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Geek-Planet | The Walking Dead: Book 12

Wie jeden Donnerstag sehen wir uns auch heute wieder einen alten Text von mir an. Der folgende erschien am 21. Dezember 2016 auf meinem damaligen Blog »Geek-Planet«. Diesen gibt es allerdings nicht mehr. Trotzdem möchte ich, dass alle meine Texte an einem Ort versammelt sind.

Mir fällt immer wieder auf, dass ich eigentlich nur über die Geschichte an sich schreibe, aber wenig über das Wesen des Comics. Es ist mir schon immer schwergefallen, die Zeichnungen zu beschreiben, auf das Panel-Layout einzugehen oder gewisse Szenen hervorzuheben. Es ist wie der Score eines Films. Wenn es gut gemacht ist, nimmt man es kaum mehr wahr. So ist es mir bei TWD ergangen. Die Zeichnungen sind auf einem so hohen Level, der Fluss der Geschichte und Zeichnungen natürlich und das Auge wird mühelos geführt. Man versinkt förmlich in der Welt. Das ist etwas wirklich Großartiges. Das verdanken wir Charlie Adlard und seinen Kollegen, die etwas wirklich Einzigartiges schufen. Wirklich meisterhaft. Ich hätte öfter darüber schreiben und die Qualität hervorheben sollen.


Es war einmal ein kleiner Junge. Dieser Junge war der Sohn eines stolzen Königs. Er verliebte sich in eine junge Prinzessin. Sie war die hübscheste und liebevollste von allen Mädchen, die der Junge jemals gesehen hatte. Die beiden mochten sich so gern, dass sie gleich miteinander ins Bett hüpften. Das fand der Junge so toll, dass er ganz wütend wurde, nachdem die Prinzessin zu ihrer Königin-Mutter zurückgehen musste. Doch der Junge ließ sich das natürlich nicht gefallen und rannte ihr mit fliegenden Füßen nach. Hals über Kopf stürze er sich in das Abenteuer und dachte sich: „Scheiß auf die Konsequenzen“. Das fand die Königin gar nicht nett und zeigte dem Vater des Jungen ihre Horde an hässlichen Monstern. Es gab so viele von ihnen, dass sie bis zum Horizont zu reichen schienen. Doch das war nicht das Einzige, was die Königin-Mutter getan hatte. Denn sie besaß die Gabe des „House of black and white“ und konnte in einer Menge von Menschen untertauchen und sich als eine von ihnen ausgeben. Ganz verdutzt musste der König feststellen, dass seine Gattin mit diesem Theater viele seiner Freunde getötet und gepfählt hatte. Das fanden die Bewohner des Reiches vom gütigen König gar nicht gut. So verbreitete sich Zorn und Missgunst im Königreich. Die Rufe nach einer Schlacht wurden immer lauter.

  • Creator, Writer: Robert Kirkman
  • Penciler, Cover: Charlie Adlard
  • Inker: Stefano Gaudiano
  • Gray Tones: Cliff Rathburn
  • Letterer: Rus Wooton
  • Erstveröffentlichung: 2015
  • Ausgaben: #133 – #144

“Listen Maggie… don’t cross these people. We need to be really careful. I couldn’t see much… but I heard them… There were so many. It sounded like thousands.“

Im ersten Handlungsbogen in Book Twelve „whispers into screams“ steht Carl im Zentrum des Geschehens und darf sich für vieles verantwortlich Zeichnen. Rick hat sich dazu entschieden, ihn persönlich nach Hilltop zu bringen, damit er dort seine langersehnte Ausbildung zum Schmied beginnen kann. Anna, ein Mädchen aus Alexandria in seinem Alter, hat ihm einen Brief mitgegeben und man könnte erwarten, dass aus diesen beiden ein Paar werden könnte. Doch dann ist da natürlich noch Sophia, die Carl, seit sie aus Atlanta geflüchtet sind, kennt. Die beiden verbringen eigentlich viel Zeit miteinander. Auch wenn es manchmal etwas Spannungen gibt, könnte ich mir die beiden zusammen vorstellen. Doch natürlich musste es anders kommen.

Eine Patrouille, die nach zwei Vermissten sucht, wird von den Whisperern angegriffen und nur knapp kommt Jesus mit dem Leben davon. Doch es gibt eine überlebende. Zu diesem Zeitpunkt realisiert er, dass es nicht die Toten sind, die gelernt haben zu sprechen, sondern dass es sich dabei um eine etwas eigenartige Weise handelt, sich zu tarnen. Die Whisperer häuten die Toten und tragen diese als zweite Haut, um von diesen nicht angegriffen zu werden. Sie verhalten sich wie sie und reden nur im Flüsterton miteinander. Jesus schnappt sich die überlebende und bringt sie zurück nach Hilltop.

Carl zieht ärger an, wie Licht Motten. So gerät er in eine Schlägerei mit zwei Typen, die Sophia wehtun und ich glaube sogar vergewaltigen wollten. Dabei schlägt er sie halb tot. Das kann Maggie, so dankbar sie für die Rettung ihrer Ziehtochter ist, nicht ungestraft lassen und sperrt ihn erst einmal in eine Zelle ein, bis sich die Tatsachen geklärt haben. Zufällig kommt er in die Nachbarzelle, wo die überlebende der Whisperer steckt. Dabei handelt es sich um ein junges Mädchen, das so alt ist wie Carl und die beiden freunden sich an. Sie erzählt ihm alles, was sie so erlebt hat in den vergangenen Wochen und Monaten und wie es ihnen gelungen ist zu überleben. Dazu später mehr.

Widerstrebend lassen sie die beiden zusammen frei, damit ihr Carl zeigen kann, dass es eine bessere Art gibt zu leben, und zwar ähnlich, wie es früher vor den Walkern gewesen ist. Sie mögen sich wirklich sehr, die beiden und haben relativ schnell Sex, womit Carl seine Jungfräulichkeit verliert. Sehr romantisch tun sie es auf einem Feld neben dem Hühnerstall. Sehr klischeehaft.

Doch nicht alles ist gut, da sich die Eltern der beiden halb toten Jungen eine härtere Strafe für Carl wünschen und gemeinsam mit Gregory (ja, den gibt es noch immer) einen Putsch auf Maggie planen. Hierbei zeigt sich, wie unfähig, feige und hinterlistig Gregory ist. Denn er will sie gleich töten, aber statt es offen auszukämpfen, versucht er sie zu vergiften. Blöd nur, dass er eine zu geringe Dosis verwendet hat und Jesus im richtigen Zeitpunkt zur Tür hereinkommt. Gregory ist das typische Arschloch der Geschichte, das man mit jeder Faser seines Körpers verachten kann. Keine Spur von Integrität oder Autorität, aber trotzdem Anführer sein wollen. Einfach lächerlich.

Wenig später erscheint eine große Gruppe der Whisperer vor den Toren und fordert ihr Mitglied zurück, im Austausch gegen die beiden vermissten von zuvor. Um Schlimmeres zu vermeiden, geht Maggie auf den Handel ein. Doch sie hat nicht mit der Zuneigung zwischen Carl und Lydia gerechnet. Also bricht er mitten in der Nacht auf, um den Whisperern zu folgen.

“I have marked our border… you will know it when you see it. Take my daughter across it… and see that you never return. If you cross onto our land… my horde will cross onto yours.” – Alpha

In der zweiten Storyline „life and death“ wird Carl rasch von den Whisperern entdeckt und von ihrer Anführerin Alpha zu ihrem Lager gebracht. Dort erfahren wir, wie sie wirklich leben. Sie sind immer auf den Beinen und nie lange an einem Ort. Sie jagen, was sie zum Essen benötigen, oder essen Beeren und Früchte, die sie auf dem Weg finden. Und wenn es einmal einen Tag oder zwei nichts gibt, gehört das zum Leben dazu. Das Prinzip dahinter ist, dass sie so leben wollen wie Tiere. Sie verzichten sogar auf Namen. Es ist eine ziemlich spannende Strategie, wenn man genauer darüber nachdenkt. Denn so kann man mit den Walkern in einer Welt leben, ohne sie dauernd bekämpfen zu müssen. Später erfahren wir, dass sie mit ihrer Lebensweise in der Lage sind, Tausende von Walkern zu kontrollieren und navigieren. Sie halten die Horden an einem Ort mehr oder weniger fest, um sich gegen größere Gruppen verteidigen zu können.

Den einzigen Makel, den diese Gruppe und ihre Lebensweise hat, ist, dass sie alles so machen wie Tiere. Lydia, als attraktives junges Mädchen, ist natürlich Ziel von so manchen begierigen Männern und da sie wie Tiere leben, lehnen sie das Konzept von Vergewaltigung ab. Wenn jemand Lust verspürt, sie sich einfach zu schnappen und mit ihr zu tun, was er möchte, dann ist es nun einmal so. Sie sind schließlich Tiere und haben sich von dem Konzept der Zivilisation abgewandt. Bestialisch, unverständlich. Da überrascht es nicht, dass sie gern Zeit mit Carl verbringt, der sie gut behandelt und sie beschützen möchte.

Parallel zu diesen Ereignissen startet die Fair, die in Alexandria abgehalten wird und alle Gemeinden zusammenbringt. Dort erzählt Maggie, dass Carl abgehauen ist. Allerdings verschweigt sie, dass sie Gregory als Strafe erhängt hat. Nicht nur zum Schutz ihrer Position als Anführerin, sondern um ein Exempel zu statuieren. Damit verstößt sie gegen alles, was Rick in den vergangenen Monaten hat aufbauen wollen. Natürlich zögert Rick nicht lange und mit Michonne und ein paar anderen macht er sich auf den Weg, um die Gruppe an Whisperern aufzuspüren.

Apropos Michonne. Diese haben wir seit dem Ende des Krieges gegen Negan nicht mehr gesehen. Ihr erster Auftritt nach so langer Zeit ist sehr cool. Denn Rick hat am Tag zuvor einen Weg zur Küste gemacht, wo sie sich mit ihr treffen wollen. Dort segelt sie gerade mit ihrer Mannschaft in den Hafen der kleinen Stadt ein. Es ist ein Bild wie Johnny Depp in Pirates of the Caribbean.

Es dauert nicht lange, bis Rick und seine Truppe die Whisperer ausfindig machen, immerhin wollen diese gefunden werden und Alpha redet eine Weile mit Rick. Während Rick mit Carl redet, schleicht sich Alpha davon und taucht in der Fair unter. Das gelingt ihr relativ einfach, da Carl und Rick sich streiten. Rick will verschwinden, solange sie die Möglichkeit dazu haben, Carl weigert sich aber, da er Lydia nicht diesen Bestien überlassen will. So kann sich Alpha einen guten Überblick über ihre Gegner verschaffen. Überraschenderweise sieht sie nach ihrer Rückkehr ein, dass ihre Tochter nicht in diese Welt passt und Rick und Carl sie mit in ihre Welt nehmen sollen. Allerdings sollten sie nicht die von ihr markierte Grenze überschreiten. Dankbar für diese Möglichkeit machen sie sich auf den Rückweg, nur um festzustellen, was diese Markierung ist: Alpha hat zwölf Mitglieder aus den Communitys getötet und ihre Köpfe auf Pfähle gesteckt – dies ist die Grenze. Unter den Opfern ist Ezekiel, Rosita (die schwanger war) und andere bekannte Gesichter.

Im zwölften Buch von The Walking Dead wird immer mehr von den Whisperern ans Licht gebracht, bis wir schließlich mehr oder weniger alles über sie wissen. Doch so wie die Unwissenheit bei Negan das unheimlich war, so ist es bei Alphas Gruppe das Gegenteil. Wir wissen, wozu sie in der Lage sind, wie viele sie sind und dass sie die Walker mehr oder weniger unter Kontrolle haben. Wie üblich sind die Zeichnungen von bester Qualität. Besonders die Masken der Whisperer kommen hervorragend zur Geltung.

Geek-Planet | The Walking Dead: Book 11

Es ist Donnerstag. Das heißt, wir sehen uns einen alten Text von mir an. Der folgende erschien am 7. Dezember 2016 auf meinem damaligen Blog »Geek-Planet«. Diesen gibt es allerdings nicht mehr. Trotzdem möchte ich, dass meine alten Texte auffindbar sind. Deshalb suche ich mir jede Woche einen aus meinem Archiv, redigiere diesen und versehe ihn mit einer kleinen Einleitung.

Nachdem ich die Comics von TWD erst spät angefangen habe zu lesen, bin ich nie so wirklich in den Genuss der Marketing-Kampagnen gekommen. Natürlich bekommt man diese am Rande mit. Zu der Zeit habe ich besonders intensiv Comics verfolgt und noch mehr gelesen. Außerdem habe ich Podcasts zum Thema gehört. Doch erst, wenn man die entsprechenden Geschichten verfolgt, kann man diese Kampagnen, solange sie gut gemacht sind, genießen. Deshalb hat es mich damals umso mehr gefreut, dass die Hardcover-Edition ein paar Ausschnitte davon enthalten hat.

Bonusmaterial war und ist vielleicht noch immer eher selten anzutreffen. Doch ich mag es, wenn die Autor*innen oder Künstler*innen zumindest etwas über ihren Prozess schreiben. Was haben sie sich dabei gedacht? Gibt es Anlehnung an reale Ereignisse? Was inspiriert sie? Was denken sie über Thema x? Manche machen das ausführlicher, manche weniger. Viele haben allerdings eigene Newsletter, die man abonnieren kann. So bleibt man nicht nur auf dem Laufenden, sondern kann einen Blick hinter die Kulissen werfen.


Der Krieg gegen Negan geht weiter und kann mit diversen Showdowns aufwarten, die es in sich haben. Das überraschende Ende dieses Krieges setzt jedoch ein Zeichen für eine neue Zivilisation. Fortschritt und Weiterentwicklung sind die Stichpunkte, unter denen die beiden Story-Arc festzulegen sind.

  • Creator, Writer: Robert Kirkman
  • Penciler, Cover: Charlie Adlard
  • Inker: Stefano Gaudiano
  • Gray Tones: Cliff Rathburn
  • Letterer: Rus Wooton
  • Erstveröffentlichung: 2015
  • Ausgaben: #121 – #132

“Someone is going to tell you to get used to this. That feeling of being scared and sad. They’re going to say it’ll be better when you learn to ignore it. Don’t listen to them. Hold onto it, remember it… don’t let yourself forget it. It’s too easy to lose.” – Carl

Nachdem Rick beim letzten Mal einfach ohnmächtig wurde, starten wir den zweiten Teil von „all out war“ aus seiner Perspektive. Er war zwar lediglich eine Stunde ausgeknockt, doch diese kurze Zeit reicht schon aus, damit sich Alexandria in ein Kriegsgebiet verwandeln konnte. Der Staub hat sich gelichtet, Negan ist mit seinen Männern abgezogen und unsere Protagonisten sind damit beschäftigt, nicht von Walkern angegriffen zu werden, die durch das beschädigte Tor eingedrungen sind. Die Zeichnungen vermitteln einen wahrlich katastrophalen Eindruck. Mindestens jedes zweite Haus hat Schäden davongetragen, die Straßen sind von den Granaten zerstört und von den Gefallenen möchte ich gar nicht erst anfangen.

Doch schnell ist Rick wieder bei Sinnen und ordert alle an, sich am Tor zu versammeln. Sie fahren nach Hilltop, um sich dort neu zu gruppieren und einen eventuellen Gegenschlag auf Negan auszuführen. Ein Thema, welches dort angesprochen und bei The Walking Dead immer wieder aufgegriffen wird, ist die Nahrung, die ihnen zur Verfügung steht. Besonders im Vergleich zur Ablegerserie Fear the Walking Dead, wo dies unglaublicherweise kaum ein Problem zu sein scheint, reden sie im Comic oft davon und dass sie bald rationieren müssen. Wenn man viele TWD-Comics innerhalb kurzer Zeit liest, kann das Thema zwar schon teilweise ermüdend sein, doch es ist eine ständige Sorge, die einen begleitet. Was für die Nahrung gilt, gilt allerdings auch für Munition, die sie seit geraumer Zeit selbst produzieren können oder konnten. Negan hat nämlich das Produktionsteam entführt.

Apropos: Es ist erstaunlich, wie viele Menschen in den drei Orten unterkommen. Immer wieder strömen Leute durch das Tor von Hilltop. Während sie dabei sind, neue Pläne zu schmieden und ihre Wunden zu versorgen, stellt sich heraus, dass Jesus schwul ist. Zumindest deutet sich das sehr stark an. Nachdem Aaron und sein Partner immer darüber gewitzelt haben, dass sie die letzten Homosexuellen auf der Welt wären, ist diese Entwicklung eine schöne positive Entwicklung.

Aber zurück zum Krieg: Negans Grausamkeit ist nicht zu übertreffen und er hat den gleichen Plan wie Rick – so schnell wie möglich zurückschlagen, während die andere Seite geschwächt ist. Doch zuvor kontaminieren sie ihre Nahkampfwaffen wie Äxte, Messer und Pfeile mit dem Blut von Walkern, womit sie ihre Gegner nicht direkt töten müssen, da diese, sobald sie mit dem Waffen verwundet werden, sowieso langsam verenden und durch das Fieber sterben. Immer wieder kommt der Gedanke hoch, warum Dwight, unser Überläufer und heimlicher Rick-Befürworter, nicht endlich Negan ausschaltet. Immerhin hätte er genug Gelegenheiten dazu gehabt.

Doch wenn er es getan hätte, kämen wir nicht in den Genuss eines nächtlichen Angriffs von Negan. Er und seine Männer brechen mit einem großen Militärtruck durch die Wände. Anfangs sieht es so aus, als ob sie nun doch gewinnen würden, doch Rick hat einen Hinterhalt im Ärmel. Seine Leute haben sich in den Autos versteckt und schalten zum richtigen Zeitpunkt die Scheinwerfer ein, womit sie die Leute von Negan blenden und so einfacher dezimieren können. Schließlich sieht sich der Tyrann gezwungen, sich mit seinen Männern zurückzuziehen.

Kurz darauf kommt es endlich zum großen Showdown zwischen den beiden Anführern: Rick vs. Negan. Die beiden liefern sich einen ziemlich guten Kampf. Dwight nutzt die Gelegenheit, sobald Rick seinen Gegner überwältigt hat, um die neue Führung zu übernehmen. Hier kommt etwas Erstaunliches zum Tragen, was sich in der nächsten Story-Arc fortsetzt: Fortschritt. Rick entwickelt sich weiter und ist über das Töten hinaus. Er lässt Negan leben und beschließt stattdessen, ihn einzusperren. Sie planen eine neue Zivilisation aufzubauen und jemanden umzubringen ist kein guter Start dafür.

“There were times that boy was… he was all I was living for. He was my life. Now I have to figure out a way to let him go? But that’s parenting right? You have to let them go eventually.” – Rick

Der zweite Handlungsstrang „a new beginning“ startet ein paar Wochen später, vielleicht sogar Monate, wenn man sich die Umgebung ansieht und was unsere Freunde alles aufgebaut haben. Rick hat sich weiterentwickelt. Nicht nur optisch, sondern vor allem mental hat er Erstaunliches durchgemacht. Er ist nicht mehr der wilde Anführer, sondern ist so etwas wie der weise alte Mann geworden, der unter den einzelnen Kommunen wie eine Legende gefeiert wird. Dies zeigt sich hauptsächlich dann, als er Carl von Alexandria zum Hilltop bringt. Ja, er hat sich mit Andrea und seinem Sohn wieder in Alexandria ein Leben aufgebaut. Es gibt Farmen, verschiedene Tiere, eine Mühle und mehr. Alles, was man für ein gutes Leben benötigt.

Am meisten überrascht war ich aber von Carl. Nicht nur nennt er Andrea „Mom“, was ich äußerst süß finde, er will auch zu Earl nach Hilltop, um dort zu lernen, wie man Schmied wird. Ich hätte ihn bisher eher so eingeschätzt, dass er zur Garde der Ritter möchte, die die Hauptstraße zwischen den beiden Städten bewachen. Doch schon seine Schnitzereien, die er einem Freund zeigt, zeugen von einem ruhigen und gefestigten jungen Mann.

Überhaupt sehen alle Charaktere anders aus. Dies mag an der neuen Umgebung liegen, doch sie handeln nicht mehr gehetzt, sondern lassen sich Zeit für die Dinge. Beim letzten Mal hatte ich geschrieben, dass es cool wäre, wenn The Walking Dead wieder etwas zu seinen Wurzeln zurückfinden würde, doch diese Einstellung hat sich nach der Lektüre des elften Bandes geändert. Die Geschichte und ihre Protagonisten müssen sich weiterentwickeln. Quasi auf zu neuen Ufern segeln. Dies ist wichtig, damit der Comic interessant bleibt.

Diese Einstellung findet sich ebenso im Bonusmaterial des Buches wieder. Die Kampagne zu „a new beginning“ war davon geprägt, etwas Neues zu präsentieren. Es ist den Machern gelungen. Doch die Action kommt nicht zu kurz. Bereits am Anfang locken ein paar Männer und Frauen unter der Leitung von Eugene hunderte, wenn nicht sogar tausende Zombies weg von den drei Niederlassungen. Dabei entdecken sie auch eine Gruppe von „Gestrandeten“. Blöderweise sind diese im Weg der Herde. Nachdem sich aber herausgestellt hat, dass sie mehr oder weniger friedlich unterwegs sind, nehmen sie Rick und Andrea in ihre kleine Stadt mit auf. Ich bin, was diese Gruppe anbelangt, noch äußerst skeptisch, mal sehen, was sich daraus entwickelt.

Doch Probleme lassen nicht lange auf sich warten. Es wird eine neue Gruppe von Gegnern etabliert, die eine ziemlich raffinierte Art haben, sich unter den Walkern zu verstecken. Wären ihre Absichten nur ebenso gut. Sie werden im Laufe der Geschichte als Whisperers bezeichnet und wirken sehr beängstigend. Es ist gut, nun eine andere Art von Gegnern zu haben. Der Gouverneur und Negan, der im neuen Gefängnis von Alexandria seine Strafe absitzt, waren doch sehr forsche Typen. Da tut die angedeutete, kommende Abwechslung richtig gut.

Book Eleven beendet zum einen den fantastisch inszenierten, dreiteiligen Krieg gegen Negan. Zugleich setzt er viele schöne Zeichen, dass die Geschichte bereit ist, eine neue Ära anzufangen.

Geek-Planet | The Walking Dead: Book 10

Es ist Donnerstag. Das heißt, wir sehen uns einen alten Text von mir an. Der folgende stammt vom 23. November 2016 und erschien auf meinem damaligen Blog »Geek-Planet«. Da es diesen nicht mehr gibt, suche ich mir jeden Monat einen alten Text von mir aus, redigiere diesen und versehe ihn mit einer kleinen Einleitung.

Die Einführung von Kingdom ging in den Comics wohl relativ schnell. Hat sich Staffel sieben Zeit gelassen und jeder Partei im kommenden Konflikt eine volle Episode gewidmet, so geht es in den Comics relativ schnell. Zumindest kommt das in meinem Text so rüber. An die Geschichte an sich kann ich mich nicht mehr im Detail erinnern. Neun Jahre sind eine lange Zeit. Auch wenn die schönen Hardcover-Editionen von TWD weiterhin im Regal stehen. Sie sehen wirklich toll aus. Das physische Medium hat eben doch nichts an seinem Reiz verloren.


In einer Welt voller Zombies bricht ein Krieg zwischen den Menschen aus. Denn warum sollte man versuchen, friedlich zusammenzuarbeiten und die Zivilisation wieder aufzubauen, wenn man als Tyrann herrschen und andere Unterdrücken kann, ohne dass einem jemand etwas anhaben kann. Außer natürlich man trifft auf Rick Grimes. Den letzten Polizisten auf diesem gottverdammten Planeten. Der Letzte, der versucht, etwas Großes und Dauerhaftes aufzubauen. Und dieser Cop will nun Krieg, also wird es auch Krieg geben. Blutig, brutal und erbarmungslos.

  • Creator, Writer: Robert Kirkman
  • Penciler, Inker, Cover: Charlie Adlard
  • Gray Tones: Cliff Rathburn
  • Letterer: Rus Wooton
  • Erstveröffentlichung: 2014
  • Ausgaben: #109 – #120

“We’re starting down a path… and I don’t know how long it is, or where it goes along the way… but I know it ends in a good place.” – Rick

Nach der Vorstellung von Ezekiel keimt Hoffnung auf in unserem rechtschaffenen Polizisten. Er lässt die fähigsten Leute aus Alexandria, The Kingdom und Hilltop zusammenkommen, um für den bevorstehenden Krieg zu trainieren. Er muss nicht nur herausfinden, wen es sich lohnt mitzunehmen, sondern auch eine Strategie festlegen, die am besten zur Truppe passt, die ihm zur Verfügung steht. Dabei hat er wirklich Glück, denn Ezekiel hat eine fantastische Mannschaft zusammengestellt, auch wenn seine Anführerqualitäten etwas zu Wünschen übrig lassen. Wie wir in der zweiten Story-Arc des Buches sehen werden.

Es stimmt sehr zuversichtlich, dass so viele Männer und Frauen zusammengekommen sind, um der tyrannischen Herrschaft von Negan ein Ende zu bereiten und dass diese auch gut trainiert sind. Dies kombiniert mit der Munitionsfabrik von Eugene und einem erfolgreichen Erstschlag sollte einem Erfolg eigentlich nichts mehr im Weg stehen. Wäre da nicht Ricks impulsive Ader.

Worin Rick ziemlich gut ist und in den vergangenen Tagen oder Wochen auch war, ist die Tatsache, dass es ihm tatsächlich gelungen ist, die meisten davon zu überzeugen, er würde gemeinsame Sache mit Negan machen. Als wäre er davon überzeugt, dass es das Beste ist, sich nicht mit ihm anzulegen. Dass er ihn quasi gebrochen hat. Darin ist er so gut, dass Spencer, der Sohn des ehemaligen Alexandria Chefs, einen Versuch unternimmt, die Führung Rick abzunehmen – hinter dessen Rücken. Denn Negan macht mal wieder einen seiner Opferungsbesuche persönlich. Doch Rick ist noch nicht von dem Lebensmittel-Trip zurück. Die Unterhaltung, die sich zwischen Spencer und Negan entfaltet, ist ziemlich interessant und man kann nicht wirklich einschätzen, wie diese enden wird. Jedenfalls wird es nicht schön.

Als Rick dann schließlich zurückkommt und darüber informiert wird, was vorgefallen ist, spielt er kurze Zeit noch mit, bevor er spontan beschließt, Negan auf dem Weg nach Hause zu überfallen. Direkt vor den Toren Alexandrias. Dies ist die wohl dümmste Entscheidung, die er seit langem getroffen hat. Nicht nur unterschätzt er Negan gewaltig und denkt nicht einmal daran, dass dieser eventuell irgendwo Verstärkung versteckt hält, er wirft damit ihren bisherigen Plan über den Haufen. Mit viel Glück kommen sie relativ glimpflich aus dieser Sache wieder heraus und sind nun gezwungen, schnell zu handeln.

Der eigentliche Krieg wird überraschenderweise in zwei Teile aufgeteilt, so umfangreich ist der Schauplatz, indem sich das alles abspielt. „all out war (Part 1)“ beginnt mit einer frontalen Gegenüberstellung und damit einer Machtdemonstration vonseiten Ricks. Er stellt seine gesamte Armee gegenüber den Eingangstoren Negans auf. Erst war ich mir nicht sicher, was sie sich dabei gedacht haben, doch eigentlich ist es ziemlich clever. Sie schießen, was das Zeug hält, und wenn sie dabei noch ein paar Männer ausschalten können, umso besser. Doch primär geht es darum, Fester einzuschießen und einfach viel Lärm zu veranstalten, um damit Walker anzulocken, mit denen sie Negan in seine Fabrik einsperren. Doch jemand muss sich opfern, um den Zaun niederzureißen. Es fällt auf Abrahams ehemalige Freundin zurück, die sich für diese Mission freiwillig meldet, da sie glaubt, nichts mehr verlieren zu können.

Als Nächstes sind die Außenposten an der Reihe und diese fallen sehr unterschiedlich aus, was deren Übernahme anbelangt. Während Rick relativ erfolgreich ist und nur wenige Männer verliert, büßt Ezikiel seine gesamte Belegschaft ein und kommt nur knapp mit dem Leben davon. Leider wird aus den dargestellten Ereignissen nicht ganz klar, was der Grund für seine Niederlage ist. Allerdings schätze ich eher, dass er die falsche Strategie gewählt und sich zu sehr auf den Überraschungseffekt verlassen hat.

Diese Niederlage bekommen sie dann noch ziemlich stark zu spüren, da die Mannschaft aus dem Stützpunkt Negan dabei hilft, die Zombies vor seiner Tür zu vertreiben und einen harten Gegenschlag auf Alexandria durchführt.

Es war irgendwie klar, dass Negan doch Waffen versteckt hält. Bedauerlicherweise sind darunter viele Granaten, die gut dazu geeignet sind, die Häuser niederzureißen. Aarons langjähriger Freund verliert dabei sein Leben, was ich ziemlich schade finde, da die beiden ein gutes Paar abgegeben haben. Ganz knapp entrinnen sie dem Untergang, da es Maggie in Hilltop gelingt, die Kontrolle von Gregory an sich zu reißen. Mit einer Mannschaft eilt sie den Bewohnern von Alexandria zu Hilfe. Außerdem erweist sich ihr Maulwurf unter Negans Reihen, Dwight, als äußerst nützlich.

Im Prinzip hat der erste Teil des Krieges zwischen den vier Parteien niemand gewonnen. Auf allen Seiten wurden schwere Verluste und Schäden erlitten. Das Einzige, was nun zwischen Sieg und totaler Niederlage steht, ist die Frage, wer sich am schnellsten erholen kann und einen Gegenschlag ausführt. The Walking Dead entwickelte sich in den letzten drei großen Story-Arc zu einem Kriegsschauplatz und drehte sich weniger um das Überleben in der Zombieapokalypse. Ich finde diesen Aspekt der Erzählung grundsätzlich spannend. Zu sehen, wie sich solche Konflikte lösen könnten. Vor allem liegt es aber auch an der atemberaubenden Umsetzung, dass die Story-Arcs so mitreißend sind. Doch ich freue mich auch wieder auf die einfacheren Aspekte. Quasi ein bisschen back to the roots.

Eine große Frage, die schon länger in mir herumgeistert, ist, ob wir noch länger in Alexandria bleiben oder ob Rick und Co. dieses Gebiet verlassen. Immerhin haben sie noch Hilltop und The Kingdom als alternative Möglichkeiten übrig. Außer natürlich, wenn sie im zweiten Teil von „all out war“ vernichtet werden.

Schade, dass nur mehr drei Bücher übrig sind, die ich lesen kann (11 bis 13). Aber das Positive ist, dass ich die Reihe dann monatlich verfolge und in einen dauerhaften Genuss von Cliffhangern komme. Doch erst einmal ist Book Eleven an der Reihe.

Geek-Planet | The Walking Dead: Book 9

Wie jeden Donnerstag werfen wir auch heute einen Blick in die Vergangenheit. Genauer gesagt auf den 09. November 2016. An dem Tag erschien der folgende Text auf meinem ehemaligen Blog »Geek-Planet«. Diesen gibt es allerdings nicht mehr. Trotzdem sollen alle meine alten Texte auffindbar sein. Also suche ich mir jede Woche einen aus und veröffentliche ihn erneut.

Bei der Wiederveröffentlichung der alten Texte zu The Walking Dead habe ich mich an ein einfaches Prinzip gehalten: Comics und Bücher wechseln sich jede Woche ab. Doch scheinbar habe ich Book 9 deutlich vor Staffel 7 gelesen. Aber das soll dem Genuss des Textes oder der Geschichte keinen Abbruch tun. Es ist immer wieder interessant, was in welchem Medium anders gemacht wurde. Wie kommt Carl in die Basis von Negan? Was betont Negan in Bezug auf die Frauen, die er sich hält? Werden manche Dinge in der Serie modernisiert? Es ist immer wieder spannend zu beobachten. Manchmal sind es nur Nuancen, aber diese können einen großen Unterschied machen.


In The Walking Dead ist niemand sicher. Das haben die beiden Handlungsstränge im neunten Buch eindeutig gezeigt. Vor allem kann man sich auf keinen Fall darauf verlassen, dass nur, weil jemand in der Serie überlebt, dies im Comic ebenso ist oder war. So müssen wir uns von zwei Charakteren verabschieden, die durchaus ans Herz gewachsen sind.

  • Creator, Writer: Robert Kirkman
  • Penciler, Inker, Cover: Charlie Adlard
  • Gray Tones: Cliff Rathburn
  • Letterer: Rus Wooton
  • Erstveröffentlichung: 2011
  • Ausgaben: #97 – #108

“Eeny, meeny, miny, moe, Catch a tiger by the toe. If he hollers, let him go, My mother told me to pick the very best one and you are it” – Negan

Das letzte Mal haben ein paar Leute Rick zum Hilltop begleitet, wo er, dank eines Deals mit Gregory, viele Lebensmittel bekommen hat. Auf dem Weg nach Hause werden sie aber von Negans Leuten überfallen. Alle zu Hause sind natürlich froh, dass sie überlebt haben und nehmen dankbar die Waren entgegen. Doch der Deal, den Rick mit Gregory gemacht hat, muss erstmal verdaut werden. Denn für die Hälfte all ihrer Lebensmittel sollen die Bewohner Negan töten. Dieser nimmt den „Anschlag“ auf seine Leute allerdings nicht optimal auf. Als Rache dafür versuchen weitere Leute von ihm, Alexandria zu übernehmen. Dies ist aber ein ziemlich halbherziger Versuch und dank Andrea’s Geschick mit dem Scharfschützengewehr sind die Eindringlinge schnell wieder vertrieben.

An dieser Stelle macht Rick einen Fehler. Er geht davon aus, dass Negan vernünftig bzgl. normal denkt. Da er zu wenig Informationen von ihm hat und später herausfinden muss, dass Gregory ihm nie persönlich begegnet ist, konnte er nicht anders denken. Der Boss von Hilltop wird zu einer noch unsympathischeren Figur. Nicht nur verheimlicht er Informationen, er hat auch wenig Mitleid mit dem, was vorgefallen ist.

Auf dem Weg zurück nach Hilltop, wo sich Rick Unterstützung für einen Primärschlag auf Negan erhofft, werden sie von eben jenem überfallen und es zeigt sich das gleiche Szenario wie in der Serie. Das schöne Kindergedicht „Eeny, meeny, miny, moe“ wird nie mehr das Gleiche sein. Alle unsere Freunde knien in einem Halbkreis vor Negan, während dieser zu entscheiden versucht, wen er nun mit seinem Baseballschläger Lucille töten soll. Kurz gesagt: Es trifft Glenn.

Was sich in den folgenden Panels abspielt, ist abstoßend, erschreckend und an Brutalität kaum zu übertreffen. Die Zeichnungen von Charlie Adlard sind Wahnsinn und das in allen nur möglichen Interpretationen des Wortes. Der erste Schlag tötet Glenn nicht. Man sieht sein Gehirn, ein Auge fällt raus und er kann nicht mehr richtig denken. Man hofft, dass Glenn aus diesem Leid befreit wird. Ich erinnere mich an die Szene in Detective Comics, in der der Joker Jason Todd, den zweiten Robin, mit einer Brechstange zu Tode prügelt. Genau das passiert hier mit Glenn, nur grausamer. Ich musste den Comic kurz weglegen und das Geschehene verarbeiten, bis ich wieder weiterlesen konnte. Das Schlimmste an all dem ist, dass alle anderen – Rick, Andrea, Maggie, Sophia, Carl – einfach zusehen mussten. Negan ist der Herr über dieses Gebiet, das hat er damit eindeutig klargemacht.

Doch damit ist noch lange nicht Schluss mit der ersten Geschichte „something to fear“, denn eine weitere Person verliert dort ihr Leben. Eugene und Abraham machen sich auf den Weg, um einen Ort aufzusuchen, der für die Munitionsherrstellung verwendet werden kann. Negans Leute haben sich allerdings auf den Straßen breit gemacht und töten kurzerhand Abraham. Abraham! Gerade als er begonnen hat, sich mit Eugene zu vertragen. Abraham, der ein großes Standbein für diese neue Gemeinschaft ist. Genauso wie Glenn. Wir haben zwei große Charaktere verloren, die in zukünftigen Geschichten vermisst werden. Glenn war von Anfang an dabei, Abraham ist schnell ans Herz gewachsen. Beide konnten viel mitbringen. Doch ich bin zuversichtlich, dass Rick sie entsprechend rächen wird. Doch um dies zu tun, muss er erst einmal klein beigeben und mit Negan kooperieren.

Damit ist die Schreckensherrschaft von Negan jedoch nicht komplett etabliert. In „what comes after“ holt sich Negan seine erste Opferung von Alexandria persönlich ab. Carl schleicht sich an Bord seines Vans, mit Abrahams Maschinengewehr, und fährt so mit zu dessen Stützpunkt. Dieser stellt sich als wahre Festung heraus. Eine ehemalige Metallfabrik ist dessen Unterschlupf. Umgeben von Zäunen. Dicke Wände sorgen für entsprechenden Schutz. Carl gelingt es überraschenderweise, eine Handvoll von Negans Männern zu erschießen. Wenn er eine Pistole oder zwei mitgenommen hätte, wäre er vielleicht sogar in der Lage gewesen, Negan zu töten, doch für Abrahams Waffe ist er einfach noch zu jung und klein.

Negan hat schon recht, als er sagt, dass Carl richtig dicke Eier hat, um sich mit ihm anzulegen. Überraschenderweise führt er ihn dann in seinem Zuhause herum. Zeigt ihm einiges und führt ihn in seine Suite. Zuerst dachte ich, dass er ihn nun vergewaltigen würde. Zum Glück ist dies nicht der Fall. Was er aber macht, ist, dass er Carl seinen Verband abnehmen lässt, der sein Auge verdeckt. Es sieht zwar schrecklich aus, dieses Loch in seinem Kopf, doch dank Negan bekommt er den Mut, dies nicht mehr zu verstecken, sondern offen zu zeigen.

In der Suite erfahren wir aber noch mehr von diesem neuen Bösewicht. Denn, nachdem er die Kontrolle über alle innehatte, nahm er sich mehrere weibliche Mitbewohner und deklarierte sie als seine Frauen. Und wehe sie betrügen ihn mit ihren ehemaligen Geliebten. Eine tut dies leider und dieser muss dann eine harte Strafe zahlen. Mit einem Bügeleisen ähnlich aussehenden Metallteil, das in flüssigem Stahl erhitzt wurde, brennt er dessen halben Kopf weg. Dies ist eine weitere dieser grausamen Szenen, mit denen Robert Kirkman aufwartet. Da glaubt man, es kann nicht mehr schlimmer werden als mit dem Governor oder Ramsay Bolton aus Game of Thrones. Doch dann kam Negan.

Am Ende offenbart Jesus Rick noch eine dritte Partei, die von einem König mit entsprechendem Tiger angeführt und als Königreich angesehen wird. Gemeinsam beschließen sie, gegen ihren Tyrannen vorzugehen. Ich bin äußerst gespannt, wie sich das entwickelt.

Book Nine hat mir außerordentlich gut gefallen. Es steht wieder einiges auf dem Spiel. Die letzten zwei bis drei Bücher waren zwar unterhaltsam und spannend, doch es wurde wieder Zeit für einen guten Bösewicht. Jemand, der das Leben unserer Protagonisten gefährdet. Jemand, der eine Atmosphäre der Unsicherheit und Anspannung schafft. Dies hat der Autor hiermit wahrlich erreicht. Worauf ich mich in diesem Zuge nicht wirklich freue, ist die TV-Umsetzung der genannten Szenen. Wenn sich die Macher der Serie auch nur annähernd an die Vorlage halten, wird das sehr grausam mit anzusehen sein.

Geek-Planet | The Walking Dead: Book 8

Es ist Donnerstag und das bedeutet, wir sehen uns einen alten Text von mir an. Der folgende erschien am 26. Oktober 2016 auf meinem damaligen Blog »Geek-Planet«. Ich möchte meine Texte an einem Ort versammelt wissen, deshalb suche ich mir jede Woche zufällig einen aus. Dieser wird redigiert und mit einer kleinen Einleitung versehen, neu veröffentlicht.

Es ist lustig zu lesen, wie ich vor neun Jahren überlegt habe, dass es spannend wäre, die schwarz-weißen Zeichnungen der TWD-Comics in Farbe zu sehen. Seit ein paar Jahren kommen nämlich sogenannte Deluxe Editionen der TWD-Ausgaben heraus. Diese sind nicht nur koloriert, sondern mit einer Einleitung versehen und etwas Bonusmaterial. Ich habe immer mal wieder einen Blick riskiert und war von der Idee ganz angetan. Zwar hat Robert Kirkman gesagt, dass diese Deluxe Editionen in dieser Form nicht als Collected Edition erscheinen, ich habe mich dazu offen gestanden auch nie wirklich informiert, doch cool wäre es auf jeden Fall.


Ist Rick der richtige Anführer der Gemeinde in Alexandria? Diese Frage wird immer wieder angesprochen und recht deutlich in Zweifel gestellt. Es ist schwer, die Grenze zu ziehen und zu beschreiben, ob er die Gefahren unbewusst heraufbeschwört oder doch der Retter ist. In Friedenszeiten, wenn man es so nennen kann, wäre vielleicht ein anderer besser für den Job gemacht, doch so wie es derzeit aussieht, ist Rick der Anführer, den sie verdient haben oder wie es Jim Gordon in »The Dark Knight« sagt:

“He’s the hero Gotham deserves, but not the one it needs right now. So we’ll hunt him. Because he can take it. Because he’s not our hero. He’s a silent guardian, a watchful protector. A dark knight.”

  • Creator, Writer: Robert Kirkman
  • Penciler, Inker, Cover: Charlie Adlard
  • Gray Tones: Cliff Rathburn
  • Letterer: Rus Wooton
  • Erstveröffentlichung: 2011
  • Ausgaben: #85 – #96

“I see a world without roamers… a world where children play in these fields… a world where we don’t have to be scared anymore.” – Rick

Carl liegt mit seiner schweren Schussverletzung noch immer im Krankenhaus der Gemeinde. Rick sitzt neben ihm als Wächter und Beschützer. Doch wie sich herausstellt, sind diese beinahe meditativ anmutenden Stunden nicht nur rein der Trauer, er nutzt sie, um sich über die Zukunft Gedanken zu machen. Er will mehr als nur überleben. Er wünscht sich ein Leben. Damit sie dieses Ziel erreichen können, müssen allerdings einige Vorkehrungen getroffen werden. Die Mauer mit Erde verstärken, die sie aus dem Kanal gewinnen, den sie um die Stadt herum graben. Felder bestellen mit Dingen, die sie hoffentlich finden. Und natürlich sich eine bessere Übersicht der umliegenden Gebiete verschaffen. Es steht damit sehr viel Arbeit an, die nicht allen zusagt.

Nicholas, der im letzten Handlungsbogen von Rick verschont wurde, sorgt in „we find ourselves“ für einige Aufregung, als er versucht, sich mit anderen zu verbünden und den radikalen Plan verfolgt, Rick töten zu wollen. Leider bekommt Glenn das alles mit, aber bevor er zu Tode geprügelt wird, kommt ihm Rick zu Hilfe. Zwei spannende Dinge passieren an dieser Stelle. Zum einen macht er unweigerlich klar, dass seine Gruppe hier das Sagen hat und die Führungspositionen einnimmt:

„You’re taking the community back? Really? From Andrea? From Abraham? From Michonne? From Glenn? From me? Do you have any fucking idea who you’re talking to?“

Verbunden mit den fantastischen Zeichnungen, die jeden einzelnen Charakter zeigen und wie sie ihre eigenen Waffen auf den Verräter Nicholas richten, bekommt man Angst. Doch damit kommen wir zum zweiten Punkt. Denn Rick beschließt, ihn nicht zu töten, zwar knapp, aber er tut es nicht. Stattdessen spricht er ihre Gemeinschaft an und wie wichtig jeder Einzelne ist. Jeder muss etwas beitragen, wenn Alexandria mehr werden soll, als nur eine temporäre Sache. Zugegeben, dass Rick das gesamte Gebiet, das Aaron mit seinem Freund bereits abgesucht hat, noch einmal durchstreift, könnte man als Vertrauensbruch betrachten, doch sie könnten etwas übersehen haben. Die wichtigere Sache ist aber, dass sich alle noch einmal ein besseres Bild des Gebiets machen wollen, damit sie wissen, womit sie es zu tun haben. Welche Ressourcen könnten sie nutzen, nicht nur zur Verteidigung, sondern auch zum Herstellen von Werkzeugen und Waffen, wie es Eugene vorschlägt? Apropos: Im Comic gefällt mir der Charakter um einiges besser als in der Serie. Vielleicht liegt es nur daran, wie der Schauspieler den Charakter interpretiert, aber er hat sich gemausert. Weiter so.

Ich habe mich schon gefragt, wann ein berühmter Charakter auftaucht und in „a larger world“ ist es endlich so weit. Jesus betritt die Bühne. Leider hat er das Pech, dass er, na ja, ungeschickt auf unsere Protagonisten reagiert und diese attackiert. Ansonsten hätte ihm Rick vielleicht schneller vertraut. Aber die Geschichte über seine Gefangennahme und wie Rick mit den anderen das Gebiet nach Angreifern durchstreift, ist spannend zu verfolgen. Was dabei auch gut gefällt, ist die Rolle, die Carl dabei einnimmt. Er unterhält sich mit Jesus und freundet sich mit ihm an.

Aber an dieser Stelle muss man auch gestehen, dass es einfach unglaubwürdig wirkt, wenn plötzlich jemand auftaucht und behauptet, es wären drei andere Gemeinschaften in der Umgebung, wobei eine davon über 200 Personen beherbergt. Doch Hilltown stellt sich als gute Fügung des Schicksals heraus, da sie zufällig genau das haben, was Abraham und Co fehlt: Nahrung und Felder. Schon witzig, dass Ricks erster Eindruck, den er hinterlässt, darin besteht, dass er jemanden von Hilltown tötet. Zwar in reiner Selbstverteidigung, doch er tötet ihn. Bei dieser Szene ist man wieder froh, um die schwarz-weißen Darstellungen, wobei ich es mal cool finden würde, solch einen Vorfall in bunt und Farbe zu sehen. Allein aus dem Interesse heraus, ob das Geschehen dann auch noch so viel Gewicht haben würde oder ob die Zeichnungen hauptsächlich so gut funktionieren, weil sie eben keine Farben enthalten.

Zum Glück sind Jesus und Gregory, der Boss von Hilltown, nicht nachtragend und beginnen, mit Rick zu verhandeln. Da er ihnen nicht sonderlich viel anbieten kann, verspricht Rick ihnen, sie von Negan zu befreien. Einem Tyrannen, der die Hälfte allen Essens bekommt. Selbstverständlich sind die restlichen Bewohner von Alexandria nicht sonderlich von dem Plan begeistert. Wenn man eines nicht behaupten kann, dann, dass Rick nicht selbstsicher sei. Immerhin begreift er alle bisherigen Geschehnisse als Training für das, was ihnen jetzt bevorsteht. Negan steht als Symbol des Teufels, der in dieser Umgebung ausgetrieben werden muss, damit sie wieder ein Leben wie früher führen können. Ob dies allerdings so möglich ist, wird sich in den nächsten Büchern herausstellen.

Noch kurz ein Wort zu zwei Beziehungen, die in beiden Handlungsbögen eine größere Rolle spielen. Zum einen haben wir Maggie und Glenn. Maggie hat schon seit Langem die Gemeinde nicht mehr verlassen und hat die Relationen vergessen, in denen sich Glenn ständig bewegt, wodurch sie übertrieben Angst und Sorge um ihn verspürt. Doch sobald sie einmal gesehen hat, was er kann, geht es ihr besser mit der Situation. So einfach kann es manchmal sein, jemandem ein gutes Gefühl zu verschaffen. Und dann natürlich noch Rick und Andrea. Zwar hätte ich mein Geld auf ihn und Michonne verwettet, doch dass er nun mit Andrea etwas anfängt, ist schön mitzuerleben. Sie sind von ihren Verlusten vorangeschritten und probieren es zumindest. Man kann nur hoffen, dass dies etwas Längerfristiges wird.

Geek-Planet | The Walking Dead: S07E08

Leider habe ich mir das Datum nicht notiert, an dem der folgende Text ursprünglich erschien. Wahrscheinlich irgendwann Ende 2016, wenn ich den ersten Satz richtig deute. Vielleicht aber auch etwas später. Jedenfalls erschien der Text zuerst auf meinem alten Blog »Geek-Planet«, den es heute nicht mehr gibt. Die Texte sollen jedoch trotzdem auffindbar sein.

Mich hat überrascht, dass der Text über das Halbfinale nur halb so lang ist wie der Letzte. Doch das erklärt sich daraus, dass ich das Ende kaum bespreche. Ich übergehe sehr viel. Im Nachhinein wünschte ich fast, ich hätte es genauer durchgenommen. So wirkt der letzte Absatz etwas gehetzt und fast so als wäre mir die Motivation vergangen oder ich hätte keine Lust mehr gehabt, über TWD zu schreiben. Dies ist vorerst auch tatsächlich der letzte Text zur Serie, den ich geschrieben habe. Zumindest zur Hauptserie. Scheinbar habe ich mit Staffel 7 aufgehört, die Serie zu schauen. Aber wer weiß das schon noch so genau. Es ist immerhin neun Jahre her.

Jedenfalls liest sich das Halbfinale der siebten Staffel recht spannend, und es ist etwas traurig, dass unsere TWD-Woche schon wieder vorbei ist. Nächste Woche geht es erst einmal mit der Besprechung der Comics weiter.


Bevor es mit der zweiten Hälfte der siebten Staffel weitergeht, reiche ich euch noch das Review der letzten Folge nach. Darin bricht die Serie etwas mit der bisherigen Konvention und bietet uns verschiedenste Schauplätze. Deshalb ist es mal wieder eine überlange Folge, die eine ganze Stunde dauert. Anfangs noch am Zweifeln, ob dies ein berechtigter Schritt ist, hat es »hearts still beating« als einzige der vier überlangen Folgen tatsächlich verdient. Denn durch die Menge an Schauspielern, Orten und Handlungssträngen benötigt sie mehr Zeit, um die Geschichten entsprechend erzählen zu können.

“Carl, pass the rolls. Please.” – Negan

Maggie rahmt die Episode. Sowohl zu Beginn als auch am Ende sitzt sie neben Glenns Grab, mit seiner Kappe auf ihrem Kopf. Sie trauert um ihren Mann. Anfangs wirkt sie vielleicht etwas paralysiert, nach einem Weg suchend, ihre Trauer in eine Tat zu verwandeln. Doch die letzte Einstellung spricht eher deutliche Worte: Sie weiß, was zu tun ist. Nach beiden Grabbesuchen geht sie zur Aussichtsplattform neben dem Tor des Hilltops. Hier könnten die Stimmungen nicht unterschiedlicher sein. Es ist ein Zeichen dafür, dass sich während der 60 Minuten, die die Episode dauert, viel getan hat und unsere Protagonist*innen sich deutlich weiterentwickelt haben. Die Ohnmacht der brutalen Morde an Glenn und Abraham behindert sie nicht mehr, nein – sie sind ein Antrieb.

Maggie wird von den restlichen Bewohner*innen des Hilltops als ihre Retterin gefeiert, da sie alle vor den Zombies beschützt hat, während Gregory sich in seinem noblen Zimmer versteckte. Gregory ist auch derjenige, der mehr oder weniger offen seine Ablehnung gegen Maggie zeigt. Schön ist dann zu sehen, wie sich andere hinter sie stellen.

Nach dem Intro wachen wir scheinbar in einer Parallelwelt auf. Negan hat sich im Haus Grimes eingelebt, rasiert sich, kümmert sich um Judith und kocht sogar Abendessen für alle. Er spielt Familie. Doch leider lässt Rick auf sich warten und so beginnen sie ohne ihn das Abendessen. Zum einen finde ich an dieser Stelle fantastisch, dass Olivia es sich nicht nehmen lässt, Negan seine Limonade zu bringen. Sie beißt sich durch und stellt sich der Herausforderung. Eine schöne Entwicklung für den Charakter. Zum anderen ist es eine absurde Szenerie, die den Zuschauer*innen geboten wird, da es nicht nur der Persönlichkeit von Negan widerspricht, sondern mit den bisherigen Eindrücken von The Walking Dead bricht.

Bleiben wir gleich bei dem Handlungsstrang, indem wir uns Spencer zuwenden. Nach der Diskussion mit Gabriel in der letzten Folge packt er die Gelegenheit am Schopf und möchte sich mit Negan treffen. Doch zuvor sehen wir, wie er sein Haus aufräumt. Der Shot ist sehr cool gemacht, da es nicht im Zeitraffer passiert, sondern langsam das saubere über das chaotische Haus eingeblendet wird. Außerdem rasiert er sich und übt die Begrüßung vor dem Spiegel. Natürlich darf ein edler Tropfen Whiskey nicht fehlen, womit man sich doch meistens gut einschleimen kann. Interessant an der Begegnung ist, dass sie wie ein kleines Theaterstück inszeniert ist.

Zuerst das kleine Einführungsgespräch auf der Veranda, dann das Poolspiel auf der Straße, da es drinnen dafür zu heiß wäre. Langsam kommen dann immer mehr Menschen zu ihnen und beobachten die angespannte Unterhaltung. Langsam aber sicher durchschaut Negan Spencers Spiel. Denn dieser hat nur darauf gewartet, dass Rick aus Alexandria verschwindet und er hinter seinem Rücken sich bei Negan gut stellen kann. Doch Negans Argumentation ist nicht zu schlagen: Rick hätte immerhin seinen Stolz und seine Wut hinuntergeschluckt und ist nun unterwegs, um dafür zu sorgen, dass seine Leute überleben – er also sein Ende des Deals einhalten kann. Spencer dagegen ist Feige.

Währenddessen versuchen Rick und Aaron, auf das Schiff zu gelangen, wo hoffentlich viel Zeug zu finden ist, das Negan zufrieden stellt. Mit einem durchlöcherten Boot versuchen sie, zum Schiff zu gelangen. Der See ist allerdings mit Zombies gefüllt. Für Aaron gibt es dann einen Fake-out-Tod, so wie wir es letztens schon erlebt haben. Jedoch ist dieser hier gut inszeniert. Eine mysteriöse Nachricht, die später Aaron fast das Leben kostete, verheißt allerdings nichts Gutes. Wer ist der Besitzer des Schiffes? Welche weiteren Fallen hat er bereitgestellt und wie steht er zu den Saviors? Es ist aber schön zu sehen, dass sich Rick und Aaron ein wenig näher kommen und ihre Freundschaft vertiefen können. Den Eindruck hatte ich zumindest, als sie beim Verladen der Güter ein offenes Gespräch führten.

Bevor wir zu Spencer und Negan zurückkommen können, müssen wir noch über Gabriel und Rosita sprechen. Diese sitzt einsam und in Gedanken versunken mit ihrer einen Kugel in der Kirche. Negan ist in Alexandria, das wäre die Gelegenheit, ihn zu erschießen. Es tut richtig gut, zu sehen, wie sich Gabriel in den vergangenen Wochen entwickelt hat. Er steht für Rick ein und nun versucht er Rosita davon zu überzeugen, auf die richtige Gelegenheit zu warten und nicht zu früh zu schießen. Denn richtige Gelegenheiten sind selten und sollten nicht überstürzt werden. Ansonsten passiert nämlich das, was Rosita schließlich auslöst: Ein dummer Fehler führt zu einer Kettenreaktion, die mich durchaus überrascht hat. Vor allem deswegen, weil mit einem Handlungsstrang aus den Comics total gebrochen wird. Ich will jetzt nicht komplett spoilern, was alles geschieht, aber die Gefühle wechseln immer wieder zwischen lächerlich und schockierend. Vor allem, dass Rosita genau Lucille trifft, ist ein besonders ärgerlicher Zufall. Die weitere Umsetzung der Szenerie ist allerdings nicht zu unterschätzen.

Das Ende zeigt alle nach Handlung schreienden Charaktere am Hilltop. Sie planen, sich Negan endgültig zu entledigen. Und dieser Plan wird jetzt geschmiedet. Es ist ein cooler Shot, wie alle dem Haus von Maggie entgegentreten und zur Tat schreiten. Sonntag kann nicht schnell genug kommen.

Geek-Planet | The Walking Dead: S07E07

Der folgende Text erschien zum ersten Mal im Dezember 2016, auf meinem damligen Blog »Geek-Planet«. Diesen gibt es nicht mehr, trotzdem sollen alle meine Texte an einem Ort auffindbar sein. Aus diesem Grund suche ich mir typischerweise einmal die Woche einen alten Text heraus, redigiere diesen und veröffentliche ihn erneut. Doch für die erste Hälfte der siebten Staffel gibt es eine Ausnahme und wir machen eine kleine TWD-Woche.

Eine einzelne Folge mit über 1.700 Wörtern zu besprechen, ist nicht ohne. Doch mir gefällt dieser Text schon sehr viel besser als der, den wir uns gestern angesehen haben. Er wirkt dynamischer und spannender geschrieben. Ich mag die Vergleiche, die ich mit den Comics ziehe, und die immer wieder eingestreuten Kommentare. Ich weiß nicht, ob ich manche heute ebenfalls so geschrieben hätte, aber es ist eine Besprechung von TWD und da kommen nun einmal gewisse Themen auf. Außerdem war oder ist es meine Lesart von den Charakteren und meine Interpretation ihrer Handlungen. Insofern bin ich mit dem Ergebnis ziemlich zufrieden.


Eigentlich könnte man ja Wetten abschließen, welcher Ort jede Woche dran kommt. Denn wer hätte schon gedacht, dass wir diese Woche in Alexandria landen. Das bedeutet wahrscheinlich, dass wir sowohl das Kingdom, die Frauengemeinschaft am Strand und die Saviors erst wieder in der nächsten Hälfte der Staffel sehen werden. Die siebte Episode fühlt sich allerdings eher wie der Auftakt eines Halbfinales an und nicht wie eine komplette Episode, dafür endet sie zu abrupt. Doch dazu komme ich später noch.

“Kid. I ain’t gonna lie. You scare the shit out of me.” – Negan zu Carl

Der kurze Einstieg beginnt mit Michonne, die sich bei den Matratzen wieder findet, die von den Saviors verbrannt wurden. Haben wir sie seither wirklich nicht mehr gesehen? Ist diese Folge daran also direkt anschließend? Ich finde ihre Reaktion ziemlich interessant, aber beunruhigend. Nachdem sie sich einen Zombie geschnappt hat, baut sie einen Haufen damit und fängt später eine Frau der Saviors ein, da diese mit ihrem Auto nicht mehr weiterfahren kann. Michonne will, dass diese sie zu ihrem Hauptquartier führt. Warum handeln plötzlich alle so irrational und impulsiv?

Jeder will sich irgendwie an Negan rächen, doch keiner kommt auf die Idee, sich zu besprechen. Sie haben doch einen gemeinsamen Gegner. Da macht es wenig Sinn, sich in Gruppen von ein bis zwei Personen aufzusplitten. Besonders wenn der Antagonist so übermächtig ist wie Negan mit seinen Männern. Was hoffen sie damit zu erreichen? Besonders bei Michonne ärgert mich dieses Verhalten, da sie bisher eigentlich den Eindruck gemacht hat, etwas überlegter vorzugehen, als der durchschnittliche Alexandrianer. So setzt sie sich etwa im Auto der Entführten direkt neben sie, wo sie angreifbar ist, statt sich dahinter zu positionieren. Immerhin geht die Apokalypse nun doch schon zwei Jahre vor sich, da könnte man erwarten, dass die Lernkurve etwas größer ausfällt.

Arbeiten wir zuerst die kleinen Geschichten ab, die die Folge mal wieder zu einer überlangen machen, bevor wir zur Hauptstory kommen. Die Überlänge ist dabei nicht ganz gerechtfertigt. Zunächst sehen wir Eugene und Rosita. Das ist wohl die bescheuertste Storyline, die man sich hätte ausdenken können. So gehen die beiden in Eugenes „Munitionsfabrik“, wo Rosita von ihm will, dass er ihr eine Kugel bastelt. Diese Bitte ist buchstäblich zu verstehen. Nicht ein Magazin oder eine Handvoll, nein, genau EINE Kugel. Damit geht sie dann wahrscheinlich einfach ins Sanctuary der Saviors rein, grüßt freundlich und erschießt Negan, nachdem sie zu Abend gegessen hat, denn auf einem leeren Magen kann man ja keinen Tyrannen und Serienkiller töten. Zwar bekommen wir von Rosita einen Gefühlsausbruch spendiert, der sich komplett auf Eugene entlädt, doch wirklich spannend ist dieser nicht. In den Comics darf Abraham diesen Part übernehmen und dort wirkt es als eine Art Bonding-Prozess für die beiden, sodass sie sich näher kommen und eine echte Freundschaft beginnen. Wir bekommen nicht einmal eine Montage, wie Eugene die Kugel fertigt.

Dann haben wir Rick und Aaron. Die beiden machen einen Streifzug durch die Umgebung, um für Negans nächste Opferung bereit zu sein. Sie geben ein gutes Team ab und werden fündig. Doch leider bleibt der genaue Prozess, wie sie dorthin gekommen sind, wo sie sich überhaupt befinden und wie lang sie unterwegs sind, komplett außen vor. Stattdessen werden große Schilder vorgelesen. In dieser Handlung passiert also ebenso wenig. Ich habe den starken Eindruck, dass Episode 7 und 8 eigentlich zusammengehört hätten. Ich hätte lieber ein ausgeklügeltes, zweistündiges Finale, als so halbherzig erzählte Geschichten, die vor über einem Monat begonnen haben und nun die Zuschauer*innen fesseln sollen. Anders als bei der Handlung von Rosita und Eugene hilft es allerdings, dass ich Rick und Aaron als Charaktere schätze. Ich sehe ihnen eigentlich gerne zu, wie sie versuchen, in dieser Welt zu überleben. Aber dann soll bitte auch etwas Spannendes passieren oder zumindest gute Dialoge dabei herauskommen.

Die letzte kleine Geschichte ist die von Spencer und Gabriel. Warum genau diese beiden miteinander in einem Auto sitzen und ins Grüne fahren, um nach Nahrung und anderen Dingen zu suchen, ist mir zwar schleierhaft, doch ich bin immer gerne dazu bereit, interessante Team-ups kennenzulernen. Doch die beiden haben so unterschiedliche Ansichten, was Ricks Führung anbelangt, dass sich ihre Wege schnell wieder trennen und Gabriel zu Fuß zurückgeht. Es ist eine interessante und spannende Unterhaltung, die die beiden führen, da deutlich wird, wofür der jeweils andere einsteht. Spencer sucht schließlich alleine weiter und findet zufällig einen Zombie im Baum, der praktischerweise mit einer lateinischen Anleitung ausgestattet ist, wie man zu dessen Versteck kommt. So darf er sich doch noch als der große Retter auftun, indem er mit einer Wagenladung voller Dosenfutter nach Hause kommt.

Zumindest haben wir einen für Rick einstehenden Gabriel gesehen. Auch dieser Charakter gefällt mir immer besser – würden wir ihn doch nur öfter sehen. Ich freue mich schon sehr auf die nächste Episode und hoffe, dass diese so abläuft wie in den Comics. Aber ich verrate an dieser Stelle lieber nicht zu viel. Wenden wir uns stattdessen dem Hauptanteil der Episode zu: Carl und Negan.

Nachdem sich Jesus von Carl hat austricksen lassen und dieser nun alleine ins Sanctuary fährt, nimmt er sich die größte Waffe, die er in dem Wagen finden kann und erschießt damit erstmal zwei von Negans Leuten. Ich bin ja großer Carl-Fan und feiere es ziemlich, wenn er seine Badass-Momente haben darf. Vor allem, weil es dem Schauspieler hervorragend steht und er solche Szenen gut meistern kann. Negan ist von seinem Mut natürlich total begeistert und hätte ihn wahrscheinlich selbst gerne als Sohn. Faszinierend ist, dass er Carl in gewisser Weise dabei hilft, sein Image von ihm aufrechtzuerhalten. Beispielsweise indem er Carl Fragen verbietet wie »was wirst du mit mir anstellen«. Die weitere Entwicklung ihrer Freundschaft, wenn man es so nennen kann, verläuft teilweise Panel für Panel genauso wie in den Comics. Da es oft Abweichungen von diesen gibt, freue ich mich sehr, wenn sich die Macher entscheiden, etwas genauso wie in der genialen Vorlage zu machen. Die Sache mit Daryl haben sie gut gelöst, denn die beiden Alexandrianer dürfen sowieso nicht miteinander sprechen, so ist der Gefangene nichts weiter als ein weiterer Savior.

Zum ersten Mal in der Staffel bekommen wir einen Eindruck von Negans Macht über sein Volk. Alle knien vor ihm und tun das, was er sagt. Er ist zu einer Art Gottheit geworden oder hat sich besser gesagt selbst zu einer gemacht. Sein Penthouse mit mindestens fünf Frauen bekommen wir zu sehen. Sie alle haben sich natürlich „freiwillig“ für ihn entschieden. Deshalb laufen sie auch in engen, kurzen und tief ausgeschnittenen Kleidern herum, da diese so gemütlich sind (Achtung: Sarkasmus). Zwar mag Negan etwas gegen Vergewaltigung und Gewalt gegen Frauen haben, doch sie psychisch unter Druck zu setzen und sie so zu foltern, dagegen hat er scheinbar nichts. Wie es eine von seinen Frauen so schön ausdrückt, gibt es Schlimmeres als Schläge. Sie ist es auch, die sich als einzige gegen Negan zur Wehr setzt und sich nicht völlig unterwirft.

Wie wir aber später erfahren, ist es genau das, was ihn anturnt. Amber, seine neueste Eroberung, hat versucht, ohne Negans Wissen, wieder etwas mit ihrem Freund anzufangen, nur um dabei kläglich zu scheitern. Soviel wir aus dem Kontext schließen können, hat sie sich quasi geopfert, um für ihr beider Überleben zu sorgen. So muss dieser nun eine brutale Strafe über sich ergehen lassen. Mit einem glühenden Bügeleisen wird ihm, wie Dwight, das Gesicht verbrannt. Zuerst hatte ich schon gehofft, die Macher würden es nicht direkt zeigen, doch dann schneiden sie plötzlich hin und man sieht genau, wie die Haut schmilzt und teilweise am Bügeleisen kleben bleibt. Zwar ist es ekelhaft, doch in den Comics war es um einiges brutaler und unangenehmer mit anzusehen. Gewöhnt man sich langsam an die brutalen Darstellungen?

Schließlich haben Carl und Negan ein Zwiegespräch, wo er dem Jungen seine Strafen auferlegt, weil dieser schließlich zwei Männer von ihm umgebracht hat. Dabei fehlt mir an dieser Stelle der sexuelle Aspekt von Negans Bedrohung gegenüber Carl, die in den Comics deutlich wahrnehmbar war. Zwar erwähnt er immer, dass er so etwas niemals machen würde, doch als Zuschauer*in und vor allem die Charaktere können sich da nicht wirklich sicher sein. Es hätte Negan eine neue Art von Bedrohung eingebracht. Stattdessen lässt er ihm seinen Verband abnehmen und macht sich über sein verlorenes Auge lustig. Die Wunde macht visuell einen guten Eindruck – die Art, wie sie dargestellt wird, fand ich überraschend überzeugend. Doch Carl ist nur ein Junge und fängt über die Beleidigungen von Negan an zu weinen. Es tut gut zu sehen, dass doch noch etwas Menschliches in ihm steckt. Als Letztes muss er seinem Peiniger noch ein Lied vorsingen, während dieser mit Lucille übt. Die gesamte Sequenz in Negans Zimmer hat mich sehr positiv überrascht. Die Schauspieler überzeugen auf ganzer Linie, und die Atmosphäre ist dicht und stimmig.

Doch natürlich kann Negan Carl nicht einfach so töten. Nein, besser ist, die beiden machen sich nach Alexandria auf und er sieht Rick leiden. Da dieser aber zurzeit nicht da ist, treffen sie auf Olivia. Auch sie muss sich diverse Kommentare bzgl. ihres Gewichts gefallen lassen (was nicht hätte sein müssen). Anfangs weint sie nur, doch schließlich ohrfeigt sie Negan. Das hat meinem Bild von Olivia richtig gutgetan, da die Geste zeigt, dass sie nicht alles mit sich anstellen lässt, sondern einen gewissen Kampfeswillen in sich hat. Es dauert leider nicht lange, bis Negan Judith findet. Diese ist in den vergangenen Monaten ziemlich groß geworden. Trotzdem gibt es wohl kaum etwas Beunruhigenderes, als Negan mit Ricks Tochter im Arm zu sehen. Vor allem, wenn die drei in der letzten Szene auf der Veranda sitzen und Limonade trinken – ein sehr abstruses Bild.

Die siebte, wieder einmal überlange Episode von The Walking Dead hat viele Stärken, doch bedauerlicherweise genauso viele Schwächen. Vor allem, wenn es um die kleineren Geschichten geht. Ich kann nicht nachvollziehen, warum sie so viele lange Episoden in diese halbe Staffel einbauen, denn bisher gab es eigentlich keinen triftigen Grund dafür. Manches hätte man genauso gut weglassen und dafür das nächste Mal wieder aufgreifen können. Doch die Szenen zwischen Negan und Carl machen einiges wieder wett und durchaus Lust auf mehr. Bleibt nur zu hoffen, dass diese begonnene Handlung das nächste Mal etwas abgeschlossen wird, bevor wir in die Winterpause gehen.

Geek-Planet | The Walking Dead: S07E06

Die Woche voller The Walking Dead schreitet mit großen Schritten voran. Wir sind schon bei Folge 6 »Swear« angelangt. Der folgende Text erschien zum ersten Mal im Dezember 2016 auf meinem damaligen Blog »Geek-Planet«. Trotzdem möchte ich, dass alle meine alten Texte auffindbar sind. Deshalb suche ich mir typischerweise einmal die Woche zufällig einen aus, redigiere ihn und schreibe eine kleine Einleitung dazu. Doch da ich die siebte Staffel von TWD wöchentlich begleitet habe, dachte ich, es wäre nett, eine kleine TWD-Woche zu veranstalten.

Ich muss gestehen, dass es das erste Mal ist, dass ich mir denke, dass ein Text von mir wirklich nicht gut ist. Klar habe ich bei so manchen Texten Fehler gefunden, Ungereimtheiten oder einfach nur Passagen, die man hätte spannender schreiben können. Doch ich finde, dass die Zusammenfassung der Folge nicht sonderlich gut gelungen ist. Es ist einfach nur eine Zusammenfassung von dem, was passiert ist. Das hätte ich besser machen können. Außerdem habe ich ein paar Stellen gestrichen, die nicht mehr zeitgemäß oder inkonsistent waren.


Diese Woche wartete The Walking Dead mit einer großen Überraschung auf. Wir kehren nämlich nicht zu einer der vier bekannten Communitys zurück, sondern folgen Tara (und ganz, ganz kurz auch Heath), wie sie am Strand eine neue Gruppe entdeckt. Damit wird die Welt von TWD ein weiteres Mal erweitert. Die beiden Charaktere sind wegen zweierlei Dinge äußerst spannend zu beobachten: Zum einen haben wir sie seit Monaten nicht mehr gesehen, nicht einmal im Finale der sechsten Staffel waren sie dabei, wenn ich mich richtig erinnere. Zum anderen haben sie nichts von Negan und seiner Tyrannei mitbekommen. Sie haben keine Ahnung, dass Glenn, Abraham und natürlich Denise gestorben sind.

“None of you had to. You just did it.” –Tara

Die auf einen Charakter bzw. eine Gruppe konzentrierten Episoden von TWD sind zu einem Markenzeichen in dieser Staffel geworden. Zum Glück besitzen die Autor_innen die Fähigkeit, Charaktere, die den geneigten Zuschauer_innen teilweise seit über einem halben Jahr nicht mehr begegnet sind, sofort sympathisch zu machen. Sie schaffen es, dass diese Charaktere wieder wichtig werden und man mit ihnen mitleidet. Das meiste, womit sich Tara bisher in mein Gedächtnis gebrannt hatte, habe ich zum Großteil schon wieder vergessen. Allerdings habe ich doch immer ein gewisses Bild von ihr im Unterbewusstsein. Bei ihr wäre es ihre Beziehung und Liebe zu Denise, die bis zu ihrem Tod in der letzten Staffel eine meiner Lieblingsfiguren war. Tara entwickelt sich für mich nun in dieselbe Richtung (nur hoffentlich ohne einen sinnlosen oder tragischen Tod). Innerhalb dieser einen Episode ist sie eine zentrale Figur und egal, was man vom Rest hält, spielt sich Alanna Masterson in unsere Herzen. Sie kann eben doch eine Folge tragen.

Doch worum geht es eigentlich?

Heath und Tara sind mit dem Van unterwegs, um Lebensmittel und andere Dinge für die Gruppe in Alexandria zu sammeln. Dabei müssen sie an einer Brücke haltmachen. Der Fluss darunter fließt direkt ins Meer, was später noch einmal wichtig wird. Was folgt, ist eine der coolsten Zombieszenen in dieser Staffel. Denn die Straße wurde nicht nur durch Container blockiert, sondern auf der gegenüberliegenden Seite mit einem gewaltigen Sandhaufen. In diesem findet Tara eine schwere Tasche, die potenziell Munition beinhaltet. Doch wie sich herausstellt, ist es eine Falle, denn darunter sind dutzende Zombies eingeschlossen, die die beiden nun angreifen.

Es ist eine sehr stimmungsvolle Szene und meine Komplimente an die Maskenbildner*innen, die sich mit den Sandzombies selbst übertroffen haben. Leider wird Tara von der Menge an Zombies von der Brücke gestürzt und Heath von ihr getrennt. Ich greife jetzt einmal kurz vor, da wir später in einer Szene mit Tara feststellen, dass Heath nicht von den Zombies überwältigt wurde, sondern fliehen konnte. Ich finde es schade, dass zuerst angedeutet wurde, dass Heath gestorben sei und es dann doch jemand anderes ist (also es sich um einen so genannten Fake-out handelt).

Nach dieser Eröffnungsszene begleiten wir erst einmal zwei Mädchen, die am Strand Zombies töten. Rachel, eine vielleicht zehnjährige, die sich durch verstörende Tendenzen hervortut, die sehr an Lizzie erinnern. Irgendwie wäre es schon witzig, wenn auch Rachel schlussendlich von Carol getötet werden würde. Cindy auf der anderen Seite ist älter, zwar widerspenstig und nicht sehr von der Autorität ihrer Großmutter überzeugt, allerdings ist sie sympathisch rebellisch, und zwar nicht auf die Psycho-Weise. Zuerst wollte Rachel Tara töten, doch Cindy überzeugt sie, dass sie Tara helfen – geben ihr sogar etwas zu Essen, Trinken und versorgen sie mit einem Speer. Die Szenerie hat mich sehr an Lost erinnert und einen Bunker hätte man hier ruhig noch einbauen können.

Bereits an dieser Stelle erfährt man, dass es sich bei dieser Gemeinschaft nicht gerade um sympathische Menschen handelt. Immerhin sagt Rachel: „We are supposed to“. Sie sollen also nicht nur Zombies töten, sondern Eindringlinge oder Fremde ebenso, um den Schutz des Lagers zu gewährleisten.

Nachdem sie von den beiden Mädchen versorgt wurde und ihnen erfolgreich vorgespielt hat, sie sei ohnmächtig, schleicht Tara ihnen mit dem Speer bewaffnet nach. Dort macht sie eine äußerst beeindruckende Erkundungstour und beinahe hätte es so ausgesehen, als sei sie unbemerkt durch das Lager gekommen. Die Art, wie ihr die Kamera folgt, ohne Musik, schmale Bäume zwischen ihr und ihren Feinden gehören zu den spannendsten Szenen. Vor allem lernt man selbst ohne Dialog sehr viel über die Community. Ein anschauliches Beispiel der Devise: Show, don’t tell! So besteht diese nur aus Frauen und Kindern. Was ist mit den Männern passiert? Sie scheinen gut organisiert zu sein und wohnen in Containerhütten. Als sie dann Tara entdecken, stellt sich heraus, dass sie äußerst großzügig mit Waffen ausgestattet sind (was für ein Zufall, jetzt, wo Ricks Gruppe alle Waffen an Negan verloren hat). Schließlich haben sie auch noch ein Ablenkungssystem für Zombies, was ihnen ermöglicht, diese in Ruhe abstechen zu können. Alles in allem also eine scheinbar perfekte Einöde, wo man sich durchaus für einige Zeit zur Ruhe setzen könnte.

Tara mausert sich insofern zu einem fantastischen Charakter, als sie jede Menge Witz mitbringt, jedoch trotzdem intelligent und überlegt vorgeht. Sie lässt sich nicht lange täuschen und nimmt die Situationen, vorwiegend ihre spätere Gefangenschaft, nicht sonderlich ernst. Es scheint so, als ob sie mit ihren Peinigern spielen würde. Natürlich kann es sich dabei um Verdrängungsmechanismen handeln, aber die Schauspielerin transportiert es äußerst glaubhaft und lässt es cool, geradezu entspannt wirken. Woran man sich stören könnte, wäre die Unterhaltung zwischen ihr und Nantanja, der Anführerin der Gruppe. Tara denkt sich nämlich eine Geschichte aus und da Nantanja vom Fischen erzählt, nimmt sich unsere Protagonistin dies als Vorbild und behauptet, sie und Heath wären die letzten Monate auf einem Frachter unterwegs gewesen. Dies muss natürlich schnell auffliegen, sie hat ja keinen Plan vom Fischen und definiert auch das Schiff falsch. Da hätte sie sich ruhig etwas Besseres einfallen lassen können. Aber irgendwie erkennt man ihr an, dass sie ihnen gerne die Wahrheit erzählen will.

Dies tut sie später insofern, als sie den Vorfall an der Satellitenstation schildert. Die Gruppe von Nantanja wurde ebenfalls von Negan überfallen und jeder Mann und jeder Junge über einem Alter von 10 Jahren wurde von ihm getötet. Warum er das getan hat, bleibt unklar, allerdings trägt es eindeutig zur Legendenbildung rund um Negan bei. Ein Gedanke, der mir bei der Geschichte von Nantanja gekommen ist, war, dass die Männer in der Station ihre Männer waren und so quasi Ricks Gruppe für ihren Tod verantwortlich sind. Dies würde eine interessante Dynamik in die Serie bringen, vor allem wenn es um den späteren Krieg gegen Negan kommt. Wem werden sie helfen?

Die Frauen sind eine ziemlich hinterhältige Bande. Denn sie entscheiden sich scheinbar, Tara laufen zu lassen. Da sie und Cindy sich etwas näher gekommen sind und ich an dieser Stelle eine zukünftige Beziehung nicht ausschließen möchte, wird sie von der Aktion, Tara ein Stück zu begleiten, ausgeschlossen. Denn sie soll hinterrücks erschossen werden. Dank Cindy gelingt ihr die Flucht. Bedauernswert ist nur, dass Cindy sie nicht begleitet, denn durch den Verrat an ihrer Großmutter wird sie sicher keine schöne Zukunft dort haben.

Ein weiterer Höhepunkt der Folge ist Taras Rückkehr nach Alexandria. Sie findet eine schicke Sonnenbrille und sogar ein Wackelkopf-Geschenk für Denise. Die Szene, wie sie die Straße hochläuft, gut gelaunt und bereit, alles, was ihr in die Quere kommt, tapfer entgegenzutreten, ist sehr inspirierend – Tara in a nutshell. Doch Eugene begrüßt sie wortlos mit der schrecklichen Nachricht.

Die sechste Folge von The Walking Dead hat sicherlich die ein oder andere Schwäche. Allerdings macht Taras Geschichte nicht nur Spaß, sondern ist auch spannend erzählt. Vor allem ihre Erkundungstour durch das fremde Camp und ihre allgemein positive Grundeinstellung stecken an. Hoffentlich dauert es nicht zu lange, bis wir ihr wieder begegnen. Das nächste Mal sollte eigentlich wieder The Kingdom auf dem Plan stehen – wenn ich mich nicht wieder täusche. Interessant wird dann, wie das MidSeason-Finale ausfällt, denn so ein richtiger Konflikt oder ein Punkt, an dem man die Erzählung unterbrechen könnte, ist derzeit nicht in Sicht.

Geek-Planet | The Walking Dead: S07E05

Die Hälfte hätten wir geschafft. Fünfter Tag der The Walking Dead Woche, in der wir uns meine alten wöchentlichen Rezensionen zur ersten Hälfte der siebten Staffel ansehen. Der folgende Text erschien im November 2016 auf meinem damaligen Blog »Geek-Planet«, den es heute nicht mehr gibt. Ich möchte jedoch alle meine Texte an einem Ort versammelt wissen.

Alte Rezensionen zu lesen, ist wirklich spannend. Ich bin stets überrascht von meinen damaligen Meinungen und Einstellungen. Da würde es mich direkt interessieren, The Walking Dead noch einmal anzuschauen. Immerhin gibt es inzwischen unzählige Spin-offs und dergleichen. Das Universum wird im Serienbereich immer weiter ausgebaut und scheint das neue CSI zu sein. Der Comic war nicht so ausufernd. Es gab vielleicht mal eine Spezialausgabe oder eine Graphic Novel. Trotzdem blieb es weitestgehend bei der Hauptreihe. Es hat seine Faszination und Anziehungskraft. So schlecht kann es auch nicht sein, sonst wäre das Franchise nicht so erfolgreich.


Wie vergangene Woche erwartet, betreten wir diese Woche die Gefilde des Hilltop und bekommen dabei einen Einblick geliefert, was sich dort in den letzten Tagen abgespielt hat. Der Fokus liegt deutlich auf Maggie und überraschenderweise auf Carl, der einen wichtigen und äußerst spannenden Handlungsbogen der Comics in Gang setzt, den ich allerdings nicht weiter spoilern möchte.

“For now, I’m your Negan.” – Simon

Bevor das typische Intro von The Walking Dead anfängt, sehen wir Maggie, wie sie das erste Mal seit dem gewaltsamen Tod von Glenn und Abraham wieder aufwacht und sich von ihrer Krankheit erholt hat. Die Sequenz ist sehr stimmungsvoll gestaltet – wie so oft in letzter Zeit. Sie kommt vollkommen ohne Musik aus, weist hauptsächlich ruhige Momente auf und verlässt sich auf die Talente der Schauspielerin. Das Kunststück gelingt, denn so fragt man sich als Zuschauer*in nicht nur, ob Maggie das Baby verloren hat, sondern verfolgt gespannt, was mit Glenn und Abrahams Leichen passiert ist.

Später in der Sequenz spielt der Chef von Alexandria, Gregory, eine wichtige Rolle und tut sich erneut nicht nur als inkompetenter, arroganter, diebischer Anführer hervor, sondern ebenso als Feigling und vieles mehr. Gregory ist die negativste Figur, die man sich nur vorstellen kann – wer etwas Positives an ihm entdeckt, soll mir bitte schreiben. So will er, dass nicht nur Maggie aus Hilltop verschwindet, sondern auch Sascha, die sie begleitet hat. Was Gregory an dieser Stelle zusätzlich zu einer solch traurigen und unsympathischen Figur macht, ist, dass er nicht einmal erkennt, dass Sascha nicht von Hilltop ist.

Er interessiert sich nicht für die Bewohner*innen und gibt sich keinerlei Mühe, sie kennenzulernen. Dies weist stark darauf hin, dass er kein gewählter Anführer ist, sondern sich selbst gewissermaßen dazu ernannt hat. Im Auftakt der fünften Episode steckt schon viel drin, was in den kommenden 40 Minuten vertieft und weiter ausgebaut wird. So ist es unterhaltsam, den langsamen Zerfall von Gregorys Herrschaft zuzusehen und wie Maggie, nicht nur von Jesus (den wir endlich wieder sehen), in die Position einer Anführerin „gedrängt“ wird.

Nach dem Intro machen wir einen kurzen und in dieser Folge auch einzigen Ausflug nach Alexandria. Rick diskutiert mit Carl, dass er Alexandria für kurze Zeit verlassen muss, um nach Hilltop zu gehen und „Besorgungen“ für die nächste Opferung Negans zu machen – sein Sohn darf allerdings nicht mit und soll sich um seine Schwester kümmern. Die Kamera ist dabei allerdings nicht auf die Charaktere konzentriert, sondern auf eine Dartscheibe, an der Carl gekonnt vorbeischießt und die Mauer malträtiert. Für einen kleinen Augenblick bekommt man die Hoffnung, es gäbe ein Team-up zwischen Carl und Michonne, doch diese setzt sich wenig später ebenfalls ab, um wahrscheinlich ihren Schießübungen nachzugehen.

Nach den traumatischen Erfahrungen, die die ganze Gruppe hat machen müssen, überrascht es, dass Rick Carl alleine lässt und ihm keine Stütze bietet. Auch wenn Carl natürlich eine verdammt starke Persönlichkeit hat, würde ich meinen Sohn in dieser Zeit nicht alleine lassen wollen. Denn wenn er anfängt, sich selbst Wege aus der Trauer und eventuell Überforderung zu suchen, kann dabei nichts Gutes am Ende herauskommen. Ein weiterer Punkt, der mich an Ricks Vorgehen stört, ist seine scheinbare Abhängigkeit vom Hilltop. Natürlich kann er dorthin gehen und versuchen, ein paar Nahrungsmittel zu besorgen, doch hauptsächlich würde ich mehrere Suchtrupps losschicken. Diese sollen die gesamte Umgebung absuchen. In den Comics finde ich dies um einiges besser umgesetzt, als es aktuell die Serie macht. Hoffentlich sehen wir nächstes Mal ein wenig mehr Einsatz – doch ich nehme an, dass wir dann erst einmal zum Kingdom zurückkehren.

Verständlicherweise lässt sich Carl das alles nicht bieten und verlässt Alexandria Richtung Hilltop. Dabei begegnet er am Zaun Init, die er bereits das letzte Mal etwas näher kennengelernt hat. Die beiden bilden ein wunderbares Paar und sind, was die restlichen Ereignisse anbelangt, so etwas wie ein kleiner Hoffnungsschimmer innerhalb der Episode. Immerhin bieten sie eine Art unschuldige Liebe, küssen sich sogar. Bis auf einen Vorfall an einer Tankstelle begegnen sie auch keinem Zombie, was ihnen ermöglicht, einmal in der Apokalypse Kinder sein zu können. Unterstützung erhalten sie von zwei Paar Rollschuhen, die sie zufällig am Straßenrand finden. Es sind tolle Szenen und man merkt den Schauspieler*innen an, dass es Spaß gemacht hat, einmal zwischendurch etwas anderes als Furcht, Mut und Ärger spielen zu müssen. Einzig die Frage, wer sich in Carls Abwesenheit um die kleine Judith kümmert, bleibt unbeantwortet.

Auf dem Hilltop gibt es die Tradition, dass man die Toten verbrennt und nicht beerdigt. Laut Gregory soll dies Fortschritt signalisieren und den Menschen mehr oder weniger traurige Erinnerungen ersparen. Sascha hat dieser Tradition, sie kommt ja aus Alexandria, widersprochen und die beiden Leichen in einer stillen Ecke beerdigt. Es ist eine spannende Frage, wie man mit den Toten einer Gesellschaft umgehen soll. Vor allem, wenn diese Gesellschaft dem Tod so konstant und in so grausamer Weise ausgesetzt ist, wie es in The Walking Dead der Fall ist. Am besten ist es wohl, wenn dies die Angehörigen oder die nächsten Menschen des Toten entscheiden. Aber ein allgemeingültiges Gesetz, wie es Gregory versucht umzusetzen, empfinde ich als wenig sinnvoll.

Ein Element, das in dieser Episode besonders seltsam anmutet, ist die Tatsache, dass es auf dem Hilltop keine Bewohner mehr zu geben scheint. Denn außer den bereits genannten Figuren sehen wir lediglich zwei weitere namenlose Charaktere. Besonders als die Saviors ihr „Signal“ schicken, dass sie bald kommen werden, hätte ich zumindest Schreie oder ein Weinen erwartet. Stattdessen gibt es einen leeren Platz mit einem laut Musik abspielenden Auto und Zombies, die durch das offene Tor kommen. Bewohner sucht man vergebens. Und wer bewacht überhaupt das Tor?

Dafür begegnet man am nächsten Tag umso mehr Saviors, die zu dutzenden die Anlage stürmen und vor allem Gregorys Haus in Beschlag nehmen. Da Ricks Gruppe die bisherigen Verhandlungsführer getötet hat, muss sich Simon neu etablieren und stellt klar, dass er von ähnlichem Kaliber ist, wie Negan – oder zumindest so tut. In der Zwischenzeit versteckt Jesus die beiden Frauen Maggie und Sascha, da die Saviors denken, sie wären zum einen Tod. Außerdem soll klargemacht werden, dass Hilltop nichts mit Alexandria zu tun hat. Auffällig ist dabei die freiwillige und scheinbar kompromisslose Ergebenheit von Gregory. Zugegeben, in dieser Situation bleibt einem nicht viel übrig, allerdings wirken seine Handlungen verstärkt demütig, durch das Vorwissen aus den ersten Szenen. Das Fass zum Überlaufen bringt allerdings, dass er den Saviors verraten hätte, wo sich Maggie und Sascha verstecken, hätte Jesus nicht zwei Schritte weiter gedacht und am vereinbarten Ort nicht wertvollen Alkohol versteckt, den nun Simon stolz Negan präsentieren kann. Diese Handlung war wohl der letzte Nagel in Gregorys Sarg.

Die Folge endet damit, dass sich Carl und Jesus auf einem der Transporter begegnen, mit denen die Saviors gekommen sind. Carl will blutige Rache nehmen und Jesus herausfinden, wo sich deren Hauptquartier befindet. In den Comics, so viel sei verraten, war es nur Carl, der den Weg zu Negans Reich findet – übrigens auf ähnlichem Wege. Wie jetzt Jesus und Daryl in diese Geschichte mit verwoben werden, bleibt abzuwarten.

Nach fünf Episoden kann gesagt werden, dass sich The Walking Dead weiterhin auf einem guten Niveau befindet und ich die wöchentliche Dosis bevorzuge. Ich bin relativ spät auf dem The-Walking-Dead-Zug aufgesprungen (ich glaube, es war bei Staffel 5) und habe die ersten Staffeln alle in einem Rutsch geschaut. Wöchentlich kann man das Geschehene besser reflektieren und verarbeiten. Natürlich spielt die Vorfreude und das Rätselraten, was denn weiter passieren wird, eine wichtige Rolle. Bis zur Weihnachtspause bleiben uns noch drei Episoden, dann hätten wir auch schon wieder die Hälfte der neuen Staffel gesehen.

Geek-Planet | The Walking Dead: S07E04

Der folgende Text erschien zum ersten Mal auf meinem alten Blog »Geek-Planet« im November 2016. Den Blog gibt es allerdings nicht mehr, deshalb suche ich mir immer wieder alte Texte heraus, redigiere diese und versehe sie mit einer kleinen Einleitung.

Was mich immer wieder erstaunt, ist, wie sehr ich vor acht Jahren, als der folgende Text erschien, mit wöchentlichen Texten gekämpft habe. Ich weiß noch, wie ich versucht habe, nicht zu viel auf einmal zu schreiben. Dann gab es Phasen, in denen ich mit mir gerungen habe, überhaupt einen Text pro Woche zu schaffen. Heute denke ich manchmal, ich könnte gelegentlich zwei Texte pro Tag veröffentlichen. Aber so ändern sich die Zeiten, man entwickelt sich weiter.


Nach drei Folgen kehren wir endlich wieder nach Alexandria zurück und Negan lässt nicht lange auf sich warten, um sein Schutzgeld einzusammeln. Dabei spielt diese Episode geschickt mit diversen Charakteren, die die Geschichte interessant und spannend machen.

“Little pig, little pig! Let. Me. In.” – Negan

Das Erste, das wir zu sehen bekommen, sind Rick und Michonne, wie sie zusammen im Bett liegen. Doch Michonne ist bereits wach und macht sich mit einem Scharfschützengewehr, welches sie im Kamin versteckt hat, auf den Weg, um Schießübungen zu machen. Schnell wird klar, dass sie mit dem Katana, das nun nicht mehr an der Wand hängt, um einiges besser umgehen kann als mit der schweren Waffe. In diesem stillen Moment wird die Verzweiflung, mit der sie zu kämpfen hat, deutlich spürbar. In der Zwischenzeit kümmert sich Rick um seine Tochter, die um ein ganzes Stück gewachsen ist. Weiß Negan eigentlich, dass Rick eine Tochter hat? Wenn nicht, findet er es hoffentlich nie heraus.

Als sich Rosita und Spencer auf einen Versorgungstrip machen wollen, werden sie jäh unterbrochen, als ein markanter Schatten am Tor auftaucht und um Einlass bittet – bevor er pustet und prustet. Spencer macht dabei einen entscheidenden Fehler, indem er erst einmal fragt, wer denn hereingelassen werden möchte. Zugegeben, es ist in der Situation für die Zuschauerinnen witzig und in gewisser Weise cool, doch vom Standpunkt der Bewohnerinnen aus einfach nur dumm. Er weiß immerhin, was Negan mit Abraham und Glenn angestellt hat. Er weiß, wozu dieser Mann fähig ist, trotzdem entschließt er sich, Spielchen mit ihm zu spielen. Es bleibt spannend, wohin sich Spencer entwickeln wird. Denn gegen Ende der Episode wird deutlich, dass er Rick für keinen guten Anführer hält. Dieser hätte alles verhindern können und Spencer gibt ihm die Schuld an allem. Überraschenderweise sagt er ihm dies auch ins Gesicht bzw. in den Rücken, was ihm eine äußerst unheimliche Negan-artige Drohung von Rick einbringt.

Am Tor kommt schnell Rick zu Hilfe und lässt die Saviors ein und sofort beginnen die Psychospielchen. Während der gesamten Folge muss Rick Lucille für Negan halten, und etwas Böseres gibt es in dieser Situation wahrscheinlich nicht. DIE Todeswaffe schlechthin in den Händen zu haben, aber nichts damit anstellen zu können. Beeindruckend sind die Szenen, wo Negan ihm den Rücken zukehrt und sich die Kamera komplett auf Ricks Hand an dem Schläger fokussiert. Schlägt er zu? Versucht er es? Für mich sind dies eindeutige Zeichen dafür, dass Rick seinen Kampfeswillen nicht verloren hat und gegenüber Negan und auch den Bewohnern Alexandrias nur eine Show abliefert. Und dies tut er ausgesprochen gut.

Daryl befindet sich währenddessen unter den Männern und Frauen von Negan, eine Kontaktaufnahme vonseiten Ricks wird aber sofort unterbunden. Niemand soll mit dem gebrochenen Mann reden, dieser soll seiner Arbeit nachgehen und den anderen beim Durchsuchen der Häuser helfen. Ist Daryl wirklich gebrochen, oder hält er, ähnlich wie Rick, die Stellung, damit er einen Schwachpunkt in Negans Reihen ausfindig machen kann? Was Dwight anbelangt, der ja immer weiter versucht, wie Daryl zu sein, schickt Rosita und Spencer los, um das Motorrad zu holen, welches Daryl am Rand einer Straße im Graben versteckt hat. Während die Leute von Negan die Häuser durchsuchen und sich unter anderem sämtliche Matratzen aneignen, lernt der Tyrann Olivia kennen. Die Frau, die für das komplette Inventar an Waffen und Nahrungsmitteln zuständig ist.

Viele Szenen, die in dieser Folge vorkommen, sind 1:1 von den Comics übernommen, was ein Fan-Herz wie meines natürlich höher schlagen lässt. In Alexandria befinden sich unzählige Waffen – sie hätten buchstäblich eine Armee ausrüsten können und tun dies unfreiwilliger Weise nun auch, denn Negan nimmt zwar keine Nahrungsmittel mit, doch alle Waffen und Munition. Doch leider fehlen in dem Inventar zwei kleine Handfeuerwaffen, und natürlich kann Negan nicht zulassen, dass diese in Alexandria bleiben. Dies führt zu einem interessanten Treffen der Bewohner in der Kirche, wo Rick darum bittet, die Waffen auszuhändigen – doch es fehlen zwei Leute. Dass Rick die Häuser der beiden persönlich untersucht, zeigt, wie gut er in die Rolle des Untergebenen, ja gebrochenen Ricks fällt. Er tut alles, damit niemand mehr sterben muss. So findet er die beiden Waffen, inklusive Alkohol und versteckte Nahrung, in Spencers Haus und rettet so Olivia das Leben.

Zwei Charaktere haben mich in dieser Folge sehr positiv überrascht. Zum einen, Father Gabriel. So still er in den letzten Folgen war (weil man ihn nicht gesehen hat), um so mehr bekommt er nun zu tun. Ihm fällt es etwa ein, für Maggie ein Grab auszuheben und Negan dadurch vorzumachen, sie wäre gestorben. Außerdem kommt in einem Gespräch mit Rick heraus, wie optimistisch er in die Zukunft blickt. Seinen Glauben an Gott und an Rick hat er nicht verloren. Sehr beeindruckend. Vor allem auch deshalb, weil er keine Scheu hat, vor Negan zu treten und mit dem Mann zu sprechen. Keinerlei Furcht ist in seinem Blick. Einen noch furchtloseren, ja geradezu aggressiven Blick hat allerdings Carl drauf. Er möchte sich nicht gefallen lassen, dass ihnen so viel Medizin genommen wird, dass er kurzerhand nicht nur einen von Negans Männern bedroht, sondern den Anführer selbst. Carls Auftreten ist eindrucksvoll gestaltet und spiegelt zu 100 % die Comics wider, auch wenn der Schauspieler etwas älter ist, als der Carl in den Comics, wodurch es dort noch einmal überraschender ist, wie sehr sich der Junge mit dieser Welt abgefunden hat. Trotzdem eine sehr starke Szene.

Als Negan schließlich wieder von Dannen zieht, sehen wir noch ein schönes Gespräch zwischen Rick und Michonne, wodurch diese Charaktere eine Möglichkeit bekommen, sich weiterzuentwickeln. Denn während Negan in der Stadt ist, scheint dies nicht möglich zu sein. Es bleibt spannend, ob er in der nächsten Episode erneut auftaucht oder wir nun die Möglichkeit bekommen, unsere Protagonisten dabei zu beobachten, wie sie sich auf seinen nächsten Besuch vorbereiten. Dieser Aspekt hat in dieser Folge komplett gefehlt. Zwar taucht Negan vor Ablauf der Frist auf, doch es sind immerhin ein paar Tage vergangen und ich bezweifle, dass Rick einfach nur paralysiert in einer Ecke gekauert ist.

Die vierte Episode von The Walking Dead überzeugt eigentlich auf ganzer Linie. Am Anfang ist die bekannte, ohnmächtige Stimmung, die durch Negans Präsenz ausgestrahlt wird, deutlich zu vernehmen, doch man gewöhnt sich in gewisser Weise daran. Dadurch ist es schließlich doch wieder unterhaltsam, zuzusehen. Vielleicht kehren wir in der nächsten Episode zum Kingdom zurück oder wir kommen zum Hilltop mit Jesus, Gregory und Maggie – den Ort haben wir in dieser Staffel noch gar nicht gesehen.