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Everything X-Men | House of M (2/2)

Es ist Donnerstag. Das heißt, wir werfen einen Blick in die Vergangenheit. Im dritten Jahr des Blogs habe ich mich dafür entschieden, mein Projektstudium aufzubereiten, welches ich für das Medienwissenschaftsstudium geschrieben habe. In meinem Fall handelte es sich um eine Reihe von Texten rund um die X-Men-Comics. Die Texte habe ich damals in Englisch verfasst, möchte sie aber heute in Deutsch präsentieren. Deshalb habe ich sie mithilfe von DeepL initial übersetzt und anschließend redigiert.

Heute geht es mit dem zweiten und letzten Teil zum Event »House of M« weiter. Nächstes Mal sprechen wir dann allgemein über Comic-Book-Events.


Als Letztes sind erschienen:


Schöne neue Welt?

Wanda hat es geschafft. Sie hat eine völlig neue Realität geschaffen. Steve Rogers ist nicht mehr Captain America. Ms. Marvel ist eine der letzten Superhelden, die keine Mutanten sind (und Menschen töten?). Luke Cage ist ein Untergrundboss, Sam Wilson ein Detektiv, Strange nicht mehr der Sorcerer Supreme, Colossus immer noch in Russland und so weiter und so fort. Der Einzige, der zu wissen scheint, was vor sich geht, ist Wolverine. Die letzten beiden Seiten der zweiten Ausgabe zeigen einen Helicarrier, umgeben von Flugzeugen und Sentinel-ähnlichen Robotern. Alle mit dem M-Logo. Für Magneto? Oder Mutant?

Normalerweise sind Mutanten die Minderheit auf dem Planeten. Gehasst. Gefürchtet. Gejagt. Nicht mehr. Homo Superior ist die dominierende Rasse. Homo sapiens sind die Minderheit und werden in wenigen Jahren ausgestorben sein. Von der Erde getilgt.

Gesetze verbieten die Extraktion des Mutantengens. In den Schulen wird die Geschichte der Mutanten gelehrt (obwohl ich nicht glaube, dass Namor der Erste war). Es ist ein Zufluchtsort für Mutanten. Aber ist es das wirklich? Es sollte eine bessere Version der Welt sein, aber man spürt, dass etwas nicht stimmt. Nur Andeutungen hier und da. Als Ororo beispielsweise ein Kleid anprobiert, zerstört sie fast den Laden, um zu testen, ob er ihren Kräften standhalten würde. Mutanten sind frei, sind die dominierende Spezies und gedeihen, aber jetzt sind sie die Unterdrücker. Hank sagt in einer anderen Szene zu Pym:

„Als es den Dinosauriern passierte, haben sie es nicht kommen sehen. Sie hatten nicht den Intellekt oder die Fähigkeit, es zu verstehen. Aber du hast es. Du siehst zu, wie es passiert, und es tut verdammt weh. […] Es ist nicht fair, dass du hier sitzen musst, mit vollem Bewusstsein, und zusehen musst, wie es langsam passiert.“

In einer Zeitung namens »The Pulse« erfahren wir etwas mehr über diese Welt und was mit ihr passiert ist. Ein Artikel erzählt die Geschichte von Eric Magnus (Magneto), der dafür verantwortlich ist, die geheimen Angriffe der Regierung auf die Mutanten vor einigen Jahren aufgedeckt zu haben. Seitdem hat er die Welt neu aufgebaut und den Homo Superior befreit. Man hat das Gefühl, das Regierungen keine Rolle mehr spielen. Es ist das Haus Magnus, das diese Seite des Globus regiert. Die königliche Familie der Mutanten. Das House of M ist wie eine Organisation, die alle in Schach hält. Erinnern wir uns an die Sentinels. Sie wurden umprogrammiert, sodass sie Nicht-Mutanten-Lebensformen töten, wenn diese sich nicht an die Regeln halten. Regeln wie: keine Versammlungen abhalten. Oder das ständige Tragen ihrer GPS-Chipkarten. Superhelden, die keine Mutanten sind, sind verboten. Sie werden sogar gejagt. In der Spider-Man-Begleitgeschichte beispielsweise entlarvt J. Jonah Jameson Spider-Man als Nicht-Mutanten – er wurde lediglich von einer Spinne gebissen.

Einige dieser Geschichten beschäftigen sich auch mit vagen Erinnerungen oder Vorstellungen, dass dies nicht die Welt ist, wie sie sein sollte. Es ist ziemlich beängstigend, sich bewusst zu sein, dass sich alles falsch anfühlt. Was wäre, wenn wir uns an ein altes Leben „erinnern“ würden? Nicht bewusst, sondern unbewusst. Was würde man tun? Es gibt im Grunde zwei Möglichkeiten, sich in einer neuen Welt zu verhalten, die man nicht kennt: zu versuchen, sich anzupassen, herausfinden, was vor sich geht, und versuchen, es rückgängig zu machen. Oder man macht es wie Wolvie und tut, was man möchte, bis man einen Weg findet, die Dinge wieder in Ordnung zu bringen.

Wie wir festgestellt haben, scheint Wolverine der Einzige zu sein, der sich der Veränderungen bewusst ist. Er springt von einem Helicarrier, um S.H.I.E.L.D. und einer blauen Mutantin zu entkommen, bei der es sich vermutlich um Mystique handelt. Er weiß nicht, was vor sich geht, stiehlt ein Motorrad und versucht, Charles Xavier zu finden. Niemand hat etwas von ihm gehört. Hat Eric ihn aus der Geschichte entfernt oder ist er kein Teil von Wandas Neuer Welt? Mutanten gibt es überall, also braucht man keine Schule, wie Xavier sie führte, oder? Es scheint auch, als sei Wolverine der Boss eines Teams innerhalb von S.H.I.E.L.D., und wegen seines kleinen Stunts jagen sie ihn nun. Aber eine Untergrundgruppe hilft ihm. Luke Cage „lädt“ ihn ein, und Hawkeye (!) taucht ebenfalls auf.

Logan erzählt Luke Cage und seinen Freunden alles. Aber nicht, bevor Hawkeye ihm in den Kopf schießt – mit einem seiner Pfeile. Aber da er Wolverine ist, steht er wenige Sekunden später wieder auf. Diese Sekunden wären eine hervorragende Gelegenheit gewesen, um zu fliehen, denn Wolverine hat einen Peilsender im Nacken und inzwischen ist sein ehemaliges Team eingetroffen. Cloak teleportiert alle weg (Cloak ist einer meiner Lieblingscharaktere in dieser Geschichte, obwohl ich zum ersten Mal etwas mit ihm lese). Als Logan ihnen erzählt, was passiert ist, glauben sie ihm überraschenderweise.

Denn: Vor Logan kam ein Mädchen zu ihnen, das nach Daredevil suchte. Stattdessen fand sie Cage. Irgendwie ist sie sich dieser alternativen Realität bewusst und erzählte ihnen, was sie weiß. Während sie mit Wolverine spricht, entdeckt sie, dass sie selbst eine Mutantin ist – mit mentalen Fähigkeiten. Ihr Name ist Layla. Ich bin mir nicht sicher, ob wir sie kennen sollten, aber sie ist eine großartige Bereicherung für das Team. Vor allem, als sie zu Emma Frosts Wohnung gehen.

Escape my mind

Das Team befreit Peter Parker, Kitty Pride, Stephen Strange, Carol Danvers, Tony Stark, Matt Murdock und Jennifer Walters. Captain America lassen sie in Ruhe, da er etwa hundert Jahre alt ist. Als ich diese Seiten zum ersten Mal las, hatte ich das Gefühl, dass er zurückkommt und eine wichtige Rolle im Finale spielen würde – leider ist das nicht der Fall. Dennoch war es eine spannende Idee. Zu guter Letzt »befreien« sie Logans neues Team: Kurt Wagner, Rogue, Raven und Doc Ock. Im Finale dieser Ausgabe erfahren wir schließlich, was mit Charles Xavier passiert ist. Denn Magneto steht vor einem großen Grabstein mit dessen Namen darauf.

Bevor wir weitermachen, möchte ich noch über Peter Parker sprechen. Die von Wanda geschaffene Realität sollte jedem all das geben, was er oder sie sich jemals gewünscht hat. Träume werden in dieser Welt wahr. Wolverine möchte unbewusst Nick Fury sein, Captain America möchte nicht Captain America sein und so weiter. Peter möchte seinen Onkel zurückhaben und mit Gwen Stacy verheiratet sein. Verständlich. Er lebt ein glückliches Leben, hat Spider-Man zu einer Ikone gemacht – zu einer Rolle, die er spielt. Kein Held. Aber als sie ihn »befreien«, ist er sich der ganzen Tragödie bewusst. All den Schmerz, den er erlebt hat. Nach dem ersten Schock möchte er allein sein. Wolverine ist derjenige, der auf ihn zugeht – und mit ihm spricht. Was folgt, ist eine der besten Szenen dieses Ereignisses. Mit allem, was um sie herum vor sich geht, haben sie diesen intimen Moment. Nur diese beiden Charaktere. Toll!

Später besprechen die Befreiten den Plan, wie sie das House of M angreifen und die Welt wieder korrigieren können. Doch die Frage ist: Sollten sie die Welt überhaupt korrigieren? Wie Jessica sagt:

„Wenn etwas von dieser Größenordnung passiert … muss man einen Schritt zurücktreten und sich sagen: Vielleicht war es an der Zeit, dass dies passiert. Wer sind wir, dass wir entscheiden, wie die Welt zu sein hat? […] Vielleicht werden Mutanten auf diese Weise zur nächsten dominierenden Spezies. […] Man weiß nicht, ob ich Recht habe oder nicht, und das macht mir eine Heidenangst. Und das sollte es auch.“

Sie müssen einen Schlag nach dem anderen einstecken. Nicht physisch, sondern psychisch. Für Peter bedeutet das, Gwen und Ben erneut zu verlieren. Und er sagt, dass er sich vielleicht nicht zurückhalten kann. Er würde Magneto dafür töten, wenn er die Gelegenheit bekäme. Und der beängstigende Gedanke ist: Alle sind sich einig. Diese Welt ist falsch. Egal, was passiert, sie haben die Welt zu korrigieren. Alles hängt von ihnen ab, und sie können sich nicht zurückhalten. Also beginnt die letzte Schlacht.

Seit ich »Astonishing X-Men« gelesen habe, ist Emma Frost eine meiner Lieblingsfiguren aus den X-Men. Sie widmet sich voll und ganz der anstehenden Aufgabe und kann ihre Kräfte sehr gut einsetzen. Sie ist der Grund, warum das Team einen Helicarrier infiltriert, ihn stehlen und die Männer und Frauen, die ihn befehligen, nach Genosha fliegen lassen können. Dort hat das Haus Magnus einige Gäste. König T’Challa, Victor von Doom, Prinzessin Ororo, König Namor und Genis-Vell vom Kree-Imperium. Es ist eine sehr beeindruckende Gästeliste, und man kann nur hoffen, dass sie nicht alle im Namen von Magnus kämpfen.

Während die anderen die Party angreifen, um alle zu täuschen, suchen Emma, Layla und Cloak nach Xavier. Als sie den Grabstein finden, kann Emma es nicht mehr ertragen. Sie sinkt auf die Knie und möchte nur noch aufgeben. Wieder ein kraftvoller, intimer Moment. Aber als Cloak das Grab untersucht, findet er nichts. Kein Sarg, keine Leiche, nichts. Was ist passiert?

In einer dritten Szene folgen wir Doctor Strange, der Wanda beim Spielen mit ihren Kindern findet. Sie ist sich nicht bewusst, was vor sich geht, und es ist ihr egal. Aber nicht auf eine wütende Art und Weise. Sie wollte nur, dass die Welt besser wird. Manipuliert von demjenigen, der vorgab, sie zu lieben, schuf sie diese Neue Welt. Aber es war nicht ihr Vater. Es war ihr Bruder Pietro. Er wollte sie vor den Avengers und den X-Men retten. Aber als Magneto sich von ihnen abwandte, aufgab und zuließ, dass die Avengers und X-Men sie töten würden (oder auch nicht), überredete Pietro seine Schwester dazu. Und sie gab allen, was sie sich jemals gewünscht hatten.

Als der Kampf seinen Höhepunkt erreicht, befreit Layla Magneto. Und als er erkennt, was seine Kinder getan haben, was Pietro in Magnetos Namen getan hat, verliert er völlig die Kontrolle. Zuerst hält er alle mit seinen Kräften fest (indem er jedes Metall um sie herum nutzt). Dann tötet er seinen Sohn. Es ist gewalttätig. Brutal. Es ist in keinster Weise ein triumphierender Moment. Es ist einfach nur tragisch. Als Wanda die Szene verfolgt, fragt sie sich, warum sie herrschen sollten. Was macht Mutanten besser als Homo Sapiens? In diesem Moment beschließt sie:

„No more mutants.“

Fazit

So endet es also? Nun, fast. Als Wanda die Erde in ihren ursprünglichen Zustand zurückversetzt, nimmt sie den Mutanten das Mutanten-Gen. Sie tötet nicht alle Mutanten, sondern nimmt ihnen ihre Kräfte. Emma kann jedoch einige ihrer Freunde und Kolleg*innen mit ihren Fähigkeiten schützen. Dennoch gibt es jetzt nur noch wenige Hundert Mutanten, während es zuvor Tausende waren. Sie wurden dezimiert.

Aber wie Hank in den letzten Zeilen der letzten Ausgabe erklärt: Energie kann man nicht zerstören. Und er fragt sich, wohin all die Kraft, all die Energie verschwunden ist. Das letzte Bild zeigt eine rot und gelb leuchtende Kraft, die sich der Erde nähert.

House of M ist ein großartiges Ereignis. Brian Michael Bendis und das Team rund um dieses Event hat hervorragende Arbeit geleistet. Es ist etwas von großer Tragweite und mit weitreichenden Konsequenzen, trotzdem gibt es intime und persönliche Momente. Wir werden eine Pause von dieser Zeit der X-Men einlegen, aber wir werden zurückkommen, um zu sehen, was die Zukunft für unsere Helden bereithält.

Everything X-Men | House of M (1/2)

Es ist Donnerstag. Das heißt, wir werfen einen Blick in die Vergangenheit. Im dritten Jahr des Blogs habe ich mich dafür entschieden, mein Projektstudium aufzubereiten, welches ich für das Medienwissenschaftsstudium geschrieben habe. In meinem Fall handelte es sich um eine Reihe von Texten rund um die X-Men-Comics. Die Texte habe ich damals in Englisch verfasst, möchte sie aber heute in Deutsch präsentieren. Deshalb habe ich sie mithilfe von DeepL initial übersetzt und anschließend redigiert.

Nachdem wir in den vergangenen Wochen das Event »Avengers Disassembled« angesehen haben, geht es heute nahtlos mit der Fortsetzung weiter. »House of M« ist ein Stück Comic-Geschichte. Obwohl man das eigentlich über fast alles sagen kann, was Brian Michael Bendis geschrieben hat. Es ist auch eines DER X-Men-Events. Leider gefällt mir mein Text dazu im Rückblick nicht ganz so gut. Zwar habe ich viel darüber geschrieben, aber hauptsächlich erzähle ich die Story nach; manchmal ordne ich etwas ein. Ich hätte mir gewünscht, mich intensiver mit dem Event auseinandergesetzt zu haben. Eben das zu machen, worum es im Projektstudium (meiner Ansicht nach) geht: Analysieren und aus einer medienwissenschaftlichen Perspektive darauf blicken.

Doch ich bin zu sehr ins Schreiben einer Rezension abgedriftet. Ich hätte mir gewünscht, mehr erklärt zu haben. Warum ist diese letzte Szene, die ich in diesem ersten Teil des Textes anspreche, so bedeutsam? Wenn man sich mit Comics noch nie beschäftigt hat oder Spider-Mans Geschichte nicht kennt, sagt das einem nichts. Das hätte man bei House of M vielfach machen können. Auf die einzelnen Charaktere eingehen, ihre Geschichte. Es wäre ein umfassendes Projekt an sich geworden, aber sicherlich ein spannendes Unterfangen geworden. Natürlich hat Zeit eine Rolle gespielt. »Everything X-Men« war ein Mammutprojekt und es alleine zu machen, doch etwas viel. Trotzdem mag ich es gerne, auf meine alten Texte zurückzublicken. Ich kann mir daraus etwas für die Zukunft mitnehmen.


Als Letztes sind erschienen:


Einleitung

Als 2005 die erste Ausgabe dieses Events »House of M« in den Handel kam, hatten Events noch eine Bedeutung. Zumindest glaube ich das. Jedenfalls mehr als heute. Es scheint, als hätte Marvel in den vergangenen Jahren nichts anderes getan, als ein Event nach dem anderen zu veröffentlichen. Und jedes einzelne davon sollte das Marvel-Universum für immer verändern. Um ehrlich zu sein, mag ich Events – solange sie in sich geschlossen sind, also nicht monatelang jede einzelne Reihe in Anspruch nehmen. Und vor allem: Wenn sie Konsequenzen haben. Erinnert sich noch jemand an Battleworld? Ist das aktuell? Ich habe den Überblick verloren und dieses spezielle Event nicht gelesen. Aber wir werden in einem anderen Artikel über Comic-Events sprechen. Jetzt wollen wir uns auf »House of M« konzentrieren.

Was ist House of M? Wie wir in unserer letzten ausführlichen Rezension besprochen haben, hat Wanda die Fähigkeit, die Realität zu verändern. Diese Fähigkeit wird auch als Chaosmagie bezeichnet. Einen Vorgeschmack darauf lieferte bereits »Avengers Disassembled«. Magneto hat sie am Ende der Geschichte mitgenommen. Doch nun wollen die Avengers und die X-Men über ihr Schicksal entscheiden. Aber erneut kommt ihnen Wanda zuvor und sie rettet sich selbst. Indem sie die Welt neu erschafft.

Die Realität, die Wanda geschaffen hat, ist anders. Wir kennen sie nicht. Ich halte es für gut, dass es neben dem Hauptereignis mehrere limitierte Serien, One-Shots und Tie-Ins gibt. Ja, ich weiß, dass dies im Widerspruch zu dem steht, was ich zuvor gesagt habe, aber wenn man eine ganz neue Welt erschafft, muss man sie auch verstehen können. Laut Marvel Unlimited umfasst die gesamte Handlung 51 Ausgaben. Die Haupthandlung besteht aus acht Ausgaben. Ich konzentriere mich hier auf die Haupthandlung. Ich habe einige der anderen Comics gelesen und sie bei Bedarf erwähnen.

Road to Nowhere

Die Cover der Hauptstory sind wunderschön. Auf den ersten Blick wirken sie schlicht, nur die groben Umrisse der Figuren, aber je genauer man hinsieht, desto mehr Details entdeckt man. Mein Favorit ist Ausgabe Nr. 4. Es ist faszinierend, Hawkeye auf dem Cover zu sehen, obwohl er in »Avengers Disassembled« gestorben ist. Hier schießt er einen Pfeil nach dem anderen auf Wolverine ab, während dieser am Boden liegt.

Die erste Ausgabe beginnt mit einem Traum, einer Welt, in der Wanda leben möchte. Ihr Bruder Quicksilver alias Pietro Maximoff, ihr Ehemann The Vision und ihre X-Men-Kolleg*innen an ihrer Seite. Sie bringt ihre Kinder zur Welt. Es ist ein glücklicher Moment, und man kann verstehen, dass sie in diesem Traum leben möchte. Sich so fest wie möglich daran klammern. Aber dann spricht Xavier mit ihr. Er sagt ihr, dass dies eine Lüge ist. Sie hat keine Kinder. Dies ist kein glücklicher Ort. Dies ist Genosha. Erik, Charles und Wanda haben diesen Ort als ihren Zufluchtsort gewählt. Um sich vor der Welt zu verstecken und zu versuchen, Wanda zu heilen. Aber will sie überhaupt geheilt werden? Sie ist eine der mächtigsten Mutanten und Magierinnen im Universum. Ich frage mich, ob sie sich dessen bewusst ist oder einfach nur ihrer Fantasie folgt.

Während Erik und Charles über Wanda sprechen, sehen wir Erik ohne sein Magneto-Outfit. Das ist vielleicht das erste Mal seit Beginn unserer Reise. Es unterstreicht die Bedeutung des Gesprächs. In diesem Moment ist er nicht Magneto oder ein Bösewicht. Er ist ein Vater, der sich um das Leben seiner Tochter sorgt. Er macht sich selbst verantwortlich für das, was ihr widerfahren ist. Außerdem: Der Kampf gegen die Menschheit, die Kämpfe gegen die X-Men, die Avengers und andere haben ihn sehr mitgenommen. Er sieht müde aus. Sogar erschöpft.

Springen wir zum neuen Hauptquartier der Avengers. Nachdem sich das Team aufgelöst hat, hat Cap ein neues gebildet: Spider-Man, Spider-Woman, Captain America, Wolverine und Luke Cage sind die New Avengers und hatten bereits ihre ersten Missionen, als Charles Xavier sie zusammenruft. Einige X-Men und ehemalige Mitglieder der Avengers sind ebenfalls anwesend. Er hat sie zusammengerufen, weil er Hilfe bei einer Entscheidung braucht: Soll er Wanda Maximoff töten, oder nicht?

Erik, der mit Wanda auf Genosha geblieben ist, führt das gleiche Gespräch mit seinem Sohn Pietro. Überraschenderweise stimmt er ihm zu. Sie zu töten könnte die einzige Lösung sein, um sie aufzuhalten. Emma Frost (die genauso aussieht wie in der »Astonishing X-Men«-Reihe) ist diejenige, die dafür plädiert, Wanda zu töten. Wolverine stimmt ihr zu und fragt Cap, wie viele noch sterben müssen, bis sie ihr ein Ende setzen.

Es ist eine Diskussion, die so alt ist wie Comics selbst. Sollten Helden Bösewichte töten, wenn diese immer wieder zurückkommen oder eine große Bedrohung für die gesamte Bevölkerung darstellen? Sollte Batman den Joker töten? Wann sind genug Menschen gestorben, um einen weiteren vorsätzlichen Tod zu rechtfertigen? Die Diskussion in Tony Starks Wohnung ist eine der intensivsten Auseinandersetzungen, die ich je in Superhelden-Comics gelesen habe. Nicht nur wegen des exzellenten Textes, sondern auch wegen der Illustrationen. Es ist ein umfangreiches Thema. Einige der Panels scheinen zu klein für das zu sein, was darin dargestellt wird. Dieser Stil schafft eine dichte Atmosphäre. Man könnte schon fast klaustrophobisch werden.

Cap betrachtet Wanda als eine Avenger, daher sollte es ihre Entscheidung sein, und außer Wolverine sind alle gegen ihre Tötung. Die Art und Weise, wie Cap Wolverine zurechtweist, ist einer der besten Momente der Reihe. Es wird mit Schatten gespielt und klargemacht: mit Cap legt man sich besser nicht an. Am Ende beschließen sie, sie auf Genosha zu besuchen. So können sie sie sehen und sich ein besseres Bild von der Situation machen.

Sprung nach Genosha: Wir erleben die folgende Szene aus Spider-Mans Sicht. Wanda ist weg, ebenso wie Erik. Auch die anderen sind plötzlich verschwunden. Niemand ist da. Er ist allein. Er sieht das Licht. Die Welt wird weiß. Und er wacht in seinem Bett auf. In einem anderen Zimmer weint ein Baby. Peter steht auf und kümmert sich um sie, während Gwen Stacy, seine Frau, im Bett bleibt.

Everything X-Men | Avengers Disassembled (2/2)

Wie jeden Donnerstag sehen wir uns auch heute einen Text aus grauer Vorzeit an. Für mein Medienwissenschaftsstudium habe ich ein so genanntes Projektstudium geschrieben. Darin habe ich mich mit dem X-Men-Comics auseinandergesetzt. Die Texte habe ich damals in Englisch verfasst, möchte sie aber heute in Deutsch präsentieren. Deshalb habe ich sie mithilfe von DeepL initial übersetzt und anschließend redigiert.

Heute geht es weiter mit dem zweiten und letzten Teil zu »Avengers Disassembled«. Wir werfen einen genaueren Blick auf den Charakter Wanda Maximoff, das Ausmaß ihrer Kräfte und wie es weitergeht.


Als Letztes sind erschienen:


Überbleibsel der Vergangenheit

Wie bereits erwähnt, kenne ich Bendis hauptsächlich aus seiner Reihe »Ultimate Spider-Man«. Eine seiner größten Stärken als Autor sind seine Dialoge. Sie wirken natürlich und authentisch, und es scheint fast übernatürlich, wie er komplexe, schwerwiegende Themen in Gespräche einfließen lässt. Selbst die Art und Weise, wie die Figuren sprechen, verrät viel über sie. Ich glaube, man könnte eine beliebige Sprechblase auswählen und den Charakter benennen, der sie gesprochen hat.

Das ist wichtig, weil die Figur, die für all die Zerstörung und das Chaos verantwortlich ist, aus den 60er Jahren stammt. Und obwohl wir sie bereits in früheren Geschichten kennengelernt und über sie gesprochen haben, ist in den vergangenen 30 Jahren viel mit ihr passiert. Ich spreche von Scarlet Witch alias Wanda Maximoff.

Während die Ex-Avengers über sie sprechen, enthüllen sie ihre tragische Vergangenheit. Sie ist offenbar eines der mächtigsten magischen Wesen im Marvel-Universum und in der Lage, die Realität selbst umzugestalten. Der Grund, warum S.H.I.E.L.D. die Kree mit ihren Sensoren nicht aufspüren konnte, ist, dass Wanda sie erschaffen hat. Sie hat sie durch ihre Gedanken ins Leben gerufen. Aus dem Nichts kann sie alles kreieren, was sie sich vorstellen kann. Nichts scheint unmöglich. Das könnte auch der Grund sein, warum Jack of Hearts, der eigentlich tot sein sollte, zu Beginn der Geschichte auftaucht.

Es ist wichtig, dieses Konzept zu verstehen: Sie kann die Realität manipulieren. Das hat sie schon einmal getan. Zu dem kommenden Thema habe ich noch keine Recherchen angestellt, weil ich mich zumindest ein wenig überraschen lassen möchte, wenn wir zu der Geschichte um Genosha kommen. Soweit ich es verstehe, wollte Wanda Kinder haben und führte aus reinem Willen – mit ihren magischen Fähigkeiten – eine Schwangerschaft herbei. Sie brachte zwei Kinder zur Welt. Dennoch waren es keine „echten“ Kinder. Wir diskutieren hier nicht das Konzept dessen, was in diesem Zusammenhang „real“ ist. Das ist eine andere Diskussion. Aber so wird es im Marvel-Universum unter den Charakteren diskutiert: Die Kinder hätte es nie geben dürfen. Nach der Geburt hat eine Frau, deren Namen mir nicht bekannt ist, diesen „Fehler“ korrigiert. Wandas Kinder existierten also nicht mehr.

Zurück zur aktuellen Situation: Wanda ist in eine Welt der Fantasie geflohen. Sie hat ihre Kinder in ihrer Vorstellung wieder erschaffen, um mit ihnen Haus zu spielen („to play house“, wie es im Englischen so schön heißt). Sie verliert jedoch die Kontrolle über ihre Kräfte, und wie Doctor Strange betont, ist die Fantasie der Feind. Alles ist möglich. Niemand ist vor Wandas Kräften sicher. Mit dem Auge von Agamotto kann Dr. Strange Wandas Kräfte bändigen, woraufhin sie bewusstlos wird.

Das letzte Bild, das wir von ihr sehen, ist, wie Magneto aus dem Nichts auftaucht, seine Arme zu beiden Seiten ausgebreitet und in der Luft schwebt. Der Jesus-Vergleich ist nicht wirklich subtil, auch wenn Magneto in Purpur gekleidet ist, inklusive Umhang und Helm. Überrascht und ungläubig (Magneto sollte eigentlich auch tot sein, hat dies aber nur vorgetäuscht) unternimmt keiner der Avengers etwas. Sie geben Magneto seine Tochter, und gemeinsam fliegen die beiden davon.

Dies war eine der am besten gestalteten Szenen, die ich je in Superhelden-Comics gelesen habe. Alles, was passiert ist, führt zu diesem Moment. Man muss nicht alle vorherigen Geschichten gelesen haben, denn die Reaktionen der Charaktere reichen aus, um einen in den Bann zu ziehen. Das ist bemerkenswert. Die künstlerische Fähigkeit, all diese emotionalen Szenen umzusetzen, ist ebenfalls großartig. Jedes Wort, jedes Bild, jeder Gesichtsausdruck trifft ins Schwarze. Schlag auf Schlag auf Schlag. Und dann ist es plötzlich vorbei und man sitzt vor einem Scherbenhaufen, der einmal die Avengers waren.

Fazit

Eine Sache, die mich in diesen wenigen Ausgaben am meisten fasziniert hat, ist die Art und Weise, wie Bendis die Avengers auseinandergenommen hat. Sie müssen einen Schlag nach dem anderen einstecken. Zuerst eine Explosion, dann ein Absturz, angegriffen von Ultron-Robotern und den Kree – allesamt große Gegner der Avengers – und Wanda nutzt sie alle, um das Team zu zerstören. Bendis hat die Avengers nicht nur auseinandergenommen, er hat ihren Kern zerstört. Dann hat er das, was übrig geblieben ist, genutzt, um die Scherben aufzulesen und ein neues Team zu bilden. Von vorne anzufangen.

Nächstes Mal sehen wir uns quasi die Fortsetzung an (ebenfalls von Brian Michael Bendis): House of M.

Everything X-Men | Avengers Disassembled (1/2)

Wie jeden Donnerstag sehen wir uns auch heute einen Text aus grauer Vorzeit an. Für mein Medienwissenschaftsstudium habe ich ein sogenanntes Projektstudium geschrieben. Darin habe ich mich mit den X-Men-Comics auseinandergesetzt. Die Texte habe ich damals in Englisch verfasst, möchte sie aber heute in Deutsch präsentieren. Deshalb habe ich sie mithilfe von DeepL initial übersetzt und anschließend redigiert.

In den nächsten Wochen beschäftigen wir uns mit Comic-Events aus dem Marvel-Universum, in denen die X-Men involviert waren. Ich habe mir damals, als ich die Texte schrieb, zwei prominente Beispiele herausgesucht: »Avengers Disassembled« und »House of M«. Nicht nur sind diese bedeutend für die Avengers, sondern es zeigt die Macht von einem meiner Lieblingscharaktere: Wanda Maximoff. Besonders seit sie Teil des MCU ist, habe ich mich etwas mehr mit ihrem Charakter auseinandergesetzt. Ich mag die Interpretation von Elizabeth Olsen sehr gerne. Doch nicht nur für die Charaktere sind die beiden Events bedeutend. Sie stellen auch den Beginn einer Karriere dar. Nämlich von Brian Michael Bendis. Zwar schrieb er schon vorher großartige Geschichten bei Marvel, doch mit »Avengers Disassembled« begann eine neue Ära. Über viele Jahre hat Bendis Marvel geprägt wie kein Zweiter.

Als ich mir den Text über »Avengers Disassembled« noch einmal zu Gemüte führte, ist mir aufgefallen, dass ich mal wieder sehr wenig auf den künstlerischen Aspekt der Comics eingehe. Das ist eine der großen Schwächen meiner Reviews, wie ich finde. Ich sage zwar immer, ob mir ein Stil gefällt oder ob etwas visuell gut dargestellt ist, aber ich hätte mir gewünscht, näher darauf eingegangen zu sein. Es ist allerdings nicht leicht, über Kunst zu schreiben. Besonders wenn man sich nebenbei noch Gedanken um die Geschichte und Charaktere macht, was sie bedeutet und wo sie hinführen könnte. Mal sehen, ob es im Laufe dieser Reihe besser wird. Ich kann mich offen gesagt nicht mehr im Detail daran erinnern.


Als Letztes sind erschienen:


Einleitung

Im November 2017 gab Brian Michael Bendis bekannt, dass er Marvel (nach 17 Jahren) verlassen und ausschließlich für DC Comics arbeiten werde. Wenn man sich auch nur ein wenig für Comics interessiert, weiß man, dass dies eine große Sache ist. »Ultimate Spider-Man« war eines seiner ersten Projekte für Marvel und ist eine meiner Lieblingsinkarnationen von Spider-Man. Bendis schuf auch Miles Morales, den Nachfolger von Peter Parker, und begann 2004 mit dem Schreiben der Avengers-Comics. Er tat für die Avengers, was Claremont für die X-Men tat. Einige vergleichen Bendis’ Einfluss sogar mit dem von Kirby oder Lee.

Deshalb wollte ich mir die Geschichten, die er geschrieben hat, und die Art und Weise, wie er das Team neu erfunden hat, genauer ansehen. Dazu höre ich mir den Podcast »Bendis Assembled« an. Dieser Podcast führt wunderbar durch die Abenteuer, die Bendis federführend schrieb, und was mit den Charakteren in dieser Zeit passiert ist. Alternativ oder zusätzlich gibt es noch »Legendary Runs«. Hier wird etwa in Folge 45 über »Alias« gesprochen, einen weiteren Meilenstein der Comic-Geschichte, geschrieben von Brian Michael Bendis.

Die Geschichte von »Avengers Disassembled« erstreckt sich über gerade einmal vier Ausgaben von »Avengers« (500 bis 503) und klingt in »Avengers Finale« Nr. 1 aus. Anschließend beginnt die Zählung neu, mit »New Avengers« Nr. 1. Ich erfuhr, dass ein bestimmter X-Men, der bereits in den 60er Jahren eingeführt wurde, eine wichtige Rolle in den kommenden Abenteuern der Avengers spielte. Also beschloss ich, diese Geschichten in mein Projekt zu integrieren, und nun sind wir hier und sprechen über die Avengers in einer Kolumne, die den X-Men gewidmet ist (wir werden das vielleicht für »AvX« wiederholen).

Die Geschichte

Wie wir am Ende von Ausgabe Nr. 501 sehen, gibt es viele Charaktere, die zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Geschichte von Marvel Teil der Avengers waren. Wie zerlegt man also eines der besten Superheldenteams im Marvel-Universum?

Die Geschichte konzentriert sich auf Hawkeye, Scott Lang alias Ant-Man, Janet alias Wasp, She-Hulk, Jarvis und Captain Britain. Sie befinden sich in der Villa der Avengers. Hawkeye und Ant-Man diskutieren darüber, wen aus ihrem Team sie nie haben könnten: „das eine Mädchen, von dem man weiß, dass man es nicht haben kann“. Plötzlich ertönt ein schriller Alarm und warnt sie vor einem Eindringling. Es klingt herablassend, wie sie über ihre Kolleginnen sprechen, aber durch die kommenden Ereignisse könnte man sagen: Karma schlägt zurück. Das Signal unterbricht die Diskussion. Karma ist hier personifiziert durch Jack of Hearts.

Wer ist Jack of Hearts? Keine Ahnung. Aufgrund intensiver Recherchen (ich habe die ersten paar Absätze auf Wikipedia gelesen) kann ich sagen, dass er nicht nur ein mächtiges Wesen ist, sondern auch konstant leidet Er muss einen speziell angefertigten Anzug tragen, damit er nicht explodiert, und verbringt jeden Tag viel Zeit in einer Kontaminationszelle, ebenfalls um eine spontane Explosion zu verhindern. Er sollte tot sein – und so wie er aussieht, ist er es – und geht ruhig auf die Villa zu. Scott geht auf Zombie-Jack zu und versucht, mit ihm zu sprechen. Aber er explodiert in einer gewaltigen Feuerwolke und pulverisiert Scott.

Teile der Villa werden zerstört, sodass die anderen unter den Trümmern begraben werden. Captain America und Falcon treffen am Ort des Geschehens ein, als ein von Vision gesteuerter Quinjet auf den Überresten der Villa notlandet. Vision geht ein paar Schritte, löst sich auf, schmilzt, genauer gesagt, und bringt fünf Metallkugeln hervor, die sich in Ultron-Roboter verwandeln. Sie können diese Bedrohung gerade noch rechtzeitig eindämmen, als She-Hulk durchdreht – unfähig, all das Geschehen zu verarbeiten. Die Wut übernimmt die Kontrolle und sie zerreißt Visions Leiche. Nicht horizontal (an der Taille), wie man erwarten könnte, sondern vertikal – und legt so die „Organe“ von Vision frei. Und das ist nur der Anfang.

Ein paar Stunden später, als Wasp im Krankenhaus versorgt wird (immer noch geschrumpft und in kritischem Zustand), kehren Cap und Hawkeye zur Villa zurück, wo alle Avengers bereitstehen, um die Situation zu untersuchen. Der Tag ist jedoch noch nicht vorbei. Eine Flotte von Kree-Schiffen greift die trauernde Gruppe an. Doch etwas stimmt nicht, denn der Helicarrier von S.H.I.E.L.D. kann die Flotte nicht erkennen. Während der großen Schlacht wird Hawkeye schwer verletzt. Soweit man es sehen kann, von einem explosiven Pfeil oder Ähnlichem. Bevor dieser aber explodieren kann, schnappt er sich einen Kree und fliegt mit Hilfe eines Jetpacks in das Mutterschiff. Sein Opfer bleibt nicht unbemerkt, da die Kree miteinander verbunden sind, und wenn man eines ihrer Mutterschiffe ausschaltet, sind sie alle besiegt.

Nach dem Kampf erscheint Doctor Strange und erklärt ihnen, dass all dies eine Art chaotische, magische Störung ist. Es ist kein Trick – alles ist wirklich passiert –, aber Magie ist im Spiel.

Das Ende?

Fassen wir zusammen: Die Avengers gibt es nicht mehr. In der Sonderausgabe »Avengers Finale #1« versammeln sich die Kernmitglieder der Avengers, zumindest diejenigen, die noch am Leben sind, ein letztes Mal in der zerstörten Villa. Jeder darf seinen Lieblingsmoment aus ihrer umfangreichen Geschichte erzählen. Jeder Moment wird auf einer Doppelseite zusammengefasst. Selbst wenn man die meisten dieser Geschichten nicht gelesen hat (so wie ich), ist es eine sehr emotionale Situation. Immerhin verabschieden sie sich und gehen davon aus, dass es vorbei ist. Zumindest in dieser Konstellation. Scott ist tot. Hawkeye ist tot. Jack of Hearts ist tot. Wasp ist verletzt und im Krankenhaus.

Außerdem lässt dieser Trick Tony Stark (der zu diesem Zeitpunkt Verteidigungsminister ist) betrunken erscheinen, obwohl er seit Wochen oder sogar Monaten keinen Alkohol mehr getrunken hat, und bringt ihn in Verruf. Er verliert einen Großteil seines Geldes (er kann die Avengers nicht mehr finanzieren) und einige seiner Freunde vertrauen ihm nicht mehr. Das passiert zwar alles relativ schnell, bleibt allerdings trotzdem nachvollziehbar.

Bendis hat es geschafft, die Avengers und ihr Zuhause nicht nur physisch zu zerstören, sondern sie auf emotionaler Ebene vernichtend zu schlagen. Das Vertrauen ist weg. Man muss sich darauf verlassen können, dass die Person neben dir dir den Rücken freihält. Wenn dieses Vertrauen weg ist, was kann man dann noch tun, außer die Reset-Taste zu drücken?

Everything X-Men | Comic-Epochen (5/5)

Wie jeden Donnerstag werfen wir auch heute wieder einen Blick auf einen alten Text von mir. Wir gehen zu meinem Medienwissenschaftsstudium zurück. Im Zuge des Projektstudiums habe ich eine Textreihe zu den X-Men verfasst. Doch es ging nicht nur darum, die Comics zu analysieren, sondern sich mit Themen rund um diese Comics auseinanderzusetzen. Die Texte habe ich damals auf Englisch geschrieben, präsentiere sie aber heute auf Deutsch. Die initiale Übersetzung habe ich mit DeepL gemacht und die Texte anschließend redigiert.

Heute schließen wir unsere Reise durch die Comic-Epochen ab. Es geht um das Diamond Age.

Als Letztes sind erschienen:


Diamant-Zeitalter (1997 bis heute)

Manche nennen es das moderne Zeitalter oder das Filmzeitalter, aber beides ist weder passend noch angemessen. Das moderne Zeitalter ist ein sehr subjektiver Begriff. Wenn wir in den 80er Jahren wären, könnten wir diese Zeit auch als „das moderne Zeitalter der Comics“ bezeichnen, aber das würde nichts bringen. Oder wie es der Nutzer Spider10 (17. Juli 2016) von der Website playbuzz formuliert: „Wir können nichts als das ‚moderne Zeitalter‘ bezeichnen, denn seien wir ehrlich: Das ‚moderne Zeitalter‘, das wir jetzt haben, wird zeitnah nicht mehr so genannt werden.“

Der Begriff „Filmzeitalter“ ist ebenfalls unpassend, da er den Fokus von den Comics weg verlagert. Der Name „Diamond Age“ ist jedoch ein guter Kompromiss, um auf die Millionen Dollar hinzuweisen, die Filme basierend auf Comics einspielen. Und ich spreche hier nicht nur vom Marvel Cinematic Universe oder dem DCEU. Wir dürfen auch die frühen Filme nicht vergessen. Spawn aus dem Jahr 1997, Blade aus dem Jahr 1998, der erste X-Men-Film aus dem Jahr 2000 usw. Aber auch Filme, die auf den ersten Blick nichts mit Comics zu tun haben, wie Atomic Blond oder Valerian (um nur zwei aktuelle Beispiele zu nennen), basieren auf Graphic Novels. Meiner Meinung nach begann das eigentliche Zeitalter der Comic-Verfilmungen mit Spawn, spätestens aber mit Blade.

Natürlich gab es schon vor diesen beiden Filmen einige Versuche, Superhelden zum Leben zu erwecken. Die Technologie war für solche Projekte jedoch noch nicht ausgereift. Ich denke, es war auch ein Problem, dass die Filme nicht so viel Geld für die Produktion erhielten. Eines der ersten Megaprojekte dieser Art war »Der Herr der Ringe«. Das hatte aber weniger mit Comics zu tun und mehr damit, dass Fantasy und besonders J. R. R. Tolkien immer geht.

Zwanzig Jahre scheinen eine enorme Zeitspanne zu sein. Vielleicht müssen wir irgendwann einen Schnitt machen und eine neue Phase beginnen. Für einen so drastischen Schritt ist es aber zu früh. Denn wer weiß schon, was die Zukunft bringt? Aus Sicht von DC Comics könnten wir vielleicht 2011 oder 2016 für einen Neuanfang nutzen. 2011 gab es die Initiative „The New 52“ und 2016 „Rebirth“ (aber das hängt mit „The New 52“ zusammen, also müsste es 2011 sein). Oder wir könnten mit einem der vielen Events beginnen, die Marvel in den vergangenen Jahren aus dem Boden gestampft hat. Oder, und das ist meine Lieblingsvariante, wir nehmen Abstand von den beiden Großen und wählen einen Indie-Comic als Beginn einer neuen Ära. Es muss nicht unbedingt Image sein. Wir könnten uns zum Beispiel Boom!Studios ansehen, die großartige, originelle, spannende Comics veröffentlichen. Valiant könnte ebenfalls eine mögliche Alternative sein.

Es gibt viele Optionen, und nur die Zeit wird zeigen, in welche Richtung wir uns bewegen werden.

Quellen

Bevor wir zur üblichen Bibliografie kommen, möchte ich auf eine detaillierte Liste aller Ereignisse von 1933 bis heute verweisen. Die Liste wurde von bipcomics.com veröffentlicht und obwohl sie die Epochen nicht so unterteilt haben wie ich, beispielsweise begann ihre goldene Ära 1933, ist es eine interessante Liste mit vielen Informationen in einem kompakten Format:

  • bipcomics.com | ages

Wer sich speziell für die Geschichte von DC Comics interessiert: Ich kann die Bücher von Paul Levitz empfehlen. Er hat eine XL-Hardcover-Buchreihe über das Goldene, Silberne und Bronzene Zeitalter von DC geschrieben. Ich habe sie noch nicht gelesen, aber die Rezensionen sind vielversprechend. Es gibt auch einen visuellen Geschichtsführer zu DC Comics (allerdings von einem anderen Autor). Die Ressourcen zu verschiedenen Themen sind umfangreich und könnten ganze Bibliotheken füllen.

  • playbuzz.com | The Ages Of Comic Books Explained | Spider10 (17. Juli 2016)
  • tvtropes.org | Proto-Superhero. (27. September 2017)
  • tvtropes (o. D.). Useful Notes / The Silver Age of Comic Books.
  • behindthecomics (o. D.). Ages of Comic Books.
  • comicbookhistorians.com | The 8 Ages of Comic Books | Grand, A. (6. Oktober 2016)
  • quora.com | Which was the first comic book ever? [Kommentar] Henry, J. (1. November 2016).
  • Strausbaugh, J. (14. Dezember 2003). ART; 60’s Comics: Gloomy, Seedy, and Superior. The New York Times.
  • imagecomics.com | Spawn #1 [Publikationsinfo].

Everything X-Men | Comic-Epochen (4/5)

Wie jeden Donnerstag werfen wir auch heute wieder einen Blick auf einen alten Text von mir. Wir gehen zu meinem Medienwissenschaftsstudium zurück. Im Zuge des Projektstudiums habe ich eine Textreihe zu den X-Men verfasst. Doch es ging nicht nur darum, die Comics zu analysieren, sondern sich mit Themen rund um diese Comics auseinanderzusetzen. Die Texte habe ich damals auf Englisch geschrieben, präsentiere sie aber heute auf Deutsch. Die initiale Übersetzung habe ich mit DeepL gemacht und die Texte anschließend redigiert.

Heute geht es weiter mit den Comic-Epochen und den Dark Ages sowie dem Extreme Age. Aus heutiger Perspektive hätte ich mir gewünscht, dass ich die einzelnen Epochen detaillierter beschrieben hätte. Ich gebe immer wieder Quellen an, wo man Dinge nachlesen kann oder mehr Informationen findet. Doch es wäre gut für den Text gewesen, manche dieser Dinge einzuarbeiten und zu überprüfen. Mehr Beispiele aus den Comics der damaligen Zeit heraussuchen und so weiter. Aber dafür reichte die Zeit dann doch nicht aus, und ich hatte schon alle Hände voll damit zu tun, die X-Men-Comics zu lesen und zu analysieren. Dann auch noch Essays zu Themen zu schreiben, war vielleicht doch etwas viel.

Ich habe schon lange keine Comics mehr gelesen, aber wenn ich mir diese alten Texte ansehe, juckt es mich doch wieder in den Fingern. Es ist und bleibt das beste Medium. Zumindest für mich. Aber machen wir erst einmal weiter mit den Epochen.

Als Letztes sind erschienen:


Das dunkle Zeitalter

Das dunkle Zeitalter, manchmal auch als Copper Age bezeichnet, begann 1985. Warum ich dieses Zeitalter nicht als „modernes Zeitalter“ bezeichnen möchte, erkläre ich später genauer. Wie bei unserem realen dunklen Zeitalter ist dieser Begriff nicht wörtlich, sondern bildlich zu verstehen. Charaktere wie Barry Alan als Flash, Clark Kent als Superman, Wonder Woman und viele andere wurden durch düsterere, realistischere und psychologisch komplexere Charaktere ersetzt. Als Ausgangspunkt können wir erneut einen Blick auf DC und ihr Ereignis „Crisis on Infinite Earths“ werfen. Nach 50 Jahren Veröffentlichung mussten sie ihren reichhaltigen und komplexen Mythos vereinfachen. Ihn etwas zugänglicher machen. Die Lösung war eine 12-teilige Miniserie, die das DC-Universum für immer verändern sollte.

Wer sich eingehender mit diesem Event beschäftigen möchte: Ich kann den Artikel „Crisis on Infinite Earths‘ 30 Years On“ von Gregory L. Reece auf popmatters.com wärmstens empfehlen. Zunächst spricht er über die Geschichte von DC und die Idee eines Multiversums. Anschließend geht er darauf ein, warum und wie „Crisis on Infinite Earths“ so ein Erfolg wurde.

DC veröffentlichte auch einen ihrer beliebtesten und meistverkauften Graphic Novels, »Batman: Year One« von Frank Miller und dem Künstler David Mazzucchelli. Frank Miller schrieb auch »The Dark Knight Returns«. Alan Moore und Dave Gibbons schufen »Watchmen«. Ich glaube, ich muss den Wert dieses Comics nicht beschreiben.

Aber „Marvel hatte auch seinen Anteil an dunklen, psychologisch komplexen Geschichten wie dem Morlock-Massaker, Scourge, der Bösewichte ermordet, und dem Punisher, der im Vergleich zu Drecksäcken wie Nuke oder Sabretooth ein Held ist.“ (Grand, 2016)

Extreme Age

Für manche begann das Extreme Age 1991 mit der Veröffentlichung von »X-Force #1« von Rob Liefeld. Meiner Meinung nach passt 1992 jedoch besser, denn in diesem Jahr wurde Image Comics von Todd McFarlane, Jim Lee, Whilce Portacio, Marc Silvestri, Erik Larsen, Jim Valentino und Rob Liefeld gegründet. Ehemalige Mitarbeiter der Big Two. Es war eine kleine Revolution und ein Aufschwung für Indie-Comics.

1993 wurde Milestone Media von einer Koalition afroamerikanischer Künstler und Autoren gegründet, bestehend aus Dwayne McDuffie, Denys Cowan, Michael Davis und Derek T. Dingle. Sie gaben Minderheiten eine Plattform. Das Extreme Zeitalter führte das Bronzezeitalter weiter. Es entstanden düsterere Antihelden. Zum Beispiel einer meiner absoluten Favoriten: Spawn.

„Während ein seltsamer Angreifer die Stadt heimsucht und Menschenherzen herausreißt, taucht ein weiteres Wesen aus einer anderen Welt auf. Als sein Verstand ins Wanken gerät, erinnert sich unser gequälter Held daran, dass er einen Pakt mit dem Teufel geschlossen hat, um zu seiner geliebten Frau zurückzukehren – fünf Jahre nach seinem Tod.“ (imagecomics; o. J.)

Es ist wichtig, solche Entwicklungen hervorzuheben und ihnen ihre eigene Ära zuzuweisen, egal wie kurz diese auch sein mag. Aber Image spielt nach wie vor eine große Rolle als Comic-Verlag, und Milestone Media hat viele Menschen inspiriert (ihre Geschichte kann man ausführlich in dem großartigen Buch „Black Superheroes, Milestone Comics, and Their Fans“ von Jeffrey A. Brown nachlesen).

Dies war auch die Zeit, in der Taschenbücher populär wurden und DC mit ihrer Storyline „Death of Superman“ begann. Das Wort „extrem“ bezieht sich aber auch auf die Zeichnungen, die nicht immer anatomisch korrekt waren (insbesondere was bestimmte Merkmale des weiblichen Körpers oder die Muskeln von Männern angeht), und wir bekamen viele Gimmicks in den Handlungssträngen präsentiert, wie man in den frühen Comics von Image sehen kann.

Everything X-Men | Comic-Epochen (3/5)

Wie jeden Donnerstag werfen wir auch heute wieder einen Blick auf einen alten Text von mir. Wir gehen zu meinem Medienwissenschaftsstudium zurück. Im Zuge des Projektstudiums habe ich eine Textreihe zu den X-Men verfasst. Doch es ging nicht nur darum, die Comics zu analysieren, sondern sich mit Themen rund um diese Comics auseinanderzusetzen. Die Texte habe ich damals auf Englisch geschrieben, präsentiere sie aber heute auf Deutsch. Die initiale Übersetzung habe ich mit DeepL gemacht und die Texte anschließend redigiert.

Heute geht es weiter mit den Comic-Epochen. Wir sehen uns das Silver Age und das Bronze Age an.

Als Letztes sind erschienen:


Silbernes Zeitalter

Mit den neuen Richtlinien der »Comics Code Authority« – wie man Comics macht, ohne Kinder zu Mördern, Dieben und letztlich zu Bösewichten zu manipulieren – erwachten die Superhelden zu neuem Leben. Andere datieren den Beginn des silbernen Zeitalters vielleicht ein paar Jahre später:

„Bei DC Comics wandte Carmine Infantino seine Kunst auf verschiedene Comic-Genres an, und eines, das den Nerv der Mainstream-Leserschaft traf und unter der Comics Code Authority gut ankam, war Showcase 4 aus dem Jahr 1956, das den modernen Barry-Allen-Flash vorstellte und das Silberne Zeitalter (1956–1969) einläutete.“ (Grand, 2016)

Oder: „Das Silberne Zeitalter dauerte von 1956 bis etwa 1972 (obwohl manche Leute alles bis 1985 dazuzählen und das Bronzezeitalter der Comics einbeziehen).“ (tvtropes, o. J.)

Obwohl mir die Idee gefällt, dass DC eine bedeutende Rolle beim Beginn neuer Epochen der Comics spielt, scheint der Beginn der Comics Code Authority besser zu passen. Aber wie wir in den nächsten beiden Epochen sehen werden, muss dieser Bereich der Comicforschung noch weiter ausgearbeitet werden. Insbesondere nach der Bronzezeit gehen die Meinungen der Autor*innen darüber, wie die Epochen zu definieren sind, weit auseinander. Deshalb wollte ich eine vollständige Liste bereitstellen, damit man selbst entscheiden kann, wie man die Epochen einteilen möchte.  

Ich habe mich dabei ertappt, wie ich mich fragte: Warum soll Barry Allens Auftritt in DC Showcase #4 im Oktober 1956 der Beginn einer neuen Ära sein? Martian Manhunter beispielsweise erschien erstmals im November 1955 in Detective Comics #225, und Captain Comet hatte sein Debüt in Strange Adventures #9 (1951). Was ist so besonders an Barry Allen? Wir müssen uns die Erzählweise dieses Comics ansehen. Interessant ist, dass ein Comic mit der Nummer 4 einer fortlaufenden Serie das Silberne Zeitalter einläutete und nicht die Nummer 1 (aber wir werden in einem anderen Artikel über Events und Rebirths sprechen). Wichtig zu wissen ist, dass Showcase #4 der erste Comic war, der sich auf einen Science-Fiction-Ansatz konzentrierte. Die Helden wurden realistischer dargestellt. Batman, Superman, Wonder Woman (die letzten drei fortlaufenden Comics, die zu dieser Zeit noch von DC veröffentlicht wurden) und andere folgten. Wenn man diesen Standpunkt einnimmt, ist Showcase #4 vielleicht der Beginn des silbernen Zeitalters.

Wenn wir uns Marvel ansehen, stellen wir fest, dass alle wichtigen Figuren während des Silbernen Zeitalters eingeführt wurden: Fantastic Four, Spider-Man, Hulk, Iron Man, X-Men, Daredevil, Tales of Suspense, Tales to Astonish und so weiter und so fort.

Das Ende des Silbernen Zeitalters wird oft mit Green Lantern und dem folgenden Zitat aus dem Jahr 1972 in Verbindung gebracht: „Diese Tage sind vorbei – für immer vorbei – die Tage, an denen ich selbstbewusst und sicher war … Ich war so jung … so sicher, dass ich keinen Fehler machen konnte! Jung und übermütig, das war Green Lantern. Nun, ich habe mich verändert. Ich bin jetzt älter … vielleicht auch weiser … und viel weniger glücklich.“

Bronzezeit

Die 1960er Jahre klangen aus, die Comics Code Authority verlor ihren Einfluss und Superhelden wurden verwundbar. Die Gesellschaft musste einige Rückschläge verkraften, aber bevor ich auf Details eingehe, hier ein abstrakter Überblick:

„Als viele geliebte Menschen ums Leben kamen oder Menschen emotional verzweifelten, wurden Helden und Schurken arm und depressiv, was dazu führte, dass sie drogen- und alkoholabhängig wurden. Da die Regeln der Authority gebrochen wurden, übernahm das Übernatürliche die Macht. Helden hatten dunklere Schurken und mussten zusammenarbeiten, um diese dunklen Zeiten zu überstehen. Minderheitencharaktere entschieden sich dafür, gegen das Verbrechen zu kämpfen und Helden zu werden, sei es aus Geldgier, um zu überleben oder um Gerechtigkeit zu schaffen.“ (Spider10, 2016)

Massaker, der Vietnamkrieg und der Verlust eines Großteils der Finanzmittel der NASA sind nur drei Ereignisse, die zu dieser Zeit stattfanden. Auch die Comic-Branche befand sich im Wandel. 1971 wurden neue Richtlinien der CMAA veröffentlicht, 1970 wechselte Jack Kirby von Marvel zu DC, Spider-Mans Freundin Gwen Stacy starb 1973. Es besteht jedoch Einigkeit darüber, dass die Bronzezeit mit der ersten Ausgabe von »Conan the Barbarian« begann.

Noch einmal: Warum? Conan wurde 1932 von dem Schriftsteller Robert E. Howard erschaffen und feierte 1970 sein Comic-Debüt. Die nun gelockerten Richtlinien des Comic-Codes beflügelten den Drang der Schöpfer nach Experimenten. Einen Mann praktisch nackt herumlaufen zu lassen, war wohl ein logischer Schritt. Wie Superman steht Conan also für mehr als nur den Beginn einer neuen Comic-Reihe. Er steht für eine Idee.

Um schließlich wieder zu unserem Hauptthema zurückzukommen: Die X-Men wurden 1975 neu geboren. »Giant-Sized X-Men #1« erschien und Chris Claremont begann seine 17-jährige Herrschaft über alle Titel, die mit den X-Men zu tun hatten.

Everything X-Men | Comic-Epochen (2/5)

Wie jeden Donnerstag werfen wir auch heute wieder einen Blick auf einen alten Text von mir. Wir gehen zu meinem Medienwissenschaftsstudium zurück. Im Zuge des Projektstudiums habe ich eine Textreihe zu den X-Men verfasst. Doch es ging nicht nur darum, die Comics zu analysieren, sondern sich mit Themen rund um diese Comics auseinanderzusetzen. Wie den Comic-Epochen. Heute setzen wir unsere Reise durch diese Epochen fort und sehen uns das Golden Age und das Atomic Age an.

Als Letztes sind erschienen:


Das Goldene Zeitalter

Das Goldene Zeitalter der Comics war eine einfache Zeit. Die guten alten Zeiten, wenn man so will. Die vermeintlich Guten trugen Umhänge und gewannen. Das Böse verlor. Es gab keine Grauzonen. „Keine Gnade! Die Moral dieser Geschichte, meine Damen und Herren, lautet: Die Guten gewinnen, die Bösen verlieren, und wie immer: England siegt!“ (V wie Vendetta, 2006)

Ich denke, die Geburt von Superman im Juni 1938 ist das perfekte Datum, um das Goldene Zeitalter der Comics zu beginnen. Superman – der erste Superheld. Er war und ist die Verkörperung von Gerechtigkeit, Wahrheit und dem American Way. Er ist nicht nur gut, sondern auch unfehlbar (zumindest zu dieser Zeit). Stark, schnell, unbestechlich, bereit, sich für das Allgemeinwohl zu opfern. Der perfekte Mann, aber kein Mensch. Ein Ideal, das niemals zu erreichen ist. Durch die Art, wie er spricht, sich bewegt und verhält, könnte er einen täuschen. Dennoch ist er ein Außerirdischer. Vielleicht eignet er sich deshalb so gut als der Beschützer der Erde.

Jedoch: Seine Kraft ist nicht unbegrenzt. Der Hulk wird immer stärker, je wütender er wird. Das ist wirklich unbegrenzte Kraft, aber Superman hat das nicht. Er ist so stark und fähig, wie es die Geschichte erfordert. Ich habe einen solchen Satz in einem Artikel über Superman gelesen, leider habe ich mir nicht notiert, wo ich ihn gefunden habe – aber es ist eine treffende Beschreibung des Charakters. Wie könnte man Kraft quantifizieren? Manche haben es versucht und Kilogramm oder Tonnen angegeben, die Superman stemmen und heben kann. Aber ist das wirklich relevant? Ist nicht die Varianz hinter Supermans Fähigkeiten das, was seine Geschichten bis heute so faszinierend macht?

In seinen neuesten Abenteuern hat er eine Familie, sogar einen Hund, und auch damit geht er großartig um. Aber warum spreche ich so ausführlich über Superman? Um ehrlich zu sein, begann es als sarkastische Liste von allem, was Superman ist und sein kann. Aber als ich darüber nachdachte, kam ich zu dem Schluss, dass es logisch ist, mit dem ultimativen Superhelden zu beginnen. Ein Außerirdischer, der alles verloren und seine Trauer überwunden hat. Jemand, der von guten Menschen aufgezogen wurde und nun so viel zurückgibt, wie er kann.

Die Einzige, die besser ist als Superman (nein, ich spreche nicht von Batman), ist Wonder Woman. In meiner Lieblingsgeschichte über die Entstehung dieser Figur wurde sie aus Ton geformt und von Zeus zum Leben erweckt. In dieser Geschichte gibt es kein Leiden. Als dann Steve Trevor auftauchte, beschloss sie, mit ihm zu gehen und Gutes zu tun. Keine Spur von Schuldgefühlen. Es war ihre Entscheidung, dies zu tun. Nicht etwas Tragisches aus ihrer Vergangenheit, das sie dazu gezwungen hätte. Niemand wurde in einer dunklen Gasse ermordet.

Eines darf man jedoch nicht vergessen. Wenn wir auf die Geschichte dieser großartigen Figuren zurückblicken, tun wir das aus unserer heutigen Perspektive. Wir blicken zurück auf die 1930er Jahre. Und wie ich bereits sagte, war Superman nicht der erste Superheld. James Henry (2016) schrieb:

„Verdammt, Superman war nicht einmal der erste Superheld von DC Comics, das war offenbar »Doctor Occult« [3], der 1935 von DC Comics in »New Fun Comics #6« veröffentlicht wurde. Er war ein Privatdetektiv, der sich auf Fälle spezialisiert hatte, in denen es um übernatürliche Phänomene ging. Er nutzte seine magischen Fähigkeiten (wie Astralprojektion und Telekinese), um seine Fälle zu lösen.“

Dennoch blieb er nicht lange allein. Das Goldene Zeitalter erlebte auch den Aufstieg von Batman, Wonder Woman, Captain Marvel, The Flash, Captain America, 1940 der Justice Society of America und vielen anderen. Einige Autoren weisen darauf hin, dass die Charaktere hinter den Masken und unter den Umhängen nicht so interessant waren. Ich finde diese Aussage gewagt und faszinierend zugleich. Was stand denn im Mittelpunkt, wenn nicht die Charaktere? Irgendwann werde ich zurückgehen und die ersten Abenteuer von Batman lesen, dann kann ich mich an der Diskussion zu diesem Thema beteiligen. Wie dem auch sei, das Zeitalter der Superhelden verblasste so schnell, wie es entstanden war. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden sie durch Geschichten ohne Superhelden ersetzt. Manchmal bedeutete dies, dass ihre eigenen Titel langsam ausliefen.

„Obwohl Batman und Superman in dieser Zeit weiter existierten, erging es Captain America nicht so gut. Sein Buch wurde in »Captain America’s Weird Tales« umbenannt und im selben Jahr wie Human Torch komplett aus dem Comic genommen und durch Horror-Material ersetzt.“ (Grant, 2016) Diese Entwicklung fand um 1950 statt.

Atomic Age

Die meisten Autoren schreiben nicht über das Atomic Age, sondern gehen direkt vom goldenen Zeitalter zum silbernen Zeitalter über. Meiner Meinung nach ist es jedoch wichtig, darauf hinzuweisen, dass Superhelden einige Jahre lang nicht so beliebt waren, wie man meinen könnte, und eine Pause einlegten.

In diesen Jahren „wurden Horror-Comics sehr beliebt, und der erfolgreichste Verleger dieser Bücher war Bill Gaines von EC Comics. Diese Geschichten zeigten visuell Enthauptungen von Frauen, Morde und andere Verbrechen …“ (Grant, 2016). Aufgrund dieser sehr detaillierten Beschreibungen der Verbrechen und der grausamen Bilder kamen Bedenken auf. Wir haben uns mit diesen Bedenken bereits auseinandergesetzt. Ich habe erwähnt, was Bill Gaines nach der Schließung von EC Comics erreicht hat. Die Ära der Horror- und Krimi-Comics endete im Grunde mit der Gründung der »Comics Magazine Association of America« und der »Comics Code Authority«.

Everything X-Men | Comic-Epochen (1/5)

Es ist Donnerstag. Das heißt, wir sehen uns einen alten Text von mir an. Für das dritte Jahr des täglichen Blogs habe ich mir hierzu etwas Besonderes herausgesucht. Für das Medienwissenschaftsstudium habe ich eine Textreihe zu den X-Men geschrieben. Dabei habe ich nicht nur die Comics analysiert, sondern mich auch mit den Themen beschäftigt, die darin vorkommen. In den nächsten Wochen erscheinen die Texte zu den Comic-Epochen. Da der ursprüngliche Text etwas länger ausfiel, erschien mir die Aufgliederung in fünf Teile sinnvoll.

Heute geht es um die erste Einteilung und das Zeitalter der Proto-Superhelden. Anders als bei den Texten bisher habe ich hier einiges mehr geändert. Nicht weil ich meine Meinung geändert hätte, sondern weil mir eine gewisse Nuance gefehlt hat. Das ist die Kehrseite, wenn man sich mit alten Texten beschäftigt. Man kann etwas ändern. Aber das gefällt mir auch an diesem Projekt.

Der ursprüngliche Text erschien auf Englisch. Für den Blog habe ich diesen mithilfe von DeepL übersetzt und anschließend redigiert.

Als Letztes sind erschienen:


Vor der Recherche zu diesem Text habe ich mich nur am Rande mit den verschiedenen Epochen der Comicgeschichte auseinandergesetzt. Ich war zwar interessiert, brauchte aber irgendwie einen Grund, mich tiefgehender damit zu beschäftigen. Jetzt, wo ich diese Büchse der Pandora geöffnet habe, kann ich sie leider nicht mehr schließen. Es ist faszinierend, wie sehr die Meinungen auseinandergehen. Nicht nur was die Benennung der Epochen anbelangt, sondern auch bei der zeitlichen Einordnung. Ich habe Informationen von verschiedenen Quellen gesammelt und ihre Beschreibungen und Argumente für ihr System gelesen. Um ehrlich zu sein, hat mich das nicht zufriedengestellt. Also habe ich basierend auf dem vorhandenen Material eine eigene Einteilung vorgenommen. Hier ist sie also – die ultimative, endgültige, sicherlich nie wieder infrage gestellte Liste der Comic-Epochen:

  • Proto-Superhelden
  • Golden Age
  • Atomic Age
  • Silver Age
  • Bronze Age
  • Dark Age (Copper Age)
  • Extreme Age
  • Steel Age
  • Diamond Age

Aber was verbirgt sich hinter diesen Bezeichnungen? Lasst uns darüber sprechen und in einen Kaninchenbau hinuntersteigen, den wir so schnell nicht mehr verlassen werden.

Das Zeitalter der Proto-Superhelden

Diese Idee habe ich von einer sehr beliebten und wichtigen Website namens tvtropes.com (The Ages of Super Hero Comics). Meiner Meinung nach ist dies ein sehr passender Name für alles, was vor dem Aufkommen der Comics geschah, aber gleichzeitig auch ein sehr ungenauer, weil er alles in einen Topf wirft. Tausende Jahre Kultur werden in eine große, unordentliche Schublade gesteckt. Aber dies sind die Epochen der Comics, und nicht jeder konzentriert sich dabei unbedingt auf die Comics an sich, wenn es um deren Benennung geht.

Eine Einordnung vorzunehmen und zu wissen, was vorher da war, ist natürlich wichtig. Denn nicht jede Figur aus diesen frühen Tagen wird von uns in Erinnerung behalten und geehrt:

„Nur eine glückliche Handvoll (Zorro, Tarzan, The Shadow, The Phantom, The Lone Ranger, Golden Bat) ist seit ihrer Entstehung in der Öffentlichkeit bekannt geblieben. Aber ob mit Superkräften oder ohne, ob weithin bekannt oder nicht, es sind diese Proto-Superhelden, denen die späteren Comic-Superhelden des goldenen, silbernen, bronzenen, dunklen und modernen Zeitalters ihren Erfolg verdanken, als Inspiration für ihren Archetyp und die Industrie, die sie hervorgebracht hat.“ (Proto-Superhero, n. d.)

Scott McCloud spricht in seinem Buch „Understanding Comics“ ausführlich über die Geschichte der Comics. Die Definition von „Sequential Art“ von Will Eisner ist nach McClouds ausführlicher Analyse dieses Begriffs die perfekte Beschreibung für Comics. Aber schon vor 1842 – dem Jahr des ersten Comicstrips – gab es ähnliche Dinge. Vor über 2000 Jahren hatten die Ägypter ein ganzes Schriftsystem, das auf Symbolen basierte. Sie erzählten Geschichten und Ereignisse ausführlich an Wänden und in Pyramiden.

Andere Kulturen hatten ähnliche Dinge und erzählten Geschichten über ihre Helden, Legenden und Mythen. Betritt man eine Kirche, kann man das Leiden Jesu Bild für Bild sehen. Zugegeben, es gibt keine Dialoge oder Sprechblasen, aber sie erzählen eine Geschichte. Es gibt ganze Graphic Novels, die kein einziges Wort enthalten. Das Wort „Comic“ kann also eine ziemlich weit gefasste Definition für etwas sein.

Diese breite Definition müssen wir für unser Vorhaben jedoch etwas eingrenzen. Denn worüber wir bei den Comic-Epochen hier sprechen, sind hauptsächlich amerikanische Comics. Mangas haben mit Sicherheit eigene Einteilungen, genauso wie europäische Comics und so weiter. Man kann nicht alles über einen Kamm scheren, nur weil mit Bildern und eventuell Text Geschichten erzählt werden. Das wäre zu einfach und würde die kulturellen Unterschiede, ihre Ursprünge und ihr Aufkommen komplett ignorieren. Außerdem lese ich selbst hauptsächlich amerikanische Comics und beschäftige mich seit Jahren auf der Metaebene mit diesen. Es wäre anmaßend, zu behaupten, ich könnte eine generelle Einteilung für weitere Comic-Iterationen treffen. Und von den sarkastischen, einleitenden Worten abgesehen ist das hier meine eigene Einteilung. Es gibt keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder Korrektheit. Nach all meiner Recherche fühlt es sich für den Moment richtig an. Und ich fand es allein schon spannend, mich weiter mit der Geschichte auseinandersetzen zu können.

Everything X-Men | X-Men First Class v1 (2007)

Wie jede Woche am Donnerstag werfen wir auch heute wieder einen Blick in die Vergangenheit. Genauer gesagt auf eine Reihe von Texten, die ich im Rahmen des Projektstudiums während meines Medienwissenschaftsstudiums geschrieben habe. In diesen Texten habe ich mich eingehend mit den X-Men beschäftigt. Damals habe ich die Texte auf Englisch verfasst, möchte sie heute jedoch auf Deutsch präsentieren. Dazu habe ich sie zuerst mit DeepL übersetzt (inkl. der Zitate) und anschließend redigiert.

Der heutige Text befasst sich mit einer alternativen Origin-Story der X-Men. Die letzten Texte haben sich mit Stan Lee und Jack Kirby auseinandergesetzt und damit, wie Roy Thomas deren Ideen weitergedacht hat. Doch wie sähe eine alternative Fassung aus? Macht sie es besser, wird die Geschichte modernisiert?

Als Letztes sind erschienen:


Die letzten Artikel habe ich den frühen Jahren der X-Men gewidmet. Wo ihre Geschichte begann und wo sie endete, bevor es zum kleinen Reboot kam. Dieser Reboot war der Auftritt von Chris Claremont. 20 Jahre hat er die X-Men geprägt, wie kein anderer. Doch bevor wir uns seinen Geschichten zuwenden, werfen wir einen Blick auf eine andere Interpretation der Entstehung der X-Men.

Die Schöpfer

»X-Men First Class« von 2007 umfasst acht Ausgaben. Jeff Parker schrieb sie und Roger Cruz ist für die fantastischen Zeichnungen verantwortlich. Für Jeff Parker war »First Class« einer seiner ersten Aufträge für Marvel. Bevor er mit dieser limitierten Serie begann, schrieb er »Agents of Atlas«. Dabei handelt es sich um ein Superheldenteam, das sich aus Figuren zusammensetzt, die erstmals in den 50er- und 60er-Jahren vorgestellt wurden. Der Name »Atlas« bezieht sich auf Marvels geistigen Vorgänger »Atlas Comics«. (Wikipedia, 2017) Roger Cruz hat viel für Marvel Comics gearbeitet. Er hat eine DeviantArt-Seite, die einen Besuch wert ist. Die beeindruckenden Kunstwerke von Cruz stammen nicht nur von den Seiten von Comics. Sie strotzen vor Kreativität und unterstreichen sein Gespür für Körpersprache. Mir gefallen auch die verschiedenen Gesichtsausdrücke, die er auf dieser Seite gepostet hat. DeviantArt ist etwas, das man öfter besuchen sollte – und damit meine ich auch mich selbst. Es ist ein großartiger Ort, um sich inspirieren zu lassen. Aber kommen wir zurück zum Thema.

Die Charaktere

Ich habe den ersten Band von »First Class« gelesen, der aus acht Ausgaben besteht. Wie es in einem Beitrag auf Comicvine über die Lesereihenfolge der gesamten X-Men-Reihe heißt: „Diese Serie eignet sich besonders gut für jüngere Kinder, die X-Men lesen möchten.“ (TEC2030, 2017).

Diesmal werden die Charaktere von Bobby Drake alias Iceman vorgestellt. Er schreibt einen Brief an seine Eltern und erzählt ihnen von seinem letzten Abenteuer. Wir erfahren, was er über seine Klassenkameraden denkt und was sie können. In den ursprünglichen X-Men von Jack Kirby und Stan Lee wussten die Eltern nicht, dass ihre Kinder Mutanten sind. Daher können die Kinder nicht offen über ihre Schule und ihre Erfahrungen sprechen. Dies wird besonders deutlich, als Angels Eltern zu Besuch kommen. Bobby scheint sich schon vor einiger Zeit geoutet zu haben, und es ist schön, zu sehen, wie er über die aktuellen Ereignisse spricht.

Im gesamten ersten Band ist präsent, dass wir es mit einer echten Schule zu tun haben, mit jungen Erwachsenen, die erst noch aufwachsen müssen. Das beginnt schon auf der Einführungsseite jeder Ausgabe. Dort wird jeder Charakter kurz vorgestellt. Nur ein Bild ihres Gesichts und eine Beschreibung mit ihrem Namen und ihren Fähigkeiten. Diese Seiten werden von den Charakteren selbst zum Zeichnen und Kommentieren genutzt. Natürlich ist in jeder Ausgabe eine andere Person dran. Was denken sie über sich selbst? Wen mögen sie? Es sind spannende Einblicke in die Dynamiken des Teams. Aus diesen kleinen Kommentaren kann man viel über Beziehungen und Freundschaften herauslesen.

Neben Bobby werden uns auch die ursprünglichen Mitglieder der X-Men vorgestellt. Warren alias The Angel, Scott alias Cyclops, Jean alias Marvel Girl, Hank alias The Beast und natürlich der Professor. Cerebro wurde aufgerüstet. Es ist nicht nur ein Gerät, mit dem man Mutanten finden kann, sondern es kann nun die Schüler unterrichten. Dieser Aspekt der „Schule“ wurde in der ursprünglichen Serie völlig ignoriert, was mich immer ein wenig gestört hat. Es gab keine richtigen Unterrichtsstunden, nur Trainingseinheiten. Aber jetzt, wie wir auch in den ersten drei X-Men-Filmen gesehen haben, bekommen die Schüler Unterricht mit Hausaufgaben, Tests usw.

Die Geschichten

Das Team hat es meist mit neuen Bösewichten zu tun. Der erste ist zum Beispiel ein Busch. Ja, ein Busch. Die X-Men kämpfen gegen einen Busch. Genauer gesagt gegen einen Azaleenbusch. Von diesem Moment an war mir klar, dass ich ein Buch für Kinder vor mir hatte. Das ist keine Beschwerde, sondern nur eine Beobachtung. Und es braucht diese Comics ebenso. Sie bringen Kindern die Charaktere näher. Aber normalerweise steckt hinter der Geschichte ein größerer Plan oder ein Thema, mit dem die Autor_innen und Künstler_innen aktuelle Diskussionen anstoßen wollen.

Zuerst konnte ich es nicht genau benennen. Aber ich wusste, dass etwas fehlte. Es war wie bei einem faden Gericht. Man weiß, dass etwas fehlt, aber man weiß nicht, was man noch hinzufügen soll. Genauso war es mit dieser Geschichte. Bis ich eine Rezension auf The Literary Omnivore (McBride, 2013) las: „In diesem Fall handelt es sich um eine Reihe von geradlinigen Abenteuern, die keine besonders tiefgründigen Themen behandeln.“

Und genau das ist es. Jeff Parker geht nicht tiefer. Die meisten Geschichten beginnen mit dem Alltag des Teams. Sie machen Urlaub, werden in etwas verwickelt, das sich im Kopf des Professors abspielt, oder gehen einfach nur aus. Sie stolpern zufällig über ein Abenteuer und einige Bösewichte, und das war’s. Das meiste wird auch in einer Ausgabe erledigt. Die Comics machen Spaß zu lesen, aber man darf keine großartigen, tiefgreifenden Charaktermomente oder gar eine Verbesserung gegenüber Stan Lees Jean-Grey-Problem erwarten. Ich habe in einem der letzten Artikel geschrieben, dass der Professor in Jean verliebt war. Das war einer der gruseligsten und unangenehmsten Momente. Leider wird es hier nicht besser:

„Aber in einer Geschichte befiehlt Professor X Cyclops und Jean, sich in einem gemieteten Haus in Florida auszuruhen. Cyclops ist niedergeschlagen, aber Professor X zwinkert ihm telepathisch zu und sagt ihm, dass er dafür gesorgt hat, dass Cyclops Zeit allein mit Jean verbringen kann.“ Aus dem Zusammenhang gerissen ist das ein netter Moment. Zwar klingt es so, wie aus einer Teenie-Komödie, aber nett. Jedoch bekommen wir in diesen Geschichten nicht viel von Jeans Gedanken mit, sodass sie eher wie ein Preis als wie ein Mitglied des Teams wirkt. Es wird besser – beispielsweise gibt es eine Geschichte, in der Angel mit Scarlet Witch ausgeht und Jean ihrem Bruder Pietro sagt, er solle aufhören, ihr Verhalten kontrollieren zu wollen –, aber es fühlt sich trotzdem nicht richtig an. (McBride, 2013)

Das Ende

Was mir gefallen hat, waren die Crossovers mit anderen Marvel-Charakteren. So bekommt man ein echtes Gefühl für ein größeres Universum. Ich verstehe, dass Stan Lee und Jack Kirby am Anfang nicht so viele Crossover machen konnten, weil die relevanten Charaktere erst vorgestellt werden mussten. Jetzt gibt es Geschichten mit Doctor Strange, Curt Conners und den Skrulls. Sogar die alten Bösewichte haben einen Gastauftritt in der dritten Ausgabe.

Zu dieser Serie gibt es nicht mehr viel zu sagen. Sie ist eine großartige Einführung in die Charaktere, insbesondere für jüngere Leser*innen. Aber um ehrlich zu sein, freue ich mich nun auf die Comics von Chris Claremont und darauf, wie er die X-Men neu erfunden hat. Wie er ihnen eindrucksvolle Geschichten verliehen und aus ihnen vielfältige, dreidimensionale Charaktere gemacht hat. Wir werden uns dann die X-Men-Ausgaben Nr. 94 bis Nr. 110 etwas genauer ansehen.

Quellen

  • Agents of Atlas. (o. D.). In Wikipedia. Abgerufen am 19. September 2017.
  • TEC2030. (2017, 02. April). Guide to Reading X-Men Comics, Blogpost | comicvine.gamespot.com
  • McBride, C. (27. September 2013). Review: X-Men: First Class, Volume 1, Blogpost | theliteraryomnivore.wordpress.com