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Throwback Thursday: Der Tod in Venedig von Thomas Mann

Es ist Donnerstag und damit Zeit für einen erneuten Rückblick in eine längst vergangene Zeit. Für den heutigen Rückblick habe ich mir eine Rezension herausgesucht, die ich am 22.01.2018 auf meinem damaligen Blog geek-planet veröffentlichte. Der Tod in Venedig ist ein Buch, das mich nachhaltig beeindruckt hat. Allein das Lesen des Textes darüber hat mich wieder in die Zeit zurückgeworfen. Im Studierendenwohnheim sitzend, habe ich in meinem kleinen Zimmer das Buch geradezu verschlungen. Es ist ein auf vielen Ebenen wahnsinniges Werk und anders als im folgenden Text angegeben, habe ich es seither nicht noch einmal gelesen. Vielleicht wird es dieses Jahr mal wieder Zeit.


Thomas Mann mag sein Buch in fünf Kapitel eingeteilt haben, doch für mich ist es eine Geschichte aus drei Teilen. Im ersten Teil lernen wir unseren Protagonisten Aschenbach kennen. Er ist Autor und möchte einfach abschalten. Wo genau, weiß er jedoch nicht. Auf den ersten 50 Seiten schreibt Mann über Aschenbachs bisherige Werke und wie dieser sein Leben gelebt hat.

Dabei besticht der Autor mit einer Sprache, die ich so bislang nicht gesehen habe. Ob es an den langen, verschachtelten Sätzen liegt, seiner Fähigkeit, Situationen und Menschen auf verschiedenste Weise zu beschreiben oder seinen Metaphern, Anspielungen und Sinnbildern – ich kann es nicht sagen. Oft sitzt man da, liest Seite um Seite, versteht, was er einem sagen will, aber kann nicht nachvollziehen, wie er es geschafft hat, so viel Gefühl zu transportieren. Mit etwas Abstand werde ich das Buch mit Sicherheit noch einmal lesen. Es steckt einfach zu viel in einem Satz, sodass es unmöglich scheint, alles beim ersten Durchlesen aufzunehmen. Zumal die wahre Tragik erst ab Seite 50 beginnt. Ich weiß kaum noch, was sich davor abgespielt hat, da mich das, was ab da passiert, einfach nicht mehr loslässt. Es beschäftigt mich. Zwar passiert nicht viel in Der Tod von Venedig doch es ist eine psychologische Abhandlung über einen Mann, der sich selbst nicht akzeptieren kann. Der sein Leben lang ein Leben des Verzichts gelebt hat und den eine Person, die er nicht einmal kennt, beinahe in den Wahnsinn treibt. Doch eines nach dem anderen.

Der für mich zweite Teil des Buches beginnt, als Aschenbach schließlich Venedig als geeigneten Ort für seinen Urlaub ausgewählt hat. Dort begegnet er kurze Zeit nach seiner Ankunft Tadzio. Beziehungsweise begegnet er dem vierzehnjährigen Jungen weniger, als dass er nach ihm schmachtet. Das erste Mal sieht er ihn im Speisesaal, als Tadzio mit seiner Familie dort zu Abend isst. Wenn man sich dann die folgenden Beschreibungen des Jungen ansieht, und davon gibt es so einige, muss er einer der schönsten Menschen auf dem Planeten sein. So absurd die impliziten Umschreibungen des Jungen auch sein mögen, so nachvollziehbar sind sie doch auch. Wer ist nicht schon einmal einem Menschen in seinem Leben begegnet, sei es auf der Straße, im Bus oder sonst wo, der einfach schön ist. Objektiv attraktiv und anziehend. Der einlädt zu Spekulationen und einem anderen Leben. Es sind meist kurze Begegnungen und dauern nur Augenblicke. Doch Aschenbach befindet sich im selben Hotel wie Tadzio und eine Flucht scheint unmöglich; zu sehr steckt er in seinem Bann.

Erst habe ich mir einen Spaß daraus gemacht, Aschenbachs Sehnsucht als sexuell anzusehen. Als die Ansichten eines zur Pädophilie neigenden alten Mannes. Doch ich denke nun nicht mehr, dass es tatsächlich darum geht. Vielleicht auf einer entfernten Ebene. Vielmehr interpretiere ich es als die Sehnsucht eines alten Mannes, der einmal in seinem Leben nicht hinter einer Maske stecken möchte. Der sich so akzeptieren will, wie er ist. Wir befinden uns hier am Anfang des 20. Jahrhunderts und auch wenn ich nicht spezifisch dazu recherchiert habe, kann ich mir nicht vorstellen, dass es all zu viele Kreise gab, in denen man sich als homosexueller Mensch hat ausleben können. Und nun, unbewusst dem Angesicht des Todes ausgesetzt, begegnet Aschenbach dem schönsten Menschen, dem er je begegnet ist. Seite um Seite, Schilderung um Schilderung gelingt es Thomas Mann seinen Protagonisten in ein tiefes psychologisches Loch zu stürzen, aus dem es kein Entkommen mehr gibt.

Denn wie es bereits Nizsche gesagt hat, sobald man zu tief in den Abgrund blickt, blickt dieser in einen selbst zurück. Wäre Aschenbach nach wenigen Tagen abgezogen, hätte er sich vielleicht davon erholt, doch er ist über Wochen Tadzio ausgesetzt. Später sogar gezwungenermaßen. Das Hotel mutiert zum mentalen Gefängnis. Und genau das ist es. Eine Gefangenschaft.

Für Tadzio, der das Interesse Aschenbachs bewusst sein muss, denn Aschenbach stellt ihm nach, verfolgt ihn bei Ausflügen in die Stadt, ist am Strand, wenn der Junge am Strand ist. Für Tadzio mag es nur ein Spiel sein – eine Kuriosität. Vielleicht sogar ein Kompliment. Oder aber es spielt sich alles nur im Kopf von Aschenbach ab und die zufälligen Blicke, die scheinbar beabsichtigte Nähe in bestimmten Situationen, sind und bleiben genau das: Zufall. Doch nicht für Aschenbach. Es bestätigt ihn in seinem Wahn und der Absturz ist vorprogrammiert. Niemals kommt es zum direkten Kontakt, geschweige denn zu einem Gespräch zwischen den beiden. Und so ist Aschenbach mit seinen Gedanken allein, mit niemandem in der Lage, darüber zu sprechen. Genau das ist es, was ihn schließlich zerstört. Denn Fantasie und Vorstellung, ohne dass sie mit Dritten abgesprochen und eingeordnet werden können, führen nur dazu, dass man selbst den Verstand verliert. Gefangen in einer Spirale.

Blickt man hinter die teils doch sehr sexuellen Anspielungen, so scheint es, dass Tadzio ein Spiegelbild Aschenbachs ist. Oder besser Aschenbach, wie er sich selbst gerne gesehen hätte in dessen Alter. Sein Leben noch vor sich, voller Möglichkeiten und Potenziale. In dieser neuen, moderneren Version vielleicht ohne Versteckspiel, ohne versäumte Möglichkeiten und ungenutzten Chancen. Tadzio ist die Verkörperung dessen, was er nie hat sein können. Aschenbachs Personifikation von Potenzial und Attraktivität steckt in dem Jungen. Was wäre wohl aus ihnen geworden, wäre Aschenbach nicht im letzten Satz des Buches gestorben?

Eigentlich gibt es doch nur zwei Möglichkeiten: Entweder Aschenbach hätte sich Tadzios Körper zunutze gemacht oder aber er hätte ihn umgebracht. Eines von beiden scheint unausweichlich. Aber es scheinen zu einfache Lösungen für ein derart komplexes Buch.

Der Tod in Venedig ist eine tragische Geschichte eines Mannes, der sich selbst verleugnet hat und am Ende seines Lebens den Preis dafür bezahlt. Der Tod in Venedig ist eine Warnung und so genial geschrieben, wie nur selten Bücher es sind.

Throwback Thursday: The Witcher 3 – Wild Hunt

Reden wir über Witcher 3. Als ich den folgenden Artikel in meinen Archiven gefunden habe, musste ich lachen. Denn es gibt wohl kaum ein Spiel, welches mich anfänglich so begeistert hat, dass ich aber dann doch nie beendet habe. Trotz diverser weiterer Versuche.

Werfen wir also, wie jeden Donnerstag, einen Blick in die Vergangenheit. Am 05. Juni 2015 habe ich auf meiner damaligen Webseite geek-planet einen ersten Eindruck zu dem Spiel The Witcher 3 veröffentlicht. Wie sich später herausstellte, war das etwas zu früh. Denn nach knappen 50 Spielstunden habe ich das Spiel für mich für beendet erklärt. Ich hatte mich zu sehr in Nebenmissionen verrannt, bin in Gebiete vorgedrungen, die ich eigentlich erst im späteren Spielverlauf hätte erkunden sollen und war einfach nur verloren. Es ging sogar so weit, dass ich gar nicht mehr genau wusste, was mein aktuelles Ziel in den Hauptmissionen war und welche Entscheidungen ich so getroffen hatte.

Im Laufe der Jahre habe ich es dann zwar noch ein paar Mal versucht, aber so fesseln, wie am Anfang, konnte mich das Spiel nicht. Nicht einmal das große PS5-Update, mit überarbeiteten Texturen und besserer Grafik, konnte mich überzeugen. Aber so ist es eben manchmal. Auch wenn ich ein starker Vertreter des Konzeptes bin, Dinge einfach mal zu Ende zu bringen, auch wenn es vielleicht schwerfällt, muss man auch wissen, wann es sich nicht auszahlt. Das gilt für Spiele genauso wie für andere Lebensbereiche. Manches muss man versuchen, vielleicht wiederholt, immer wieder, bis man am Ende erfolgreich da steht. Sei es etwas Berufliches, ein sportliches Ziel, das man sich gesetzt hat oder die Warhammer-Figuren, die zusammengebaut auf Farbe warten.

Witcher 3 zählt eindeutig nicht zu diesen Dingen. Zumindest nicht für mich. Aber nicht nur das Spiel hatte es schwer bei mir, auch die Bücher habe ich angefangen, aber nach dem ersten Buch war das Interesse irgendwie weg. Deshalb war es ganz lustig, den folgenden Artikel auszugraben und die darin abgebildete Begeisterung für dieses Spiel zu entdecken. Vielleicht hat es ja der nächste Witcher-Teil einfacher bei mir. Wer weiß.


Fans der bisherigen zwei Teile mussten lange auf einen Nachfolger warten. Nun ist er endlich da und ich als Neueinsteiger bekomme die wunderbare Gelegenheit, den Zauber, den diese Reihe anscheinend hat, selbst erleben zu dürfen.

Um ehrlich zu sein, hatte ich eigentlich nicht vor, Witcher 3 zu spielen. Die Trailer waren zwar ziemlich beeindruckend und von GameStar gibt es ein tolles Video dazu, doch zum Kauf konnten sie mich doch nicht bringen. Zum einen haben Rollenspiele bei mir sowieso einen schweren Stand und zum anderen hat mich das schiere Ausmaß der Welt abgeschreckt. Über 100 Stunden soll man angeblich beschäftigt sein, um dem Spiel all seine Geheimnisse zu entlocken. Doch ein gewisser jemand hat mich dann doch kontinuierlich bearbeitet und versucht mich von dem Spiel, welches „episch sein wird“, zu überzeugen.

Also habe ich mich breit klopfen lassen und es an einem grauen Donnerstag nach der Arbeit und vor einem langen Wochenende gekauft. 35 Spielstunden später war das Wochenende dann auch schon wieder vorbei und ich musste mich mit der Realität vertraut machen. Es gibt hier keine Dialogauswahl, keine Monster, die mich bei meinen Läufen im Wald angreifen und kein Pferd, welches nach einem kurzen Pfiff auf mich zugeritten kommt. Ich war enttäuscht (von der Realität, nicht vom Spiel). Aber lasst uns die einzelnen Elemente genauer betrachten:

Patches. Es ist mittlerweile üblich, am Tag der Veröffentlichung auch gleich einen Patch zur Verfügung zu stellen, der grobe Bugs und Fehler beseitigt. Am PC sind diese gleich mal heruntergeladen, doch auf der PS4 kann das schon ein Weilchen dauern. Mir kommt es so vor, als sei das PS-Network besonders lahm, zumindest teilweise. Nachdem der Patch schließlich installiert war, konnte ich das Spiel endlich starten und war gefangen in einer wunderbaren Welt voll mit Hexern, Monstern und unzähligen Missionen, Gegenständen und alchemistischen Formeln.

Wie gesagt, war das erste Wochenende ziemlich Spiel-intensiv, aber was andere als Sucht bezeichnen, ist für mich ausgiebige Recherche. Am Anfang ist alles noch ziemlich überschaubar und anfängerfreundlich. Es werden die wichtigsten Charaktere vorgestellt und man bekommt einen sehr groben Überblick über die bisherigen Ereignisse. Kaer Morhen ist eine schöne alte Burg, mit vielen Gängen und Gerüsten, mit deren Hilfe auch gleich die Steuerung getestet werden kann. Das bringt mich zum nächsten Punkt: die Grafik.

Egal, ob Geralt von Riva sich in Wiesen bewegt, über Felder reitet oder in den Bergen Freunde besucht und Monster jagt, es sieht alles atemberaubend aus. Der Detailgrad hat mich ziemlich überrascht und es ist schon erstaunlich, was die Entwickler aus einer Konsole heraus kitzeln. Haare bewegen sich rhythmisch beim Reiten, Bäume rascheln und knistern, das Wasser in den Seen würde man am liebsten gleich trinken und wenn man in Skellige am Rand der Burgmauer steht und die Sonne hinter den Bergen verschwindet, verblasst die Umgebung und die Mission wird irrelevant – es ist einfach nur schön!

Ich hatte schon die Befürchtung, dass manche Stellen auf der Karte leer und trostlos wirken würden, doch die offene Welt, die sich langsam mit den Missionen immer weiter ausdehnt und umfangreicher wird, ist sowohl abwechslungsreich als auch mit vielen verschiedenen Personen gefüllt. Alles wirkt glaubhaft. Es scheint keine Ecke zu geben, die die Entwickler eingefügt und nicht durch Kleinigkeiten aus Flora und Fauna ergänzt hätten. Eine wahre Meisterleistung. In detailliert ausgearbeiteten Städten begegnen dem Protagonisten die unterschiedlichsten Charaktere, welche alle ausnahmslos ihre eigene Geschichte haben. Man kann intensiv nachfragen, wenn es interessiert, oder nur die wichtigsten Punkte abklappern, je nach Bedarf.

Wovon ich ebenfalls sehr positiv überrascht war, ist der ungeheure Freiheitsgrad, den dieses Spiel aufweist. Dieser würde nur noch übertroffen, wenn man Geralt individuell gestalten könnte. In den Dialogen lässt sich nicht nur der Ablauf einer Mission beeinflussen (friedlich oder mit Gewalt), ganze Quests scheinen den Spieler*innen verloren zu gehen, wenn man mit dem „falschen“ Text antwortet oder nicht rechtzeitig auf einen Hilferuf reagiert.

Auch bietet das Spiel immer wieder nicht umkehrbare Entscheidungen, wie das Töten, Retten oder Hintergehen eines Monsters (bis auf die so genannten „godlings“; wer diesen sympathisch witzigen Kreaturen etwas antut, tötet auch Katzenbabys). Entscheidungen wirken sich oftmals auf spätere Missionen aus und machen sie dadurch leichter oder schwieriger. Wäre es nicht so zeitaufwendig, könnte durch strategisch richtiges Speichern oder ein zweites Durchspielen jede Möglichkeit abgearbeitet werden, aber jetzt steht erst einmal der Spielspaß im Vordergrund. Mir scheint auch, als ob sich teilweise entscheiden lässt, wer Freund und wer zu einem Feind wird.

Apropos Missionen. Diese gestalten sich äußerst abwechslungsreich. Bis auf die Hauptmissionen lassen sich alle Aufträge von der Reihenfolge und teilweise vom Inhalt her individuell gestalten. Es gibt verschiedene Typen von Nebenmissionen. Es wird einem vieles geboten, sodass es nie langweilig werden muss. Was mich etwas stört, aber das ist mein Problem mit Rollenspielen, ist die oft sehr Dialoglastige Abwicklung einer Mission. Da rennt man von A über B nach C, nur um wieder nach A zu gelangen und bei jedem Standort redet man ununterbrochen mit den verschiedensten Personen. Das wird mir manchmal zu viel und dann kümmere ich mich um unentdeckte Orte oder erledige ein paar andere Aufträge.

Eine weitere interessante Frage, welche gleich zu Anfang beantwortet werden muss, später aber jederzeit geändert werden kann, ist die Einstellung des Schwierigkeitsgrades.

Zwar habe ich mit Stufe 2 begonnen, da mir dieser aber mit der Zeit zu schwierig und die Ladezeiten der PS4 zu lang wurden, reduzierte ich auf Stufe 1 und fahre bis jetzt relativ gut damit.

Alles in allem bin ich von Witcher 3 sehr begeistert und freue mich auch die nächsten 50 Stunden, die ich gemeinsam mit Geralt und seinem treuen Pferd Plötze erleben darf. Ich muss noch so manche Level aufsteigen und Rüstungen schmieden lassen, bis ich mich schließlich der Wild Hunt stellen und Ciri von ihren kalten Händen retten kann, auch wenn sie sich gut selbst in der Welt zurechtfindet.

Throwback Thursday: Marvel’s Civil War – Eine Perspektive

In den vergangenen Wochen ist es an dieser Stelle häufig um das Marvel-Comic-Event Civil War gegangen. Sei es nebenbei, in den The Amazing Spider-Man Geschichten Back in Black oder One More Day oder dem gleichnamigen MCU-Film. Um den Monat rund um Marvel und Spider-Man also gebührend abzuschließen, gehen wir heute zurück zum 16.03.2018.

An dem Datum habe ich auf meiner damaligen Webseite geek-planet einen Artikel über Civil War geschrieben. Dabei geht es aber nicht um das Hauptevent, sondern um eine Geschichte, die sich parallel dazu abgespielt hat. Es geht um eine kleinere Geschichte und ein Schicksal, welches ich damals, offen gesagt, so nicht erwartet hatte. Es ist mittlerweile fast sechs Jahre her, seit ich diesen Artikel und damit den Comic gelesen habe, und die Geschichte rund um den Charakter Robbie Baldwin hatte ich tatsächlich vergessen.

Bei der Lektüre des Textes sind mir aber sofort wieder die Bilder und Szenen in den Kopf gekommen. Es ist eine eindrucksvolle Geschichte, die ihresgleichen sucht. Solch einen Mut, durchaus tragische Schicksale zu erzählen, sich auszuprobieren in den Charakteren und Stilen, würde ich mir heute im MCU wünschen. Aber vielleicht kommen wir ja eines Tages dorthin. Heute jedenfalls soll es erst einmal um Robbie Baldwins Charakter gehen.


Stamford, Connecticut. Die New Warriors sind seit einiger Zeit mit ihrem Van unterwegs, auf der Suche nach Bösewichten, die sie dingfest machen können. Dabei spielt es keine Rolle, welche sie finden, es geht ihnen hauptsächlich um die Einschaltquoten. Grund dafür ist, dass sie ihr Leben als Reality-Show verkaufen und darauf achten müssen, dass immer wieder spannende Sachen passieren. Dann stoßen sie in Stamford auf eine Gruppe von Bösewichten ohne speziellen Gruppennamen. Schnell werden die New Warriors entdeckt. Es bricht ein Kampf aus. Ihre Kameras zeichnen alles auf und werden später als Beweise verwendet.

Sie zeigen, wie sich Speedball über die Einschaltquoten Sorgen macht, One-Liner wiederholt und versucht cool rüberzukommen. Bis einer von ihnen auf Nitro trifft. Er hat die Fähigkeit, eine gewaltige Explosion auszulösen, und genau das macht er. Hunderte Menschen sterben, darunter auch viele Kinder. Die New Warriors waren überfordert. Alles für die Einschaltquoten. Alles für gute Kamerawinkel.

Dieser Vorfall ist Auslöser von Marvels berühmten Civil War und einer Debatte, auf die es keine einfachen Antworten gibt. Eine Debatte, bei der sich selbst die Gewinner, die am Ende stehen bleiben, fragen werden, ob es das Ganze wert war. All die Opfer, all die Toten, all die Konflikte. Aufgeteilt auf zwei Seiten. Gezwungen sich zu entscheiden. Zwischen Captain America, der sich gegen den Superhuman Registration Act ausspricht. Und zwischen Iron Man, der diesen mit aller Macht durchsetzen möchte und dafür buchstäblich über Leichen geht.

Neben dem Hauptevent Civil War, welches in sieben Ausgaben präsentiert wird, gibt es über 80 sogenannte Tie-ins und One-Shots – also zusätzliche Comics, in diversen Sonderformaten, die mit allem beschäftigen, was sonst noch während des Civil War geschieht. Es ist ein Event, welches das gesamte Marvel-Universum beansprucht und für Monate in seinen Klauen hatte. Selbst danach lässt der Superhuman Registration Act nicht locker. SHIELD jagt Superhelden, die sich nicht registrieren wollen, genauso hartnäckig wie Bösewichte. Niemand ist davor gefeit. Doch am tragischsten ist wohl die Figur des Robbie Baldwin, auch bekannt als Speedball.

Er ist der einzige Überlebende von Stamford Vorfall und natürlich wird er dafür verwendet, ein Exempel zu statuieren. Sonst ist niemand da, dem man die Schuld geben könnte und die Öffentlichkeit benötigt nun mal ein Opfer. Seine Fähigkeiten werden im Laufe der Geschichte ein wenig ausführlicher erklärt, aber es läuft darauf hinaus, dass er von einer Art kinetischem Feld umgeben ist, welches ihm Fähigkeiten verleiht, die stark an The Flash aus dem Hause DC erinnern. Dieses Feld hat ihn vor der Explosion geschützt, ist aber inzwischen weitestgehend aufgebraucht. Es wurde durch die Explosion mehr oder weniger neutralisiert. Er besitzt also keine übermenschlichen Fähigkeiten mehr.

Wie alt Robbie wirklich ist, wird aus der Geschichte nicht klar, aber er kann nicht älter als 17 sein. Auf vielen Ebenen ist er wohl das griffigste Beispiel, welche Opfer der Civil War mit sich bringt. Denn auch wenn Robbie nicht gestorben ist, so ist sein Leben seit Stamford von Leid, Scham und einem Schuldbewusstsein geprägt, das ihn unter sich zerbricht. Da er der einzige Überlebende ist, wird er natürlich für alles verantwortlich gemacht, was geschehen ist. Was er alles durchmachen muss, wird in jedem grausamen Detail in der Mini-Comic-Reihe Front Line gezeigt.

Dabei handelt es sich um eines der besten Tie-ins, da es in jeder Ausgabe drei bis vier Geschichten erzählt – selbst kleine Geschichten aus dem realen Civil War werden erzählt. Der Rest handelt von Charakteren, die sonst nicht sehr im Zentrum stehen, wie dem Journalisten Ben Urich.

Aber zurück zu Robbies Geschichte. Jessica Walters auch bekannt als She-Hulk und Anwältin der Superhelden, versucht alles, um ihren Klienten aus dem Gefängnis zu holen. Sie handelt sogar einen Deal aus. Doch Robbie bleibt drin. Er hätte es verdient, sagt er, im Gefängnis zu sein. Hier gehört er hin. Er besteht auf seinen Prinzipien. Es ist eine Tiefe, die im Kontrast zu dem steht, wie Robbie anfänglich eingeführt wurde, doch es ist eine logische Entwicklung, wenn man die Umstände berücksichtigt.

Da er keine Superkräfte mehr hat, kommt er in ein normales Gefängnis. Ohne Sonderbehandlung. Natürlich weiß jeder, wer er ist und er wird als Kinder-Mörder abgestempelt. Er wird geschlagen, misshandelt. Selbst die Wachen verpassen ihm diverse Abreibungen. Er verteidigt sich, wenn nötig, aber lässt es über sich ergehen. Bei einem späteren Transport wird er sogar einmal angeschossen.

Robbies Perspektive ist es auch, die es den Leser*innen erlaubt, hinter die Kulissen des Gefängnisses zu blicken, welches Tony Stark und Reed Richards für diejenigen errichtet haben, die sich weigern, sich zu registrieren. Es ist kein normales Gefängnis. Nein, es ist ein aus Stahl und Beton errichteter Albtraum der Einsamkeit. Gebaut an einem Ort, aus dem es kein Entkommen gibt: der Negative-Zone. Dabei handelt es sich um eine Art Parallelwelt, zu der man nur mithilfe von speziellen Portalen gelangt. Viele von diesen Portalen gibt es nicht, vielleicht sogar nur das eine, von Reed Richards konstruierte. Von diesem Ort gibt es kein Entkommen.

Schwer bewacht, macht es von außen tatsächlich den Anschein, dass dies das Ende ist – es fehlen nur noch die schwarz rauchenden Kamine, und die (vielleicht unbeabsichtigte) Anspielung wäre perfekt. Grundsätzlich ist es ein Guantánamo für Superhelden. Ohne Richter, ohne Chance auf eine faire Verhandlung, wird man dort eingesperrt und der Schlüssel weggeworfen. Es ist trostlos. Einsam. Bis sich die Insassen dafür entscheiden, sich zu registrieren. Tun sie es nicht, bleiben sie lebenslang hier. Tony Stark und Reed Richards – zwei Genies, die alles verraten, wofür Superhelden stehen sollten. Der Anblick des Gefängnisses ist auch für Peter Parker der Auslöser, sich endlich gegen den Superhuman Registration Act zu wenden. Zwar, nachdem er seine Identität der Öffentlichkeit präsentiert hat, doch immerhin.

Während also die Kämpfe weiter gehen und Tony Stark weitere Monstrositäten erschafft, die ihm helfen sollen, Unregistrierte festzunehmen, aber nur weiteren Opfern das Leben kostet, befindet sich Robbie im Gefängnis in der Negative Zone. Nur zu seiner eigenen Sicherheit, natürlich. Später, gegen Ende des Events, gelingt schließlich ein Ausbruchsversuch, angeführt von Captain America. Es bricht der finale Kampf zwischen den Helden aus.

Robbie macht sich unterdessen auf die Suche nach einer neuen Identität. Wer ist er nun? Speedball ist an dem Tag gestorben, an dem auch so viele andere Menschen den Tod gefunden haben. Er leidet. Und genau dieses Leid ist es, was ihm neue Kräfte verleiht. Angefacht durch Schmerz, Leid und Pein, wird er zu einer der wohl tragischsten Figuren, die in diesem Moment im Marvel Universum existieren: Penance (zu Deutsch: Buße). Er beschafft sich eine Rüstung, die mit 612 internen Nadeln, Spitzen und Spikes ausgestattet ist – der Anzahl der Opfer. Der dadurch verursachte Schmerz dient als Trigger für seine neuen Fähigkeiten.

Civil War fordert viele Opfer. Selbst nach dem Event fordert er noch Leben von Menschen und Superhelden ein. Am berühmtesten wohl Captain America persönlich. Die Debatte findet unterdessen keine richtige Antwort. Die Zuspitzung ist aber zum einen notwendig und ergibt sich zwangsweise aus den Handlungsweisen der verschiedenen Protagonist*innen. Allen voran Captain America und Iron Man. Es ist angebracht, sich Fragen zu stellen, wie: Wäre Stamford passiert, wenn die New Warriors eine führende Hand gehabt hätten? Eine Ausbildung und entsprechendes Training? Vielleicht nicht. Aber ist es dazu notwendig, sich dem Superhuman Registration Act unterzuordnen oder gibt es eine ausdifferenziertere Alternative?

Eine einfache Antwort gibt es nicht. Doch Robbie Baldwin bleibt das herausragendste Beispiel, was passiert, wenn Menschen blind vor Wut und Gerechtigkeitswahn ein Exempel statuieren wollen. Wenn man diesem gebrochenen jungen Mann nicht hilft, über seine Taten hinwegzukommen, sondern stattdessen in den Wahnsinn hinein treibt, aus dem er vielleicht nicht mehr heraus kommt.

Civil War erschien in den Jahren 2006/2007 (Autor: Mark Millar; Künstler: Steve McNiven). Die Geschichte von Robbie Baldwin in Marvels Front Line Mini-Serie wurde geschrieben von Paul Jenkins und gezeichnet von Steve Lieber. Titel: The Accused (Der Beschuldigte).

Throwback Thursday: The Amazing Spider-Man – One More Day

Wie jeden Donnerstag werfen wir einen Blick in die Vergangenheit meiner Blogger-Karriere. Heute sehen wir uns den Artikel über die Spider-Man-Geschichte One More Day an. Dieser erschien am 10.06.2016 auf meiner damaligen Webseite geek-planet.

Diese Geschichte, die One More Day erzählt, ist geradezu verhasst unter Spider-Man-Fans, weil sie als eine der schwächsten und stumpfsinnigsten gilt. Zwar haben wir daran anschließend den über Jahre dauernden Run von Dan Slott bekommen, einen der einflussreichsten Autoren von Spider-Man, aber es ist immer spannend, sich zu fragen: Was wäre, wenn?

Beim Lesen des Textes ist mir aufgefallen, dass ich sehr viel Vorwissen voraussetze. Für einen Blog, der sich wie damals eben an ein sehr spezifisches, Comic-affines Publikum richten sollte, nichts Tragisches, aber ein wenig mehr Hintergrundwissen zu vermitteln, wäre nicht schlecht gewesen. Welche Geschichte haben Tony Stark und Peter Parker in Civil War durchgemacht? Was hat mir an Back in Black so sehr gefallen? Und darauf aufbauend dann eventuell detaillierter und ausführlicher herleiten, warum One More Day ein Betrug an den vergangenen Geschichten und den Charakteren war.

Ich springe sehr viel herum und gehe nur selten auf Details ein, wie ich finde. Aber deshalb sehen wir uns ja die alten Texte an. Um daraus zu lernen und zu sehen, ob sich Einstellungen und Meinungen eventuell geändert haben. Wenn es zu One More Day kommt, bleibe ich dabei, dass es eine schlechte Storyline ist, die viel Potenzial zunichtegemacht hat. Schade darum. Aber seitdem haben wir viele andere, fantastische Spider-Man-Geschichten bekommen. Und wir wollen uns ja auf die positiven Aspekte konzentrieren und nicht immer nur jammern.


  • Ausgaben: Amazing Spider-Man #544-545; Sensational #41; Friendly Neighborhood #24
  • Autor: J. Michael Straczynski
  • Künstler: Joe Quesada, Danny Miki, Richard Isanove, Chris Eliopoulos

“I’ll find a way to save aunt may if it means storming the gates of hell itself.” – Spider-Man

Die Story-Line One More Day knüpft direkt an Back in Black an und konzentriert sich vorwiegend darauf, wie Peter verzweifelt nach einer Möglichkeit sucht, seine Tante vor dem Tod zu bewahren. Es handelt sich hier insofern um eine besondere Geschichte, als dass sie sich über drei verschiedene Spider-Man-Titel erstreckt und davon zwei (Sensational Spider-Man und Friendly Neighborhood Spider-Man) zu einem Ende führt. Damit wollte Marvel damals dazu übergehen, die Reihe The Amazing Spider-Man zukünftig dreimal im Monat auszuliefern.

Qualitativ unterscheiden sich One More Day und Back in Black so grundlegend voneinander, dass man kaum glauben mag, sie stammen von den gleichen Autoren. Der Start der Story-Arc ist fantastisch, und das nicht nur, weil die Geschichte direkt mit der gleichen Atmosphäre wie aus den vorherigen Ausgaben fortgesetzt wird. Sie ist so großartig, weil sie die Welt von Spider-Man noch ein Stück weiter öffnet. Wir sind mit Back in Black eingestiegen und kennen uns noch nicht so gut mit der Welt aus, mit der wir es hier zu tun haben. Lediglich die grundlegenden Ereignisse aus Civil War sind uns bewusst.

Um seine Tante zu retten, besucht Peter erst einmal überraschend seinen derzeitigen „Gegner“ Iron Man, auch bekannt als Tony Stark, in dessen Tower. Der Kampf, der entfacht, ist schnell vorbei, da Peter alles tut, um Tony zu stoppen, und die folgende Unterhaltung spielt großartig mit den Stärken der beiden Charaktere. Gleichzeitig wird sehr viel von ihrem derzeit angespannten Verhältnis und ihrer ereignisreichen Vergangenheit klar. Auch eine Beziehung zwischen dem Butler Jarvis und May wird angedeutet, der ich mir bisher nicht bewusst war.

Ich will hier nicht jedes einzelne Detail der Geschichte wiedergeben, sondern nur grobe Eindrücke vermitteln, also springen wir weiter zu Peters nächsten Halt, nachdem ihm Tonys Geld nicht wirklich weiterhilft. Niemand geringerer als The Sourcerer Surpreme Dr. Stephen Strange ist sein nächstes Ziel. Die Szenerie wechselt sofort zu einem mystischen Flair, den man aus Spider-Man-Comics wahrscheinlich nicht so sehr gewohnt ist. Auf sehr schmerzvolle Weise wird Peter hier beigebracht, dass niemand in der Lage ist, May das Leben zu retten und er sich mit der Tatsache abfinden muss, dass ihre Zeit gekommen sei. Schade finde ich an dieser Stelle, dass Strange hier vielleicht etwas zu naiv dargestellt wird und ich glaube ihm keine Sekunde. Mit Sicherheit wäre er in der Lage, May zu retten, zumindest wird das zwischen den Zeilen vermittelt. Warum er es allerdings nicht tun will, erläutert leider nicht.

Schließlich, und dies ist der große dritte Teil der Geschichte, konfrontiert ihn Mephisto, der König der Unterwelt persönlich, und bietet ihm einen Deal an. Wenn er seine Liebe zu Mary Jane aufgibt und damit nicht nur die Vergangenheit der beiden, sondern auch ihre Ehe, dann sorgt er dafür, dass May gesund wird. Er wolle sich aus ihrer heimlichen Sehnsucht zueinander nähren, was viel kostbarer sein soll, als eine Seele, die freiwillig für ein höheres Ziel geopfert wird.

Es ist sehr ärgerlich, wie eine so brillante Geschichte und Jagd nach einer Lösung dermaßen, und mir fällt ehrlich kein anderer Begriff ein, dumm zu Ende geführt werden kann. Die fantastisch inszenierte Begegnung zwischen Tony und Peter, in die so viel Herz gesteckt wurde, nicht nur was die Dialoge und die Handlung selbst betrifft, sondern auch die Zeichnungen. Diese vermitteln wunderbar den verzweifelten Peter Parker, der alles dafür tun würde, um seine Tante zu retten. Die mystische Begegnung mit Dr. Strange sowie die bewegenden Szenen im Krankenhaus. Alles toll ausgearbeitet. Doch dann folgt diese berühmt-berüchtigte Ausgabe #545.

Alles, was bis zu diesem Punkt aufgebaut wurde, wird zunichtegemacht. Nicht nur die Auflösung, wie May gerettet wird, ist ärgerlich, sondern auch die zusätzliche Klausel, wenn man so will, die Mary Jane in den Deal mit Mephisto eingebracht hat: Die ganze Welt soll vergessen, dass Peter Parker Spider-Man ist. Gerade erst vor drei Ausgaben haben wir gesehen, wie er an Wilson Fisk ein Exempel statuiert hat. Das alles wird jetzt nichtig.

Großartige Geschichten hätten sich aus den weiterführenden Prämissen von Civil War und Back in Black weben lassen (entschuldigt das Wortspiel). Aber anstatt die einzigartige Gelegenheit zu nutzen, machen sie alles ungeschehen. Natürlich wäre es ungewöhnlich und vielleicht auch etwas risikobehaftet gewesen, Spider-Mans Geschichte so sehr auf den Kopf zu stellen, aber einen Versuch wäre es wert gewesen. Zu allem Überfluss arbeiten die Autoren dann auch noch auf dermaßen billige und kitschige Weise die ewige Liebe zwischen Peter und MJ ein, dass einem übel werden könnte.

Gerade die letzten Seiten haben mich überraschend wütend gemacht. Denn statt auch mit dieser lächerlichen Prämisse zu spielen, wird bereits angedeutet, dass alles gut enden wird. An dieser Stelle hätte es der Reihe gutgetan, ein paar Risiken einzugehen und May vielleicht sterben zu lassen. Wie wir alle wissen, stirbt in Comics ja niemand wirklich (ausgenommen die Eltern von Bruce Wayne und Peters Onkel Ben).

So gut die Reihe begonnen hat, so schnell wird sie gegen die Wand gefahren und viel Potenzial verschenkt. Schade für die in Back in Black gelegten Grundsteine. Hoffentlich geht es besser weiter.

Throwback Thursday: The Amazing Spider-Man – Back in Black

Für unseren allwöchentlichen Ausflug in die Vergangenheit habe ich mir einen Artikel herausgesucht, der an den Captain America: Civil War Artikel von letzter Woche anschließt.

Ich habe an dieser Stelle schon öfter darüber geschrieben, dass Spider-Man zu meinen Lieblingscharakteren gehört und ich des Öfteren Leseprojekte gestartet habe, wo ich mir seine Comics vornahm. So war der erste offizielle Auftritt von Spider-Man im MCU auch damals ein Auslöser für ein solches Projekt.

Die nächsten Wochen werden wir wahrscheinlich ebenfalls beim Thema Spider-Man bleiben. Es sind einfach faszinierende Geschichten, und Back in Black gehört sicherlich zu einer der besten. Ich finde es immer noch schade, dass Marvel diese Seite von Peter Parker nicht länger verfolgt hat. Es wäre etwas komplett anderes gewesen – eine Charakterstudie, die sich gelohnt hätte.

Beim Lesen der alten Artikel merke ich bereits, dass es mich erneut in den Fingern juckt, mich in die Comics von Peter Parker zu stürzen. Aber erst einmal habe ich noch ein paar Bücher vor mir. Es läuft ja nichts davon. Manchmal muss man auch soweit sein und die Vorfreude auf etwas genießen können.

Wie dem auch sei. Kommen wir zur Rezension, die ich am 03.06.2016 auf meiner damaligen Webseite geek-planet veröffentlichte.


  • Ausgaben: #539-543
  • Autor: J. Michael Straczynski
  • Künstler: Ron Garney, Bill Reinhold, Matt Milla

“You forgot something, Fisk. […] At the end of the day, you’re just a fat man with an attitude…a balloon just waiting for someone to stick a needle in it. And me? I’m the needle.” – Peter Parker

Auch wenn man ein großer Fan von etwas ist, benötigt man doch bisweilen einen kleinen Anstoß, um sich etwas intensiver mit dem Thema auseinanderzusetzen. Für mich war dieser Anstoß, was Spider-Man betrifft, Captain America: Civil War. Die Darstellung des Wandkrabblers, meines absoluten Lieblings-Comic-Charakters durch Tom Holland im neuesten Marvel-Film ist derart erstaunlich und entspricht so sehr seinem Pendant in den Comics, dass ich mich natürlich gleich daran machen musste, ein paar Abenteuer nachzulesen.

Doch wo fängt man in der 60-jährigen Geschichte an? Dazu habe ich zwei Anhaltspunkte gewählt:

Das Erste war relativ simpel. Dank Marvel-Unlimited, was ich an dieser Stelle nur empfehlen kann, hat man Zugriff auf beinahe alle Comics, die Marvel jemals veröffentlicht hat, und da habe ich einfach mal „Amazing Spider-Man (1999-2013)“ gewählt. Zufälligerweise fällt in diesen Zeitraum das ursprüngliche Civil War Event. Also ein perfekter Einstieg in die Comics. Allerdings muss man wissen, dass das Event hier etwas anders abläuft als im Film. Im Film von Captain America ist die Prämisse, dass die Avengers von einem Komitee geleitet werden sollen, das von 117 Regierungen der Welt zusammengestellt wurde. Wer sich diesem Komitee nicht beugt oder auf eigene Faust handelt, wird als Verbrecher gebrandmarkt und eingesperrt. Im Comic-Event Civil War geht es um eine ebenfalls von Tony Stark unterstützte Superhelden-Registrierungskampagne, die dazu aufruft, dass sich alle Superhelden dort eintragen lassen und ihre Identität preisgeben. Zwei ähnliche, aber doch sehr unterschiedliche Szenarien, die zum Zerfall der Avengers und damit zum Konflikt zwischen Iron-Man und Captain America führen.

Was ist nun also die Ausgangslage für Spider-Man? Peter Parker hat sich dazu überreden lassen, seine Identität preiszugeben. Etwas, das er so noch nie getan hat und selbst manche seiner besten Kamerad*innen wissen über seine wahre Identität nicht Bescheid. Da er sich natürlich viele Feinde im Laufe der Zeit gemacht hat, ergreift niemand Geringerer als Wilson Fisk aka Kingpin die Gelegenheit und lässt ein Attentat auf ihn verüben. Dieses läuft allerdings schief und Tante May wird tödlich getroffen und landet nicht nur im Krankenhaus, sondern fällt auch noch in ein Koma. Dies führt dazu, dass Peter nicht sein klassisches Kostüm anzieht, sondern das Schwarze, und sich aufmacht, den Drahtzieher hinter der Tat ausfindig zu machen und ein Exempel zu statuieren.

Was an der Geschichte so sehr fasziniert, sind nicht nur die Beweggründe, die dazu führen, dass Peter das schwarze Kostüm anzieht, sondern was es repräsentiert. Denn dieser Spider-Man scheint keine Grenzen zu haben. Für ihn gilt zwar auch der berühmte Ausspruch „with great power there must also come great responsibility“, doch unter dieser anderen Identität kann er sich dazu entschließen, die Verantwortung abzulegen und Rache für seine Tante zu nehmen. Es werden oft Situationen in der Geschichte gezeigt, die ermöglichen, dass er seine Regeln ad acta legt. Und man ist sich während der Lektüre nie 100 % sicher, ob er jetzt töten wird oder nicht.

Die fantastischen Dialoge, verbunden mit den grandiosen Zeichnungen, legen eine neue Seite von Peter offen und stellen seinen Zwiespalt, zwischen der Unterstützung von MJ bei der Versorgung seiner Tante im Krankenhaus und der Rache an Fisk, wunderbar dar. Auch der finale Schlagabtausch im Gefängnis ist sehr symbolisch gestaltet. Er sagt es Fisk auch direkt, dass er ihn nicht nur in seiner Persona Spider-Man besiegen möchte, sondern als Peter Parker.

Es ist schon erstaunlich, dass der Kingpin, ein Mann, dessen unfassbare körperlichen Ausmaße und Muskeln, keine Chance hat, wenn Peter seine gesamte Kraft und Agilität gegen ihn einsetzt. Es ist ein ungleicher Kampf, der mir erstmals einen Kingpin vor Augen führt, der verliert, und zwar nicht nur diesen einen Kampf, sondern seinen Respekt und die Furcht der anderen Insassen. Dies ist wohl dasjenige, das für ihn am wertvollsten ist, und das weiß Peter auch. In seinem nachfolgenden Monolog, den blutenden, gebrochenen Fisk zu seinen Füßen, macht er dann deutlich, dass es besser ist, sich nicht mit seiner Familie anzulegen. Die Kraft, die hinter diesen Bildern und Worten steckt, ist epochal und mitreißend.

„Back in Black“ mag jetzt zwar nicht gerade die typische Spider-Man-Geschichte sein, da man keinen Helden erlebt, der viel redet, Witze reißt oder sonstige typische Handlungen vollführt. Stattdessen bekommt man eine Geschichte geliefert, die mal eine ganz andere Seite zeigt. Eine verletzliche, rächende Seite, die sich trotzdem noch unter Kontrolle hat. Hier wird mir einmal mehr vor Augen geführt, warum Spider-Man zu den besten Comic-Charakteren der Geschichte zählt.

Throwback Thursday: Captain America – Civil War

Diese Woche habe ich mir für unseren Artikel aus längst vergangener Zeit einen herausgesucht, der an bessere Zeiten eines gewissen Franchise erinnert. Ein bisschen sehnt man sich als Marvel-Film-Fan durchaus in diese Zeit zurück. Es war der 22.05.2016, als ich den folgenden Text auf meiner damaligen Webseite geek-planet veröffentlichte.

Heute träumt man von dieser Qualität an Marvel-Filmen leider nur, aber immerhin hat es mich etwas motiviert, mir eventuell einzelne Marvel-Filme mal wieder anzusehen, die ich schon seit Jahren nicht mehr gesehen habe. Es war eine Zeit, wo jeder Film, zumindest zu einem gewissen Grad, noch für sich stehen konnte. Man musste nicht erst drei Serien auf Disney+ schauen und dann noch den einen Film von vor 4 Jahren, um den Anschluss zu finden. Vor allem Streaming hat meiner Meinung nach dazu beigetragen, dass die Qualität der Filme so sehr gelitten hat, seit Endgame.

Aber wir wollen nicht jammern, sondern uns der Filme erfreuen, die wir haben. Schauen wir also zurück auf Captain America: Civil War.


Die Russo Brüder sind zurück im Marvel Cinematic Universe und nachdem sie bereits mit Captain America: The Winter Soldier eine neue Messlatte für Comic-Verfilmungen gelegt haben, setzen sie mit Civil War noch einmal einen drauf. Sie kreieren einen spannenden sowie komplexen Film, der nicht nur eine in Stein gemeißelte Freundschaft zerbrechen lässt, sondern auch noch zwei neue Charaktere bravourös einführt.

“Compromise where you can. Where you can’t, don’t. Even if everyone is telling you that something wrong is something right. Even if the whole world is telling you to move, it is your duty to plant yourself like a tree, look them in the eye, and say, ‘No, YOU move’.” – Peggy Carter

Die Ausgangslage für den Film könnte nicht besser ausgearbeitet sein, und hier zahlt sich die Vorarbeit, die Marvel mit den bisherigen Filmen aus der ersten und zweiten Phase geleistet hat, wahrlich aus. Angefangen beim Desaster aus The Avengers über Age of Ultron und Winter Soldier, bis zu den Ereignissen, die am Beginn von Civil War stattfinden, werden viele Referenzen eingebaut. Dies macht diesen Film natürlich für Neueinsteiger schwierig. Zwar lässt sich der grundlegenden Handlung durchaus folgen, jedoch bleiben viele Motive im Unklaren und die emotionale Wucht, mit der so manche Szenen ausgestattet sind, wird verpuffen. Treue Fans werden aber mit dem Konflikt zwischen den großen zwei Helden Iron-Man und Captain America belohnt, der mit einer überraschenden Tiefe und Verständnis für beide Seiten aufwarten kann.

Die Regierungen der Welt oder zumindest 117 von ihnen haben sich zusammengeschlossen, um eine Kommission aufzubauen, die zukünftig darüber entscheiden soll, wann und wo die Avengers eingreifen. Somit wird aus dem Privatunterfangen eine von Staaten gesteuerte Organisation. Wer diese Papiere nicht unterschreibt und trotzdem einem Heldendasein nachgeht, ist fortan ein Krimineller. Tony Stark, der durch vergangene Ereignisse geprägt wurde und nicht mehr zusehen kann, wie die Avengers die Welt auf ihre Weise schützen wollen, sieht sich seinem besten Freund Steve Rogers gegenüber. Dieser sieht eine Bedrohung darin, wenn sie nur mehr von einem Komitee gesteuert werden.

Im Laufe des Films werden noch mehr Motive klar, doch diese möchte ich an dieser Stelle nicht vorwegnehmen. Die Russo-Brothers überzeugen mit soliden Standpunkten, die sich beide als nachvollziehbar und verständlich herausstellen. Somit wird es tatsächlich schwer, sich endgültig für eine Seite zu entscheiden und es werden noch viele Stunden unter Fans vergehen, in denen darüber debattiert wird, wer auf der „richtigen“ Seite steht.

Was diesen Film aber auch noch als perfekt darstellt, neben den ganzen Helden, auf die ich gleich zu sprechen komme, ist der Gegner, mit dem es die Avengers dieses Mal zu tun haben. Man könnte durchaus sagen, dass gerade dessen Abwesenheit sehr zur Spannung beiträgt. Zemo (Daniel Brühl) ist wohl der beste Gegner seit Loki. Er ist sich bewusst, dass er es nicht mit den Helden aufnehmen kann und treibt stattdessen einen Keil zwischen sie. Er macht dies auf sehr subtile Art und streut viele Zweifel auf beiden Seiten. Zwar könnte man argumentieren, dass er sich sehr auf sein Glück verlässt, doch im Großen und Ganzen wirkt es geplant und naheliegend. Auch seinen Standpunkt kann man verstehen, was den Film noch einmal um eine Stufe komplexer gestaltet.

Kommen wir nun zu den Helden: Bereits aus Age of Ultron kennen wir Vision (Paul Bettany) und Scarlett Witch (Elisabeth Olson), deren Chemie einfach unschlagbar ist. Es wird auch eine potenzielle Beziehung zwischen den beiden angedeutet, die auch schon in den Comics stattfand. Wieder zurück sind unter anderem Black Widow (Scarlett Johansson), Hawkeye (Jeremy Renner), Ant-Man (Paul Rudd), Falcon (Anthony Mackie) und War-Machine (Don Cheadle). Besonders Black Widwo sticht wieder so großartig heraus, dass sie sich ihren eigenen Solo-Film mittlerweile mehr als verdient hat, doch unverständlicherweise steht dieser noch nicht auf dem Plan von Kevin Feige.

Wie dem auch sei, alle Helden sind durch ihre Abenteuer zu einem guten Team geworden und nehmen ihre eigenen kleinen Bürden zum Konflikt mit. Sie sind zwischen den beiden Standpunkten irgendwie hin- und hergerissen und wissen nicht so recht, wie ernst sie sich jetzt wirklich bekämpfen sollen, was bei der ein oder anderen Stelle immer wieder deutlich wird.

Neu dabei ist zum einen Black Panther. T´Challa wird von Chadwick Boseman mit solch einer Inbrunst verkörpert, komplett mit seiner Agilität, akrobatischen Fähigkeiten und dem passenden Dialekt, dass man kaum auf seinen Solo-Film warten kann. Das Design seines Kostüms ist erstaunlich gut gelungen und besonders die Mid-Credit-Szene gibt einen fantastischen Einblick in seine Heimat. Leider kenne ich den Charakter nicht gut genug, um die Comic-Treue feststellen zu können, doch das, was hier geboten wird, ist mitreißend und fesselt.

Als zweiten Neuankömmling haben wir Spider-Man. Endlich ist der Held im MCU angekommen und hatten wir mit Andrew Garfield bereits einen beinahe perfekten Peter Parker / Spider-Man, so ist Tom Holland die wahre Personifizierung. Dabei muss ich wohl erwähnen, dass der Wandkrabbler zu meinem Lieblingscharakter zählt (er teilt sich Platz eins mit Batman und Spawn). Aus diesem Grund kann ich nicht wirklich Objektiv bleiben, wenn es um ihn geht. Aber glaubt mir, wenn ich sage, dass ich mir den Film allein seinetwegen insgesamt dreimal angesehen habe. Es passt einfach alles. Angefangen vom neu designten Kostüm, das trotzdem an Stan Lees und Steve Ditkos Original aus dem Jahr 1962 erinnert, über seine Attitüde, hin zum ständigen Geplapper und seinen Pop-Kultur-Referenzen. Seine Rekrutierung durch Tony und ihre Unterhaltung, bevor Peter mit in den Kampf zieht, könnte man sich im Dauer-Replay ansehen. Vom Kampf zwischen Spidey, Falcon und Bucky möchte ich gar nicht erst anfangen.

Trotz all dieser Charaktere verliert man aber nie den Überblick über alles, was auf der Leinwand geschieht, und es bleibt ein Captain America Film. Die Szenen zwischen ihm und Bucky sind sehr mitreißend und verdeutlichen noch einmal, wie nahe sie sich wirklich stehen. Das ein oder andere Mal kann man sich dann schon denken, woher die Fan-Theorien um eine Beziehung der beiden kommen, und mich würde es offen gesagt nicht überraschen, doch dass Marvel diesen Schritt durchzieht, kann ich mir nicht vorstellen. Jedenfalls ist mit Bucky ein möglicher Nachfolger von Rogers gefunden, sollte sich Chris Evans nach Infinity War dazu entschließen, das Schild an den Nagel zu hängen. Doch eines kann ich euch sagen: Niemand wird es jemals schaffen, so glaubwürdig einen startenden Hubschrauber mit seinen bloßen Händen festzuhalten wie Chris Evans als Captain America. Diese Szene ist so heroisch, ich bekomme schon Gänsehaut, wenn ich daran denke!

Und da wir gerade bei Nachfolgern sind, kann ich mir auch bei Thor eine Nachfolge von Chris Hemsworth vorstellen (auch wenn er nicht in Civil War auftaucht). Hier wäre eine Comic-Adaption aus der jüngsten Reihe des Gottes möglich. Doch einer, den ich nicht missen möchte. Und sollte er 100 Millionen pro Film kosten, ist Robert Downey Jr. Angefangen bei dem ersten Iron-Man-Abenteuer, hat er wohl die größte Entwicklung von allen durchgemacht. Die erwähnten Konsequenzen, die in Civil War aufgegriffen werden, schmerzen beim Zusehen, und sein Schauspiel ist so brillant und erschütternd, ich möchte ihn nicht ersetzt sehen. Auch wenn er keinen eigenen Film mehr haben sollte, so spielt er zumindest im Spidey-Solo-Film eine zentrale Rolle und natürlich auch in Infinity War. Es wäre schön, wenn er uns auch bis über Phase 4 hinaus begleiten und mit den Marvel-Filmen alt werden würde. Diese Konstanz ist wahrscheinlich Wunschdenken, doch ein Nerd darf wohl noch träumen dürfen.

Aber kommen wir zurück zum Film. Zwei Action-Sequenzen möchte ich besonders hervorheben. Zum einen die wohl beste Verfolgungsjagd, seit Matrix Reloaded. Wir befinden uns in einem Tunnel und dürfen Zeuge davon werden, wie Rogers, Bucky und Black-Panther zu Fuß an Autos vorbeilaufen und über sie springen. Es ist wirklich erstaunlich, wie glaubwürdig das alles ist. Die Stunt-Leute haben erstklassige Arbeit geleistet und sich wieder einmal selbst übertroffen. Das Sahnehäupchen ist allerdings die Szene, als Bucky sich ein Motorrad in voller fahrt schnappt, aufspringt und wegfährt – und das alles in einer glatten Bewegung! Perfektion!

Die zweite Szene, welche auch schon im Trailer angedeutet wurde, ist die berühmte Flughafenszene. Jede Kombination an Konfrontationen, die man schon immer auf der Leinwand sehen wollte, wird einem geboten. Inklusive Ant-Man als Giant-Man, The Empire Strikes Back Referenz von Spidey und cooler Fist-Fight-Szenen. An dieser Stelle ein großes Lob an die Kamera, denn es wird immer wunderbar zwischen Handkamera und schönen weiten Shots gewechselt (nicht nur hier, auch sonst im Film), sodass die Action nie unübersichtlich oder chaotisch wirkt. Es steckt eine gewisse Ordnung darin und auch Figuren, die gerade nicht im Blickfeld sind, behält man im Hinterkopf und weiß, wo sie sich befinden.

Ob Captain America: Civil War die beste Comic-Verfilmung ist, seit The Dark Knight wird die Zeit zeigen, doch immerhin ist sie bei den Marvel-Filmen auf Platz eins gelandet, zumindest für mich. Das Talent der Russo-Brothers und die Tatsache, dass sie sich die Bürde einen großartigen Film zu schaffen, teilen können, haben definitiv Früchte getragen. Es ist schön, dass sie uns auch noch für den Infinity War Zweiteiler erhalten bleiben, und ich bin sehr gespannt, was sie daraus machen. Sie haben das Gesicht des MCU durch ihre beiden Captain America Filme verändert – sehr zum Positiven.

Throwback Thursday: Unbroken

Die heutige Ausgabe meiner wöchentlichen Kolumne, in der ich mir einen Artikel aus längst vergangener Zeit heraussuche, als ich noch den Blog geek-planet hatte, behandelt den Film Unbroken. Es ist nie leicht, einen Film zu besprechen, der wahre Begebenheiten darstellen möchte, denn, anders als ich es damals in meiner Rezension geschrieben habe, nehmen sich die Verantwortlichen immer kreative Freiheiten. Das mag verschiedenste Gründe haben. Ein wichtiger Faktor ist natürlich die Zeit – in zwei bis drei Stunden lässt sich eben kein ganzes Leben darstellen. Andere Gründe haben mit Dramaturgie und dergleichen zu tun.

Aus Neugierde, wie der Film damals ankam, habe ich den Wikipedia-Artikel überflogen. Es sind durchschnittliche bis gute Bewertungen, das Drehbuch wird oft kritisiert und dass man mehr aus dem Material hätte herausholen können – aber ist das nicht immer der Fall? Wie dem auch sei, ich habe mir Unbroken, seit ich damals im Kino war, nicht wieder angesehen. Einmal hat mir vollkommen gereicht. Manche Filme nehmen mich einfach so sehr mit, dass es mir genügt, sie einmal gesehen zu haben.

Vielleicht ist die Rezension, die vom 03.02.2015 stammt, etwas zu überschwänglich und unkritisch, den Entscheidungen gegenüber, die Angelina Jolie und ihr Team getroffen haben. Und wie kann ich mir anmaßen zu beurteilen, ob ein solcher Film „authentisch“ ist?

Der Film ist mir jedenfalls in Erinnerung geblieben, genauso der Kampf und das Leben von Louis Zamperini. Darauf kommt es doch bei solchen Filmen an – nicht zu Vergessen und aus der Vergangenheit zu lernen. Das war mir damals schon wichtig und ist es auch heute noch.


Unbroken ist Angelina Jolies zweite Regiearbeit (die Erste scheine ich verpasst zu haben) und erzählt die wahre Geschichte eines Soldaten und Olympiasportlers, der im Zweiten Weltkrieg von den Japanern gefangen genommen und in ein Arbeitslager verfrachtet wurde.

“If I can take it, I can make it” –Louis “Louie” Zamperini

Wie schon bei Filmen zuvor, wusste ich nicht genau, was ich von Unbroken erwarten soll. Irgendwie schaffte ich es keinen Trailer davon gesehen zu haben, Angelina Jolie ist eine gute Schauspielerin, aber kann sie auch Regie führen? Des Weiteren war es der zweite WWII-Film innerhalb einer Woche, daher war ich mehr oder weniger auf das Thema eingestellt und konnte die Vorstellung vorurteilsfrei, soweit so etwas überhaupt möglich ist, besuchen. Dass mich der Film aber noch Tage danach beschäftigen wird und mich auf einer Ebene berührt, wie es nur wenige Filme schaffen, hatte ich tatsächlich nicht erwartet.

Wenn ich jemandem die drei wichtigsten Bestandteile des Films aufzählen müsste, wären das die Kameraeinstellungen, die Schauspieler und der Soundtrack. Angelina Jolie versteht es wirklich, einen Film zu machen. Sie holt das Letzte aus ihren Schauspielern heraus und stellt die Ereignisse so überzeugend und authentisch dar, sodass ich mir nicht die Frage stelle, ob sie sich nicht zu viele dramaturgische Freiheiten erlaubt hat. Sie bringt mich tatsächlich dazu, ihr zu glauben, dass es so und nicht anders war.

Die Bilder im Film sind atemberaubend und stellen die tragischen Ereignisse in keiner Weise übertrieben effektvoll dar. Die Musik untermalt an den richtigen Stellen das Geschehen und rundet das Gesamtpaket ab.

Jolie unterteilt den Film in drei Lebensabschnitte von Louis: Seine sportliche Karriere, sein Leben beim Militär (inkl. eines 45-tägigen Überlebenskampfes auf offener See) und seinen Erlebnissen in japanischer Gefangenschaft.

Allein die körperlichen Veränderungen, die der Schauspieler Jack O’Connell und seine hervorragenden Kollegen durchmachen, sind bemerkenswert. Von einem durchtrainierten Läufer und Soldaten, zu einem abgemagerten Schiffbrüchigen, der sich wieder etwas erholt und schließlich zu einem ausgezehrten Kriegsgefangenen verkommt, werden alle Facetten geboten. Mich würde sehr ein Making-of interessieren. Sind die Szenen in der Reihenfolge der körperlichen Veränderungen gedreht worden? Wahrscheinlich nicht. Wurde digital nachgeholfen?

Der Kampf um Leben und Tod auf hoher See ist fantastisch dargestellt. Mit den Bildern, die der Kameramann Roger Deakins liefert, hat man als Zuschauer tatsächlich das Gefühl, mit auf dem Rettungsboot zu sitzen und nichts als das weite Meer vor sich zu haben. Da freut man sich dann mit den drei Soldaten, als sie mit bloßen Händen (!) einen Hai aus dem Meer fischen und endlich etwas zu essen bekommen.

Nachdem dann letztlich zwei (Louis und Phil) von ihnen gerettet werden, gibt es noch kurz einen letzten heiteren Satz von Phil, bevor der Film zu einem beinharten Drama wird, welches wenige Aussichten auf ein gutes Ende bietet. Die Folter, die Louis (er wird hier gänzlich zur zentralen Figur) erleidet, ist unbeschreiblich grausam. Mit jeder Minute die vergeht bekommt man mehr Hass auf die Übeltäter und die Kriegsverbrechen, die sie an ihren Gefangenen verüben. Die tragischste Szene war für mich, als der psychopathische und völlig verrückte Lager-Leiter Watanabe, der einen unverständlichen Hass auf Louis hat, alle Gefangenen dazu zwingt, einzeln Louis mit der Faust ins Gesicht zu schlagen. Die Zeit, die vergeht, bis alle durch sind, scheint endlos, und die untergehende Sonne macht deutlich, wie lange das Prozedere tatsächlich dauert. Schließlich müssen drei japanische Soldaten den Geschlagenen halten und seinen Kopf stützen, da er einfach nicht mehr kann. Allein der Gedanke an diese Szene erhöht wieder meinen Puls, macht mich betroffen.

Dieser Film hat mir wieder deutlich gemacht, dass es wichtig ist, unsere Vergangenheit nicht zu vergessen, sondern aus ihr zu lernen und die Fehler nicht zu wiederholen. Wir Menschen haben es leider zu einer Kunst werden lassen, sogenannte Feinde und Gegner zu demütigen, foltern, hinrichten. Warum?

Am meisten überraschte mich das Ende des Films, dass das Leben von Louis Zamperini, der im Jahr 2014 im Alter von 97 Jahren gestorben ist, nach der Befreiung durch beschreibende Texte, echte Foto- und Videoaufnahmen darstellt. Seine Charakterstärke und Persönlichkeit sind inspirierend und bewegend.

Throwback Thursday: The Walking Dead Book 1

Wie jeden Donnerstag suche ich mir einen Artikel aus längst vergangener Zeit heraus, als ich noch den Blog geek-planet betrieb. Der heutige Text handelt vom ersten Hardcover-Buch des Comics The Walking Dead.

The Walking Dead war nicht nur als Serie ein gewaltiges Phänomen. Bevor es den Weg in unsere Wohnzimmer fand, war es bereits als Comic ein Hit und hat jeden Monat die Charts gestürmt und war in aller Munde. Natürlich musste ich auch in meinem alten Blog die Comics Besprechen und habe mir dafür die Hardcover-Bücher nach und nach besorgt. Parallel dazu habe ich mir dann die Serie (bis zu einem gewissen Zeitpunkt, bis dann die Qualität doch stark nachließ) angeschaut und ebenfalls besprochen. Beides parallel zu machen, also den Comics zu lesen und die Serie zu schauen, war vielleicht nicht ganz so clever. In meinem Kopf bringe ich nun immer wieder Dinge durcheinander und bin mir manchmal unsicher, was wo passiert ist. Aber das ist nun einmal so und damals hat es mir große Freude bereitet, mich mit beiden Medien auseinanderzusetzen.

Aus der heutigen Sicht das Ganze zu betrachten, als die ersten Staffeln der Serie anliefen, ist schon interessant. Mittlerweile gibt es ja einige Ableger der Serie. Ganz im Gegensatz zum Comic, der ohne große Ankündigung eines Tages, mit Ausgabe 194, einfach endete. Schauen wir also neun Jahre zurück, denn der ursprüngliche Text erschien am 12.10.2015.


Bevor ich überhaupt mit der Serie „The Walking Dead“ anfange, will ich mich mit der Vorlage beschäftigen. Mir war gar nicht bewusst, dass es inzwischen schon über 140 Ausgaben des hochgelobten Comics von Robert Kirkman gibt. Es wurde also höchste Zeit für eine kleine Aufholjagd.

  • Autor: Robert Kirkman
  • Künstler: Tony Moore, Charlie Adlard
  • Gray Tones: Cliff Rathburn
  • Erstveröffentlichung: 2006

„Don’t hurt my Daddy again!“ – Carl

Ich habe mir gedacht, wenn ich schon anfange, „The Walking Dead“ zu lesen, dann mache ich es auch richtig und sammle gleich die Hardcover-Versionen. Im ersten Buch sind die Ausgaben #1 bis #12 enthalten.

Was mir besonders gut gefällt, ist die Tatsache, dass das Buch mit wenig Schnickschnack auskommt. Eine Seite mit dem Titel des folgenden Kapitels und schon geht es los. Auch wird die Geschichte nicht durch Nummerierungen oder Cover unterbrochen, die aufzeigen sollen, wann und wo welche Ausgabe beginnt bzw. endet. Dies ist sehr erfrischend, da man bis zum nächsten Kapitel, und davon gibt es im Buch gerade einmal zwei, ununterbrochen in der Welt bleiben kann. Die Qualität der Seiten und des Hardcovers an sich ist wie immer vom Image-Verlag ausgezeichnet. Es fühlt sich hochwertig und stabil an.

Aufgrund dessen, dass manche meiner Freunde bereits seit längerem die Serie schauen und am Ende des Buches das Gefängnis angeteasert wird, kann ich ungefähr abschätzen, dass die ersten drei Staffeln der Serie dem ersten Buch entsprechen. Wenn es so weiter geht und die Serie auf den bisherigen Erfolgen aufbauen kann, stehen uns noch sehr viele weitere Staffeln bevor. Die Verantwortlichen selbst haben bereits in einem Interview bestätigt, dass sie schon für die nächsten Staffeln vorausgeplant haben. Lust weiterzumachen haben sie also allemal.

Zur Handlung selbst muss ich, glaube ich, nicht viel sagen. Nur so viel: Wir starten mit Rick, einem Polizisten, der seit einem Monat im Koma liegt, nachdem er bei einer Schießerei übel erwischt wurde. Er erwacht in einem düsteren, chaotisch hinterlassenen Krankenhaus und muss feststellen, dass er weit und breit der einzige lebende Mensch ist. Er lernt ziemlich bald die neue Weltordnung kennen, in der die Zombies die Oberhand haben. Zwar sind diese Kreaturen nicht gerade von Intelligenz und Schnelligkeit geprägt, doch ihre schiere Menge macht sie zu einem gefährlichen Gegner. Bald findet er seine Familie in einem nahegelegenen Camp und zukünftig stellt sich die Gruppe gemeinsam der Herausforderung, in dieser Welt zu überleben.

Mich hat besonders die Gruppendynamik überrascht. Normalerweise gibt es immer den ein oder anderen Quertreiber, die unsympathisch sind und für Unruhe sorgen, doch hier sind Streits die Ausnahme und alle helfen immer gut zusammen. Egal, ob bei der Durchsuchung von Häusern, dem Retten von Fremden oder beim Kampf gegen die Zombies, die hier auch deutlich so genannt werden, sie ziehen meist an einem Strang. Auch wenn nicht immer mit voller Überzeugung und wenn jeder seine eigene Agenda verfolgt. Denn sie wissen, dass das Überleben der Gruppe von jedem einzelnen von ihnen abhängt.

Dazu passt auch der gesamte Stil des Comics. Angefangen bei den Schwarz/Weiß-Darstellungen, die wahrscheinlich verhindern sollen, dass einem zu übel wird beim Lesen oder dem Fehlen von einem Erzähler oder Zeitangaben. Man muss alles aus dem Kontext von Unterhaltungen und den fantastischen Zeichnungen schließen. Robert Kirkman liefert mit seinem Team einen großartigen Comic ab. Was mir aufgefallen ist, ist die Entwicklung der Zeichnungen. Zu Anfang sind es oft noch überzogene Mimik und Gestik, wenn sich Rick zum Beispiel im Krankenhaus erschreckt oder überrascht blickt, doch nach und nach werden diese subtiler, realer. Dieser Fortschritt gefällt mir ausgesprochen gut, da es zeigt, dass sich der Künstler mit der Materie auseinandersetzt und sich weiterentwickelt.

„The Walking Dead“ ist deutlich besser, als ich erwartet hatte. Ich habe eher eine typische Zombiegeschichte erwartet, die auf schockierende Brutalität und Grausamkeit, sowie stereotypische Charaktere setzt. Bei den Protagonist*innen ist dies zwar manchmal der Fall, doch sie entwickeln sich und wachsen über sich hinaus. Ein gewisser grad an Gewalt ist bei so einer Geschichte nicht zu verhindern und das „Mature“ Rating ist zweifelsohne angebracht, doch es geht hauptsächlich um das Überleben der Gruppe – das Zwischenmenschliche steht im Vordergrund.

Throwback Thursday: Star Wars – The Force Awakens

Meine Rezension zu The Force Awakens zu lesen, ist schon etwas surreal. Vor allem aus der heutigen Sicht und mit den ganzen Serien, Filmen und sonstigen Dingen, die sich in den vergangenen Jahren bei Star Wars ereignet haben. Außerdem war ich doch viel positiver und hoffnungsvoller, als ich eigentlich erwartet hatte. Aber irgendwie ist es auch erfrischend.

Ich meine, wenn man die neue Trilogie als Ganzes sieht, ist es natürlich eine vertane Chance und einfach nur schade, dass Disney und Lucasfilm nicht mit mehr Plan und Fürsorge daran herangetreten sind. Für sich allein genommen jedoch hat der siebte Film der Reihe genau das erfüllt, was er sollte. Er hat neue Charaktere eingeführt, sich stark an der Geschichte der alten orientiert und sich mit allzu viel Neuem zurückgehalten. Wie ich damals geschrieben habe, musste man erst einmal das Vertrauen der Fans wieder gewinnen und das hatte man, denke ich, erreicht. Leider wurde dieses schnell wieder verspielt, aber die initiale Zündung war gelungen.

Im Allgemeinen würde ich im Nachhinein betrachtet vielleicht ein paar Formulierungen ändern und manches umschreiben, in meiner Rezension, aber alles in allem bin ich auch heute noch zufrieden damit. Nur die letzte Zeile ist schwierig gealtert und würde ich so heute auf keinen Fall mehr schreiben. Aber der Vollständigkeit halber und unter dem Motto, dass ich die alten Artikel in nicht editierter Form hier veröffentliche, bleibt sie eben drin. Der Artikel stammt vom 05.01.2016.


17.12.2015 00:01 Uhr, Reutlingen, Deutschland: Das Kino ist wie erwartet äußerst voll mit Menschen, die einen magischen Abend erleben wollen – hier ein Stormtrooper, dort eine Prinzessin Leia und trotz der vielen Lichtschwerter hat niemand eine Hand verloren. Ich hole mir mein Mineralwasser und die M&M’s, gehe in den Kinosaal und suche mir meinen Platz. Bereits den ganzen Tag stieg die Vorfreude immer weiter an und jetzt ist es endlich so weit: Die Lichter im Saal erlöschen, es wird dunkel – schließlich erscheint der “Lucasfilm” Schriftzug auf der Leinwand und ich habe das Gefühl, dass alles gut wird.

Das folgende Review von “The Force Awakens” teilt sich in zwei Teile. Als erstes gebe ich einen kurzen Überblick, was ich von dem Film erwarte – diese Gedanken habe ich direkt vor dem Film geschrieben – anschließend folgt das spoilerhaltige Review.

Die Erwartungen

1983 erscheint das große Finale einer Trilogie, die eine Mythologie und Fanbase nach sich ziehen wird, wie es wohl keiner erwartet hätte. Damit ist es mittlerweile 32 Jahre her, seit wir den letzten (guten) Star Wars Film bekommen haben. Es mag Stellen in den Prequels geben, die man gut finden kann, wie das Podracer Rennen, der Kampf zwischen Obi-Wan, Qui-Gon und Darth Maul, ja, das war’s eigentlich auch schon, doch im Prinzip wurde der Mythos um Darth Vader eher zerstört, als weiter ausgebaut – doch lassen wir dieses Fach zu Sicherheit mal zu.

Mit einer emotionalen und viel debattierten Vergangenheit wie Star Wars ist man schnell verleitet seine ganze Hoffnung in diesen, von JJ Abrams inszenierten, Film zu setzen – dazu zähle ich mich übrigens auch. Hinzu kommt noch, dass dieser für Disney nichts weniger als eine völlig neuartige und moderne Wiederbelebung eines Franchises darstellen soll, dem genauso viele entgegenfiebern, wie sie gefürchtet wird. Ist es also gerechtfertigt, so viel von Abrams und seinem Team zu verlangen? Eigentlich sollte man vorsichtiger an die Sache herangehen, aber das Marketing um Episode VII war so geschickt gemacht, es wurde nichts essentielles verraten und das was gezeigt wurde, strahlte so viel Hoffnung aus, da kann man eigentlich nichts anderes, als das Beste erwarten.

Aber was genau wollen wir – respektive ich – von diesem Film?

  • Keine Jar-Jar-Artige Witzfigur, die den Film “leichter” gestalten soll.
  • Keine langen, langweiligen Senats-Verhandlungen
  • Eine Kombination aus praktischen Effekten und CGI.
  • Atemberaubende Lichtschwert-Kämpfe
  • Gute Charaktere, die sich glaubwürdig weiterentwickeln
  • Ein breites Kaleidoskop verschiedener Charaktere
  • Die Figuren aus den früheren Filmen (Han, Leia, Luke,…) sollen in Ehre gehalten werden.
  • Einen klassischen Einstieg: Logo des Studios, Fanfare, Lauftext usw.

Es wird in diesem Film keine großen Experimente geben. Für solcherlei Dinge gibt es die Anthology-Filme. Hier wird man sich eher an die Basics halten und diese entsprechend gut umsetzen, damit das Vertrauen der Fans wieder gewonnen wird. Ich freue mich auf den Film heute Abend. Es sind noch genau zweieinhalb Stunden bis zur Premiere, das Ticket liegt seit Wochen bereit, der Vorhang kann sich öffnen. May the Force be with us.

Das Review

Erst einmal vorweg: Ich habe mir den Film mittlerweile 4x angesehen – alles natürlich rein zur Recherche, damit ich auch nichts übersehen habe. Bevor ich auf die einzelnen Dinge eingehe, möchte ich euch versichern, dass der Film wirklich gut ist. Wie erwartet hat sich JJ Abrams an bekannten Mustern, vor allem aus denen der Original-Trilogie bedient und diese entsprechend modernisiert und neu aufgearbeitet. Dabei gelingt ihm der Spagat zwischen einem kleinen Remake und einer Fortsetzung des vorhandenen Universums ziemlich gut.

Fangen wir bei einem sehr heiklen Thema an: CGI. Ich weiß nicht genau warum, aber irgendwie habe ich das Gefühl, dass wenn man das Kürzel CGI verwendet, um die Effekte in einem Film zu beschreiben, ist diese Bezeichnung negativ behaftet. Vor kurzem habe ich ein Video auf YouTube entdeckt, welches sehr anschaulich darstellt, dass CGI nicht das Böse etwas ist, dass unsere heutigen Filme zerstört. Ganz im Gegenteil hilft es sogar, die Film so darzustellen, wie es die Visionäre es sich immer geträumt haben. Dabei muss man immer im Auge behalten, welche Art von Film gezeigt werden soll. Bei einem Film wie Avatar rechnet man nicht mit großen real gebauten Sets, die Welt ist einfach zu fantastisch und unterscheidet sich von unserer so sehr, dass es sich nicht anders umsetzen ließe (James Cameron hat dafür eigens diverse Technologien mitentwickelt, um den Film überhaupt machen zu können). Auf der anderen Seite haben mir Mad Max, den alle für seine bodenständige und handgemachte Action loben. Doch dieser würde ohne CGI auch nicht so aussehen, wie er es nun einmal tut. Klar die Autos funktionieren und die feuerspeiende Gitarre gibt es wirklich, doch der tief orange Look und der klare blaue Himmel wurden nachträglich so “eingefärbt”. Bei Star Wars ist es wiederum anders. Hier will man diese Kombination aus praktischen Effekten und CGI haben, damit wir mehr an diese Welt glauben können. JJ hat dies wirklich wunderbar in diesem Film umgesetzt. Doch was nützt es uns nun tatsächlich?

Werden wir etwas konkreter: Rey, unsere Heldin, auf die ich später noch einmal zu sprechen komme, lebt auf dem Planeten Jakku. Dort sammelt sie Schrott, putzt diesen und verkauft ihn für Nahrung weiter. Das kleine Dorf, in welchem sie lebt steht bzw. stand tatsächlich so in einer Wüste. Kreaturen wurden mit Kostümen und Mechaniken zum Leben erweckt. Dies macht die Welt greifbar und wirklich real. Es entsteht sofort eine Atmosphäre, die mit reinem CGI so nicht entstanden wäre (vgl. Prequels). Andererseits ermöglichen die heutigen Computereffekte, dass wir Luftkämpfe direkt über dem Boden sehen können, direkt in der Atmosphäre eines Planeten. Früher wäre so etwas nicht möglich gewesen. Die Animateure haben hier eine wirklich fantastische Arbeit geleistet, denn so etwas, hat man in einem Star Wars Film noch nicht gesehen. Hier gibt es gleich zwei tolle Beispiel. Zum einen die Flucht von Rey, Finn und BB-8 von Jakku und später im Film, sehen wir auch aus der Perspektive Finns, der sich auf dem Boden befindet, Poe diverse T-Fighter und Bodentruppen besiegen. Der letztgenannte Panorama-Shot ist fantastisch gemacht und den könnte ich mir immer wieder ansehen.

Da wir nun in einer Welt sind, die wir nachvollziehen können und die immer wieder beeindruckend aussieht, benötigen wir noch Charaktere, die uns durch die Geschichte führen. Rey ist eindeutig die Heldin des Filmes und auch wenn sie, so wird sie zumindest dargestellt, schon beinahe alles kann (Schiffe fliegen, Dinge reparieren, mit dem Lichtschwert kämpfen usw.), kaufe ich ihr das alles ab. Die Schauspielerin Daisy Ridley verkörpert diese starke, selbstständige Frau, was besonders am Anfang in einer emotionalen, aber auch teils witzigen Sequenzen verdeutlicht wird, hervorragend. Sie ist ein guter Bezugspunkt für den Zuschauer und ich freue mich schon auf die Bücher oder Comics, die ihre Vorgeschichte erzählen und wie sie zu den Fähigkeiten, die sie kann, gekommen ist (diese sind zwar noch nicht bestätigt, doch es ist nur eine Frage der Zeit).

Dann haben wir Finn, den rebellischen First-Order-Soldaten. Anfangs hatte ich so meine Schwierigkeiten mit ihm, da er bis zur hälfte des Film eigentlich nicht viel anderes tut, als schwer zu atmen und den Feigling vom Dienst zu spielen. Bis zum Ende hin wird er aber sympathischer und ich bin gespannt, was seine Reise ist. Den Rebellen-Piloten Poe Dameron bekommen wir leider nur sehr kurz zu sehen, wenn er aber auf der Bildfläche erscheint, räumt er sämtliche Sympathiepunkte ab. Der Schauspieler Oscar Isaac ist sehr charismatisch und perfekt für die Rolle.

Bevor ich dann zur alten Garde komme, möchte ich noch ein paar Worte zu meinem absoluten Favoriten verlieren: Kylo Ren. Er wird zu Beginn des Film als der harte Führer von der First Order dargestellt. Er ist bewandert in der Macht, hat ein nie da gewesenes Lichtschwert und eine auftreten, welches man fürchten kann. Doch nach und nach realisiert man, dass er noch in der Ausbildung seines Meisters Snoke steht und darum kämpf, ob die dunkle Seite tatsächlich die Richtige ist. Als er dann auch noch seine Maske abnimmt und man sein Gesicht sieht, erkennt man wie jung er ist. Wie ist Darth Vader zu seinem Vorbild geworden? Was ist in der Ausbildung mit Luke schief gelaufen? Diese Fragen möchte ich auch gerne in dem ein oder anderen Medium beantwortet haben. Ihm und seinem Vater Han Solo, gehört dann auch der tragischste Moment des ganzen Filmes, den ich hier nicht verraten möchte. Nur so viel: Dieser Moment ist so fantastisch Inszeniert, mit so viel Liebe für’s Detail, Hingabe und Symbolik, man kann nicht anders als schockiert in dem Sessel zu sitzen. Doch die tatsächlichen Auswirkungen dieser Szene, werden erst mit den nächsten Filmen spürbar. Als letztes haben wir dann noch die bereits erwähnte klassische Riege: Han Solo und Chewbacca bekommen dabei die meiste Screentime und das ist auch gut so. Sie sind tolle Begleiter für die neuen Charaktere und bestehen ihre Aufgabe, den Stab an die nächste Generation an Helden weiter zu geben mit Bravour. General Leia ist nicht ganz so oft zu sehen, doch dafür wird sie toll eingesetzt und hat bewegende Momente. C-3PO und R2D2 sind ein schwieriger Fall. Der erstgenannte Droide ist noch gut in die Geschichte eingearbeitet und erfüllt einen Zweck. Andererseits ist R2 so gezwungen in die Handlung integriert, dass ich mich frage, warum sie ihn nicht einfach weggelassen haben. Warum ist er nicht zusammen mit Luke verschwunden und taucht im nächsten Film wieder auf? Immerhin haben wir in diesem Film BB-8, den wohl sympathischsten, witzigsten und best ausgearbeiteten Droiden der Filmgeschichte, da benötige ich nicht auch noch R2, der diese Rolle in sechs Filmen hervorragend erfüllt hat. Er hat mehr verdient, als ein reiner Deus-Ex-Machina zu sein. Doch genug der Charaktere. Was ist noch mit Star Wars verbunden, was nicht fehlen darf? Richtig, die Musik. John Williams, der in bisher allen Filmen den Soundtrack geliefert hat, beweist wieder einmal, dass Star Wars, zumindest was die Musik anbelangt, ihm gehört. Es ist sein Baby und dies kann ihm so leicht niemand wegnehmen. Es gelingt ihm sehr gut, alte Themen aufzugreifen und doch neu zu präsentieren. Die Klänge fügen sich so natürlich in die Geschichte ein und schafft damit ein Gesamtprodukt, welches für sehr viele Gänsehaut-Momente sorgt.Es gibt ja kaum noch große Filmproduktionen, die nicht in 3D auf die Leinwand projiziert werden. Selten hat es wirklich ästhetische Gründe, als viel mehr finanzielle. Bei Star Wars ist es für mich weder Fisch noch Fleisch. Zum Teil funktioniert das 3D wirklich gut und die Konvertierung verleiht dem Film mehr Tiefe (ja, ich weiß, der war billig). Doch zum anderen habe ich es in den vier Besuchen, nur zwei Mal erlebt, dass kein Schatten oder Ghosting, wie es so schon heißt, ersichtlich war. An dieser Stelle muss ich dann wirklich die IMAX Kinosäle loben, da das Bild hier perfekt war. Überhaupt mag ich IMAX sehr gerne. Es verleiht der Präsentation einfach noch das gewisse etwas, das in einem normalen Kinosaal fehlt – vor allem was den Sound anbelangt. Bevor ich jetzt aber schon zum Ende komme, sind ja erst 1800 Wörter, muss ich mich noch etwas über den tatsächlichen Inhalt des Films auslassen: Zum einen die Technologien. Diese bauen meist logisch auf die vorherigen Filme auf, allerdings wird nicht viel neues Präsentiert. Es sind kleinere Designänderungen bei den Raumschiffen und den Stormtroopern (Spezialeinheiten bekommen zum Beispiel eine Waffe mitgeliefert, die den Lichtschwertern etwas entgegen zu setzen haben – ebenfalls ein sehr cooler Moment), doch tatsächlich neues behält man sich noch für später auf. Was dem Zuschauer wirklich auf’s Auge gedrückt wird, ist die “Starkiller Base”. Hier handelt es sich um eine Weiterentwicklung des “Death Star” und ist auch dementsprechend größer. Die First Order hat hier einfach mal den Death Star in einen Planeten integriert und somit eine art Todesplanet erschaffen, der mehrere Ziele auf einmal ausschalten kann und durch einen nahen Stern mit Energie versorgt wird. Es sieht wirklich beeindruckend aus und ich habe nichts dagegen, dass diese Idee hier wieder aufgegriffen wurde. Für die nächsten Filme aber dann bitte keine solchen Dinger mehr – vorerst reicht es. Auch die Lichtschwerter gefallen mir gut. Zugegeben, wir sehen hier nur zwei: Lukes altes Lichtschwert, welches toll eingeführt wird und diese Aura ausstrahlt, wie sie nur eine Jedi-Waffe haben kann und auf der anderen Seite Kylo Rens neues Design. Dieses ist visuell sehr beeindruckend, da die Klinge nicht so geradlinig ist wie bei Lukes, sondern es scheint zu zittern und zu wabern, ganz so als würde die Energie gleich losbrechen und alles in seiner Nähe vernichten. Diese Bedrohlichkeit ist wirklich beeindruckend und über den ganzen Film über spürbar, sobald Kylo es aktiviert.

Der Gesamteindruck des Films ist sehr positiv. Er zeigt viel gut pointierten Humor, sympathische Charaktere, tolle Musik und eine vollgestopfte Geschichte. Ich finde es gut, dass JJ und sein Team auf bekannte Elemente setzen und so einen Film präsentieren, der eine stimmungsvolle Symbiose aus alt und neu darstellt. Wie bereits geschrieben, muss sich Disney erst das Vertrauen der Zuschauer verdienen und zeigen, dass es möglich ist gute Star Wars Filme zu machen. Erst wenn dies erfüllt ist, kann man mit wirklich neuen Ideen die Geschichte auf ein neues Level heben. So wie es derzeit aussieht ist die Mission gelungen, denn “The Force Awakens” nähert sich mit großen Schritten der zwei Milliarden Dollar Marke und ich hoffe er übertrifft diese noch, denn es wird Zeit das James Cameron vom Thron verwiesen wir, immerhin ist er schon lange genug an der Spitze der Box-Office-Charts. Somit blicken wir in eine Zukunft mit vielen neuen Star Wars Abenteuern, die nicht nur diese Geschichte weiter spinnt, sondern auch abseits der Hauptfilme das Universum erweitert, genau wie es bisher die Comics, Bücher und Spiele gemacht haben. Danke JJ, für eine neue Hoffnung.

Throwback Thursday: Death of Wolverine

Diese Woche habe ich drei Reviews herausgesucht. Ende 2014 habe ich das Mini-Event Death of Wolverine verfolgt und mich mit den einzelnen Ausgaben eingehender beschäftigt. Als ich mir die Rezensionen nach so vielen Jahren mal wieder durchgelesen habe, war ich eigentlich recht positiv überrascht. Ich besprach nicht nur die Geschichte, sondern bin auch auf den Zeichenstil eingegangen und wie dieser zur Atmosphäre beiträgt.

Eine Sache, bei der ich mir bis heute etwas unsicher bin, wenn ich Bücher, Comics, Filme oder dergleichen textuell bespreche, ist, wie viel ich verraten soll. Eigentlich mag ich das Ganze vorsichtige Getue um Spoiler nicht. Natürlich gibt es Geschichten, die, sobald der Twist verraten wird, nicht mehr ganz so gut funktionieren. Dennoch sollte die Kenntnis darüber, wie etwas endet, die Reise dorthin nicht zunichtemachen können. Das macht gute Erzählungen aus. Und wenn ich wirklich gar nichts wissen möchte, kann ich die Rezension immer noch im Nachhinein lesen und die Meinung mit der Autor*in des Artikels vergleichen.

Womit ich allerdings nicht mehr ganz mit meinem vergangenen Ich übereinstimme, ist die Conclusio der Geschichte, was das Opfer von Wolverine betrifft. Aber so ändern sich eben Meinungen über die Zeit. Gerade deshalb empfinde ich es als interessant, alte Artikel Revue passieren zu lassen.

Wie immer werden die Texte in nicht editierter Originalform wiedergegeben. Das Erscheinungsdatum steht bei der jeweiligen Rezension dabei.


Death of Wolverine #1

Veröffentlicht am 12.10.2014

Dieses Jahr scheint geradezu in Events zu ersticken! Bei DC Comics laufen parallel mehrere Events, bei Marvel ebenso. Würde ein normalsterblicher alle Events verfolgen wollen, müsste er wahrscheinlich seinen Job kündigen und sehr viel Geld und Zeit investieren…

Ich habe für mich den Entschluss gefasst, Death of Wolverine ist das letzte Event, welches ich mit einzelnen Comicheften verfolgen werde. Früher oder später erscheint sowieso eine Collected Edition oder eine Omnibus Version, mit deren Hilfe nicht nur Geld gespart, sondern das Event auch in kürzerer Zeit gelesen werden kann.

Dies ist auch der Grund, warum ich vom Spider-Verse Event nurmehr die Hefte Reviewn werde, die ich zu Hause liegen habe. In ein paar Monate erscheint nämlich bereits ein Hardcover Buch mit allen wichtigen Heften. Death of Wolverine besteht lediglich aus vier Heften und seit den X-Men Filmen, in denen Hugh Jackmann den Mann mit Adamantium-Skelett, Selbsheilungskräften und Krallen hervorragend in Szene setzt, wie es kein zweiter schaffen wird, bin ich ein großer Fan des Charakters. Also lasst uns beginnen und erforschen, wie Wolverine stirbt.

“Half those guys took each other out trying to get at me. And the rest … decided they’d rather fight than have a conversation.” – Logan

Das Heft beginnt mit den in großen Buchstaben gedruckten Worten “THE END” und das ist es auch, was die gesamte Ausgabe hindurch spürbar ist – es gibt kein zurück, kein Happy End. Dies ist die Geschichte vom Tod von Wolverine. Auch wenn in Comics natürlich nie jemand wirklich für immer stirbt (Ausnahmen bestätigen die Regel), ist die Atmosphäre die hier aufgebaut wird besonders.

Wir erfahren, das sich Logan bereits an einige der größten Genies gewendet hat, die ihm eventuell helfen können und Reed Richards ist der letzte auf seiner Liste. Doch auch er kann nur diagnostizieren, was Logan bereits wusste: Seine Selbstheilungskräfte funktionieren nicht mehr. Seine Krallen sollte er nun besser nicht mehr verwenden, denn jedes mal, wenn er diese wieder einfährt, fluten Bakterien seinen Körper. Dies ist ein Aspekt, an den ich bisher nicht gedacht hatte. Wolverine wird plötzlich menschlicher, verwundbarer und er muss sich an Dinge gewöhnen, an die er vorher wahrscheinlich nie gedacht hat.

Aber gleichzeitig mit der Diagnose ist ihm auch deutlich bewusst, dass er sich ein ruhiges Leben abschminken kann. Wenn der große Wolverine verwundbar ist, wird sich das herumsprechen und es werden Leute Jagd auf ihn machen. Er zieht sich auf eine Insel zurück. Diese ist bereits gespickt von den Leichen derer, die ihn töten wollten und vom Jäger Nuke, dessen Jagd Teil dieser Ausgabe ist, erfährt er, dass es eine Frau namens Viper ist, die ein Lösegeld auf ihn ausgesetzt hat.

Mich hat diese Ausgabe sehr begeistert. Die Geschichte von Charles Soule, gekoppelt mit den Illustrationen von Steve McNiven, Jay Leisten und Justin Ponsor, machen diese Ausgabe zu einem Genuss. Die Zeichnungen machen das Ende geradezu spürbar, denn sie sind schonungslos ehrlich, dreckig, roh, blutig und brutal. Es gibt hier keine Kompromisse und freue mich schon auf die Ausgabe.

Das besondere an dieser Ausgabe ist aber auch das Bonusmaterial. Es gibt ein ausführliches Interview über die Anfänge von Wolverine, einen Directors Cut und Kommentare zu verschiedenen Skizzen. Der Leser kann sich dadurch noch intensiver mit der Thematik auseinandersetzen und bekommt gleichzeitig einen kleinen Einblick, wie Comics entstehen.

Death of Wolverine #2

Veröffentlicht am 01.11.2014

Da mich die erste Ausgabe sehr begeistert hat, konnte ich es kaum erwarten die nächste in Händen zu halten und ich muss sagen die Autoren leisten eine hervorragende Arbeit. Es ist leider zu oft der Fall, dass solche Events bzw. Miniserien an sich, an Qualität verlieren. Dies ist hier allerdings nicht der Fall. Das Tempo wird etwas gedrosselt und das Team konzentriert sich auf eine Handvoll Charaktere, was der Geschichte eine andere dynamik verleiht…

“Hey, Darling” – Logan

Seit dem Handlungsbogen aus der vorherigen Ausgabe ist nicht viel Zeit vergangen. Es hat sich im letzten Panel bereits angedeutet, dass Viper einer der Drahtzieher zu sein scheint, die das Lösegeld auf Wolverine ausgesetzt hat und Logan macht sich natürlich auf den Weg zu ihr. Hier setzt die Geschichte nun auch an – er reist nach Madripoor, um durch das Einfädeln eines Deals (er möchte ihr einen Iron Man Helm verkaufen) an Viper heran zu kommen.

Wie gesagt, ist mir als erstes das Erzähltempo aufgefallen. Das Ganze scheint ruhiger abzulaufen und den wenigen Charakteren, die eine Rolle spielen, wird mehr Raum zugesprochen. Durch die hervorragenden, detaillierten Zeichnungen von Steve McNiven, Jey Leisten und Justin Ponsor ändert sich die Atmosphäre, so als sei dies die letzte Ruhe vor dem Sturm.

Natürlich kommt die Action auch nicht zu kurz. Es gibt einen wunderbaren Kampf zwischen Wolverine und Vipers Sklaven Sabretooth. Das Panel in dem er eingeführt wirkt strotzt nur so von Zeichen der Bedrohung. Dunkle Farben, eine aggressive, angriffslustige Haltung und die Tatsache, dass er aus dem Panel zu quillen scheint, treiben die Vorfreude auf die Spitze. Selbstverständlich gibts es zum Schluss noch einen Twist, den ich schon überraschend gefunden habe, außerdem weckt er das Interesse auf den dritten Teil.

Im Anhang finden sich auch wieder ein paar Bonusseiten. Auch wenn es diesmal nicht so ausführliches Material ist, wie im letzten Heft, bekommt man wieder einen netten Einblick in die Entstehungsgeschichte präsentiert.

Death of Wolverine #3 & #4

Veröffentlicht am 05.12.2014

Wie endet das Leben eines unsterblichen Mutanten, der seine Heilungskräfte verloren hat und auf dessen Kopf ein verlockend hohes Lösegeld ausgesetzt ist? In einem spektakulären Kampf? Still und Emotional? Diese Fragen habe ich mir oft gestellt, als ich die letzten beiden Teile gelesen habe und die Antwort war verblüffend…

“Sometimes I wonder if it might be better to find some place where I can watch the sun set, then just…” – Logan

Leider habe ich die X-Men Comics nie wirklich verfolgt, da ich es immer sehr schwierig fand, einen geeigneten Zugang zu finden. Erst die Filme haben mir diese Welt etwas eröffnet und Wolverine zu einem meiner Lieblingscharaktere gemacht. Deshalb finde ich es etwas schade, die Antagonisten nicht zu kennen und ihre gemeinsame Geschichte mit Logan verpasst zu haben. Als erstes hatten Viper, die anscheinend mehr als nur eine Freundin war, dann kommt in der dritten Ausgabe ein körperloses Wesen namens Ogun hinzu. Von dem was ich aus der Geschichte ableiten kann, handelt es sich wahrscheinlich um einen ehemaligen Samurai, der Logan und Kitty Pryde trainiert hat. Vor langer Zeit wird er gestorben sein und muss sich nun Wirte suchen, von denen er Besitz ergreifen kann. Als Drahtzieher entpuppt sich schließlich ein Doktor namens Abraham Cornelius. Dieser ist für Logans Adamantium Skelett verantwortlich und ist nun etwas größenwahnsinnig geworden.

Sein Ziel ist es eine Armee von Wolverines zu kreieren. Aus diesem Grund möchte er Logan auch lebend haben. Seine Heilungskräfte sollen dafür sorge tragen, dass die unfreiwilligen Patienten, die das Adamantium “verabreicht” bekommen, während der Operation nicht sterben.

Das Labor in dem Logan den Doktor schließlich findet, habe ich als sehr unheimlich und erschreckend empfunden. In der Mitte liegen drei Personen auf hochmodernen Operationstischen, umgeben von automatisch gesteuerten Roboterarmen. Später werden sie dann bei vollem Bewusstsein aufgeschnitten und operiert. Bei manchen Panels sieht man sogar Tränen, die ihnen aus den Augenwinkeln laufen – wie gesagt, sehr beängstigend, wenn man sich in die Personen hineinversetzt.

Nach einem Kampf mit einem gewissen “Sharp”, den Logan mit Leichtigkeit besiegt, kann Cornelius flüchten und die einzige Möglichkeit, die Logan sieht, um die Opfer zu retten besteht darin, den Behälter mit Adamantium zu zerstören. Dabei wird allerdings er mit dem Metall übergossen und während dieses langsam aushärtet, verfolgt er den Drahtzieher und tötet ihn.

Alles was schließlich von Logan übrig bleibt, ist eine Statue aus Adamantium, die den Sonnenuntergang kniend beobachtet.

Auch wenn ich das Finale etwas unspektakulär und seltsam finde, gefällt mir der Gedanke, dass Logan eben doch nicht wirklich stirbt, sondern eben “nur” mit Adamantium übergossen wurde. Anders als wenn er tatsächlich getötet worden wäre, kann er aus dieser Situation vergleichsweise simpel wieder befreit werden. Versteht mich nicht falsch, er muss immer noch irgendwie wiederbelebt werden, allerdings existiert sein Körper noch innerhalb einer Adamantiumschicht und wahrscheinlich halten ihn seine eventuell wiedergekehrten Selbstheilungskräfte am Leben. Drastischere Maßnahmen, bei denen er tatsächlich von jemand anderes getötet wird und nicht sich selbst opfert, hätte ich persönlich favorisiert. Aber alles in allem ist es eine gute Geschichte, mit einem überraschendem Ende. Bleibt nur noch die Frage: Wie lange wird Logan tot sein und wie wird er gerettet?