Everything X-Men | Über Comics

Wie jeden Donnerstag sehen wir uns auch heute wieder einen alten Text von mir an. Wir setzen unsere Reise durch mein Projektstudium fort. Dieses habe ich während meines Medienwissenschaftsstudiums geschrieben. Darin habe ich angefangen, die X-Men-Comics chronologisch zu besprechen. Mit den Comics an sich geht es allerdings erst nächste Woche los. Erst einmal habe ich bei der Abgabe des Projektes ein wenig Kontext und Einordnung liefern müssen. Deshalb gibt es heute das Vorwort, welches sich mit dem Konzept »Comics« befasst hat.


Comics sind ein faszinierendes Medium. Oberflächlich betrachtet sind sie die Verbindung von Bild und Text, mit dem Ziel, eine Geschichte zu erzählen. Doch hinter dieser stumpfen Betrachtungsweise steckt sehr viel mehr als das. Autoren wie Will Eisner und Scott McCloud, die nicht nur selbst Comics kreiert haben, und dies sehr erfolgreich, sondern sich auch auf der Metaebene dem Medium nähern, haben Bücher damit gefüllt, wie sie funktionieren. Vieles scheint intuitiv zu funktionieren, doch im Hintergrund laufen Prozesse ab, die es uns ermöglichen, die Bilder und Texte miteinander zu kombinieren und so eine kontinuierliche Geschichte zu erleben.

Die Einteilung des Mediums ist nicht so einfach, besonders da durch das Internet Webcomics in allen möglichen Formen entstehen und präsentiert werden können. Doch grob kann folgende Einteilung erfolgen (basierend auf William Eisner): newspaper strips (kurze, meist humorvolle Sequenzen, die in Zeitungen und ähnlichen Medien anzutreffen sind), graphic novels (typischerweise in sich geschlossene Geschichten in variierender Länge) und comic books (regelmäßig, meist monatlich erscheinende Hefte, die eine fortlaufende Geschichte von einem oder mehreren Protagonist*innen erzählen und später in so genannten collected editions oder trade paperbacks gesammelt werden).

Diese Einteilung, wie auch die folgende Definition, was Comics sind, ist eine neutrale Beschreibung, wie sie auch Scott McCloud in Understanding Comics anbietet. Sie beinhaltet weder Stil noch Genre noch ein empfohlenes Alter der Leser*innen. Ebenso kein Format, Druckprozess oder zu verwendende Materialien. Hinzu kommt, dass mit neuen Technologien auch neue Möglichkeiten entstehen, wie Comics umgesetzt werden, und Definitionen, die heute als aktuell und vollständig gelten, können morgen bereits überholt sein. Dabei erweitert McCloud den von Will Eisner eingeführten Begriff „Sequential Art“ auf „juxtaposed pictorial and other images in deliberate sequence“, da, wie er selbst sagt, Eisners Definition für den Großteil von Comics gilt, jedoch auch speziellere Arten existieren, die einer genaueren Beschreibung bedürfen, welche er mit den Erweiterungen abdecken möchte.

Diese Beschreibung umfasst sämtliche Bildsequenzen, also auch Warnhinweise, Mangas, Webcomics, Sicherheitshinweise, Beschreibungen und Anleitungen, wie auch das klassische Verständnis des Comic Books, nämlich die monatlich bzw. regelmäßig erscheinenden Hefte von Verlagen wie DC Comics, Marvel oder Image. Es sollen im Folgenden die englischen Begriffe verwendet werden, da Comics als Medium verstanden werden und es keine deutsche Entsprechung für das Konzept des Comic Books bzw. der Graphic Novel gibt. Dabei wird außen vor gelassen, ob diese digital oder analog auf Papier veröffentlicht werden.

Was jedoch allen Comics gleich ist, ist die eigene Sprache, die sie im Laufe der Zeit entwickelt und die Leser*innen gelernt haben, zu decodieren. Wie jedes Medium kommen auch Comics mit eigenen Regeln, einer eigenen Grammatik, die Will Eisner in den Kapiteln zwei bis fünf von »Comics and Sequential Art« detailliert beschreibt. Er konzentriert sich dabei vor allem darauf, was innerhalb des Rahmens der Panels oder auf der Seite des einzelnen Comic-Books passiert. Scott McCloud hat später diese Theorie erweitert, indem er auch dem „Gutter“, dem Platz zwischen den einzelnen Panels, eine zentrale Rolle zuschreibt. Mit dem von ihm selbst etablierten Begriff des „Closure“ beschreibt er außerdem dessen Funktion, nämlich von uns wahrgenommene Fragmente mental zusammenzusetzen, so dass ein komplettes, vollständiges Bild entsteht. Dabei geht es nicht nur um das Erkennen von Mustern (der Mensch ist beispielsweise dazu prädestiniert, in allen möglichen einfachen Strukturen Gesichter zu erkennen) und das Vervollständigen von Bewegungen (Panels bieten ausgewählte Positionen, die einen kompletten Bewegungsablauf simplifiziert darstellen und durch die Einordnung in eine Sequenz verstanden werden). Closure meint auch einen Erkenntnisprozess, der entsteht, wenn eine Sequenz aus scheinbar nicht zusammenpassenden Bildern mental zu einem sinnvollen Bild zusammengesetzt wird.

So viel sei zu Comics gesagt. Es scheint mir immer wichtig zu sein, erst zu erklären, was Comics sind und wie komplex das Medium sein kann. Dies wird einem auch bewusst, wenn man sich Nick Sousanis Werk »Unflattening« ansieht. Die Art und Weise, wie er darin nicht nur das Medium beschreibt, sondern den menschlichen Wahrnehmungsprozess, beeindruckt immer wieder aufs Neue.

Die Verdammung der Jugend

»Von den leiblichen Begierden sind es vorzugsweise die des Liebesgenusses, denen sie nachgehen, und in diesem Punkt sind sie alle ohne Selbstbeherrschung. […] zornmütig und leidenschaftlich aufwallend in ihrem Zorne. Auch sind sie nicht imstande, ihren Zorn zu bemeistern, denn aus Ehrgeiz ertragen sie es nicht, sich geringschätzig behandelt zu sehen, sondern sie empören sich, sobald sie sich beleidigt glauben.« – Aristoteles

Wenn ich mir eines aus dem Philosophiestudium gemerkt habe, dann dass sich bereits Aristoteles über die Jugend seiner Zeit aufregte. Das zeigt das obere Zitat sehr gut. Diese spezielle Nachrichtensau wird seit tausenden Jahren durch das Dorf getrieben. Aber wann vergisst man, dass man selbst jung, naiv und völlig selbstüberschätzend in die Welt hinauszog? Wann tritt es ein, dass man die jungen Leute von heute als Nichtsnutze bezeichnet und als unfähig betrachtet, einen Bleistift zu spitzen?

Im Standard war neulich ein Text über Booktok und Co. Also spezielle Strömungen oder Nischen in sozialen Medien und YouTube, die sich der Besprechung und Analyse von Büchern widmen. Besonders Literatur, die sich an junge Erwachsene richtet, ist hoch im Kurs. Wenn man in einen Buchladen geht, findet man nicht selten eine Ecke, die speziell die Bücher hervorhebt, die in den dortigen Kanälen rauf und runter gelobt werden. Warum auch nicht? Es wäre doch blöd, von den Läden auf diese Trends nicht aufzuspringen. Und nur weil ein Buch über BookTok oder BookTube empfohlen und an Reichweite gewonnen hat, muss es nicht gleich schlecht sein. Das sieht Nico Hoppe, Verfasser des Standard-Artikels, jedoch ganz anders.

In einem durchaus elegant formulierten Text wird alles an diesem Phänomen zerrissen, was nicht bei drei auf den Bäumen ist. Ich verstehe diese Position nicht. Was ist sein Ziel? Sollen alle von Anfang an Tolstoi, Dostojewski, Goethe und Mann lesen? Ich glaube nicht, dass Hoppes erstes Buch »Krieg und Frieden« war, sondern eher ein buntes Kinderbuch mit vielen Bildern und sehr wenig Text. Mag vielleicht weit hergeholt klingen, finde ich aber einen angebrachten Vergleich. Vorlieben beim Lesen entwickeln sich mit der Zeit. Ich habe dutzende Stephen-King-Romane in meiner Jugend gelesen und genieße sie heute noch. Dazwischen mag ich Fantasy oder Science-Fiction. Lese genauso queere Geschichten wie Sachbücher über das Mittelalter oder mitreißende Klassiker. Oder Comics. Ich habe tausende Comics gelesen. Superheldengeschichten genauso wie Horror, Slice-of-Life oder all die anderen Genres, die es gibt.

Booktok zu verurteilen, nur weil sich junge Leser*innen gerne in den Geschichten repräsentiert sehen wollen, sich nach Sichtbarkeit sehnen und manchmal vielleicht etwas voreilig, doch manchmal auch berechtigterweise „Klassiker“ kritisieren, ist eine äußerst gewagte These. Ich lese auch gerne queere Geschichten, weil ich mich selbst in Geschichten wiederfinden will. Meine Erlebnisse, meine Gedanken, meine Erfahrungen und Ängste, Sorgen und Sehnsüchte. Die finde ich nicht in »Krieg und Frieden«. Sollte wirklich »Der Tod in Venedig« die einzige queere Repräsentation sein, die ich kenne und die man mal mehr, mal weniger zwischen den Zeilen herauslesen muss? Es ist ein gutes Buch, aber auch ein Mahnmal und nichts, was ich bereits als naiver Jugendlicher hätte lesen wollen. Ich möchte andere, vielschichtige Sichtweisen, und die finde ich in moderneren Geschichten und Büchern und Comics und Filmen und Serien, die eben auch in Booktok und Co. verhandelt werden.

Hoppe schreibt: „Es ist diese selbstmitleidige Identitätsliteratur, die die Menschen in ihrem vermeintlichen Sosein bestärken will und in einen Zustand pädagogischer Benommenheit lullt.“ Was für ein absoluter Schwachsinn. Wer sieht sich nicht gerne in seiner jugendlichen Naivität bestärkt und sucht sich Lektüre, die die eigene Lebenswelt abbildet? Natürlich will ich in meiner Queerness bestärkt werden. Hat Herr Hoppe kürzlich Nachrichten gelesen? Es ist eine beängstigende Welt für queere Menschen. Nicht nur in fernen Ländern. Bücher zu besprechen und sich selbst zu feiern, sich Sicherheit in Form von bestärkender Literatur zu beschaffen, ist alles andere als verwerflich.

Er schreibt auch: »Wenn Booktuber in Videoessays über toxische Charaktere schwadronieren oder in zahllosen Booktok-Schnipseln über die angebliche Romantisierung problematischer Verhaltensweisen und Wertesysteme in klassischen Romanen geschimpft wird, dann soll Literatur und wohl Kunst im Allgemeinen allein der Selbstbestätigung dienen.« Ich würde gerne die Beispiele sehen, die kritisiert werden. Könnte es sein, dass klassische Romane manchmal problematisch mit weiblichen Figuren umgehen, insofern sie überhaupt vorkommen? Oder mit Minderheiten? Nur mal eine Frage, die man sich stellen könnte, aber dazu war wohl im Artikel kein Platz mehr.

Natürlich sind nicht alle Bücher gut, die auf BookTok und Co. besprochen werden. Natürlich gibt es für alles Negativbeispiele oder verwerfliche Verhaltensweisen. Aber die Generalisierung des Artikels geht mir zu weit. Und jungen Menschen absprechen zu wollen, Bücher zu lesen, weil sie ihnen gefallen, sie bestärken und vielleicht nach den immer gleichen Mustern arbeiten, finde ich äußerst gewagt. Man sollte doch lieber froh sein, dass noch gelesen wird und diverse Sondereditionen von Büchern gedruckt werden, weil sie bei der Zielgruppe beliebt sind. Und wer weiß, was diese Menschen in Zukunft lesen werden. Geschmäcker wandeln sich mit der Zeit. Manchmal bleiben sie gleich.

Aber Hauptsache, man hat sich mal wieder über die Jugend beschwert. Über sie gerichtet, von oben herab, anstatt sich mit ihr auseinanderzusetzen. Man hätte ja vielleicht etwas Neues gelernt. Aber wer möchte das schon?

Immer dem Lamm nach

Ich kann ja auch nichts dafür. Manchmal kann man aus der eigenen Haut einfach nicht heraus und muss sich den eigenen Vorlieben hingeben. Einfach akzeptieren, weitermachen und, wenn möglich, ein bisschen ausbrechen. Natürlich ist die Rede von Soulslikes. Wobei diese Spielekategorie schon seit Jahren sehr schwammig ist. Sobald jemand ein Spiel schwer findet, Gegner immer wieder respawnen, man die gegebene Währung beim Tod zu verlieren droht oder es ein düsteres Setting ist, wird von einem Soulslike gesprochen. Ich möchte nicht behaupten, dass »Cult of the Lamb« eines ist. Es ist weit entfernt davon. Aber ich möchte nur meine Nähe zu diesem Spielegenre klarmachen.

Denn eigentlich wollte ich mir mal die Kategorie von Cozy Games genauer anschauen. Also Spiele, die man zwischendurch zocken kann. Die vielleicht gar kein definiertes Ende haben oder dieses zumindest etwas weiter weg ist. Es geht um das gemütliche Spielen, um Entspannung. Ich habe auch ein paar Spiele gefunden. »Spiritfarer« zum Beispiel. Dieses habe ich gerne gespielt, aber wirklich fesseln konnte es mich am Ende dann doch nicht. Dann gab es auf Steam einen Sale und ich musste mir leider »Cult of the Lamb« zum dritten Mal kaufen (nach Xbox und Playstation jetzt also auch fürs Steam Deck). Das Steam Deck eignet sich für solche Spiele perfekt. Zwischendurch ein bisschen um die eigene Sekte kümmern oder einen Erkundungstrip starten oder ein paar Stunden am Stück zocken. Alles ist mit dem Steam Deck möglich. Na ja, vieles.

Für mich ist »Cult of the Lamb« tatsächlich zu einem Cozy Game geworden. Irrwitzigerweise »Hollow Knight« auch. Dafür habe ich mittlerweile zwar nicht unbedingt eine unendliche Geduld für solche Spiele, aber besonders beim wiederholten Durchspielen gehe ich stets entspannter an die Sache heran. Wie dem auch sei, nicht zuletzt die Accessibility-Einstellungen machen »Cult of the Lamb« zu einem wahren Cozy Game. Man kann das Fischen automatisieren und das Kochen. Man kann einstellen, dass man bei den Erkundungstrips nicht mehr sterben kann und noch ein paar Einstellungen mehr ausprobieren. Ich mag das, wenn Spiele einem mannigfaltige Möglichkeiten bieten. Immerhin muss man sie nicht nutzen, aber allein die Möglichkeit zu haben, macht schon viel aus.

Ich habe mir das Spiel auch zum jetzigen Zeitpunkt noch einmal gekauft, weil ich vor dem nächsten großen DLC, welcher nächstes Jahr erscheinen wird, noch ein paar Durchgänge starten wollte. Zumindest zwei. Denn man kann sich immer wieder entscheiden, wie man die eigenen Follower und Anhänger behandeln möchte. Zwar empfinde ich es als interessant, einen »bösen« Run zu machen, wenn man das so bezeichnen möchte. Am Ende bin ich aber dann doch (meist) nett und lande auf der guten Seite. So gut man eben als Sektenführer in Form eines anthropomorphisierten Lamms sein kann. Das ist nämlich das Gemeine am »Cult of the Lamb«. Alle haben mehr oder weniger süß aussehende Tierformen. Entsprechend schwer fällt es, ein böser Anführer zu sein. Zumindest geht es mir so.

In »Cult of the Lamb« kann man endlose Stunden verbringen (fast hätte ich »vergeuden« geschrieben). Aber es macht tatsächlich Freude, sich um alle zu kümmern. Besonders die Besorgungstouren machen es abwechslungsreich und wenn man möchte, kann man noch eine absurd düstere Geschichte mitnehmen. Ich freue mich schon sehr auf das nächste DLC. Es verspricht, eine große Erweiterung zu werden.

Die Stärke, „Nein“ zu sagen

Egal, welche Apps, Webseiten, Services oder Geräte man aktuell ansieht oder nutzt, überall kommt KI zum Einsatz. Im Deutschen kürzt man künstliche Intelligenz, entgegen dem, was man mancherorts lesen mag, mit KI und nicht mit AI ab. Aber das nur am Rande. Sei es Apple Intelligence, Googles Gemini oder wie sie auch alle heißen mögen, alle bauen irgendwie KI in ihr Portfolio ein.

Dabei steht KI lange nicht mehr für ein wahrlich „intelligentes“ Stück Software, sondern kann von Machine Learning über Large Language Models hin zu Bildgenerierung alles sein. Es ist ein Sammelbegriff, der mittlerweile so schwammig ist, dass es teilweise schwierig ist, zu verstehen, was nun in einem speziellen Fall tatsächlich mit KI gemeint ist. Dabei wird oft außen vor gelassen, dass es sich hierbei nicht um eine Eier legende Wollmilchsau handelt. Stattdessen wird eine spezielle Version einer KI für eine besondere Aufgabe eingesetzt. Wobei der Fortschritt in den vergangenen Monaten wirklich erstaunlich ist und diese Einordnung schon morgen wieder hinfällig sein kann. Darum geht es mir allerdings nicht wirklich.

Mir geht es eher darum, dass ich KI schon nicht mehr sehen kann. Ich brauche keine 137 verschiedenen KI-Assistenten, die mich unterstützen. Sollte es nicht eine KI geben, die das macht? War das nicht einmal unser Traum? Sollte sie nicht Dinge vereinfachen und sie nicht noch komplizierter machen? Natürlich ist sie für manche Bereiche praktisch, trotzdem muss sie nicht alles und jeder überall einbauen. Ganz davon abgesehen, wie manche Firmen ihre KI trainieren und Diebstahl in großem Umfang betreiben (seien es Bücher, Texte, Bilder und noch viel mehr, was ohne Absprache genutzt wird).

Man findet sie auf Apple-Geräten und in Apps. Ich habe die meisten KI-Systeme deaktiviert. Wenn ich etwas nutzen möchte, wie ChatGPT, was ich durchaus gerne mache, dann öffne ich die ChatGPT-App dafür und frage nicht zuerst Siri. Ich bin wirklich gespannt, was aus dieser Thematik wird. Besonders, da viele große Firmen absurde Geldbeträge in die Entwicklung dieser Systeme stecken. Wird das irgendwann platzen wie eine viel zu große Blase? Ich hoffe nicht.

Jedenfalls halte ich es für eine Stärke, wenn Unternehmen oder Anbieter nicht gleich KI auf ihr Produkt schreiben, nur weil ein gutes Machine Learning dahintersteckt. Absurd wird es an anderen Stellen. Letztens bin ich sogar über meinen Proteinshaker gestolpert, der als „smartshake“ beworben wird. Es ist ein Plastikteil, das verhindern soll, dass Klumpen entstehen – meistens funktioniert es. So etwas mit „Smart“ zu betiteln, ist gewagt. Ob das wirklich dazu führt, dass mehr von den Dingern verkauft werden, möchte ich doch stark bezweifeln. Aber vielleicht lassen sich wirklich manche von diesen exponentiell verwendeten KI-Begriffen beeindrucken und damit auch manipulieren.

Steam Deck Basteleien

Das Steam Deck von Valve ist ein beeindruckendes Stück Hardware. Die Handheld-Konsole hat einen regelrechten Trend ausgelöst. Man könnte es vielleicht sogar als Wettrennen bezeichnen. Welcher Hersteller kann den besten Handheld herstellen? Formfaktor, Gewicht, Display, Akkulaufzeit, Steuerung und Software werden hier versucht, zu einem überzeugenden und zufriedenstellenden Gaming-Erlebnis zusammenzustellen. Besonders da SteamOS nun nicht mehr exklusiv dem Steam Deck vorbehalten ist, muss man sich nicht unbedingt mit einem Windows-Handheld herumschlagen. Man kann andere Hersteller ausprobieren und vergleichen, ob sie in der Lage sind, das „Original“ in den Schatten zu stellen.

Bisher, wenn man Testberichten glauben darf, ist das eher nur mäßig gelungen. Natürlich gibt es mittlerweile Geräte mit deutlich mehr Leistung. Diese geht aber meist mit einer komplizierteren oder nicht ganz so reibungslosen Spielerfahrung einher. Das liegt zum Teil daran, dass es noch keine Version von Windows gibt, die speziell für Handhelds angepasst ist und mit diesen Anforderungen zurechtkommt. Es gibt zwar ein Xbox-Handheld, aber hier muss sich erst noch zeigen, wie sich das im Vergleich zu den anderen schlägt.

SteamOS ist eben speziell für ein Handheld entwickelt worden und wird ständig optimiert, verbessert und mit zusätzlichen Features ausgestattet. Das macht es nicht nur benutzerfreundlich, es funktioniert einfach. Man lädt die Spiele herunter, die man spielen möchte, und legt los. Die Spiele muss man zum Pausieren nicht beenden, man versetzt das Steam Deck einfach in den Standby-Modus. Später macht man genau da weiter, wo man aufgehört hat. Mittlerweile ist das Steam Deck fast zu meiner Lieblingskonsole geworden. Das hätte ich mir selbst vor ein paar Monaten noch nicht denken können. Doch das Prinzip „einschalten und loslegen können“ ist sehr überzeugend.

Das Einzige, was noch nicht reibungslos funktioniert oder wo ich mir von Valve mehr Unterstützung erhoffe, sind tatsächlich Mods. Ich hatte versucht, für Elden Ring Mods zu installieren, aber das ist äußerst kompliziert und aufwendig. Ich bin daran gescheitert und wollte mich irgendwann nicht mehr damit auseinandersetzen. Wenn es hier eine einfachere Möglichkeit gäbe, out-of-the-box quasi, Mods von der Webseite Nexusmods einfacher handhaben zu können, wäre das ein großer Gewinn. Ich tüftle gerne herum, probiere Dinge aus und setze manche Geräte auch wieder zurück, wenn ich scheitern sollte oder etwas so verändere, dass ich es selbst nicht mehr rückgängig machen kann. Aber auch das hat Limits.

Mods für Spiele zu installieren, sodass es für Spieler*innen nachvollziehbar und schnell geht, wäre sicherlich noch ein großes Verkaufsargument für das Steam Deck. Mods sind aktuell Spiele-PCs vorenthalten. SteamOS basiert auf Linux, was bisher im Gaming eher eine Nebenrolle spielte. Daher gibt es nur wenige detaillierte Anleitungen, wie man Mods installiert. Vor allem wenig gute Anleitungen, die aktuell gehalten werden und in jedem Schritt komplett nachvollziehbar sind. Das wird sich mit Sicherheit in den nächsten Monaten und Jahren noch ändern. Trotzdem wäre es nett, wenn Valve selbst dieses Potenzial sehen und bedienen würde.

Apple One

Vor ein paar Wochen habe ich mich dazu entschlossen, auf ein Apple-One-Abo upzugraden. Seit Jahren zahle ich separat für mehr iCloud-Speicher, Apple Fitness+ und immer mal wieder für Apple TV+. Doch die 200 GB wurden langsam knapp, dank meiner äußerst umfangreichen Fotobibliothek. Bevor ich also noch einmal upgrade, habe ich mir gedacht, ich zahle pro Monat etwas mehr, dafür bekomme ich noch Apple Music, Arcade und TV+ dazu.

Zugegeben, knapp 35 € im Monat sind nicht gerade günstig. Doch 2 TB Speicher und die restlichen Dienste in einem Paket zu haben, ist äußerst praktisch. Seither nutze ich Apple Music sehr regelmäßig und bin durchaus angetan. Es ist schon Jahre her, dass ich dem Musikdienst von Apple das letzte Mal eine echte Chance gegeben habe. Zwar war ich bislang mit YouTube-Musik auch zufrieden, aber so richtig geil zu bedienen ist der Dienst auch nicht. Außerdem ist der Dienst mit YouTube verbandelt und nicht ordentlich getrennt. Das macht es manchmal nervig. Bei Apple TV+ auf der anderen Seite muss ich zwar noch genauer reinschauen, aber die Serien hatten in der Vergangenheit eine äußerst hohe Qualität und Rezensionen fallen durchweg positiv aus.

Es ist immer die Frage, wie viel man bereit ist, pro Monat für gewisse Dienste aufzubringen. Vor allem stellt sich die Frage nach der tatsächlichen Nutzung. Deshalb ist meine Philosophie, Streamingdienste, besonders solche wie Netflix, Disney+ und Co., nur einen Monat zu abonnieren und sofort wieder zu kündigen. So spart man sich ärgerliche, automatische Verlängerungen. Des Weiteren gibt es mir genug Zeit, die Handvoll Episoden einer Serie oder den Film anzuschauen, den ich sehen will. Dass jetzt bei Apple geändert zu haben, geht aus der Vielfalt der Dienste hervor. Über die nächsten Monate wird sich zeigen, wie sehr ich die Dienste tatsächlich nutze und ob es sich für mich auszahlt.

112 %

Manche Spiele lassen einen nicht mehr los. Für mich ist das beispielsweise »Elden Ring«. Das Meisterwerk von Hidetaka Miyazaki und FromSoftware. Oder »Lies of P«, das beste Soulslike abseits der Spiele von FromSoftware, den Erfindern des Genres. Aber seit ein paar Monaten gesellt sich das mittlerweile acht Jahre alte Metroidvania und mit Soulslike-Elementen versehene »Hollow Knight« dazu. Bisher habe ich es nur einmal durchgespielt. Ich habe dabei kein „geheimes Ende“ oder so freigeschaltet. Ich habe einfach nur versucht, durchzukommen. Doch ich möchte mehr von dem Spiel.

Ich möchte alles sehen. Bei Hollow Knight wird so ein Durchlauf als 112-%-Run bezeichnet. Denn wenn man das Hauptspiel inklusive der DLCs spielt, kommt man auf diese Zahl. Doch wie sollte man am besten bei so einem Run vorgehen? Gibt es Quests, die zu erfüllen sind? Kann ich etwas verpassen, Gegenstände oder NPCs beispielsweise, die bei einem gewissen Spielfortschritt verschwinden oder woanders zu finden sind? Deshalb habe ich mir einen Walkthrough herausgesucht. Es gibt durchaus ein paar auf YouTube zu finden, bei denen man die Spieler*innen von Anfang bis Ende begleitet. Ich habe einfach mal einen gestartet.

Gelandet bin ich beim Kanal »HorizonShield«. Erst war es mir etwas fremd, dass der Typ, der den Run macht (ich kenne leider den Namen nicht), wenig erklärt und quasi nebenbei das Spiel spielt, während er sich mit Leuten in der Umgebung unterhält. Doch mittlerweile bin ich bei Video 5 oder 6 angekommen und mag das Format sehr gerne. Es hat etwas Entspannendes an sich. Ich sitze auf der Couch, am Fernseher laufen die Videos nacheinander ab, ich spiele am Steam Deck parallel mit und der Spieler unterhält sich nebenbei ein bisschen. Natürlich wird zwischendurch mal etwas erläutert, aber eher selten. Der Spieler kennt Hollow Knight sichtlich auswendig und damit ist es ein gemütlicher Durchlauf des Spiels. Eine tolle Atmosphäre.

Das soll aber nicht heißen, dass es leicht ist. Es ist immer noch Hollow Knight. Manche Levelabschnitte meinen es nicht gut mit einem und gewisse Bosse fordern mich auch beim zweiten Mal noch. Aber es ist leichter als beim ersten Durchlauf. Immerhin kenne ich das Spiel schon und weiß, was mich erwartet. Erstaunlicherweise fallen mir sogar Parcours- und Sprungpassagen leichter. Beim ersten Mal habe ich das Steuerkreuz verwendet, nun spiele ich mit dem Analog-Stick. Eigentlich, dachte ich mir zumindest, müsste es mit dem Steuerkreuz präziser funktionieren, doch der Analog-Stick fühlt sich für mich um einiges besser an. Ich freue mich schon fast auf die Herausforderungen, die da noch auf mich zukommen. Diese Einsicht wird sich aber rasant ändern, wenn ich beim »Path of Pain« angekommen bin.

Es gibt Spiele, die mich nicht loslassen. Ich will sie meistern. Ich will die Bosse ohne Hilfe bezwingen (das steht in Elden Ring noch bei ein paar aus), die Welt kennen, die Geschichte und eine gewisse Leichtigkeit erlangen, die doch im Hintergrund so unglaublich schwer ist. Hollow Knight hat es mir angetan. Das Design, der Soundtrack, einfach alles greift hier wunderbar ineinander und bietet ein einzigartiges Erlebnis.

  • YouTube | HorizonShield | Hollow Knight 112% Walkthrough

Everything X-Men | Einleitung

Es ist Donnerstag. Das heißt, wir sehen uns einen alten Text von mir an. Wie letzte Woche angekündigt geht es heute los mit »Everything X-Men«. Einer Reihe von Texten, die ich für mein Medienwissenschaftsstudium geschrieben habe. Es war ein kleines Mammutprojekt und hatte als Ziel oder Prämisse, die X-Men-Comics chronologisch zu lesen, zu besprechen und zu analysieren. Die Texte habe ich damals auf Englisch verfasst. Heute möchte ich sie allerdings in Deutsch präsentieren. Für die initiale Übersetzung habe ich DeepL bemüht. Natürlich redigiere ich die Texte noch und sehe zu, dass sie Sinn ergeben.

Den Anfang macht die Einleitung des Projekts. Genauer gesagt handelt es sich, wenn ich mich richtig entsinne, um den Projektantrag oder etwas in der Art. Ich gehe darauf ein, wie die Idee des Projekts entstand und was ich genau vorhabe.


Die Idee für diese Reihe entstand Anfang 2017. Ich studierte Medienwissenschaften und Philosophie im dritten Semester, und in meinem Hauptfach – Medienwissenschaften – müssen alle Studierenden ein sogenanntes „Projektstudium“ absolvieren. Dieses Projekt soll ein wissenschaftliches und praktisches Projekt sein, bei dem man etwas Eigenes schafft. Man konzentriert sich dabei auf einen Aspekt oder ein Thema, behält aber immer den wissenschaftlichen Aspekt im Blick. Da ich mich seit vielen Monden als Blogger und Rezensent betrachtete, wollte ich unbedingt eine Reihe von Blog-Artikeln schreiben.

In den darauf folgenden Monaten, nachdem ich die Idee hatte, sprach ich mit Prof. Dr. Tanja Thomas, einer Professorin im Fachbereich Medienwissenschaft, und fragte sie, ob sie Interesse hätte, das Projekt zu betreuen. Nach einer ausführlichen Diskussion darüber, wie ich meine Idee umsetzen könnte, habe ich viel recherchiert und angefangen, einige X-Men-Comics zu lesen. Die Ergebnisse meiner Recherchen und Lektüren werden in den nächsten Wochen und Monaten veröffentlicht. Ich hoffe, ich konnte mit diesen Texten etwas Interessantes schaffen. Ich hatte auf jeden Fall viel Spaß beim Schreiben. Man könnte sagen, dass diese Reise eine unglaubliche Xperience war. Eine xzellente Idee, quasi.

Wo soll ich anfangen?

Ich liebe Comics und betrachte mich selbst als großen Fan der X-Men. Leider sind meine Erfahrungen mit ihren Geschichten eher begrenzt. Meine erste echte Begegnung mit den X-Men war der erste Film von Bryan Singer aus dem Jahr 2000. Ich war damals elf Jahre alt und sofort fasziniert. Seitdem habe ich jeden Film gesehen und einige Comics dieser wunderbaren Figuren gelesen. Dennoch blieben sie für mich eher im Hintergrund, und ich habe mich nie dazu durchgerungen, sie alle zu lesen – vor allem, weil ich nicht wusste, wo ich anfangen sollte. Wenn man sich die Grafik aus der Doktorarbeit „Reading The Uncanny X-Men: Gender, Race and the mutant metaphor in a popular narrative“ von Joseph Darowski ansieht, wird deutlich, wie viele Serien es gab und immer noch gibt.

Seit 2011 gab es etwa 50 Events, 10 Neustarts oder Reboots (mal mehr, mal weniger einschneidend) und eine Reihe von Miniserien sowie Specials, die das Potenzial hatten, „das Internet zu sprengen“, wie Marvel Mitte 2017 erklärte (http://www.hollywoodreporter.com/heatvision/marvel-teases-a-comic-book-twist-will-break-internet-996924). All das ist jedoch bereits geschehen, und wir möchten nun in eine Zeit zurückkehren, in der all das noch bevorstand – in die gute alte Zeit. Ihr wisst schon, als Comics nur ein paar Cent kosteten und Stan Lee und Jack »The King« Kirby die Hälfte unserer Helden erschufen. Dort beginnt unsere Reise.

Ich wollte schon immer die X-Men von Anfang an lesen und die Geschichten als Ganzes erleben. Wo haben sie angefangen, was ist unterwegs passiert? Endlich alle Anspielungen verstehen, die noch heute in den Ausgaben zu finden sind. Leider musste ich feststellen, als ich die großartige Leseliste von Comicvine entdeckte (Guide to reading X-Men-Comics https://comicvine.gamespot.com/forums/x-men-155/guide-to-reading-x-mencomics-1727695), dass es sehr viele X-Men-Comics gibt. Man könnte Hunderte und Aberhunderte von Ausgaben lesen und wäre immer noch im Rückstand, weil Monat für Monat neue hinzukommen. Das ist entmutigend. Aber ich gebe nicht auf und habe daher einige Kürzungen vorgenommen. Irgendwo muss man ja anfangen, oder?

Der Plan

Außerdem muss das Projekt ein Ende haben – zumindest der Teil, der sich auf das Studium bezieht. Und es sollte vor meinem sechsten Semester abgeschlossen sein, damit ich mich dann auf meine Bachelorarbeit konzentrieren kann. Daher habe ich mich für eine Reihe von etwa 15 Artikeln (einschließlich dieser Einleitung) entschieden. Natürlich werde ich die Serie fortsetzen, wenn ich Lust dazu habe. Um es etwas interessanter zu gestalten, habe ich verschiedene Schöpfer aus den letzten fünf Jahrzehnten ausgewählt, und dies sind nun die Comics, die es in meine Reihe geschafft haben:

  1. Stan Lee / Jack Kirby (1963–1966)
  2. Roy Thomas / Neal Adams (1969/70)
  3. X-Men First Class v1 (2007)
  4. Chris Claremont Part I
  5. Chris Claremont Part II
  6. Chris Claremont Part III
  7. Avengers Disassembled (2004/2005)
  8. House of M
  9. X-Men Legacy: Legion
  10. Chris Claremont Part IV

Ich möchte nicht ausschließlich über die X-Men sprechen, das wäre nur eine eher wissenschaftlich fundierte Rezension einiger Comics, und ich habe in den letzten x Jahren bereits viele Rezensionen geschrieben. Ich wollte einen Schritt weitergehen. Ich kam auf die Idee, etwas aus diesen Serien zu nehmen – ein Thema, eine Anspielung oder eine Idee – und darüber in einem separaten Artikel ausführlicher zu sprechen. Diese Themen könnten alles Mögliche sein, von der Comic Book Authority hin zu Comic-Studien im Allgemeinen, über Terminologie, interessante Debatten, erwähnte Philosophien oder sexuelle Orientierungen und Geschlechterkonzepte.

Das bedeutet, dass auf jede Rezension/Analyse ein eher theoretisch ausgerichteter Artikel folgt – ein Essay. Dies sind die Themen, die ich bisher ausgewählt habe:

  1. Comic Book Authority
  2. Was ist ein Mutant?
  3. Comic Book Ages
  4. Die Mutanten-Metapher
  5. Philosophien innerhalb der X-Men
  6. A broken back in the refrigerator
  7. Comic-Events
  8. Wer bin ich?

Das Besondere an den X-Men und ihrer sehr langen Geschichte ist, dass sie oft als ein Konglomerat von Ideen und Themen angesehen werden. Daher werden die Schöpfer selbst oft als eine zusammengewürfelte Masse betrachtet. Das sind sie jedoch nicht. Jeder Schöpfer muss separat betrachtet und daher als Bestandteil des Gesamtbildes, also der X-Men, analysiert werden. Es ist ein Fehler, ein universelles Bild eines X-Universums zu schaffen.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass jeder Autor, jede Künstlerin die Dinge unterschiedlich interpretiert. Wir haben alle verschiedene kulturelle Hintergründe und eine andere Sozialisierung, die stets mitgedacht werden muss. Mit meiner Recherche zu den einzelnen Themen habe ich versucht, dieser Einschränkung Rechnung zu tragen. Allerdings gilt auch hier: Meine Artikel sind nur eine Sichtweise, eine Möglichkeit, die Dinge zu interpretieren, inspiriert von den Büchern und Artikeln, die ich erwähnen werde. Ich werde sicherlich etwas vergessen oder übersehen.

Was noch zu sagen ist

Chris Claremont wird in der Übersicht häufiger erwähnt, weil er fast 20 Jahre lang die X-Men in vielen verschiedenen Team- und Solo-Serien geschrieben hat. Daher hat er die Charaktere wie kein anderer vor oder nach ihm geprägt. Zuerst dachte ich, ich würde nur einige Handlungsstränge hier und da auswählen. Aber das schien unmöglich. Wie könnte ich als Außenstehender die „richtigen“ auswählen? Ich meine, seine Geschichten gelten als die besten Geschichten der X-Men. Beispielsweise „The Dark Phoenix Saga“, „Days of Future Past“, „Trial of Magneto“ oder „The Fall of the Mutants“. Und ich möchte diese Geschichten nicht ohne Hintergrundinformationen lesen oder ohne zu wissen, was bisher passiert ist. Im Grunde möchte ich damit sagen: Wir werden seine Comics chronologisch durchgehen, basierend auf der oben genannten Lesereihenfolge.

Ich denke, das reicht fürs Erste. Was den Veröffentlichungsplan angeht: Ich werde zwei Artikel pro Monat veröffentlichen. Jeder Monat hat also ein Thema. So bleibt für die geneigten Leser*innen, die diese Reihe verfolgen, genug Zeit, um die Comics zu lesen. Marvel Unlimited ist ein guter Ausgangspunkt. Wenn ihr aber Sammler*innen seid, gibt es schöne, aber teure Omnibus- und Sammlerausgaben. Derzeit lese ich hauptsächlich digital, aber das eine oder andere Hardcover im Regal stehen zu haben, wäre natürlich auch nicht schlecht.

Gutes Essen

Ich gehe gerne essen. Ich probiere dabei auch immer wieder neue Lokale aus. Über die Entdeckungen in Salzburg berichte ich regelmäßig. Dabei achte ich darauf, dass es preislich im Rahmen bleibt. Der populären Meinung, dass es in Salzburg nur überteuerte Restaurants gibt, kann ich mich nicht anschließen. Natürlich kann man teuer essen gehen, aber genauso findet man »normale« Preise und günstigere Alternativen. Man muss nur gewillt sein, auch mal etwas Neues auszuprobieren.

Dadurch habe ich schon diverse nette Lokalitäten gefunden. Etwa ein kleines asiatisches Lokal. Oder ich probiere statt einer Hauptspeise zwei Vorspeisen. So kann man die eigene Palette noch einmal mehr erweitern und gibt nicht mehr Geld aus als notwendig. Gelegentlich darf man es sich natürlich auch gut gehen lassen. Solange es im Rahmen bleibt. Ich bin der Ansicht, dass, wenn man schon mehr Geld fürs Essen ausgibt, mehr stimmen muss als die reine Nahrung an sich. Das Ambiente, der Service, die Atmosphäre – es spielen viele Faktoren eine Rolle. Und doch gibt es Grenzen. Ich muss keine 300 € ausgeben. Ist es das Essen wirklich wert oder mache ich das nur, um danach sagen zu können, dass ich 300 € fürs Essen bezahlt habe?

Ich bin lange Zeit regelmäßig in eine Weinbar gegangen. Die Chefin war sympathisch, das kleine Lokal hatte eine tolle Atmosphäre und die Käseplatte war einfach unvergleichlich. Seit ich keinen Alkohol mehr trinke, bin ich allerdings kaum noch dort, auch wenn es alkoholfreie Alternativen gibt. Ich habe auch gerne immer mal wieder neue Weine ausprobiert. Aber bei mir ist relativ schnell die Schmerzgrenze erreicht, was ich bereit bin, für ein Glas Wein zu bezahlen. Dafür bin ich nicht Weinkenner genug. Die äußerst feinen Unterschiede schmecke ich nicht mehr. Natürlich erkennt man den Unterschied zwischen einem 5 €/Glas Wein und einem 10 €/Glas Wein. Doch alles darüber hinaus ist es mir einfach nicht wert.

Besonders schade finde ich es, wenn man für Essen zwar vergleichsweise viel bezahlt, es aber weder durch den herausragenden Service noch das exzellente Gericht gerechtfertigt ist. So geschehen letztens in Tübingen. Ich war mit Freunden in einem relativ neuen thailändischen Lokal. Das Essen war durchschnittlich und die Kellner*innen haben uns nach der initialen Bestellung weitgehend ignoriert. Normalerweise hat das Lokal bis 22 Uhr geöffnet. Schon vor halb zehn bestellte ich noch ein Getränk und musste mich um die Aufmerksamkeit des Kellners bemühen. Schade um einen sonst wirklich großartigen und lustigen Abend.

Wenn ich Essen gehe, kommt es mir vorwiegend auf die gute Gesellschaft an und auf entsprechende Gespräche. Umso besser, wenn es dann noch ein kleines kulinarisches Erlebnis wird. Aber man muss nicht unbedingt viel Geld ausgeben oder lange auf die Suche gehen, um es sich gut gehen zu lassen. Man kann es auch bei der Hauptspeise belassen. Oder sich mit Vorspeisen eindecken. Besonders wenn man bedenkt, dass manchmal Vorspeisen fast so teuer sind wie die eigentlichen Hauptgerichte. Dann lieber davor noch ein nettes Café aufsuchen und einen guten Espresso genießen.

Style over substance?

Seit ich »Tron: Legacy« vor mittlerweile 15 Jahren das erste Mal im Kino gesehen habe, bin ich großer Fan des Films. Er zeigte mir eine Welt, die ich so noch nie gesehen hatte. Den alten Tron-Film habe ich bis heute nicht gesehen und weiß auch nicht, ob ich ihn wirklich nachholen sollte oder überhaupt möchte. Vielleicht wäre es ein nettes Experiment, einen Blick in diesen alten Schinken zu werfen. Aber »Tron: Legacy« lässt mich seit seiner Premiere nicht mehr los.

Deshalb war ich umso erfreuter, dass es nun, so viele Jahre später, endlich einen Remaster des Films gibt – in 4K-Auflösung und mit Dolby-Atmos-Abmischung konnte ich nicht anders, als mir die Blu-ray vorzubestellen. Der Film von Visionär Joseph Kosinski und mit Jeff Bridges, Olivia Wilde und Garrett Hedlund in den Hauptrollen hat es mehr als verdient, in voller Pracht genossen zu werden.

Frecherweise könnte man »Tron: Legacy« als das teuerste Musikvideo aller Zeiten bezeichnen. Denn der Soundtrack von Daft Punk knallt von der ersten Minute an. Dabei ist es bezeichnend, dass sie nicht nur die Actionsequenzen mit nuancierter, knalliger Wucht zu untermalen wissen, sondern genauso ruhige Momente beherrschen. 15 Jahre später empfinde ich es noch immer als Frechheit, dass sie keinen Academy-Award bekommen haben. Sie waren noch nicht einmal nominiert. Das tut dem Ganzen aber keinen Abbruch. Dank meiner Dolby-Atmos-Surround-Anlage hat der Soundtrack meine Wohnung gut zum Vibrieren gebracht. Aber auch abseits des Films höre ich den Soundtrack immer wieder gerne.

Die Geschichte an sich ist recht simpel. Aber das heißt nicht, dass sie in irgendeiner Art langweilig wäre. Es sollte auch keine allzu komplexe Geschichte sein. Denn Kern des Films sind die Effekte, die Welt, das Design und der immerwährende, alles umfassende Sound. Die Effekte können sich heute noch sehen lassen. Das ist der Vorteil, wenn man sich zum einen Zeit dafür lässt und zudem einen komplett eigenen Stil entwickelt, der nicht in die Jahre kommt.

Vereinzelt ist der Film natürlich gealtert, wenn es beispielsweise um die Verjüngung von Jeff Bridges geht. Ansonsten finde ich aber nicht wirklich etwas Negatives an dem Film. Das mag die Nostalgie sein, die rosarote Brille, durch die ich den Film betrachte, aber das mache ich äußerst gerne. Für mich ist der Film ein Meisterwerk und ein Meilenstein der Filmgeschichte.

Noch zwei Details, die mir beim erneuten Anschauen wieder ins Gedächtnis gerufen wurden: Zum einen natürlich Michael Sheen als Zuse/Castor und Inhaber des End-of-Line-Club. Sheen verkörpert den Charakter mit einer Inbrunst, einer Leidenschaft, die ihresgleichen sucht. Er ist zwar nur ein paar Minuten zu sehen, aber zementiert sich damit in der Filmgeschichte. „Unhinged“, wie man im Englischen so schön sagt – auf die positivste Art. Dann hätten wir natürlich noch Cillian Murphy als Softwareentwickler Edward Dillinger Jr. Dass er nicht für die Fortsetzung engagiert und die Geschichte auf diese Weise weitererzählt wurde, finde ich nach wie vor ein großes Versäumnis. Aber ein netter, kleiner Cameo bleibt es allemal.

»Tron: Legacy« – was für ein epischer Film.