Charmed | S01E02 | I’ve got you under my skin

Wie wäre es, wenn man plötzlich Kräfte bekommt, die man nicht kontrollieren kann? Woher kommen sie? Was macht man damit? Sind sie inhärent gut oder inhärent böse? Es ist eine Diskussion, die immer wieder aufkommt, wenn es darum geht, dass Personen Fähigkeiten bekommen; besonders wenn sie diese im jugendlichen bis erwachsenen Alter erhalten. Sei es in Superhelden-Comics oder eben in TV-Serien. Wir als Zuschauer*innen wissen, dass sie sich schlussendlich selbstlos für das Gute einsetzen. Doch müssen sie selbst ebenfalls zu dieser Erkenntnis kommen. Erst dann werden die darauffolgenden Geschichten glaubhaft.

In Charmed ist es Piper, die sich fragt, was diese Kräfte bedeuten. Phoebe ist mehr oder weniger furchtlos und nimmt die Dinge, wie sie kommen. Sie macht sich scheinbar wenig Gedanken darüber und geht davon aus, dass sie ihre Kräfte für das Gute nutzen. Prue ist mit anderen Dingen beschäftigt und möchte eher ignorieren, dass sie Hexen mit mächtigen Kräften geworden sind, deshalb das Dekret, dass sie diese nicht einsetzen, solange sie sie nicht kontrollieren können. Wobei sich die Frage stellt, wie die drei Schwestern lernen sollen, ihre Kräfte zu kontrollieren, wenn sie diese nicht einsetzen. Aber das Dekret hält sowieso nicht lange, deshalb erübrigt sich die Frage.

Piper steigert ihre Angst vor den Kräften noch weiter, in dem sie eine Dokumentation schaut, wo ihr erklärt wird, dass Hexen böse sind und von Gott bestraft werden. Sie fragt sogar ihren Pastor, ob Hexen böse sind, und der kommt mit einem sehr unhilfreichen Bibel-Zitat. An dieser Stelle möchte ich die Absichten und Fähigkeiten des Pastors infrage stellen. Denn ein Mitglied seiner Gemeinde ist sichtlich verstört, zweifelt an sich und projiziert ihre Sorgen dadurch, dass sie sich als Hexe versteht (aus der Sicht des Pastors gesprochen). Dass ihr dann auch noch sagt, man solle Hexen töten, ist wohl der schlechteste Ratschlag, den man geben kann. Eigentlich eine Frechheit. Später streiten sich dann noch Phoebe und Prue um den Einsatz ihrer Kräfte, was nicht gerade zuträglich ist.

Doch es geht auch anders. Piper und Phoebe haben später eine rührende Szene auf dem Dachboden. Piper liest im Buch der Schatten, um herauszufinden, was ihre Kräfte bedeuten, ob sie dazu auserkoren sind, böse zu sein. Doch Phoebe beruhigt sie und versichert ihr, dass es keinen besseren Menschen gibt als sie. Die Szene lebt vom gut geschriebenen Dialog und den schauspielerischen Fähigkeiten der beiden Frauen, allen voran Holly Marie Combs. Geschickt transportiert sie die Verzweiflung und Angst, die Piper gerade durchmacht. Natürlich könnte eine solche Szene durch mehr Tiefgang und längere Dialoge profitieren, doch wir befinden uns in den 90ern und da wurden sämtliche Probleme in 40 Minuten gelöst. Trotzdem mag ich die Szene sehr.

Von den Bösewichten her ist es eine dicht gepackte Folge. Prue trifft ihren zukünftigen Chef Rex Buckland und seine Assistentin Hannah Webster. Ich kann mich zwar nicht mehr im Detail an sie erinnern, weiß aber noch, dass sie später wichtig werden. Außerdem sagt Hannah mit bösem Blick, dass Prue wohl eine Hexe ist und damit wohl zu denjenigen mit weniger guten Absichten gehört. Monster der Woche ist Javna, der sich als Fotograf ausgibt. Javna saugt jungen Frauen die Lebensenergie aus, um selbst unsterblich zu werden. Dadurch altern diese rapide. Hier kommen wunderbare Überblendungen zum Einsatz, die diese Kraft unterstreichen sollen. Dazu noch rote Laser-Augen und eine schwebende Prue; großartig. Natürlich können die Halliwells Javna durch eine Zauberformel (incantation) besiegen. Ich frage mich, warum Javna im Buch der Schatten vorkommt. Gibt es mehrere von ihm, kommt er immer wieder? Muss er regelmäßig durch die »Hand of Fatima« verbannt werden oder brauchte es die Macht der Drei, um ihn endgültig zu besiegen?

Darryl und Andy haben es unterdessen ebenfalls nicht leicht. Sie jagen mittlerweile den zweiten potenziellen Mörder von jungen Frauen und müssen am Ende feststellen, dass die Serie an Verbrechen einfach aufhört, ohne dass jemand geschnappt wurde. Offiziell müssten das also weiterhin Cold Cases sein, die nie aufgeklärt werden. Zum Glück können sich die Opfer nicht an die Strapazen erinnern, wobei das verunsichernd sein muss, wenn einfach ein paar Tage fehlen. Sie verwandeln sich jedoch, nachdem Javna besiegt wurde, zurück in ihr junges Ich. Darryl und Andy bleiben im Dunkeln. Wobei Andy weiterhin skeptisch ist, was die drei Schwestern und Zufälle anbelangt.

Schließlich liefert uns Andy noch ein nettes, als er mit Prue auf einem Date ist. Die beiden haben sich scheinbar sieben Jahre nicht mehr gesehen, wie wir in dieser Folge herausfinden, und schliefen bei ihrem ersten Date gleich miteinander. Sie zählen das allerdings noch zu ihrer alten Beziehung und möchten diese neue Phase etwas langsamer angehen – ob das wohl gut geht? Wir werden es sehen. Jedenfalls werden sie bei ihrem zweiten Date rude unterbrochen: Prue durch ihr enormes, unförmiges Mobiltelefon und Andy durch seinen Pager. Was dieser kommentiert mit: „Dating in the 90s“. Wenn du nur wüsstest, Andy.

MCU Rewatch | Thunderbolts*

Wer hätte das gedacht? Ein Film über die Thunderbolts. Oder zumindest eine Version davon. Ich bin mit der Comic-Geschichte dieses Teams nicht im Detail vertraut. Im Film besteht das Team jedenfalls aus folgenden Mitgliedern: Yelena Belova (Florence Pugh), John Walker (Wyatt Russell), Bucky Barnes (Sebastian Stan), Alexei Shostakov (David Harbour) und Ava Starr (Hannah John-Kamen). Nicht zu vergessen Bob (Lewis Pullman). Und für kurze Zeit Antonia Dreykov (Olga Kurylenko). Kann das funktionieren?

Erstaunlicherweise ist die Antwort auf diese Frage: Ja. Und zwar überraschend gut sogar. Ich hatte nicht wirklich Erwartungen an den Film. Yelena und Bucky sind zwei großartige Charaktere, die ich gerne im MCU sehe. Von den anderen hat man bisher nicht viel mitbekommen. Außer von Red Guardian, von dem man zu viel mitbekommen hat. Meine Befürchtung, dass er zu dominant, nervig und unlustig sein würde, hat sich jedoch nicht bestätigt. Alle Charaktere machen eine tolle Figur und werden hier noch einmal mehr ausgebaut. Natürlich bleiben manche im Hintergrund, aber diese ungewöhnliche Zusammenstellung funktioniert.

Die Rückkehr von Julia Louis-Dreyfus als Valentina Allegra de Fontaine passt ebenso gut zum Film wie ihre Assistentin Mel, gespielt von Geraldine Viswanathan. Louis-Dreyfus gelingt es stets, eine unterschwellige Boshaftigkeit auszustrahlen, von der man nie weiß, in welche Richtung diese sich entladen wird. Sie spielt de Fontaine sehr ruhig, aber dennoch wirkt sie bedrohlich. Eine tolle Gegenspielerin und Louis-Dreyfus hat sichtlich Freude an der Rolle. Ich bin gespannt, wann wir sie wiedersehen.

Ich will ehrlich gesagt gar nicht allzu viel mehr über den Inhalt des Films verraten. Ich würde sogar davon abraten, einen Trailer zu schauen oder sich sonst irgendwie mit dem Film zu beschäftigen, bevor man ihn sich ansieht. Es hat mir wirklich große Freude bereitet, komplett unvoreingenommen und ohne Vorwissen den Film anzuschauen. Ich habe ihn mir einfach auf Apple TV+ ausgeliehen und angeschaut. Und je länger der Film lief, desto mehr wurde ich in die fesselnde Geschichte hineingezogen. Ich bin überrascht, wie mühelos es Thunderbolts* gelingt, dass mir die Charaktere am Herzen liegen. Die Dialoge sind on-point geschrieben. Witzige Sprüche sind tatsächlich komisch und nicht übertrieben. Es gibt sogar herzerweichende, gefühlvolle Momente, die mir fast eine Träne abgerungen hätten.

Ich weiß nicht, was bei Marvel passiert ist. Nach den ganzen katastrophalen Filmen, die seit Endgame herausgekommen sind, ist Thunderbolts* einer der seltenen Lichtblicke. In der Post-Endgame-Ära würde ich ihn sogar auf dem zweiten Platz einordnen, gleich hinter dem dritten Teil von »Guardians of the Galaxy«. Schaut Thunderbolts*, ihr werdet es nicht bereuen. Ich kann es selbst kaum glauben, diese Zeilen zu schreiben. Der Film ist großartig. Ich hoffe, es geht bei den nächsten Filmen in dieser Qualität weiter.

Komfortzone

»Komfortzone«, »über den eigenen Schatten springen«, den »Schweinehund überwinden« – es gibt viele Bezeichnungen dafür, Hindernisse zu überwinden. Besonders wenn eines dieser Hindernisse wir selbst sind. »Die Komfortzone verlassen« wird oft damit verwechselt, dass man buchstäblich von der Couch aufstehen und raus in die Welt gehen soll. Das ist natürlich an sich kein schlechtes Vorhaben und immer zu unterstützen, doch jeder und jede von uns hat eine eigene mentale Komfortzone. Es tut uns gut, diese gelegentlich zu verlassen, neue Dinge auszuprobieren und Erfahrungen zu sammeln. Denn erst mit diesen neuen Erfahrungen kann ich es mir (durchaus auch buchstäblich) zu Hause wieder gemütlich machen und es noch mehr genießen.

Sei es, zu einer Party oder Feier zu gehen, die man normalerweise meidet, eine Runde spazieren zu gehen oder endlich die eine Wand im Wohnzimmer auszumalen und neu zu gestalten. Es kann auch bedeuten, etwas sein zu lassen und es anders zu machen, als es normalerweise der Fall ist. Was auch immer es ist, es ist sehr individuell. Grenzen austesten heißt auch immer, sich selbst besser kennenzulernen. Vielleicht ist aber auch das das Verlassen der Komfortzone: einen Bereich unseres Lebens, unserer Psyche, etwas, das uns belastet, genauer zu betrachten. Sich trauen hinzuschauen; zu Reflektieren, warum es so ist, wie es ist.

Es zahlt sich immer wieder aus, sich selbst zu überwinden. Selbst wenn man scheitert oder die Erfahrung doch nicht so gut ist wie erhofft – man kann immerhin behaupten, es versucht zu haben. Und damit hat man schon vielen etwas voraus. Beim nächsten Mal ist man bereits eine Erfahrung reicher und kann entsprechend agieren.

Geek-Planet | The Walking Dead: Book 12

Wie jeden Donnerstag sehen wir uns auch heute wieder einen alten Text von mir an. Der folgende erschien am 21. Dezember 2016 auf meinem damaligen Blog »Geek-Planet«. Diesen gibt es allerdings nicht mehr. Trotzdem möchte ich, dass alle meine Texte an einem Ort versammelt sind.

Mir fällt immer wieder auf, dass ich eigentlich nur über die Geschichte an sich schreibe, aber wenig über das Wesen des Comics. Es ist mir schon immer schwergefallen, die Zeichnungen zu beschreiben, auf das Panel-Layout einzugehen oder gewisse Szenen hervorzuheben. Es ist wie der Score eines Films. Wenn es gut gemacht ist, nimmt man es kaum mehr wahr. So ist es mir bei TWD ergangen. Die Zeichnungen sind auf einem so hohen Level, der Fluss der Geschichte und Zeichnungen natürlich und das Auge wird mühelos geführt. Man versinkt förmlich in der Welt. Das ist etwas wirklich Großartiges. Das verdanken wir Charlie Adlard und seinen Kollegen, die etwas wirklich Einzigartiges schufen. Wirklich meisterhaft. Ich hätte öfter darüber schreiben und die Qualität hervorheben sollen.


Es war einmal ein kleiner Junge. Dieser Junge war der Sohn eines stolzen Königs. Er verliebte sich in eine junge Prinzessin. Sie war die hübscheste und liebevollste von allen Mädchen, die der Junge jemals gesehen hatte. Die beiden mochten sich so gern, dass sie gleich miteinander ins Bett hüpften. Das fand der Junge so toll, dass er ganz wütend wurde, nachdem die Prinzessin zu ihrer Königin-Mutter zurückgehen musste. Doch der Junge ließ sich das natürlich nicht gefallen und rannte ihr mit fliegenden Füßen nach. Hals über Kopf stürze er sich in das Abenteuer und dachte sich: „Scheiß auf die Konsequenzen“. Das fand die Königin gar nicht nett und zeigte dem Vater des Jungen ihre Horde an hässlichen Monstern. Es gab so viele von ihnen, dass sie bis zum Horizont zu reichen schienen. Doch das war nicht das Einzige, was die Königin-Mutter getan hatte. Denn sie besaß die Gabe des „House of black and white“ und konnte in einer Menge von Menschen untertauchen und sich als eine von ihnen ausgeben. Ganz verdutzt musste der König feststellen, dass seine Gattin mit diesem Theater viele seiner Freunde getötet und gepfählt hatte. Das fanden die Bewohner des Reiches vom gütigen König gar nicht gut. So verbreitete sich Zorn und Missgunst im Königreich. Die Rufe nach einer Schlacht wurden immer lauter.

  • Creator, Writer: Robert Kirkman
  • Penciler, Cover: Charlie Adlard
  • Inker: Stefano Gaudiano
  • Gray Tones: Cliff Rathburn
  • Letterer: Rus Wooton
  • Erstveröffentlichung: 2015
  • Ausgaben: #133 – #144

“Listen Maggie… don’t cross these people. We need to be really careful. I couldn’t see much… but I heard them… There were so many. It sounded like thousands.“

Im ersten Handlungsbogen in Book Twelve „whispers into screams“ steht Carl im Zentrum des Geschehens und darf sich für vieles verantwortlich Zeichnen. Rick hat sich dazu entschieden, ihn persönlich nach Hilltop zu bringen, damit er dort seine langersehnte Ausbildung zum Schmied beginnen kann. Anna, ein Mädchen aus Alexandria in seinem Alter, hat ihm einen Brief mitgegeben und man könnte erwarten, dass aus diesen beiden ein Paar werden könnte. Doch dann ist da natürlich noch Sophia, die Carl, seit sie aus Atlanta geflüchtet sind, kennt. Die beiden verbringen eigentlich viel Zeit miteinander. Auch wenn es manchmal etwas Spannungen gibt, könnte ich mir die beiden zusammen vorstellen. Doch natürlich musste es anders kommen.

Eine Patrouille, die nach zwei Vermissten sucht, wird von den Whisperern angegriffen und nur knapp kommt Jesus mit dem Leben davon. Doch es gibt eine überlebende. Zu diesem Zeitpunkt realisiert er, dass es nicht die Toten sind, die gelernt haben zu sprechen, sondern dass es sich dabei um eine etwas eigenartige Weise handelt, sich zu tarnen. Die Whisperer häuten die Toten und tragen diese als zweite Haut, um von diesen nicht angegriffen zu werden. Sie verhalten sich wie sie und reden nur im Flüsterton miteinander. Jesus schnappt sich die überlebende und bringt sie zurück nach Hilltop.

Carl zieht ärger an, wie Licht Motten. So gerät er in eine Schlägerei mit zwei Typen, die Sophia wehtun und ich glaube sogar vergewaltigen wollten. Dabei schlägt er sie halb tot. Das kann Maggie, so dankbar sie für die Rettung ihrer Ziehtochter ist, nicht ungestraft lassen und sperrt ihn erst einmal in eine Zelle ein, bis sich die Tatsachen geklärt haben. Zufällig kommt er in die Nachbarzelle, wo die überlebende der Whisperer steckt. Dabei handelt es sich um ein junges Mädchen, das so alt ist wie Carl und die beiden freunden sich an. Sie erzählt ihm alles, was sie so erlebt hat in den vergangenen Wochen und Monaten und wie es ihnen gelungen ist zu überleben. Dazu später mehr.

Widerstrebend lassen sie die beiden zusammen frei, damit ihr Carl zeigen kann, dass es eine bessere Art gibt zu leben, und zwar ähnlich, wie es früher vor den Walkern gewesen ist. Sie mögen sich wirklich sehr, die beiden und haben relativ schnell Sex, womit Carl seine Jungfräulichkeit verliert. Sehr romantisch tun sie es auf einem Feld neben dem Hühnerstall. Sehr klischeehaft.

Doch nicht alles ist gut, da sich die Eltern der beiden halb toten Jungen eine härtere Strafe für Carl wünschen und gemeinsam mit Gregory (ja, den gibt es noch immer) einen Putsch auf Maggie planen. Hierbei zeigt sich, wie unfähig, feige und hinterlistig Gregory ist. Denn er will sie gleich töten, aber statt es offen auszukämpfen, versucht er sie zu vergiften. Blöd nur, dass er eine zu geringe Dosis verwendet hat und Jesus im richtigen Zeitpunkt zur Tür hereinkommt. Gregory ist das typische Arschloch der Geschichte, das man mit jeder Faser seines Körpers verachten kann. Keine Spur von Integrität oder Autorität, aber trotzdem Anführer sein wollen. Einfach lächerlich.

Wenig später erscheint eine große Gruppe der Whisperer vor den Toren und fordert ihr Mitglied zurück, im Austausch gegen die beiden vermissten von zuvor. Um Schlimmeres zu vermeiden, geht Maggie auf den Handel ein. Doch sie hat nicht mit der Zuneigung zwischen Carl und Lydia gerechnet. Also bricht er mitten in der Nacht auf, um den Whisperern zu folgen.

“I have marked our border… you will know it when you see it. Take my daughter across it… and see that you never return. If you cross onto our land… my horde will cross onto yours.” – Alpha

In der zweiten Storyline „life and death“ wird Carl rasch von den Whisperern entdeckt und von ihrer Anführerin Alpha zu ihrem Lager gebracht. Dort erfahren wir, wie sie wirklich leben. Sie sind immer auf den Beinen und nie lange an einem Ort. Sie jagen, was sie zum Essen benötigen, oder essen Beeren und Früchte, die sie auf dem Weg finden. Und wenn es einmal einen Tag oder zwei nichts gibt, gehört das zum Leben dazu. Das Prinzip dahinter ist, dass sie so leben wollen wie Tiere. Sie verzichten sogar auf Namen. Es ist eine ziemlich spannende Strategie, wenn man genauer darüber nachdenkt. Denn so kann man mit den Walkern in einer Welt leben, ohne sie dauernd bekämpfen zu müssen. Später erfahren wir, dass sie mit ihrer Lebensweise in der Lage sind, Tausende von Walkern zu kontrollieren und navigieren. Sie halten die Horden an einem Ort mehr oder weniger fest, um sich gegen größere Gruppen verteidigen zu können.

Den einzigen Makel, den diese Gruppe und ihre Lebensweise hat, ist, dass sie alles so machen wie Tiere. Lydia, als attraktives junges Mädchen, ist natürlich Ziel von so manchen begierigen Männern und da sie wie Tiere leben, lehnen sie das Konzept von Vergewaltigung ab. Wenn jemand Lust verspürt, sie sich einfach zu schnappen und mit ihr zu tun, was er möchte, dann ist es nun einmal so. Sie sind schließlich Tiere und haben sich von dem Konzept der Zivilisation abgewandt. Bestialisch, unverständlich. Da überrascht es nicht, dass sie gern Zeit mit Carl verbringt, der sie gut behandelt und sie beschützen möchte.

Parallel zu diesen Ereignissen startet die Fair, die in Alexandria abgehalten wird und alle Gemeinden zusammenbringt. Dort erzählt Maggie, dass Carl abgehauen ist. Allerdings verschweigt sie, dass sie Gregory als Strafe erhängt hat. Nicht nur zum Schutz ihrer Position als Anführerin, sondern um ein Exempel zu statuieren. Damit verstößt sie gegen alles, was Rick in den vergangenen Monaten hat aufbauen wollen. Natürlich zögert Rick nicht lange und mit Michonne und ein paar anderen macht er sich auf den Weg, um die Gruppe an Whisperern aufzuspüren.

Apropos Michonne. Diese haben wir seit dem Ende des Krieges gegen Negan nicht mehr gesehen. Ihr erster Auftritt nach so langer Zeit ist sehr cool. Denn Rick hat am Tag zuvor einen Weg zur Küste gemacht, wo sie sich mit ihr treffen wollen. Dort segelt sie gerade mit ihrer Mannschaft in den Hafen der kleinen Stadt ein. Es ist ein Bild wie Johnny Depp in Pirates of the Caribbean.

Es dauert nicht lange, bis Rick und seine Truppe die Whisperer ausfindig machen, immerhin wollen diese gefunden werden und Alpha redet eine Weile mit Rick. Während Rick mit Carl redet, schleicht sich Alpha davon und taucht in der Fair unter. Das gelingt ihr relativ einfach, da Carl und Rick sich streiten. Rick will verschwinden, solange sie die Möglichkeit dazu haben, Carl weigert sich aber, da er Lydia nicht diesen Bestien überlassen will. So kann sich Alpha einen guten Überblick über ihre Gegner verschaffen. Überraschenderweise sieht sie nach ihrer Rückkehr ein, dass ihre Tochter nicht in diese Welt passt und Rick und Carl sie mit in ihre Welt nehmen sollen. Allerdings sollten sie nicht die von ihr markierte Grenze überschreiten. Dankbar für diese Möglichkeit machen sie sich auf den Rückweg, nur um festzustellen, was diese Markierung ist: Alpha hat zwölf Mitglieder aus den Communitys getötet und ihre Köpfe auf Pfähle gesteckt – dies ist die Grenze. Unter den Opfern ist Ezekiel, Rosita (die schwanger war) und andere bekannte Gesichter.

Im zwölften Buch von The Walking Dead wird immer mehr von den Whisperern ans Licht gebracht, bis wir schließlich mehr oder weniger alles über sie wissen. Doch so wie die Unwissenheit bei Negan das unheimlich war, so ist es bei Alphas Gruppe das Gegenteil. Wir wissen, wozu sie in der Lage sind, wie viele sie sind und dass sie die Walker mehr oder weniger unter Kontrolle haben. Wie üblich sind die Zeichnungen von bester Qualität. Besonders die Masken der Whisperer kommen hervorragend zur Geltung.

Der tägliche Text

Jeden Tag einen Text zu schreiben, ist nicht so einfach. Und in den vergangenen Wochen war mein Schreibverhalten sehr unregelmäßig. Nicht jeder Tag hat einen neuen Text hervorgebracht. Manchmal habe ich eine ganze Woche lang nichts geschrieben. Dafür sammelte ich die Woche über Ideen und habe dann an einem Tag fünf oder gar sieben Texte geschrieben. Das kann man kurzfristig machen, wenn es eine hektische Woche ist, aber auf Dauer möchte ich wieder zu der Regelmäßigkeit, täglich zu schreiben, zurückkehren.

Es muss nicht jeder Text einer für das Blog werden. Es können Experimente mit Geschichten sein, etwas, das ich für mich selbst schreibe, oder etwas ganz anderes. Vor kurzem habe ich einen Text veröffentlicht, der genau 100 Tage vor Weihnachten veröffentlicht wurde: am 15. September. Als ich den Text vor ein paar Wochen schrieb, wusste ich bisher nicht, was ich mit diesen 100 Tagen anfangen soll. Ich wollte mir aber ein Ziel setzen. Und 100 Tage täglich zu schreiben, so banal es klingen mag, wenn man ein tägliches Blog betreibt, ist genau das, was ich machen möchte. Dabei ist es egal, was es ist. Hauptsache, es wird Text zu analogem oder digitalem Papier gebracht.

Eine andere Sache, die mir am täglichen Schreiben so gut gefällt, ist die Idee, dass man sich jeden Tag verbessern kann. Wenn man jeden Tag etwas veröffentlicht, wird nicht alles ein brillanter Geisteserguss sein. Manches ist besser, manches ist schlechter. Aber man hat jeden Tag, Woche für Woche und Jahr um Jahr die Chance, es besser zu machen. Das motiviert mich. Tägliches Schreiben macht etwas mit einem selbst. Es verändert, wie man über die Welt denkt; Man läuft mit offeneren Augen herum. Ständig schreibe ich mir Ideen auf, trage sie mit mir herum, lasse sie reifen oder aber ich schreibe einfach darauf los (mein favorisiertes Vorgehen), eben das, was mir gerade in den Sinn kommt.

Bald neigt sich das zweite Jahr des Blogs dem Ende zu und ich habe noch keinen Tag verpasst. Ich denke auch nicht daran, aufzuhören. Und selbst wenn zwischendurch die Lust daran etwas durchhängt, so motiviert es doch, sagen zu können, dass man seit Jahren einen Blog betreibt und noch kein Tag vergangen ist, an dem man nichts veröffentlicht hat. Das treibt mich an, motiviert und inspiriert mich. Es wird zum Selbstläufer, zur Routine, und doch ist jeder Tag erneut spannend, interessant und lädt ein, Neues zu entdecken.

Supernatural | S01E03 | Dead in the Water

In dieser Folge bekommen es Sam und Dean mit einem rachsüchtigen Geist zu tun, der im Lake Manitoc sein Unwesen treibt. Dieser Geist ist ziemlich umtriebig und tötet im Laufe der Folge vier Menschen. Was man eben so tut, wenn man als Kind aus Versehen in einem See von Freunden ertrunken wurde, diese den Unfall vertuschen und mit ihrem Leben weitergemacht haben, als wäre nichts gewesen. Diesen vertuschten Mord müssen leider die Familien der heute erwachsenen Männer ausbaden, die in diesen übernatürlichen Konflikt reingezogen werden.

Allen voran Andrea und ihr Sohn Lucas. Seit Lucas seinen Vater beim Ertrinken zusehen musste, spricht er nicht mehr. Er hat gesehen, wie etwas in dem See seinen Vater nach unten gezogen hat, was verständlicherweise eine äußerst traumatische Erfahrung war. Besonders charmant an Dead in the Water ist Deans gefühlvoller Umgang mit Lucas. Er spricht über seine eigene Vergangenheit und wie er seiner eigenen Mutter dabei zusehen musste, wie sie von etwas Unnatürlichem getötet wird. Das entspricht zwar nicht ganz dem, was wir bisher in den Rückblicken gesehen haben, gibt aber noch einmal mehr Kontext und Motivation für Dean. Selbst Sam scheint während dieses Falls seinen Bruder von einer neuen Seite kennenzulernen.

Dieser Fall ist auch das erste Mal, dass wir erfahren, wie man gegen Geister vorgeht. Man muss die Überreste ausgraben, mit Salz bestreuen und verbrennen. Dann sollten die Geister wohl endlich zu ihrer Ruhe finden. Bei einem Fall, bei dem das Opfer allerdings ertrunken ist und der Körper nie geborgen wurde, stellt sich das als nicht ganz so trivial heraus. Wie ich dann noch in einem Wiki-Eintrag von einem der vielen Supernatural-Seiten gelesen habe, lässt das darauf schließen, dass der See nicht sehr salzhaltig sein kann. Denn das würde die Arbeiten des Geistes äußerst schwierig machen, wenn sie doch empfindlich dem Gewürz gegenüber sind. Ich mag solche Schlussfolgerung und Argumentationen sehr gerne. Es gibt der Welt mehr Daseinsberechtigung, in gewisser Weise. Man nimmt die Welt in ihrem Kontext ernst und spekuliert, welche Schlüsse sich aus den vorhandenen Informationen ziehen lassen.

Den Aufbau der Episode könnte man schon fast als klassisch bezeichnen. Sam und Dean gehen systematisch dabei vor, geben sich als offizielle Ermittler irgendeiner Organisation aus und gehen dem Fall auf die Spur. Lucas als vertrauenswürdige Quelle funktioniert hervorragend, vor allem im Kontext mit Dean und dass dieser ihn ernst nimmt. Das color grading ist erneut sehr interessant. Die Farben werden blass dargestellt, der Look wirkt überbelichtet. Es passt zur Serie und der gesamten Atmosphäre des Falls. Mir war offen gestanden gar nicht mehr bewusst, dass die frühen Folgen einen solch signifikanten Look für sich etabliert hatten. Ich bin sehr gespannt, wie lange dieser bestehen bleibt und wann er sich ändert.

Kommen wir zur Strecke, die Sam und Dean in dieser Episode zurückgelegt haben. Ich finde es tatsächlich spannend zu recherchieren, ob die Orte wirklich existieren oder sie fiktive Entsprechungen von realen Orten sind. Auch habe ich so herausgefunden, dass scheinbar einige Episoden in Wisconsin gedreht wurden und sie deshalb dahin immer wieder zurückkommen. Ob das so ist, können wir sicherlich in den kommenden Folgen herausfinden. In Dead in the Water haben wir es wieder mit einem fiktiven Ort zu tun, der an einem Lake Manitoc liegt. Da es ähnlich klingende Seen in Wisconsin gibt, die eher im Norden des Bundesstaats zu finden sind, gehe ich mal von den Manitowish Waters aus. Dorthin sind es gut 2.100 km, also etwa eine ähnliche Strecke, die sie auch in der letzten Folge zurückgelegt haben. Insgesamt also schon 5.140 km.

100 Tage

Ein Arbeitskollege hat mich letztens auf eine Idee gebracht. Immerhin war der 25. August und Weihnachten damit nur mehr vier Monate entfernt. Da hat sich natürlich die Frage aufgedrängt: Ab wann sind es nur mehr 100 Tage bis Weihnachten? Kurz ChatGPT konsultiert und die Antwort verifiziert, war die Antwort: heute, der 15. September. In 100 Tagen ist Weihnachten. Ab da neigt sich das Jahr langsam aber sicher dem Ende zu. Die ominöse Zeit zwischen den Jahren steht an. Man trifft sich mit Familie und Freunden. Man reflektiert über das Jahr. Eine schöne Zeit.

Allerdings haben wir noch 100 Tage bis dahin. Was machen wir also damit? Nutzen wir doch diese Zeit, um fallen gelassene Vorhaben wieder aufzugreifen. Um Vorsätze, die wir am Ende des letzten Jahres hatten, mit neuem Elan anzugehen. Warum warten, bis das Jahr zu Ende ist? Man muss für den Start eines Projektes, Vorsatzes, Zieles oder wie auch immer man es nennen möchte, nicht bis zum ersten Januar warten. 100 Tage sind eine fantastische Zahl und sehr viel Zeit. Es muss nichts Großes sein. Etwas, das man schon immer machen wollte, kann man in diesen 100 Tagen wunderbar testen.

Vielleicht eine neue Sportart oder eine Sprache lernen. Jeden Tag ein Kapitel in einem Buch lesen. Jeden Tag spazieren gehen und dabei einen interessanten Podcast oder ein Hörbuch hören. Ich weiß noch nicht genau, was ich mit dieser Zeit anfangen möchte, immerhin schreibe ich diese Zeilen ein paar Tage vorher; Somit habe ich noch Zeit, mir etwas zu überlegen. Jeden Tag einen Text zu veröffentlichen, mache ich schon seit fast zwei Jahren, aber wirklich jeden Tag schreiben tue ich nicht. Vielleicht ist das ein schönes Ziel.

Für was auch immer man sich entscheiden mag: Nutzen wir diese 100 Tage. Und wenn wir dann in den Weihnachtsfeiertagen auf das Jahr zurückblicken, können wir dies umso stolzer tun. Immerhin haben wir etwas versucht, etwas Neues ausprobiert. Wir sind um eine Erfahrung reicher geworden.

Ahmed | Unsplash

Charmed | S01E01 | Something Wicca this way comes

Die komplette erste Folge war ein einziger Trip. Ich bin aus dem Lachen und Klatschen nicht mehr herausgekommen. Ja, ich habe alleine im Wohnzimmer eine Serie beklatscht. Soweit ist es schon gekommen. Ich weiß nicht, wie lang es her ist, dass ich eine Folge von dieser wunderbaren Serie Charmed gesehen habe. Es sind auf jeden Fall unzählige Monde seither vergangen. Ich habe in der Zwischenzeit die HTL mit Matura abgeschlossen, zweimal den Job gewechselt und zwischendurch drei Jahre in Tübingen Medienwissenschaften bis zum Bachelor studiert. Nicht zu reden von all den privaten Entwicklungen. Will sagen: Es ist wirklich viel passiert, seit ich den Song How soon is now von Love Spit Love gehört, geschweige denn die Einblendungen von Prue, Piper und Phoebe gesehen habe.

Diese Erfahrung als surreal zu bezeichnen, trifft es nicht. Vielleicht interpretiere ich zu viel in das Ganze hinein oder mache mir zu viele Gedanken darüber, aber so habe ich mich eben dabei gefühlt. Die ersten drei Staffeln habe ich definitiv am häufigsten gesehen und konnte mich an jeden einzelnen Shot erinnern, sobald er über den OLED-Fernseher in überraschend gestochener Schärfe flimmerte. Das ist wohl der größte Unterschied: Es ist kein Röhrenfernseher mehr, der mir die Serie zeigt, und mit der Dolby Atmos Soundanlage ist der Sound kristallklar. Soweit man etwas anhand von nur einer Folge beurteilen kann, muss ich sagen, dass es durchaus gelungen ist, diese mittlerweile 27 Jahre alte Episode ins Jahr 2025 zu holen. Nur an den »establishing shots« von San Francisco merkt man das Alter der Serie, da diese nicht neu aufbereitet wurden. Was ich hervorragend finde, da es San Francisco von damals zeigt. Moderne Aufnahmen wären hier fehl am Platz.

Ich frage mich, ob die erste Szene damals schon das stereotypische Bild einer „modernen“ Hexe war oder ob das erst in den nächsten Jahren etabliert wurde. Wir sehen eine junge Frau, die natürlich eine Katze besitzt und sich vor einen kleinen Tisch kniet. Darauf sind verschiedene Kerzen und eine Schale mit Kräutern oder ähnlichen Darbietungen. Die Kerzen werden nicht mit einem Feuerzeug angezündet, sondern mit den Fingern und es wird eine Gottheit angebetet, selbstverständlich mit Referenz auf den Mond. Es ist fantastisch. Leider wird die gute Dame ermordet, da ein Hexen-Jäger oder auch Warlock genannt, in der Stadt sein Unwesen treibt.

Die erste Halliwell-Schwester, die wir sehen ist Piper, die gerade durch die Haustür hereinkommt. Als Zweites sehen wir Prue. Die beiden sind wohl gerade dabei, das Haus auf Vordermann zu bringen, nachdem ihre Großmutter verstorben ist und es allen drei Schwestern vermacht hat. Prue und Piper sind wieder in das alte Haus eingezogen. Ohne es vorher Prue zu sagen, zieht allerdings auch Phoebe, die jüngste Schwester, wieder ins Haus ein. Prue geht eigentlich davon aus, dass sie in New York lebt, doch Piper weiß, dass sie wieder zurück nach San Francisco kommt. Und dann steht sie auch schon vor der Tür. Die Spannung zwischen Prue und Phoebe ist deutlich zu spüren. Scheinbar hat Phoebe mit dem Ex-Verlobten von Prue geschlafen, was diese allerdings leugnet. Durch diese kleine Szene, doch auch durch die Unterhaltungen davor sind sofort die Fronten klar und man versteht das Verhältnis zwischen den dreien.

Das ist etwas, das dieser ersten Episode exzellent gelingt: das Etablieren der drei Schwestern, wo sie im Leben stehen, welche Beziehung sie zueinander haben. Es lässt sich erahnen, wie ihre Kindheit hier ausgesehen haben mag, und man fängt vielleicht selbst an, etwas zu spekulieren. Die drei erhalten an diesem Abend gleich ihre Kräfte, als Phoebe laut die erste Seite des Buchs der Schatten vorliest. Ich habe mich schon immer gefragt, wer alleine für sich etwas laut vorliest, aber das bricht nicht mein »suspension of disbelief« und funktioniert für mich. Man bekommt hierbei einen Eindruck der Effekte der Serie. Etwas Licht, Dinge wackeln und so weiter. Es sind einfache, aber effektive Wege, die Magie in Erscheinung treten zu lassen. Und wir befinden uns im Jahr 1999, das darf man dabei nicht außer Acht lassen.

Es ist schön, zu beobachten, wie die drei ihre Kräfte entdecken. Phoebe, die ihre Macht, in die Zukunft zu schauen, gleich nutzt, um Teenagern das Leben zu retten. Piper, die aus Versehen die Zeit einfrieren lässt und damit einen Job in der Küche bekommt, aber später diese Macht nutzt, um vor ihrem bösartigen Freund Jeremy zu flüchten, der insgeheim ein Warlock ist. Und schließlich Prue, die unbewusst Dinge in Bewegung setzt, um ihren misogynen Boss und Ex zu bestrafen. Die Serie sprüht dabei geradezu 90er-Energie, und es macht Freude, erneut in diese Zeit einzutauchen.

Natürlich dürfen die Nebencharaktere nicht unerwähnt bleiben. So sehen wir Andy, den Inspektor, der vor allem Prue schon länger zu kennen scheint und die beiden verstehen sich auf Anhieb sehr gut. Und Andys Partner Darryl, der äußerst skeptisch ist, wenn Andy vorschlägt, dass sie es mit einem Hexen-Jäger zu tun haben, der Frauen tötet. Was die beiden wohl sagen würden, wenn sie wüssten, dass der Warlock den sie suchen, im Dachboden der Charmed Ones explodiert ist? Andy ist auf jeden Fall durch seine offene Natur aufmerksam und so fällt ihm gleich auf, dass eine spezielle Katze (die, die wir bei der Hexe im Intro gesehen haben) mit einem besonderen Halsband bei den Halliwells auftaucht. Was hat das wohl zu bedeuten?

Ich weiß nicht, ob ich die Folge und damit die Serie als cheesy bezeichnen würde. Das wird Charmed nicht gerecht, jedoch wirkt es in der Rückschau natürlich so. Supernatural, das erst sechs Jahre später starten wird, wirkt ab der ersten Folge ernsthafter und erwachsener, wenn man den Unterschied so beschreiben kann. Nicht, dass sich Charmed nicht ernst nimmt, das tut es und es tut der Serie gut. Es fällt mir schwer, die Atmosphäre konkret zu beschreiben. Vielleicht finden wir es noch heraus. Vielleicht ist es nur die Mischung aus Nostalgie, den Erinnerungen an die Serie und sie nach vielen Jahren mit anderen Augen wiederzusehen. Was auch immer es ist, ich finde es großartig und freue mich auf die weiteren Folgen.

»The power of three will set you free.«

MCU Rewatch | Captain America: Brave New World

Die fünfte Phase des MCU ist – gemischt. Um es positiv auszudrücken. Ich bin froh, dass ich mit meinem Rewatch Anfang April fertig war und die Texte soweit vorbereitet hatte. Seitdem erscheint jeden Samstag ein Text dazu. So konnte ich etwas Abstand gewinnen. Nun war es also an der Zeit, mich den neueren Einträgen des Marvel Cinematic Universe zu widmen.

»Captain America: Brave New World« verlangt von seinen Zuschauer*innen, dass man sich nicht nur mit den Filmen des MCU auseinandersetzt. Im Idealfall schaut man noch die Serie »Falcon & the Winter Soldier«. Als die Serie vor ein paar Jahren erschien, habe ich sie mir angeschaut. Ich kann mich an kaum etwas erinnern. Spricht jetzt entweder gegen die Serie oder gegen mein Gedächtnis. Was auch immer es ist, mit einem Abstand von mehreren Monaten zu den anderen Filmen und mehreren Jahren zur Serie fühlte ich mich, als würde ich frisch in das Universum einsteigen. Ich konnte mich gut darauf einlassen. Was also bietet »Brave New World«?

Ich hätte gerne gesagt, dass Anthony Mackies Premiere als Captain America und erste Hauptrolle in einem MCU-Film der beste Film von Phase 5 ist. Stattdessen ist es enttäuschendes Mittelmaß. Die Geschichte an sich finde ich durchaus interessant und sie hätte Potential gehabt für mehr. Aber die Cinematographie und die CGI-Effekte reißen mich immer wieder aus dem Film. Genauso wie das Sounddesign nicht überzeugend ist. Und wenn ich während des Films über das Sounddesign nachdenke, dann läuft wirklich viel schief.

Aber von vorne: Der neue Präsident der USA, Thaddeus Ross (nach dem Tod von William Hurt hier porträtiert von Harrison Ford), ist verstrickt in so einige Machenschaften. Gefängnisse, von denen niemand weiß, Deals, die keiner kennt, verfeinert mit dem typischen Hauruck-Patriotismus, den man von Ross kennt. Feingefühl wie ein Panzer. Wie dieser Mann Präsident wurde, ist mir ein Rätsel. Nebenbei erledigt der neue Captain America ein paar Missionen für den Präsidenten. Aber diese tolle Freundschaft geht schnell den Bach runter und wir sind bei den alten, verhärteten Fronten angelangt. Jeder macht, was er will. Am Ende tun aber dann doch alle das Richtige und reiten glücklich in den Sonnenuntergang.

Was mir gefällt, sind die Rückgriffe auf »Incredible Hulk«. Es ist schön zu sehen, dass das MCU die Existenz dieses Films anerkennt. Genauso wird der Celestial im Meer angesprochen (wir erinnern uns an »Eternals« zurück). Warum der da rein muss? Keine Ahnung. Irgendjemandem im Autor*innenteam ist wohl eingefallen, dass da was Größeres im Meer liegt, und hat diesen mit der Brechstange in die Geschichte geschrieben. Nebenbei hat man Lunte gerochen und die Chance genutzt, mehrmals das Wort »Adamantium« unterzubringen. Fans erinnern sich dann an die Fox-X-Men-Filme und an Wolverine. Denken an Hugh Jackman und sind für ein paar Minuten abgelenkt und haben ein wohliges Gefühl im Bauch. Vielleicht soll das die X-Men sehr unsubtil ankündigen oder einfach nur ablenken. Ich bin mir nicht sicher. Es hätte aber sehr viel besser untergebracht werden können.

Wie kann ein Studio für einen fantastischen Spionage-Thriller à la »Winter Soldier« verantwortlich sein und sich gleichzeitig, ein paar Jahre später, an »Brave New World« die Zähne ausbeißen? Ich mag die Performances der Schauspieler*innen sehr gerne. Mackie ist Falcon/Captain America, Harrison Ford ist sowieso grandios und die neuen bzw. alten Ergänzungen sind klasse gewählt. Danny Ramirez hat eine tolle Chemie mit Mackie und ich hätte gerne mehr von den beiden als Team gesehen. Shira Haas ist einfach nur ein Badass und hat eine gewaltige Bildschirmpräsenz. Und dann natürlich noch Giancarlo Esposito als Handlanger des wahren Bösewichts. Ich verrate hier mal nicht mehr. Das ist ein Cast, der seinesgleichen sucht. Aber die Geschichte ist zu seltsam erzählt. Mal mäandert sie vor sich hin, dann geht wieder alles furchtbar schnell und politische Verhandlungen bzw. manche Charaktermotivationen und -einstellungen bleiben undurchsichtig.

Nicht so undurchsichtig ist leider das CGI. Ich weiß nicht, was beim Dreh oder der Postproduktion schiefgelaufen ist, aber manche Szenen sehen aus, als wären sie von Filmstudenten gedreht worden. Es gibt Szenen, in denen die Charaktere so viel Weichzeichner verpasst bekommen haben, als wäre es eine Traumsequenz. Deshalb fiel mir der Einstieg in den Film so schwer. Es sah surreal aus. Auf der anderen Seite wirken manche Einstellungen unscharf. Nicht zu sprechen von den Szenen, die im »Volume« gedreht wurden. Der wohl höllischsten Erfindung in Hollywood der letzten Jahre. Wenn dort gedreht wird, sieht es meistens einfach nur falsch aus. Die Beleuchtung funktioniert nicht mit dem Rest des Films. Fahrt mit den Schauspieler*innen doch einfach in einen Wald oder baut ein Set. Aber das »Volume« muss einfach verschwinden. Es hatte seinen Höhepunkt in »The Mandalorian«, wo es eingeführt wurde, aber seither ging es nur bergab.

Kommen wir zum Sounddesign. Was ich an »Winter Soldier« so mochte, war unter anderem das Sounddesign. Vor allem wenn Cap das Schild geworfen hat. Es hatte eine Wucht, die man gespürt und gehört hat. Wenn jemand damit getroffen wurde, tat es weh beim Zuschauen. Die Bahnen des Schilds waren, wenn auch übertrieben (wir sind immer noch in einer Comicverfilmung), nachvollziehbar. Doch diese Wucht und Präzision sucht man hier vergebens. Manchmal gelingt es, aber öfter oft verpufft ein Aufprall im Nichts. Genauso wie bei manchen Schlägen oder wenn jemand brachial zu Boden geworfen wird. Mir kommt es so vor, als würden manche Soundeffekte fehlen. Mir wurde in den vergangenen 17 Jahren MCU-Filme eingetrichtert, dass Schläge eine Wucht, einen Wumms hinter sich haben. Wenn das dann fehlt oder nicht so stattfindet, reißt es mich aus dem Film.

Ich mochte den Bösewicht auch nicht wirklich. Das alles war nur eine Ausrede, damit sie Harrison Ford in den Red Hulk verwandeln konnten. Ross ist doch immer ein aufbrausender Charakter gewesen. Das alles penibel zu planen und abzuschätzen, funktioniert für mich nicht.

Ich hätte den Film gerne gemocht. Aber je länger ich darüber nachdenke, und jetzt, wo ich diesen Text schreibe, fallen mir immer mehr Fehler auf. Inkompetenzen und Unzulänglichkeiten, die nicht hätten sein müssen. Daran ist auch »Black Widow« am Ende gescheitert. Marvel kann nicht einfach nur einen guten Spionage-Thriller machen. Es muss immer grandios und episch werden. Aber das spürt man in diesem Film nicht. Als in »Eternals« der Celestial angefangen hat, sich aus dem Meer zu erheben, war das ein gewaltiges Schauspiel. Die schiere Größe dieses Monstrums wurde gekonnt eingefangen. Wenn man denselben Celestial in »Brave New World« sieht, wirkt das bei weitem nicht so imposant. Dazu ist die Cinematographie hier leider nicht in der Lage. Sie scheitert schon an kleinen Szenen. Wie sollte sie einen Celestial einfangen können, den es gar nicht gibt?

Schade. Ich hätte es Anthony Mackie gewünscht, dass sein erster Filmauftritt als Captain America etwas Großartiges wird. Ich hoffe, sie geben ihm noch eine Chance. Mackie und Ramirez sind ein tolles Duo. Bitte mehr davon. Aber mit einer schlüssigen Story, einem angsteinflößenden Bösewicht, nachvollziehbaren Charakterentwicklungen und CGI-Effekten, die gut aussehen. Marvel scheitert wiederholt an ihrem eigenen Erfolg. Mal sehen, ob »Thunderbolts*« es besser hinbekommt.

Special Edition

Vor Kurzem war ich mal wieder zu einer Hochzeit eingeladen. Die große Frage dahinter ist nicht nur: „Was ziehe ich an?“, sondern auch: „Was schenke ich den frisch Vermählten?“ Es gibt die typischen Hochzeitsgeschenke mit den Namen des Brautpaars, und dagegen ist auch nichts einzuwenden. Doch ich wollte noch etwas Besonderes, Einzigartiges schenken. Zuerst hatte ich überlegt, mein Blogbuch noch einmal drucken zu lassen, nur mit einer neuen Einleitung versehen. Doch dann kam mir die wahnsinnige Idee einer Special Edition.

Diese Special Edition sollte die ersten eineinhalb Jahre des Blogs beinhalten. Das war allein schon vom Layout her eine Herausforderung, wie sich herausstellen sollte. Denn über 350.000 Worte in einem Buch zusammenzufassen, ist nicht leicht. »Wir-Machen-Druck«, bei denen ich meine Bücher stets bestelle, können im DIN-A5-Hochformat maximal 600 Seiten drucken. Das hört sich erst einmal viel an. Jedoch musste ich so einige Tricks anwenden und mit Zeilenabständen experimentieren, bis ich alle Texte auf diese Seitenzahl zusammengestaucht bekam. Manches ist vielleicht etwas zu klein geraten, wie etwa das Inhaltsverzeichnis, aber die Texte an sich lassen sich noch gut lesen.

Ich habe auch wieder Neues gelernt, wenn ich zukünftig Bücher drucken lasse. Zum einen gefällt mir das Design des Covers von der Special Edition um einiges besser als das von der Softcover-Ausgabe von Jahr 1. Hier werde ich bei Jahr 2 mehr recherchieren und experimentieren müssen, damit es etwas besser aussieht. Außerdem sollen die ersten Seiten etwas mehr Freiraum bieten, um das Buch einzuleiten. Bei herkömmlichen Büchern startet nicht gleich das Inhaltsverzeichnis oder der Text. Es gibt Widmungen, Daten über das Buch, noch einmal werden Titel und Name des Autors oder der Autorin genannt. Das war hier leider nicht möglich, aufgrund des Limits der Seitenzahl, aber bei anderen Projekten kann ich das berücksichtigen.

Zunächst hatte ich ein spezielles Vorwort der Special Edition im Kopf. Wie schon das vorherige Vorwort sollte es fix im Buch abgedruckt sein. Doch bei der Bestellung des Buches habe ich bemerkt, dass 5 Stück zu bestellen so einige Vorteile bietet. Etwa die bessere Fadenbindung und ein Zierbändchen. Der Preis von zwei Stück unterschied sich nur marginal von der Auflage von fünf. Also habe ich die Seite des Vorworts für die Special Edition einfach leer gelassen. So ist es mir möglich, diese besonderen Exemplare jeweils mit einer speziellen Widmung zu versehen. So haben diese Versionen noch einen persönlicheren Touch.

Ich bin sehr zufrieden. Das ist das erste Mal, dass ich ein Hardcover-Buch erstellt und designt habe. Es fühlt sich schon sehr viel wertiger an als ein einfaches Softcover. Trotzdem werden die nächsten Jahresbücher keine Hardcover. Das wird den Special Editions vorbehalten sein. Mal sehen, welche mir noch einfallen.