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Geek-Planet | The Walking Dead: Staffel 3

Es ist Donnerstag und das bedeutet, wir sehen uns einen alten Text von mir an. Jede Woche suche ich mir einen heraus, redigiere diesen, versehe ihn mit einer Einleitung und veröffentliche ihn erneut. So sollen alle alten Texte von mir irgendwann hier auffindbar sein, die ich für meinen ehemaligen Blog »Geek-Planet« geschrieben habe. Den Blog gibt es allerdings nicht mehr. Der folgende Text stammt vom 14. Oktober 2015.

Immer wieder bin ich fasziniert davon, welche Erkenntnisse ich aus den alten Texten herausholen kann. Zum einen überrascht es mich, dass ich mir die dritte Staffel von The Walking Dead scheinbar innerhalb von zwei Tagen angeschaut habe. Das würde ich heute nicht mehr tun.

Zwar schaue ich gerne regelmäßig am Abend Filme oder Serien oder verliere mich in einem Spiel, aber Binge-Watching oder Binge-Gaming tue ich heute nicht mehr. Ich erinnere mich noch, dass ich beispielsweise die beiden Fortsetzungen von Assassins Creed II an jeweils einem Wochenende durchgespielt habe, als diese frisch erschienen sind. Mittlerweile genieße ich es, mir Zeit zu lassen und die Erfahrung dieser tollen Medien und der Geschichten, die sie zu erzählen haben, nicht zu überstürzen. Klar gibt es mal längere Spiele-Sessions, aber das sind dann ein paar Stunden und nicht gleich ein ganzer Tag. So ändern sich eben die Zeiten.

Für letzte Woche hatte ich mir den Text vom dritten Buch des Comics von The Walking Dead herausgesucht. Es kommt jetzt übrigens jede Woche The Walking Dead. Ich will etwas in diesem Universum bleiben, zumindest in Form meiner alten Texte dazu. Jedoch war mir nicht bewusst, dass ich zuerst die Serie und dann den Comics gelesen hatte. Eigentlich die falsche Reihenfolge. Ist der Comic doch um einiges erbarmungsloser, brutaler und mitreißender, als es die Serie je sein könnte. Meine Empfehlung wäre es also, erst den Comic zu lesen und dann die Serie zu schauen. Am besten auch nacheinander. Mein damaliger Wechsel zwischen den Medien hat nicht gutgetan. Ich habe ständig verwechselt, was wo passiert ist. Beide Geschichten, die sich durchaus voneinander unterscheiden, haben sich in meinem Kopf vermischt. Dabei haben es beide gleichermaßen verdient, auf ihre jeweilige Art geschaut oder gelesen zu werden.


Sieben Monate auf der Straße und das auch noch im Winter machen aus einer chaotischen Gruppe wohl ein beinahe perfekt organisiertes Team, das füreinander einsteht. Der Unterschied zur letzten Staffel ist wirklich gewaltig. Die Figurenzeichnung hat deutlich an Qualität zugenommen. Besonders Carl hat sich gemausert – er ist ein wertvoller Teil der Gruppe geworden und beteiligt sich an vielen Missionen. Man könnte ihn schon beinahe als Badass bezeichnen.

  • Developed by Frank Darabont
  • Cast: Andrew Lincoln, Sarah Wayne Callies, Laurie Holden, Norman Reedus, Steven Yeun, Lauren Cohan, Chandler Riggs, Danai Gurira, Michael Rooker
  • Musik: Bear McCreary
  • Executive producers: Frank Darabont, Gale Anne Hurd, David Alpert, Robert Kirkman u. a.
  • Erstausstrahlung: 14. Oktober 2012 auf AMC

“People with nothing to hide don’t usually feel the need to say so.” – Michonne

Anders als erwartet steigen wir bereits in dieser Staffel direkt mit dem Gefängnis ein, so wie es auch in der letzten Episode angeteasert wurde. Gekonnt schaltet die Gruppe alle Zombies im Vorhof und zwischen den beiden Zaunreihen aus. Anschließend geht es ins Innere und schon bald haben sie ein neues, sicheres zu Hause. Dieser Startpunkt gefällt. Zwar hat es auch seinen Reiz, wenn sie auf der Straße unterwegs sind und nicht wissen, was hinter der nächsten Kurve auf sie lauert, doch der Schauplatz bietet wie auch schon im Comic einen hervorragenden Ausgangspunkt für spannende Geschichten.

Ich dachte, ich benötige ein wenig Zeit, um mich wieder mit dieser Truppe vertraut zu machen, da sie sich doch etwas von der Vorlage unterscheidet, doch nach wenigen Minuten war ich in dieser Welt gefangen. Elf Folgen an einem Abend, dann durchgeschlafen und am Sonntagmorgen die restlichen fünf, so war meine Erfahrung mit der dritten Staffel von The Walking Dead. Ich mag solche »Binge-Watching-Events« sehr gerne, da man über einen längeren Zeitraum in dieser Welt bleibt und sich das Denken anpasst. Man bekommt das richtige Mindset und anschließend muss man sich erst wieder in der realen Welt orientieren. Es bereitet immer wieder Freude. Besonders deshalb, weil ich weiß, dass es bald wieder weiter geht – doch zuvor möchte ich den nächsten Comic lesen und mich etwas von den Geschehnissen erholen, denn zum Teil war es richtig harter Tobak, der den Autor*innen eingefallen ist.

Am markantesten in Erinnerung wird mir wohl die Geburt von Judith, Carls Schwester, bleiben. Auf der Flucht vor den Zombies, die durch den Alarm des Gefängnisses angelockt wurden, geraten Lori, Carl und Maggie in einen Raum und natürlich setzen die Wehen ein. So muss Maggie einen Kaiserschnitt durchführen. Ich benötigte anschließend erstmal eine kurze Pause. Der Regisseur ist unnachgiebig und lässt die Kamera immer am Geschehen, ohne einen wirklichen Schnitt – es geht immer weiter. Schließlich wird Lori von den Schmerzen ohnmächtig und stirbt am Blutverlust. Dass Carl ihr den Kopfschuss verpassen muss, damit sie nicht zu einem Zombie wird, hat mir dann endgültig den Rest gegeben. Eine wahnsinnige Szene, in der nicht nur die Schauspieler*innen eine Meisterleistung abgeliefert haben. Ricks anschließende Rache an den verbliebenen Zombies ist eine logische Konsequenz, und sein manisch brutaler Gang durch das Gefängnis ist nicht nur herzzerreißend, es führt schließlich auch zum Bruch seiner Psyche. Er kann eben nicht alles bewältigen und ist, wie auch schon Batman feststellen musste, eben doch nur ein Mensch. Andrew Lincoln erreicht hier einen Höhepunkt seines Könnens und hat mich vollkommen von seiner Manie überzeugt. Am liebsten würde man ihm eine Pause gönnen, ihn in eine Zelle sperren und einfach mal drei Tage durchschlafen lassen – verdient hätte er es sich.

Apropos intensive Szenen. Das Bild von Glenn und Maggie, wie sie von Merle und dem Governor gefoltert, bloßgestellt und psychisch unter Druck genommen werden, hat sich ebenfalls in mein Gedächtnis gebrannt. Man könnte sich immer mit dem Fakt aus der Situation retten, dass doch alles nicht echt ist, doch wenn es so real wirkt und die emotionale Verbindung mit den Protagonisten in dem Moment so aufgeladen und intim wirkt, kann man nicht anders als schockiert vor dem Bildschirm zu sitzen und fassungslos zuzuschauen. Man hofft auf ein baldiges Ende, doch den Autor*innen fallen immer grausamere Taten ein. Sie zeigen eindrucksvoll, dass die Walker nicht das Gefährlichste in dieser Welt sind. Und sie müssen nicht unbedingt nur erschossen und erstochen werden, sondern eignen sich super als primitive Folterinstrumente – wenn man sie nicht gerade für Showkämpfe zweckentfremdet.

Positiv aufgefallen ist mir allerdings (außer Schauspiel, Musik, Atmosphäre und Cinematographie), dass es zumindest innerhalb einer Staffel Konsequenzen gibt, wenn sie schon staffelübergreifend nicht funktionieren. So begleiten die beiden ihre Erfahrung über mehrere Episoden hinweg. Nicht nur die physischen, sondern vor allem die Mentalen.

Kommen wir von expliziten Szenen nun zu ein paar Figuren. Allen voran der Governor. Ihn lernen wir bald kennen und ich muss zugeben, dass er sich als nicht gerade der beste Bösewicht entpuppt. Er ist grausam, man möchte ihm nicht bei Nacht begegnen (oder auch bei Tag). Er ist ein richtiger Psychopath, der alles macht, um seine Ziele zu erreichen – Lügen, Manipulation, Mord, alles keine Fremdwörter für ihn – am liebsten möchte er die absolute Kontrolle über alles und jeden in der Umgebung. Doch irgendwie will er sich nicht so richtig als das ultimative Böse, das er darstellen soll, etablieren. Einerseits möchte er seine Familie zurück, andererseits möchte er mordend ein paar Städte beherrschen. Sein Konflikt mit Michonne kommt in der Serie auch nicht so wirklich rüber. Zwar verstehe ich, dass man aus Zeitgründen nicht alles zeigen kann oder will, doch diesen absoluten Hass kann ich nicht nachvollziehen. Als sie dann auch noch seine Zombietochter töten, ist es endgültig vorbei.

Da wir gerade dabei sind, auch Michonne gehört zu den interessantesten neuen Figuren. Ihre Talente, mit dem Samuraischwert allein, machen sie mysteriös und ihre Vergangenheit würde ich gerne näher kennen – da bin ich schon auf die Bücher gespannt, wo sie anscheinend auch eine größere Rolle einnimmt. Anfangs ist sie sehr schweigsam und so richtig warm ist sie mit Andrea nicht geworden, auch wenn sie knapp über sieben Monate miteinander verbracht haben. Sie scheint mit den anderen aus der Gruppe, schon aufgeschlossener zu sein und wird zum Ende hin richtig mitteilungsbedürftig. Ihre Stärke, Disziplin und Durchsetzungsvermögen werden der Gruppe noch guttun. Sie erinnert ein wenig an eine weibliche, härtere Version von Daryl.

Auch er ist nun endgültig in der Gruppe angekommen und sorgt sogar für das Baby. Er und Carol könnten ein nettes Paar abgeben, auch wenn ich nicht denke, dass dies je geschehen wird. Sie sind gute Freunde, die sich vertrauen. Zu sehen, wie er wieder mit seinem Idioten von Bruder weiterzieht, tut beinahe körperlich weh. Ich kann nachvollziehen, warum er es tut, doch es fühlt sich einfach falsch für ihn an. Da kann die durchaus positive Entwicklung von Merle nichts daran ändern.

Der Rest der Gruppe hat einen Platz und eine Funktion gefunden, mit der sie zurechtkommen. Glenn entwickelt sich zu einem durchsetzungsfähigen zweiten Anführer und ist nicht mehr mit dem Glenn der ersten Staffel zu vergleichen. Beth ist die Ersatzmutter für Judith und kümmert sich rührend um sie. Wenn sie anfängt zu singen und alle aus der Gruppe lauschen, bekommt alles ein heimeligeres Gefühl. Carol hält den Betrieb am Laufen und macht alles, angefangen vom Babysitten bis zum Erschießen von Zombies. Ihre Entwicklung gefällt mir ebenfalls hervorragend und ich hoffe, sie bleibt uns noch eine Weile erhalten. Es gibt noch eine Menge Punkte, die mir in dieser Staffel gut gefallen haben. Sei es das Wiedersehen mit Morgan, die Einführung von Tyreese und seiner Gruppe, Andreas Schlichtungsversuch mit den beiden Parteien, Miltons Entwicklung vom folgsamen Gehilfen zum aktiven Widerständler, Hershels innige Unterhaltungen mit jedem aus der Gruppe und so viel mehr. Sowohl die Fortführung der Geschichte als auch die der Charaktere überzeugen auf ganzer Linie und haben mich bis zur letzten Minute gefesselt. Ich bin mehr als gespannt, wie es weiter geht und denke, dass wir noch längere Zeit im Gefängnis verbringen werden.

Aber kommen wir mal etwas weg vom Inhalt der Serie und widmen uns etwas dem Aufbau – dem ich viel zu wenige Worte widme. Allein die Sets sind schon erwähnenswert. Die Wälder, das Gefängnis, die Stadt des Governor; alles fühlt sich echt an und nur selten kommt einem der Gedanke, das ist jetzt aber ein künstlich aufgebautes Modell.

Auch die Kameraeinstellungen, die teilweise mit einem ungewöhnlichen Blick auf das Geschehen überraschen, sind gut gewählt. In manchen Episoden starten wir zum Beispiel aus der Sichtweise eines Zombies, bevor wir den Protagonisten begegnen. Bei der Unterhaltung zwischen Rick und dem Governor blickten wir von oben durch eine Luke auf sie. Passend zu den Kamerafahrten und dem Geschehen ist auch die Musik ausgewählt. Nur selten nimmt man sie bewusst wahr, so wie es auch sein soll. Sie ist dazu da, das Geschehene zu unterschreichen, zu intensivieren.

Wie ihr seht, bin ich sehr beeindruckt, wie sehr sich die Qualität von Staffel zwei auf drei gesteigert hat. Wenn sie dies beibehalten können, stehen uns noch viele spannende Abenteuer bevor und am neugierigsten bin ich eindeutig darauf, wo es nach dem Gefängnis hingeht und wer schließlich den Governor tötet, außer er bleibt uns noch über längere Zeit erhalten.

Geek-Planet | The Walking Dead: Book 3

Wie jeden Donnerstag sehen wir uns auch heute wieder einen alten Text von mir an. Der folgende stammt vom 15. Oktober 2015 und erschien damals auf meinem Blog »Geek-Planet«, den es heute allerdings nicht mehr gibt. Trotzdem möchte ich, dass alle meine Texte auffindbar sind. Deshalb redigiere ich jede Woche einen alten Text, versehe ihn mit einer kurzen Einleitung und veröffentliche ihn erneut.

Das dritte Buch von The Walking Dead ist wohl eines der besten Horror-Comics, die ich gelesen habe. Zwar kommen so manch andere sehr nahe heran, doch von der dichten Atmosphäre, dem psychischen Terror und dem, was einem als Leser*in in den Kopf gepflanzt wird, ist das dritte Buch ungeschlagen. Es ist mir bis heute im Gedächtnis geblieben, und als ich den Text las, sind ein paar weitere Erinnerungen an die Geschichte zurückgekommen. Robert Kirkman hat etwas wirklich Besonderes geschaffen. Man mag von den (vielen) Serien halten, was man möchte, aber der Kern der Geschichte, der Comic, auf dem alles basiert, ist qualitativ hervorragend. Besonders die frühen Geschichten waren abwechslungsreich, erfrischend anders und haben gezeigt, wozu Comics in der Lage sind.


Ein großer Faktor, der die Qualität oder besser gesagt Erfahrung mit einem Comic deutlich beeinflussen kann, ist die Geschwindigkeit, mit der man durch die Seiten wälzt und wie viel Mühe man in die bewusste Wahrnehmung der Figuren steckt. Damit meine ich Stimmlagen, Betonungen, Aussprachen, aber auch Vorstellungen über Bewegungsabläufe und Umgebungsgeräusche. Durch das zweite Buch bin ich eher schnell durchgerauscht, weil ich endlich zur nächsten Staffel kommen wollte. Beim dritten Buch habe ich mir mehr Zeit gelassen und die Erfahrung war beeindruckend intensiv.

  • Creator, Autor: Robert Kirkman
  • Penciler, Inker, Cover: Charlie Adlard
  • Gray Tones: Cliff Rathburn
  • Letterer: Rus Wooton
  • Erstveröffentlichung: 2007
  • Ausgaben: #25 – #36

„Don’t pass out now, sister. We are just getting warmed up.“ – Governor

Aus der Serie wissen wir ja bereits, dass, nachdem wir das Gefängnis entdeckt und bewohnt haben, der Governor nicht mehr lange auf sich warten lässt. Sein Auftreten ist dann gleich äußerst monumental und die gesamte Erfahrung mit ihm hat mich emotional mehr mitgenommen, als es in der Serie jemals der Fall war. Dies liegt vorwiegend an der konsequenten Charakterzeichnung – hier darf er einfach nur böse sein. Ein Psychopath, der das macht, was er will. Wenn ihm jemand in die Quere kommt, sollte der oder in dem Fall diejenige besser das Weite suchen.

Nachdem unsere drei Gefährten Rick, Glenn und Michonne bei einem Ausflug mit dem Auto stecken bleiben und sich eine Zuflucht suchen müssen, kommen sie nach Woodbury. Dort werden sich gleich den grausamen Spielen vorgeführt, die dort stattfinden. Bei dem Versuch zu entkommen, verliert Rick seine rechte Hand, was äußerst brutal und kaltblütig wirkt – wiederum bin ich froh über die schwarz-weiß-Zeichnungen (an einer anderen Stelle wird dies ebenfalls noch von großem Vorteil sein). Michonne weiß sich zu wehren und beißt dem Governor kurzerhand ein Ohr ab, während Glenn schnell außer Gefecht gesetzt ist.

Michonne hat mit ihrer Aktion etwas losgetreten, das man nur als bestialisch bezeichnen kann. Stehend an Armen und Beinen gefesselt, wird sie vom Governor brutalst misshandelt und vergewaltigt. Dass diese Darstellungen nur passiv dargestellt werden, ist ein Segen und ein Fluch zugleich. Man möchte so etwas nicht mitansehen, aber dadurch, dass man »hört«, was passiert, stellt man es sich um ein Vielfaches brutaler vor – so macht man emotional mitreißenden Horror. Glenn sitzt in der Zelle nebenan und man bekommt nur durch Geräusche und den unmenschlichen Monolog des Governor eine ungefähre Vorstellung von dem, was vor sich geht. Nach der Szene benötigte ich erstmal eine Pause, denn so intensiv und schwer verdaulich waren bis jetzt nur sehr, sehr wenige Szenen in Comics.

Die spätere Rache von Michonne ist ebenfalls grausam und man könnte mit dem Mann schon fast Mitleid haben. Was die Frau alles mit seinem Penis, Auge, Arm und seiner Hüfte anstellt, ist erstaunlich, von dem Löffel möchte ich gar nicht erst anfangen. Sie bekommt jedenfalls ihre Rache, doch sie übersieht ein kleines Detail, welches ihr später noch zum Verhängnis werden könnte.

Mit Rick und Glenn spielt der Governor geschickte Spielchen und trickst sie gekonnt aus. An einer Stelle ist die Maskerade und die Erzählweise der Geschichte so gut, dass auch ich darauf hereingefallen bin. Book 3 überbietet allgemein die künstlerischen Leistungen des zweiten Bandes um ein Vielfaches, was besonders daran liegt, dass es mehr doppelseitige Darstellungen und Panelstrukturen gibt. Diese wirken sehr imposant und sind für ein schnelles Geschehen oder ruhige Überblickzeichnungen perfekt gemacht.

Die Handlung in Woodbury nimmt einen Großteil der Geschichte ein und zieht sich über beide Kapitel („The best defense“ und „This sorrowful life“). Was mir weniger gut gefallen hat, aber nur im Vergleich mit der Serie, ist der Charakter von Carol. In der Serie ist sie die starke, selbstbewusste Frau, die alles macht, um die Gruppe zu schützen. Im Comic dagegen macht sie sich an Lori ran, möchte als zweite Frau Rick heiraten und so weiter. Dies gefällt eher weniger und ist, wenn man die Serie kennt, äußerst gewöhnungsbedürftig. Wenn es so weitergeht, wird sie den kommenden Krieg wohl nicht überleben.

Wie in der Serie wird ein Helikopter eingeführt, der abstürzt und Militärs beinhaltet. Woher dieser kommt und welchen Zweck die Ausflüge haben, wissen wir in beiden Medien noch nicht, doch ich bin davon überzeugt, dass es nur mehr eine Frage der Zeit ist, bis wir herausfinden, was dahintersteckt. Zwar bin ich nicht gerade ein Fan von militärzentrierten Geschichten, doch lasse ich mich gerne von Robert Kirkman eines Besseren belehren.

Das letzte Thema, das ich für heute ansprechen möchte, ist der Tag-Nacht-Zyklus im Comic. Es fällt sehr schwer, sich bei den schwarz-weiß-Zeichnungen zu orientieren, ob es gerade morgen ist oder schon wieder Abend. Es hat mich zwar im letzten Buch etwas gestört, dass oft gesagt wurde, es würde gleich dunkel werden, doch es hat zumindest zur Orientierung beigetragen. Dies habe ich hier sonderbarerweise vermisst. Ich hätte keine Idee, wie man es besser darstellen könnte. Vielleicht würde bereits ausreichen, wenn gelegentlich ein Panel dazwischenkommt, das die Protagonisten beim Aufstehen oder „Gute Nacht“ sagen zeigt. Der Governor zum Beispiel machte, wenn ich mich richtig erinnere und die Geschichte richtig interpretiere, zwischendurch ein Nickerchen. Hier fände ich es nicht schlecht, wenn dieses Thema in den nächsten Ausgaben besser umgesetzt wird.

Ansonsten war es eine fantastische Ausgabe, die einiges an Material bietet, um darüber nachzudenken und schlechte Träume zu bereiten – genau das, was ich von einem Horror-Comic erwarte.

Geek-Planet | Fear The Walking Dead: Staffel 1

Es ist Donnerstag und das heißt, wir werfen einen Blick zurück in die Vergangenheit meines Blogger-Daseins. Genau genommen auf den 13. Oktober 2015, als der folgende Text auf meinem damaligen Blog »Geek-Planet« erschien, den es heute allerdings nicht mehr gibt. Trotzdem sollen alle meine Textet an einem Ort versammelt und auffindbar sein.

Ach, Fear the Walking Dead. Ich kann mich tatsächlich noch daran erinnern, wie ich den Podcast gehört habe und mich jedes Mal auf die Diskussionen gefreut habe. Es gab running gags und neue Dinge an Charakteren und der Welt von FTWD zu entdecken, die mir zuvor noch nicht aufgefallen sind. An was ich mich allerdings nicht mehr erinnern konnte, war mein finales Urteil zu FTWD. Scheinbar war die erste Staffel wirklich nicht sehr gut und hat mich wenig begeistert. Das ist insofern interessant, als sich das mit den kommenden Staffeln ändern würde. Je schlechter The Walking Dead wurde, desto mehr mauserte sich FTWD zu einer richtig gut gemachten Zombie-Serie. Mit jeder Staffel änderte sich das Setting und die Charaktere wurden interessanter.

Auch die Geschichte habe ich stets gerne verfolgt. Zwar habe ich nach der vierten oder fünften Staffel aufgehört, die Serie zu schauen, doch im Großen und Ganzen habe ich es nicht bereut, FTWD eine Chance gegeben zu haben. Es war eine willkommene Abwechslung in vielerlei Hinsicht zu TWD.

Was meinen alten Text an sich betrifft, ist es durchaus ersichtlich, dass ich noch eher früh in meiner Blogger-Karriere war. Der Text scheint unstrukturiert und die Übergänge zwischen einzelnen Themen holprig oder mit dem Vorschlaghammer erzwungen. Deshalb ist es so toll, sich mit früheren Texten auseinanderzusetzen. Man sieht den Fortschritt, den man gemacht hat. Außerdem können eventuelle Einstellungen oder Meinungen insofern überdacht werden, als man sich Gedanken machen kann, wie sie sich in den Jahren darauf entwickelt haben.


Es ist schon erstaunlich, wie sich Fear the Walking Dead, eine Serie, die in der gleichen Welt wie die Mutterserie The Walking Dead spielt und von denselben Machern stammt, dermaßen qualitativ von dieser unterscheidet. Die Freiheiten, die die Autor*innen in einem Interview angesprochen haben, scheinen nicht gerade positive Auswirkungen zu haben. Es gibt eben keinen Comic, auf den man sich notfalls beziehen kann. Ich bin gespannt, wie es nach dem Finale weitergehen wird.

  • Created by Robert Kirkman, Dave Erickson
  • Executive producers: Robert Kirkman, David Alpert, Greg Nicotero
  • Editor: Todd Desrosiers
  • Cast: Kim Dickens, Cliff Curtis, Frank Dillane, Alycia Debnam-Carey, Elizabeth Rodriguez

“She’s not sick. She’s dead.” – Nick

Der erste Unterschied zwischen FTWD und TWD ist eindeutig das Setting. Los Angeles als Dreh- und Angelpunkt bietet eine willkommene Abwechslung zur sonst so ländlichen, von Wald überwucherten Wildnis, die nur von Schienen, Hütten und Scheunen unterbrochen wird. Auch ist die Stadt tatsächlich bewohnt mit lebenden Menschen – es gibt Demonstrationen gegen Polizeigewalt, alltägliche Probleme spiegeln sich im Leben der Protagonisten wider und nur langsam wird ihnen bewusst, was sich wirklich abspielt.

Die erste Folge vermittelt einen guten Eindruck über die handelnden Figuren und spart erfreulicherweise an Zombies. Dass ein junger, drogensüchtiger Teenager namens Nick als erster die Zombies entdeckt und als unglaubhafter Zeuge fungiert, ist ein gut gemachter Schachzug. Überhaupt spielen die Verantwortlichen der Serie immer wieder mit den Erwartungen der Zuschauerinnen. So muss man sich immer wieder vor Augen führen, dass die einzelnen Charaktere nicht wissen, womit sie es zu tun haben. Zombies existierten in ihrer Welt vorher nicht (auch nicht in Folklore oder Literatur) und sie müssen erst lernen, mit der Situation umzugehen. Da verstehe ich dann die Beschwerden von so manchen Zuschauerinnen nicht, dass die Polizei doch bitte in den Kopf und nicht in die Brust schießen soll. Ist es nicht selbstverständlich, dass ich jemanden nicht direkt ins Gesicht schießen möchte?

Der Einzige, der offenbar Bescheid weiß, ist Tobias, ein Schüler von Madison. Er gibt ihr Tipps und Hinweise darüber, was sich aktuell abspielt und hilft ihr in einer brenzligen Situation. Nach ein paar Episoden verschwindet er mit einem Schulbus, wenn ich mich richtig erinnere, und leider sehen wir ihn bis zum Finale nicht wieder. Ich hoffe sehr, dass wir ihm wieder begegnen, da er ein wichtiger Bestandteil der Gruppe sein könnte, er hat einen gewissen Charme und außerdem möchte ich mehr über diesen mysteriösen Charakter erfahren. Vielleicht befindet er sich ja auf dem CGI-Schiff von Strand, das wir am Ende der letzten Episode sehen mussten.

Wenn ich Dinge auflisten müsste, die mich an der Serie am meisten gestört haben oder die immer wieder negativ aufgefallen sind, dann sind dies definitiv so manche Entscheidungen und Reaktionen von bestimmten Charakteren. Travis scheint sich zum Beispiel null für seinen Sohn zu interessieren und wenn dieser ihm ein Video von eventuell Hilfe suchenden Menschen zeigen möchte, kann er sich keine Minute Zeit nehmen, um sich das mal kurz anzusehen. Innerhalb weniger Folgen entwickelt sich Travis dann zu einem richtigen Draufgänger und Gewalttäter, was ich für zu schnell und gezwungen halte. Diese Entwicklung hätte man durchaus noch in die zweite Staffel mitnehmen können. Chris’ Entwicklung dagegen gefällt mir ziemlich gut. Er wird immer weiter in die Geschehnisse eingebunden, auch wenn er zum Schluss von den anderen mit Alicia im Auto gelassen wird – wer bitte lässt seine Kinder einfach mal so kurz zurück, während die Apokalypse im Gange ist?

Dann ist mir noch sauer aufgestoßen, dass das Militär zu schwach und hilflos dargestellt wird. Wenn sich alle Stationen so verhalten wie die gezeigten, wundert es mich nicht, dass wir Menschen keine Chance gegen eine Horde Zombies haben. Sobald mehr als zehn davon vor dem Zaun stehen, wissen die ausgebildeten Spezialeinheiten nichts Besseres zu tun, als einfach mal drauf loszuballern. Das haben selbst Rick und seine Gruppe in TWD besser gelöst und Zombie für Zombie einzeln mit einem Kopfschuss oder besser noch lautlos mit einem Messer erledigt. Außerdem haben Militärs doch sicher ein paar Raketen und Granaten herumliegen, die sich besonders toll dafür eignen, viele Zombies auf einen Schlag zu eliminieren.

Der letzte negative Punkt, den ich hier erwähnen möchte und der sich auch immer weiter hochgeschaukelt hat bei mir, ist die Tatsache, wie lange Nick mit den gestohlenen Altmännersachen herumläuft. Es dauert eine Ewigkeit, bis er sich zumindest mal ein frisches T-Shirt anzieht. Es hätte sich mehr als eine Gelegenheit geboten, mal etwas anderes anzuziehen, zum Beispiel als er zu Hause war? Trost spendet hier eindeutig die darstellerische Leistung von Frank Dillane, der den Charakter überzeugend spielt, und es wird mit der Zeit auch deutlich, wie abhängig Nick wirklich ist. Anfangs war ich mir noch etwas unsicher, doch später klaut er sich selbst das Morphin von sterbenden Menschen und seine Mutter reagiert entsprechend schockiert darauf. In dieser Situation und mit dem Stress, dem sie ausgesetzt ist, erscheint mir ihre Reaktion durchaus nachvollziehbar. Ich bin sehr neugierig auf Nicks weitere Entwicklung. Ist er nach dem Aufenthalt im Militärkomplex clean oder zumindest so weit, dass er sich gegen weitere Drogen entscheidet? Wird er ein wertvoller Teil der Gruppe und nicht nur eine Last, die mitgeschleppt werden muss? Und natürlich die wichtigste Frage: Wann zieht er sich was Anständiges an?

Positiv überrascht bin ich von der neuen Figur des Strand. Er hat eine gewaltige Präsenz und ist eine spannende, mysteriöse Figur, die uns hoffentlich noch länger begleitet. Seinem Haus, den Anzügen und vor allem seinem Schiff nach zu urteilen hat er eine Menge Geld und ich bin noch nicht überzeugt, dass er sich das Ganze in Las Vegas erspielt hat. Könnte er eventuell ein Auftragsmörder sein?

Alles in allem war die Staffel okay, doch nicht überragend. Zum Ende hin konnte sie sich noch einmal steigern, doch wirklich überzeugt bin ich noch nicht. Es sind auf jeden Fall noch viele Fragen offen, die ich beantwortet haben möchte, und die Findungsphase haben sie mit dieser Staffel hoffentlich abgehakt.

Wenn ihr euch noch mehr zum Thema FTWD anhören wollt, kann ich euch sehr den Podcast der Serienjunkies empfehlen. Die Redakteur*innen nehmen sich darin jede Episode einzeln vor. Dabei entstehen unterhaltsame Diskussionen, denen man gut lauschen kann und die das ein oder andere Detail zutage befördern, auf das man vielleicht nicht geachtet hat. Sie werden auch die kommenden Episoden von The Walking Dead begleiten.

Geek-Planet | Alex, Ada und die Suche nach Identität

Wie jeden Donnerstag werfen wir auch heute wieder einen Blick in die Vergangenheit. Genauer gesagt auf den 28. Dezember 2016. An dem Tag habe ich den folgenden Text auf meinem damaligen Blog »Geek-Planet« veröffentlicht, den es heute allerdings nicht mehr gibt. Trotzdem sollen alle meine Texte weiterhin auffindbar sein. Also redigiere ich jede Woche einen alten Text und versehe ihn mit einer kleinen Einleitung.

Der Comic Alex + Ada hat mich eine ganze Weile lang verfolgt. Erst habe ich die einzelnen Ausgaben gelesen, wenn ich mich recht erinnere und schließlich die Collected Editions. Ich habe den folgenden Text dazu geschrieben, der sich sehr auf die Welt und die moralischen und philosophischen Aspekte des Comics konzentriert. Im Laufe des Studiums habe ich zudem eine Arbeit mit zwei Kommilitonen darüber verfasst. Vielleicht finde ich diese noch irgendwo auf einem externen Laufwerk.

Manche Geschichten bleiben einem sehr lange im Gedächtnis. Sei es wegen der einzigartigen Welt, die sie erschaffen oder aufgrund der mitreißenden Charaktere. Alex + Ada meistert beide Aspekte mit Bravour und schafft so viel mehr. Ich denke, der Comic macht auch heute noch eine gute Figur und ist aktueller denn je. Er wirft Fragen auf, mit denen wir uns zwangsweise irgendwann auseinandersetzen müssen. Ob wir es wollen oder nicht.


Bei »Alex + Ada« handelt es sich um einen 15-teiligen Comic aus dem Hause Image. Alex ist ein Einzelgänger, der täglich seiner Arbeitsroutine nachgeht und gerade eine Beziehung hinter sich hat. Seine andauernde melancholische Stimmung besorgt nicht nur Kollegen, sondern auch seine Großmutter. Deshalb hat sie sich dazu entschieden, ihm einen Androiden zu schenken, der ihm Gesellschaft leisten soll. Sie selbst hat ebenfalls einen und ist sehr zufrieden damit. So steht, gegen den Willen von Alex, eines Tages Ada vor seiner Tür. Schnell stellt sich aber ein Bedürfnis nach mehr ein, ein Bedürfnis, Ada besser kennenzulernen. Er entscheidet sich für einen in dieser Welt illegalen Schritt: Ada die Fähigkeit zu geben, Gefühle zu empfinden.

  • Story, Script: Sarah Vaughn
  • Story, Illustrations, Letters, Design: Jonathan Luna

“Now is the time to stay together and not let fear drive us apart.”

Zuvor die steife Androidin, die jeden Befehl ausführen musste, der ihr gegeben wird, kann Ada nun für sich selbst entscheiden. Doch das ist leichter gesagt als getan, denn dazu muss Ada erst einmal herausfinden, was sie möchte. Welche Themen interessieren sie? Was will sie mit ihrem neu gewonnenen Leben oder besser gesagt mit ihrer neuen Freiheit machen? Für uns Menschen mögen dies zwar auch schwierige Fragen sein, doch wir wachsen langsam in die Gesellschaft hinein und können uns mit ihr und diesen Fragen auseinandersetzen.

Betrachten wir einmal diese Androiden. Sie kommen mehr oder weniger vom Fließband. Jeder und jede von ihnen wird mit individuellen Eigenschaften ausgestattet, genau so, wie es ihre zukünftigen Meister haben wollen. Wenn man diese Kreationen dann mit der Fähigkeit ausstattet, selbst zu entscheiden, muss man sich in diesem Zusammenhang immer bewusst machen, dass sie eigentlich Kinder sind. Einerseits körperlich komplett entwickelt, andererseits mit einem neugierigen Geist, der sich ständig weiterentwickelt und heranreift. Eine äußerst interessante Frage, die damit aufgeworfen wird, ist, ob sie schon voll Zurechnungsfähig sein kann? Zwar sind alle Androiden mit viel Wissen ausgestattet, doch haben sie keinerlei Lebenserfahrung. Ab wann kann man solche Androiden auf die Welt loslassen, ohne von jemand kompetenten geleitet zu werden, wie in einer Art Schule?

Was mich in diesem Zusammenhang ebenfalls beschäftigt, ist, dass manche erst nach Jahren der Gefangenschaft ihre Selbstständigkeit geschenkt bekommen. Natürlich werden viele ordentlich behandelt, was auch immer dies bedeuten mag, doch wie sieht es mit denen aus, die misshandelt und missbraucht werden. Androiden nehmen ihr gesamtes vergangenes Wissen und ihre Erfahrungen mit. Wenn einem nun plötzlich tatsächlich bewusst wird, was der Besitzer angestellt hat, muss dies ein immenser Schock sein. Wäre es an dieser Stelle nicht besser, wenn Androiden ihre Freiheit mit einem weißen Blatt anfangen könnten, ohne Vorbelastung?

Ada muss sich allerdings mit einer weiteren Komponente oder Frage auseinandersetzen, die ihre Zukunft prägt: Was bedeutet es überhaupt, ein Mensch zu sein? Ist diese Frage für sie als Androidin überhaupt interessant? Muss sie nicht eher entdecken, was es bedeutet, sie selbst zu sein. Nur weil sie menschlich konstruiert wurde, muss sie nicht so agieren wie ein Mensch. Diese Problematik hat mich äußerst begeistert, als ich den Comic gelesen habe, da man sich eigentlich nie darüber Gedanken macht, dass ein Roboter Individualisierungen vornehmen möchte – über sich selbst bestimmen. Im Prinzip eine ganz menschliche Eigenschaft. Manche der Androiden ändern ihr Geschlecht, ihre äußere Erscheinung und wollen oft gar nicht so aussehen wie ein Mensch. Ebenso spielt eine zentrale Rolle, mit wem ein Android eine Beziehung eingehen möchte. Auch das spiegelt sich in dem Verhältnis zwischen Alex und Ada wider. Wir Menschen spielen uns als Götter auf und diktieren diesen Wesen, ob sie männlich, weiblich oder überhaupt wie Menschen aussehen sollen. Immerhin sind es unsere Kreationen und sollen so handeln und auftreten, wie wir das wollen, oder nicht?

Sarah Vaughn geht aber noch einen Schritt weiter und schafft eine Welt, in der fühlende, freie Androiden verboten sind. Grund ist ein Vorfall, bei dem ein Amoklauf eines eben solchen Androiden dazu geführt hat, dass Menschen ihr Leben verloren haben. Als Folge wurde diese Funktion standardmäßig deaktiviert, obwohl sie stets im Programm vorhanden ist. Dies bedeutet, dass Alex und Ada vom ersten Schritt, den sie in diese Richtung machen, Verbrecher sind. Verfolgt von der Regierung, von vielen Menschen verachtet, darunter auch von Freunden. Sie müssen sich verstecken und Ada so tun, als wäre sie ein »normaler« Roboter vom Band, der tut, was man ihr sagt.

Kommen wir aber noch einmal zurück zur Programmierung. Der Teil des Codes, der Androiden empfindungsfähig macht, ist in allen vorhanden. Und es gibt viele tausend, wenn nicht Millionen dieser Kreationen. Hat man dann nicht die moralische Pflicht, diesen Schalter umzulegen und so diesen fantastischen Wesen eine Chance zu bieten, ihr eigenes Leben zu entdecken? Oder stellen wir uns diese Frage nur, weil Ada und viele andere (nicht alle!) genauso aussehen wie Menschen? Würde das gleiche Bedürfnis in uns wach werden, wenn sie nicht menschenähnlich wären?

Da fällt mir eine der wohl besten Episoden aus »Star Trek: The Next Generation« ein, die sich genau mit dieser Thematik auseinandersetzt: Measure of a man. Darin steht ein Wissenschaftler kurz davor, das Geheimnis hinter Datas Gedächtnis zu entdecken, doch für den letzten Schritt muss er diesen in seine Bestandteile zerlegen, ohne Garantie, dass Data danach noch funktioniert. Daraufhin wünscht Data aus der Föderation auszutreten, da dies die einzige Möglichkeit ist, der Prozedur zu entgehen. Doch dieser Schritt wird ihm verwehrt. Im Folgenden wird verhandelt, ob Data eigenständig entscheiden darf oder ob er nicht Besitz der Föderation ist. Guinan, dargestellt von der wunderbaren Whoopi Goldberg, berät Captain Picard, der Data in der Verhandlung vertritt. Sie eröffnet dabei den entscheidenden Punkt, indem sie eine Frage stellt: Wenn man vorhat, viele weitere Androiden nach dem Vorbild von Data zu erschaffen, sodass jedes Föderationsschiff und viele Stationen einen bekommt, was erhält man dann? Genau, eine neue Rasse. Eine Rasse, die dazu geschaffen wurde, als Sklaven zu arbeiten.

»Alex + Ada« schafft es gekonnt, diese Fragen aufzuwerfen, ohne konkrete Handlungsvorschläge zu liefern. Es ist lediglich ein Anreiz, sich damit auseinanderzusetzen. Denn schließlich müssen wir uns als Gesellschaft früher oder später mit solchen und ähnlichen Fragen auseinandersetzen. Ansätze kann man schon in diversen Science-Fiction-Werken finden. Am bekanntesten sind wohl die drei Robotergesetze von Isaac Asimov. Doch diese sind auch wieder sehr auf den Menschen zentriert und nicht unbedingt auf die Freiheit unserer Kreationen.

Als Abschluss will ich aber nochmal auf den konkreten Inhalt zu sprechen kommen und nicht nur auf die philosophischen Fragen eingehen, die aufgegriffen werden. Die Welt, die Sarah Vaughn und Jonathan Luna schaffen, ist äußerst glaubwürdig. Kleine Erfindungen, die das Leben einfacher machen und zum Beispiel die Kommunikation erleichtern, könnten in greifbarer Nähe sein. Am meisten begeistern allerdings die Dialoge zwischen den einzelnen Charakteren. Sie wirken echt und glaubwürdig, konzentrieren sich auf das wesentliche und werden durch Handlungen unterstrichen. Besonders gut funktionieren die Storyelemente, die die Loyalität von so manchen Freunden und Familienmitgliedern infrage stellen. Doch trotz der spannend erzählten Geschichte wirkt das Ende etwas zu gehetzt. Ein großer Zeitsprung spielt dabei eine zentrale Rolle und wie in der Situation der Charakter Alex behandelt wird, finde ich nicht nachvollziehbar.

Die Zeichnungen sind, im Gegensatz zur mitreißenden Geschichte, eher zurückhaltend gestaltet. Sie versprühen ein bisschen den Eindruck eines Unterstatements. Einzelne kleine Bewegungen oder Augenblicke laufen über mehrere Panels und bringen eine Ruhe in die Handlung. Auch die Hintergründe, die unaufgeregt, fast schon steril aussehen, führen dazu, dass man sich mehr auf die Mimik und Gestik der Charaktere konzentriert. »Alex + Ada« ist ein herausragender Comic, der auf allen Ebenen überzeugt. Ein bisschen enttäuschend ist zwar das Ende, aber ist nicht bekanntlich die Reise das Ziel?

Geek-Planet | Invincible #20 bis #30

Es ist Donnerstag und damit werfen wir einen Blick in meine Blogger-Vergangenheit. Genauer gesagt auf den 30.12. 2016. Da erschien der folgende Text auf meinem damaligen Blog »Geek-Planet«, den es heute allerdings nicht mehr gibt. Ich möchte trotzdem alle meine Texte an einer Stelle versammelt wissen. Deshalb redigiere ich jede Woche einen alten Text von mir, versehe ihn mit einer kleinen Einleitung und veröffentliche ihn hier erneut.

Der Zeichnungsaspekt, auf den ich im folgenden Text gelegentlich eingehe, ist ziemlich interessant. Vor allem im Kontext von Invincible. Es gibt Comics, die über Jahre laufen und sich mehr oder weniger nicht verändern. Saga sei hier als Beispiel genannt, auch wenn ich schon lange keinen Blick mehr reingeworfen habe. Allerdings hat Fiona Staples einen so grandiosen Stil, dass er zeitlos wirkt und stets auf einem hohen Niveau agiert hat. Ryan Ottley, der sich für den Hauptteil von Invincible verantwortlich zeichnet, merkt man die Entwicklung über die Jahre deutlich an. Es ändern sich Stile und Techniken, die Art, wie die Farben von Bill Crabtree eingesetzt werden, variiert. Wenn man von Invincible die letzte und die erste Ausgabe in der Hand hat, merkt man die Entwicklung deutlich. Ich mag das sehr gerne. Deshalb lese ich beispielsweise auch gerne Webcomics, weil man die Entwicklung der Künstler*innen live mitbekommt. Es ist schön zu sehen, wie jemand in seiner Kunst aufgeht, sich verbessert oder herausfindet, was am besten funktioniert.


In »the facts of life«, dem fünften Handlungsbogen des fantastischen Comics Invincible, bekommen wir unter anderem die Nullnummer geliefert. Außerdem erhalten wir für diverse Charaktere eine Origin-Story und erfahren so, warum sie zu den Helden wurden, die sie heute sind. Der letzte Handlungsbogen für dieses Jahr ist dann schließlich »a different world«.

#20 bis #25, #0: the facts of life

Ich bin mir nicht sicher, wieso, wahrscheinlich aufgrund der Zeichnungen, allerdings nehme ich Invincible als diesen locker lässigen Comic hin, der für seichte Unterhaltung gut ist. Dies ist insofern interessant, als die Geschichten dann doch, so witzig und schräg sie teilweise sein mögen (man denke nur an die beinahe-Heirat zwischen Mark und Aquaria), so ernst und überraschend tiefsinnig kann eine Handlung ausfallen. So zum Beispiel Marks naive Herangehensweise, als ihn Titan darum bittet, ihn dabei zu unterstützen, Machine Head zu stürzen. Dabei handelt es sich um einen DER Verbrecherbosse der Stadt. Natürlich macht es Titan nicht ganz uneigennützig. Als die beiden den Schurken, der an Black Mask aus den Batman-Comics erinnert, überwältigt haben, übernimmt Titan kurzerhand die frei gewordene Position. Weder Mark noch Cecil bekommen davon etwas mit. Man sollte einem plötzlichen Gesinnungswechsel eines bekannten Verbrechers eben doch nicht so einfach Vertrauen schenken.

Eine andere schockierende Geschichte ist, als Rick, ein Freund von Mark und William, entführt wird. Eines Tages, als er nach Hause kommt, wird er einfach bewusstlos geschlagen. Wie sich herausstellt, steckt Sinclair dahinter, doch dies erfahren nur wir Leser, die Protagonisten bleiben im Dunklen. Hier offenbart sich eine der grausamsten Fantasien, die man sich so vorstellen kann. Rick wurde von dem Schurken an eine Apparatur angeschlossen, die mit seinem Gehirn und anderen Teilen seines Körpers verbunden ist. Hinzu kommt, dass ein Arm amputiert wurde und er bei vollem Bewusstsein gefoltert wird. Diese überraschenden Momente, die niemals auch nur ansatzweise angedeutet werden, sondern den Leser*innen einfach vor das Gesicht geknallt werden, machen Invincible zu so einem tollen, unvorhersehbaren Comic.

Doch auch die Beziehung zwischen den einzelnen Charakteren ist einwandfrei ausgearbeitet und man hofft immer wieder mit den Protagonisten, dass sie die Situation gut hinbekommen. So zum Beispiel als Mark seiner Freundin Amber davon erzählen will, dass er Invincible ist. Die gesamte #0 Ausgabe ist dieser Prämisse gewidmet und Mark erzählt ihr alles, selbst die Geschichte über seinen Vater, was ihm sichtlich guttut. Schließlich werden seine Mühen mit Sex belohnt. Es scheint so, als würde das mit den beiden etwas Langfristiges werden.

Im ersten Teil der 25. Ausgabe bekommen wir schließlich so einige Origin-Storys geliefert. Monster Girl, Rex Splode, The Immortal und Atom-Eve bekommen alle auf jeweils zwei bis drei Seiten ihre bisherige Lebensgeschichte zusammengefasst und wie sie zu den Kräften gekommen sind, die sie heute haben. Es ist ein interessanter Einblick, und Robert Kirkman selbst schreibt als Erzähler, dass man dadurch vielleicht den ein oder anderen Charakter in einem neuen Licht sieht. So bekommt Rex, der bisher eher arrogant und selbstsüchtig rübergekommen ist, eindeutig mehr Tiefe und wird interessanter.

#25 bis #30: a different world

Mark ist ein großer Fan des Comics »Sience Dog«. Deshalb ist er umso überraschter, als dieser eines Tages leibhaftig vor seiner Tür steht und ihn darum bittet, ihn auf seinen Heimatplaneten zu begleiten. Es stellt sicher heraus, dass Science Dog nur eine Verkleidung ist, um das Vertrauen von Mark leichter zu erhalten. In Wahrheit sieht das Alien sehr insektenartig aus. Gegen den Wunsch von Cecil begleitet Mark den Außerirdischen zu seinem Planeten, um dem Volk zu helfen.

An dieser Stelle wird ein interessanter Aspekt aufgegriffen. Denn Mark arbeitet ja an sich für die Regierung, in Form von Cecil. Dieser koordiniert seine Einsätze und bezahlt ihn dafür. Es ist aber schon erstaunlich, wie sehr Cecil meint, Mark zu besitzen. Bisher habe ich ihre Beziehung immer so verstanden, dass Cecil es ihm ermöglicht, Gutes zu tun, indem er ihm Geld gibt und durch die Uni bringt. Der Arbeits- und Besitzaspekt kommt nun etwas schnell und direkt zur Sprache. Es wird interessant werden, ob dies in Zukunft noch einmal eine Rolle spielt und für einen Bruch zwischen den beiden führt.

Auf dem Planeten des Aliens bekommt Mark erst einmal eine ziemlich große Überraschung serviert, denn sein Vater begrüßt ihn. Dieser hat sich vollkommen von den Viltrums abgewandt und sucht inzwischen ein ruhiges Leben auf diesem Planeten. Nachdem was er getan hat, kann er unmöglich zur Erde zurück. Nolan hat sogar eine neue Familie begründet, womit Mark jetzt einen Halbbruder hat. Ich will mir gar nicht vorstellen, wie Nolan und Andressa, die insektenartige Frau von Nolan, dieses Kind gezeugt haben, aber es hat Eigenschaften von beiden Spezies. Dadurch hat es eine violette Haut und altert schneller (die Bewohner des Planeten haben eine Lebenszeit von gerade einmal neun Monaten). Doch Oliver, so tauft Debbie später das Kind, altert langsamer, je älter er wird (eine Eigenschaft der Viltrum-Seite), wodurch der Effekt mehr als ausgeglichen wird.

Nach einem überraschend klärendem Gespräch zwischen Mark und seinem Vater kommt es zu einem Angriff von vier Kriegern aus Viltrum. Der Kampf ist brutal, schnell und Mark kommt nur knapp mit dem Leben davon. Nolan gelingt es zwar, einen zu töten, doch er wird schließlich gefangen genommen. Da sich Mark in dem Kampf mehr oder weniger gut gehalten hat, wird er von den ankommenden Kriegern kurzerhand zum Beauftragten der Erde erklärt und bekommt 100 Jahre Zeit, den Planeten für die Invasion bereitzumachen.

Da Andressa bald sterben wird, gibt sie Mark ihr Kind mit, damit es ein besseres Leben hat, als es auf diesem Planeten möglich wäre. Dadurch wird Debbie zwar wieder die Möglichkeit genommen, einen Job und damit ein eigenständiges Leben aufzubauen, doch die Erziehung von Oliver wird sicher auch interessant, vor allem da er eine Tutorin von Cecil gestellt bekommt. Denn mit der violetten Haut kann er sich nicht auf die Straße trauen.

»a different world« ist eine schöne Geschichte, die eine Versöhnung zwischen Mark mit seinem Vater ermöglicht. Es bleibt spannend, ob Mark einen Rettungsversuch unternimmt und wie sich Oliver entwickelt. Doch auch die Beziehung zwischen Mark und Amber hat etwas von seiner zweimonatigen Abwesenheit gelitten. Amber ist dies nicht gewohnt und weiß nicht, mit wem sie reden soll. Dabei würde es sich durchaus anbieten, dass sie sich mit Debbie auf eine Seite schlägt, da diese das alles schon einmal durchgemacht hat und ihr sicher ein paar Tipps geben könnte.

Bald ist es geschafft und das erste Compendium, welches die ersten 47 Ausgaben von Invincible enthält, ist durchgearbeitet. Bis jetzt gefällt der Comic ziemlich gut, weil er nicht nur diverse popkulturelle Referenzen enthält und sich darüber lustig macht, sondern auch weil der Ansatz eines Superheldencomics ein anderer ist. Die Zeichnungen gefallen, vermitteln einen tollen Eindruck der Welt und setzen die Charaktere gekonnt in Szene.

Geek-Planet | Young Justice

Wie jeden Donnerstag werfen wir auch heute wieder einen Blick in die Vergangenheit. Genauer gesagt auf den 16. Januar 2015. Damals erschien der folgende Text auf meinem Blog »Geek-Planet«, den es heute allerdings nicht mehr gibt. Trotzdem möchte ich alle meine Texte an einem Ort versammelt wissen. Deshalb redigiere ich jede Woche einen Text, versehe ihn mit einer kleinen Einleitung und veröffentliche ihn hier erneut.

Ach, Young Justice. Eine der Serien, die von der Geschichte etwas falsch behandelt wurde. Die ersten beiden Staffeln erhielten viel Lob für die herausragende Qualität und weil sie eine durchaus komplexe Geschichte zu erzählen wussten. Es war keine typische Kinderserie. Auch als Erwachsener konnte man sich viel aus den Folgen herausholen. Die Themen waren zum Teil anspruchsvoll. Schade, dass sie zu früh abgesetzt wurden.

Später wurde die Serie zwar auf DC Universe und HBO fortgesetzt, doch beide Plattformen oder Streaming-Dienste sind nicht weltweit verfügbar oder nur mit Umwegen zu abonnieren. Das dämpfte wahrscheinlich den Erfolg etwas. Ich warte noch heute, dass der nunmehr auf Comics spezialisierte Dienst DC Universe Infinite in Europa ausgerollt wird. Seit Jahren wird versprochen, dass man sich um einen weltweiten Zugriff kümmert, doch passiert ist quasi nichts. Was sehr schade ist. Der Dienst hätte durchaus seinen Reiz. Leider wurden die Superhelden-Serien und -Filme daraus gestrichen und woanders untergebracht, was es noch einmal schwieriger macht. Doch das soll den guten Erinnerungen an die ersten beiden Staffeln von Young Justice keinen Abbruch tun. Immerhin habe ich mir damals die Blurays dazu geleistet und hatte viel Freude mit der Serie. Sie ist ein guter Einstieg in das Universum, wie ich finde, da man viel vom DC-Universum mitbekommt. Ankerpunkt bleibt aber dennoch das Team rund um die jungen Held*innen.


Um mein Wissen bezüglich des DC-Universums zu verfeinern und weiter auszubauen, habe ich mir ein paar Animationsserien zugelegt, welche den Ruf haben, als eine der Besten zu gelten. Mit dreidimensionalen Charakteren und guten Handlungssträngen. Außerdem sollten sie natürlich nicht zu – »kindisch« ist vielleicht das falsche Wort – einfach gestrickt sein. Den Anfang bildet also Young Justice. Mal sehen, ob die Serie hält, was sie verspricht.

»You’re overwhelmed, Freeze was underwhelmed; Why isn’t anyone ever just whelmed?« – Robin

Young Justice lief von Ende 2011 bis Anfang 2013 und kam dabei auf zwei Staffeln mit insgesamt 46 Episoden. Leider wurde die Serie danach eingestellt, auch wenn mir scheint, dass sie hervorragende Kritiken bekam und von Fans gefeiert wurde. Ich gehöre nun auch dazu, denn die Autor*innen haben eine komplexe, lebendige Welt geschaffen, die ich gerne weiter erkunden möchte. Offene Handlungsbögen müssten abgeschlossen und Charaktere weiter ausgebaut werden.

Die Serie ist im Prinzip die Origin-Story der Teen Titans und die ersten Mitglieder setzen sich aus Robin, Aqualad, Kid Flash, Superboy, Miss Martian und Artemis zusammen. On/Off-Mitglieder sind in späteren Folgen Speedy/Arsenal und Zatanna. Außerdem findet Superboy zwei ungewöhnliche Haustiere. Diese Zusammensetzung finde ich äußerst spannend, da ich die meisten nur flüchtig oder gar nicht kannte (außer natürlich Robin) und so hatte ich die Gelegenheit, ihre Geschichte quasi live mitzuerleben.

Wie erwähnt schaffen es die Autor*innen allen Charakteren genügend Raum zu geben, damit sie sich entwickeln können. Niemand der Protagonisten ist am Ende von Staffel eins derselbe wie am Anfang. Auch wird das Verhältnis zwischen den Mitgliedern genauer behandelt, was nicht nur zu Streitereien, sondern auch zu Beziehungen führt. Die Atmosphäre ist genauso abwechslungsreich wie die Handlung selbst. Von lustig, spannend, traurig über schockierend hin zu unvorhersehbaren Twists hat die Serie viel zu bieten und ich bin froh sie entdeckt zu haben. Da die einzelnen Folgen jeweils nur 20 Minuten dauern, ist man allerdings auch gleich wieder am Ende angelangt.

Die zweite Staffel macht zeitlich einen Sprung nach vorne, und zwar um fünf Jahre. Es werden erwachsenere Mitglieder von Young Justice gezeigt, die sich weiterentwickelt und sich teilweise komplett neue Identitäten aufgebaut haben. Hier hätte es mir gefallen, in späteren Staffeln die Zeit dazwischen mitzuerleben oder gezeigt zu bekommen, was sie durchgemacht haben. Warum haben sich manche so stark verändert und manche weniger?

Technisch ist die Serie toll umgesetzt. Die Animationen sehen gut aus und die Sprecher leisten eine hervorragende Arbeit. Vielleicht gibt es mal wieder eine Serie, die in diesem Universum spielt und ähnlich aufgebaut ist – man kann nur hoffen.

Geek-Planet | Invincible #9 bis #19

Wie jeden Donnerstag werfen wir auch heute wieder einen Blick in die Vergangenheit. Genauer gesagt auf den 23. Dezember 2016. An diesem Tag erschien der folgende Text auf meinem damaligen Blog »Geek-Planet«, den es heute allerdings nicht mehr gibt. Trotzdem ist es mir ein Anliegen, dass alle Texte von mir auffindbar sind und bleiben. Deshalb erscheinen sie nach und nach auch hier.

Kurz vor Weihnachten habe ich mir damals scheinbar einige Comics von Invincible zu Gemüte geführt. Aber ein Talent von Robert Kirkman ist es, spannende, fortlaufende Geschichten zu erzählen. Deshalb habe ich sowohl bei The Walking Dead als auch bei Invincible und seinen anderen Comics immer gerne größere Collected Editions gelesen. So kann man noch tiefer in die Geschichte eintauchen und sie genießen. Es entwickelt sich ein eigener Rhythmus.

Was Invincible ebenfalls zu einem kurzweiligen Vergnügen gemacht hat, waren die Easter Eggs, die Robert Kirkman eingebaut hat. Seien es Anspielungen auf Star Trek, die Justice League oder sonstige kleine Hinweise auf andere popkulturelle Erzeugnisse. Es macht Spaß, diese zu suchen und bei jedem neuen Durchgang etwas Neues zu entdecken. Es ist eine Hommage an das, was vorher kam und wovon sich die Geschichte zu einem Teil vielleicht hat inspirieren lassen.


Heute geht es weiter mit den nächsten Storylines von Invincible. Dabei bekommt die Mutter endlich mal etwas mehr zu tun und Mark begegnet einem Charakter wieder, der eigentlich verschollen geglaubt war.

  • Autor: Robert Kirkman
  • Künstler & Cover: Cory Walker, Ryan Ottley
  • Inker: Cliff Rathburn
  • Letterer: Rus Wooton
  • Colorist: Bill Crabtree

#9 bis #13: perfect strangers

Mark ist großer Comic-Fan und zufällig entdeckt er, dass einer seiner Lieblingsautoren in einem Comic-Shop Autogramme gibt. An dieser Stelle macht sich Kirkman etwas über die Art, wie Comics gemacht werden, lustig. Es geht um das Thema, dass gelegentlich die gleichen Panels verwendet werden, wenn man eine Handlung hinauszögern möchte – eine Technik, die die Künstler natürlich stark einsetzen, wenn es zur Sprache kommt. Ein netter kleiner Seitenhieb.

Draußen im Weltraum sehen wir den Inspekteur aus #5 wieder, der gerade dabei ist ein Raumschiff zu retten, dass in einen Stern zu stürzen droht. Die Charaktere auf der Brücke erinnern stark an Picard, Ricker, Troy und Data – einfach fabelhaft! Schließlich erfahren wir, dass Nolan tatsächlich für den Tod der Guardians of the Globe verantwortlich ist. Mark beobachtet ihn, wie er gerade The Immortal zum zweiten Mal tötet (ja, richtig zum zweiten Mal!). Natürlich stellt er ihn direkt zur Rede und es stellt sich heraus, dass die Geschichte, die er Mark über sein Volk aufgetischt hat, nicht ganz der Wahrheit entspricht. Viltrum gibt es zwar tatsächlich, doch es hat dort einen brutalen Krieg gegeben, dessen Ziel es war, die Schwächsten unter ihnen auszulöschen. Die Hälfte, die dann übrig geblieben ist, hat sich aufgemacht, um ein Imperium zu gründen, und wer sich ihnen nicht anschließen will, wird vernichtet. Aufgrund der Truppenknappheit hat man später entschieden, immer nur eine Führungspersönlichkeit pro Planet einzusetzen, der diesen auf die Invasion vorbereiten soll.

Was Nolan über seine Frau und Mark sagt, ist verletzend und verstörend – sie bedeuten ihm nichts. Jedoch bin ich mir nicht zu 100 % sicher, ob das auch so zutrifft. Allerdings zeigt er Mark, bei der anschließenden Auseinandersetzung (der Sohn widersetzt sich dem Vater, der mit ihm über die Galaxis herrschen möchte – kommt doch auch irgendwie bekannt vor), wie stark er wirklich ist. Es tut wirklich weh, den beiden zuzusehen, genauer gesagt Nolan dabei tatenlos beobachten zu müssen, wie er seinen eigenen Sohn beinahe zu Tode prügelt. Blut spritzt, Knochen brechen und tausende Zivilisten sterben zwischen ihnen – doch irgendwann verschwindet Nolan einfach und der grausame Anblick eines buchstäblich gebrochenen Mark, brennt sich in das Gehirn des Lesers.

Cecil Stedman, der mit Nolan zusammengearbeitet hat und der mächtigste Mann der Welt ist, den aber keiner kennt, rekrutiert Mark als Ersatz. Der junge Held soll an dessen Stelle weltweit Einsätze fliegen und Menschen retten, dafür bekommt er ein volles Stipendium und die Regierung kümmert sich um seine Mutter, was Finanzen und so anbelangt. Auch etwas Seltenes, dass sich die Regierung in solchen Geschichten so herzlich um jemanden kümmert.

#14 bis #19: head of the class

Reden wir mal kurz über den Charakter, der mir am meisten Probleme bereitet und zwar in der Hinsicht, wie dieser innerhalb der Geschichte bisher so behandelt wurde: Marks Mutter Debbie. Es ist verständlich, dass sie, nachdem was Nolan alles über sie und Mark gesagt hat, verzweifelt ist und einen Nervenzusammenbruch erleidet. Allerdings entwickelt sie weiterhin nichts Eigenes. Sie macht Mark Vorwürfe für das, was geschehen ist, und bekommt ein ernsthaftes Alkoholproblem. Dies ist noch nicht das Problem, sondern das Problem ist, wie die anderen Charaktere mit dieser Tatsache umgehen. Art zum Beispiel macht sich nicht viel Sorgen um sie und sagt zu Mark, er soll ihr nur etwas mehr Zeit geben, statt sie darauf anzusprechen und ihr die Flaschen wegzunehmen. Genauso könnte ihr Cecil einen Therapeuten zur Verfügung stellen, denn es ist sicher nicht das erste Mal, dass etwas in der Richtung passiert ist – er ist doch sonst immer auf alles Mögliche vorbereitet.

Das Gute ist, dass es innerhalb der Geschichte einen Lichtblick gibt. Zwar nur kurz, aber es gibt ihn. Debbie trifft sich mit der Frau von Superpatriot, zufällig, da diese ebenfalls die Ansprechpartnerin des Verlages ist, wo Nolan unter Vertrag stand. Die beiden kommen ins Reden, und Claire scheint zu einer engen Freundin von Debbie zu werden. Jedoch wird dies nicht weiter verfolgt oder verläuft etwas im Sand, was ich äußerst schade finde, da sich daraus etwas Gutes hätte entwickeln können.

Ein witziger Aspekt und eine nette Anspielung auf Star Trek ist das Teleportieren. Es ist eine experimentelle Technologie, die Cecil nur allzu gerne bereit ist zu testen. Einziger Nachteil ist, dass es jedes Mal wenn er sich teleportieren lässt, eine Unmenge an Geld kostet, aber wenn es der Steuerzahler bezahlen muss, ist es ja halb so schlimm. Dies entwickelt sich zu einem echten running gag, der immer wieder funktioniert, weil es einfach zu Cecils Persönlichkeit passt.

Ein letzter Aspekt, den ich bei dieser Geschichte noch ansprechen möchte, ist das Verhalten von Superhelden in der Öffentlichkeit. Denn nach einer Invasion von Aliens helfen diese bei den Aufräumarbeiten. Eine Tatsache, die man nicht so oft zu Gesicht bekommt, da die meisten verschwinden, sobald die Gegner besiegt wurden. Außerdem helfen sie bei der Entwicklung neuer Technologien mit. Es wird nämlich eine Mission zum Mars geflogen und Mark soll unauffällig mitfliegen, nur für den Fall, dass etwas passiert. Eine eigentlich logische Methode, die ebenfalls oft untergeht.

»head of the class« ist eine gekonnte Fortsetzung von den Abenteuern von Invincible, wo auch so einige Nebenhandlungen in Stellung gebracht werden. So erleben wir nicht nur einen dämonischen Detektiv, der Nolans Verschwinden untersucht, sondern auch einen Marsianer auf der Erde. Anstrom Levy sammelt indessen verschiedene Versionen von sich selbst und befreit die Mauler Twins.

Geek-Planet: Sex Criminals – Volume 1

Es ist Donnerstag. Das heißt, wir schauen uns einen Text aus längst vergangener Zeit an. Dieses Mal geht es zurück zum 09. September 2015. An dem Tag erschien der folgende Text auf meinem damaligen Blog »Geek-Planet«, den es heute allerdings nicht mehr gibt. Trotzdem will ich alle meine Texte an einem Ort versammelt wissen.

Sex Criminals gehört zu den Comics, wo ich sehr froh bin, bei der Veröffentlichung live dabei gewesen zu sein. Es war eine großartige Zeit, ich habe jeden Monat Unmengen an Comics gelesen und auch Podcasts über das Thema gehört oder Bücher dazu studiert. Comics waren das Zentrum meines Lebens. Trotzdem stechen manche besonders hervor, wie es eben bei Sex Criminals der Fall ist. Wenn ich mich recht entsinne, war dies auch der Durchbruch für Chip Zdarsky, der danach eine gute Karriere hingelegt hat.

In eine ähnliche Riege fallen East of West, The Walking Dead oder The Beauty. Es sind außergewöhnliche Geschichten, die einen immer wieder in den Bann ziehen. Jede auf ihre eigene Art. Natürlich kann man diese nachholen und seit ein paar Jahren lese ich kaum mehr Comics, doch irgendwann muss ich vielleicht die Höhepunkte der vergangenen Jahre nachholen, einfach weil es ein so großartiges Medium ist. Man findet darin die originellsten Geschichten und großartige, kreative Menschen, die dahinterstehen. Sex Criminals ist ein Beispiel, welches man sich nicht entgehen lassen sollte.


Was erwartet man von einem Comic mit dem Titel »Sex Criminals«? Ich wusste es nicht, doch die Rezensionen waren gut und Image ist besonders gut darin, uns zu überraschen, uns in neue Welten zu bringen, von denen wir noch gar nicht wussten, dass wir dort hin wollen. Dies gilt auch für den Themenschwerpunkt im Oktober. Dieses Universum wurde ebenfalls von einem Image-Comic inspiriert und hat es in neue Höhen der Popularität befördert.

  • Sex Criminals by Matt Fraction & Chip Zdarsky

»You two are in my world now. And my world hurts.« – Sex Police

Sex kann ein sehr empfindliches Thema für manche sein – entweder es löst Gefühle des Unwohlseins aus, der Scham oder man berichtet detailliert und in allen kleinen Einzelheiten davon. Für Suzie und Jon, beide Ende 20 oder Anfang 30, durchschnittlich gut aussehend, ist letzteres der Fall. Sie reden viel darüber. Zu Anfang ihrer Beziehung haben sie zwar noch ihre Startschwierigkeiten, doch schließlich erkennen die beiden und auch aufmerksame Leser*innen, dass es sich bei ihnen um Seelenverwandte handelt. Sie können sich alles erzählen. Angefangen von ihrem ersten Mal über gewisse peinliche Vorfälle während der ersten Versuche einer sexuellen Begegnung und so weiter.

Diese Vertrautheit und Offenheit wird vom gesamten Comic ausgestrahlt. Sex ist hier ein Thema wie jedes andere. In unserer heutigen Gesellschaft habe ich manchmal das Gefühl, dass wir immer prüder und verklemmter werden. Allein der Irrsinn, dass in den USA eher geduldet wird, dass man in einer Serie detailliert sieht, wie Menschen zerstückelt, geköpft, erschossen und gehäutet werden, anstatt im anständigen PG-13 Stil zu zeigen, wie zwei Menschen Sex haben, macht mich oft fassungslos. Versteht mich nicht falsch, es wird besser, wirklich, man erkennt den „Fortschritt“ und die Entwicklung in unserer Gesellschaft deutlich, doch wir sind noch weit vom Idealzustand entfernt. Aber kommen wir zurück zum Comic.

Ich habe wirklich genossen, diesen Comic zu lesen, da die Unterhaltungen der beiden so schön geschrieben und liebevoll ausgearbeitet sind. Sie sprechen viel über ihre Vergangenheit, und die Zeichnungen von Zdarsky passen wundervoll dazu. Zwar könnte man den Erzählstil als chaotisch und wirr bezeichnen, da der Autor Matt Fraction oft zeitliche Sprünge macht und zwischen den Schauplätzen wechselt, doch man wird von ihm gut geführt, sodass ein strukturiertes Chaos mit flüssigen Übergängen entsteht.

In der Welt von »Sex Criminals« haben manche Menschen die Fähigkeit, nachdem sie erfolgreich Koitus gehabt und ejakuliert haben (Hier bricht der Sheldon Cooper in mir durch), die Zeit anzuhalten. Und nur sie, die den Höhepunkt hatten, können sich noch mehr oder weniger frei in dieser neuen Welt bewegen. Wie genau die Regeln im „The Quiet“ funktionieren, weiß ich noch nicht. Es könnte auch sein, dass es über ein reines Zeitanhalten hinaus geht und es eine andere Dimension ist, denn die optische Umsetzung, wenn wir diesen mystischen Ort betreten, unterscheidet sich grundlegend von der normalen Welt. Sie ist grell, bunt und es scheint alles möglich zu sein. Wie es scheint, können sich alle, die diese Fähigkeit haben, frei darin bewegen und diejenigen, die diese nicht haben, sind logischerweise eingefroren. Auch scheint der Zeitpunkt, zudem die Welt wieder in den Normalzustand zurückkehrt, unterschiedlich. Ich hoffe, dies wird im zweiten Trade noch etwas deutlicher, worum es sich bei dieser Fähigkeit genau handelt. Eine Frage lässt mich dann aber nicht in Ruhe: Wenn Suzie und Jon „The Quiet“ betreten und die Welt eingefroren ist, ist es dann auf der ganzen Welt so und die anderen, die auch diese Fähigkeit haben, müssen warten, bis es wieder vorbei ist? Die Welt müsste dann doch andauernd stillstehen oder etwa nicht. In welcher Art und Weise ist dies mit der sogenannten „Sex Police“ vereinbar? Jedenfalls führt die Geschichte immer wieder zu witzigen Begebenheiten. Will man aus irgendwelchen Gründen und sind sie noch so absurd, davon kann Jon ein Lied singen, die Zeit anhalten, muss man Sex haben oder zumindest sich selbst ans Ziel bringen. Mir gefällt, mit welch lockerer Art und Selbstverständlichkeit dies alles präsentiert wird, als sei es ganz normal.

Der Comic bietet eine faszinierende Geschichte, mit dem ein oder anderen Happy End. Die Charaktere sind sympathisch, gut ausgearbeitet und haben eine ansprechende Chemie untereinander. Als Bonus gibt es auf den letzten Seiten noch eine detaillierte Beschreibung von Chip Zdarsky, wie er die Panels, welche sich im „The Quiet“ abspielen, Schritt für Schritt aufgebaut hat. Dadurch erfahren die Leser*innen in allen Einzelheiten, wie Comics generell enstehen und wie Zdarsky im Speziellen an diesem Comic gearbeitet hat. Es müssen nicht immer seitenweise Extras in Trades vorhanden sein. Mir genügen oft schon kleine Einblicke hinter die Kulissen. Diese lese ich dann auch lieber als seitenlange Abhandlungen über diverse Themen. Wobei auch das reizvoll sein kann, wenn es zum Gesamtkonzept passt.

Geek-Planet: D4VE #1-5

Wie jeden Donnerstag sehen wir uns auch heute wieder einen alten Text von mir an. Der folgende erschien am 17. April 2015 auf meinem damaligen Blog »Geek-Planet«, den es heute allerdings nicht mehr gibt. Trotzdem sollen alle Texte weiterhin auffindbar sein. Deshalb suche ich mir jede Woche einen heraus, redigiere diesen etwas und veröffentliche ihn mit einer kleinen Anleitung erneut.

Diese Woche geht es um den, wie ich in der Rezension schreibe, gesellschaftskritischen Comic D4VE. Ich kann mich noch gut an diesen fantastisch konzipierten Comic erinnern. Über die Jahre hat es zwei Fortsetzungen gegeben: D4VE2 und D4VEocracy. Vielleicht habe ich in meinem Text damals etwas zu viel hineininterpretiert, aber genau das macht den Spaß an solchen Texten aus. Man kann sich den eigenen Interpretationen hingeben. Die Autor*innen von Büchern, Comics und Co. liefern uns ihre Geschichten, aber was daraus hervorgeht, ob sie uns auf einer emotionalen Ebene berühren oder was sie in uns hervorholen, bleibt uns überlassen.


Bei D4VE handelt es sich um ein leidenschaftliches Projekt, welches von zwei Künstlern umgesetzt wird. Sie haben den Verlag Monkeybrain gefunden, um ihre Geschichte erzählen und einem breiten Publikum näher bringen zu können. Ich bin sehr froh, diesen Comic entdeckt zu haben.

  • Autor & Letterer: Ryan Ferrier
  • Künstler: Valentin Ramon

»I used to be awesome. I used to be important. I used to fight monsters and aliens and protect the planet« – D4VE

Ich muss gestehen, dass ich den Comic nicht ganz selbst entdeckt habe. Genauer gesagt handelt es sich mal wieder um eine Empfehlung von meinem liebsten Comic-Podcast »Talking Comics«. Seit dem sind allerdings schon wieder ein paar Wochen ins Land gezogen, und beim Durchblättern der Neuerscheinungen auf ComiXology bin ich über die dritte Ausgabe von D4VE gestoßen. Da die Comics gerade einmal 0,89 € kosten (ein willkommen günstiger Preis, doch ich würde für diese fantastische Geschichte auch mehr bezahlen) und ich im Hinterkopf noch wusste, dass es sich um einen guten Comic handeln soll, blieb mir nichts anderes übrig als die ersten drei Ausgaben zu kaufen und zu lesen (mittlerweile habe ich auch die letzten beiden Ausgaben erstanden und gelesen)

»You’ve really pushed it this time. I don’t know what your problem is, but if you can’t partition your shit and function, then this … we … are terminated.« – 54LLY

Ich weiß nicht, ob ich nicht vielleicht zu viel in die Geschichte hinein interpretiere, doch ich finde, D4VE ist ein wunderbarer gesellschaftskritischer Comic, der auf lustige und ungewöhnliche Weise darstellt, zu welchen automatisierten Personen wir Menschen teilweise verkommen sind. Wir arbeiten in Jobs, die wir nicht mögen oder uns unterfordern, mit Strukturen, die wir nicht gutheißen oder verstehen, fahren Einkaufen, wo wir immer wieder dieselben Sachen erwerben, sitzen am Abend auf der Couch und sehen zum x-ten Mal eine Serie, die uns eh nicht interessiert. Eine dramaturgische Übertreibung und Verallgemeinerung natürlich, um den Punkt zu untermauern, aber so ganz unwahr ist es nun auch wieder nicht, oder? David Foster Wallace Rede »this is water« kann ich zu dem Thema ebenfalls sehr empfehlen.

Meist brechen wir aus diesen Mustern jedoch nicht aus, weil wir uns erstens zu sehr daran gewöhnt haben und Veränderung ist immer schlecht und böse. Zweitens haben wir Angst. Angst davor, am Ende noch beschissener dazustehen und unsere Träume nicht verwirklicht zu haben. Doch genau darum geht es im Leben. Risiken einzugehen und den Träumen aus unserer Kindheit nachzujagen. Wir dürfen den Spaß nicht aus den Augen verlieren und die Probleme nicht zu ernst nehmen. Wir haben nur dieses eine Leben und egal ob man an einen Gott glaubt oder nicht, es ändert nichts daran, dass wir nur diese eine Chance haben. Wir sollten das Beste daraus machen.

Nach dieser vielleicht etwas zu detaillierten Interpretation von D4VE komme ich erst einmal auf die Grundlagen zurück: Worum geht es eigentlich? In der Geschichte sind Roboter die dominierende Spezies auf dem Planeten Erde und in der gesamten Galaxis. Wir haben diese wunderbaren Wesen in dem guten Glauben erschaffen, sie würden uns helfen – im Alltag, wie im beruflichen Leben. Doch irgendwann wurde die künstliche Intelligenz zu gescheit und hat beschlossen, wir würden es nicht länger verdienen zu leben. Also haben sie sich dazu entschlossen, uns auszulöschen und wenn sie schon mal dabei sind, auch gleich alles Leben in der Galaxis – allein lebt es sich doch gleich viel angenehmer. Es stellt sich nur ein Problem dabei heraus. Sie wurden von Menschen programmiert und sollten sich auch wie Menschen verhalten. Im Grunde haben sie also nur biologisches mit künstlichem Leben getauscht.

Die Anspielungen auf die typischen Verhaltensweisen eines Menschen, nur überführt in die Handlungen eines Roboters, sind wohl die lustigsten Witze seit langem. Egal, ob Kleidung (wofür benötigt die ein Roboter), der Kaffee am Morgen (eigentlich nur Öl), Schlaf, etwas Vergessen einzukaufen, es ist alles dabei. Selbst Kinder können bestellt werden und treffen ein paar Wochen später ein. Der Roboter D4VE ist die zentrale Figur und weckt anfangs das Mitleid in mir. Der frühere Kriegsheld sitzt in einem Bürojob ohne Aussichten fest und lässt sich oft von seinen Tagträumen über vergangene Heldentaten entführen. Im Laufe der Geschichte wächst einem auch sein Sohn ans Herz – mit seinen schrägen, perversen Anspielungen und Äußerungen sorgt er für eine Abwechslung des sonst eher trockenen Humors von D4VE.

Die Geschichte wird mir zum Ende hin vielleicht zu abgedreht und alles geschieht sehr schnell. Ich hätte mir eher sieben bis acht Ausgaben gewünscht, um nicht so durch die Geschichte zu rauschen. Doch sie bietet großen Unterhaltungswert und vielleicht setzen die Schöpfer D4VEs Abenteuer irgendwann fort, ich würde es mir wünschen. Dem Duo hinter dem Comic gelingt es nicht nur lustige Momente zu schaffen, sondern klasse ausgearbeitete Charaktere, eine interessante Erzählung und vor allem dazu passende Zeichnungen zu kreieren. Am Ende jedes Comics hinterlässt der Autor noch einen Brief und erklärt die Hintergründe zur Entstehung oder geht auf Fragen von Fans ein. Dies rundet das Gesamtpaket schön ab und lässt die Erfahrung noch ein Stück persönlicher wirken als in anderen Comics.

Geek-Planet: Der Hobbit – Die Schlacht der fünf Heere

Es ist Donnerstag und das bedeutet, wir werfen einen Blick in die Vergangenheit. Genauer gesagt, zehn Jahre schauen wir zurück, auf den 21. Dezember 2014. Damals erschien der folgende Text auf meinem ehemaligen Blog »Geek-Planet«, den es heute allerdings nicht mehr gibt. Allerdings sollen alle meine Texte irgendwann hier vereint und auffindbar sein.

Als ich in meiner Textsammlung diese Rezension fand, musste ich sie einfach durchgehen. Ich habe sie zugegebenermaßen etwas entschärft, da manche Kommentare einfach nur mehr blöd sind. Immerhin soll es eine Kritik sein. Zwar hat es der Film, wie ich heute immer noch finde, verdient, aber manchmal muss man sich etwas um Objektivität mühen. Die Einleitung von damals sagt allerdings schon viel aus, wie ich finde.

Interessanterweise hatte ich mich vor Kurzem mit Freund T. über die Filme von Peter Jackson unterhalten. Im Speziellen ging es um seine Ausflüge nach Mittelerde. Wenn man sich die Qualität der Hobbit-Filme ansieht, weiß man noch einmal mehr zu schätzen, dass es die Trilogie um Herr der Ringe überhaupt gibt. Es war nicht nur der perfekte Zeitpunkt, diese ins Kino zu bringen, sondern auch der perfekte Augenblick, diese zu machen. Die gebauten Miniaturen und Sets, sowie die fast makellose Verbindung zwischen Echtem und CGI, konnte nur zu diesem Zeitpunkt so geschehen. Sie sind und bleiben ein Ausreißer und nicht die Regel.

Ich will mich nicht noch einmal in das Thema Hobbit-Filme hineinsteigern und aufzählen, was schiefgelaufen ist. Mein vergangenes Ich streift das relativ gut. Stattdessen möchte ich in diesem Kontrast die hervorragende Qualität der Herr der Ringe-Filme betonen. Sie sind einzigartig in der Kinogeschichte und egal was danach gekommen sein mag oder noch kommen wird, so etwas wird es nicht mehr geben. Genauso wie die Infinity Saga vom MCU immer für sich stehen wird. Es ist einfach nur toll, dass es solche Projekte gibt und man sie sich immer wieder ansehen kann. Seit einiger Zeit habe ich die 4k-Bluray-Versionen zu Hause aber noch nicht angeschaut. Es wird wohl Zeit, diese hervorzuholen und mal wieder einzulegen. Vielleicht nachdem ich mit dem MCU-Rewatch durch bin.


Je öfter ich den Trailer zum Finale der Hobbit-Trilogie gesehen habe, desto niedriger wurden meine Erwartungen. Teilweise sieht es aus wie ein besseres Computerspiel, eine einzige Schlacht soll den gesamten Film tragen und was soll noch großartiges mit Smaug passieren? All das hat mich lange beschäftigt und endlich habe ich die Antworten.

“One day I’ll remember. Remember everything that happened: the good, the bad, those who survived… and those that did not.” – Bilbo

Als kleiner Disclaimer muss ich vorweg erwähnen, dass ich nach dem Schreiben des Reviews festgestellt habe, dass es eher zu einem Rant (grob übersetzt: Schimpftirade?) als einer objektiven Rezension wurde, aber ich lasse es trotzdem so stehen, da es meine ehrliche Meinung zum Film ist und darum geht es doch schließlich.

Lasst uns den Film von Anfang an durchgehen. Die ersten ca. zehn Minuten des Films sind direkt an den zweiten Teil angeschlossen: Smaug fliegt zur Stadt und brennt sie nieder. Es geschehen viele Dinge und Bard (Luke Evans) schafft den tödlichen Schuss. Allein diese langweilige Sequenz hat mich beinahe aus dem Kino getrieben. Nicht nur stirbt Smaug nach ein paar Minuten (das hätte leicht noch in den zweiten Teil gepasst), nein, es sieht auch aus wie ein Computerspiel. Wie bei Assassin’s Creed springt der Protagonist über die Häuserdächer. Schließlich trifft er nicht mal beim ersten Schuss, was wesentlich besser gewirkt hätte und wie es auch im Buch steht. J.R.R. Tolkien wusste, was er macht, warum muss man das ändern?

Dann wird es zumindest etwas besser, aber offen gestanden passiert nun auch nichts Weltbewegendes. Die beste Szene des Films ist kurz vor der Schlacht, als sich Galadriel (einer meiner Lieblingscharaktere) Sauron gegenüberstellt und ihn nach Mordor schickt.

Die Dame steckt voller Überraschungen und hier darf sie so richtig zeigen, was sie kann. Der Kampf mit den angehenden Ringgeistern ist ebenfalls toll dargestellt und choreographiert, aber leider ist die Szene schnell wieder vorbei.

Dann kommt die große Schlacht. Wenn Peter Jackson eines kann, dann ist es wohl Schlachten bombastisch darzustellen (siehe Herr der Ringe), und zwar so, dass man immer den Überblick behält, man fiebert mit den Charakteren mit und es wirkt authentisch. Tja, dann kam die Ernüchterung, dass er es offenbar verlernt hat. Ich hatte während der Schlacht keine Ahnung, wo wer gegen welchen Gegner kämpft. Es werden die größten Distanzen in kürzester Zeit auf komischen Böcken zurückgelegt und bei den Überblickszenen sieht es aus wie ein Strategiespiel, wo Einheiten von A nach B bewegt werden. Der größte Witz sind für mich aber die Elben. Zuerst sieht man in der Stadt nur etwa 100 von ihnen, dann stehen plötzlich gefühlt Tausende von ihnen vor den Toren Erebors. Während der Schlacht wiederum scheinen sie alle nach Hause gegangen zu sein. Es ist sehr verwirrend.

Kommen wir zu den „dramatischen“ Zweikämpfen. Auch hier habe ich zugegebenermaßen den Überblick verloren. Diese weißen CGI-Ork-Monster sehen sich alle ähnlich und wenn schnell zwischen mehreren Kämpfen hin und her gewechselt wird, hatte ich keine Chance einzuordnen, wer denn nun schon gestorben ist und wer nicht. Inzwischen habe ich schon wieder die ersten beiden Herr der Ringe Teile gesehen und wie kann man nur glauben, dass Computergenerierte Orcs besser aussehen, als von echten Darstellern verkörperte Uruk-hai? Des Weiteren sind die Tode von Kili, Fili und Thorin derart kurz nacheinander und über-dramatisiert in Szene gesetzt, dass ich froh war, als endlich der Abspann kam und ich aus dem Kino gehen konnte.

Um meine Frustration über diesen Film besser verstehen zu können, muss man wissen, dass ich die Herr der Ringe Filme für perfekt halte. Besetzung, Musik, Geschichte, Dramatik, Kulissen (echte, selbstgemachte Kulissen), dreckige, schrecklich aussehende Uruk-hai, die sich aus dem Schlamm quälen müssen usw.

Ich kann einfach nicht nachvollziehen, warum sich Peter Jackson oder das Studio dazu entschlossen haben, derart auf computergenerierte Effekte zu setzen. Die Optik von den Hobbit-Filmen allein tut mir weh. Immer glänzt oder glitzert irgendetwas in der Umgebung – es nervt! Den vorerst letzten Ausflug nach Mittelerde hätte ich mir besser gewünscht. Allerdings muss man auch sagen, dass es zumindest drei positive Aspekte in dem Film gibt, die allerdings leider nicht ausreichen, um den Film tragen zu können.

  1. Bilbo: Die Darstellung von Martin Freeman ist wie immer kongenial und macht einfach Spaß beim Zusehen.
  2. Thorin: Seine Besessenheit vom Arkenstein ist toll interpretiert und in jeder Szene spürbar.
  3. Galadriel: Cate Blanchett Verkörperung der Elbin ist erneut fantastisch und ein Höhepunkt der unnötig ergänzten Szenen.