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Die richtige Timeline

Mit einem ehemaligen Arbeitskollegen und heute guten Freund habe ich einen running gag. Dieser bezog sich auf das gerade frisch etablierte Multiversum im Marvel Cinematic Universe (MCU) und die unterschiedlichen Zeitlinien, die es dort gibt. Es ist kompliziert und nicht immer kohärent, aber ein durchaus interessantes Erzählmittel. Besonders in Avengers: Endgame, genauer gesagt dem ersten Teil davon, Avengers: Infinity War, spielt dabei die »korrekte« Zeitlinie eine wichtige Rolle. Denn aus Millionen möglicher Zukünfte sieht Doctor Strange nur in einem einzigen Szenario, dass die Avengers siegreich in ihrem Kampf gegen Thanos sind.

Der running gag war also, dass wir selbst in der richtigen Zeitlinie leben und darauf vertrauen, dass es sich schon irgendwie lösen lässt. Als wir diesen running gag eingeführt haben, schlug gerade der Coronavirus seine Infektionswellen. Die vergangene Woche hatte ebenfalls alles andere als gute Nachrichten. Präsidenten wurden gewählt, Regierungen zerfallen – die Zukunft scheint dunkel und düster. Doch auch wenn der anfängliche Schock noch tief sitzt, weigere ich mich, meinen Optimismus abzulegen, selbst wenn es schwerfällt.

Optimismus heißt allerdings nicht, dass man sich vor der Realität versteckt, sie verklärt und sich eine eigene konstruiert; dass man sich den Parolen hingibt oder falschen Propheten Glauben schenkt. Das ist genauso wenig sinnvoll. Die Angst, die man verspüren mag? Lasst sie zu. Sich mit anderen darüber austauschen, sie aufschreiben – was auch immer helfen mag. Wie es Alexander Waschkau auf Mastodon ausgedrückt hat: „Heute erlaube ich mir einfach mal Angst zu haben! Um die Ukraine, Israel, den nahen Osten, Taiwan, das Klima und Frauen und Migranten in den USA.“ (mastodon.social)

Das ist okay. Was man und damit meine ich mich, allerdings nicht mache, ist, mich in diese Gefühle hineinzusteigern. Akzeptanz heißt nicht aufgeben. Gerade jetzt. Auf welche Art auch immer, die Welt dreht sich weiter. Morgen ist genauso ein neuer Tag, wie der heutige einer war. Termine wollen wahrgenommen werden. Es gibt Haustiere zu füttern, Arbeiten zu erledigen, Texte zu schreiben, Filme zu schauen, Bücher zu lesen und besonders Zeit mit Familie und Freunden zu verbringen.

Ich bin keine Person, die auf Demonstrationen geht. Auf die ein oder andere Pride gehe ich sehr gerne, aber es ist nicht das Meine. Auch das ist okay. Ich bin allen dankbar, die es machen. Regelmäßig und mit so unfassbar viel Mut. Ich schreibe stattdessen lieber Texte. Texte über queere Filme, Bücher und Comics. Texte darüber, warum Repräsentation und Diversität wichtig sind. Texte über das, was mich bewegt, beschäftigt und bedrückt. Manche veröffentliche ich, manche nicht. Es sind Texte über alles und nichts. Jede*r muss einen eigenen Weg finden, mit allem, was gerade passiert, umzugehen.

Die Augen davor zu verschließen, hilft nicht. Genauso wenig hilft, sich in die Sache hineinzusteigern und alle Informationen zu schauen und zu lesen, die man finden kann – doom-scrolling hat noch niemandem etwas gebracht. Stattdessen informiere ich mich lieber anhand guten Journalismus und unterstütze diesen. Wir brauchen guten Journalismus. Sei es Der Standard, die Salzburger Nachrichten, die Krautreporter, Die Zeit, Der Falter oder all die anderen seriösen journalistischen Angebote.

Aber auch meine persönliche Auswahl an Newslettern, die ich abonniert habe und mich regelmäßig erreichen, weiß ich in dieser Woche besonders zu schätzen. Sie stammen von Menschen, die ich schätze und respektiere. Sie verklären nichts, beschönigen es aber auch nicht. So bleibt am Ende doch immer die Hoffnung und der Glaube, dass es besser wird. Wir leben in der richtigen Timeline.

Kategorische Ablehnung

Ich finde es immer etwas befremdlich, wenn Menschen etwas kategorisch ablehnen. Meistens erlebe ich es selbst, wenn Menschen so etwas sagen, wie »Apple kommt mir nicht ins Haus«, oder »Ich abonniere doch nicht Apple TV+«. Gleichzeitig nutzen diese Menschen allerdings schön brav ein Smartphone mit Android und stellen so Google, die eigenen Daten sehr bereitwillig zur Verfügung. Oder kaufen bei Amazon ein, statt zu versuchen, die Dinge irgendwo lokal zu bekommen oder zumindest bei nationalen Händlern zu schauen. Oder aber sie nutzen mehrere andere Streaming-Dienste gleichzeitig und schieben diesen ihr hart verdientes Geld in den Rachen, obwohl sie kaum einen davon wirklich nutzen.

Firmen sind Firmen, man kann ihre Produkte nutzen oder nicht. Es sind einfach nur Entitäten, die Profit machen wollen. Es muss nicht unbedingt zu einem emotionalen Thema aufgebaut werden. Zu allem gibt es immer zwei Seiten und selten ist alles gut oder schlecht. Es gibt zu den meisten Dingen auch positive Aspekte. So mag Google die Daten der Nutzer sammeln, gleichzeitig haben sie vor ein paar Monaten die Trans-Ikone Sophia Xeon, mit einem entsprechenden Doodle gefeiert (Artikel dazu auf queer.de: Google ehrt trans Ikone Sophie Xeon posthum ).

Andere wollen Apple nicht nutzen, weil sie ihrer Meinung nach die Nutzer*innen zu sehr in ihrem Ökosystem einsperren. Außerdem stellen sie sich gerade in der EU etwas kindisch an, was das Öffnen ihres App-Stores angeht und die Einführung von Apple Intelligence. Gleichzeitig hat Apples iOS-System äußerst ausufernde Accessibility-Einstellungen, womit es Menschen mit unterschiedlichsten Einschränkungen ermöglicht wird, trotzdem diese Geräte zu nutzen.

Das sind beides Beispiele für etwas, das diese Firmen nicht machen müssen. Es würde ihnen nicht schaden, es nicht zu tun. Auf der anderen Seite hilft es natürlich ihrem Image, sie gewinnen sehr viel dadurch und ich kaufe es ihnen durchaus ab, es mit diesen Aktionen und Einstellungen ernst zu meinen. Die Welt ist eben komplex und nicht immer auf ein binäres Denken zu reduzieren. Das ist etwas Gutes, denn anders wäre es doch viel zu langweilig.

Valentine

Manchmal ist es erstaunlich zu sehen, wie lange man ein Projekt verfolgt. So ging es mir letztens, als ich mir überlegt habe, mal wieder Valentine zu lesen. Dabei handelt es sich um einen Webcomic, den man wahlweise auf tapas.io oder bei WebToon verfolgen kann. Ich bin mir nicht mehr sicher, seit wann ich den Comic verfolge oder seit wann ich das Projekt auf Patreon unterstütze, aber es muss schon sehr lang sein. Immerhin begann das erste Kapitel von Valentine Ende 2016.

Natürlich handelt es sich um eine queere coming-of-age Geschichte, wie könnte es anders sein. Sie startet an einem Valentinstag in einem College (oder einer Highschool, ich bin mir nicht ganz sicher). Dort wird scheinbar jedes Jahr eine Art Blind-Date-Situation veranstaltet. Mädchen ziehen eine pinke Karte, Jungs eine blaue. Dort stehen Nummern darauf, beispielsweise eine 8, und wenn sich beide 8 finden, gehen sie auf ein Date. Doch Max, der sich schon lange darüber im Klaren ist, dass er schwul ist, dachte sich, er zieht eine pinke Karte und hofft, dass er seinen Schwarm Alex bekommt. Alex allerdings weiß noch nichts von seinem Glück oder davon, dass er eventuell schwul oder bisexuell sein könnte. Die beiden kennen sich sonst auch nicht. Doch Alex geht etwas widerwillig mit Max auf einen Kaffee und langsam entsteht eine Freundschaft zwischen den beiden. Vielleicht mit der Zeit auch mehr.

Bei Valentine handelt es sich um eine klassische »slow burn« Romanze. Also eine Geschichte, die sich Zeit lässt, bis die beiden Protagonisten zusammenkommen. Was mich neulich allerdings etwas schockiert zurückgelassen hat, ist, wie sehr sich die Autorin Zeit lässt. Immerhin sind die ersten Seiten vor 8 Jahren erschienen, wir sind 8 Kapitel weit gekommen, über 450 Seiten und noch immer sind die beiden kein offizielles Paar. Die Anzeichen sind schon sehr stark da, aber die Geschichte bewegt sich mit der Geschwindigkeit eines Gletschers. Das ist nicht unbedingt etwas Schlechtes, es ist mir nur bewusst geworden, wie lange die Geschichte schon geht.

Letztens habe ich »To the stars and back« vorgestellt. Ebenfalls ein queerer Webcomic. Die dortige Beziehung läuft etwas flüssiger und schneller ab, auch wenn sich der Autor ebenfalls Zeit lässt. Ich schätze es, wenn Autor*innen ihren Charakteren Zeit lassen, sich zu entwickeln und sich selbst finden zu können. Was »to the star and back« meiner Ansicht nach allerdings besser macht als Valentine, ist die Handhabung der Nebencharaktere. In Valentine nehmen diese durchaus viel Platz ein. In Kapitel 8 findet viel Handlung in einem Club statt. Der Cast an Charakteren ist durchaus größer und gefühlt wird mir zu viel Zeit mit Nebencharakteren verbracht, die mich eigentlich nicht interessieren. Diese sollen sich gerne weiterentwickeln und ebenfalls ihre Momente bekommen, aber nicht zu sehr von den eigentlichen Protagonisten der Geschichte ablenken.

Bei einem „normalen“ Comic oder einer Graphic Novel, wo ich alle Kapitel auf einmal habe oder zumindest jeden Monat ein größeres Kapitel geliefert bekomme, machen solche Abschweifungen nicht viel aus. Aber wenn jede Woche nur eine Seite oder so erscheint, können sich Abschweifungen durchaus ein paar Monate ziehen. Das finde ich zwar etwas schade, aber wenn die Autorin allen Figuren etwas mehr Zeit im Rampenlicht gönnen möchte, dann ist das eben so. Ich mag die Geschichte von Valentine trotzdem aufrichtig.

Sie besticht mit tollen Dialogen, die mit viel Gefühl geschrieben sind, und die Charaktere wachsen einem ans Herz. Es ist ebenso schön zu sehen, wenn sich die Künstlerin weiterentwickelt und die Zeichnungen mit der Zeit besser und detaillierter werden. Ebenfalls etwas, was ich an Webcomics schätze. Die Menschen probieren sich mehr aus, als bei üblichen Comics, und der Stil entwickelt sich weiter, so wie sich auch die Menschen dahinter weiterentwickeln. Aber dazu mehr, wenn wir uns demnächst Race You ansehen.

Abschweifender Allerheiligenwecken

Ich schreibe diesen Text an einem sonnigen Nachmittag, des 1. November. Ein Monat, den vor allem Menschen, die gerne Schreiben, mit der NaNoWriMo-Challenge in Verbindung bringen. Diese tolle Abkürzung, die geradezu auf natürliche Weise flüssig von den Lippen rollt, steht für National Novel Writing Month. Die Herausforderung besteht darin, jeden Tag im November 1.000 Worte zu schreiben. So hat man am Ende des Monats einen kleinen Roman beisammen. Natürlich muss dieser dann noch redigiert und korrigiert, geschliffen und gefeilt werden, aber zumindest hat man einen Text.

Nun habe ich aktuell nicht wirklich eine Idee für eine Geschichte im Kopf, die für einen Roman ausreichen würde, trotzdem möchte ich meine eigene Version des NaNoWriMo machen. Über die vergangenen Monate habe ich es mir angewöhnt, Ideen für Texte am besten gleich aufzuschreiben. Wie das für mich genau funktioniert, habe ich bereits aufgeschrieben (Flüchtige Textideen). Das Wichtigste dabei für mich ist, dass ich die Ideen einfach wo stehen habe. Später mache ich mir dann Gedanken, ob daraus aus Text entstehen soll oder nicht.

Was ist nun meine Herausforderung? Ich möchte die Liste an Ideen etwas abarbeiten. Nicht alle Notizen habe ich aufgehoben, einige lösche ich einfach. Aber diejenigen, die ich noch in einer langen Liste stehen habe, sollen zu Texten werden. Selbst wenn mir nur wenige Zeilen dazu einfallen oder gar nichts und ich nur einen Text schreibe, wo ich erkläre, was ich im November eine eigene Variante der NaNoWriMo-Herausforderung angehe. Das soll die kreativen Muskeln etwas fordern und zu hoffentlich interessanten Texten führen.

Eine Idee, die ich vor wenigen Tagen aufgeschrieben habe, ist das Thema »Allerheiligenwecken«. Doch schon nach kurzer Zeit habe ich mich gefragt, was ich dazu eigentlich schreiben soll oder kann? Deshalb die lange, vielleicht unnötige Einleitung zu meiner persönlichen November-Challenge.

Was ich allerdings zu dem Thema sagen kann, ist, dass ich es schon mein Leben lang kenne, dass am 1. November einen Allerheiligenwecken gibt. Dieser wird beim örtlichen Bäcker angeschafft, der diese selbst macht und die fantastisch schmecken. Dabei handelt es sich um ein klassisches Milchbrot in Zopfform. Wahlweise mit Rosinen oder Zuckerguss oder beidem. Dieser wird dann über das verlängerte Wochenende zum Kaffee gereicht und mit viel Butter verschlungen.

Ich war durchaus überrascht, dass Arbeitskollegen, die nur wenige Kilometer weiter wohnen, diese Tradition gar nicht kennen und mich nur verdutzt angeschaut haben, als ich erzählte, ich würde mich jedes Jahr sehr auf den Wecken freuen. Aber so ist das eben mit Traditionen und der eigenen Perspektive – manchmal scheitert diese bereits nach wenigen Kilometern und wird auf die Probe gestellt. Ich mag so etwas. Der kurze Wikipedia-Eintrag zu dem Thema verrät auch, dass es sehr viele alternative Bezeichnungen für dieses Backwerk gibt.

Aber der Eintrag hat auch noch andere unterhaltsame Fakten zu bieten. Zum Beispiel, dass es im Burgenland Brauch war, dass junge Burschen den Mädchen, die sie mochten, so genannte »Verehrerstriezel« schenkten. Einen Brauch, den man gerne wieder einführen könnte. Mit einem richtig guten Allerheiligenwecken könnte ich mich schon zu einem Date überzeugen lassen. Wenn man sich nicht viel zu sagen hat, isst man währenddessen einfach das Brot auf und geht dann wieder seiner Wege.

Bild von Unsplash

Büro & Hobby

Ich dachte mir, es wäre ganz nett, das zweite Jahr meines täglichen Blogs mit einer kleinen Trilogie an Texten zu beginnen, die sich mit Veränderungen beschäftigen. Zwar handelt es sich vorwiegend um Veränderungen in der Wohnung, ums Ausmisten und Platz schaffen, aber solche Aktionen, egal wie klein oder umfangreich sie ausfallen, können große Auswirkungen haben. Und so passt das thematisch, meiner Ansicht nach, gut zu einem neuen Jahr an täglichen Texten. Bewährtes wird beibehalten, während man sich genauso bereit macht, sich in neue Abenteuer zu stürzen.

Nachdem das Schlafzimmer um- und aufgeräumt war, alte Kleidung entsorgt und die neue Kommode, sowie das neue Nachttischchen aufgebaut waren, kam das letzte größere Projekt an die Reihe: das neue Büro. Dieses war zuvor ein Wohnzimmer und hat praktischerweise einen Balkon. Meine Dachgeschoss-Wohnung hat ja aus technischen Gründen leider keine direkt anschließende Terrasse oder gar einen Balkon. Daher freue ich mich nun, einen Stock tiefer, besagten Balkon nutzen zu können.

Doch bevor das Büro bezogen werden konnte, standen so einige Arbeiten an. Da ich am Feiertag, dem 1. November, nicht ausmalen wollte, begannen die vorbereitenden Arbeiten am Dienstag. Löcher wurden gestopft, improvisierte Regale entfernt, der Boden mit Plastik ausgelegt, Vorhangstangen demontiert. Zuerst wollte natürlich ausgemalt werden. Zwar waren die Wände alles andere als fleckig, aber einmal drüber malen und die frisch gestopften Löcher überpinseln hilft bei einem frischen Gefühl im Raum. Ausgemalt wurde natürlich in einem neutralen weiß, denn Farbe kommt durch Deko und Bilder rein. Anschließend eine Wand mit neuen Bodenleisten versehen, ordentlich durchwischen und die bereits vorhandenen Möbel konnten aufgestellt werden.

Schließlich fehlte nur noch ein Trip zu Ikea, sodass ein großer, geräumiger Eckschreibtisch entstand. So kann eine Ecke als Home-Office-Platz dienen, während die andere Seite für etwaige Hobby-Zwecke genutzt werden kann. Und ja, ich habe tatsächlich eine vorwiegend schwedische Einrichtung, auch wenn natürlich andere Möbelhäuser in der Wohnung vertreten sind. Das Büro ist allerdings hauptsächlich skandinavisch. Ein Regal und ein gemütlicher Sessel haben ebenfalls schon darin Platz gefunden, sodass ich den Raum entsprechend einräumen konnte.

Ich vertrete bei neu eingerichteten Räumen oder Wohnung, anfangs nicht zu viel Kram zu besorgen. Seien es Möbel oder etwaige Dekoration, wie Bilder. Man sollte immer erst auch etwas Zeit darin verbringen. So bekommt man ein Gefühl für den Raum und was man wirklich benötigt. Nicht nur um sich wohlzufühlen, sondern auch um den Zweck des Raums herauszufinden.

Mit der Neuorganisation des Schlafzimmers und dem Einrichten eines Büros/Hobby-Raums endet ein großes Vorhaben, welches mich schon länger beschäftigt. Seit einiger Zeit überlege ich bereits, wie ich gewisse Räume umgestalten kann und was ich loswerden möchte. Nun kann es an diverse Kleinigkeiten gehen. Bestimmte Sachen gehören noch verkauft oder in den Keller geräumt. Wobei sich auch dort Dinge befinden, die entsorgt werden möchten. Aber das sind alles Vorhaben, die sich perfekt eignen, um über die dunkleren Herbst- und Wintermonate erledigt zu werden. Aufräumen soll in gewisser Weise auch Freude bereiten, sodass man sich in den eigenen vier Wänden wieder wohler fühlt. Da sollte man nichts vom Zaun brechen.

Nachttisch & Zwecke

Gestern habe ich darüber berichtet, wie ich mein Schlafzimmer neu eingerichtet habe. Damit ging nicht nur die Anschaffung einer neuen Kommode einher, sondern auch ein neuer Nachttisch. Ich glaube, es ist das erste Mal, dass ich so ein dediziertes Möbelstück besitze. In den vergangenen Jahren reichte ein 2 × 2 Billy-Regal von Ikea aus. Doch dieser war zugleich Lagerplatz für alles Mögliche und ich wollte mal etwas Kleineres und vielleicht auch nützlicheres. Davor nutzte ich aus Platzgründen ein Bücherregal als entsprechendes Möbelstück, und davor war es mal ein kleines Beistelltischchen oder sonstige Dinge.

Die Kommode und das Nachtkästchen sind nun aus der Hemnes-Kollektion und passen wunderbar ins Schlafzimmer. Man könnte fast sagen, sie verströmen einen Hauch Landhausstil. Doch nun, da ich ein solches Möbelstück habe, stellt sich die Frage: wofür nutzt man das überhaupt? Klar, obendrauf stellt man einen Wecker und eventuell etwas, das Licht spendet. In der Nacht finden darauf Apple Watch und iPhone Platz. Unter anderem, um Podcasts zum Einschlafen abspielen zu können. Ich habe außerdem gerne ein Glas Wasser parat. Doch wozu nutzt man die Schubladen?

Alles, was davor im Billy-Regal stand, ist anderswo verstaut oder hat erneut in diesem simplen, doch praktischen Möbelstück Platz gefunden, das an anderer Stelle steht. Ich benötige sonst in der Nacht nichts und die Schubladen bleiben vorwiegend leer. Es hilft natürlich, eine entsprechend große Kommode im Raum zu haben, damit man Dinge verstauen kann. Ich bin mir noch nicht recht sicher über den Zweck eines solch spezifischen Möbelstücks. Vielleicht war es doch keine so schlechte Idee, quasi etwas Multifunktionales unterzubringen. Doch bin ich froh um den Platzgewinn im Schlafzimmer.

Jetzt, wo kein mittelgroßes Regal im Raum steht, kann ich sogar im Schlafzimmer trainieren, statt Küche/Esszimmer dazu zu nutzen. Und vielleicht reicht das schon als Grund aus, sich ein platzsparendes Möbelstück, wie einen Nachttisch, zu besitzen. Und es finden sich auch noch Dinge, die darin verstaut werden können. Vielleicht etwas, das ich nicht so oft benötige und dann in zwei bis drei Jahren überraschend hervorkramen kann.

Schlafzimmer & Organisation

Ich bin gerade dabei, meine Wohnung etwas umzugestalten. Vorwiegend das Schlafzimmer. Bisher hatte ich für Home-Office-Zwecke einen Schreibtisch darin stehen und nutzte es ebenfalls als Lagerplatz für alles Mögliche. Das sollte sich aber ändern. Ich habe das Glück, mir ein eigenes Büro einrichten zu können, das dann ebenso als Hobbyraum dient. Aber erst einmal sollte das Schlafzimmer fertig werden.

Die Arbeit begann vergangene Woche Freitagmittag direkt nach der Arbeit, und um halb zwei morgens war ich schließlich im Bett. Zuerst musste ich natürlich sämtliche Regale und den Schrank ausräumen. Dann haben wir Schränke abgebaut, entsorgt und einen anderen aufgebaut. Dinge wurden im Haus herumgeschleppt. Warum müssen alte Möbel immer so schwer sein? Außerdem war ein Trip zu IKEA notwendig, um eine neue Kommode und einen Nachttisch zu besorgen. Zudem haben wir gleich alles zum nahe gelegenen Altstoffsammelzentrum gebracht, damit es nicht wieder wochenlang herumliegt.

Es war ein ereignisreicher und anstrengender Tag. Die größte Herausforderung allerdings war nicht, zwei Schränke ab- und aufzubauen oder alles wieder halbwegs geordnet einzuräumen. Das waren alles Kleinigkeiten. Das komplizierteste war überraschenderweise, die Kommode von IKEA ab neun Uhr abends aufzubauen. Es gibt einige fast identische Teile, die die Anleitung nicht ordentlich identifiziert. Ich kann mich täuschen, aber ich glaube, die Anleitungen von IKEA sind in den vergangenen Jahren schlechter geworden. Natürlich liegt das zweimalige falsche Zusammenbauen gewisser Teile keinesfalls an Müdigkeit oder so. Doch etwas besser hätte man die Anleitung durchaus machen können. Ein zusätzlicher Hinweis hier und eine Markierung dort hätten ausgereicht. Doch auch das war irgendwann geschafft.

Das ganze Unterfangen war eine gute Gelegenheit, sich von Dingen zu verabschieden, die schon viel zu lange irgendwo herumliegen. Wer kennt es nicht, man denkt sich, man benötigt etwas mit Sicherheit später noch einmal, nur um es nach zwei bis drei Jahren in einer dunklen Ecke des Schrankes zu finden. Auf- und Ausräumen ist zwar stets anstrengend, aber die Mühen am Ende wert. Die Hoffnung ist nur, dass man sich nicht allzu schnell Neues anschafft, das man zu gegebener Zeit erneut im Schrank entdeckt. Aber man wird ja älter und weiser, denke ich zumindest.

Jedenfalls ist das Schlafzimmer geschafft, es sieht durch die helleren Möbel größer und geräumiger aus und es gefällt mir wirklich gut. Gelegentlich etwas in der Wohnung zu verändern, ist etwas Tolles. Immerhin verändert man sich mit der Zeit auch selbst und damit die eigenen Anforderungen und Bedürfnisse. Manchmal ignorieren wir das vielleicht zu lange. Es können schon Kleinigkeiten sein, die einen großen Unterschied machen.

Elden Ring & Gatekeeping

In den vergangenen Wochen war es Spiele-technisch abwechslungsreich. Erst habe ich einen weiteren Durchlauf in Lies of P, als Vorbereitung auf das DLC, hinter mich gebracht; es ist und bleibt ein fantastisches Spiel. Es überzeugt nicht nur mit brillanter Kampftechnik, sondern tollen und geradezu ausufernden Möglichkeiten, Waffen anzupassen und einen eigenen Stil zu finden. Dann habe ich Zelda: A Link to the Past angespielt, um Erinnerungen nachzuhängen und in nostalgischen Gefühlen zu schwelgen. Schließlich kam noch eine Remaster-Version von Darksiders 2 für die aktuelle Konsolen-Generation heraus. Treffender Titel ist natürlich Deathinitive Edition.

Gerade hat mich allerdings wieder einmal das Elden Ring Fieber gepackt. Es ist mir unerklärlich, wie mich ein Spiel, in das ich schon weit über 300 Stunden investiert habe, noch immer so begeistern kann. Nicht nur, dass ich einen eigenen Challenge-Run begonnen habe, nein, ich schaue zusätzlich noch etliche Videos darüber. Es wird einfach nicht langweilig. Vor allem schaue ich gerne Videos, in denen Mods verwendet werden oder sich zwei Streamer eine Art Duell liefern. Es geht darum, wer am schnellsten ein bestimmtes Ziel erreicht hat.

Mods sind leider kein Thema auf Konsolen und sich extra dafür einen Gaming-PC zuzulegen, lohnt sich nicht. Zum Glück gibt es YouTube und man kann trotzdem in den Genuss von Mods kommen. Meine Standard-YouTuber Jokerface und Bushy habe ich dafür noch um einen erweitert: Captain Domo. Seine Videos sind hervorragend geschnitten und dadurch kurzweilig, aber sehr unterhaltsam. Jeder YouTuber scheint seine eigene Art zu finden, an ein Spiel heranzugehen, auch wenn sie dasselbe Spiel spielen. Es fasziniert mich immer wieder.

Aber was mich eigentlich dazu gebracht hat, einen erneuten Durchlauf in Elden Ring zu wagen, waren die Videos von OneGhostyBoi (die Namen der Kanäle sind einfach grandios). Bedauerlicherweise macht dieser nicht allzu oft Videos. Er hat auch viel zu wenige Abonnent*innen für die Qualität, die er abliefert. Die Videos sind fantastisch und hochwertig gemacht, er ist ein toller Sprecher und hat einen guten Sinn für Humor. Zudem informiert er sich scheinbar ausführlich für seine Videos und Challenge-Runs und hat tolle, inspirierende Sichtweisen auf die teils toxischen Seiten der Souls-Community.

Diese Seite wurde besonders bei Elden Ring sichtbar. Immerhin bietet das Spiel diverse Möglichkeiten, sich den Schwierigkeitsgrad selbst anzupassen. Nicht dadurch, dass man diesen direkt einstellt, sondern durch geschickte Spielmechaniken. Zum einen gibt es unzählige Möglichkeiten, den eigenen Spielstil zu gestalten und zu optimieren. Von Krieger über Magier hin zu spezifischen Builds, die sich spezielle Statuseffekte zunutze machen, kann man sehr viel testen. Zum anderen kann man sich sogenannte Aschen bei Kämpfen zu Hilfe rufen. Das sind Geister von Kriegern, die man zuvor bezwungen hat und nun für seine eigenen Zwecke nutzen kann. Oder aber man nutzt die diversen NPCs, die in Bosskämpfen unterstützen.

All diese Optionen dienen dazu, das Spiel einsteigerfreundlich zu machen, ohne den allgemeinen Schwierigkeitsgrad zu reduzieren. FromSoftware hat hier eine wunderbare Möglichkeit gefunden, sowohl Neueinsteiger als auch Veteranen von Souls-Spielen abzuholen. Doch manchen Spielern scheint das nicht zu passen. Für meine ersten beiden Durchläufe habe ich alle möglichen Hilfestellungen benutzt, weil ich die Erfolgserlebnisse brauchte und mich nicht stundenlang mit Bossen beschäftigen wollte. Mir ging es um das Erkunden der Welt, das Erleben des Spiels.

Doch für manche bedeutet das Nutzen dieser Hilfestellungen, dass man das Spiel nicht wirklich durchgespielt hat. Man hat es nicht verdient, man hat es falsch gemacht; hat es nicht so gespielt, wie es die Schöpfer im Sinn hatten. Richtige Souls-Spieler brauchen nichts weiter als ein Schwert (nicht einmal ein Schild ist erlaubt) und die eigenen Fähigkeiten. Sich durch Bosse zu quälen und nach stundenlangen Kämpfen siegreich hervorzugehen, ist Pflicht. So muss das sein. Nicht anders.

Alles natürlich kompletter Blödsinn. Wenn mir Spiele Mechaniken zur Verfügung stellen, die ich nutzen möchte, um mich etwas zu unterstützen, damit ich nicht frustriert nach ein paar Stunden aufhöre, dann nutze ich diese. Dieses künstliche Gatekeeping, welches natürlich nicht nur Souls-Spiele betrifft, sondern auch in anderen Communitys und Hobbys vorkommt, ist toxisch und sollte von allen ignoriert werden. Es sind einfältige Menschen, die sich wichtig vorkommen wollen. Spiele sollen Spaß machen und jede*r sollte sie auf die eigene Art erleben.

Elden Ring ist ein Meisterwerk der Spielgeschichte und wenn es schon Möglichkeiten bietet, damit umso mehr Spieler*innen diese großartige Welt erkunden und entdecken können, dann ist das doch großartig. Besonders wenn es, wie für mich, das erste soulslike-Spiel ist, dass man spielt, sollte und muss das erste Erleben ein Erfolg sein. Niemand sollte sich von anderen einreden lassen, wie er oder sie ein Spiel zu spielen hat. Solange es Freude bereitet und mir Spaß macht, habe ich alles richtig gemacht.

Für mich selbst habe ich entdeckt, dass ich nach über 300 Stunden bereit bin für etwaige Herausforderungen. Nur mein Schwert und ich, sonst nichts. Der Fokus liegt auf den Bossen und ich stelle mich ihnen allein. Ich entdecke das Spiel von einer neuen Seite und es ist großartig. Aber für meinen ersten Durchlauf wäre das fatal gewesen. Ich hätte es nie durchgespielt, geschweige denn mir das DLC gekauft.

Und selbst wenn ich mir selbst diese Herausforderung stelle, inspiriert von OneGhostyBoi, und ich mir bei Gegnern besonders schwertue, dann rufe ich die entsprechenden NPCs zur Unterstützung. Bisher war das beim »Draconic Tree Sentinel« und »Radahn« (die Variante in Caelid) der Fall. Der Sentinel hat mich frustriert und Radahn ist ein chaotischer Kampf; für mich völlig unübersichtlich. Aber dann ist es immer noch meine Entscheidung und ein valider Durchlauf.

Wir opfern Zeit und Geld, um diese großartigen Spiele zu erleben. Elden Ring, Lies of P und all die anderen, die versuchen, in ihre Fußstapfen zu treten, erschaffen faszinierende Welten und eigene Mythologien. Die Charaktere sind spannend geschrieben und manchmal sehr ominös oder mysteriös. Das Design der Bosse ist durchdacht und in den besten Spielen dieser Art nie unfair. Außerdem sehen die meisten einfach nur verdammt cool aus und bestechen durch tolle Sprecher*innen. Wie so oft muss man die negativen Stimmen ausblenden und auf sich selbst hören. Spiele sollen Spaß machen. Sie sind ein Hobby. Alles andere kann man ignorieren.

To the stars and back

Ich schreibe mittlerweile schon seit Jahren Texte über Comics, Filme und Serien. Mal mehr, mal weniger. Trotzdem fällt es mir immer wieder schwer, einen geeigneten Einstieg zu finden. Nicht immer natürlich, allerdings merke ich einen besonders hohen Anspruch an den eigenen Text, wenn mir das Material, über das ich schreibe, wichtig ist. Es ist mir ein Anliegen, jeder Geschichte einen eigenen Twist zu geben, etwas, das heraussticht. Es wird schnell langweilig, immer wieder dieselben Punkte und Superlative zu lesen.

»To the star and back« ist ein Beispiel dafür, dass mir eine Geschichte viel bedeutet. Besonders bei Webcomics fällt mir immer wieder auf, dass eine stärkere Verbindung zu den Charakteren und ihren Erlebnissen besteht als bei anderen Geschichten. Das liegt zu einem großen Teil sicherlich am Format selbst. Webcomics werden traditionellerweise wöchentlich aktualisiert und mit einem neuen Kapitel versehen. Wie umfangreich diese ausfallen, ist von den Autor*innen abhängig. Die Tatsache ist, dass, selbst wenn ich wollte, ich nicht schneller weiterlesen kann, da es keine weiteren Kapitel gibt. Ich muss warten, bis der Autor oder die Autorin neues Material veröffentlicht.

Dadurch, dass die Autor*innen meist „nur“ einmal die Woche neue Kapitel zur Verfügung stellen, kommt es nicht selten vor, dass ich alle bisherigen Kapitel erneut lese. Etwa einmal im Jahr oder alle zwei Jahre würde ich sagen. Immerhin ist es keine Seltenheit, dass Webcomics eine dreistellige Anzahl an Kapiteln aufweisen und über viele Jahre laufen. Da dauert es schon eine Weile, bis man mit allem durch ist.

Wenn ich mich recht erinnere, ist »To the stars and back« einer der jüngsten Webcomics, die ich verfolge, aber das mittlerweile auch schon mehrere Jahre. Seit ich nicht mehr so häufig Comics lese, sinkt natürlich auch meine Entdeckungsrate für neues Material. Aber mit meinem Vorhaben, mehr queere Geschichten vorzustellen, wird sich das sicherlich bald ändern. Aber kommen wir zum eigentlichen Comic.

»To the stars and back« ist eine slice-of-life Geschichte, wie man im Englischen so schön sagt. Es wird also ein Stück aus dem alltäglichen Leben der Charaktere erzählt, ohne übernatürliche Ereignisse, Fantasy- oder Science-Fiction-Elemente. Die beiden Protagonisten sind der introvertierte Einzelgänger Kang Dae und sein neuer, lebensfroher, eher extrovertierter Nachbar und Studienkollege Bo Seon. Schnell merken die beiden, dass sie sich sehr gut verstehen und lernen sich immer besser kennen.

Besonders schön an der angehenden Beziehung zwischen Kang Dae und Bo Seon ist, dass sie sehr selbstverständlich mit ihrer Homosexualität umgehen. Die Identitätsfindung ist für beide, sie sind etwa Anfang 20, was dieses Thema anbelangt, weitgehend abgeschlossen. Eine wirkliche Beziehung hatten beide allerdings noch nicht. Ihr respektvoller Umgang miteinander ist immer wieder toll zu beobachten. Sie gehen auf die Bedürfnisse des jeweils anderen ein und verstecken ihre Beziehung auch nicht. Ich mag es, wenn coming-of-age-Geschichten (wenn man »to the stars and back« als solche bezeichnen kann) mit Konventionen brechen und versuchen einen eigenen Weg zu gehen.

Jedoch haben beiden ihre Päckchen aus der Vergangenheit zu tragen, wenn nicht zu sagen, große Lasten. Diese werden nach und nach immer mehr behandelt. Hier besticht das fantastische Talent des Autors für pointierte Dialoge und gefühlvolle Szenen. Die beiden müssen erst lernen, was es heißt, jemandem wirklich zu vertrauen und mit ihrer Vergangenheit zurechtzukommen. Besonders Bo Seon fällt dies sichtlich schwer. Kang Dae drängt ihn allerdings nicht dazu, sich zu öffnen, sondern lässt ihm Zeit. Er redet mit Freunden und versucht einfach nur so gut es geht für Bo Seon da zu sein.

Wir als Leser*innen lernen dabei ebenfalls Stück für Stück mehr über ihre Vergangenheit. Mal sind die Brotkrumen deutlicher zu lesen oder auch expliziter dargestellt, manchmal sind es nur kleine Anmerkungen. So hat »to the stars and back« für mich ein enormes Potenzial, öfter gelesen zu werden. Man entdeckt immer wieder Kleinigkeiten oder Verbindungen, die man zuvor nicht bemerkt hat.

Was ebenfalls positiv auffällt, ist, dass die Nebencharaktere gut ausgearbeitet sind. Bei solchen Geschichten kann es durchaus vorkommen, dass Nebencharaktere schnell nervig ausfallen oder zu viel Platz einnehmen. Peglo, der Autor, findet allerdings stets die richtige Dosierung. Es macht sehr viel Freude, diese Geschichte zu lesen. Vor allem auch deshalb, weil sich die schwierigeren Themen und Szenen mit leichtfüßigen, tänzelnden, schönen Szenen wunderbar abwechseln. Der Alltag von Kang Dae und Bo Seon findet ebenso Platz wie die besonderen Ereignisse. Es ist eben wie im echten Leben auch. Es ist meistens nicht alles stets düster und traurig, sondern vieles wechselt sich ab, findet manchmal sogar gleichzeitig statt. Diese nachvollziehbare und realitätsnahe Darstellung der Charaktere gelingt immer wieder aufs Neue.

»To the stars and back« ist ein großartiger Webcomic. Die Geschichte von Kang Dae und Bo Seon ist mit viel Feingefühl, Witz und Leidenschaft geschrieben. Die Zeichnungen bestechen durch eine Dynamik, sodass stets ein kleiner Film im Kopf abläuft. Sowohl die Charaktere selbst als auch ihre Welt und die Personen darin wirken lebendig, durchdacht und mit Liebe zum Detail gestaltet. »To the stars and back« gehört zu meinen absoluten Favoriten, was Webcomics anbelangt.

Zu lesen ist »to the stars and back« auf Webtoons.

80 + Mozartkino

Am Samstag war ich zum ersten Mal im Mozartkino in Salzburg. Eigentlich eine Schande, gehört es doch zu den ältesten Kinos Europas. Doch besser spät als nie, wie man so schön sagt. Passenderweise sah ich mit Freund J. einen österreichischen Film im dortigen Römersaal an. Diesen wollten wir unbedingt aufsuchen, da dort noch ein Teil einer alten römischen Mauer steht. Ich hatte mir zwar etwas mehr erwartet als einen unförmigen Stein, trotzdem ein beeindruckendes Stück Geschichte.

Der Rest des Saals ist mit römisch angehauchten Bildern und Säulen geschmückt. Um ehrlich zu sein, hatte ich mir ein etwas heruntergekommenes Kino erwartet. Wie gesagt, war ich noch nie drin und habe mich auch nicht damit beschäftigt. Manchmal hat man allerdings unbegründete Vorurteile, selbst Gebäuden gegenüber. Umso positiver war ich überrascht, als ich entdeckte, dass es zwar ein kleiner, eher eng bestuhlter Saal war, in dem man sich trotzdem schnell wohl fühlte. Nur Getränkehalter fehlen leider.

Angesehen haben wir uns 80 Plus mit Christine Ostermayer (Helene), Margarethe Tiesel (Toni) in den Hauptrollen. Bei Helene ist Krebs zurückgekommen, und sie möchte sich den Torturen der Behandlungen nicht ein zweites Mal aussetzen. Deshalb will sie in die Schweiz, um Sterbehilfe zu bekommen. Ihr Neffe will sie allerdings aus Gründen nicht dorthin fahren. Im Pflege- oder Kurheim lernt sie allerdings Toni kennen, die anbietet, sie in die Schweiz zu fahren. Die beiden unternehmen also einen spontanen Roadtrip über Land und Berg.

Trotz des durchaus ernsten Grundthemas ist es ein überaus lustiger Film. Es ist eine hohe Kunst, die richtige Dosis zu finden zwischen den ernsthafteren, tiefgründigen Momenten und den lustig heiteren Augenblicken. Doch dieser Film schafft dies mit Bravour. Hollywood-Produktionen, die mehrere hundert Millionen Dollar kosten, schaffen nicht, was dieser Film mit einer scheinbaren Leichtigkeit hinbekommt. Das liegt sicherlich auch an den beiden fantastischen Hauptdarstellerinnen.

Die beiden haben eine wunderbare Chemie und ergänzen sich großartig. Ihr komödiantisches Timing ist bestechend, und man bekommt nicht genug von den tollen Interaktionen zwischen Toni und Helene. Die Situationen, in die sie sich hineinmanövrieren, sind so absurd, wie die Lösungen dafür realistisch und glaubwürdig ausfallen. In dem Film steckt sehr viel drin und so wirken die 95 Minuten sehr viel länger. Es ist stets gutes Zeichen, wenn man es schade findet, dass eine filmische Reise zu Ende geht, als das man froh ist, endlich aufstehen zu können.

80 Plus ist ein großartiger Film, den man sich nicht entgehen lassen sollte. Die emotionale Reise in die Schweiz wird mit beeindruckenden Bildern untermalt. Die Berge werden wunderbar eingefangen und dienen als perfekte Kulisse für die Abenteuer von Helene und Toni. Bei solchen Filmen ist es schwierig, ein gelungenes Ende zu finden, doch selbst das schafft 80 Plus. Der Film lädt ein, sich selbst über das Thema und die vorkommenden Diskussionen Gedanken zu machen.