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Geek-Planet | The Walking Dead: Book 7

Es ist Donnerstag. Die Woche ist fast geschafft. Aber bis es so weit ist, werfen wir einen Blick in die Vergangenheit. Genauer gesagt auf den 12. Oktober 2016. An dem Tag, es war ein Mittwoch, erschien der folgende Text auf meinem damaligen Blog »Geek-Planet«. Den gibt es heute allerdings nicht mehr. Trotzdem möchte ich, dass alle meine Texte an einem Ort versammelt sind.

Der Einstieg in den Text hat mich etwas überrascht, denn ich schreibe, dass die Serie in den bisherigen Rezensionen nicht gerade gut wegkommt. Diesen Eindruck kann ich heute allerdings nicht bestätigen. Natürlich stören manche Aspekte oder Charaktere sind unsympathisch, aber selbst das sind manchmal Qualitäten einer Serie. Denn es sollen ja gewisse Charaktere gezielt unsympathisch sein. Wenn man sich weiterhin über etwas aufregen kann oder sogar manche Personen darin regelrecht hasst, so hat man weder mit der Serie oder dem medialen Erzeugnis abgeschlossen, noch ist es einem egal. Vielleicht habe ich mich damals etwas zu sehr von den Meinungen des Internets beeinflussen lassen. Etwas, das ich heute gezielt versuche, zu vermeiden. Es gelingt mal mehr und mal weniger gut.


In diesem Buch steht der Konflikt zwischen zwei Gruppen im Vordergrund: Einerseits haben wir die mehr oder weniger gut funktionierende Gemeinschaft von Alexandria und andererseits die zusammengeschweißte Mannschaft rund um Rick. Doch damit die Stadt in Zukunft nicht den Bach runtergeht, müssen sie lernen, zusammenzuarbeiten und nicht aufeinander loszugehen.

  • Creator, Writer: Robert Kirkman
  • Penciler, Inker, Cover: Charlie Adlard
  • Gray Tones: Cliff Rathburn
  • Letterer: Rus Wooton
  • Erstveröffentlichung: 2011
  • Ausgaben: #73 – #84

“I shudder to think about how things would have gone had you people not come along. Look at me, I’ve got nothing left for these people. They don’t need me, Rick … what they need, is you.” – Douglas

Ich habe das Gefühl, dass ich in den letzten Reviews etwas zu sehr auf die Serie eingeschlagen habe. Dabei haben sie nicht alles falsch gemacht. Ich möchte klarstellen, dass ich ein großer Fan der Serienadaption bin und schon gespannt auf den 23. Oktober warte, denn dann geht es endlich weiter. Etwas, das man der Serie zum Beispiel anrechnen muss, ist, dass sie nicht wieder einen weißen Mann als Chef der Stadt eingestellt hat, sondern Douglas Frau Regina dort die Zügel in der Hand hat. Sie ist die starke Anführerin.

In der Comicvorlage hat sie dagegen sehr wenig zu tun. Sie verkommt zu einem reinen Plotpoint, was ich schade finde. Am Ende der ersten Story-Arc „too far gone“ wird sie sinnlos getötet, was in weiterer Folge dazu führt, dass Douglas sich versucht, das Leben zu nehmen und unweigerlich durch Walker stirbt und dabei Carl eine signifikante Verletzung zufügt. Regina hätte etwas Besseres verdient. Ihr Mann hätte durchaus sterben können, aber sie wäre dann zur Anführerin aufgestiegen, die sich mit Rick auseinandersetzt und beide somit gemeinsam den Laden zusammen halten.

Der erste Handlungsbogen setzt sich stark damit auseinander, wie die beiden unterschiedlichen Gruppen versuchen, miteinander klarzukommen. Nun ja, genauer gesagt wird gezeigt, wie fähig unsere Protagonisten sind, besonders im Vergleich zu den feigen, ahnungslosen Bewohnern von Alexandria. Sie haben scheinbar die Realität komplett hinter sich gelassen und wären am liebsten unter sich geblieben. Allein, dass sie ohne Andrea nicht einmal eine Wache im Turm platziert hätten, zeugt von großer Realitätsferne.

Gut finde ich auch, wie Rick langsam aber sicher den Verstand verliert. Zwar behält er wie immer am Ende recht mit seiner Vermutung, dass Pete seine Frau misshandelt und will schlussendlich nur helfen. Doch zur Abwechslung wäre es nett gewesen, wenn er sich geirrt hätte. Dies würde die Wirkung noch einmal verstärken, dass er sich in eine Fantasiewelt flüchtet und Probleme sucht. Aber so bleibt es bei einem Schlag auf den Hinterkopf von Michonne und ihm geht es wieder besser. Natürlich darf er seine illegal beschaffte Waffe behalten und weiterhin als Polizist der Stadt fungieren. Dieser Vorfall ist ein anschauliches Beispiel dafür, dass etwas in der Serie besser umgesetzt wird. Dort wird Rick erstmal zur Sicherheit der anderen in einen Raum eingeschlossen und sichergestellt, dass er sich wieder unter Kontrolle hat. Erst dann darf er wieder mit seinen Diensten weitermachen.

Nachdem wir also ein paar schwierige Todesfälle zu betrauern haben, geht es in der zweiten Story-Arc „no way out“ darum, dass sich die Gruppen zusammentun, um eine gemeinsame Gefahr zu beseitigen. Am Anfang steht der Übergriff einer dritten Gruppe, die in die Stadt möchte. Dieser Vorfall zeigt, wie wichtig Andrea in ihrem Turm, ausgestattet mit einem Scharfschützengewehr, ist. Dies lockt allerdings eine Horde von Zombies an, die innerhalb kurzer Zeit die Stadt umzingelt und alle darin einsperrt. Zwar versuchen sie, die Horde auszudünnen, doch es kommen zu viele nach.

Absoluter Höhepunkt der Geschichte ist, als Carl in dem oben erwähnten Vorfall angeschossen wird. Dabei verliert er sein rechtes Auge und einen Teil des Gesichts – was sehr schockierend und übertrieben dargestellt ist. Da ist man wieder dankbar für die schwarz-weißen Darstellungen. Dies führt dazu, dass Rick total die Kontrolle verliert und alles dafür tut, das Haus von Denise zu schützen, wo sie Carls Leben zu retten versucht.

Ich bekomme jetzt noch Gänsehaut, wenn ich an die Szenen denke, wo sich Rick verzweifelt und nur mit einer Axt bewaffnet, gegen alle Zombies stellt, die inzwischen in die Stadt eingedrungen sind. Nach und nach kommen Abraham, Michonne und die anderen Bewohner hinzu, als sie sehen, wie sich ihr neuer Anführer durchzuschlagen versucht. So sieht gemeinsame Stärke aus. Einer für alle, alle für einen. Verstärkt wird dieser Eindruck davon, dass Glenn, Andrea und zwei andere das Geschehen von außen betrachten und kommentieren. Dadurch wird die Illusion verstärkt, man wäre mit ihnen hilflos auf einem Dach gestrandet und könnte nur dabei zusehen, wie sich dieses epische Geschehen abspielt.

Book Seven mag mit einer etwas mittelmäßigen Story starten, doch wie sich alles am Ende zu einer gewaltigen Schlacht ausweitet, ist einfach unfassbar cool gemacht. Ich kann kaum erwarten, dass es mit Book Eight weitergeht.

Geek-Planet | The Walking Dead: Staffel 6

Wie jede Woche schauen wir uns auch heute wieder einen alten Text von mir an. Der folgende erschien am 19. Oktober 2016 auf meinem damaligen Blog »Geek-Planet«, den es heute allerdings nicht mehr gibt. Trotzdem sollen meine alten Texte weiterhin auffindbar bleiben. Deshalb suche ich mir jede Woche einen heraus, redigiere ihn ein wenig und versehe ihn mit einer kurzen Einleitung.

Zuerst einmal muss ich leider gleich eine schlechte Nachricht anbringen: Im Text erwähne ich ein Video, das ich damals scheinbar verlinkt habe; das ist nicht mehr der Fall. Heute notiere ich mir zumindest ein paar Informationen zu den Dingen, die ich mir so heraussuche. Sei es der Titel des Videos und von welchem Channel dieses stammt. Im Falle von Texten notiere ich mir die Webseite und den Titel des Textes. Vor neun Jahren scheine ich das nicht gemacht zu haben. Eine schöne Weiterentwicklung.

Ansonsten bin ich ehrlich überrascht, wie lange ich The Walking Dead mit einer gewissen Begeisterung geschaut habe. Ich war überzeugt, dass ich schon deutlich vor Staffel 7, wo Negan seinen berühmt-berüchtigten Auftritt feierte, die Lust an der Serie verloren hatte. So bin ich nun wirklich gespannt, was ich in den Rezensionen der siebten Staffel zu sagen habe. Ich schreibe hier in der Mehrzahl, weil ich ab Staffel 7 dazu übergegangen bin, die einzelnen Episoden zu besprechen. Wir werden das hier allerdings etwas zügiger machen. Aber das überlege ich mir noch.


Ende Oktober startet die siebte Staffel von The Walking Dead, also der perfekte Zeitpunkt, die Höhepunkte der sechsten Staffel Revue passieren zu lassen. Wenn man sich die sechste Staffel von The Walking Dead ansieht, könnte man meinen, dass die Autoren versuchen, dieses Mal etwas anders zu machen als bisher. Das Standard-Prozedere war dadurch geprägt, dass unsere Gruppe sich an einen mehr oder weniger sicheren Platz zur Ruhe setzen möchte, nur um dann doch von Zombies überrannt zu werden.

Zwar passiert dies hier weiterhin, doch zu guter Letzt bleibt Alexandria doch ihre Heimat. Die Wände stellen sich als ein ziemlich stabiles Konstrukt heraus (zugegeben, es gibt Verbesserungspotenzial) und wenn nicht bald, gänzlich zufällig natürlich, ein Governor auf der Bildfläche erscheint, sollte es einigermaßen sicher sein. Oder es stürzt mal wieder ein Turm ein, der ein paar Dutzend Zombies den Weg ins Innere freigibt. Dann gibt es natürlich noch ein paar andere Feinde und Gegner, die ebenfalls in die Stadt wollen. Immerhin ist es da so schön kuschelig.

  • Developed by Frank Darabont
  • Cast: Andrew Lincoln, Norman Reedus, Steven Yeun, Lauren Cohan, Chandler Riggs, Danai Gurira, Melissa McBride
  • Musik: Bear McCreary
  • Executive producers: David Alpert, Scott M. Gimple, Greg Nicotero, Robert Kirkman u.a.
  • Erstausstrahlung: 12. Oktober 2014 auf AMC

Es scheint über die gesamte Staffel hinweg weniger Zeit zu vergehen. Dies kann natürlich eine subjektive Wahrnehmung sein, da sich der Rezensent die gesamte sechste Staffel in zwei Tagen angesehen hat. Da kann der Blick auf so manche Details verschwimmen. Vor allem die erste Story-Arc, die in einer Zombie-Invasion gipfelt, scheint von Stunde zu Stunde erzählt zu werden. Dies tut der Spannung jedoch keinerlei Abbruch. Im Gegenteil, es ist eine intensive Seherfahrung und der emotionale Höhepunkt, bei dem sich die gesamte Stadt endlich dazu durchringen kann, gemeinsam gegen die Bedrohung vorzugehen, bringt eine Gänsehaut nach der anderen.

Nach diesem Ereignis wird angedeutet, dass ein paar Wochen vergangen sind – so konnten die Macher Carls Genesung überspringen und ihn direkt zurück in die Action bringen und als geeigneten Babysitter einsetzen. Warum sich die Autor*innen Wege einfallen lassen müssen, um die Handlung etwas zu strecken oder dichter gepackter zu erzählen, wird in dem unten angefügten Video hervorragend dargestellt.

Die beiden anderen Punkte greifen eigentlich etwas ineinander. Es gibt vermehrt Episoden, die sich auf einzelne Charaktere konzentrieren. Ebenso gibt es mehr übergreifende Entwicklungen zu beobachten. Besonders die bisher eher zurückhaltenden Einwohner Alexandrias realisieren, in welcher Welt sie nun überleben müssen. Da die Aktion, die Zombies aus der Umgebung wegzubringen, gezwungenermaßen scheitert (wer dachte von euch wirklich, dass dies gut ausgehen würde?), bleibt ihnen nichts anderes übrig, als Ricks Gruppe zu unterstützen und die Stadt zu verteidigen, während diese sich um die Horde kümmert.

Rick mausert sich währenddessen zu einem halbwegs menschlichen Anführer, auch wenn er weiterhin darauf aus ist, Menschen zuerst zu töten und danach die Fragen einfach nicht zu stellen. Dianas Tod und ihre letzten Worte an ihn sind äußerst bewegend. Es bleibt nur zu hoffen, dass der weitere positive Einfluss von Morgan ihn schließlich dazu bringen kann, nicht alles und jeden einfach umzubringen, der sich ihnen in die Quere stellt (wobei hier das Finale seine Einstellung doch verteidigt, aber dazu später mehr). Natürlich hilft es da nicht gerade, wenn sein Sohn Carl angeschossen wird und ein Auge verliert. Diese Szene kam so überraschend und hat den ersehnten Schockmoment mehr als getroffen. Lange Zeit war nicht ganz klar, ob Carl nun wirklich tot ist.

Apropos Tode: Dass Glenn nicht stirbt, war mir nicht erst durch die mit Spoilern gespickten Tweets von einigen Idioten klar, die sich einfach nicht zurückhalten konnten. Die Szene war einfach nicht glaubhaft gefilmt worden. Sein plötzlich suizidaler Kollege ist dermaßen offensichtlich auf ihn gefallen, dass man es nicht absichtlicher hätte inszenieren können. Außerdem war der Container hinter ihm auch sehr präsent – der schmächtige Glenn passt leicht darunter.

Weit mehr geschockt und überrascht hat dagegen der Tod der wunderbaren Denise. Die neue Ärztin in der Stadt war ein fabelhafter Charakter. Ihre Entwicklung von der ängstlichen, schüchternen Frau, die kaum wagt, ihre Patienten anzufassen, hin zu einer starken, durchsetzungsfähigen Person hat wunderbar funktioniert. Sie lässt sich nicht einmal davon abhalten, in Lebensgefahr zu geraten, nur um für ihre Freundin eine Soda aus einem Zombie besetzten Auto zu holen. Ganz davon zu schweigen, dass eine lesbische Frau die Vielfalt der Gruppe erneut um einiges erhöht hätte. Was aber noch mehr schockiert, als ihr eigentlicher Tod, ist die Sinnlosigkeit dahinter. Einfach so tritt sie ab. Zwar mit einer tollen Rede, aber mehr auch nicht. Ich muss jedoch gestehen, dass ich mich etwas schuldig fühle. Denn Denise hat sich zu einer meiner Lieblingsfiguren entwickelt und dies ist normalerweise ein todsicheres Zeichen (no pun inteded), dass dieser Charakter innerhalb weniger Episoden stirbt.

Im Gegensatz dazu darf der gute Eugene weiterleben. Diesen Charakter habe ich und werde ich wahrscheinlich auch nie verstehen oder auch nur ansatzweise mögen. Er mag zwar alle 20 Folgen oder so mutiger werden, doch sein Zweck bleibt mir weiterhin verschlossen. Nicht nur ist er ein feiges, vorlautes Arschloch, er beleidigt auch noch Abraham. Mal sehen, was aus ihm wird. Doch wenn es mit ihm so weitergeht, kann er nicht früh genug abtreten.

Kommen wir zu dem wohl friedfertigsten Charakter: Morgan. Über die letzten Staffeln hinweg wurde er, zumindest meiner Wahrnehmung nach, als ein weiterer Badass-Charakter eingeführt und aufgebaut. Sein psychischer Zusammenbruch scheint nur ein weiterer Schritt der Läuterung auf diesem Weg zu sein. Doch stattdessen überraschen die Autor*innen mit einer Entwicklung, die so nicht vorhersehbar war. Er trifft einen Mann namens Eastman und lernt durch ihn das Motto »Every life is precious« kennen, welches er nicht nur verinnerlicht, sondern beinahe naiv danach lebt und handelt. Es ist beeindruckend, wie stark ihn sein Mentor geprägt hat. Egal, wer ihm auch begegnet, er sieht davon ab, unnötigerweise ein Leben zu nehmen, mit dem festen Glauben, dass alles einen Zweck hat – einen bestimmten Sinn erfüllen wird. Bisher hat er recht und ich wage es gar nicht zu sagen, aber er mausert sich zu einem neuen Lieblingscharakter von mir. Und das nicht nur, weil er mit seinem Stock einen verdammt coolen Eindruck hinterlässt. Die Ausstrahlung des Schauspielers Lennie James, gepaart mit guten, tiefgreifenden Monologen und einer konsequenten Charakterzeichnung, all das macht ihn interessant.

Zu guter Letzt kommen wir noch auf Carol zu sprechen, die eine ähnliche Entwicklung wie Morgan durchmacht. Sie war bisher, wie es Rick so schön ausgedrückt hat, »a force of nature«, die alles und jeden, der sich ihr oder ihrer Gruppe in den Weg stellt, beseitigt und neutralisiert. Besonders die Phase, in der sie mit Maggie entführt wird und mit dem Rosenkranz herumspielt, wirkt beeindruckend. Eine Kombination aus weiser Voraussicht bzw. Kalkül und ehrlichem Leiden, machen sie zu einer Figur, mit der man sich identifizieren oder mitleiden kann. Auch wenn mir die Zahl 18, für Tode, für die sie sich direkt verantwortlich zeichnet, etwas gering erscheint, so nagen sie an ihr und führen schließlich dazu, dass sie nach der Entführung aus dem Lager abhaut. Wenn Morgan sie finden wird, woran eigentlich kein Zweifel bestehen dürfte, könnten die beiden ein fantastisches Duo werden.

Ansonsten weist die Staffel wieder die typische hohe Qualität auf, mit der man mittlerweile bei The Walking Dead auch rechnen kann. Da die Serie insgesamt etwas ruhiger zu werden scheint und etwas von dem bisherigen Tempo zurücktritt, können die gewaltigen, stimmungsvollen Bilder noch besser wirken. Vor allem der Score oder besser gesagt seine Abwesenheit an den geeigneten Stellen, führen zu einem intensiven Erlebnis.

Doch bevor wir in die Staffelpause entlassen wurden, durften wir noch Negan kennenlernen. Er bedroht die Bewohner von Hilltown und entführt schließlich die gesamte Gruppe rund um Rick. Am Ende wird angedeutet, dass jemand von ihm mit seinem schrecklich schönen Baseballschläger getötet wird. Ich bin sehr gespannt, wie sich das alles auflösen wird.

Geek-Planet | The Walking Dead: Book 6

Es ist Donnerstag. Wie jede Woche schauen wir uns heute einen alten Text von mir an. Der folgende erschien am 28. September 2016 auf meinem damaligen Blog »Geek-Planet«. Den gibt es heute allerdings nicht mehr. Trotzdem möchte ich, dass alle meine Texte an einem Ort versammelt sind. Deshalb suche ich mir jede Woche einen alten Text heraus, redigiere diesen und versehe ihn mit einer kleinen Einleitung.

Ich kann nicht umhin, die Rezension zur sechsten Hardcover-Ausgabe von The Walking Dead als schlecht zu empfinden. Na ja, vielleicht nicht unbedingt als schlecht, aber zumindest als suboptimal würde ich sie bezeichnen. Ich springe sofort in den Inhalt des Buches hinein, ohne Kontext. Dann schreibe ich über Ereignisse, als wüssten alle, wovon die Rede ist. Und zu guter Letzt mache ich das auch nicht gerade gut, weil ich trotzdem sehr vage bleibe. Heute würde ich das auf jeden Fall anders und etwas ausführlicher machen.

Wobei ich gerade an meine Texte zum MCU Rewatch denken muss, die jeden Samstag erscheinen, und überlege, ob ich bei diesen Texten vielleicht ebenfalls zu viel voraussetze. Wobei das ein Rewatch durchaus verlangen kann. Trotzdem sollten die größeren Kontexte erklärt werden. Man kann Wissen voraussetzen, aber trotzdem genug erklären, sodass vielleicht mehr Menschen abgeholt werden. Das versuche ich beispielsweise bei den täglichen Texten, die ich schreibe. Ich kann nicht erwarten, dass jemand alle Texte liest. Also bemühe ich mich, Dinge zu erklären, selbst wenn ich schon des Öfteren darüber geschrieben habe, oder aber ich verlinke alte Texte, die näher beschreiben, auf was ich mich beziehe. Es ist ein schmaler Grat, auf dem man wandert, und ich hoffe ihn mit der Zeit immer besser bewältigen zu können.


Das sechste Hardcover-Buch von The Walking Dead beschäftigt sich mit einer Vielzahl an Themen und wir nähern uns langsam aber sicher dem Punkt, an dem uns auch die sechste Staffel der Serie zurückgelassen hat.

  • Creator, Writer: Robert Kirkman
  • Penciler, Inker, Cover: Charlie Adlard
  • Gray Tones: Cliff Rathburn
  • Letterer: Rus Wooton
  • Erstveröffentlichung: 2010
  • Ausgaben: #61 – #72

“I love you [Dad] because of what you do to keep me safe. I know why we do what we do. Protect the weak. To survive.” – Carl

Die erste Story-Arc „fear the hunters“ beschäftigt sich sehr mit den verschiedenen Auswirkungen, die die Apokalypse auf unterschiedliche Menschen hat. Wir haben zum einen die Zwillinge. Ben tötet seinen Bruder Billy, sagt den anderen aber, dass sie sich keine Sorgen machen sollen, da er ja wieder zurückkommt. Wieso hat er das getan? Mit Sicherheit kann man das natürlich nicht sagen, aber eine Vermutung von mir ist die Folgende: In einer Welt voller Zombies, in der jederzeit das Ende auf einen lauert, ist es einfacher, wenn man Teil des Problems ist und nicht dagegen ankämpft. Ben hat eine falsche Vorstellung von der Realität, in der sie leben, und wird deshalb zu einer Gefahr für die gesamte Gruppe.

Zugegeben, es ist ein brutaler und trauriger Moment, als Andrea die Jungen im Wald findet, aber es hat nichts darauf hingearbeitet. Die Zwillinge wurden kaum bei ihrem Namen genannt, noch konnte man sie, was ihren Charakter betrifft, je richtig einschätzen. Sie wurden ständig von Andrea und Dale beschützt, sobald es eine brenzlige Situation gab. Deshalb hatten sie wenig bis gar nichts zu tun. Mit ein wenig Vorarbeit wäre die Erkenntnis, was Ben getan hat, noch kraftvoller gewesen. Anders als das, was diese Tat in Carl hervorruft. Immerhin ist er Ricks Sohn, handelt nach dessen Vorbild und man traut ihm so einiges zu. Ob dies nun gut oder schlecht ist, sei mal dahingestellt.

Als Nächstes haben wir den Priester. Gabriel ist ein neuer Charakter und hat bis vor Kurzem in einer Kirche versteckt überlebt. Er verlässt sich komplett auf seinen Glauben, um zu überleben. Religion hat bisher nur eine Nebenrolle gespielt, und ich bin gespannt, wie dieses Thema in Alexandria noch weiter aufgegriffen wird. Der Charakter ist an sich interessant, da er ein komplett neues Weltbild für die Gruppe darstellt. Allerdings lassen seine vergangenen Taten diesen Glauben etwas verblassen. Dann haben wir noch die Außenstehenden, die Ricks Gruppe ausspioniert und verfolgt. Sie schnappen sich Dale und offenbaren daraufhin, dass sie Kannibalen sind. Stück für Stück verzehren sie ihr Opfer – so bleibt dieses am Leben und das Fleisch damit frisch. Was hier auffällt ist, dass wir nach dieser Story direkt nach Alexandria kommen und keinen Zwischenhalt in Terminus machen, so wie in der Serie. An der Endstation der Schienen wird auch noch einmal das Thema Kannibalismus aufgegriffen. Mal sehen, ob dies im Comic auch noch einmal kommt.

Ich finde den Aspekt äußerst spannend, da er eine Frage aufwirft, vor der auch unsere Protagonisten vielleicht einmal stehen werden. Wenn man absolut keine Rationen an Essen mehr hat, wie weit geht man, um zu überleben? Natürlich werden sie keine Kinder essen, so wie es die Fremden getan haben. Schockiert hat mich die Brutalität und Grausamkeit, mit der Rick, Abraham und Co. diese Gruppe bestraft hat. Einen nach dem anderen haben sie zerstückelt, wahrscheinlich bei lebendigem Leib, und dann ins Feuer geworfen. Was gibt ihnen das Recht, dieses Urteil auszusprechen? Diese Tat ist ein Schritt weiter in den Abgrund. Vor allem für den Anführer Rick, der sich immer weiter radikalisiert, was Fremde betrifft, wie man an Aaron sehen kann.

In der zweiten Geschichte „Life among them“, wird erst einmal Aaron bewusstlos geschlagen, auch wenn er besser behandelt wird als in der Serie. Die Version im Comic hat mir viel besser gefallen, allerdings finde ich es immer noch schade, dass sich die anderen nicht weiter zu Wort melden, wenn Rick solch fragwürdige Entscheidungen trifft.

Alexandria stellt sich als eine wachsende Community heraus, die es geschafft hat, ein Jahr lang zu überleben. Mit der neu gewonnen Unterstützung wollen sie sich verbessern. Sie haben aber nicht mit Ricks Rücksichtslosigkeit gerechnet, die von Glenn unterstützt wird. Sie könnten sich hier ein gutes Leben aufbauen. Die aktuellen Einwohner trainieren und für zukünftige Situationen ausbilden. Sie hatten nicht mal jemanden, der Ausschau nach Neuankömmlingen hält – sie haben sich einfach auf ihre Mauer verlassen.

Die anderen, hauptsächlich erkennbar an Abraham, leben sich aber scheinbar gut ein. Carls Befürchtungen, dass sie zu weich werden würden, um, sollte der Community etwas zustoßen, danach in der Welt da draußen zu überleben, finde ich allerdings berechtigt. Dies würde sich aber mit etwas Training eindämmen lassen.

Was ich in den letzten Reviews immer etwas unterschlagen habe, sind die Zeichnungen. Die schwarz-weißen Darstellungen sind einfach grandios. Besonders durch die Hardcover-Version, welche etwas größer ist, als ein normaler Comic, kommen diese wunderbar zur Geltung. Mir gefällt der Fokus auf die Charaktere und deren Positionierung. Wenn es die Situation zulässt, wird komplett auf Hintergründe verzichtet oder dieser sehr zurückgeschraubt. Dies sorgt für eine beklemmende Atmosphäre und als Leser*in kann man sich noch mehr auf die Dialoge konzentrieren. Als Bonus erhält man in den Hardcover-Versionen ein bisschen Bonusinhalt, in Form von kleinen Kommentaren zum Entstehungsprozess und einer Cover-Sammlung der enthaltenen Ausgaben. Alles in allem lassen diese hochwertigen Editionen keine Wünsche offen.

Geek-Planet | The Walking Dead: Staffel 5

Es ist Donnerstag. Also besprechen wir einen alten Text von mir. Der folgende erschien am 22. Oktober 2015 auf meinem Blog »Geek-Planet«, den es heute allerdings nicht mehr gibt. Ich möchte trotzdem, dass meine alten Texte auffindbar sind. Deshalb suche ich mir jede Woche einen heraus und versehen ihn mit einer kleinen Einleitung.

Ach, Rick. Ein äußerst vielschichtiger Charakter, der sowohl im Comic als auch im Buch so einiges durchmacht. Er will eigentlich nur das Beste für die Gruppe und scheitert doch manchmal an seinen Ambitionen und seinem Misstrauen. Doch sind das genau die Eigenschaften und seine Fähigkeit, unbeliebte Entscheidungen zu treffen und sich über die Meinung der anderen hinwegzusetzen, die es der Gruppe erlaubt, noch am Leben zu sein. Zumindest diejenigen, die es bis hierhin geschafft haben. Doch manchmal schießt er etwas über das Ziel hinaus. Da hätte ich mir dann gewünscht, dass die Gruppe mehr für sich einsteht und für ihre Prinzipien.

Ich finde es lustig, dass ich mich an einer Stelle beschwere, dass manche Charaktere sinnlos sterben. Ohne heroische Momente. Doch nur wenige Absätze später lobe ich das Unvorhersehbare und dass quasi kein Charakter sicher scheint. Beides kann eigentlich nicht wahr sein. Doch wünscht man sich vielleicht, dass gewisse Charaktere entweder länger gelebt hätten oder aber ihr Tod einen Sinn hatte; sie für die Gruppe ein Opfer brachten. Genau das ist es, was auch Game of Thrones anfangs auszeichnete. Die Unsicherheit, welcher Charakter die nächsten Folgen überleben wird. Besonders in einer Zombieapokalypse, wie sie The Walking Dead beschreibt, hilft so ein Gefühl, eine dichte, packende Atmosphäre zu erzeugen.


Wie auch schon die vierte Staffel werde ich dieses Review in drei Akte aufteilen, die meines Erachtens gut zur Geschichte passen. Vielleicht hätte ich dies auch schon früher machen können, doch dieser Rhythmus in der Erzählung ist mir erst kürzlich bewusst geworden: Zu Anfang gibt es immer eine Situation, aus der sich unsere Protagonisten befreien müssen, bevor sie aus verschiedenen Gründen weiterziehen, um zu ihrer nächsten Station zu gelangen.

  • Developed by Frank Darabont
  • Cast: Andrew Lincoln, Norman Reedus, Steven Yeun, Lauren Cohan, Chandler Riggs, Danai Gurira, Melissa McBride
  • Musik: Bear McCreary
  • Executive producers: David Alpert, Scott M. Gimple, Greg Nicotero, Robert Kirkman u. a.
  • Erstausstrahlung: 12. Oktober 2014 auf AMC

“You’re the butcher, or you’re the cattle.” – Mary

Terminus. Diese scheinbar so Heil bringende Stätte entpuppte sich im Finale der letzten Staffel nicht gerade als Paradies in der Hölle. Stattdessen zeigt sie wieder einmal die grausame Fratze des menschlichen Daseins und wie wir alles tun, um zu überleben, zumindest manche von uns. Gareths Gruppe hat die wohl bestialischste Variante gewählt und lockt mit falschen Versprechen verzweifelte Überlebende zu sich, nur um sie in reine Fleischlieferanten zu verwandeln, die selbst einen Metzger beeindrucken würden.

Die Darstellung des Schlachthauses hinterlässt einen starken Eindruck. Nimmt man die beiden rivalisierenden Gruppen aus dem Geschehen und würde durch dieses wunderbar gemachte Set wandern, müsste ich mich schon des Öfteren umdrehen, nur um sicherzugehen, dass mir niemand folgt. Die von der Decke hängenden, menschlichen Torso, die auf dem Grill liegenden Fleischstücke, der einem uns unbekannten Ritual dienende Raum voll mit Kerzen – all das hat eine Ausstrahlung und eine Aura, die ihresgleichen sucht. Der Staffelauftakt erreicht schließlich seinen Höhepunkt, als Rick, Daryl und Co bei ihrer Flucht gefangen genommen werden und über ein Becken gebeugt nur darauf warten, mit einem Baseballschläger K.O. geschlagen und anschließend aufgeschlitzt zu werden. Die ersten Opfer, welche den Ernst der Lage schildern sollen, sind so überzeugend wie bedrohlich.

Carol, Tyreese und Judith sind derweil außerhalb der Anlage unterwegs und treffen gerade zum richtigen Zeitpunkt in Terminus ein, um den anderen zu helfen. Wie so oft darf Carol hier wieder zeigen, was in ihr steckt. Zwar habe ich es eher unwahrscheinlich gefunden, dass ihr erster Versuch von Erfolg gekrönt ist, den nahe gelegenen Behälter zum Explodieren zu bringen, doch das Ergebnis kann sich durchaus sehen lassen. So sind alle wieder frei und müssen erneut auf offener Straße um ihr Überleben kämpfen.

Der erste Akt um Terminus und seine Besitzer ist gut gemacht, außerdem ist es geschichtlich interessant gestaltet, da man dessen Vergangenheit ein bisschen erforscht und kennenlernt. So wird dies zu einem abgeschlossenen Kapitel, dessen Nachwirkungen in späteren Folgen noch zu spüren sind. Und wie wir mittlerweile wissen, habe ich es sehr gerne, wenn die Handlungen unserer „Helden“ gewisse Nachwirkungen zeigen.

“They think I’m scrawny. They think I’m weak. But they don’t know shit about me.” – Noah

Was findet man wohl, wenn man Terminus verlässt und blind durch einen Wald läuft? Richtig, einen von Zombies bedrohten Priester und seine Kirche. Zuvor gibt es aber noch eine herzzerreißende Szene, in der Carl und Rick ihre kleine Judith wiederfinden. Es ist schön, die Familie wieder vereint zu sehen, sie haben es sich durchaus verdient und wurden wirklich lange auf die Folter gespannt. Zu dieser kleinen familiären Idylle passt der bereits erwähnte Priester. Zuerst empfand ich es als etwas schwierig, den Aspekt der Religion mit in diese Serie zu packen (klar spielte er bisher ebenfalls eine Rolle, doch nicht so dominant), aber mit Blick auf die Apokalypse war es wohl nur eine Frage der Zeit, bis ein solcher Charakter auf der Bildfläche erscheint.

Erfreulicherweise wird diese Thematik dezent eingebaut und in einer subtilen, doch markanten Weise. Ich komme nicht umhin, mich des Öfteren zu fragen, wie es dieser Mann geschafft hat, solange allein zu überleben, ohne sich ernsthaft vor den Zombies zur Wehr zu setzen. Dieser bedingungslose Glaube wird später deutlich gezeigt. Es ist ein starker Moment auf einer verlassenen Straße. Die Musik, die Stimmung, welche von der Kamera eingefangen wird – einfach toll gemacht.

Wir müssen in dieser Staffel, bevor wir zur nächsten Station kommen, noch einige Opfer beklagen. Viele sterben einen eindrucksvollen, geradezu heroischen Tod. Manche allerdings finden ihr Ende auf weniger nachvollziehbare Weise und derart spontan, dass ich fast daran glauben möchte, es war keine Absicht, diese Charaktere an dieser Stelle ihrem unweigerlichen Schicksal nahezubringen. Die beiden „positiven“ Tode, so möchte ich es vielleicht nennen, waren die von Bob und Beth. Die Autor*innen und der Schauspieler schaffen es, in wenigen Episoden, in denen man den erst kürzlich eingeführten Charakter kennen lernt, einem ans Herz zu wachsen. Man wünscht ihnen das Beste; doch wir sind hier schließlich bei The Walking Dead. Es gefällt, dass auch seine Vergangenheit gezeigt wird – so erhält man einen kompletten Eindruck dieses vom Schicksal geprägten Mannes.

Beth hat man dagegen die letzten fünf Jahre verfolgt und bei ihrer Entwicklung zusehen können. Am meisten werde ich mich wohl daran erinnern, wie sie sich um Judith sorgt und der Gruppe ihre schönen Songs vorsingt. Dies waren stets Momente der Stille, fast so, als ob nichts Schlimmes mehr passieren könnte. Im Krankenhaus opfert sie sich dann, um die anderen zu retten, und nur knapp können mehr Opfer verhindert werden. Sie lernte an diesem seltsamen Ort der Sicherheit Noah kennen, ich hatte noch gehofft, dass die beiden eventuell ein Paar werden, doch leider wird auch Noahs Schicksal relativ bald besiegelt. In einer relativ späten Folge stirbt er einen sinnlosen Tod. Dies zeigt noch einmal deutlich, dass es quasi jeden treffen kann. An der Stelle hätte ich es aber nicht schlecht gefunden, wenn Glenn das zeitliche segnet, da sein Charakter und vor allem die Beziehung mit Maggie sich nicht gerade ins Positive zu entwickeln scheinen.

Mehr oder weniger parallel zu diesen Geschichten verfolgen wir Abraham auf seinem Weg, die Menschheit in Form von Eugene zu retten. Dessen Charakter war mir schon immer suspekt und als er schließlich davon erzählte, dass er sich das alles nur ausgedacht hat, war ich nicht wirklich überrascht – mir tat allerdings Abraham leid, denn seine Willensstärke und Hingabe zur Mission sind ansteckend. Auch später in der Stadt darf er zeigen, was in ihm steckt, und wie mir scheint, lernt er hier erst so richtig, was es eigentlich heißt, selbstständig und ohne Mission zu arbeiten. Es wird sicher noch interessant seinen Charakter weiterzuverfolgen und ich wäre nicht überrascht, wenn er später der Anführer der Gruppe wird, sollte Rick vielleicht doch nicht immer alle Angriffe lebend überstehen.

“We’ll make it work. If they can’t make it, then we’ll just take this place.” – Rick

Springen wir in der Geschichte nun etwas weiter nach vorn und beschäftigen uns mit der Siedlung. Ich fand es äußerst interessant, wie die Gruppe auf die Fremden stößt. Als Geschenk finden sie erst einmal mehrere Liter Wasser, die sie nicht trinken wollen. Hier kommt wieder alles zum Vorschein, warum mir Rick teilweise so auf die Nerven geht. Er ist allem Neuem so unaufgeschlossen und skeptisch eingestellt. Klar, so haben sie bisher immer überlebt und ich hatte mit Aaron so meine Zweifel, doch er hat nichts getan, um die anderen zu provozieren und wird gleich mal ordentlich gefoltert – naja, zumindest ein wenig. Dies ist so typisch amerikanisch, dass ich mich furchtbar darüber aufregen könnte. Es gibt schließlich Menschen, die einen nicht unbedingt umbringen wollen – selten, in dieser Welt von The Walking Dead, aber es gibt sie.

Die Diversität wird mit diesem Charakter auch gleich um einiges erhöht, denn Aaron ist schwul und kümmert sich rührend um seinen verwundeten Freund. Das spätere Team-Up mit Daryl gefällt mir besonders gut, da dies mit den klassischen Klischees bricht und einen schönen neuen Schwung in die Runde bringt. Das Jagen, die Suche nach Essen und dergleichen werden komplett als eigenständige Geschichte fortgesetzt und bilden einen guten Kontrast zur sonst eher städtisch politischen Umgebung.

Diana Monroe, ein ehemaliges Mitglied des Kongresses, verwaltet die kleine Stadt Alexandria und hier finde ich es äußerst erstaunlich, wie man auf der einen Seite so lange in der Zombie-Apokalypse überleben und andererseits dermaßen naiv auf eine Gefahr reagieren kann. Zugegebenermaßen sind sie hervorragend ausgestattet, haben fließend Wasser, Strom und genügend Platz, doch man muss sich auf der anderen Seite auch der Gefahren bewusst sein. Diese Ignoranz führt schließlich zu einer, genauer gesagt sogar zu zwei Eskalationen. Beiden Gruppen kommt aber niemals in den Sinn, eine Kompromisslösung zu finden und gemeinsam an den Problemen zu arbeiten. Stattdessen wird rigoros auf dem eigenen Standpunkt bestanden und keinen Millimeter nachgegeben.

Am Ende gibt es dann noch eine atmosphärische Szene zwischen allen Beteiligten und das wohl ungünstigste Auftreten eines alten Bekannten: Morgan. Dieser hat sich in dieser Staffel gemausert und ist nicht mehr mit dem Verrückten aus der Vergangenheit vergleichbar. Ich bin äußerst gespannt, wie es mit seiner Entwicklung und vor allem der Beziehung mit Rick weitergeht.

Geek-Planet | The Walking Dead: Book 5

Wie jeden Donnerstag werfen wir auch heute wieder einen Blick in die Vergangenheit. Genauer gesagt auf den 14. September 2016. Damals erschien der folgende Text auf meinem Blog »Geek-Planet«, den es heute allerdings nicht mehr gibt. Trotzdem möchte ich, dass meine alten Texte auffindbar sind. Deshalb suche ich mir jede Woche einen heraus, redigiere diesen, versehe ihn mit einer Anleitung und veröffentliche ihn erneut.

Im Laufe der Jahre gab es sehr viele Charaktere in The Walking Dead. Dann gibt es natürlich noch die Unterschiede zwischen der Serie und dem Comic. Sei es, dass Charaktere unterschiedliche Entwicklungen durchmachen oder generell anders dargestellt werden als im anderen Medium. Manche tauchen dann gar nicht auf oder werden ersetzt. An Abraham kann ich mich gar nicht mehr erinnern, egal ob im Comic oder der Serie. Deshalb empfinde ich es als nochmal spannender, diese alten Texte durchzugehen. Ich kann mir die Story-Arcs erneut ins Gedächtnis rufen. Lediglich den Drang, die Serie oder den Comic erneut zu lesen oder zu schauen, muss ich unterdrücken. Aktuell habe ich schon reichlich Rewatch-Projekte am Laufen, da muss sich nicht auch noch The Walking Dead dazu gesellen.


Der Governor ist tot, das Gefängnis ist überlaufen mit Zombies und Rick und Carl sind von der Gruppe getrennt. Also alles in allem eine gute Ausgangssituation für einen spannenden Handlungsbogen.

  • Creator, Writer: Robert Kirkman
  • Penciler, Inker, Cover: Charlie Adlard
  • Gray Tones: Cliff Rathburn
  • Letterer: Rus Wooton
  • Erstveröffentlichung: 2010
  • Ausgaben: #49 bis #60

“Let me tell you how the world works since you fuckers don’t seem to have been paying attention for the last goddamn year of hell on earth we’ve all been living.” – Sergeant Abraham Ford

Wenn man so die Comics durchgeht und bereits die Serie gesehen hat, fällt auf, dass die Drehbuchautoren zwar die ikonischen Szenen herausgesucht haben, allerdings deren Kontexte geändert haben. Da wäre zum Beispiel die Szene, in der sich Rick, Carl und Abraham (in der Serie ist es Daryl) auf einer einsamen Straße befinden und von einer nicht gerade freundlich gesinnten Gruppe überfallen werden. Als sie dann Carl missbrauchen wollen, beißt Rick einem von ihnen die Halsschlagader durch, um seinen Sohn zu retten. Eine schockierende Szene, die in der Serie nicht weiter erwähnt wird oder Konsequenzen hat. Doch wenn man die Szene im Comic verfolgt, ist sie zwar immer noch schockierend und man feiert es irgendwie, weil es sowohl ein unerwarteter als auch cooler Move von Rick ist. Jedoch erfüllt die Szene einen Zweck. Es steckt mehr dahinter.

Denn nachdem sie Abraham begegnet sind, können sich Rick und er nicht sonderlich leiden. Was vorwiegend daran liegt, dass Abraham mit Dingen zu kämpfen hat, die er seit sich die Welt weiter bewegt hat (eine Stephen King Referenz) tun musste. Doch auf das Erlebnis hin nähern sie sich etwas an. Die drei Männer erzählen sich von den Taten, die sie gezwungen waren zu tun, oder von Ereignissen, die sie durchlitten haben. Sie erkennen, dass sie aus demselben Holz geschnitzt sind. Sie würden alles für ihre Familien tun oder haben alles für sie getan, was in ihrer Macht stand. In der Serie erfüllt Ricks Tat allerdings keinen besonderen Zweck. Sie ist einfach nur da.

Was wir in der Story-Arc „here we remain“ auch erleben, ist besonders für die weitere Entwicklung von Carl von großer Bedeutung. Rick wurde verletzt und muss gegen die Infektion sowie ein daraus resultierendes Fieber kämpfen. Dies schwächt ihn so sehr, dass er ohnmächtig wird und Carl sich um alles kümmern muss. Aus Angst und Trotz spricht er die Unabhängigkeit von seinem Vater aus. Er will sich selbst beweisen, dass er ihn nicht mehr braucht und auf sich selbst aufpassen kann. Dies ist zwar nur die halbe Wahrheit, doch die Umsetzung ist beeindruckend.

Immense doppelseitige Zeichnungen und die detaillierten Darstellungen der Protagonisten bilden eine dichte Atmosphäre. Als es Rick schließlich wieder besser geht, erleben wir die berühmte Sequenz mit dem Telefon, die in der Serie im Gefängnis stattfindet. Auch wenn man weiß, wie es endet, so ist es trotzdem herzzerreißend, alles mitzuverfolgen. Eben jene Sequenz ist ein anschauliches Beispiel, welchen Nutzen so etwas erfüllen kann. Ist es in der Serie nur für sich stehend, wird das Telefon im Comic später noch einmal aufgegriffen, damit sich Rick und Michonne näher kommen. Sie entdecken eine Gemeinsamkeit.

Es wird im Comic einfach darauf geachtet, allem seine Zeit zu lassen und sich langsam zu entfalten. Um vielleicht in Hershels Terminologie zu sprechen: Zuerst werden mit bestimmten Szenen Samen gestreut, die später Früchte tragen. Somit ist vieles nachvollziehbarer. Allerdings gibt es auch Beispiele, die ich nicht ganz so zugänglich finde. Dale würde am liebsten wo ansässig werden und nicht mehr durch die Gegend ziehen. Soweit so gut, doch um dieses Ziel zu erreichen, ist er bereit, Gefahren einzugehen, die nicht nur sein Leben, sondern ebenfalls das von Andrea und den Zwillingen bedroht. Sehr nachlässig, wenn man seine bisherige Vergangenheit betrachtet. Es bleibt spannend, wie lange er noch bereit ist, der Gruppe zu folgen.

Kommen wir aber nun zu Abraham und seinem Gefolge. Ich bin ja ein bisschen aus der Serie vorbelastet, da ich dort Eugene als einen der unsympathischsten Charaktere empfinde. Da er bisher genauso im Comic porträtiert wird, sieht es nicht gut für ihn aus. Mal sehen, wie es weiter geht mit ihm und wann er Abraham die Wahrheit erzählt. Über Rosita kann ich noch nicht so viel sagen, da sie bisher wenig zu tun hatte. Aber Abraham kommt genauso cool rüber, wie in der Serie. Seine Vergangenheit bzgl. was seiner Familie zugestoßen ist, verleiht ihm etwas Tiefsinnigeres und ich freue mich, ihn mehr mit der Gruppe interagieren zu sehen.

Was mich offen gestanden etwas überrascht hat, ist die Ansprache, die Abraham hält. Er wirft der Gruppe um Rick vor, sie würden sich nicht besonders gut auskennen. Zum Beispiel wissen sie nicht einmal, dass Schüsse Zombies anlocken oder sich daraus resultierend irgendwo große Herden bilden können. Dafür, dass bereits ein Jahr vergangen ist, hat mich diese Naivität oder Leichtsinnigkeit doch sehr überrascht. Abraham tut der Gruppe sicher gut und kann ihnen noch einiges beibringen.

Als Letztes haben wir dann noch Morgan, der wieder auf der Bildfläche erscheint und wahrscheinlich für einiges an Unruhe sorgen wird. Etwas, das mir besonders gut gefällt, ist, dass wir frühere Standorte wieder besuchen wie die Polizeistation. So kann man sich besser auf diese Welt einlassen und erhält ein glaubwürdigeres Bild von ihr, anstatt nur von einem Checkpoint zum nächsten zu springen.

Geek-Planet | The Walking Dead: Staffel 4

Wie jeden Donnerstag werfen wir auch heute wieder einen Blick in die Vergangenheit. Genau genommen auf den 18. Oktober 2015. An dem Tag erschien der folgende Text auf meinem Blog »Geek-Planet«, den es heute allerdings nicht mehr gibt. Trotzdem möchte ich, dass meine alten Texte auffindbar sind und erhalten bleiben. So bekommen diese hier ein neues Zuhause. Dazu suche ich mir jede Woche einen heraus, redigiere diesen und versehe ihn mit einer kleinen Einleitung.

Was mich an diesen Texten zu The Walking Dead etwas überrascht, ist, dass diejenigen zu der TV-Serie sehr viel länger ausfallen, als die zu den Comics. Allerdings habe ich die Comics erst später gelesen und zuerst die Serie angeschaut. Bei der erneuten Veröffentlichung der Texte fand ich es interessant, chronologisch vorzugehen. Außerdem ist es spannender, erst den Comic zu lesen oder zu besprechen und dann mit der Serie zu vergleichen. Ich würde allen, die in diese atmosphärische Welt abtauchen wollen, empfehlen, es in dieser Reihenfolge zu machen. Auch wenn die Serie in den ersten Staffeln hervorragend ist, nimmt die Qualität mit der Zeit ab. Ich glaube, die siebte Staffel war die letzte, die ich mir angesehen habe. Beim Comic allerdings wusste Robert Kirkman genau, wann es Zeit ist aufzuhören und ich finde das Erzähltempo um einiges gelungener.


Die vierte Staffel von „The Walking Dead“ ist die bisher beste der Serie. Dies liegt vorwiegend daran, dass sie mit drei unterschiedlichen Akten, die mal mehr, mal weniger miteinander verknüpft sind, viel Abwechslung bietet und so den Zuschauer*innen immer wieder neue Eindrücke liefert, die verarbeitet werden wollen.

  • Developed by Frank Darabont
  • Cast: Andrew Lincoln, Norman Reedus, Steven Yeun, Lauren Cohan, Chandler Riggs, Danai Gurira, Melissa McBride
  • Musik: Bear McCreary
  • Executive producers: David Alpert, Scott M. Gimple, Greg Nicotero, Robert Kirkman u.a.
  • Erstausstrahlung: 13. Oktober 2013 auf AMC

„How many walkers have you killed?“ … „How many people have you killed?“ … „Why?“

Seit dem starken Ende der vierten Staffel sind wieder ein paar Monate ins Land gezogen, und die Gefängnisinsassen sind ein gutes Stück gewachsen. Der findige „The Walking Dead“ Zuschauer erkennt schon, dass es sich bei den meisten wohl um sogenannte „Red Shirts“ handelt – Figuren, deren Aufgabe in einer Serie oder einem Film darin besteht zu sterben – typisches Kanonenfutter eben.

Wir haben nun einen gewissen Standpunkt erreicht, der ziemlich mit den Comics übereinstimmt, nur dass dort der Anbau von Gemüse, Korn und anderem Gewächs deutlich früher gestartet ist. Rick ist ruhiger geworden und hat sich in den wohl verdienten Ruhestand zurückgezogen. Längst fällt der Rat die wichtigsten Entscheidungen, und er versucht, Carl von diesem Lebensstil zu überzeugen, wenngleich dieser eher für Action geboren ist. Doch auf ihn komme ich im dritten Akt noch einmal genauer zu sprechen.

Wenn wir in unserer heutigen Welt Krank werden oder Beschwerden haben, gibt es im Prinzip drei Optionen: Ignorieren und warten bis es von allein wieder weg geht; Globuli nehmen, was das Gleiche ist, wie die erste Methode nur um ein Vielfaches bescheuerter oder aber wir gehen zum Arzt, bekommen, wenn es etwas Gröberes ist, Medizin verschrieben und nach ein paar Tagen im Bett sind wir wieder fit und können zurück an die Arbeit. Doch was tun, wenn gerade die Zombies, ähm entschuldigt, Walker-Apokalypse am Laufen ist? Richtig! Nichts, hoffen, dass zufällig ein Arzt in der Gruppe ist und dieser weiß, wie man die Krankheit behandelt.

Zwar haben unsere Freunde zufällig einen Arzt gefunden, aber immerhin ist Hershel Veterinärmediziner und kann auch ziemlich gut Menschen versorgen. Doch gegen eine herzhafte Grippe kann er ohne Medikamente nur wenig ausrichten. Ein interessanter Aspekt, den ich in einem Forum gelesen habe, war, dass es möglich ist, dass der Virus, mit dem alle Menschen infiziert sind, die Auswirkungen der Grippe erneut verstärkt. Denn die Frage war, warum so viele Menschen daran gestorben sind. Doch wir vergessen oft, welch hohen Lebensstandard wir haben und sind daran gewöhnt, immer etwas Gutes zu Essen zu haben und vor allem frisches Wasser. Chips fressend vor dem Fernseher eine fiktive Zombie-Apokalypse beobachten zu können, ist eben ein Privileg.

Wie dem auch sei; ich finde die Auswirkungen der Krankheit realistisch und vor allem überzeugend dargestellt. Dies liegt nicht nur an den Make-ups, die alle tragen und sie so aussehen lassen, als ob sie den nächsten Tag nicht mehr erleben werden, sondern auch an den Darsteller*innen. Ich habe allen das Leid und die Qual abgekauft. Es ist heroisch, wie Hershel sich selbstlos in die Quarantänestation begibt und damit sein Leben riskiert, um das der anderen ein wenig besser zu machen. Ein großartiger Start einer tollen Staffel.

„You can’t think forever. Sooner or later, you gotta make a move.“ – The Governor

Der zweite Akt beginnt mit dem Governor. Ihn begleiten wir direkt vom Ende der dritten Staffel auf dem Weg durch das Land. Er hat alles verloren und ist ein gebrochener Mann. Die Auftaktepisode mit ihm ist stimmungsvoll und bewegend. Der Darsteller David Morrissey weiß zu überzeugen. Nach langem, qualvollem wandern möchte man ihm am liebsten Unterschlupf und was zu essen anbieten. Diesen Unterschlupf findet er schließlich bei einer Ersatzfamilie. Besonders die Szenen mit dem kleinen Mädchen Meghan sind beeindruckend, und die beiden haben eine wundervolle Chemie miteinander. Vor allem, wie sie einander aus ihrer emotionalen Verschlossenheit herausholen, finde ich gut umgesetzt und eine interessante Wendung der Ereignisse. Man erkennt, dass sich Brian, auch bekannt als Philip, auch bekannt als The Governor wirklich bessern und mit dieser Familie einen neuen Anfang wagen möchte.

Umso enttäuschter und nicht nachvollziehbar fand ich dann, dass er bei der ersten Gelegenheit, die sich ihm bietet, das Ganze wieder über den Haufen wirft und zu seinem alten Verhalten als Tyrann zurückkehrt. Er tötet alle, die sich ihm in den Weg stellen könnten, und zerstört wieder die Hoffnung darauf, dass es doch noch Menschen gibt, die sich zu einer friedlichen Gemeinschaft zusammenschließen wollen. Eine Gemeinschaft, die einfach nur versucht, in der neuen Weltordnung zu überleben. Sollte es dann doch einmal solche Menschen geben, werden sie von den Tyrannen überrollt und dann auch gleich noch am besten mit einem Panzer, um sicherzugehen, dass sie die Botschaft kapieren. Wenn dabei das einzige, große und sichere Gebäude weit und breit zerstört wird, was soll’s, Hauptsache ich habe gewonnen und meinen sturen Kopf durchgesetzt. Ich verstehe die Figur des Governors nicht. Ich verstehe weder seine Beweggründe noch seine Ziele. Was will er in dieser Welt erreichen? Eine Familie, die er lieben und beschützen kann? Die totale Kontrolle über den Rest der Menschheit?

Zu allem Überfluss muss für diese Tyrannei Hershel seinen Kopf hinhalten. Nach dem Abgang von Dale, der genauso sinnlos gestorben ist, ist Hershel der nächste moralische Anker der Gruppe, der dran glauben musste. Ich verstehe, dass es für den anschließenden Krieg, der wirklich beeindruckend dargestellt ist und in dem besonders Daryl zeigen darf, was in ihm steckt (er ist so etwas wie Legolas in der „Herr der Ringe“, zumindest in dieser Episode), einen Auslöser geben musste, doch es laufen so viele „Red Shirts“ umher, warum nicht einer von denen. In den ersten fünf Episoden hätte man diesen Charakter so aufbauen können, dass er ein wertvolles Mitglied geworden ist, und es wäre fast genauso tragisch gewesen. Vor allem deshalb, weil es mit dem Schwert von Michonne Schwert passiert.

Nun ist aber der Governor tot und die letzten Überlebenden der Gruppe mussten sich aufteilen und getrennt voneinander flüchten, auf der Suche nach Schutz und Essen.

Rick: „They are gonna feel pretty stupid, when they find out …“
Abraham: „Find out what?“
Rick: „They are fucking with the wrong people.“

Was mir in dieser Staffel besonders positiv aufgefallen ist, sind die ungewöhnlichen Teams, die sich immer wieder bilden. Meist sind es ja immer ähnliche Protagonist*innen, die miteinander unterwegs sind, um diverse Aufgaben zu erledigen. Doch durch die gesamte Staffel hinweg werden sie immer wieder bunt durchgemischt. Dies verleiht der Serie eine Dynamik, die ich bisher nicht gespürt habe. Besonders hervorheben möchte ich hier Carol und Rick, die bei einem Ausflug nicht nur „Oswald ‘The Penguin’ Cobblepot“ höchstpersönlich begegnen (oder zumindest dem großartigen Schauspieler, der ihn in der Serie „Gotham“ verkörpert). Rick muss feststellen, dass sie eine Mörderin ist. Sie tut alles für den Schutz der Gemeinschaft, auch wenn dies bedeutet, die Kranken zu töten und zu verbrennen. Sie einigen sich mehr oder weniger darauf, dass es das Beste ist, wenn Carol allein weiterzieht, und man sieht sie erst nach dem Krieg im Gefängnis wieder. Ihre Entwicklung durch alle Episoden hinweg ist beeindruckend und gipfelt in den Szenen mit Tyreese, Judith und den Zwillingen. Diese großartig dargestellte Nebenhandlung ist ein kleines Meisterwerk innerhalb des TWD-Universums. Die Bilder sprechen oft für sich und dürfen mit einem gewaltigen Soundtrack ihre gesamte Wirkung verbreiten. Die Geschichte schaukelt sich dramatisch immer weiter auf, man sitzt fassungslos vor dem Fernseher. Hut ab vor allen Beteiligten, eine wirklich grandiose Leistung.

Insgesamt ist die Staffel kameratechnisch äußerst beeindruckend. Ich würdige dies viel zu selten, da ich mich so sehr in die Geschichte hineinsteigere, doch egal ob Musik, Kamera, Drehbuch oder Editing, alles passt. Obwohl ich manche Entscheidungen von Charakteren nicht nachvollziehen kann, soll das nicht im mindesten die Gesamtleistung schmälern, die das Team von AMC hier abliefert. „The Walking Dead“ ist eine cineastisch beeindruckende Serie, die mich in ihrer vollen Pracht gefangen genommen hat und hoffentlich so schnell nicht wieder loslässt.

Doch zurück zur Geschichte. Alle einzelnen Gruppen haben ein Ziel: Terminus! Ein Ort, an dem alle, die ihn erreichen, Zuflucht und Schutz geboten bekommen. Auf deren Reise wachsen noch einmal alle über ihre persönlichen Grenzen hinaus oder lernen diese auf die harte Tour kennen. Beth findet ihren Mut, Michonne begreift, wie sehr sie die anderen benötigt und Daryl schließt mit seiner Vergangenheit ab. Rick muss einsehen, dass er seinem Sohn mehr Freiraum geben muss. Glenn auf der anderen Seite lernt eher wenig, da er einfach stur seinen Kopf durchsetzt, teilweise auf Kosten von anderen (er ist genau genommen zu einem kleinen Arsch geworden – genau passend für Maggie; die beiden werden mir irgendwie immer unsympathischer, je weiter ihre Geschichte vorankommt). Und Bob lernt, dass er nicht dafür verantwortlich ist, dass alle um ihn herum sterben.

Carl lernt im Besonderen, dass er nicht so unabhängig ist, wie er es gerne hätte. Er benötigt seinen Dad genauso, wie dieser ihn benötigt. Der anscheinende Verlust von Judith nagt besonders an ihn. Ich vergesse manchmal, dass jeder Mensch unterschiedlich mit Verlust umgeht. Besonders in der Situation, in der sie sich befinden. Immer unterwegs, immer unter Stress und Druck – es gibt wenig Zeit, über die Situation nachzudenken und das Erlebte zu reflektieren. Bei Carl äußert sich dies in rücksichtslosem und respektlosem Verhalten. Nachdem mir dies klar geworden ist, konnte ich seine Geschichte besser begreifen. Ich genieße diese Aha-Momente, da es mich den Charakteren näher bringt und ich tiefer in ihre Psyche und Gedankenwelt eindringen kann. Wie bereits oben erwähnt, hatte ich beim Governor nie einen solchen Moment, deshalb ist er für mich so unnahbar und unsympathisch. Ich bin ehrlich gespannt auf das Buch und hoffe, es bietet einige erhellende Momente.

Es war eine fantastische Staffel, und die Zombies sahen erneut spektakulär aus. Sie zerfallen immer weiter und weiter, teilweise sind sie wirklich nur mehr Haut und Knochen. Ich kann verstehen, warum sie ab der sechsten Staffel auf Computergenerierte Degeneration zurückgreifen. Früher oder später stößt man an Grenzen und kann es nicht mehr glaubhaft mit Masken und Prothesen darstellen – aber ich habe großen Respekt davor, dass sie es so lange durchgehalten haben.

Geek-Planet | The Walking Dead: Book 4

Es ist Donnerstag und das bedeutet, wir werfen einen Blick in die Vergangenheit. Genauer gesagt auf den 31. August 2016. An dem Tag erschien auf meinem damaligen Blog »Geek-Planet«, den es heute nicht mehr gibt, der folgende Text. Doch auch wenn es den Blog nicht mehr gibt, sollen meine alten Texte auffindbar sein. Deshalb suche ich einmal pro Woche einen Text heraus, redigiere diesen etwas und versehe ihn mit einer kleinen Einleitung.

Ich bin sehr froh, dass ich mich entschieden habe, die alten Texte noch einmal durchzulesen und mit Hilfe des tollen Programms LanguageTool Korrekturen durchzuführen. Es haben sich schon einige peinliche Tipp- und Rechtschreibfehler eingeschlichen, die sich leicht hätten vermeiden lassen. Aber damals habe ich noch ohne Korrektursoftware gearbeitet und man selbst übersieht immer wieder etwas. War die Rezension des letzten Buches von The Walking Dead noch sehr viel ausführlicher, fällt es bei Book 4 deutlich weniger detailliert aus. Aus heutiger Sicht würde ich mir wünschen, dass gewisse Aspekte deutlicher hervorgehoben oder mit mehr Tiefgang diskutiert werden. So verblassen manche „schockierende“ Momente in der Besprechung des Comics. Das ist mir beim vorhergehenden Buch etwas besser gelungen.


Wie bereits im Wochenrückblick erwähnt, wurde es an der Zeit, mal wieder mit The Walking Dead weiterzumachen. Vor allem auch deshalb, weil ich damals, als ich mit dem Comic angefangen habe, gleich neun Hardcover-Sammlungen gekauft habe. Bevor diese zum Staubfänger werden, muss ich sie lesen und reviewen. Also, los geht’s.

  • Creator, Writer: Robert Kirkman
  • Penciler, Inker, Cover: Charlie Adlard
  • Gray Tones: Cliff Rathburn
  • Letterer: Rus Wooton
  • Erstveröffentlichung: 2008
  • Ausgaben: #37 – #48

“It´s a girl.” – Alice

Wenn man so ein paar Monate nach dem Ende der sechsten Staffel bei Book Four einsteigt, muss man sich erst wieder daran gewöhnen, welche Umstände vorherrschen. Wir sind im Gefängnis und das Leben hat eine Art Normalität erreicht, wenn das überhaupt möglich ist. Hershel pflanzt diverse Gemüsesorten an, es finden Schusstrainings statt und man lebt sich ein; erholt sich von vergangenen Ereignissen.

Was mich doch sehr überrascht hat, ist, wer noch alles lebt. Vor allem im Unterschied zur Serie. Doch nicht nur das hat mich mehr oder minder kalt erwischt: Mir war gar nicht mehr bewusst, wie unterschiedlich die einzelnen Charaktere porträtiert werden. Hier treffen wahrlich Welten aufeinander. Doch schnell gewöhnt man sich wieder an die vorherrschenden Umstände und begleitet die Charaktere.

Der Titel des ersten Handlungsbogens lautet „the calm before“ und genau das wird geboten. Wir begleiten unsere Protagonisten in ihrem Alltag im Gefängnis und wie sie mit den verschiedenen Herausforderungen umgehen, denen sie tagtäglich begegnen. Ich persönlich schätze solche Momente, vor allem in so einem Comic, da es die Möglichkeit eröffnet, die einzelnen Charaktere näher kennen zu lernen und sie vielleicht so zu erleben, wie sie vor dem Virus waren. Doch diese „Normalität“ ist auch gefährlich, denn man gewöhnt sich an die angebliche Sicherheit und manche planen sogar eine Familie. Wie schnell sich aber die Umstände ändern können, wird spätestens in der zweiten Story-Arc „made to suffer“ klar. Der Governor hat sich langsam von den Verletzungen erholt, die ihm Michonne zugefügt hat, und plant seine fürchterliche Rache. Mich überrascht, wie blind die Bewohner der Stadt sind – oder sie ignorieren es nur erfolgreich. Doch der Governor schafft es, es ihnen so zu verkaufen, als seien die anderen die Bösen und deshalb müssten sie das Gefängnis erobern und dessen Bewohner vom Angesicht der Erde tilgen.

Wie dann die einzelnen Angriffe vonstattengehen, finde ich ausgezeichnet umgesetzt und ich glaube, dass es tatsächlich so hätte ablaufen können. Manche Bluffs gehen auf, andere wieder nicht. Und wenn alle Stricke reißen, handelt der Governor sehr impulsiv und will unsere Protagonisten einfach nur vernichten.

Wie viele dann aber wirklich gestorben sind und wer überlebt hat, bleibt bis zum Ende nicht ganz klar. Aber eines war dann doch schockierend, denn der Comic traut sich, einen Schritt zu gehen, den die Serie nicht gemacht hat: Nicht nur Lori stirbt, sondern auch das Baby. Es gibt natürlich immer noch eine Chance, dass Judith überlebt hat, doch es ist wirklich nur eine winzige. Es bleibt spannend. Die Gruppe ist zerstreut und Rick und Carl müssen sich wieder in der Wildnis durchschlagen, ohne viele Vorräte.

In gewisser Weise gefällt mir der Comic besser als die Serie, da die Charaktere unterschiedlicher und besser ausgehandelt sind. Zudem gibt es mehr von den ruhigen Momenten, die zwar immer mal wieder durchbrochen werden, aber der Fokus liegt etwas anders und ist sehr erfrischend. Mal sehen, wohin es in Book Five gehen wird.

Geek-Planet | The Walking Dead: Staffel 3

Es ist Donnerstag und das bedeutet, wir sehen uns einen alten Text von mir an. Jede Woche suche ich mir einen heraus, redigiere diesen, versehe ihn mit einer Einleitung und veröffentliche ihn erneut. So sollen alle alten Texte von mir irgendwann hier auffindbar sein, die ich für meinen ehemaligen Blog »Geek-Planet« geschrieben habe. Den Blog gibt es allerdings nicht mehr. Der folgende Text stammt vom 14. Oktober 2015.

Immer wieder bin ich fasziniert davon, welche Erkenntnisse ich aus den alten Texten herausholen kann. Zum einen überrascht es mich, dass ich mir die dritte Staffel von The Walking Dead scheinbar innerhalb von zwei Tagen angeschaut habe. Das würde ich heute nicht mehr tun.

Zwar schaue ich gerne regelmäßig am Abend Filme oder Serien oder verliere mich in einem Spiel, aber Binge-Watching oder Binge-Gaming tue ich heute nicht mehr. Ich erinnere mich noch, dass ich beispielsweise die beiden Fortsetzungen von Assassins Creed II an jeweils einem Wochenende durchgespielt habe, als diese frisch erschienen sind. Mittlerweile genieße ich es, mir Zeit zu lassen und die Erfahrung dieser tollen Medien und der Geschichten, die sie zu erzählen haben, nicht zu überstürzen. Klar gibt es mal längere Spiele-Sessions, aber das sind dann ein paar Stunden und nicht gleich ein ganzer Tag. So ändern sich eben die Zeiten.

Für letzte Woche hatte ich mir den Text vom dritten Buch des Comics von The Walking Dead herausgesucht. Es kommt jetzt übrigens jede Woche The Walking Dead. Ich will etwas in diesem Universum bleiben, zumindest in Form meiner alten Texte dazu. Jedoch war mir nicht bewusst, dass ich zuerst die Serie und dann den Comics gelesen hatte. Eigentlich die falsche Reihenfolge. Ist der Comic doch um einiges erbarmungsloser, brutaler und mitreißender, als es die Serie je sein könnte. Meine Empfehlung wäre es also, erst den Comic zu lesen und dann die Serie zu schauen. Am besten auch nacheinander. Mein damaliger Wechsel zwischen den Medien hat nicht gutgetan. Ich habe ständig verwechselt, was wo passiert ist. Beide Geschichten, die sich durchaus voneinander unterscheiden, haben sich in meinem Kopf vermischt. Dabei haben es beide gleichermaßen verdient, auf ihre jeweilige Art geschaut oder gelesen zu werden.


Sieben Monate auf der Straße und das auch noch im Winter machen aus einer chaotischen Gruppe wohl ein beinahe perfekt organisiertes Team, das füreinander einsteht. Der Unterschied zur letzten Staffel ist wirklich gewaltig. Die Figurenzeichnung hat deutlich an Qualität zugenommen. Besonders Carl hat sich gemausert – er ist ein wertvoller Teil der Gruppe geworden und beteiligt sich an vielen Missionen. Man könnte ihn schon beinahe als Badass bezeichnen.

  • Developed by Frank Darabont
  • Cast: Andrew Lincoln, Sarah Wayne Callies, Laurie Holden, Norman Reedus, Steven Yeun, Lauren Cohan, Chandler Riggs, Danai Gurira, Michael Rooker
  • Musik: Bear McCreary
  • Executive producers: Frank Darabont, Gale Anne Hurd, David Alpert, Robert Kirkman u. a.
  • Erstausstrahlung: 14. Oktober 2012 auf AMC

“People with nothing to hide don’t usually feel the need to say so.” – Michonne

Anders als erwartet steigen wir bereits in dieser Staffel direkt mit dem Gefängnis ein, so wie es auch in der letzten Episode angeteasert wurde. Gekonnt schaltet die Gruppe alle Zombies im Vorhof und zwischen den beiden Zaunreihen aus. Anschließend geht es ins Innere und schon bald haben sie ein neues, sicheres zu Hause. Dieser Startpunkt gefällt. Zwar hat es auch seinen Reiz, wenn sie auf der Straße unterwegs sind und nicht wissen, was hinter der nächsten Kurve auf sie lauert, doch der Schauplatz bietet wie auch schon im Comic einen hervorragenden Ausgangspunkt für spannende Geschichten.

Ich dachte, ich benötige ein wenig Zeit, um mich wieder mit dieser Truppe vertraut zu machen, da sie sich doch etwas von der Vorlage unterscheidet, doch nach wenigen Minuten war ich in dieser Welt gefangen. Elf Folgen an einem Abend, dann durchgeschlafen und am Sonntagmorgen die restlichen fünf, so war meine Erfahrung mit der dritten Staffel von The Walking Dead. Ich mag solche »Binge-Watching-Events« sehr gerne, da man über einen längeren Zeitraum in dieser Welt bleibt und sich das Denken anpasst. Man bekommt das richtige Mindset und anschließend muss man sich erst wieder in der realen Welt orientieren. Es bereitet immer wieder Freude. Besonders deshalb, weil ich weiß, dass es bald wieder weiter geht – doch zuvor möchte ich den nächsten Comic lesen und mich etwas von den Geschehnissen erholen, denn zum Teil war es richtig harter Tobak, der den Autor*innen eingefallen ist.

Am markantesten in Erinnerung wird mir wohl die Geburt von Judith, Carls Schwester, bleiben. Auf der Flucht vor den Zombies, die durch den Alarm des Gefängnisses angelockt wurden, geraten Lori, Carl und Maggie in einen Raum und natürlich setzen die Wehen ein. So muss Maggie einen Kaiserschnitt durchführen. Ich benötigte anschließend erstmal eine kurze Pause. Der Regisseur ist unnachgiebig und lässt die Kamera immer am Geschehen, ohne einen wirklichen Schnitt – es geht immer weiter. Schließlich wird Lori von den Schmerzen ohnmächtig und stirbt am Blutverlust. Dass Carl ihr den Kopfschuss verpassen muss, damit sie nicht zu einem Zombie wird, hat mir dann endgültig den Rest gegeben. Eine wahnsinnige Szene, in der nicht nur die Schauspieler*innen eine Meisterleistung abgeliefert haben. Ricks anschließende Rache an den verbliebenen Zombies ist eine logische Konsequenz, und sein manisch brutaler Gang durch das Gefängnis ist nicht nur herzzerreißend, es führt schließlich auch zum Bruch seiner Psyche. Er kann eben nicht alles bewältigen und ist, wie auch schon Batman feststellen musste, eben doch nur ein Mensch. Andrew Lincoln erreicht hier einen Höhepunkt seines Könnens und hat mich vollkommen von seiner Manie überzeugt. Am liebsten würde man ihm eine Pause gönnen, ihn in eine Zelle sperren und einfach mal drei Tage durchschlafen lassen – verdient hätte er es sich.

Apropos intensive Szenen. Das Bild von Glenn und Maggie, wie sie von Merle und dem Governor gefoltert, bloßgestellt und psychisch unter Druck genommen werden, hat sich ebenfalls in mein Gedächtnis gebrannt. Man könnte sich immer mit dem Fakt aus der Situation retten, dass doch alles nicht echt ist, doch wenn es so real wirkt und die emotionale Verbindung mit den Protagonisten in dem Moment so aufgeladen und intim wirkt, kann man nicht anders als schockiert vor dem Bildschirm zu sitzen und fassungslos zuzuschauen. Man hofft auf ein baldiges Ende, doch den Autor*innen fallen immer grausamere Taten ein. Sie zeigen eindrucksvoll, dass die Walker nicht das Gefährlichste in dieser Welt sind. Und sie müssen nicht unbedingt nur erschossen und erstochen werden, sondern eignen sich super als primitive Folterinstrumente – wenn man sie nicht gerade für Showkämpfe zweckentfremdet.

Positiv aufgefallen ist mir allerdings (außer Schauspiel, Musik, Atmosphäre und Cinematographie), dass es zumindest innerhalb einer Staffel Konsequenzen gibt, wenn sie schon staffelübergreifend nicht funktionieren. So begleiten die beiden ihre Erfahrung über mehrere Episoden hinweg. Nicht nur die physischen, sondern vor allem die Mentalen.

Kommen wir von expliziten Szenen nun zu ein paar Figuren. Allen voran der Governor. Ihn lernen wir bald kennen und ich muss zugeben, dass er sich als nicht gerade der beste Bösewicht entpuppt. Er ist grausam, man möchte ihm nicht bei Nacht begegnen (oder auch bei Tag). Er ist ein richtiger Psychopath, der alles macht, um seine Ziele zu erreichen – Lügen, Manipulation, Mord, alles keine Fremdwörter für ihn – am liebsten möchte er die absolute Kontrolle über alles und jeden in der Umgebung. Doch irgendwie will er sich nicht so richtig als das ultimative Böse, das er darstellen soll, etablieren. Einerseits möchte er seine Familie zurück, andererseits möchte er mordend ein paar Städte beherrschen. Sein Konflikt mit Michonne kommt in der Serie auch nicht so wirklich rüber. Zwar verstehe ich, dass man aus Zeitgründen nicht alles zeigen kann oder will, doch diesen absoluten Hass kann ich nicht nachvollziehen. Als sie dann auch noch seine Zombietochter töten, ist es endgültig vorbei.

Da wir gerade dabei sind, auch Michonne gehört zu den interessantesten neuen Figuren. Ihre Talente, mit dem Samuraischwert allein, machen sie mysteriös und ihre Vergangenheit würde ich gerne näher kennen – da bin ich schon auf die Bücher gespannt, wo sie anscheinend auch eine größere Rolle einnimmt. Anfangs ist sie sehr schweigsam und so richtig warm ist sie mit Andrea nicht geworden, auch wenn sie knapp über sieben Monate miteinander verbracht haben. Sie scheint mit den anderen aus der Gruppe, schon aufgeschlossener zu sein und wird zum Ende hin richtig mitteilungsbedürftig. Ihre Stärke, Disziplin und Durchsetzungsvermögen werden der Gruppe noch guttun. Sie erinnert ein wenig an eine weibliche, härtere Version von Daryl.

Auch er ist nun endgültig in der Gruppe angekommen und sorgt sogar für das Baby. Er und Carol könnten ein nettes Paar abgeben, auch wenn ich nicht denke, dass dies je geschehen wird. Sie sind gute Freunde, die sich vertrauen. Zu sehen, wie er wieder mit seinem Idioten von Bruder weiterzieht, tut beinahe körperlich weh. Ich kann nachvollziehen, warum er es tut, doch es fühlt sich einfach falsch für ihn an. Da kann die durchaus positive Entwicklung von Merle nichts daran ändern.

Der Rest der Gruppe hat einen Platz und eine Funktion gefunden, mit der sie zurechtkommen. Glenn entwickelt sich zu einem durchsetzungsfähigen zweiten Anführer und ist nicht mehr mit dem Glenn der ersten Staffel zu vergleichen. Beth ist die Ersatzmutter für Judith und kümmert sich rührend um sie. Wenn sie anfängt zu singen und alle aus der Gruppe lauschen, bekommt alles ein heimeligeres Gefühl. Carol hält den Betrieb am Laufen und macht alles, angefangen vom Babysitten bis zum Erschießen von Zombies. Ihre Entwicklung gefällt mir ebenfalls hervorragend und ich hoffe, sie bleibt uns noch eine Weile erhalten. Es gibt noch eine Menge Punkte, die mir in dieser Staffel gut gefallen haben. Sei es das Wiedersehen mit Morgan, die Einführung von Tyreese und seiner Gruppe, Andreas Schlichtungsversuch mit den beiden Parteien, Miltons Entwicklung vom folgsamen Gehilfen zum aktiven Widerständler, Hershels innige Unterhaltungen mit jedem aus der Gruppe und so viel mehr. Sowohl die Fortführung der Geschichte als auch die der Charaktere überzeugen auf ganzer Linie und haben mich bis zur letzten Minute gefesselt. Ich bin mehr als gespannt, wie es weiter geht und denke, dass wir noch längere Zeit im Gefängnis verbringen werden.

Aber kommen wir mal etwas weg vom Inhalt der Serie und widmen uns etwas dem Aufbau – dem ich viel zu wenige Worte widme. Allein die Sets sind schon erwähnenswert. Die Wälder, das Gefängnis, die Stadt des Governor; alles fühlt sich echt an und nur selten kommt einem der Gedanke, das ist jetzt aber ein künstlich aufgebautes Modell.

Auch die Kameraeinstellungen, die teilweise mit einem ungewöhnlichen Blick auf das Geschehen überraschen, sind gut gewählt. In manchen Episoden starten wir zum Beispiel aus der Sichtweise eines Zombies, bevor wir den Protagonisten begegnen. Bei der Unterhaltung zwischen Rick und dem Governor blickten wir von oben durch eine Luke auf sie. Passend zu den Kamerafahrten und dem Geschehen ist auch die Musik ausgewählt. Nur selten nimmt man sie bewusst wahr, so wie es auch sein soll. Sie ist dazu da, das Geschehene zu unterschreichen, zu intensivieren.

Wie ihr seht, bin ich sehr beeindruckt, wie sehr sich die Qualität von Staffel zwei auf drei gesteigert hat. Wenn sie dies beibehalten können, stehen uns noch viele spannende Abenteuer bevor und am neugierigsten bin ich eindeutig darauf, wo es nach dem Gefängnis hingeht und wer schließlich den Governor tötet, außer er bleibt uns noch über längere Zeit erhalten.

Geek-Planet | The Walking Dead: Book 3

Wie jeden Donnerstag sehen wir uns auch heute wieder einen alten Text von mir an. Der folgende stammt vom 15. Oktober 2015 und erschien damals auf meinem Blog »Geek-Planet«, den es heute allerdings nicht mehr gibt. Trotzdem möchte ich, dass alle meine Texte auffindbar sind. Deshalb redigiere ich jede Woche einen alten Text, versehe ihn mit einer kurzen Einleitung und veröffentliche ihn erneut.

Das dritte Buch von The Walking Dead ist wohl eines der besten Horror-Comics, die ich gelesen habe. Zwar kommen so manch andere sehr nahe heran, doch von der dichten Atmosphäre, dem psychischen Terror und dem, was einem als Leser*in in den Kopf gepflanzt wird, ist das dritte Buch ungeschlagen. Es ist mir bis heute im Gedächtnis geblieben, und als ich den Text las, sind ein paar weitere Erinnerungen an die Geschichte zurückgekommen. Robert Kirkman hat etwas wirklich Besonderes geschaffen. Man mag von den (vielen) Serien halten, was man möchte, aber der Kern der Geschichte, der Comic, auf dem alles basiert, ist qualitativ hervorragend. Besonders die frühen Geschichten waren abwechslungsreich, erfrischend anders und haben gezeigt, wozu Comics in der Lage sind.


Ein großer Faktor, der die Qualität oder besser gesagt Erfahrung mit einem Comic deutlich beeinflussen kann, ist die Geschwindigkeit, mit der man durch die Seiten wälzt und wie viel Mühe man in die bewusste Wahrnehmung der Figuren steckt. Damit meine ich Stimmlagen, Betonungen, Aussprachen, aber auch Vorstellungen über Bewegungsabläufe und Umgebungsgeräusche. Durch das zweite Buch bin ich eher schnell durchgerauscht, weil ich endlich zur nächsten Staffel kommen wollte. Beim dritten Buch habe ich mir mehr Zeit gelassen und die Erfahrung war beeindruckend intensiv.

  • Creator, Autor: Robert Kirkman
  • Penciler, Inker, Cover: Charlie Adlard
  • Gray Tones: Cliff Rathburn
  • Letterer: Rus Wooton
  • Erstveröffentlichung: 2007
  • Ausgaben: #25 – #36

„Don’t pass out now, sister. We are just getting warmed up.“ – Governor

Aus der Serie wissen wir ja bereits, dass, nachdem wir das Gefängnis entdeckt und bewohnt haben, der Governor nicht mehr lange auf sich warten lässt. Sein Auftreten ist dann gleich äußerst monumental und die gesamte Erfahrung mit ihm hat mich emotional mehr mitgenommen, als es in der Serie jemals der Fall war. Dies liegt vorwiegend an der konsequenten Charakterzeichnung – hier darf er einfach nur böse sein. Ein Psychopath, der das macht, was er will. Wenn ihm jemand in die Quere kommt, sollte der oder in dem Fall diejenige besser das Weite suchen.

Nachdem unsere drei Gefährten Rick, Glenn und Michonne bei einem Ausflug mit dem Auto stecken bleiben und sich eine Zuflucht suchen müssen, kommen sie nach Woodbury. Dort werden sich gleich den grausamen Spielen vorgeführt, die dort stattfinden. Bei dem Versuch zu entkommen, verliert Rick seine rechte Hand, was äußerst brutal und kaltblütig wirkt – wiederum bin ich froh über die schwarz-weiß-Zeichnungen (an einer anderen Stelle wird dies ebenfalls noch von großem Vorteil sein). Michonne weiß sich zu wehren und beißt dem Governor kurzerhand ein Ohr ab, während Glenn schnell außer Gefecht gesetzt ist.

Michonne hat mit ihrer Aktion etwas losgetreten, das man nur als bestialisch bezeichnen kann. Stehend an Armen und Beinen gefesselt, wird sie vom Governor brutalst misshandelt und vergewaltigt. Dass diese Darstellungen nur passiv dargestellt werden, ist ein Segen und ein Fluch zugleich. Man möchte so etwas nicht mitansehen, aber dadurch, dass man »hört«, was passiert, stellt man es sich um ein Vielfaches brutaler vor – so macht man emotional mitreißenden Horror. Glenn sitzt in der Zelle nebenan und man bekommt nur durch Geräusche und den unmenschlichen Monolog des Governor eine ungefähre Vorstellung von dem, was vor sich geht. Nach der Szene benötigte ich erstmal eine Pause, denn so intensiv und schwer verdaulich waren bis jetzt nur sehr, sehr wenige Szenen in Comics.

Die spätere Rache von Michonne ist ebenfalls grausam und man könnte mit dem Mann schon fast Mitleid haben. Was die Frau alles mit seinem Penis, Auge, Arm und seiner Hüfte anstellt, ist erstaunlich, von dem Löffel möchte ich gar nicht erst anfangen. Sie bekommt jedenfalls ihre Rache, doch sie übersieht ein kleines Detail, welches ihr später noch zum Verhängnis werden könnte.

Mit Rick und Glenn spielt der Governor geschickte Spielchen und trickst sie gekonnt aus. An einer Stelle ist die Maskerade und die Erzählweise der Geschichte so gut, dass auch ich darauf hereingefallen bin. Book 3 überbietet allgemein die künstlerischen Leistungen des zweiten Bandes um ein Vielfaches, was besonders daran liegt, dass es mehr doppelseitige Darstellungen und Panelstrukturen gibt. Diese wirken sehr imposant und sind für ein schnelles Geschehen oder ruhige Überblickzeichnungen perfekt gemacht.

Die Handlung in Woodbury nimmt einen Großteil der Geschichte ein und zieht sich über beide Kapitel („The best defense“ und „This sorrowful life“). Was mir weniger gut gefallen hat, aber nur im Vergleich mit der Serie, ist der Charakter von Carol. In der Serie ist sie die starke, selbstbewusste Frau, die alles macht, um die Gruppe zu schützen. Im Comic dagegen macht sie sich an Lori ran, möchte als zweite Frau Rick heiraten und so weiter. Dies gefällt eher weniger und ist, wenn man die Serie kennt, äußerst gewöhnungsbedürftig. Wenn es so weitergeht, wird sie den kommenden Krieg wohl nicht überleben.

Wie in der Serie wird ein Helikopter eingeführt, der abstürzt und Militärs beinhaltet. Woher dieser kommt und welchen Zweck die Ausflüge haben, wissen wir in beiden Medien noch nicht, doch ich bin davon überzeugt, dass es nur mehr eine Frage der Zeit ist, bis wir herausfinden, was dahintersteckt. Zwar bin ich nicht gerade ein Fan von militärzentrierten Geschichten, doch lasse ich mich gerne von Robert Kirkman eines Besseren belehren.

Das letzte Thema, das ich für heute ansprechen möchte, ist der Tag-Nacht-Zyklus im Comic. Es fällt sehr schwer, sich bei den schwarz-weiß-Zeichnungen zu orientieren, ob es gerade morgen ist oder schon wieder Abend. Es hat mich zwar im letzten Buch etwas gestört, dass oft gesagt wurde, es würde gleich dunkel werden, doch es hat zumindest zur Orientierung beigetragen. Dies habe ich hier sonderbarerweise vermisst. Ich hätte keine Idee, wie man es besser darstellen könnte. Vielleicht würde bereits ausreichen, wenn gelegentlich ein Panel dazwischenkommt, das die Protagonisten beim Aufstehen oder „Gute Nacht“ sagen zeigt. Der Governor zum Beispiel machte, wenn ich mich richtig erinnere und die Geschichte richtig interpretiere, zwischendurch ein Nickerchen. Hier fände ich es nicht schlecht, wenn dieses Thema in den nächsten Ausgaben besser umgesetzt wird.

Ansonsten war es eine fantastische Ausgabe, die einiges an Material bietet, um darüber nachzudenken und schlechte Träume zu bereiten – genau das, was ich von einem Horror-Comic erwarte.

Geek-Planet | Fear The Walking Dead: Staffel 1

Es ist Donnerstag und das heißt, wir werfen einen Blick zurück in die Vergangenheit meines Blogger-Daseins. Genau genommen auf den 13. Oktober 2015, als der folgende Text auf meinem damaligen Blog »Geek-Planet« erschien, den es heute allerdings nicht mehr gibt. Trotzdem sollen alle meine Textet an einem Ort versammelt und auffindbar sein.

Ach, Fear the Walking Dead. Ich kann mich tatsächlich noch daran erinnern, wie ich den Podcast gehört habe und mich jedes Mal auf die Diskussionen gefreut habe. Es gab running gags und neue Dinge an Charakteren und der Welt von FTWD zu entdecken, die mir zuvor noch nicht aufgefallen sind. An was ich mich allerdings nicht mehr erinnern konnte, war mein finales Urteil zu FTWD. Scheinbar war die erste Staffel wirklich nicht sehr gut und hat mich wenig begeistert. Das ist insofern interessant, als sich das mit den kommenden Staffeln ändern würde. Je schlechter The Walking Dead wurde, desto mehr mauserte sich FTWD zu einer richtig gut gemachten Zombie-Serie. Mit jeder Staffel änderte sich das Setting und die Charaktere wurden interessanter.

Auch die Geschichte habe ich stets gerne verfolgt. Zwar habe ich nach der vierten oder fünften Staffel aufgehört, die Serie zu schauen, doch im Großen und Ganzen habe ich es nicht bereut, FTWD eine Chance gegeben zu haben. Es war eine willkommene Abwechslung in vielerlei Hinsicht zu TWD.

Was meinen alten Text an sich betrifft, ist es durchaus ersichtlich, dass ich noch eher früh in meiner Blogger-Karriere war. Der Text scheint unstrukturiert und die Übergänge zwischen einzelnen Themen holprig oder mit dem Vorschlaghammer erzwungen. Deshalb ist es so toll, sich mit früheren Texten auseinanderzusetzen. Man sieht den Fortschritt, den man gemacht hat. Außerdem können eventuelle Einstellungen oder Meinungen insofern überdacht werden, als man sich Gedanken machen kann, wie sie sich in den Jahren darauf entwickelt haben.


Es ist schon erstaunlich, wie sich Fear the Walking Dead, eine Serie, die in der gleichen Welt wie die Mutterserie The Walking Dead spielt und von denselben Machern stammt, dermaßen qualitativ von dieser unterscheidet. Die Freiheiten, die die Autor*innen in einem Interview angesprochen haben, scheinen nicht gerade positive Auswirkungen zu haben. Es gibt eben keinen Comic, auf den man sich notfalls beziehen kann. Ich bin gespannt, wie es nach dem Finale weitergehen wird.

  • Created by Robert Kirkman, Dave Erickson
  • Executive producers: Robert Kirkman, David Alpert, Greg Nicotero
  • Editor: Todd Desrosiers
  • Cast: Kim Dickens, Cliff Curtis, Frank Dillane, Alycia Debnam-Carey, Elizabeth Rodriguez

“She’s not sick. She’s dead.” – Nick

Der erste Unterschied zwischen FTWD und TWD ist eindeutig das Setting. Los Angeles als Dreh- und Angelpunkt bietet eine willkommene Abwechslung zur sonst so ländlichen, von Wald überwucherten Wildnis, die nur von Schienen, Hütten und Scheunen unterbrochen wird. Auch ist die Stadt tatsächlich bewohnt mit lebenden Menschen – es gibt Demonstrationen gegen Polizeigewalt, alltägliche Probleme spiegeln sich im Leben der Protagonisten wider und nur langsam wird ihnen bewusst, was sich wirklich abspielt.

Die erste Folge vermittelt einen guten Eindruck über die handelnden Figuren und spart erfreulicherweise an Zombies. Dass ein junger, drogensüchtiger Teenager namens Nick als erster die Zombies entdeckt und als unglaubhafter Zeuge fungiert, ist ein gut gemachter Schachzug. Überhaupt spielen die Verantwortlichen der Serie immer wieder mit den Erwartungen der Zuschauerinnen. So muss man sich immer wieder vor Augen führen, dass die einzelnen Charaktere nicht wissen, womit sie es zu tun haben. Zombies existierten in ihrer Welt vorher nicht (auch nicht in Folklore oder Literatur) und sie müssen erst lernen, mit der Situation umzugehen. Da verstehe ich dann die Beschwerden von so manchen Zuschauerinnen nicht, dass die Polizei doch bitte in den Kopf und nicht in die Brust schießen soll. Ist es nicht selbstverständlich, dass ich jemanden nicht direkt ins Gesicht schießen möchte?

Der Einzige, der offenbar Bescheid weiß, ist Tobias, ein Schüler von Madison. Er gibt ihr Tipps und Hinweise darüber, was sich aktuell abspielt und hilft ihr in einer brenzligen Situation. Nach ein paar Episoden verschwindet er mit einem Schulbus, wenn ich mich richtig erinnere, und leider sehen wir ihn bis zum Finale nicht wieder. Ich hoffe sehr, dass wir ihm wieder begegnen, da er ein wichtiger Bestandteil der Gruppe sein könnte, er hat einen gewissen Charme und außerdem möchte ich mehr über diesen mysteriösen Charakter erfahren. Vielleicht befindet er sich ja auf dem CGI-Schiff von Strand, das wir am Ende der letzten Episode sehen mussten.

Wenn ich Dinge auflisten müsste, die mich an der Serie am meisten gestört haben oder die immer wieder negativ aufgefallen sind, dann sind dies definitiv so manche Entscheidungen und Reaktionen von bestimmten Charakteren. Travis scheint sich zum Beispiel null für seinen Sohn zu interessieren und wenn dieser ihm ein Video von eventuell Hilfe suchenden Menschen zeigen möchte, kann er sich keine Minute Zeit nehmen, um sich das mal kurz anzusehen. Innerhalb weniger Folgen entwickelt sich Travis dann zu einem richtigen Draufgänger und Gewalttäter, was ich für zu schnell und gezwungen halte. Diese Entwicklung hätte man durchaus noch in die zweite Staffel mitnehmen können. Chris’ Entwicklung dagegen gefällt mir ziemlich gut. Er wird immer weiter in die Geschehnisse eingebunden, auch wenn er zum Schluss von den anderen mit Alicia im Auto gelassen wird – wer bitte lässt seine Kinder einfach mal so kurz zurück, während die Apokalypse im Gange ist?

Dann ist mir noch sauer aufgestoßen, dass das Militär zu schwach und hilflos dargestellt wird. Wenn sich alle Stationen so verhalten wie die gezeigten, wundert es mich nicht, dass wir Menschen keine Chance gegen eine Horde Zombies haben. Sobald mehr als zehn davon vor dem Zaun stehen, wissen die ausgebildeten Spezialeinheiten nichts Besseres zu tun, als einfach mal drauf loszuballern. Das haben selbst Rick und seine Gruppe in TWD besser gelöst und Zombie für Zombie einzeln mit einem Kopfschuss oder besser noch lautlos mit einem Messer erledigt. Außerdem haben Militärs doch sicher ein paar Raketen und Granaten herumliegen, die sich besonders toll dafür eignen, viele Zombies auf einen Schlag zu eliminieren.

Der letzte negative Punkt, den ich hier erwähnen möchte und der sich auch immer weiter hochgeschaukelt hat bei mir, ist die Tatsache, wie lange Nick mit den gestohlenen Altmännersachen herumläuft. Es dauert eine Ewigkeit, bis er sich zumindest mal ein frisches T-Shirt anzieht. Es hätte sich mehr als eine Gelegenheit geboten, mal etwas anderes anzuziehen, zum Beispiel als er zu Hause war? Trost spendet hier eindeutig die darstellerische Leistung von Frank Dillane, der den Charakter überzeugend spielt, und es wird mit der Zeit auch deutlich, wie abhängig Nick wirklich ist. Anfangs war ich mir noch etwas unsicher, doch später klaut er sich selbst das Morphin von sterbenden Menschen und seine Mutter reagiert entsprechend schockiert darauf. In dieser Situation und mit dem Stress, dem sie ausgesetzt ist, erscheint mir ihre Reaktion durchaus nachvollziehbar. Ich bin sehr neugierig auf Nicks weitere Entwicklung. Ist er nach dem Aufenthalt im Militärkomplex clean oder zumindest so weit, dass er sich gegen weitere Drogen entscheidet? Wird er ein wertvoller Teil der Gruppe und nicht nur eine Last, die mitgeschleppt werden muss? Und natürlich die wichtigste Frage: Wann zieht er sich was Anständiges an?

Positiv überrascht bin ich von der neuen Figur des Strand. Er hat eine gewaltige Präsenz und ist eine spannende, mysteriöse Figur, die uns hoffentlich noch länger begleitet. Seinem Haus, den Anzügen und vor allem seinem Schiff nach zu urteilen hat er eine Menge Geld und ich bin noch nicht überzeugt, dass er sich das Ganze in Las Vegas erspielt hat. Könnte er eventuell ein Auftragsmörder sein?

Alles in allem war die Staffel okay, doch nicht überragend. Zum Ende hin konnte sie sich noch einmal steigern, doch wirklich überzeugt bin ich noch nicht. Es sind auf jeden Fall noch viele Fragen offen, die ich beantwortet haben möchte, und die Findungsphase haben sie mit dieser Staffel hoffentlich abgehakt.

Wenn ihr euch noch mehr zum Thema FTWD anhören wollt, kann ich euch sehr den Podcast der Serienjunkies empfehlen. Die Redakteur*innen nehmen sich darin jede Episode einzeln vor. Dabei entstehen unterhaltsame Diskussionen, denen man gut lauschen kann und die das ein oder andere Detail zutage befördern, auf das man vielleicht nicht geachtet hat. Sie werden auch die kommenden Episoden von The Walking Dead begleiten.