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Throwback Thursday: The Last of Us (remastered)

Ich hatte schon ganz vergessen, dass ich mir die Playstation 4 damals mit The Last of Us im Bundle gekauft hatte. 8 Jahre sind also vergangen, bis ich mir das Bundle mit PS5 und Final Fantasy XVI 2023 zugelegt habe. Beide Male habe ich es nicht bereut, gleich diese fantastischen Spiele mit erworben zu haben. Allein schon für diese kleinen Erkenntnisse mag ich es, mich mit Texten und Artikeln auseinanderzusetzen, die ich vor Jahren geschrieben habe. Den Folgenden habe ich am 28.02.2015 auf meinem damaligen Blog geek-planet veröffentlicht.

Ich dachte mir, dass dieser Text hervorragend zu meiner aktuell wieder aufkeimenden Liebe für Videospiele passt. The Last of Us ist ein Meilenstein in der Geschichte für Videospiele und vor Kurzem habe ich von TheRadBrad das Walkthrough von The Last of Us – Part II angesehen. Genauer gesagt bin ich noch dabei. Da ist es natürlich umso interessanter, diesen Artikel noch einmal auszugraben.


Ich habe mich aus Gründen, die sich nun nicht mehr nachvollziehen lassen, davor gesträubt, The Last Of Us zu spielen. Zombies begegnen einem ja förmlich überall in TV-, Film- und Buchform, aber da ich mir eine PS4 zulegen wollte und das Bundle, welches im Angebot war, dieses Spiel enthielt, versuchte ich mich daran.

“I’ve struggled a long time with survivin’, but no matter what, you have to find something to fight for.” – Joel

Ich war doch sehr davon überrascht, wie außerordentlich mich dieses Spiel gepackt und gefesselt hat. Es ist schon länger her, dass ich überhaupt ein Spiel gespielt habe, da ist es umso erfreulicher, dass es mit diesem hier so gut funktioniert hat. Es ist atemberaubend, wie schnell mich The Last Of Us in seinen Bann zog und mich nicht mehr losgelassen hat, bis ich durch war – was keine ganze Woche gedauert hat. Beinahe sofort fühlte ich mich mit den Figuren verbunden: Joel, der einsame Mann, der nach dem Verlust seiner Tochter einen Grund zum Weitermachen sucht und ihn schließlich in Ellie findet.

Deren beiden Kampf ums nackte Überleben ist eine bewegende und mitreißende Geschichte und die Entwicklung der einzelnen Protagonisten muss sich vor Hollywood-Produktionen keinesfalls verstecken. Stattdessen sollten sich manche Filmschaffende lieber eine Scheibe von den Entwickler*innen abschneiden und sie als Beispiel verwenden. Hoffentlich fangen jetzt allerdings nicht alle an, das Spiel zu kopieren, was ja eine Gefahr ist. Aber dafür ist es zu gut, als dass sich diese Magie einfach so abermals einfangen lassen würde.

Die Entwickler*innen haben es tatsächlich geschafft, dass ich mir immer wieder Sorgen um Ellie machte – auch wenn sie eine der beiden Protagonisten ist. Jedes Mal, wenn sie nicht in Sichtweite war oder die beiden getrennt wurden, hatte ich ein seltsames Gefühl und wollte so schnell wie möglich wieder zu ihr. Ihre Sicherheit und ihr Überleben waren mir wichtig geworden, da ist es schließlich auch egal, wenn der Rest der Menschheit elendig verrecken muss – Hauptsache Ellie befindet sich in Sicherheit. Diese Verbundenheit bei einer Spieldauer von ca. 12 Stunden zu schaffen und das von Anfang an, ist bemerkenswert und hängt nicht nur mit den fantastischen Animationen zusammen.

Es sind die kleinen Dinge, die dieses Spiel so unglaublich gut machen. Die Leidenschaft von Ellie für Comics, die kleinen Unterhaltungen zwischen ihr und Joel, sowie die Mimik und Gestik machen sie zu real wirkenden Personen. Wenn man sich unter anderem hinter einer Kiste versteckt und Ellie vor einem kniet, legt Joel seine Hand schützend über sie – allein dies ist herzzerreißend. Wie es beispielsweise in einem herrlichen Honest-Game-Trailer angedeutet wird, muss man die ein oder andere Träne vergießen, wenn die beiden die Giraffen entdecken und ihnen nachjagen, um sie weiter beobachten zu können.

All dies sind Beispiele, das Spiel zu lieben, aber die beiden allein wären nichts, ohne die dystopische Atmosphäre. Hinter jeder Ecke könnten sich diese Zombie-ähnlichen Monster verstecken, überall Jäger lauern. The Last Of Us bietet grandiose Abwechslung zwischen Schleich- und Kampfszenen, was ich sehr begrüßenswert finde.

Als Nächstes steht für mich noch das Add-on Left Behind auf der To-do-Liste. Dort schlüpft man in die Rolle von Ellie, bevor sie Joel begegnet. Ich bin schon gespannt darauf und freue mich, neue Seiten an ihr zu entdecken. Außerdem ist noch der Plus-Modus offen, denn ein paar Trophäen möchte ich mir noch holen.

Throwback Thursday: Batman v Superman

Ach, Batman v Superman. Das waren noch Zeiten, als nur DC überteuerte Filme herausgebracht hat, die weit hinter den Erwartungen zurückliegen. Heute macht da Marvel ebenfalls mit. Und damit willkommen zu einer neuen Ausgabe meines wöchentlichen Rückblicks auf meine vergangenen Blogger-Tage. Am 26.03.2016 habe ich die folgende Rezension zu Batman v Superman auf meiner damaligen Webseite geek-planet veröffentlicht. Der Film hat mich so sehr beschäftigt, damals, dass er insgesamt drei Artikel inspiriert hat, die ich im Laufe der nächsten Monate ebenfalls wiederveröffentlichen möchte.

Der Hauptartikel über den Film, um den es heute gehen soll, ist etwas all-over-the-place, wie man im Englischen so schön sagt. Ich habe viele unterschiedliche Aspekte des Films aufgegriffen, aber gehe selten tiefgreifender darauf ein. Vielleicht hätte ich mir mehr Zeit lassen sollen und den Text dafür etwas ausführlicher gestalten. Dann wäre es allerdings ein über 2000 Worte umfassendes Monster geworden.

Ich hätte mir noch gewünscht, aus heutiger Sicht, mehr auf die philosophische Frage einzugehen, die mit dem Titel Batman v Superman einhergeht. Die Frage des David gegen Goliath oder Mensch gegen Gott, wie es im Film heißt. Was der Film, ob seiner pessimistischen und nicht gerade tiefgründigen Charakterzeichnung von Superman nämlich völlig versäumt darzustellen, ist, dass sich dieser immer im Zaum halten muss. Er hält sich in jedem Kampf zurück. In den Comics wird es (auch bei Spider-Man, übrigens) gelegentlich ausgearbeitet, dass die schiere, übermenschliche Kraft von Superman immer gezügelt werden muss. Dass er immer die Kontrolle haben muss. Es ist ein Aspekt des Charakters, der zu oft übersehen wird.

Ich habe den Film schon lange nicht mehr gesehen und offen gesagt auch keine Lust darauf. Snyders neue Version des Justice League Films, ein paar Jahre später, war ein interessantes Experiment und ich mochte den Film sehr gerne. Er ist so komplett anders, dass er eigentlich einwandfrei funktioniert. Batman v Superman allerdings ist chaotisch und es fehlt ein gewisser Fokus. Es sind doch oft die einfacheren Geschichten, die uns am meisten beeindrucken, solange sie gut umgesetzt sind.

Was ich bei Comic-Verfilmungen nie ganz verstehen werde, ist, dass man sich nicht näher an die Vorlagen hält. Teilweise werden in zweieinhalb Stunden Film, dutzende, wenn nicht Hunderte an Comics gepresst, was am Ende natürlich nur schiefgehen kann. Figuren und Momente benötigen Zeit zum Atmen – sie müssen auf die Zuschauer*innen wirken können. Aber wenn eben die Substanz im Drehbuch fehlt, dann versuchen das so manche mit Lärm und Slow Motion zu überspielen. Am Ende ist niemand so richtig zufrieden.


Man nehme eine große Portion The Dark Knight Returns, mische es mit The Death and Return of Superman und gebe eine Handvoll Justice League Comics hinzu. Zum Abschmecken dann noch eine Prise Batman Year One und ein beliebiger Darkseid-Prequel-Comic, je nach Geschmack. Was natürlich bei so einem Schmankerl auch nicht fehlen darf, ist Zack Snyders Geheimzutat und Masturbationsvorlage: Slow Motion!

Die Geschichte von Batman v Superman basiert auf so allerlei Comics. Der größte Einfluss ist allerdings der 1986 erschienene The Dark Knight Returns von Frank Miller. Es gilt bis heute als eines der großen Meisterwerke in Batmans langer Publikationshistorie und prägte lange Zeit den dunklen Detektiv. Worum geht es? Ein alter und eigentlich in Rente gegangener Bruce Wayne macht sich dort noch einmal auf, um gegen das Kriminelle in Gotham vorzugehen und endet schließlich mit einer großartigen Auseinandersetzung mit Superman. Allein dies in einem Live-Action-Film umgesetzt zu sehen, wäre fantastisch. Doch es kam anders.

Immerhin soll der Film nichts weniger als das gesamte Cinematic-Universe von Warner Bros. starten. Eine gewaltige Aufgabe. Und so hat man sich wohl gezwungenermaßen dazu entschlossen, sehr viel, zu viel, in diesen einen Film zu stecken. Doch alles der Reihe nach.

“And now, you will fly to him, and you will battle him to the death. Black and blue. Fight night. The greatest gladiator match in the history of the world. God versus man. Day versus night! Son of Krypton versus Bat of Gotham!” – Lex Luthor

Machen wir eine kurze Reise zurück ins Jahr 2005. Vor zehn Jahren hat uns Christopher Nolan Batman Begins geschenkt. Dieser Film erzählt wie kein anderer zuvor eine perfekte Origin-Story für den dunklen Ritter. Alle wichtigen Elemente werden aufgegriffen, die Charaktere werden super entwickelt, die Gegner sind klasse gestaltet und Gotham wirkt zum Greifen nahe. Später wurde die Geschichte in der Serie Gotham noch einmal aufgewärmt und ebenfalls gut erzählt. Sie bildete einen Startschuss für eine etwas andere Batman-Serie. Mittlerweile sollte also jeder die Geschichte, wie Bruce Wayne zur Fledermaus wurde, kennen und in allen Farben des Spektrums rekonstruieren können – besonders diejenigen, die sich Batman v Superman ansehen, kann man wohl zu dieser Gruppe zählen. Zack Snyder hat sich trotzdem dazu entschlossen, der Ermordung von Bruce Eltern seinen eigenen Stempel aufzudrücken. Gleich die erste Sequenz beschäftigt sich mit unfassbar langsamer und lang gezogener Slow Motion diesem schrecklichen und zugleich prägenden Ereignis. Die Sequenz zeigt aber auch, dass sich eine Art Spider-Man-Effekt einstellt: Die Origin-Story wurde einmal zu oft erzählt. Es werden keine neuen Aspekte hinzugefügt; es fehlt der emotionale Kontakt zu den Protagonisten und als Zuschauer hofft man nur, dass es bald vorüber ist.

Was als Nächstes folgt, ist dafür die wohl beste Einführung eines erwachsenen und erfahrenen Bruce Wayne: Wir steigen direkt in den finalen Kampf von Man of Steel ein und Bruce fährt mit seinem Wagen durch Metropolis. Es herrscht Chaos. Wolkenkratzer stürzen ein. Zwei Götter prügeln sich durch die Stadt. Bruce Wayne jedoch läuft direkt in die Staub- und Schuttwolken der Zerstörung hinein, um zu helfen. Er wirkt heroisch, selbstlos und am Ende, als er ein kleines Mädchen vor dem sicheren Tod rettet und es in den Armen hält, sieht man den Zorn und die Wut in seinen Augen. Sein nächstes Ziel steht fest: Superman neutralisieren.

Eine stringente, gut erzählte Geschichte, die den Zuschauer mit den Charakteren mitfühlen lässt und die einzelnen Schritte logisch miteinander verknüpft, sucht man in den ersten 60 bis 75 Minuten jedoch vergeblich – vielleicht sogar den ganzen Film über. Vielmehr ist es eine Art Best-of von Bruce Waynes nächtlichen Albträumen und einem verbitterten, seltsamen Superman, sowie Abenteuer von Lois Lane. Als es dann schließlich langsam darauf hinausläuft, dass Superman gegen Batman antreten soll, um seine Mutter vor Lex Luthor zu retten, nimmt die Geschichte endlich etwas an Fahrt und Spannung auf. Auch wenn meiner Meinung nach eine vielversprechende Möglichkeit verschenkt wurde, um Aquaman zumindest einen kurzen Auftritt zu schenken, verläuft der Film ab der Hälfte deutlich besser.

“Twenty years in Gotham. How many good guys are left? How many stayed that way? He has the power to wipe out the entire human race. I have to destroy him.” – Bruce Wayne

Zu der besten und von mir persönlich am meisten ersehnte Szene ist der Kampf zwischen Batman und Superman. Dieser geht eine Trainingsmontage von Bruce Wayne voraus, in der Ben Affleck deutlich zeigt, dass er es sich nicht nur verdient hat, den Charakter darzustellen; man sollte sich ihm schon gar nicht in die Quere stellen. Gewichte werden gestemmt, geschoben, geworfen und Dinge geschlagen und geboxt, was das Zeug hält. Es ist ein brachialer Zusammenschnitt aus purem Willen, Superman zu besiegen. Dieser weiß noch nichts von seinem Glück, bald sehr viel Kryptonit in verschiedenen Formen verabreicht zu bekommen. Auch wenn der Man of Steel den dunklen Ritter mit einem Fingerschnippen vernichten könnte, unterschätzt er dessen Kalkül deutlich und steckt dafür eine Menge Prügel ein. Es ist eine fantastisch gemachte Sequenz, denn dieser Superman hat nichts anderes verdient.

Es ist ein Superman, der zwischen depressiv und verbittert zu schwanken scheint. Die Beweggründe dafür sind mir offen gestanden nicht ganz klar. Ist es wegen des Kampfes mit Zod und dass er ihn töten „musste“? Ist es wegen der Ablehnung von so vielen Menschen? Ist er einfach nur mit der Gesamtsituation unzufrieden und weiß nicht, was er will? Es wird nicht deutlich und er spricht auch nicht sehr viel. Diese Version von Superman ist noch enttäuschender als diejenige aus Man of Steel. Somit war es dann ganz gut, dass ihm Batman eine Lektion erteilt.

Den Batman, den wir hier erleben, ist seit 20 Jahren im Dienst. Er hat schon einiges mitgemacht und verlor den ein oder anderen Verbündeten an verrückte Clowns und andere Schurken. Er scheint seinen ursprünglichen Antrieb, in der Welt etwas ändern zu wollen, verloren zu haben, kann aber doch nicht aufhören. Die Dialoge mit Alfred (Jeremy Irons) sind bewegend und toll geschrieben. Außerdem sind die Kämpfe und Einsätze, die er im Laufe des Films absolviert, angsteinflößend dargestellt und vermitteln einen gespenstischen Eindruck von einem Batman, der tut, was immer notwendig ist, um sein Ziel zu erreichen. Dabei ist es gewöhnungsbedürftig zu sehen, wie diese Inkarnation vor Folter und Mord nicht zurückschreckt. Allerdings passt es zum Gesamteindruck. Es ist ein stimmiges Konzept und Ben Affleck verkörpert diese innere Zerrissenheit bravourös; ein eigenständiger Batman-Film mit ihm kann nicht früh genug kommen.

Sprechen wir nun über andere Charaktere, die ebenfalls im Film auftauchen: Lois Lane (Amy Adams) ist eigentlich nichts anderes, als eine immer wieder auftauchende Deus-Ex-Machina. Zu dieser Welt würde es eigentlich besser passen, wenn sie statt Zod in Man of Steel gestorben wäre und sich Zack Znyders Universum als Injustice-Verfilmung herausstellte. Dann würde alles etwas mehr Sinn ergeben. Perry White (Laurence Fishburne) auf der anderen Seite hätte mehr Screentime bekommen können. Er ist witzig, lockert das ganze düstere Desaster etwas auf und versprüht sehr viel Charme. Eine willkommene kleine Anti-These zum Rest des Films.

Lex Luthor ist ein Charakter, der sich bisher nicht gut einschätzen lässt. Er wirkt wie eine Light-Version des Jokers, nur mit mehr Geld und anderen Zielen. Jedoch stellt ihn Jesse Eisenberg sehr wirr da, was aber wiederum zum Film passt. Die Cameo-Auftritte von Flash, Cyborg und Aquaman sind eigentlich nicht der Rede wert und so unnütz wie die erste Sequenz des Films. Wonder Woman hingegen ist wirklich fantastisch. Ihr erster Auftritt auf der großen Leinwand meistert sie bravourös und mit Gal Gadot hat das Studio eine Schauspielerin engagiert, die perfekt zum Charakter passt. Dafür hat sie sich dann in der Vorstellung auch den ein oder anderen Szenenapplaus verdient. Richtig Gänsehaut hat die Stelle beschert, wo sie mit Superman und Batman im Bild zu sehen ist und gemeinsam gegen Doomsday kämpfen. Wirklich fantastisch.

“That’s how it starts. The fever, the rage, the feeling of powerlessness that turns good men… cruel.” – Alfred

Kommen wir etwas zur Aufmachung und Technik des Films. Der durchgehende Sepia-Filter, den Zack Snyder wohl besonders lieb hat, ist nach einer Stunde wirklich anstrengend zum Zusehen und man wünscht sich Farben zurück. Sei es ein saftiges Grün für das Gras oder auch nur ein schönes helles Blau für den Himmel. Doch irgendwann akzeptiert man den Eindruck, den dieser Filter vermittelt, und beginnt langsam zu verstehen, warum alle Menschen in dieser Welt so schlecht gelaunt sind.

Hans Zimmer trägt dann den Rest dazu bei, dass die Stimmung weiter gedrückt wird und sich wirklich keine gute Laune ausbreitet. Die Musik ist zu laut, zu dominant, zu episch und einfach nur zu viel da. Sie schürt Erwartungen, die nicht eingelöst werden, drückt die Stimmung, wo es nicht notwendig wäre und man möchte sie gemeinsam mit dem Filter einfach nur abschalten. Wenn man als Zuschauer erleichtert ist, jedes Mal wenn die Musik leiser wird oder ganz aufhört, dann ist etwas falsch gelaufen und man muss es sich wirklich noch einmal überlegen, den Film später auf Blu-Ray anzusehen. Besonders, wenn Snyder seine Drohung wahr macht und einen über drei Stunden dauernden Director’s Cut beifügt.

Dahingegen sehen die Effekte an sich beeindruckend aus, aber dies gehört ja mittlerweile zum Standard. Wenn ein Film an die 250 Millionen Dollar kostet und dann keine guten Effekte aufweisen kann, ist etwas ziemlich falsch gelaufen. Allerdings können gute Effekte nicht über die restlichen Schwachpunkte hinwegtäuschen.

“Tell me. Do you bleed?” … “You will.” – Batman

Soll man sich nun Batman v Superman ansehen oder nicht? Diese Frage lässt sich abschließend nicht so einfach beantworten. Zum einen gibt es einen wirklich gut dargestellten Batman, den man sich in einem eigenen Abenteuer wünscht – vielleicht etwas weniger blutrünstig. Zum Anderen gibt es einen derart verunstalteten Superman, dass man froh ist, wenn er vom dunklen Ritter verprügelt wird. Der Film ist eine konstante Abwechslung zwischen stark inszenierten Szenen, die die Charaktere strahlen lassen und enttäuschenden Momenten, in denen man nur den Kopf schütteln oder ihn besser gegen die Wand schlagen möchte.

Ich bin an dem Punkt angelangt, an dem ich hoffe, dass das Studio jemand anderen an die restlichen Filme ran lässt und Zack Snyder ersetzt. Seine Filter, Slow Motion und teilweise seltsamen Inszenierungen passen für mich nicht mehr zu dieser Welt. Außerdem muss das Studio einsehen, dass sie sich mit dem Zwang, unbedingt Marvel Konkurrenz machen zu wollen, nur selbst schaden.

Als sehenswert kann man den Film auf jeden Fall einschätzen, da er interessante Aspekte anspricht und am Ende zumindest dazu führt, dass man sich die ganzen Comic-Vorlagen bestellt. Denn man sollte auf jeden Fall die echten, originalen und fantastisch geschriebenen bzw. gezeichneten Geschichten lesen.

Als Nächstes steht Suicide Squad auf dem Plan. Auch wenn die Erwartungen nun etwas vorsichtiger geworden sind, sollte dieser Film erfrischend anders sein. Es bleibt in jedem Fall spannend, wie es weiter geht mit dem Cinematic Universe von DC.

Throwback Thursday: Call Me By Your Name von André Aciman

Letzten Donnerstag haben wir uns an dieser Stelle einen alten Text von mir angeschaut, in dem es um das Buch Der Tod in Venedig geht. Heute blicken wir zurück auf den 21. März 2018. An dem Tag habe ich auf meinem damaligen Blog geek-planet eine Rezension zu Call Me By Your Name von André Aciman veröffentlicht. Darin referenziere ich Thomas Manns Buch, da es durchaus gewisse Parallelen gibt, die ich im Text anspreche.

Außerdem ist seit Ende Februar der zweite Teil von Dune in den Kinos, wo Timothée Chalamet die Hauptrolle spielt. Auch in der Verfilmung von Call Me By Your Name spielt er neben Armie Hammer eine der beiden Hauptrollen. Also gleich noch ein Grund, sich wiederholt mit dem Buch zu beschäftigen.

Die Ansichten, die ich zu dem Buch beschreibe, sind heute noch genauso wahr wie damals. Dazu hat sich meine Einstellung nicht geändert. Eher das Gegenteil. Ich mag es heute noch queere coming-of-age Geschichten zu lesen, wo ich mich selbst und meine Lebensrealität wiederfinde. Repräsentation ist wichtig. Diversität ist wichtig. Wo die Homosexualität der Charaktere als etwas Normales dargestellt wird und nicht unbedingt ins Zentrum der Geschichte und deren Konflikte gerät. Sondern, wo es um komplexe Charaktere geht, die mehr sind, als nur diese eine Eigenschaft. Es ist ein feiner, aber bedeutsamer Unterschied. Bei coming-of-age Geschichten ist das vielleicht schwieriger darzustellen oder seltener anzutreffen. Call Me By Your Name bekommt den Spagat allerdings hervorragend hin.


Buchverfilmungen bieten ein breites Spektrum an Qualität, unabhängig, wie gut die Vorlage sein mag. Deshalb lese ich vor deren Sichtung gerne das dazugehörige Buch oder den Comic. Zum einen, weil ich dadurch mehr von den Charakteren, ihren Handlungen und Motiven erfahre und sich die geneigten Leser*innen so besser in diese hineinversetzen können. Zum anderen, weil es interessant ist zu sehen, welchen Kern sich die Macher für den Film herausgepickt haben. Bücher sind ein fantastisches Medium, aber meist nicht dazu geeignet, nur einen Film daraus zu machen. Es passiert entweder zu viel darin oder, wie im Falle von Call Me By Your Name, werden die Gedanken und Gefühle des Protagonisten sehr detailliert wiedergegeben. Wenn der Film nicht gerade mit permanentem Voice Over experimentieren will, ist solch eine Tiefe für einen Film fast nicht zu schaffen. Die Schauspieler*innen müssen es schaffen, die inneren Konflikte und Gedanken dem Publikum über Mimik und Gestik mitzuteilen.

Was beim aktuellen Beispiel dann noch hinzukommt, ist die Wahl der Perspektive. Denn Call Me By Your Name ist aus der Ich-Perspektive des 17-jährigen Elio erzählt. Er und seine Familie wohnen in Italien. Sie verbringen jeden Sommer dort und nehmen für sechs Wochen einen Sommergast auf. Diese genießen das abgeschottete Dasein und nutzen die Ruhe, an ihren künstlerischen, kreativen Projekten zu arbeiten. Die Italienischkenntnisse können natürlich ebenso vertieft werden. So kommt es, dass der 24-jährige Oliver Elios Welt auf den Kopf stellen sollte.

Wo genau die Handlung sich abspielt, wird nie so ganz klar, genauso das Jahr. Nur an einer Stelle wird es nebenbei angedeutet. Ansonsten ist es eine zeitlose Geschichte, die sich voll und ganz auf die Charaktere konzentriert. Sie und ihre Erlebnisse, ihre Gefühlswelten und wachsende Liebe stehen im Vordergrund. Natürlich wissen wir nur, was Elio wirklich empfindet. Von ihm bekommen wir erzählt, was er denkt, dass Oliver wohlfühlen mag und empfindet. Sein Verhalten bekommen wir ebenfalls nur über die Sichtweise des Erzählers mit, wie Oliver zu den anderen steht und mit welchen (Neben)Charakteren er sich umgibt. Lange habe ich mir Gedanken darüber gemacht, wie ich die Einzigartigkeit beschreiben soll, die Call Me By Your Name ausmacht, und bin, denke ich, auf einen Vergleich gestoßen, der den Roman gut einordnet.

In gewisser Weise ist Call Me By Your Name die Anti-These zu Ein Tod in Venedig, welches ich Anfang des Jahres gelesen habe. Darin ist der Protagonist, der sein Leben lang versteckt gelebt hat und seinen Gefühlen nicht nachgeben wollte/konnte, dazu verdammt, passiv einem Jungen nachzustellen, der ihn in den Wahnsinn treibt. Wie die tragische Geschichte interpretiert werden könnte, habe ich in einem eigenen Review genauer beschrieben. Elio dagegen ist jung, bekommt eine ähnliche Möglichkeit geboten, wie Aschenbach in Manns Erzählung; weiß damit zwar auch nicht so recht umzugehen, doch wagt schließlich den ersten Schritt, auf den Älteren zuzugehen.

Doch zwischen der ersten Begegnung und dem ersten Kuss vergeht so einige Zeit. Denn Elio macht sich sehr, sehr viele Gedanken über sein Ziel der Begierde. Mehr als ihm guttut. Allein darin steckt schon so viel Weisheit und so viele Lektionen, die man sich zu Herzen nehmen sollte. Elio leitet aus dem Verhalten eines für ihn völlig Unbekannten ab, wie sich dieser fühlt und was dieser empfindet. Dabei stellt sich oft heraus, dass er einfach falschliegt. Ohne Oliver zu fragen, weiß er einfach nicht, was in diesem vorgeht. Interpretationen sind immer von Ängsten und Sorgen, Hoffnungen und Sehnsüchten verfälscht. Darin liegt der große Spannungsbogen des ersten Teils, denn Elio steigert sich selbst so sehr in seine Interpretationen und Wahrnehmungen hinein, dass man als Leser*in einfach mitgerissen wird. Man kann nichts dagegen machen. Dafür sind die Formulierungen und Metaphern, Anspielungen und Referenzen zu gut umgesetzt, als dass man sich ihnen erwehren könnte.

Oft hat mich überrascht, in welchem Detail der Autor André Aciman die Beziehung zwischen Oliver und Elio beschreibt. Damit habe ich einfach nicht gerechnet. Es ist aber eine schöne Abwechslung. Doch dies unterstreicht teils die verwirrte Gefühlswelt von Elio und zu welchen Taten er sich selbst hinreißen lässt. Wie sehr er sich von diesem einen Mann vereinnahmen lässt. Seine Besessenheit ist manchmal nur schwer von seiner Liebe zu trennen.

Ähnlich zu Der Tod in Venedig hatte ich beim Lesen oft das Gefühl etwas zu verpassen, weil einfach so viel in den Szenenbeschreibungen steckt – in den Bildern, die vermittelt werden und in den Gefühlen, die die Protagonisten zeigen. Es werden so viele Bücher, Gedichte und klassische Musikstücke referenziert, dass man diese lesen müsste, um sich danach nochmals Call Me By Your Name zu widmen, damit dieses Buch seine emotionale Wucht vollends ausschöpfen kann. Doch selbst dann bleibt vieles ungeklärt und der Interpretation der Leser*innen überlassen. Es ist erfrischend, dass Aciman nicht alles erklärt und jedem einzelnen Gefühl auf den Grund geht. So bleibt es nahbar und man muss sich selbst Gedanken dazu machen.

Call Me By Your Name ist nicht nur eine Geschichte über die Liebe zwischen zwei Männern, sondern geht weit darüber hinaus. Das Setting, die Charaktere und die Zeitlosigkeit greifen wie Zahnräder perfekt ineinander und ziehen einen in diese außergewöhnliche Welt hinein. Klare Leseempfehlung.

Throwback Thursday: Der Tod in Venedig von Thomas Mann

Es ist Donnerstag und damit Zeit für einen erneuten Rückblick in eine längst vergangene Zeit. Für den heutigen Rückblick habe ich mir eine Rezension herausgesucht, die ich am 22.01.2018 auf meinem damaligen Blog geek-planet veröffentlichte. Der Tod in Venedig ist ein Buch, das mich nachhaltig beeindruckt hat. Allein das Lesen des Textes darüber hat mich wieder in die Zeit zurückgeworfen. Im Studierendenwohnheim sitzend, habe ich in meinem kleinen Zimmer das Buch geradezu verschlungen. Es ist ein auf vielen Ebenen wahnsinniges Werk und anders als im folgenden Text angegeben, habe ich es seither nicht noch einmal gelesen. Vielleicht wird es dieses Jahr mal wieder Zeit.


Thomas Mann mag sein Buch in fünf Kapitel eingeteilt haben, doch für mich ist es eine Geschichte aus drei Teilen. Im ersten Teil lernen wir unseren Protagonisten Aschenbach kennen. Er ist Autor und möchte einfach abschalten. Wo genau, weiß er jedoch nicht. Auf den ersten 50 Seiten schreibt Mann über Aschenbachs bisherige Werke und wie dieser sein Leben gelebt hat.

Dabei besticht der Autor mit einer Sprache, die ich so bislang nicht gesehen habe. Ob es an den langen, verschachtelten Sätzen liegt, seiner Fähigkeit, Situationen und Menschen auf verschiedenste Weise zu beschreiben oder seinen Metaphern, Anspielungen und Sinnbildern – ich kann es nicht sagen. Oft sitzt man da, liest Seite um Seite, versteht, was er einem sagen will, aber kann nicht nachvollziehen, wie er es geschafft hat, so viel Gefühl zu transportieren. Mit etwas Abstand werde ich das Buch mit Sicherheit noch einmal lesen. Es steckt einfach zu viel in einem Satz, sodass es unmöglich scheint, alles beim ersten Durchlesen aufzunehmen. Zumal die wahre Tragik erst ab Seite 50 beginnt. Ich weiß kaum noch, was sich davor abgespielt hat, da mich das, was ab da passiert, einfach nicht mehr loslässt. Es beschäftigt mich. Zwar passiert nicht viel in Der Tod von Venedig doch es ist eine psychologische Abhandlung über einen Mann, der sich selbst nicht akzeptieren kann. Der sein Leben lang ein Leben des Verzichts gelebt hat und den eine Person, die er nicht einmal kennt, beinahe in den Wahnsinn treibt. Doch eines nach dem anderen.

Der für mich zweite Teil des Buches beginnt, als Aschenbach schließlich Venedig als geeigneten Ort für seinen Urlaub ausgewählt hat. Dort begegnet er kurze Zeit nach seiner Ankunft Tadzio. Beziehungsweise begegnet er dem vierzehnjährigen Jungen weniger, als dass er nach ihm schmachtet. Das erste Mal sieht er ihn im Speisesaal, als Tadzio mit seiner Familie dort zu Abend isst. Wenn man sich dann die folgenden Beschreibungen des Jungen ansieht, und davon gibt es so einige, muss er einer der schönsten Menschen auf dem Planeten sein. So absurd die impliziten Umschreibungen des Jungen auch sein mögen, so nachvollziehbar sind sie doch auch. Wer ist nicht schon einmal einem Menschen in seinem Leben begegnet, sei es auf der Straße, im Bus oder sonst wo, der einfach schön ist. Objektiv attraktiv und anziehend. Der einlädt zu Spekulationen und einem anderen Leben. Es sind meist kurze Begegnungen und dauern nur Augenblicke. Doch Aschenbach befindet sich im selben Hotel wie Tadzio und eine Flucht scheint unmöglich; zu sehr steckt er in seinem Bann.

Erst habe ich mir einen Spaß daraus gemacht, Aschenbachs Sehnsucht als sexuell anzusehen. Als die Ansichten eines zur Pädophilie neigenden alten Mannes. Doch ich denke nun nicht mehr, dass es tatsächlich darum geht. Vielleicht auf einer entfernten Ebene. Vielmehr interpretiere ich es als die Sehnsucht eines alten Mannes, der einmal in seinem Leben nicht hinter einer Maske stecken möchte. Der sich so akzeptieren will, wie er ist. Wir befinden uns hier am Anfang des 20. Jahrhunderts und auch wenn ich nicht spezifisch dazu recherchiert habe, kann ich mir nicht vorstellen, dass es all zu viele Kreise gab, in denen man sich als homosexueller Mensch hat ausleben können. Und nun, unbewusst dem Angesicht des Todes ausgesetzt, begegnet Aschenbach dem schönsten Menschen, dem er je begegnet ist. Seite um Seite, Schilderung um Schilderung gelingt es Thomas Mann seinen Protagonisten in ein tiefes psychologisches Loch zu stürzen, aus dem es kein Entkommen mehr gibt.

Denn wie es bereits Nizsche gesagt hat, sobald man zu tief in den Abgrund blickt, blickt dieser in einen selbst zurück. Wäre Aschenbach nach wenigen Tagen abgezogen, hätte er sich vielleicht davon erholt, doch er ist über Wochen Tadzio ausgesetzt. Später sogar gezwungenermaßen. Das Hotel mutiert zum mentalen Gefängnis. Und genau das ist es. Eine Gefangenschaft.

Für Tadzio, der das Interesse Aschenbachs bewusst sein muss, denn Aschenbach stellt ihm nach, verfolgt ihn bei Ausflügen in die Stadt, ist am Strand, wenn der Junge am Strand ist. Für Tadzio mag es nur ein Spiel sein – eine Kuriosität. Vielleicht sogar ein Kompliment. Oder aber es spielt sich alles nur im Kopf von Aschenbach ab und die zufälligen Blicke, die scheinbar beabsichtigte Nähe in bestimmten Situationen, sind und bleiben genau das: Zufall. Doch nicht für Aschenbach. Es bestätigt ihn in seinem Wahn und der Absturz ist vorprogrammiert. Niemals kommt es zum direkten Kontakt, geschweige denn zu einem Gespräch zwischen den beiden. Und so ist Aschenbach mit seinen Gedanken allein, mit niemandem in der Lage, darüber zu sprechen. Genau das ist es, was ihn schließlich zerstört. Denn Fantasie und Vorstellung, ohne dass sie mit Dritten abgesprochen und eingeordnet werden können, führen nur dazu, dass man selbst den Verstand verliert. Gefangen in einer Spirale.

Blickt man hinter die teils doch sehr sexuellen Anspielungen, so scheint es, dass Tadzio ein Spiegelbild Aschenbachs ist. Oder besser Aschenbach, wie er sich selbst gerne gesehen hätte in dessen Alter. Sein Leben noch vor sich, voller Möglichkeiten und Potenziale. In dieser neuen, moderneren Version vielleicht ohne Versteckspiel, ohne versäumte Möglichkeiten und ungenutzten Chancen. Tadzio ist die Verkörperung dessen, was er nie hat sein können. Aschenbachs Personifikation von Potenzial und Attraktivität steckt in dem Jungen. Was wäre wohl aus ihnen geworden, wäre Aschenbach nicht im letzten Satz des Buches gestorben?

Eigentlich gibt es doch nur zwei Möglichkeiten: Entweder Aschenbach hätte sich Tadzios Körper zunutze gemacht oder aber er hätte ihn umgebracht. Eines von beiden scheint unausweichlich. Aber es scheinen zu einfache Lösungen für ein derart komplexes Buch.

Der Tod in Venedig ist eine tragische Geschichte eines Mannes, der sich selbst verleugnet hat und am Ende seines Lebens den Preis dafür bezahlt. Der Tod in Venedig ist eine Warnung und so genial geschrieben, wie nur selten Bücher es sind.

Throwback Thursday: The Witcher 3 – Wild Hunt

Reden wir über Witcher 3. Als ich den folgenden Artikel in meinen Archiven gefunden habe, musste ich lachen. Denn es gibt wohl kaum ein Spiel, welches mich anfänglich so begeistert hat, dass ich aber dann doch nie beendet habe. Trotz diverser weiterer Versuche.

Werfen wir also, wie jeden Donnerstag, einen Blick in die Vergangenheit. Am 05. Juni 2015 habe ich auf meiner damaligen Webseite geek-planet einen ersten Eindruck zu dem Spiel The Witcher 3 veröffentlicht. Wie sich später herausstellte, war das etwas zu früh. Denn nach knappen 50 Spielstunden habe ich das Spiel für mich für beendet erklärt. Ich hatte mich zu sehr in Nebenmissionen verrannt, bin in Gebiete vorgedrungen, die ich eigentlich erst im späteren Spielverlauf hätte erkunden sollen und war einfach nur verloren. Es ging sogar so weit, dass ich gar nicht mehr genau wusste, was mein aktuelles Ziel in den Hauptmissionen war und welche Entscheidungen ich so getroffen hatte.

Im Laufe der Jahre habe ich es dann zwar noch ein paar Mal versucht, aber so fesseln, wie am Anfang, konnte mich das Spiel nicht. Nicht einmal das große PS5-Update, mit überarbeiteten Texturen und besserer Grafik, konnte mich überzeugen. Aber so ist es eben manchmal. Auch wenn ich ein starker Vertreter des Konzeptes bin, Dinge einfach mal zu Ende zu bringen, auch wenn es vielleicht schwerfällt, muss man auch wissen, wann es sich nicht auszahlt. Das gilt für Spiele genauso wie für andere Lebensbereiche. Manches muss man versuchen, vielleicht wiederholt, immer wieder, bis man am Ende erfolgreich da steht. Sei es etwas Berufliches, ein sportliches Ziel, das man sich gesetzt hat oder die Warhammer-Figuren, die zusammengebaut auf Farbe warten.

Witcher 3 zählt eindeutig nicht zu diesen Dingen. Zumindest nicht für mich. Aber nicht nur das Spiel hatte es schwer bei mir, auch die Bücher habe ich angefangen, aber nach dem ersten Buch war das Interesse irgendwie weg. Deshalb war es ganz lustig, den folgenden Artikel auszugraben und die darin abgebildete Begeisterung für dieses Spiel zu entdecken. Vielleicht hat es ja der nächste Witcher-Teil einfacher bei mir. Wer weiß.


Fans der bisherigen zwei Teile mussten lange auf einen Nachfolger warten. Nun ist er endlich da und ich als Neueinsteiger bekomme die wunderbare Gelegenheit, den Zauber, den diese Reihe anscheinend hat, selbst erleben zu dürfen.

Um ehrlich zu sein, hatte ich eigentlich nicht vor, Witcher 3 zu spielen. Die Trailer waren zwar ziemlich beeindruckend und von GameStar gibt es ein tolles Video dazu, doch zum Kauf konnten sie mich doch nicht bringen. Zum einen haben Rollenspiele bei mir sowieso einen schweren Stand und zum anderen hat mich das schiere Ausmaß der Welt abgeschreckt. Über 100 Stunden soll man angeblich beschäftigt sein, um dem Spiel all seine Geheimnisse zu entlocken. Doch ein gewisser jemand hat mich dann doch kontinuierlich bearbeitet und versucht mich von dem Spiel, welches „episch sein wird“, zu überzeugen.

Also habe ich mich breit klopfen lassen und es an einem grauen Donnerstag nach der Arbeit und vor einem langen Wochenende gekauft. 35 Spielstunden später war das Wochenende dann auch schon wieder vorbei und ich musste mich mit der Realität vertraut machen. Es gibt hier keine Dialogauswahl, keine Monster, die mich bei meinen Läufen im Wald angreifen und kein Pferd, welches nach einem kurzen Pfiff auf mich zugeritten kommt. Ich war enttäuscht (von der Realität, nicht vom Spiel). Aber lasst uns die einzelnen Elemente genauer betrachten:

Patches. Es ist mittlerweile üblich, am Tag der Veröffentlichung auch gleich einen Patch zur Verfügung zu stellen, der grobe Bugs und Fehler beseitigt. Am PC sind diese gleich mal heruntergeladen, doch auf der PS4 kann das schon ein Weilchen dauern. Mir kommt es so vor, als sei das PS-Network besonders lahm, zumindest teilweise. Nachdem der Patch schließlich installiert war, konnte ich das Spiel endlich starten und war gefangen in einer wunderbaren Welt voll mit Hexern, Monstern und unzähligen Missionen, Gegenständen und alchemistischen Formeln.

Wie gesagt, war das erste Wochenende ziemlich Spiel-intensiv, aber was andere als Sucht bezeichnen, ist für mich ausgiebige Recherche. Am Anfang ist alles noch ziemlich überschaubar und anfängerfreundlich. Es werden die wichtigsten Charaktere vorgestellt und man bekommt einen sehr groben Überblick über die bisherigen Ereignisse. Kaer Morhen ist eine schöne alte Burg, mit vielen Gängen und Gerüsten, mit deren Hilfe auch gleich die Steuerung getestet werden kann. Das bringt mich zum nächsten Punkt: die Grafik.

Egal, ob Geralt von Riva sich in Wiesen bewegt, über Felder reitet oder in den Bergen Freunde besucht und Monster jagt, es sieht alles atemberaubend aus. Der Detailgrad hat mich ziemlich überrascht und es ist schon erstaunlich, was die Entwickler aus einer Konsole heraus kitzeln. Haare bewegen sich rhythmisch beim Reiten, Bäume rascheln und knistern, das Wasser in den Seen würde man am liebsten gleich trinken und wenn man in Skellige am Rand der Burgmauer steht und die Sonne hinter den Bergen verschwindet, verblasst die Umgebung und die Mission wird irrelevant – es ist einfach nur schön!

Ich hatte schon die Befürchtung, dass manche Stellen auf der Karte leer und trostlos wirken würden, doch die offene Welt, die sich langsam mit den Missionen immer weiter ausdehnt und umfangreicher wird, ist sowohl abwechslungsreich als auch mit vielen verschiedenen Personen gefüllt. Alles wirkt glaubhaft. Es scheint keine Ecke zu geben, die die Entwickler eingefügt und nicht durch Kleinigkeiten aus Flora und Fauna ergänzt hätten. Eine wahre Meisterleistung. In detailliert ausgearbeiteten Städten begegnen dem Protagonisten die unterschiedlichsten Charaktere, welche alle ausnahmslos ihre eigene Geschichte haben. Man kann intensiv nachfragen, wenn es interessiert, oder nur die wichtigsten Punkte abklappern, je nach Bedarf.

Wovon ich ebenfalls sehr positiv überrascht war, ist der ungeheure Freiheitsgrad, den dieses Spiel aufweist. Dieser würde nur noch übertroffen, wenn man Geralt individuell gestalten könnte. In den Dialogen lässt sich nicht nur der Ablauf einer Mission beeinflussen (friedlich oder mit Gewalt), ganze Quests scheinen den Spieler*innen verloren zu gehen, wenn man mit dem „falschen“ Text antwortet oder nicht rechtzeitig auf einen Hilferuf reagiert.

Auch bietet das Spiel immer wieder nicht umkehrbare Entscheidungen, wie das Töten, Retten oder Hintergehen eines Monsters (bis auf die so genannten „godlings“; wer diesen sympathisch witzigen Kreaturen etwas antut, tötet auch Katzenbabys). Entscheidungen wirken sich oftmals auf spätere Missionen aus und machen sie dadurch leichter oder schwieriger. Wäre es nicht so zeitaufwendig, könnte durch strategisch richtiges Speichern oder ein zweites Durchspielen jede Möglichkeit abgearbeitet werden, aber jetzt steht erst einmal der Spielspaß im Vordergrund. Mir scheint auch, als ob sich teilweise entscheiden lässt, wer Freund und wer zu einem Feind wird.

Apropos Missionen. Diese gestalten sich äußerst abwechslungsreich. Bis auf die Hauptmissionen lassen sich alle Aufträge von der Reihenfolge und teilweise vom Inhalt her individuell gestalten. Es gibt verschiedene Typen von Nebenmissionen. Es wird einem vieles geboten, sodass es nie langweilig werden muss. Was mich etwas stört, aber das ist mein Problem mit Rollenspielen, ist die oft sehr Dialoglastige Abwicklung einer Mission. Da rennt man von A über B nach C, nur um wieder nach A zu gelangen und bei jedem Standort redet man ununterbrochen mit den verschiedensten Personen. Das wird mir manchmal zu viel und dann kümmere ich mich um unentdeckte Orte oder erledige ein paar andere Aufträge.

Eine weitere interessante Frage, welche gleich zu Anfang beantwortet werden muss, später aber jederzeit geändert werden kann, ist die Einstellung des Schwierigkeitsgrades.

Zwar habe ich mit Stufe 2 begonnen, da mir dieser aber mit der Zeit zu schwierig und die Ladezeiten der PS4 zu lang wurden, reduzierte ich auf Stufe 1 und fahre bis jetzt relativ gut damit.

Alles in allem bin ich von Witcher 3 sehr begeistert und freue mich auch die nächsten 50 Stunden, die ich gemeinsam mit Geralt und seinem treuen Pferd Plötze erleben darf. Ich muss noch so manche Level aufsteigen und Rüstungen schmieden lassen, bis ich mich schließlich der Wild Hunt stellen und Ciri von ihren kalten Händen retten kann, auch wenn sie sich gut selbst in der Welt zurechtfindet.

Throwback Thursday: Marvel’s Civil War – Eine Perspektive

In den vergangenen Wochen ist es an dieser Stelle häufig um das Marvel-Comic-Event Civil War gegangen. Sei es nebenbei, in den The Amazing Spider-Man Geschichten Back in Black oder One More Day oder dem gleichnamigen MCU-Film. Um den Monat rund um Marvel und Spider-Man also gebührend abzuschließen, gehen wir heute zurück zum 16.03.2018.

An dem Datum habe ich auf meiner damaligen Webseite geek-planet einen Artikel über Civil War geschrieben. Dabei geht es aber nicht um das Hauptevent, sondern um eine Geschichte, die sich parallel dazu abgespielt hat. Es geht um eine kleinere Geschichte und ein Schicksal, welches ich damals, offen gesagt, so nicht erwartet hatte. Es ist mittlerweile fast sechs Jahre her, seit ich diesen Artikel und damit den Comic gelesen habe, und die Geschichte rund um den Charakter Robbie Baldwin hatte ich tatsächlich vergessen.

Bei der Lektüre des Textes sind mir aber sofort wieder die Bilder und Szenen in den Kopf gekommen. Es ist eine eindrucksvolle Geschichte, die ihresgleichen sucht. Solch einen Mut, durchaus tragische Schicksale zu erzählen, sich auszuprobieren in den Charakteren und Stilen, würde ich mir heute im MCU wünschen. Aber vielleicht kommen wir ja eines Tages dorthin. Heute jedenfalls soll es erst einmal um Robbie Baldwins Charakter gehen.


Stamford, Connecticut. Die New Warriors sind seit einiger Zeit mit ihrem Van unterwegs, auf der Suche nach Bösewichten, die sie dingfest machen können. Dabei spielt es keine Rolle, welche sie finden, es geht ihnen hauptsächlich um die Einschaltquoten. Grund dafür ist, dass sie ihr Leben als Reality-Show verkaufen und darauf achten müssen, dass immer wieder spannende Sachen passieren. Dann stoßen sie in Stamford auf eine Gruppe von Bösewichten ohne speziellen Gruppennamen. Schnell werden die New Warriors entdeckt. Es bricht ein Kampf aus. Ihre Kameras zeichnen alles auf und werden später als Beweise verwendet.

Sie zeigen, wie sich Speedball über die Einschaltquoten Sorgen macht, One-Liner wiederholt und versucht cool rüberzukommen. Bis einer von ihnen auf Nitro trifft. Er hat die Fähigkeit, eine gewaltige Explosion auszulösen, und genau das macht er. Hunderte Menschen sterben, darunter auch viele Kinder. Die New Warriors waren überfordert. Alles für die Einschaltquoten. Alles für gute Kamerawinkel.

Dieser Vorfall ist Auslöser von Marvels berühmten Civil War und einer Debatte, auf die es keine einfachen Antworten gibt. Eine Debatte, bei der sich selbst die Gewinner, die am Ende stehen bleiben, fragen werden, ob es das Ganze wert war. All die Opfer, all die Toten, all die Konflikte. Aufgeteilt auf zwei Seiten. Gezwungen sich zu entscheiden. Zwischen Captain America, der sich gegen den Superhuman Registration Act ausspricht. Und zwischen Iron Man, der diesen mit aller Macht durchsetzen möchte und dafür buchstäblich über Leichen geht.

Neben dem Hauptevent Civil War, welches in sieben Ausgaben präsentiert wird, gibt es über 80 sogenannte Tie-ins und One-Shots – also zusätzliche Comics, in diversen Sonderformaten, die mit allem beschäftigen, was sonst noch während des Civil War geschieht. Es ist ein Event, welches das gesamte Marvel-Universum beansprucht und für Monate in seinen Klauen hatte. Selbst danach lässt der Superhuman Registration Act nicht locker. SHIELD jagt Superhelden, die sich nicht registrieren wollen, genauso hartnäckig wie Bösewichte. Niemand ist davor gefeit. Doch am tragischsten ist wohl die Figur des Robbie Baldwin, auch bekannt als Speedball.

Er ist der einzige Überlebende von Stamford Vorfall und natürlich wird er dafür verwendet, ein Exempel zu statuieren. Sonst ist niemand da, dem man die Schuld geben könnte und die Öffentlichkeit benötigt nun mal ein Opfer. Seine Fähigkeiten werden im Laufe der Geschichte ein wenig ausführlicher erklärt, aber es läuft darauf hinaus, dass er von einer Art kinetischem Feld umgeben ist, welches ihm Fähigkeiten verleiht, die stark an The Flash aus dem Hause DC erinnern. Dieses Feld hat ihn vor der Explosion geschützt, ist aber inzwischen weitestgehend aufgebraucht. Es wurde durch die Explosion mehr oder weniger neutralisiert. Er besitzt also keine übermenschlichen Fähigkeiten mehr.

Wie alt Robbie wirklich ist, wird aus der Geschichte nicht klar, aber er kann nicht älter als 17 sein. Auf vielen Ebenen ist er wohl das griffigste Beispiel, welche Opfer der Civil War mit sich bringt. Denn auch wenn Robbie nicht gestorben ist, so ist sein Leben seit Stamford von Leid, Scham und einem Schuldbewusstsein geprägt, das ihn unter sich zerbricht. Da er der einzige Überlebende ist, wird er natürlich für alles verantwortlich gemacht, was geschehen ist. Was er alles durchmachen muss, wird in jedem grausamen Detail in der Mini-Comic-Reihe Front Line gezeigt.

Dabei handelt es sich um eines der besten Tie-ins, da es in jeder Ausgabe drei bis vier Geschichten erzählt – selbst kleine Geschichten aus dem realen Civil War werden erzählt. Der Rest handelt von Charakteren, die sonst nicht sehr im Zentrum stehen, wie dem Journalisten Ben Urich.

Aber zurück zu Robbies Geschichte. Jessica Walters auch bekannt als She-Hulk und Anwältin der Superhelden, versucht alles, um ihren Klienten aus dem Gefängnis zu holen. Sie handelt sogar einen Deal aus. Doch Robbie bleibt drin. Er hätte es verdient, sagt er, im Gefängnis zu sein. Hier gehört er hin. Er besteht auf seinen Prinzipien. Es ist eine Tiefe, die im Kontrast zu dem steht, wie Robbie anfänglich eingeführt wurde, doch es ist eine logische Entwicklung, wenn man die Umstände berücksichtigt.

Da er keine Superkräfte mehr hat, kommt er in ein normales Gefängnis. Ohne Sonderbehandlung. Natürlich weiß jeder, wer er ist und er wird als Kinder-Mörder abgestempelt. Er wird geschlagen, misshandelt. Selbst die Wachen verpassen ihm diverse Abreibungen. Er verteidigt sich, wenn nötig, aber lässt es über sich ergehen. Bei einem späteren Transport wird er sogar einmal angeschossen.

Robbies Perspektive ist es auch, die es den Leser*innen erlaubt, hinter die Kulissen des Gefängnisses zu blicken, welches Tony Stark und Reed Richards für diejenigen errichtet haben, die sich weigern, sich zu registrieren. Es ist kein normales Gefängnis. Nein, es ist ein aus Stahl und Beton errichteter Albtraum der Einsamkeit. Gebaut an einem Ort, aus dem es kein Entkommen gibt: der Negative-Zone. Dabei handelt es sich um eine Art Parallelwelt, zu der man nur mithilfe von speziellen Portalen gelangt. Viele von diesen Portalen gibt es nicht, vielleicht sogar nur das eine, von Reed Richards konstruierte. Von diesem Ort gibt es kein Entkommen.

Schwer bewacht, macht es von außen tatsächlich den Anschein, dass dies das Ende ist – es fehlen nur noch die schwarz rauchenden Kamine, und die (vielleicht unbeabsichtigte) Anspielung wäre perfekt. Grundsätzlich ist es ein Guantánamo für Superhelden. Ohne Richter, ohne Chance auf eine faire Verhandlung, wird man dort eingesperrt und der Schlüssel weggeworfen. Es ist trostlos. Einsam. Bis sich die Insassen dafür entscheiden, sich zu registrieren. Tun sie es nicht, bleiben sie lebenslang hier. Tony Stark und Reed Richards – zwei Genies, die alles verraten, wofür Superhelden stehen sollten. Der Anblick des Gefängnisses ist auch für Peter Parker der Auslöser, sich endlich gegen den Superhuman Registration Act zu wenden. Zwar, nachdem er seine Identität der Öffentlichkeit präsentiert hat, doch immerhin.

Während also die Kämpfe weiter gehen und Tony Stark weitere Monstrositäten erschafft, die ihm helfen sollen, Unregistrierte festzunehmen, aber nur weiteren Opfern das Leben kostet, befindet sich Robbie im Gefängnis in der Negative Zone. Nur zu seiner eigenen Sicherheit, natürlich. Später, gegen Ende des Events, gelingt schließlich ein Ausbruchsversuch, angeführt von Captain America. Es bricht der finale Kampf zwischen den Helden aus.

Robbie macht sich unterdessen auf die Suche nach einer neuen Identität. Wer ist er nun? Speedball ist an dem Tag gestorben, an dem auch so viele andere Menschen den Tod gefunden haben. Er leidet. Und genau dieses Leid ist es, was ihm neue Kräfte verleiht. Angefacht durch Schmerz, Leid und Pein, wird er zu einer der wohl tragischsten Figuren, die in diesem Moment im Marvel Universum existieren: Penance (zu Deutsch: Buße). Er beschafft sich eine Rüstung, die mit 612 internen Nadeln, Spitzen und Spikes ausgestattet ist – der Anzahl der Opfer. Der dadurch verursachte Schmerz dient als Trigger für seine neuen Fähigkeiten.

Civil War fordert viele Opfer. Selbst nach dem Event fordert er noch Leben von Menschen und Superhelden ein. Am berühmtesten wohl Captain America persönlich. Die Debatte findet unterdessen keine richtige Antwort. Die Zuspitzung ist aber zum einen notwendig und ergibt sich zwangsweise aus den Handlungsweisen der verschiedenen Protagonist*innen. Allen voran Captain America und Iron Man. Es ist angebracht, sich Fragen zu stellen, wie: Wäre Stamford passiert, wenn die New Warriors eine führende Hand gehabt hätten? Eine Ausbildung und entsprechendes Training? Vielleicht nicht. Aber ist es dazu notwendig, sich dem Superhuman Registration Act unterzuordnen oder gibt es eine ausdifferenziertere Alternative?

Eine einfache Antwort gibt es nicht. Doch Robbie Baldwin bleibt das herausragendste Beispiel, was passiert, wenn Menschen blind vor Wut und Gerechtigkeitswahn ein Exempel statuieren wollen. Wenn man diesem gebrochenen jungen Mann nicht hilft, über seine Taten hinwegzukommen, sondern stattdessen in den Wahnsinn hinein treibt, aus dem er vielleicht nicht mehr heraus kommt.

Civil War erschien in den Jahren 2006/2007 (Autor: Mark Millar; Künstler: Steve McNiven). Die Geschichte von Robbie Baldwin in Marvels Front Line Mini-Serie wurde geschrieben von Paul Jenkins und gezeichnet von Steve Lieber. Titel: The Accused (Der Beschuldigte).

Throwback Thursday: The Amazing Spider-Man – One More Day

Wie jeden Donnerstag werfen wir einen Blick in die Vergangenheit meiner Blogger-Karriere. Heute sehen wir uns den Artikel über die Spider-Man-Geschichte One More Day an. Dieser erschien am 10.06.2016 auf meiner damaligen Webseite geek-planet.

Diese Geschichte, die One More Day erzählt, ist geradezu verhasst unter Spider-Man-Fans, weil sie als eine der schwächsten und stumpfsinnigsten gilt. Zwar haben wir daran anschließend den über Jahre dauernden Run von Dan Slott bekommen, einen der einflussreichsten Autoren von Spider-Man, aber es ist immer spannend, sich zu fragen: Was wäre, wenn?

Beim Lesen des Textes ist mir aufgefallen, dass ich sehr viel Vorwissen voraussetze. Für einen Blog, der sich wie damals eben an ein sehr spezifisches, Comic-affines Publikum richten sollte, nichts Tragisches, aber ein wenig mehr Hintergrundwissen zu vermitteln, wäre nicht schlecht gewesen. Welche Geschichte haben Tony Stark und Peter Parker in Civil War durchgemacht? Was hat mir an Back in Black so sehr gefallen? Und darauf aufbauend dann eventuell detaillierter und ausführlicher herleiten, warum One More Day ein Betrug an den vergangenen Geschichten und den Charakteren war.

Ich springe sehr viel herum und gehe nur selten auf Details ein, wie ich finde. Aber deshalb sehen wir uns ja die alten Texte an. Um daraus zu lernen und zu sehen, ob sich Einstellungen und Meinungen eventuell geändert haben. Wenn es zu One More Day kommt, bleibe ich dabei, dass es eine schlechte Storyline ist, die viel Potenzial zunichtegemacht hat. Schade darum. Aber seitdem haben wir viele andere, fantastische Spider-Man-Geschichten bekommen. Und wir wollen uns ja auf die positiven Aspekte konzentrieren und nicht immer nur jammern.


  • Ausgaben: Amazing Spider-Man #544-545; Sensational #41; Friendly Neighborhood #24
  • Autor: J. Michael Straczynski
  • Künstler: Joe Quesada, Danny Miki, Richard Isanove, Chris Eliopoulos

“I’ll find a way to save aunt may if it means storming the gates of hell itself.” – Spider-Man

Die Story-Line One More Day knüpft direkt an Back in Black an und konzentriert sich vorwiegend darauf, wie Peter verzweifelt nach einer Möglichkeit sucht, seine Tante vor dem Tod zu bewahren. Es handelt sich hier insofern um eine besondere Geschichte, als dass sie sich über drei verschiedene Spider-Man-Titel erstreckt und davon zwei (Sensational Spider-Man und Friendly Neighborhood Spider-Man) zu einem Ende führt. Damit wollte Marvel damals dazu übergehen, die Reihe The Amazing Spider-Man zukünftig dreimal im Monat auszuliefern.

Qualitativ unterscheiden sich One More Day und Back in Black so grundlegend voneinander, dass man kaum glauben mag, sie stammen von den gleichen Autoren. Der Start der Story-Arc ist fantastisch, und das nicht nur, weil die Geschichte direkt mit der gleichen Atmosphäre wie aus den vorherigen Ausgaben fortgesetzt wird. Sie ist so großartig, weil sie die Welt von Spider-Man noch ein Stück weiter öffnet. Wir sind mit Back in Black eingestiegen und kennen uns noch nicht so gut mit der Welt aus, mit der wir es hier zu tun haben. Lediglich die grundlegenden Ereignisse aus Civil War sind uns bewusst.

Um seine Tante zu retten, besucht Peter erst einmal überraschend seinen derzeitigen „Gegner“ Iron Man, auch bekannt als Tony Stark, in dessen Tower. Der Kampf, der entfacht, ist schnell vorbei, da Peter alles tut, um Tony zu stoppen, und die folgende Unterhaltung spielt großartig mit den Stärken der beiden Charaktere. Gleichzeitig wird sehr viel von ihrem derzeit angespannten Verhältnis und ihrer ereignisreichen Vergangenheit klar. Auch eine Beziehung zwischen dem Butler Jarvis und May wird angedeutet, der ich mir bisher nicht bewusst war.

Ich will hier nicht jedes einzelne Detail der Geschichte wiedergeben, sondern nur grobe Eindrücke vermitteln, also springen wir weiter zu Peters nächsten Halt, nachdem ihm Tonys Geld nicht wirklich weiterhilft. Niemand geringerer als The Sourcerer Surpreme Dr. Stephen Strange ist sein nächstes Ziel. Die Szenerie wechselt sofort zu einem mystischen Flair, den man aus Spider-Man-Comics wahrscheinlich nicht so sehr gewohnt ist. Auf sehr schmerzvolle Weise wird Peter hier beigebracht, dass niemand in der Lage ist, May das Leben zu retten und er sich mit der Tatsache abfinden muss, dass ihre Zeit gekommen sei. Schade finde ich an dieser Stelle, dass Strange hier vielleicht etwas zu naiv dargestellt wird und ich glaube ihm keine Sekunde. Mit Sicherheit wäre er in der Lage, May zu retten, zumindest wird das zwischen den Zeilen vermittelt. Warum er es allerdings nicht tun will, erläutert leider nicht.

Schließlich, und dies ist der große dritte Teil der Geschichte, konfrontiert ihn Mephisto, der König der Unterwelt persönlich, und bietet ihm einen Deal an. Wenn er seine Liebe zu Mary Jane aufgibt und damit nicht nur die Vergangenheit der beiden, sondern auch ihre Ehe, dann sorgt er dafür, dass May gesund wird. Er wolle sich aus ihrer heimlichen Sehnsucht zueinander nähren, was viel kostbarer sein soll, als eine Seele, die freiwillig für ein höheres Ziel geopfert wird.

Es ist sehr ärgerlich, wie eine so brillante Geschichte und Jagd nach einer Lösung dermaßen, und mir fällt ehrlich kein anderer Begriff ein, dumm zu Ende geführt werden kann. Die fantastisch inszenierte Begegnung zwischen Tony und Peter, in die so viel Herz gesteckt wurde, nicht nur was die Dialoge und die Handlung selbst betrifft, sondern auch die Zeichnungen. Diese vermitteln wunderbar den verzweifelten Peter Parker, der alles dafür tun würde, um seine Tante zu retten. Die mystische Begegnung mit Dr. Strange sowie die bewegenden Szenen im Krankenhaus. Alles toll ausgearbeitet. Doch dann folgt diese berühmt-berüchtigte Ausgabe #545.

Alles, was bis zu diesem Punkt aufgebaut wurde, wird zunichtegemacht. Nicht nur die Auflösung, wie May gerettet wird, ist ärgerlich, sondern auch die zusätzliche Klausel, wenn man so will, die Mary Jane in den Deal mit Mephisto eingebracht hat: Die ganze Welt soll vergessen, dass Peter Parker Spider-Man ist. Gerade erst vor drei Ausgaben haben wir gesehen, wie er an Wilson Fisk ein Exempel statuiert hat. Das alles wird jetzt nichtig.

Großartige Geschichten hätten sich aus den weiterführenden Prämissen von Civil War und Back in Black weben lassen (entschuldigt das Wortspiel). Aber anstatt die einzigartige Gelegenheit zu nutzen, machen sie alles ungeschehen. Natürlich wäre es ungewöhnlich und vielleicht auch etwas risikobehaftet gewesen, Spider-Mans Geschichte so sehr auf den Kopf zu stellen, aber einen Versuch wäre es wert gewesen. Zu allem Überfluss arbeiten die Autoren dann auch noch auf dermaßen billige und kitschige Weise die ewige Liebe zwischen Peter und MJ ein, dass einem übel werden könnte.

Gerade die letzten Seiten haben mich überraschend wütend gemacht. Denn statt auch mit dieser lächerlichen Prämisse zu spielen, wird bereits angedeutet, dass alles gut enden wird. An dieser Stelle hätte es der Reihe gutgetan, ein paar Risiken einzugehen und May vielleicht sterben zu lassen. Wie wir alle wissen, stirbt in Comics ja niemand wirklich (ausgenommen die Eltern von Bruce Wayne und Peters Onkel Ben).

So gut die Reihe begonnen hat, so schnell wird sie gegen die Wand gefahren und viel Potenzial verschenkt. Schade für die in Back in Black gelegten Grundsteine. Hoffentlich geht es besser weiter.

Throwback Thursday: The Amazing Spider-Man – Back in Black

Für unseren allwöchentlichen Ausflug in die Vergangenheit habe ich mir einen Artikel herausgesucht, der an den Captain America: Civil War Artikel von letzter Woche anschließt.

Ich habe an dieser Stelle schon öfter darüber geschrieben, dass Spider-Man zu meinen Lieblingscharakteren gehört und ich des Öfteren Leseprojekte gestartet habe, wo ich mir seine Comics vornahm. So war der erste offizielle Auftritt von Spider-Man im MCU auch damals ein Auslöser für ein solches Projekt.

Die nächsten Wochen werden wir wahrscheinlich ebenfalls beim Thema Spider-Man bleiben. Es sind einfach faszinierende Geschichten, und Back in Black gehört sicherlich zu einer der besten. Ich finde es immer noch schade, dass Marvel diese Seite von Peter Parker nicht länger verfolgt hat. Es wäre etwas komplett anderes gewesen – eine Charakterstudie, die sich gelohnt hätte.

Beim Lesen der alten Artikel merke ich bereits, dass es mich erneut in den Fingern juckt, mich in die Comics von Peter Parker zu stürzen. Aber erst einmal habe ich noch ein paar Bücher vor mir. Es läuft ja nichts davon. Manchmal muss man auch soweit sein und die Vorfreude auf etwas genießen können.

Wie dem auch sei. Kommen wir zur Rezension, die ich am 03.06.2016 auf meiner damaligen Webseite geek-planet veröffentlichte.


  • Ausgaben: #539-543
  • Autor: J. Michael Straczynski
  • Künstler: Ron Garney, Bill Reinhold, Matt Milla

“You forgot something, Fisk. […] At the end of the day, you’re just a fat man with an attitude…a balloon just waiting for someone to stick a needle in it. And me? I’m the needle.” – Peter Parker

Auch wenn man ein großer Fan von etwas ist, benötigt man doch bisweilen einen kleinen Anstoß, um sich etwas intensiver mit dem Thema auseinanderzusetzen. Für mich war dieser Anstoß, was Spider-Man betrifft, Captain America: Civil War. Die Darstellung des Wandkrabblers, meines absoluten Lieblings-Comic-Charakters durch Tom Holland im neuesten Marvel-Film ist derart erstaunlich und entspricht so sehr seinem Pendant in den Comics, dass ich mich natürlich gleich daran machen musste, ein paar Abenteuer nachzulesen.

Doch wo fängt man in der 60-jährigen Geschichte an? Dazu habe ich zwei Anhaltspunkte gewählt:

Das Erste war relativ simpel. Dank Marvel-Unlimited, was ich an dieser Stelle nur empfehlen kann, hat man Zugriff auf beinahe alle Comics, die Marvel jemals veröffentlicht hat, und da habe ich einfach mal „Amazing Spider-Man (1999-2013)“ gewählt. Zufälligerweise fällt in diesen Zeitraum das ursprüngliche Civil War Event. Also ein perfekter Einstieg in die Comics. Allerdings muss man wissen, dass das Event hier etwas anders abläuft als im Film. Im Film von Captain America ist die Prämisse, dass die Avengers von einem Komitee geleitet werden sollen, das von 117 Regierungen der Welt zusammengestellt wurde. Wer sich diesem Komitee nicht beugt oder auf eigene Faust handelt, wird als Verbrecher gebrandmarkt und eingesperrt. Im Comic-Event Civil War geht es um eine ebenfalls von Tony Stark unterstützte Superhelden-Registrierungskampagne, die dazu aufruft, dass sich alle Superhelden dort eintragen lassen und ihre Identität preisgeben. Zwei ähnliche, aber doch sehr unterschiedliche Szenarien, die zum Zerfall der Avengers und damit zum Konflikt zwischen Iron-Man und Captain America führen.

Was ist nun also die Ausgangslage für Spider-Man? Peter Parker hat sich dazu überreden lassen, seine Identität preiszugeben. Etwas, das er so noch nie getan hat und selbst manche seiner besten Kamerad*innen wissen über seine wahre Identität nicht Bescheid. Da er sich natürlich viele Feinde im Laufe der Zeit gemacht hat, ergreift niemand Geringerer als Wilson Fisk aka Kingpin die Gelegenheit und lässt ein Attentat auf ihn verüben. Dieses läuft allerdings schief und Tante May wird tödlich getroffen und landet nicht nur im Krankenhaus, sondern fällt auch noch in ein Koma. Dies führt dazu, dass Peter nicht sein klassisches Kostüm anzieht, sondern das Schwarze, und sich aufmacht, den Drahtzieher hinter der Tat ausfindig zu machen und ein Exempel zu statuieren.

Was an der Geschichte so sehr fasziniert, sind nicht nur die Beweggründe, die dazu führen, dass Peter das schwarze Kostüm anzieht, sondern was es repräsentiert. Denn dieser Spider-Man scheint keine Grenzen zu haben. Für ihn gilt zwar auch der berühmte Ausspruch „with great power there must also come great responsibility“, doch unter dieser anderen Identität kann er sich dazu entschließen, die Verantwortung abzulegen und Rache für seine Tante zu nehmen. Es werden oft Situationen in der Geschichte gezeigt, die ermöglichen, dass er seine Regeln ad acta legt. Und man ist sich während der Lektüre nie 100 % sicher, ob er jetzt töten wird oder nicht.

Die fantastischen Dialoge, verbunden mit den grandiosen Zeichnungen, legen eine neue Seite von Peter offen und stellen seinen Zwiespalt, zwischen der Unterstützung von MJ bei der Versorgung seiner Tante im Krankenhaus und der Rache an Fisk, wunderbar dar. Auch der finale Schlagabtausch im Gefängnis ist sehr symbolisch gestaltet. Er sagt es Fisk auch direkt, dass er ihn nicht nur in seiner Persona Spider-Man besiegen möchte, sondern als Peter Parker.

Es ist schon erstaunlich, dass der Kingpin, ein Mann, dessen unfassbare körperlichen Ausmaße und Muskeln, keine Chance hat, wenn Peter seine gesamte Kraft und Agilität gegen ihn einsetzt. Es ist ein ungleicher Kampf, der mir erstmals einen Kingpin vor Augen führt, der verliert, und zwar nicht nur diesen einen Kampf, sondern seinen Respekt und die Furcht der anderen Insassen. Dies ist wohl dasjenige, das für ihn am wertvollsten ist, und das weiß Peter auch. In seinem nachfolgenden Monolog, den blutenden, gebrochenen Fisk zu seinen Füßen, macht er dann deutlich, dass es besser ist, sich nicht mit seiner Familie anzulegen. Die Kraft, die hinter diesen Bildern und Worten steckt, ist epochal und mitreißend.

„Back in Black“ mag jetzt zwar nicht gerade die typische Spider-Man-Geschichte sein, da man keinen Helden erlebt, der viel redet, Witze reißt oder sonstige typische Handlungen vollführt. Stattdessen bekommt man eine Geschichte geliefert, die mal eine ganz andere Seite zeigt. Eine verletzliche, rächende Seite, die sich trotzdem noch unter Kontrolle hat. Hier wird mir einmal mehr vor Augen geführt, warum Spider-Man zu den besten Comic-Charakteren der Geschichte zählt.

Throwback Thursday: Captain America – Civil War

Diese Woche habe ich mir für unseren Artikel aus längst vergangener Zeit einen herausgesucht, der an bessere Zeiten eines gewissen Franchise erinnert. Ein bisschen sehnt man sich als Marvel-Film-Fan durchaus in diese Zeit zurück. Es war der 22.05.2016, als ich den folgenden Text auf meiner damaligen Webseite geek-planet veröffentlichte.

Heute träumt man von dieser Qualität an Marvel-Filmen leider nur, aber immerhin hat es mich etwas motiviert, mir eventuell einzelne Marvel-Filme mal wieder anzusehen, die ich schon seit Jahren nicht mehr gesehen habe. Es war eine Zeit, wo jeder Film, zumindest zu einem gewissen Grad, noch für sich stehen konnte. Man musste nicht erst drei Serien auf Disney+ schauen und dann noch den einen Film von vor 4 Jahren, um den Anschluss zu finden. Vor allem Streaming hat meiner Meinung nach dazu beigetragen, dass die Qualität der Filme so sehr gelitten hat, seit Endgame.

Aber wir wollen nicht jammern, sondern uns der Filme erfreuen, die wir haben. Schauen wir also zurück auf Captain America: Civil War.


Die Russo Brüder sind zurück im Marvel Cinematic Universe und nachdem sie bereits mit Captain America: The Winter Soldier eine neue Messlatte für Comic-Verfilmungen gelegt haben, setzen sie mit Civil War noch einmal einen drauf. Sie kreieren einen spannenden sowie komplexen Film, der nicht nur eine in Stein gemeißelte Freundschaft zerbrechen lässt, sondern auch noch zwei neue Charaktere bravourös einführt.

“Compromise where you can. Where you can’t, don’t. Even if everyone is telling you that something wrong is something right. Even if the whole world is telling you to move, it is your duty to plant yourself like a tree, look them in the eye, and say, ‘No, YOU move’.” – Peggy Carter

Die Ausgangslage für den Film könnte nicht besser ausgearbeitet sein, und hier zahlt sich die Vorarbeit, die Marvel mit den bisherigen Filmen aus der ersten und zweiten Phase geleistet hat, wahrlich aus. Angefangen beim Desaster aus The Avengers über Age of Ultron und Winter Soldier, bis zu den Ereignissen, die am Beginn von Civil War stattfinden, werden viele Referenzen eingebaut. Dies macht diesen Film natürlich für Neueinsteiger schwierig. Zwar lässt sich der grundlegenden Handlung durchaus folgen, jedoch bleiben viele Motive im Unklaren und die emotionale Wucht, mit der so manche Szenen ausgestattet sind, wird verpuffen. Treue Fans werden aber mit dem Konflikt zwischen den großen zwei Helden Iron-Man und Captain America belohnt, der mit einer überraschenden Tiefe und Verständnis für beide Seiten aufwarten kann.

Die Regierungen der Welt oder zumindest 117 von ihnen haben sich zusammengeschlossen, um eine Kommission aufzubauen, die zukünftig darüber entscheiden soll, wann und wo die Avengers eingreifen. Somit wird aus dem Privatunterfangen eine von Staaten gesteuerte Organisation. Wer diese Papiere nicht unterschreibt und trotzdem einem Heldendasein nachgeht, ist fortan ein Krimineller. Tony Stark, der durch vergangene Ereignisse geprägt wurde und nicht mehr zusehen kann, wie die Avengers die Welt auf ihre Weise schützen wollen, sieht sich seinem besten Freund Steve Rogers gegenüber. Dieser sieht eine Bedrohung darin, wenn sie nur mehr von einem Komitee gesteuert werden.

Im Laufe des Films werden noch mehr Motive klar, doch diese möchte ich an dieser Stelle nicht vorwegnehmen. Die Russo-Brothers überzeugen mit soliden Standpunkten, die sich beide als nachvollziehbar und verständlich herausstellen. Somit wird es tatsächlich schwer, sich endgültig für eine Seite zu entscheiden und es werden noch viele Stunden unter Fans vergehen, in denen darüber debattiert wird, wer auf der „richtigen“ Seite steht.

Was diesen Film aber auch noch als perfekt darstellt, neben den ganzen Helden, auf die ich gleich zu sprechen komme, ist der Gegner, mit dem es die Avengers dieses Mal zu tun haben. Man könnte durchaus sagen, dass gerade dessen Abwesenheit sehr zur Spannung beiträgt. Zemo (Daniel Brühl) ist wohl der beste Gegner seit Loki. Er ist sich bewusst, dass er es nicht mit den Helden aufnehmen kann und treibt stattdessen einen Keil zwischen sie. Er macht dies auf sehr subtile Art und streut viele Zweifel auf beiden Seiten. Zwar könnte man argumentieren, dass er sich sehr auf sein Glück verlässt, doch im Großen und Ganzen wirkt es geplant und naheliegend. Auch seinen Standpunkt kann man verstehen, was den Film noch einmal um eine Stufe komplexer gestaltet.

Kommen wir nun zu den Helden: Bereits aus Age of Ultron kennen wir Vision (Paul Bettany) und Scarlett Witch (Elisabeth Olson), deren Chemie einfach unschlagbar ist. Es wird auch eine potenzielle Beziehung zwischen den beiden angedeutet, die auch schon in den Comics stattfand. Wieder zurück sind unter anderem Black Widow (Scarlett Johansson), Hawkeye (Jeremy Renner), Ant-Man (Paul Rudd), Falcon (Anthony Mackie) und War-Machine (Don Cheadle). Besonders Black Widwo sticht wieder so großartig heraus, dass sie sich ihren eigenen Solo-Film mittlerweile mehr als verdient hat, doch unverständlicherweise steht dieser noch nicht auf dem Plan von Kevin Feige.

Wie dem auch sei, alle Helden sind durch ihre Abenteuer zu einem guten Team geworden und nehmen ihre eigenen kleinen Bürden zum Konflikt mit. Sie sind zwischen den beiden Standpunkten irgendwie hin- und hergerissen und wissen nicht so recht, wie ernst sie sich jetzt wirklich bekämpfen sollen, was bei der ein oder anderen Stelle immer wieder deutlich wird.

Neu dabei ist zum einen Black Panther. T´Challa wird von Chadwick Boseman mit solch einer Inbrunst verkörpert, komplett mit seiner Agilität, akrobatischen Fähigkeiten und dem passenden Dialekt, dass man kaum auf seinen Solo-Film warten kann. Das Design seines Kostüms ist erstaunlich gut gelungen und besonders die Mid-Credit-Szene gibt einen fantastischen Einblick in seine Heimat. Leider kenne ich den Charakter nicht gut genug, um die Comic-Treue feststellen zu können, doch das, was hier geboten wird, ist mitreißend und fesselt.

Als zweiten Neuankömmling haben wir Spider-Man. Endlich ist der Held im MCU angekommen und hatten wir mit Andrew Garfield bereits einen beinahe perfekten Peter Parker / Spider-Man, so ist Tom Holland die wahre Personifizierung. Dabei muss ich wohl erwähnen, dass der Wandkrabbler zu meinem Lieblingscharakter zählt (er teilt sich Platz eins mit Batman und Spawn). Aus diesem Grund kann ich nicht wirklich Objektiv bleiben, wenn es um ihn geht. Aber glaubt mir, wenn ich sage, dass ich mir den Film allein seinetwegen insgesamt dreimal angesehen habe. Es passt einfach alles. Angefangen vom neu designten Kostüm, das trotzdem an Stan Lees und Steve Ditkos Original aus dem Jahr 1962 erinnert, über seine Attitüde, hin zum ständigen Geplapper und seinen Pop-Kultur-Referenzen. Seine Rekrutierung durch Tony und ihre Unterhaltung, bevor Peter mit in den Kampf zieht, könnte man sich im Dauer-Replay ansehen. Vom Kampf zwischen Spidey, Falcon und Bucky möchte ich gar nicht erst anfangen.

Trotz all dieser Charaktere verliert man aber nie den Überblick über alles, was auf der Leinwand geschieht, und es bleibt ein Captain America Film. Die Szenen zwischen ihm und Bucky sind sehr mitreißend und verdeutlichen noch einmal, wie nahe sie sich wirklich stehen. Das ein oder andere Mal kann man sich dann schon denken, woher die Fan-Theorien um eine Beziehung der beiden kommen, und mich würde es offen gesagt nicht überraschen, doch dass Marvel diesen Schritt durchzieht, kann ich mir nicht vorstellen. Jedenfalls ist mit Bucky ein möglicher Nachfolger von Rogers gefunden, sollte sich Chris Evans nach Infinity War dazu entschließen, das Schild an den Nagel zu hängen. Doch eines kann ich euch sagen: Niemand wird es jemals schaffen, so glaubwürdig einen startenden Hubschrauber mit seinen bloßen Händen festzuhalten wie Chris Evans als Captain America. Diese Szene ist so heroisch, ich bekomme schon Gänsehaut, wenn ich daran denke!

Und da wir gerade bei Nachfolgern sind, kann ich mir auch bei Thor eine Nachfolge von Chris Hemsworth vorstellen (auch wenn er nicht in Civil War auftaucht). Hier wäre eine Comic-Adaption aus der jüngsten Reihe des Gottes möglich. Doch einer, den ich nicht missen möchte. Und sollte er 100 Millionen pro Film kosten, ist Robert Downey Jr. Angefangen bei dem ersten Iron-Man-Abenteuer, hat er wohl die größte Entwicklung von allen durchgemacht. Die erwähnten Konsequenzen, die in Civil War aufgegriffen werden, schmerzen beim Zusehen, und sein Schauspiel ist so brillant und erschütternd, ich möchte ihn nicht ersetzt sehen. Auch wenn er keinen eigenen Film mehr haben sollte, so spielt er zumindest im Spidey-Solo-Film eine zentrale Rolle und natürlich auch in Infinity War. Es wäre schön, wenn er uns auch bis über Phase 4 hinaus begleiten und mit den Marvel-Filmen alt werden würde. Diese Konstanz ist wahrscheinlich Wunschdenken, doch ein Nerd darf wohl noch träumen dürfen.

Aber kommen wir zurück zum Film. Zwei Action-Sequenzen möchte ich besonders hervorheben. Zum einen die wohl beste Verfolgungsjagd, seit Matrix Reloaded. Wir befinden uns in einem Tunnel und dürfen Zeuge davon werden, wie Rogers, Bucky und Black-Panther zu Fuß an Autos vorbeilaufen und über sie springen. Es ist wirklich erstaunlich, wie glaubwürdig das alles ist. Die Stunt-Leute haben erstklassige Arbeit geleistet und sich wieder einmal selbst übertroffen. Das Sahnehäupchen ist allerdings die Szene, als Bucky sich ein Motorrad in voller fahrt schnappt, aufspringt und wegfährt – und das alles in einer glatten Bewegung! Perfektion!

Die zweite Szene, welche auch schon im Trailer angedeutet wurde, ist die berühmte Flughafenszene. Jede Kombination an Konfrontationen, die man schon immer auf der Leinwand sehen wollte, wird einem geboten. Inklusive Ant-Man als Giant-Man, The Empire Strikes Back Referenz von Spidey und cooler Fist-Fight-Szenen. An dieser Stelle ein großes Lob an die Kamera, denn es wird immer wunderbar zwischen Handkamera und schönen weiten Shots gewechselt (nicht nur hier, auch sonst im Film), sodass die Action nie unübersichtlich oder chaotisch wirkt. Es steckt eine gewisse Ordnung darin und auch Figuren, die gerade nicht im Blickfeld sind, behält man im Hinterkopf und weiß, wo sie sich befinden.

Ob Captain America: Civil War die beste Comic-Verfilmung ist, seit The Dark Knight wird die Zeit zeigen, doch immerhin ist sie bei den Marvel-Filmen auf Platz eins gelandet, zumindest für mich. Das Talent der Russo-Brothers und die Tatsache, dass sie sich die Bürde einen großartigen Film zu schaffen, teilen können, haben definitiv Früchte getragen. Es ist schön, dass sie uns auch noch für den Infinity War Zweiteiler erhalten bleiben, und ich bin sehr gespannt, was sie daraus machen. Sie haben das Gesicht des MCU durch ihre beiden Captain America Filme verändert – sehr zum Positiven.

Throwback Thursday: Unbroken

Die heutige Ausgabe meiner wöchentlichen Kolumne, in der ich mir einen Artikel aus längst vergangener Zeit heraussuche, als ich noch den Blog geek-planet hatte, behandelt den Film Unbroken. Es ist nie leicht, einen Film zu besprechen, der wahre Begebenheiten darstellen möchte, denn, anders als ich es damals in meiner Rezension geschrieben habe, nehmen sich die Verantwortlichen immer kreative Freiheiten. Das mag verschiedenste Gründe haben. Ein wichtiger Faktor ist natürlich die Zeit – in zwei bis drei Stunden lässt sich eben kein ganzes Leben darstellen. Andere Gründe haben mit Dramaturgie und dergleichen zu tun.

Aus Neugierde, wie der Film damals ankam, habe ich den Wikipedia-Artikel überflogen. Es sind durchschnittliche bis gute Bewertungen, das Drehbuch wird oft kritisiert und dass man mehr aus dem Material hätte herausholen können – aber ist das nicht immer der Fall? Wie dem auch sei, ich habe mir Unbroken, seit ich damals im Kino war, nicht wieder angesehen. Einmal hat mir vollkommen gereicht. Manche Filme nehmen mich einfach so sehr mit, dass es mir genügt, sie einmal gesehen zu haben.

Vielleicht ist die Rezension, die vom 03.02.2015 stammt, etwas zu überschwänglich und unkritisch, den Entscheidungen gegenüber, die Angelina Jolie und ihr Team getroffen haben. Und wie kann ich mir anmaßen zu beurteilen, ob ein solcher Film „authentisch“ ist?

Der Film ist mir jedenfalls in Erinnerung geblieben, genauso der Kampf und das Leben von Louis Zamperini. Darauf kommt es doch bei solchen Filmen an – nicht zu Vergessen und aus der Vergangenheit zu lernen. Das war mir damals schon wichtig und ist es auch heute noch.


Unbroken ist Angelina Jolies zweite Regiearbeit (die Erste scheine ich verpasst zu haben) und erzählt die wahre Geschichte eines Soldaten und Olympiasportlers, der im Zweiten Weltkrieg von den Japanern gefangen genommen und in ein Arbeitslager verfrachtet wurde.

“If I can take it, I can make it” –Louis “Louie” Zamperini

Wie schon bei Filmen zuvor, wusste ich nicht genau, was ich von Unbroken erwarten soll. Irgendwie schaffte ich es keinen Trailer davon gesehen zu haben, Angelina Jolie ist eine gute Schauspielerin, aber kann sie auch Regie führen? Des Weiteren war es der zweite WWII-Film innerhalb einer Woche, daher war ich mehr oder weniger auf das Thema eingestellt und konnte die Vorstellung vorurteilsfrei, soweit so etwas überhaupt möglich ist, besuchen. Dass mich der Film aber noch Tage danach beschäftigen wird und mich auf einer Ebene berührt, wie es nur wenige Filme schaffen, hatte ich tatsächlich nicht erwartet.

Wenn ich jemandem die drei wichtigsten Bestandteile des Films aufzählen müsste, wären das die Kameraeinstellungen, die Schauspieler und der Soundtrack. Angelina Jolie versteht es wirklich, einen Film zu machen. Sie holt das Letzte aus ihren Schauspielern heraus und stellt die Ereignisse so überzeugend und authentisch dar, sodass ich mir nicht die Frage stelle, ob sie sich nicht zu viele dramaturgische Freiheiten erlaubt hat. Sie bringt mich tatsächlich dazu, ihr zu glauben, dass es so und nicht anders war.

Die Bilder im Film sind atemberaubend und stellen die tragischen Ereignisse in keiner Weise übertrieben effektvoll dar. Die Musik untermalt an den richtigen Stellen das Geschehen und rundet das Gesamtpaket ab.

Jolie unterteilt den Film in drei Lebensabschnitte von Louis: Seine sportliche Karriere, sein Leben beim Militär (inkl. eines 45-tägigen Überlebenskampfes auf offener See) und seinen Erlebnissen in japanischer Gefangenschaft.

Allein die körperlichen Veränderungen, die der Schauspieler Jack O’Connell und seine hervorragenden Kollegen durchmachen, sind bemerkenswert. Von einem durchtrainierten Läufer und Soldaten, zu einem abgemagerten Schiffbrüchigen, der sich wieder etwas erholt und schließlich zu einem ausgezehrten Kriegsgefangenen verkommt, werden alle Facetten geboten. Mich würde sehr ein Making-of interessieren. Sind die Szenen in der Reihenfolge der körperlichen Veränderungen gedreht worden? Wahrscheinlich nicht. Wurde digital nachgeholfen?

Der Kampf um Leben und Tod auf hoher See ist fantastisch dargestellt. Mit den Bildern, die der Kameramann Roger Deakins liefert, hat man als Zuschauer tatsächlich das Gefühl, mit auf dem Rettungsboot zu sitzen und nichts als das weite Meer vor sich zu haben. Da freut man sich dann mit den drei Soldaten, als sie mit bloßen Händen (!) einen Hai aus dem Meer fischen und endlich etwas zu essen bekommen.

Nachdem dann letztlich zwei (Louis und Phil) von ihnen gerettet werden, gibt es noch kurz einen letzten heiteren Satz von Phil, bevor der Film zu einem beinharten Drama wird, welches wenige Aussichten auf ein gutes Ende bietet. Die Folter, die Louis (er wird hier gänzlich zur zentralen Figur) erleidet, ist unbeschreiblich grausam. Mit jeder Minute die vergeht bekommt man mehr Hass auf die Übeltäter und die Kriegsverbrechen, die sie an ihren Gefangenen verüben. Die tragischste Szene war für mich, als der psychopathische und völlig verrückte Lager-Leiter Watanabe, der einen unverständlichen Hass auf Louis hat, alle Gefangenen dazu zwingt, einzeln Louis mit der Faust ins Gesicht zu schlagen. Die Zeit, die vergeht, bis alle durch sind, scheint endlos, und die untergehende Sonne macht deutlich, wie lange das Prozedere tatsächlich dauert. Schließlich müssen drei japanische Soldaten den Geschlagenen halten und seinen Kopf stützen, da er einfach nicht mehr kann. Allein der Gedanke an diese Szene erhöht wieder meinen Puls, macht mich betroffen.

Dieser Film hat mir wieder deutlich gemacht, dass es wichtig ist, unsere Vergangenheit nicht zu vergessen, sondern aus ihr zu lernen und die Fehler nicht zu wiederholen. Wir Menschen haben es leider zu einer Kunst werden lassen, sogenannte Feinde und Gegner zu demütigen, foltern, hinrichten. Warum?

Am meisten überraschte mich das Ende des Films, dass das Leben von Louis Zamperini, der im Jahr 2014 im Alter von 97 Jahren gestorben ist, nach der Befreiung durch beschreibende Texte, echte Foto- und Videoaufnahmen darstellt. Seine Charakterstärke und Persönlichkeit sind inspirierend und bewegend.