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Geek-Planet: Inside Out

Wie jeden Donnerstag werfen wir auch heute wieder einen Blick in die Vergangenheit meines Blogger-Daseins. Am 08. November 2015 erschien der folgende Text auf meinem damaligen Blog »Geek-Planet«, den es heute nicht mehr gibt. Trotzdem möchte ich alle meine Texte auf einer Webseite vereint wissen.

Da spekuliere ich vor knapp neun Jahren über einen zweiten Teil und schon ist dieser in den Kinos. Genauer gesagt war dieser in den Kinos und das gar nicht mal so unerfolgreich. Zu dem Zeitpunkt, wo ich diesen Text hier schreibe, habe ich die Fortsetzung leider noch nicht gesehen. Nach der Lektüre des alten Textes und meiner damaligen Begeisterung für den ersten Teil muss ich den zweiten allerdings bald nachholen. Auf den Streaming-Plattformen wird es doch sicher ein entsprechendes Bundle im Angebot geben.


Pixar gehört definitiv zu den besten Animationsstudios unserer Zeit. Konstant liefern sie einen Hit nach dem anderen. Nachdem sie sich eine Pause gegönnt haben, kehren sie dieses Jahr mit gleich zwei Filmen in die Kinos zurück. Den Anfang macht Inside Out. Nach den Trailern zu urteilen, möchte dieser Film in einem äußerst ambitionierten Versuch nicht weniger als das Leben selbst erklären. Ist ihnen das gelungen?

“Crying helps me slow down and obsess over the weight of life’s problems.” – Sadness

  • Regie: Pete Docter
  • Drehbuch: Pete Docter, Meg LeFauve, Josh Cooley
  • Produktion: Jonas Rivera
  • Musik: Michael Giacchino
  • Schnitt: Kevin Nolting
  • Cast: Amy Poehler, Phyllis Smith, Bill Hader, Lewis Black, Mindy Kaling

Die grundlegende Geschichte von Inside Out ist sehr einfach gestrickt. Diese dreht sich um das Mädchen Riley und ihre Familie. Sie ist ein aufgewecktes fröhliches Kind, hat viele Freunde, Spaß beim Hockey spielen und scheint ein perfektes Leben zu führen. Doch dann kommt ein Umzug und ihre ganze Welt bricht zusammen. Diese simple Prämisse erlaubt es, eine zweite, komplexere Geschichte in Gang zu treten, welche sich in Rileys Kopf abspielt. Dabei scheint jeder Mensch fünf Basisemotionen zu besitzen, deren Mischung, ähnlich dem Farbspektrum, zu einem Kaleidoskop an Gefühlen führt. Diese fünf Basisemotionen sind: Joy (Freude), Sadness (Traurigkeit), Anger (Zorn), Fear (Angst) und Disgust (Abscheu).

Pixar gelingt es, mit einfachen Mitteln die Funktion des Gehirns zu erläutern, sodass es wirklich jeder versteht und es Spaß macht, mehr davon zu entdecken. Angefangen von den tagtäglichen Erinnerungen, die wir uns aneignen und von denen viele ins Langzeitgedächtnis wandern, hin zum Vergessen von Unwichtigem oder nicht Relevantem, ist alles dabei. Es wird erläutert, dass sich unsere Persönlichkeit aus vielen verschiedenen Aspekten aufbaut und immer wieder neue hinzukommen können, sei es durch Lernen, Erfahrung oder ähnliche Dinge. Natürlich darf nicht vergessen werden, dass wir im Schlaf das Erlebte weiter verarbeiten.

Die Welt von Inside Out ist bunt, detailliert, fantasievoll und wunderbar ausgearbeitet. Alles hat eine logische Funktion und ich komme nicht umhin, immer mal wieder zu denken: Was würde sich wohl gerade in meinem Kopf abspielen? Allein dass die Macher es geschafft haben, mich emotional so sehr zu berühren, dass ich mir weiterhin Gedanken darüber mache, nicht nur wie der Film war, sondern darüber, wie mein Leben davon betroffen sein könnte, verdient großen Respekt.

Der Film schafft »awareness«, wie es im Englischen so schön heißt. Eine Art bewusst werden der eigenen Existenz und des eigenen Lebens. Ich stelle mir die Frage, welche Ereignisse an diesem Tag es wert sind, ins Langzeitgedächtnis gespeichert zu werden. Genieße ich das Leben tatsächlich in vollen Zügen? Was kann ich machen, um noch mehr herauszuholen? Vielleicht berührt mich der Film im Moment deswegen so sehr, da ich selbst gerade eine große Veränderung durchmache. Ich bin von zu Hause ausgezogen, um in Tübingen zu studieren, und dies liegt doch über 400 km weit entfernt und deshalb kann ich mich mit Riley umso besser identifizieren. Doch auch wenn ihr nicht gerade umzieht oder eine große Veränderung durchmacht, kann man aus dem Film etwas lernen, da er etwas Alltägliches so gefühlvoll und tiefgreifend erläutert, wie ich es selten gesehen habe.

Die vielschichtige Achterbahnfahrt der Gefühle bringt einem bei, die Erinnerungen und Ereignisse eines Tages nicht nur aus einer Perspektive zu betrachten. Natürlich möchten wir alle, dass nur Joy am Steuer sitzt, doch das Leben besteht nicht nur aus Positivem. Auch das Negative muss man erfahren, damit man daraus lernen kann. Wobei „negativ“ wahrscheinlich etwas Falsches suggeriert, denn Sadness oder Anger sind keine negativen Gefühle per se. Inside Out zeigt, dass alle Gefühle ihre Daseinsberechtigung haben und zum Beispiel Sadness nicht weggesperrt oder ignoriert werden darf.

Doch nicht nur die Geschichte des Films ist fantastisch. Auch alle anderen Aspekte des Films passen wundervoll zusammen: die bereits erwähnten Animationen entführen uns in eine Welt, die man gerne selbst entdecken möchte. Die Stimmen der einzelnen Protagonisten sind exzellent gewählt und lassen keine Wünsche offen. Auch die Musik, das Editing – alles fügt sich zusammen wie die einzelnen Teile eines Puzzles.

Da fällt mir ein, dass es in dem Film nicht den klassischen Bösewicht gibt. Ein Bösewicht, der sich gegen unsere Protagonisten stellt und ihre Pläne vereiteln möchte. Dies ist äußerst erfrischend zu beobachten, denn normalerweise hat man immer jemanden, der nur auf seine eigenen Interessen achtet und diese in jedem Fall durchsetzen möchte. Ich begrüße dessen Abwesenheit sehr. Alle ziehen an einem Strang und wollen die Herausforderungen, die vor ihnen liegen, lösen.

Den Machern ist es gelungen, eine Welt aufzubauen, in der ich gerne mehr Zeit verbringen würde. Sie erläutern unser Dasein mit so einfachen, doch effektiven Mitteln, dass ich nichts anderes als großen Respekt davor haben kann. Ich kann nicht sagen, ob es gut wäre, die Geschichte mit einem zweiten Teil fortzuführen, da der erste so perfekt ist. Die lustigen Dialoge und die witzigen Situationen, in die sich unsere innersten Gefühle verstricken, sind es wert, immer wieder angesehen zu werden, und wenn den Autor*innen ein Weg einfällt, dies so fortzusetzen, bin ich gerne wieder dabei. Besonders deswegen, weil Rileys Pubertät ansteht und dies sicher zu vielen interessanten und humoristischen Geschehnissen führt.

Geek-Planet: Die nackte Sonne von Isaac Asimov

Wie jeden Donnerstag werfen wir auch heute wieder einen Blick in die Vergangenheit. Der folgende Text erschien am 25. März 2018 das erste Mal auf meinem damaligen Blog »geek-planet«. Diesen Blog gibt es zwar nicht mehr, trotzdem will ich alle meine Texte an einem Ort versammelt wissen. Außerdem ist es ein nettes Experiment, diese alten Rezensionen zu lesen, zu redigieren und mit einer kleinen Einleitung zu versehen. Herauszufinden, ob sich Sichtweisen geändert haben.

Die Romane von Isaac Asimov habe ich sehr gerne gelesen. Auch wenn ich nie fertig geworden bin. Ich glaube, es sind beinahe 30 Romane, die er innerhalb seines Roboter-Zyklus geschrieben hat. Von ihren frühen Anfängen reichen seine Geschichten Jahrtausende in die Zukunft. Dass die Bücher vor über 60 Jahren geschrieben wurden, tut ihnen dabei keinen Abbruch. Es sind zeitlose Geschichten, in denen die Menschen im Vordergrund stehen. Trotzdem war Asimovs Vision einer Zukunft atemberaubend und brillant geschrieben. Science-Fiction auf dem höchsten Niveau.


Anders als erwartet, knüpft Die nackte Sonne direkt an Die Stahlhöhlen an. Protagonist ist erneut Elijah Baley, der einen außergewöhnlichen Mordfall lösen muss. Doch dieses Mal ist dieser nicht im vertrauten zu Hause der Stahlhöhlen geschehen, sondern auf einer der 50 Äußeren Welten: Solaria. Solaria ist eine Gesellschaft, die allem widerspricht, was den Menschen zum Menschen macht. Die Bewohner leben in kompletter Isolation voneinander, direkter Sichtkontakt ist verpönt und sie sind komplett abhängig von Robotern. Wie ist es zu einer solchen Gesellschaft gekommen?

Baley wird also in diese buchstäblich fremde Welt entlassen. Erneut begleitet ihn sein früherer Kollege R. Daneel Olivaw. Doch scheint Daneel von seinem Planeten Aurora eine eigene Mission bekommen zu haben und steht des Öfteren Baley im Weg. Dazu erneut ein kurzer Ausflug in die gesellschaftlichen Strukturen:

Während ich bei Die Stahlhöhlen Probleme hatte, mir vorzustellen, wie das Leben auf der Erde genau aussieht, bekommt man mit diesem zweiten Roman ein klar gezeichnetes Bild geliefert. Die Stahlhöhlen sind nämlich genau das: von der Außenwelt komplett abgeschottete, gewaltige Bauwerke, die autark funktionieren. Die Menschen haben Angst vor dem „Draußen“. Nicht die Wohnungen am Rand sind die teuersten, sondern diejenigen in der Mitte. Immerhin ist man dort am weitesten vom „Draußen“ entfernt und geschützt. Die Menschen leben also in einer künstlich beleuchteten Welt und haben jeden Bezug zur Natur verloren.

Die Solarianer dagegen begrüßen die Natur, doch haben sie jeden menschlichen Kontakt abtrainiert bekommen. In der Geschichte von Solaria hat sich dies durch die dünne Bevölkerungsdichte ergeben, wie auch deutlich im Buch erklärt wird. Es leben nur zwanzigtausend Menschen auf dem Planeten und hundertmal so viele Roboter, die jeden Handgriff erledigen. Jeder lebt allein auf gewaltigen Grundstücken, sich buchstäblich zu sehen ist nicht nur verpönt, sondern die Menschen dort haben auch Angst davor, sich von den Erdenmenschen anzustecken. Der Vergleich mit tierischem Verhalten wird des Öfteren angewendet. Im ersten Teil dieser Dilogie hatte ich noch die Vorstellung von perfekt reinen Menschen, die in künstlichen Umgebungen leben. Doch sie gehen in die Natur, begrüßen sie sogar. Sie haben also durchaus ein gutes Immunsystem, nur es wurde ihnen antrainiert, Erdenmenschen zu verachten.

Auch die Erziehung, welche sehr speziell auf diesem seltsamen Planeten ist, könnte direkt aus einem Horrorroman entsprungen sein. Außerdem sind Wissenschaften keine echten Wissenschaften, sondern Meinungen. So weiß ein Soziologe dort nichts von den antiken Griechen oder irgendwelchen Gesellschaftstheorien. Abstrakte Kunst ist die einzige Kunst und nicht nur eine von vielen. Lediglich die Robotik ist diejenige Wissenschaft, die stets Fortschritte macht. Solaria ist die führende Welt im Hinblick auf Robotik, weshalb andere äußere Planeten Angst vor ihnen haben.

Unter diesen schwierigen Bedingungen muss Baley nun also seine Ermittlungen durchführen, die immer größere Dimensionen anzunehmen scheinen. Die nackte Sonne ist ein perfektes Beispiel, wie ein Charakter, der in eine Situation hinein geworfen wird und eigentlich stets nur reagieren kann, schließlich eine Entscheidung trifft und eine Wandlung durchmacht: vom reaktiven hin zum aktiven Verhalten. Denn sobald sich Baley allen Mut zusammen nimmt und in das „Draußen” geht, sich Stück für Stück daran gewöhnt, nimmt die Handlung erst richtig Fahrt auf. Es ist bemerkenswert, wie er den Solarianern Paroli bietet und auch Daneel herausfordert.

War ich mir bei Die Stahlhöhlen noch unsicher, so zementiert Die nackte Sonne Baley als einen herausragenden Charakter. Er hat etwas, was vielen Menschen zu fehlen scheint, in dieser zukünftigen Welt: Hausverstand und gute Intuition. Guter Detektiv zu sein bedeutet, guter Soziologe zu sein. Ein echter Soziologe und nicht alles zu glauben, was einem gesagt wird – mit Vorurteilen zu brechen und die eigenen Ängste zu überwinden. Die nackte Sonne ist ein Testament für menschliche Neugier und Mut.

Am Ende bleiben zwei mögliche Wege offen, in denen sich die Menschheit entwickeln kann. Es bleibt abzuwarten, ob wir im nächsten Teil erfahren, welchen Weg sie eingeschlagen hat. Der sechste Teil des Zyklus hat den Titel: Sterne wie Staub.

Geek-Planet: tschick von Wolfgang Herrndorf

Wie jeden Donnerstag sehen wir uns auch heute wieder einen Text aus alter Vorzeit an. Der folgende erschien am 17. Januar 2018 auf meinem damaligen Blog »geek-planet«, den es heute allerdings nicht mehr gibt. Dennoch möchte ich alle meine Texte an einem Ort versammelt wissen. Also gibt es einmal die Woche einen leicht redigierten, alten Text von mir, mit ein paar einleitenden Worten.

Zum Einschlafen höre ich immer noch und seit vielen Jahren den Podcast Die Sprechkabine. Philipp Seidel und Timo Hetzel haben angenehme Stimmen, sie sprechen im Podcast über alles und nichts. Man kann wunderbar dazu abschalten und einschlafen. Wenn ich durch bin mit den Folgen, fange ich einfach wieder von vorne an. Ich weiß nicht, wie oft ich den Podcast schon durchgehört habe. Jedenfalls kommt unweigerlich immer wieder die Folge zum Vorschein, wo sie über tschick sprechen.

Philipp Seidel ist angetan von dem Buch und aufgrund dessen habe ich es dann auch gelesen oder sogar kurz davor gekauft. Ich weiß die genauen zeitlichen Abläufe nicht mehr, es ist schon ein paar Jahre her. Trotzdem habe ich gute Erinnerungen an das Buch und verbinde sehr viel damit. Zu dieser Zeit habe ich ein paar Klassiker nachgeholt, über die ich noch Texte hervorkramen werde. tschick ist auf jeden Fall empfehlenswert und auch mit der alten Rezension von vor acht Jahren bin ich noch zufrieden.


Bereits 2010 erschienen, fiel mir das Buch von Wolfgang Herrndorf erst letzte Woche so richtig auf. Das Cover kam mir bekannt vor und irgendwo in den Untiefen meines Unterbewusstseins verband ich den Titel mit einem Film. Schließlich schwärmte Philipp Seidel in einer Folge der Sprechkabine (bitte fragt mich nicht welche) davon und so musste ich es mir einfach zulegen. Ich wusste nicht wirklich, was mich erwartet, und war deshalb sehr positiv überrascht. Tschick überzeugt auf allen Ebenen und sollte von so vielen Menschen, wie nur möglich, gelesen werden.

Die beiden Protagonisten in diesem Buch sind Maik und der titelgebende Tschick. Letztgenannter kommt neu an Maiks Schule. Seine aufregende Vergangenheit, sein eigentümliches, verschlossenes Verhalten sowie die Tatsache, dass er Russe ist, machen ihn zu einem Außenseiter. Ebenfalls ein Außenseiter, jedoch von einem ganz anderen Kaliber, ist Maik. Unauffällig, ja geradezu unsichtbar bewegt er sich durch die Schule, ist verliebt in das hübscheste Mädchen und kommt aus einer, na ja, schwierigen Familie. Als dann sein Vater mit der Sekretärin auf „Geschäftsreise“ fährt, während seine Mutter mal wieder die „Beauty-Farm“ besucht, überzeugt ihn Tschick zu einem Roadtrip in die Walachei. Es sollte der Beginn einer Reise werden, in der beide Protagonisten neue Seiten an sich entdecken, über sich hinauswachsen und Begegnungen durchmachen, die sie Deutschland nicht zugetraut hätten.

Genau dies ist es, was ich an dem Buch schätze. Man könnte die Ortsnamen einfach durch andere ersetzen und es würde nichts an der Faszination verloren gehen. Denn wo der Roadtrip stattfindet, ist nicht so wichtig. Zentraler Punkt ist, was auf diesem Roadtrip geschieht und wie die beiden Jungen immer wieder Grenzen überschreiten und Auswege finden müssen. Dabei muss man sich vor Augen halten, dass sie gerade einmal vierzehn Jahre alt sind. Dies macht das Abenteuer gleich nochmal spannender, da beide Charaktere Aspekte verkörpern, die jeder Mensch an sich wiedererkennt. Wer war nicht schon einmal verliebt und egal, ob diese nun erwidert wurde oder nicht, das Gefühl ist doch vertraut. Jeder hatte in der Klasse einen Außenseiter oder war sogar selbst einer und kennt auch das Gefühl, blamiert zu werden. Somit werden viele Entscheidungen, die die beiden treffen, nachvollziehbar. Selbst die Begegnungen auf dem Weg durch Deutschland sind insofern transparent, als die Reaktionen einem bekannt vorkommen. Hätte man nicht selbst ähnlich entschieden?

Doch reine Nachvollziehbarkeit macht noch keinen modernen Klassiker aus. Der Eindruck von Zeitlosigkeit entsteht nicht nur durch die Beschreibung der Landschaften und Städtchen, die so wunderbar zu lesen sind. Die Zeitlosigkeit wird durch die fast vollständige Abwesenheit moderner Technologien (wer braucht die schon auf einem Roadtrip) verstärkt. Genauso, wie die von Herrndorf entwickelte, künstliche Jugendsprache zu diesem Eindruck beiträgt. Wer jetzt denkt, dass klassische Jugendbegriffe Verwendung finden, die schon beim Druck des Buches wieder veraltet sind, darf ich beruhigen. Herrndorf schafft es, mit einfachen Begriffen, so manchen wirren Formulierungen, garniert mit dem ein oder anderen Jugendwort (mir fällt im Moment kein besserer Begriff ein), eine Sprache erzeugen, die die Leser*innen einfach in den Bann ziehen muss.

Ich habe das Buch innerhalb von drei Tagen durchgelesen und konnte nicht glauben, dass es schon vorbei ist. Die Welt, die zwar unsere ist, aber doch ganz anders, lässt einen nicht mehr los. Ich will wissen, was mit Maik und Tschick passiert und wünschte, ihr Trip hätte länger gedauert. Doch nachdem ich das Buch fünf Minuten, nachdem die letzten Seiten gelesen waren, angestarrt hatte, in der Hoffnung, es würden sich noch irgendwo ein paar Seiten mehr finden, kam ich zu der Überzeugung: Es ist perfekt. Weder zu kurz noch zu lang. Am Gipfel der Euphorie kommt das Ende so schnell um die Ecke, dass es einen noch länger verfolgt. Herrndorf bringt die Leserinnen dazu, über die Welt nachzudenken. Ich bin davon überzeugt, dass jeder etwas aus Tschick lernen und für sich selbst mitnehmen kann.

Den Film kann ich übrigens ebenfalls sehr empfehlen. Diesen habe ich mir kurz nach dem Genuss des Buches zu Gemüte geführt und hatte ähnliche emotionale Reaktionen wie beim Buch. Manche Übergänge gelingen zwar aufgrund fehlender Beschreibungen nicht ganz so glatt wie im Buch und nicht alle schauspielerischen Momente gelingen. Trotz dieser Mängel oder vielleicht auch gerade deshalb hat der Film Charme und ist jede Minute, die man investiert, wert.

Geek-Planet: Big Hero 6 (Baymax)

Wie jeden Donnerstag sehen wir uns auch heute wieder einen alten Text von mir an. Der folgende erschien am 24. Januar 2015 auf meiner damaligen Webseite »Geek Planet«. Einen Blog, den es heute nicht mehr gibt. Trotzdem will ich meine alten Texte weiterhin auffindbar machen. So redigiere ich diese nach und nach, versehe sie mit einer Einleitung und veröffentliche sie hier erneut.

Big Hero 6 ist einer der Filme, die mir tatsächlich recht gut in Erinnerung geblieben sind. Wie im Text angedeutet, war ich dafür sogar des Öfteren im Kino. Zwar habe ich ihn nun schon einige Jahre nicht mehr gesehen, trotzdem denke ich gelegentlich aus irgendeinem Grund daran. Was besonders interessant ist, oder mir zumindest beim Lesen des alten Textes aufgefallen ist, wie sehr mir der Film gefallen hat. Trotzdem habe ich nur wenige Worte darüber geschrieben. Heute würde ich sehr viel mehr auf die Details eingehen. Man sehe sich nur meine Texte zum »MCU Rewatch« an und die enthalten noch nicht einmal alle Gedanken und Ideen, die mir so im Kopf herumgeistern. Außerdem verfällt man vielleicht ins Plappern, was den Text uninteressant macht oder langweiliger zum Lesen. Überdies kann ich nicht jeden Tag 2.000 Wörter lange Texte schreiben.


Ich gehe gerne gelegentlich in die Sneak-Preview, denn oftmals sieht man dort Filme, die man sich vielleicht nicht angesehen hätte. Ebenso ist natürlich der Überraschungseffekt verlockend. Dieses Mal lief Big Hero 6 bzw. Baymax, wie er im deutschsprachigen Raum genannt wird. So habe ich einen schönen, kurzweiligen Film zu sehen bekommen.

“We didn’t set out to be superheroes. But sometimes life doesn’t go the way you planned. The good thing is, my brother wanted to help a lot of people and that’s what we’re going to do.” – Hiro

Feast

Zu Beginn von Animationsfilmen werden des Öfteren Kurzfilme vom entsprechenden Studio gezeigt, was ich immer ein nettes Gimmick finde. Es stellt eine gute Einleitung für den kommenden Film dar. Außerdem sind diese kurzen Kunstwerke meist etwas Besonderes, weil sie etwas anders machen als die großen Filme. Kurzgeschichten und -filme folgen einer eigenen Sprache, einer eigenen Dynamik. Dieses Mal war es Feast. Darin wird von einer Beziehung aus der Sicht eines Hundes und seiner Futterschüssel erzählt. Was zuerst simpel und langweilig klingen mag, entpuppt sich als eine großartige und einfühlsame Geschichte, die innerhalb weniger Minuten fesselt – man bangt und hofft mit dem Hund mit. Was mich besonders freut, ist, dass Feast für einen Oscar nominiert ist.

Big Hero 6

Auch Baymax ist ein Film der besonderen Art. Für mich ist die gesamte Komposition nahe an der Grenze der Perfektion. Dies mag unter anderem daran liegen, dass er auf einem Marvel-Comic basiert, aber das allein ist, wie wir nur zu gut wissen, kein Garant für einen guten Film (man mag sich nur an Ghost Rider II erinnern). Disney ist es gelungen, dass ich mich mit den einzelnen Charakteren identifizieren kann. Sie sind auf Anhieb sympathisch, einzigartig und werden alle mit ihrer eigenen Historie in die Geschichte eingewoben.

Die Welt um sie herum wirkt dynamisch und lebendig – ich möchte am liebsten sofort in die Leinwand springen und ein Teil davon sein. Die fantastischen Animationen und der großartige Soundtrack vermischen sich zu einem emotionalen Gesamterlebnis, wie ich es schon eine Weile nicht mehr bei einem Animationsfilm erlebt habe. Natürlich ist für die Protagonisten nicht alles nur Friede, Freude, Eierkuchen – es gibt Schicksalsschläge, Herausforderungen und Gegner, die es zu überwinden gilt.

Das besondere Highlight ist der Titelgebende Roboter Baymax, obwohl er eigentlich keine Gesichtsregungen zeigen kann, wächst er einem durch seine Handlungen und sein Auftreten sofort ans Herz. Die Slapstick-Comedy und seine Sprüche runden ihn zu einem schönen Paket ab, welches aber nicht komplett wäre, wenn da nicht Hiro wäre.

Die beiden bilden das perfekte Duo, und ich würde nichts dagegen haben, noch mehr Abenteuer mit ihnen zu bestehen. Big Hero 6 ist ein schönes Erlebnis, bei dem ich einfach nur glücklich war, während ich im Kino gesessen habe. Selbst danach hat er mich noch weiter beschäftigt. Es ist immer wieder toll, wenn Filme es schaffen einen auf einer emotionalen Ebene abzuholen und zu berühren. Ein zweites Mal dafür ins Kino zu gehen, lässt sich wohl nicht vermeiden.

Geek-Planet: Black Science – How to fall forever

Wie jeden Donnerstag sehen wir uns auch heute einen alten Text von mir an. Der folgende wurde am 02. November 2016 zum ersten Mal veröffentlicht. Auf meinem damaligen Blog Geek-Planet habe ich regelmäßig über Comics, Filme und mehr berichtet. Den Blog gibt es allerdings nicht mehr. Trotzdem will ich alle meine Texte an einem Ort versammelt haben. Deshalb redigiere ich diese für diese Seite etwas und versehe sie mit einer kleinen Einleitung.

Black Science ist mir sehr positiv in Erinnerung geblieben. Vor allem kann ich mich noch an die tollen Cover erinnern und die großartigen, kreativen Szenen der Geschichte. Indie-Comics, wie es eben Black Science einer ist, haben häufig etwas, das sie visuell von anderen unterscheidet. Deshalb habe ich, trotz meiner Begeisterung für Marvel und DC, immer gerne so viele Indie-Comics wie möglich mitgenommen. Sie erzählen Geschichten mit Charakteren, die man so nicht bei Marvel findet. Es sind im besten Fall intimste Geschichten, die von Menschen oder Wesen erzählen, die einen berühren und begeistern. Ich bin mir nicht sicher, ob ich Black Science je fertig gelesen habe, doch das, was ich las, war ein verrücktes und großartiges Abenteuer und strotzte nur so vor Kreativität.


Lange schon liegen die ersten beiden Collections von Black Science auf meinem zu-lesen-Stapel. Jetzt bin ich endlich dazu gekommen, den ersten Band nachzuholen. Ich habe mit vielem gerechnet, aber nicht mit einer so verrückten Reise durch verschiedenste Welten und Dimensionen. Es entfaltet sich etwas, das man sich nicht entgehen lassen sollte: ein wahres Eververse.

  • Ausgaben: #1 bis #6
  • Autor: Rick Remender
  • Künstler: Matteo Scalera
  • Painted Art: Dean White
  • Lettering + Logo Design: Rus Wooton

„Mind goes blank with rage. Rage pushes me over the edge. Same mistake I always make. Leap before I look.“ – Grant

In Black Science haben wir es nicht mit Zeitreisen zu tun, sondern mit Reisen in andere Dimensionen und Varianten unseres Universums. Grant und sein Team von Wissenschaftlern haben den so genannten „Pillar“ entwickelt. Dieses Gerät transportiert alle Wesen in der unmittelbaren Umgebung in eine andere Welt. Der Autor Rick Remender greift hier die Idee des Multiversums auf und modifiziert diese Theorie ein wenig. Das (herkömmliche) Konstrukt von mehreren Universen (Multiversum) ist meist so dargestellt, dass jedes Universum eine Blase ist und diese nebeneinander existieren. Sie sind quasi in einem ständigen Prozess, des immer wieder Entstehens, Entwickelns und Vergehens.

In Black Science aber ist dieses Multiversum wie eine Zwiebel aufgebaut – zumindest wird das Gemüse als Schaubild verwendet. Es gibt also Schicht um Schicht neue Versionen, die sich mit jeder Entscheidung, die getroffen wird, vervielfachen. Das heißt also in einer Version habe ich mich dazu entschieden, keinen Blog über Comics zu schreiben, sondern berichte über die verschiedenen Fortpflanzungsmöglichkeiten von Säugetieren (eigentlich keine so blöde Idee …). Die Theorie ist, dass es etwas im Zentrum dieser Zwiebel gibt – eine Art erste Entscheidung, die dieses Eververse, wie es von Grant genannt wird, gestartet hat.

Doch jemand hat den Pillar manipuliert und beschädigt, und nun springen sie nicht gezielt durch diese Schichten, sondern landen an zufälligen Orten in dieser Zwiebel. Auch die Dauer des Aufenthalts variiert. Normalerweise einstellbar, zählt der Countdown von einer zufälligen Zahl abwärts. So bleibt man mal zwei oder drei Tage an einem Ort und dann mal wieder nur 15 Minuten. Dies macht den besonderen Reiz von Black Science aus, da man sehr viele verschiedene Welten kennenlernen kann und das ein oder andere Mal auch Versionen unserer Protagonisten auftauchen. So begegnen wir zum Beispiel einem Affen-Grant, der ebenfalls einen Pillar zu bauen begonnen hat und die Theorie des Eververse verfolgt.

Ein anderes Mal begegnen wir fantastischen Froschwesen, die auf die Wissenschaftler nicht so nett zu sprechen sind. Früher oder später werden wir dann sicher auch fast identischen Varianten der Charaktere begegnen, wie es auch schon einmal der Fall war. Doch diese tolle Szene möchte ich nicht vorwegnehmen. Die Forscher haben aber auch an Situationen gedacht, wo es vielleicht keinen Sauerstoff zu atmen gibt und tragen entsprechende Anzüge, die sie vor diversen Umwelteinflüssen schützen. Schön, wenn mal etwas mitgedacht wird.

Die verschiedenen Charaktere, die mit dem Pillar gezwungen sind zu reisen, setzen sich aus Grant, seiner Frau und den beiden Kindern zusammen. Außerdem ist noch Grants bester Freund und Kollege Ward dabei. Er darf die ersten paar Ausgaben über den Erzähler mimen, wodurch man ein ziemlich gutes Bild von ihrer innigen Freundschaft erhält. Ward hat Grant ziemlich viel zu verdanken und opfert sich für ihn auf, wie man es sich nicht vorstellen kann. Bis zuletzt kämpft er um das Überleben seines besten Freundes, der ihm so viel ermöglicht hat.

Was natürlich an einer solchen Zusammenstellung an Charakteren auch nicht fehlen darf, ist ein Quertreiber. Jemand, der sich gegen die Gruppendynamik ausspricht und vielleicht sogar so etwas wie ein kleiner Antagonist ist. Es zeichnet sich zwar eine kleine Wandlung am Horizont ab, jedoch glaube ich diese erst, wenn sie in der nächsten Story-Arc passiert. Die Rede ist hierbei von Kadir, dem Finanzier der ganzen Geschichte und der mehr oder weniger zufällig in diesen Schlamassel reingeraten ist. Remender gelingt es jedoch, ihn nicht nur zu diesem typischen, nervigen Charakter zu machen, der am besten beim nächsten Sprung zurückgelassen wird, sondern er verleiht ihm etwas Interessantes. Dadurch will man doch mehr von ihm erfahren und hofft, dass er sich für das Wohl der Gruppe entscheidet.

Black Science ist eine fantastische Kombination aus Science-Fiction-Comic, mit einem Hauch Stargate. Die Zeichnungen vermitteln einen tollen Eindruck und verstehen es, die unterschiedlichsten Gegenden in Szene zu setzen. Teilweise sind mir die Farben nur etwas zu dunkel gewählt, vor allem am Anfang, wo wir direkt in die Geschehnisse hineingeworfen werden. Ich freue mich aber auf den nächsten Teil und wie es darin weitergeht. Den Protagonisten wurde bereits nahegelegt, dass sie mit ihren Reisen nicht gerade positiv auf die Eververse-Zwiebel einwirken, sondern geradezu Löcher in dessen feine Wände reißen. Wie sich das wohl bemerkbar machen wird, wenn das zutrifft, sehen wir hoffentlich in Volume 2.

Geek-Planet: The Fourth Planet #1-2

Es ist Donnerstag und das bedeutet, wir werfen erneut einen Blick in die Vergangenheit. Wie jede Woche sehen wir uns einen alten Text von mir an. Der folgende erschien am 23. Oktober 2016 auf meinem damaligen Blog geek-planet, den es heute nicht mehr gibt. Trotzdem will ich alle meine Texte an einem Ort versammelt wissen. Und es ist ein interessantes Unterfangen, alte Texte durchzugehen und was man früher über Dinge gedacht hat.

So wie in diesem Beispiel von The Fourth Planet. Die Naivität der Jugend ist in den Zeilen zu spüren, wie schon lange nicht mehr in einem Text, den ich wiederaufbereitet habe. Wobei »Jugend« hier natürlich etwas übertrieben ist, da es gerade einmal acht Jahre her ist, da war ich 27. Trotzdem habe ich seitdem viel gelernt und so manche Meinungen über Dinge geändert. Geschichte gehört da natürlich dazu. Ich habe The Fourth Planet seit damals nicht gelesen und kann mich auch nicht an die folgenden Ausgaben erinnern, geschweige denn ob ich sie gelesen habe. Doch erscheint mir die Geschichte sehr nah an der menschlichen Natur zu sein.

Die europäische Geschichte und damit auch die der Erde ist geprägt von unserem Entdeckerdrang. Von unserem intrinsischen Verlangen, buchstäblich neue Ufer zu entdecken. Wie Yucal Harari in »Eine kurze Geschichte der Menschheit« eindrucksvoll darlegt, ist dies allerdings eher eine europäische Veranlagung, als eine, die für die gesamte Menschheit gilt. So sind wir es gewesen, die zwar die Welt »entdeckt« haben wollen, doch wir sind es genauso gewesen, die Völker unterdrückt, versklavt und ausgerottet haben. Sind wir nicht großartig? Es ist ein Aspekt europäischer Geschichte, der mir oft zu harmlos dargestellt wird, auch wenn sich dies in den vergangenen Jahren etwas geändert hat. Vor allem sollten wir in Anbetracht unserer Geschichte und vergangenen »Leistungen« vielleicht etwas demütiger sein mit dem, was wir in Europa aufgebaut haben. Denn auf wessen Rücken stehen diese Fundamente?

Genau diesen Aspekt scheint mir The Fourth Planet zumindest andeutungsweise ebenfalls darzustellen. Es wäre durchaus interessant, noch einmal einen Blick in die Comics zu werfen. Scheinbar gibt es leider nur ein Volume von der Geschichte. Vielleicht riskiere ich mal einen Blick. Ich denke, ich hätte heute eine komplett andere Meinung über die Darstellung der Menschen, als es noch vor acht Jahren der Fall war.


The Fourth Planet war ursprünglich ein Webcomic, der nun von dem Verlag Chapter House Comics in regelmäßig erscheinenden Ausgaben veröffentlicht wird. Allerdings nur quartalsweise. Die Science-Fiction-Geschichte ist unterhaltsam und weiß vor allem visuell zu überzeugen. Allerdings weist sie ebenso das ein oder andere Problem auf – welche das sind und ob sie zu sehr den Fluss der Geschichte stören, finden wir gemeinsam heraus.

  • Autor: Fred Kennedy
  • Künstler: Miko Maciascek

„My ‚kind‘ don’t believe in magic. That’s your word. We believe victory lies in change! A change that embraces knowledge rather than rejects it“ – Hethen

Menschen sind in dieser Welt dazu verdammt, als Sklaven zu arbeiten. Doch James Borchek begehrt gegen das Imperium der Tythyk auf. Es gelingt ihm, ein Schiff zu stehlen und mit einigen seiner Leidensgenossen zu fliehen. Ihr Schiff ist aber beschädigt und so müssen sie auf einem der nächstgelegenen Planeten bruchlanden. Und genau hier beginnt unsere Geschichte. Auf dem Planeten gibt es drei rivalisierende intelligente Spezies. Dabei sieht eine beeindruckender aus als die andere. Manche erinnern ein wenig an die Aliens aus Independence Day, nur ohne die Tentakel und wieder andere sehen aus wie Eisbären, nur mit einem anderen anatomischen Aufbau. Also schon mal ein guter Start für diese Reihe.

Eines, was als Erstes auffällt, sind die beeindruckenden Zeichnungen. Wenn man diese Qualität und Kreativität jeden Monat abliefern müsste, muss man das hauptberuflich machen und nicht nebenbei, wie es die beiden kreativen Köpfe dieses Comics versuchen. Die Zeichnungen selbst sind teilweise abstrakt, aber doch detailliert und die Farben erinnern stark an Wasserfarben, wodurch alles miteinander zu verfließen scheint. Einfach fantastisch.

Der Stand der Technologie auf diesem Planeten ist noch recht primitiv und scheinbar gerade bei Schießpulver angelangt. Im Prinzip kein Vergleich zu den hochtechnologischen Menschen – aber dazu später mehr. Es herrscht hier noch ein sehr deutliches Patriarchat. Dies ist besonders an den Frauenrollen zu erkennen. Sie sind dazu da, als Sexsklaven und Geburtenmaschinen herzuhalten. Nachdem man Comics wie Rat Queen, Giant Days, Paper Girls und so weiter gelesen hat, ist dies ein ziemlicher Rückschritt. Klar kann man das als Plot-Point verwenden und dann dagegen vorgehen, doch so wie es hier präsentiert wird, finde ich das nicht gut. Es ist nur da, ohne Kontext oder dass es bewertet wird. Vielleicht ist aber auch genau das der Aspekt, den die Geschichte herausstellen will. Am Ende des ersten Comics etwa geht es in Richtung Befreiungsaktion mit einer Art magischen Wesen, doch in der zweiten Ausgabe hat der Autor dies noch nicht wieder aufgegriffen. Mal sehen, was daraus wird.

Der zweite Punkt, der mich unheimlich stört, ist, dass die Menschen als die größten Arschlöcher auftreten. Ausgestattet mit der richtigen Portion an Selbstvertrauen und einer Attitüde der Art: So, jetzt sind wir da, verpisst euch! Dass sie ein Camp aufschlagen und alles machen, um auf diesem Gebiet zu überleben, damit habe ich keine Probleme. Allerdings denkt Captain James, der im Übrigen aussieht wie eine Mischung aus Jesus und einer Michelangelo-Statue, gleich daran, sich hier, genau da, wo sie gelandet sind, ein Häuschen zu bauen und eine Familie zu gründen. Fehlt nur noch der Schaukelstuhl. Was soll das? Das ist für meinen Geschmack eine zu stereotypische und narzisstische Variante an Menschen, die man in einer Sci-Fi-Handlung unterbringen kann. Warum können sie sich nicht erstmal umsehen, das Schiff reparieren, versuchen, mit Einheimischen zu verhandeln oder zumindest Kontakt aufbauen?

Vor allem werden doch die Tythyk nach ihnen suchen, da mache ich mich nicht auf dem erstbesten Planeten, den ich finde, breit. Wirklich ärgerlich, wenn so etwas in einem eigentlich gut gemachten Comic passiert. Denn ansonsten ist die Geschichte und die verschiedenen Spezies durchaus überzeugend. Ich möchte mehr über die Aliens erfahren, da brauche ich keine Menschen. Das hätte leicht etwas in der Art von Saga werden können. Nur eben konzentriert auf einen Planeten und drei Spezies. Ich bin gespannt, wann die dritte Ausgabe erscheint und werde diese definitiv testen, da ich wissen möchte, was dieses magisch mystische Wesen ist.

Geek-Planet: East of West – There is no us

Wie jeden Donnerstag sehen wir uns auch heute wieder einen alten Text von mir an. Der folgende erschien am 16. Oktober 2016 auf meinem ehemaligen Blog »Geek Planet«, den es heute nicht mehr gibt. Ich möchte allerdings meine bisherigen Texte an einem Ort versammelt wissen. Deshalb gibt es jede Woche einen wiederaufbereiteten und mit einer Einleitung versehenen Text aus grauer Vorzeit.

Ich möchte mich an dieser Stelle schon einmal für die häufig vorkommenden englischen Begriffe im Text zu East of West entschuldigen. Allerdings lässt sich das nicht immer vermeiden, wenn die hochtrabenden Namen der Progatonisten im englischen Original einfache Begriffe sind. So sind »The Message«, »Keeper« und »Death« eben zwangsweise Namen, die man so verwenden muss, wenn man über East of West schreibt. Es erleichtert das Lesen des Textes aber nicht unbedingt.

Was das Lesen des Textes ebenfalls nicht erleichtert, ist die Tatsache, dass ich selbst die Geschichte damals nicht vollständig verstanden habe. Ich bin mir nicht sicher, ob ich die Geschichte jemals vollständig verstanden habe. Es passiert sehr viel, es ist komplex und mit jedem Mal lesen werden Absichten, Intrigen und Positionen deutlicher, trotzdem bleibt etwas Unsicherheit zwangsweise zurück. Immerhin ist es Jonathan Hickman von dem wir hier reden, und dieser ist bekannt für seine durchdesignten und ausufernden Welten, die nicht ohne diverse Grafiken auskommen. Aber solche Geschichten bleiben zumindest im Gedächtnis, weil man sich mit ihnen beschäftigen muss. Es ist keine einfache Kost, aber unterhaltsam, episch und tiefgründig sind sie ebenso.


Mit »There is no us« endet das erste Jahr der Apokalypse und wir müssen wieder ein paar Monate warten, bis das zweite Hardcover-Buch erscheint. Es hat schon einen gewissen Vorteil, später in Comic-Reihen einzusteigen, wenn man ein Sammler ist, wie ich – so kann man direkt mit den dicken Büchern einsteigen.

  • Ausgaben: #11 bis #15
  • Jahrgang: 2014
  • Autor: Jonathan Hickman
  • Künstler: Nick Dragotta
  • Colors: Frank Martin
  • Letters: Rus Wooton

„And the word was made flesh, consumed by the one left behind“ – The Message

Zu Beginn von Büchern wie East of West wäre es manchmal angebracht, ein paar der Bonusmaterialien an den Anfang zu stellen. Ich weiß nicht, wie ihr das macht, aber ich lese so eine Collected Edition immer von Anfang bis Ende, das heißt, ich schaue mir nicht erst die Bonusmaterialien an. Hätte ich dies getan, wäre mir die Weltaufteilung nämlich etwas früher klar geworden. Die Geschichte von East of West spielt sich auf dem Gebiet der Vereinigten Staaten ab. Dieses Gebiet wurde neu aufgeteilt, auf die Bundesstaaten (?): The Confederacy, The Kingdom, The Union, The PRA, The Endless Nation und The Texas Republic. Außerdem gibt es noch eine Art neutrales Gebiet, auf dem sich das Monument Armistice befindet.

Nun findet ein Meeting der Oberbefehlshaber der Staaten statt. Hier wird wieder deutlich, wie egoistisch alle denken und nur auf das Wohl des eigenen Volkes aus sind; wenn überhaupt. Manche scheren sich überhaupt nur für das eigene Ansehen. So organisiert nicht nur Archibald Chamberlain von der Confederacy einen Plot gegen seinen eigenen Präsidenten, er ist zudem noch im Besitz der beiden Augen des Orakels, das wir aus der letzten Story-Arc kennen. Doch auch die Union, wo die Präsidentin mit eiserner Hand regiert, ist nicht vor Intrigen gefeit, da ihre engste Vertraute Doma Lux etwas im Schilde führt. Zu wem schließlich Bel Solomon gehört, bin ich mir nicht ganz sicher, aber er legt sich kurzerhand mit The Endless Nation an. Xiaolian, die Anführerin der PRA, ist von Anfang an sehr misstrauisch und ruft deshalb zum Krieg auf. Aufgrund der Vorkommnisse springen natürlich alle dankbar auf diesen Zug auf.

Es ist wirklich erstaunlich, wie sich die gesamte Vorarbeit von Jonathan Hickman aus den letzten Handlungsbögen nun bezahlt macht. Es werden Referenzen gemacht und diverse Vorkommnisse spielen eine größere Rolle. Machtintrigen, Politik und Krieg waren selten so unterhaltsam zu lesen. Auch die visuelle Gestaltung und die Blickwinkel innerhalb der Panels sind fantastisch gelungen.

Während sich also alle darin einig sind, dass kein Weg an Krieg vorbeiführt, beschließen die drei jungen Reiter der Apokalypse, The Beast, den Sohn des Todes, zu töten. Ob dies der richtige Schritt ist, wollen sie aber vorher bei dem Keeper Ezra verifizieren, da sie nur ungern gegen die eigentliche Absicht handeln würden, wie es in The Message geschrieben steht. Der Keeper gibt zwar freudig Auskunft, dass sie es eigentlich nicht tun sollten, aber was schert das denn die Reiter?

Ezras Schicksal macht eine ziemlich interessante Wendung. Letztes Mal war er von einem ekelhaften Biest besessen, welches sich nun vollends entwickelt hat. Es hängt an seinem Rücken, überragt ihn um mehrere Köpfe und verursacht ihm unfassbare Schmerzen. Doch das erstaunliche ist, dass sich beide voneinander trennen und Ezra dann ebendieses Biest reitet. Ich bin äußerst gespannt, was die beiden noch planen, denn ich werde das Gefühl nicht los, dass Ezra die anderen mit seiner Interpretation von The Message manipuliert. Mal sehen, ob sich dies demnächst bemerkbar macht.

Dann haben wir natürlich noch Death. Dieser legt sich mit dem Ranger an, der seine letzte Hoffnung ausgelöscht hat, seinen Sohn zu finden. Es entfacht sich ein wirklich cool inszenierter Faustkampf zwischen den beiden und der Ranger weiß gar nicht, mit wem er sich angelegt hat. In der Zwischenzeit muss Wolf sich mit den Überresten seines Vaters auseinandersetzen und ich bin mir nicht sicher, wohin uns dieser Teil der Story noch führen wird, aber es klingt ziemlich abgefahren und interessant. Jedenfalls kommen Death und der Ranger auf die abwegige Idee, dass sie eigentlich ein ähnliches Ziel verfolgen. Der Ranger will die Chosen töten, was nur in Deahts Hände spielt. Also führt ihn der mechanische Hund des Rangers doch noch in die Richtung, in der er hoffentlich seinen Sohn finden wird.

Sollte East of West irgendwann einmal verfilmt werden, würde ich gerne Clint Eastwood als Death sehen. Er würde sich wunderbar für die Rolle eignen. Allerdings sollten sie sich dann etwas mit der Verfilmung beeilen, da er nun auch schon 86 Jahre alt ist.

„Then tell me … what’s really the difference between a hyper accurate simulation and reality itself?“ – The Beast

Nichts. Das ist zumindest die Antwort, die uns Jonathan Hickman vorschlägt. Doch so einfach ist das nicht, wie auch Babylon bald herausfinden wird. Ja, der Sohn des Todes hat sich Babylon genannt, denn warum sollte man sich mit weniger zufriedengeben? Er bricht aus dem Gefängnis aus, das man ihm errichtet hat, legt aber nicht komplett seine Instrumente ab. Er behält weiterhin eine Art Helm auf, der auch seine Augen bedeckt und ihm scheinbar die Realität anzeigt. Diese Apparatur ist an seinen Begleiter angeschlossen, der ihn die vergangenen Jahre über trainiert hat: Balloon, wie er ihn nennt.

Doch Babylon kann seinem kleinen Freund nicht ganz vertrauen. Zwar hilft er ihm dabei, vor den drei Reitern, die ihn töten wollen, zu flüchten, aber was er ihm in seinem Helm zeigt, deckt sich nicht ganz mit der Realität. Was auch immer »Realität« sein mag. Denn ist das, was er auf seinem Bildschirm in der Brille sieht, wirklich die Realität? Zeigt ihm Balloon doch eine Abwandlung ebendieser. Brennende Felder, statt blühender Wiesen. Bösartige Monster, statt der kinderartigen Wesen, die die Reiter doch noch sind. Wie lange wird es dauern, bis er merkt, dass etwas nicht in Ordnung ist? Und wird ihn sein Vater rechtzeitig finden?

East of West endet mit ein paar ziemlich spannenden Cliffhangern. Doch lange sollte es nicht dauern, bis das Hardcover von Jahr zwei erscheint.

Geek-Planet: Thor – The God of Thunder #1-11

Ich sollte mir nicht zu viel wünschen. Denn manchmal gehen Wünsche in Erfüllung und das nicht unbedingt so, wie man es sich erhofft hatte. Es ist Donnerstag und das heißt, wir werfen einen Blick in die Vergangenheit. Der heutige Text erschien am 5. April 2015 auf meinem ehemaligen Blog »Geek Planet«, den es heute nicht mehr gibt. Trotzdem möchte ich alle meine Texte an einem Ort versammelt wissen.

Jason Aarons Thor-Saga gilt schon lange als ein Klassiker, den man sich nicht entgehen lassen darf. Wenn man etwas für Thor übrig hat, sollte man diese Geschichten unbedingt lesen. Die Tragweite, die diese annehmen, war zu dem Zeitpunkt, wo ich diese Rezensionen geschrieben habe, für mich noch nicht absehbar. Jane Foster nimmt einen zentralen Schwerpunkt der Geschichte ein, Thor muss lernen, was es heißt, Mjölnirs würdig zu sein.

Leider wurden unzählige Comics in nur einen Film gequetscht, wenn es doch eine Trilogie hätte sein sollen. Thors erste Film-Trilogie war abgeschlossen, warum hat man nicht drei weitere aus diesem großartigen Ausgangsmaterial gemacht? Ich habe Love and Thunder zwar noch nicht gesehen, fürchte mich aber etwas davor, wenn der Tag meines MCU Rewatch Projektes kommt. Doch die Comics kann uns niemand wegnehmen. »Thor: The God of Thunder« war nur der epische Auftakt eines noch viel größeren Abenteuers, das jedoch tief in die Motivation und den Kern der Charaktere führt.


Meine derzeitige Pull-List von Comics ist sehr von den beiden Verlagshäusern DC Comics und Image dominiert. Da kommt mir ein Angebot der gesamten »Thor: The God of Thunder« Reihe auf ComiXology gerade recht – besonders da die Reihe vom hochgelobten Autor Jason Aaron stammt, habe ich nicht lange gezögert.

  • Writer: Jason Aaron
  • Künstler: Esad Ribic
  • Color Artist: Ive Svorcina
  • Letterer: VC’s Joe Sabino

„Thus is one mystery solved. As another is born.“ – Thor

Als ich mit dem Lesen der Reihe begann, wusste ich noch nichts von dem epischen Ausmaß, welches die erste Story nehmen würde. Ich dachte, es handelt sich um eine gut durchdachte Geschichte und wir erleben Thor in verschiedenen Stadien seiner Entwicklung. Nach den typischen drei bis sechs Ausgaben pro Erzählung bestreiten wir ein anderes Abenteuer. Doch es stellte sich schnell als etwas Größeres heraus. Worum geht es also? Gorr, The God Butcher (Der Gottesschlächter) hat sich zum Ziel gemacht, alle Götter, die jemals waren, sind und noch sein werden, zu töten. Er will ein gottloses Universum schaffen, wo Lebewesen wirklich frei leben können. Seit Jahrhunderten streift er dabei durch den Raum und konnte noch von keinem Gott bezwungen werden. Auch scheint niemandem das Muster aufzufallen – die Ermordeten gelten schlicht als vermisst. Bis Thor aus der Gegenwart eines Tages in der großen Bibliothek darauf aufmerksam wird, dass es zu viele Götter sind, die verschwinden und es sich nicht mehr nur um einen Zufall handeln kann.

Der Aufbau der Geschichte hat mich von Anfang an begeistert. Wahrscheinlich lässt sich dieser mit dem Finale von »Star Trek: The next Generation« vergleichen. Dort muss sich Picard in drei verschiedenen Phasen seines Lebens mit dem gleichen Problem beschäftigen. Ähnlich ist es auch hier. Dadurch spielen, besonders zum Finale hin, Zeitreisen eine wichtige Rolle und führen nicht selten zu Verwirrung (zumindest bei mir). Denn ich bin mir immer noch nicht ganz sicher, wie die Geschichten ineinander greifen. Warum manche Vorfälle aus der Vergangenheit Auswirkung auf die Gegenwart haben und andere nicht. Doch das ist Jammern auf hohem Niveau, denn ansonsten ist es eine epische Geschichte.

Die abwechselnden Sichtweisen Thors sind bemerkenswert gut gelungen. Der junge, unerfahrene und noch ohne Mjölnir ausgestattete Thor der Vergangenheit. Der gegenwärtige Thor, der sich den Avengers angeschlossen hat und schon taktischer denkt, sowie der weise alte Mann der Zukunft, letzter Überlebender von Asgard, auf dem Thron sitzend und auf Rache hoffend. Außerdem lernen wir die Lebensgeschichte Gorrs kennen, sein Leben, seine Tragödien und was ihn schließlich dazu gebracht hat, diese unmögliche Aufgabe anzunehmen. Jason Aaron gelingt es dabei, Gorrs Handlungen derart nachvollziehbar zu machen, dass ich zwischendurch fast auf seiner Seite war.

„Tell me now, Prince of Asgard, before all you’re able to do is whimper and scream … what was Thor the god of before he died?“ – Gorr

Die gut durchdachten Charaktere, die spannende Geschichte und die fantastischen Dialoge machen das Abenteuer zu einem Genuss. Der Ablauf zwischen den einzelnen Szenen und Zeitaltern wirkt dabei meist schlüssig, nie wird etwas erzwungen oder den Charakteren aufgedrückt.

Einzig über die jetzt noch folgenden Storys mache ich mir etwas Sorgen. Denn wie soll der Autor einen solchen Auftakt noch toppen können? Es liest sich eher wie ein großes Finale, einer großartigen Comic-Reihe und nicht der Beginn. Doch ich bin zuversichtlich, denn die nächsten Abenteuer umfassen ebenfalls mehrere Ausgaben und haben klingende Namen wie »The Accursed« oder »The Last Days of Midgard«. Jason Aaron hat gut vorgelegt und ich freue mich auf seine nächsten Ideen.

„I will not sit in that blasted throne a second longer … If I cannot walk to my death like a god of the Vikings … I will crawl to it like a wounded dog.“ – Thor

Auch künstlerisch ist »Thor: The God of Thunder« brillant umgesetzt. Landschaften wirken weitläufig und abwechslungsreich. Es treten viele verschiedene Spezies auf, die alle ihr eigenes, gutes Design erhalten haben. Zusätzliche kleine Eigenheiten machen sie liebenswert oder Furcht einflößend. Dabei sind vor allem Gorr und seine grausamen Fähigkeiten und Folterspiele nicht schön zu beobachten. Der Schmerz und das Leid der Figuren werden zum Greifen nahe – man leidet mit.

Der Auftakt der Reihe gewährt einen fantastischen Einblick in die Entwicklung Thors, und ich könnte mir sehr gut vorstellen, dass sich diese überzeugend in einen Film transportieren lässt. Dabei lassen vorwiegend der göttliche Aspekt und die weitläufigen Ereignisse es logisch erscheinen, wenn die Avengers nicht auftauchen, um ihm zu helfen. Wobei dies durch einen kleinen Cameo-Auftritt abgerundet wird. So manche klasse Kampfszenen würde ich nur zu gern in Live-Action sehen, besonders der letzte Kampf beinhaltet Szenen, die ihresgleichen suchen, aber ich möchte nicht zu viel Spoiler.

Geek-Planet: Birthright – Volume 3

Wie jeden Donnerstag sehen wir uns auch heute einen alten Text von mir an. Dieser erschien am 9. Oktober 2016 auf meinem damaligen Blog »Geek-Planet«. Diesen gibt es zwar nicht mehr, trotzdem will ich alle meine Texte an einem Ort versammelt wissen.

Es ist immer wieder interessant, die alten Texte von mir durchzugehen. Manche sind wirklich gut strukturiert und erzählen stringent vom jeweiligen Produkt, das ich vorstelle. Dieser Text wirkt allerdings etwas hektisch auf mich. Teilweise habe ich rasch zwischen unterschiedlichen Punkten hin und her gewechselt, manchmal innerhalb eines Absatzes. Würde mich interessieren, ob das hier der Fall ist, weil mir nicht wirklich etwas eingefallen ist, was ich zu den jeweiligen Punkten besprechen kann und möchte, oder weil ich keine Lust hatte, den Text zu schreiben.

Natürlich kommt so etwas heute auch noch vor. Wenn mir nichts einfällt, schreibe ich zuerst über die Punkte, zu denen ich etwas sagen kann und will. Meistens stellt sich dann ein Flow ein und ich komme auch auf die zuvor schwieriger erscheinenden Punkte zu sprechen. Und wenn ich heute keine Lust habe, dann suche ich mir ein Thema, das mir eben interessant erscheint. Oder ich redigiere einen alten Text und schreibe eine Einleitung dazu. Hier die Einstiegshürde geringer, als ein leeres Blatt befüllen zu müssen. Das ist eben der Vorteil eines täglichen Blogs, und wenn man alle Ideen für Texte festhält und sammelt: Es findet sich immer etwas, worüber man schreiben kann.


Zwischen Mikey und Brennan beginnen die ersten Zweifel aufzusteigen. Es geht um die Absichten, die Mikey mit seiner Reise tatsächlich verfolgt. Nebenbei erfahren wir, wann Mikey das erste Mal dem Nevermind begegnet ist und es kommen ein paar mehr Figuren ins Spiel – also wieder ein voll gepacktes Abenteuer zwischen Erde und Terrenos.

  • Autor: Joshua Williamson
  • Künstler: Andrei Bressan
  • Colorist: Adriano Lucas
  • Letterer: Pat Brosseau

„That is the real question: Why did Mikey betray himself“ – Leslie Mast

Vertrauen ist ein kostbares Gut. Es muss stets gepflegt werden und wenn man es einmal verloren hat, ist es schwer, es sich wieder zu verdienen. Ist die Grundfeste erschüttert, die zwischen Freunden und Familie unabdingbar ist, wird es schwierig. Langsam, aber sicher verliert Mikey das Vertrauen seines Bruders. Denn mit jedem »Mage« dem er begegnet, wird mehr von der Wahrheit bekannt. Diese Wahrheit deckt sich nicht unbedingt mit der Version, die Mikey seinem Bruder erzählt. Vor allem in Bezug auf den Nevermind, den er so „selbstlos“ in sich aufgenommen hat. Was sind seine Absichten?

Zwar können wir diese Frage nicht beantworten, aber zumindest bekommen wir Einblicke in den Ursprung, genauer gesagt den Vorbesitzer des mysteriösen Geschöpfs. In Terrenos, während seiner Ausbildung, ist er schon öfter dieser Frau begegnet, die den Nevermind vor ihm besessen hat. Und später erkennen wir, wie Mikey ihn von God King Lore bekommen haben könnte. Dies sind ziemlich spannende Einblicke in die Vergangenheit unseres „Helden“, und es funktionieren die vagen Andeutungen ziemlich gut. Allerdings sollten die Rätsel nicht zu sehr in die Länge gezogen werden, sondern im nächsten Volume etwas aufgelöst werden.

Der erste Mage, dem Mikey gegenüberstand, war relativ einfach zu besiegen. Man bekam nicht wirklich einen guten Einblick in dessen Macht. Dies ändert sich nun gewaltig, weil gleich zwei von ihnen auf der Bildfläche bzw. den Panels erscheinen. Es scheint so, als hätten sie alle ihre bestimmten Fähigkeiten, und diese sind eindrucksvoll dargestellt. Vor allem Sameal, ein Assassine, dessen Identität ein weiteres Mal mehr Fragen aufwirft. Der Kampfstil und die Kleidung des Ninja sind sehr cool, ich möchte am liebsten einen Spin-off über seine Vergangenheit, aber ich bin mir sicher, da sehen wir noch mehr in den kommenden Geschichten.

Die Eltern der beiden Brüder bekommen in diesem Handlungsstrang wieder mehr zu tun. Aaron unternimmt Versuche, mit der NSA seinen Sohn zu finden, und Wendy macht weiterhin gemeinsame Sache mit Rya. Bald wird ihr Baby das Licht der Welt erblicken, und ich denke, das wird in einer sehr unpassenden Situation sein. Vielleicht hat dies die Macht, Mikey vom Bann des Nevermind zu befreien.

Auch geheime Identitäten spielen eine große Rolle. Zum einen hat Brennan Unterstützung eines totgeglaubten Gegners, und der NSA-Typ ist auch nicht gerade das, was man einen normalen Menschen nennen könnte. Birthright begeistert weiterhin mit einer dynamischen Geschichte, interessanten Rückblenden und fantastischen Charakteren. Verbunden mit den tollen Zeichnungen und den satten Farben, kann ich es kaum erwarten, bis Volume 4 erscheint.

Eines möchte ich noch kurz anmerken, denn am Anfang des Comics war die Rede davon, dass die Mages, die Mikey jagt, über die gesamte Welt verstreut sind. Natürlich war mir klar, wenn in einem amerikanischen Medium von „der Welt“ gesprochen wird, hauptsächlich die USA gemeint waren. Allerdings hegte ich die Hoffnung, dass dies hier etwas anders sein würde. Denn manche dieser alten magischen Wesen könnten sich nach Ägypten oder China geflüchtet haben. Oft wird viel Potenzial damit verschwendet, dass man sich auf die USA beschränkt, auch wenn man dadurch natürlich eine gewisse Atmosphäre erzeugen kann. Dahingehend erinnert Brithright manchmal sehr stark an die Abenteuer der Winchester-Brüder aus der Serie Supernatural.

Geek-Planet: East of West – We are all one

Es ist Donnerstag und das heißt, wir werfen einen Blick in die Vergangenheit. Dieses Mal auf den 2. Oktober 2016. An diesem Datum habe ich den folgenden Text auf meinem damaligen Blog »Geek-Planet« veröffentlicht, den es heute nicht mehr gibt. Trotzdem sollen alle meine Texte an einem Ort versammelt sein.

Ich kann mich überraschenderweise noch sehr gut an East of West erinnern. Beim Lesen des Textes sind mir die Szenen wieder eingefallen. Teilweise sogar die Panels, die im Comic vorkommen. Das ist eben der Unterschied, wenn ein fantastischer Autor mit einem hervorragenden Künstler zusammenkommt und etwas Einzigartiges erschaffen. East of West versprüht Unmengen an Style und ist eine toll designte Welt. Doch wo andere schließlich an der Geschichte scheitern würden, erzählt Hickman einen Politthriller in einem Sci-Fi-/Fantasy-Setting, das seinesgleichen sucht.

East of West habe ich öfter gelesen, bevor es später endete. Es ist eine komplexe Geschichte mit Intrigen und Affären, Machtspiele und Manipulation. Die Beziehungen und roten Fäden werden einem nicht gleich klar. Auch so manche Persiflage geht vielleicht unter, wenn man nicht genau hinsieht. Vielleicht war das auch der Prototyp für Hickmans spätere Neu-Interpretation der X-Men bei Marvel. Aber dieser Prototyp kann sich sehen lassen.


East of West ist ein wunderbarer Comic, den man am besten in einem Rutsch liest. Jeden Tag eine Story-Arc, dann taucht man immer wieder voll und ganz in diese verrückt fantastische Welt ein. Im zweiten Handlungsbogen werden neue Charaktere in Stellung gebracht und eine alte Macht betritt die Bühne.

  • Ausgaben: #6 bis #10
  • Jahrgang: 2013/14
  • Autor: Jonathan Hickman
  • Künstler: Nick Dragotta
  • Colors: Frank Martin
  • Letters: Rus Wooton

Crow: „How far down does it go?“
Death: „All the way.“

Wenn Richter bestechlich sind und dem Gesetz nicht mehr vertraut werden kann, nimmt man es am besten selbst in die Hand. Sehr eindrucksvoll und visuell ekelhaft schön werden die Ranger eingeführt. Sie haben es sich zum Ziel gemacht, Korruption, Bestechung und alles, was damit in Zusammenhang steht, auszutreiben. Nachdem das erledigt wurde, haben sie sich zur Ruhe gesetzt. Doch ein Mann engagiert den besten Ranger, um die Chosen zu vernichten. Vielleicht lässt sich so, das Ende der Welt verhindern.

In einem Rückblick erleben wir die vier Reiter der Apokalypse gemeinsam, wie sie Gläubige, die sich an einer Stelle in der Wüste versammeln, einfach abschlachten und über sie lustig machen. Doch sie erkennen die Macht, die von diesem Ort ausgeht, und entscheiden, hier ihr neues Zentrum zu errichten. Bei dem Massaker ließen sie ein Kind leben, Ezra. Er wird der Erbauer des Monuments in »Armistice«. Seine Geschichte ist voller Ergebenheit und Leid. Femine, die er als Mutter ansieht, will er immer zufriedenstellen. Doch sie gönnt ihm dies nicht. Leid ist sein Leben, Leben ist sein Leid. Diese Unerbittlichkeit zeigt sich auch im Design der Charaktere. Die erwachsenen Versionen der Reiter sind cool gestaltet, vor allem ihre futuristischen Reittiere, die eine Mischung aus Pferd, Roboter und Massenvernichtungswaffe sind.

Death macht sich derweil auf die Suche nach seinem verschollenen Sohn, der irgendwo auf der Welt gefangen gehalten wird. Dabei geht er zu einem uralten Wesen. Manche Seen gelten in dieser Welt als Spiegel zu anderen Welten und wenn man Kreaturen richtig beeinflusst, gewähren sie Eintritt. So geht Death mit seinen beiden Gefährten Crow und Wolf eine endlose Treppe hinunter und bringt sie durch ein Labyrinth aus Gängen und noch mehr Treppen. Schließlich gelangen sie an ihr Ziel. Ein Gefängnis. Das älteste Gefängnis der Welt, das Death selbst mit erbaut hat. Dort findet er das Orakel. Wie die beiden miteinander sprechen und die visuelle Umsetzung der Szene ist einfach beeindruckend. Umgeben von endloser Dunkelheit besprechen die beiden die Bedingungen, welche Death erfüllen muss, um einen weiteren Schritt in Richtung seines Sohnes zu machen. Der Preis, den sie verlangt, ist interessanterweise nicht ihre Freiheit.

Später gelangen wir mit Death an eine Grabstelle mitten in der Wüste: Heetse’isi‘. Dort begegnen sie niemand geringerem als Wolfs Vater. Dafür, dass er so mächtig ist, wird er leider zügig besiegt. Zwar ist der Kampf beeindruckend dargestellt, jedoch hätte ich mir von so einem Wesen mehr erwartet. Doch bevor er Death den Standort seines Sohnes verraten kann, kommt ihnen ein Ranger in die Quere.

In der Zwischenzeit ruft die neue Präsidentin der Union einen Militärstaat aus und greift beinhart durch. Nichts und niemand ist vor ihrem reuelosen Vorgehen sicher. Was mich an dem Charakter so beeindruckt, ist, dass sie die Sicherheit ihres White Tower verlässt und sich auf die Straßen hinaus begibt, um Informationen zu beschaffen. Dabei schreckt sie nicht vor Folter und Mord zurück. Vor ihr kann man tatsächlich Angst bekommen.

Auch die Machtspiele, die vonstattengehen, steigen in ein neues Level auf. The Kingdom, wo sich interne Intrigen zwischen den Söhnen des Königs entwickeln, geht sehr geschickt darin vor, dass die Union in ihrer Schuld steht. In New Shanghai hat Xiaolian eine gewaltige Armee zusammengestellt und macht sich auf den Weg zu „Verhandlungen“ bei der »Wall«. Mal sehen, wie diese so ablaufen werden.

Zu guter Letzt noch ein Wort zum Beast, dem Sohn von Death und Xiaolian. Er ist zwar ein Gefangener, hat aber überraschend viel Kontrolle über die künstliche Intelligenz, die ihm Dinge beibringt. Bewusst, dass sein Ende bevorsteht, verlagert er sein Training vom reinen Theoretischen ins Praktische, was auch immer das bedeuten mag. Aber ich vermute, er wird sich nicht nur in Waffenlehre, sondern vielleicht in Kampfkunst üben.

Die zweite StoryArc von East of West setzt den guten Einstieg wunderbar fort. Jonathan Hickman und Nick Dragotta verstehen die Kunst des Wordbuildings. Jeder Charakter hat seinen Zweck und ist nicht nur bloßer Plotpoint. Ich bin gespannt auf das Finale von Year One.