Browsing Category Blog

Your blog category

Einen Prinzen retten

Eigentlich wollte ich mit Prince of Persia: The Lost Crown noch ein wenig warten. Spiele sind doch immer recht teuer, wenn sie frisch auf dem Markt kommen. Aber dann habe ich es mir aus zweierlei Gründen doch recht kurz nach der Veröffentlichung gekauft. Zum einen habe ich angefangen, das Let’s Play von TheRadBrad auf YouTube zu schauen, was bei solchen Spielen immer ein großer Fehler ist. Das habe ich letztes Jahr bereits mit Blasphamous II durchgemacht.

Beide der genannten Titel sind sogenannte 2,5D Spiele oder auch Side-Scroller genannt. Man bewegt die Figur prinzipiell also nur nach links oder rechts, oben oder unten. Ich mag solche Spiele sehr gerne. Ihre scheinbare Einfachheit täuschen, denn die Geschicklichkeit und Strategien, die man aufwenden muss, machen sie zu echten Herausforderungen. Die offene Welt bietet verschiedenste Möglichkeiten, wie man die Welt entdecken möchte. Und ich finde es immer wieder faszinierend, welche Gemeinheiten sich die Entwickler einfallen lassen. Manche mögen ihre Elden Rings und Dark Souls (die schaue ich mir lieber per Let’s Plays an), ich mag meine Side-Scroller, mit teils frustrierenden Parcours-Abschnitten.

Aber es sind nicht nur die eher technischen Aspekte solcher Spiele, die mir mittlerweile ans Herz gewachsen sind, auch die Geschichten können einen fesseln. Eine meiner ersten moderneren Erfahrungen mit dieser Art Spiele war Ori and the blind forest. Der Charakter sieht auf dem Cover süß aus, die Welt ist putzig gestaltet und es fängt charmant an. Aber das tut Oben bzw. Up von Pixar auch. Aber die ersten 10 Minuten von diesem fantastischen Film reichen aus, um den härtesten und abgebrühtesten Wikinger in ein heulendes Elend zu verwandeln. Ich bin immer wieder erstaunt, was sie in diesen 10 Minuten schaffen, ohne dass auch nur ein einziges Wort gesprochen wird.

Ähnlich ist es bei Ori and the blind forest. Die erste Sequenz des Spiels ist eine emotionale Achterbahnfahrt, wie man so schön sagt, und reißt einen direkt in die Geschichte hinein. Die Charaktere wachsen ans Herz und man will nur das Beste für sie. Ich hätte mir eigentlich vorgenommen, auch dieses noch einmal zu spielen. Aber leider kommen ständig neue Spiele raus.

Jedenfalls war das Let’s Play von TheRadBrad zu schauen mein erster Fehler. Der Zweite war, mich auf dem Playstation-Store nach dem Spiel umzuschauen. Denn blöderweise hatte ich noch knapp über 10 € Guthaben auf meinem PS-Konto. Das hat die 50 € oder was das Spiel regulär gekostet hätte, gleich relativiert und ich konnte es vor mir rechtfertigen, dann doch zuzugreifen. Geklickt, gekauft, geladen und dann konnte es auch schon losgehen.

Der künstlerische Stil des Spiels ist fantastisch. Die Animationen und die Gestaltung der Charaktere begeistern. Ich mag es, wenn in solchen Spielen Charaktere gewisse übertriebene Eigenschaften haben, ohne dass es zu überborden wird. Prince of Persia: The Lost Crown schafft es, diesen schmalen Grat zu wandern. Die Geschichte um einen entführten Prinzen, den man in einem Labyrinth-artigen Gebirge und Palast retten muss, ist einfach, aber doch mit einer tieferen Historie versehen.

Die Gegner sind abwechslungsreich, herausfordernd, und wenn man wirklich mal an etwas scheitern sollte, kann man den Schwierigkeitsgrad sehr präzise verändern. Solch ein System würde ich mir öfter wünschen. Man kann nicht nur eine allgemeine Schwierigkeit einstellen, sondern wie viel Schaden man nimmt, wie viel Schaden man austeilt und so weiter. Ein ausgeklügeltes System. Wie zuvor erwähnt, mag ich die Parcours-Herausforderungen sehr gerne, aber mit einem Gegner 2 Stunden verbringen gehört nicht zu meinen Idealvorstellungen eines gelungenen Abends.

Was ich aber an solchen Spielen oder an Prince of Persia eher stört, ist die ausufernde Geschichte, die mittels Gegenständen erzählt wird. Man findet im Laufe des Spiels diverse Schriftrollen, Steintafeln, Pergamente und so weiter. Alle erzählen ein Stück mehr von der Geschichte dieser Welt und ihrer Vergangenheit. Aber teilweise sind es wirklich sehr lange Texte. Ich will aber nicht eine Stunde am Fernseher lesen. Ich fände es cool, wenn man diese Texte per Ubisoft-Connect herunterladen und dann am Tablet oder Smartphone lesen könnte. Wäre durchaus angenehmer. Wozu gibt es sonst solche Verbindungs-Angebote? Dadurch fehlt mir natürlich jetzt ein Teil der Geschichte, aber vielleicht hole ich das noch nach.

Die Dauer des Spiels, ich habe für meinen ersten Durchlauf knapp 20h benötigt, ist überschaubar und genau richtig. Was ich mir eventuell noch gewünscht hätte, wäre, dass es eine Beziehung zwischen dem Prinzen Ghassan und dem Protagonisten Sargon gegeben hätte. Wenn man will, könnte man zwischen den Zeilen lesen, dass sich im Laufe des Spiels etwas anbahnt, aber das wird leider nicht weiter verfolgt. Aber, dass meine eigene Lebensrealität öfter in Spielen wiederzufinden wäre, ist leider immer wieder mit Enttäuschungen verbunden. Besonders bei solch größeren Spielen. Assassins Creed hat das manchmal schon zu lösen gewusst, was ich zu schätzen wusste.

Jedenfalls war Prince of Persia: The Lost Crown eine hervorragende Spielerfahrung. Ich möchte mir auch noch die ein oder andere Playstation-Trophäe verdienen, also ganz bin ich damit ohnehin noch nicht durch. Und dafür, dass es, wenn ich mich recht entsinne, mein erstes Prince of Persia Spiel war, ebenfalls ein voller Erfolg. Einem zweiten Teil wäre ich nicht abgeneigt.

Das erste Mal ist entscheidend

… aber vielleicht nicht prägend. Oder es sollte es zumindest nicht sein. Aber alles der Reihe nach. 2021 kam die erste Dune-Verfilmung von Denis Villeneuve in die Kinos. Dieser erste Teil sollte in etwa die erste Hälfte des ersten Buches von Frank Herberts Dune-Saga abbilden. Der zweite Teil davon folgt Ende des Monats. Und da ich gerade in einem wahrlichen Lesefieber bin, schnappte ich mir Dune – Der Wüstenplanet aus dem Bücherregal und will es dieses Mal zu Ende lesen.

Bereits 2021, also vor drei Jahren, habe ich mir dieses Ziel gesetzt, nachdem mich der Film mit Timothée Chalamet in der Hauptrolle von den Socken gerissen hatte. Ich mag es, wenn Filme auf Atmosphäre aus sind und eine Welt kreieren können, ohne groß auf endlose Erklärungen und Beschreibungen zu setzen. Man darf den Zuschauer*innen durchaus etwas zutrauen. Es macht dann umso mehr Freude, den Film öfter anzuschauen, da man immer wieder Kleinigkeiten entdeckt, die die Welt ein bisschen erweitern. Die hervorragende schauspielerische Leistung aller Beteiligten steht sowieso außer Frage, dazu die stimmungsvollen Bilder, der einzigartige Soundtrack. Ich war damals sehr angetan von diesem Film und der Welt, in die er einführte.

Ich muss allerdings gestehen, dass ich den Film seit den zwei Kinobesuchen damals nicht wieder gesehen habe. Dazwischen stand immer das Vorhaben, erst das Buch zu lesen, um noch mehr Kontext und Wissen rund um diese faszinierende Welt zu haben. Was hat mich also vor drei Jahren davon abgehalten, das Buch zu lesen?

Dazu muss man wissen, dass ich mich gerne Hals über Kopf in etwas hinein stürze, wenn ich für etwas eine gewisse Leidenschaft entwickle und für ein Thema brenne. Also habe ich mir für meine erste Lektüre von Dune – Der Wüstenplanet einen Podcast herausgesucht, der mich auf meiner Reise begleiten sollte. Meine Wahl fiel auf Spice World, der zufälligerweise erst ein Jahr davor gestartet ist. Darin lesen die beiden sympathischen Gastgeber pro Folge ein Kapitel des Buches und unterhalten sich darüber. Der Twist daran, wenn man so will, ist, dass einer der beiden ein Dune-Connaisseur ist und der andere ein totaler Dune-Noob. Zweiterer nahm also genau meine Rolle ein – perfekt.

Doch für ein erstes Erlebnis war es mir dann doch irgendwann (nach 7 Kapiteln, um genau zu sein) zu anstrengend, nach jedem Kapitel 1 bis 3 Stunden Podcast zu hören. Versteht mich nicht falsch, die Infos, die man durch den Podcast erfährt, die Kontexte, Hintergründe, Verwandtschaftsbeziehungen und mehr sind nicht nur spannend, sondern helfen beim Verständnis des Buches. Außerdem hat man dadurch nur noch mehr Respekt und Anerkennung Frank Herbert gegenüber, für die Erschaffung einer solch komplexen, reichhaltigen Welt. Aber für ein erstes Erlebnis war es mir eben zu viel.

Also ist mein jetziges Vorhaben wohl etwas besser. Ich lese das Buch erst einmal für mich und höre danach wieder in den Podcast hinein. Erstens muss ich mir so keine Sorgen um Spoiler machen, obwohl das Buch selbst schon einiges vorwegnimmt. Immerhin ist es ja eher wie ein Geschichtsbuch strukturiert, wenn man so will. Vor allem, wenn man die Passagen am Anfang eines jeden Kapitels betrachtet. Zweitens kann ich den Podcast irgendwann hören und „muss“ nicht erst ein Kapitel davor lesen oder mich durch die Stunden an Audiomaterial „quälen“, bevor ich weiterlesen kann.

Hätte ich alles natürlich schon vorher machen können, aber wie gesagt, wenn ich für etwas brenne, dann will ich mich so tief in das Thema eingraben wie möglich. Und manchmal lande ich dabei in einem Loch oder sitze vor einem Haufen, der mir zu überwältigend erscheint. Es zerbricht nach einem anfänglichen Hoch die Leidenschaft, wie die hier verwendete Metapher.

Jedenfalls fällt es mir aktuell schwer, das Buch wegzulegen und pflüge gleichsam durch die Kapitel. Die Kapitel-langen Dialoge sind so pointiert geschrieben, wie ich es selten erlebt habe. Von jedem Charakter erfährt man, was sie denken, wie sie Situationen einschätzen und welche Motive sie antreiben. Alles ist natürlich immer mit einer Prise Skepsis zu betrachten und im Kontext der Kapitel-einführenden Passagen zu sehen. Ein wunderbares Erlebnis und dieses Mal mache ich es auch richtig – oder zumindest für mich richtig und nachhaltig.

Kalt geduscht ist halb gewonnen

Es ist unfassbar warm, dafür, dass es eigentlich erst Februar ist. Und in einem kürzlichen Falter-Newsletter hat Katharina Kropshofer darüber geschrieben, dass wir des Öfteren über das Wetter reden sollten. „Darüber, dass es nicht nur die Extreme sind (das Hochwasser, das im Sommer den Süden Österreichs verwüstete; die Waldbrände, die riesige Flächen vernichteten). Sondern auch über diese feinen, fast banal wirkenden Dinge wie einen warmen Februartag.“1

Dem kann ich eigentlich nur zustimmen. Denn wie so manches wird auch der Klimawandel vielleicht erst so richtig begreifbar, wenn wir offen darüber sprechen. All die kleinen Dinge, die wir im Alltag darüber beobachten, die eventuell unser eigenes Verhalten beeinflussen, wie wir uns dabei fühlen. Denn natürlich verhalten wir uns auch anders, wenn es draußen angenehm warm ist, die Sonne scheint und man es sich eigentlich mit einem kleinen Eis auf der Terrasse gemütlich machen kann.

Wenn ich zu Hause, im Homeoffice arbeite, nutze ich die Mittagspause immer gerne für einen kleinen Spaziergang. Es ist angenehm, etwas raus zu kommen, nicht nur den ganzen Tag in einen Bildschirm hinein zu starren und die Bewegung tut natürlich auch gut. Diese Woche war es tatsächlich mal über 15 Grad warm, um ich konnte nicht nur einen Spaziergang in kurzen Hosen und einem T-Shirt absolvieren.

Eigentlich ist das etwas zum Genießen. Ich empfinde es als angenehm, wenn die Sonne auf die Haut scheint und man richtig spüren kann, wie man mehr Energie bekommt und man sich glücklicher fühlt, als wenn es kalt und grau ist. Allerdings ist es nicht gerade normal, leichter gekleidet durch den Februar zu spazieren. Nachdem ich den oben verlinkten Newsletter gelesen habe, musste ich diesen Eindruck doch etwas revidieren.

Nicht, dass ich es nicht genießen könnte, aber es sollte doch im Hinterkopf mitschwingen, dass es nicht normal ist, im Februar mit kurzer Hose und T-Shirt herumzulaufen. Die Sorgen, die damit verbunden sind, sollten einen auch nicht lähmen oder überhandnehmen, aber vielleicht, wie Frau Kropshofer vorschlägt, einfach mehr darüber reden – sich die Sorgen teilen. Zu sehen, dass es okay ist, sich Gedanken über die Zukunft zu machen und damit auch vielleicht etwas Angst verspüren. Zu akzeptieren, dass man selbst nur in einem gewissen Rahmen dazu beitragen kann, dass es besser wird, es aber hauptsächlich von der Politik abhängt, eine entsprechende Richtung einzuschlagen.

Dazu gehört auch auszuhalten, dass es keine einfachen Lösungen für die Probleme gibt. Die Welt ist komplex und erfordert eben auch komplexe Lösungen. Ambivalenten auszuhalten, ist ebenfalls Teil dieser Welt. Es lässt sich nicht alles in Gut und Schlecht einteilen, so wie es in Star Wars und anderen Geschichten ist. Zur Zerstreuung sind diese fantastisch, aber keine Blaupause für die echte Welt. Es ist ebenfalls in Ordnung, wenn man nicht alle Zusammenhänge versteht, denn das ist nicht immer möglich. Wenn man den ganzen Tag arbeitet, vielleicht noch Familie hat, sich um jemanden kümmern muss, einkaufen, kochen und so weiter, dann bleibt am Ende des Tages eben nicht mehr so viel Zeit übrig. Dann will ich nicht auch noch über diverse Probleme der Welt recherchieren. Alles nachvollziehbar. Man sollte sich aber soweit mit der Welt auseinandersetzen, dass man Personen wählt, die tatsächliche Wege aufzeigen, die in eine bessere Zukunft führen können. Allerdings sind das meist nicht diejenigen mit den einfachen Lösungen. Denn diese zeigen nur auf vermeintlich Schuldige, können selbst aber keine praktikablen Auswege aufzeigen. Sie sind eben nur gegen etwas, stehen aber kaum für etwas ein.

Jetzt bin ich doch etwas abgeschweift, aber manchmal führt ein einfaches Thema, wie »wir sollten mehr über das Wetter reden« zu allerlei anderen Gedanken. Eigentlich wollte ich noch eine zweite Sache aufzeigen, an der ich erkenne, dass es ein nicht gerade typischer Februar ist. Denn von Frühling bis Herbst dusche ich fast ausschließlich kalt. Ich mag den Kontrast zum warmen Wetter sehr gerne, vor allem nach einem anstrengenden Training ist es für mich angenehm. Aber es hat auch etwas Psychologisches an sich, wenn man sich beim Duschen kurz überwindet und die Temperatur so weit es geht, herunterdreht. Ich bin mir nicht sicher, was genau dahintersteckt, aber es wirkt sich positiv auf die Gemütslage aus. Körper und Geist können sich gleichermaßen danach entspannen und erfrischt in den restlichen Tag starten.

Es hat sicher jede*r eigene Rituale, wenn man so will, die man schon beinahe unbewusst angeht, sobald es wieder wärmer wird oder ein wolkenloser Himmel auf einen wartet. Seien es kaltes Duschen, eine Anpassung der Ernährung, weil sich mit dem Wetter vielleicht auch der Appetit etwas verlagert oder man entdeckt oder die kurzen Hosen, die man wieder sporadisch trägt. In diesem Sinne reden wir doch mehr über das Wetter, die Veränderungen, den Klimawandel und die damit verbundenen Sorgen. Vielleicht hilft es zu etwas mehr Einsicht und Bereitschaft zur Veränderung.

  1. Falter Nachhaltigkeits-Newsletter ↩︎

Erwartungshaltungsmanagement

Erwartungen sind immer so eine Sache. Selten treffen unsere Erwartungen zu hundert Prozent oder treten genau so ein, wie wir es wollten. Aber mit der Zeit und entsprechenden Erfahrungen weiß man schon so in etwa abzuschätzen, was auf einen zukommt. Seien es Urlaube, Klemmbausteinsets von verschiedenen Herstellern, Restaurantbesuche oder Bücher.

Bei meiner letzten Bestellung von vor ein paar Wochen, bei der ich mir gebrauchte Star Wars Bücher besorgt habe, sah ich mich in dem Online-Shop noch etwas um. Vielleicht gab es ja noch ein paar Schnäppchen zu ergattern. So wurde ich auf Der Steppenwolf von Hermann Hesse aufmerksam. Nachdem mich schon sein letztes Buch, was ich von ihm gelesen habe, sehr begeisterte (Peter Camenzind), wollte ich mir noch mehr seiner Bücher zu Gemüte führen. Und für die paar wenigen Euro konnte ich nicht viel falsch machen.

Mir kam der Titel bekannt vor, allerdings habe ich nicht die geringste Ahnung, nicht im Entferntesten, worum es in Der Steppenwolf geht. Zwischen größten Fantasy-Abenteuern, herausforderndster Science-Fiction oder einfach nur einer Geschichte über Dorfromantik ist alles möglich. Aber genau das mag mich von Büchern überraschen lassen. Nicht viel darüber wissen, sondern einfach eintauchen in die Welt, die die Autor*innen für die geneigten Leser*innen geschaffen haben. Die Charaktere, die darin vorkommen, wissen ja auch nicht, worauf sie sich einlassen und welch Abenteuer sie erwarten. Da will ich, als Leser, genauso unwissend sein. 

Auf der Rückseite vom Hermann Hesse Buch ist allerdings ein Zitat von Thomas Mann abgedruckt. Es wird nichts über den Inhalt verraten, sondern nur Vergleiche mit „Ulysses“ und „Faux Monnayeurs“ gezogen. Auch diese beiden Werke habe ich bislang nicht gelesen, wecken aber schon mal größere Erwartungen. Dann kommt der zweite Teil des Zitats, welcher wie folgt lautet:

Der »Steppenwolf« hat mich seit langem zum erstenmal wieder gelehrt, was Lesen heißt.

Tja, das war es wohl dann mit der unvoreingenommenen Einstellung, dieses Buch betreffend.

Von Kinobesuchen

Früher bin ich quasi ständig ins Kino gegangen. Es war noch eine Zeit, da hat man die Tickets am Kinoschalter ausgedruckt bekommen und konnte diese sammeln, was ich gerne gemacht habe. So habe ich zu meinen Spitzenzeiten über 50 dieser Karten pro Jahr angehäuft. Dazu muss man wissen, dass es in Salzburg am Hauptbahnhof noch ein Cineplexx-Kino gab, das mittlerweile leider geschlossen ist. Von einem Tag auf den anderen wurde der Betrieb eingestellt – ich glaube, das war Ende 2020 oder Anfang 2021. Jetzt ist das einzige Cineplexx der Stadt nur noch in der Nähe des Flughafens zu finden. Seitdem haben sich meine Kinobesuche drastisch reduziert. Wenn ich eine zweistellige Anzahl an Besuchen im Jahr schaffe, ist das viel.

Es war einfach praktisch, nur zum Hauptbahnhof fahren zu müssen. Nicht weit entfernt, gut erreichbar, ich musste von meinem Wohnort weder durch die halbe Stadt fahren noch über die Autobahn. Sogar mit dem Zug war es perfekt erreichbar. Es war schlicht und einfach kommod.

Was allerdings ein besonders guter Pluspunkt des Cineplexx-Kinos am Hauptbahnhof war, waren die ganzen Spezialvorführungen. Allein die Anzahl an Filmen, die man dort im (meist englischen) Original schauen konnte, war überragend. Seit über 13 Jahren schaue ich keine Synchronfassungen mehr. Aus dem einfachen Grund, dass das Filmerlebnis so viel besser ist. Und dabei geht es nicht nur um Hollywood-Filme. Auch thailändische Filme oder Animes, spanische, schwedische oder französische Produktionen müssen im Original mit Untertiteln geschaut werden. Die Atmosphäre ist eine komplett andere und man erlebt den Film audiovisuell genau so, wie es die Filmschaffenden transportieren wollten – im Guten wie im Schlechten.

Jedenfalls fand man im dortigen Kino viele solche Vorstellungen. Durchaus auch von eher kleineren Filmen, was mich immer wieder dazu bewegte, in unbekanntere Streifen reinzuschauen. Es gab Aufnahmen von Opern, Musicals und Ballett-Aufführungen – die ich allerdings leider nie probiert habe, muss ich zu meinem Bedauern gestehen. Rückblickend ein großes Versäumnis. Aber die teils über 4 Stunden sind eben doch abschreckend.

Im Airport-Kino ist die Auswahl an Original-Aufführungen natürlich beschränkter, da man quasi zwei Kinos in einem abbilden muss. Ich mochte vom so genannten Cineplexx City-Kino auch den etwas brutalistischen Stil des Gebäudes. Ich brauche kein luxuriöses Gebäude bei einem Kino oder das alle auf Hochglanz poliert sein muss. Es kommt mir primär auf das Bild und den Ton der Säle selbst an. Diese müssen den hohen Qualitätsstandards entsprechen, die Kinos erfüllen sollten. Seien es IMAX-Säle oder Dolby-Cinema-Säle, ich will während des Films nicht daran erinnert werden, im Kino zu sitzen. Ich will mich in der Welt auf der Leinwand verlieren.

Ein paar Filme ziehen mich aber dann doch noch ins Kino. Avatar – The Way of Water natürlich, aber das ist auch schon wieder etwas her. Diese Woche wurde der erste Trailer zu Deadpool 3 veröffentlicht, oder Deadpool & Wolverine, wie er nun heißt. Ich freue mich schon sehr auf die dritte filmische Iteration dieses fantastischen Charakters. Hugh Jackman als Wolverine nochmal zu sehen, ist da die Kirsche auf dem Eis.

Ein anderer Film, auf den ich mich auch schon sehr freue, ist Dune 2. Der Erste hat mich von vorne bis hinten begeistert. Die Bücher habe ich leider noch nicht gelesen, aber die Welt ist so faszinierend und greifbar im Film umgesetzt, dass ich es kaum erwarten kann, den zweiten Teil zu sehen. Was mich aber wohl am meisten beeindruckt hat, war die Musik und das Sounddesign. Erst diese machen die gewaltigen Bilder zu etwas Unvergesslichem. Vielleicht bekommt man nochmal die Gelegenheit, auch den Ersten im Kino zu sehen.

Ja, das Kino hat durchaus seinen Charme und wenn man nicht mehr so oft reingeht, bekommt es wieder diese bestimmte Magie und das besondere Etwas.

Fotografische Erinnerungsstützen

Vor ein paar Tagen habe ich ein wenig über das Thema Selbstwahrnehmung philosophiert (Das Selbst im Spiegel). Nicht gerade ausführlich, aber so als kleiner Gedankenansatz fand ich die Idee spannend.

Das hat mich dann auf ein anderes Thema gebracht, bei dem man sich eigentlich keine, bis wenige Gedanken macht. Die täglichen Fotos, die wir erstellen, entsprechen eigentlich kaum der Realität. Die eigene Wahrnehmung der Situation, was man gesehen und gehört, gerochen oder mit wem man sie erlebt hat – sie sind immer anders als die abgebildeten Pixel. Ein Foto kann nie mehr sein als eine Art Trigger, um ein etwas zu inflationär gebrauchtes Wort einzustreuen, für Erinnerungen. Ein Auslöser, der uns hilft und dabei unterstützt, sich besser in die vergangene Situation hineinzuversetzen.

Das trifft dieser Tage vielleicht sogar mehr zu, als noch vor ein paar Jahren. Denn jedes Foto, das mit einem Smartphone geschossen wird, wird immer durch vielerlei Berechnungen optimiert. Es wird durch Prozessoren gejagt und überarbeitet, bevor es überhaupt in der Fotobibliothek landet. Vielleicht erstellt das Smartphone sogar dutzende Bilder gleichzeitig mit unterschiedlichsten Beleuchtungsstufen und mischt diese zusammen, sodass am Ende ein bestmögliches Ergebnis erzielt wird. Doch was ist dieses Ergebnis? Ganz davon abgesehen, dass die subjektiven Ebenen und Ansichten, die wir in dem Moment haben, sowieso nie wirklich abgebildet werden können. Versteht mich nicht falsch, es ist eine wunderbare Technologie und ich weiß es zu schätzen, Momente und Augenblicke jederzeit festhalten zu können. Allerdings sollte man sich hin und wieder bewusst machen, dass diese Fotografien auch immer eine Interpretation des Smartphones und des darauf laufenden Betriebssystems sind.

Ein Beispiel ist das unten angehängte Bild. Ich war mal wieder mit Freund J. in Salzburg unterwegs und da es ein sonniger Tag werden sollte, wanderten wir über den Mönchsberg. Die Sonne blieb zwar weitgehend von Wolken verdeckt, aber trotzdem war es eine tolle kleine Wanderung über einen der Stadtberge. Dabei haben wir unter anderem festgestellt, dass der Reinberg mal erklommen werden will, da wir das bisher noch nie in Betracht gezogen bzw. versäumt haben.

Jedenfalls war ein Ziel der Wanderung der Aussichtspunkt Richterhöhe, von dem man einen wunderschönen Blick über die Stadt und zu den Bergen am Horizont hat. Auf dem Weg dorthin sahen wir ein Flugzeug vom Flughafen aus starten. Es sah beeindruckend aus, wie sich dieses tonnenschwere Gefährt aus Metall immer weiter in die Höhe kämpfte und über den Häusern aufstieg. Es flog in Richtung Untersberg und der Blickwinkel von dem Weg aus war perfekt. So wirkte es fast so, als würde die Unterseite des Flugzeugs nur knapp der vordersten Spitze des Berges entwischen.

Das alles dauerte ein paar Sekunden, vielleicht etwas mehr als eine Minute, wenn es hochkommt. Die hervorstechenden Häuser der Stadt, die dunklen grau-blauen Wolken, gepaart mit dem Bergrelief und dem Flugzeug, das sich gegen die Gravitation stemmte, hat mich gefesselt. Es ist einer dieser speziellen, kleinen Momente, die leicht zu verpassen sind, wenn man nicht acht gibt. Im Eifer des Gefechts habe ich zwei Bilder gemacht, beide sehen sehr ähnlich aus. Aber sie verblassen, ob der beeindruckenden Kraft der Erinnerung.

In ein paar Jahren, wenn mir die iCloud Fotobibliothek dieses Bild hochspült, aus irgendwelchen algorithmischen Gründen, und ich das kleine Flugzeug am Horizont erblicke, erinnere ich mich vielleicht doch wieder an diesen einen besonderen Moment. Und damit an einen fantastischen Tag. Das Betätigen des Auslösers kann die Zeit überdauern und uns helfen, den Moment zu erinnern, so wie er vielleicht wirklich war – oder zumindest sich der Realität anzunähern.

Schlafenszeit

Wir schlafen, im Idealfall, ein Drittel unseres Lebens. Acht Stunden pro Tag. Da erstaunt es mich immer wieder, wie kurz man sich für Entscheidungen Zeit lässt, mit denen man buchstäblich Hunderte Stunden verbringen muss. Im Dezember habe ich beschlossen, dass ich endlich einen neuen Topper für mein Bett besorge. Der alte ist schon etwas in die Jahre gekommen und hat seinen Dienst getan. Er ist durchgelegen, zu weich, und mittlerweile am Ende angelangt.

Eine zweite Sache, die mich in Bezug auf unseren Schlaf und die damit einhergehende Auseinandersetzung immer wieder überrascht, ist das hinauszögern. Vielleicht schließe ich aber an dieser Stelle auch nur von mir auf andere. Jedenfalls habe ich es mit dem neuen Topper quasi so lange hinausgezögert, bis es wirklich kaum mehr ging. Ich wusste schon, dass es so oder so viel Geld sein wird. Die besseren, mit Thermo-irgendwas, Memory-Magie und einer Prise Feenstaub kosten nun mal etwas mehr. Nicht, dass ich das ganze Palaver darum nicht glauben würde, aber teilweise hat es schon so ein bisschen was Esoterisches an sich.

Jeder wirbt mit den noch besseren „Technologien“, die den Schlaf noch angenehmer und erholsamer machen sollen. Wie Wolken schwebt man dem Land der Träume entgegen. Aber egal, wie gut die Ausstattung des Bettes auch ist, um halb sechs Uhr morgens reißt einen doch der Wecker in die Realität zurück. Ich kann zum einen gut verstehen und nachvollziehen, warum man sich so viele Gedanken über Schlaf macht, um diesen besser zu machen, zu messen, tracken und Statistiken zu erheben. Aber die Menschheit hat tausende Jahre ohne Memoryschaumgedöns überlebt. Es gibt ganz andere Dinge, die unser Untergang sein könnten, als eine nicht vorhandene Wärmeableitfunktion. Allerdings, wenn die Möglichkeit besteht, etwas besser zu machen und vorwärtszuschreiten, warum nicht? Und guter Schlaf ist nunmal sehr viel wert und nicht zu unterschätzen.

Jedenfalls benötige ich einen neuen Topper und fuhr zum großen Möbelhaus mit dem roten Stuhl und ab ging es in die Bettenabteilung. Ich wollte extra einen etwas festeren, da das auch besser sein dürfte für meinen unteren Rücken, der aufgrund einer leichten Wirbel-Fehlstellung etwas Probleme bereiten kann. Die Auswahl beschränkte sich auf genau: einen. Kurz hingelegt, gefühlt und getestet, es für gut befunden und gekauft. Wenn es hochkommt, dauerte das Prozedere 15 Minuten. Nebenbei ging noch ein teurer, etwa sternförmiges Kopfkissen mit, das sich vor Ort hervorragend anfühlte – die Form sollte helfen, besser auf der Seite schlafen zu können.

Das Kopfkissen habe ich nach zwei gescheiterten Versuchen wieder durch mein altes, bewährtes ersetzt. Manche Neuerungen muss man dann auch nicht mitmachen. Und was den Topper angeht? Dann konnte ich nun, 10 Wochen später, endlich abholen. Der alte kommt erstmal in den Keller, vielleicht kann er noch für ein eventuelles Gästebett dienen. Den neuen auf das Bett geworfen, frisch bezogen und so hoffte ich, dass die erste Nacht damit eine erholsame werden würde. Es dauert ja immer etwas, bis man sich an etwas Neues gewöhnt; das gilt wahrscheinlich verstärkt für Matratzen und Ähnliches, mit dem wir so viel Zeit unseres Lebens verbringen.

Die erste Nacht war dann tatsächlich durchaus erholsam. Nur auf der Seite schlafen ist nicht mehr wirklich drin, da durch die Festigkeit des Toppers die Schultern nicht mehr einsinken. Also vielleicht doch damals mitgekauften, überteuerten Polster nochmal versuchen. Oder vermehrt auf dem Rücken schlafen, was wahrscheinlich die bessere Variante sein dürfte. Es muss also noch so manchen getestet werden. Aber es gibt schlimmeres, als im Bett zu liegen und zu testen, wie man den Schlaf verbessern und erholsamer gestalten kann.

Das Selbst im Spiegel

Letztens habe ich in einem Podcast eine interessante, kleine Diskussion über Selbstwahrnehmung gehört. Leider bin ich mir nicht mehr ganz sicher, welcher Podcast es war – wahrscheinlich aber WRINT von Holger Klein. Darin ging es speziell darum, wie man sich selbst sieht, buchstäblich.

Denn wir sehen uns selbst nur in gewissen Situationen, über den Tag verteilt, so denn man eben einen Spiegel antrifft. Sei es im Bad, beim Händewaschen, vorm Kleiderschrank oder in Kleidungsgeschäften. Vielleicht auch wenn wir Selfies machen, eine Kunst, die sich mir noch nie so richtig erschlossen hat, außer im Urlaub mit Freunden. In diesen Fotos sieht man sich meist spiegelverkehrt und wenn wir das Foto spiegeln, erkennt man sich selbst kaum wieder. Es sieht etwas fremd aus – zumindest geht es mir so.

In der Diskussion ging es weiter darum, dass wir uns meistens nur in den oben beschriebenen Situationen sehen und auch immer nur für kurze Zeit. Da ist dann die Beleuchtung vielleicht nicht immer ideal, jedoch basiert die Wahrnehmung von uns selbst darauf. Dabei ist das ja nur ein kleiner Auszug.

Die anderen Menschen dagegen, die uns alltäglich begegnen (Familie, Freunde, Arbeitskolleg*innen) sehen uns ständig. Egal in welchen Situationen, unter welchem Licht auch immer. Sie haben ein kompletteres Bild, wenn man so will, als wir selbst – ein voll umfänglicheres Bild.

Seitdem kommt mir das gelegentlich in den Sinn. Deshalb wollte ich diesen kleinen Gedankenanstoß teilen. Es ist etwas Offensichtliches, über das man aber meistens nicht nachdenkt, bis jemand einen darauf hinweist – dann kann man es nicht mehr nicht sehen.

Altersgerechte Publikationen

Ich hatte ja bereits darüber berichtet, dass ich dieses Jahr vermehrt Star Wars Bücher lesen möchte. Nicht nur Publikationen, die sich mit den Geschehnissen zur Zeit der Skywalker-Saga auseinandersetzen oder auch die nun als Legends deklarierten Bücher, die vor der Übernahme von Lucasfilm durch Disney veröffentlicht wurden. Ich möchte mich eher auf die sogenannte Hohe-Republik-Ära konzentrieren. Eine Initiative, die seit ein paar Jahren regelmäßig neue Bücher veröffentlicht. Diese findet 200 Jahre vor der Skywalker-Saga statt und die ersten Bücher sind schon mal sehr vielversprechend.

Aber heute möchte ich nicht speziell über eines der Bücher reden, sondern über die Art und Weise, wie diese Bücher einer speziellen Zielgruppe zugeordnet werden und was eigentlich der Unterschied ist. Zwar hatte ich mir vorgenommen, nicht alles zu lesen, aber bei einem größeren Online-Händler für gebrauchte Bücher habe ich einen Sale genutzt und mir fast alle Bücher der ersten Phase besorgt – den Rest finde ich auch noch.

Jedenfalls gibt es im Englischen die Unterscheidung zwischen den folgenden Altersgruppen, wenn es um Bücher geht. Zumindest sind diese bei den Star Wars Büchern angegeben. Die Alterseinstufungen der beiden mittleren Kategorien habe ich mir dann separat herausgesucht, der Rest ergibt sich daraus:

  • children
  • middle grade (8 bis 12 Jahre)
  • young adult (12 bis 18 Jahre)
  • adult

Bei den middle grade und Kinderbüchern haben mich nicht nur die Geschichten interessiert, die erzählt werden, sondern tatsächlich auch, wie unterschiedlich die Sprache sein wird. Welche Charaktere werden eingeführt oder tauchen hier auf? Wie ist die Herangehensweise an die Geschichte und wie ist sie aufgebaut? Dass ich ein „Completionist“ bis, wie man im Englischen so schön sagt, also jemand, der gerne alles von etwas mitbekommt und nur selten etwas auslassen kann, spielt natürlich ebenfalls eine Rolle. Das ist etwas, was ich mir bei meiner Auseinandersetzung mit Comics angeeignet habe.

Zu den als adult und young adult Büchern muss ich, glaube ich, nicht viel sagen. Diese kennt man zur Genüge und begegnet man ja durchaus des Öfteren. Viele Verfilmungen, wie die Hunger Games oder Maze Runner bzw. Serie wie Heartstopper basieren auf Bücher und Comics der young adult Kategorie.

Das erste middle grade Buch, welches ich von Star Wars las, war Die Bewährungsprobe. Ich habe etwas gebraucht, bis ich mich auf die Geschichte habe einlassen können, aber es war durchaus unterhaltend, gut geschrieben und hatte spannende Charaktere. Es ist mir so vorgekommen, als das den geneigten Leser*innen mehr direkt gesagt wird, wie sich die Charaktere gerade fühlen, was sie durchmachen. Außerdem sind die middle grade Bücher deutlich kürzer als die der (young) adult Kategorien.

Worauf ich wirklich neugierig war, war tatsächlich das erste Kinderbuch der Reihe: The Great Jedi Rescue. Dieses kleine, etwa 24 Seiten umfassende Heft habe ich mir auf Amazon bestellen müssen, da ich es sonst nirgends gefunden habe. Die anderen Bücher lese ich in der deutschen Übersetzung; dieses scheint es nur in englischer Sprache zu geben. Ich bin mir nicht sicher, was ich erwartet hatte, aber vielleicht eine kleine Geschichte, fokussiert auf wenige Charaktere, mit einer offensichtlicheren Lektion oder Erkenntnis, die diese Charaktere am Ende haben. Eine süße, kleine Geschichte eben.

Was es dann tatsächlich war, hat mich durchaus überrascht. Denn anstatt eine originelle Geschichte zu erzählen, wurden die Ereignisse des ersten Buches, Das Licht der Jedi, stark verkürzt, zusammengefasst. Da jede Seite nur etwa zu einem Drittel (eventuell bis zur Hälfte) mit Text gefüllt und der Rest mit durchaus tollen Zeichnungen versehen ist, bleibt am Ende nicht viel Raum, um die Geschichte zu erzählen.

Ich traue Kindern durchaus viel zu, vor allem wenn ihre Eltern sie quasi mit Star Wars von der Wiege auf erziehen, aber das hier gebotene ist schon überfordernd. Gleich auf den ersten beiden Seiten geht es um die Hyperraum-Katastrophe, die der Auftakt zu dieser Die-Hohe-Republik-Initiative war. Es geht um komplexe Rettungsmanöver im Weltraum. Piraten tauchen auf, nur um eine Seite später (also maximal 10 Sätze) schon wieder besiegt zu sein. Es geht um einen Container, der mit Treibstoff gefüllt ist und mit Hilfe der Macht daran gehindert wird, ein komplettes Sonnensystem zu zerstören. Es passiert wirklich sehr sehr viel.

Aber so ist es eben, wenn man ein knapp 500 Seiten umfassendes Buch versucht auf 24 Seiten zusammen zu stampfen. Es werden eine Unmenge an Charakteren eingeführt, die teilweise nach einer Seite nicht wieder auftauchen. Natürlich wird auch viel ausgelassen und nicht erwähnt, einfach weil kein Platz ist. Ich finde es schade und eine verpasste Chance, dass man hier keine originelle Geschichte erzählt. Man hätte beispielsweise den Padawan und Wookiee Burryaga als Hauptcharakter nehmen können und von einer Lektion erzählen, die er mit seiner Meisterin erlebt hat. So viele tolle Möglichkeiten, um eventuell zu zeigen, was sich vor der Katastrophe im Hetzal-System ereignet hat.

Es gibt in der ersten Phase von Die hohe Republik noch zwei weitere Kinderbücher, die ich bereits bei mir habe, aber hohe Erwartungen habe ich daran wirklich nicht. Schade, das einzige Gute an dem Buch sind tatsächlich die Zeichnungen und die Sticker. Da kann ich stattdessen das middle grade Buch empfehlen. Die Bewährungsprobe fokussiert sich auf eine einfachere Geschichte, wenige Charaktere, zwei bis drei größere Handlungsorte und nutzt diese „Limitierung“ hervorragend aus. Die Charaktere entwickeln sich im Laufe der Geschichte und jede*r Leser*in sollte eine oder zwei Identifikationsfiguren in dem Buch finden, was ja besonders wichtig ist, wie ich finde. The Great Jedi Rescue schafft leider nichts davon.

Vermasselte Vorbestellungen

Manchmal bestelle ich Dinge gerne vor. In den vergangenen Jahren waren es meist irgendwelche Comics und Graphic Novels, die ich vorbestellt hatte, da ich wusste, die erste Auflage fällt eventuell etwas kleiner aus. Aber es können die Verlage dann natürlich auch entsprechend besser kalkulieren, wie viel sie von dem jeweiligen Produkt benötigen, um die erste Welle an Kund*innen zufriedenzustellen. So zumindest meine Theorie davon. Und wenn ich weiß, ich möchte das Buch, den Comic, sowieso lesen, ist es eine nette Art, mich zu überraschen und daran zu erinnern, indem ich einfach mal eine Vorbestellung tätige. Stornieren kann man es ja dann immer noch, sollte man es sich anders überlegen.

Eine gänzlich andere Strategie, wenn man es so nennen will, scheint Games Workshop zu fahren. Wie die geneigten Leser*innen vielleicht schon wissen, lese ich von Warhammer gerne die Horus Heresy. Es ist die große Vorgeschichte zum berühmt-berüchtigten 40k, Science-Fiction, Universum. Dutzende Bücher behandeln den großen Bruderkrieg zwischen den Legiones Astartes aus allen möglichen Blickwinkeln. Es ist ein faszinierendes Erlebnis, sich nach und nach durch die Bücher zu lesen. Ich mag die Geschichte, die teils verrückten Charaktere und das Setting ist sowieso unübertroffen.

Deshalb war ich ganz angetan, dass Games Workshop ein The Art of the Horus Heresy Buch herausbringen. Darin sind alle Cover der Bücher im Großformat abgebildet, mit Kommentaren und Hintergrundinformationen, hauptsächlich vom Künstler Neil Roberts. Bis auf ein einziges Cover zeichnet er sich für alle verantwortlich und ist deshalb auch maßgeblich dafür, wie man sich die Horus Heresy vorstellt und die Charaktere sich einem zeigen. Ich hatte mich auf das Buch gefreut.

Vergangenen Samstag sollte also die Vorbestellung starten. Die Zahl der Bücher war wie immer limitiert, und zwar auf 6.500 Stück. Warum man so ein Buch limitieren muss, erschließt sich mir nicht, aber gut, so ist die seltsame Strategie des Unternehmens eben. Ich war unterwegs, und nicht gleich um 10 Uhr oder wann auch immer die Vorbestellungen starteten, online. Um halb zwölf oder so ginge ich auf die Warhammer-Seite, rein in den Shop und da stand, das Buch sei online bereits ausverkauft. Keine zwei Stunden, nachdem das Angebot veröffentlicht wurde.

Jetzt könnte man natürlich sagen, ich sei selbst schuld, da ich nicht um Punkt 10 Uhr, mit diversen Rechnern, Smartphones und Tablets ausgestattet, die Seite immer wieder neu lud – aber da ist noch ein anderes, viel größeres Problem. Scalper. Der Abschaum der Menschheit, die sich alles an limitierten Veröffentlichungen bestellen, das sie nur kriegen können und dann für das teilweise 8- bis 10-fache, auf eBay weiter verkaufen. Games Workshop weiß um dieses Problem. Beim Release von Das Ende und der Tod – Vol. III, von vor ein paar Monaten, sind sie bereits gegen Bestellungen vorgegangen, die sich mehr als 1 Stück bestellt haben. Das Buch ist das große Finale der Horus Heresy und wurde unter anderem in einer limitierten spezial Edition veröffentlicht.

Da The Art of the Horus Heresy ebenfalls so schnell ausverkauft war, vermute ich mal stark, dass das Gleiche wieder passiert ist: Scalper haben sich auf den Release gestürzt. Ich hoffe nur, es folgt eine zweite Vorbestellungsrunde, wie beim vorhin genannten Buch. Meine Hoffnungen sind gering. Es ist schade, dass man als Fan so zweitklassig behandelt wird. Es gibt keine Möglichkeiten, sich über die Veröffentlichung irgendwie benachrichtigen zu lassen. BlueBrixx bekommt das um einiges besser hin mit ihren Klemmbausteinsets. Dort trägt man sich mit seiner E-Mail-Adresse beim jeweiligen, angekündigten Produkt ein und bekommt sofort die Nachricht, sobald es verfügbar ist. Eine tolle Sache und ich muss mich nicht erst online erkunden, wann eventuell die Vorbestellungen, in welcher Zeitzone starten.

Es ist unnötig, ärgerlich und schmälert die Freude an dem Ganzen. Warhammer ist gefühlt schon seit Anbeginn immer wieder ein Teil meines Lebens, aber bei dieser künstlichen Verknappung eines Buches (!) ist der Spaß an der Sache durchaus gedrückt. Ich hoffe sehr, dass noch eine weitere Auflage folgt.