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Faszination Horror

Ich habe in meiner Kindheit gerne Stephen King Bücher gelesen (und lese sie weiterhin gerne), genauso wie andere gruselige Literatur. Bisweilen zieht es mich auch zu Thrillern hin, wie The Invisible Man (Der Unsichtbare), und ich hatte vor Jahren einmal eine Phase, in der ich mir die Saw-Teile gerne ansah. Das ist jedoch eine Reihe und ein spezifisches Film-Genre, das ich heute gerne vermeide. Als klassischen Horror-Fan habe ich mich allerdings nie gesehen.

Das scheint sich jetzt zu ändern. Zumindest ein wenig, denn über die vergangenen Monate wird mir immer mehr bewusst, dass ich dem Genre nicht abgeneigt bin. Besonders Horror-Spiele haben es mir angetan. Dabei sind mir die subtileren Horror-Spiele, die mit einer (beklemmenden) Atmosphäre arbeiten oder aber auf psychologischen Horror setzen, lieber als diejenigen, die mit plumpen Jump-Scares arbeiten. Natürlich können diese eine interessante Rolle innerhalb eines Spiels einnehmen, aber sie sollten nicht das Zentrum darstellen.

Dazu muss ich allerdings sagen, dass ich diese nicht selbst spiele, sondern mich auf gut gemachte Let’s Plays verlasse – meist natürlich die von TheRadBrad. Ich will diese Spiele nicht allein im dunklen Wohnzimmer durchstehen, aber sie trotzdem erleben. Let’s Plays sind da genau das Richtige. Und ich mag seine Herangehensweise an Playthroughs. Er redet nur in den tatsächlichen Spielsequenzen und hört sofort auf, sobald eine Cut-Szene kommt oder wichtige Dialoge der Charaktere. Ich habe auch schon andere Spieler ausprobiert, aber wenn man Horrorspiele während des Spielens ins Lächerliche zieht oder den Charakteren ständig ins Wort fällt, dann habe ich nichts von der Geschichte an sich.

Immer nur zuschauen ist aber auch fad, manchmal möchte man selbst Hand anlegen. Also habe ich mir, angespornt durch Freund C., und dank des Xbox Game Pass, das Dead Space Remake installiert. Bisher bin ich wirklich begeistert. Eine gute Atmosphäre und nicht zu sehr ins Horror-Genre abdriftend, sondern mit einer guten Portion Shooter-Mechanik bietet es viel Abwechslung. Zwar habe ich die Schwierigkeitsstufe auf »leicht« gestellt, weil ich an einer bestimmten Stelle immer wieder gescheitert bin, bis es mir gereicht hatte, aber das tut der dichten Atmosphäre und dem Setting keinen Abbruch. Vielleicht entwickelt sich Dead Space zu einer Art Einstiegsdroge und ich werde mich öfter selbst an Horror-Spielen versuchen. Wahrscheinlich nicht, aber man weiß ja nie.

Ich kann mir jedoch nicht vorstellen, Spiele wir Amnesia: the bunker, Silent Hill: the short message, Graveyard Shift oder Ähnliche selbst durchzuspielen. Es sieht doch eher stressig aus. Trotzdem haben diese Spiele und das Horror-Genre eine gewisse Anziehung. Ich mag auch die verschiedenen Arten der Umsetzung und wie Entwickler*innen immer wieder neue Wege finden, eine beklemmende Atmosphäre zu erschaffen. Horror/Furcht haben etwas gespenstisch Anziehendes an sich – vorausgesetzt man setzt sich diesem Gefühl freiwillig in Form von Entertainment aus, natürlich.

Seien es Bücher, Filme oder eben Spiele, es gibt die unterschiedlichsten Formen und Umsetzungen im Horror-Genre. Manche gehen eher Richtung Thriller, andere tendieren mehr zu Action, aber eine gelungene Atmosphäre und gut geschriebene Charaktere gehören immer dazu – sind unabdingbar. Meine Leidenschaft für Warhammer 40k würde ich tendenziell ebenfalls diesem Genre oder einer Subkategorie zuweisen.

Erst einmal bin ich aber noch mit Dead Space beschäftigt. Ich mag die kompakte Story und dass es nicht zu lange geht. Laut der fantastischen Website howlongtobeat.com dauert einmal Durchspielen zwischen 12 und 15 Stunden. Das ist ebenfalls eine Kunst, die die verschiedenen Medien verstehen müssen: zu wissen, wann man aufhören sollte.

Unfokussierte Konzentration

Vergangene Woche hatte ich ca. zwei Tage, an denen ich nicht so recht wusste, was ich mit mir anfangen sollte. Vielleicht kennen das die geneigten Leser*innen ebenfalls. Man will irgendetwas machen, sich um anstehende Sachen kümmern oder bei einem Projekt weiter kommen, aber man springt von einem zum Nächsten. Dabei richtet man nicht wirklich etwas aus, bleibt unfokussiert und unkonzentriert. Dazu kommt dann noch ein gewisser Drang, dauernd das iPhone in die Hand zu nehmen und alles Mögliche zu checken, auch wenn es sehr unwahrscheinlich ist, dass sich in den letzten 5 Minuten etwas Weltbewegendes verpasst habe.

Diese Tendenz, sich dann mit Hilfe des Smartphones abzulenken, ist groß. Ist doch das gemeine Versprechen, sich zumindest mit etwas zu beschäftigen. Ein persönliches Problem von mir ist allerdings, dass ich keine Social-Media-Apps installiert habe. Somit bleiben nur noch wenige Apps übrig. Eine davon ist meine E-Mail-App, um nachzusehen, ob mein lang erwartetes BlueBrixx-Set Das Planetarium des Astronomen endlich erschienen ist oder einer meiner abonnierten Newsletter eintraf. Dazu fehlte mir allerdings die Muse, sie zu lesen. Mehr Bücher brauchte ich mir auch nicht zu bestellen, also legte ich es unverrichteter Dinge wieder zur Seite.

Ich wollte mich auch nicht so recht mit dem zweiten Dune-Buch beschäftigen, weil es doch anstrengender war zu lesen, als das zweite. Außerdem fehlte mir ein aktuelles Spiel. Bei einer Unterhaltung mit Kolleg*innen bin ich auf Forza 5 aufmerksam geworden. Ich war bisher immer der Annahme anheimgefallen, dass es sich dabei um eine realistische Rennsimulation handelt.

Der Horizon-Ableger davon ist allerdings etwas offener und eher im Sinne von Need for Speed. Was schon eher meinem Metier entspricht. Need for Speed Hot Persuit gehört zu meinen absoluten Favoriten, was Rennspiele anbelangt, aber das habe ich über die Jahre schon so oft gespielt, dass es zwar weiterhin Spaß macht, aber trotzdem eintönig wird. Forza 5 Horizon kam also genau richtig. Und es ist im Xbox Game Pass enthalten, was natürlich half, da ich es mir wahrscheinlich so nicht gekauft hätte.

Ich dachte mir nämlich, wenn mich schon nichts wirklich zufrieden stellt und ich von einer Sache zur anderen Springe, dann sollte doch ein cooles, gut gemachtes Rennspiel funktionieren. Die Intro-Sequenz des Spiels hat mich dann direkt gepackt. Autos werden aus einem Flugzeug geworfen, man fährt in einen Sandsturm hinein, rast durch einen Dschungel und springt über Rampen. Action geladen, mit einer guten Steuerung. Die Rennen dauern nicht allzu lange, die offene Welt ist interessant, man kann einfach Punkte sammeln und machen, worauf man gerade Lust hat.

Über die folgenden Tage habe ich dann durchaus ein einige Stunden in das Spiel investiert und bin weiterhin begeistert. Zwar stören mich die Online-Features ein wenig und die „in-App-Käufe“, wenn man so will, aber die kann man ignorieren. Deaktivieren lassen sie sich scheinbar nicht. Aber Forza 5 Horizon trat genau zum richtigen Zeitpunkt in mein Leben.

Das ist jetzt alles über eine Woche her und das Spiel begeistert mich weiterhin. Das zweite Dune-Buch ist ebenfalls abgeschlossen und ich bin gerade dabei die beiden Bücher Boyfriend Material und Husband Material zu lesen. Das Erste hat mich von Seite 1 an gepackt – ich kann es kaum zur Seite legen. Ein schönes, witzig, aber auch tiefgründig geschriebenes Buch, das einem die Seele streichelt.

Tage, an denen ich nichts mit mir anzufangen weiß, habe ich selten. Aber wie so oft im Leben gilt es, solche Phasen zu akzeptieren und mit der Sicherheit im Hinterkopf zu leben, dass es vorbeigeht. Wichtig finde ich dabei, sich nicht mit Doom-Scrolling am Smartphone abzulenken, da es das nur schlimmer macht. Lieber ein gutes Buch finden, ein Spiel, das begeistert, rausgehen oder sich mit Menschen treffen, die einem guttun. Und natürlich die Augen offen halten, wer weiß, was man entdeckt.

Jäger und Sammler

Über die letzten Wochen habe ich mal wieder etwas mit der Ernährung experimentiert, weil mich eine Sache schon seit Längerem gestört hat: zu wenig Obst und Gemüse. Vielleicht ist »gestört« das falsche Wort dafür, aber es ist mir wie ein Mangel vorgekommen, den ich etwas mehr erkunden wollte. Man hat manchmal, wenn man in der Lage ist, auf die Bedürfnisse des eigenen Körpers zu hören und gewillt ist, diese wahrzunehmen, einen Sinn dafür, was man braucht. Ein Gefühl, auf das es sich zu hören lohnt. So habe ich mich hierbei auf mein Körpergefühl verlassen und mich mit Obst, Gemüse und Nüssen eingedeckt.

Vielleicht war es zusätzlich eine verspätete Reaktion auf das fantastische ernährungswissenschaftliche Buch von Bas Kast, welches ich Anfang des Jahres gelesen hatte. Die Studien, die der Autor darin zitiert und Vorschläge, die er anbringt, begeistern mich schon lange und ich versuche diese immer wieder in meinen Alltag einzubauen. Manchmal brauchen Veränderungen allerdings gerne etwas länger, bis sie einem in Fleisch und Blut übergehen.

Aber egal, was schlussendlich der Auslöser oder es ein Zusammenschluss aus verschiedenen Gründen war, ich bin wirklich begeistert von dieser natürlichen Ernährung. Mit natürlich meine ich unverarbeitet, naturbelassen und solcherlei Dinge. Besonders in der ersten Tageshälfte setze ich aktuell sehr auf viel unterschiedliches Obst, verschiedenste Nüsse und Joghurt. Auch gewisse beigaben wie Chia- oder Leinsamen, Kürbis- bzw. Sonnenblumenkerne dürfen nicht fehlen. Abends kommt dann meist Gemüse an die Reihe (sei es roh in Salatformen oder verschiedenste Tiefkühlgemüse Varianten). Das gerne mit Fisch (mal paniert, mal nicht paniert, je nach Lust und Laune).

Ich bilde mir ein, bereits eine Veränderung zu spüren – dass es mir mit diesen „natürlichen“ Dingen besser geht. Das heißt aber nicht, dass es nichts Süßes gibt oder ich kein Brot mehr esse oder sonstige Leckereien außen vor lasse. Ich mochte noch die »Diäten«, die mit Verboten arbeiteten und Verzicht predigten. Aber das Bedürfnis nach solchen Sachen ist von selbst auf jeden Fall geringer geworden, Heißhunger weniger und das allgemeine Körpergefühl besser. Es ist immer wieder interessant, was verschiedene Ernährungsweisen und Experimente an Auswirkungen mit sich bringen. Natürlich, wie Bas Kast im Buch schreibt, passt nicht eine Ernährung für jeden Menschen, aber gewisse Eckpfeiler lassen sich durch Studien durchaus untermauern.

In diesem Sinne kann ich nicht nur das Buch wärmstens empfehlen, sondern auch Experimente mit der Ernährung zu wagen. Im schlimmsten Fall hat man etwas Neues über sich selbst gelernt.

Diskussionsgrundlagen

Vor einigen Jahren habe ich an einer Fortbildung teilgenommen, die unter anderem zum Thema hatte, wie man schwierige Gespräche führt. Seien es Streitigkeiten unter Kolleg*innen, Versetzungen, das Ansprechen heikler Angelegenheiten oder sonstige Themen. Wie es oft der Fall ist, zumindest wenn es sich um einen guten Kurs handelt, sind Rollenspiele ein erheblicher Teil des Programms. Man bekommt ein Szenario vorgelegt, liest sich in die jeweilige Rolle kurz ein, macht sich Gedanken darüber, wie man ein solches Gespräch führen möchte, was die Ziele sind und legt los.

Genauso oft wie sie vorkommen, sind solche Rollenspiele, wie mir scheint, aber auch verhasst. Verhasst ist vielleicht ein etwas starkes Wort, aber sie stoßen doch auf eher mäßige Begeisterung. Doch sie sind ein wichtiger Teil dieser Kurse, da man erst so lernt, mit vergleichbaren Situationen umzugehen. Natürlich können solche gestellten Situationen nie die Realität komplett abbilden, doch wenn man sie ernst genug nimmt, kann man immer etwas daraus lernen. Sei es als Beobachter oder Teilnehmer.

Besonders wenn man zuerst nur die anderen Teilnehmer*innen beobachtet, denkt man sich gerne, dass man es doch selbst sicher besser hinbekommen würde, bis man im Zentrum der Aufmerksamkeit sitzt. Hat man sich aber erst einmal überwunden, fällt es leichter, sich in die Situation hineinzuversetzen und vergisst vielleicht sogar, dass man beobachtet wird. Manchmal vergisst man sogar während des Rollenspiels, was überhaupt das Ziel dieses spezifischen Szenarios ist, was man in dem Gespräch erreichen will – nicht, dass mir das bereits passiert wäre.

Zwar sind mir nicht unbedingt die spezifischen Szenarien im Kopf geblieben, aber eine Lektion, die ich mir davon mitgenommen habe, durchaus. Ich habe mit dem Kursleiter eines der Szenarien durchgespielt und es war wirklich ein heikles Thema, bei dem es um zwei Arbeitskollegen ging, die gemeinsam ein Projekt realisieren sollten. Leider sind mir die Details nicht mehr so recht bewusst, aber ich weiß noch, dass ich mir von Anfang an unsicher war, wie ich an das Gespräch herangehen soll. Ich kam immer wieder ins Stocken, überlegte, was ich sagen soll oder wie ich am besten auf die Rhetorik meines Gegenübers reagiere. Etwas brachte uns sogar einmal komplett raus, als ich etwas verdutzt reagierte und ein Arbeitskollege lachte und mich dadurch ebenfalls aus der Rolle brachte. Alles natürlich kein Problem, es gehört eben zu dieser Art Kurs dazu und zu ernst muss man es ja auch nicht nehmen.

Aber was der Kursleiter in dieser kleinen Unterbrechung gesagt hat, ist mir noch heute im Gedächtnis geblieben. Ich hatte nämlich angemerkt, dass ich mich teilweise für nicht schnell genug in meinen rhetorischen Retouren hielte oder als das, was man im Englischen als quick witted bezeichnen würde – also als schlagfertig. Jede*r kennt wahrscheinlich das Gefühl oder die Situation, dass erst nach einer Diskussion oder Unterhaltung das perfekte Argument, ein toller Satz oder was auch immer einfällt. Beim nächsten Mal hat man es dann aber parat. Und im Eifer des Gefechts vergessen doch alle manchmal genau die richtigen Argumentationen, die man zuvor noch wusste.

Wie dem auch sei, der Kursleiter betonte nicht nur, dass man die anderen meist als besser, in dem Fall also als rhetorisch schlagfertiger ansieht, als man sich selbst einschätzen würde. Außerdem ist es ratsam, sich manchmal etwas mehr Zeit zu lassen, zu überlegen und es nicht unbedingt besser ist, immer mit dem ersten Gedanken in die Situationen hineinzugehen. Wenn wir einmal ehrlich sind, ist das allgemein ein guter Rat.

Jede Situation, Diskussion, Streits oder was auch immer sind immer individuelle Situationen. Die Kontexte, in denen sie stattfinden und die Atmosphäre machen viel aus, genauso die Vertrautheit der Diskutierenden. Aber ich habe solche Kurse zu schätzen gelernt, da sie eine gute Vorbereitung sind. Man kann sich in einem sicheren Umfeld ausprobieren. Das allein ist von unschätzbarem Wert.

Geschenkte Blumen

Am Wochenende habe ich überraschend eine Blume geschenkt bekommen, was mich sehr gefreut hat. Tatsächlich glaube ich, dass ich eine einfache Schnittblume zuvor noch nicht geschenkt bekommen habe. Deshalb bereitet es mir umso mehr Freude, diese auf meinem Esstisch bewundern zu können. Das hat mich an ein Zitat erinnert, welches ich vor einiger Zeit gelesen habe, das ich aber nicht mehr wortgetreu wiedergeben kann.

Es geht darum, sich selbst etwas Gutes zu tun; es geht um die Wertschätzung des einen selbst und darum, sich nicht von anderen abhängig zu machen. Es wird vorgeschlagen, alleine essen zu gehen, sich selbst Blumen zu schenken oder einfach ins Kino zu gehen. Grundsätzlich geht es schlicht ergreifend darum, ein Date mit sich selbst zu arrangieren und sich des Lebens zu freuen. Die Idee hat etwas an sich. Ich ging früher gerne alleine ins Kino und habe dies vergangene Woche durch Dune wieder für mich entdeckt. Oder auch mal alleine wo hinzufahren und Dinge zu unternehmen. Man muss sich nicht von anderen abhängig machen.

Wenn man dann aber von jemandem spontan eine Blume geschenkt bekommt, ist es umso erfreulicher. Also mein Aufruf heute lautet schlicht: verschenkt mehr Blumen, besonders an Menschen, die es vielleicht nicht erwarten. Bereitet jemandem eine Freude, oder schenkt euch selbst Blumen. Verbreitet Positives in der Welt.

Husband Material und die Kunst, zu entschädigen

Heute geht es weiter mit der Besprechung des Buches Husband Material, die ich gestern begann (Husband Material und die Kunst, zu enttäuschen). Wie berichtet, sind die ersten 30 % von Husband Material sehr anstrengend. Es geht auch noch zum Teil so weiter, da die nächste Hochzeit, die ansteht, diejenige von Miles und JoJo ist. Miles ist Luciens Ex-Freund, der ihn vor nunmehr sieben Jahren zutiefst betrogen und ihre Geschichte für viel Geld an die Klatschpresse verkauft hat. Luciens Eltern sind, genauer gesagt waren, erfolgreiche Musiker, was ihn natürlich auch zu einem Interesse für diese Blätter macht. Nun treffen sich die beiden zufällig wieder und Miles lädt Lucien zu seiner Hochzeit ein.

Die Idee einer Konfrontation der beiden hatte ich schon während des ersten Buches im Kopf. Es war absehbar, dass es diese geben musste, damit Lucien eine Art Abschluss finden und Oliver mit ihm gemeinsam dieses Kapitel zuklappen kann. Doch es hätte nicht unbedingt eine weitere Hochzeit gebraucht, um dies zu realisieren. Was ich allerdings sehr zu schätzen wusste, ist, dass Miles Verlobter JoJo zu Lucien ins Büro kam und die beiden eine wirklich herzliche und offene Unterhaltung über Miles und die vergangenen Ereignisse hatten. Das war einer der Momente, in denen ich ahnte, dass das Buch besser und seine Momente haben würde.

Es folgen daraufhin einige großartig geschriebene Szenen und Momente, die ich gerne als eine kleine Aufzählung abhandeln würde. Es geschieht einfach sehr viel und dies erlaubt mir eine kompakte Besprechung der wichtigsten Ereignisse:

  • Eine Szene, die zur Abwechslung nicht auf einer Hochzeit stattfindet, ist der spontane Hochzeitsantrag von Lucien. Es ist ein toll geschriebener Augenblick aus dem Alltag der beiden, wo sie einfach miteinander funktionieren, sich verstehen und trotzdem gewisse Probleme überwinden. Solche Alltagsmomente hätte ich mir gerne mehr gewünscht.
  • Die dritte Hochzeit ist von Alex. Einem Kollegen von Lucien. Die Fahrt dorthin wird zu einem Arbeitsausflug, wo auch Oliver dabei ist. Es ergeben sich einige lustige Situationen, die Bande wird verhaftet, findet aber doch noch zur Hochzeit. All diese Momente hätte man ebenso haben können, wenn es ein „normaler“ Ausflug der Kolleg*innen mit ein oder zwei Partner*innen gewesen wäre.
  • Die darauffolgende Sequenz zwischen Oliver und Lucien im Hotelzimmer bestärkt diesen Eindruck abermals. Denn diese dreht sich um Olivers psychischen Probleme. Seit zwei Jahren geht er zu einer Psychotherapeutin und arbeitet an seinem Drang, immer andere zufriedenstellen zu wollen, seinem damit einhergehenden Perfektionismus und seiner Essstörung. Die tiefgründige Unterhaltung der beiden und Luciens Art, seinen Freund zu unterstützen, sind voller Liebe geschrieben und strahlen nichts als Unterstützung und Hingabe aus. Die beiden funktionieren einfach miteinander. Der Autor Alexis Hall spielt in solchen Szenen absolut sein Verständnis für die Charaktere aus und brilliert in der Art, wie er die Dialoge zum Leben erweckt.
  • Oliver hat ein sehr schwieriges Verhältnis zu seinen Eltern, die ihn sein Leben lang unter Druck setzen, fordern und mit (unterschwelliger) Homophobie drangsalieren. In einer wirklich gut geschriebenen Dinner-Szene zwischen seinen Eltern, ihm und Lucien steht er aber das erste Mal für sich ein. Lucien weiß sich zurückzuhalten und stärkt seinem Partner gekonnt den Rücken. Eine befreiende Szene.
  • Es findet auch eine Beerdigung statt, die vielleicht das beste größere Kapitel des Buches darstellt. Diverse Streits über die Hochzeit machen Luciens und Olivers Beziehung gerade etwas schwierig und wie sie das Ganze vielleicht überwinden, wird im Laufe dieses Kapitels wirklich gut dargestellt.
  • All die Hochzeiten und die Beerdigung machen Lucien und Oliver sehr reaktiv. Sie müssen weitestgehend mal hierhin und mal dorthin, weil es ihre Freund*innen, Kolleg*innen etc. sind (meist von Lucien übrigens). Aber eigentlich will ich Protagonisten, die aktiv sind und nicht nur auf ihre Umwelt passiv reagieren müssen. Es hätte schon geholfen, wenn sie eine Hochzeit abgelehnt und stattdessen was anderes gemacht hätten.

Das waren so die kleineren bis größeren Momente oder Sequenzen, die im Buch eigentlich einwandfrei funktionieren. Nicht alles hätte entlang von Hochzeiten abgearbeitet werden müssen, aber die intimen Momente und lustigen Ereignisse machen dafür wieder wett. Aber ein größeres Thema, das ich auch bei diversen Goodreads-Rezensionen angesprochen wurde, muss ich ebenfalls noch behandeln.

Denn Oliver und Lucien leben ihre Homosexualität unterschiedlich aus. Lucien ist sehr offen, umgibt sich mit LGBTQIA-Freund*innen, mag Regenbögen und all die anderen Ikonografien, die mit der Community einhergehen, und geht auf entsprechende Partys. Oliver mag das alles nicht so sehr. Er lehnt es nicht ab, geht stattdessen aber auf Demonstrationen – er braucht die Ikonografien und Regenbögen nicht, um seine Sexualität auszudrücken. Was macht Lucien? Er wirft ihm internalisierte Homophobie vor. Natürlich kann das, besonders im Hinblick darauf, wie Oliver aufgewachsen ist, eine Rolle spielen, doch es muss es nicht sein. Die Grenze zwischen internalisierter Homophobie und einer ikonografischen Ablehnung mag schmal sein, doch sie ist entscheidend. Oliver muss das für sich selbst entdecken und herausfinden, aber Luciens absolutes Unverständnis stößt bei mir auf Ablehnung.

Jede*r in der LGBTQIA+-Community lebt die eigene Sexualität, Identität und alles, was damit einhergeht, unterschiedlich aus. Jede*r muss den eigenen Weg entdecken, und wie so vieles, existiert auch dieser Aspekt auf einem Spektrum. Dass es eine, vielleicht zwei Unterhaltungen oder hitzigere Diskussionen im Laufe des Buches gibt, finde ich verständlich und es ist ein Thema, das angesprochen werden sollte. Aber dass dieses Thema, ob des künstlich aufgebauschten Unverständnisses von Lucien, immer wieder vorkommt und durchgekaut wird, entzieht sich meinem Verständnis. Besonders als es zur Hochzeit der beiden kommt, genauer gesagt deren Planung, eskaliert dieses Thema immer wieder.

Es macht einen Unterschied, ob man kompromissorientierte streitet/diskutiert, weil man unterschiedliche Dinge von einer Hochzeit erwartet, oder aber den anderen einfach nicht so akzeptieren kann, wie er ist. Das ist auch ein Grund, warum ich mir gewünscht hätte, dass dieses Buch aus der Sicht von Oliver geschrieben worden wäre. Wir haben Luciens Ansichten und Gedankengänge zur Genüge im ersten Buch mitgemacht. Ich würde sagen, man versteht ihn. Deshalb wäre es umso interessanter gewesen, in Olivers Gedanken einzutauchen. Mehr von seinem Leben, seinen Freunden, Arbeitskollegen, Arbeitsalltag und Sichtweisen mitzubekommen. Wie ich finde, eine verpasste Chance.

Husband Material ist kein schlechtes Buch. Die Momente und Szenen, die ich beschrieben habe, sind es wert, dieses Buch zu lesen. Es hinkt dem Vorgänger aber um Welten nach, wenn es um das Füllmaterial geht – um das, was zwischen diesen großartigen Sequenzen passiert. Deshalb habe ich nicht das Gefühl, etwas verpasst zu haben, obwohl ich so einige Stellen nur überflogen habe.

Alexis Hall hat mit Lucien und Oliver zwei beeindruckende Charaktere erschaffen. Ich habe sie gerne verfolgt – sie inspirieren. Ich bin gespannt, ob es noch ein drittes Buch mit den beiden geben wird. Allerdings hoffe ich, es orientiert sich mehr am ersten Band und nimmt eventuell Olivers Perspektive ein. Aber ich kann die Reihe auf jeden Fall empfehlen.

Husband Material und die Kunst, zu enttäuschen

Ich denke, wir müssen uns die nächsten zwei Tage mit dem Buch Husband Material von Alexis Hall auseinandersetzen. Es steckt einfach so viel in dem Buch, dass ich es nicht in einem unnötig langen Text verarbeiten möchte, sondern mir etwas Zeit lassen will, die Aspekte, die mich beschäftigen, zu beschreiben. Immerhin hat mich der Vorgänger Boyfriend Material von der ersten bis zur letzten Seite gefangen genommen. Es war eine hervorragend geschriebene Geschichte, mit pointierten Dialogen, einer nachvollziehbaren Charakterentwicklung, und es war ein roter Faden zu erkennen, dem ich sehr gerne gefolgt bin.

Husband Material jedoch weiß diesen roten Faden nicht recht wieder aufzugreifen. Die Handlung setzt zwei Jahre nach dem ersten Band an und zeigt Oliver und Lucien in einer gemeinsamen, glücklichen Beziehung. Erneut ist die Geschichte aus Luciens Perspektive geschrieben. Genau damit beginnen meines Erachtens die Probleme. Nachdem ich die ersten 30 % des Buches gelesen hatte, musste ich es für einen Tag beiseitelegen und haderte ehrlich mit mir selbst, ob es sich überhaupt lohnt zu Ende zu lesen. Für mich untypisch habe ich sogar auf Goodreads Rezensionen gelesen, um zu sehen, was mich noch so erwartet.

Ich kann schon einmal so weit verraten, dass es sich lohnt, das Buch komplett zu lesen, da die Szenen und vor allem die Dialoge zwischen Oliver und Lucien superb geschrieben sind. Auch die Situationen, in die sie geraten, sind, teils tragisch, teils lustig, teils lehrreich. Doch das alles ließ sich leider in den ersten 30 % des Buches nicht wirklich absehen. Es steht nämlich Bridges Hochzeit an. Sie ist Luciens beste Freundin und somit ist er in die Planung der Hochzeit sehr involviert.

Das alles ist noch soweit okay. Bis Bridge von einer Freundin ein Bild von Tom geschickt bekommt, ihrem Verlobten. Dieses zeigt Tom mit einer attraktiven Frau, wie sie gemeinsam aus einem Restaurant spazieren. Daraufhin kann Bridge ihren zukünftigen Ehemann zwei Tage nicht erreichen. Es eskaliert. Die engsten Freund*innen werden gerufen, es wird geweint, spekuliert, verzweifelt Eiscreme gegessen – schlicht, es werden sämtliche Klischees ausgepackt, die ich schon vor 10 Jahren nervig fand. Hinzu kommt, dass Lucien Oliver durch diese künstlich aufgeputschte Situation komplett vernachlässigt. Oliver ist Rechtsanwalt und gerade in einen komplizierten Fall verwickelt. Die beiden sehen sich kaum. Dann verbringt Lucien auch noch zwei Tage bei Bridge, weil sie selbst nicht zurechtkommt. Schließlich entscheiden die Freund*innen Tom ausfindig zu machen und quer durch England zu fahren und ihn zur Rede zu stellen.

Nicht nur erinnert das an eine ähnliche Situation aus dem ersten Buch (die berechtigt war und ihren Sinn/Platz in der Geschichte hatte), sondern löst sich in nichts auf. Denn wer sich an das erste Buch erinnert, wird feststellen, dass Tom für die Regierung arbeitet. Ich bin mir nicht sicher, ob er direkt im Geheimdienst arbeitet oder eine Art Agent ist, aber etwas in dieser Richtung. Natürlich hat er da mit verschiedenen Klient*innen zu tun und ist für ein paar Tage immer mal wieder nicht erreichbar. Es ergibt also absolut keinen Sinn, dass Bridge Zweifel an seiner Treue hat, vor allem da sie kurz vor der Hochzeit stehen, es nie Anzeichen dazu gab und sie seit Jahren ein Paar sind.

Ein weiterer Aspekt, der die ersten 30 % des Buches absolut sinnlos macht, ist Lucien und Olivers Beziehung. Nicht nur ignoriert Lucien Olivers Bedürfnisse und die schwierige Phase, die er in der Arbeit durchmacht; die Diskussionen, die die beiden führen, könnten 1:1 aus dem ersten Buch stammen. Als hätten zwei Jahre einer glücklichen Beziehung nicht stattgefunden. Natürlich ändern sich Menschen nicht von heute auf morgen und fallen vielleicht in alte Muster zurück, aber in einer fiktionalen Geschichte, wo entsprechende Entwicklungen stattgefunden haben und noch dazu mehrere Jahre vergangen sind, machen diese Passagen zu einer sehr anstrengenden Lektüre.

Was mich zusätzlich noch abgeschreckt hat, war die Tatsache, dass in dem Buch vier Hochzeiten vorkommen. Das sind für meinen Geschmack mindestens drei zu viel. Es wiederholt sich dadurch gefühlt sehr viel, die Orte der Handlung sind eintönig und ich hatte nicht viel Hoffnung für das Buch. Trotzdem wollte ich wissen, wie es weitergeht und habe weitergelesen. Die erste Hälfte habe ich immer mal überflogen, dann wieder konzentriert gelesen, aber nachdem Bridges Hochzeit überstanden ist, nimmt das Buch etwas an Fahrt auf.

Interessanterweise kommt sie im Rest des Buches kaum mehr vor. Was nicht unbedingt etwas Schlechtes ist. Boyfriend Material hatte es verstanden, die vielen Nebencharaktere so unterzubringen, dass sie nicht zu viel Platz einnehmen, trotzdem aber ihre einzigartigen Persönlichkeiten ausleben können. Sie haben die Hauptcharaktere unterstützt und sind nicht zu sehr ins Rampenlicht gerückt. Husband Material hat diese Stärke zuerst kaum gehabt. Lucien und Oliver wurden zu Nebencharakteren ihrer eigenen Geschichte. Zum Glück ändert sich das etwas. Aber mit den positiven Entwicklungen beschäftigen wir uns morgen.

Wie man sich einen Wurm angelt – Dune Part Two

Am Mittwoch dieser Woche war ich seit gut eineinhalb Jahren das erste Mal wieder im Kino. Dune Part 2 hat es einfach verdient, auf einer riesigen Leinwand mit dem besten Soundsystem geschaut zu werden. Außerdem musste die Vorstellung natürlich im englischen Original laufen. Also fand ich mich am frühen Mittwochabend im Dolby Cinema Saal des Cineplexx Airport Kinos in Salzburg wieder.

Zwar hatte ich den ersten Teil vor nicht allzu langer Zeit geschaut, trotzdem wurde ich von dem dröhnenden Sardaukar-Intro überrascht. Dieses kurze, tiefe Brummen einer Stimme versetzt die Zuschauer*innen direkt in diese Welt. Denis Villeneuves Filme leben oft von ihrem Sound, genauso wie von ihren Bildern. Beides brilliert in diesem zweiten Teil. Normalerweise würde man ja davon ausgehen, dass ein zweiter Teil etwas nachlässt, die Magie des Vorgängers nicht mehr so richtig einfangen kann, da alles schon bekannt ist. Nicht so bei Dune.

Es finden sich immer wieder neue Einstellungen und konträre Szenen zu dem, was auf Arrakis passiert. Seien es die Szenen mit Imperator oder die Szenen auf dem Heimatplaneten der Harkonnen. Besonders die Bilder von Letzterem haben es mir angetan. Es wirkt noch einmal eine Abstraktionsstufe fremder, brutaler und gnadenloser, als es Arrakis je sein könnte. Arrakis gilt es zu verstehen, die Herangehensweisen, Methoden und Strategien der Fremen anzuwenden, sie zu verinnerlichen und respektieren. Dann hat man auf dem Planeten eine Chance, kann seine scheinbar unüberwindbaren Hindernisse für sich nutzen und nicht nur überleben, sondern dort zu neuer Kraft finden.

Auf Giedi Prime, wie sich die Welt der Harkonnen nennt, gilt es nichts zu verstehen, als dass der Stärkere gewinnt – der Brutalere und Rücksichtslosere. Was außerdem zu einer beklemmenden Stimmung dieser Szenen beiträgt, ist die grelle Beleuchtung. Es ist mir vorgekommen, als dass die Szenen nicht in schwarz-weiß wären, sondern der Stern dieses Systems und die Atmosphäre des Planeten zu dieser Illusion beitragen. Die Hautfarbe der Harkonnen ist dort weißer als weiß, ihre Häuser, Gebäude und Raumausstattung erscheint schwarz in tiefstem schwarz gehalten, mit minimaler, meist indirekter Beleuchtung. Es ist erdrückend, ob der schieren, gefühllosen Leeren, die diese Welt und ihre Charaktere ausstrahlen.

Der Baron ist ein fantastischer Bösewicht und eine ständig präsente Persönlichkeit, auch wenn er nicht viel Screentime hat. Trotzdem empfinde ich es als etwas schade, dass sie einen, nennen wir es, Aspekt seines Charakters, weggelassen haben. Das hätte ihm nochmal mehr zu einem absoluten, grausamen Herrscher gemacht. Aber das darf jede*r selbst im Buch entdecken.

Sämtliche Schauspieler*innen sind hervorragend gewählt und die wiederkehrenden Rollen setzen eine tolle Charakterentwicklung fort. Besonders Timothée Chalamet und Zandaya finden neue Höhen in ihren Darstellungen. Sie brillieren nicht nur in den ruhigeren Charaktermomenten, sondern auch in den exzellent choreografierten Kampfszenen. Ich hätte mir zwar gewünscht, dass die Schlussszene ähnlich ausgefallen wäre wie im Buch, aber ich bin trotzdem sehr gespannt, wie sie es im dritten Teil weiterführen werden.

Dune ist eine besondere Filmwelt, da sie sehr auf praktische Effekte setzt und visuelle Effekte fantastisch einzusetzen weiß. Man kann reale Szenen und die digital hinzugefügten Aspekte und Effekte praktisch nicht voneinander trennen. Nur in einer einzigen Szene dachte ich mir, dass es etwas auffälliger gewesen ist, aber das mag auch an der Wahl der Beleuchtung gelegen haben. Ansonsten würde ich den Film visuell als makellos bezeichnen. Davon können sich sämtliche andere großen Cinematic Universes etwas abschneiden. Lieber allen daran beteiligten Personen mehr Zeit einräumen, dann könnten mehr Filme so fantastisch kohärent aussehen wie Dune. Mit Liebe zum Detail gemacht, man spürt förmlich, wie viele Gedanken sich alle gemacht haben, was in den Film hinein soll und wie man dessen komplexe Welt gut darstellen kann.

Besonders überrascht hat mich, wie simpel es ihnen gelungen ist, das Magie-System (ein besserer Begriff fällt mir für die Fähigkeiten der Bene Gesserit nicht ein) visuell packend zu inszenieren. Insbesondere in Verbindung mit der noch ungeborenen Tochter von Jessica und dem Ritual mit dem Wasser des Lebens. Ohne eine wirkliche Erklärung und nur mit gut gewählten visuellen Eindrücken versteht man sofort, was gemeint ist und akzeptiert es als gegeben. Natürlich hilft die Lektüre des Buches, aber ich würde es nicht als Voraussetzung sehen, um in die Tiefen des Films vordringen zu können.

Ich hatte wirklich nicht erwartet, dass mich dieser zweite Teil so sehr packt. Die nicht ganz drei Stunden sind nicht spürbar. Ich hätte, ohne es zu wissen, nicht sagen können, ob ich zwei Stunden oder sechs im Kino saß und wenn ich derart das Zeitgefühl verliere, empfinde ich das stets als etwas Positives. Ich hätte gerne noch mehr Zeit in dieser Welt verbracht. Dune Part Two ist ein epischer Nachfolger, der dem ersten Film um nichts nachsteht. Von den Schauspieler*innen, über das (Sound) Design und dem fantastischen Soundtrack von Hans Zimmer haben alle Teile ineinander gegriffen, um ein episches Erlebnis zu schaffen.

Boyfriend Material und die Kunst, zu inspirieren

Vergangenes Wochenende habe ich Boyfriend Material von Alexis Hall gelesen. Nachdem sich dieses Buch und der Nachfolger Husband Material schon seit längerer Zeit auf meinem Kindle befanden, wurde es Zeit, diese in Angriff zu nehmen. Außerdem habe ich zwischen all den Science-Fiction-Büchern, die ich in letzter Zeit gelesen habe, etwas Bodenständigeres gebraucht. Zudem wollte ich etwas lesen, wo schwule Personen und queere Charaktere im Allgemeinen vorkommen – auch als Protagonisten.

Repräsentation in verschiedensten Medien und Lebensbereichen ist wichtig. Für die breite Gesellschaft macht es die Themen, Personen und Identitäten zu etwas allgegenwärtigen und nahbaren. Für mich bedeutet es, mich selbst und meine Lebensrealität wiedergegeben zu sehen. Leider sind schwule Charaktere in populären Franchisen meist zu Nebenrollen verurteilt, wenn sie überhaupt vorkommen. Aber zum Glück gibt es genug Autor*innen, die bei verschiedensten (Indie) Publishern gute Geschichten und Bücher veröffentlichen, die auf verschiedenste Weise die unterschiedlichsten Lebensrealitäten abbilden. Genauso gibt es Plattformen wie WebToon oder Tapas, auf denen Künstler*innen ihre (Web)Comics so veröffentlichen können – genau nach der Idee, wie sie es wollen. Auch davon werde ich in den nächsten Monaten einige vorstellen.

Alexis Hall war mir schon länger ein Begriff und die Bücher (vor allem Boyfriend Material) kommen immer wieder in Bestenlisten vor. Nachdem ich nun das erste Buch selbst gelesen habe, kann ich mich dieser Meinung nur anschließen. Von der ersten bis zur letzten Seite haben mich die Charaktere von Boyfriend Material gepackt. Die Geschichte ist trotz der Länge von über 400 Seiten dicht geschrieben und es wird nie langweilig. Doch worum geht es eigentlich?

Der Ich-Erzähler des Buches ist Lucien. Sohn von zwei berühmten Rock-Stars, die ihre erfolgreichen Jahre allerdings schon hinter sich haben (vor allem seine Mutter; sein Vater hat die Familie nicht lange nach Luciens Geburt verlassen). Deshalb findet sich Lucien oft als Ziel von Klatschblättern wieder, die jede ungünstige Situation ausnutzen oder einfach peinliche Zufälle in ein schlechtes Licht zu rücken wissen. Da hilft es nicht gerade, dass sein Ex die Geschichte von ihm und Lucien für 50k£ an eines dieser Blätter verkauft hat. Zum Start des Buches ist das 5 Jahre her und er kämpft immer noch mit Vertrauens- und Bindungsängsten sowie großen Selbstzweifeln.

Er arbeitet bei einer Wohltätigkeitsorganisation, die sich der Rettung des dung beetles (also des Mistkäfer) verschrieben hat. Durch diverse Verkettungen von Ereignissen braucht Lucien ein Date zu ihrer jährlichen Spendenaktion, dem Beetle Drive, um sich in der Öffentlichkeit und bei Spendern wieder ein positiveres Image aufzubauen. Die Wahl fällt, da nicht gerade viele Optionen zur Verfügung stehen, auf Oliver Blackwood. Einem erfolgreichen, aufstrebenden Rechtsanwalt, der aber etwas steif, trocken und unflexibel rüberkommt.

Von außen betrachtet handelt es sich also um eine typische Liebesgeschichte, in der sich die beiden erst nicht ausstehen können, im Laufe des Buches aber immer näher kommen, bis sie es vielleicht doch schaffen, ihre Gefühle füreinander einzugestehen. Auf dem Weg dorthin gibt es so einige Auf und Abs, von denen man ein paar vorhersehen kann, aber die Reise dorthin ist packend geschrieben. Vor allem die Geschichte aus Luciens Perspektive zu erleben ist immer wieder spannend und eindrucksvoll. Der Autor weiß die komplexe Gefühlswelt von Lucien gekonnt einzufangen und mit viel Mitgefühl zu erzählen.

Durch vergangene Ereignisse und ist sein Selbstwertgefühl am Boden, Vertrauen kann und will er nur einer Handvoll von Freund*innen. Man will ihm wiederholt gut zureden, vor allem wenn er sich davor sträubt, das Gute zu sehen, das sich gerade in seinem Leben abspielt und sich so gesehen unbewusst selbst manipuliert. Oliver ist ebenfalls alles als perfekt, auch wenn er es immer wieder versucht zu sein und die hohen Erwartungen anderer, so gut es nur geht, zu erfüllen.

So finden Lucien und Oliver trotz ihrer vielen Differenzen eine gemeinsame Basis. Die Geschichte weiß um die Stärke der beiden Figuren und die Chemie, die sie haben. Die Dialoge und Beschreibungen von Alexis Hall sind nachvollziehbar und dadurch, dass man immer mehr von der Vergangenheit der Charaktere erfährt, durchaus realistisch dargestellt. Ich konnte mich selbst mit Teilen der Figuren identifizieren und vielleicht gerade auch deshalb das Buch einfach nicht weglegen. Wahrscheinlich ein Grund, warum ich gerade einmal drei Tage gebraucht habe, um es durchzulesen.

Die zahlreichen Nebencharaktere, die vorkommen, finden natürlich ihren Platz in der Geschichte. Es kommt nicht selten vor, das die beiden Hauptcharaktere in queeren Geschichten in einem Vakuum zu existieren scheinen und man bekommt nicht viel davon mit, was abseits dieser anbandelnden Beziehung passiert. Das ist hier anders. Vor allem die verschiedenen Dynamiken werden hervorragend dargestellt. Hinzu kommt, dass die Auftritte dieser Nebencharakter nie zu überborden werden, sodass der Fokus auf Oliver und Lucien bleibt. Sie sind das Zentrum der Handlung, vor allem Lucien, da sie aus seiner Sicht geschrieben ist. Wie es bei solchen Geschichten des Öfteren der Fall ist, kommen natürlich auch Entscheidungen und Situationen vor, wo man als Leser*in einfach nur die Hände über dem Kopf zusammenschlagen möchte. Diese sind aber immer in der Charakterisierung der Personen verankert und so zu einem gewissen Grad nachvollziehbar.

Aber auch wenn die Geschichte viele schwierige Themen anspricht, ist es nie trocken oder schwerfällig in der Erzählung. Es kommen so einige wirklich lustige Szenen und Sequenzen vor, die Boyfriend Material zu einem schönen Gesamtpaket machen. Das Buch hat mich begeistert und mitgenommen auf eine Reise, die ich so nicht erwartet hatte. Es kommt ja gelegentlich vor, dass man Bücher liest, mit Charakteren, mit denen man sich zu einem gewissen Grad identifizieren kann. Deren Mut und Entwicklung bei einem bleiben und vielleicht sogar positiv beeinflussen können. Inspiration kann von vielen Punkten ausgehen, verschiedenste Formen annehmen. Dieses Buch ist sicherlich einer davon.

Das Buch zum Film

Auf Büchern finden sich immer wieder interessante Aufkleber. Von denen, die verkünden, dass es eine dazu passende Serie auf einem Streaming-Anbieter gibt, dass es bald im Kino zu sehen sein wird, oder aber eine passende Lektüre für Filmfans sei. Und es mag vereinzelt durchaus so sein, dass Bücher auf Basis eines Films geschrieben werden, doch eigentlich ist die Reihenfolge andersherum. Und wenn schon ein Buch verfilmt wird, vor allem wenn es sich um ein erfolgreiches geht, ist immer wieder die Frage, was man zuerst konsumieren sollte.

In den meisten Fällen dürfte es eigentlich egal sein. Idealerweise gleichen sich die Charaktere und die grundlegenden Aspekte der Geschichte in beiden Medien. Die Unterschiede sind aber meist doch erheblich. Sei es die Sichtweise, aus der erzählt oder die Tiefe, mit der über die Charaktere berichtet wird. Dadurch sollte es aus meiner Sicht eher so sein, dass sich die beiden Varianten ergänzen und jeweils die Stärke des Mediums voll ausnutzen. Natürlich sollte man sich an die Vorlage halten, den Motiven der Autor*innen treu bleiben und nicht eine eigene Interpretation der Charaktere wiedergeben. Dabei kann man sicherlich Aspekte modernisieren, wenn die Werke bereits einige Jahre auf dem Buckel haben, aber weicht man zu sehr vom Ursprung ab, wird es schnell zu Fan-Fiction als zu einer echten Verfilmung.

Wie ich bereits berichtet habe, ging ich bei Dune erst den Weg über die Verfilmung (Das erste Mal ist entscheidend). Ich hatte mich beim Buch etwas verzettelt und parallel dazu einen Podcast gehört, der die Hintergründe erzählt. Beides war etwas viel für den Anfang. Also sah ich zuerst den Film vor drei Jahren, als dieser ins Kino kam, nachgeholt. Nun habe ich im Februar das Buch nachgeholt. Auch wenn sich meine Meinung zum Film geändert hat oder besser gesagt ich diese leicht relativieren muss, finde ich immer noch, dass Dune ein hervorragendes Beispiel dafür ist, wenn sich beide Medien ergänzen.

Zwar hatte ich den Film seit dem Kino nicht mehr gesehen, trotzdem hatte ich immer wieder die darin vorkommenden Schauspieler*innen bei der Lektüre im Kopf. Zum Teil habe ich die Szenen deutlich vor mir gesehen und konnte so die ausufernden, komplexen Dialoge umso mehr genießen. Immerhin ging ich davon aus, diese ja im Film nochmal erleben zu dürfen. Natürlich nicht in der Breite, aber ich war gespannt auf die Umsetzung im Film, da ich mich nicht mehr zu hundert Prozent erinnern konnte, was alles darin vorkam. Als ich schließlich nach der Lektüre den Film auf Apple TV ausgeliehen und angesehen hatte, war ich direkt enttäuscht, als Schlüsselszenen fehlten. Oder zumindest Szenen, von denen ich felsenfest davon ausging, dass sie im Film sind und für die Handlung relevant.

Zugegeben, ich habe mich schon sehr in das erste Buch hinein gesteigert und es in nicht einmal einer Woche verschlungen. Ich habe zuvor schon des Öfteren darüber geschwärmt (u. a. hier: Nachvollziehbare Charakterentwicklung). Es war nur überraschend zu sehen, welch ein falsches Bild ich vom Film hatte. Nicht, dass ich ihn nun für schlecht empfinden würde – auf keinen Fall. Die visuelle Umsetzung der Welt fasziniert mich weiterhin. Das Design, der Sound und die Schauspieler*innen vermitteln einen fantastischen Eindruck vom Dune-Universum.

Aber durch die komplexen Wesenszüge und Gedankenprozesse der Charaktere und deren detailliert ausgearbeiteten Schlussfolgerungen machen es schwer, dies der Vorlage getreu in einem Film darzustellen. Dazu kommt ein Magie-System (wenn man es überhaupt so bezeichnen kann), das sehr subtil arbeitet und funktioniert. Dieses wird ebenfalls meist in den inneren Monologen der Charaktere erarbeitet, als von einem Erzähler geradeheraus erläutert. Das macht Dune so faszinierend, aber eben schwierig als Film umzusetzen. Trotzdem kann ich beides nur wärmstens empfehlen. Vor allem in Kombination funktionieren sie super. Die Reihenfolge, ob zuerst Buch oder Film, ist dabei nicht so wichtig.