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Schreibmodi

Matthew Dicks hat in einem seiner letzten Newsletter über einen Klienten geschrieben, der behauptete, nur unter spezifischen Bedingungen schreiben zu können.1 Es würde bestimmte Parameter bedürfen, unter denen er arbeiten müsse. Andernfalls könnte er nicht die volle Leistung erbringen. Sei es eine bestimmte Zeit, eine gewisse Umgebung oder andere Details, die stimmen sollen. Doch Matthew Dicks stempelt das alles als Blödsinn ab. Egal wo, egal wann, man sollte immer bereit sein, kreativ zu arbeiten, da es sich manchmal einfach nicht anders realisieren lässt.

Als ich die Beschreibung seines Klienten las, habe ich zuerst gedacht: ja, das klingt nachvollziehbar. Aber sobald Dicks diese Behauptungen als Null und Nichtig abgestempelt hatte, dachte ich weiter darüber nach. Mir ist aufgefallen, dass ich meine Texte für den Blog ebenfalls immer unter denselben Bedingungen schreibe. Meist zu ähnlichen Zeiten, am selben Ort. Ich setze mich am Abend hin, häufig nach dem Abendessen, in der Küche beim Esstisch und fange an zu schreiben. Manchmal höre ich Musik, aber das kommt eher selten vor.

Ich habe mir vorgenommen, diese Routine etwas herauszufordern. Denn ich will schreiben. Täglich. Und es sollen nicht nur tägliche Texte für den Blog sein, sondern eventuell Kurzgeschichten und mehr werden. Dabei kann und will ich mich nicht auf eine Routine verlassen, die mir irgendwann im Weg stehen kann. Deshalb schreibe ich diesen Text auf der Couch sitzend, während eine Folge von Star Trek – The Next Generation läuft. Vielleicht etwas Overkill, was Ablenkungen angelangt, aber irgendwo muss man ja anfangen.

Es war, glaube ich, Malte Welding, der in einem Podcast-Gespräch mit Holger Klein gesagt hat, dass er manchmal neben Serien wie Dr. House schreibt. Oder sogar des Öfteren. Ich bin mir nicht mehr sicher. Die Gespräche, die die beiden im Laufe der Jahre in Holgis WRINT-Podcast geführt haben, sind schon einige Zeit her. Laut Weldings Wikipedia-Seite fand das letzte Gespräch 2017 statt. Aber trotzdem ist mir die Anekdote über das Schreiben, während nebenbei eine Serie läuft, im Gedächtnis geblieben.

Natürlich können solche Ablenkungen mit Sicherheit zu einem gewissen Grad helfen. Mit bestimmten Serien kann man sich in eine bestimmte Stimmung bringen oder kann sich von gewissen Charakteren, deren Eigenschaften und Fehlern inspirieren lassen. Oder aber man ist abgelenkt, während sich ein aufmüpfiger Telepath in die Routinen der Enterprise einmischt. Es ist halb lustig, aber erinnert mich eher an Young-Adult-Romane, die etwas zu vorhersehbar geschrieben sind.

Worauf ich hinaus will, denke ich, ist Folgendes: Manchmal ist es ganz hilfreich, die eigenen Routinen zu hinterfragen. Zu sehen, ob wir sie wirklich brauchen oder uns nur einreden, sie haben zu müssen, um funktionieren zu können. Ein voller Alltag, mit Arbeit, Familie und anderen Verpflichtungen, erlaubt natürlich nicht immer, sich diese Freiheit zu nehmen. Aber manchmal ist es nur jammern auf hohem Niveau. Sich einzureden, nur schreiben zu können, wenn eine bestimmte Musik läuft, die Sonne gerade richtig steht und der eine Tisch in der Ecke des Cafés frei ist, fällt mit Sicherheit in die zweite Kategorie.

  1. JD Salinger: Bullets, bombs, and a book ↩︎

Pinsen-Weisheiten

Wenn mich jemand fragen würde, für welche kulinarische Küche ich mich im Zweifelsfall entscheiden würde, müsste es nach reiflicher Überlegung wohl doch die mediterrane/italienische sein. Olivenöl, verschiedenste Käsesorten, Pizza und Nudeln sollten doch ein Teil der Ernährung bleiben. Zumindest meiner. Außerdem ist sie sehr variabel; was immer man auf eine Pizza tun kann oder mit dem man eine Nudelsauce verfeinern und zu etwas Besonderem machen kann, sind im Grunde keine Grenzen gesetzt. Und nein, damit meine ich nicht nur Ananas.

Nicht selten kommt es vor, dass ich mir neue Rezepte für Pizzateig heraussuche, die verschiedene Komplexitätsstufen annehmen können. Auch die Kombination verschiedener Mehle und die Wahl des Olivenöls sind selbstverständlich nicht dem Zufall zu überlassen. Von Teigen, bei denen alle Zutaten gemischt und gut verrührt werden, mit einer anschließenden Gehzeit von mindestens 48h oder zu den aufwendigeren Varianten, die immer wieder gefaltet und gestreichelt werden wollen. Es ist für alle Geschmacksrichtungen und Situationen etwas dabei. Egal, ob man viel Zeit hat oder wenig. Nur eine Gehzeit von mindestens einem Tag, kann ich allen ans Herz legen, da die Hefe richtig schön Zeit sich zu entfalten und der Teig wird etwas fluffiger und lockerer.

Der Belag kann selbstverständlich jedes Mal variiert werden. Von den verschiedensten Tomaten- oder Pizzasaucen, die das Supermarktregal hergibt, bis zu den kreativsten Käsesorten, sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Doch zuweilen bleiben doch die Klassiker, wenn man so will, die Favoriten. Schinken mit Mais und vielleicht etwas Gemüse dazu. Salami mit Unmengen an Champignons. Thunfisch mit Zwiebeln und Fetakäse. Einfach nur ein guter Büffelmozzarella. Die Variationen sind schier endlos und die Kombinationen herrlich zu erkunden.

Die Pizza hat allerdings einen gewissen Nachteil, um den man nicht so recht umhinkommt. Sie muss immer in den Ofen geschoben und gebacken werden. Alles wird erhitzt, schmilzt, verbindet sich, wird geröstet, gebräunt und ergibt am Ende ein fantastisches Geschmackserlebnis. Trotzdem – es ist eben immer alles gebacken und nichts „frisch“. Deshalb war ich umso begeisterter, vor Kurzem die nicht minder leckere Pinsa für mich zu entdecken. Wie konnte sie mir nur so lange entwischen?

Der Teig wird für sich selbst dem Ofen überlassen, bäckt vor sich hin und wird köstlich gebräunt und knusprig. Erst danach wird dieser mit den gewünschten Zutaten garniert und alles frisch und saftig verzehrt. Meist bildet die Basis auf dem warmen Teig ein Häufchen (manchmal wird es ein Haufen) Rucola. Darauf verteilt werden ein paar Blätter köstlich zartem Prosciutto und einige Scheiben eines würzigen Käses. Weinkäse scheint mir hier besonders gut zu passen. Vielleicht noch etwas Paprika oder Cocktailtomaten darauf verteilt und das Ganze kann mit einer großzügigen Portion Olivenöl beträufelt werden. Oder wenn man ehrlich ist: übergossen.

Ich gehe dabei gerne so vor, dass ich nach der Rucola-Gabe mit einem großen, breiten Pizzaschneider über die Pinsa gehe und so handliche Rechtecke forme. Danach kommen die restlichen Zutaten drauf und man muss sich nicht mehr mit dem Schneiden von kleinen Stücken plagen.

Eine frisch zubereitete und gut belegte Pinsa ist eine wunderbare Köstlichkeit. Besonders wenn man einen Supermarkt findet, der diese vorgebackenen Teige anbietet, ist der Aufwand noch geringer. Ich muss mich erst noch damit beschäftigen, wie man einen ordentlichen Pinsa-Teig zubereitet und welche Geheimnisse es hier zu entdecken gibt. Aber meine kulinarische Entdeckungsreise wurde wieder einmal um ein Stück erweitert.

Wo die Gedanken hinfallen

Vor ein paar Tagen habe ich hier einen Text veröffentlicht, mit dem Titel »Die einfachen Dinge«. Der Text fing damit an, dass ich über meine alltäglichen Spaziergänge berichtete. Schnell bin ich jedoch abgeschweift und habe mich voll und ganz auf das Thema Podcasts konzentriert. Dabei hatte ich eigentlich nur einen kleinen Schwenker in die Thematik im Sinn. Am Ende ging es über ein paar Hundert Worte, nur mehr um das Thema Podcasts und nicht um die Spaziergänge.

Nicht, dass Podcasts ein schlechtes Thema wären. Ganz im Gegenteil. Auf meiner Themenliste für Artikel und Texte habe ich so manche Notizen, die sich auf bestimmte Podcast-Episoden berufen. Manche davon sind schon etwas länger her und ich weiß natürlich nicht mehr die exakten Folgen, zu denen ich mir diese Notizen gemacht habe, aber die Themen werden ja grundsätzlich nicht schlecht. Jetzt werden sie allerdings weniger ein Kommentar zu etwas, als dass sie eine Inspiration für meine eigenen Herleitungen und Ansichten zu diesen Themen darstellen. Aber dazu mehr, wenn ich diese tatsächlich in Angriff nehme.

Dieses Mal will ich nämlich nicht allzu weit abschweifen, bevor ich auf meine eigentliche Kernaussage zu sprechen komme. Denn um was es mir bei dem Thema mit den Spaziergängen eigentlich geht und was auch der Grund für die Überschrift »Die einfachen Dinge« war, ist Dankbarkeit. Wenn wir einmal ehrlich sind, stellt sich der Alltag für die meisten von uns immer wieder ähnlich zusammen. Zumindest, wenn man es von der Vogelperspektive aus betrachtet.

Wir gehen in den meisten Fällen zur Arbeit und verbringen dort den größten Teil des Tages. Danach geht es vielleicht noch zum Supermarkt einkaufen, bevor wir schließlich wieder zu Hause ankommen. Manche betreiben Sport – dies kann im Fitnessstudio sein, im Freien oder in den eigenen vier Wänden. Zeit mit Familie oder Freunden verbringen, Abendessen zubereiten, vielleicht etwas Fernsehen/Streamen oder auch Lesen, bevor man ins Bett geht und es am nächsten Tag von vorne beginnt. Wer an dieser Stelle Ähnlichkeiten mit David Foster Wallace legendären Vortrag »This is water« erkennt, Glückwunsch – auch über den will ich seit Monaten schreiben, aber irgendwann komme ich dazu.

Aber diese scheinbare Eintönigkeit ist eben genau nur das: ein scheinbarer Mangel an Abwechslung. Denn die täglichen Aufgaben in der Arbeit wechseln sich vielleicht ab. Die Unterhaltungen und Begegnungen mit Kolleg*innen, Freund*innen und der Familie sind nie dieselben, weil wir selbst nicht jeden Tag dieselben sind. Wir verändern uns, entwickeln uns. Dabei handelt es sich um keine großen, den Atem raubende Veränderungen, sondern um inkrementellen und kontinuierlichen Fortschritt.

Ich höre immer Podcasts beim Spazieren, aber es sind nie dieselben Episoden. Es sind immer andere Unterhaltungen, auch wenn es manchmal sehr ähnliche Themen sind, die besprochen werden, so entwickeln sich auch diese Gespräche weiter, weil sich die Personen dahinter verändern. Die Gegend, durch die ich mich bewege, ist niemals dieselbe, auch wenn die Runden natürlich ähnlich sind. Genau das ist es, was es bedeutet, im Moment zu leben, zumindest für mich. Sich diese kleinen Veränderungen bewusst zu machen, immer wieder von Neuem. Die Geschichten im Alltag zu finden, die man vielleicht übersehen hätte, wenn man nicht genau hinsieht.

Dabei kann man verschiedenste Hilfen zurate ziehen. Sei es die »Homework for Life«, von Matthew Dicks, das Betreiben eines täglichen Blogs, ein Tagebuch schreiben, Dinge, die man macht und Gedanken oder Gefühle in einem Fünf-Jahres-Journal festhalten, Fotos machen – es gibt unzählige Möglichkeiten, jeden Tag intensiv zu erleben. Die guten Dinge festzuhalten, die Schlechten zu akzeptieren lernen, denn morgen gibt es eine neue Möglichkeit, es besser oder anders zu machen. Es anders zu sehen und die Welt von Neuem zu entdecken.

Dankbarkeit dafür zu entwickeln, dass man überhaupt die Möglichkeit hat, jeden Tag aufs neue zu erleben. Die Dinge, aber vor allem natürlich die Personen, die einen durchs Leben begleiten, zu schätzen wissen. Das mag jetzt vielleicht esoterisch klingen, muss es aber nicht sein. Manche haben Religion, worüber sie diese Dankbarkeit und Demut zu kanalisieren und auszudrücken lernen; andere, wie auch ich, wollen einfach nur mit einer optimistischen und positiven Grundeinstellung durchs Leben gehen. Die Zukunft als etwas Optimistisches und Erstrebenswertes sehen. Sehen zu wollen, wohin wir uns entwickeln und welche Überraschungen der morgige Tag bereithält.

Von Büchern und wüsten Planeten

Der Februar war erneut ein Lese-intensiver Monat. Es macht sich bezahlt, anstatt abends Filme und Serien zu schauen, ein Buch aufzuschlagen und darin ein bis zwei Stunden zu lesen. Oder sich an einem verregneten Wochenende in den Wintergarten zu setzen und sich dort mit Kaffee, Kuchen und einem guten Buch die Zeit zu vertreiben.

Wobei das, wie Philipp Seidel in einer Folge des Podcasts Sprechkabine einmal gesagt hat, eine interessante Beschreibung ist: ein gutes Buch lesen. Als würden sich manche zum Ziel setzen, mal wieder ein richtig beschissenes Buch zu lesen. Aber das sind solch interessante sprachliche Verwirrungen, die man mit der Zeit einfach hinnimmt, ohne sie weiter zu hinterfragen. Natürlich sollte jedes Buch, das man sich aus der Unmenge an angebotenem Material heraussucht, ein gutes sein.

Dabei ist die Zuschreibung »gut« natürlich etwas sehr Subjektives. Was die Aussage, »ich will ein gutes Buch lesen«, noch mehr ad absurdum führt. Wie dem auch sei, meine sechs Bücher, die ich im Februar las, haben mich alle durchweg begeistert. Wie ich jetzt allerdings feststellen muss, war kein einziges Warhammer-Buch dabei. Ein Versäumnis, das ich im März auf jeden Fall nachholen möchte. Die Welt von Dune hat mich die letzten eineinhalb bis zwei Wochen des Monats zu sehr in den Bann gezogen, als dass ich mich mit einem anderen Universum hätte beschäftigen wollen.

Hier die Liste der Bücher und falls ich bereits über diese geschrieben habe, sind die entsprechenden Texte daneben verlinkt:

  1. Hermann Hesse: Peter Camenzind (Stadt, Land, Fluß)
  2. Peter Falk: Just One More thing (Der Blick zurück)
  3. Justina Ireland: Star Wars DHR: Die Bewährungsprobe (Altersgerechte Publikationen)
  4. Claudia Gray: Star Wars DHR: In die Dunkelheit (Falsches Foreshadowing)
  5. Frank Herbert: Dune – Der Wüstenplanet (Nachvollziehbare Charakterentwicklung)
  6. Frank Herbert: Der Herr des Wüstenplaneten

Das zweite Buch von Frank Herberts Dune-Epos hat mich tatsächlich mehr gefordert als der erste Teil. Und zwar in dem Sinne, dass es ein anstrengenderes Buch zum Lesen war. Der Bruch im Stil macht sich deutlich bemerkbar und ich bin in keinen richtigen Lesefluss hinein gekommen. Das erste war zwar ebenfalls komplex und in seiner Tiefe schier grenzenlos, dem zweiten fehlt aber vielleicht in gewisser Hinsicht der rote Faden. Ich mochte die darin erzählte Geschichte sehr gerne. Jedoch machen es die vielen Ansichten der Protagonist*innen, die Planen und ihre eigenen Ziele verfolgen, insgesamt etwas schwierig, sich mit jemandem zu identifizieren – eine Bezugsperson fehlt.

Ich bin gespannt, wie das dritte Buch sich weiterentwickelt und ob es von der erzählerischen Struktur her vielleicht wieder mehr in Richtung des ersten Buches geht. Der Herr des Wüstenplaneten ist zudem ein sehr kompaktes, dicht gepacktes Buch. Die Kinder des Wüstenplaneten (also Teil 3) scheint sich allein von der Länge des Buches her bemessen, etwas mehr Zeit zu lassen, aber da lasse ich mich überraschen.

Erst einmal stehen zwei Bücher an, die schon eine Weile auf meinem Kindle warten, gelesen zu werden. Außerdem brauche ich mal wieder queere Hauptcharaktere in einer Geschichte. So modern sich die neuen Star Wars Bücher anfühlen, so sehr fehlt ihnen eine LGBTQIA+-Person als echte Protagonist*in. Daher habe ich mir schon vor einer Weile die beiden Bücher Boyfriend Material und Husband Material in einem Sale gegönnt. Zudem will ich zur Abwechslung mal wieder etwas Bodenständigeres, da die letzten Wochen doch sehr Science-Fiction-lastig waren.

Vor dem nächsten Teil der Horus Heresy (Thousand Sons) schrecke ich noch etwas zurück, da das ebenfalls wieder so ein ausufernder Schmöker zu sein scheint, der die Hälfte eines Sammelbandes einnimmt. Aber es liegen ja noch genug Bücher in der Wohnung herum, die über die Jahre ein Zuhause hier gefunden haben, allerdings nie gelesen wurden. An interessantem Lesestoff fehlt es also auf keinen Fall.

Kino im Kopf

Ein Grund, warum ich keine synchronisierten Filme und Serien mehr schauen kann, sind leider die deutschsprachigen Synchronsprecher*innen. Vor allem in den vergangenen Jahren ging der Trend dahin, gerade bekannte YouTuber und TikToker oder andersgeartete Influencer*innen zu verwenden. Meist geschieht dies aus dem einfachen Grund heraus, dass sich diese gut im Marketing einsetzen lassen – wäre zumindest eine starke Vermutung meinerseits. Ungünstigerweise sind die wenigsten davon aber tatsächlich in der Lage, vor einem Mikrofon einen ordentlichen Job bei der Synchronisation zu machen. Es ist nun mal etwas anderes »Content« für Social Media und Co. zu machen, als eine filmisch dargestellte Szene mit Leben zu füllen.

Hinzu kommt, dass die Übersetzungen zuweilen krude Formulierungen zutage fördern. Es wird zu sehr darauf geachtet, dass die Lippenbewegungen exakt passen, was das ganze Unterfangen von Anfang an zum Scheitern verurteilt.

Wie wichtig es ist, dass die Personen hinter dem Mikrofon in der Lage sein müssen, den richtigen Ton für die Charaktere und Atmosphäre zu finden, merkt man besonders gut bei Hörbüchern. Früher habe ich zusätzlich zu Podcasts gerne Hörbücher gehört. So habe ich mich durch viele Stephen King Bücher gearbeitet und so manche Schmankerl entdeckt. Zum Beispiel Andreas Eschbachs »Eine Billion Dollar«. Doch schnell sucht man sich die Bücher nicht mehr nur nach den Autor*innen aus, sondern nach denjenigen, die Vorlesen. Zumindest ging es mir so. David Nathan beispielsweise wird mir immer in Erinnerung bleiben. Die Inbrunst, mit der er die Bücher liest und die Fähigkeit, diese Welten zum Leben zu erwecken, ist einmalig. Seine Leistungen bei »Es« oder »The Standing« waren phänomenal. Wer mich am meisten überrascht hat, ist der leider viel zu früh verstorbene Dirk Bach. Er hat unter anderem einige Bücher von Walter Moers vertont. Die Stadt der träumenden Bücher war meine erste Begegnung sowohl mit Moers als auch mit Bach als Sprecher und beide haben mich nachhaltig beeindruckt.

Ein anderes Beispiel wäre Critical Role, von dem ich bereits berichtet habe (Formen der Unterhaltung). Darin spielen amerikanische Synchronsprecher*innen Dungeons & Dragons. Man sieht ihnen quasi dabei zu, wie sie um einen Tisch herum sitzen und Pen&Paper-Rollenspiele spielen. Klingt vielleicht langweilig, aber auch hier zeigt sich, dass professionelle Sprecher*innen das Um und Auf sind, wenn es darum geht, in den Köpfen der Zuhörer*innen lebendige Charaktere zu erschaffen. Gleiches gilt natürlich ebenso für Schauspieler*innen, die wir in Filmen und Serien bewundern. Es geht etwas verloren, wenn man die synchronisierte Fassung schaut. (Ausnahmen wie die Bud Spencer Filme bestätigen hier die Regel.)

Besonders in Zeiten, in denen man alles streamen kann, ist es besonders einfach immer die Originalfassung zu schauen und sich dann entsprechend die Untertitel einzublenden. Seien es deutsche oder englische Untertitel. Bei Englischen kann man nebenbei sogar noch das Hörverständnis verbessern.

Aber wie ich eigentlich darauf gekommen bin, mal wieder über das Thema nachzudenken und zu Schreiben, ist tatsächlich Warhammer. Genauer gesagt, der Fantasy-Ableger davon: Age of Sigmar. In den Werbeclips für neue Figuren setzen sie seit ein paar Monaten eine neue Sprecherin ein (ich glaube zumindest, dass sie neu ist, aber zuvor ist sie mir noch nicht aufgefallen). Der irische oder schottische Akzent, ich bin mir offen gestanden nicht sicher, welcher es ist, verbunden mit der Leidenschaft und den Nuancen, mit denen sie die Geschichten hinter den Charakteren vorträgt, ist immer wieder faszinierend anzuschauen. Sie schafft es, den Figuren Leben einzuhauchen.

Gute Synchronsprecher*innen sollten mehr Platz im Rampenlicht bekommen. Vielleicht kann man es am besten mit Filmmusik vergleichen. Wenn sie gut ist, bemerkt man sie meist gar nicht. Sie wird Teil des Erlebnisses. Nur wenn sie so gar nicht passt, drängt sie sich gleichsam in den Vordergrund. Genauso ist es bei den Sprecher*innen. Deshalb sollte man diese vielleicht unterschätzte Form des Schauspiels mehr feiern.

Von Texten und Überschriften

Wie es den geneigten Leser*innen vielleicht aufgefallen ist, verwende ich gerne kreativere Überschriften für meine Texte. Überschriften, die bisweilen zwar andeuten, worum es sich eventuell handeln könnte, aber nicht direkt darauf hinweisen. Bei meinen letzten Blogs habe ich das komplett anders gehandhabt. Zugegeben, diese waren darauf fokussiert, über Filme, Serien und vor allem Comics zu berichten. Die Texte waren größtenteils Rezensionen oder Essay-artige Schriften, die sich mit einem bestimmten Thema auseinandersetzen. Wie ich das gehandhabt habe, sieht man jeden Donnerstag. Am sogenannten Throwback Thursday veröffentliche ich immer einen alten Artikel, mit dem Ziel, eines Tages alles, was ich so im Laufe der Jahre geschrieben habe, hier gesammelt stehen zu haben. Seien es meine Artikel, die ich für meinen privaten Blog geek-planet geschrieben habe, oder aber Texte, die ich für die amerikanische Webseite rogues-portal verfasste, die sich seit ein paar Jahren geek’d out nennt.

Das Ziel dieser Webseite hier ist nicht das Rezensieren aller möglichen medialen Inhalte. Für einen täglichen Blog wäre das ein sehr schwieriges und zeitintensives Vorhaben. Hier ist mein primäres Anliegen eigentlich relativ simpel: jeden Tag einen Text veröffentlichen. Sei es darüber zu schreiben, was mich gerade beschäftigt, oder was ich am Wochenende erlebt habe. Themen, über die ich mir Gedanken mache oder (in selteneren Fällen) aktuelle gesellschaftliche Themen aufzugreifen. Wobei sich ein gewisser Einfluss natürlich nie vermeiden lässt.

Gelegentlich sind natürlich Rezensionen ebenfalls Teil des Portfolios. Immerhin ist das mein Ursprung, wenn man so will. Egal, ob es Comics, Serien oder Filme sind. Ich beobachte mich aber immer wieder dabei, dass ich mir eher bestimmte Aspekte herauspicke, die ich in den Vordergrund dieser Rezensionen stelle. Das passiert besonders dann, wenn mich etwas besonders in den Bann zieht und ich mich eingehender damit beschäftigen möchte. Wie es zum Beispiel beim ersten Dune-Buch der Fall war, welches mindestens zwei Texte inspiriert hat (Von Kinobesuchen & Das erste Mal ist entscheidend).

Das ist ebenfalls ein Grund, warum ich mit den Texten nicht immer so eindeutige Überschriften geben möchte, da ich manchmal selbst nicht weiß, wohin mich das Schreiben führen wird. Denn der Titel steht häufig als erstes Fest und dient gleichsam als Ideengeber für den Text. Abschweifungen und dergleichen natürlich inbegriffen. Nur in den seltensten Fällen ändere ich tatsächlich den Titel eines fertigen Textes, der mir anfangs als geeignet erschien.

Seit ein paar Wochen verwende ich für meine Webseite das Plug-in Yoast SEO. Also eine Suchmaschinen-Optimierung. Diese solle dabei helfen, dass meine Webseite leichter gefunden wird, wenn man nach den Themen sucht, die in den Texten vorkommen. Das Plug-in sagt mir ständig, dass mein SEO-Score schlecht ist, weil die Keywords, die ich angebe, zu selten in den Texten vorkommen. Doch scheint es mir nicht zu meinem (aktuellen) Schreibstil zu passen. Vielleicht ändert sich das mit der Zeit, es mag ja durchaus vorkommen, dass man sich verändert, aber im Moment gefällt es mir so ganz gut.

Damit hätte ich nach über vier Monaten und 110 Texten endlich mal formuliert, worum es mir auf dieser Seite geht. Aber am Anfang ist das für mich nicht so recht greifbar gewesen. Ich wusste nur, ich will täglich schreiben, um meine kreativen Muskeln zu fordern. Der Rest hat sich im Laufe des Schreibprozesses entwickelt und wird sich weiterhin verändern, anpassen und entwickeln.

Die einfachen Dinge

Ich mache gerne Spaziergänge. Diese können gerne mal 2 Stunden oder mehr dauern. Ich fahre dazu nirgends speziell hin, da mir das unsinnig erscheint, zumindest für den alltäglichen Gebrauch. Deshalb gehe ich meist die gleichen Strecken. Mal variiere ich hier, mal gehe ich eine Abkürzung da, oder schaue, was sich hinter diesem Weg wohl verbergen mag, den ich seit Jahren nicht mehr gegangen bin. Es ist immer wieder eine kleine Entdeckungsreise. Und ich nutze die Zeit gerne, um Podcasts anzuhören.

Diese sammeln sich in einer meiner Podcast-Apps an, von denen ich gerne verschiedene am iPhone habe und gelegentlich wechsle. Der Dauerbrenner dabei ist eindeutig Overcast. Seit Jahren ist diese fantastische, einfache App dafür verantwortlich, dass meine Podcast-Listen aktuell sind und ich diese unkompliziert hören kann. Dann verwende ich zwischenzeitlich die Apple eigene Podcast-App und vor kurzen hat sich Instacast wieder dazu gesellt.

Instacast war für lange Zeit, bevor ich zu Overcast gewechselt habe, der Standard, wenn es darum ging Podcasts zu organisieren. Leider hat es sich für das kleine Team (ich glaube, es war sogar nur ein ein-Mann-Unterfangen) nicht rentiert und wurde irgendwann zu viel. So endete eine Ära, die man wirklich so bezeichnen kann, da es unter den Podcastern immer wieder zur Sprache kam und eine Institution darstellte. Nun wurde das Projekt von jemandem übernommen und unter dem Namen InstacastPlus wieder zum Leben erweckt. Bisher ist noch nicht viel passiert, aber ich bin gespannt, wo die Reise hingeht. Ein unerwartetes, aber willkommenes Comeback.

Jedenfalls bin ich immer wieder erstaunt, wie lange ich teilweise die Podcasts schon verfolge. Hoaxilla zählt zu meinen ersten Podcasts, die ich entdeckt habe. Dicht gefolgt vom Technik-Podcast Bitsundso, und WRINT, von Holger Klein. Die drei Projekte stehen immer ganz oben auf meiner Podcast-Liste und bilden die hohen Standards ab, an denen sich neue messen müssen. Ich bin buchstäblich Tausende Kilometer mit diesen dreien und unzähligen anderen, die ich über die Jahre verfolgt habe, gegangen. Vielleicht sollte ich mal eine Liste aller Podcasts zusammenstellen, die ich im Laufe der Zeit entdeckt habe, und die mir etwas bedeuteten. Oder es zumindest versuchen.

Denn egal, ob ich sie heute noch regelmäßig verfolge, nur mehr sporadisch reinhöre oder sie hinter mir gelassen habe, alle Podcasts, die mich in meinem Leben bisher begleitet haben, sind mir wichtig. Ansonsten hätte ich nicht zahllose Stunden damit verbracht, diesen Menschen zuzuhören.

Es ist auch eine interessante Beziehung, die man zu den Podcastern aufbaut, da sie komplett einseitig ist. Verfolgt man einen Podcast lange genug, erfährt man natürlich immer auch etwas über die Personen, die dahinterstehen. Zumindest bis zu einem gewissen Grad. Es werden fast schon gute Freunde, die einem teilweise jede Woche ins Ohr sprechen, ihre Meinungen und Ansichten teilen. Im Gegenzug wissen diese allerdings nichts von den Hörer*innen. Und als Hörer*in muss man sich diese Diskrepanz vielleicht bisweilen bewusst machen.

Ich glaube auch, ohne konkrete Zahlen nennen zu können, dass das Medium Podcast, zu dem am meisten genutzten von mir zählt. Mittlerweile hat sich mein Hör-Verhalten etwas verändert und ich habe die Zahl der Podcasts, die ich aktiv verfolge, reduziert. Es hat allerdings Zeiten gegeben, da habe ich jeden Tag ein paar Stunden damit verbracht. Immer auch nebenbei. Es wurde quasi zu dem, was andere in der Musik finden.

Ich hoffe noch auf viele weitere Stunden und Kilometer, die ich mit den oben genannten drei Podcasts verbringen kann. Aber auch auf neue Entdeckungen und altbekannte Stimmen, die ich weiterhin gerne höre. Podcasts sind etwas Fantastisches und vielleicht ein unterschätztes Medium. Aber irgendwie mag ich den Charme der Nische. Es ist wohlig, vor allem wenn man seit über 13 Jahren die Szene verfolgt.

Die Sache mit den E-Mails

Seit wann gibt es E-Mails? Wenn wir aufrunden, liegen wir mit 50 Jahren sicherlich nicht allzu weit daneben. Trotzdem muss ich immer wieder überrascht feststellen, dass es eigentlich noch immer ein ungelöstes Problem ist. Nicht unbedingt, was wir damit verschicken, aber wo wir unsere eigene E-Mail-Adresse herbekommen.

Die Frage nach dem „was“ ist ganz einfach beantwortet: alles. Und es ist ja grundsätzlich eine kommode Lösung, die E-Mail als glorifizierte Eier legende Wollmilchsau zu verwenden. Seien es Newsletter jeglicher Art, Anhänge, die in die Gigabyte gehen, Einladungen, Viren, Anfragen von ganz seriösen Prinzen, mit zu viel Geld, alltägliche Kommunikation, als Verifikationswerkzeuge – schlicht, einfach alles wird oder kann per E-Mail abgewickelt werden. Grundsätzlich bin ich dem nicht negativ gegenüber eingestellt. Es ist eine praktische Erfindung.

Umso mehr wundert es mich, dass es keine „offiziellen“ Lösungen dafür gibt. Wie auch immer diese aussehen würden. Entweder man muss sich selbst damit beschäftigen, irgendwelche Server und Rechner bei sich aufzustellen, um E-Mails verwalten zu können – ein eher schwieriges Unterfangen. Man kann sich natürlich entsprechenden „Space“ mieten, wie ich es bei Hostinger mache, worüber diese Webseite läuft. Mit den meisten solchen Verträgen sind E-Mail-Adressen dabei. Aber ist das nachhaltig? Was passiert, wenn ich die Webseite eines Tages nicht mehr haben sollte oder auf einen anderen Webspace umziehe?

Eine weitere und die am meisten genutzte Möglichkeit, vermute ich zumindest, ist, sich Firmen zuzuwenden, die (gratis) E-Mail-Adressen mit etwas Speicherplatz zur Verfügung stellen. Es handelt sich natürlich mehrheitlich um amerikanische Unternehmen und gratis sind sie auch nicht, da man mit den eigenen Daten bezahlt. Hier ist es genauso wie mit E-Mails allgemein: keine per se schlechte Lösung, da es viel Arbeit und Beschäftigung mit dem Thema erspart. Es funktioniert einfach. Und es ist vielleicht die langlebigste Lösung, denn es wird sicherlich noch etwas dauern, bis Google, Microsoft oder Apple nicht mehr existieren. Wobei man anhand von Nokia und Blackberry gesehen hat, dass es schnell gehen kann.

Ich selbst habe mehrere E-Mail-Adressen. Von Google, über Apple, bis zu Yahoo (ja, wirklich), besitze ich so manche Adressen, aber eine davon ist eben doch die mit Abstand am meisten genutzte. Vielleicht ist genau das der Fehler. Vielleicht sollte man sich breit aufstellen und bei unterschiedlichsten Angeboten, die eine E-Mail-Adresse erfordern (also die meisten Apps, Webseiten und Services) immer wieder eine andere angeben. So kann man, wenn man einmal gezwungen ist, eine E-Mail-Adresse aufzugeben, schneller wechseln.

Wie vorhin erwähnt bin ich hier selbst absolut kein Vorbild, aber nur mal eine Idee. Mit Apps und Programmen, beispielsweise Spark (mein E-Mail-Programm der Wahl) kann man dann auch diese unterschiedlichen Adressen gut verwalten und in einen Posteingang zusammenführen. Das Problem ist meistens, dass man gar nicht mehr weiß, wo man überall die Adresse(n) angegeben hat. Aber dafür gibt es ja dann wiederum Passwort-Manager, die wahrscheinlich das meiste abdecken sollten.

Ein letzter Vorteil von den großen Anbietern, der mir noch einfällt und der es eigentlich schon fast wieder wert ist, mit den eigenen Daten bezahlt zu werden, sind die Spamfilter. Es ist immer wieder unfassbar, welche Menge an Müll versendet wird. Wie viel Speicher diese verbrauchen, aber vor allem wie viel Zeit sie uns nehmen. Zeit, die man damit verschwendet, doch mal nachzusehen, ob nicht etwas aus Versehen im Filter hängen geblieben ist, oder sich von unfreiwilligen Newslettern abzumelden oder eine neue Regel festzulegen und so weiter.

Eine richtige Antwort gibt es wahrscheinlich nicht auf diese Fragen oder dieses Problem. Aber bisweilen mache ich mir doch Gedanken darüber, wie man es besser machen könnte.

Falsches Foreshadowing

Im Englischen gibt es den schönen Begriff des Foreshadowing. Dabei handelt es sich um ein erzählerisches Werkzeug. In einer Handlung wird einmal oder sogar mehrmals etwas angedeutet, das zu einem späteren Zeitpunkt wieder aufgegriffen wird. Diese Andeutungen können alle möglichen Formen annehmen – sei es direkt, über die Wünsche und Absichten eines Charakters, oder aber auch über Metaphern, Gemeinsamkeiten, rätselhafte Phänomene. Es gibt unzählige Alternativen.

Nachdem ich den Star Wars Jugendroman Die Bewährungsprobe gelesen und durchaus genossen habe, wollte ich weiter in diesem Universum bleiben. Außerdem war es ein recht kurzes Buch – ich brauchte noch mehr Geschichten über Jedi und die hohe Republik. Also nahm ich mir In die Dunkelheit von Claudia Gray aus dem Regal. Hierbei handelt es sich um einen YA-Roman. Die verschiedenen Alterseinstufungen, die es in der Star Wars Reihe gibt und damit wohl auch allgemein in amerikanischen Publikationen, habe ich bereits besprochen: Altersgerechte Publikationen.

Nachdem ich nun zwei Bücher aus der Ära der hohen Republik von Star Wars gelesen habe, die nicht zur Pflichtlektüre zählen, wenn man so will, bin ich sehr froh, mich dazu entschieden zu haben, alles von Phase I zu lesen. Unter Pflichtlektüre verstehe ich hier diejenigen Romane, die die Hauptgeschichte voranbringen und sich mit dem zentralen Konflikt zwischen den Jedi und den Nihil auseinandersetzen. Diese zusätzlichen Geschichten sind eine wirkliche Bereicherung. Man findet immer wieder faszinierende Charaktere von Spezies, von denen ich bisher noch nichts gewusst habe, denen ich aber gerne öfter begegnen würde. Es werden Geschichten erzählt, die andere Perspektiven einnehmen. Wie haben andere von den Nihil und der Hyperraum-Katastrophe erfahren? Wie muss man sich die Ära der hohen Republik abseits der Jedi vorstellen?

Außerdem haben die Autor*innen dieser Romane die Freiheit, mehr über die Philosophie der Jedi zu schreiben, in ihre Historie einzutauchen, verschiedene Standpunkte zu erzählen. Und es wird einem erst so richtig bewusst, wie sehr sich diese Zeit von der des Imperiums, welche 200 Jahre später stattfindet, unterscheidet. Die kleinen Details, die in In die Dunkelheit eingestreut sind, machen ebenfalls sehr viel Freude. Es begeistert mich, wie dieses Universum immer wieder wächst und quasi nebenbei weiter ausgefüllt wird. Sei es die Sith-Stätte im Herzen des Jedi-Tempels, die Wand aus Kyberkristallen verstorbener Jedi, oder auch nur, dass sich die Quartiere der Padawane ebenfalls im Tempel befinden und sie gelegentlich halb-erlaubte Partys schmeißen.

Claudia Gray ist eine Star Wars Veteranin und schreibt immer wieder faszinierende Geschichten in dieser Welt und findet jedes Mal neue Winkel, die es zu entdecken gibt. Ihre Protagonist*innen sind stets komplexe Charaktere, die sich nachvollziehbar weiterentwickeln. Jeder Nebencharakter scheint seine oder ihre Vergangenheit zu haben, die sie prägt, und dadurch werden Entscheidungen greifbar. In die Dunkelheit erzählt die Geschichte von Reath Silas, einem Padawan, der seine Zeit gerne im Archiv des Jedi-Tempels verbringt, viel liest und lieber Abenteuer aus zweiter Hand erlebt, anstatt sich selbst in welche zu stürzen. Doch gewisse Umstände und eine Meisterin, die die äußeren Welten erkunden will, machen ihm einen Strich durch die Rechnung.

Im Laufe des Romans heben sich neben Reath auch noch mehr als fünf Nebencharaktere hervor, die er auf seinen Abenteuern und Reisen trifft und mit ihm unterwegs sind. Geschickt wechselt Gray immer wieder die Perspektive der Geschichte und gibt uns so einen hervorragenden Einblick in jeden einzelnen Charakter. Die teils tragischen Entwicklungen und hart erarbeiteten Einsichten treffen einen dann umso härter.

Das Einzige, was mich wirklich gestört hat, war eine bestimmte Entscheidung, weil es gegen jede Andeutung, jedes Foreshadowing geht, was im Laufe der Geschichte aufgebaut wurde. Leichte Spoiler voraus.

Es geht darum, wie sich Reath seine Zukunft vorstellt. Seine Meisterin, Jora Malli, ist tragischerweise bei einem Kampf gegen die Nihil gestorben. Jetzt steht Reath vor der schwierigen Entscheidung, wen er sich nun als ihren Nachfolger vorstellen könnte, wenn er denn seine Ausbildung fortsetzen möchte. Jora hatte vor Reath nur einen anderen Schüler, Dez Rydan, der die Prüfungen vor einigen Jahren erfolgreich abgelegt hat und inzwischen ein respektabler Jedi-Ritter ist. Er macht viele, teils furchtbare Dinge durch, und am Ende zweifelt er an seiner Verbindung mit der Macht.

Alle philosophischen Ansichten, die im Laufe der Geschichte über Reath und Dez herauskommen, ihre gemeinsame Vergangenheit im Tempel und dass sie die gleiche Meisterin hatten, sind nur einige der Gemeinsamkeiten der beiden. Alles deutet quasi darauf hin, dass Reath Dez darum bittet, sein neuer Meister zu werden. Nicht nur um Jora zu ehren, sondern weil sie sich gut ergänzen. Sie könnten viel voneinander lernen. Reath könnte Dez sogar bei seinen Zweifeln helfen. Die Entscheidung, die Reath stattdessen trifft, kann ich gar nicht nachvollziehen und widerspricht irgendwie allem, was davor geschehen ist.

Es ärgert mich ein wenig, wie sich Reath entschieden hat. Allerdings ist das zugleich ein großes Kompliment an Claudia Gray, da mir Reath scheinbar ans Herz gewachsen ist. Ich bin gespannt, ob wir diesen Charakteren nochmal begegnen werden. Was aus ihnen wird, würde mich auf jeden Fall interessieren. Vielleicht finden die beiden ja doch noch irgendwie zueinander.

Nachvollziehbare Charakterentwicklung

Dune hat mich in den Bann gezogen. Als ich vor nicht ganz einer Woche mit dem ersten Buch anfing, hatte ich nicht erwartet, dass es mich derart begeistern wird. Mittlerweile bin ich bereits mit dem ersten Teil so gut wie durch und hoffe, die nächsten Teile treffen demnächst ein. Wie sich nämlich herausgestellt hat, bildet der erste Film von Denis Villeneuve etwas mehr als die Hälfte des ersten Buches ab. Nun will ich noch das Zweite lesen (Der Herr des Wüstenplaneten), damit ich für den zweiten Film, der Ende des Monats erscheint, bestens vorbereitet bin.

Warum ich aber diese Woche schon zum zweiten Mal über dieses faszinierende Universum schreiben will oder muss, ist die Art der Charakterentwicklung, die stattfindet. So etwas Tiefgehendes habe ich bisher kaum gelesen. Die Art und Weise, wie Frank Herbert uns mit den Charakteren durch diese Welt führt, ist immer wieder aufs neue fesselnd und mir wurde erst nach gut zwei Dritteln des ersten Buches so richtig bewusst, wieso.

Es ist nicht nur, wie ich erst vermutet habe, der fliegende Wechsel zwischen den Eindrücken der Charaktere. Dies trägt aber mit Sicherheit ebenfalls dazu bei. Jeder Absatz in einem Kapitel, dass sich um bestimmte Charaktere dreht (beispielsweise Paul Atreides und seine Mutter), kann sich auf einen anderen Gesichtspunkt fokussieren. Mal sind es Pauls Gedanken, die wir eindrücklichst erfahren und mitgeteilt bekommen, zwei Sätze weiter wechselt Herbert auf die Sichtweise von Pauls Mutter und wir erfahren ihre Schlussfolgerungen, Hoffnungen und Motive in dieser spezifischen Situation.

Dieser stete Wechsel ist zu einem gewissen Grad sicherlich auf erforderlich, da besonders diese beiden Charaktere mit ihrer speziellen Ausbildung darauf konditioniert sind, die feinsten Details und Verhaltensweisen an Personen festzustellen. Sei es an deren Verhalten, die Art wie sie sprechen, wie sie ihre Kleidung tragen oder wo sie stehen und wie. Es ist ein sehr analytisches Denken, aber durchaus nicht frei von Gefühlen. Dem machen sich die beiden, besonders Paul, immer wieder bewusst, vor allem, nachdem er erfahren hat, dass seine Ausbildung auf ein Mentaten-Training abzielte. Dazu kommen die schon fast evolutionär anmutenden, sprunghaften Entwicklungen, die Paul durchmacht, dank des Spice.

Auch von anderen Charakteren erfahren wir immer wieder ihre Überlegungen und wie sie Situationen wahrnehmen. Sei es der Baron Harkonnen, der Arzt Yueh oder vermeintliche Nebencharaktere. Diese tiefgreifende Einsicht macht die Welt von Dune derart greifbar und zu einem gewissen Grad real erscheinend. Dazu kommen die genial geschriebenen Dialoge. Da es sehr viel um Intrigen geht, alle darauf achten müssen, nicht zu viel zu verraten oder das Falsche zu sagen, ist es umso wichtiger, dass diese pointiert geschrieben sind. Die zum Teil wahr werdenden und quasi personifizierten Legenden und Mythen, die es auf dem Wüstenplaneten Arrakis gibt, machen es gewissen Charakteren schwierig, in jeder Situation das richtige Verhalten und die passenden Worte zu wählen.

Dank der Einsichten in ihre Überlegungen sind die Schlussfolgerungen der Personen nachvollziehbar. Genau das ist es, was mich so fasziniert und nachhaltig beeindruckt. Als Leser erfahre ich, wie die Charaktere zu ihren Schlussfolgerungen kommen. Es wird aber derart vorgekaut, sodass man sich als dummer Leser fühlt, dem man jeden Handlungsschritt erklären muss. Eine Gratwanderung, die ich so nicht erwartet hatte. Schlechtere Autor*innen würden vielleicht plumpe Dialoge schreiben, um Entscheidungen nachvollziehbar zu machen oder die Leserschaft auf gewisse Punkte förmlich mit dem Gesicht hineindrücken. Hier wird man ein Teil der logischen Folgerungen.

Aber, wie bereits erwähnt, spielen natürlich die Gefühle dabei ebenfalls eine große Rolle. Es ist auch nicht so, dass immer alle recht hätten oder nicht überrascht würden. Das würde es wiederum langweilig machen. Als Vergleich ist mir tatsächlich die Serie Breaking Bad eingefallen.

Wer die Serie gesehen hat, erinnert sich vielleicht an den Moment, wo Jesse an der Bushaltestelle stand. Es ist schon etwas länger her, seit ich die Serie geschaut habe, aber ich glaube, es war die letzte Staffel. An dieser Bushaltestelle stehend, nimmt er einen Gegenstand aus seiner Tasche und plötzlich ergibt alles für ihn Sinn. Er weiß, was Walter bzw. Heisenberg gemacht hat und alle Puzzleteile fügen sich zu einem Bild zusammen. Und er entscheidet sich, ihn zu konfrontieren. Oder auch der Moment, wo für Hank plötzlich klar wird, wer Walter wirklich ist. Beides, aber besonders ersterer, herausragende Momente, die mit wenigen visuellen Hilfsmitteln auskommen. Dank der genialen schauspielerischen Leistung sind sie aber nachvollziehbar. Man bekommt nicht alles vorgekaut, trotzdem weiß man, wie die Charaktere zu ihren Einsichten gekommen sind und erlebt es gleichsam mit ihnen mit.

Diese Momente gibt es konstant in Dune, aber natürlich in abgestuften Intensitäten oder genauer gesagt sind sie in ihrer Fundamentalität variabel. Jetzt haben mich schon vier Science-Fiction-Universen in ihren Bann gezogen, aber dazu ein anderes Mal mehr.