Die Sinnlosigkeit des Alltags

Manchmal verliert man es aus den Augen. Man kann es auf vielfältige Weise bezeichnen. Seien es die eigenen Prinzipien oder die Prioritäten, die man sich gesetzt hat. Man kann es als Mantra einstufen oder Lebensphilosophie. Doch wenn das Leben mal wieder Leben-Dinge macht, also zeigt, was es so kann und dazwischenkommt, wenn es mal wieder drunter und drüber geht, kann man es durchaus aus den Augen verlieren. Dann kann es umso wichtiger sein, sich wieder auf die ehemals als wichtig erachteten Dinge einzulassen. Zu sehen, ob sie weiterhin zutreffen oder es Zeit ist, sie zu überdenken.

Für mich sind drei Worte über Jahre zu einem Mantra geworden. Entnommen aus einem Vortrag, der in Schulen gelehrt werden sollte. Es geht um eine so genannte »commencement speech« (eine Rede vor College-Absolvent*innen). Vorgetragen von David Foster Wallace. Die drei Worte: This is water.

Ich kann nur von ganzem Herzen empfehlen, sich den Vortrag auf YouTube herauszusuchen und anzuhören oder eine Abschrift oder Übersetzung zu lesen. Vor vielen Jahren habe ich mir eine bereinigte Audio-Version des Vortrags auf Audible für wenige Euro gekauft. Darin ist nicht nur der Originalvortrag, sondern auch eine deutsche Übersetzung inkludiert, vorgetragen vom unvergleichlichen Synchronsprecher und Hörbuchleser David Nathan.

Früher habe ich mir den Vortrag mindestens einmal im Jahr angehört und immer wieder ins Gedächtnis gerufen. Doch wie bereits erwähnt, kommt irgendwann das Leben dazwischen und ich habe den Vortrag etwas aus den Augen verloren. Letztens habe ich ihn mir mal wieder angehört. Erneut war es eine Offenbarung und ein Genuss. Im Kern geht es darum, dass David Foster Wallace den Absolvent*innen eine Wahl gibt. Er unterbreitet ihnen allen ein Angebot. Denn ihnen wurde in den vergangenen Jahren in Kursen und Vorträgen beigebracht, wie man denkt (how to think). Doch geht dieser scheinbar banale Ansatz weit über die universitären Anwendungen hinaus. Denn was diese jungen Menschen noch nicht kennen, ist die unfassbare Banalität und Eintönigkeit des Alltags. Immer wieder gibt Foster Wallace Beispiele vor, in denen man sich wiederfinden wird. Sei es das regelmäßige Einkaufen, Situationen im Straßenverkehr und so weiter. In all diesen Situationen des Alltags hat man immer wieder die Wahl: Wie gehe ich vor? Wie entscheide ich mich, zu denken?

Eines müssen wir dafür allerdings überwinden und das ist wahrscheinlich das Schwerste, was Foster Wallace verlangt. Denn wir sind in unserem Leben, in unserer ganz persönlichen Sicht, stets und immer das absolute Zentrum des Universums. Alles dreht sich um mich. Alles geschieht aus meiner Perspektive heraus. Das scheint eine der größten Schwächen der menschlichen Spezies zu sein: Wir können anderen nur durch Worte mitteilen, wie wir die Welt sehen und was in uns passiert und los ist. Hinter dieser Weltanschauung, dass ich das absolute Zentrum des Universums bin, zurückzutreten und empathisch auf die Welt zu blicken, erfordert Kraft und ist nicht immer einfach. Aber es lohnt sich.

Genau darum geht es in den von mir als Mantra angepriesenen drei Wörtern: This is water. Die Entscheidung, anders über die Welt zu denken. Nicht immer davon auszugehen, dass ich und meine Perspektive die einzig richtigen sind. Foster Wallaces Beispiele mögen nicht immer die wahrscheinlichsten sein, trotzdem sind sie möglich. Die Mutter, die mit ihrem Kind vor mir an der Kasse steht, genervt wirkt und das Kind anschreit. Natürlich kann ich sie als schlechte Mutter und bösartig einstufen. Vielleicht hat sie aber seit drei Tagen nicht geschlafen, weil ihr Mann sterbend im Krankenhaus liegt und sie sich allein um die Kinder kümmern muss. Natürlich kann ich den Idioten, der mich auf der Landstraße riskant überholt oder mir fast reinfährt, als genau solch einen Typ Mensch abschreiben. Vielleicht hat er aber ein krankes Kind oder einen Partner auf dem Beifahrersitz und muss ins Krankenhaus. In dem Fall bin sogar ich es, der ihm im Weg ist. Wie gesagt, alles keine wahrscheinlichen Optionen, trotzdem sind sie möglich.

Es obliegt uns allen. Die Entscheidung, was und wie wir über die Welt denken. Falle ich immer wieder auf den Standard zurück und gehe davon aus, dass sich alles und jeder um mich dreht, weil ich das Zentrum meines/des Universums bin? Oder entscheide ich mich, einen Schritt weiterzugehen?

This is water.

Mitternacht bei McDonald’s

Ich war letztens mit Freund C. bei einem Konzert in München. Es war unter der Woche, also haben wir uns erst am Nachmittag auf den Weg gemacht. Wir hatten noch Zeit, um im Hotel einzuchecken, das Auto abzustellen und etwas auszuspannen, bevor es durch den Olympiapark zur Halle ging. Leider blieb keine Zeit für ein Abendessen oder einen Snack. In der Nähe des Hotels gab es auch nichts Schnelles auf die Hand. Beim Konzert selbst stellte sich die Versorgung ebenfalls als schwierig heraus, da wir recht pünktlich ankamen und vor dem Einlass eine riesige Schlange an Menschen anstand. Und in der Pause von 20 Minuten wollten wir auch nicht herumhetzen.

Also machten wir nach dem Konzert einen kleinen Umweg und gingen zu McDonald’s. Was man eben so macht, wenn es nach einem Konzertbesuch noch ein wenig hungert, in der Magengegend. Es war ein vergleichsweise kleines Lokal. Wenige Sitzplätze, die aber durchaus noch genutzt wurden, um diese Zeit. Die meisten, so hatte es den Anschein, holten sich ihr Essen ab und machten sich wieder auf ihren Weg. Wir wollten uns hinsetzen und das Essen in Ruhe genießen. Das war grundsätzlich auch kein Problem. Essen von McDonald’s schmeckt mehrheitlich überall gleich und so mundet es auch hier. Doch wir hatten leider auch eine Kommentarschleife im Hintergrund, die nicht hätte sein müssen.

So etwas erlebt man wohl nur in einem McDonald’s in einer Großstadt. Kann man München als Großstadt bezeichnen oder gibt es hierfür eine imaginäre Grenze? Wie dem auch sei, in einer Ecke, nicht unweit unseres Tisches, machte ein älterer Herr immer wieder äußerst fragwürdige, rechte, mit Verschwörungstheorien durchtränkte Aussagen, die ich an dieser Stelle nicht wiedergeben möchte. Ich weiß nicht, ob er das aufgenommen hat, mit jemandem telefoniert oder es einfach nur vor sich hin gesagt hat. Es war äußerst unangenehm, aber niemand beachtete es. Es wurde ignoriert.

Wir haben unser Essen verspeist und sind schließlich wieder unseres Weges gegangen. Die Aussagen und Kommentare klingen im Kopf immer noch etwas nach. Ein skurriles Erlebnis. Doch dieses scheinbar nebensächliche Ereignis macht einen hervorragenden Abend um ein Weiteres unvergesslicher.

Auszeit und Neustart

Ende Oktober war ich für ein paar Tage in Stuttgart. Der Anlass waren zwei Konzerte, die ich schon vor Ewigkeiten gebucht hatte. Erfreulicherweise ließ es sich sogar einrichten, mit Freunden essen zu gehen, die ich schon seit langer Zeit nicht mehr gesehen hatte. Doch vor allem die erste Hälfte des Aufenthalts war dazu gedacht, zu entspannen. Die Zeit dort zu nutzen, um aus dem Alltag auszubrechen. Kein Training, keine Arbeit, sich mit nichts Speziellem zu beschäftigen, sondern einfach die Zeit zu genießen. Das ist mir, glaube ich, sehr gut gelungen.

Ursprünglich hatte ich den Plan, ein paar Texte zu schreiben und mich um das Fotobuch von Island zu kümmern. Ich habe mich am zweiten Tag sogar in die Hotelbar gesetzt, mir einen Kaffee bestellt und angefangen, zu schreiben. Doch nach wenigen Sätzen wurde mir bewusst, dass sich das nicht richtig anfühlt. Wenn ich mir schon eine Auszeit gönne, dann auch vom Texteschreiben. Immerhin habe ich einen Puffer und muss nicht unbedingt jeden Tag etwas schreiben. Also habe ich den angefangenen Text wieder gelöscht, das MacBook zugeklappt und etwas gelesen.

Ich bin in der Zeit auch sehr viel spazieren gegangen. In der Nähe des Hotels war ein großer Park, den ich regelmäßig aufgesucht habe, und ich habe mich etwas in die Stadt gewagt. Aktuell besteht Stuttgart leider zu gefühlt 90 % aus Baustellen, was den Eindruck der Stadt trübt. Mit dem Aufenthalt im Hotel kam ein Gratiseintritt in die Staatsgalerien. Nach einem Spaziergang im Park wollte ich dorthin. Allein das war ein gewaltiges Unterfangen. Manche Unterführungen fand ich schlichtweg nicht, und an einer Fußgängerampel stand ich ungelogen 5 Minuten. Außerdem ist es nie ganz eindeutig, ob man nun den Knopf drücken muss oder nicht. Verkehrstechnisch und besonders was Fußgänger und Radfahrer anbelangt, braucht Stuttgart wohl noch eine Weile.

In den paar Tagen habe ich es allein schon genossen, mir fürs Frühstück eine Stunde oder noch länger Zeit zu nehmen. Einfach Kaffee trinken, Leute beobachten und zwischendurch das Buffet aufsuchen. Das Geheimnis eines Buffets ist, immer nur ein paar Kleinigkeiten auf den Teller zu tun und nicht gleich alles auf einen Haufen zusammenzuwerfen. Das ist doch das Tolle an einem Buffet: Alles ist jederzeit verfügbar. Und selbst wenn mal etwas leer wird, wird es innerhalb kurzer Zeit wieder aufgefüllt.

Schwer ist es nur, wieder in den Alltag zurückzufinden. Besonders nach solch einem Aufenthalt. Ich habe mich so richtig entspannt gefühlt. Das Aufstehen in der Früh fiel mir schwer und zum Training konnte ich mich auch nicht wirklich aufraffen. Doch dann habe ich einfach ein 20-minütiges Lower-Body-Workout mit Kyle auf Apple Fitness+ gestartet. Es war genau das, was ich gebraucht habe. Die motivierenden Worte, die herausfordernde Trainingseinheit und der Teamgeist, der mich immer wieder abholt, begeisterten mich nachhaltig. Zu der Zeit waren es auch graue, neblige Tage und die Sonne kam kaum heraus. Da ist so eine Einheit genau das Richtige.

Manchmal braucht es bei mir etwas, bis ich Erlebtes richtig verarbeitet habe oder wieder zurück in den Alltag finde. Dann gilt es, Dinge auszuprobieren und zu schauen, was mir gerade guttut. In diesem Fall war es ein herausforderndes Training mit einer anschließenden, ebenso anstrengenden Yoga-Session. Sport ist für mich ein Ventil für viele Dinge. Manchmal ist es auch der Start für etwas. Und sei es nur ein kleiner Neustart hinein in den Alltag.

Everything X-Men | Kirby & Lee (Teil 1/3)

Wie jeden Donnerstag werfen wir auch heute wieder einen Blick in die Vergangenheit. Die Textreihe »Everything X-Men« habe ich als sogenanntes Projektstudium für mein Medienwissenschaftsstudium geschrieben. Darin habe ich mich ausführlich mit den X-Men beschäftigt. Die Texte habe ich damals auf Englisch verfasst, möchte sie heute aber in Deutsch präsentieren. Die initiale Übersetzung (auch der vorkommenden Zitate) habe ich mit DeepL gemacht. Natürlich redigiere ich die Texte danach noch, bevor ich sie veröffentliche.

Bisher sind folgende Texte erschienen:

Heute geht es los mit der ersten Ära der X-Men. Die Charaktere wurden natürlich von Jack »The King« Kirby und Stan Lee ins Leben gerufen. Deren Comics erschienen zwischen 1963 und 1966. Aufgrund der Länge des Textes habe ich diesen in drei Teile geteilt. Sie sind zwar immer noch nicht kurz, aber weiter möchte ich diese nicht zerreißen. Legen wir also los mit der Ära Kirby/Lee.


Einleitung

In diesem ersten Artikel sehen wir uns die Anfänge der X-Men an und besprechen die ersten 19 Ausgaben. Sie wurden von Stan Lee geschrieben und von Jack Kirby gezeichnet (später von Werner Roth). Es geht darum, wie die Comics veröffentlicht wurden, und welche Geschichten werden uns darin präsentiert? Anschließend werden wir uns auf die Charaktere konzentrieren. Wer waren die ursprünglichen X-Men? Wie wurden sie dargestellt? Es ist faszinierend, sich diese über 50 Jahre alten Geschichten anzusehen.

Joseph Darowski spricht zu Beginn seiner Doktorarbeit ein wichtiges Thema an, das ich auch kurz erwähnen möchte: Alles wird von verschiedenen Gruppen unterschiedlich wahrgenommen. Und vielleicht am wichtigsten: Nichts hat eine feststehende Bedeutung. Sie kann sich im Laufe der Zeit ändern (zumindest die primäre Lesart) und ist eine sehr subjektive Sache. Darüber hinaus müssen wir diese Comics als das analysieren, was sie sind: ein Produkt einer anderen Zeit. Wir sollten dies nicht gegen sie verwenden, sondern es als Zeitkapsel betrachten und sehen, wie die Welt bestimmte Themen zu dieser Zeit sah. Diese Comics sind Artefakte und offenbaren gesellschaftliche Einstellungen. Denn „die Unterhaltung einer Gesellschaft spiegelt diese Gesellschaft wider und beeinflusst sie“ (Darowski, 2011, S. 11).

Die Anfänge

Eine interessante Entdeckung, die ich während meiner Recherchen gemacht habe, ist, dass Marvel pro Monat nur eine begrenzte Anzahl von Comics veröffentlichen durfte. Vor 1961 war Marvel unter dem Namen Atlas bekannt. Zu dieser Zeit verloren sie ihren Vertriebspartner und waren gezwungen, sich »Independent News« anzuschließen, dem Eigentümer und Vertreiber von »National Allied Publications«. Dieses Unternehmen wurde 1934 gegründet und später als »DC Comics« bekannt.

Die Comics von Marvel verkauften sich Ende der 1950er Jahre nicht besonders gut. Dies könnte der Grund dafür sein, dass ihr neuer Vertriebspartner die Anzahl der Comics, die Marvel veröffentlichen durfte, ohne Probleme begrenzen konnte. Diese Zahl lag zunächst bei acht Comics pro Monat. Aber mit der Verbesserung der Qualität der Geschichten stieg auch die Anzahl der verkauften Comics. Vor diesem Hintergrund durfte Marvel immer mehr Ausgaben veröffentlichen. Nach Ablauf des Vertrags schloss sich Marvel mit einem anderen Vertriebspartner zusammen und konnte endlich so viele Comics veröffentlichen, wie sie wollten. In einem Zeitraum von zwei Jahren veröffentlichten sie nur dreizehn Ausgaben von »The X-Men«. Ab # 14 konnten sie die Serie dank des neuen Vertriebs monatsweise veröffentlichen.

Stan Lee wollte das Buch eigentlich »The Mutants« nennen. Leider lehnte sein Verleger Martin Goodman diesen Namen ab, da niemand wissen würde, was ein Mutant ist. Brian Hiatt erzählt in einem Artikel im Rolling Stone die Entstehungsgeschichte der X-Men: Nachdem der Titel »The Mutants« abgelehnt worden war, entschied sich Lee für „X-Men“, weil er „dachte, sie haben zusätzliche Kräfte und ihr Anführer ist Professor Xavier“. Darüber hinaus gab er ihnen die Kräfte von Geburt an, was bedeutete, dass er keine ausgefallenen Entstehungsgeschichten für jede Figur brauchte. Also keine radioaktiven Unfälle mehr.

Brad Ricca weist in seinem Artikel »Origin of the Species« darauf hin, dass „das Wort ‚Mutant‘ zu dieser Zeit tatsächlich recht weit verbreitet war und nicht nur in populärwissenschaftlichen Zeitschriften, sondern auch in der New York Times vorkam […] vor allem in Artikeln über die Angst vor der Strahlung im Atomzeitalter [Ricca, 2014, S. 6]“. Allen, die sich für dieses Thema interessieren, kann ich den Artikel von Ricca empfehlen. Er zeichnet ein überzeugendes Bild der 1950er und 60er Jahre, was einige Wissenschaftler erreichen wollten, und weist darauf hin, dass die Idee eines Homo Superior, wie Magneto es ausdrückt, gar nicht so weit hergeholt ist, wie es scheinen mag. Insbesondere die Konzepte von Hermann J. Muller werden dort ausführlich beschrieben.

Eine letzte Anmerkung zur Veröffentlichung, bevor wir uns den Illustrationen zuwenden. Am Anfang war mir das nicht bewusst, aber es macht Sinn: Es gibt einen Unterschied zwischen dem Erscheinungsdatum auf dem Cover und dem tatsächlichen Veröffentlichungsdatum. Vielleicht liegt das daran, dass ich so viele Comics im Nachhinein lese (sei es in Sammelbänden oder als Einzelausgaben) und selten zum Zeitpunkt ihrer tatsächlichen Veröffentlichung. Dennoch halte ich es für wichtig, darauf hinzuweisen:

„In dieser Arbeit wird das Erscheinungsdatum auf dem Cover der Comic-Ausgaben verwendet, um anzugeben, wann der Comic veröffentlicht wurde, obwohl das Erscheinungsdatum nicht genau mit dem Monat übereinstimmt, in dem ein Comic veröffentlicht wurde. Laut Brian Cronin gab es in den frühen 1960er Jahren in der Regel eine viermonatige Lücke zwischen dem offiziellen Erscheinungsdatum und dem Versanddatum. In den 1990er Jahren wurde von Marvel und DC Comics eine Lücke von zwei Monaten zwischen dem Erscheinungsdatum und dem Versanddatum festgelegt. Allerdings gab es fast immer Abweichungen zwischen den beiden Daten, selbst innerhalb dieser allgemeinen Richtlinien. Aufgrund dieser Schwierigkeit wird in dieser gesamten Dissertation das Erscheinungsdatum als Datum der Veröffentlichung eines Comics angegeben [Joseph Darowski, 2014, S. 44]."

Das Artwork

Die X-Men wurden nicht allein von Stan Lee erschaffen. Einen bedeutenden Beitrag leistete Jack Kirby mit seinem unglaublichen Talent. Heute widmet sich ein Künstler hauptsächlich einer Serie und zeichnet eine Ausgabe pro Monat. »The King« schaffte bis zu fünf Seiten pro Tag und entwarf die Figuren spontan, während er die Geschichten zeichnete, die Lee ihm gab [Hiatt].

Die Zeichnungen aus dieser Zeit gefallen mir sehr gut. Während der Trainingseinheiten der X-Men (darauf werde ich später noch eingehen) spürt man die Bewegung innerhalb der Panels. Der Fokus liegt eindeutig auf den Figuren, und Kirby gab ihnen Raum zum Agieren. Der Hintergrund ist nicht so wichtig. Manchmal existiert er gar nicht: nur eine Hintergrundfarbe, um den weißen Raum auszufüllen. Bei Bedarf kann er jedoch auch sehr detailliert sein. Jede Figur hat ihr eigenes Aussehen, ihre eigenen Gesten und ihre eigene Mimik. All diese Dinge beim Zeichnen der Geschichte zu entwickeln, ist bemerkenswert. Das Design der Kleidung, der Räume und der Merkmale der Umgebung ist einfach, aber effektiv.

In allen Ausgaben von Jack Kirby (und seinem Nachfolger) denkt man nie an Unstimmigkeiten oder größere Unterbrechungen. Manchmal steht jedoch die Erzählung dem Kunstwerk im Weg. Damals äußerten die Figuren oft das Offensichtliche oder – anders ausgedrückt – das Kunstwerk und der Dialog/Erzähler waren repetitiv. Wenn etwas in einem Panel gezeigt wird, wird es von den Figuren oder dem Erzähler erklärt, noch einmal hervorgehoben. Das trägt jedoch auch zum Charme dieser alten Ausgaben bei.

Wenn man sie mit den Comics von heute vergleicht, kann man aus diesen Comics viel herausholen. Was sie sagen, was sie denken und wie der Erzähler über die Figuren spricht – all das erzählt in Kombination mit den Illustrationen eine reichhaltige und bedeutungsvolle Geschichte. Aber wer waren die ursprünglichen X-Men?

Die X-Men

Scott Summers alias Cyclops, Warren Worthington III alias The Angel, Hank McCoy alias The Beast und Bobby Drake alias Iceman sind die ersten Schüler von Professor X. In der ersten Ausgabe werden sie zunächst mit ihren Fähigkeiten vorgestellt. Dann stößt noch Jean Grey alias Marvel Girl zu ihnen.

Das Ungewöhnliche an dieser Besetzung ist, dass sie keine Familie wie die Fantastic Four ist. Das unterscheidet sie von anderen Teams aus den 1960er Jahren. Allerdings könnte man, wie Andrew Wheeler in seiner dreiteiligen Artikelserie „Mutant and Proud“ betont, davon ausgehen, dass sie zumindest Cousins sind, da sie alle weiße, heterosexuelle, privilegierte Kinder sind. Dies widerspricht allem, was man von einer Comic-Reihe erwarten würde, die dafür bekannt ist, Frauen, LGBTQ+-Charaktere sowie Schwarze und andere Minderheiten durch die sogenannte Mutanten-Metapher darzustellen bzw. zu repräsentieren. Die Entstehung dieser kleinen Gruppe muss anders gelesen werden als ihre zweite Entstehung im Jahr 1975, als Chris Claremont die Serie quasi neu startet.

Wenn wir uns die Mutantenmetapher ansehen, müssen wir uns mit dem Leben der Charaktere und ihrer Darstellung von Queerness auseinandersetzen. Denn typischerweise stammen Mutanten (wie queere Menschen) nicht aus mutierten/queeren Familien [Wheeler].

„Wie LGBT-Menschen werden Mutanten nicht unbedingt von Mutanten geboren. Ihre Geschwister sind nicht unbedingt Mutanten. Ihre Kinder sind nicht unbedingt Mutanten. Sie werden nicht in Mutantengemeinschaften geboren. Sie werden nicht in eine Mutantenkultur hineingeboren. Sie sind sogar innerhalb ihrer eigenen Familien anomal. Wie LGBT-Menschen sind Mutanten einer erhöhten Angst ausgesetzt, von den Menschen gehasst zu werden, die sie am meisten lieben sollten [Wheeler, 2014].”

Aber die Ähnlichkeiten gehen noch weiter. Wie Drag-Personen nehmen die X-Men neue Namen an und kleiden sich anders, wenn sie von anderen Mutanten begleitet werden [Wheeler]. Manchmal muss jemand das Offensichtliche für einen aussprechen, und von diesem Moment an kann man es nicht mehr übersehen – so wie es bei mir der Fall war, was die Ähnlichkeiten dieser Communities angeht. Manchmal neigen wir dazu, Dinge zu überanalysieren. Besonders wenn dieses Etwas eine große Fangemeinde um sich hat, kann es zu einer Art Schneeballeffekt kommen. Es ist allerdings immer wieder interessant und spannend, diese Parallelen aufzunehmen und sie auf die erste X-Men-Serie zu übertragen. Ich glaube nicht, dass dies von den Schöpfern beabsichtigt war – es ist nur ein Zufall. Das ist das Schöne an Geschichten, und ich habe es bereits erwähnt: Verschiedene Menschen ziehen unterschiedliche Bedeutungen aus ihnen.

Aber kommen wir zurück zu den ursprünglichen X-Men. Die Charaktere waren am Anfang überwiegend weiß und ihre Mutationen versteckte Merkmale. Es war von außen nicht ersichtlich, dass sie Mutanten sind (Beast und Angel konnten ihre Mutationen mit Ausrüstung und Kleidung verbergen) [Darius]. Mit minimalem Aufwand können sie alle als normale Menschen durchgehen und sich an öffentlichen Orten bewegen, ohne entdeckt zu werden. Eine weitere Gemeinsamkeit mit queeren Menschen. Ich werde in einem separaten Artikel ausführlicher auf die Mutanten-Metapher und ihre Veränderung in den letzten Jahrzehnten eingehen.


Das war der erste Teil von der Ära Kirby/Lee. Nächste Woche geht es nahtlos weiter.

Adventstimmung

Vergangene Woche haben die Weihnachtsmärkte ihre große Eröffnung gefeiert. Natürlich musste ich am Freitag also nach Salzburg und mir einen Überblick verschaffen. Die Atmosphäre war fantastisch und es ist tatsächlich so etwas wie Weihnachtsstimmung aufgekommen. Nicht nur hat es leicht geschneit, sodass alles etwas angezuckert war, die Temperaturen waren auch entsprechend niedrig. So muss ein Winter sein. Wenn das so weitergeht und es vielleicht noch das ein oder andere Grad kälter wird, bin ich sehr zufrieden. Scheinbar soll es ein strenger Winter werden. Woran man das meteorologisch festmacht, weiß ich zwar nicht, aber ich klammere mich gerne an diese Hoffnung.

Die Weihnachtsmärkte in Salzburg sind jedenfalls immer wieder schön anzusehen. Allein schon die Beleuchtung der Getreidegasse und anderer Straßen sorgt für eine entsprechende Atmosphäre. Es war früher Nachmittag und überraschenderweise wurde man nicht von Abermillionen Touristen überrannt und herumgeschubst, sondern konnte sich recht frei über die Märkte und Plätze bewegen. Nach einer kleinen Stippvisite am Domplatz haben wir uns auf den Weg zum Stieglkeller gemacht. Auf deren Terrasse gibt es dieses Jahr zum ersten Mal auch so etwas wie einen kleinen Weihnachtsmarkt. Mit vielen Bäumen, einer tollen Beleuchtung und etwas Dekoration kann man es sich hier gemütlich machen. Zum Essen gibt es von der klassischen Bratwurst über Gulasch alles, was das Herz begehrt. Nur muss man schnell essen, denn bei den Temperaturen wird das Essen schnell kalt.

Ich war auch überrascht von der Vielzahl an alkoholfreien Getränken. Jeder Stand, der Glühwein oder Most verkauft, hat auch eine alkoholfreie Alternative. Das begrüße ich sehr. So habe ich nicht nur Beerenpunsch probiert, sondern auch noch ein entsprechendes Apfelgetränk. Zum Glück waren diese nicht allzu süß und schmeckten tatsächlich sehr gut. Mit musikalischer Untermalung konnte man es damit im Hof der Festung gut aushalten. Der kleine Weihnachtsmarkt auf der Festung bleibt so etwas wie ein Geheimtipp, da dieser nie wirklich überlaufen ist. Oder die Menge an Leuten, die den Weg nach oben wagen (sei es zu Fuß oder mit der Festungsbahn), verteilt sich angenehm über den Tag.

Nach so langer Zeit an der frischen, kühlen Luft musste man sich natürlich stärken. So gab es in einem Café noch Kakao mit Schlagsahne und dazu Pofesen. Zwar war dieser Tag nicht besonders kalorienbewusst, aber dafür äußerst lecker und sehr zu empfehlen. Solche Nachmittage und Abende mag ich sehr gerne. Ich mag auch die Vorweihnachtszeit. Ich mache mir weder Stress, was Geschenke anbelangt, noch lasse ich mich von Black Friday oder Cyber Monday oder sonstigen Angeboten hetzen und zum Kauf von teuren Sachen verleiten, die ich dann doch nicht benötige. Was noch zu erledigen ist, versuche ich abzuschließen. Alles Weitere kann man auch im neuen Jahr angehen. Ansonsten genieße ich einfach nur diese Jahreszeit. Besonders dieses Jahr, wo es mir so vorkommt, als ob die Adventszeit sehr kurz ist. Deshalb gilt es umso mehr, sich auf den Moment zu fokussieren. So abgedroschen das klingen mag, aber es hilft, damit die Zeit etwas langsamer vergeht. Dinge aufschreiben und so im Gedächtnis einmal mehr verankern, ist natürlich auch nicht falsch.

Insekten, die begeistern

Es tut mir leid, aber ich muss mal wieder über das Videospiel Hollow Knight berichten. Das Metroidvania mit Soulslike-Elementen hat es mir angetan. Es ist spannend zu beobachten, wie manche Spiele mich nicht mehr loslassen wollen. Elden Ring schaue ich entweder über Let’s Plays, Challenge Runs, Bingo Brawlers und Co. immer wieder an oder schalte es selbst mal wieder auf der PS5 Pro oder dem Steam Deck ein. »Lies of P« hat mich ebenso nachhaltig begeistert. Doch davon mache ich gerade eine etwas längere Pause, nachdem ich es vor dem Release des DLCs »Overture« sehr ausführlich gespielt habe. Hollow Knight, ein Spiel, das 7 Jahre alt ist und dessen Nachfolger seit ein paar Monaten veröffentlicht ist, begeistert mich allerdings im Moment sogar mehr als das neue Ghost of Yotei.

Ist es die Atmosphäre? Eine einzigartige Mischung aus Melancholie, Abenteuerlust und einer schwer zu durchdringenden Geschichte inmitten einer Welt bevölkert mit den verschiedensten Insektenwesen. Das Design der Welt und der Charaktere ist so originell, wie die Bosse schwer sind. Doch es ist nie unfair. Scheitern liegt an der eigenen Ungeduld. Die Platzierung der Gegner ist gut gewählt. Man muss nur strategisch vorgehen und es nicht überstürzen. Dazu kommt der schweigsame Held, ein Krieger, ein Gefäß oder Träger (engl. vessel), der Projektionsfläche für alles Mögliche sein kann. Sei es die Hoffnung dieser Welt, der Frust des Spielers oder die Angst vor dem Scheitern.

Es hat bei mir zwar lange gebraucht, bis der Funke übergesprungen ist, aber jetzt brennt die Leidenschaft für dieses Spiel umso heller. Hollow Knight ist einzigartig und steht allein auf weiter Flur. »Blasphamous II« oder »Prince of Persia: The Lost Crown« habe ich zwar gerne gespielt, aber bei einem Durchlauf habe ich es bei beiden Metroidvania belassen. Zwar ist meine Spieleliste lang und »Hollow Knight: Silksong« wartet nur darauf, dass ich es starte, aber noch kann ich Hollow Knight nicht beiseitelegen.

Ich will mir noch das ein oder andere Achievement holen und Herausforderungen bestehen. Oder sie probieren zumindest. Wer weiß, wie weit meine Frustgrenze wirklich geht. Zumindest hat mich der Nightmare King Grimm so sehr gepackt, dass ich es über eine Stunde lang versucht habe und ihn schließlich noch bezwang. Einer der schwersten, aber auch am coolsten designten Bosse des Spiels. Manchmal lohnt es sich, nicht aufzugeben oder einem Spiel eine zweite Chance zu geben. Man könnte immerhin das nächste Lieblingsspiel entdecken.

Der Sinn des Lebens

Eine kleine Unachtsamkeit und schon setzt man sich nicht mit künstlicher Intelligenz auseinander, sondern mit dem Sinn des Lebens. Dank Freund J. und meinem Kindle-Unlimited-Abo lese ich gerade »Wozu das alles?« von Christian Uhle. Man muss mit einem Buch nicht immer einer Meinung sein, um es spannend zu finden. Manchmal reichen schon ein paar Denkansätze oder interessante Ideen aus. So geht es mir mit »Wozu das alles?«. Ich schüttle den Kopf, bin über manche Sachen erbost oder wundere mich über die weit hergeholten Beispiele. Doch am Ende bleibt das Buch im Gedächtnis, und ich denke darüber nach. Zumindest hat der Autor das schon einmal erreicht.

Wobei ich gleich korrigieren muss. „Am Ende“ ist hier nur als Redewendung zu verstehen. Ich bin erst im ersten Kapitel, kurz vor dem zweiten. Das liegt an zwei konkreten Dingen. Zum einen lasse ich mir Zeit mit dem Buch. Es geht immerhin um den Sinn des Lebens und da soll man ja nicht unbedingt hudeln. Am Ende verpasst man noch etwas. Zum anderen liegt es allerdings auch an dem Aufbau des Buches. Denn nicht weniger als drei Einleitungen gönnt sich Christian Uhle, bevor er überhaupt im ersten Kapitel damit beginnt, den Unterschied zwischen Sinn und Zweck, Begründung und Erklärung zu erklären. Er verklausuliert es als Vorwort, Prolog und Einleitung. Trotzdem hätte ich eine längere Passage mit etwas besserer Unterteilung bevorzugt.

Unwichtig sind die drei Einleitungen allerdings nicht. Der Autor hätte sich aber die persönliche Anekdote, dass er schon als Teenager das erste Mal den Sinn des Lebens hinterfragt hat, sparen können. Wer hat sich diese Frage nicht schon als Teenager gestellt? Diese Einordnung fehlt mir. Zwar kommt diese in späteren Kapiteln, doch sie ist stets auch wertend. Es wird quasi nicht gestattet, den Sinn des Lebens als Laune heraus zu hinterfragen. Stets bringt Uhle es mit einer Art Sinn- oder Lebenskrise in Verbindung. Natürlich sind dies meist die tatsächlichen Auslöser. Doch ich würde behaupten, dass das „Warum“ des Fragens nicht so wichtig ist wie die tatsächliche Reise der Suche nach der Antwort. Überhaupt ist mir das Buch zu wertend. Der Alltag wird beispielsweise als sinnlos bezeichnet, ohne dass es vorher eine Einordnung gibt. Hier möchte ich auf den Vortrag »This is water« von David Foster Wallace verweisen, den ich schon des Öfteren besprochen habe.

Trotz aller Kritik, die ich mannigfaltig habe, halte ich das Buch weiterhin für interessant. Christian Uhle schreibt über Religion und wie er diese von seiner Suche nach einer Antwort ausklammert. Hier spart er es sich, wertend vorzugehen, sondern argumentiert sehr gut, warum Religion für ihn in dieser Frage keine Rolle spielt. Mir gefällt auch, wie er die Frage nach dem Sinn des Lebens an sich zerlegt. So gibt er verschiedene Kategorien an Antworten vor, die er später weiter aufdröseln will. Gibt es einen Sinn oder mehrere? Haben alle Menschen denselben oder gibt es unterschiedliche? Findet man den Sinn des Lebens oder schafft man sich ihn? Er geht auf die Bedeutung der Sinnfrage ein und darauf, warum wir uns die Frage überhaupt stellen.

Insofern stecken immer wieder tolle Ideen und Argumentationen dahinter. Über den Aufbau und Stil des Buches bin ich mir aber weiterhin nicht im Klaren. Mal verfällt Uhle zu sehr in einen Plaudermodus, der durchaus auflockernd sein kann, mal wiederholt er sich zu oft, was ebenfalls nicht pauschal schlecht sein muss. Ich bin sehr zwiegespalten. Aber wie ich eingangs erwähnt habe, muss man nicht immer mit der Meinung oder der Argumentation von anderen mitgehen. Solange es zum Nachdenken anregt und tolle Einblicke gibt, ist schon viel gewonnen. In ein paar Wochen, wenn ich die nächsten Kapitel durch habe, werde ich vielleicht erneut berichten.

Hauteng

Technische Geräte zu individualisieren, ist wahrscheinlich ein grundlegendes Bedürfnis. Besonders diejenigen, mit denen man tagtäglich zu tun oder die man des Öfteren in der Hand hat. Die Geräte werden zu Hunderttausenden und Millionen produziert. Da schadet etwas Personalisierung nicht. Das Ding zu meinem machen. Das geht auf vielfältige Weise.

Beispielsweise statte ich meine MacBooks über die Jahre mit vielen Stickern aus. Mein letztes MacBook Pro hatte ich gut 10 Jahre. Es hat mir in dieser Zeit sehr gute Dienste geleistet. Irgendwann habe ich angefangen, Sticker anzubringen. Die sehe ich zwar nur im zugeklappten Zustand, trotzdem macht es das MacBook noch einmal mehr zu meinem. Gleiches mache ich bei meinem aktuellen. Immer mal wieder begegnen mir Sticker, die mir gefallen, oder man bekommt welche geschenkt. Dann bringe ich sie an. Es ist eine kleine Zeitkapsel zu den Interessen, Begegnungen, Hobbys und noch viel mehr, die man im Laufe der Jahre hatte.

Eine weitere Möglichkeit der Individualisierung sind sogenannte Skins. Also flächendeckende Aufkleber, die ein Gerät mal mehr, mal weniger komplett einhüllen. Die Marke dbrand ist wahrscheinlich der bekannteste Hersteller solcher Skins. Mittlerweile bieten sie auch für alle möglichen Geräte millimetergenau produzierte Designs an. Ich habe mir für mein Steam Deck eines besorgt. Immer nur einen schwarzen Klotz in der Hand zu haben, ist auf Dauer langweilig. Es darf schon etwas Farbe sein.

Mich hat die große Auswahl an Design überrascht. Es sollte für jeden Geschmack etwas dabei sein. Zuerst wollte ich schon einen visuell aufregenderen Skin bestellen, habe mich aber dann doch für etwas Ruhigeres entschieden. Immerhin sollte der Skin nicht vom eigentlichen Spielerlebnis ablenken. Nebenbei bemerkt habe ich mir Sticker mitbestellt, von denen nur ein paar mein MacBook schmücken. Das Marketing von dbrand ist noch eines der unterhaltsameren, und die Zusätze, die man so bestellen kann, sind spaßig gemacht. Meine Schwester darf sich beispielsweise an dem „unmöglichen“ Puzzle von dbrand die Zähne ausbeißen.

Blieb also am Ende nur mehr die Herausforderung, den Skin ordentlich und möglichst genau passend am Steam Deck anzubringen. Zum Glück gibt es von dbrand selbst entsprechende Videos, die den Prozess begleiten. Da ich nicht nur einen Skin für die Vorderseite, sondern auch für die Rückseite bestellt habe, war dies ein etwas längerer Prozess von etwa einer Stunde. Mit Föhn und Mikrofasertuch bewaffnet habe ich mich also an die Arbeit gemacht. Es war zugleich einfacher und schwieriger als erwartet. Besonders die Rundungen bekam ich nicht so perfekt zustande, wie es die nette Dame im Video vorgemacht hat. Der Rest klappte allerdings sehr gut.

Das Ergebnis kann sich dennoch sehen lassen. Ich bin zufrieden. Das Steam Deck kam anschließend aber trotzdem noch in die Hülle. Es soll immerhin ordentlich geschützt werden und auf den ausklappbaren Stand möchte ich nicht mehr verzichten. Es macht jetzt etwas mehr her und ist etwas farbenfroher. Mal sehen, ob hier auch noch der ein oder andere Sticker seinen Platz findet.

Konzerte Filmen

Eine Sache, die ich nie verstehen werde, ist das Filmen bei Konzerten. Es führt nicht nur dazu, dass ich Teile des Erlebnisses verpasse. Außerdem lenkt es ab und ich schaue mehr aufs Smartphone, mit dem gefilmt wird, als auf die eigentliche Bühne. Ich war letztens bei einem Konzert von Hans Zimmer. Er ist gerade mit seiner Band auf der »The Next Level«‑Tour. Hans Zimmer ist für manche der ikonischsten Soundtracks verantwortlich. In dem über drei Stunden dauernden Konzert konnte er so einiges aufbieten. Selbst neue Stücke fanden Platz.

Ich war sehr positiv davon überrascht, dass um mich herum kaum jemand das Smartphone gezückt hatte. Die meisten saßen einfach nur da und haben die audiovisuelle Erfahrung auf sich wirken lassen. Einzige Ausnahme war eine Dame, die eine Reihe vor mir saß und ein Stück weiter rechts. Sie hatte ständig das Smartphone in der Hand und filmte mit. Die Hälfte des Konzerts findet sich wohl auf diesem Smartphone wieder. Aber nicht im Ganzen. Sondern nur Teile davon. Ein Anfang dieses Stücks, die Mitte jenes Gesangs und der Abschluss des Solos. Die Frage, die ich mir stelle: Wann schaut sie sich das jemals wieder an?

Hans Zimmers Konzerte kann man in guter Qualität streamen. Entweder man leiht sie sich aus, kauft sie oder besorgt sich die Blu-Rays. Wenn es mir um die Musik geht, ist diese bei allen gängigen Musik-Streaming-Diensten verfügbar. In einer besseren Qualität als die mitgefilmten Schnipsel. Des Weiteren stellt sich die Frage, was partiell aufgezeichnete Stücke bringen. Dass ich ein paar Sekunden meines Favoriten aufnehme oder ein paar Fotos mache, das lasse ich mir noch einreden. Aber ich stelle ernsthaft infrage, was diese Dame bei dem Konzert gemacht hat.

Der Gipfel des Ganzen war, als sie mit ihrem Freund Arm in Arm dasaß. Sie hatte den Kopf auf seiner Schulter, er legte den Kopf an sie. Ich weiß nicht mehr, welcher Soundtrack gerade gespielt wurde, aber ich glaube, ein vergleichsweise ruhiger. Sie haben allerdings nicht auf die Bühne geschaut. Denn sie hatte das Smartphone gezückt und filmte mit (hochkant natürlich). Der Bildschirm direkt vor ihren Gesichtern. Wie romantisch.

Und wie man an diesem Text hier merkt: Das lenkt natürlich auch andere ab. Ein Bildschirm leuchtet nun einmal hell. Besonders im finsteren Bereich des Publikums. Ich habe gar nichts mitgefilmt und auch keine Fotos gemacht. Ich habe einfach nur die Show genossen und bin sehr froh darüber. Nur ganz am Anfang, als ich die Halle betrat, habe ich die Bühne fotografiert. Das reicht mir vollkommen aus. Meine Erinnerungen behalte ich mir im Kopf und in Form des Tickets. Alles andere kann ich per Streaming nachholen.

It takes two

Wer in der Kindheit Videospiele gespielt hat, wird es kennen: Coop-Spiele. Man sitzt zu zweit viel zu nahe vor dem Röhrenfernseher, die Ansicht ist in zwei Hälften unterteilt und man bestreitet gemeinsam ein Abenteuer. Oder man bekämpft sich aufs Blut in Fighting-Games wie Tekken oder Street Fighter. Bis einer den Controller erbost beiseitelegt. Ich kann Fighting-Games nicht ausstehen. Ich haue immer wild und planlos auf den Buttons herum, in der Hoffnung, eine der unmöglich langen Kombos zu schaffen und doch noch ein paar Schläge unterzubringen, bevor mich mein Gegenüber erbarmungslos besiegt. Meine Geduld für Videospiele ist groß. Sie sind ein Hobby und sollen Spaß machen. Aber Fighting-Games wie Tekken können mich sehr schnell zur Weißglut bringen. Deshalb habe ich sie schon lange nicht mehr gespielt.

Viel lieber sind mir kollaborative Coop-Spiele. Man stellt sich zu zweit dem Abenteuer und den Leveln, die die Entwickler*innen sich ausgedacht haben. Zwar kann man das auch online machen, aber noch lieber sind mir lokale Coop-Spiele. Also diejenigen mit Splitscreen. Seit ein paar Wochen sitze ich einmal die Woche mit Freund C. zusammen. Wir spielen gerade »It takes two«.

Das Spiel ist mittlerweile über vier Jahre alt und wurde von Hazelight Studios entwickelt. Kurz gesagt geht es darum, dass ein Ehepaar kurz davor ist, sich scheiden zu lassen. Sie haben eine jüngere Tochter, der sie die Situation erklären. Daraufhin geht sie in ihr Zimmer. Sie hat zwei kleine Puppen, die ihren Eltern nachempfunden sind. Sie fängt an zu weinen und wünscht sich, dass sich die Eltern nicht scheiden lassen. Mit ihren Tränen wird ihr der Wunsch gewährt. Aber so einfach ist es dann doch nicht. Denn das Bewusstsein der Eltern wird in die Puppen transferiert. Um sich wieder aus der Situation zu befreien, müssen die beiden lernen, zusammenzuarbeiten, und so gewisse Hindernisse überwinden. Man arbeitet, kämpft und abenteuert sich durch den Garten, das Haus und alle möglichen Gegenstände und Orte.

Ich wusste nicht, was mich bei »It takes two« erwarten würde. Dass es eines der kreativsten Spiele sein wird, das ich seit langer Zeit gespielt habe, war jedenfalls nicht auf der Liste. Die Biome, die man im Laufe des Spiels sieht und überwindet, sind mit viel Liebe zum Detail gestaltet. Egal, ob Vordergrund oder Hintergrund oder die Gegenstände, mit denen man interagieren kann, alles wirkt durchdacht. Man findet immer wieder Details und Kleinigkeiten, die das Spielerlebnis auf die nächste Stufe heben. Mit jedem Biom kommen auch neue Werkzeuge, die man verwenden kann. So sind nicht nur die Biome äußerst abwechslungsreich, auch die Spielmechaniken wechseln immer wieder. Und wiederholt sich nichts. Es ist wirklich erstaunlich.

Doch nicht nur auf spielerischer Ebene ist »It takes two« durchdachter und detailverliebter, als man dem Spiel zutrauen würde. Oder zumindest ausgefeilter, als ich es dem Spiel zugetraut hätte. Denn die Beziehung der Eltern wird im Laufe des Spiels aufgearbeitet. Dabei dient ein südamerikanisch angehauchtes, manchmal etwas perverses, manchmal etwas übergriffiges Beziehungsratgeberbuch als eine Art Therapeut. Ich bin mir nicht sicher, ob ich ihn nervig, klug geschrieben oder einfach alles dazwischen finde. Jedenfalls sorgt es für kurzweilige Zwischensequenzen. Das Spiel scheut dabei nicht davor zurück, in die Tiefe zu gehen. Worum geht es in einer Ehe? Was macht zwischenmenschliche Beziehungen aus?

»It takes two« ist ein grandioses Spiel. Die Welt ist durchdacht, man fiebert mit den Charakteren mit und die Herausforderungen sind nicht immer leicht zu meistern. Die Rätsel machen Spaß und wenn man sich auf die Geschichte einlässt, bekommt man ein tolles Gesamtpaket. Das Einzige, das ich bemängeln würde, sind die Mini-Games im Spiel, aber das ist nur eine Kleinigkeit und muss man auch nicht machen. Ansonsten habe ich bei »It takes two« nichts auszusetzen.