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Geek-Planet: Ultimate Spider-Man – Volume 18

Wie jeden Donnerstag werfen wir auch heute einen Blick in die Vergangenheit und beleuchten einen Text meines früheren Blogs »Geek-Planet«. Nach und nach will ich so meine alten Texte verfügbar machen. Der Folgende stammt vom 28. April 2017. Auf eine ausufernde Einleitung verzichte ich dieses Mal, denn der Text allein hat schon über 1.000 Worte. In diesem Sinne, viel Freude beim Lesen.


Über die letzten Geschichten hinweg hat sich der Kingping von New York, Wilson Fisk, einige Feinde gemacht. Doch statt ihn immer wieder einzeln anzugreifen, übernimmt Daredevil die Initiative und formt die »Ultimate Knights« (auch wenn er sie offiziell nie so nennt). Mit dieser Gruppe soll es gelingen, den Kingpin of Crime endgültig aus dem Verkehr zu ziehen.

  • Ausgaben: #106-111
  • Erscheinungsdatum: 2007
  • Autor: Brian Michael Bendis
  • Künstler: Mark Bagley
  • Inks: Drew Hennessy
  • Colors: Richard Isanove, Justin Ponsor
  • Letters: VC’s Cory Petit

Gleich zu Beginn der Geschichte wird eine interessante Frage aufgeworfen: Wer besitzt die Merchandise-Rechte eines Superhelden? Die einfache Frage auf diese Antwort ist, dass derjenige die Rechte besitzt, der zuerst diese Rechte anmeldet. Da Peter dies leider versäumt hat und ihm dadurch einige Millionen Dollar durch die Lappen gegangen sind, kommt der Kingpin persönlich in den Genuss des ganzen Geldes.

Wenn wir uns an die Storyline »Hollywood« zurückerinnern, dann gab es im Ultimate-Universum einen Spider-Man-Film. Dieser war scheinbar ganz erfolgreich und hat dazu geführt, dass ordentlich Merchandise-Artikel verkauft wurden. Nun besitzt Fisk über mehrere Ecken die Firma, die genau diese Rechte angemeldet hat. Doch statt daraus Geld zu schlagen, wie es jeder vernünftige Mensch tun würde, lässt er die ganze Linie gegen die Wand fahren – oder so zumindest der Plan. So will er Peters Ruf als Spider-Man schädigen. Was aber aus diesen Plänen wird, erfahren wir nicht mehr, denn Daredevil und seine Ultimate Knights kommen dem Unterweltboss in die Quere.

Es hat mich überrascht, welch eine Achterbahnfahrt diese Storyline ist. Mal ist sie vorhersehbar, mal komplett überraschend, dann wieder nicht nachvollziehbar. Doch fangen wir mit Peters Beziehungskrise an. Der junge Held hat sich in der letzten Geschichte wieder mit MJ versöhnt und die beiden sind wieder ein Paar. Yay! Doch nicht so schnell, denn da ist ja auch noch Kitty, die nun völlig überraschend in Peters Schule anfängt. Natürlich hat dies nichts mit Peters und MJs Situation zu tun, sondern damit, dass sie aus der X-Men Schule rausgeflogen ist. Das hat mich durchaus überrascht, dass so etwas überhaupt möglich ist.

Doch scheinbar hat sich Kitty mit Xavier gestritten, was zu dem Verweis geführt hat. Was mich irritiert, ist die Tatsache, dass sich Kitty in der Zeit, in der sie bei Xavier war, durchaus einige Feinde gemacht hat. Nun will sie dieser allein lassen? Zwar kann Kitty sehr gut auf sich selbst aufpassen, allerdings wäre sie um einiges besser bei den X-Men aufgehoben. Ihre Einführung in die Schule ist allerdings wunderbar umgesetzt, und Bendis zeigt sein Gefühl für Charaktere. Denn da jeder weiß, dass Kitty ein Mutant ist und eine Beziehung mit Spider-Man hat oder hatte. Natürlich belagern sie die anderen mit sehr vielen, teils persönlichen Fragen. Insgesamt eine beeindruckende und mitreißende Szene. Vor allem, weil Peter gezwungen ist, einfach zuzusehen. Er kann nicht einschreiten, ohne sich als Spider-Man zu outen.

Unterdessen beginnt Daredevil nach und nach die Rekrutierung diverser Helden. Nachdem er bereits Dr. Strange, Moon Knight, Danny Rand und Shang-Chi überredet hat, bei seinem kleinen Unterfangen mitzumachen, schaut er kurzerhand bei Peters Schule vorbei. Natürlich in Zivilklamotten, aber es ist schon erstaunlich, wie schnell es so manchen gelingt, darauf zu schließen, dass Peter Spider-Man ist. Wahrscheinlich ist es ein genauso offenes Geheimnis, wie das, dass Bruce Wayne Batman ist. Doch die beiden, Matt und Peter, funktionieren durch ihre Gegensätze ziemlich gut. Spider-Man, der alles macht, wie es ihm in den Sinn kommt, und nicht unbedingt große Pläne vorbereitet. Auf der anderen Seite haben wir den strengen und erwachsenen Daredevil, der vor Gewalt nicht zurückschreckt, sollte es notwendig sein.

Diese Zusammenarbeit ist auch deswegen sehr interessant, weil wir dadurch Bendis’ Interpretation einiger Charaktere sehen können. Da Ultimate Spider-Man die einzige Ultimate-Reihe ist, die ich lese, weiß ich nicht, ob sie in anderen Ausgaben bereits aufgetaucht sind. Doch teilweise unterscheiden sie sich doch sehr davon, was ich erwartet hatte. Darunter Dr. Strange, der ein sehr öffentliches Leben zu leben scheint und Danny Rand, der nicht so vertrauenswürdig ist, wie man vielleicht denken mag. Doch Moon Knight mag wohl der Interessanteste von allen sein. Mit seiner gespaltenen Persönlichkeit und dem, was wir hier geboten bekommen, wird er zu einem tragischen Fall, der trotz seiner Schwächen oder gerade deswegen sehr überzeugt. Ich mag seine Beweggründe gerne, weil er die anderen dazu zwingt, über ihre Schatten zu springen. Dadurch wird unter anderem gezeigt, wie weit zum Beispiel Daredevil bereit ist zu gehen, um den Kingpin auszuschalten.

Doch es gibt Grenzen, die Spider-Man nicht überschreitet, und so sehen wir unter anderem, wie sich dieser indirekt für den Kingpin einsetzt. Was alle Parteien überrascht. Wie das Ganze genau abläuft und wer sich wie und wo durchsetzt, will ich allerdings nicht verraten. Es führt allerdings zu beeindruckenden Momenten.

Wie ihr vielleicht wisst, endet mit der 111. Ausgabe die Zusammenarbeit zwischen Mark Bagley und Brian Michael Bendis. Was Marvel betrifft, haben sie damit einen neuen Rekord aufgestellt für die längste durchgehende Zusammenarbeit zwischen einem Autor und einem Künstler. Deshalb ergibt es für mich Sinn, dass diese Ausgabe, die den bedeutungsschwangeren Namen »The Talk« bekommen hat, das längst überfällige Gespräch zwischen Tante May und Peter darstellt. Die Hälfte davon hat dann auch schon der neue Künstler Stuart Immonen gezeichnet. Wir bekommen also einen langsamen Übergang von einem Künstler zum nächsten spendiert.

Es ist eine großartige Ausgabe. Die beiden funktionieren einfach herrlich miteinander (also Tante May und Peter). Tante May weiß nun endlich, dass Peter unter dem blau-roten Kostüm steckt. Langsam aber sicher nähern sie sich dem Thema an, denn beide wissen nicht genau, wie so ein Gespräch ablaufen und worüber sie eigentlich sprechen sollen. So werden Dinge Revue passiert, die in der Vergangenheit vorgefallen sind, und Grenzen abgesteckt, worüber Tante May mit wem sprechen darf und mit wem nicht (es bleibt schließlich nur MJ übrig). Also eine gelungene letzte Ausgabe von Bendis und Bagley.

Es war eine fantastische Reise, und ich werde Mark Bagleys Zeichnungen vermissen. Ich mag seinen Stil von ganzem Herzen und habe mich über die letzten Jahre sehr daran gewöhnt. Für mich ist er DER Künstler von Spider-Man geworden. Mal sehen, was uns Stuart Immonen in den nächsten Ausgaben so präsentieren wird. Es wird sicher spannend. Vor allem, weil auch bald die erste Inkarnation der Reihe Ultimate Spider-Man ihr Ende finden wird. Doch erst einmal geht es das nächste Mal mit »Death of a Goblin« weiter.

Geek-Planet: The Sculptor von Scott McCloud

Morgen jährt sich dieser Blog zum ersten Mal. Seit einem Jahr schreibe ich jeden Tag einen Text zu einem beliebigen Thema. Was mich eben gerade so beschäftigt und interessiert. Aber auf diese Texte und das vergangene Jahr blicke ich an anderer Stelle zurück. Heute soll es um diese Kolumne im Speziellen gehen.

Da heute Donnerstag ist, muss natürlich ein alter Text von mir her. Für dieses kleine Jubiläum habe ich mir einen herausgesucht, der den Comic The Sculptor von Scott McCloud behandelt. Immerhin begann diese Kolumne und mein alter Blog Geek-Planet mit ihm und seinem Buch Understanding Comics. Daher scheint es passend, das erste Jahr auch mit ihm zu beschließen. Der Text erschien am 29. März 2015.

Wie schon bei vorherigen Texten habe ich die Links leider nicht mehr, die ich am Ende erwähne. Aber der Vollständigkeit halber habe ich die Zeilen trotzdem nicht entfernt. Zwar bin ich mit der Zeit dazu übergegangen, meine alten Texte etwas zu redigieren und zu überarbeiten, aber das waren stets kleine Änderungen. Habe ich die ersten Texte noch unbearbeitet wiedergegeben, so habe ich schnell gemerkt, dass eine kleine Überarbeitung notwendig ist.

Dabei war mir stets ein Anliegen, diese Texte verständlicher zu machen. Sätze umzuschreiben, die zu lang sind oder zu konfus geschrieben. Den Lesefluss zu verbessern und manches genauer zu erläutern. Oder aber auch, in äußerst seltenen Fällen, Sätze zu entfernen, da sie nicht mehr zeitgemäß sind oder nicht mehr in das Gesamtkonzept des Textes passen. Immerhin ist es über 10 Jahre her, seit ich den Blog Geek-Planet gestartet habe, da entwickelt man sich hoffentlich weiter.

In dem einen Jahr, wo es nun meine neue Webseite christophstaffl.eu gibt, haben wir uns 49 alte Texte von mir angesehen und es macht mir immer noch Freude. Ich entdecke immer wieder Neues und bin teilweise selbst überrascht, über was ich so alles geschrieben habe. Oder auch welche Meinungen ich zu gewissen Themen hatte oder aufgeschrieben habe.

Für das kommende Jahr habe ich ein paar spezielle Texte im Sinn, die ich mir gerne ansehen und erneut veröffentlichen möchte. Es handelt sich dabei um ein Studienprojekt, welches dann den Weg zu einem anderen Blog-Projekt fand, an dem ich teilnehmen durfte. Aber dazu mehr, wenn es so weit ist. Heute geht es erst einmal um Scott McCloud und seinen großartigen Comic The Sculptor.


Den meisten dürfte Scott McCloud wohl durch seine theoretischen Abhandlungen von Comics bekannt sein. Seine fantastischen Bücher Understanding Comics, Reinventing Comics und Making Comics sind ein Fundus an Informationen über das THema. Nach deren Lektüre, die er ebenfalls als Comic präsentiert, betrachtet man die Panels, Zeichnungen und Sprechblasen anders – sie öffnen den Leser*innen die Augen.

„It’s like they’re demanding that I make them, demanding to be seen, demanding to exist … and now I’m scared I’ll never finish a single one.“ – David

Ich habe nie die frühen Werke von Scott McCloud gelesen. In den achtziger und neunziger Jahren hat er Comics hervorgebracht, die von vielen Kritiker*innen hochgelobt wurden (zum Beispiel Zot! und The New Adventures of Abraham Lincoln). Dadurch war ich sehr daran interessiert, wie wohl ein Comic von ihm aussehen würde, der eine originelle Geschichte erzählt. Wie hat ihn die Erforschung und analytische Auseinandersetzung mit Comics beeinflusst?

Eigentlich müssten seine Erkenntnisse dazu führen, dass es ein Meisterwerk par excellence wird. Wobei diese Erwartungshaltung natürlich unfair ist. Allerdings bleibt eine der interessantesten Fragen für mich, worüber er schreiben wird. Welches Genre, welches Thema, welche Personen werden darin vorkommen? Und das Ergebnis seiner fünf Jahre andauernden Arbeit, in der er geschrieben, gezeichnet und sogar einen eigenen Font hat erzeugen lassen, ist ein Comic, so umfangreich und tiefgreifend wie das Leben selbst.

„Life doesn’t always turn out the way we plan, David.“ – Harry

Wie schon angedeutet ist das Graphic Novel The Sculptor sehr vielfältig. Im Zentrum steht David. Ein verlorener Künstler, der einen Deal mit dem Tod eingeht, um doch noch etwas Einzigartiges schaffen zu können. Dafür hat er 200 Tage Zeit, danach muss er sterben. Scott McCloud scheint mit einer unvergleichlichen Leichtigkeit, die Vielfalt des menschlichen Daseins in einen 500-seitigen Comic zu packen. Es geht um das Leben, die Liebe, Leidenschaft, Tod, Sex, Gefühle, Familie, Freunde, Träume, Erfahrungen, Ziele, Lektionen, Geld, Glück, Trauma, Hilfs- und Risikobereitschaft und so weiter. Alles findet seinen Platz.

Je weiter die Geschichte voranschreitet, desto weiter wird man in sie hineingezogen und sie lässt einen nicht mehr los, bis man am Ende des Buches angelangt ist und erschöpft den Deckel zuklappt. Die Charaktere sind liebevoll ausgearbeitet. Sie sind glaubwürdig dargestellt, haben Fehler. Jede Minute mit ihnen muss man genießen, denn man weiß nie, wann es zu spät ist. Wenn es in The Sculptor an einem nicht fehlt, dann sind es überraschende Wendungen. Dabei sind es keine großen WTF-Momente, die die Leser*innen schockieren sollen. Nein, es sind die einfachen und stillen Momente, in denen die Charaktere über sich hinauswachsen, der Angst und Herausforderung ins Gesicht blicken und handeln.

Ebenso wie die Geschichte sind auch die Zeichnungen fantastisch. Der typische Stil von McCloud passt perfekt zu dem Comic, da es den Leser*innen genug Spielraum für Interpretationen lässt. Die nur zweifarbige Darstellung des Geschehens regt die Fantasie an und wirkt inspirierend. Die Handlungsorte wie die Stadt, Wohnungen, Parks und Seitengassen sind lebendig, man hört förmlich die typischen Geräuschkulissen der Umgebung. Es macht Spaß, mit den Figuren immer mehr zu entdecken und Davids Kreativität zu beobachten.

Die Dialoge und Gespräche wirken natürlich, nachvollziehbar und ich könnte stundenlang den Gesprächen zwischen Harry und David lauschen, während sie ihr Schachspiel bestreiten. Es gibt viele Höhepunkte in dem Comic, die ich nur zu gerne beschreiben und besprechen möchte, aber ich will nicht zu viel verraten, denn die Geschichte sollte ohne allzu viel Vorwissen gelesen werden. So entfaltet sie ihre gesamte Kraft und verfolgt einen noch über Tage hinaus. Auf jeden Fall lädt sie zum erneuten Lesen ein, denn sicherlich übersieht man beim ersten Mal etwas oder bestimmte Aspekte der Geschichte gehen unter.

Ich kann dieses Buch nur jedem empfehlen. Kauft es, verschenkt es, gebt es weiter.

„You’ll leave. Everybody leaves.“ – Meg

Vor kurzem habe ich Meldungen auf diversen Blogs und Websites gelesen, welche mich regelrecht nervös werden lassen. Filmstudios haben sich angeblich um die Rechte an dem Buch gestritten und es ist zu einer Art Wettstreit geworden. Ich weiß nicht mehr, welches Studio die Filmrechte schließlich bekommen hat und es ist mir eigentlich auch egal. Bitte, wer auch immer für die Verfilmung zuständig sein wird, lasst es langsam angehen. Arbeitet mit McCloud zusammen, wenn er es möchte. Haltet die Geschichte und die Effekte einfach und lasst die Protagonisten für sich sprechen, so wie im Comic auch. Denn erst dadurch entfaltet sich die Magie der Geschichte. Kein übermäßiger Einsatz von CGI, keine schnulzig übertriebene Romanze oder erzwungene Dreiecksbeziehung, welche es nicht gibt.

Als Abschluss verlinke ich noch zwei Interviews mit Scott McCloud. Das Erste könnt ihr gleich lesen, ohne das Buch zu kennen. Das Zweite würde ich allerdings erst für später empfehlen, da es doch einige Spoiler enthält. In jedem Fall bekommt man einen netten Eindruck über die Entstehung von The Sculptor.

Geek-Planet: Ultimate Spider-Man – Volume 17

Wie jeden Donnerstag riskieren wir auch diese Woche einen Blick in die Vergangenheit und sehen uns einen alten Text von mir an. Der Folgende behandelt ein großes Kapitel aus der Ultimate Spider-Man-Reihe: die Klon-Saga. Der Text erschien am 21. April 2017 auf meinem damaligen Blog Geek-Planet, den es heute so nicht mehr gibt.

Die Utimate-Reihe war meine erste Konfrontation mit der Klon-Saga. Bis heute habe ich die Originale-Saga, wenn man so will, noch nicht gelesen. Dabei zählt sie zu den prägensten und wichtigsten Geschichten aus der Amazing Spider-Man-Ära. Oder zumindest zu der mit den meisten Kontroversen? Ich bin mir nicht ganz sicher und will sie deshalb auf jeden Fall noch nachholen.

Was ich allerdings gelesen habe, sind die ganzen Spider-Verse-Geschichten von Dan Slott, die sehr unterhaltsam waren. Besonders das erste Spider-Verse-Abenteuer, wo so viele Spider-Men wie nie zuvor aufeinandergetroffen sind, war fantastisch konzipiert und hat den Mythos rund um Spider-Man um viele Ebenen erweitert. Die darauf folgenden Iterationen, wenn ich mich recht erinnere, sind nicht mehr ganz auf demselben Niveau geblieben, hatten aber trotzdem großen Unterhaltungswert.

Trotzdem bleibt Bendis Interpretation von der Klon-Saga ein guter Einstieg in das Thema. Es gibt keine Spin-offs oder dergleichen, sondern es bleibt eine kompakte Storyline, die eine Geschichte stringent erzählt. Mit allen Facetten, die der Autor unterbringen möchte. Nach dem folgenden Text zu urteilen, ist sie bei mir damals sehr gut angekommen und hat alle möglichen Gefühle ausgelöst.


Klone spielen bei Spider-Man seit jeher eine wichtige Rolle und so war es nur eine Frage der Zeit, bis sich auch Brian Michael Bendis diesem Thema widmet. Dabei trifft es sich natürlich ausgezeichnet, dass die 100. Ausgabe von Ultimate Spider-Man während dieser Saga zu feiern ist. Ein ungutes Gefühl hatte ich während des Lesens aber trotzdem, denn teilweise werden ziemlich harte Geschütze aufgefahren und Peter vor nichts und niemandem verschont.

  • Ultimate Spider-Man Vol. 17: Clone Saga
  • Ausgaben: #97-105
  • Erscheinungsdatum: 2007
  • Autor: Brian Michael Bendis
  • Künstler: Mark Bagley
  • Inks: John Dell & John Sibal & Drew Hennessy
  • Colors: Richard Isanove, Justin Ponsor
  • Letters: VC’s Cory Petit

„We can cure you, too. You don’t have to be Spider-Man anymore. It’s your choice.“ – Reed Richards

Die Geschichte beginnt mit einer ordentlichen Portion Drama. Was für mich allerdings nicht ganz nachvollziehbar war. Peter und Kitty führen eine Fernbeziehung. Kitty ist zwar in der Lage, mit dem X-Jet in einer halben Stunde in New York zu sein, trotzdem liegt eine große Distanz zwischen den beiden. Zudem sind die X-Men vom Professor unter Hausarrest gestellt, nachdem etwas auf Krakoa passiert ist. So ist es wenig verwunderlich, dass sich Peter bei Problemen an MJ wendet, die greifbar ist und einfach für ihn da.

Dass Kitty hier die Eifersüchtige spielt, finde ich nicht ganz nachvollziehbar. Vielleicht dass sie sich Sorgen macht, ja, aber sie reagiert vollkommen überzogen, geradezu aggressiv auf Peter. Ganz so, als wollte sie, dass er die Freundschaft zu MJ beendet – was nach ihrer langen Geschichte wenig wahrscheinlich, geschweige denn möglich wäre.

Zugegeben, am Ende stellt sich diese Sorge als berechtigt heraus, aber zu Beginn der Geschichte schien alles gut zu laufen. Warum brüllt sie Peter am Telefon an?

Ich für meinen Teil finde es klasse, dass MJ und Peter weiterhin als Freunde etwas unternehmen können und sie sich verstehen. Immerhin hat Peter, wie er selbst anmerkt, keine wirklichen Freunde, die sein Geheimnis kennen. Da ist MJ die Einzige. Es ist schön, wenn sowohl er als auch sie mit Problemen zum jeweils anderen kommen können und sie gemeinsam darüber reden.

Doch die Ruhe ist nicht von nicht allzu langer Dauer, da ein Typ im Scorpion-Anzug das Shopping-Center angreift. Dieser ist auf der Suche nach Peter und macht einen völlig verrückten Eindruck. Knapp kann Peter ihn besiegen und bringt ihn unverzüglich zum Baxter Building – dem Hauptquartier der Fantastic Four. Dort stellt sich heraus, dass der Typ im Scorpion-Anzug ein Klon von Peter ist. Parallel dazu wird MJ von einem Unbekannten entführt.

Dies ist die Ausgangslage der Geschichte. Sie beginnt unscheinbar mit ein paar eingestreuten Mysterien. Doch Bendis entwickelt diese schnell zu einer wahnwitzigen Klon-Story, die ich so nicht erwartet hätte. Oft stößt Peter dabei an seine Grenzen und ist mit unmöglichen Situationen konfrontiert. Da bekommt man selbst als Leser*in ein ungutes Gefühl in der Magengegend. Man ist geradezu froh, dass Peter die FF eingeschaltet hat. So hat er wenigstens ein paar Verbündete, auf die er zählen kann, auch wenn ihn sonst jeder Fallen lässt, sogar Tante May.

Kümmern wir uns erst einmal um die Geschichte von ihr. Peter ist auf der Suche nach der Vermissten MJ und sucht diese sowohl in einer alten Fabrik (wir erinnern uns ein paar Storylines zurück), als auch in ihrem alten Haus. Doch statt MJ findet er Gwen, die dort verwirrt herumsteht. Nach dem ersten Schock, dass diese am Leben ist (sie ist immerhin von Carnage getötet worden), kommt obendrein noch Tante May zu der Situation hinzu. Da Peter keine Erklärung einfällt, tut er das, was er eigentlich immer vermeiden wollte: Er sagt Tante May, dass er Spider-Man ist.

An dieser Stelle hätte ich eigentlich erwartet, dass sie etwas besser reagiert, denn niemand kann mir erzählen, dass May nicht zumindest eine entfernte Ahnung hat, dass ihr Neffe Spider-Man ist. So blind kann niemand sein. Dazu ist einfach zu viel vorgefallen in den vergangenen Ausgaben, als dass sie es nicht mitbekommen hätte. Stattdessen, und diese Reaktion ist in gewisser Weise nachvollziehbar, fühlt sie sich betrogen und angelogen und sagt diverse Dinge, die Peter tief verletzen. Diese Szene gehört wohl zu den bisher emotionalsten und schockierendsten. Doch die Geschichte ist noch lange nicht am Höhepunkt angekommen. Peter könnte einem zu diesem Zeitpunkt bereits leidtun, doch dann kommt Richard Parker durch die Tür hereinspaziert – Peters, ebenfalls seit langem verstorbener Vater.

Dieser dominiert die 100. Ausgabe und liefert uns eine Menge Hintergrundwissen, warum er noch am Leben ist. Dass er für die Regierung arbeite (weil diese Nick Fury nicht vertraut und eine Alternativlösung parat haben möchte, sollte dieser endgültig die Kontrolle verlieren) und dass Peters Mutter tatsächlich bei dem Absturz ums Leben kam. Zu dem Zeitpunkt haben mich zwei Dinge überrascht: Richards Geschichte (ich habe mich ehrlich gefragt, ob Bendis das wirklich auf diese Weise durchziehen wird und Peters Eltern zurückbringt – immerhin hat dies schon ein Film-Franchise versucht und ist damit auf mäßigen Erfolg gestoßen. Zugegeben, der Comic kam vorher raus, trotzdem hätte ich das nicht erwartet) und dass die Regierung etwas machen kann, ohne dass Nick Fury davon erfährt.

Reed und Sue untersuchen in der Zwischenzeit den Klon weiter und tun das, was Peter eigentlich vermeiden wollte: Nick Fury davon in Kenntnis setzen. Seine Reaktion ist offen gestanden am störendsten für mich, da er seine neuesten Spider-Slayer-Roboter nach Queens bringt, um dort gegen Peter in den Krieg zu ziehen. Hat Peter nicht oft genug bewiesen, dass er auf seiner Seite steht? Es ist hart anzusehen, wie dieser Mann Peter verrät und ihn wie einen Kriegsverbrecher behandelt. Peter respektiert ihn so sehr und blickt zu ihm auf und als Leser*in fühlt man diesen Verrat nur allzu deutlich. Man wünscht sich, dass es ein Ende nimmt. Doch Peters Tag ist noch lange nicht zu Ende. Er wird von Jessica Drew aus der Situation gerettet, die ihm dabei helfen will, die Verantwortlichen zu finden und MJ zu retten.

Sie liefert Peter ebenfalls viel Hintergrundwissen, was die Klone betrifft. Diese Erzählung hätte ich mir eigentlich für die 100. Ausgabe gewünscht, da diese deutlich länger und emotional mitreißender ist als Richards angebliche Arbeit. So offenbart Jessica, die schrecklichen Experimente, die sie überstanden hat und noch zu überstehen hätte, wären die Klone nicht gemeinsam ausgebrochen. Für die Regierung sind sie nämlich nichts weiter als ersetzbare Dinge und sollte eines davon nicht so richtig funktionieren, kann man ja neue züchten.

Es ist widerwärtig, dass die Klone mit Peters Gedanken und Erinnerungen ausgestattet wurden, also alles wissen, was auch er weiß. Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie das wohl sein muss, als sein eigener Klon aufzuwachen. Dann auch noch in einer Version mit sechs Armen oder was sich die Verantwortlichen nicht noch alles haben einfallen lassen. Interessanterweise spielt Gender, Identität und die Wahrnehmung des eigenen Körpers eine Rolle. Zumindest im Subtext. In dieser Geschichte steckt unter der Oberfläche also sehr viel mehr, als man anfänglich vielleicht vermuten möchte.

Insgesamt, wie auf einem der Cover zu sehen, gibt es vier Klone. Einer davon hat MJ entführt, weil er will, dass sie in der Lage ist, sich selbst zu verteidigen. Dazu infiziert er sie mit dem Oz-Virus, welches Osborn in den Green Goblin verwandelt hat und auch für MJ keine schönen Konsequenzen hat. In Osborns alter Firma und seinem Labor findet der Finale Schlagabtausch statt. Alle Parteien treffen dort aufeinander: Die Klone, Nick Fury mit seinen Spider-Slayer-Robotern und der Drahtzieher hinter dem Ganzen: Doc Ock, gesponsert von der Regierung.

Nicht nur Nick Fury ist von den grotesken Experimenten sichtlich sprachlos. Und so überlässt er den Klonen das Feld, sodass diese ihre verdiente Rache nehmen können. Allein diese Szene hat sehr viel Genugtuung in sich, da es das erste Mal in der Geschichte ist, dass Peter die Kontrolle hat und das tun kann, was er will. Doch das sind alles nur die Höhepunkte der Geschichte.

Im Hintergrund spielt sich noch ein bisschen mehr ab. So landet May mit einem Herzinfarkt im Krankenhaus und Kitty überzeugt die X-Men sich auf den Weg nach New York zu machen. Außerdem kommen Peter und MJ wieder zusammen, May weiß endlich über Peters langes Geheimnis bescheid, ohne dass ihr jemand ins Gedächtnis pfuscht. Ach ja, Peters Vater ist ein Klon und stirbt metaphorisch gesprochen in den Händen von Sue Storm. Zudem ist Jessica der letzte überlebende Klon und macht sich auf den Weg, ihr eigenes Leben zu leben, ohne dass ihr jemand etwas vorschreibt.

Wie ihr seht, ist diese überlange Storyline nur so vollgestopft mit Plot, Subplots und Parallelgeschichten. Doch trotzdem gelingt es Bendis immer wieder, die Spannung aufrechtzuerhalten und es nicht zu klischeehaft aussehen zu lassen. Dazu noch die beeindruckenden Zeichnungen von Mark Bagley und die Clone-Saga zählt zu einer der emotionalsten und mitreißendsten Geschichten der Ultimate-Reihe. Unter anderem auch deshalb, weil es so sehr in Peters Leben (Vergangenheit und Gegenwart) verankert ist, wie wahrscheinlich keine Story zuvor. Aber jetzt braucht unser junger Held erstmal Zeit für Urlaub, oder?

Geek-Planet: Ultimate Spider-Man – Volume 16

In der heutigen Ausgabe von Geek-Planet geht es weiter mit der Ultimate Spider-Man Reihe. Wie jeden Donnerstag sehen wir uns einen alten Text von mir an, der damals auf dem gleichnamigen Blog erschien. Den Blog gibt es heute allerdings nicht mehr, deshalb bereite ich die Texte an dieser Stelle wieder auf. Der folgende Text stammt vom 14. April 2017.

Heute gibt es keine großen einleitenden Worte, da der Text an sich schon lang genug ist. Nur so viel sei gesagt: Die Darstellung von Polizisten in den Spider-Man-Comics ist aus heutiger Sicht leider sehr realistisch. Habe ich mich damals noch darüber aufgeregt, dass es unglaubwürdig sei, so ist heute doch traurige Realität. Deshalb habe ich das Ende des Textes leicht modifiziert, dass es ebendieser moderneren Sichtweise entspricht. Wobei es damals sicherlich schon genauso war, nur mein Blick noch nicht so sehr darauf gerichtet oder sensibilisiert auf diese Berichterstattung.


Das sechzehnte Volume von Ultimate Spider-Man trägt den Titel Deadpool und wir bekommen gleich drei spannende Geschichten geliefert. Darunter ein X-Men-Crossover, eine Vampirgeschichte und der Status quo mit Detective DeWolff wird über den Haufen geworfen.

  • Ausgaben: #91-96, Annual #2
  • Erscheinungsdatum: 2006
  • Autor: Brian Michael Bendis
  • Künstler: Mark Bagley
  • Inks: Scott Hanna, John Dell
  • Colors: Justin Ponsor
  • Letters: Chris Eliopoulus

„Hola-hoop-man is running that way. Web the crap out of him.“ – Kitty Pryde

Fangen wir mit der längsten der drei Geschichten an: Deadpool. Diese beginnt damit, dass sich Peter und Kitty wieder einmal am Ende eines Dates befinden. Ein wiederkehrendes Element ihrer bisherigen Gespräche ist die Geheimhaltung ihrer Beziehung. Immerhin weiß Tante May nicht, dass Peter Spider-Man ist, und hoffentlich auch sonst niemand. Würde also rauskommen, dass Peter eine Beziehung mit Kitty hat, wäre der Schluss schnell gezogen: Peter ist Spider-Man. So zumindest Peters Überlegungen, die sich später noch erhärten sollten.

Wie so oft schafft es Brian Michael Bendis ein Thema, welches er zu Beginn einer Geschichte einführt und nicht weiter vertieft, später zu einem großen Ding zu machen. Das führt dazu, dass aktuelle Beziehungen infrage gestellt werden (dies meine ich im absolut positivsten Sinne). So sind die X-Men und Spider-Man später unfreiwillig Teil einer live im Fernsehen übertragenen Jagd auf sie. Dabei wird die Beziehung zwischen Kitty Pryde und Spider-Man öffentlich gemacht.

Somit hat sich das Thema, dass sie sich öffentlich mit Peter sehen lassen kann, auch erledigt und die beiden müssen sich weiterhin heimlich treffen. Es ist schon schwer mit anzusehen, wie es die beiden mitnimmt, da sie einfach eine normale Beziehung führen und dabei auch einmal Hände-haltend durch die Mall gehen wollen. Besonders der letzte Dialog ist herzzerreißend, als sich beide beim jeweils anderen versichern, dass alles in Ordnung zwischen ihnen ist.

Beziehungen sind eine große Stärke der Ultimate Spider-Man-Reihe. Wenn Personen, Freundschaften und Beziehungen besser ausgearbeitet sind, dann fühlen sich auch Action-Sequenzen komplett anders an. Als Leserin ist man deutlich mehr investiert in die Charaktere und sorgt sich um sie. Immerhin sind dann nicht mehr nur die Heldinnen betroffen, sondern wichtige Menschen in ihrem Leben. Die Einsätze und Risiken sind um ein Vielfaches höher.

Dies macht sich auch bei MJ bemerkbar. Sie liest in einem Zeitungsbericht von der Beziehung zwischen Spider-Man und Kitty und fragt sich berechtigterweise, warum er mit der Mutantin eine Beziehung eingehen kann, aber nicht mit ihr. Eine berührende Szene, wobei ich mich gefragt habe, ob wir uns jetzt zehn Ausgaben wieder mit der Reparatur dieser geschädigten Freundschaft auseinandersetzen müssen. Doch Bendis zeigt deutlich, dass, wenn Peter MJ braucht, sie immer für ihn da ist. Besonders nach dem Vampir-Angriff aus der zweiten Geschichte ist dies deutlich zu erkennen.

Kommen wir aber nach dem ganzen Beziehungsgerede wieder zurück zur ersten Geschichte. Darin werden die X-Men entführt und, weil Kitty den Robo-Jet zu Peter schickt, auch Spider-Man mit in den Schlamassel hineingezogen. Sie befinden sich auf Krakoa, der Gefängnisinsel von Genosa, wo Mutanten zur Unterhaltung gejagt und getötet werden. Hier wird deutlich gezeigt, was einige Personen von diesen Kreaturen halten. Es sind Tiere, abartige Geschöpfe, wider die Natur und ihr Leben hat keinen Wert.

Besonders in Ausgabe 93 wird dies deutlich gemacht. Das Geschehen wird durch die Augen der Fernsehzuschauer gezeigt, inklusive Kommentator, Interviews und Berichten. Ein grausames Schauspiel.

Was auf dieser Insel geschieht, ist nicht einfach zu verarbeiten. Dies wird besonders an Spider-Man gezeigt. Man wird daran erinnert, dass sich unter der Maske doch nur ein junger Mensch verbirgt. Er dreht beinahe durch, will nach Hause und seine Sprüche zeigen deutlich, dass er mit der Situation überfordert ist. Wir lernen eine neue Seite von Spider-Man kennen. Zwar war er schon zuvor mit Situationen konfrontiert, die ihn überfordert haben, aber dies war bei ihm zu Hause in New York. Eine Umgebung, die erkennt und nicht ein Jungle voller Kameras und Zuschauern, die alles verfolgen. Außerdem ist alles dort dafür geschaffen worden, um ihn zu töten. Deadpool, der engagiert wurde, um mit seinem Trupp die Entführten zu jagen, wird von einer Seite gezeigt, die ich so noch nicht kannte. Eine beeindruckende Geschichte, die sicher Spuren hinterlassen wird.

Als Nächstes haben wir die zweiteilige Story über Morbius und andere Vampire. Darin lernen wir, dass es durchaus Unterschiede zwischen Vampiren gibt. So lassen sich nicht alle von ihrem Fluch in Besitz nehmen und weigern sich, Menschen das Blut auszusaugen. In Morbius, dessen Vater übrigens Dracul ist, findet Spider-Man einen neuen Verbündeten. Der Morbius-Zweiteiler ist besonders stilistisch überzeugend. Unter anderem spielt Ben Urich, der Journalist, eine zentrale Rolle. Er macht Peter durch seine Recherchen auf die Vampire aufmerksam. Der Artikel, den Urich geschrieben hat, wird durch schwarz-weiße Panels untermalt und erhält dadurch den Flair eines alten Vampirfilms. Sehr cool gemacht und ein guter Einstieg in die Geschichte.

Als Letztes haben wir dann noch das zweite Annual. Hierbei erhalten wir wieder einmal eine Geschichte mit DeWolff und anderen Helden, wie Daredevil und Moon Knight. Wir haben diese bereits in früheren Erzählungen kennengelernt und in kurzen Abschnitten wird gezeigt, was diese in der Zwischenzeit getrieben haben. Außerdem wird die Beziehung zwischen Detective DeWolff und dem Kingpin weiter ausgebaut und in gewisser Weise zu einem Ende gebracht. Der Kingpin baut sein Netzwerk weiter aus und nutzt alles und jeden darin zu seinem Vorteil. Er ist nicht darauf aus, klassische Bandenkriege zu führen. Nein, durch seine Beziehungen kann er kreativere Möglichkeiten finden, sich seinen Gegnern zu stellen.

Doch nicht nur für diese Momente, in denen Wilson Fisk glänzen darf, lohnt sich ein Blick in das Annual; auch wie andere Charaktere Spider-Man wahrnehmen, wird deutlich gezeigt. So sind sowohl Moon Knight, als auch Daredevil davon überzeugt, dass der Held zu jung und unerfahren ist, um sich mit so jemandem wie dem Kingpin auseinanderzusetzen. Dies muss durchaus frustrierend für Peter sein, immerhin hat er sich schon des Öfteren bewiesen.

Etwas, das mich schon bei der letzten Konfrontation mit DeWolff (von der Peter erst nach ihrem Tod erfährt, dass sie für den Kingpin gearbeitet und Spider-Man für dessen Zwecke manipuliert hat) massiv gestört hat, ist der Umgang der Polizisten mit Spider-Man. Sie sind dermaßen schnell ihre Waffen auf ihn zu richten, dass es an ein Wunder grenzt, dass er noch nicht aussieht wie Schweizer Käse. Besonders auffällig ist dies, als DeWolff erschossen wird, Spider-Man unbewaffnet neben ihr steht und sie trotzdem erstmal auf ihn zielen. Aber wenn man sich die Berichte aus den USA so ansieht, ist dies nicht einmal so eine abwegige Darstellung.

Ansonsten überzeugt das sechzehnte Volume aber mit neuen Einsichten, fantastischen Zeichnungen und abwechslungsreichen Geschichten.

Geek-Planet: The Walking Dead – Staffel 1

Heute geht es in Geek-Planet um den Beginn einer Serie, die bis heute ihre Spuren hinterlassen hat und deren Spin-offs weiterhin produziert werden. Der Text stammt vom 08. Oktober 2015. Er ist auf meinem damaligen Blog erschienen, den es heute so nicht mehr gibt.

Es ist schon interessant, auf den Beginn von etwas zurückzublicken. Fast neun Jahre ist es her, als The Walking Dead als Serie seinen Anfang nahm. Etwaige Staffeln, Spin-offs, Prequels und Fortsetzungen später hat man das Gefühl, als hätte es nie eine Zeit ohne diese Serien gegeben. Ich verfolge dieses Universum aber schon lange nicht mehr. Die Hauptserie hat mich irgendwann verloren. Fear of the Walking Dead begeisterte anfangs noch, hat aber dann ebenso nachgelassen.

Den Comic habe ich allerdings tatsächlich monatlich verfolgt, bis dieser sein natürliches Ende fand. Es kam überraschend und hat alles mehr oder weniger gut abgeschlossen. Ein durchaus positives Ende für eine tolle Geschichte, die über viele Jahre erzählt wurde. Mal sehen, ob das die Serien auch irgendwann schaffen.


Es ist schon erstaunlich, wie die beiden Medien Fernsehen und Comic miteinander korrelieren und welche unterschiedlichen Herangehensweisen Anwendung finden. So gibt es manchmal nur Details, die sich unterscheiden, und dann fügen die Autor*innen ganze Abschnitte ein, die es nie in den Comic geschafft haben. All das und mehr, bei gerade einmal sechs Episoden der ersten Staffel.

  • Developed by Frank Darabont
  • Cast: Andrew Lincoln, Jon Bernthal, Sarah Wayne Callies, Laurie Holden, Jeffrey DeMunn, Steven Yeun
  • Musik: Bear McCreary
  • Executive producers: Frank Darabont, Gale Anne Hurd, David Alpert, Robert Kirkman
  • Erstausstrahlung: 31. Oktober 2010 auf AMC

“We don’t kill the living.” – Rick

Zuerst einmal muss ich mit dem Casting anfangen. Ich bin begeistert von den Schauspieler*innen, die ausgewählt wurden. Teilweise passen sie fast zu hundert Prozent zu ihren Pendants im Comic. Bei den darstellerischen Leistungen würde ich mir zwar manchmal mehr Hingabe erwarten und die Chemie passt nicht immer, doch im Großen und Ganzen sind sie überzeugend. Immerhin muss sich nicht nur die fiktive Gruppe im The Walking Dead-Universum erst einmal kennenlernen, sondern auch die Schauspieler untereinander.

Am seltsamsten finde ich zur Zeit Ricks Frau Lori. Im Comic wirkt sie zwar auch nicht gerade wie der Badass à la Sigourney Weaver, allerdings zeichnen die Autor*innen ein klares Bild von ihr. In der Serie schwankt sie mir noch zu stark zwischen unsicherer Liebhaberin, selbstbewusster Frau und seltsamer Mutter. Was mich genau stört, kann ich nicht benennen, allerdings entwickelt sie sich gut in den ersten Folgen. Aber vielleicht ist es genau dieses wandelbare, unsichere, dass sie glaubhaft macht. Wir werden sehen. Für ein endgültiges Urteil ist es ohnehin noch zu früh.

Die Unterschiede zum Comic halten sich am Anfang noch in Grenzen. Hier wird ein Zombie mehr erschossen, dort erhält jemand seine Uniform später. Allerdings driften die beiden Medien immer weiter auseinander. Mir sind besonders drei Dinge aufgefallen, die grundlegend anders sind und auf die ich genauer eingehen möchte.

  1. Shane und Lori: Die beiden hatten im Comic einmal Sex, führen eher eine Freundschaft Plus, statt eine als echtes Paar durchzugehen. Lori hält es außerdem für einen Fehler und trauert weiterhin um ihren Mann. Doch in der Serie könnte man meinen, die beiden seien schon ewig zusammen. Nur versuchen sie es vor den anderen und besonders vor Carl, der Sohn von Lori und Rick, zu verstecken. Hier bietet sich natürlich ein großes Konfliktpotenzial und soll wahrscheinlich zur Spannung beitragen. Ich finde, dies hätte man auch mit dem einen Ausrutscher und ein paar subtilen Anspielungen geschafft. Besonders die provokante Anmache im C.D.C. hätte man Shane abgekauft, ohne dass sie zuvor eine längere, heimliche Affäre gehabt haben. Es deutet sich schon an, dass der Konflikt zwischen ihm und Rick immer weiter anwächst und es kann nicht mehr lange dauern, bis dieser den Höhepunkt erreicht. Ich bin gespannt, ob er sich genauso auflöst, wie im Comic vorgegeben.
  2. Merle und Daryl: Die beiden gibt es im Comic gar nicht und sind repräsentativ für den ein oder andere Person, die in der Vorlage anders charakterisiert wird. Denn in der Serie ist die Quote an dedizierten Vollidioten definitiv höher. Diese handeln meist aus primitiven Instinkten und wollen sich nicht in die Gruppe einpassen, weil ihr Ego zu groß ist oder etwas anderes zu klein. Doch sind sie geistesgegenwärtig genug, um festzustellen, dass ihre Chancen alleine zu überleben gegen null gehen. Nur fürs Protokoll, Daryl mag ich von allen unliebsamen Charakteren noch am meisten und er macht sicher noch eine interessante Entwicklung durch, sofern er es verhindern kann, von einem Walkern gefressen zu werden.
    Es spielt natürlich wieder das Konfliktpotenzial und die mögliche Eskalation von Situationen eine große Rolle. Es bleibt immer spannend, wie der- oder diejenige reagiert.
  3. C.D.C.: Was im Comic bisher noch gar nicht aufgetaucht ist, ist das CDC. In den letzten beiden Episoden spielt diese eine größere Rolle. Vor allem deswegen, weil ein Mann in der Gruppe gebissen wurde und sie eine Heilung finden möchten. Dieser stirbt zwar auf dem Weg dorthin, doch man kann es doch auf jeden Fall versuchen.
    In der Niederlassung können sie sich erstmal stärken, bevor sie weiterziehen müssen, da der psychisch angeknackste Doktor sie alle „dekontaminieren“ möchte. Es entwickelt sich eine interessante und spannende Atmosphäre und zeigt teilweise das wahre Gesicht eines Charakters, besonders natürlich, wer für wen Gefühle hat und wer wirklich leben möchte. Schade ist, dass am Ende Jacqui stirbt. Doch in Serien ist es meistens so, dass Protagonisten, die ich ins Herz geschlossen habe, als Erstes sterben. Wie dem auch sei, am Ende stehen sie wieder auf der Straße und müssen überlegen, wie es weitergehen soll.

Ich bin noch am Anfang der Serie und mir ist bewusst, dass sich manche Dinge erst entwickeln müssen. Besonders die Gruppendynamik. Sie müssen sich erst alle richtig kennenlernen, damit sie sich blind vertrauen können. Die Gruppe wurde immer weiter dezimiert. Dies ist vorwiegend deshalb möglich, da um einiges mehr Menschen in der Gruppe sind, als es in der Vorlage der Fall ist. Auch dies spielt natürlich mit den Erwartungen der Zuschauer*innen. So kann man überrascht jemanden sterben lassen, ohne dass es die gute Vorlage beeinträchtigt und man wertvolle Charaktere opfern müsste. Es wäre auch langweilig, wenn man alles anhand des Comics vorhersagen könnte. Ich habe Vertrauen in die Macher, auch deshalb, weil Robert Kirkman an der Serie beteiligt ist.

Man kann eben nicht die gleichen Geschichten erzählen wie im Comic. Sie müssen dem Medium Fernsehen angepasst werden. Ich bin jedenfalls angefixt und sehr gespannt auf Staffel zwei. Die Welt der Walker hat mich packt.

Geek-Planet: Wochenrückblick 27/2015

In der dieswöchigen Ausgabe von Geek-Planet habe ich mir einen Artikel herausgesucht, der spannende Einblicke bietet. Wie jede Woche sehen wir uns einen alten Text von mir an, den ich auf meinem damaligen Blog, den es heute nicht mehr gibt, veröffentlicht habe. Der folgende Text stammt vom 23. August 2015.

Ich habe meine erneute Begeisterung für die Power Rangers Comics von Boom!Studios zum Anlass genommen und die alten Texte nach diesem Schlagwort durchsucht. Gestoßen bin ich auf eine Wochenrückschau. Diese habe ich besonders 2015 lange Zeit wöchentlich geschrieben, da ich den Wunsch hegte, über mehr Dinge schreiben zu können, die keine Rezensionen sind. Ich griff News auf, Ankündigungen, Trailer und so weiter.

Heute würde ich einfach einen Text dazu schreiben und fertig. Egal, wie lang oder kurz dieser am Ende ausfällt. Damals allerdings hatte ich das Gefühl, einen gewissen Rhythmus einhalten zu müssen, einen Veröffentlichungsplan. In dieser speziellen Ausgabe geht es unter anderem um besagten Power Rangers Film, der angekündigt wurde. Ich müsste ihn mir nochmal ansehen, um beurteilen zu können, ob der wirklich so mies war, wie ich ihn in Erinnerung habe.

Deadpool ist auch im Mix dabei. Sehr faszinierend, wenn man bedenkt, dass gerade der dritte Deadpool-Film in den Kinos läuft. Leider habe ich die Bilder und Links nicht mehr, die in dem Text erwähnt werden. Teilweise habe ich den Text leicht geändert, damit der Lesefluss nicht allzu sehr gestört wird.


Es ist schon wieder eine Woche vorbei und in meinem heutigen Repertoire befinden sich zwei schöne Kindheitserinnerungen. Die Erste wird wahrscheinlich bald von Hollywood zerstört (so wie die Turtles), allerdings von Boom!Studios richtig gut in Comics-Form umgesetzt. Die Zweite zeigt eine coole, brutale Version eines sonst freundlichen Charakters. Außerdem ruiniert mich das neue Marvel-Line-up und als Abschluss gibt es noch ein Foto.

Power Rangers

Falls ihr den Fan-Film zu den Power Rangers noch nicht gesehen habt, solltet ihr dies dringend nachholen. Mit James van der Beek und Katee Sackhoff spielen nicht nur zwei großartige Stars mit, er zeigt auch eine erwachsene Version einer Serie, die mich in meiner Kindheit begeistert hat. Es wäre schön, wenn die Verfilmung, welche aktuell geplant wird, auch in diese Richtung tendieren würde. So hätten vermutlich viele das Gefühl, die Serie sei mit ihnen gereift. Aber vermutlich wird es ein auf PG-13 getrimmter, schlecht umgesetzter und das Original missachtender Film.

Anders sieht es da schon mit dem vor der Tür stehenden Comic von Boom!Studios aus. Diese haben vor ein paar Tagen Bilder präsentiert, die diverse Power Rangers zeigen. Da werde ich sicher einen Blick riskieren. Comics sind ein tolles Format und eignen sich besonders gut für Stoffe wie diese. Serien und Filme benötigen große Budgets um ein Material wie Power Rangers gut umzusetzen, Comics nicht. So wirkt es mit Sicherheit konsistenter und glaubhafter.

Aus meiner Kindheit habe ich eigentlich nur gute Erinnerungen an die Figuren, deren große fantastische Roboter, die Explosionen aus dem Nichts, wenn sie gegen ihre Gegner kämpfen. Es war oder ist zwar meist das gleiche Schema, doch als Kind fühlt man sich gut unterhalten. Wenn wir ehrlich sind, ist die erwachsene Version von Power Rangers der Guillermo del Toro Film Pacific Rim. Hier kämpfen auch gewaltige Roboter gegen noch größere Monster.

Ich freue mich jedenfalls auf den Comic und bin skeptisch gegenüber dem Film. Allerdings bin ich gerne bereit, mich positiv überraschen zu lassen.

Santa Claus

Was ist das Erste, das euch einfällt, wenn ihr an Santa denkt? Klar, es ist ein amerikanischer Brauch (der durch unzählige Filme und Serien zu uns herüberschwappte), doch irgendwie erinnert er mich doch sehr stark an den Nikolaus. Der dickliche, nette, in rot gekleidete Mann strahlt doch immer etwas Friedliches aus. Man kann ihm vertrauen, erzählt ihm von den eigenen Wünschen und bekommt diese dann eventuell sogar erfüllt.

Grant Morrison erzählt jetzt so etwas wie die Ursprungsgeschichte dieses Mannes und wenn man sich das Cover ansieht, wirkt er gar nicht mehr so nett. Wie es die Seite comicsalliance.com so schön ausdrückt, ist es die »HOT, BRUTAL … SEXY, VIOLENT«-Variante von Santa. Meine Neugierde ist mehr als geweckt und ich kann es kaum erwarten, welche gefährlichen Abenteuer dieser Mann erlebt und was ihn dann eventuell zu der Figur macht, die wir kennen. Vor allem aber interessiert mich die Frage: Hat er spezielle Fähigkeiten oder ist er nur ein einfacher Mann?

All-New All-Different Marvel Line-up

Ich verzichte einfach mal darauf, die ganzen Titel mit den Covern abzubilden und schicke euch dafür auf die großartige Seite von Talking Comics. Hier findet ihr das komplette 45 Comics umfassende Line-up, welches nach Secret Wars übrig bleibt. Überraschenderweise ist es an Diversität und Repräsentation eher schwach besetz, aber andere haben dazu schon tiefer in das Line-Up geblickt. Aber wenn man diesen Makel beiseitelässt, bietet Marvel schon sehr viele gute Comics an, die mich interessieren. Ich werde versuchen, mich auf wenige zu beschränken. Auf jeden Fall werde ich aber folgende testen:

  • All-New All Different Avengers #1
  • All-New X-Men #1
  • Amazing Spider-Man #1
  • Carnage #1
  • Doctor Strange #1
  • Extraordinary X-Men #1
  • Spider-Man #1
  • Spider-Man 2099 #1
  • The Vision #1
  • Venom: Spaceknight #1
  • Web Warriors #1

Aufgrund dessen, dass irgendwann mein monatliches Budget für Comics ausgereizt ist, wird es wohl darauf hinauslaufen müssen, dass bei vielen dieser Comics erst einmal bei der ersten Ausgabe bleibe. Marvel ist mit der Veröffentlichung von Trades immer recht zügig, von daher ist das Warten darauf überschaubar. Nur diejenigen, die mich wirklich begeistern, werden es dann in meine Pull-List schaffen. Immerhin ist diese schon ziemlich mit DC gefüllt und dann gibt’s ja noch Star Wars und Image und – ach, so viele Comics, so wenig Zeit.

Deadpool

Bevor ich euch in die neue Woche entlasse, hier noch ein offizielles Bild vom Set des Deadpool Films, welcher mit Ryan Reynolds in der Hauptrolle nächstes Jahr in die Kinos kommt. Durch sein R-Rating erhoffe ich mir sehr viel von dem Film. Den Look haben sie auf jeden Fall schon super getroffen.

Ich wünsche euch eine angenehme Woche und bis demnächst.

Geek-Planet: Ultimate Spider-Man – Volume 15

In der dieswöchigen Ausgabe von Geek-Planet widmen wir uns erneut einer Geschichte von Ultimate Spider-Man. Wie jede Woche habe ich einen alten Text von mir hervorgekramt, der auf meinem früheren, gleichnamigen Blog veröffentlicht wurde. Der Text stammt vom 07. April 2017.

An sich habe ich die Rezension dieses fünfzehnten Volumes gerne gelesen, doch so manche Dinge hätte ich doch gerne mehr beleuchtet gesehen. Zum Beispiel das Thema rund um die Demaskierung von Superhelden. Ich schneide es am Ende nur an und vielleicht ist eine Rezension eines Spider-Man-Comics der falsche Platz für eine ausführliche Auseinandersetzung. Aber etwas tiefer hätte ich damals durchaus gehen können.

Was mir außerdem aufgefallen ist, sind die englischen Begriffe. Es ist gar nicht mal so einfach, gewisse englische Benennungen ins Deutsche zu übertragen. Dazu gehören Volume, Annual und dergleichen. Wenn dann noch die Namen von Charakteren im Satz vorkommen, ist der Text für manche Leser*innen vielleicht gar nicht mehr so einfach zu lesen. Ich selbst musste schon stellenweise kurz überlegen, was nun genau gemeint ist. Deshalb habe ich den Text teilweise umformuliert.

Seitdem ich den Leitfaden für verständliche und einfache Sprache gelesen habe, denke ich des Öfteren darüber nach, wie lange ein Satz wirklich sein muss. Ist meine Argumentation schlüssig? Springe ich zu sehr von einem Thema zum nächsten? Sind die Begriffe, die ich verwende, verständlich? Alles Fragen und Überlegungen, die mich zukünftig hoffentlich zu einem besseren Autor und Blogger machen.


Im fünfzehnten Volume von Ultimate Spider-Man wird unter anderem ein Service eingeführt, den wir in dieser Form noch nicht gesehen haben. Außerdem ist der Bösewicht dieser Storyline eigentlich kein wirklicher Gegner, sondern vielmehr ein verwöhnter Bastard mit schlechten Manieren. Dazwischen gibt es die typischen Elemente, die bei einer Ultimate Spider-Man-Geschichte mittlerweile nicht mehr fehlen dürfen: eine Liebesgeschichte, S.H.I.E.L.D.-Angelegenheiten und andere Probleme für Peter Parker.

  • Ausgaben: #86-90, Annual #1
  • Erscheinungsdatum: 2006
  • Autor: Brian Michael Bendis
  • Künstler: Mark Bagley
  • Inks: Scott Hanna, John Dell
  • Colors: Justin Ponsor
  • Letters: Chris Eliopoulus

“I know I’ve only been a super hero for a relatively short time… but you’re a bad guy, right?” – Spider-Man

Fangen wir mit der Annual Ausgabe an, da diese viel Hintergrundwissen liefert, das für die spätere Geschichte rund um Silver Sable wichtig wird. Wie ihr euch sicher erinnert, hat Peter das letzte Mal mit MJ Schluss gemacht, weil er sie nicht in Gefahr bringen möchte. Sie habe keine Chance, sich gegen Supervillains durchzusetzen. Diese Bürde möchte sich Peter nicht aufhalsen; dazu hat er einfach schon zu viele Menschen verloren, die ihm nahestehen. Allerdings ist es später schön mit anzusehen, wie sich die beiden trotzdem noch miteinander unterhalten können – ein wenig zumindest.

Das Annual erzählt zwei sich parallel entwickelnde Geschichten, die Brian Michael Bendis schließlich gekonnt kollidieren lässt, um gemeinsam stärker voranzuschreiten. Zum einen haben wir Peter, der einsam sein Leben beschreitet und sich als Außenseiter fühlt, trotz seiner ganzen Heldentaten. Vielleicht auch gerade deswegen. Auf der anderen Seite haben wir Kitty Pride, die sich ähnlich fühlt unter ihren X-Men-Kollegen. Dies liegt vor allem daran, dass sie sich erst kürzlich von Bobby getrennt hat. Es ist herrlich mit anzusehen, wie sich diese beiden Charaktere (Peter und Kitty), die so viel gemeinsam haben, schließlich begegnen und tolle Dates miteinander verbringen. Vor allem der gemeinsame Kampf gegen eine Verbrecherbande und ihr erster Kuss sind perfekt in Szene gesetzt. Beide sind schüchtern und wissen anfangs nicht so recht mit der Situation umzugehen. Man kann nicht anders, als die Geschichte mit einem Lächeln zu lesen und sich für die beiden zu freuen.

Ich habe Mark Bagleys Zeichnungen und die fantastischen Farben vermisst. Er bringt eine Dynamik in die Charaktere, die perfekt für das Spider-Man-Universum passt. Es ist eine tolle Welt, in die wir hier entführt werden. An den Ultimate Spider-Man Comics gefällt mir besonders, dass ich diese von Anfang an lesen kann. Es ist keine unmögliche Aufgabe, sich durch alle Ausgaben zu kämpfen und die gesamte Geschichte in ihrer Pracht zu erleben, wie es bei Amazing Spider-Man der Fall wäre. Ich liebe die Charaktere und die Erzählweise von Brian Michael Bendis, der sich für alles Zeit nimmt. Verbunden mit den bereits genannten Zeichnungen von Mark Bagley gehört Ultimate Spider-Man mittlerweile zu meinen All-Time-Favorites.

Was die aktuelle Geschichte anbelangt, bleibt es spannend zu sehen, in welche Richtung sich Peter und Kitty entwickeln. In der Hauptstory haben sie zwar auch ein Date, ganz zum Unwohl von MJ, aber ob sich etwas Längerfristiges entwickelt, muss sich erst noch herausstellen. Immerhin haben beide einen ziemlich vollen Terminplan.

Beruhigend für Peter sind auf alle Fälle Kittys Fähigkeiten, die man nicht unterschätzen darf. Anders als MJ ist sie durchaus in der Lage, sich auch gegen diverse Supervillains durchzusetzen. Damit will ich MJ nicht unterminieren oder ihre Durchsetzungsfähigkeit bestreiten. Doch aus Peters Sicht ergibt seine neue Beziehung mehr Sinn als die mit MJ. Dass er nun Kitty so kurz nach der Trennung von MJ kennengelernt hat, schmerzt diese natürlich sichtlich und trifft auf Unverständnis. Doch wenn man sie gemeinsam kämpfen sieht, erkennt man, wie gut Peter und Kitty zueinanderpassen.

Die Hauptstory dreht sich primär darum, dass Spider-Man in der Vergangenheit scheinbar immer wieder Roxxon Gebäude, Schiffe und andere Besitztümer der Firma vor Bösewichten gerettet hat. Der Boss, Roxxon höchstpersönlich, sieht dabei eine Art Verschwörungstheorie und engagiert Silver Sable, die den Helden fangen und zu ihm bringen soll. Natürlich nur, um sich mit dem jungen Mann zu unterhalten.

Macht man doch immer so, wenn man mit jemandem reden will, dass man eine Auftragsmörderin und ihr Killer-Kommando engagiert. Die weitere Entwicklung der Geschichte finde ich zwar an sich gelungen. Die Motivationen der einzelnen Charaktere sind nachvollziehbar und fühle mit so manchen mit; bin also in der Geschichte an sich drin. Gleichzeitig treffen so manche der Entscheidungen bei mir auf völliges Unverständnis. Vor allem, was Roxxon betrifft.

An dieser Stelle hilft es deutlich weiter, dass sowohl er als auch Silver Sable eine kleine Origin-Story geliefert bekommen. So begreift man besser, woher die Charaktere kommen und warum sie die Entscheidungen treffen, die sie treffen. An den Origin-Storys gefällt besonders, dass sie anders koloriert sind als die übrige Geschichte. Außerdem gibt es lediglich einen Erzähler und keine Dialoge, womit sich eine fast märchenhafte Atmosphäre bildet. Gefällt Silver Sable danach besser und erscheint deutlich mehr als eigenständiger Charakter als nur ein Handlanger von Roxxon, so wirkt dieser für mich anschließend nur noch unfähiger. Auch wenn sich zu diesem Gefühl noch etwas Mitleid mischt, ist das Hauptgefühl, das ich ihm entgegenbringe, Verachtung.

Unterm Strich ist Roxxon ein verwöhntes Gör, welches keine eigenständigen Entscheidungen fällen kann und wie so eine Person die Leitung einer Firma bekommen hat, bleibt für mich nicht nachvollziehbar. Am Ende bekommt man als Leser*in allerdings eine gewisse Genugtuung, die ich an dieser Stelle nicht spoilern möchte.

Kommen wir zu einem Thema, welches mich in letzter Zeit des Öfteren beschäftigt hat: die Demaskierung von Superhelden. Wenn sich ein Superheld einem Bösewicht geschlagen geben muss oder von diesem überwältigt wird, ist es durchaus klar, dass dieser dann die Maske des Helden abstreift. Doch wenn jemand wie Roxxon mit Spider-Man sprechen möchte und immer wieder betont, sich nur mit ihm unterhalten zu wollen, dann ist es doch absolut unnötig, ihm die Maske vom Kopf zu reißen.

Zudem lässt er den Helden fesseln, was eine tolle Basis für ein gutes Gespräch ist. Will ich mich mal wieder tiefgehender mit Freunden unterhalten, dann fessle und kneble ich sie auch immer, da sofort eine vertrauensvolle Atmosphäre aufkommt. Als sie dann auch noch Fingerabdrücke nehmen und ihn identifizieren wollen, war ich sehr froh darüber, dass S.H.I.E.L.D. ein paar Stolpersteine vorbereitet hat, um Peters Identität zu schützen. Eine beeindruckende Szene, die man sich nicht entgehen lassen sollte. S.H.I.E.L.D. wird in einem völlig neuen Licht gezeigt und man bekommt einmal mit, wie die Organisation von anderen wahrgenommen wird.

Auch wenn die letzten Ereignisse der Geschichte etwas überstürzt erscheinen, so finde ich den finalen Kampf gut und spannend dargestellt. Außerdem bekommen wir so die Gelegenheit, schon einmal etwas in die Spieltruhe von jemandem zu blicken, der sicherlich bald eine größere Rolle einnehmen wird.

Geek-Planet: Ultimate Spider-Man – Volume 14

Warriors ist die nächste Geschichte von Ultimate Spider-Man, die wir uns ansehen. Mein ursprünglicher Text dazu erschien am 09. Dezember 2016 auf meinem damaligen Blog Geek-Planet, den es heute nicht mehr gibt. Auf meiner neuen Webseite sollen diese Texte allerdings ebenfalls ihren angestammten Platz finden.

Eine durchaus beeindruckende Szene in dieser Geschichte ist das Aufeinandertreffen zwischen Spider-Man und dem King Pin. Kein Kampf, kein Handgemenge oder sonst etwas in der Art. Einfach nur ein fantastisch geschriebener, spannungsgeladener Dialog zwischen Held und Bösewicht. Ich mag sowas.

Es kommt in solchen Geschichten vielleicht zu selten vor. Klar sind die Kämpfe, egal ob in Filmen, Serien oder Comics, wenn sie gut inszeniert und geschrieben sind, toll anzusehen und gehören dazu. Jedoch ist es oft spannender, die Charaktere auf einer intellektuellen Ebene zu konfrontieren. Was sind ihre jeweiligen Ansichten und Philosophien? Wie sehen sie die Welt? Was ist ihre Geschichte und wie stehen sie zueinander wirklich? Denn dadurch können die dann folgenden Kämpfe erst so richtig ihre volle Wucht entfalten. Dann wissen wir, was wirklich auf dem Spiel steht.


In der nächsten Storyline von Ultimate Spider-Man kommt es zu einer Art Klassentreffen. Nicht nur diversen Superhelden nehmen daran teil, sondern ebenso Anti-Helden und andere Gäste, die wir bisher in dieser Reihe kennengelernt haben. Unfreiwilliger Gastgeber ist Hammerhead, dem seine aktuellste Tat über den Kopf zu wachsen scheint.

  • Ausgaben: #79 bis #85
  • Erscheinungsdatum: August 2005 bis Januar 2006
  • Autor: Brian Michael Bendis
  • Zeichner: Mark Bagley
  • Inker: Art Thibert
  • Colorer: Transparency Digital
  • Letterer: Chris Eliopoulus

“Did you set a perimeter?!! Did you call in for emergency services? No! No?? There’s a live crime scene in there and you’re busy cuffing the only damn person who’s doing the damn job you’re supposed to!! Go be cops before someone else gets hurt!!!“ – Police Captain de Wolfe

Da der Kingpin gerade nicht besonders aktiv sein kann, da er unter Beobachtung steht, nutzt Hammerhead die Gelegenheit, sich einige von dessen Territorien zu eigen zu machen. So etwa ein Lagerhaus am Hafen. Doch Spider-Man kommt ihm dazwischen. Allerdings explodiert das Ganze schließlich doch und der junge Held muss sich mit einem neuen Anti-Helden auseinandersetzen, der in der Ultimate Reihe sein Debut feiert: Moon Knight. Die beiden halten einen ziemlich beeindruckenden Kampf ab, bevor Peter realisiert, dass er einfach abhauten könnte.

Während der Kingpin Elektra engagiert und Peter ein paar Tage später durch die Stadt schwingt, kommt Peter auf die glorreiche Idee, wieso er nicht einfach bei dem Verbrecherboss vorbeischauen sollte. Entgegen aller Erwartungen entfacht sich aber kein harter Kampf, sondern sie setzen sich an einen Tisch und unterhalten sich. Die seltsame Szene wird nur mehr dadurch getoppt, dass ihm Wilson Fisk ein Stück Pizza anbietet und er sie akzeptiert. Es ist ein Gespräch über Ziele im Leben und was sie nicht alles gemeinsam haben. Eigentlich ziemlich cool und Bendis Verständnis für Dialoge kommt wieder perfekt zur Geltung. Das Aufeinandertreffen endet schließlich damit, dass Spider-Man von Fisk die Adresse von Hammerhead bekommt, damit er diesen ausschalten kann.

Rat suchend flieht er zur Polizeichefin de Wolfe, die wir auch schon aus ein oder zwei vorherigen Geschichten kennen. Es ist fantastisch, wie sich immer wieder die konstant fortgesetzte Geschichte bezahlt macht, da Referenzen auf Ereignisse und Personen aus der Vergangenheit aufgegriffen werden können. Die beiden haben schon ein gewisses Vertrauen zueinander aufgebaut und an mehr als nur einer Stelle zeigt de Wolfe, dass sie an die guten Dinge glaubt, die Spider-Man macht. Dies kommt besonders dann gut zur Geltung, wenn sie wieder einmal ihre Männer zusammenstaucht, weil sie einfach so ohne irgendwelche guten Gründe auf Spider-Man schießen. Manchmal werden die Polizisten in diesen Geschichten schon absurd dämlich dargestellt.

Parallel zu diesen Ereignissen kehrt Danny Rand nach New York zurück. Bei ihm handelt es sich um Iron Fist. Er besucht seinen Kumpel Shang-Chi. Scheinbar haben sie lange Zeit zusammen trainiert und gekämpft. Doch sie werden von Hammerhead überrumpelt, was zu einer kleinen Straßenschlacht ausartet. Hammerhead versteht es wirklich, sich viele Feinde zu machen. Als Abrundung des Ganzen kommt dann noch Black Cat in die Geschichte mit rein, die Hammerhead eigentlich helfen möchte, da er Fisk ausschalten will. Und da Fisk Felicias Vater getötet hat, spielt ihr das nur allzu gut in die Hände.

Durch viele verschiedene Nebenhandlungen und kleine Meinungsverschiedenheiten kommt es dazu, dass sich alle in Hammerheads Wohnung einfinden. Moon Knight, Elektra, Spider-Man, Black Cat, Danny Rand, Shang-Chi und ein paar Handlanger von Heammerhead machen bei der Party mit. Es ist ziemlich unterhaltsam, dem Metallkopf dabei zuzusehen, wie er, bevor die Schlägerei losgeht, versucht, diverse Charaktere auf seine Seite zu ziehen. Da erkennt man auch, wo die Loyalitäten liegen. Wenn überhaupt welche vorhanden sind, denn manchmal bedarf es nur einer Menge Geld.

Die Kunstfertigkeit von Mark Bagley auf diesen Seiten zu beobachten, ist fantastisch. Ich weiß nicht wie er es schafft, dass man als Leser*in stets den Überblick über das Geschehen behält. Alles greift flüssig ineinander über, die Bewegungen wirken dynamisch und mit keinem Mal wird es langweilig oder wirkt überborden. Es ist ein spektakulärer Kampf zwischen unterschiedlichsten Helden, Anti-Helden und Bösewichten. Der Kampf endet damit, dass Spider-Man alle mit seinem Netz irgendwo festhält.

Zu guter Letzt kommt auch noch de Wolfe zur Party dazu und nimmt diejenigen Fest, denen die Flucht nicht gelungen ist. Warriors ist eine unterhaltsame Geschichte, bei der Bendis Talent, viele kleine Schauplätze auf einmal zu bedienen und dann wie selbstverständlich zusammenzuführen, hervorragend zur Geltung kommt.

Geek-Planet: Ultimate Spider-Man – Volume 13

In der heutigen Ausgabe von Geek-Planet sehen wir uns die nächste Collected Edition von Ultimate Spider-Man an. Sie trägt den prägnanten Titel Hobgoblin und enthält so einige spannende Themen. Der Text erschien ursprünglich am 02. Dezember 2016 auf meinem damaligen Blog, den es heute nicht mehr gibt.

Ich bin mir nicht sicher, wie ich die ganze Familiendynamik der Osborns finde. Wenn die Geschichten, wie hier, gut geschrieben sind, dann machen sie durchaus Freude beim Lesen. Sie können spannend sein und die unterschiedlichen Goblins sind eine echte, gespenstische Bedrohung für Spider-Man.

Doch schnell kann es in Geschichten sein, dass diese Charaktere übermäßig viel verwendet werden. Das over-acting, wenn man so will, dieser Figuren wirkt dann eher fehl am Platz oder ihre Kräfte scheinen zufällig. Je nachdem, was die Situation eben gerade benötigt. Es muss konsistent sein, innerhalb der Geschichte und glaubhaft dargestellt werden. Dann entsteht ein interessanter Konflikt, der sich auf die Beziehung zwischen den Charakteren fokussieren kann und eine nachvollziehbare Herausforderung für Peter Parker.


Peter befindet sich nach dem Tod von Gwen weiterhin in einem absoluten Tief. Er stellt sich andauernd die Frage, ob er weiterhin als Spider-Man in der Lage ist, Gutes zu tun. Bei diesem Prozess distanziert er sich immer weiter von MJ. Außerdem kehrt Harry Osborn nach Hause zurück. Keine leichten Zeiten für den jungen Helden.

  • Ausgaben: #72 bis #78
  • Erscheinungsdatum: April 2005 bis Juli 2005
  • Autor: Brian Michael Bendis
  • Zeichner: Mark Bagley
  • Inker: Art Thibert
  • Colorer: Transparency Digital
  • Letterer: Chris Eliopoulus

“I… can´t… breath. My hands. My hands are frozen cold.” – Spider-Man

Es ist schon etwas her, seit wir dem jungen Osborn das letzte Mal begegnet sind. Damals stand er seinem Vater, dem Goblin gegenüber und hat ihm die Stirn geboten, als dieser das weiße Haus angriff (siehe Ultimate Six). Harry hat die letzten Monate in der Obhut von SHIELD Chef Nick Fury verbracht und wurde scheinbar unter Beobachtung gestellt, um sicherzugehen, dass er sich nicht ebenfalls in einen Goblin verwandelt. Doch von psychologischer Betreuung hat man bei der Geheimorganisation wohl noch nichts gehört.

Kaum zurück, ist er nicht nur in der Schule Gesprächsthema Nummer Eins und bereitet Peter jede Menge Sorgen, nein, er wird auch noch mitten in der Nacht von einem mysteriösen Mann abgeholt. Dieser behauptet, für seinen Vater zu arbeiten. Der Mann bringt ihn in einen Wald, wo sich ein Labor von Norman befindet. Die Szenerie ist sehr unheimlich gestaltet und hätte Fury nicht zuvor bestätigt, dass Norman im Gefängnis sitzt, hätte ich darauf gewettet, dass dieser jeden Moment aus den Schatten emporsteigt. Doch stattdessen sehen wir das Labor, indem Norman am Goblin-Serum geforscht und einige neue Technologien entwickelt hat.

Harry, seit seiner Kindheit von einem Hypnotherapeuten behandelt, der dafür sorgen soll, dass alles Schlimme, was sein Vater in der Firma angestellt hat, hinter einer Wand verborgen bleibt, verarbeitet das Ganze, gelinde gesagt, nicht so gut. Der mysteriöse Mann namens Shaw sorgt zusätzlich dafür, dass genau diese Wand zu bröckeln beginnt und Harry verliert immer mehr die Kontrolle über sich. Es scheint beinahe so, als würde er vollkommen in einer Psychose aufgehen und dabei seinen Hass gegen Peter Parker wenden.

Er weiß, dass er Spider-Man ist und schließlich bricht doch das Goblin-Serum durch. Er transformiert sich in den Hobgoblin und sucht den Kampf in New York. Auf der einen Seite steht Peter, der seinem Freund zu helfen versucht und ihm nicht schaden möchte. Auf der anderen Seite haben wir den vor Wut kochenden und furiosen Harry, der den jungen Helden töten möchte. Die Inszenierung ist, wie von Bagley gewohnt, außergewöhnlich und alles, was auf dem Spiel steht, wird greifbar.

Während des Kampfes erfahren wir noch so einige andere Dinge. Beispielsweise, dass, bevor Harry vor neun Monaten verschwunden ist und nachdem Peter von der Spinne gebissen wurde, sich eine Beziehung zwischen MJ und Harry abgezeichnet hat. Kaum, dass Harry Peter sieht, bringt er dies zur Sprache. Das ist ein weiterer Grund, warum Peter mit ihr Schluss macht und sie von sich weg stößt; ein anderer ist, dass er sie in Sicherheit wissen möchte.

Dass MJ hier zwischen die Fronten gerät, ist spannend zu beobachten. Sie lässt sich nicht, wie man bei geringeren Autor*innen erwarten würde, von einem der beiden manipulieren. Es zeigt sich hier klar ihre Stärke, ihre Durchsetzungsfähigkeit und ihr Selbstvertrauen. Dies lässt sie auch Harry gegenüber raushängen. Sie will nicht mit ihm zusammen sein, sondern mit Peter. Es ist ihre Entscheidung. Peter bedeutet ihr so viel, dass sie es nicht in Worte zu fassen vermag und dies wird bei ihrer Gestik deutlich, als sie diese Worte ausspricht. Sie wird nicht aufgeben und sich von Peter nicht so einfach wegdrängen lassen. Bendis und Bagley haben mit ihr einen wirklich starken Charakter aufgebaut, den man gerne weiter verfolgt.

In der Collected Edition ist ebenfalls eine Ausgabe enthalten, die sich rein um MJ dreht – dies könnte Bendis gerne öfter machen. Hobgoblin ist eine tolle Geschichte, die den Fokus auf die Freundschaften rund um Peter setzt. Durch Gwens Tod und das, was er in Doctor Stranges Haus erlebt hat, drängt er sie alle von sich weg. Dabei muss er lernen, MJ mehr zuzutrauen und sich ihr zu öffnen. Er ist nicht so allein, wie er glaubt.

Geek-Planet: Ultimate Spider-Man – Volume 12

Wie jede Woche schauen wir uns auch heute einen alten Text von mir an. Wir machen weiter mit unserer Reise durch die Ultimate Spider-Man-Reihe und der 12. Collected Edition. Der Text erschien zum ersten Mal am 25. November 2016 auf meinem damaligen Blog Geek-Planet.

Kurzgeschichten haben ihre eigene Magie. Die Autor*innen müssen innherhalb kurzer Zeit viel machen und es schaffen, die Leser*innen in den Bann zu ziehen. Eine der besten Beispiele aus dem Filmbereich sind wohl die ersten 10 Minuten von Up (Oben). Sie führen einen der Protagonisten ein und zeigen sein bisheriges Leben und wie er in die aktuelle Situation gekommen ist. Jahrzehnte werden dargestellt, ohne auch nur ein einziges Wort. Trotzdem ist es eine emotionale Achterbahnfahrt sondergleichen. Wer da keine Träne vergießt, sollte sich Gedanken machen.

Aber heute geht es um Spider-Man und Comics. So sehr ich die längeren Geschichten schätze und mag, so sehr mag ich auch die Kürzeren. Leider sind sie eher selten zu finden, im Comic Bereich. Wenn, dann sind es Limited Runs, mit sechs oder zwölf Ausgaben, aber wirkliche Kurzgeschichten muss man bewusst suchen. Deshalb ist diese Collected Edition eine willkommene Abwechslung. Vor allem nachdem, was alles in den vorangegangenen Geschichten passiert ist.


Der Handlungsbogen namens Superstars beherbergt drei Zweiteiler, die alle mit tollen Gaststars aus dem Marvel-Universum aufwarten können. So weitet sich die Welt des jungen Peter Parker erneut. Was bei den Geschichten auffällt, ist, dass diese immer düsterer und dramatischer für unseren Helden werden. Es wird sicher noch eine Weile dauern, bis er sich von den buchstäblichen Albträumen erholt hat.

  • Ausgaben: #66 bis #71
  • Erscheinungsdatum: Dezember 2004 bis März 2005
  • Autor: Brian Michael Bendis
  • Künstler: Mark Bagley
  • Inks: Art Thibert
  • Colors: Transparency Digital
  • Letters: Chris Eliopoulus

„This is the last part of this story, I promise. (I mean, even I couldn’t milk three issues out of this.)“ – Brian Michael Bendis

Der erste Zweiteiler beginnt mit einer kleinen Vorrede von Brian Michael Bendis, der von Mark Bagley in Szene gesetzt wird und sich direkt an die Leser*innen richtet. Er spricht davon, dass es Geschichten im Leben eines Autors gibt, die einfach erzählt werden müssen. Man will sie nicht nur erzählen, man muss. Sie müssen raus und in die Welt gebracht werden. Die folgende Geschichte zählt nicht zu dieser Kategorie. Dieses kleine Intermezzo wird schließlich im zweiten Teil fortgesetzt, wo er seinem Editor die Schuld für diese Geschichte gibt und ihn sogar würgt. Eine ziemlich lustige Einleitung für eine der wohl verrücktesten Geschichten, die ich bisher von der Ultimate Spider-Man-Reihe gelesen habe.

Wir steigen mit einem äußerst übellaunigen Peter Parker in die Handlung ein, der nicht nur Tante May, sondern auch MJ geradezu anschnauzt und eigentlich nichts mit ihnen zu tun haben möchte. Doch kurze Zeit später sehen wir Wolverine, wie er in einem dreckigen, kleinen Apartment aufwacht und sich über den abstrusen Gestank beschwert. Geschockt blickt er in den Spiegel und wundert sich, was mit ihm passiert ist. Peter und Wolverine haben aus unerfindlichen Gründen die Körper getauscht und bis das Schlamassel wieder in Ordnung gebracht ist, müsste der Mutant für Peter in die Schule gehen, da dieser ansonsten suspendiert würde. Sagen wir einfach, es läuft nicht ganz so gut.

Die Auflösung der Geschichte finde ich nicht so gelungen, da es sehr einfach und geradezu billig wirkt. Da kann man schon etwas nachvollziehen, dass Bendis klarstellt, dass es sich um die Idee von jemand anderen handelt und er sie nur in die Tat umgesetzt hat. Aber die Geschichte selbst ist unterhaltsam und manche Abschnitte lustig. Körpertauschgeschichten à la Freaky Friday haben immer das Potenzial, große Freude zu bereiten und Charaktere in Situationen zu stecken, wo man sie normalerweise nicht antrifft. Aber das nächste Mal bitte etwas besser ins Universum eingepasst und nicht so gezwungen.

Die zweite ist die beste der drei Geschichten. Die Fantastic Four werden in dieses Universum eingeführt und halten ihre Identität noch von der Öffentlichkeit fern, da sie selbst noch herausfinden müssen, wie sie mit ihren neuen Fähigkeiten umgehen. Vor allem beschäftigt sie die Frage, was sie mit diesen Fähigkeiten anstellen wollen. Johnny Storm auch bekannt als die menschliche Fackel rebelliert natürlich anfangs, spielt aber dann doch mit. Er geht wieder auf die Highschool, um seinen Abschluss zu machen. Natürlich landet er in derselben Schule, in der auch Peter Parker ist.

Die Freunde rund um MJ und Peter laden ihn dann relativ schnell ein und sie gehen auch gemeinsam zum Strand, wo sich Johnny aus Versehen selbst anzündet und somit seine Fähigkeiten offenbart. Später trifft sich dann, aus reinem Zufall natürlich, Spider-Man mit ihm und die beiden unterhalten sich. Spidey möchte nicht nur herausfinden, was er genau kann und ob er gute Absichten hat; primär geht es ihm darum, einem Freund beizustehen. Später retten sie sogar gemeinsam Menschen aus einem brennenden Haus. Es ist eine schöne Geschichte zwischen zwei Helden, die sich kennenlernen und Gutes tun wollen. Spider-Man und Johnny sind immer wieder ein tolles Team-up.

Schließlich haben wir die dritte Geschichte. Hierin wird Peter mit Ben Urich losgeschickt, um eine Story um den Magier Doctor Strange zu schreiben. Allerdings nicht vom Sorcerer Supreme selbst, sondern von dessen Kind. Durch unglückliche Geschehnisse gerät Peter als Spider-Man zwischen dem jungen Zauberer und dessen Lehrmeister. Ein Dämon oder eine unheimliche Entität nimmt von ihm Besitz und zeigt ihm seine schlimmsten Albträume. Er sieht, wie ihm seine Liebsten Vorwürfe machen und sie auch von anderen getötet werden. Alles, keine schönen Bilder.

Ich hoffe, Peter erholt sich schnell von diesen Erfahrungen und schließt MJ nicht aus seinem Leben aus. Allerdings haben die beiden schon schlimmeres überstanden. Obwohl die einzelnen Geschichten Unterhaltungswert hatten, besonders die Episode mit Johnny Storm, so wirken sie wie Platzhalter. Zu gezwungen starten die einzelnen Geschichten und sind schnell wieder vorbei. Wobei so kurze Geschichten ebenso ihren Charme haben können. Es können auf kurze und prägnante Weise zukünftige Handlungsbögen angedeutet und gestartet werden, ohne dass man fünf bis sechs Ausgaben dafür benötigt.

Künstlerisch sind die Ausgaben wie immer ein Schmaus. Die Zeichnungen von Mark Bagley sind auf dem üblich hohen Niveau und allein visuell zahlt es sich aus, diese Geschichten zu lesen. Ich freue mich nun allerdings wieder auf eine etwas längere Geschichte »Hobgoblin«.