Bilder für Texte

Wenn ich Bilder für Texte verwende, habe ich aktuell zwei Quellen. Entweder ich habe die Fotos (manchmal auch Screenshots) selbst gemacht und stelle diese bei einem Text zur Verfügung. Oder aber ich greife auf Stockfotos zurück. Hierzu habe ich schon vor einer Weile ein Jahresabo bei Unsplash abgeschlossen, da mir die Auswahl sehr gut gefällt und man zu den meisten Themen etwas findet. Nicht alle Texte bekommen allerdings ein Bild oder eine Grafik. Es kommt hauptsächlich auf das Geschriebene an sich an. Wenn mir aber gerade etwas im Kopf herumschwebt, versuche ich, eine entsprechende Grafik bei Unsplash zu finden.

Ich glaube, ich kann an einer Hand abzählen, wie viele KI-generierte Bilder ich für Texte verwendet habe – wenn überhaupt. In der Vergangenheit habe ich schon des Öfteren mit derlei Programmen gespielt und experimentiert. Besonders Midjourney fand ich ansprechend, was die Bedienung und die Qualität der Resultate anbelangt. Bis vor kurzem hatte ich sogar eine Galerie mit ein paar der Bilder, die ich mithilfe von Midjourney erzeugt hatte. Diese habe ich allerdings vor langer Zeit wieder gelöscht. Denn meine Meinung zu generativer KI hat sich seitdem geändert.

Meine frühere Argumentation war, dass ich ja niemandem einen Job wegnehme, wenn ich mithilfe von KI ein Bild generiere. Das ist so weit richtig, denn ich hätte nie jemanden engagiert, um für einen Text ein Bild zu erzeugen. Richtig ist aber auch, dass ich nicht weiß, welche Daten verwendet wurden, um die KI zu trainieren. Immerhin kann ich der KI sagen, an welchem Stil sie sich bei der Erstellung des Bildes orientieren soll. Sind die entsprechenden Daten eingekauft und die Künstler*innen entlohnt worden? Oder wurden die Daten gestohlen bzw. sucht sich die KI die Daten aus einem Sammelsurium an Quellen heraus, das niemand so recht überblicken kann, geschweige denn hinterfragt?

Aktuell laufen viele Rechtsstreite, was die Quellen für KI anbelangt. Besonders wenn es um Schriftsteller*innen geht. Tausende Bücher wurden angeblich illegalerweise für das Training diverser KI-Varianten verwendet. Erste Urteile fallen eindeutig zugunsten der Autor*innen aus. Das finde ich gut. Ein Autor, dessen Name mir leider entfallen ist, hat in einem Vortrag oder Verfahren (ich bin mir nicht mehr sicher) es sehr gut formuliert. Er meinte, dass er über Jahre und Jahrzehnte das schriftstellerische Handwerk gelernt und verfeinert hat. Er ist immer wieder gescheitert, bis er endlich Erfolg hatte. Gut schreiben zu können, egal was es ist, braucht sehr viel Übung, Zeit, Fleiß und auch Aufopferung. Manchmal ist es mit Erfolg gekrönt, manchmal schreibt man ein tägliches Blog über Jahre nur für sich, weil es eben Spaß macht.

Wenn nun eine KI mit den Büchern, die man geschrieben hat, trainiert wird, ist das schlicht und ergreifend Diebstahl. Ich möchte auch nicht, dass eine KI mit meinen Texten trainiert wird. Ich stelle die Texte zwar gratis zur Verfügung und mache das gerne, trotzdem sind es meine Texte, mein Stil, meine Zeit, die ich dafür aufbringe. Wenn eine KI damit trainiert werden soll, will ich gefragt und dafür entlohnt werden, sollte ich dem zustimmen. Denn ich weiß nicht, wofür die Daten verwendet werden. Welche Texte damit generiert werden.

Generativer KI stehe ich äußerst skeptisch gegenüber. Genauso wie den ganzen Rechenzentren, die aktuell gebaut werden. Und all die hunderten Millionen und Milliarden, die investiert werden. Es schreit danach, dass dies eine Blase ist, die nur darauf wartet, zu platzen. KI kann nützliche Aspekte haben, keine Frage. Sie kann uns in Teilbereichen weiterhelfen, bei Analysen Arbeit abnehmen und beim Programmieren unterstützen. Es ist ein Werkzeug. Aber es bedarf Regulierung, Kontrolle und klarer Grenzen. Soziale Medien und Videoplattformen werden mit KI-generierten Inhalten überflutet. Was echt ist und was nicht, ist längst nicht mehr zu unterscheiden. Trotzdem werden darauf Meinungen aufgebaut und politische Ansichten geprägt. Eine äußerst skeptische Haltung wäre angebracht.

Es ist ein spannendes Feld, keine Frage. Doch Daten zu stehlen, damit KI zu trainieren und das Internet zu fluten, politische extreme und Debatten aufzuheizen und anzustacheln, klingt nicht gerade nach der utopischen Science-Fiction-Zukunft, die ich im Sinn habe, wenn ich an diese Technologie denke. Ich möchte gerne mehr in Richtung Star Trek und nicht Warhammer 40k.

Allison Saeng | Unsplash

Hollow Knight – Sprung ins Glück?

Nach knapp fünfundzwanzig Stunden Spielzeit bin ich mit Hollow Knight durch. Acht Jahre nachdem das gefeierte und millionenfach verkaufte Spiel erschienen ist. Und nachdem der langersehnte Nachfolger endlich veröffentlicht wurde. Werde ich mich dem Silksong genannten Titel aber gleich im Anschluss widmen? Ich denke nicht. Denn so toll Hollow Knight ist, so gut und detailliert die Welt gestaltet ist und so individuell, wie man sich die Reise gestalten kann, war der Durchlauf doch nicht komplett frustfrei.

Keine Frage, Hollow Knight ist ein grandioses Spiel und hat alle Lobeshymnen verdient. Doch es ist kein Spiel, das ich platinieren werde. Es ist auch kein Spiel, das ich so schnell noch einmal durchspielen werde. Es ist das perfekte Spiel für das Steam-Deck, läuft flüssig und macht Spaß. Doch die Sprungpassagen und Parcours-Herausforderungen sind nichts für mich. Bereits bei »Prince of Persia – The Lost Crown« haben mich manche solcher Passagen halb in den Wahnsinn getrieben. Man muss Modi umschalten, bräuchte am besten mehrere Paar Hände und übersinnliche Kräfte.

In Hollow Knight wird eine Perfektion verlangt, die ich nicht bereit bin, aufzubringen. Anders gesagt, will ich mich nicht derart in das Spiel einarbeiten. Zumindest aktuell nicht. Wer weiß, was die Zukunft bringt. Schade ist nur, dass manche schöne Ziele hinter diesen Passagen versteckt liegen. Man muss beispielsweise gefangene Raupen befreien. Die hätte ich gerne alle gefunden, besonders nachdem ich die Schatzkarte dafür freigeschaltet habe – was ein ordentlicher Umweg war. Aber leider warten bei dieser Quest knallharte Parcours-Herausforderungen darauf, gelöst zu werden. Dass in einem DLC solche Aufgaben versteckt und angeboten werden, okay. Aber bei einer netten kleinen Quest ist mir das zu viel.

Ich hätte gerne mal einen Sidescroller, bei dem ich nicht solche Sprungpassagen überwinden muss. Vor kurzem habe ich mir »Bloodstained« im Angebot geholt, vielleicht verzichtet ja das darauf. Ich lasse mich gerne überraschen. Trotzdem bin ich froh, endlich Hollow Knight durchgespielt zu haben. Schon viel zu lange habe ich das vor mir hergeschoben. Es ist ein verdammt gutes Spiel. Wer bisher einen Bogen um das Spiel gemacht hat, sollte einen Blick reinwerfen. Die Gegner sind hart und man muss sich mit den Mechaniken, die einem das Spiel bietet auseinandersetzen, aber es belohnt die Mühen auch. Interessante, teils witzige Nebencharaktere, tolle Levelabschnitte und mysteriöse Geheimnisse wollen entdeckt werden.

Geek-Planet | The Walking Dead: #163 – conquered

Es ist Donnerstag und das heißt wir werfen einen Blick in die Vergangenheit. Leider habe ich mir das genaue Datum nicht aufgeschrieben. Aber die Ausgabe #163 erschien im Februar 2017, also dürfte der folgende Text in etwa zu dem Zeitpunkt auf meinem damaligen Blog »Geek-Planet« erschienen sein. Diesen gibt es allerdings nicht mehr. Ich möchte aber trotzdem alle meine Texte an einem Ort versammelt wissen.

Ich kann mich noch dunkel an die Zeichnungen der Horden an Walker erinnern. Es waren gewaltige Bilder, doppelseitige Meisterwerke von Charlie Adlard. Aber immer wieder einen Monat warten zu müssen, bis es weitergeht, war nicht einfach. Vor allem mit solchen Cliffhangern. Robert Kirkman hat eine interessante Technik bei TWD angewandt. Die Geschichte geht stets nahtlos weiter. Manch andere Comics mögen die Charaktere etwas Revue passieren lassen oder einen leichteren Einstieg wagen. Doch TWD ist eine immer weiterführende Geschichte gewesen. Der Fokus liegt auf der Erzählung. Deshalb kann man die dicken Compendium-Bücher so toll lesen. Das macht es zwar manchmal nicht so leicht, nach einem Monat Pause den Einstieg wiederzufinden, doch das lädt nur dazu ein, die Ausgaben immer wieder in die Hand zu nehmen.


Nach dem Ende des „Whisperer War“ wurde bereits spektakulär angedeutet, welche Unbequemlichkeiten unsere Protagonisten als Nächstes überstehen müssen: tausende von Walkern sind auf direktem Weg nach Alexandria und reißen alles mit sich, was sich ihnen in den Weg stellt.

  • Creator, Writer: Robert Kirkman
  • Penciler: Charlie Adlard
  • Inker: Stefano Gaudiano
  • Gray Tones: Cliff Rathburn
  • Letterer: Rus Wooton

“An ocean of the dead” – Rick

Es ist das erste Mal, dass ich „The Walking Dead“ als monatlichen Comic lese und nicht ein Hardcover-Buch in der Hand halte. Oder zumindest einen Handlungsbogen in einem Rutsch lese. Ich bin gespannt, wie sich diese Umstellung auf die Erfahrung der Geschichte auswirken wird. Die Umstellung wird mir allerdings etwas leichter gemacht, da es sich bei der Nummer 163 um eine überlange Ausgabe handelt. Zum 25. Jubiläum von Image Comics gibt es ein paar Comics günstiger – so bekommt man diesen für mickrige 0,25 Dollar.

Es ist schon erstaunlich, wie lange sich The Walking Dead bereits auf dem Comicmarkt behauptet und die Crew es trotzdem schafft, weiterhin eine konstant spannende Geschichte zu erzählen. Es wird weder langweilig noch scheinen Robert Kirkman die Ideen auszugehen. Ich bin sehr gespannt, wo die Reise weiter hingehen wird und welche Orte und Bekanntschaften die Protagonisten in den nächsten Ausgaben besuchen und meistern müssen. Doch erst einmal sehen wir uns den Marsch der Walker etwas genauer an.

Die Walker bestimmen diese Ausgabe wie keine andere zuvor. Sie wurden in den letzten Geschichten immer weiter in den Hintergrund gedrängt. Der Fokus lag auf den zwischenmenschlichen Beziehungen und Problemen (allen voran natürlich Negan). Außerdem konnten es sich unsere Protagonisten in den vergangenen Jahren wirklich gut gehen lassen. Die Whisperer haben dies produktiv genutzt und eine unvorstellbare Menge an Walkern angesammelt – wo sie diese wohl alle gefunden haben? Jedenfalls haben sie sie nach Alexandria geschickt, um sich nicht selbst die Finger schmutzig machen zu müssen. Doch was können Rick und Co. wirklich gegen sie ausrichten?

Zwar werden zwischendurch immer mal wieder die Walker gezeigt, doch erst am Ende sieht man die gewaltige Menge, die sich auf Alexandria zubewegt. Zuvor wird von den Charakteren immer wieder angesprochen, wie sich die Walker anhören. Es sind so viele, man hört sie meilenweit. Wie ein unaufhaltsames Meer strömen sie durch das Land. Eine unaufhaltsame Macht. Faszinierend ist, wie Charlie Adlard den Walkern eine eigene Physik zu geben scheint. Dies ist nicht als Kritik gemeint, sondern soll hervorheben, wie einzigartig die Welle agiert. Durch Straßenschluchten hindurch, auf den Graben vor den Mauern Alexandrias zu – sie quetschen sich sogar durch das Tor (ein grausam herrlicher Anblick, den man sich nicht entgehen lassen sollte).

Wie sieht aber nun die Abwehrstrategie aus? Gibt es überhaupt eine? Erst einmal heißt es, Schadensbegrenzung zu betreiben. Immerhin hat die Gruppe schon Erfahrungen darin gemacht, große Walker-Herden durch die Gegend zu navigieren – vielleicht gelingt es ihnen auch dieses Mal, genug von ihnen wegzulocken. Außerdem steht Rick eine nicht sehr angenehme Erkenntnis bevor: Er muss sich mit Negan verbünden. Ansonsten scheint ein Überleben aussichtslos.

Mit den Walkern überall in Alexandria verteilt, kommt es zu ein paar herausragenden Konfrontationen, ungewöhnlichen Team-Ups, und wir dürfen uns demnächst auf eine große Offenbarung gefasst machen.

Stau

Eigentlich ist es etwas paradox. Auf der anderen Seite vielleicht auch nicht. Aber mir ist nichts mehr zuwider als sinnlose Zeitverschwendung. Da werde ich unruhig und muss mich irgendwie beschäftigt halten. Ich habe nichts dagegen, in einem Wartezimmer zu sitzen und auf meinen Termin zu warten. Das ist berechenbar und es können andere mal etwas länger benötigen. Alles in Ordnung. An der Kasse habe ich auch kein Problem, zu warten. Das sind Momente, die zum Leben gehören, wie wir es uns als Gesellschaft angewöhnt und aufgebaut haben.

Für mich sind dies die kleinen Momente, in denen man sich überwinden kann und nicht gleich das Smartphone zur Hand nimmt. Mittlerweile ist es eine Stärke, zu sagen: „Nein, ich halte es aus“, sobald sich fünf Sekunden Leerlauf anbahnen. Ich brauche diesen Leerlauf, diese Langeweile auch. Mal nichts hören, anschauen oder lesen; nicht bombardiert zu werden von Benachrichtigungen oder zu hoffen, dass ein Newsletter im Postfach liegt, der mich für ein paar Sekunden ablenkt, weil ich ihn ja dann doch nicht gleich lesen möchte oder kann; er zu lang ist oder mich im Moment gar nicht interessiert. Allerdings gibt es auch Momente, die einfach sinnlose, brachiale Zeitverschwendung sind.

Letztens wollten wir nach Anif fahren. Dort gibt es einen Maximarkt und gelegentlich, alle paar Monate, mag ich es, in einem großen Supermarkt zu schmökern und einzukaufen. Neues zu entdecken und auszuprobieren. Eigentlich stand der Globus in Freilassing am Plan, aber in Deutschland war leider Feiertag. Also wurde es die Alternative in Anif. Was ich nicht bedacht hatte, war: wie viele Menschen unterwegs sein würden. Wir fuhren kurz nach Mittag, nach der Arbeit. Für die Strecke von Oberndorf nach Maria Plain benötigten wir eine Stunde. Normalerweise sind das 15 Minuten, wenn es lange dauert. Es bewegte sich zum Teil einfach gar nichts. Noch dazu war es ein sonniger Tag mit blauem Himmel.

Nach dieser Stunde und der Offenbarung, dass es wahrscheinlich in der Stadt nicht besser werden würde, haben wir wieder umgedreht. Stattdessen ist das ein oder andere lokale Geschäft unsicher gemacht worden. Jetzt weiß ich wieder, warum ich so gerne mit dem Zug nach Salzburg fahre und das Klimaticket jeden Cent wert ist. Es mag heiß sein im Sommer und schwül in den Zügen, aber das ist mir um einiges lieber, als sinnlos und zeitverschwendend im Auto zu sitzen und auf die Bremslichter der anderen Autos zu starren, in der Hoffnung, dass sie sich doch endlich bewegen mögen. Das nächste Mal befrage ich zuerst diverse Karten-Apps und entscheide dann, ob ich mir das antun möchte. Zumindest hatte ich so noch Zeit für eine ausführliche Trainingssession und einen Spaziergang.

Wie man 60.000 Fotos sortiert

Vor gut eineinhalb Jahren habe ich einen Text geschrieben, wie ich meine Apple-Photos-App bereinigt habe (Wie man 30.000 Fotos sortiert). Dabei ist es mir vor allem darum gegangen, die ganzen Screenshots, Videos und anderen Kram aus der App loszuwerden, den ich darin nicht benötige. Oder der viel Speicherplatz benötigt. Seitdem hat sich einiges getan. Vor allem, nachdem ich kurze Zeit zu Android gewechselt bin. Ich habe alle Fotos, die älter als drei Jahre waren, aus der Photos-App exportiert, auf einer externen Festplatte gespeichert und aus der Bibliothek gelöscht. Das war an und für sich nicht schlecht. So habe ich endlich mal eine lokale Kopie meiner Fotos. Auf der anderen Seite schaue ich mir die Fotos natürlich nie an, wenn sie nur auf der Festplatte vor sich hin vergammeln.

Also habe ich das getan, was ich vor Jahren schon einmal gemacht habe, nur eben nun mit meiner gesamten Foto-Geschichte der vergangenen Jahrzehnte: Ich habe wieder sämtliche Fotos in die App geworfen. Es ist schon erstaunlich, wie schnell man auf über 60.000 Fotos kommt. Dabei sind noch nicht einmal alle drin. Das beinhaltet natürlich nicht nur Fotos, die ich über die Jahre mit verschiedenen iPhones gemacht habe. Dazu gesellen sich noch Urlaubsfotos aus der Zeit der Digitalkameras, Fotos von meiner Spiegelreflexkamera und eingescannte Bilder aus Fotoalben. Ich mag es, jederzeit Zugriff auf diese Fotos zu haben und durchscrollen zu können. Oder wenn die App Vorschläge macht oder Fotos anzeigt, die an diesem Tag vor x Jahren gemacht wurden. Es ist toll.

Natürlich sind einige Dopplungen drin und sehr viele sehr ähnliche Fotos. Die wollen irgendwie sortiert werden. Die Photos-App selbst macht zwar Vorschläge über ähnliche Bilder und bietet an, diese zu mergen, aber das trifft nicht alle ähnlichen Bilder. Zwar waren so ein paar hundert wegsortiert, aber nicht genug. Also habe ich mich auf die Suche nach einer Drittsoftware gemacht. Fündig geworden bin ich bei MacPaw. Diese machen auch die großartige Software CleanMyMac, die ich schon des Öfteren verwendet habe. Sie machen auch Gemini (aktuell in der zweiten Version verfügbar und nicht mit Googles KI-Assistenten zu verwechseln).

Ich habe mal probeweise für einen Monat bezahlt (es kostet nur knapp über drei Euro) und die App heruntergeladen. Bis jetzt bin ich ehrlich begeistert. Die App benötigt natürlich kompletten Zugriff auf die Fotobibliothek. Dann scannt diese die Bilder und sucht nach identischen Kopien und nach ähnlichen Bildern. Die Ergebnisse werden dann in einer sehr, sehr langen Liste angezeigt. Man kann die Software die zu löschenden Bilder auswählen lassen oder man legt selbst Hand an. Ich bin alles von Hand durchgegangen.

Das Praktische an der Software ist, dass sie dazulernt. Wenn ich stets die kleinere Variante eines Fotos lösche, wird zukünftig auch diese zum Löschen ausgewählt. Um nur ein Beispiel zu nennen. Vor allem wenn von einem Foto zwei bis fünfzehn Varianten existieren (oder 178), ist es außerordentlich nützlich, überflüssige einfach löschen zu können. Eine kleine Vorschau ermöglicht es, die Bilder zum Löschen auszuwählen, bei denen alle ihre Augen geschlossen haben oder die etwas unscharf geworden sind. Viele habe ich einfach überflogen, weil es sich um Schnappschüsse oder Bilder ohne Menschen darauf handelt. Da ist die Qualität nicht allzu wichtig. Vor allem gibt es die Fotos sowieso noch auf der externen Festplatte.

Als Nächstes möchte ich noch Alben von den Urlauben anlegen und eventuell Ortsmarken ergänzen. Besonders bei den alten Fotos fehlen natürlich die Ortsmarken. Eine gut gepflegte Fotobibliothek ist viel wert. Es ist nicht wenig Arbeit und wird noch einige Zeit in Anspruch nehmen, aber ich setze mich gerne damit auseinander. Vielleicht fallen sogar ein paar Fotobücher dabei heraus. Wer weiß, wozu mich das Ganze inspirieren wird. Aber ohne die Hilfe einer guten Software wären die ersten Schritte bei weitem nicht so schnell gegangen. Es ist zwar immer noch viel Handarbeit, aber eben nicht mehr ganz so viel. Denn wie viele Varianten eines verschwommenen Mondes benötigt man wirklich?

Josh Hild | Unsplash

Nur eine Phase

Es war nur eine unglückliche Verkettung von Ereignissen. Oder Steve Jobs wollte es so. Wer kann schon sagen, was wirklich passiert ist?

In den vergangenen Wochen habe ich mich ausführlich mit Android und eReadern beschäftigt. Monate eigentlich, wenn man ehrlich ist. Seit etwa einem Jahr habe ich den Boox Palma 2 in Gebrauch und es ist ein wirklich tolles Gerät. Zwei Geräte waren mir aber zu mühsam, also musste ein Smartphone mit eink-ähnlichem Bildschirm her. Nach langer Recherche bin ich auf das neue TCL 60 NXTPAPER SE gestoßen, das zu einem guten Preis erhältlich ist. Das hat meinen Boox für unterwegs abgelöst. Für zu Hause wollte ich einen richtigen eReader, also habe ich erneut recherchiert und verschiedene getestet, aber nur wenige sind wirklich gut. Die 300-€-Variante von Boox mit Farbbildschirm ist es nicht wert. Das Gerät wurde wieder zurückgeschickt. Also bin ich bei einem Kindle geblieben. Es ist und bleibt (leider) der beste eReader, den man kaufen kann. Offene Geräte, die die Installation von Apps erlauben, gibt es leider keine, die es mit einem Kindle aufnehmen könnten. Der Boos Palma 2 ist dem noch am nächsten gekommen.

Dann habe ich vor Kurzem mein TCL-Smartphone zerschmissen. Es funktioniert zwar noch, aber der Bildschirm hat zwei Sprünge und ein paar Ecken sehen alles andere als gut aus. Der Wechsel zu Android war eine Herausforderung. Für manche Apps brauchte ich eine Alternative, die Bedienung ist durchaus anders und es gibt Eigenheiten, an die man sich gewöhnen muss. Die Kamera des TCL ist natürlich auch nicht gerade berauschend. Abstriche, von denen ich dachte, damit leben zu können. Spoiler: Nein. Denn nach der anfänglichen Honeymoon-Phase stellte sich die Ernüchterung ein. Und eine Frage breitete sich in meinem Gehirn aus: Was habe ich mir dabei nur gedacht?

Je länger ich das Gerät in Verwendung habe, desto mehr Defizite fallen mir auf. Mir fehlt ein knalliger, guter Bildschirm. Die Kamera ist eine Katastrophe, wenn man ehrlich ist. Die Lautsprecher klingen nicht gut. Ganz zu schweigen von der langsameren Reaktionszeit bei manchen Gesten oder Aktionen, die man ausführen möchte. Die Apps sind nicht so knackig schnell wie bei iOS. Am Ende fühlt sich alles nach einem Kompromiss an, den ich nicht bereit bin, einzugehen. Vor allem was die Fotos anbelangt. Ich mache kaum mehr Fotos und schaue auch nicht in die Fotos-App. Dabei mache ich das gerne. Es sind Erinnerungen, in denen man schwelgt, und wenn ich mich durch meine 50.000 Fotos am Mac scrolle, entdecke ich immer wieder Highlights, die ich schon wieder vergessen hatte. Fotos, Videos, Screenshots, alles Zeugen und eine andere Art des Tagebuchs. Eine Ergänzung zum Blog, zu Homework for Life, zu meinen Journals. Ich mag das.

Wer weiß schon, ob es an Android oder am TCL-Smartphone liegt. Natürlich kann und wird es bei höherpreisigen, wenn nicht sogar sauteuren Geräten mit Android anders sein. Aber wenn ich mir ein solches Gerät zulegen sollte, dann sehe ich keinen Grund, warum es nicht ein iPhone sein sollte. Immerhin sind meine anderen Geräte, die ich seit Jahren verwende, Apple-Geräte und der Komfort des Ökosystems ist durchaus praktikabel und lässt sich nicht von der Hand weisen. Ähnlich wäre es, wenn ich nur Google-Geräte hätte. Wie es der Zufall so wollte, erschienen dieses Jahr die neuen iPhones an meinem Geburtstag. Mir waren also die Hände gebunden. Nun habe ich mir also am 12.9. ein iPhone 17 in Lavendel vorbestellt. Zwischen 19. und 22. September wird es angekommen sein – ich schreibe diese Zeilen hier zeitsouverän etwas vorher. Auf jeden Fall ist die Vorfreude so groß wie schon lange nicht mehr.

Für den Umstieg zurück zu iOS werde ich erst einmal nicht alles von Hand einzeln installieren. Das habe ich in den letzten Monaten zu oft gemacht. Stattdessen nutze ich die Apple-eigene App, die einem den Wechsel erleichtern soll. Wenn dadurch etwas nicht stimmig sein soll, kann ich das 17er nochmal plattmachen und alles manuell erledigen. Ich bin aber neugierig, wie einfach es einem wirklich gemacht wird, um von Android zu iOS zu wechseln. Der Blick über den Tellerrand war durchaus spannend. Ich hätte mir nur gerne gewünscht, dass es etwas länger dauern würde und das Experiment nicht in Frust endet. Hinterher ist man bekanntlich immer schlauer. Und diese unglückliche Verkettung an Ereignissen in den vergangenen Wochen und die Zufälle konnte ich leider nicht ignorieren.

Erste Sätze

Letztens habe ich mir mal wieder Gedanken zu ersten Sätzen in Büchern gemacht. Auslöser dafür war das Buch »Die Lügen des Locke Lamora« von Scott Lynch. Nach fünf Büchern lege ich doch mal eine Pause der »Dungeon-Crawler-Carl«-Bücher ein. So großartig und abenteuerreich sie sind, ich möchte nicht, dass der Spaß an der Sache verloren geht. Ich möchte mit Wehmut die vorhandenen Bücher abschließen und nicht froh sein, dass ich endlich durch bin. Eigentlich wollte ich etwas Kürzeres lesen. Scheinbar existieren aber so gut wie keine kurzen Fantasy-Bücher. Zumindest keine, die sich in meiner digitalen Bibliothek befinden würden. Also ist es »Die Lügen des Locke Lamora« geworden. Schlanke 800+ Seiten hat dieses Monster. Der erste Satz lässt schon einmal vermuten, dass man sich auf eine lange, vielleicht auch komplizierte Reise wird einlassen müssen.

“Mitten in jenem langen, verregneten Sommer des Siebenundsiebzigsten Jahres von Sendovani begab sich der Lehrherr der Diebe von Camorr in den Tempel des Perelandro und stattete dem Priester ohne Augen einen unverhofften Besuch ab.” – Die Lügen des Locke Lamora von Scott Lynch

Erst dachte ich, es wäre ein wirklich schlechter, viel zu komplexer und überbordender Satz. Aber je öfter ich ihn lese, desto mehr passt er zum Buch. Denke ich, ich habe gerade erst angefangen. Man lernt in diesem einen Satz über das Land, in dem wir uns befinden, und trifft die ersten beiden Charaktere, die eventuell noch wichtig werden. Es gibt einen Tempel, also wird es vielleicht religiös angehaucht sein. Es lässt mich mittlerweile mit Spannung das Buch lesen, denn am Ende möchte ich mehr wissen. Sowohl über das Land Sendovani, wer oder was Camorr und Perelandro sind und was die Charaktere antreibt.

“The transformation occurred at approximately 2:23 AM, Pacific Standard Time.” – Dungeon Crawler Carl von Matt Dinniman

Das hat dann dazu geführt, dass ich überlegt habe, was eigentlich bei Dungeon Crawler Carl der erste Satz ist. Ich konnte mich noch an die ersten Szenen erinnern und wie es losgegangen ist. Aber an den spezifischen Satz partout nicht. Besticht der Satz von Scott Lynch durch Komplexität, macht Matt Dinniman nur auf eine Tatsache aufmerksam: die Transformation. Was verbirgt sich dahinter? Es bleibt unfassbar vage und mysteriös. Außerdem macht er unmissverständlich klar, dass wir uns in unserer Welt befinden und nicht in einer Fantasy- oder Science-Fiction-Welt. Zumindest noch nicht.

“Der Mann in Schwarz floh durch die Wüste, und der Revolvermann folgte ihm.” –Der dunkle Turm: Schwarz von Stephen King

Einen der besten ersten Sätze hat Stephen King aufgeschrieben. In seinem Buch »Schwarz«, dem Auftakt der Saga um den dunklen Turm. Der Satz strotzt nur so vor einfacher Brillanz. Wer ist der Mann in Schwarz, warum flüchtet er und wer ist der Revolvermann? Wer von den beiden ist unser Protagonist? Was treibt sie an und was hat das mit dem dunklen Turm zu tun?

“Ich war nie das, was man eine Heulsuse nennt.” – Der Anschlag von Stephen King

Aus Neugierde habe ich dann in ein paar andere Bücher reingeschaut, die ich gerade griffbereit hatte. Unter anderem »Der Anschlag«, auch von Stephen King, und zwei Klassiker. Jeder dieser Sätze macht ein Versprechen. In »Der Anschlag« wird Stephen King unserem Protagonisten viele Herausforderungen stellen. Damit kämpft er das ganze Buch über, dass eben das erste Statement, das wir von ihm hören, nicht wahr ist. Mit dem ersten Satz wird zudem der Stil des Buches klar. Beispielsweise wenn man sich den Satz von Oscar Wilde aus »Das Bildnis des Dorian Gray« durchliest. Es wird sinnlich und voll grandioser Beschreibungen. Und Frankenstein, das mit einem Brief beginnt, hat ebenfalls etwas Mysteriöses an sich.

“Das Atelier schwamm in einem starken Rosendufte, und wenn der leichte Sommerwind die Bäume im Garten wiegte, so floß durch die offene Tür der schwere Geruch des Flieders herein oder der zartere Duft des Rotdorns.” – Das Bildnis des Dorian Grey von Oscar Wilde

In Zukunft werde ich wieder des Öfteren auf erste Sätze achten. Was sagen sie wirklich aus? Was steckt zwischen den Zeilen? Und am Ende kann man sich fragen, ob das Buch die Versprechen, Hoffnungen und Erwartungen dieses ersten Eindrucks erfüllt hat.

“[…] Es wird Dir Freude bereiten, zu hören, daß kein Mißgeschick den Anfang des Unternehmens betroffen hat, dessen Vorbereitungen Du mit solch trüben Ahnungen verfolgtest.” – Frankenstein von Marry Shelly

Kateryna Hliznitsova | Unsplash

MCU Rewatch | Rückblick

Für das zweite Jahr des Blogs wollte ich etwas Besonderes machen. Freund D. hat mich tatsächlich darauf gebracht, dass ein Rewatch des MCU ganz nett wäre. Erst wollte ich das nur für mich machen, aber dann kam mir die Idee einer Textreihe dazu. Jede Woche ein Film. Bei 34 MCU-Filmen (bis einschließlich »Brave New World«) ist das Jahr gut gefüllt. Aber wie es bei vielen Projekten ist, wuchs auch dieses immer weiter an. So habe ich am Ende 61 Filme besprochen: 34 Filme aus dem MCU, 7 Spider-Man-Filme von Sony, 15 X-Men-Filme von Fox, 2 Fantastic-Four-Filme und die Blade-Trilogie.

Es hat mir wirklich große Freude bereitet, dieses riesige Marvel-Film-Universum durchzugehen und genauer unter die Lupe zu nehmen. Es hat Phasen gegeben, besonders am Anfang, in denen ich viele Filme auf einmal geschaut habe. Dann kamen ein paar Wochen Pause, bevor ich mich den nächsten Filmen zuwandte. Durch den Rewatch lernte ich auch wieder viel über die Filme, da ich mir durchaus auch Hintergründe dazu angesehen habe. Manche lernte ich neu lieben oder sah sie überhaupt zum ersten Mal. Manchmal, eigentlich sehr oft, stehen die lauten Stimmen des Internets dem Vergnügen im Weg, etwas einfach nur genießen zu können. Deshalb war ich sehr froh, all diesen Filmen noch einmal eine Chance gegeben zu haben. Nicht alle haben diese Chance verdient (die FF-Filme oder »The Marvels« kommen mir da beispielsweise in den Sinn), aber ich bin trotzdem zufrieden, nun diesen Gesamtüberblick zu haben.

Die letzten Filme des MCU-Rewatch habe ich bereits vor einigen Wochen geschaut. Seitdem überlege ich, was ich als Nächstes machen könnte. Zwischenzeitlich sind mir die BluRays von »Supernatural« und »Charmed« untergekommen. Aber Serien in diesem Detail zu besprechen, ist etwas anderes. Es ist nicht die gleiche Leidenschaft dabei wie bei den MCU-Filmen. Auch wenn ich beide Serien sehr schätze, ist eine wöchentliche Besprechung dann doch zu viel. Ein paar Folgen habe ich besprochen, aber den Rest werde ich für mich alleine genießen. Die Bond-Filme würden mich tatsächlich reizen. Mal sehen. Es wird sich mit Sicherheit etwas finden.

Erst einmal genieße ich es, das Projekt »MCU-Rewatch« abgeschlossen zu haben. Es wird sicherlich nicht das letzte Mal gewesen sein, dass ich diese Filme sehe, aber in dieser Ausführlichkeit werde ich sie so schnell nicht mehr besprechen. Ich will mich ja nicht wiederholen. Hier die vollständige Liste an Filmen, die ich besprochen habe:

MCU (Marvel Cinematic Universe)

Spider-Man (Sony)

X-Men (Fox)

Fantastic Four (Fox)

Blade (New Line Cinema)

Hollow Knight

Anfang September erschien überraschenderweise der Nachfolger von »Hollow Knight«. Das erfolgreiche Indie-Spiel hat mit seinen knackigen Kämpfen, herausfordernden Parcourspassagen und einer geheimnisvollen Geschichte Millionen von Spieler*innen begeistert. Der Sidescroller wurde von einem Team von nur drei Personen entwickelt. Es folgten DLCs und Erweiterungen, die als Gratis-Updates herausgebracht wurden. Mich konnte Hollow Knight aber nie wirklich abholen. Ein paar Mal habe ich es versucht, bin aber nie so recht warm damit geworden. Dabei mag ich Metroidvania-Spiele eigentlich sehr gerne. Mit dem Erscheinen von »Hollow Knight: Silksong« war es also nach Jahren mal wieder an der Zeit, dem Spiel eine Chance zu geben.

Was soll ich sagen, ich bin begeistert. Manche Levelabschnitte sind frustrierend, die Bosskämpfe so herausfordernd wie erwartet, aber trotzdem kann ich mich davon nicht losreißen. Vielleicht liegt es daran, dass ich es auf dem Steam Deck spiele. Besonders Metroidvanias kommen auf dem Steam Deck hervorragend zur Geltung. Es ist der perfekte Formfaktor dafür. Sei es, auf der Couch herumzulungern und sich ein paar Herausforderungen zu stellen, oder aber am Esstisch in der Küche zu sitzen. Am Esstisch habe ich den Vorteil, dass ich das MacBook direkt vor mir stehen habe und so immer wieder einen Blick auf die Karte werfen kann.

Anfangs habe ich mich noch ohne Unterstützung durch die Welt von Hollow Knight geschlagen, aber manches kann man sich durch gewisse Talismane und Upgrades der Waffe doch leichter machen. Das Erkunden dieser äußerst kreativ gestalteten Welt macht Freude. Nicht nur gibt es unzählige verschiedene Biome, auch die Gegnervielfalt lässt keine Wünsche offen. Mit den Talismanen kann man sich einen Build zusammenstellen, der zum eigenen Spielstil passt, und man hat die Möglichkeit, Magie einzusetzen oder spezielle Fähigkeiten, die weiterhelfen können. Oder man stellt sich einfach nur mit dem Schwert einem Gegner. Meistens ist bei mir letzteres der Fall, da ich auf die anderen Sachen vergesse. Im Eifer des Gefechts ist es nicht immer so leicht, an alles zu denken.

Nach 8 Jahren habe ich endlich einen Zugang zu Hollow Knight gefunden. Ich werde sicherlich noch eine Weile damit beschäftigt sein. Direkt anschließend in den Nachfolger »Silksong« werde ich mich allerdings nicht stürzen. Klar ist aber auch, dass ich mir nicht mehr 8 Jahre Zeit damit lasse.

Geek-Planet | The Walking Dead: The Whisperer War

Wie jeden Donnerstag werfen wir auch heute wieder einen Blick in die Vergangenheit. Genauer gesagt auf den 15. Februar 2017. Damals erschien der folgende Text auf meinem Blog »Geek-Planet«. Diesen gibt es allerdings nicht mehr. Trotzdem sollen alle meine Texte an einem Ort versammelt sein.

Ein Aspekt, der verloren geht, wenn man Comics wie TWD in Collected Editions liest und nicht als Einzelausgaben, sind die Leserbriefe. TWD war da stets bemüht, viele der Briefe abzudrucken und eine echte Konversation mit den Leser*innen zu führen. Wer die Möglichkeit hat, digital die einzelnen Ausgaben zu lesen, sollte dies nutzen. Ich kann es nur empfehlen. Es eröffnet zum Teil vollkommen neue Aspekte. Man kommt vielleicht auf Techniken oder Themen, die einem zuvor nicht bewusst waren. Saga ist auch ein solcher Comic, der viel Wert auf Leserbriefe legt. Es stärkt den Community-Aspekt.


Negans Absichten sind immer von sehr schwammiger Natur. Welches Ziel verfolgt er tatsächlich? Was ist sein Plan? Wie wir im Handlungsbogen „The Whisperer War“ erfahren, saß er nicht nur ein paar Monate in Alexandria in Haft, sondern mehrere Jahre. Die Frage, ob er sich schließlich geändert hat und nun an Rick glaubt, wird am Ende beantwortet. Beim letzten Mal hat er in einem höchst dramatischen Akt gegen die Anführerin der Whisperers aufbegehrt und Alpha getötet. Jetzt ist er auf dem Weg zurück, um Rick den Kopf von ihr zu bringen.

  • The Walking Dead #157 bis #162
  • Creator, Writer: Robert Kirkman
  • Penciler: Charlie Adlard
  • Inker: Stefano Gaudiano
  • Gray Tones: Cliff Rathburn
  • Letterer: Rus Wooton

„The Wisperer War“ ist eine dicht gepackte Geschichte und es passiert sehr viel in jeder einzelnen Ausgabe. Um diesen Workload, um einen hübschen neudeutschen Begriff zu benutzen, zu schaffen, sind die einzelnen Ausgaben in einem 16er-Panel-Raster aufgebaut. Ich muss allerdings zugeben, dass mir dies nur unbewusst aufgefallen ist und erst als das Thema in den Letter-Pages angesprochen wurde, konnte ich die Vorzüge dieser Technik rundum genießen. Als Leser*in bekommt man mehr geboten – es wird bewusst das Tempo gedrosselt und man muss sich für das Lesen mehr Zeit lassen. Interessant, welche Auswirkungen unterschiedliche Panel-Strukturen haben. Nur weil man ein 4 × 4 Raster verwendet, bedeutet dies nicht, dass nicht manche Panels zu einem zusammengefasst werden, oder zwischendurch beeindruckende doppelseitige Zeichnungen das Geschehen einfangen. Mehr Panels bedeuten jedoch mehr Zeichnungen und damit mehr Aufwand für Charlie Adlard und seine Kollegen. Trotzdem sehen die Darstellungen wie gewohnt fantastisch aus und lassen keine Wünsche offen.

Nun aber genug Comic-Theorie für heute. Kommen wir zum tatsächlichen Inhalt: Nach Alphas Tod herrscht ein gewisses Machtvakuum in den Reihen der Whisperer und die Frage nach einem Nachfolger wird laut. Zum Glück hat Alpha selbst bereits Beta in Stellung gebracht, der als Nummer 2 ein gutes Leben hatte. Er wird in die Führungsrolle gezwungen. Im Laufe der Geschichte und vor allem beim ersten Aufeinandertreffen mit Ricks Gruppe kommt immer mal wieder die Diskussion auf, wer sich eigentlich unter der Maske versteckt. Warum macht er darum ein solch großes Geheimnis? Niemand der Whisperer scheint jemals sein Gesicht gesehen zu haben. Was ist passiert? Hat er eine schreckliche Verletzung, die er nicht zeigen möchte? Dies halte ich eher für unwahrscheinlich, da er mir nicht der Typ zu sein scheint, der sich so etwas zu sehr zu Herzen nimmt. Vielmehr wird es wohl tatsächlich darum gehen, wer er ist? War er eine berühmte Persönlichkeit? Oder ist er jemand, den wir kennen und Vendetta-mäßig gegen Rick und seine Gruppe vorgehen will.

Nach dem letzten Kampf und großen Verlusten, darunter Ezekiel, herrschen in Ricks Bündnis gewisse Spannungen. Die Saviors wollen sich mal wieder alle untertan machen und das Kingdom ist sich uneins, wer der neue Anführer werden soll. An dieser Stelle finde ich es erstaunlich, dass Rick nicht als Ratgeber eingesetzt wird und sich darum gekümmert hat, dass eine qualifizierte und angesehene Person die Rolle übernimmt. Doch er ist eher damit beschäftigt, herauszufinden, was mit Negan passiert ist, bis dieser schließlich wieder vor der Tür steht. Die Dynamik zwischen beiden Charakteren, die sowohl in der Serie als auch im Comic hervorragend funktioniert, ist jedes Mal ein kleiner Höhepunkt. Immer wieder umkreisen sie sich, wagen sich ein Stück näher an den anderen heran. Können sie sich vertrauen, oder nicht? In diesen wenigen Ausgaben, die die Geschichte einnimmt, lernen wir mehr über Negan als in den gesamten Ausgaben davor. Wir lernen unter anderem die Bedeutung von Lucille kennen.

Auch wenn der Kriegsaspekt sehr gut rüberkommt, ist es „a different kind of war“. Sie müssen nicht nur gegen die Whisperer vorgehen, sondern auch gegen ihre Heerscharen von Walkern, unter denen sie sich verstecken. Doch die Anführer, die Rick auserkoren hat, um sie zurückzuschlagen, darunter Dwight und Jesus, machen einen herausragenden Job und schrecken vor keiner Technik zurück, um ihre Reihen zu beschützen. Es entstehen gewaltige Bilder, die das Meer an Untoten perfekt in Szene setzen. Der Kontrast zur teils poetischen Sprache in den Dialogen trägt sein übriges zur spannenden Atmosphäre bei.

Als Letztes möchte ich schließlich noch Eugene erwähnen, der ebenfalls sehr beeindruckend seine Hingabe für die Sache zeigt. Er kommt sich interessanterweise immer noch so vor, als würde er keinen oder einen zu geringen Beitrag leisten. Zwischendurch setzt er die Konversation mit seiner Funkgeräte-Bekanntschaft fort. Dieser Subplot dauert noch schon eine Weile an und ich bin sehr gespannt, wie die Auflösung dazu aussieht. Und vor allem, wann wir sie zu sehen bekommen. Hilft die Unbekannte gegen die Whisperer oder handelt es sich um die nächste Bedrohung, die Rick und Co. überstehen müssen?