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Geek-Planet: Birthright – Volume 2

Wie jeden Donnerstag sehen wir uns auch heute wieder einen alten Text von mir an. Der folgende erschien zum ersten Mal am 25. September 2016 auf meinem damaligen Blog geek-planet, den es heute nicht mehr gibt. Es ist mir allerdings ein Anliegen, dass alle meine Texte an einem Ort versammelt sind.

Es ist schon erstaunlich, wie man manche Geschichten, die man in der Vergangenheit wahnsinnig gefeiert hat, doch wieder vergisst. Im Laufe der Jahre habe ich sehr viele Comics gelesen, zigtausende, um ehrlich zu sein. Da kann es schon einmal passieren, dass manche etwas in die hinteren Räume des Gehirns gedrängt werden. So ist es auch mit Birthright passiert. Jedoch ist es ebenso erstaunlich, wie detailliert ich mich an die Geschichte erinnere, nachdem ich meine alten Texte dazu gelesen habe. Das ist das Wunderbare an Comics, man ist involvierter in die Geschichten als bei Filmen oder Büchern. Daher erinnert man sich wieder leichter an sie.


Birthright geht in die zweite Runde und setzt genau dort an, wo wir nach dem ersten Volume stehen geblieben sind. Mikey ist mit seinem Bruder auf dem Weg, um die übrigen »Mages« zu töten und so scheinbar Gutes zu tun. Doch wie definiert sich Gut genau und wer ist überhaupt mit wem alliiert? Die Antworten auf diese Frage bleiben weiterhin ziemlich vage.

  • Creator, Autor: Joshua Williamson
  • Creator, Künstler: Andrei Bressan
  • Colorist: Adriano Lucas
  • Letterer: Pat Brosseau

“I’m sick of not knowing the whole story of my son’s life. We’re going to find Mikey, not matter where he is.” – Wendy

Nachdem Aaron in der letzten Folge ziemlich handlungsfreudig unterwegs war und neben Brennan der Einzige, der Mikey geglaubt hat, ist er in diesem Handlungsbogen sehr still. Die meiste Zeit verbringt er in einer Verhörzelle, wo sich ein Mann der NSA aufspielt und scheinbar die Kontrolle über die ganze Situation zu bekommen versucht. Es ist immer wieder erstaunlich, wie in solchen Geschichten Agenten als die vermeintlich Bösen dargestellt werden. Natürlich ist die NSA jetzt hier ein schlechtes Beispiel, aber mich würde interessieren, wie sich die Mitarbeiter von FBI, CIA und Co. in der realen Welt verhalten. Spielen diese sich dort auch so auf oder ist es immer nur der Handlung der Geschichte geschuldet, dass sie eben so sein müssen. Die unsympathischen Typen (meistens dann auch noch weiße Männer), die den Protagonisten im Weg stehen und ihnen nicht glauben.

Jedoch haben wir die Mutter, Wendy. Sie hat Kopien von Brennans Tagebuch in die Finger bekommen, mit Hilfe ihres aktuellen Freundes, und will die komplette Geschichte verstehen. Ein für alle Mal klären, ob die monströse Gestalt eines Mannes tatsächlich ihr Sohn sein kann. Ihre Entwicklung finde ich äußerst nachvollziehbar und glaubhaft. Anfangs noch in dem Glauben vertieft, es handelt sich um einen Scherz, kommt sie langsam aus der Phase der Verleugnung heraus. Was dann natürlich auch noch hilft, ist die Freundin von Mikey, die aus Terranos gekommen ist und ihr gemeinsames Kind austrägt. Dabei darf sie ein paar ziemlich coole Stunt-Einlagen hinlegen und sorgt für freudige Momente. Ich bin sehr gespannt darauf, wie es mit den beiden weitergehen wird. Wendy und Rya sind ein unerwartetes Team-up, haben allerdings auf jeden Fall das Potenzial, der Höhepunkt der Geschichte zu sein. Außerdem tut es gut, zwei Frauen das Steuer in die Hand nehmen zu sehen und aktiv die Geschichte mitzuformen.

Mikey und sein Bruder Brennan sind abseits von aller Zivilisation unterwegs und überqueren dabei Felder, Flüsse und Wüsten. Die beiden haben eine tolle Chemie untereinander und funktionieren als Charaktere erstaunlich gut, vor allem in einem Moment, wo sich Brennan als der große Bruder schützend vor dem verletzten Mikey stellt. Solche Augenblicke sind für Protagonisten immer essenziell, da sie zeigen, aus welchem Holz sie geschnitzt sind. Ich brauche dazu keine Beschreibungen, ich will es sehen – dadurch kann es sehr viel besser auf die Leser*innen einwirken.

Was mich allerdings etwas stört, an diesem Handlungsablauf, ist ihre Zielstrebigkeit. Zum Beispiel, wie sie die magischen Messer finden, geht zu schnell. Es hätte nicht geschadet, wenn man noch ein paar Panels darauf verwendet hätte, wie sie recherchiert haben. Dies ist ein gutes Gegenbeispiel zum oben erwähnten Moment, da sie nur darüber reden, wie sie die Messer finden könnten, aber es wird nicht ausführlich genug, genauer gesagt überhaupt nicht, gezeigt.

Ansonsten bin ich aber sehr begeistert, wie die Geschichte voranschreitet. Die Mischung aus aktuellen Ereignissen und Rückblenden funktioniert wunderbar, vor allem da sie sich nun thematisch ähneln. Hier funktioniert sie genauso gut wie in den ersten beiden Staffeln der CW-Serie Arrow. Auch hier haben sich die Ereignisse der Vergangenheit und Gegenwart thematisch wunderbar ergänzt, bis zum fantastischen Finale der zweiten Staffel.

Wie wir schon im ersten Volume von Birthright herausgefunden haben, ist Mikey von einem Wesen, das Nevermind genannt wird, besessen. Wie die beiden in Beziehung stehen, wird aber nicht ganz klar. Mikey hat sich freiwillig von ihm in Besitz nehmen lassen, kann aber doch noch unabhängig von ihm handeln – mal mehr, mal weniger. Hoffentlich wird im dritten Band erläutert, was es mit dem Nevermind genau auf sich hat. Er führt Mikeys Handlungen in die Richtung, wie es der dunkle Lord möchte, da dieser noch nicht in der Lage ist in unsere Welt zu kommen. Allerdings bleibt es sehr vage, wie stark der Nevermind wirklich ist und was er kann.

Dies bringt mich auf die Frage, wie plötzlich diverse Wesen es schaffen, von Terrenos in unsere Welt zu kommen. Wurde nicht zuvor angemerkt, dass dies äußerst schwierig zu bewerkstelligen sei? Beinahe unmöglich, wurde uns gesagt. Immerhin hat es nun schon Rya geschafft und ein paar Geister, die Mikey angeblich helfen wollen. Aber darüber kann man hinwegsehen. Viel spannender ist die Frage, wem man trauen kann und wer welche Absichten verfolgt. Dies wird nie so richtig klar und macht sehr viel von der Spannung der Geschichte aus. Ich freue mich auf Volume 3.

Geek-Planet: East of West – The Promise

Wie jeden Donnerstag sehen wir uns auch heute wieder einen alten Text von mir an. Der folgende erschien am 18. September 2016 das erste Mal auf meinem damaligen Blog Geek-Planet. Diesen gibt es allerdings nicht mehr. Trotzdem sollen irgendwann alle meine Texte auf meinem Blog hier zu finden sein. Deshalb gibt es jede Woche einen kleinen Blick in die Vergangenheit.

Ach, East of West. Dieser Comic hat mich damals so sehr begeistert, es lässt sich kaum in Worte fassen. Es ist die Ausstrahlung von Jonathan Hickman, die diesen Comic so besonders macht. Jonathan Hickman weiß, wie man gute, aber auch komplexe Geschichten erzählt. Er verwendet Karten, Graphen und Abbildungen, um seine kreierten Welten zu erläutern, realer wirken zu lassen und den Leser*innen näherzubringen. Sie machen die Welt greifbarer.

East of West ist einer meiner Lieblingscomics von Jonathan Hickman. An diesem stimmt fast alles. Seine Kollaborateure sind fantastisch und heben die Geschichte auf ein Level, mit dem ich nicht gerechnet habe. East of West strahlt eine Coolness aus, die man nur selten in Geschichten erlebt. Jede Seite ist großartig gestaltet und man kann es kaum erwarten weiterzulesen. Ich habe damals auch immer wieder von vorn angefangen zu lesen, weil man beim ersten Mal nicht alles mitbekommt. Man überliest Dinge, vergisst Details und verliert sich in den tollen Dialogen. Gute Geschichten zeichnen sich auch dadurch aus, dass man sie öfter lesen kann, ohne dass es langweilig wird. Die Reise an sich ist Belohnung genug. East of West ist eine solche Geschichte.


Wenn mich Charaktere immer wieder zu begeistern wissen, dann sind es die vier Reiter der Apokalypse. Verbunden mit Jonathan Hickman als Autor, kann man dann nichts anderes machen, als zuzugreifen. Deshalb habe ich mir gleich das 15 Ausgaben umfassende Hardcover-Buch gekauft, mit dem wunderbaren Titel: »The Apocalypse: Year One«. In den nächsten Wochen präsentiere ich also Reviews zu den drei enthaltenen Story-Arcs.

  • Ausgaben: #1 bis #5
  • Jahrgang: 2013
  • Autor: Jonathan Hickman
  • Künstler: Nick Dragotta
  • Colors: Frank Martin
  • Letters: Rus Wooton

“I can’t fathom the reasonin’ behind it. Why Death would chase the living, when they all reach him soon enough.” – Witch

Hickman hat East of West mit dem Ausspruch beworben: »The Things that devide us are stronger than the things that unite us« (»Die Dinge, die uns trennen, sind stärker als die Dinge, die uns vereinen«). In der Krise und kurz vor dem Weltuntergang sieht jeder nur auf seinen eigenen Teller und möchte sich nicht auch noch mit anderen beschäftigen müssen. Machtspiele, Konflikte und Intrigen sind Elemente, die dazu führen, dass sich die Welt selbst vernichtet. Die vier Reiter nehmen dabei lediglich die Figuren von Ratgebern ein, um diese Tendenzen zu verstärken.

Die Geschichte East of West spielt in der Zukunft. Wir befinden uns zum Großteil im Jahre 2064. Mitten in der Wüste, an einem mystischen Ort, stehen die apokalyptischen Reiter wieder auf. Doch etwas ist schiefgelaufen. Nur Famine (Hungersnot), Conquest (Eroberung) und War (Krieg) sind die einzigen, buchstäblichen Kinder der Apocalypse, die erneut das Licht der Welt erblickt haben. Death (Tod) fehlt.

In der ersten Story-Arc lernen wir nicht nur die wichtigsten Charaktere der Geschichte kennen, sondern auch das Land, indem die Geschichte spielt. Auf dieser Sci-Fi-Erde, gemischt mit vielen Elementen aus diversen Western, hat sich ein komplexes Machtkonstrukt entwickelt. Wie genau dieses zusammengesetzt ist, kann ich noch nichts beschreiben. Jedenfalls befinden wir uns im ehemaligen Gebiet der Vereinigten Staaten von Amerika. Aber die genaue Aufteilung davon und wie die Machtverhältnisse der einzelnen Parteien aufgeteilt sind, wird sicherlich in den nächsten Ausgaben klarer werden. Die Regierenden von Teilstaaten werden als »Chosen« (Auserwählte) bezeichnet und es gibt eine Art Präsidenten, der alles überwacht. Doch die drei jungen Reiter sind mit ihm nicht zufrieden und töten alle in der Rangfolge, bis sie auf eine Frau stoßen, die ihren Ansprüchen genügt. Die an sie glaubt. Die an »The Message« glaubt.

Bei »The Message« handelt es sich um eine alte Prophezeiung, die eine wichtige Rolle spielt. Sie dient als eine Art Leitfaden für das, was noch kommen wird. Eine Anleitung für das Ende. Interessant ist an dieser Stelle, dass sie nicht von einer Person geschrieben wurde, sondern drei Menschen in unterschiedlichen Jahrzehnten diese Schrift immer weiter geführt haben, bis sie komplett war. Wenn man dieses Instrument richtig zu interpretieren weiß, kann es ein mächtiges Werkzeug sein.

Wohin uns die Geschichte führen wird, ist mir bisher noch nicht ganz klar, genauso wenig die Absichten der Reiter. Bisher ist alles auf ein Machtspiel zwischen den Teilstaaten aus. Da die Reiter die Union kontrollieren, wollen sie mit ihrer Hilfe wahrscheinlich die Kontrolle über die Welt erlangen.

Death, das erfahren wir auch relativ früh, ist nicht auferstanden, weil er gar nicht gestorben ist. Er hat das überlebt, was die anderen auch immer vernichtet haben mag und ist weiterhin diese ehrfürchtige Gestalt, die mit zwei Hexen durch die Wüsten reitet. Bei seinen Helfern handelt es sich um mächtige Magier, die sich in Krähen bzw. in Wölfe verwandeln können. Daher auch deren Name Crow und Wolf. Warum sich Death wirklich von den anderen abgewandt hat, kann man an dieser Stelle nur vermuten, allerdings spielt Liebe eine überraschend wichtige Rolle. In New Shanghai ist seine Geliebte gefangen. Mit seinen beiden Hexen macht er sich also auf den Weg dorthin, um sie zu befreien. Interessanter Punkt an ihrer Beziehung ist, dass sie sehr viel Macht und Einfluss auf ihn hat. Das macht den Charakter mit dem Namen Xiaolian, sehr Furcht einflößend und bedrohlich.

Die visuelle Gestaltung des Comics ist sehr überzeugend. Death und seine beiden Anhänger sind in reinem schwarz-weiß gehalten, womit sie nicht zu dieser Welt zugehörig scheinen. Sie sind etwas anderes, vielleicht besseres, aber auf jeden Fall älteres. Sie wandeln gefühlt seit Jahrhunderten durch die Gegend. Auch die Städte sind sehr individuell gestaltet. Alle haben ihre Eigenheiten, seien sie in Schluchten gebaut, riesige Metropolen oder komplett in Schwarz gehüllt. Dazu kommt die matte Farbgebung – einfach perfekt.

Am Ende des Handlungsbogens wird dann noch etwas Grausames offenbart. Death und Xiaolian haben ein Kind. Dieses wurde ihnen genommen und in eine Einrichtung gesperrt. Angeschlossen an eine gewaltige Apparatur, die unmenschlich und grausam wirkt, wird es großgezogen und ist ständig am Lernen. Gefangen in einer virtuellen Realität, die es nicht verlassen kann.

East of West hat mich bisher auf voller Länge überzeugt. Die komplexe Geschichte mit Intrigen, Affären und Machtspiele ist nicht nur unterhaltend, sondern auch visuell beeindruckend. Außerdem ist das dicke Hardcover-Buch wunderschön und qualitativ hochwertig gestaltet.

Geek-Planet: Birthright – Volume 1

Es ist Donnerstag. Das heißt, wir schauen uns einen alten Text von mir an. Ich habe einige Jahre einen Blog namens Geek-Planet betrieben und hunderte Texte zu Comics, Filmen und mehr geschrieben. Den Blog gibt es nicht mehr, die Texte sollen aber trotzdem nicht im Nirvana des Internets verschwinden. Deshalb gibt es jede Woche einen kleinen Rückblick. Der folgende Text zu Birthright – Volume 1 erschien am 11. September 2016.

Ich erinnere mich noch erstaunlich gut an Birthright, auch wenn es nun schon 8 Jahre her ist, dass ich den Comic gelesen habe. Es gibt Geschichten, egal in welchem Medium, die einen einfach packen und nicht mehr loslassen. Seien es die Charaktere, die Welt, in der sie spielen, die Art, wie die Geschichte geschrieben ist, ihre Dialoge oder ein Zusammenspiel aus allem. Birthright war für mich so ein Phänomen. Es ist nicht immer leicht zu sagen, woran es liegt, dass man so sehr in die Charaktere und ihr Schicksal investiert ist.

Allerdings empfinde ich es als schön, sich hineinziehen und den Gefühlen quasi freien Lauf zu lassen; mitzufiebern. Es ist wie eine kleine Ersatztherapie, indem man sich so sehr mit diesen Charakteren identifiziert, sich in sie hineinversetzt. Ich hoffe, dass ich diese Fähigkeit nie verlerne und stets offen und voller Abenteuer- und Entdeckerdrang an neue Geschichten herangehen kann. Es ist das innere Kind, welches man nie ganz ablegen sollte. Es bringt einem die Wunder der Welt näher, versetzt einen in Staunen und begeistert. Auch davon handelt Birthright.


Birthright ist der etwas andere Fantasy-Comic. Zwei Welten treffen hier aufeinander: die Unsrige und Terrenos. Ein Land voller Trolle, Drachen und anderer fantastischer Wesen, die nur darauf warten, entdeckt und zurückerobert zu werden. Denn ein dunkler Herrscher hat sich diese Welt untertan gemacht und nur einer ist dazu bestimmt, ihn zu stürzen.

  • Schöpfer, Autor: Joshua Williamson
  • Schöpfer, Künstler: Andrei Bressan
  • Colorist: Adriano Lucas
  • Letterer: Pat Brosseau

“Five war criminals escapted Terrenos and came to earth … and only when they have been sent back to Terrenos will all the dark forces be truly defeated.” – Mikey

Ein Vater spielt mit seinem Jungen Ball. Der Junge rennt in den Wald und kommt nicht wieder zurück. Panik. Ein Jahr lang keine Spur. Dann taucht ein Mann auf. Ein Mann, der aussieht wie ein Schlächter, ein Krieger frisch aus dem Set vom Herrn der Ringe. Unglaublich, aber es handelt sich um eben jenen Jungen, der damals im Wald verschwunden ist. Und er ist zurückgekommen, um die Welt zu retten. Dies ist die Geschichte von Mikey.

Die ersten Seiten des Comics erzählen genau diese Geschichte. Voll gepackt mit allen Schwierigkeiten, die man als Familie durchstehen muss, wenn der Sohn, gerade mal neun Jahre alt, verschwindet. Beschuldigungen werden ausgesprochen, man lebt sich auseinander und irgendwann will es keiner mehr hören. Es ist erstaunlich, wie viel emotionales Gewicht diese wenigen Seiten tragen. Eine Last, die diese Familie ertragen muss.

Dann taucht der Mann auf, der behauptet, Mikey zu sein. Nun wird die Handlung gesplittet, ähnlich wie in der Arrow-Serie wird zum einen die aktuell voranschreitende Geschichte erzählt und zum anderen, die Abenteuer des kleinen Mikey reflektiert. Eine sehr interessante Art, diese Geschichte zu erzählen, vor allem da es auf den ersten Blick keine gemeinsamen Themen gibt, auf denen diese getrennten Handlungen aufbauen. Trotzdem funktioniert es erstaunlich gut und man bekommt einen guten Eindruck der Welten und der Charaktere, die eine Rolle für die zukünftige Handlung spielen.

Am beeindruckendsten ist dabei das Verhältnis zwischen Mikey und seinem eigentlich großen Bruder Brennan (der mit der Rückkehr eines Erwachsenen Mikey zum kleinen Bruder degradiert wurde). Die Liebe, die diese beiden verbindet, ist auf jeder Seite zu spüren. Vor allem bei den Unterhaltungen zwischen den beiden. Sie würden alles füreinander tun. Konträr dazu steht die Beziehung (oder auch Nichtbeziehung) zwischen Aaron und Wendy – den Eltern. Sie haben sich über das eine Jahr so sehr zerstritten und so viel durchgemacht, ich bin mir nicht sicher, wohin es mit den beiden geht.

Birthright ist ein fantastischer Fantasy-Comic, der zwei Welten gekonnt zum Leben erweckt. Die Zeichnungen verstehen es dabei, sowohl ruhige, emotionalere Momente in Szene zu setzen, als auch actionreiche. Ebenso beeindrucken die gewaltigen Landschaftsaufnahmen. Vor allem, wenn man sieht, wie sich langsam Terrenos vor den eigenen Augen entfaltet und diese Welt aufgebaut wird, bekommt man Lust darauf, selbst so eine Welt zu erschaffen.

Doch die Geschichte ist nicht immer so „straight forward“, wie man im Englischen sagt. Es ist nicht alles Gold, was glänzt, und die Vertrauensfrage steht immer wieder im Zentrum. Das wird in den nächsten Ausgaben sicher noch äußerst spannend. Denn die dunklen Mächte wissen zu manipulieren, und ein vormals vermuteter Feind könnte sich doch als Verbündeter entpuppen. Alle beteiligten Personen wachsen einem recht schnell ans Herz und man will unbedingt wissen, wie es weitergeht. Ob sie es heil aus dem Abenteuer herausschaffen oder Wunden zurückbleiben, welcher Art auch immer, die sich nicht so leicht wieder schließen lassen.

Geek-Planet: Wochenrückschau 23/2015

Für den heutigen Donnerstag habe ich einen etwas längeren Artikel herausgesucht. Diesen habe ich zum ersten Mal am 7. Juni 2015 auf meinem damaligen Blog »Geek-Planet« veröffentlicht, den es heute nicht mehr gibt. Darin versuche ich mich an einer neuen Kolumne, in der ich jeden Sonntag die Woche Revue passieren lasse.

Was mir beim Lesen aufgefallen ist, sind weniger die Dinge, die ich geschaut oder gelesen habe, sondern mehr die Einstellungen dazu. Zwei möchte ich im Besonderen hervorheben, da sie mich am meisten überraschten.

Zum einen den unfassbaren Optimismus, dass ich es je schaffen würde, meine komplette ComiXology-Sammlung zu lesen. Bevor Amazon dieses großartige Unternehmen gekauft und eigenhändig Stück für Stück auseinandergenommen hat, sodass nichts mehr übrig blieb, war das die Anlaufstelle, um digitale Comics zu kaufen. Die Plattform war großartig, der Reader am iPad fantastisch, es hat alles gepasst. Aber dazu habe ich bereits früher geschrieben (Der Untergang von ComiXology). Ich will gar nicht wissen, wie viel Geld ich im Laufe der Jahre hineingesteckt habe. Aber es hat stets Freude bereit, und Comics liegen mir noch immer sehr am Herzen, auch wenn ich aktuell sehr viel weniger lese, als es früher noch der Fall war. Die Anzahl an Comics in meiner Bibliothek war sicher im mittleren fünfstelligen Bereich. Ich habe nie alles gelesen. Aber der Sammler in mir hatte hier eindeutig die Oberhand.

Das Zweite, das mir ins Auge gesprungen ist, ist die Tatsache, dass ich mir beim Lesen des englischen Originals von Heir of the Jedi scheinbar sehr schwertat. Ich habe zwar damals schon alles im Original konsumiert, was Filme und Serien anbelangt, aber dass ich so spät angefangen habe, englische Bücher zu lesen, wusste ich nicht mehr. Ich habe mich sicherlich schon zuvor an englischsprachiger Literatur versucht, aber zu der Zeit, wo der Artikel erschien, hat das wohl so richtig angefangen.

Zum Thema Original oder Übersetzung schreibe ich nochmal gesondert einen Text. Das würde hier wohl den Rahmen sprengen. Genau deshalb mag ich es allerdings, alte Texte von mir durchzugehen und noch einmal zu veröffentlichen. Ich entdecke immer wieder Neues und Überraschendes. Es ist großartig.


Da es in den vergangenen Wochen und Monaten wunderbar mit zwei Artikeln pro Woche geklappt hat – Ausnahmen bestätigen die Regel – dachte ich mir, es wäre mal wieder an der Zeit für ein kleines Experiment. Dieses trägt den prägnanten Namen »Geek Week« und ich möchte diese Kolumne jeden Sonntag für einen kleinen Wochenrückblick nutzen. Was habe ich gelesen, gehört, geschaut oder gefunden, das interessant ist.

„I’m a Catholic whore, currently enjoying congress out of wedlock with my black Jewish boyfriend who works at a military abortion clinic. Hail Satan, and have a lovely afternoon madam.“ – Harry Hart (Kingsman)

Filme

In Bezug auf Filme ist es manchmal wie mit gutem Essen – die Gelüste treiben einen immer wieder zu einer bestimmten Variante hin. Sei es gut zubereitetes Fleisch, einen herrlich frischen Salat oder ein leckerer Kebab. Diese Woche wollte ich hauptsächlich Actionfilme sehen, die mit gut gemachten Kampfszenen, spannender Story und hervorragenden Schauspielern aufwarten konnten. Als Erstes stand ein Rewatch von Kingsman – The Secret Service auf dem Plan. Es handelt sich zwar um eine Origin-Story, aber die übertriebene Action und die überzeichneten Charaktere machen den Film kurzweilig. Dazu gesellt sich eine interessante Geschichte und sympathische Charaktere, mit denen man mitfiebern kann.

Als Nächstes war The Equalizer dran. Der Film überzeugt durch seine ruhigen Momente und lässt die Charaktere für sich sprechen. Ganz im Stil von John Wick wird sich an russischen Zuhältern und Drogenkurieren gerächt. Denzel Washington verkörpert den ehemaligen Agenten Robert wunderbar und über eine gute Fortsetzung würde ich mich sehr freuen.

Im Kino war ich auch und habe mir San Andreas mit Dwayne Johnson angesehen. Katastrophenfilme haben meistens ihre kleinen (oder besser gesagt großen) Probleme. 2012 sei als Beispiel genannt, in dem einfach eine Katastrophe die nächste jagt, ohne sinnvolle Struktur, dafür mit seltsamen Charakteren. San Andreas macht allerdings vieles richtig. Zwar bleiben die stereotypischen Charaktere und überdramatisierten Momente nicht aus, jedoch funktionieren sie hier wunderbar. Die Schauspieler sind sympathisch und transportieren gut ihre jeweiligen Figuren. Die einzelnen Katastrophen wirken nachvollziehbar und scheinen innerhalb der Logik dieser Welt kohärent zu sein. Außerdem sehen die einstürzenden Hochhäuser, der sich auftürmende Tsunami und die Wellen, die durch Städte pflügen, einfach atemberaubend aus. Im IMAX-Saal vibriert jeder Sessel und den Bass spürt man in jedem Knochen – herrlich! Toller Film, um sich einfach zurückzulehnen und The Rock beim Leute retten zuzusehen. Aber nicht nur er, auch seine Kolleg*innen machen eine durchweg gute Figur.

Als Abschluss hätte ich noch The Incredibles zu bieten. Der schon etwas ältere Pixar Film weiß immer wieder zu begeistern, und ich muss wahrscheinlich nicht mehr viel dazu sagen.

Comics

Ach, meine große Leidenschaft. ComiXology hat es wieder einmal geschafft, mir viel Geld aus der Tasche zu ziehen. Gemeinsam mit DC veranstalten sie einen großen dreiwöchigen »digitale sale«, bei dem ich natürlich zugreifen musste. Neben den gesamten Ausgaben von Batman (ich habe zwar die gedruckte Version, aber eine digitale Sicherung kann nicht schaden), Justice League, Deathstroke (ab 2014), Batman/Superman, The Flash und Aquaman, werde ich mir in den nächsten zwei Wochen noch Batman Eternal, Futures End und ein paar andere kaufen. Damit dürfte nicht nur genug Lesestoff bis zum nächsten Sale vorhanden sein, sondern auch für ausreichend Artikel ist auf diese Weise gesorgt. Es wären zwar ein paar Wochen Urlaub notwendig, um einiges nachholen zu können, aber ich bin optimistisch, dass ich irgendwann alles gelesen habe, was sich auf meinem iPad befindet.

Ein bisschen etwas habe ich auch schon nachgeholt, wie Justice League #0 bis #18. Geoff Johns Geschichten sind äußerst spannend, und die Künstler Jim Lee, Scott Williams und Co. setzen unsere Helden gekonnt in Szene. Mir gefallen am besten immer die Geschichten, in denen die Helden besonders herausgefordert werden und sich auch Streitigkeiten unter ihnen bilden. Die epische, übergreifende Geschichte mit dem Titel »Throne of Atlantis« sei hier erwähnt.

Ich hoffe in diesem Monat noch mehr von Justice League nachholen zu können, denn mit dem »Darkside War«, der bereits in vollem Gange ist und der einige Referenzen und Anspielungen auf vergangene Ereignisse aufweist, möchte ich wissen, was bis jetzt geschah und ob es Dinge gibt, die relevant dafür sind. Ich arbeite gerade an einem Artikel, der sich später mit den ersten 39 Ausgaben der Reihe befasst, aber da muss ich erst einmal herausfinden, wie ich das umsetze, ohne es zu sehr ausarten zu lassen.

Neben den JL-Ausgaben habe ich ebenso ein paar neue Hefte von DC gelesen. Midnighter #1 und Batman Beyond #1 seien erwähnt, aber dazu schreibe ich jeweils eigene Texte.

Videos

Seien wir ehrlich – diese Kategorie sollte eigentlich YouTube lauten, denn auf anderen Video-Plattformen bewege ich mich eigentlich nicht. Folgende interessante Fundstücke habe ich anzubieten:

  • Vertasium hat gemeinsam mit SmarterEveryDay zwei Videos produziert, die ihr parallel abspielen müsst. Was ihr dabei genau tun müsst, wird aber erklärt und die Mühe lohnt sich wirklich – Ein tolles Projekt.
  • Als Channel-Empfehlung gibt es diese Woche Screenjunkies. Neben ihrem wöchentlichen Honest Trailer, liefern sie auch spannende Movie-Fights, welche jeden Sonntagabend erscheinen und bei mir mittlerweile fix zum Wochenausklang dazu gehören.

Bücher

Heir of the Jedi

Nachdem Disney alle bis jetzt veröffentlichten Bücher, Comics und so weiter degradiert hat und nicht mehr zum offiziellen Kanon zählt, dachte ich mir, das wäre die perfekte Gelegenheit, um in die neuen Bücher einzusteigen. Mitzuerleben, wie das von George Lucas geschaffene Universum von einem neuen kreativen Team erweitert und ausgebaut wird, finde ich äußerst spannend und aufregend. Deshalb habe ich mir die noch nicht auf Deutsch erhältliche Originalausgabe von Heir of the Jedi besorgt. Ich wage mal zu behaupten, dass ich nicht gerade der langsamste Leser bin, zumindest bei deutschen Texten, doch als ich mit dem englischen Buch begonnen habe, verließ mich bald die Geduld.

Ich sehe mir zwar Serien und Filme im Original an, lese auch alle Comics und so manche News in englischer Sprache, aber an ein Buch habe ich mich bisher noch nicht herangetraut. Wie befürchtet dauert dann das Lesen auch um einiges länger, und nach 50 quälenden Seiten habe ich das Buch beiseitegelegt und etwas anderes angefangen. Ich werde natürlich nicht aufgeben, aber bevor ich dieses Buch lese, werde ich mit einem kürzeren anfangen und mich so langsam an das englische Lesen gewöhnen. Ich werde von meinen Fortschritten berichten.

Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod (Folge 1–3)

Das äußerst dicke Buch von Bastian Sick ist die gedruckte Version einer Spiegel-Kolumne, die der Autor seit vielen Jahren betreut. Zuerst dachte ich, dass eine gedruckte Kolumne nicht so toll sein könnte, aber der Autor hat mich eines Besseren belehrt. Die kurzen Texte über Fehler und Missverständnisse in der deutschen Sprache sind unterhaltsam und kurzweilig geschrieben. Außerdem kann man als Autor einiges lernen und seine eigenen Texte verbessern. Ich lese zwischendurch immer mal wieder ein paar Kapitel und lasse mich gerne über Kommata, angehängte »s« und Schreibfehler korrigieren. Der einzige Nachteil ist, dass einem mit der Zeit überall diese kleinen (manchmal auch ziemlich großen) Unachtsamkeit auffallen und ich am liebsten gleich den Rotstift zücken würde.

Geek-Planet: Ultimate Spider-Man – Volume 19

Wie jede Woche werfen wir auch am heutigen Donnerstag einen Blick in die Vergangenheit und sehen uns einen alten Text von mir an. Der Folgende erschien am 5. Mai 2017 zum ersten Mal auf meinem damaligen Blog »Geek-Planet«, den es heute nicht mehr gibt. So will ich nach und nach alle Texte von mir an einer Stelle versammelt wissen. Außerdem ist es interessant, die alten Texte durchzugehen.

Die folgende Besprechung von Ultimate Spider-Man ist ebenfalls die Letzte. Zwar habe ich noch mehr Comics von Spider-Man besprochen, doch mit der Ultimate-Reihe geht es damit zu Ende. Es war die Zeit, in der ich nicht mehr ganz so viel geschrieben habe und der Blog langsam endete. Ich habe 2017 auch angefangen, für Rogues Portal zu schreiben, einen amerikanischen Blog. Mein Fokus lag damit eher bei diesen Texten.

Meine Blogging-Karriere hat 2014 mit dem Ziel angefangen, die Ultimate Spider-Man-Reihe zu besprechen. Es ist beeindruckend, zu sehen, wo das Ganze schlussendlich hingeführt hat. Vielleicht bedeutet mir deshalb der Charakter so viel, weil er mich schon so lange auf einer ganz bestimmten Reise begleitet. Spider-Man-Comics waren die ersten Comics, die ich als Kind gelesen habe, und ihnen waren die ersten Texte gewidmet, die ich für meinen Blog schrieb. Der Text fängt zwar damit an, dass es der Beginn einer neuen Ära ist, aber in gewisser Weise ist es ebenso ein Ende eines Abschnitts. Mögen noch viele weitere Abenteuer, jedweder Art, kommen.


Der Beginn einer neuen Ära. Nicht nur übernimmt Stuart Immonen als Zeichner von Mark Bagley, auch in der Geschichte wird sich zukünftig einiges ändern. Dies hängt nicht nur mit S.H.I.E.L.D. und dem Goblin zusammen, sondern mit so manchen Dingen, die während dieser Storyline vorfallen. Also fangen wir am besten gleich an. Wie immer gilt: Spoiler voraus!

  • Ultimate Spider-Man Vol. 19: Death of a Goblin
  • Ausgaben: #112-117
  • Erscheinungsdatum: 2008
  • Autor: Brian Michael Bendis
  • Künstler: Stuart Immonen
  • Inks: Drew Hennessy
  • Colors: Richard Isanove, Justin Ponsor
  • Letters: VC’s Cory Petit

Es ist schon erstaunlich, wie ein komplett anderer Zeichner zwar das grundlegende Design einer Welt übernehmen kann, das Aussehen sich allerdings trotzdem fundamental ändert. Mark Bagley hat vorgelegt, wie Ultimate Spider-Man aussehen soll, aber Immonen findet trotzdem seine eigene Interpretation davon. Was ich an Mark Bagleys Zeichnungen besonders gerne mochte, waren die Nahaufnahmen von Gesichtern, die er während Dialogen zur Schau gestellt hat. Dies macht Stuart Immonen zwar ebenfalls, aber doch anders. Ich bin mir nicht sicher, wie ich es beschreiben soll. Aber nach über 100 Ausgaben ist es nicht überraschend, dass man sich erst an den neuen Look gewöhnen muss.

Was Immonen ebenfalls anders macht, ist, dass er Figuren, insbesondere Spider-Man selbst, realistischer darstellt. Realistischer insofern, als er Peter nicht ganz so dünn und mager zeichnet, wie es noch Bagley getan hat. Dies gefällt und ist eine willkommene Neuerung. Alles in allem mag ich den neuen Stil und freue mich auf die nächsten Geschichten, besonders wenn es zu neuen Gegnern kommt, die Stuart Immonen dann neu designen und in die Welt einfügen kann. Anfangs wird er sich wahrscheinlich noch mehr an Balgeys Vorgaben halten. Mit der Zeit aber immer mehr den eigenen Weg finden. Insofern ist ein weiterer Vergleich der beiden nicht fair und sollte vermieden werden. Beide interpretieren das Ultimate-Universum eben anders.

Was die Geschichte betrifft, werden wir mit einem kontroversen Thema konfrontiert, das mich zuvor schon beschäftigt hat. S.H.I.E.L.D. kümmert sich, wie wir wissen, um alle Supervillains, die gefangen werden. Sie sperren diese in extra dafür vorgesehene Zellen. Dass diese allerdings ohne jegliche Verhandlung auf unbestimmte Zeit festgehalten werden, verstößt gegen so einige Menschenrechte, die, so schwer es auch sein mag zu akzeptieren, auch Bösewichten wie Norman Osborn zustehen. Als dieser schließlich ausbricht und vor Kameras tritt, spricht er genau dies an. Natürlich wird die Wahrheit dabei etwas gedehnt, wenn es zu dem Unfall kommt, der ihn zu dem Monster gemacht hat, das er heute ist. Ich habe mich an dieser Stelle gefragt, wieso er denn nicht schon früher ausgebrochen ist und was er in der Zelle so lange getrieben hat.

Es passt durchaus zu der Geschichte, dass Bendis nicht wirklich eine Antwort oder eine finale Entscheidung dafür liefert, wie denn nun Bösewichte in Zukunft zu behandeln sind. Dies ist ein Thema, das wir sicherlich noch das ein oder andere Mal erwähnt sehen. Besonders, wenn es zu S.H.I.E.L.D.s momentaner Führung kommt. Denn Nick Fury ist verschwunden. Er scheint nicht gestorben zu sein, sondern lediglich nicht mehr auf der Erde zu verweilen. So hat Captain Carol Danvers das Zepter übernommen. Sie macht ohne Umschweife auch gleich ein paar Fehler, die nicht unbedingt nachvollziehbar sind. Es ist zwar lustig und unterhaltsam, ihr dabei zuzusehen, wie sie mit den schwierigen Situationen umgeht, die Nick Fury Tag täglich meistern musste, doch eines stört mich dann doch:

Wie bereits in einem der letzten Reviews angesprochen, demaskieren Freunde von Spider-Man den Wandkrabbler immer wieder. Selbst wenn sie nur mit ihm reden wollen oder scheinbar sein Bestes im Sinne haben. So demaskiert ihn Danvers im HQ von S.H.I.E.L.D., wo er zwar bekannt ist, aber trotzdem muss man ihm nicht gleich einen Teil seines Kostüms klauen. Außerdem sperrt sie ihn, angeblich zu seinem eigenen Schutz, in eine Zelle, ohne auch nur irgendetwas zu erklären. Kann sie sich denn gar nicht in ihn hinein versetzen? Immerhin ist er noch ein Jugendlicher. Dies ist etwas, was man vielleicht bisweilen vergessen mag, doch Peter ist noch sehr jung und manches lässt sich dann doch nicht so schnell verarbeiten und man überschätzt den Helden oft. So schätze ich es dann doch sehr, wenn wir subtil darauf hingewiesen werden, wer denn hier unter der Maske steckt.

Ebenso weiß ich zu schätzen, dass vergangene Ereignisse aufgegriffen werden. So leidet MJ an einer Art PTBS, als sie den Goblin auf einem Fernsehbildschirm entdeckt. Ähnliches kann man bei der Interaktion zwischen Peter und Osborn, als auch Harry und Osborn erkennen. Es sind stimmungsvolle und spannende Szenen, die perfekt in diese Welt passen. Vor allem werden hier diejenigen belohnt, die, wie ich, die Reihe von Anfang an lesen und so die kleinen Anspielungen und Easter Eggs verstehen. Dieses Verständnis mag zwar nicht unbedingt notwendig für die Geschichte sein, bietet dann allerdings ein wenig mehr Tiefe.

Death of a Goblin ist eine sehr persönliche und intime Geschichte, die so einige Handlungsstränge zu Ende führt. Besonders gefällt die Inszenierung des finalen Kampfes zwischen Vater und Sohn mit einem mehr als tragischen und traurigen Ende. Etwas, was man in dieser Form vielleicht gar nicht so sehr gewohnt ist von der Reihe. Eventuell spielt diese Begegnung bereits auf das Ende an, welches der ersten Inkarnation von Ultimate Spider-Man bevorsteht.

Ich bin sehr gespannt, wie es in der nächsten Handlung weitergeht, die ja etwas positiver gestimmt zu sein scheint. Immerhin lautet deren Titel: Spider-Man and his amazing friends.

Geek-Planet: The Walking Dead – Season 2

Wie jeden Donnerstag werfen wir auch heute wieder einen kleinen Blick in die Vergangenheit. Wir sehen uns einen Artikel an, den ich am 10. Oktober 2015 auf meinem damaligen Blog »geek-planet« veröffentlicht habe. Dadurch, dass ich jeden Donnerstag einen entsprechenden Text heraussuche, sollen irgendwann alle meine Texte auf einer Webseite zu finden sein.

Das waren noch Zeiten, als man sich auf die neue Staffel von The Walking Dead gefreut hat. 13 Jahre sind seit der Erstausstrahlung der zweiten Staffel vergangen; 9 Jahre, seit ich den folgenden Text geschrieben habe. Die Comics waren noch hoch im Kurs und liefen bis zum Schluss hervorragend. Doch was im Comics stets gut funktionierte, fühlte sich in der Serie irgendwann repetitiv, übertrieben und einfach nicht mehr spannend an.

Ich bin mir nicht sicher, woran das genau gelegen hat. Dafür ist es einfach schon viel zu lange her, seit ich die Serie geschaut oder die Comics gelesen habe. Aber die grundlegenden Ereignisse der Serie und der Comics sind dieselben, trotzdem habe ich die Comics regelmäßig verfolgt, zum Teil mehrfach gelesen und bis zum Schluss als fantastische Geschichte wahrgenommen. Vielleicht macht das Medium hier doch einen zentralen Unterschied und dass es eben nur einmal im Monat einen neuen Comic gibt, dafür aber regelmäßig.

Woran es auch immer gelegen hat, die frühen Staffeln der Serie konnten überzeugen. Vor allem, weil sie gewisse Dinge anders gemacht haben als die Vorlage. Die kleinen Unterschiede haben geholfen, dass sie selbst für Comic-Kenner spannend war zu verfolgen.


Im Englischen gibt es den Begriff »gutter«. Dieser beschreibt in Comics den meist weißen, leeren Platz zwischen den einzelnen Panels. Es ist den Leser*innen überlassen, zu interpretieren, was genau zwischen den dargestellten Augenblicken passiert. Die zweite Staffel von The Walking Dead ist ein perfektes Beispiel für eine solche Herangehensweise der Autoren, denn bis auf zwei große Ereignisse könnte es sich genauso zugetragen haben.

  • Developed by Frank Darabont
  • Cast: Andrew Lincoln, Jon Bernthal, Sarah Wayne Callies, Laurie Holden, Jeffrey DeMunn, Steven Yeun u.a.
  • Musik: Bear McCreary
  • Executive producers: Frank Darabont, Gale Anne Hurd, David Alpert, Robert Kirkman u.a.
  • Erstausstrahlung: 16. Oktober 2011 auf AMC

„This isn’t a democracy anymore.“ – Rick

Ein oft nicht so stark im Zentrum der Kritiken stehender Punkt sind für mich die Walker selbst, die „The Walking Dead“ erst zu dem machen, was es ist. In dieser Staffel treten die Kreaturen immer häufiger auf und an drei bis vier Stellen gleich in einem ganzen Rudel. Ich bewundere die Nebendarsteller für ihre tollen Leistungen, denn mir wäre noch keiner aufgefallen, der aus der Reihe tanzt oder sich markant anders benimmt als der Rest. Auch die Maskenbildner verdienen ein großes Lob, denn das Make-up und die Leichen sehen einfach fantastisch und sehr realistisch aus. Dadurch fällt es leichter, sich auf diese Welt einzulassen.

Wenn ich der Staffel ein übergeordnetes Thema geben müsste, wäre es »Leadership«. Anfangs hält die Gruppe zwar noch zusammen und scheint tatsächlich so etwas wie Teamwork zu entwickeln, doch mit dem Fortschreiten der Handlung und den Geschehnissen auf der Farm, zerfällt sie immer weiter. Bis sie am Ende ebenso physisch voneinander getrennt sind. Ich habe mir drei Punkte herausgesucht, an der ich festhalten möchte, warum die Gruppe zerbricht. Gleichzeitig sind es aber auch die Punkte, die die Staffel sehenswert und spannend machen:

Todesstrafe

Ein Thema, welches mich nachhaltig bewegt hat, ist die Diskussion um die Hinrichtung ihres Gefangenen Randall. Ihr unmoralisches und verachtenswertes Verhalten ihm gegenüber hat mich regelrecht schockiert. Nachdem sie seine Wunden versorgt und ihn wieder aufgepäppelt haben, beginnen sie ihn zu foltern, genauer gesagt Daryl foltert ihn. Alle anderen lassen es einfach geschehen. Dann planen sie ihn auszusetzen, dies scheint aber ein zu hohes Risiko und nachdem er beinahe von Walkern gegessen wurde, wollen sie ihn kaltblütig hinrichten. Dabei hat er sogar bei der Flucht geholfen, auch wenn es nur aus einem Zwang heraus war, um nicht zu sterben. Ich spreche hier immer von »sie«, doch eigentlich ist es allein Rick, der die Entscheidungen trifft und alle anderen sehen teilnahmslos zu, weil sie zu viel Angst haben aufzustehen und sich an der Diskussion zu beteiligen.

Allein Dale wagt es, Rick zu widersprechen, er versucht die anderen von seinem Standpunkt und der moralisch richtigen Entscheidung zu überzeugen. Dale ist ein fabelhafter Charakter und wird von Jeffrey DeMunn wunderbar dargestellt. Seine Integrität, Stärke und das Festhalten an Prinzipien ist bewegend und alle könnten sich eine Scheibe davon abschneiden. Mir kamen fast die Tränen, als alle zusammensaßen und Dale um das Leben von Randall gekämpft hat.

Wie kann man nur daneben sitzen, schweigen und jemanden über das Leben eines Menschen entscheiden lassen, ohne zumindest für seine Überzeugungen einzutreten? Egal, ob diese nun für oder gegen die Hinrichtung wären, aber so etwas auf die leichte Schulter zu nehmen, empfinde ich als arg fahrlässig und hat meine Meinung über so manchen Charakter geändert. Diese Thematik wird sicher noch eine Weile ihre Nachwirkungen zeigen und ich finde es äußerst schade, dass Dale sein Leben lassen musste. Es kam sehr unerwartet, denn in den Comics ist er am Ende von Buch 1 noch am Leben.

Anführer

Von allen Beteiligten haben eigentlich nur drei das Zeug zu einem Anführer für die Gruppe. Rick, Shane oder Dale. Shane wäre zwar die falsche Entscheidung, weil er teilweise zu unüberlegt, vorschnell und kompromisslos handelt, doch zumindest steht er mehr oder weniger zu seinen Entscheidungen. Dale wäre eindeutig mein Favorit, da er zuerst über Dinge nachdenkt, bevor er handelt. Er scheint in seinem Leben schon viele Erfahrungen gemacht zu haben – er ist ruhig und wäre sicher ein toller Anführer.

Doch diese Rolle ist und bleibt natürlich bei Rick, auch wenn er durch diverse Verschleierungen etwas an Vertrauen eingebüßt hat. Was ich nicht ganz verstehe, ist, die Überraschung der anderen, als er ihnen gesteht, Shane in einem Kampf umgebracht zu haben. Selbst ohne die Comics zu kennen, war diese finale Auseinandersetzung von weitem abzusehen. Zwei solch massive Alphamänner können einfach nicht in einer einzigen Gruppe existieren und die Manipulationen von Shane müssen den anderen zumindest ein bisschen aufgefallen sein.

Rick hat nun die Möglichkeit, mehr oder weniger frisch zu starten. Sie kennen jetzt seine Geheimnisse und er muss sich durchsetzen, was er am Ende mehr als hervorragend unter Beweis stellt. Ich bin sehr gespannt, wie es weiter geht und ob die Gruppe es schafft, sich zusammenzuraufen und füreinander einzustehen und zu kämpfen. Im Moment würde ich nämlich eher davon ausgehen, dass sie sich gegenseitig umbringen würden, wenn nicht alle so paralysiert und handlungsunwillig wären.

Dies ist auch etwas, das ich nicht verstehe. Ich befinde mich hier in einer Welt, die von Zombies regiert wird, und habe es geschafft, einen Grund zum Leben zu finden. Wieso stehe ich dann nicht mehr für die Sache ein? Warum handle ich nicht den Umständen entsprechend und sorge dafür, weiterhin zu überleben?

Die Farm

Es ist ein schönes Land. Idyllisch. Die Vögel zwitschern. Es gibt Kühe, Strom, genug zu essen und alle scheinen sich gut zu verstehen. Diesem utopischen Trugschluss sind die meisten aufgesessen. Sie sind nicht mehr in der Alten Welt, wo das größte Problem ein leerer Akku ist. Es ist eine Lüge, die alle glauben und wahrhaben wollen. Ein Stück Normalität. Zwar stellen sie einen Wachtposten auf, doch direkte Gefahr drohte ihnen bis zum Schluss nie. Sie hätten sich wappnen können. Einen Verteidigungsplan erstellen. Maßnahmen treffen, um eventuelle Angreifer abzuwehren. Doch daran denken sie alle nicht. Lieber schlachten sie mögliche Gefahren ab und spielen, wie es Andrea so schön ausgedrückt hat, Haus und Familie.

Wie gesagt, sind dies alles Punkte, die mir sowohl sauer aufgestoßen sind, als auch begeistert haben. Denn es zeigt, wie unvorbereitet und hilflos die Menschen in solchen Situationen sein können. Es zeigt, dass es wichtig ist für seine Prinzipien einzustehen und sich immer an Diskussionen zu beteiligen. Besonders, wenn es um etwas Wichtiges geht.

Da ich das letzte Mal etwas negativ gegenüber Daryl eingestellt war, muss ich sagen, dass sich meine Meinung über ihn wirklich geändert hat. Er setzt sich sehr für das Auffinden von Sophia ein und wird sogar zu einem Teamplayer – zumindest mehr als so manch anderer. Er ist inzwischen zu meiner Lieblingsfigur geworden.

Carls Entwicklung finde ich problematisch. Die Autoren springen mir zu sehr mit ihm herum. Einmal total waghalsig und sich einem Walker allein stellend. Dann aufmüpfig und respektlos. Später wieder nett und ängstlich. Alles innerhalb einer Episode mehrmals im Wechsel ist schwierig, anstrengend und der Schauspieler überzeugt mich ebenfalls nicht so wirklich.

Alles in allem hat mir die Staffel allerdings gut gefallen. Die Abweichungen gegenüber der Vorlage finde ich faszinierend und machen es für Kenner spannend, zuzusehen:

  • Es sterben Personen, die in den Comics noch wichtig sind (Sophias, Dale und Otis)
  • Die Weiterentwicklung neuer Charaktere (Daryl)
  • Alternative Lösungen für Konflikte (Mord an Shane, Flucht von der Farm)

Alles interessante Aspekte, die in den nächsten Staffeln hoffentlich weiter ausgebaut werden. Ich erwarte mir in der dritten Staffel, dass sie mit den vergangenen Ereignissen noch zu kämpfen haben und entsprechende Nachwirkungen zu spüren sind.

Geek-Planet: Brody’s Ghost by Mark Crilley

Es ist Donnerstag und das heißt, wir werfen einen Blick in die Vergangenheit. Der heutige Text erschien zum ersten Mal am 21. August 2016 auf meinem damaligen Blog geek-planet.

Immer wieder stelle ich fest, dass ich in manchen Rezensionen sehr vage war. Wahrscheinlich bin ich das heute zum Teil auch noch. Das liegt eventuell daran, dass ich selbst gerne unvoreingenommen an Geschichten herangehe. Das trifft besonders auf Comics zu. Bei einer Empfehlung oder wenn ich zu einem bestimmten Thema oder Genre etwas suche, dann will ich so wenig wie möglich über die konkrete Geschichte wissen. Das habe ich manchmal vielleicht etwas zu sehr in meine Texte eingebaut.

Wenn ich wirklich einen längeren Text über etwas schreiben möchte, dann greife ich mir meist einen Aspekt der Geschichte heraus und bespreche diesen ausführlicher. Das habe ich beispielsweise Anfang des Jahres häufiger gemacht, als ich mehrere Bücher besprochen habe. Mir ging es dann eher um eine bestimmte Perspektive oder ein Thema. Aber kurze Texte, wie der folgende, haben ebenfalls ihre Daseinsberechtigung.


Brody’s Ghost ist ein sechs Ausgaben umfassender Comic, den ich mir letztens als handliche Collected Edition besorgt habe. Die einzelnen Ausgaben waren dabei ebenfalls schon etwas dicker als herkömmliche Comics und umfassen so ca. 90 bis 100 Seiten. So erhält man mit der Collected Edition ein schönes Taschenbuch, indem man die gesamte Geschichte erleben kann. Es hat dann auch „nur“ eine Session von 4 bis 5 Stunden im Park in Tübingen benötigt, um dieses Monster zu bändigen. Ich hatte schon länger nicht mehr so eine intensive Leseerfahrung mit einem Comic. Es ist wunderbar, sich nach und nach in diese Welt hineinziehen zu lassen, die Charaktere kennenzulernen und sie wachsen sehen.

Da schulde ich Mark Crilley schon einmal einen großen Dank. Was Brody’s Ghost aber noch einmal zu etwas Besonderem macht, ist der YouTube-Channel von Mark Crilley. Dort zeigt er in einem ca. wöchentlichen Rhythmus Zeichenvideos und gibt interessante Tipps und Tricks zum Besten. Bei seinen how-to-Videos, die sich nicht selten um das Erstellen von Comics drehen, verwendet er gelegentlich Szenen und Panels aus dem Comic. So hat man dann, wenn man den Comic dann tatsächlich liest, einen immensen Wiedererkennungswert und kann den Aufwand dahinter besser einschätzen.

Crilley schreibt den Comic nicht nur, sondern ist auch für die gesamten nachgelagerten Prozesse verantwortlich. Er zeichnet, kümmert sich um die Farben und schließlich auch noch um das Lettering.

Die Geschichte dreht sich um Brody. Er ist ein armer junger Mann, der irgendwie versucht, über die Runden zu kommen. Ärger möchte er sich am liebsten ersparen, was ihm allerdings nicht immer gelingt. Er lebt in den Tag hinein und tut, was ihm gerade in den Sinn kommt. Eines Tages begegnet ihm ein Geist (was für eine Überraschung, bei so einem Titel) namens Talia. Sie ist seit 5 Jahren tot und auf der Suche nach einem Mörder, den sie überführen muss, um in den Himmel zu kommen. Um dies zu tun, benötigt sie jemanden, der sie sehen kann. So genannte Ghostseer. Solche Menschen sind allerdings äußerst selten. Deshalb hatte sie in den vergangenen Jahren auch kein Glück in dieser Beziehung. Ebenfalls eine Rolle spielen noch Brody’s Ex-Freundin und diverse andere mystische Charaktere.

Den ganzen Weg, den die Handlung einschlägt, ist an der typischen Heldenreise orientiert (worüber ich auch mal einen Artikel schreiben könnte). Schnell wachsen einem die Charaktere ans Herz und man fiebert mit ihnen mit. Auch die futuristische Welt, die Crilley kreiert, lädt dazu ein, noch mehr Abenteuer darin zu verbringen. Ich hoffe sehr, dass er sich dazu entschließt, mal eine weitere Geschichte darin zu erzählen. Es muss ja nicht unbedingt mit Brody sein, auch wenn es ein guter Charakter ist.

Es hat Spaß gemacht, mal wieder etwas mit einem dedizierten Anfang und Ende zu lesen. Monatliche, ongoing Comics haben zwar ebenfalls ihren Reiz, aber ein Ende erreicht man hier nur selten oder es dauert Jahre, bis man dorthin kommt. Graphic Novels sind eine eigene Kategorie, der ich mich wohl wieder etwas stärker zuwenden sollte. Ein paar fallen mir da schon ein.

Brody’s Ghost ist eine der besten Geschichten, die ich in den vergangenen Monaten gelesen habe. Crilley versteht die Kunst des Dialog-Schreibens perfekt, weiß aber auch, wann er die Panels für sich sprechen lassen kann. Klare Leseempfehlung!

Geek-Planet: Ultimate Spider-Man – Volume 18

Wie jeden Donnerstag werfen wir auch heute einen Blick in die Vergangenheit und beleuchten einen Text meines früheren Blogs »Geek-Planet«. Nach und nach will ich so meine alten Texte verfügbar machen. Der Folgende stammt vom 28. April 2017. Auf eine ausufernde Einleitung verzichte ich dieses Mal, denn der Text allein hat schon über 1.000 Worte. In diesem Sinne, viel Freude beim Lesen.


Über die letzten Geschichten hinweg hat sich der Kingping von New York, Wilson Fisk, einige Feinde gemacht. Doch statt ihn immer wieder einzeln anzugreifen, übernimmt Daredevil die Initiative und formt die »Ultimate Knights« (auch wenn er sie offiziell nie so nennt). Mit dieser Gruppe soll es gelingen, den Kingpin of Crime endgültig aus dem Verkehr zu ziehen.

  • Ausgaben: #106-111
  • Erscheinungsdatum: 2007
  • Autor: Brian Michael Bendis
  • Künstler: Mark Bagley
  • Inks: Drew Hennessy
  • Colors: Richard Isanove, Justin Ponsor
  • Letters: VC’s Cory Petit

Gleich zu Beginn der Geschichte wird eine interessante Frage aufgeworfen: Wer besitzt die Merchandise-Rechte eines Superhelden? Die einfache Frage auf diese Antwort ist, dass derjenige die Rechte besitzt, der zuerst diese Rechte anmeldet. Da Peter dies leider versäumt hat und ihm dadurch einige Millionen Dollar durch die Lappen gegangen sind, kommt der Kingpin persönlich in den Genuss des ganzen Geldes.

Wenn wir uns an die Storyline »Hollywood« zurückerinnern, dann gab es im Ultimate-Universum einen Spider-Man-Film. Dieser war scheinbar ganz erfolgreich und hat dazu geführt, dass ordentlich Merchandise-Artikel verkauft wurden. Nun besitzt Fisk über mehrere Ecken die Firma, die genau diese Rechte angemeldet hat. Doch statt daraus Geld zu schlagen, wie es jeder vernünftige Mensch tun würde, lässt er die ganze Linie gegen die Wand fahren – oder so zumindest der Plan. So will er Peters Ruf als Spider-Man schädigen. Was aber aus diesen Plänen wird, erfahren wir nicht mehr, denn Daredevil und seine Ultimate Knights kommen dem Unterweltboss in die Quere.

Es hat mich überrascht, welch eine Achterbahnfahrt diese Storyline ist. Mal ist sie vorhersehbar, mal komplett überraschend, dann wieder nicht nachvollziehbar. Doch fangen wir mit Peters Beziehungskrise an. Der junge Held hat sich in der letzten Geschichte wieder mit MJ versöhnt und die beiden sind wieder ein Paar. Yay! Doch nicht so schnell, denn da ist ja auch noch Kitty, die nun völlig überraschend in Peters Schule anfängt. Natürlich hat dies nichts mit Peters und MJs Situation zu tun, sondern damit, dass sie aus der X-Men Schule rausgeflogen ist. Das hat mich durchaus überrascht, dass so etwas überhaupt möglich ist.

Doch scheinbar hat sich Kitty mit Xavier gestritten, was zu dem Verweis geführt hat. Was mich irritiert, ist die Tatsache, dass sich Kitty in der Zeit, in der sie bei Xavier war, durchaus einige Feinde gemacht hat. Nun will sie dieser allein lassen? Zwar kann Kitty sehr gut auf sich selbst aufpassen, allerdings wäre sie um einiges besser bei den X-Men aufgehoben. Ihre Einführung in die Schule ist allerdings wunderbar umgesetzt, und Bendis zeigt sein Gefühl für Charaktere. Denn da jeder weiß, dass Kitty ein Mutant ist und eine Beziehung mit Spider-Man hat oder hatte. Natürlich belagern sie die anderen mit sehr vielen, teils persönlichen Fragen. Insgesamt eine beeindruckende und mitreißende Szene. Vor allem, weil Peter gezwungen ist, einfach zuzusehen. Er kann nicht einschreiten, ohne sich als Spider-Man zu outen.

Unterdessen beginnt Daredevil nach und nach die Rekrutierung diverser Helden. Nachdem er bereits Dr. Strange, Moon Knight, Danny Rand und Shang-Chi überredet hat, bei seinem kleinen Unterfangen mitzumachen, schaut er kurzerhand bei Peters Schule vorbei. Natürlich in Zivilklamotten, aber es ist schon erstaunlich, wie schnell es so manchen gelingt, darauf zu schließen, dass Peter Spider-Man ist. Wahrscheinlich ist es ein genauso offenes Geheimnis, wie das, dass Bruce Wayne Batman ist. Doch die beiden, Matt und Peter, funktionieren durch ihre Gegensätze ziemlich gut. Spider-Man, der alles macht, wie es ihm in den Sinn kommt, und nicht unbedingt große Pläne vorbereitet. Auf der anderen Seite haben wir den strengen und erwachsenen Daredevil, der vor Gewalt nicht zurückschreckt, sollte es notwendig sein.

Diese Zusammenarbeit ist auch deswegen sehr interessant, weil wir dadurch Bendis’ Interpretation einiger Charaktere sehen können. Da Ultimate Spider-Man die einzige Ultimate-Reihe ist, die ich lese, weiß ich nicht, ob sie in anderen Ausgaben bereits aufgetaucht sind. Doch teilweise unterscheiden sie sich doch sehr davon, was ich erwartet hatte. Darunter Dr. Strange, der ein sehr öffentliches Leben zu leben scheint und Danny Rand, der nicht so vertrauenswürdig ist, wie man vielleicht denken mag. Doch Moon Knight mag wohl der Interessanteste von allen sein. Mit seiner gespaltenen Persönlichkeit und dem, was wir hier geboten bekommen, wird er zu einem tragischen Fall, der trotz seiner Schwächen oder gerade deswegen sehr überzeugt. Ich mag seine Beweggründe gerne, weil er die anderen dazu zwingt, über ihre Schatten zu springen. Dadurch wird unter anderem gezeigt, wie weit zum Beispiel Daredevil bereit ist zu gehen, um den Kingpin auszuschalten.

Doch es gibt Grenzen, die Spider-Man nicht überschreitet, und so sehen wir unter anderem, wie sich dieser indirekt für den Kingpin einsetzt. Was alle Parteien überrascht. Wie das Ganze genau abläuft und wer sich wie und wo durchsetzt, will ich allerdings nicht verraten. Es führt allerdings zu beeindruckenden Momenten.

Wie ihr vielleicht wisst, endet mit der 111. Ausgabe die Zusammenarbeit zwischen Mark Bagley und Brian Michael Bendis. Was Marvel betrifft, haben sie damit einen neuen Rekord aufgestellt für die längste durchgehende Zusammenarbeit zwischen einem Autor und einem Künstler. Deshalb ergibt es für mich Sinn, dass diese Ausgabe, die den bedeutungsschwangeren Namen »The Talk« bekommen hat, das längst überfällige Gespräch zwischen Tante May und Peter darstellt. Die Hälfte davon hat dann auch schon der neue Künstler Stuart Immonen gezeichnet. Wir bekommen also einen langsamen Übergang von einem Künstler zum nächsten spendiert.

Es ist eine großartige Ausgabe. Die beiden funktionieren einfach herrlich miteinander (also Tante May und Peter). Tante May weiß nun endlich, dass Peter unter dem blau-roten Kostüm steckt. Langsam aber sicher nähern sie sich dem Thema an, denn beide wissen nicht genau, wie so ein Gespräch ablaufen und worüber sie eigentlich sprechen sollen. So werden Dinge Revue passiert, die in der Vergangenheit vorgefallen sind, und Grenzen abgesteckt, worüber Tante May mit wem sprechen darf und mit wem nicht (es bleibt schließlich nur MJ übrig). Also eine gelungene letzte Ausgabe von Bendis und Bagley.

Es war eine fantastische Reise, und ich werde Mark Bagleys Zeichnungen vermissen. Ich mag seinen Stil von ganzem Herzen und habe mich über die letzten Jahre sehr daran gewöhnt. Für mich ist er DER Künstler von Spider-Man geworden. Mal sehen, was uns Stuart Immonen in den nächsten Ausgaben so präsentieren wird. Es wird sicher spannend. Vor allem, weil auch bald die erste Inkarnation der Reihe Ultimate Spider-Man ihr Ende finden wird. Doch erst einmal geht es das nächste Mal mit »Death of a Goblin« weiter.

Geek-Planet: The Sculptor von Scott McCloud

Morgen jährt sich dieser Blog zum ersten Mal. Seit einem Jahr schreibe ich jeden Tag einen Text zu einem beliebigen Thema. Was mich eben gerade so beschäftigt und interessiert. Aber auf diese Texte und das vergangene Jahr blicke ich an anderer Stelle zurück. Heute soll es um diese Kolumne im Speziellen gehen.

Da heute Donnerstag ist, muss natürlich ein alter Text von mir her. Für dieses kleine Jubiläum habe ich mir einen herausgesucht, der den Comic The Sculptor von Scott McCloud behandelt. Immerhin begann diese Kolumne und mein alter Blog Geek-Planet mit ihm und seinem Buch Understanding Comics. Daher scheint es passend, das erste Jahr auch mit ihm zu beschließen. Der Text erschien am 29. März 2015.

Wie schon bei vorherigen Texten habe ich die Links leider nicht mehr, die ich am Ende erwähne. Aber der Vollständigkeit halber habe ich die Zeilen trotzdem nicht entfernt. Zwar bin ich mit der Zeit dazu übergegangen, meine alten Texte etwas zu redigieren und zu überarbeiten, aber das waren stets kleine Änderungen. Habe ich die ersten Texte noch unbearbeitet wiedergegeben, so habe ich schnell gemerkt, dass eine kleine Überarbeitung notwendig ist.

Dabei war mir stets ein Anliegen, diese Texte verständlicher zu machen. Sätze umzuschreiben, die zu lang sind oder zu konfus geschrieben. Den Lesefluss zu verbessern und manches genauer zu erläutern. Oder aber auch, in äußerst seltenen Fällen, Sätze zu entfernen, da sie nicht mehr zeitgemäß sind oder nicht mehr in das Gesamtkonzept des Textes passen. Immerhin ist es über 10 Jahre her, seit ich den Blog Geek-Planet gestartet habe, da entwickelt man sich hoffentlich weiter.

In dem einen Jahr, wo es nun meine neue Webseite christophstaffl.eu gibt, haben wir uns 49 alte Texte von mir angesehen und es macht mir immer noch Freude. Ich entdecke immer wieder Neues und bin teilweise selbst überrascht, über was ich so alles geschrieben habe. Oder auch welche Meinungen ich zu gewissen Themen hatte oder aufgeschrieben habe.

Für das kommende Jahr habe ich ein paar spezielle Texte im Sinn, die ich mir gerne ansehen und erneut veröffentlichen möchte. Es handelt sich dabei um ein Studienprojekt, welches dann den Weg zu einem anderen Blog-Projekt fand, an dem ich teilnehmen durfte. Aber dazu mehr, wenn es so weit ist. Heute geht es erst einmal um Scott McCloud und seinen großartigen Comic The Sculptor.


Den meisten dürfte Scott McCloud wohl durch seine theoretischen Abhandlungen von Comics bekannt sein. Seine fantastischen Bücher Understanding Comics, Reinventing Comics und Making Comics sind ein Fundus an Informationen über das THema. Nach deren Lektüre, die er ebenfalls als Comic präsentiert, betrachtet man die Panels, Zeichnungen und Sprechblasen anders – sie öffnen den Leser*innen die Augen.

„It’s like they’re demanding that I make them, demanding to be seen, demanding to exist … and now I’m scared I’ll never finish a single one.“ – David

Ich habe nie die frühen Werke von Scott McCloud gelesen. In den achtziger und neunziger Jahren hat er Comics hervorgebracht, die von vielen Kritiker*innen hochgelobt wurden (zum Beispiel Zot! und The New Adventures of Abraham Lincoln). Dadurch war ich sehr daran interessiert, wie wohl ein Comic von ihm aussehen würde, der eine originelle Geschichte erzählt. Wie hat ihn die Erforschung und analytische Auseinandersetzung mit Comics beeinflusst?

Eigentlich müssten seine Erkenntnisse dazu führen, dass es ein Meisterwerk par excellence wird. Wobei diese Erwartungshaltung natürlich unfair ist. Allerdings bleibt eine der interessantesten Fragen für mich, worüber er schreiben wird. Welches Genre, welches Thema, welche Personen werden darin vorkommen? Und das Ergebnis seiner fünf Jahre andauernden Arbeit, in der er geschrieben, gezeichnet und sogar einen eigenen Font hat erzeugen lassen, ist ein Comic, so umfangreich und tiefgreifend wie das Leben selbst.

„Life doesn’t always turn out the way we plan, David.“ – Harry

Wie schon angedeutet ist das Graphic Novel The Sculptor sehr vielfältig. Im Zentrum steht David. Ein verlorener Künstler, der einen Deal mit dem Tod eingeht, um doch noch etwas Einzigartiges schaffen zu können. Dafür hat er 200 Tage Zeit, danach muss er sterben. Scott McCloud scheint mit einer unvergleichlichen Leichtigkeit, die Vielfalt des menschlichen Daseins in einen 500-seitigen Comic zu packen. Es geht um das Leben, die Liebe, Leidenschaft, Tod, Sex, Gefühle, Familie, Freunde, Träume, Erfahrungen, Ziele, Lektionen, Geld, Glück, Trauma, Hilfs- und Risikobereitschaft und so weiter. Alles findet seinen Platz.

Je weiter die Geschichte voranschreitet, desto weiter wird man in sie hineingezogen und sie lässt einen nicht mehr los, bis man am Ende des Buches angelangt ist und erschöpft den Deckel zuklappt. Die Charaktere sind liebevoll ausgearbeitet. Sie sind glaubwürdig dargestellt, haben Fehler. Jede Minute mit ihnen muss man genießen, denn man weiß nie, wann es zu spät ist. Wenn es in The Sculptor an einem nicht fehlt, dann sind es überraschende Wendungen. Dabei sind es keine großen WTF-Momente, die die Leser*innen schockieren sollen. Nein, es sind die einfachen und stillen Momente, in denen die Charaktere über sich hinauswachsen, der Angst und Herausforderung ins Gesicht blicken und handeln.

Ebenso wie die Geschichte sind auch die Zeichnungen fantastisch. Der typische Stil von McCloud passt perfekt zu dem Comic, da es den Leser*innen genug Spielraum für Interpretationen lässt. Die nur zweifarbige Darstellung des Geschehens regt die Fantasie an und wirkt inspirierend. Die Handlungsorte wie die Stadt, Wohnungen, Parks und Seitengassen sind lebendig, man hört förmlich die typischen Geräuschkulissen der Umgebung. Es macht Spaß, mit den Figuren immer mehr zu entdecken und Davids Kreativität zu beobachten.

Die Dialoge und Gespräche wirken natürlich, nachvollziehbar und ich könnte stundenlang den Gesprächen zwischen Harry und David lauschen, während sie ihr Schachspiel bestreiten. Es gibt viele Höhepunkte in dem Comic, die ich nur zu gerne beschreiben und besprechen möchte, aber ich will nicht zu viel verraten, denn die Geschichte sollte ohne allzu viel Vorwissen gelesen werden. So entfaltet sie ihre gesamte Kraft und verfolgt einen noch über Tage hinaus. Auf jeden Fall lädt sie zum erneuten Lesen ein, denn sicherlich übersieht man beim ersten Mal etwas oder bestimmte Aspekte der Geschichte gehen unter.

Ich kann dieses Buch nur jedem empfehlen. Kauft es, verschenkt es, gebt es weiter.

„You’ll leave. Everybody leaves.“ – Meg

Vor kurzem habe ich Meldungen auf diversen Blogs und Websites gelesen, welche mich regelrecht nervös werden lassen. Filmstudios haben sich angeblich um die Rechte an dem Buch gestritten und es ist zu einer Art Wettstreit geworden. Ich weiß nicht mehr, welches Studio die Filmrechte schließlich bekommen hat und es ist mir eigentlich auch egal. Bitte, wer auch immer für die Verfilmung zuständig sein wird, lasst es langsam angehen. Arbeitet mit McCloud zusammen, wenn er es möchte. Haltet die Geschichte und die Effekte einfach und lasst die Protagonisten für sich sprechen, so wie im Comic auch. Denn erst dadurch entfaltet sich die Magie der Geschichte. Kein übermäßiger Einsatz von CGI, keine schnulzig übertriebene Romanze oder erzwungene Dreiecksbeziehung, welche es nicht gibt.

Als Abschluss verlinke ich noch zwei Interviews mit Scott McCloud. Das Erste könnt ihr gleich lesen, ohne das Buch zu kennen. Das Zweite würde ich allerdings erst für später empfehlen, da es doch einige Spoiler enthält. In jedem Fall bekommt man einen netten Eindruck über die Entstehung von The Sculptor.

Geek-Planet: Ultimate Spider-Man – Volume 17

Wie jeden Donnerstag riskieren wir auch diese Woche einen Blick in die Vergangenheit und sehen uns einen alten Text von mir an. Der Folgende behandelt ein großes Kapitel aus der Ultimate Spider-Man-Reihe: die Klon-Saga. Der Text erschien am 21. April 2017 auf meinem damaligen Blog Geek-Planet, den es heute so nicht mehr gibt.

Die Utimate-Reihe war meine erste Konfrontation mit der Klon-Saga. Bis heute habe ich die Originale-Saga, wenn man so will, noch nicht gelesen. Dabei zählt sie zu den prägensten und wichtigsten Geschichten aus der Amazing Spider-Man-Ära. Oder zumindest zu der mit den meisten Kontroversen? Ich bin mir nicht ganz sicher und will sie deshalb auf jeden Fall noch nachholen.

Was ich allerdings gelesen habe, sind die ganzen Spider-Verse-Geschichten von Dan Slott, die sehr unterhaltsam waren. Besonders das erste Spider-Verse-Abenteuer, wo so viele Spider-Men wie nie zuvor aufeinandergetroffen sind, war fantastisch konzipiert und hat den Mythos rund um Spider-Man um viele Ebenen erweitert. Die darauf folgenden Iterationen, wenn ich mich recht erinnere, sind nicht mehr ganz auf demselben Niveau geblieben, hatten aber trotzdem großen Unterhaltungswert.

Trotzdem bleibt Bendis Interpretation von der Klon-Saga ein guter Einstieg in das Thema. Es gibt keine Spin-offs oder dergleichen, sondern es bleibt eine kompakte Storyline, die eine Geschichte stringent erzählt. Mit allen Facetten, die der Autor unterbringen möchte. Nach dem folgenden Text zu urteilen, ist sie bei mir damals sehr gut angekommen und hat alle möglichen Gefühle ausgelöst.


Klone spielen bei Spider-Man seit jeher eine wichtige Rolle und so war es nur eine Frage der Zeit, bis sich auch Brian Michael Bendis diesem Thema widmet. Dabei trifft es sich natürlich ausgezeichnet, dass die 100. Ausgabe von Ultimate Spider-Man während dieser Saga zu feiern ist. Ein ungutes Gefühl hatte ich während des Lesens aber trotzdem, denn teilweise werden ziemlich harte Geschütze aufgefahren und Peter vor nichts und niemandem verschont.

  • Ultimate Spider-Man Vol. 17: Clone Saga
  • Ausgaben: #97-105
  • Erscheinungsdatum: 2007
  • Autor: Brian Michael Bendis
  • Künstler: Mark Bagley
  • Inks: John Dell & John Sibal & Drew Hennessy
  • Colors: Richard Isanove, Justin Ponsor
  • Letters: VC’s Cory Petit

„We can cure you, too. You don’t have to be Spider-Man anymore. It’s your choice.“ – Reed Richards

Die Geschichte beginnt mit einer ordentlichen Portion Drama. Was für mich allerdings nicht ganz nachvollziehbar war. Peter und Kitty führen eine Fernbeziehung. Kitty ist zwar in der Lage, mit dem X-Jet in einer halben Stunde in New York zu sein, trotzdem liegt eine große Distanz zwischen den beiden. Zudem sind die X-Men vom Professor unter Hausarrest gestellt, nachdem etwas auf Krakoa passiert ist. So ist es wenig verwunderlich, dass sich Peter bei Problemen an MJ wendet, die greifbar ist und einfach für ihn da.

Dass Kitty hier die Eifersüchtige spielt, finde ich nicht ganz nachvollziehbar. Vielleicht dass sie sich Sorgen macht, ja, aber sie reagiert vollkommen überzogen, geradezu aggressiv auf Peter. Ganz so, als wollte sie, dass er die Freundschaft zu MJ beendet – was nach ihrer langen Geschichte wenig wahrscheinlich, geschweige denn möglich wäre.

Zugegeben, am Ende stellt sich diese Sorge als berechtigt heraus, aber zu Beginn der Geschichte schien alles gut zu laufen. Warum brüllt sie Peter am Telefon an?

Ich für meinen Teil finde es klasse, dass MJ und Peter weiterhin als Freunde etwas unternehmen können und sie sich verstehen. Immerhin hat Peter, wie er selbst anmerkt, keine wirklichen Freunde, die sein Geheimnis kennen. Da ist MJ die Einzige. Es ist schön, wenn sowohl er als auch sie mit Problemen zum jeweils anderen kommen können und sie gemeinsam darüber reden.

Doch die Ruhe ist nicht von nicht allzu langer Dauer, da ein Typ im Scorpion-Anzug das Shopping-Center angreift. Dieser ist auf der Suche nach Peter und macht einen völlig verrückten Eindruck. Knapp kann Peter ihn besiegen und bringt ihn unverzüglich zum Baxter Building – dem Hauptquartier der Fantastic Four. Dort stellt sich heraus, dass der Typ im Scorpion-Anzug ein Klon von Peter ist. Parallel dazu wird MJ von einem Unbekannten entführt.

Dies ist die Ausgangslage der Geschichte. Sie beginnt unscheinbar mit ein paar eingestreuten Mysterien. Doch Bendis entwickelt diese schnell zu einer wahnwitzigen Klon-Story, die ich so nicht erwartet hätte. Oft stößt Peter dabei an seine Grenzen und ist mit unmöglichen Situationen konfrontiert. Da bekommt man selbst als Leser*in ein ungutes Gefühl in der Magengegend. Man ist geradezu froh, dass Peter die FF eingeschaltet hat. So hat er wenigstens ein paar Verbündete, auf die er zählen kann, auch wenn ihn sonst jeder Fallen lässt, sogar Tante May.

Kümmern wir uns erst einmal um die Geschichte von ihr. Peter ist auf der Suche nach der Vermissten MJ und sucht diese sowohl in einer alten Fabrik (wir erinnern uns ein paar Storylines zurück), als auch in ihrem alten Haus. Doch statt MJ findet er Gwen, die dort verwirrt herumsteht. Nach dem ersten Schock, dass diese am Leben ist (sie ist immerhin von Carnage getötet worden), kommt obendrein noch Tante May zu der Situation hinzu. Da Peter keine Erklärung einfällt, tut er das, was er eigentlich immer vermeiden wollte: Er sagt Tante May, dass er Spider-Man ist.

An dieser Stelle hätte ich eigentlich erwartet, dass sie etwas besser reagiert, denn niemand kann mir erzählen, dass May nicht zumindest eine entfernte Ahnung hat, dass ihr Neffe Spider-Man ist. So blind kann niemand sein. Dazu ist einfach zu viel vorgefallen in den vergangenen Ausgaben, als dass sie es nicht mitbekommen hätte. Stattdessen, und diese Reaktion ist in gewisser Weise nachvollziehbar, fühlt sie sich betrogen und angelogen und sagt diverse Dinge, die Peter tief verletzen. Diese Szene gehört wohl zu den bisher emotionalsten und schockierendsten. Doch die Geschichte ist noch lange nicht am Höhepunkt angekommen. Peter könnte einem zu diesem Zeitpunkt bereits leidtun, doch dann kommt Richard Parker durch die Tür hereinspaziert – Peters, ebenfalls seit langem verstorbener Vater.

Dieser dominiert die 100. Ausgabe und liefert uns eine Menge Hintergrundwissen, warum er noch am Leben ist. Dass er für die Regierung arbeite (weil diese Nick Fury nicht vertraut und eine Alternativlösung parat haben möchte, sollte dieser endgültig die Kontrolle verlieren) und dass Peters Mutter tatsächlich bei dem Absturz ums Leben kam. Zu dem Zeitpunkt haben mich zwei Dinge überrascht: Richards Geschichte (ich habe mich ehrlich gefragt, ob Bendis das wirklich auf diese Weise durchziehen wird und Peters Eltern zurückbringt – immerhin hat dies schon ein Film-Franchise versucht und ist damit auf mäßigen Erfolg gestoßen. Zugegeben, der Comic kam vorher raus, trotzdem hätte ich das nicht erwartet) und dass die Regierung etwas machen kann, ohne dass Nick Fury davon erfährt.

Reed und Sue untersuchen in der Zwischenzeit den Klon weiter und tun das, was Peter eigentlich vermeiden wollte: Nick Fury davon in Kenntnis setzen. Seine Reaktion ist offen gestanden am störendsten für mich, da er seine neuesten Spider-Slayer-Roboter nach Queens bringt, um dort gegen Peter in den Krieg zu ziehen. Hat Peter nicht oft genug bewiesen, dass er auf seiner Seite steht? Es ist hart anzusehen, wie dieser Mann Peter verrät und ihn wie einen Kriegsverbrecher behandelt. Peter respektiert ihn so sehr und blickt zu ihm auf und als Leser*in fühlt man diesen Verrat nur allzu deutlich. Man wünscht sich, dass es ein Ende nimmt. Doch Peters Tag ist noch lange nicht zu Ende. Er wird von Jessica Drew aus der Situation gerettet, die ihm dabei helfen will, die Verantwortlichen zu finden und MJ zu retten.

Sie liefert Peter ebenfalls viel Hintergrundwissen, was die Klone betrifft. Diese Erzählung hätte ich mir eigentlich für die 100. Ausgabe gewünscht, da diese deutlich länger und emotional mitreißender ist als Richards angebliche Arbeit. So offenbart Jessica, die schrecklichen Experimente, die sie überstanden hat und noch zu überstehen hätte, wären die Klone nicht gemeinsam ausgebrochen. Für die Regierung sind sie nämlich nichts weiter als ersetzbare Dinge und sollte eines davon nicht so richtig funktionieren, kann man ja neue züchten.

Es ist widerwärtig, dass die Klone mit Peters Gedanken und Erinnerungen ausgestattet wurden, also alles wissen, was auch er weiß. Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie das wohl sein muss, als sein eigener Klon aufzuwachen. Dann auch noch in einer Version mit sechs Armen oder was sich die Verantwortlichen nicht noch alles haben einfallen lassen. Interessanterweise spielt Gender, Identität und die Wahrnehmung des eigenen Körpers eine Rolle. Zumindest im Subtext. In dieser Geschichte steckt unter der Oberfläche also sehr viel mehr, als man anfänglich vielleicht vermuten möchte.

Insgesamt, wie auf einem der Cover zu sehen, gibt es vier Klone. Einer davon hat MJ entführt, weil er will, dass sie in der Lage ist, sich selbst zu verteidigen. Dazu infiziert er sie mit dem Oz-Virus, welches Osborn in den Green Goblin verwandelt hat und auch für MJ keine schönen Konsequenzen hat. In Osborns alter Firma und seinem Labor findet der Finale Schlagabtausch statt. Alle Parteien treffen dort aufeinander: Die Klone, Nick Fury mit seinen Spider-Slayer-Robotern und der Drahtzieher hinter dem Ganzen: Doc Ock, gesponsert von der Regierung.

Nicht nur Nick Fury ist von den grotesken Experimenten sichtlich sprachlos. Und so überlässt er den Klonen das Feld, sodass diese ihre verdiente Rache nehmen können. Allein diese Szene hat sehr viel Genugtuung in sich, da es das erste Mal in der Geschichte ist, dass Peter die Kontrolle hat und das tun kann, was er will. Doch das sind alles nur die Höhepunkte der Geschichte.

Im Hintergrund spielt sich noch ein bisschen mehr ab. So landet May mit einem Herzinfarkt im Krankenhaus und Kitty überzeugt die X-Men sich auf den Weg nach New York zu machen. Außerdem kommen Peter und MJ wieder zusammen, May weiß endlich über Peters langes Geheimnis bescheid, ohne dass ihr jemand ins Gedächtnis pfuscht. Ach ja, Peters Vater ist ein Klon und stirbt metaphorisch gesprochen in den Händen von Sue Storm. Zudem ist Jessica der letzte überlebende Klon und macht sich auf den Weg, ihr eigenes Leben zu leben, ohne dass ihr jemand etwas vorschreibt.

Wie ihr seht, ist diese überlange Storyline nur so vollgestopft mit Plot, Subplots und Parallelgeschichten. Doch trotzdem gelingt es Bendis immer wieder, die Spannung aufrechtzuerhalten und es nicht zu klischeehaft aussehen zu lassen. Dazu noch die beeindruckenden Zeichnungen von Mark Bagley und die Clone-Saga zählt zu einer der emotionalsten und mitreißendsten Geschichten der Ultimate-Reihe. Unter anderem auch deshalb, weil es so sehr in Peters Leben (Vergangenheit und Gegenwart) verankert ist, wie wahrscheinlich keine Story zuvor. Aber jetzt braucht unser junger Held erstmal Zeit für Urlaub, oder?