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Geek-Planet: Nightcrawler

Wie jeden Donnerstag werfen wir auch heute wieder einen Blick in die Vergangenheit. Genauer gesagt, zum 24. November 2014. Damals erschien der folgende Text auf meinem Blog »Geek-Planet«, den es heute nicht mehr gibt. Ich möchte aber trotzdem, dass meine alten Texte auffindbar sind. Deshalb präsentiere ich sie allmählich hier in redigierter Form und versehe sie mit einer kleinen Einleitung.

Nightcrawler war wirklich ein großartiger Film. Spannend gemacht, unheimlich und auf allen Ebenen auf einem hohen Niveau produziert. Seit dem Kinorelease damals habe ich ihn allerdings nicht mehr gesehen, wenn ich mich richtig erinnere. Ich mag solche Filme, die einfach nur eine Geschichte zu erzählen haben und dies dann konsequent durchziehen. Es wird kein Franchise aufgebaut oder gleich auf mehrere Fortsetzungen spekuliert. Einfach nur ein Film und fertig.

Was mir schon bei mehreren alten Texten von mir aufgefallen ist, vor allem wenn es sich um Rezensionen zu Filmen handelt, ist eine Bewertung am Ende. Nicht nur in Form eines letzten Satzes oder so ähnlich, sondern mit 9 von zehn Sternen beispielsweise, wie es bei Nightcrawler der Fall war. Ich bin allerdings dazu übergegangen, diese Bewertungen zu entfernen, da sie für mich nichts aussagen. Worauf bezieht sich eine solche Bewertung? Ist es wirklich eine Skala, die etwas aussagt? Lassen sich wirklich Filme unterschiedlicher Genres, die beide mit einer 9 versehen werden, irgendwie vergleichen? Mir kommt es eher auf die eigentliche Besprechung an. Warum ist der Film gut oder schlecht? Lohnt sich ein Blick hinein. Außerdem sollte man sich ohnehin immer selbst ein Bild machen, wenngleich man denkt, dass man mit der Meinung eines Kritikers übereinstimmen sollte. Eine Skala weckt nur Erwartungen, die das mediale Produkt nicht einhalten kann.


Auf den Film Nightcrawler bin ich eigentlich nur gestoßen, weil ihn mir ein Freund empfohlen hat und wenig später sind wir dann auch gleich gemeinsam ins Kino gegangen. Der Film zählt für mich eindeutig zu den Überraschungen des Jahres, vielleicht war das auch den niedrigen Erwartungen geschuldet, die ich aufgrund des Informationsmangels hatte.

Die Geschichte dreht sich um den Kleinkriminellen Louis Bloom, der sich mit dem Stehlen von Kupfer und Gullydeckeln über Wasser hält und seine Beute anschließend an den Schrotthändler seines Vertrauens verkauft. Eines Nachts kommt er bei einem Autounfall vorbei und bleibt aus Neugier stehen. Als er den Polizisten dabei zusieht, wie sie eine Verletzte aus dem Wagen retten, kommen zwei Typen mit Kameras herbeigelaufen und filmen das Geschehen. Auf Nachfrage Blooms erläutern sie ihm, dass sie sogenannte Nightcrawler sind und ihren Lebensunterhalt damit verdienen, Verbrechen, Unfälle und dergleichen zu filmen und an den meistbietenden Fernsehsendern zu verkaufen. Dieser bringt das Material dann in den Morgennachrichten um sechs Uhr. Louis wittert dabei seine Chance, endlich richtig Geld zu verdienen.

Die Geschichte selbst kann man als originell bezeichnen, denn bisher habe ich noch keinen Film gesehen, der sich auf diese spezielle Berufsgruppe bezieht. Nightcrawler erzählt eine spannende Geschichte und baut Stück für Stück die Welt um Louis Bloom auf. Vom Kauf einer Kamera, über den ersten Versuch, einen Unfall zu filmen (auf sehr ungeschickte Weise), hin zum Verkauf an einen Sender. Wir als Zuschauer*innen begleiten den Protagonisten auf seinem Weg, entwickeln uns selbst quasi zum Voyeurist.

Bei Louis Bloom handelt es sich um einen Einzelgänger, der die Menschen meidet, weil er sie einfach nicht mag oder sie eventuell sogar verabscheut. Im Internet hat er genügend Wissen zusammen recherchiert und Manager- bzw. Marketingsprüche auswendig gelernt, mit denen er versucht, sich zu präsentieren oder in bestimmten Situationen zu verkaufen. Das führt zu ein paar witzigen Szenen. Die gelernten Floskeln wirken oft fehl am Platz, passen aber grundsätzlich zu seiner Persönlichkeit, wodurch es wieder adäquat wirkt. Jake Gyllenhall ist die perfekte Besetzung für diesen Charakter. Er schafft es, die außerordentliche Persönlichkeit der Figur geradezu beängstigend authentisch zu präsentieren. Um es einigermaßen vorsichtig auszudrücken: Louis ist psychisch nicht ganz in Ordnung. Seine teilweise vielleicht sogar unbewusste Hinterhältigkeit und das fehlende Mitleid werden den Zuschauer*innen schrittweise direkter präsentiert. Dies macht es umso interessanter, die Geschichte weiterzuverfolgen.

Auch die Nebencharaktere in Form einer Produktionsleiterin, Polizisten, FBI und einem „Assistenten“ sind hervorragend besetzt und logisch in die Geschichte eingebaut. Ich möchte hier die schauspielerischen Leistungen hervorheben, die mir alle durchweg gefallen haben. Was mich allerdings etwas an der Geschichte gestört hat, ist die teilweise sehr offensichtliche Tatsache, dass sich Louis eigentlich nicht an diesem Tatort aufhalten darf/sollte und ihn scheinbar niemand bemerkt oder er einfach ignoriert wird. Da es allerdings nur bei zwei Szenen der Fall war, ist dieser Aspekt nicht weiter störend.

Leider habe ich den Film nur in der deutschen Synchronfassung sehen können, diese tut dem Film aber keinen Abbruch. Die Sprecher liefern eine gute Performance ab und passen vom Klang zu den Schauspielern und wirken nicht fehl am Platz, wie es bedauerlicherweise zu oft der Fall ist.

Wer Lust auf einen gut gemachten und durchdachten Thriller hat, dem kann ich Nightcrawler nur empfehlen. Die Art und Weise, wie die Handlung dargestellt wird, lässt mich vermuten, dass es sich nicht um den Beginn einer Reihe handelt (außer natürlich, die Einnahmen wären entsprechend). Allerdings habe ich mir zum Ende des Films hin gedacht, man könnte ihn in Form einer Serie oder eines Comics weiter fortsetzen, denn die Geschichte bietet sicher noch sehr viel Potenzial. Ich hätte Lust darauf, die Charaktere weiterzuverfolgen. Wie entwickeln sie sich weiter, was sind ihre Pläne und wer kommt ihnen in die Quere?

Geek-Planet: Invincible #1 bis #8

Wie jeden Donnerstag blicken wir auch heute in meine Blogger-Vergangenheit. Dieses Mal auf den 16. Dezember 2016. Der Text erschien auf meinem damaligen Blog »Geek-Planet«, den es heute allerdings nicht mehr gibt. Trotzdem sollen irgendwann alle meine alten Texte hier auffindbar sein.

Unfassbar, dass ich erst 2016 das erste Mal Invincible gelesen habe. Über die Jahre habe ich mich intensiv mit dem Comic auseinandergesetzt, ihn immer wieder gelesen und sogar meine Bachelorarbeit darüber verfasst. Gefühlt kenne ich den Comic schon ewig. Vor allem das erste Drittel des Invincible-Runs ist mir noch immer sehr präsent. Ich mag auch die Unschuldigkeit und Naivität, die in den Zeilen des folgenden Textes mitschwingt. Aber ich konnte mich schon immer sehr in Geschichten verlieren und habe während des Lesens nicht viel darüber nachgedacht, was passieren könnte, sondern mich dem Flow hingegeben. So wirken manche Twists besser. Ich bin mir nicht sicher, ob ich das auf diese Art heute auch noch kann, aber ich denke schon. Besonders bei Webcomics gelingt mir das immer wieder.


Nach der Lektüre sämtlicher The Walking Dead Comics und sehr vielen Spider-Man-Ausgaben steht nun Invincible auf dem Plan. Dabei handelt es sich wie bei TWD ebenfalls um einen Comic von Autor Robert Kirkman. Invincible erscheint seit 2003 jeden Monat. Ich werde pro Artikel ca. zwei Story-Arcs besprechen.

  • Autor: Robert Kirkman
  • Künstler: Cory Walker, Ryan Ottley
  • Colorist: Bill Crabtree

#1 bis #4: Family Matters

Invincible erzählt die Geschichte des Jungen Mark, dessen Vater Nolan aka Omni-Man als Superheld immer wieder die Welt rettet und für Ordnung sorgt. Eines Tages ist es so weit und auch Mark bekommt seine Kräfte (diese Aktivieren sich erst ab einem gewissen Alter). Anfangs noch mit einem improvisierten Kostüm, erhält er bald vom Schneider, der auch andere Helden versorgt, sein eigenes Kostüm und macht sich als Invincible auf, in die Fußstapfen seines Vaters zu treten.

Das Erfrischende an dieser Geschichte ist, dass das Superheldendasein der beiden Männer als Job behandelt wird und die Familie am Abend gemeinsam beim Essen sitzt und versuchen, nichts Besonderes aus den Fähigkeiten zu machen – es gehört bei ihnen eben dazu. Auch die Origin-Story vom Vater ist eher ungewöhnlich, da sein Volk auf dem Planeten Viltrum eine Art utopische Zivilisation begründet hat und nun anderen Planeten den Weg dorthin zeigen will. Da die Erde erst durch das Raster an potenziellen Kandidaten gefallen ist, hat sich Nolan freiwillig dafür gemeldet, sie zu beschützen und dafür zu sorgen, dass sich die Menschen entsprechend entwickeln können. Eine Geschichte ohne Tod und Tragik ist rar im Superheldenbusiness. Was mich an der Familienkonstellation allerdings stört, ist die Rolle der Mutter. Nolan sorgt nämlich nebenbei noch als Autor für ein entsprechendes Einkommen, was Mark und sie dazu befähigt nicht arbeiten zu müssen. So bekommt sie lediglich die Rolle der putzenden, kochenden Frau zugeordnet, die bisher keine eigene Identität aufbauen konnte, als die Frau eines Superhelden zu sein. Ich hoffe sehr, dass sich dies bald ändert und sie aus dieser Rolle ausbricht.

#5 bis #8: eight is enough

Während Mark als Invincible Bösewichte dingfest macht, indem er sie erstmal ordentlich verprügelt, mahnt ihn sein Vater zur Vorsicht, vertraut ihm jedoch genug, um ihn für eine Weile allein zu lassen. So darf sich Mark um einen außerirdischen Eindringling kümmern, der natürlich zu einem ungünstigen Zeitpunkt auftaucht. Sie prügeln sich erst halbherzig im All, aber schnell wird klar, dass das Alien eigentlich keine bösen Absichten hatte. Mark redet also mit ihm und es stellt sich heraus, dass es sich um einen Inspekteur handelt, der alle drei Jahre vorbeikommt, um die Verteidigung des Planeten zu testen. Eine schräge Idee, die durchaus sinnvoll ist. Leider ist die Erde aber der falsche Planet, denn eigentlich sollte er zu einem anderen Planeten, den er all die Jahre vernachlässigt hat – eine nette Verwechslungskomödie. Es ist ein toller Dialog zwischen den beiden und einmal eine andere Art, einen Konflikt zu lösen.

Wir lernen in dieser Storyline auch die Guardians of the Globe kennen, die sehr stark an die Justice League erinnern und das nicht nur vom Aussehen her. Es handelt sich dabei: Darkwing, The Red Rush, War Woman, den König von Atlantis, Martian Man und Green Ghost. Jedoch werden diese auch schon nach ihrem ersten Auftritt von Omni-Man getötet oder zumindest jemanden, der sich als ihn ausgibt. Es ist durchaus lustig, dass diese Charaktere erst lange eingeführt werden, nur um danach brutal getötet zu werden. Vor allem auch etwas seltenees in Superhelden-Comics, dass man die eigentlichen Helden derart Scheitern sieht.

Ein weiterer interessanter Aspekt, der in diesen Comics eigentlich selten auftaucht, ist, dass Protagonisten noch „normale“ Freunde haben. Mark geht immerhin noch zur Highschool und hat ständig Kontakt mit Menschen ohne Fähigkeiten. Bei einer Besichtigung einer Uni findet sein Kumpel William heraus, dass Mark Fähigkeiten besitzt. Er macht keine große Sache daraus, nur später bittet er ihn darum, einmal mit ihm fliegen zu dürfen – wer würde dies nicht tun?

Invincible ist ein wunderbarer Comic, der sich nicht nur über andere lustig macht. Vielmehr ist es eine Hommage an das, was in dem Genre und im Science-Fiction-Bereich allgemein, so alles erarbeitet, verwendet und aufgegriffen wurde. Die Zeichnungen und die großartigen Farben vermitteln einen guten Eindruck von der Welt. Außerdem sind die Aliens, die Mark und andere immer wieder bekämpfen müssen, äußerst kreativ umgesetzt. Es fehlt weder an Humor noch an einer gewissen Ernsthaftigkeit. Kirkman findet die perfekte Mischung. Absolut empfehlenswert.

Geek-Planet: Black Science: Welcome, Nowhere

Es ist Donnerstag. Das heißt, wir werfen einen Blick in die Vergangenheit und schauen uns einen alten Text von mir an. Dieses Mal geht es zurück zum 16. November 2016. Der Text erschien damals auf meinem Blog »Geek-Planet«, den es heute allerdings nicht mehr gibt. Ich möchte trotzdem, dass alle meine früheren Texte auffindbar sind und so bringe ich sie nach und nach hier zusammen.

Beim Lesen des Reviews zum zweiten Volume von Black Science raucht einem ganz schön der Kopf. Vor allem, wenn es acht Jahre und länger her ist, dass ich einen Blick in das Buch geworfen habe. Aber das haben Geschichten, die sich um ein Multiversum mit verschiedenen Inkarnationen derselben Charaktere dreht, eben so an sich. Es ist schon interessant, dass ich immer wieder Lust habe, einen Blick in die alten Geschichten zu werfen, nachdem ich die Rezensionen von früher dazu gelesen habe.

Allerdings ist das eine Besessenheit von Comics, die noch von früher durchscheint. Ich hatte den Anspruch, alles zu lesen, nichts auszulassen und so viel wie möglich mitzunehmen. So kam es, dass ich pro Jahr buchstäblich tausende Comics gelesen habe. Nur zu einem Bruchteil davon habe ich Texte geschrieben. Da ist mein aktuelles Leseverhalten, was Comics anbelangt, sehr weit zurückgefahren; quasi nicht existent. Aber man durchlebt eben verschiedene Phasen im Leben und das trifft natürlich auch auf die Unterhaltung zu, die man genießt. Ich muss allerdings auch sagen, dass die Lust auf Comics immer stärker wird, je mehr ich mich mit dem MCU und anderen Comicverfilmungen beschäftige.


Die zweite Storyline von Black Science präsentiert uns einen der wohl abwechslungsreichsten Planeten bisher. Allerdings versucht auf diesem so gut wie alles und jeder unsere Protagonisten zu töten. Dabei lernen sie selbst nicht nur, dass sie über sich hinauswachsen müssen, um den bevorstehenden Widrigkeiten trotzen zu können. Denn jeder und jede von ihnen trägt ein Geheimnis mit sich herum, das eventuell zu Schwierigkeiten führen könnte.

  • Ausgaben: #7 bis #11
  • Autor: Rick Remender
  • Künstler: Matteo Scalera
  • Painted Art: Dean White, Michael Spicer
  • Lettering + Logo Design: Rus Wooton

“Make few promises, but keep all those you make.”

Im Zentrum des Geschehens stehen eindeutig die beiden Kinder Pia und Nate. Sie werden von der Gruppe getrennt, als diese gerade dabei ist, in einer von Dinosauriern bewohnten Burg gebraten und verspeist zu werden. Doch nicht verzagen, Kadir fragen. Unser unsympathischer Antagonist aus dem ersten Handlungsbogen hat tatsächlich vor, sein Versprechen Grant gegenüber zu halten und die Kinder sicher und wohlbehalten nach Hause zu ihrer Mutter Sara zu bringen. Ist das nicht aufmerksam und herzlich von ihm? Na ja, nicht ganz. Wie wir wenig später lernen, ist er schon seit einiger Zeit in die Frau von Grant verliebt und will sie am liebsten für sich haben. Wenn der Weg eben über die Kinder gehen soll, die er so heroisch rettet, dann soll es so sein.

Das Eververse scheint unendlich zu sein und so beinhaltet nicht nur diese Schale des Zwiebels einen Grant, der es auf Sara abgesehen hat. In einer ägyptischen Stadt verfolgen wir Grant, ja genau der Grant, den wir zuvor für tot gehalten haben, wie er einheimische Gangster und Mafiosi verfolgt, die ihm etwas gestohlen haben. Diese Szene wirkt wie aus einem Film der 60er Jahre. Die Kleidung, die Waffen und die Autos sind unfassbar klassisch und wirken authentisch. In dieser Realität begegnen wir allerdings auch anderen bekannten Charakteren wieder, wie eben Kadir und Sara. Wie bereits in anderen Reviews erwähnt, mag ich solche Geschichten und Konstellationen sehr. Die verwirrende, doch interessante Zusammenstellung verschiedener Inkarnationen von Protagonisten hat einen gewissen Flair.

Doch zurück zu den Kindern, die hier im Mittelpunkt stehen. Nachdem sie also von der Klippe des Schlosses stürzen, da der Fluchtversuch Kadirs nicht ganz so durchdacht ist, wie er gemeint hat, werden Pia und Nate von großen Kreaturen aufgefangen. Besser gesagt von deren Zungen, denn diese wollen die beiden gleich verspeisen. Matteo Scaleras Zeichnungen sind einfach unfassbar. Die Wesen und Umgebungen, die er sich ausdenkt, sind so geistreich wie die Dialoge von Rick Remender. Jede Spezies, die im Laufe der Geschichte in Erscheinung tritt, ist einzigartig. Ich freue mich jetzt schon auf die weiteren Bücher und die darin enthaltenen Darstellungen. Einfach grandios.

“How can anything matter, when every possible thing happens?” – Draln

Pia und Nate gelingt knapp die Flucht, doch nur um kurz darauf von jemand anderem in Gefangenschaft genommen zu werden. Draln, ich bin mir nicht sicher, ob das die Bezeichnung der Spezies ist oder der Name des Anführers, aber auf jeden Fall weiß dieser, was ein Pillar ist und dass man mit diesem durch das Eververse reisen kann. Leider kann Draln Gedanken lesen und sich so schnell das Wissen aneignen, wo sich der Pillar unserer Protagonisten aufhält. Irgendwie muss es wohl ein Handbuch in jeder möglichen Welt geben, denn ansonsten kann ich mir nur schlecht erklären, warum alle wissen, was es mit dem Eververse auf sich hat.

Auf ihren Abenteuern durch die fantastischen Landschaften lernt Pia eine traurige, aber sehr wahre Lektion über ihr Leben: Sie kann niemandem Vertrauen, sie sicher nach Hause zu bringen – nur sich selbst. Pia ist mit dieser Einstellung schon etwas weiter als Nate, doch auch er gewöhnt sich langsam an den Gedanken. Ihr Vater hat sie verlassen und mit Fremden weggeschickt. Davon ist einer mehr oder weniger für den Tod eben jenes Vaters verantwortlich, und Rebecca hatte eine Affäre mit ihm, sodass es wahrscheinlich scheint, dass die Ehe zu Bruch geht. Sollte sie nicht schon zuvor zu Ende gewesen sein. Dann bleibt eigentlich nur mehr Chandra übrig. Aber die ist auch nicht diejenige, die sie vorgibt zu sein.

Ach ja, ich habe unseren neuen Abenteurer vergessen: Den Schamanen, den sie aus einer der vorherigen Welten mitgebracht haben und der Grants Leben gerettet hat, bevor er scheinbar gestorben ist. Seine Geschichte und wie sein Stamm zu der Technologie gekommen ist und sich dadurch besser gegen die weißen Kolonialisten durchsetzen kann, ist ziemlich verrückt. Ein Alien ist in ihrem Gebiet abgestürzt. Da sie Fremden misstrauen, haben sie diesen kurzerhand getötet und sich dessen Schiff und Technologie angeeignet. Der Schamane darf auch das ein oder andere Mal den Tag retten, denn er ist alles andere als ein langsamer alter Mann und kann den anderen sicher noch so einiges beibringen.

All das und mehr passiert in der zweiten Storyline von Black Science. Der Comic mausert sich zu einer meiner liebsten Science-Fiction-Reihen, da er mit tollen Charakteren, großartigen Zeichnungen und einer spannenden Geschichte aufwarten kann. Aber Saga kann niemand so schnell den Rang abkaufen und East of West spielt sowieso in einer eigenen Kategorie.

Geek-Planet: Inside Out

Wie jeden Donnerstag werfen wir auch heute wieder einen Blick in die Vergangenheit meines Blogger-Daseins. Am 08. November 2015 erschien der folgende Text auf meinem damaligen Blog »Geek-Planet«, den es heute nicht mehr gibt. Trotzdem möchte ich alle meine Texte auf einer Webseite vereint wissen.

Da spekuliere ich vor knapp neun Jahren über einen zweiten Teil und schon ist dieser in den Kinos. Genauer gesagt war dieser in den Kinos und das gar nicht mal so unerfolgreich. Zu dem Zeitpunkt, wo ich diesen Text hier schreibe, habe ich die Fortsetzung leider noch nicht gesehen. Nach der Lektüre des alten Textes und meiner damaligen Begeisterung für den ersten Teil muss ich den zweiten allerdings bald nachholen. Auf den Streaming-Plattformen wird es doch sicher ein entsprechendes Bundle im Angebot geben.


Pixar gehört definitiv zu den besten Animationsstudios unserer Zeit. Konstant liefern sie einen Hit nach dem anderen. Nachdem sie sich eine Pause gegönnt haben, kehren sie dieses Jahr mit gleich zwei Filmen in die Kinos zurück. Den Anfang macht Inside Out. Nach den Trailern zu urteilen, möchte dieser Film in einem äußerst ambitionierten Versuch nicht weniger als das Leben selbst erklären. Ist ihnen das gelungen?

“Crying helps me slow down and obsess over the weight of life’s problems.” – Sadness

  • Regie: Pete Docter
  • Drehbuch: Pete Docter, Meg LeFauve, Josh Cooley
  • Produktion: Jonas Rivera
  • Musik: Michael Giacchino
  • Schnitt: Kevin Nolting
  • Cast: Amy Poehler, Phyllis Smith, Bill Hader, Lewis Black, Mindy Kaling

Die grundlegende Geschichte von Inside Out ist sehr einfach gestrickt. Diese dreht sich um das Mädchen Riley und ihre Familie. Sie ist ein aufgewecktes fröhliches Kind, hat viele Freunde, Spaß beim Hockey spielen und scheint ein perfektes Leben zu führen. Doch dann kommt ein Umzug und ihre ganze Welt bricht zusammen. Diese simple Prämisse erlaubt es, eine zweite, komplexere Geschichte in Gang zu treten, welche sich in Rileys Kopf abspielt. Dabei scheint jeder Mensch fünf Basisemotionen zu besitzen, deren Mischung, ähnlich dem Farbspektrum, zu einem Kaleidoskop an Gefühlen führt. Diese fünf Basisemotionen sind: Joy (Freude), Sadness (Traurigkeit), Anger (Zorn), Fear (Angst) und Disgust (Abscheu).

Pixar gelingt es, mit einfachen Mitteln die Funktion des Gehirns zu erläutern, sodass es wirklich jeder versteht und es Spaß macht, mehr davon zu entdecken. Angefangen von den tagtäglichen Erinnerungen, die wir uns aneignen und von denen viele ins Langzeitgedächtnis wandern, hin zum Vergessen von Unwichtigem oder nicht Relevantem, ist alles dabei. Es wird erläutert, dass sich unsere Persönlichkeit aus vielen verschiedenen Aspekten aufbaut und immer wieder neue hinzukommen können, sei es durch Lernen, Erfahrung oder ähnliche Dinge. Natürlich darf nicht vergessen werden, dass wir im Schlaf das Erlebte weiter verarbeiten.

Die Welt von Inside Out ist bunt, detailliert, fantasievoll und wunderbar ausgearbeitet. Alles hat eine logische Funktion und ich komme nicht umhin, immer mal wieder zu denken: Was würde sich wohl gerade in meinem Kopf abspielen? Allein dass die Macher es geschafft haben, mich emotional so sehr zu berühren, dass ich mir weiterhin Gedanken darüber mache, nicht nur wie der Film war, sondern darüber, wie mein Leben davon betroffen sein könnte, verdient großen Respekt.

Der Film schafft »awareness«, wie es im Englischen so schön heißt. Eine Art bewusst werden der eigenen Existenz und des eigenen Lebens. Ich stelle mir die Frage, welche Ereignisse an diesem Tag es wert sind, ins Langzeitgedächtnis gespeichert zu werden. Genieße ich das Leben tatsächlich in vollen Zügen? Was kann ich machen, um noch mehr herauszuholen? Vielleicht berührt mich der Film im Moment deswegen so sehr, da ich selbst gerade eine große Veränderung durchmache. Ich bin von zu Hause ausgezogen, um in Tübingen zu studieren, und dies liegt doch über 400 km weit entfernt und deshalb kann ich mich mit Riley umso besser identifizieren. Doch auch wenn ihr nicht gerade umzieht oder eine große Veränderung durchmacht, kann man aus dem Film etwas lernen, da er etwas Alltägliches so gefühlvoll und tiefgreifend erläutert, wie ich es selten gesehen habe.

Die vielschichtige Achterbahnfahrt der Gefühle bringt einem bei, die Erinnerungen und Ereignisse eines Tages nicht nur aus einer Perspektive zu betrachten. Natürlich möchten wir alle, dass nur Joy am Steuer sitzt, doch das Leben besteht nicht nur aus Positivem. Auch das Negative muss man erfahren, damit man daraus lernen kann. Wobei „negativ“ wahrscheinlich etwas Falsches suggeriert, denn Sadness oder Anger sind keine negativen Gefühle per se. Inside Out zeigt, dass alle Gefühle ihre Daseinsberechtigung haben und zum Beispiel Sadness nicht weggesperrt oder ignoriert werden darf.

Doch nicht nur die Geschichte des Films ist fantastisch. Auch alle anderen Aspekte des Films passen wundervoll zusammen: die bereits erwähnten Animationen entführen uns in eine Welt, die man gerne selbst entdecken möchte. Die Stimmen der einzelnen Protagonisten sind exzellent gewählt und lassen keine Wünsche offen. Auch die Musik, das Editing – alles fügt sich zusammen wie die einzelnen Teile eines Puzzles.

Da fällt mir ein, dass es in dem Film nicht den klassischen Bösewicht gibt. Ein Bösewicht, der sich gegen unsere Protagonisten stellt und ihre Pläne vereiteln möchte. Dies ist äußerst erfrischend zu beobachten, denn normalerweise hat man immer jemanden, der nur auf seine eigenen Interessen achtet und diese in jedem Fall durchsetzen möchte. Ich begrüße dessen Abwesenheit sehr. Alle ziehen an einem Strang und wollen die Herausforderungen, die vor ihnen liegen, lösen.

Den Machern ist es gelungen, eine Welt aufzubauen, in der ich gerne mehr Zeit verbringen würde. Sie erläutern unser Dasein mit so einfachen, doch effektiven Mitteln, dass ich nichts anderes als großen Respekt davor haben kann. Ich kann nicht sagen, ob es gut wäre, die Geschichte mit einem zweiten Teil fortzuführen, da der erste so perfekt ist. Die lustigen Dialoge und die witzigen Situationen, in die sich unsere innersten Gefühle verstricken, sind es wert, immer wieder angesehen zu werden, und wenn den Autor*innen ein Weg einfällt, dies so fortzusetzen, bin ich gerne wieder dabei. Besonders deswegen, weil Rileys Pubertät ansteht und dies sicher zu vielen interessanten und humoristischen Geschehnissen führt.

Geek-Planet: Die nackte Sonne von Isaac Asimov

Wie jeden Donnerstag werfen wir auch heute wieder einen Blick in die Vergangenheit. Der folgende Text erschien am 25. März 2018 das erste Mal auf meinem damaligen Blog »geek-planet«. Diesen Blog gibt es zwar nicht mehr, trotzdem will ich alle meine Texte an einem Ort versammelt wissen. Außerdem ist es ein nettes Experiment, diese alten Rezensionen zu lesen, zu redigieren und mit einer kleinen Einleitung zu versehen. Herauszufinden, ob sich Sichtweisen geändert haben.

Die Romane von Isaac Asimov habe ich sehr gerne gelesen. Auch wenn ich nie fertig geworden bin. Ich glaube, es sind beinahe 30 Romane, die er innerhalb seines Roboter-Zyklus geschrieben hat. Von ihren frühen Anfängen reichen seine Geschichten Jahrtausende in die Zukunft. Dass die Bücher vor über 60 Jahren geschrieben wurden, tut ihnen dabei keinen Abbruch. Es sind zeitlose Geschichten, in denen die Menschen im Vordergrund stehen. Trotzdem war Asimovs Vision einer Zukunft atemberaubend und brillant geschrieben. Science-Fiction auf dem höchsten Niveau.


Anders als erwartet, knüpft Die nackte Sonne direkt an Die Stahlhöhlen an. Protagonist ist erneut Elijah Baley, der einen außergewöhnlichen Mordfall lösen muss. Doch dieses Mal ist dieser nicht im vertrauten zu Hause der Stahlhöhlen geschehen, sondern auf einer der 50 Äußeren Welten: Solaria. Solaria ist eine Gesellschaft, die allem widerspricht, was den Menschen zum Menschen macht. Die Bewohner leben in kompletter Isolation voneinander, direkter Sichtkontakt ist verpönt und sie sind komplett abhängig von Robotern. Wie ist es zu einer solchen Gesellschaft gekommen?

Baley wird also in diese buchstäblich fremde Welt entlassen. Erneut begleitet ihn sein früherer Kollege R. Daneel Olivaw. Doch scheint Daneel von seinem Planeten Aurora eine eigene Mission bekommen zu haben und steht des Öfteren Baley im Weg. Dazu erneut ein kurzer Ausflug in die gesellschaftlichen Strukturen:

Während ich bei Die Stahlhöhlen Probleme hatte, mir vorzustellen, wie das Leben auf der Erde genau aussieht, bekommt man mit diesem zweiten Roman ein klar gezeichnetes Bild geliefert. Die Stahlhöhlen sind nämlich genau das: von der Außenwelt komplett abgeschottete, gewaltige Bauwerke, die autark funktionieren. Die Menschen haben Angst vor dem „Draußen“. Nicht die Wohnungen am Rand sind die teuersten, sondern diejenigen in der Mitte. Immerhin ist man dort am weitesten vom „Draußen“ entfernt und geschützt. Die Menschen leben also in einer künstlich beleuchteten Welt und haben jeden Bezug zur Natur verloren.

Die Solarianer dagegen begrüßen die Natur, doch haben sie jeden menschlichen Kontakt abtrainiert bekommen. In der Geschichte von Solaria hat sich dies durch die dünne Bevölkerungsdichte ergeben, wie auch deutlich im Buch erklärt wird. Es leben nur zwanzigtausend Menschen auf dem Planeten und hundertmal so viele Roboter, die jeden Handgriff erledigen. Jeder lebt allein auf gewaltigen Grundstücken, sich buchstäblich zu sehen ist nicht nur verpönt, sondern die Menschen dort haben auch Angst davor, sich von den Erdenmenschen anzustecken. Der Vergleich mit tierischem Verhalten wird des Öfteren angewendet. Im ersten Teil dieser Dilogie hatte ich noch die Vorstellung von perfekt reinen Menschen, die in künstlichen Umgebungen leben. Doch sie gehen in die Natur, begrüßen sie sogar. Sie haben also durchaus ein gutes Immunsystem, nur es wurde ihnen antrainiert, Erdenmenschen zu verachten.

Auch die Erziehung, welche sehr speziell auf diesem seltsamen Planeten ist, könnte direkt aus einem Horrorroman entsprungen sein. Außerdem sind Wissenschaften keine echten Wissenschaften, sondern Meinungen. So weiß ein Soziologe dort nichts von den antiken Griechen oder irgendwelchen Gesellschaftstheorien. Abstrakte Kunst ist die einzige Kunst und nicht nur eine von vielen. Lediglich die Robotik ist diejenige Wissenschaft, die stets Fortschritte macht. Solaria ist die führende Welt im Hinblick auf Robotik, weshalb andere äußere Planeten Angst vor ihnen haben.

Unter diesen schwierigen Bedingungen muss Baley nun also seine Ermittlungen durchführen, die immer größere Dimensionen anzunehmen scheinen. Die nackte Sonne ist ein perfektes Beispiel, wie ein Charakter, der in eine Situation hinein geworfen wird und eigentlich stets nur reagieren kann, schließlich eine Entscheidung trifft und eine Wandlung durchmacht: vom reaktiven hin zum aktiven Verhalten. Denn sobald sich Baley allen Mut zusammen nimmt und in das „Draußen” geht, sich Stück für Stück daran gewöhnt, nimmt die Handlung erst richtig Fahrt auf. Es ist bemerkenswert, wie er den Solarianern Paroli bietet und auch Daneel herausfordert.

War ich mir bei Die Stahlhöhlen noch unsicher, so zementiert Die nackte Sonne Baley als einen herausragenden Charakter. Er hat etwas, was vielen Menschen zu fehlen scheint, in dieser zukünftigen Welt: Hausverstand und gute Intuition. Guter Detektiv zu sein bedeutet, guter Soziologe zu sein. Ein echter Soziologe und nicht alles zu glauben, was einem gesagt wird – mit Vorurteilen zu brechen und die eigenen Ängste zu überwinden. Die nackte Sonne ist ein Testament für menschliche Neugier und Mut.

Am Ende bleiben zwei mögliche Wege offen, in denen sich die Menschheit entwickeln kann. Es bleibt abzuwarten, ob wir im nächsten Teil erfahren, welchen Weg sie eingeschlagen hat. Der sechste Teil des Zyklus hat den Titel: Sterne wie Staub.

Geek-Planet: tschick von Wolfgang Herrndorf

Wie jeden Donnerstag sehen wir uns auch heute wieder einen Text aus alter Vorzeit an. Der folgende erschien am 17. Januar 2018 auf meinem damaligen Blog »geek-planet«, den es heute allerdings nicht mehr gibt. Dennoch möchte ich alle meine Texte an einem Ort versammelt wissen. Also gibt es einmal die Woche einen leicht redigierten, alten Text von mir, mit ein paar einleitenden Worten.

Zum Einschlafen höre ich immer noch und seit vielen Jahren den Podcast Die Sprechkabine. Philipp Seidel und Timo Hetzel haben angenehme Stimmen, sie sprechen im Podcast über alles und nichts. Man kann wunderbar dazu abschalten und einschlafen. Wenn ich durch bin mit den Folgen, fange ich einfach wieder von vorne an. Ich weiß nicht, wie oft ich den Podcast schon durchgehört habe. Jedenfalls kommt unweigerlich immer wieder die Folge zum Vorschein, wo sie über tschick sprechen.

Philipp Seidel ist angetan von dem Buch und aufgrund dessen habe ich es dann auch gelesen oder sogar kurz davor gekauft. Ich weiß die genauen zeitlichen Abläufe nicht mehr, es ist schon ein paar Jahre her. Trotzdem habe ich gute Erinnerungen an das Buch und verbinde sehr viel damit. Zu dieser Zeit habe ich ein paar Klassiker nachgeholt, über die ich noch Texte hervorkramen werde. tschick ist auf jeden Fall empfehlenswert und auch mit der alten Rezension von vor acht Jahren bin ich noch zufrieden.


Bereits 2010 erschienen, fiel mir das Buch von Wolfgang Herrndorf erst letzte Woche so richtig auf. Das Cover kam mir bekannt vor und irgendwo in den Untiefen meines Unterbewusstseins verband ich den Titel mit einem Film. Schließlich schwärmte Philipp Seidel in einer Folge der Sprechkabine (bitte fragt mich nicht welche) davon und so musste ich es mir einfach zulegen. Ich wusste nicht wirklich, was mich erwartet, und war deshalb sehr positiv überrascht. Tschick überzeugt auf allen Ebenen und sollte von so vielen Menschen, wie nur möglich, gelesen werden.

Die beiden Protagonisten in diesem Buch sind Maik und der titelgebende Tschick. Letztgenannter kommt neu an Maiks Schule. Seine aufregende Vergangenheit, sein eigentümliches, verschlossenes Verhalten sowie die Tatsache, dass er Russe ist, machen ihn zu einem Außenseiter. Ebenfalls ein Außenseiter, jedoch von einem ganz anderen Kaliber, ist Maik. Unauffällig, ja geradezu unsichtbar bewegt er sich durch die Schule, ist verliebt in das hübscheste Mädchen und kommt aus einer, na ja, schwierigen Familie. Als dann sein Vater mit der Sekretärin auf „Geschäftsreise“ fährt, während seine Mutter mal wieder die „Beauty-Farm“ besucht, überzeugt ihn Tschick zu einem Roadtrip in die Walachei. Es sollte der Beginn einer Reise werden, in der beide Protagonisten neue Seiten an sich entdecken, über sich hinauswachsen und Begegnungen durchmachen, die sie Deutschland nicht zugetraut hätten.

Genau dies ist es, was ich an dem Buch schätze. Man könnte die Ortsnamen einfach durch andere ersetzen und es würde nichts an der Faszination verloren gehen. Denn wo der Roadtrip stattfindet, ist nicht so wichtig. Zentraler Punkt ist, was auf diesem Roadtrip geschieht und wie die beiden Jungen immer wieder Grenzen überschreiten und Auswege finden müssen. Dabei muss man sich vor Augen halten, dass sie gerade einmal vierzehn Jahre alt sind. Dies macht das Abenteuer gleich nochmal spannender, da beide Charaktere Aspekte verkörpern, die jeder Mensch an sich wiedererkennt. Wer war nicht schon einmal verliebt und egal, ob diese nun erwidert wurde oder nicht, das Gefühl ist doch vertraut. Jeder hatte in der Klasse einen Außenseiter oder war sogar selbst einer und kennt auch das Gefühl, blamiert zu werden. Somit werden viele Entscheidungen, die die beiden treffen, nachvollziehbar. Selbst die Begegnungen auf dem Weg durch Deutschland sind insofern transparent, als die Reaktionen einem bekannt vorkommen. Hätte man nicht selbst ähnlich entschieden?

Doch reine Nachvollziehbarkeit macht noch keinen modernen Klassiker aus. Der Eindruck von Zeitlosigkeit entsteht nicht nur durch die Beschreibung der Landschaften und Städtchen, die so wunderbar zu lesen sind. Die Zeitlosigkeit wird durch die fast vollständige Abwesenheit moderner Technologien (wer braucht die schon auf einem Roadtrip) verstärkt. Genauso, wie die von Herrndorf entwickelte, künstliche Jugendsprache zu diesem Eindruck beiträgt. Wer jetzt denkt, dass klassische Jugendbegriffe Verwendung finden, die schon beim Druck des Buches wieder veraltet sind, darf ich beruhigen. Herrndorf schafft es, mit einfachen Begriffen, so manchen wirren Formulierungen, garniert mit dem ein oder anderen Jugendwort (mir fällt im Moment kein besserer Begriff ein), eine Sprache erzeugen, die die Leser*innen einfach in den Bann ziehen muss.

Ich habe das Buch innerhalb von drei Tagen durchgelesen und konnte nicht glauben, dass es schon vorbei ist. Die Welt, die zwar unsere ist, aber doch ganz anders, lässt einen nicht mehr los. Ich will wissen, was mit Maik und Tschick passiert und wünschte, ihr Trip hätte länger gedauert. Doch nachdem ich das Buch fünf Minuten, nachdem die letzten Seiten gelesen waren, angestarrt hatte, in der Hoffnung, es würden sich noch irgendwo ein paar Seiten mehr finden, kam ich zu der Überzeugung: Es ist perfekt. Weder zu kurz noch zu lang. Am Gipfel der Euphorie kommt das Ende so schnell um die Ecke, dass es einen noch länger verfolgt. Herrndorf bringt die Leserinnen dazu, über die Welt nachzudenken. Ich bin davon überzeugt, dass jeder etwas aus Tschick lernen und für sich selbst mitnehmen kann.

Den Film kann ich übrigens ebenfalls sehr empfehlen. Diesen habe ich mir kurz nach dem Genuss des Buches zu Gemüte geführt und hatte ähnliche emotionale Reaktionen wie beim Buch. Manche Übergänge gelingen zwar aufgrund fehlender Beschreibungen nicht ganz so glatt wie im Buch und nicht alle schauspielerischen Momente gelingen. Trotz dieser Mängel oder vielleicht auch gerade deshalb hat der Film Charme und ist jede Minute, die man investiert, wert.

Geek-Planet: Big Hero 6 (Baymax)

Wie jeden Donnerstag sehen wir uns auch heute wieder einen alten Text von mir an. Der folgende erschien am 24. Januar 2015 auf meiner damaligen Webseite »Geek Planet«. Einen Blog, den es heute nicht mehr gibt. Trotzdem will ich meine alten Texte weiterhin auffindbar machen. So redigiere ich diese nach und nach, versehe sie mit einer Einleitung und veröffentliche sie hier erneut.

Big Hero 6 ist einer der Filme, die mir tatsächlich recht gut in Erinnerung geblieben sind. Wie im Text angedeutet, war ich dafür sogar des Öfteren im Kino. Zwar habe ich ihn nun schon einige Jahre nicht mehr gesehen, trotzdem denke ich gelegentlich aus irgendeinem Grund daran. Was besonders interessant ist, oder mir zumindest beim Lesen des alten Textes aufgefallen ist, wie sehr mir der Film gefallen hat. Trotzdem habe ich nur wenige Worte darüber geschrieben. Heute würde ich sehr viel mehr auf die Details eingehen. Man sehe sich nur meine Texte zum »MCU Rewatch« an und die enthalten noch nicht einmal alle Gedanken und Ideen, die mir so im Kopf herumgeistern. Außerdem verfällt man vielleicht ins Plappern, was den Text uninteressant macht oder langweiliger zum Lesen. Überdies kann ich nicht jeden Tag 2.000 Wörter lange Texte schreiben.


Ich gehe gerne gelegentlich in die Sneak-Preview, denn oftmals sieht man dort Filme, die man sich vielleicht nicht angesehen hätte. Ebenso ist natürlich der Überraschungseffekt verlockend. Dieses Mal lief Big Hero 6 bzw. Baymax, wie er im deutschsprachigen Raum genannt wird. So habe ich einen schönen, kurzweiligen Film zu sehen bekommen.

“We didn’t set out to be superheroes. But sometimes life doesn’t go the way you planned. The good thing is, my brother wanted to help a lot of people and that’s what we’re going to do.” – Hiro

Feast

Zu Beginn von Animationsfilmen werden des Öfteren Kurzfilme vom entsprechenden Studio gezeigt, was ich immer ein nettes Gimmick finde. Es stellt eine gute Einleitung für den kommenden Film dar. Außerdem sind diese kurzen Kunstwerke meist etwas Besonderes, weil sie etwas anders machen als die großen Filme. Kurzgeschichten und -filme folgen einer eigenen Sprache, einer eigenen Dynamik. Dieses Mal war es Feast. Darin wird von einer Beziehung aus der Sicht eines Hundes und seiner Futterschüssel erzählt. Was zuerst simpel und langweilig klingen mag, entpuppt sich als eine großartige und einfühlsame Geschichte, die innerhalb weniger Minuten fesselt – man bangt und hofft mit dem Hund mit. Was mich besonders freut, ist, dass Feast für einen Oscar nominiert ist.

Big Hero 6

Auch Baymax ist ein Film der besonderen Art. Für mich ist die gesamte Komposition nahe an der Grenze der Perfektion. Dies mag unter anderem daran liegen, dass er auf einem Marvel-Comic basiert, aber das allein ist, wie wir nur zu gut wissen, kein Garant für einen guten Film (man mag sich nur an Ghost Rider II erinnern). Disney ist es gelungen, dass ich mich mit den einzelnen Charakteren identifizieren kann. Sie sind auf Anhieb sympathisch, einzigartig und werden alle mit ihrer eigenen Historie in die Geschichte eingewoben.

Die Welt um sie herum wirkt dynamisch und lebendig – ich möchte am liebsten sofort in die Leinwand springen und ein Teil davon sein. Die fantastischen Animationen und der großartige Soundtrack vermischen sich zu einem emotionalen Gesamterlebnis, wie ich es schon eine Weile nicht mehr bei einem Animationsfilm erlebt habe. Natürlich ist für die Protagonisten nicht alles nur Friede, Freude, Eierkuchen – es gibt Schicksalsschläge, Herausforderungen und Gegner, die es zu überwinden gilt.

Das besondere Highlight ist der Titelgebende Roboter Baymax, obwohl er eigentlich keine Gesichtsregungen zeigen kann, wächst er einem durch seine Handlungen und sein Auftreten sofort ans Herz. Die Slapstick-Comedy und seine Sprüche runden ihn zu einem schönen Paket ab, welches aber nicht komplett wäre, wenn da nicht Hiro wäre.

Die beiden bilden das perfekte Duo, und ich würde nichts dagegen haben, noch mehr Abenteuer mit ihnen zu bestehen. Big Hero 6 ist ein schönes Erlebnis, bei dem ich einfach nur glücklich war, während ich im Kino gesessen habe. Selbst danach hat er mich noch weiter beschäftigt. Es ist immer wieder toll, wenn Filme es schaffen einen auf einer emotionalen Ebene abzuholen und zu berühren. Ein zweites Mal dafür ins Kino zu gehen, lässt sich wohl nicht vermeiden.

Geek-Planet: Black Science – How to fall forever

Wie jeden Donnerstag sehen wir uns auch heute einen alten Text von mir an. Der folgende wurde am 02. November 2016 zum ersten Mal veröffentlicht. Auf meinem damaligen Blog Geek-Planet habe ich regelmäßig über Comics, Filme und mehr berichtet. Den Blog gibt es allerdings nicht mehr. Trotzdem will ich alle meine Texte an einem Ort versammelt haben. Deshalb redigiere ich diese für diese Seite etwas und versehe sie mit einer kleinen Einleitung.

Black Science ist mir sehr positiv in Erinnerung geblieben. Vor allem kann ich mich noch an die tollen Cover erinnern und die großartigen, kreativen Szenen der Geschichte. Indie-Comics, wie es eben Black Science einer ist, haben häufig etwas, das sie visuell von anderen unterscheidet. Deshalb habe ich, trotz meiner Begeisterung für Marvel und DC, immer gerne so viele Indie-Comics wie möglich mitgenommen. Sie erzählen Geschichten mit Charakteren, die man so nicht bei Marvel findet. Es sind im besten Fall intimste Geschichten, die von Menschen oder Wesen erzählen, die einen berühren und begeistern. Ich bin mir nicht sicher, ob ich Black Science je fertig gelesen habe, doch das, was ich las, war ein verrücktes und großartiges Abenteuer und strotzte nur so vor Kreativität.


Lange schon liegen die ersten beiden Collections von Black Science auf meinem zu-lesen-Stapel. Jetzt bin ich endlich dazu gekommen, den ersten Band nachzuholen. Ich habe mit vielem gerechnet, aber nicht mit einer so verrückten Reise durch verschiedenste Welten und Dimensionen. Es entfaltet sich etwas, das man sich nicht entgehen lassen sollte: ein wahres Eververse.

  • Ausgaben: #1 bis #6
  • Autor: Rick Remender
  • Künstler: Matteo Scalera
  • Painted Art: Dean White
  • Lettering + Logo Design: Rus Wooton

„Mind goes blank with rage. Rage pushes me over the edge. Same mistake I always make. Leap before I look.“ – Grant

In Black Science haben wir es nicht mit Zeitreisen zu tun, sondern mit Reisen in andere Dimensionen und Varianten unseres Universums. Grant und sein Team von Wissenschaftlern haben den so genannten „Pillar“ entwickelt. Dieses Gerät transportiert alle Wesen in der unmittelbaren Umgebung in eine andere Welt. Der Autor Rick Remender greift hier die Idee des Multiversums auf und modifiziert diese Theorie ein wenig. Das (herkömmliche) Konstrukt von mehreren Universen (Multiversum) ist meist so dargestellt, dass jedes Universum eine Blase ist und diese nebeneinander existieren. Sie sind quasi in einem ständigen Prozess, des immer wieder Entstehens, Entwickelns und Vergehens.

In Black Science aber ist dieses Multiversum wie eine Zwiebel aufgebaut – zumindest wird das Gemüse als Schaubild verwendet. Es gibt also Schicht um Schicht neue Versionen, die sich mit jeder Entscheidung, die getroffen wird, vervielfachen. Das heißt also in einer Version habe ich mich dazu entschieden, keinen Blog über Comics zu schreiben, sondern berichte über die verschiedenen Fortpflanzungsmöglichkeiten von Säugetieren (eigentlich keine so blöde Idee …). Die Theorie ist, dass es etwas im Zentrum dieser Zwiebel gibt – eine Art erste Entscheidung, die dieses Eververse, wie es von Grant genannt wird, gestartet hat.

Doch jemand hat den Pillar manipuliert und beschädigt, und nun springen sie nicht gezielt durch diese Schichten, sondern landen an zufälligen Orten in dieser Zwiebel. Auch die Dauer des Aufenthalts variiert. Normalerweise einstellbar, zählt der Countdown von einer zufälligen Zahl abwärts. So bleibt man mal zwei oder drei Tage an einem Ort und dann mal wieder nur 15 Minuten. Dies macht den besonderen Reiz von Black Science aus, da man sehr viele verschiedene Welten kennenlernen kann und das ein oder andere Mal auch Versionen unserer Protagonisten auftauchen. So begegnen wir zum Beispiel einem Affen-Grant, der ebenfalls einen Pillar zu bauen begonnen hat und die Theorie des Eververse verfolgt.

Ein anderes Mal begegnen wir fantastischen Froschwesen, die auf die Wissenschaftler nicht so nett zu sprechen sind. Früher oder später werden wir dann sicher auch fast identischen Varianten der Charaktere begegnen, wie es auch schon einmal der Fall war. Doch diese tolle Szene möchte ich nicht vorwegnehmen. Die Forscher haben aber auch an Situationen gedacht, wo es vielleicht keinen Sauerstoff zu atmen gibt und tragen entsprechende Anzüge, die sie vor diversen Umwelteinflüssen schützen. Schön, wenn mal etwas mitgedacht wird.

Die verschiedenen Charaktere, die mit dem Pillar gezwungen sind zu reisen, setzen sich aus Grant, seiner Frau und den beiden Kindern zusammen. Außerdem ist noch Grants bester Freund und Kollege Ward dabei. Er darf die ersten paar Ausgaben über den Erzähler mimen, wodurch man ein ziemlich gutes Bild von ihrer innigen Freundschaft erhält. Ward hat Grant ziemlich viel zu verdanken und opfert sich für ihn auf, wie man es sich nicht vorstellen kann. Bis zuletzt kämpft er um das Überleben seines besten Freundes, der ihm so viel ermöglicht hat.

Was natürlich an einer solchen Zusammenstellung an Charakteren auch nicht fehlen darf, ist ein Quertreiber. Jemand, der sich gegen die Gruppendynamik ausspricht und vielleicht sogar so etwas wie ein kleiner Antagonist ist. Es zeichnet sich zwar eine kleine Wandlung am Horizont ab, jedoch glaube ich diese erst, wenn sie in der nächsten Story-Arc passiert. Die Rede ist hierbei von Kadir, dem Finanzier der ganzen Geschichte und der mehr oder weniger zufällig in diesen Schlamassel reingeraten ist. Remender gelingt es jedoch, ihn nicht nur zu diesem typischen, nervigen Charakter zu machen, der am besten beim nächsten Sprung zurückgelassen wird, sondern er verleiht ihm etwas Interessantes. Dadurch will man doch mehr von ihm erfahren und hofft, dass er sich für das Wohl der Gruppe entscheidet.

Black Science ist eine fantastische Kombination aus Science-Fiction-Comic, mit einem Hauch Stargate. Die Zeichnungen vermitteln einen tollen Eindruck und verstehen es, die unterschiedlichsten Gegenden in Szene zu setzen. Teilweise sind mir die Farben nur etwas zu dunkel gewählt, vor allem am Anfang, wo wir direkt in die Geschehnisse hineingeworfen werden. Ich freue mich aber auf den nächsten Teil und wie es darin weitergeht. Den Protagonisten wurde bereits nahegelegt, dass sie mit ihren Reisen nicht gerade positiv auf die Eververse-Zwiebel einwirken, sondern geradezu Löcher in dessen feine Wände reißen. Wie sich das wohl bemerkbar machen wird, wenn das zutrifft, sehen wir hoffentlich in Volume 2.

Geek-Planet: The Fourth Planet #1-2

Es ist Donnerstag und das bedeutet, wir werfen erneut einen Blick in die Vergangenheit. Wie jede Woche sehen wir uns einen alten Text von mir an. Der folgende erschien am 23. Oktober 2016 auf meinem damaligen Blog geek-planet, den es heute nicht mehr gibt. Trotzdem will ich alle meine Texte an einem Ort versammelt wissen. Und es ist ein interessantes Unterfangen, alte Texte durchzugehen und was man früher über Dinge gedacht hat.

So wie in diesem Beispiel von The Fourth Planet. Die Naivität der Jugend ist in den Zeilen zu spüren, wie schon lange nicht mehr in einem Text, den ich wiederaufbereitet habe. Wobei »Jugend« hier natürlich etwas übertrieben ist, da es gerade einmal acht Jahre her ist, da war ich 27. Trotzdem habe ich seitdem viel gelernt und so manche Meinungen über Dinge geändert. Geschichte gehört da natürlich dazu. Ich habe The Fourth Planet seit damals nicht gelesen und kann mich auch nicht an die folgenden Ausgaben erinnern, geschweige denn ob ich sie gelesen habe. Doch erscheint mir die Geschichte sehr nah an der menschlichen Natur zu sein.

Die europäische Geschichte und damit auch die der Erde ist geprägt von unserem Entdeckerdrang. Von unserem intrinsischen Verlangen, buchstäblich neue Ufer zu entdecken. Wie Yucal Harari in »Eine kurze Geschichte der Menschheit« eindrucksvoll darlegt, ist dies allerdings eher eine europäische Veranlagung, als eine, die für die gesamte Menschheit gilt. So sind wir es gewesen, die zwar die Welt »entdeckt« haben wollen, doch wir sind es genauso gewesen, die Völker unterdrückt, versklavt und ausgerottet haben. Sind wir nicht großartig? Es ist ein Aspekt europäischer Geschichte, der mir oft zu harmlos dargestellt wird, auch wenn sich dies in den vergangenen Jahren etwas geändert hat. Vor allem sollten wir in Anbetracht unserer Geschichte und vergangenen »Leistungen« vielleicht etwas demütiger sein mit dem, was wir in Europa aufgebaut haben. Denn auf wessen Rücken stehen diese Fundamente?

Genau diesen Aspekt scheint mir The Fourth Planet zumindest andeutungsweise ebenfalls darzustellen. Es wäre durchaus interessant, noch einmal einen Blick in die Comics zu werfen. Scheinbar gibt es leider nur ein Volume von der Geschichte. Vielleicht riskiere ich mal einen Blick. Ich denke, ich hätte heute eine komplett andere Meinung über die Darstellung der Menschen, als es noch vor acht Jahren der Fall war.


The Fourth Planet war ursprünglich ein Webcomic, der nun von dem Verlag Chapter House Comics in regelmäßig erscheinenden Ausgaben veröffentlicht wird. Allerdings nur quartalsweise. Die Science-Fiction-Geschichte ist unterhaltsam und weiß vor allem visuell zu überzeugen. Allerdings weist sie ebenso das ein oder andere Problem auf – welche das sind und ob sie zu sehr den Fluss der Geschichte stören, finden wir gemeinsam heraus.

  • Autor: Fred Kennedy
  • Künstler: Miko Maciascek

„My ‚kind‘ don’t believe in magic. That’s your word. We believe victory lies in change! A change that embraces knowledge rather than rejects it“ – Hethen

Menschen sind in dieser Welt dazu verdammt, als Sklaven zu arbeiten. Doch James Borchek begehrt gegen das Imperium der Tythyk auf. Es gelingt ihm, ein Schiff zu stehlen und mit einigen seiner Leidensgenossen zu fliehen. Ihr Schiff ist aber beschädigt und so müssen sie auf einem der nächstgelegenen Planeten bruchlanden. Und genau hier beginnt unsere Geschichte. Auf dem Planeten gibt es drei rivalisierende intelligente Spezies. Dabei sieht eine beeindruckender aus als die andere. Manche erinnern ein wenig an die Aliens aus Independence Day, nur ohne die Tentakel und wieder andere sehen aus wie Eisbären, nur mit einem anderen anatomischen Aufbau. Also schon mal ein guter Start für diese Reihe.

Eines, was als Erstes auffällt, sind die beeindruckenden Zeichnungen. Wenn man diese Qualität und Kreativität jeden Monat abliefern müsste, muss man das hauptberuflich machen und nicht nebenbei, wie es die beiden kreativen Köpfe dieses Comics versuchen. Die Zeichnungen selbst sind teilweise abstrakt, aber doch detailliert und die Farben erinnern stark an Wasserfarben, wodurch alles miteinander zu verfließen scheint. Einfach fantastisch.

Der Stand der Technologie auf diesem Planeten ist noch recht primitiv und scheinbar gerade bei Schießpulver angelangt. Im Prinzip kein Vergleich zu den hochtechnologischen Menschen – aber dazu später mehr. Es herrscht hier noch ein sehr deutliches Patriarchat. Dies ist besonders an den Frauenrollen zu erkennen. Sie sind dazu da, als Sexsklaven und Geburtenmaschinen herzuhalten. Nachdem man Comics wie Rat Queen, Giant Days, Paper Girls und so weiter gelesen hat, ist dies ein ziemlicher Rückschritt. Klar kann man das als Plot-Point verwenden und dann dagegen vorgehen, doch so wie es hier präsentiert wird, finde ich das nicht gut. Es ist nur da, ohne Kontext oder dass es bewertet wird. Vielleicht ist aber auch genau das der Aspekt, den die Geschichte herausstellen will. Am Ende des ersten Comics etwa geht es in Richtung Befreiungsaktion mit einer Art magischen Wesen, doch in der zweiten Ausgabe hat der Autor dies noch nicht wieder aufgegriffen. Mal sehen, was daraus wird.

Der zweite Punkt, der mich unheimlich stört, ist, dass die Menschen als die größten Arschlöcher auftreten. Ausgestattet mit der richtigen Portion an Selbstvertrauen und einer Attitüde der Art: So, jetzt sind wir da, verpisst euch! Dass sie ein Camp aufschlagen und alles machen, um auf diesem Gebiet zu überleben, damit habe ich keine Probleme. Allerdings denkt Captain James, der im Übrigen aussieht wie eine Mischung aus Jesus und einer Michelangelo-Statue, gleich daran, sich hier, genau da, wo sie gelandet sind, ein Häuschen zu bauen und eine Familie zu gründen. Fehlt nur noch der Schaukelstuhl. Was soll das? Das ist für meinen Geschmack eine zu stereotypische und narzisstische Variante an Menschen, die man in einer Sci-Fi-Handlung unterbringen kann. Warum können sie sich nicht erstmal umsehen, das Schiff reparieren, versuchen, mit Einheimischen zu verhandeln oder zumindest Kontakt aufbauen?

Vor allem werden doch die Tythyk nach ihnen suchen, da mache ich mich nicht auf dem erstbesten Planeten, den ich finde, breit. Wirklich ärgerlich, wenn so etwas in einem eigentlich gut gemachten Comic passiert. Denn ansonsten ist die Geschichte und die verschiedenen Spezies durchaus überzeugend. Ich möchte mehr über die Aliens erfahren, da brauche ich keine Menschen. Das hätte leicht etwas in der Art von Saga werden können. Nur eben konzentriert auf einen Planeten und drei Spezies. Ich bin gespannt, wann die dritte Ausgabe erscheint und werde diese definitiv testen, da ich wissen möchte, was dieses magisch mystische Wesen ist.

Geek-Planet: East of West – There is no us

Wie jeden Donnerstag sehen wir uns auch heute wieder einen alten Text von mir an. Der folgende erschien am 16. Oktober 2016 auf meinem ehemaligen Blog »Geek Planet«, den es heute nicht mehr gibt. Ich möchte allerdings meine bisherigen Texte an einem Ort versammelt wissen. Deshalb gibt es jede Woche einen wiederaufbereiteten und mit einer Einleitung versehenen Text aus grauer Vorzeit.

Ich möchte mich an dieser Stelle schon einmal für die häufig vorkommenden englischen Begriffe im Text zu East of West entschuldigen. Allerdings lässt sich das nicht immer vermeiden, wenn die hochtrabenden Namen der Progatonisten im englischen Original einfache Begriffe sind. So sind »The Message«, »Keeper« und »Death« eben zwangsweise Namen, die man so verwenden muss, wenn man über East of West schreibt. Es erleichtert das Lesen des Textes aber nicht unbedingt.

Was das Lesen des Textes ebenfalls nicht erleichtert, ist die Tatsache, dass ich selbst die Geschichte damals nicht vollständig verstanden habe. Ich bin mir nicht sicher, ob ich die Geschichte jemals vollständig verstanden habe. Es passiert sehr viel, es ist komplex und mit jedem Mal lesen werden Absichten, Intrigen und Positionen deutlicher, trotzdem bleibt etwas Unsicherheit zwangsweise zurück. Immerhin ist es Jonathan Hickman von dem wir hier reden, und dieser ist bekannt für seine durchdesignten und ausufernden Welten, die nicht ohne diverse Grafiken auskommen. Aber solche Geschichten bleiben zumindest im Gedächtnis, weil man sich mit ihnen beschäftigen muss. Es ist keine einfache Kost, aber unterhaltsam, episch und tiefgründig sind sie ebenso.


Mit »There is no us« endet das erste Jahr der Apokalypse und wir müssen wieder ein paar Monate warten, bis das zweite Hardcover-Buch erscheint. Es hat schon einen gewissen Vorteil, später in Comic-Reihen einzusteigen, wenn man ein Sammler ist, wie ich – so kann man direkt mit den dicken Büchern einsteigen.

  • Ausgaben: #11 bis #15
  • Jahrgang: 2014
  • Autor: Jonathan Hickman
  • Künstler: Nick Dragotta
  • Colors: Frank Martin
  • Letters: Rus Wooton

„And the word was made flesh, consumed by the one left behind“ – The Message

Zu Beginn von Büchern wie East of West wäre es manchmal angebracht, ein paar der Bonusmaterialien an den Anfang zu stellen. Ich weiß nicht, wie ihr das macht, aber ich lese so eine Collected Edition immer von Anfang bis Ende, das heißt, ich schaue mir nicht erst die Bonusmaterialien an. Hätte ich dies getan, wäre mir die Weltaufteilung nämlich etwas früher klar geworden. Die Geschichte von East of West spielt sich auf dem Gebiet der Vereinigten Staaten ab. Dieses Gebiet wurde neu aufgeteilt, auf die Bundesstaaten (?): The Confederacy, The Kingdom, The Union, The PRA, The Endless Nation und The Texas Republic. Außerdem gibt es noch eine Art neutrales Gebiet, auf dem sich das Monument Armistice befindet.

Nun findet ein Meeting der Oberbefehlshaber der Staaten statt. Hier wird wieder deutlich, wie egoistisch alle denken und nur auf das Wohl des eigenen Volkes aus sind; wenn überhaupt. Manche scheren sich überhaupt nur für das eigene Ansehen. So organisiert nicht nur Archibald Chamberlain von der Confederacy einen Plot gegen seinen eigenen Präsidenten, er ist zudem noch im Besitz der beiden Augen des Orakels, das wir aus der letzten Story-Arc kennen. Doch auch die Union, wo die Präsidentin mit eiserner Hand regiert, ist nicht vor Intrigen gefeit, da ihre engste Vertraute Doma Lux etwas im Schilde führt. Zu wem schließlich Bel Solomon gehört, bin ich mir nicht ganz sicher, aber er legt sich kurzerhand mit The Endless Nation an. Xiaolian, die Anführerin der PRA, ist von Anfang an sehr misstrauisch und ruft deshalb zum Krieg auf. Aufgrund der Vorkommnisse springen natürlich alle dankbar auf diesen Zug auf.

Es ist wirklich erstaunlich, wie sich die gesamte Vorarbeit von Jonathan Hickman aus den letzten Handlungsbögen nun bezahlt macht. Es werden Referenzen gemacht und diverse Vorkommnisse spielen eine größere Rolle. Machtintrigen, Politik und Krieg waren selten so unterhaltsam zu lesen. Auch die visuelle Gestaltung und die Blickwinkel innerhalb der Panels sind fantastisch gelungen.

Während sich also alle darin einig sind, dass kein Weg an Krieg vorbeiführt, beschließen die drei jungen Reiter der Apokalypse, The Beast, den Sohn des Todes, zu töten. Ob dies der richtige Schritt ist, wollen sie aber vorher bei dem Keeper Ezra verifizieren, da sie nur ungern gegen die eigentliche Absicht handeln würden, wie es in The Message geschrieben steht. Der Keeper gibt zwar freudig Auskunft, dass sie es eigentlich nicht tun sollten, aber was schert das denn die Reiter?

Ezras Schicksal macht eine ziemlich interessante Wendung. Letztes Mal war er von einem ekelhaften Biest besessen, welches sich nun vollends entwickelt hat. Es hängt an seinem Rücken, überragt ihn um mehrere Köpfe und verursacht ihm unfassbare Schmerzen. Doch das erstaunliche ist, dass sich beide voneinander trennen und Ezra dann ebendieses Biest reitet. Ich bin äußerst gespannt, was die beiden noch planen, denn ich werde das Gefühl nicht los, dass Ezra die anderen mit seiner Interpretation von The Message manipuliert. Mal sehen, ob sich dies demnächst bemerkbar macht.

Dann haben wir natürlich noch Death. Dieser legt sich mit dem Ranger an, der seine letzte Hoffnung ausgelöscht hat, seinen Sohn zu finden. Es entfacht sich ein wirklich cool inszenierter Faustkampf zwischen den beiden und der Ranger weiß gar nicht, mit wem er sich angelegt hat. In der Zwischenzeit muss Wolf sich mit den Überresten seines Vaters auseinandersetzen und ich bin mir nicht sicher, wohin uns dieser Teil der Story noch führen wird, aber es klingt ziemlich abgefahren und interessant. Jedenfalls kommen Death und der Ranger auf die abwegige Idee, dass sie eigentlich ein ähnliches Ziel verfolgen. Der Ranger will die Chosen töten, was nur in Deahts Hände spielt. Also führt ihn der mechanische Hund des Rangers doch noch in die Richtung, in der er hoffentlich seinen Sohn finden wird.

Sollte East of West irgendwann einmal verfilmt werden, würde ich gerne Clint Eastwood als Death sehen. Er würde sich wunderbar für die Rolle eignen. Allerdings sollten sie sich dann etwas mit der Verfilmung beeilen, da er nun auch schon 86 Jahre alt ist.

„Then tell me … what’s really the difference between a hyper accurate simulation and reality itself?“ – The Beast

Nichts. Das ist zumindest die Antwort, die uns Jonathan Hickman vorschlägt. Doch so einfach ist das nicht, wie auch Babylon bald herausfinden wird. Ja, der Sohn des Todes hat sich Babylon genannt, denn warum sollte man sich mit weniger zufriedengeben? Er bricht aus dem Gefängnis aus, das man ihm errichtet hat, legt aber nicht komplett seine Instrumente ab. Er behält weiterhin eine Art Helm auf, der auch seine Augen bedeckt und ihm scheinbar die Realität anzeigt. Diese Apparatur ist an seinen Begleiter angeschlossen, der ihn die vergangenen Jahre über trainiert hat: Balloon, wie er ihn nennt.

Doch Babylon kann seinem kleinen Freund nicht ganz vertrauen. Zwar hilft er ihm dabei, vor den drei Reitern, die ihn töten wollen, zu flüchten, aber was er ihm in seinem Helm zeigt, deckt sich nicht ganz mit der Realität. Was auch immer »Realität« sein mag. Denn ist das, was er auf seinem Bildschirm in der Brille sieht, wirklich die Realität? Zeigt ihm Balloon doch eine Abwandlung ebendieser. Brennende Felder, statt blühender Wiesen. Bösartige Monster, statt der kinderartigen Wesen, die die Reiter doch noch sind. Wie lange wird es dauern, bis er merkt, dass etwas nicht in Ordnung ist? Und wird ihn sein Vater rechtzeitig finden?

East of West endet mit ein paar ziemlich spannenden Cliffhangern. Doch lange sollte es nicht dauern, bis das Hardcover von Jahr zwei erscheint.