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Geek-Planet: Ultimate Spider-Man – Volume 11

Wie jeden Donnerstag sehen wir uns auch heute einen alten Text von mir an. Dieser stammt vom 11. November 2016 und bespricht die 11. Collected Edition von Ultimate Spider-Man. Er erschien damals auf meinem Blog Geek-Planet, den es heute nicht mehr gibt.

Tode von wichtigen oder zentralen Charakteren gut zu inszenieren ist schwierig. Game of Thrones ist dafür bekannt geworden, in den frühen Staffeln und den dazugehörigen Büchern, Charaktere einfach so mal zu töten. Und vielleicht ist das die schockierendste Variante, die man wählen kann. Durchaus einen heroischen Tod, aber einen plötzlichen, unerwarteten, den man nicht vorhersehen kann. Der, in moderneren Erzählungen, quasi im Alltag der Personen passiert.

Gwens Tod im Film The Amazing Spider-Man war fantastisch umgesetzt und ein emotionaler Faustschlag. Hier, im Ultimate Spider-Man Comic, plötzlich und spontan – so wirkt es zumindest. Es ging mir damals schon fast zu schnell. Sie hat erst vor Kurzem von Peters Geheimnis erfahren und hätte zu einer tollen Kameradin und Unterstützerin werden können. Aber auch das zeugt von einem guten Charakter und einer guten Geschichte – wenn man sich fragt: „Was wäre, wenn …“


Seit ich die Liste der Story-Arcs von Ultimate Spider-Man überflogen habe, freue ich mich auf die von Carnage. Er und Venom gehören zu den wohl zu den ikonischsten Spider-Man-Gegnern, neben Doc Ock und Vulture. Welche Interpretation des Charakters hat Brian Michael Bendis für uns vorbereitet?

  • Ausgaben: #60 bis #65
  • Erscheinungsdatum: August bis November 2004
  • Autor: Brian Michael Bendis
  • Künstler: Mark Bagley
  • Inks: Art Thibert
  • Colors: Transparency Digital
  • Letters: Chris Eliopoulus

„You mixed my genetically altered DNA with your genetically altered DNA using my father’s stolen work. To see what would happen. This is the most disgusting thing I could ever imagine …“ – Peter Parker

Es ist eine traurige Woche. Gerade erst habe ich das 9. und 10. Buch von The Walking Dead beendet und die darin vorkommenden Tode verarbeitet. Da kommt mir nichts, dir nichts, die Carnage Story-Arc um die Ecke und beschließt einen der besten Protagonisten zu töten, von der ich mir noch viel versprochen hatte. Aber dazu später mehr.

Was mich an dieser Reihe immer wieder begeistert, ist, wie viel Zeit Bendis der Geschichte gibt, sich zu entfalten. Es werden nicht einfach so Gegner und Ideen eingeworfen, sondern er investiert zwei Ausgaben darauf, die Grundlagen für die Entstehung von Carnage zu legen. Das Einzige, was mich etwas überrascht hat, ist, dass Peter sich bei Verletzungen plötzlich an Doctor Connors wendet. Diesen hat er in den letzten drei bis vier Geschichten nicht ein einziges Mal erwähnt. Aber darüber kann man hinwegsehen.

Jedenfalls fängt sich Peter eine Erkältung ein, wodurch er etwas geschwächt ist und sich so gegen einen Riesen durchsetzen muss, der ein Museum in Angst und Schrecken versetzt. Knapp gelingt es ihm, dieses Monster von einem Mann zu überwältigen, wird allerdings verletzt. Er schwingt sich, bevor er endgültig zusammenbricht, noch in das Labor von Connors und lässt sich dort von ihm wieder zusammenflicken. Die beiden haben eine tolle Chemie miteinander und ich hätte es willkommen geheißen, hätte ihn Bendis das ein oder andere Mal erwähnt. Er hätte zu einer Art Vertrauten für Peter werden können, indem er gelegentlich bei ihm vorbei schwingt. So hätte diese Beziehung noch mehr Gewicht.

Wenn man eine Lektion aus dieser Geschichte lernen kann, dann dass man niemals sein Blut einfach so irgendwo „herumliegen“ lassen sollte. Besonders wenn man in die Verlegenheit kommt, Fähigkeiten durch eine genetische Veränderung zu entwickeln. Vor allem sollte man sein Blut nicht bei einem Genie in Bezug auf Genetik, wie es Connors einer ist, liegen lassen. Denn dieser entdeckt Großes in Peters Blut und fängt, metaphorisch gesprochen, schon einmal an, seine Dankesrede für den Nobelpreis zu schreiben. Er holt sich zwar die Erlaubnis von Peter, an seinem Blut forschen zu dürfen, doch wie das oben genannte Zitat zeigt, geht er sehr unklug dabei vor.

Eines stört mich hier gewaltig: Connors ist ein Wissenschaftler; er hat, gelinde gesagt, schlechte Erfahrungen damit gemacht, einfach so mit mutierter DNA herumzupfuschen. Wieso geht er dann nicht in kleinen Schritten vor? Stattdessen wirft er alles, was sein Labor hergibt, in einen Topf und lässt sich überraschen, was dabei herauskommen mag. Natürlich entsteht nichts Gutes daraus und dieses Etwas, was hier heranwächst, ist natürlich Carnage.

Dieses Wesen saugt Blut und was weiß ich nicht alles aus den Menschen, denen seine eigene DNA am nächsten kommt, aus, um zu überleben. Aus einem unbekannten Grund hat es auch vage Erinnerungen von Peter übernommen, was es zu dessen Haus führt. Leider findet er dort nicht ihn vor, sondern seine Mitbewohnerin: Gwen Stacy.

Am liebsten hätte ich zu diesem Zeitpunkt den Comic und Bendis angeschrien. Wie kann man Gwen Stacy nur so sterben lassen? Ich war fassungslos. Einfach so. Weg. Da ist man dann sehr dankbar um Peters Reaktion, der Connors sämtliche Vorwürfe macht und am liebsten ordentlich verprügeln würde.

Hier macht der Autor einen interessanten Schritt, der in diesem Zusammenhang reibungslos funktioniert. Denn wir erleben den finalen Kampf zwischen Peter und Carnage gewissermaßen nicht live, sondern Peter erzählt Connors später, wie er es getan hat. Das Schreckliche an diesem Bild ist, dass er dabei nicht sein Kostüm anhat, sondern nur seine Pyjamahosen. Er ist verschwitzt, dreckig und sowohl traurig als auch immens wütend. Der Kampf an sich, so gut er auch visuell dargestellt ist, fällt leider etwas kurz aus und auch wenn wir weiterhin nicht das Letzte von Carnage gesehen haben, hätte ich mir etwas mehr erwartet. Allerdings muss man zugeben, dass es in dieser Geschichte primär nicht um die beiden geht, sondern um die ethische Verantwortung, die Connors in dieser Situation hatte und natürlich die Freundschaft zwischen Gwen, Peter und MJ.

Eine sehr bewegende und tiefsinnige Geschichte, die Peter daran zweifeln lässt, ob er als Spider-Man überhaupt einen Unterschied macht. Dies wird im Epilog der Geschichte noch einmal wunderbar aufgegriffen. Er befindet sich zufällig auf einem Dach eines Gebäudes und in der Zwischenstraße darunter wird gerade eine Frau überfallen. Peter kann gar nicht anders als zu helfen. Selbst wenn er noch so stark versucht, diesen Drang zu unterdrücken, es geht nicht. Menschen in Not beizustehen und zu unterstützen, ist tief in seiner DNA verankert.

Peter Parker ist Spider-Man. Daran kann nichts und niemand etwas ändern. Und statt sich durch den Verlust von Gwen schwächen zu lassen, wird er einen Weg finden, diesen Vorfall zu nutzen, um dafür zu sorgen, dass sich dies nicht wiederholt. Ähnlich wie beim Tod seines Onkels Ben. Aber Gwen wird in der folgenden Geschichte sicherlich fehlen. Schade, dass sie so früh gehen musste.

Geek-Planet: Ultimate Spider-Man – Volume 10

In der heutigen Ausgabe von Geek-Planet sehen wir uns die 10. Collected Edition von Ultimate Spider-Man an. Der Text ist ursprünglich am 28. Oktober 2016 auf meinem ehemaligen Blog erschienen, den es heute nicht mehr gibt.

Beim erneuten Lesen und Redigieren des Textes ist mir aufgefallen, dass es sich eher um eine Zusammenfassung des Inhalts handelt, als um eine Rezension. Ich bewerte das Gesehene nur zum Teil. Es ist mir aus heutiger Sicht zu wenig. Besonders den Teil mit der Folter und dem Flug überspringe ich zügig. Vielleicht auch deshalb, weil es eine äußerst unangenehme Szene ist und ich so etwas eigentlich nicht mag, in meinen Spider-Man-Geschichten. Doch besonders modernere Autoren (ich verwende hier bewusst die männliche Form) scheinen ihren Gefallen daran zu haben, den Charakter leiden zu sehen.

Am sauersten ist mir das bei dem Run von Nick Spencer aufgestoßen, der vor ein paar Jahren endete. Am Anfang machte der Comic noch richtig Spaß, fühlte sich frisch und voller Energie an. Doch dann hat er sich in seiner Haupterzählung, wenn man so will, verloren. Am schlimmsten war es, wo Spider-Man mehrere Male qualvoll getötet wurde, nur um dazwischen reanimiert und gefoltert zu werden. Von mir aus kann man das alle paar Jahrzehnte mal machen, aber dann sollte der nächste Story-Arc doch bitte mit den Konsequenzen davon umgehen und Peters Trauma aufarbeiten. Vielleicht ist das zu viel verlangt von einem Superhelden-Comic, aber wenn man schon die tiefsten Tiefen herbeischreibt, dann muss man die Geschichte auch zu Ende bringen (die erwähnten Konsequenzen) und nicht einfach abbrechen und »Ende« auf die letzte Seite schreiben.

Immerhin sollen diese Geschichten am Ende des Tages inspirieren. Und was ist inspirierender als ein gefallener Held, der seinen Dämonen ins Gesicht spuckt und sich wieder aufrichtet? Nur muss man das eben auch zeigen, erzählen und den Leser*innen vermitteln. Qualen nur wegen der Qualen zu erzählen ist sinnlos und einfach nur monströs, da kann man sich genauso gut Saw anschauen.


Die Hollywood-Storyline ist sowohl tragisch als auch eine große Werbung für den ersten Spider-Man-Film mit Tobey Maguire in der Hauptrolle. Als Gegner darf Otto Octavius wieder zeigen, was er drauf hat. Es ist gerade etwas viel Otto, da ich parallel die Superior Spider-Man-Reihe genauer unter die Lupe nehme. Aber solange die Qualität der Comics so weitergeht, habe ich nichts dagegen.

  • Ausgaben: #54 bis #59
  • Erscheinungsdatum: Mai bis Juli 2004
  • Autor: Brian Michael Bendis
  • Künstler: Mark Bagley
  • Inks: Art Thibert
  • Colors: Transparency Digital
  • Letters: Chris Eliopoulus

„Please believe me, I’ll tell you everything but believe me – – I did not kill your father.“ – Peter Parker

Gwen und Peter sind allein zu Hause, da sich Tante May etwas Urlaub gönnt, also der perfekte Zeitpunkt, dass einiges schiefgeht. Zum einen haben wir den titelgebenden Film. In der Schule ist dieser natürlich Thema Nummer Eins, was nicht unbedingt auf Gegenliebe bei Peter stößt, da sie seine Geschichte nicht sehr wahrheitsgemäß wiedergeben. Es ist ziemlich witzig, dass die gleichen Namen auftauchen, die auch tatsächlich beim Spider-Man-Film mitgewirkt haben. Von Avi Arad, über Sam Raimi, hin zu Tobey Maguire. Schöne Easter Eggs. Kong, ein Mitschüler von Peter, bewirbt sich schließlich auch noch für eine Statistenrolle und wird überraschenderweise gecastet, womit das Thema endgültig in den täglichen Gesprächen eingemeißelt ist.

Am meisten schockiert hat mich Gwens Reaktion. Sie steht kurz vor einem Nervenzusammenbruch, weil sie nicht glauben kann, dass es einen Film über den Mörder ihres Vaters geben soll. Unterbewusst weiß sie zwar, dass es nur ein Typ in einem Spider-Man-Kostüm war und nicht der echte, aber im Moment spielt dies keine Rolle. Sie will nur jemanden in einem Kostüm leiden sehen, ihn sogar töten. Dazu hat sie später sogar die Möglichkeit. Während Peter mit Octavius beschäftigt ist, schnüffelt sie in seinen Sachen herum und findet eines seiner Kostüme. Dies führt zu einer Konfrontation, die es in sich hat. Sie richtet eine Waffe auf ihn.

Besonders in dieser Szene erkennt man wieder die Talente von Bendis und Bagley. Peter redet auf sie ein, während er sie überrumpelt und ihr den Mund zuhält. Denn zufällig kommt zur selben Zeit Tante May nach Hause. Die Gesichtsausdrücke der beiden sind fantastisch umgesetzt. Peters verzweifelter Blick, dass Gwen ihm doch bitte glauben mag und ihr trauriger, nicht minder verzweifelte Miene. Die Auflösung dieses Konflikts folgt wenig später in der Geschichte und ist äußerst überraschend. Gwen ist dankbar für das, was Peter und May für sie getan haben und akzeptiert nicht nur die Tatsache, dass er Spider-Man ist, sondern schwört sogar, das Geheimnis mit ins Grab zu nehmen.

Die drei (Peter, MJ und Gwen) in einem Raum zu sehen und über die Spider-Man-Sache diskutieren und lachen zu sehen, ist eine der schönsten Szenen der Story-Arc. Sie sind Freunde, die sich nicht nur ein großes Geheimnis teilen, sondern auch auf der gleichen Seite stehen. An einem Strang ziehen. Und dass MJs Mutter ihren tyrannischen Vater endlich rausgeworfen hat, ist die Kirsche auf der Sahne.

Der Kampf zwischen Octavius und Peter ist sehr cool gestaltet und führt gefühlt durch die halbe Stadt. Jedes Mal, wenn Peter von einem seiner Metallarme getroffen wird, zucke ich zusammen, weil es so schmerzhaft und endgültig aussieht. Er teilt zwar auch gut aus, wird aber schließlich K. O. geschlagen. Daraufhin findet er sich in einem Flugzeug wieder, wo er von Otto gefoltert wird. So talentiert die beiden Künstler der Reihe mit emotionalen Szenen sind, so geschickt sind sie auch mit solch grausamen Abschnitten. Am liebsten würde man den Comic anschreien, er soll aufhören, aber es hilft nichts – da muss man durch. Schließlich landen sie in Brasilien und Peter gewinnt doch noch die Oberhand. Doch wie soll er jetzt bloß nach Hause kommen? Was das anbelangt, wird er ziemlich kreativ.

Die letzte Szene von „Hollywood“ ist eine echte Befreiung, da sie zeigt, wie Nick Fury, vor den Augen von Octavius, dessen Arme in ein flüssiges, heißes Metallbad wirft und diese somit endgültig vernichtet. Ob sich Otto davon erholt?

Geek-Planet: Ultimate Spider-Man – Volume 8

Heute schauen wir uns gleich zwei Texte an. Auf meinem ehemaligen Blog Geek-Planet habe ich damals die achte Collected Edition von Ultimate Spider-Man in zwei getrennten Texten diskutiert. Ich dachte mir wohl, dass der Inhalt es hergeben würde und die 50. Jubiläumsausgabe die beiden kürzeren, doch irgendwie zusammenhängenden Handlungsstränge »Cats« und »Kings« trennt. Heute würde ich das wahrscheinlich nicht mehr so machen. Vor allem der zweiwöchige Abstand hat mich sehr überrascht. Auf zwei Tage kann man das gerne aufteilen (das habe ich mit Büchern an dieser Stelle bereits gemacht), doch zwei Wochen sind eindeutig zu viel.

Die beiden Texte erschienen damals am 30. September und 14. Oktober 2016.


Alle hassen Spider-Man. J. Jonah Jameson lässt sich zu sehr von seinen Gefühlen leiten. Peter Parker legt sich mit einer Lehrerin an. Dies alles und mehr können wir in »Volume 8 – Cats & Kings« erleben. Es geschieht äußerst viel in dieser Collected Edition, deshalb teile ich das Review in zwei Hälften – den zweiten Teil gibt es in zwei Wochen.

  • Ausgaben: #47 bis #53
  • Erscheinungsdatum: November bis April 2004
  • Autor: Brian Michael Bendis
  • Zeichner: Mark Bagley, Art Thibert
  • Colorist: Transparency Digital
  • Letterer: Chris Eliopoulus

“The guy murdered someone on videotape and now he’s all like walking around free … and when I ask about it, when I just ask someone about it, everyone just basically tells me to shut up…” – Peter Parker

Die ersten drei Ausgaben dieses Handlungsbogens konzentrieren sich auf die Frage, wie es sein kann, dass so viel offensichtlich Falsches in der Stadt vor sich geht und doch jeder wegschauen kann.

Natürlich geht es um Wilson Fisk. Vor vielen Monden wurde ein Video von ihm veröffentlicht, indem eindeutig gezeigt wird, dass er jemanden umgebracht hat. Allerdings hat dieser Mann so viel Einfluß und Macht, dass er nicht nur den Richter „überzeugt“ hat, diesen Beweis nicht zuzulassen; er darf auch wieder nach Amerika kommen, nachdem er nach dem Vorfall ins Exil musste.

Was mir an der ganzen Sache sauer aufstößt, ist nicht die Öffentlichkeit, die einfach darüber hinwegsieht. Es ist diese Selbstverständlichkeit, mit der alles unhinterfragt hingenommen wird. Sobald der Bugle schreibt, dass es sich bei Spider-Man um den Teufel persönlich handelt, steigen sie auf die Barrikaden. Gleichzeitig akzeptieren sie, wie mit Fisk aka The Kingpin verfahren wird. Statt offensichtlich falsches blind zu glauben, sollte man in solch einem Fall etwas dem Instinkt vertrauen. Immerhin rettet der Junge in blau-roten Pyjamas alle Tage Menschen in Not. Also kann er so böse doch nicht sein, außerdem wurde er von der Schuld des angeblichen Mordes befreit. Umso ärgerlicher ist es, als Peter in der Schule seine Lehrerin danach fragt, wie es recht sein kann, dass Fisk frei herumläuft und bekommt dafür eine Suspendierung vor die Nase geknallt.

J. Jonah Jameson dient in dieser Geschichte und eigentlich überhaupt in den Spider-Man-Comics, wenn ich es mir recht überlege, als eine Art Stellvertreter für die genannte öffentliche Meinung. Immerhin ist er es, der die Jagd auf Spider-Man losgetreten hat. Er mag oft ein Idiot sein, doch normalerweise ist er trotzdem in erster Linie Journalist und wenn eine Geschichte wichtig ist, erzählt zu werden, wie eben jene von Fisk, dann ist er Feuer und Flamme dafür. Leider benötigt es aber einige Anläufe, bis ihm seine eigenen Fehler in dieser Sache klar werden. Umso erlösender ist es schließlich, wenn dann endlich der erlösende Moment kommt.

Die Ausgaben 47 bis 49, mögen zwar erst die Hälfte der Story-Arc Cats & Kings sein, doch bereits hier entfaltet sich eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Sie treiben Korruption auf die Spitze und gehen vielleicht über das realistische, besser gesagt glaubhafte, hinaus. Dies erlaubt Brian Michael Bendis allerdings eine fesselnde Geschichte zu erzählen, in der man ständig hofft, alles möge doch bitte gut ausgehen.

So viel wie Peter durchmachen muss, so gern würde man ihn einfach nur in den Arm nehmen und ihn trösten, da er tatsächlich ein paar wirklich schlimme Tage hinter sich bringen muss, bevor es wieder bergauf geht. Manchmal ist es zum Verzweifeln, wenn man zu Menschen nicht durchdringt. Doch genauso erlösend sind die Momente, in denen Peter seinen Gefühlen freien Lauf lässt und auf ein Ziel zu marschiert.

Sei es Fisk-Tower als Spider-Man oder die angesprochene Geschichte mit der Lehrerin. Ich bin sehr gespannt, wie die Geschichte weitergehen wird. Selbst wenn es am Ende eine positive Wendung geben sollte, wird Fisk einen Weg herausfinden. Außerdem kommt als Nächstes die 50. Jubiläumsausgabe der Reihe dran. Mal sehen, was Bendis und Bagley für uns bereithalten.


Im ersten Teil der Geschichte haben wir den Kings-Aspekt betrachtet, der sich mit dem Einfluss und der Macht des Kingpins beschäftigt hat. Es ging darum, wen er alles in der Tasche hat und wie J.J.J. seine Integrität als Journalist wieder entdeckt. Nun wenden wir uns den Katzen zu. Black Cat, darf ihr Debüt in der Ultimate-Reihe feiern.

“Crossed a black cat… Seven years bad luck.” – Felicia

Die 50. Ausgabe konzentriert sich sehr auf Black Cat und ist darauf fokussiert, ihr ein entsprechendes Willkommen in der Reihe zu verschaffen. Dies gelingt außerordentlich gut. Wir begleiten sie auf ihrem Streifzug durch New York und wie sie in ein Bürogebäude einbricht, um etwas zu stehlen. Sie stiehlt ausgerechnet etwas Wertvolles vom Kingpin.

Das Markante an diesen Szenen ist, dass sie fast komplett ohne Dialog auskommen. Lediglich die Wachleute des Wolkenkratzers, wo unsere Diebin einbricht, unterhalten sich. Doch Black Cat sieht man nur dabei zu, wie sie ihrem Handwerk nachgeht. Hier erkennt man, wie wundervoll die Zeichnungen von Mark Bagley zu dieser Welt passen. Sie können komplett für sich stehen. Wir können den Charakter danach schon etwas einschätzen:
Sie macht das nicht zum ersten Mal und ist ein Profi auf diesem Gebiet. Zwar spielt an einer Stelle auch Glück bzw. Zufall eine Rolle, doch ansonsten stehen ihre Fähigkeiten im Zentrum. Kurz darauf begegnet sie das erste Mal der freundlichen Spinne aus der Nachbarschaft. Sie ist schweigsam und redet nur am Ende, wenn es sich nicht mehr vermeiden lässt. Sie kann, was den Kampfstil angeht, mit Peter mithalten und landet den ein oder anderen Schlag. Peter steht mit seinen ständigen Kommentaren und Sprüchen komplett auf der anderen Seite der Skala. Spider-Man ist intuitiv unterwegs, sie versucht ihre Talente zu perfektionieren und trainieren.

Später erkennen wir, warum der Gegenstand so wichtig ist für Wilson Fisk. Trotz der Blamage bzw. der Beschuldigung durch Jamesons letzten Artikel ist er immer noch in New York und wirkt niedergeschlagen. Dies ist der Kingpin, den wir in der Daredevil-Serie auf Netflix gesehen haben. Den introvertierten Bären von einem Mann, der aus Liebe handelt. Seine Frau Vanessa ist krank und die Ärzte wissen nicht, was ihr fehlt. Doch auf der Steinplatte, die Black Cat gestohlen hat, könnte sich die Lösung für das Problem befinden. Scheinbar steckt eine mystische Macht darin. Mal sehen, wann dieser Aspekt wieder aufgegriffen wird und wer ihn dabei unterstützt.

Eine dritte Frau darf ebenfalls ihr Debüt in der Reihe feiern. Neben Felicia Hardy aka Black Cat und Vanessa, sehen wir auch Elektra. Sie jagt im Auftrag vom Kingpin die schwarze Katze. Es entwickelt sich ein interessanter und spannender Kampf zwischen den beiden Damen, bei dem Spider-Man mehr oder weniger hilflos daneben steht.

Da in der ersten Hälfte der Geschichte unser Held im Zentrum stand, ist es jetzt angenehm, dass sich der Fokus etwas verschiebt und auf Felicia und ihre Beziehung zum Kingpin im Vordergrund steht. Die beiden, genauer gesagt ihr Vater, hat eine bewegende Vergangenheit mit dem Verbrecherkönig.

Doch natürlich kommt Peter nicht zu kurz. Er muss sich um MJ kümmern, da ihr Vater sich äußerst danebenbenimmt. Würde mich nicht wundern, wenn er demnächst anfängt, sie und ihre Mutter zu misshandeln, so wie der Charakter von Bendis hier beschrieben wird. Die Aggression, die ihm im Gesicht steht, ist sehr beängstigend – eine tolle Leistung von Bagley. Im Gegensatz dazu steht die Liebe von Peter und MJ (die ebenso gut in Szene gesetzt ist – vor allem die Mimik der beiden sei bei ihrer emotionalen Unterhaltung nochmal besonders erwähnt). Die Gespräche der beiden sind großartig und sie beschließen sogar schon jetzt, irgendwann in Zukunft zu heiraten. Man drückt den beiden wirklich die Daumen und hofft, dass sie heil durch alles durchkommen.

An dieser Stelle möchte ich noch anmerken, dass ich es ausgezeichnet finde, dass nicht künstlich eine Dreiecksbeziehung zwischen Peter, MJ und Gwen angedeutet wird. Gwen lebt zwar seit einigen Ausgaben bei den Parkers, doch sie ist nur eine wunderbare Freundin und nicht mehr. Dies wird sich zwar zeitnah ändern, aber für den Moment genieße ich, wie frei der Comic von Klischees ist – zumindest in diesem Aspekt.

Geek-Planet: Ultimate Spider-Man – Ultimate Six

Die letzten Ultimate Spider-Man-Texte, die ich für meine wöchentliche Kolumne herausgesucht habe, sind stetig kürzer geworden. Doch über das Special der Ultimate Six hatte ich wohl etwas mehr zu sagen. Ich wusste gar nicht mehr genau, wie ich damals über die Geschichte dachte, deshalb war es für mich selbst überraschend, dass ich es doch eher negativ bewertet habe. Allerdings aus nachvollziehbaren Gründen. Die Rezension stammt vom 16. September 2016 und erschien damals auf meinem heute nicht mehr existierenden Blog Geek-Planet.


Die Sinister Six genießen im Spider-Man-Universum beinahe legendären Status. Ursprünglich zusammengesetzt aus Dr. Octopus, Vulture, Electro, Kraven the Hunter, Mysterio, und Sandman, begegnet uns hier eine kleine Abwandlung davon. In einem Cross-over zwischen den damals erschienenen Ultimate-Universe-Comics treffen also die Ultimates (eine alternative Version der Avengers), die Ultimate Six und Spider-Man aufeinander.

  • Ausgaben: #46 & Ultimate Six #1-6
  • Erscheinungsdatum: Nov. 2003 bis Jun. 2004
  • Autor: Brian Michael Bendis
  • Zeichnungen: Joe Quesada & Trevor Hairsine, Danny Miki
  • Colorist: Richard Isanove & Dave Stewart
  • Letters: Chris Eliopoulus

“Mr. President, we have a serious situation with Nick Fury.”

Nachdem die zukünftigen Mitglieder der Ultimate Six alle von Spider-Man besiegt wurden und Nick Fury sie eingesperrt hat, schwören sie auf Rache. Zusammen hoffen sie, dieses Ziel erreichen zu können. Dr. Octopus fungiert weiterhin als der Begründer der Initiative, unterstützt von seinem alten Boss Norman Osborn. Gemeinsam sitzen sie in einem SHIELD Gefängnis mit Kraven the Hunter, Electro und Sandman. Als sechstes Mitglied wollen sie Spider-Man dazu „überreden“, ihnen zu helfen.

Ultimate Spider-Man #46 fungiert als Prolog zum Cross-over »Ultimate Six«. In dieser Ausgabe erleben wir Agent Carter bei einer Vernehmung. Sie muss sich dafür rechtfertigen, was bei der Pressekonferenz von Hammer Industries mit Doctor Octopus passiert ist. Außerdem erfahren wir, dass sie dafür verantwortlich ist, dass Sandman aka Flint Marko auf freiem Fuß ist und Hammer Industries ihn in den Sandman verwandelt hat. Es wird sicher nicht das letzte Experiment sein, welches in den Kellern des Konzerns vergraben liegt.

SHIELD im Einsatz zu sehen ist recht spannend, vor allem wie Carter vorgeht. Ihr liegt etwas an ihren Kollegen, bringt aber auch genügend Arroganz für den Job mit. Während der Vernehmung bricht jedoch ihre Fassade und man bekommt eine verletzbarere Carter zu sehen, was eher selten der Fall ist in diesen Geschichten. Spider-Man spielt in diesem Rückblick nur eine Nebenrolle, bekommt aber witzige Einlagen geliefert und darf den Tag retten, indem er Sandman außer Gefecht setzt, genauer gesagt ablenkt.

Die Mini-Serie Ultimate Six konzentriert sich vorwiegend auf die SHIELD-Einrichtung, wo unsere Antagonisten gefangen sind. Wir begleiten sie in ihren Gruppentherapien und erleben, wie sich langsam die Idee einer gemeinsamen Initiative bildet. Allerdings muss erwähnt werden, wie ärgerlich es rückblickend doch ist, wie mit diesem Menschen umgegangen wird. Die Männer, die in SHIELDs Gefängnis sitzen, haben es sicher verdient, jedoch wird klar von Nick Fury und später von Captain America betont, dass sie in jedem Fall eingesperrt würden. Dies ist darauf zurückzuführen, dass ein Gesetz es untersagt, seinen eigenen Körper durch Mutationen zu verbessern oder umzugestalten.

Die Art und Weise, wie dies in der Reihe betont wird, ist erschreckend, da davon ausgegangen wird, Menschen, die solch ein Prozedere durchmachen, hätten von vornherein illegale und verbrecherische Absichten. Mir widerstreben solche Weltanschauungen zutiefst und es bleibt nicht nachvollziehbar, wo diese Ansichten herkommen. Vor allem deshalb, weil in dieser Welt mit Mutanten, die mit einer genetischen Modifikation geboren wurden, anders umgegangen wird. Wo liegt der Unterschied zwischen den beiden?

Abgesehen davon ist es spannend, die Geschichte zu verfolgen; wie sich die Ultimate Six schließlich begegnen. Es wäre aber sehr viel angenehmer zu verfolgen, wenn Norman Osborn etwas weniger reden würde, denn er hat die Tendenz, große und ausschweifende Monologe zu halten. Er hat auch eine gewisse Entwicklung durchgemacht, seit wir ihm das letzte Mal begegnet sind. Seine mutierte Gestalt hat er zu begrüßen gelernt und weiß damit umzugehen, was ihn gefährlicher macht als je zuvor. Doc Ock offenbart, dass er seine metallenen Arme spüren kann. Er scheint so etwas wie eine mentale Verbindung mit ihnen zu haben. Elektro und Sandman bleiben leider etwas außen vor, genauso wie Kraven, der nicht viel beizusteuern hat.

Insgesamt fehlt in der siebenteiligen Reihe die Action. Es wird viel auf ein paar der Hauptcharaktere eingegangen, aber ihre Fähigkeiten bekommen wir erst am Ende zu sehen. Doch auch da werden sie schnell außer Gefecht gesetzt, und zwar durch Iron-Man, der irgendwie mit ihren genetischen Codes arbeitet.

Spider-Man, dessen Gegner die Ultimate Six eigentlich sein sollen, geht in der Geschichte komplett unter. Wenn er einmal auftaucht, wird er durch SHIELD geführt und darf nicht mehr machen, als den Avengers dabei zuzusehen, wie sie im Feld arbeiten. Außerdem geht er sehr schlaksig mit seiner Identität um, was so gar nicht zu ihm passt. Andauernd läuft er ohne Maske herum und wird mit vollem Namen angesprochen. Dies geht komplett gegen seine eigenen Richtlinien, eine geheime Identität zu bewahren. In anderen Comics läuft Spider-Man oft selbst dann mit Maske herum, wenn ihn alle kennen.

Spannend wird es erst wieder gegen Ende, wenn Spider-Man von Norman dazu manipuliert wird, mit ihnen zu kämpfen. Leider wird dies aber schnell nichtig und er wendet sich gegen seinen früheren Mentor. Anstatt einen coolen Kampf zwischen den beiden auszufechten, taucht allerdings wie aus dem Nichts Harry auf. Normans Sohn passt so gar nicht in die Handlung hinein, da er mit keinem Wort vorher erwähnt wurde. Er fungiert nur als Deus Ex Machina und sonst nichts.

Ultimate Six hätte großes Potenzial gehabt zu zeigen, wie Spider-Man mit der geballten Kraft seiner früheren Gegner zurechtkommt und einen Weg aus der Situation findet. Vor allem deshalb wäre dies spannend gewesen, da dies eine Möglichkeit gewesen wäre zu betonen, dass Spider-Man sich eigentlich ständig zurückhalten muss. Er hat immerhin die proportionalen Kräfte einer Spinne. In den Comics kommt dieser Aspekt häufig zu kurz. Es hätte ein Dilemma für ihn sein können, wie weit er gehen kann oder muss, um die Ultimate Six zu besiegen. Doch die Geschichte wird mit zu vielen Einlagen von SHIELD und den Avengers verbaut. Sie steht sich auf eine Art selbst im Weg. Ich hoffe sehr, dass es auf ein wiederholtes Aufeinandertreffen kommt, welches dann etwas besser abläuft.

Geek-Planet: X-Men – Apocalypse

Ach, die X-Men-Filme. Über 19 Jahre haben uns diese Filme begleitet (von 2000 bis 2019). Vor Marvels erstem MCU-Film haben sie uns gezeigt, wie man nach und nach ein inhärentes Universum aufbauen könnte. Die Qualität war dabei leider nicht immer Priorität. Oft ist man zu sehr von den Geschichten aus den Comics abgewichen oder hat versucht, einen eigenen Spin zu finden. Das muss nicht unbedingt etwas Schlechtes sein (siehe Days of Future Past), ist aber stets eine Herausforderung.

Ich hätte mir gewünscht, dass man sich etwas mehr Mühe bei den Geschichten gibt. Sich näher an den Comics orientiert. In den vergangenen Jahren hat es in den Comics eine neue Ära der X-Men gegeben, die vom Genie Jonathan Hickman eingeleitet wurde: die Krakoa-Ära. Erst dadurch habe ich manche Charaktere von den X-Men so richtig kennengelernt. Wie eben den titelgebenden Charakter des Films: Apocalypse. Der Film wird dem Charakter in keiner Weise gerecht. Leider. Selbst die Geschichte Age of Apocalypse in den Comics sieht komplett anders aus, als der Film es darstellt. Ebenso funktionieren seine Kräfte anders. Sie sind sehr viel mysteriöser, unnahbarer.

Man kann nur hoffen, dass Marvel den X-Men gerechter wird, wenn sie sie ins MCU einführen. Die letzten Einträge ins MCU, seien es Filme oder Serien, lassen allerdings Zweifel aufkommen.

Wie dem auch sei; der folgende Text stammt vom 29. Mai 2016 und erschien damals auf meinem Blog Geek-Planet, den es mittlerweile nicht mehr gibt. Es ist immer wieder ein interessanter Blick in die Vergangenheit. Was ich damals über die Filme, Serien und Comics gedacht und geschrieben habe. Der Film kommt jedenfalls sehr viel besser weg, als ich es eingangs vermutet hätte. Heute würde ich sehr viel kritischer herangehen.


“Everything they’ve built will fall! And from the ashes of their world, we’ll build a better one!” – Apocalypse

Nachdem Days of Future Past das X-Men Universum quasi zurückgesetzt hat und den berühmt-berüchtigten dritten Teil von Brett Ratner ungeschehen macht, warteten viele Fans gespannt auf Brian Singers nächsten Coup. Prominent in der After-Credit-Szene angekündigt, war klar, dass es sich um nichts Geringeres, als den gottgleichen, ersten Mutanten Apocalypse selbst handeln sollte. Die Trailer waren vielversprechend gestaltet, mit fantastischen Effekten, einer tollen Rede und einer globalen Zerstörungswut, die Roland Emmerich stolz machen würden. Doch kann der Film das alles einhalten und dabei noch ein paar neue Charaktere einführen?

Fangen wir am besten bei der Geschichte an. Hier steigen wir ca. zweieinhalbtausend Jahre vor unserer Zeitrechnung ein und erleben hautnah, wie sich Apocalypse (Oscar Isaac) in einen neuen Körper transformieren möchte. Wie lange der Mutant tatsächlich schon auf der Erde wandelt, erfahren wir leider nicht, nur dass er sehr alt ist und die Fähigkeit hat, seinen Geist in einen anderen Körper zu transferieren. Praktischerweise nimmt er dabei sämtliche Mutanten-Fähigkeiten mit. Dies könnte ihn zu einem der gefährlichsten Gegner machen, dem die X-Men je gegenübergestanden sind, denn über die Jahrtausende hat er so einige Kräfte gesammelt. Unter anderem kann er die Fähigkeiten anderer verstärken, aber dazu später mehr. Dass Apocalypse eine Gefahr darstellt, haben auch schon die alten Ägypter erkannt und bei einem imposant dargestellten Putsch schließen sie den Gott unter Trümmern begraben ein, jedenfalls bis er im Jahr 2016 von Anhängern wieder befreit wird. Zurück unter den Lebenden hat er nichts von seinem Eifer verloren. Er erkennt, dass die Welt sich nicht gerade verbessert hat und macht sich auf die Suche nach seinen vier Reitern, um die Erde dem Erdboden gleichzumachen; sie in ein neues Zeitalter zu führen.

Seine vier Reiter der Apokalypse wählt er dabei mit viel Bedacht, denn sie sollen die mächtigsten Mutanten darstellen. Ob er wirklich mit so viel Bedacht vorgeht, sei mal dahingestellt, denn um ehrlich zu sein, bleiben diese zu 50 % sehr ersetzbar. Als Erstes hätten wir eine Ninja-Jedi-Kombination (Olivia Munn), deren Potenzial eher vergeudet wird. Schon besser kommt Angel (Ben Hardy) weg. Dieser wird auf coole Art eingeführt, bevor er ebenfalls in den Hintergrund rückt. Zumindest dürfen wir an ihm erleben, was Apocalypse in anderen Mutanten anstellen kann und wie er ihre Kräfte verstärkt. Die Standardflügel tauscht er durch metallische aus, die messerscharfe Klingen schleudern können. Da er sehr prominent im Trailer dargestellt wurde, habe ich mir etwas mehr von ihm erwartet; außerdem sieht er mit seinen Federn und ohne das Kostüm viel besser aus als seine seltsame transformierte Gestalt. Die Dritte im Bunde ist schon sehr viel interessanter und macht im Laufe des Filmes eine gute Entwicklung durch: Storm (Alexandra Shipp). Sie fängt als kleine Diebin in Ägypten an und wendet sich dann immer weiter den X-Men zu, als sie sieht, was für ein Monster Apocalypse tatsächlich ist.

Der vierte Reiter verdient seinen eigenen Absatz, denn hier handelt es sich um Erik »Magneto« Lensherr (Michael Fassbender). Er hat sich in den vergangenen zehn Jahren eine Familie in Polen aufgebaut und arbeitet in einer Metallfabrik. Natürlich überlebt seine Familie ihre Einführung nicht, was schade ist, da es mal eine nette Abwechslung gewesen wäre. Aber so werden sie gefridget; dienen also nichts weiter als einem story-point und der Motivation von Magneto. Um ihm dann den Rest zu geben und endgültig auf seine Seite zu ziehen, bringt ihn Apocalypse zu der Quelle all seiner Schmerzen: Auschwitz. Was folgt, ist die wohl beste Szene des Filmes. Der Gott zeigt Erik, wie er mit seinen Kräften bis ins Innere des Planeten reichen kann und dessen Magnetfeld beeinflussen kann. Seine Pein und sein Schmerz führen zur Zerstörung der gesamten Umgebung und man sitzt gebannt im Kinosessel und weiß nicht, ob man das, was einem gezeigt wird, cool finden darf. Es ist der emotionale Höhepunkt des Filmes.

Kommen wir nun zu der anderen Seite. Hier haben wir unsere altbekannten Charaktere rund um Xavier (James McAvoy): Mystique (Jennifer Lawrence), McCoy (Nicholas Hoult) und selbst Quicksilver (Evan Peters) gehören zur Stammbesetzung. Sein Auftritt in Days of Future Past war grandios und wohl die beste Sequenz des Filmes und es durfte klar bezweifelt werden, ob es den Machern gelingen würde, dies noch einmal zu wiederholen. Ohne zu übertreiben, kann ich an dieser Stelle versichern, dass sie zumindest eine sehr beeindruckende und andere Sequenz geschaffen haben. Seine Beziehung zu Magneto, er ist sein Sohn, wird kurz angerissen, doch nicht aufgelöst; wieder eine vertane Chance.

Neu bei der Garde ist Nightcrawler aka Kurt Wagner (Kodi Smit-McPhee). Er ist eine der stärksten Figuren im Film. Scott (Tye Sheridan) aka Cyclopse, wird ebenso gekonnt eingeführt wie sein Bruder. Jean Grey (Sophie Turner) darf natürlich auch nicht fehlen. Im Laufe der Geschichte dürfen alle ihre vollen Kräfte freilassen, was immer wieder beeindruckt. Wer leider nur einen Cameo-Auftritt haben darf, ist unser geliebter Hugh Jackmann als Wolverine. Er feiert demnächst in seinem dritten Solo-Film seinen Abschied und es bleibt zu hoffen, dass dieser dem Charakter gerecht wird. Immerhin wird dieser R-rated, was schon ein Schritt in die richtige Richtung ist.

Bei einem Film wie X-Men: Apocalypse darf man wohl erwarten, dass die Effekte entsprechend gut aussehen und bis auf die ein oder andere Szene tun sie dies allemal. Brian Singer und sein Team schaffen es tatsächlich, die unfassbare Macht von einem gottgleichen Mutanten wie Apocalypse greifbar oder zumindest vorstellbar zu machen. Mit einer gelungenen Kombination aus Mythos, der die Unsterblichkeit und Grausamkeit erst erläutert und nachträglichen Taten, die diesen Mythos wahrhaftig machen, bauen sie ihn gut aus. Die tolle Musik trägt ihr übriges zum Blockbuster bei. Das Einzige, was zu kurz kommt, sind ruhigere Szenen zwischen den Charakteren. Der Film hat ein hohes Erzähltempo und unsere Helden jagen von einem Action-Platz zum anderen. Zwar wird deren persönliche Geschichte klar, hier helfen die vergangenen Filme, doch gelegentlich wären weiterführende Unterhaltungen gut gewesen.

Alles in allem bietet der Film eine gute Unterhaltung und wird seinen Erwartungen, die durch die Trailer geweckt wurden, gerecht. Insgesamt würde ich ihm den dritten Platz von den drei First-Class Filmen zugestehen. Es bleibt zu hoffen, dass die folgenden Filme weiterhin auf der Qualität aufbauen können, selbst wenn der Verbleib von Brian Singer noch nicht sicher ist. Leider ist auch die Zukunft des Hauptcasts rund um Jennifer unsicher, denn deren Verträge scheinen abzulaufen. Beruhigen darf aber immerhin die Tatsache, dass sie gemeinsam eine Art Pakt geschlossen haben: Entweder werden alle vier Verträge verlängert oder keiner.

Geek-Planet: Ultimate Spider-Man – Volume 7

Wieder ist eine Woche vergangen und wir werfen einen Blick auf einen alten Text von mir. Der folgende ist am 02. September 2016 auf meinem ehemaligen Blog Geek-Planet erschienen.


Mein letztes Review zu einer Ultimate Spider-Man-Geschichte ist schon fast zwei Jahre alt und eigentlich habe ich den Blog gestartet, um eben jene Comics zu kommentieren. Nun geht es also weiter mit den nächsten sechs Ausgaben. Diese konzentrieren sich überraschenderweise sehr auf das Privatleben von Peter Parker. Einen expliziten Super-Bösewicht sucht man vergebens.

  • Ausgaben: #40 bis #45
  • Erscheinungsdatum: Juli bis November 2003
  • Autor: Brian Michael Bendis
  • Zeichner: Mark Bagley
  • Inker: Art Thibert
  • Colorist: Transparency Digital
  • Letterer: Chris Eliopoulus

“Another rule of life should be that teenage super heroes on a very fixed income should make a point of holding onto their costumes during elaborate fight sequences.” – Peter Parker

Irresponsible ist die etwas andere Spider-Man-Geschichte. In seinem letzten Kampf hat Peter sein Kostüm verloren. Dies zieht sich durch alle Ausgaben hindurch, wie ein running Gag. Brian Michael Bendis versteht es, die Tatsache immer im richtigen Moment zur Sprache zu bringen, sodass es sich nicht abnützt. Nebenbei muss sich Peter noch mit MJ auseinandersetzen. Die beiden hatten miteinander Schluss gemacht und müssen jetzt einen Weg finden, gut zu koexistieren. Natürlich darf auch Peter Parkers alter Ego Spider-Man nicht zu kurz kommen. In einer benachbarten Schule treibt ein neuer Mutant sein Unwesen und Tante May kommt dem Geheimnis ihres Neffen gefährlich nahe.

Vollgepackt geht es also weiter mit den Abenteuern unseres liebsten Helden. Da die Action nun etwas kürzer kommt, konzentriert sich vieles, was geschieht, auf kleine Momente, die gefüllt sind mit herausragenden Dialogen. So zum Beispiel in den schüchternen Unterhaltungen zwischen MJ und Peter, die sich nach einem Streit doch wieder näher kommen. Es ist schön den beiden zuzusehen, wie sie ihre Probleme aus den letzten Geschichten ausräumen können. MJ hat sogar angefangen, ein neues Kostüm für Peter zu machen. Nur die Größe kann sie noch nicht so ganz einschätzen.

Apropos. Die lustigsten Szenen sind diejenigen, in denen Peter versucht, sich irgendwoher die Stoffe und Dinge zu besorgen, aus denen er dann sein Kostüm herstellen kann. Ich frage mich, wie er sein erstes Kostüm gemacht hat und warum er das nicht einfach wiederholt. Aber gut, dass er es nicht macht, ansonsten hätten wir keine improvisierten Kleidungsstücke zu Gesicht bekommen, mit denen man sogar bei einer Comic Con ausgelacht würde.

Als kleiner Gegner tritt Geldoff auf, der mit seinen Gedanken Dinge explodieren lassen kann. Doch er hat keine bösen Absichten, sondern ist lediglich verwirrt und muss geleitet werden. Genau dies versucht Peter und scheitert bravourös. Seine Versuche sind aber sehr ehrenwert und von ehrlicher Natur. Da es sich bei Geldoff aber um so etwas wie einen Mutanten handelt, kommt ihm eine gewisse Gruppe zu Hilfe. Doch die Begegnung mit Prof. Xavier läuft nicht ganz so wie erhofft und Peter muss erneut lernen, dass man seine Idole besser nicht kennenlernen sollte – man wird nur enttäuscht. Ultimate Spider-Man weiß erneut voll und ganz zu überzeugen. Dialoge, die sich nicht nur glaubhaft und natürlich anfühlen, sondern den Charakteren mehr Tiefe verleihen, machen Freude beim Lesen und gehören ganz klar zu den großen Stärken eines Brian Michael Bendis. Natürlich dürfen auch die fantastischen Zeichnungen von Mark Bagley nicht unerwähnt bleiben. Die Mimik und Gestik sind einfach schön anzusehen und die Farben machen ihr übriges, um eine bunte Welt rund um Spider-Man zu kreieren.

Geek-Planet: Ultimate Spider-Man – Volume 6

Wie jeden Donnerstag werfen wir heute erneut einen Blick in die Vergangenheit, auf einen alten Text von mir. Der folgende, zur sechsten Collected Edition von Ultimate Spider-Man, erschien am 30. Dezember 2014 auf meinem damaligen Blog Geek-Planet. Da es diesen nicht mehr gibt, ich allerdings meine Texte an einem Ort versammelt haben möchte, gibt es regelmäßig redigierte Versionen dieser alten Texte nun auch hier zu lesen.

Redigiert deswegen, weil sich damals durchaus ein paar Fehler eingeschlichen haben. Manche Formulierungen sagen mir heute nicht mehr zu oder sind unnötig kompliziert. Ich neige gerne zu längeren Sätzen, da kann man sich im Eifer des Gefechts etwas verhaspeln. Peinlich wird es vor allem dann, wenn Namen falsch geschrieben sind. Was bei folgendem Text zum Glück nicht der Fall war.


Endlich gibt es das lang ersehnte Aufeinandertreffen der beiden Erzfeinde: Venom und Spider-Man. Sie begegnen sich in dieser Ausgabe das erste Mal und wer bisher nur die Ursprungsgeschichte des schwarzen Aliens kennt, die in einem nicht allzu guten Film erzählt wurde, wird hier auf eine Überraschung stoßen. Brian Michael Bendis hat sich für ihn nämlich etwas Besonderes einfallen lassen.

“Just because you’re Spider-Man doesn’t mean you have to be Spider-Man every single second of every single day.” – Nick Fury

Bei der letzten Geschichte war das Grundthema die öffentliche Wahrnehmung von Spider-Man und wie er damit umgeht – auch wenn er noch keine Lösung gefunden hat. Dieser Ausgabe würde ich das Thema Freundschaft zuordnen. Peter findet im Keller seiner Tante einen kleinen, abgegrenzten Raum und dort hat sie all die Jahre die Sachen seiner Eltern aufbewahrt, bis er einmal alt genug sein würde, um sie zu übernehmen. Dies hat mich sehr an die neuen Filme mit Andrew Garfield erinnert und ich bin gespannt, was in den Comics noch von seinen Eltern auftauchen wird.

Es ist eine bewegende Szene, wie Peter und seine Tante ein altes Video ansehen, auf dem die ganze Familie zu sehen ist. Mark Bagley gelingt es herrlich, die jüngeren Versionen der Charaktere darzustellen, auch wenn man mit den unbekannten Gesichtern etwas durcheinander kommen kann. Dieses Video nimmt Peter zum Anlass, seinen ehemaligen besten Freund Eddie Brock zu Besuchen und die Dinge nehmen ihren Lauf.

Der Autor Brain Michael Bendis lässt sich mit dem Aufbau seiner Geschichten viel Zeit. Damit bekommt man als Leser*in genug Zeit, sich mit den neuen Charakteren auseinanderzusetzen – sie besser einzuschätzen und ihre Motive zu verstehen. Die Idee, dass der Symbiont Venom eigentlich von Peters und Eddies Vätern geschaffen wurde, um Krebs zu heilen und hier nur „the suit“ genannt wird, finde ich spannend. Natürlich kommt zuerst Peter in die Verlegenheit, den Anzug ausprobieren zu dürfen. Diese intensiven, kurzen Szenen strotzen nur so von der Aggressiven und frontalen Konfrontationshaltung, die der Anzug einem verleiht.

Als schließlich die beiden späteren Erzfeinde aufeinandertreffen, wirkt Venom dynamisch und seine Auswüchse scheinen geradezu zu pulsierend und selbstständig zu agieren. Eine tolle Darstellung des Künstler Bagley.

Die einzelnen Ausgaben der Geschichte beinhalten erneut viele Monologe, die von unterschiedlichsten Personen gehalten werden und sind entweder bewegend oder regen zum Nachdenken an. Bendis versteht es ausgezeichnet, solche Texte zu schreiben und ich freue mich immer wieder darauf. Etwas überraschend ist allerdings, wie viele Menschen mittlerweile über Peters Geheimnis bescheid wissen. Darunter sind nicht nur Nick Fury und Mary Jane, sondern ebenso Eddie Brock und Curt Conners. Es bleibt in jedem Fall spannend und die letzte Szene deutet eine ungewöhnliche Freundschaft an, die in den nächsten Abenteuern eine größere Rolle spielen könnte.

Geek-Planet: Ultimate Spider-Man – Volume 5

Heute schauen wir uns in Geek-Planet eine Rezension vom 23. Dezember 2014 an. Diese erschien damals auf meinem gleichnamigen Blog. Die Texte sollen hier, auf meiner neuen Webseite, ebenfalls abgebildet werden, daher kommt jeden Donnerstag ein neuer dazu. Dieses Mal geht es um die fünfte Collected Edition von Ultimate Spider-Man. Diese umfasst die Ausgaben 28 bis 32, nur der Vollständigkeit halber, weil ich es damals versäumt habe, im Text zu erwähnen.

Es ist erneut eine sehr kurze Rezension, fasst den Inhalt allerdings gut zusammen und macht Lust darauf, den Comic zu lesen. Immerhin ist es nicht nur 10 Jahre her, seit ich den Text geschrieben habe, sondern auch den entsprechenden Comic dazu. Mein vergangenes Ich macht mir also durchaus Appetit auf die Geschichte. Es muss nicht immer alles zu Tode diskutiert und analysiert werden. Manchmal kann eine gute Geschichte einfach nur für sich stehen.


Wie der Titel Public Scrutiny der fünften Ausgabe von Ultimate Spider-Man verrät, muss sich unser Held dieses Mal der »öffentlichen Kontrolle« unterziehen. Doch nicht nur das macht Peter das Leben schwer, auch die Beziehung zu Mary Jane wird auf eine harte Probe gestellt.

“Congratulations whoever you are, you knocked the wind right out of me. Doc Ock, the Kingpin, the Green Goblin and nothing sucked the life right out of me like you did.” – Peter Parker

Nach den großen Bösewichten, mit denen er in letzter Zeit zu tun hatte, muss Peter dieses Mal zusehen, wie sein Ruf von einem Doppelgänger vernichtet wird. Um das zu bewerkstelligen, überfällt dieser unter anderem Banken und Geldtransporter. Brian Michael Bandis (Autor) und Mark Bagley (Zeichner) schaffen es wunderbar, die Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit, die Peter der Situation gegenüber empfindet, greifbar zu machen. Er fühlt sich schlicht mit der Aufgabe überfordert und weiß nicht so recht, wie er damit umgehen soll. Zu allem Überfluss wird er auch noch angeschossen und muss sich als anonymer Patient in einem Krankenhaus behandeln lassen.

Auch die Darstellung der Öffentlichkeit, hauptsächlich in Form von Polizisten, aber auch ein paar Passanten, finde ich gut getroffen. Sie wissen ebenfalls nicht, wie sie mit einem kriminell gewordenen Spider-Man umgehen sollen, was meist in aggressiver Lösungsfindung endet. Das heißt, man schießt erst einmal darauf und sieht dann, was passiert. Auch für J. Jonah Jameson ist es natürlich ein gefundenes Fressen und er stürzt sich gleich in die Story. Auf der Rückseite der Collected Edition ist dies wunderbar mit dem Satz „Guilty until proven innocent“ zusammengefasst.

Peter kämpft ständig darum, eine gut funktionierende Formel zu finden, um sein Privatleben und sein Superhelden-Dasein unter einen Hut zu bringen. So richtig mag ihm das allerdings nicht gelingen. Als er sich dann angeschossen in einer Mülltonne versteckt, ruft er verzweifelt Mary Jane um Hilfe an und haucht nur „help me“ in das Telefon. Später ist es dann ausgerechnet eine S.H.I.E.L.D.-Agentin, die ihn wieder halbwegs aufbaut.

Etwas schade finde ich, dass die tatsächlichen Beweggründe des Doppelgängers etwas im Dunkeln bleiben, außer er war wirklich nur an Geld interessiert und hatte keine höheren Motive wie die vorherigen Gegner. Man kann es aber durchaus als eine willkommene Abwechslung interpretieren.

Geek-Planet: Ultimate Spider-Man – Volume 4

In der heutigen Ausgabe von Geek-Planet sehen wir uns meine alte Rezension zur vierten Collected Edition von Ultimate Spider-Man an. Der Text erschien am 07. September 2014 auf meinem gleichnamigen Blog, den es heute nicht mehr gibt. Aber die Texte sollen ja nicht verloren sein, daher gibt es jeden Donnerstag einen Text aus der alten Zeit – ganz nach dem Motto: Throwback Thursday.

Ich bin immer wieder überrascht, wie kurz ich mich damals gefasst habe, als es um Rezensionen der Spider-Man-Comics ging. Es ist nicht unbedingt etwas Schlechtes. Kurz und knapp habe ich die positiven und negativen Aspekte der Geschichte zusammengefasst. Wobei ich manchmal etwas zu viel Vorwissen vorausgesetzt habe. Allerdings widmet sich ein Blog, in dem es (fast) ausschließlich um Comics geht, auch an ein sehr spezifisches Publikum. Es ist ein schmaler Grat und nicht immer habe ich ihn zu wandern gewusst. Aber das dürften die geneigten Leser*innen bewerten.


Spider-Man ist zurück! Zumindest an dieser Stelle. Nachdem mich ein gewisser Onlinehändler immer wieder mit späteren Versanddaten gehänselt hat, habe ich die Ausgabe nun anderswo bestellt. Am Freitag hielt ich Volume 4 schlussendlich in Händen und konnte kaum erwarten, anzufangen zu lesen. Immerhin sieht das Cover-Bild fantastisch aus und macht Lust auf den nächsten Showdown zwischen dem jungen Parker und dem grünen Goblin.

“What´s going on is– I own you!” – Norman Osborn

Die Geschichte trägt den passenden Titel Legacy. Man spürt wahrlich die psychopathischen und größenwahnsinnigen Triebe, von denen Norman Osborn gesteuert wird. Dabei beginnt alles so friedlich und Brian Michael Bendis, der Autor, fängt damit an, die Geschichte langsam einzuleiten und dann immer weiterzutreiben, bis der Siedepunkt erreicht ist. Es sind nicht nur die Dialoge, die stillen Momente oder die Drohungen und Ratschläge, die ausgesprochen werden; in Verbindung mit den fantastischen Zeichnungen von Mark Bagley ist es wieder eine herausragende Geschichte geworden, die ich nur wärmstens empfehlen kann.

Auffällig ist, dass es in Akt 1 der Geschichte, in der neue Charaktere eingeführt werden bzw. alte zurückkehren, bei jedem Kapitel einen großen Monolog gibt. Diese passen einfach wunderbar. Der Erste zum Beispiel ist ein innerer Monolog von Peter, während er von der Schule aus zurück nach Hause springt und schwingt. Es geht dabei um die Sorgen und Ängste, die ihn beschäftigen, da Harry und sein Vater wieder zurück in der Stadt sind.

Der zweite Monolog ist eines der Höhepunkte. Peter wurde zu den Osborns eingeladen und Norman möchte allein mit ihm in seinem Büro sprechen. Wenn man die Vergangenheit der beiden betrachtet, ist das nicht gerade ein sehr reizvoller Gedanke. Von der Szene in dem Büro kann ich einfach nur schwärmen. Das Setting in dem dunklen, kalten Raum, die Mimik und Gestik der beiden während des Gesprächs; alles erzeugt eine unfassbare Spannung und dichte Atmosphäre.

Zu guter Letzt darf Nick Fury seine Rede halten. Ja, ganz recht, der Colonel höchst persönlich besucht Parker in der Schule und hält einen nicht gerade aufbauenden Monolog. Hier werden die typischen Klischees ausgesprochen, die in keiner Geheimagentenszene fehlen dürfen: „I am not here.“, „…we technically don´t know that.“, und so weiter. Aber Bendis versteht es, die Szene am Ende mit einem kleinen lustigen Spruch aufzuheitern, aber trotzdem merkt man beim Lesen, wie der kleine Held tiefer in den Abgrund rutscht und alles um ihn herum gegen ihn zu stehen scheint.

Nachdem alle Charaktere entsprechend eingeführt wurden, kann die Geschichte dann so richtig losgehen und am Ende steht natürlich ein spektakulärer Kampf zwischen einem grünen Monster und der kleinen Spinne an. Über den Dächern der Stadt, natürlich.

Als Fazit kann ich nur sagen, dass es nach so langer Pause gutgetan hat, wieder einen Ultimate Spider-Man Comic zu lesen. Er hat sehr viel Spaß gemacht und das Universum wird Stück für Stück weiter ausgebaut und den Protagonisten, als auch den Antagonisten werden mehr Tiefe zugestanden, womit man sich noch leichter darin verlieren und mitfühlen kann.

Geek-Planet: Ultimate Spider-Man – Volume 3

Blicken wir zurück auf den 13.07.2014. Da erschien die folgende Rezension auf meinem damaligen Blog »geek-planet«, den es mittlerweile nicht mehr gibt. Ziel dieses ersten Blogs von mir war es, so viele Spider-Man-Comics wie möglich zu lesen. Passend dazu erschienen dann Rezensionen. Das habe ich dann über die Jahre auf alle möglichen Medien ausgeweitet. Heute soll es aber um die dritte Collected Edition von Ultimate Spider-Man gehen.

Auch wenn ich die „normale“ Spider-Man-Reihe sehr schätze, fand ich Ultimate Spider-Man schon immer reizvoll. Es bietet sehr Potenzial, neue Dinge auszuprobieren. Es ist eben nicht Teil des großen Marvel-Universums, sondern spielt in seiner eigenen Nische. Mit eigenen Regeln und eigenen Interpretationen der Charaktere. Es ist quasi alles denkbar. Der Reihe haben wir unter anderem Miles Morales zu verdanken, aber es dauert noch ein wenig, bis wir zu ihm kommen.

Seit ein paar Monaten gibt es nach jahrelanger Pause wieder ein Ultimate-Universum. So wie es aussieht, machen sie nur mehr vom Klassischen. Ich muss mir allerdings erst selbst noch irgendwann ein Bild davon machen. Das Prinzip ist ja, dass jede*r unter der Maske stecken könnte. Sie tasten sich zwar mit Spider-Verse und anderen Interpretationen immer wieder vor, bleiben aber hinter meinen doch hohen Erwartungen zurück. Wie dem auch sei, heute geht es erst einmal um die frühen Anfänge von Ultimate Spider-Man.


Da mich Ultimate Spider-Man – Volume II so sehr begeistert hat, konnte ich gar nicht abwarten, mit Teil III weiterzumachen. Ich muss allerdings gestehen, dass diese Ausgabe das Niveau ganz halten kann. Nach einem guten Anfang lässt die Story in der Mitte etwas nach, um zum Schluss noch einmal volle Fahrt aufzunehmen. Ich bin mir nicht sicher, woran das liegt, aber vielleicht finde ich es beim Schreiben dieses Reviews heraus.

  • Die vorliegende, englische Collected Edition von Volume III (Double Trouble) beinhaltet die Ausgaben #14 bis #21.

Das Heft nimmt die Handlung des ersten Teils wieder auf: Octavius erwacht aus einem drei Monate andauernden Koma, nur um festzustellen, dass er sich in einem geheimen Stützpunkt, einer geheimen Organisation befindet. Zu diesem Zeitpunkt erfahren die Leser*innen, warum Octavius eine Sonnenbrille trägt. Ich muss gestehen, dieses Detail nur am Rande wahrgenommen zu haben. Außerdem wird ihm mitgeteilt, dass seine unterstützenden Metall-Arme mit seiner Haut und seinem Nervensystem verbunden sind. Hier bin ich dann im Laufe der Geschichte etwas stutzig geworden, denn seine Arme sind mit ihm verschmolzen und damit auch eine Art Metallplatte, auf der diese befestigt sind. Die Personen, die ihn festhalten, weigern sich, das alles zu entfernen. Theoretisch dürfte es also möglich sein, ihn aus der Situation zu befreien. Warum dies nie gemacht wird, besonders nachdem sich herausstellt, dass er wahnsinnig ist, finde ich wieder etwas unschlüssig, aber gut – soll eben so sein. Trotzdem ist das Design der Metallplatte später etwas anders als noch zu Beginn. Hier hätte es vielleicht gut getan, sich gleich von Anfang an auf ein Design festzulegen. Oder aber man erklärt kurz, dass damit ebenso ein paar Verbesserungen einhergehen.

Trotzdem muss ich Mark Bagley zugutehalten, dass das Aussehen und die Darstellung von Octavius hervorragend sind. Vor allem mit dem Verband, den Otto am Anfang tragen muss, sieht er unheimlich aus. Es ist nie ganz klar, ob nicht doch seine Metall-Arme für ihn sehen oder etwas spüren können. Außerdem halte ich die Idee für cool, dass die Armen äußerst anpassungsfähig sind. Je nachdem, was gerade benötigt wird, transformieren sie sich zu Greifern oder Elektroschocker. Die Einbindung einer Schusswaffe finde ich allerdings etwas übertrieben (Stichwort: Munition und so weiter).

Der zweite Gegner, mit dem Peter Parker es zu tun bekommt, ist Kraven the Hunter. Dieser wird gleich bei seinem ersten Auftritt als kalter Killer dargestellt. Er droht sogar live im Fernsehen Spider-Man zu jagen und mit seinen bloßen Händen töten zu wollen. Das war beispielsweise einer der Momente, den ich nicht gebraucht hätte. Es ist schon sehr over-the-top. Vor allem müsste doch die Polizei oder Anwälte einschreiten, wenn plötzlich jemand eine Menschenjagd veranstalten will. Insofern ist es am Ende ganz zufriedenstellend, dass Spider-Man ihn so richtig vorführt und zeigt, dass nichts hinter der Drohung steckt.

Neben diesen großen Gegnern hat Spider-Man noch mit ein paar kleinen Schwierigkeiten zu kämpfen. Ich möchte hier nicht genauer verraten, um was es geht. Wiederum sind es allerdings die Peter-Mary-Momente, die am stärksten sind. Bei den Szenen mit den beiden merkt man, mit wie viel Gefühl diese Charaktere geschrieben sind. Dies liegt unter anderem an den hervorragend gezeichneten Gesichtsausdrücken. Die Darstellung der beiden ist einfach umwerfend. Dies gekoppelt mit den fantastisch geschriebenen Dialogen von Bendis, macht diese Momente besonders fesselnd.

Vielleicht empfinde ich deshalb den mittleren Teil als etwas schwächer, da sehr viel Hintergrund erzählt wird. Außerdem werden Motive und Handlungen von Figuren erklärt, um diese besser nachvollziehen zu können. Das drosselt natürlich das Erzähltempo. Von daher war es rückblickend vielleicht doch kein so schlechter Teil. Meine Erwartungen waren eventuell nur die falschen.

Ein Thema möchte ich noch erwähnen: Peter wird in seinen ersten Kämpfen ziemlich fertig gemacht. Als Leser tat es mir zum Teil schon weh, nur zusehen zu müssen. Später denkt Peter sogar darüber nach, das Kostüm an den Nagel zu hängen. Diese Situation fasst er selbst wunderbar zusammen. Auf jeden Fall unterbreitet ihm Mary-Jane den Vorschlag, einen Kampfsport-Kurs zu besuchen. Er ist dem Gedanken nicht gerade abgeneigt, kommt allerdings nicht mehr dazu. Ich würde es sehr cool finden, wenn Peter Parker zum echten Kampf-Profi ausgebildet wird. Es ist allerdings eher unwahrscheinlich, dass dies eingebaut wird.