfalls nicht leicht einen guten Abschluss zu finden. Doch der Autor Peglo schafft einen wunderbaren Absprung. Wir sehen nicht nur die beiden Protagonisten Kang Dae und Bo Seon ein letztes Mal in der Gegenwart, sondern machen am Ende noch einen Zeitsprung von 30 Jahren.

Zeitsprünge sind eine gefährliche Methode, wie ich finde, da viel schiefgehen kann. Allerdings ist der Blick in ihre Zukunft gerade groß genug, damit man ungefähr sehen kann, wo ihre Reise hingeht, was sie erlebt haben und was sie noch erleben wollen. Die Zeichnungen der beiden lassen sie deutlich älter wirken, man erkennt sie im Kern aber doch wieder. Es ist erstaunlich, wie gut dieser Zeitsprung funktioniert. So bleibt es ein optimistisches und hoffnungsvolles Ende. Es lädt zum Spekulieren ein, was sie alles durchgemacht und erlebt haben. Doch was auch immer geschehen sein mag, so kann man sicher sein, sie lebten glücklich bis ans Ende ihrer Tage.

Ein letzter Abend in Salzburg

Am Samstag war ich ein letztes Mal dieses Jahr mit Freund J. in Salzburg unterwegs. Ich hatte schon die Hoffnung, dass es vielleicht in der Stadt nicht ganz so zugehen würde. Immerhin sind die Feiertage vorbei, manche sind unterwegs oder bei Verwandten, was man eben so macht zwischen den Jahren. Doch die Hoffnung auf eine ruhigere Stadt wurde bereits auf der Zugfahrt zunichtegemacht. Bereits in Oberdorf war der Zug sehr voll und wurde im Laufe der Fahrt nur noch gefüllter. In Salzburg selbst sah es ähnlich aus.

Allerdings war es ein herrlich sonniger Tag. So wie es die vergangenen Tage über stets der Fall war. Da muss man natürlich raus und wer kann es den anderen Menschen schon übel nehmen, dass sie einen solchen Tag in der schönsten Stadt verbringen wollen. Der Dom wurde herrlich angeleuchtet und von der Seite des Mönchsbergs bot sich ein wunderbarer Blick über Salzburg. Eingekehrt sind wir dann auch gleich beim Stieglkeller. War der dortige, kleine Wintergarten früher noch ein Geheimtipp, so ist er es nun scheinbar nicht mehr. Den letzten Platz, etwas abseits, hatten wir noch ergattert und verbrachten dort einen netten Nachmittag.

Wir hatten schon überlegt, wo wir etwas zu essen finden würden, und welche Restaurants aus unserer bisherigen Erfahrung eventuell noch nicht voll sein würden, als wir uns entschieden, doch gleich hierzubleiben. Das erwies sich als intuitiv richtig, denn innerhalb einer Stunde leerte sich der Wintergarten. Als wir dann unser Essen bekamen, ich gönnte mir einen wunderbaren Hirschrücken mit Knödel und Wurzelgemüse, waren wir allein in dem Eck. Wir setzten uns an den vordersten Tisch des Wintergartens und beobachteten die Stadt im Sonnenuntergang. Es war einfach großartig. Manchmal zahlt sich eben etwas Geduld aus.

Schließlich mussten wir natürlich noch unserer Stammweinbar einen Besuch abstatten. Wie könnten wir das Jahr, ohne Zeit im Coquette zu verbringen, vorübergehen lassen? Wir hatten schon befürchtet, dass sie geschlossen sein würde, doch wir hatten Glück und bekamen noch einen Platz an der Bar. Was mich immer wieder erstaunt, sind die unterschiedlichsten neuen Weine, die man dort präsentiert bekommt. Letztes Mal war es ein Wein aus Chile, an diesem Abend allerdings reisten wir bis nach Australien. »19 Crimes« nennt sich der vollmundige und geschmacksintensive Wein. Aus verschiedenen Traubensorten zusammengemischt, entsteht ein einzigartiges Geschmackserlebnis, das ich nicht erwartet hatte. Dazu noch eine Käseplatte und leckeres Olivenöl. So kann man ein Jahr wahrlich ausklingen lassen.

Pflanzen stutzen

Seit ein paar Monaten befindet sich eine schöne violettfarbene Orchidee unter meiner kleinen Pflanzenansammlung im Wohnzimmer. Doch, wie es eben so ist, sind die Blüten nach und nach abgefallen und die Stängel haben begonnen, braun zu werden. Das ist eben so, wenn man eine Orchidee hat. Die Blüten fallen ab und man muss manchmal sehr lange warten, bis neue daherkommen. Doch die Stängel waren schon dermaßen verdorrt, dass es Zeit wurde, diese abzuschneiden. Wie ich herausfand, macht man dies normalerweise sowieso bei Orchideen. Man stutzt sie, nachdem die Blüten abgefallen sind, ordentlich zusammen. Bis knapp über dem obersten Blatt, so kann wieder ein neuer Blütenstängel mit neuen Blüten heranwachsen.

Eine weitere Pflanze, mit herrlich weißen Blüten, hat ebenfalls seit einem Jahr keine neuen Blüten mehr bekommen. Entweder ich gieße sie zu wenig oder zu viel. Zwar verwende ich eine App dafür, aber trotzdem kann man immer noch etwas falsch machen. Jedenfalls sind auch dort die Äste, wenn man sie dort so bezeichnen kann, verdorrt, abgeknickt oder haben einfach nicht mehr gut ausgesehen. Was diese Pflanze jedoch geschafft hat, ist, einen Ableger an einem der Äste zu züchten. An dem waren sogar schon halbe Wurzeln dran. Ich habe also alles an dieser Pflanze abgeschnitten und den Sprössling in die Erde eingesetzt. Jetzt sieht es zwar etwas traurig aus, aber ich bin guter Dinge, dass es vielleicht etwas wird.

Demnächst bekommt der Sprössling noch etwas frische Erde dazu, außerdem muss ich das alte Wurzelwerk der vorherigen Pflanze aus dem Topf nehmen. Mein Elefantenbaum, der gut vor sich hin wächst, benötigt ebenfalls etwas frische Erde. So erwische ich zwei Fliegen mit einer Klappe. Zudem lassen sich solche kleinen Arbeiten bequem in der Wohnung erledigen. Dafür muss ich mich nicht bei 0 Grad draußen hinstellen. Es bleibt spannend, wie sich die beiden frisch gestutzten Pflanzen in den nächsten Monaten machen. Eine Orchidee ist mir schon einmal kaputtgegangen, weil ich sie aus Versehen im Wasser ertränkt habe. Das passiert mir allerdings kein zweites Mal. Hoffe ich.

MCU Intermission: Spider-Man Trilogie (Sam Raimi)

Wir haben ja schon des Öfteren festgestellt, dass Spider-Man zu meinen liebsten Comic-Charakteren gehört. Eigentlich zu meinen liebsten fiktiven Charakteren überhaupt. Nicht nur in den Comics kann ich mich verlieren, sondern mir ebenso die Filme immer wieder anschauen, ohne dass es langweilig wird. So sollte es nicht verwundern, dass ich vor vier Jahren, es war in einem wohligen, Corona-verseuchten Sommer im Jahre des Herren 2020, als ich mich auf die Suche nach 4k Blu-Rays der ersten Spider-Man-Trilogie machte.

Warum ich mich dafür speziell auf Ebay umsah und nicht direkt auf Amazon, kann ich heute nicht mehr nachvollziehen. Vielleicht gab es noch keine 4k Blu-Ray-Discs der gesamten Trilogie oder der »Extended Cut« des 2. Teils fehlte. Es waren wilde Zeiten und wir haben doch alle irrationale Dinge getan. Jedenfalls suchte ich nach einer Box, die alle 3 Filme der Sam Raimi Spider-Man Trilogie auf 4k enthielt. Das war international gar nicht mal so einfach, weil man aufpassen muss, dass die Discs die richtige Region haben. Also entweder sind sie Regionsfrei und können überall und von allen Blu-Ray-Playern und Spielekonsolen abgespielt werden, oder aber sie sind für Europa kompatibel, sprich, Region B. B2? Irgendwas mit B auf jeden Fall.

Schließlich, und das ist mein voller Ernst, wurde ich in Kanada fündig. Dort wurde eine spezielle Booklet-Version von der Spider-Man Trilogie vertrieben, die mit Europa kompatibel war und nicht nur die normalen Blu-Rays enthielt, sondern auch jene mit den 4k-Versionen. Ich glaube, es hat mich am Ende ungefähr 70 oder 80 € gekostet, in die Hände dieses wunderbaren Booklets zu kommen. Aber es war die Strapazen wert, denn bei dem Kauf ging erst noch etwas schief, dann dauert natürlich der Versand entsprechend lange und irgendwann kam ein unscheinbares Paket bei mir an. Die Filme funktionierten auf der Xbox One X wunderbar, und ich war äußerst zufrieden.

Mittlerweile gibt es sicherlich Boxen, die alle bisherigen Spider-Man-Filme enthalten, aber ob ich dafür nochmal nach Kanada schauen muss, wird sich zeigen. Jedenfalls habe ich mir gedacht, ich könnte das Ende der ersten Phase des MCU, welches wir letzte Woche mit dem Text zu _Avengers_erreichten, dafür nutzen, um die originale Spider-Man-Trilogie anzuschauen. Es sind echte Klassiker, wurden Jahre vor dem MCU veröffentlicht und sie halten weiterhin dem Zahn der Zeit stand.

Spider-Man

Kitschig? Ist das das richtige Wort? Ich bin mir nicht sicher. Der Film hat so vieles zu bieten. Aber in manchen Szenen, besonders zwischen Peter und MJ, ist der Film einfach kitschig. Die beiden gehen sehr seltsam und schüchtern miteinander um, aber diese Momente, wie auch der restliche Film, haben das Herz am rechten Fleck. Es ist pure Freude, Peter Parker dabei zuzusehen, wie er seine Kräfte entdeckt. Es ist herzzerreißend, mit ansehen zu müssen, wie Onkel Ben stirbt. Rosemary Harris als Tante May möchte man am liebsten umarmen und während man Apfelkuchen mit ihr isst und ein Glas Milch trinkt, ihr von unseren Sorgen und Ängsten erzählen oder einfach nur wie unser Tag war. Der Cast, die Effekte, die Musik, die Cinematographie – ich liebe diesen Film.

Spider-Man ist der perfekte Einstieg in eine neue Ära von Comic-Verfilmungen. Er nimmt sich selbst nicht zu ernst, aber ernst genug. Norman Osborn, perfekt verkörpert von Willem Dafoe, der scheinbar Andy Serkis Performance als Gollum channelt, mag einen Gummi-Anzug tragen, aber seine Bösartigkeit und echte Bedrohung überspielen das wunderbar. Haben wir heutzutage noch solche Filme? Die eine Balance kreieren zwischen zu goofy und zu ernst? Die wissen, dass sie zwar auf einem Comic basieren mögen, aber die Vorlage trotzdem mit Respekt behandeln? Ich bin mir offen gestanden nicht sicher. Deshalb bin ich umso glücklicher, jederzeit auf diesen Film zurückgreifen zu können. Wir werden über die nächsten Wochen und Monate ja sehen, wie sich die modernen Filme gegenüber den älteren Interpretationen schlagen.

Spider-Man 2

Der gemeinhin als bester Spider-Man-Film geltende Teil der Sam Raimi Trilogie. Wenn nicht sogar der beste Spider-Man-Film überhaupt. Sam Raimi und sein Team nehmen das, was im ersten Teil funktioniert hat, und bauen gekonnt darauf auf. Sie verfeinern ihre Techniken, engagieren Schauspieler*innen, die ihre Rollen mit Inbrunst verkörpern und fangen alles gekonnt cineastisch mit der Kamera ein, als wäre es ein Kinderspiel. Der Film tänzelt geradezu vor sich hin. Mühelos, wie es scheint. Alle einzelnen Teile greifen ineinander, um das größere Ganze zu konstruieren.

Doc Ock ist der perfekte Gegner und nicht ohne Grund einer der ältesten Bösewichte im Spider-Man-Kosmos. Das wird in diesem Film nochmal deutlich. Ein gescheiterter Wissenschaftler, der an seiner eigenen Hybris zugrunde ging. Der von der eigens kreierten Macht korrumpiert und manipuliert wurde, am Ende aber vielleicht doch so etwas wie Frieden findet.

Es gibt so viele gute Szenen, die teils 1:1 aus den Comics entnommen sind. Besonders als Peter sein Kostüm in den Müll wirft, sei hier als Beispiel erwähnt. Aber es gibt so viel mehr Großartiges. Sei es der Kampf auf dem Zug, die Menschen von New York, die ihrem Helden zur Seite stehen oder J. Jonah Jameson, der sich eingestehen muss, dass Spider-Man vielleicht doch nicht so schlecht ist, wie er immer glaubte. Doch die vielleicht beste und einfühlsamste Szene beinhaltet weder einen Kampf noch Spider-Man oder sonstigen Schnickschnack. Sie findet statt, einige Tage, nachdem Peter seiner Tante gestanden hat, dass er für den Tod seines Onkels verantwortlich ist.

May räumt mit der Hilfe des Nachbarsjungen Henry gerade die Garage aus, als Peter auftaucht. May und Peter versöhnen sich und schließlich kommt das Thema auf Spider-Man und warum er in letzter Zeit nicht mehr zu sehen war. Rosemary Harris ist eine begnadete Tante May. Sie weiß sich nicht nur mit Doc Ock anzulegen (bei einem Banküberfall) und Spider-Man zu unterstützen, sondern sagt Peter genau das, was er in diesem Moment hören muss. Es ist ein großartig geschriebener Monolog, den ich hier (mithilfe von DeepL übersetzt) gerne wiedergeben möchte:

„Er erkennt einen Helden, wenn er einen sieht. Es gibt zu wenige Figuren da draußen, die so herumfliegen und alte Frauen wie mich retten. Und Gott weiß, Kinder wie Henry brauchen einen Helden. Mutige, aufopferungsvolle Menschen. die uns allen ein Beispiel geben. Jeder liebt Helden. Die Leute stehen für sie an, jubeln ihnen zu, schreien ihre Namen. Und Jahre später werden sie erzählen, wie sie stundenlang im Regen standen, nur um einen Blick auf denjenigen zu erhaschen, der sie gelehrt hat, eine Sekunde länger durchzuhalten. Ich glaube, dass in jedem von uns ein Held steckt, der uns ehrlich hält, der uns Kraft gibt, der uns edel macht und der uns schließlich erlaubt, mit Stolz zu sterben, auch wenn wir manchmal standhaft sein und das aufgeben müssen, was wir am meisten wollen. Sogar unsere Träume.“

Herrlich. Beeindruckend finde ich auch die letzte Einstellung des Films. MJ und Peter haben sich versöhnt, doch da kommt schon der nächste Einsatz über den Polizeifunk herein. MJ nennt Peter »Tiger« und er schwingt sich heldenhaft in den Sonnenuntergang der nächsten Gefahr entgegen. Doch dann schneidet Raimi noch einmal auf MJ zurück, die ihrem Helden nachblickt. In diesem kurzen Augenblick liegt die ganze Schwere, die gesamte Last der Entscheidung, die sie gerade getroffen hat, auf MJs Gesicht.

Spider-Man 2 reiht sich ein in eine äußerst exklusive Reihe an herausragenden zweiten Teilen. Von Star Wars – The Empire Strikes Back hin zum 4 Jahre später erschienenen The Dark Knight. Der Film sieht noch immer fantastisch aus, er ist exzellent geschrieben und ein Meilenstein in der Geschichte von Comic-Verfilmungen.

Spider-Man 3

Kommen wir nun zum letzten Film der Reihe. So sehr über diesen Film geschimpft wurde, manche lassen heute noch kein gutes Haar an ihm, muss ich doch sagen, dass ich ihn eigentlich ganz gerne mag. Nur zeigt sich an Spider-Man 3, was Sony später noch einige Male wiederholen wird: entsetzliche Ungeduld. Sie haben gerade zwei herausragende Filme produziert, mit einem Regisseur, der zuvor mit einem Horrorfilm bekannt wurde. Der allerdings ein Händchen zu haben scheint für Spider-Man. Nun, nach den großen Erfolgen, zwingen sie ihn in eine Geschichte hinein, die so nicht geplant war. Sony ist wie ein Kind, das plötzlich zu viel Spielzeug im Zimmer hat und zu viele Ideen hat, um sich ein wirklich gutes Abenteuer auszudenken:

Und dann kommt Spider-Man, aber Harry entdeckt das Geheimnis seines Vaters und dann nimmt er das Serum, deshalb ist er so stark und dann kämpfen die beiden über den Dächern der Stadt und dann haut sich Harry den Kopf und vergisst alles was passiert ist und dann kommt Venom vom Himmel gefallen und Spider-Man küsst Gwen und Venom, der ein Alien ist, verschafft Peter den schwarzen Anzug, aber Sandman ist ja auch noch da und der braucht Geld und dann überfällt er einen Geldtransporter und dann wird Peter böse, so ein bisschen und dann erinnert sich Harry und dann schlägt Peter MJ und dann und dann und dann und dann.«

Leider sind diese »und dann« Entscheidungen, mit denen man als Kind gut durchkommt, nicht immer so gut ausgearbeitet. Weil es auch nicht funktionieren kann, quasi drei neue Bösewichte ausführlich in einem einzigen Film vorzustellen. Man kann sich ewig den Kopf zerbrechen, wie sie es hätten besser machen können. Sei es zuerst, den schon seit Teil 1 angekündigten Lizard als Gegner zu etablieren. In diesem Film hätte man Peters Konkurrenten beim Bugle einführen können. Teil 4 hätte dann mehr oder weniger so aussehen können, wie dieser, vielleicht sogar in zwei Teile geteilt. So hätte man Peter mehr Zeit im schwarzen Anzug verpassen können und Venom, sowie Sandman weiter ausbauen. Der Cliffhanger von 4.1 hätte die Kirchenszene sein können, in der sich Peter Venoms Fängen entledigt und Eddie Brock dieses schreckliche Erbe übernimmt.

Es stecken so viele tolle Ideen in diesem berühmt-berüchtigten dritten Teil. Aus jedem davon hätte man einen Film oder zwei machen können. Leider hat das Vertrauen in Sam Raimi gefehlt und die Ungeduld der Studiobosse zugeschlagen. Dennoch mag ich den Film. Gerade weil er so viele Ideen beinhaltet, über die man sich Gedanken machen kann. Und dass Peter peinlich rüberkommt, wenn er versucht cool zu sein, liegt wohl in der Sache der Natur. Es ist eine völlig okaye Szene. Ich mag es nicht, wenn man sich zu sehr über solche Dinge aufregt. Am Ende des Tages ist es nur ein Film von vielen, die wir mittlerweile über Spider-Man bekommen haben. Nicht alle machen es perfekt und man findet stets etwas zum Kritisieren. Trotzdem will ich mich eher auf die guten Dinge konzentrieren, was mir gefällt und was hätte sein können, wenn sie es anders gemacht hätten. Es ist ein nettes Gedankenspiel.

Sam Raimi hat uns drei Spider-Man-Filme geschenkt. Tobey Maguire war und ist für viele Fans der erste und einzig wahre Peter Parker. Ich sehe es eher wie die Rolle von James Bond. Es können viele in die Fußstapfen ihrer Vorgänger treten und in das Kostüm schlüpfen. Das ist die Idee hinter Spider-Man: Jede*r könnte hinter der Maske stecken. Und so bringt jeder Schauspieler etwas anderes für die Rolle mit, interpretiert Spider-Man und Peter Parker etwas anders. Es war eine großartige, dreiteilige Reise, mit der schließlich alles angefangen hat. Schön, dass es sie gibt.

Back on the road

Einen Tag nach meinem Geburtstag im Jahre 2005 fing alles an. Fünfzehn Staffeln, 327 Episoden und Millionen von Zuschauer*innen und Fans: Supernatural. Ich bin mir nicht einmal sicher, warum ich mich so sehr auf diese Serie einschieße. Na ja, eigentlich weiß ich es doch. Es ist der gleiche Grund, warum mir Stargate so sehr gefällt: Mythologie. Egal, ob griechisch, ägyptisch, nordisch oder verschiedenen Religionen entnommen, Mythen und Sagen haben es mir angetan. Die eigentlichen Geschichten lese ich zwar kaum, doch wenn sie in Filmen, Serien oder Spielen vorkommen, dann kann ich einfach nicht anders, als der Geschichte eine Chance zu geben. So auch bei Supernatural.

Geschickt haben Erik Kripke und sein Autor*innen-Team unterschiedlichste Horrorelemente und religiöse Einflüsse zu einer konsistenten und tiefgreifenden Geschichte ausgebaut. Kripke trat nach der fünften Staffel als Showrunner zurück, da seine Geschichte der Winchester Familie zu Ende erzählt war. Jedoch sollte sie noch 10 Jahre weiter laufen. Jede Staffel habe ich mit Spannung verfolgt. Die ersten fünf sogar des Öfteren angesehen. Ab Staffel 13 (wenn ich mich recht erinnere) war für mich allerdings die Reise zu Ende. Vielleicht weil ich eine zu lange Pause eingelegt hatte, bis die 13. Staffel über meinen Fernseher lief. Vielleicht war einfach die Luft raus oder das Leben kam dazwischen.

Als ich für diesen Text nachgesehen habe, wie viele Episoden insgesamt erschienen sind, wurde mir erst bewusst, dass selbst das Finale der Serie schon wieder vier Jahre zurückliegt. Gefühlt kam die Diskussion um das Ende und alles, was damit zusammenhängt, erst vor einem oder zwei Jahren auf. Vier Jahre erscheinen mir gefühlt zu lange. Aber es sind Corona-Jahre dabei. Zeit war in da sowieso ein abstraktes Konzept, das sich nicht wirklich greifen ließ. Selbst das Erscheinen der kompletten Bluray-Box liegt schon drei Jahre zurück. Aus irgendeinem Grund fühlte es sich in den vergangenen Wochen jedoch plötzlich sehr präsent an.

Diese ominöse Box, die sämtliche Staffeln der Serie enthält, inklusive allem Bonusmaterial und mehr, kam mir immer wieder unter. Werbung funktioniert eben doch, wenn sie den richtigen Nerv trifft. Außerdem eignet sich die dunklere Jahreszeit sowieso, um Spiele zu spielen und Serien zu schauen. Zudem erscheint Supernatural gerade auf Netflix oder wurde dort zumindest vor ein paar Wochen veröffentlicht. Das war nicht unbedingt ein positiver Start, da Netflix aus rechtlichen Gründen ein zentrales Element der Serie ändern musste: die Musik.

Wer Supernatural gesehen oder auch nur ein paar Episoden verfolgt hat, weiß, dass Musik ein essenzielles Element der Serie ist. Songs, die jede Staffel rahmen oder die den Charakteren wichtig sind. Die für running gags sorgen oder immer wieder an bestimmte Situationen erinnern. Oder sie sind einfach nur cool und passen perfekt zu Sam, Dean und der gesamten Atmosphäre der Serie. Wenn man dann dieses Element verändern muss (weil scheinbar übersehen wurde, die Streaming-Rechte für die Songs zu sichern) ist es nicht mehr dieselbe Serie. Ich kenne die Details nicht und weiß nicht, wie viel sie wirklich ändern mussten. Ich habe über die Jahre viele Playlisten bei den unterschiedlichsten Musik-Streaming-Diensten mit diesen Songs gefüllt und immer wieder angehört. Allein der Gedanke daran, dass auch nur ein einziger Song verändert wird, fühlt sich falsch an.

Aus diesem Grund musste ich mir die Bluray-Box besorgen. Es ist das Bewahren eines Zeitdokuments, so wie es vom Schöpfer und den späteren Showrunnern gedacht war. Wenn, dann will ich Supernatural im Original, mit den passenden Songs, sehen. Vielleicht fange ich bald mit einem Rewatch an oder erst in ein paar Wochen oder Monaten. Aber die Box musste ich mir sichern. Bevor es wie bei Stargate SG-1 ist und die Bluray-Box in unerschwingliche, preisliche Höhen weg driftet. Und Supernatural sollte ebenso seinen angestammten Platz im Wohnzimmer einnehmen. Es gibt eben Geschichten und Erzählungen, wiederkehrende Konzepte oder Ideen, die einen das ganze Leben über verfolgen. Supernatural gehört für mich zu diesem Kanon an Medien, die mir wichtig sind und die sich vergleichsweise einfach bewahren lassen. Spiele werden vielleicht inkompatibel und manchen Dingen entwächst man oder sie verschwinden in den Äther der Erinnerungen. Doch genauso gibt es Zeitloses, das sich immer wieder genießen lässt.