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Geek-Planet: Ultimate Spider-Man – Ultimate Six

Die letzten Ultimate Spider-Man-Texte, die ich für meine wöchentliche Kolumne herausgesucht habe, sind stetig kürzer geworden. Doch über das Special der Ultimate Six hatte ich wohl etwas mehr zu sagen. Ich wusste gar nicht mehr genau, wie ich damals über die Geschichte dachte, deshalb war es für mich selbst überraschend, dass ich es doch eher negativ bewertet habe. Allerdings aus nachvollziehbaren Gründen. Die Rezension stammt vom 16. September 2016 und erschien damals auf meinem heute nicht mehr existierenden Blog Geek-Planet.


Die Sinister Six genießen im Spider-Man-Universum beinahe legendären Status. Ursprünglich zusammengesetzt aus Dr. Octopus, Vulture, Electro, Kraven the Hunter, Mysterio, und Sandman, begegnet uns hier eine kleine Abwandlung davon. In einem Cross-over zwischen den damals erschienenen Ultimate-Universe-Comics treffen also die Ultimates (eine alternative Version der Avengers), die Ultimate Six und Spider-Man aufeinander.

  • Ausgaben: #46 & Ultimate Six #1-6
  • Erscheinungsdatum: Nov. 2003 bis Jun. 2004
  • Autor: Brian Michael Bendis
  • Zeichnungen: Joe Quesada & Trevor Hairsine, Danny Miki
  • Colorist: Richard Isanove & Dave Stewart
  • Letters: Chris Eliopoulus

“Mr. President, we have a serious situation with Nick Fury.”

Nachdem die zukünftigen Mitglieder der Ultimate Six alle von Spider-Man besiegt wurden und Nick Fury sie eingesperrt hat, schwören sie auf Rache. Zusammen hoffen sie, dieses Ziel erreichen zu können. Dr. Octopus fungiert weiterhin als der Begründer der Initiative, unterstützt von seinem alten Boss Norman Osborn. Gemeinsam sitzen sie in einem SHIELD Gefängnis mit Kraven the Hunter, Electro und Sandman. Als sechstes Mitglied wollen sie Spider-Man dazu „überreden“, ihnen zu helfen.

Ultimate Spider-Man #46 fungiert als Prolog zum Cross-over »Ultimate Six«. In dieser Ausgabe erleben wir Agent Carter bei einer Vernehmung. Sie muss sich dafür rechtfertigen, was bei der Pressekonferenz von Hammer Industries mit Doctor Octopus passiert ist. Außerdem erfahren wir, dass sie dafür verantwortlich ist, dass Sandman aka Flint Marko auf freiem Fuß ist und Hammer Industries ihn in den Sandman verwandelt hat. Es wird sicher nicht das letzte Experiment sein, welches in den Kellern des Konzerns vergraben liegt.

SHIELD im Einsatz zu sehen ist recht spannend, vor allem wie Carter vorgeht. Ihr liegt etwas an ihren Kollegen, bringt aber auch genügend Arroganz für den Job mit. Während der Vernehmung bricht jedoch ihre Fassade und man bekommt eine verletzbarere Carter zu sehen, was eher selten der Fall ist in diesen Geschichten. Spider-Man spielt in diesem Rückblick nur eine Nebenrolle, bekommt aber witzige Einlagen geliefert und darf den Tag retten, indem er Sandman außer Gefecht setzt, genauer gesagt ablenkt.

Die Mini-Serie Ultimate Six konzentriert sich vorwiegend auf die SHIELD-Einrichtung, wo unsere Antagonisten gefangen sind. Wir begleiten sie in ihren Gruppentherapien und erleben, wie sich langsam die Idee einer gemeinsamen Initiative bildet. Allerdings muss erwähnt werden, wie ärgerlich es rückblickend doch ist, wie mit diesem Menschen umgegangen wird. Die Männer, die in SHIELDs Gefängnis sitzen, haben es sicher verdient, jedoch wird klar von Nick Fury und später von Captain America betont, dass sie in jedem Fall eingesperrt würden. Dies ist darauf zurückzuführen, dass ein Gesetz es untersagt, seinen eigenen Körper durch Mutationen zu verbessern oder umzugestalten.

Die Art und Weise, wie dies in der Reihe betont wird, ist erschreckend, da davon ausgegangen wird, Menschen, die solch ein Prozedere durchmachen, hätten von vornherein illegale und verbrecherische Absichten. Mir widerstreben solche Weltanschauungen zutiefst und es bleibt nicht nachvollziehbar, wo diese Ansichten herkommen. Vor allem deshalb, weil in dieser Welt mit Mutanten, die mit einer genetischen Modifikation geboren wurden, anders umgegangen wird. Wo liegt der Unterschied zwischen den beiden?

Abgesehen davon ist es spannend, die Geschichte zu verfolgen; wie sich die Ultimate Six schließlich begegnen. Es wäre aber sehr viel angenehmer zu verfolgen, wenn Norman Osborn etwas weniger reden würde, denn er hat die Tendenz, große und ausschweifende Monologe zu halten. Er hat auch eine gewisse Entwicklung durchgemacht, seit wir ihm das letzte Mal begegnet sind. Seine mutierte Gestalt hat er zu begrüßen gelernt und weiß damit umzugehen, was ihn gefährlicher macht als je zuvor. Doc Ock offenbart, dass er seine metallenen Arme spüren kann. Er scheint so etwas wie eine mentale Verbindung mit ihnen zu haben. Elektro und Sandman bleiben leider etwas außen vor, genauso wie Kraven, der nicht viel beizusteuern hat.

Insgesamt fehlt in der siebenteiligen Reihe die Action. Es wird viel auf ein paar der Hauptcharaktere eingegangen, aber ihre Fähigkeiten bekommen wir erst am Ende zu sehen. Doch auch da werden sie schnell außer Gefecht gesetzt, und zwar durch Iron-Man, der irgendwie mit ihren genetischen Codes arbeitet.

Spider-Man, dessen Gegner die Ultimate Six eigentlich sein sollen, geht in der Geschichte komplett unter. Wenn er einmal auftaucht, wird er durch SHIELD geführt und darf nicht mehr machen, als den Avengers dabei zuzusehen, wie sie im Feld arbeiten. Außerdem geht er sehr schlaksig mit seiner Identität um, was so gar nicht zu ihm passt. Andauernd läuft er ohne Maske herum und wird mit vollem Namen angesprochen. Dies geht komplett gegen seine eigenen Richtlinien, eine geheime Identität zu bewahren. In anderen Comics läuft Spider-Man oft selbst dann mit Maske herum, wenn ihn alle kennen.

Spannend wird es erst wieder gegen Ende, wenn Spider-Man von Norman dazu manipuliert wird, mit ihnen zu kämpfen. Leider wird dies aber schnell nichtig und er wendet sich gegen seinen früheren Mentor. Anstatt einen coolen Kampf zwischen den beiden auszufechten, taucht allerdings wie aus dem Nichts Harry auf. Normans Sohn passt so gar nicht in die Handlung hinein, da er mit keinem Wort vorher erwähnt wurde. Er fungiert nur als Deus Ex Machina und sonst nichts.

Ultimate Six hätte großes Potenzial gehabt zu zeigen, wie Spider-Man mit der geballten Kraft seiner früheren Gegner zurechtkommt und einen Weg aus der Situation findet. Vor allem deshalb wäre dies spannend gewesen, da dies eine Möglichkeit gewesen wäre zu betonen, dass Spider-Man sich eigentlich ständig zurückhalten muss. Er hat immerhin die proportionalen Kräfte einer Spinne. In den Comics kommt dieser Aspekt häufig zu kurz. Es hätte ein Dilemma für ihn sein können, wie weit er gehen kann oder muss, um die Ultimate Six zu besiegen. Doch die Geschichte wird mit zu vielen Einlagen von SHIELD und den Avengers verbaut. Sie steht sich auf eine Art selbst im Weg. Ich hoffe sehr, dass es auf ein wiederholtes Aufeinandertreffen kommt, welches dann etwas besser abläuft.

Geek-Planet: X-Men – Apocalypse

Ach, die X-Men-Filme. Über 19 Jahre haben uns diese Filme begleitet (von 2000 bis 2019). Vor Marvels erstem MCU-Film haben sie uns gezeigt, wie man nach und nach ein inhärentes Universum aufbauen könnte. Die Qualität war dabei leider nicht immer Priorität. Oft ist man zu sehr von den Geschichten aus den Comics abgewichen oder hat versucht, einen eigenen Spin zu finden. Das muss nicht unbedingt etwas Schlechtes sein (siehe Days of Future Past), ist aber stets eine Herausforderung.

Ich hätte mir gewünscht, dass man sich etwas mehr Mühe bei den Geschichten gibt. Sich näher an den Comics orientiert. In den vergangenen Jahren hat es in den Comics eine neue Ära der X-Men gegeben, die vom Genie Jonathan Hickman eingeleitet wurde: die Krakoa-Ära. Erst dadurch habe ich manche Charaktere von den X-Men so richtig kennengelernt. Wie eben den titelgebenden Charakter des Films: Apocalypse. Der Film wird dem Charakter in keiner Weise gerecht. Leider. Selbst die Geschichte Age of Apocalypse in den Comics sieht komplett anders aus, als der Film es darstellt. Ebenso funktionieren seine Kräfte anders. Sie sind sehr viel mysteriöser, unnahbarer.

Man kann nur hoffen, dass Marvel den X-Men gerechter wird, wenn sie sie ins MCU einführen. Die letzten Einträge ins MCU, seien es Filme oder Serien, lassen allerdings Zweifel aufkommen.

Wie dem auch sei; der folgende Text stammt vom 29. Mai 2016 und erschien damals auf meinem Blog Geek-Planet, den es mittlerweile nicht mehr gibt. Es ist immer wieder ein interessanter Blick in die Vergangenheit. Was ich damals über die Filme, Serien und Comics gedacht und geschrieben habe. Der Film kommt jedenfalls sehr viel besser weg, als ich es eingangs vermutet hätte. Heute würde ich sehr viel kritischer herangehen.


“Everything they’ve built will fall! And from the ashes of their world, we’ll build a better one!” – Apocalypse

Nachdem Days of Future Past das X-Men Universum quasi zurückgesetzt hat und den berühmt-berüchtigten dritten Teil von Brett Ratner ungeschehen macht, warteten viele Fans gespannt auf Brian Singers nächsten Coup. Prominent in der After-Credit-Szene angekündigt, war klar, dass es sich um nichts Geringeres, als den gottgleichen, ersten Mutanten Apocalypse selbst handeln sollte. Die Trailer waren vielversprechend gestaltet, mit fantastischen Effekten, einer tollen Rede und einer globalen Zerstörungswut, die Roland Emmerich stolz machen würden. Doch kann der Film das alles einhalten und dabei noch ein paar neue Charaktere einführen?

Fangen wir am besten bei der Geschichte an. Hier steigen wir ca. zweieinhalbtausend Jahre vor unserer Zeitrechnung ein und erleben hautnah, wie sich Apocalypse (Oscar Isaac) in einen neuen Körper transformieren möchte. Wie lange der Mutant tatsächlich schon auf der Erde wandelt, erfahren wir leider nicht, nur dass er sehr alt ist und die Fähigkeit hat, seinen Geist in einen anderen Körper zu transferieren. Praktischerweise nimmt er dabei sämtliche Mutanten-Fähigkeiten mit. Dies könnte ihn zu einem der gefährlichsten Gegner machen, dem die X-Men je gegenübergestanden sind, denn über die Jahrtausende hat er so einige Kräfte gesammelt. Unter anderem kann er die Fähigkeiten anderer verstärken, aber dazu später mehr. Dass Apocalypse eine Gefahr darstellt, haben auch schon die alten Ägypter erkannt und bei einem imposant dargestellten Putsch schließen sie den Gott unter Trümmern begraben ein, jedenfalls bis er im Jahr 2016 von Anhängern wieder befreit wird. Zurück unter den Lebenden hat er nichts von seinem Eifer verloren. Er erkennt, dass die Welt sich nicht gerade verbessert hat und macht sich auf die Suche nach seinen vier Reitern, um die Erde dem Erdboden gleichzumachen; sie in ein neues Zeitalter zu führen.

Seine vier Reiter der Apokalypse wählt er dabei mit viel Bedacht, denn sie sollen die mächtigsten Mutanten darstellen. Ob er wirklich mit so viel Bedacht vorgeht, sei mal dahingestellt, denn um ehrlich zu sein, bleiben diese zu 50 % sehr ersetzbar. Als Erstes hätten wir eine Ninja-Jedi-Kombination (Olivia Munn), deren Potenzial eher vergeudet wird. Schon besser kommt Angel (Ben Hardy) weg. Dieser wird auf coole Art eingeführt, bevor er ebenfalls in den Hintergrund rückt. Zumindest dürfen wir an ihm erleben, was Apocalypse in anderen Mutanten anstellen kann und wie er ihre Kräfte verstärkt. Die Standardflügel tauscht er durch metallische aus, die messerscharfe Klingen schleudern können. Da er sehr prominent im Trailer dargestellt wurde, habe ich mir etwas mehr von ihm erwartet; außerdem sieht er mit seinen Federn und ohne das Kostüm viel besser aus als seine seltsame transformierte Gestalt. Die Dritte im Bunde ist schon sehr viel interessanter und macht im Laufe des Filmes eine gute Entwicklung durch: Storm (Alexandra Shipp). Sie fängt als kleine Diebin in Ägypten an und wendet sich dann immer weiter den X-Men zu, als sie sieht, was für ein Monster Apocalypse tatsächlich ist.

Der vierte Reiter verdient seinen eigenen Absatz, denn hier handelt es sich um Erik »Magneto« Lensherr (Michael Fassbender). Er hat sich in den vergangenen zehn Jahren eine Familie in Polen aufgebaut und arbeitet in einer Metallfabrik. Natürlich überlebt seine Familie ihre Einführung nicht, was schade ist, da es mal eine nette Abwechslung gewesen wäre. Aber so werden sie gefridget; dienen also nichts weiter als einem story-point und der Motivation von Magneto. Um ihm dann den Rest zu geben und endgültig auf seine Seite zu ziehen, bringt ihn Apocalypse zu der Quelle all seiner Schmerzen: Auschwitz. Was folgt, ist die wohl beste Szene des Filmes. Der Gott zeigt Erik, wie er mit seinen Kräften bis ins Innere des Planeten reichen kann und dessen Magnetfeld beeinflussen kann. Seine Pein und sein Schmerz führen zur Zerstörung der gesamten Umgebung und man sitzt gebannt im Kinosessel und weiß nicht, ob man das, was einem gezeigt wird, cool finden darf. Es ist der emotionale Höhepunkt des Filmes.

Kommen wir nun zu der anderen Seite. Hier haben wir unsere altbekannten Charaktere rund um Xavier (James McAvoy): Mystique (Jennifer Lawrence), McCoy (Nicholas Hoult) und selbst Quicksilver (Evan Peters) gehören zur Stammbesetzung. Sein Auftritt in Days of Future Past war grandios und wohl die beste Sequenz des Filmes und es durfte klar bezweifelt werden, ob es den Machern gelingen würde, dies noch einmal zu wiederholen. Ohne zu übertreiben, kann ich an dieser Stelle versichern, dass sie zumindest eine sehr beeindruckende und andere Sequenz geschaffen haben. Seine Beziehung zu Magneto, er ist sein Sohn, wird kurz angerissen, doch nicht aufgelöst; wieder eine vertane Chance.

Neu bei der Garde ist Nightcrawler aka Kurt Wagner (Kodi Smit-McPhee). Er ist eine der stärksten Figuren im Film. Scott (Tye Sheridan) aka Cyclopse, wird ebenso gekonnt eingeführt wie sein Bruder. Jean Grey (Sophie Turner) darf natürlich auch nicht fehlen. Im Laufe der Geschichte dürfen alle ihre vollen Kräfte freilassen, was immer wieder beeindruckt. Wer leider nur einen Cameo-Auftritt haben darf, ist unser geliebter Hugh Jackmann als Wolverine. Er feiert demnächst in seinem dritten Solo-Film seinen Abschied und es bleibt zu hoffen, dass dieser dem Charakter gerecht wird. Immerhin wird dieser R-rated, was schon ein Schritt in die richtige Richtung ist.

Bei einem Film wie X-Men: Apocalypse darf man wohl erwarten, dass die Effekte entsprechend gut aussehen und bis auf die ein oder andere Szene tun sie dies allemal. Brian Singer und sein Team schaffen es tatsächlich, die unfassbare Macht von einem gottgleichen Mutanten wie Apocalypse greifbar oder zumindest vorstellbar zu machen. Mit einer gelungenen Kombination aus Mythos, der die Unsterblichkeit und Grausamkeit erst erläutert und nachträglichen Taten, die diesen Mythos wahrhaftig machen, bauen sie ihn gut aus. Die tolle Musik trägt ihr übriges zum Blockbuster bei. Das Einzige, was zu kurz kommt, sind ruhigere Szenen zwischen den Charakteren. Der Film hat ein hohes Erzähltempo und unsere Helden jagen von einem Action-Platz zum anderen. Zwar wird deren persönliche Geschichte klar, hier helfen die vergangenen Filme, doch gelegentlich wären weiterführende Unterhaltungen gut gewesen.

Alles in allem bietet der Film eine gute Unterhaltung und wird seinen Erwartungen, die durch die Trailer geweckt wurden, gerecht. Insgesamt würde ich ihm den dritten Platz von den drei First-Class Filmen zugestehen. Es bleibt zu hoffen, dass die folgenden Filme weiterhin auf der Qualität aufbauen können, selbst wenn der Verbleib von Brian Singer noch nicht sicher ist. Leider ist auch die Zukunft des Hauptcasts rund um Jennifer unsicher, denn deren Verträge scheinen abzulaufen. Beruhigen darf aber immerhin die Tatsache, dass sie gemeinsam eine Art Pakt geschlossen haben: Entweder werden alle vier Verträge verlängert oder keiner.

Geek-Planet: Ultimate Spider-Man – Volume 7

Wieder ist eine Woche vergangen und wir werfen einen Blick auf einen alten Text von mir. Der folgende ist am 02. September 2016 auf meinem ehemaligen Blog Geek-Planet erschienen.


Mein letztes Review zu einer Ultimate Spider-Man-Geschichte ist schon fast zwei Jahre alt und eigentlich habe ich den Blog gestartet, um eben jene Comics zu kommentieren. Nun geht es also weiter mit den nächsten sechs Ausgaben. Diese konzentrieren sich überraschenderweise sehr auf das Privatleben von Peter Parker. Einen expliziten Super-Bösewicht sucht man vergebens.

  • Ausgaben: #40 bis #45
  • Erscheinungsdatum: Juli bis November 2003
  • Autor: Brian Michael Bendis
  • Zeichner: Mark Bagley
  • Inker: Art Thibert
  • Colorist: Transparency Digital
  • Letterer: Chris Eliopoulus

“Another rule of life should be that teenage super heroes on a very fixed income should make a point of holding onto their costumes during elaborate fight sequences.” – Peter Parker

Irresponsible ist die etwas andere Spider-Man-Geschichte. In seinem letzten Kampf hat Peter sein Kostüm verloren. Dies zieht sich durch alle Ausgaben hindurch, wie ein running Gag. Brian Michael Bendis versteht es, die Tatsache immer im richtigen Moment zur Sprache zu bringen, sodass es sich nicht abnützt. Nebenbei muss sich Peter noch mit MJ auseinandersetzen. Die beiden hatten miteinander Schluss gemacht und müssen jetzt einen Weg finden, gut zu koexistieren. Natürlich darf auch Peter Parkers alter Ego Spider-Man nicht zu kurz kommen. In einer benachbarten Schule treibt ein neuer Mutant sein Unwesen und Tante May kommt dem Geheimnis ihres Neffen gefährlich nahe.

Vollgepackt geht es also weiter mit den Abenteuern unseres liebsten Helden. Da die Action nun etwas kürzer kommt, konzentriert sich vieles, was geschieht, auf kleine Momente, die gefüllt sind mit herausragenden Dialogen. So zum Beispiel in den schüchternen Unterhaltungen zwischen MJ und Peter, die sich nach einem Streit doch wieder näher kommen. Es ist schön den beiden zuzusehen, wie sie ihre Probleme aus den letzten Geschichten ausräumen können. MJ hat sogar angefangen, ein neues Kostüm für Peter zu machen. Nur die Größe kann sie noch nicht so ganz einschätzen.

Apropos. Die lustigsten Szenen sind diejenigen, in denen Peter versucht, sich irgendwoher die Stoffe und Dinge zu besorgen, aus denen er dann sein Kostüm herstellen kann. Ich frage mich, wie er sein erstes Kostüm gemacht hat und warum er das nicht einfach wiederholt. Aber gut, dass er es nicht macht, ansonsten hätten wir keine improvisierten Kleidungsstücke zu Gesicht bekommen, mit denen man sogar bei einer Comic Con ausgelacht würde.

Als kleiner Gegner tritt Geldoff auf, der mit seinen Gedanken Dinge explodieren lassen kann. Doch er hat keine bösen Absichten, sondern ist lediglich verwirrt und muss geleitet werden. Genau dies versucht Peter und scheitert bravourös. Seine Versuche sind aber sehr ehrenwert und von ehrlicher Natur. Da es sich bei Geldoff aber um so etwas wie einen Mutanten handelt, kommt ihm eine gewisse Gruppe zu Hilfe. Doch die Begegnung mit Prof. Xavier läuft nicht ganz so wie erhofft und Peter muss erneut lernen, dass man seine Idole besser nicht kennenlernen sollte – man wird nur enttäuscht. Ultimate Spider-Man weiß erneut voll und ganz zu überzeugen. Dialoge, die sich nicht nur glaubhaft und natürlich anfühlen, sondern den Charakteren mehr Tiefe verleihen, machen Freude beim Lesen und gehören ganz klar zu den großen Stärken eines Brian Michael Bendis. Natürlich dürfen auch die fantastischen Zeichnungen von Mark Bagley nicht unerwähnt bleiben. Die Mimik und Gestik sind einfach schön anzusehen und die Farben machen ihr übriges, um eine bunte Welt rund um Spider-Man zu kreieren.

Geek-Planet: Ultimate Spider-Man – Volume 6

Wie jeden Donnerstag werfen wir heute erneut einen Blick in die Vergangenheit, auf einen alten Text von mir. Der folgende, zur sechsten Collected Edition von Ultimate Spider-Man, erschien am 30. Dezember 2014 auf meinem damaligen Blog Geek-Planet. Da es diesen nicht mehr gibt, ich allerdings meine Texte an einem Ort versammelt haben möchte, gibt es regelmäßig redigierte Versionen dieser alten Texte nun auch hier zu lesen.

Redigiert deswegen, weil sich damals durchaus ein paar Fehler eingeschlichen haben. Manche Formulierungen sagen mir heute nicht mehr zu oder sind unnötig kompliziert. Ich neige gerne zu längeren Sätzen, da kann man sich im Eifer des Gefechts etwas verhaspeln. Peinlich wird es vor allem dann, wenn Namen falsch geschrieben sind. Was bei folgendem Text zum Glück nicht der Fall war.


Endlich gibt es das lang ersehnte Aufeinandertreffen der beiden Erzfeinde: Venom und Spider-Man. Sie begegnen sich in dieser Ausgabe das erste Mal und wer bisher nur die Ursprungsgeschichte des schwarzen Aliens kennt, die in einem nicht allzu guten Film erzählt wurde, wird hier auf eine Überraschung stoßen. Brian Michael Bendis hat sich für ihn nämlich etwas Besonderes einfallen lassen.

“Just because you’re Spider-Man doesn’t mean you have to be Spider-Man every single second of every single day.” – Nick Fury

Bei der letzten Geschichte war das Grundthema die öffentliche Wahrnehmung von Spider-Man und wie er damit umgeht – auch wenn er noch keine Lösung gefunden hat. Dieser Ausgabe würde ich das Thema Freundschaft zuordnen. Peter findet im Keller seiner Tante einen kleinen, abgegrenzten Raum und dort hat sie all die Jahre die Sachen seiner Eltern aufbewahrt, bis er einmal alt genug sein würde, um sie zu übernehmen. Dies hat mich sehr an die neuen Filme mit Andrew Garfield erinnert und ich bin gespannt, was in den Comics noch von seinen Eltern auftauchen wird.

Es ist eine bewegende Szene, wie Peter und seine Tante ein altes Video ansehen, auf dem die ganze Familie zu sehen ist. Mark Bagley gelingt es herrlich, die jüngeren Versionen der Charaktere darzustellen, auch wenn man mit den unbekannten Gesichtern etwas durcheinander kommen kann. Dieses Video nimmt Peter zum Anlass, seinen ehemaligen besten Freund Eddie Brock zu Besuchen und die Dinge nehmen ihren Lauf.

Der Autor Brain Michael Bendis lässt sich mit dem Aufbau seiner Geschichten viel Zeit. Damit bekommt man als Leser*in genug Zeit, sich mit den neuen Charakteren auseinanderzusetzen – sie besser einzuschätzen und ihre Motive zu verstehen. Die Idee, dass der Symbiont Venom eigentlich von Peters und Eddies Vätern geschaffen wurde, um Krebs zu heilen und hier nur „the suit“ genannt wird, finde ich spannend. Natürlich kommt zuerst Peter in die Verlegenheit, den Anzug ausprobieren zu dürfen. Diese intensiven, kurzen Szenen strotzen nur so von der Aggressiven und frontalen Konfrontationshaltung, die der Anzug einem verleiht.

Als schließlich die beiden späteren Erzfeinde aufeinandertreffen, wirkt Venom dynamisch und seine Auswüchse scheinen geradezu zu pulsierend und selbstständig zu agieren. Eine tolle Darstellung des Künstler Bagley.

Die einzelnen Ausgaben der Geschichte beinhalten erneut viele Monologe, die von unterschiedlichsten Personen gehalten werden und sind entweder bewegend oder regen zum Nachdenken an. Bendis versteht es ausgezeichnet, solche Texte zu schreiben und ich freue mich immer wieder darauf. Etwas überraschend ist allerdings, wie viele Menschen mittlerweile über Peters Geheimnis bescheid wissen. Darunter sind nicht nur Nick Fury und Mary Jane, sondern ebenso Eddie Brock und Curt Conners. Es bleibt in jedem Fall spannend und die letzte Szene deutet eine ungewöhnliche Freundschaft an, die in den nächsten Abenteuern eine größere Rolle spielen könnte.

Geek-Planet: Ultimate Spider-Man – Volume 5

Heute schauen wir uns in Geek-Planet eine Rezension vom 23. Dezember 2014 an. Diese erschien damals auf meinem gleichnamigen Blog. Die Texte sollen hier, auf meiner neuen Webseite, ebenfalls abgebildet werden, daher kommt jeden Donnerstag ein neuer dazu. Dieses Mal geht es um die fünfte Collected Edition von Ultimate Spider-Man. Diese umfasst die Ausgaben 28 bis 32, nur der Vollständigkeit halber, weil ich es damals versäumt habe, im Text zu erwähnen.

Es ist erneut eine sehr kurze Rezension, fasst den Inhalt allerdings gut zusammen und macht Lust darauf, den Comic zu lesen. Immerhin ist es nicht nur 10 Jahre her, seit ich den Text geschrieben habe, sondern auch den entsprechenden Comic dazu. Mein vergangenes Ich macht mir also durchaus Appetit auf die Geschichte. Es muss nicht immer alles zu Tode diskutiert und analysiert werden. Manchmal kann eine gute Geschichte einfach nur für sich stehen.


Wie der Titel Public Scrutiny der fünften Ausgabe von Ultimate Spider-Man verrät, muss sich unser Held dieses Mal der »öffentlichen Kontrolle« unterziehen. Doch nicht nur das macht Peter das Leben schwer, auch die Beziehung zu Mary Jane wird auf eine harte Probe gestellt.

“Congratulations whoever you are, you knocked the wind right out of me. Doc Ock, the Kingpin, the Green Goblin and nothing sucked the life right out of me like you did.” – Peter Parker

Nach den großen Bösewichten, mit denen er in letzter Zeit zu tun hatte, muss Peter dieses Mal zusehen, wie sein Ruf von einem Doppelgänger vernichtet wird. Um das zu bewerkstelligen, überfällt dieser unter anderem Banken und Geldtransporter. Brian Michael Bandis (Autor) und Mark Bagley (Zeichner) schaffen es wunderbar, die Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit, die Peter der Situation gegenüber empfindet, greifbar zu machen. Er fühlt sich schlicht mit der Aufgabe überfordert und weiß nicht so recht, wie er damit umgehen soll. Zu allem Überfluss wird er auch noch angeschossen und muss sich als anonymer Patient in einem Krankenhaus behandeln lassen.

Auch die Darstellung der Öffentlichkeit, hauptsächlich in Form von Polizisten, aber auch ein paar Passanten, finde ich gut getroffen. Sie wissen ebenfalls nicht, wie sie mit einem kriminell gewordenen Spider-Man umgehen sollen, was meist in aggressiver Lösungsfindung endet. Das heißt, man schießt erst einmal darauf und sieht dann, was passiert. Auch für J. Jonah Jameson ist es natürlich ein gefundenes Fressen und er stürzt sich gleich in die Story. Auf der Rückseite der Collected Edition ist dies wunderbar mit dem Satz „Guilty until proven innocent“ zusammengefasst.

Peter kämpft ständig darum, eine gut funktionierende Formel zu finden, um sein Privatleben und sein Superhelden-Dasein unter einen Hut zu bringen. So richtig mag ihm das allerdings nicht gelingen. Als er sich dann angeschossen in einer Mülltonne versteckt, ruft er verzweifelt Mary Jane um Hilfe an und haucht nur „help me“ in das Telefon. Später ist es dann ausgerechnet eine S.H.I.E.L.D.-Agentin, die ihn wieder halbwegs aufbaut.

Etwas schade finde ich, dass die tatsächlichen Beweggründe des Doppelgängers etwas im Dunkeln bleiben, außer er war wirklich nur an Geld interessiert und hatte keine höheren Motive wie die vorherigen Gegner. Man kann es aber durchaus als eine willkommene Abwechslung interpretieren.

Geek-Planet: Ultimate Spider-Man – Volume 4

In der heutigen Ausgabe von Geek-Planet sehen wir uns meine alte Rezension zur vierten Collected Edition von Ultimate Spider-Man an. Der Text erschien am 07. September 2014 auf meinem gleichnamigen Blog, den es heute nicht mehr gibt. Aber die Texte sollen ja nicht verloren sein, daher gibt es jeden Donnerstag einen Text aus der alten Zeit – ganz nach dem Motto: Throwback Thursday.

Ich bin immer wieder überrascht, wie kurz ich mich damals gefasst habe, als es um Rezensionen der Spider-Man-Comics ging. Es ist nicht unbedingt etwas Schlechtes. Kurz und knapp habe ich die positiven und negativen Aspekte der Geschichte zusammengefasst. Wobei ich manchmal etwas zu viel Vorwissen vorausgesetzt habe. Allerdings widmet sich ein Blog, in dem es (fast) ausschließlich um Comics geht, auch an ein sehr spezifisches Publikum. Es ist ein schmaler Grat und nicht immer habe ich ihn zu wandern gewusst. Aber das dürften die geneigten Leser*innen bewerten.


Spider-Man ist zurück! Zumindest an dieser Stelle. Nachdem mich ein gewisser Onlinehändler immer wieder mit späteren Versanddaten gehänselt hat, habe ich die Ausgabe nun anderswo bestellt. Am Freitag hielt ich Volume 4 schlussendlich in Händen und konnte kaum erwarten, anzufangen zu lesen. Immerhin sieht das Cover-Bild fantastisch aus und macht Lust auf den nächsten Showdown zwischen dem jungen Parker und dem grünen Goblin.

“What´s going on is– I own you!” – Norman Osborn

Die Geschichte trägt den passenden Titel Legacy. Man spürt wahrlich die psychopathischen und größenwahnsinnigen Triebe, von denen Norman Osborn gesteuert wird. Dabei beginnt alles so friedlich und Brian Michael Bendis, der Autor, fängt damit an, die Geschichte langsam einzuleiten und dann immer weiterzutreiben, bis der Siedepunkt erreicht ist. Es sind nicht nur die Dialoge, die stillen Momente oder die Drohungen und Ratschläge, die ausgesprochen werden; in Verbindung mit den fantastischen Zeichnungen von Mark Bagley ist es wieder eine herausragende Geschichte geworden, die ich nur wärmstens empfehlen kann.

Auffällig ist, dass es in Akt 1 der Geschichte, in der neue Charaktere eingeführt werden bzw. alte zurückkehren, bei jedem Kapitel einen großen Monolog gibt. Diese passen einfach wunderbar. Der Erste zum Beispiel ist ein innerer Monolog von Peter, während er von der Schule aus zurück nach Hause springt und schwingt. Es geht dabei um die Sorgen und Ängste, die ihn beschäftigen, da Harry und sein Vater wieder zurück in der Stadt sind.

Der zweite Monolog ist eines der Höhepunkte. Peter wurde zu den Osborns eingeladen und Norman möchte allein mit ihm in seinem Büro sprechen. Wenn man die Vergangenheit der beiden betrachtet, ist das nicht gerade ein sehr reizvoller Gedanke. Von der Szene in dem Büro kann ich einfach nur schwärmen. Das Setting in dem dunklen, kalten Raum, die Mimik und Gestik der beiden während des Gesprächs; alles erzeugt eine unfassbare Spannung und dichte Atmosphäre.

Zu guter Letzt darf Nick Fury seine Rede halten. Ja, ganz recht, der Colonel höchst persönlich besucht Parker in der Schule und hält einen nicht gerade aufbauenden Monolog. Hier werden die typischen Klischees ausgesprochen, die in keiner Geheimagentenszene fehlen dürfen: „I am not here.“, „…we technically don´t know that.“, und so weiter. Aber Bendis versteht es, die Szene am Ende mit einem kleinen lustigen Spruch aufzuheitern, aber trotzdem merkt man beim Lesen, wie der kleine Held tiefer in den Abgrund rutscht und alles um ihn herum gegen ihn zu stehen scheint.

Nachdem alle Charaktere entsprechend eingeführt wurden, kann die Geschichte dann so richtig losgehen und am Ende steht natürlich ein spektakulärer Kampf zwischen einem grünen Monster und der kleinen Spinne an. Über den Dächern der Stadt, natürlich.

Als Fazit kann ich nur sagen, dass es nach so langer Pause gutgetan hat, wieder einen Ultimate Spider-Man Comic zu lesen. Er hat sehr viel Spaß gemacht und das Universum wird Stück für Stück weiter ausgebaut und den Protagonisten, als auch den Antagonisten werden mehr Tiefe zugestanden, womit man sich noch leichter darin verlieren und mitfühlen kann.

Geek-Planet: Ultimate Spider-Man – Volume 3

Blicken wir zurück auf den 13.07.2014. Da erschien die folgende Rezension auf meinem damaligen Blog »geek-planet«, den es mittlerweile nicht mehr gibt. Ziel dieses ersten Blogs von mir war es, so viele Spider-Man-Comics wie möglich zu lesen. Passend dazu erschienen dann Rezensionen. Das habe ich dann über die Jahre auf alle möglichen Medien ausgeweitet. Heute soll es aber um die dritte Collected Edition von Ultimate Spider-Man gehen.

Auch wenn ich die „normale“ Spider-Man-Reihe sehr schätze, fand ich Ultimate Spider-Man schon immer reizvoll. Es bietet sehr Potenzial, neue Dinge auszuprobieren. Es ist eben nicht Teil des großen Marvel-Universums, sondern spielt in seiner eigenen Nische. Mit eigenen Regeln und eigenen Interpretationen der Charaktere. Es ist quasi alles denkbar. Der Reihe haben wir unter anderem Miles Morales zu verdanken, aber es dauert noch ein wenig, bis wir zu ihm kommen.

Seit ein paar Monaten gibt es nach jahrelanger Pause wieder ein Ultimate-Universum. So wie es aussieht, machen sie nur mehr vom Klassischen. Ich muss mir allerdings erst selbst noch irgendwann ein Bild davon machen. Das Prinzip ist ja, dass jede*r unter der Maske stecken könnte. Sie tasten sich zwar mit Spider-Verse und anderen Interpretationen immer wieder vor, bleiben aber hinter meinen doch hohen Erwartungen zurück. Wie dem auch sei, heute geht es erst einmal um die frühen Anfänge von Ultimate Spider-Man.


Da mich Ultimate Spider-Man – Volume II so sehr begeistert hat, konnte ich gar nicht abwarten, mit Teil III weiterzumachen. Ich muss allerdings gestehen, dass diese Ausgabe das Niveau ganz halten kann. Nach einem guten Anfang lässt die Story in der Mitte etwas nach, um zum Schluss noch einmal volle Fahrt aufzunehmen. Ich bin mir nicht sicher, woran das liegt, aber vielleicht finde ich es beim Schreiben dieses Reviews heraus.

  • Die vorliegende, englische Collected Edition von Volume III (Double Trouble) beinhaltet die Ausgaben #14 bis #21.

Das Heft nimmt die Handlung des ersten Teils wieder auf: Octavius erwacht aus einem drei Monate andauernden Koma, nur um festzustellen, dass er sich in einem geheimen Stützpunkt, einer geheimen Organisation befindet. Zu diesem Zeitpunkt erfahren die Leser*innen, warum Octavius eine Sonnenbrille trägt. Ich muss gestehen, dieses Detail nur am Rande wahrgenommen zu haben. Außerdem wird ihm mitgeteilt, dass seine unterstützenden Metall-Arme mit seiner Haut und seinem Nervensystem verbunden sind. Hier bin ich dann im Laufe der Geschichte etwas stutzig geworden, denn seine Arme sind mit ihm verschmolzen und damit auch eine Art Metallplatte, auf der diese befestigt sind. Die Personen, die ihn festhalten, weigern sich, das alles zu entfernen. Theoretisch dürfte es also möglich sein, ihn aus der Situation zu befreien. Warum dies nie gemacht wird, besonders nachdem sich herausstellt, dass er wahnsinnig ist, finde ich wieder etwas unschlüssig, aber gut – soll eben so sein. Trotzdem ist das Design der Metallplatte später etwas anders als noch zu Beginn. Hier hätte es vielleicht gut getan, sich gleich von Anfang an auf ein Design festzulegen. Oder aber man erklärt kurz, dass damit ebenso ein paar Verbesserungen einhergehen.

Trotzdem muss ich Mark Bagley zugutehalten, dass das Aussehen und die Darstellung von Octavius hervorragend sind. Vor allem mit dem Verband, den Otto am Anfang tragen muss, sieht er unheimlich aus. Es ist nie ganz klar, ob nicht doch seine Metall-Arme für ihn sehen oder etwas spüren können. Außerdem halte ich die Idee für cool, dass die Armen äußerst anpassungsfähig sind. Je nachdem, was gerade benötigt wird, transformieren sie sich zu Greifern oder Elektroschocker. Die Einbindung einer Schusswaffe finde ich allerdings etwas übertrieben (Stichwort: Munition und so weiter).

Der zweite Gegner, mit dem Peter Parker es zu tun bekommt, ist Kraven the Hunter. Dieser wird gleich bei seinem ersten Auftritt als kalter Killer dargestellt. Er droht sogar live im Fernsehen Spider-Man zu jagen und mit seinen bloßen Händen töten zu wollen. Das war beispielsweise einer der Momente, den ich nicht gebraucht hätte. Es ist schon sehr over-the-top. Vor allem müsste doch die Polizei oder Anwälte einschreiten, wenn plötzlich jemand eine Menschenjagd veranstalten will. Insofern ist es am Ende ganz zufriedenstellend, dass Spider-Man ihn so richtig vorführt und zeigt, dass nichts hinter der Drohung steckt.

Neben diesen großen Gegnern hat Spider-Man noch mit ein paar kleinen Schwierigkeiten zu kämpfen. Ich möchte hier nicht genauer verraten, um was es geht. Wiederum sind es allerdings die Peter-Mary-Momente, die am stärksten sind. Bei den Szenen mit den beiden merkt man, mit wie viel Gefühl diese Charaktere geschrieben sind. Dies liegt unter anderem an den hervorragend gezeichneten Gesichtsausdrücken. Die Darstellung der beiden ist einfach umwerfend. Dies gekoppelt mit den fantastisch geschriebenen Dialogen von Bendis, macht diese Momente besonders fesselnd.

Vielleicht empfinde ich deshalb den mittleren Teil als etwas schwächer, da sehr viel Hintergrund erzählt wird. Außerdem werden Motive und Handlungen von Figuren erklärt, um diese besser nachvollziehen zu können. Das drosselt natürlich das Erzähltempo. Von daher war es rückblickend vielleicht doch kein so schlechter Teil. Meine Erwartungen waren eventuell nur die falschen.

Ein Thema möchte ich noch erwähnen: Peter wird in seinen ersten Kämpfen ziemlich fertig gemacht. Als Leser tat es mir zum Teil schon weh, nur zusehen zu müssen. Später denkt Peter sogar darüber nach, das Kostüm an den Nagel zu hängen. Diese Situation fasst er selbst wunderbar zusammen. Auf jeden Fall unterbreitet ihm Mary-Jane den Vorschlag, einen Kampfsport-Kurs zu besuchen. Er ist dem Gedanken nicht gerade abgeneigt, kommt allerdings nicht mehr dazu. Ich würde es sehr cool finden, wenn Peter Parker zum echten Kampf-Profi ausgebildet wird. Es ist allerdings eher unwahrscheinlich, dass dies eingebaut wird.

Geek-Planet: Ultimate Spider-Man – Volume 2

Weiter geht es mit unserer Reise durch das Ultimate Universum von Spider-Man und dem zweiten Trade Paperback. Den folgenden Text habe ich zum ersten Mal am 12.07.20214 auf meinem damaligen Blog »geek-planet« veröffentlicht. Witzigerweise habe ich dieses Jahr ebenfalls in der Woche vom 12. Juli Urlaub. Immer diese Zufälle.


Da ich gerade Urlaub habe, habe ich mir gleich die nächste Ausgabe von Ultimate Spider-Man geschnappt und gelesen. Und was soll ich sagen? Diese hat mich gleich wieder gefesselt und in das Universum von Spider-Man entführt – vielleicht sogar noch mehr als die Erste.

Die vorliegende, englische Collected Edition von Volume II: Learning Curve beinhaltet die Ausgaben #8 bis #13.

Auch in diesem Heft werden wieder jede Menge neuer Charaktere eingeführt. Rückblickend empfinde ich es als etwas schade, dass keine Handlungsstränge des ersten Heftes Erwähnung finden. Der Green Goblin oder alles rund um Oscorp hätte sich angeboten, aber das tut der Geschichte keinen Abbruch.

Wie erwähnt, stand die vorherige Ausgabe eher unter dem Banner von Oscorp. Diese könnte man unter dem Banner vom Kingpin stellen. Als großer Fan dieses Charakters freut es mich natürlich sehr, dass er so früh in das Universum eingeführt wird. Ich hoffe, er agiert noch öfter aus dem Hintergrund und zieht die Strippen – Immerhin ist er der King of Crime in New York.

Gleich das erste Panel, in dem der Kingpin gezeigt wird, veranschaulicht seine ungeheure Masse. Er überragt alles und jeden. Später wird Spider-Man einmal neben seinem Bürostuhl dargestellt und er wirkt einfach nur lächerlich winzig im Vergleich zu dem Möbelstück. Beim Kampf zwischen Spider-Man und dem Kingpin wird allerdings auch klar, dass es sich hier eher um Muskelberge als reines Fett handelt – auch wenn unser Held hier ein paar wirklich gute Witze abliefert, wie Fett Wilson Fisk (so der bürgerliche Name vom Kingpin) doch sei.

Ein weiterer Höhepunkt ist die Beziehung zwischen Peter und seiner Tante May, die auch eine interessante Entwicklung durchmacht. Ich möchte hier nicht zu viel verraten, aber Peters Handeln und seine vielen selbst auferlegten Verpflichtungen haben Konsequenzen. Da macht es ihm der Job als Web-Designer (Web, Spinne, Spider-Man – ich hör’ schon auf) beim Daily Bugle natürlich nicht sehr viel einfacher, auch wenn es eine gute Informationsquelle für ihn ist.

Eine weitere Beziehung, die im Mittelpunkt steht, ist selbstverständlich die von Peter und Mary-Jane. Vom ersten Versuch eines Dates, der leider scheitert, bis zur großen Offenbarung, sind hier alle Tücken eines Teenagers vertreten – unter anderem ein sehr peinliches, für den Leser natürlich super lustiges, Gespräch zwischen Peter und seiner Tante über Sex.

Und natürlich darf die hervorragende Zusammenarbeit zwischen Bendis und Beglay nicht unerwähnt bleiben. In diesen Ausgaben fällt sie wieder besonders positiv auf. Viel mehr, wie ich finde, als noch im ersten Heft. So können die beiden zwar schnell bei Kampfsequenzen das Erzähltempo anpassen, aber bei langsamen, gefühlvolleren Szenen bremsen sie das Tempo herunter. Es scheinen nur mehr Augenblicke dargestellt zu werden – dabei ändert sich in den Panels teilweise bloß die Mimik der dargestellten Person. Diese Übergänge wirken sehr natürlich und passend und führten bei mir nur dazu, dass ich mich tiefer in die Geschichte hineingezogen fühlte.

Die Darstellung, als Peter Mary-Jane die Wahrheit erklärt, erstreckt sich über das gesamte letzte Kapitel und ist einfach fantastisch. Wie Bendis und Bagley mit nur zwei Figuren und einem einzigen Handlungsort spielen und dramatische, lustige und aber auch intime Momente darstellen, hat mich sehr fasziniert.

Geek-Planet: The Walking Dead Book 2

Wie jeden Donnerstag blicken wir auch heute etwas in die Vergangenheit, als ich noch einen Blog namens »geek-planet« hatte. Der folgende Text stammt vom 12.10.2015, als ich mich intensiv mit The Walking Dead auseinandergesetzt habe. Ich habe die Serie und die Comics parallel angeschaut bzw. gelesen; dadurch wollte ich die unterschiedlichen Herangehensweisen unter die Lupe nehmen. Am Ende war das sehr verwirrend, muss ich sagen, weil alles irgendwie ineinander floss. Doch davon wusste ich bei Buch 2 der Hardcover-Editionen noch nichts.

Der letzte Walking Dead Artikel, den ich herausgesucht hatte, liegt schon ein paar Monate zurück, deshalb dachte ich mir, wir nehmen diese etwas mehr in die Rotation. Spider-Man und The Walking Dead wird sicher eine interessante Mischung.


Der schnelle Wechsel zwischen Comic und Serie zeigt seine ersten Nachwirkungen und ist mir mit diesem Buch so richtig bewusst geworden. Beide Medien legen zwar ihre Schwerpunkte auf die Charaktere, doch es gibt auch große Unterschiede, was dazu führt, dass jedes Team seine eigene Dynamik hat. So empfinde ich das Serien-Team als deutlich angespannter, getrennter und das Comic-Team mehr als eine Einheit.

  • Autor: Robert Kirkman
  • Zeichner: Charlie Adlard
  • Grautöne: Cliff Rathburn
  • Letterer: Rus Wooton
  • Erstveröffentlichung: 2007
  • Ausgaben: #13 – #24

„Don’t you get it? We ARE the walking dead!“ – Rick

In dem Buch gibt es wieder zwei Kapitel. Sie tragen die Titel »Safety behind bars« und »The heart’s desire«. Es spielen beide davon im Gefängnis und wie es aussieht, werden wir auch noch eine Zeit lang dort verweilen. Dadurch wurde mir bewusst, warum dieser Ort in der Serie so einen zentralen Punkt darstellt. Es ist eine faszinierende Basis für einen ausgedehnten Handlungsstrang, der viel Potenzial für spannende Geschichten birgt. Die einzelnen, voneinander abgeriegelten Blocks, alle möglichen versteckten und verwinkelten Räume, außerdem enthält er eine Bibliothek, einen riesigen »Garten« und einen Generator. Anders als im ersten Buch auf der Farm scheinen wir hier nicht zu einem Punkt zu kommen, wo wir einen Zeitsprung machen, sondern im Detail mitbekommen, was sich abspielt und wie sich die Gruppe weiterentwickelt.

Anfangs sind sie noch eine große Familie, die gemeinsam im RV übernachtet, doch nach und nach zerschlägt sich die Gruppe in einzelne Fragmente. Diverse vorschnelle Entscheidungen zeigen erste Konsequenzen und das liegt nicht nur an der Führungsposition von Rick. So entfernen sich zum Beispiel Glenn und Maggie immer weiter von den anderen und genießen ihre junge, frische Liebe (ich hoffe ehrlich, dass die beiden noch länger zu leben haben, besonders, da die Szenen so liebevoll gestaltet sind).

Es hilft der Gruppe nicht, dass sie vier neue Mitglieder ins Team bekommen, die eine potenzielle Bedrohung darstellen. Dann geschehen noch grausame Morde an den beiden Zwillingen. Dexter ist zwar zu offensichtlich nicht der Täter, doch dass er sich später als Revolutionär versucht, hatte ich nicht erwartet. So ist dann ausgerechnet Axel, derjenige, der sich am besten in die Gruppe eingliedert, auch wenn er weitgehend ein Außenseiter bleibt. Er könnte sich zu einem wertvollen Teil des Teams entwickeln und Hershel hilft er beim Ackerbau.

Rick driftet immer weiter in eine Psychose ab und man merkt ihm deutlich die Last an, die er zu tragen hat. All die Entscheidungen, die er für alle treffen muss, der Druck um das kommende Baby, alles treibt ihn dazu hin, einen Mord zu begehen und Allen ein Bein zu amputieren – auf wirklich grausame und billige Art und Weise (selbst ich wüsste, dass ich vor dem Abtrennen zumindest das Bein abbinde und nicht einfach mit der Hacke darauf einprügle). All das gipfelt in einer gewaltigen Auseinandersetzung mit Tyreese. Am Ende hat er sogar einen Blackout und ist für über 25 Stunden außer Gefecht.

Während seiner Abwesenheit trifft die Gruppe eine Entscheidung, die ich ehrlicherweise nicht erwartet hätte: Sie wählen keinen neuen Anführer, sondern ein Komitee, das sich immer gemeinsam beraten und dann die Entscheidungen treffen soll. Auch wird angesprochen, dass sich keine Frauen darin befinden. Die Ausrede, dass keine wollte, finde ich zwar etwas an den Haaren herbeigezogen, denn Andrea hätte sich angeboten, doch damit müssen wir uns erst einmal abfinden.

In der Serie sind wir noch weit davon entfernt, so etwas wie eine demokratische Struktur aufzubauen, immerhin hat Rick dort gerade erst eine Diktatur ausgerufen (ähnlich wie der Imperator bei Star Wars das galaktische Imperium ausruft, nur nicht ganz so subtil). Mal sehen, wie die Entscheidungen ausfallen, denn wenn es Schlag auf Schlag kommt, haben sie nicht viel Zeit sich zu beraten, dann kommt es darauf an, wer sich durchsetzen kann.

Es sind ähnliche Motive in beiden Medien zu erkennen. Zum Beispiel wird im Comic das Thema Hinrichtung angesprochen, auch wenn es nicht so beeindruckend und emotional dargestellt wird, wie in der Serie. Dies ist mir schon in der zweiten Staffel aufgefallen: es gibt zwar immer wieder größere Diskrepanzen zwischen der Vorlage und der Serie, die wichtigen, prägenden Unterhaltungen und Aussagen bleiben aber erhalten. Teilweise werden sie von anderen Personen getätigt, zu denen es dann besser passt, aber mir gefällt die Treue, die die Autoren an den Tag legen.

Visuell weiß der Comic wieder zu beeindrucken. Besonders das »Schauspiel« der Charaktere ist immer wieder faszinierend zu beobachten. Durch punktgenaue Darstellung hat man das Gefühl immer zu wissen, was in ihnen vorgeht. Die Kulissen, wenn man so will, können allerdings ebenso überzeugen und bestechen durch den intensiven, düsteren, Gefängnis-Look. Es wird viel mit Schwarz gearbeitet und mit dunklen Schattierungen – es wirkt beinahe Klaustrophobisch.

Es erhöht die Spannung der Geschichte deutlich und mein Blick flog nur so über die Sprechblasen und Panels hinweg, da ich unbedingt wissen wollte, wie es weitergeht. Ein Punkt, den ich schon bei früheren Comics erwähnt hatte, ist, dass man sich teilweise zusammennehmen muss und innehalten, um die großartigen Zeichnungen zu genießen. Besonders im zweiten Kapitel gibt es vermehrt doppelseitige Panel-Strukturen und eine markante, ebenfalls doppelseitige Darstellung während des Kampfes zwischen Rick und Tyreese. Hier zeigt sich das ganze Talent der Künstler. Die Mimik und Brutalität, das Spiel mit den Schattierungen, einfach alles an dem Bild gefällt mir. Jetzt noch der Titel in eine Ecke und man könnte es als Poster aufhängen.

Einziger Nachteil bei schwarz-weißen Zeichnungen ist, dass man tendenziell nicht weiß, wann es wirklich dunkel ist oder wann es beginnt, Nacht zu werden. So muss dies über die Unterhaltungen wiedergegeben werden, was manchmal gut eingebaut wird, teilweise aber etwas zu offensichtlich. Es kann einen aus der Geschichte reißen. Beide Kapitel waren allerdings gelungene Fortsetzungen von »The Walking Dead«.

Geek-Planet: The Amazing Spider-Man – Flashbacks

In der heutigen Ausgabe von geek-planet beschäftigen wir uns mit der letzten The Amazing Spider-Man-Ausgabe, über die ich auf meinem damaligen Blog geschrieben habe. Nicht, dass ich noch genug Texte zu Superior Spider-Man, Ultimate Spider-Man oder anderen Reihen hätte, aber TASM findet mit diesem Review, welches ich am 08. Juli 2016 zum ersten Mal veröffentlicht habe, ihr Ende. Und es ist eine interessante Ausgabe, die den titelgebenden Helden völlig in den Hintergrund stellt.

Die vergangenen Wochen, in denen ich diese Comic-Reihe wieder aufleben ließ, haben mich dazu inspiriert, mir die darauf folgenden Ausgaben auf mein iPad zu laden. Vielleicht finde ich ja die ein oder andere Gelegenheit, weiterzulesen und darüber zu berichten. Wer weiß.


Bereits auf der ersten Seite dieser Spider-Man-Ausgabe wird deutlich, dass es sich hier um etwas Besonderes handelt. Nicht Spider-Man steht im Vordergrund, sondern Flash Thompson. Wer nun aber denkt, dass dies eine Geschichte über ihn und seinen Symbionten Venom wird, könnte nicht weiter daneben liegen. Es ist eine Ausgabe, die ein Thema anspricht, welches man nun nicht gerade in einem Spider-Man-Comic erwartet hätte.

  • Ausgabe: #574
  • Autor: Marc Guggenheim
  • Zeichner: Barry Kitson
  • Inker: Mark Farmer
  • Farben: Studio F’s Antonio Fabela
  • Letterer: VC’s Cory Petit

“I don’t need a medal, Sir. Not to remind me to do the right thing…” – Flash Thompson

Doch welche Geschichte könnte man stattdessen mit Flash erzählen? Wie wir schon in den vergangenen Ausgaben gesehen haben, ist er ein vielseitiger Charakter. Hier stellen die Autoren allerdings einen besonderen Aspekt von ihm ins Zentrum: Seine Vergangenheit beim Militär. Die erste Seite zeigt ein Panel, wo er bereits älter ist und der Text darunter beschreibt seine bisherige Laufbahn und wie er zum Militär gekommen ist. Es leitet wunderbar in die folgende Episode ein:

Flash liegt im Krankenhaus, frisch aus einem Einsatz im Irak zurück und bekommt Besuch von einem General. Dieser stellt ihm einige Fragen zu seinem Leben und besonders zu seinem letzten Einsatz, da ihm dafür die Medal of Honor verliehen werden soll. Anfangs bekommen die Leser*innen einen guten Einblick in die Persönlichkeit von Flash, wie er aufgewachsen ist und warum er so ein großer Fan von Spider-Man ist. Dann wechselt die Story in den Irak und man bekommt durch seine Erzählungen hautnah den Einsatz mit und was dabei vorgefallen ist.

Dies ist tatsächlich eine Ausgabe, in der Spider-Man komplett in den Hintergrund rückt und nur in einzelnen Panels auftaucht. Dies soll Parallelen zwischen Flashs Erlebnissen und Spider-Mans Abenteuern unterstreichen. Jeder hat auf seine Weise mit Herausforderungen und vermeintlichen Gegnern zu kämpfen. Dies ist insofern beeindruckend, als es zum einen noch einmal Flashbacks gibt, in denen es ein paar Wiedererkennungswerte gibt. Auf der anderen Seite schaffen sie es, den normalerweise im Zentrum der Geschichte stehenden Helden, gerade weit genug aus der Story zu verbannen, sodass der Einsatz von Flash seine volle Wirkung entfalten kann.

Es geht hier aber nicht um die Schrecken des Krieges, die hier dargestellt werden sollen. Es ist einfach eine Geschichte über die Erlebnisse eines Soldaten. Nicht mehr und nicht weniger. Klar sind die Erlebnisse an der ein oder anderen Stelle etwas überzeichnet, es ist immerhin ein Superhelden-Comic. Aber alle Handlungen sind nachvollziehbar und liefern einen guten Eindruck vom Geschehen.

Erst im letzten Teil, wo eigentlich die Leserbriefe abgedruckt sind, erfährt man, dass es sich nicht nur um eine bloße Widmung an die Soldaten des amerikanischen Militärs handelt, sondern dass die gesamte Geschichte von tatsächlichen Ereignissen inspiriert ist. Sie ist in Zusammenarbeit mit einem Soldaten entstanden, der die Büros von Marvel besucht hat. Selbst bei den Zeichnungen hat er seinen Input gegeben, damit diese die entsprechende Authentizität aufweisen.

»Flashbacks« ist ein etwas anderer Spider-Man-Comic. Und er kommt ohne spezielle Botschaft aus und das ist das Erfreuliche daran. Es soll lediglich auf einen Krieg aufmerksam gemacht werden. Was die geneigten Leser*innen dann mit diesen Informationen anstellen, bleibt ihnen überlassen.