Homework for Life

Vor ein paar Monaten habe ich mit der Praxis »Homework for Life« aufgehört. Ja, ich weiß, das ist etwas kontraintuitiv. Ich habe Bullet Journaling mehr in den Fokus meiner täglichen Rituale gerückt und es fühlte sich für einige Zeit gut und richtig an. Doch ich vermisse es. So gut Bullet Journaling an sich ist und so gut es grundsätzlich funktioniert, so genial und einfach ist das Prinzip von »Homework for Life«. Matthew Dicks hat damit etwas Wunderbares geschaffen und ich möchte es nicht mehr aus meinem Leben missen.

Natürlich kann ich meine Notizbücher durchgehen und darin schmökern, was ich an diesem Tag vor drei Jahren gedacht oder getan habe. Eine Liste mit mindestens 365 Einträgen ist jedoch um einiges praktikabler. Also habe ich wieder damit angefangen. Es dauert vielleicht eine Minute, die Liste jeden Tag zu pflegen und ein Ereignis einzutragen. Diese Minute ist allerdings so viel wert. Ich mache es in einer Tabelle. Jeder Tag bekommt eine Zeile. Spalte 1 beinhaltet das Datum. In Spalte 2 trage ich das Ereignis ein, das mir am wichtigsten ist.

Manche würden jetzt wahrscheinlich sagen, dass es nicht jeden Tag etwas einzutragen gibt. Das stimmt aber nicht. Mit etwas Übung findet man jeden Tag etwas. Manchmal sogar mehr. Dann füge ich entsprechend viele Zeilen zu dem Tag hinzu. Matthew Dicks stellt die einfache Frage: Wenn ich jemandem für 5 Minuten von meinem Tag berichten müsste, was würde ich erzählen? Manchmal sind es tiefgreifende Gedanken, Gespräche oder Ereignisse, genauso oft aber etwas Alltägliches, das an diesem Tag aus irgendeinem Grund besonders war. Und so befüllt man die Tabelle. Zeile für Zeile, Tag für Tag.

Ich habe für mich gemerkt, dass es eine Praxis ist, die ich sehr gerne mache. Die Jahresübersicht zu haben, ist beeindruckend. Man überfliegt die Liste immer mal wieder und erinnert sich an Dinge, die man schon wieder vergessen hat. Die Zeit fliegt nicht mehr so schnell an einem vorbei, sondern verlangsamt sich. Man wird sich bewusst, was an einem Tag alles passieren kann. Ich kann »Homework for Life« nur empfehlen. Wer es lieber analog machen möchte: Es gibt von Leuchtturm ein 5-Jahres-Journal »Some lines a day«. Das eignet sich ebenfalls sehr gut für »Homework for Life«. Wie man es macht, ist nebensächlich. Es zählt die tägliche Praxis. Es ist die beste Hausaufgabe, die man bekommen kann.

Apokalyptischer Dungeon

Nachdem ich das Video von Daniel Greene gesehen habe, in dem er die komplette Fantasyliteratur zusammenfasst, begab ich mich auf die Suche nach einem Buch. Ich wollte mal wieder gute Fantasy lesen. In eine Welt eintauchen, die ich zuvor noch nicht gekannt oder auch nur davon gehört hatte. Etwas Neues. Erst habe ich überlegt, ob nicht »His Dark Materials« (Der goldene Kompass) diese Buchreihe sein könnte oder »Wheel of Time« (Das Rad der Zeit). Aber beide haben mich nicht wirklich gepackt. Die kommen später dran. Stattdessen habe ich mich für »Dungeon Crawler Carl« entschieden.

Diese Bücher gibt es aktuell nur auf Amazon, zumindest was die digitale Distribution anbelangt. Ich glaube, sie sind exklusiv und die komplette Reihe (bisher sind sieben Bücher erschienen) ist bei Kindle Unlimited verfügbar. Autor Matt Dinniman war sehr produktiv in den vergangenen Jahren. Allein 2021 sind drei Teile von »Dungeon Crawler Carl« erschienen, wenn ich das richtig gesehen habe. Demnächst soll ein Webcomic zu der Reihe erscheinen. Den Trailer dazu hat Daniel Greene in einem seiner »Fantasy News«-Videos angeschnitten. Dieser kleine Ausschnitt hat mich endgültig davon überzeugt, die Bücher zu lesen. Aber worum geht es eigentlich?

Der Anfang erinnert stark an »Hitchhiker’s Guide to the Galaxy« (Per Anhalter durch die Galaxis). Im Universum gibt es vielfältiges, intelligentes Leben. Komplexe politische Systeme, über die wir nach und nach mehr erfahren. Die Erde hat davon nichts mitbekommen. Eines Tages stürzen plötzlich, ohne Vorwarnung, sämtliche Gebäude mit Dach ein. Seien es Häuser, Pavillons, Autos, vielleicht sogar Regenschirme – einfach alles, was auch nur einem Dach ähnelt, wird dem Boden gleichgemacht. Unser Protagonist, der titelgebende Carl, steht zufälligerweise draußen und versucht gerade, die Katze seiner (Ex-)Freundin wieder einzufangen, die aus dem Fenster gesprungen ist.

Eine Stimme ertönt in den Köpfen der Menschen. Sie berichtet darüber, dass die »Borant Corporation« Regentschaft über das Sonnensystem hat und nun die Ressourcen der Erde beansprucht. Wir hätten Einspruch erheben können, aber die Frist ist längst verstrichen und das verantwortliche Büro viele Lichtjahre entfernt. Aber keine Sorge, denn Subsection 35 vom »Indigenous Planetary Species Protection Act« räumt den Bewohner*innen von Welten ein Recht ein, für ihren Planeten zu kämpfen. Wie viel das bringt, nachdem schon alles zerstört ist und der Großteil der Bevölkerung damit ausgelöscht wurde, sei einmal dahingestellt. Für diese „Kämpfe“ gibt es verschiedene Optionen. Die Borant Corporation hat sich für den »World Dungeon« entschieden. Ein Dungeon, unter der Erde, mit 18 Ebenen. Gefüllt mit Monstern, Bossen und NPCs. Wenn es jemand schafft, diese 18 Ebenen zu meistern, bekommen wir die Erde wieder? Ich bin mir nicht ganz sicher. Überall auf der Welt öffnen sich Portale und den Menschen bleibt die Entscheidung überlassen, ob sie auf der Oberfläche zu überleben versuchen oder sich im Dungeon probieren.

Carl rennt mit Princess Donut (so der Name der Katze) in das nächste Portal. Wo er sich gerade befindet, ist nämlich tiefster Winter. Und er trägt quasi nichts. Nur Boxershort, eine dicke Lederjacke, die er sich kurzfristig übergeworfen hat und pinke, zu kleine Crocs. Nun fängt er also an sich mit der Katze durch das Dungeon zu kämpfen. Wie das mit einer Katze genau funktioniert, dazu müsst ihr euch überraschen lassen. Es entspinnt sich ein Abenteuer, das seinesgleichen sucht. Denn das Dungeon ist aufgebaut wie ein Computerspiel – ein Rollenspiel, um genau zu sein. Carl (und auch Donut) bekommt einen Lebensbalken in sein Sichtfeld eingeblendet, einen Mana-Balken und sogar eine Minimap. Man kann sich hochleveln, Skills freischalten (die ebenfalls gelevelt werden können) und natürlich Achievements mit mal mehr, mal weniger nützlichen Belohnungen. Es gibt Kleidungsstücke und Schmuck mit Buffs, Waffen, die man findet, und so viel mehr. Eben alles, was ein Rollenspiel braucht, ist vertreten. Es ist fantastisch.

Vor allem gefällt mir, wie nach und nach die Welt immer größer und tiefer wird. Durch Itembeschreibungen erfährt man von verschiedenen Organisationen, Firmen oder sonstigen Einrichtungen, die es im Universum gibt. NPCs erzählen immer mal wieder kleine Schnipsel und so erhält man Schritt für Schritt ein immer vollständigeres Bild. Donut und Carl müssen zwischendurch Interviews machen. Dungeon Crawler ist natürlich eine der erfolgreichsten Shows im Universum und wird von Aberbillionen Wesen geschaut. Selbstverständlich gibt es Interviewshows, in denen die erfolgreichsten, beliebtesten Crawler eingeladen werden. Denn jeder Crawler (so der Name der kämpfenden Menschen im Dungeon) kann Follower, Favorites und Patrons akquirieren. Dadurch haben sie die Chance auf bessere Items und eventuell eine bessere Überlebenschance.

Die Welt von »Dungeon Crawler Carl« ist durchdacht und mit viel Liebe zum Detail gestaltet. Zwar hatte ich bei manchen Aspekten immer mal wieder die Sorge, dass etwas mit der Zeit nervig werden könnte oder die ständigen Interviews langweilig werden würden. Doch Matt Dinniman findet die perfekte Balance. Das erste Buch bildet die ersten zwei Ebenen des Dungeons ab und das ist mehr als genug. Wenn er in diesem Detail weitermacht, freue ich mich auf die weiteren Bücher. Aktuell bin ich mitten im zweiten Teil. Carl und Donut sind fantastisch geschriebene Charaktere. Immer mal wieder bekommt man Schnipsel aus ihrer Vergangenheit mit, besonders natürlich von Carl, was ihn zu einem echten, nachvollziehbaren Charakter macht. Aber auch sämtliche NPCs und Nebencharaktere wirken ausgearbeitet. Als wären es echte Wesen mit einer turbulenten Geschichte, eigener Motivation und Antrieb.

»Dungeon Crawler Carl« ist mit recht eine äußerst beliebte Fantasy-Reihe. Sie ist actiongeladen, weiß aber ebenso ruhige, herzerweichende, tiefgründige Momente zu schaffen. Ich würde gerne das Regelbuch sehen, denn der detailgrad überrascht mich immer wieder. Standen sämtliche Regeln des Dungeon im Vorhinein fest oder arbeitet es Matt Dinniman zum Teil on-the-fly aus? Was auch immer es sein mag, er hat etwas einzigartiges geschaffen. Ich kann es kaum erwarten, in die nächsten Bücher und Ebenen des Dungeons einzutauchen.

MCU Intermission | Fantastic Four

Bevor Marvel die »first family« ins MCU einführt und ein hoffentlich würdiges, filmisches Abenteuer inszeniert, muss ich mir die früheren Versuche noch einmal anschauen. Dazu zählen vorwiegend die beiden Teile mit Ioan Gruffudd als Reed Richards, Jessica Alba als Susan Storm, Chris Evans als Johnny Storm und Michael Chiklis als Ben Grimm. Victor von Doom wird dargestellt von Julian McMahon. 20 Jahre ist dieser Film alt. Eigentlich ein schönes Jubiläum, dass Marvels first family nun ins MCU einzieht.

Als ich mir die Blu-Ray-Hüllen angesehen habe, war ich äußerst überrascht von der Laufzeit. Der erste Teil hat knapp über 100 Minuten, der zweite gerade einmal knapp über 90. Man sehe und staune, welch kompakte Filme man machen kann, wenn man sich auf eine Geschichte konzentriert und diese konsequent erzählt. Es gibt wenige bis keine Nebenhandlungen, Nebencharaktere werden auf ein Minimum beschränkt. Das ist äußerst erfrischend. Die Frage ist nur: Kann man sich Fantastic Four heute noch gut ansehen? Oder merkt man ihnen zu deutlich die Zeichen ihrer Zeit an?

Nein und Ja. Johnnys Umgang mit Frauen ist nicht gut gealtert. Der nicht gerade unterschwellige Sexismus, das Begrabsche und dauernde Heranmachen an die Frauen in seiner direkten Umgebung, ohne jede Rücksicht oder Scham oder auch nur einen Hauch von Nachdenken, tut weh. Dieser Aspekt des Films ist nicht einfach zu ertragen. Johnny ist allgemein ein Kind seiner Zeit. Die Aufmachung, seine Einstellungen, wie er gespielt wird, ist nicht mehr zeitgemäß. Seine »Witze« über Bens Aussehen und die Streiche, die er ihm spielt, sind ebenso überholt, wie sein übertrieben draufgängerisches Gehabe. Kaum zu glauben, dass Chris Evans später Captain America mimt.

Ich habe den ersten Film seit mindestens 17 Jahren nicht mehr gesehen. Doch ich konnte mich an gewisse Szenen und Augenblicke noch gut erinnern. Früher mochte ich den Film durchaus. Doch man war jung und naiv. Gelegentlich liest oder hört man Entschuldigungen, wie: Man muss den Film als das bewerten, was er ist, und berücksichtigen, aus welcher Zeit er stammt. Nur entschuldigt das gar nichts. Es ist einfach nur falsch und unverzeihlich. Besonders in einem Film wie Fantastic Four.

Doch auch die Entwicklung des Teams ist gespickt mit Klischees. Sie müssen sich zerstreiten und trennen, um am Ende doch zusammenzufinden. Die zugrundeliegende Origin-Story ist prinzipiell nicht schlecht und hätte viel Potenzial gehabt, zu etwas bemerkenswerten zu werden. Fantastic Four kommt aber nicht über seine großen Schwächen hinaus. Hier hätte man mehr Weitsicht beweisen müssen.

Der zweite Teil, Rise of the Silver Surfer, ist zwar besser als sein Vorgänger, doch er wiederholt ebenso viele Fehler. Johnny ist nicht mehr ganz so nervig wie zuvor, doch der gelegentliche Sexismus und seine Überheblichkeit trüben die Erfahrung des Films. Die Hochzeit von Susan und Reed ist so vorhersehbar wie langweilig. Die gescheiterte Hochzeit, die kalten Füße, das Crashen der Hochzeit von Silver Surfer und Reed, der nicht anders kann, als ein Gerät mitzubringen, das die Zeremonie nicht nur einmal unterbricht – all das strotzt nur so vor unkreativen Entscheidungen.

Am schlimmsten finde ich die schlecht geschriebenen Dialoge. Da kommen Logiklücken zum Vorschein, da wird selbst Silver Surfer neidisch. Reed wird nach dem ersten Scheitern seines Experiments vom Militär angeschnauzt und beschuldigt. Dabei waren sie es doch, die etwas von ihm wollten. Es ergibt alles keinen Sinn. Die Dialoge sind nur so geschrieben, weil den Autoren nichts Besseres eingefallen ist, um Dr. Doom wieder zurückzubringen. Dazu kommen noch offensichtliche Fehler. Beispielsweise das riesige Loch, das der Silver Surfer in die Seine in Paris macht. Das führt dazu, dass der ganze Fluss austrocknet. So funktionieren Flüsse nicht. Es würde trotzdem noch Wasser fließen, nur eben das Meiste in das Loch. Flüsse sind keine Becken, die man wie eine Badewanne ausleeren kann.

Ben und Alicia sind ein nettes Paar. Vor allem Alicia scheint die einzig vernünftige Person zu sein. Ben verkommt leider auch zu einem Comic-Relief, so wie eigentlich alle. Die ständigen Streite zwischen ihm und Johnny waren schon im ersten Teil nicht lustig. Einziger Lichtblick in dem Ganzen ist der Silver Surfer an sich. Ich finde ihn toll gemacht und für 2007 sind die Effekte nicht schlecht. Laurence Fishburne spricht den Charakter, was ihm sowieso einen großen Bonus verleiht. Aber grundsätzlich bekommt auch der Surfer nicht viel zu tun und kann daher nicht viel falsch machen. Galactus haben sie degradiert zu einer großen ominösen Wolke. Das ikonische Design von Jack Kirby sieht man nur andeutungsweise.

Es heißt ja immer »never meet your heroes«. Man wird enttäuscht sein. Ähnliches gilt für Serien und Filme, die man als Kind geliebt hat. Über die Jahre und Jahrzehnte redet man sich die Sachen schön, Erinnerungen sind sowieso konstanten Änderungen unterworfen und man vergisst Details, sodass die positiven Aspekte überwiegen. Ich hatte nur nicht vermutet, dass es bei der Fantastic Four Duologie genauso sein würde. Es sind einfach keine guten Filme. Schade. Dafür geht es in zwei Wochen mit Phase 5 des MCU weiter. Mal sehen, welche Überraschungen uns hier erwarten.

Und nein, den Reboot der Fantastic Four von 2015 schaue ich mir nicht an. Den musste ich bereits im Kino ertragen. Das reicht.

Noch mehr Indie-Games

Ich nutze weiterhin gerne mein Playstation-Plus-Extra-Abo, um diverse Indie-Spiele zu testen. Ich möchte nicht schon wieder mit »Elden Ring« oder »Lies of P« meine Zeit verbringen. Auch wenn ich diese tollen Meisterwerke sicherlich wieder aus der digitalen Schublade herausholen werde, gibt es so viel mehr zu entdecken. Vor allem im Indie-Bereich gibt es tolle Perlen. Eine wichtige Regel oder einen Punkt, den ich beachten möchte: Wenn mir ein Spiel nicht gefällt, dann zwinge ich mich nicht, es zu beenden. Selbst wenn es nur ein paar Stunden dauert. Umgekehrt: Wenn mir ein Spiel gefällt, muss ich es nicht platinieren. Es ist in Ordnung, einfach nur ein Spiel zu genießen oder es eben wegzulegen, wenn es genug ist. Heute habe ich zwei Spiele, die ich kurz anreißen möchte.

Zum ersten »Somerville«. Die Geschichte fängt putzig an. Man sieht eine Familie, die in ein neues Haus einzieht. Ein Vater, eine Mutter und ein kleines Kind, das gerade mal laufen kann. Sie richten sich etwas ein und schlafen dann alle gemeinsam vorm Fernseher ein. Das Spiel versucht nun insofern, uns mit den Figuren vertraut zu machen, als dass man alle einmal steuert. Erst das Kind, dann die Mutter, dann den Vater. Es ist nett gemacht.

Somerville hat eine Perspektive wie ein Side-Scroller, allerdings kann man sich mit den Figuren nicht nur links und rechts bewegen, sondern auch ein paar Schritte in die Tiefe wagen. Diese dreidimensionale Steuerung, verbunden mit der fixen Kameraperspektive von der Seite, ist gewöhnungsbedürftig. Es ist nicht immer klar, wo man langlaufen kann oder was ein Interaktionspunkt ist. Manches ist auch nicht deutlich zu erkennen. Jedenfalls geschieht irgendwann, was geschehen muss: eine Alieninvasion. Der Vater wird ohnmächtig und als er wieder aufwacht, sind Frau und Kind weg. Wir begeben uns wie in einer zerstörten Welt auf die Suche nach unserer Familie.

Bei Somerville handelt es sich um ein Rätselspiel. Man kämpft nicht direkt gegen Aliens, sondern bahnt sich einen Weg durch die zerstörte Welt und die Siedlungen, die die Menschen errichtet und wieder verlassen haben. Wie lange waren wir eigentlich ohnmächtig? Die Rätsel sind unterhaltsam und gut gemacht. Wir begegnen nicht nur feindseligen Aliens, sondern auch freundlichen Wesen. Ich habe die ersten zwei Stunden wirklich gerne in dieser Welt verbracht. Das Design und der Stil des Spiels gefallen mir sehr gut. Nur habe ich es dann abgebrochen.

Nach zweieinhalb Stunden war die Story für mich nicht mehr greifbar und ich kannte das Ziel nicht. Die Figuren reden nicht. An sich kein Problem, wenn mir deutlich gemacht wird, was das Ziel ist. Dazu zählen auch Gestik der Charaktere und »environmental storytelling«. An sich nichts Schlechtes, nur wenn die Geschichte und das Ziel nicht klar werden, frustriert das. Vor allem wenn die Steuerung nicht so präzise ist, wie es manche Hindernisse von mir verlangen. Somerville ist eine nette Idee, scheitert aber letztlich an seinen eigenen Ambitionen.

Dann wollte ich noch »Mystic Pillars« testen. Auch ein Rätselspiel. Jedes Level hat eine bestimmte Anzahl an Säulen. Jede Säule ist mit Slots für Diamanten ausgestattet. Manche sind befüllt, manche nicht. Ziel ist es, die Diamanten so zwischen den Säulen zu verteilen, bis sie einem vorgegebenen Schema entsprechen. Man hat allerdings nur eine gewisse Anzahl an Zügen pro Versuch. Nach den ersten Versuchen habe ich schnell festgestellt, dass das kein Spiel für mich ist. Es gibt eine Pseudo-Geschichte, die den Grund für die Säulen erklärt und warum man die Rätsel lösen soll, aber wirklich packend ist das nicht. Eher ablenkend.

Nach »GRIS« und »Cat Quest«, die mich wirklich beeindruckt haben, also eher zwei enttäuschende Erfahrungen. Trotzdem bin ich ganz froh, den Spielen eine Chance gegeben zu haben. Mal sehen, was ich als Nächstes entdecke. Es wird Zeit, wieder die Steam-Bibliothek zu durchforsten.

Geek-Planet | The Walking Dead: Book 7

Es ist Donnerstag. Die Woche ist fast geschafft. Aber bis es so weit ist, werfen wir einen Blick in die Vergangenheit. Genauer gesagt auf den 12. Oktober 2016. An dem Tag, es war ein Mittwoch, erschien der folgende Text auf meinem damaligen Blog »Geek-Planet«. Den gibt es heute allerdings nicht mehr. Trotzdem möchte ich, dass alle meine Texte an einem Ort versammelt sind.

Der Einstieg in den Text hat mich etwas überrascht, denn ich schreibe, dass die Serie in den bisherigen Rezensionen nicht gerade gut wegkommt. Diesen Eindruck kann ich heute allerdings nicht bestätigen. Natürlich stören manche Aspekte oder Charaktere sind unsympathisch, aber selbst das sind manchmal Qualitäten einer Serie. Denn es sollen ja gewisse Charaktere gezielt unsympathisch sein. Wenn man sich weiterhin über etwas aufregen kann oder sogar manche Personen darin regelrecht hasst, so hat man weder mit der Serie oder dem medialen Erzeugnis abgeschlossen, noch ist es einem egal. Vielleicht habe ich mich damals etwas zu sehr von den Meinungen des Internets beeinflussen lassen. Etwas, das ich heute gezielt versuche, zu vermeiden. Es gelingt mal mehr und mal weniger gut.


In diesem Buch steht der Konflikt zwischen zwei Gruppen im Vordergrund: Einerseits haben wir die mehr oder weniger gut funktionierende Gemeinschaft von Alexandria und andererseits die zusammengeschweißte Mannschaft rund um Rick. Doch damit die Stadt in Zukunft nicht den Bach runtergeht, müssen sie lernen, zusammenzuarbeiten und nicht aufeinander loszugehen.

  • Creator, Writer: Robert Kirkman
  • Penciler, Inker, Cover: Charlie Adlard
  • Gray Tones: Cliff Rathburn
  • Letterer: Rus Wooton
  • Erstveröffentlichung: 2011
  • Ausgaben: #73 – #84

“I shudder to think about how things would have gone had you people not come along. Look at me, I’ve got nothing left for these people. They don’t need me, Rick … what they need, is you.” – Douglas

Ich habe das Gefühl, dass ich in den letzten Reviews etwas zu sehr auf die Serie eingeschlagen habe. Dabei haben sie nicht alles falsch gemacht. Ich möchte klarstellen, dass ich ein großer Fan der Serienadaption bin und schon gespannt auf den 23. Oktober warte, denn dann geht es endlich weiter. Etwas, das man der Serie zum Beispiel anrechnen muss, ist, dass sie nicht wieder einen weißen Mann als Chef der Stadt eingestellt hat, sondern Douglas Frau Regina dort die Zügel in der Hand hat. Sie ist die starke Anführerin.

In der Comicvorlage hat sie dagegen sehr wenig zu tun. Sie verkommt zu einem reinen Plotpoint, was ich schade finde. Am Ende der ersten Story-Arc „too far gone“ wird sie sinnlos getötet, was in weiterer Folge dazu führt, dass Douglas sich versucht, das Leben zu nehmen und unweigerlich durch Walker stirbt und dabei Carl eine signifikante Verletzung zufügt. Regina hätte etwas Besseres verdient. Ihr Mann hätte durchaus sterben können, aber sie wäre dann zur Anführerin aufgestiegen, die sich mit Rick auseinandersetzt und beide somit gemeinsam den Laden zusammen halten.

Der erste Handlungsbogen setzt sich stark damit auseinander, wie die beiden unterschiedlichen Gruppen versuchen, miteinander klarzukommen. Nun ja, genauer gesagt wird gezeigt, wie fähig unsere Protagonisten sind, besonders im Vergleich zu den feigen, ahnungslosen Bewohnern von Alexandria. Sie haben scheinbar die Realität komplett hinter sich gelassen und wären am liebsten unter sich geblieben. Allein, dass sie ohne Andrea nicht einmal eine Wache im Turm platziert hätten, zeugt von großer Realitätsferne.

Gut finde ich auch, wie Rick langsam aber sicher den Verstand verliert. Zwar behält er wie immer am Ende recht mit seiner Vermutung, dass Pete seine Frau misshandelt und will schlussendlich nur helfen. Doch zur Abwechslung wäre es nett gewesen, wenn er sich geirrt hätte. Dies würde die Wirkung noch einmal verstärken, dass er sich in eine Fantasiewelt flüchtet und Probleme sucht. Aber so bleibt es bei einem Schlag auf den Hinterkopf von Michonne und ihm geht es wieder besser. Natürlich darf er seine illegal beschaffte Waffe behalten und weiterhin als Polizist der Stadt fungieren. Dieser Vorfall ist ein anschauliches Beispiel dafür, dass etwas in der Serie besser umgesetzt wird. Dort wird Rick erstmal zur Sicherheit der anderen in einen Raum eingeschlossen und sichergestellt, dass er sich wieder unter Kontrolle hat. Erst dann darf er wieder mit seinen Diensten weitermachen.

Nachdem wir also ein paar schwierige Todesfälle zu betrauern haben, geht es in der zweiten Story-Arc „no way out“ darum, dass sich die Gruppen zusammentun, um eine gemeinsame Gefahr zu beseitigen. Am Anfang steht der Übergriff einer dritten Gruppe, die in die Stadt möchte. Dieser Vorfall zeigt, wie wichtig Andrea in ihrem Turm, ausgestattet mit einem Scharfschützengewehr, ist. Dies lockt allerdings eine Horde von Zombies an, die innerhalb kurzer Zeit die Stadt umzingelt und alle darin einsperrt. Zwar versuchen sie, die Horde auszudünnen, doch es kommen zu viele nach.

Absoluter Höhepunkt der Geschichte ist, als Carl in dem oben erwähnten Vorfall angeschossen wird. Dabei verliert er sein rechtes Auge und einen Teil des Gesichts – was sehr schockierend und übertrieben dargestellt ist. Da ist man wieder dankbar für die schwarz-weißen Darstellungen. Dies führt dazu, dass Rick total die Kontrolle verliert und alles dafür tut, das Haus von Denise zu schützen, wo sie Carls Leben zu retten versucht.

Ich bekomme jetzt noch Gänsehaut, wenn ich an die Szenen denke, wo sich Rick verzweifelt und nur mit einer Axt bewaffnet, gegen alle Zombies stellt, die inzwischen in die Stadt eingedrungen sind. Nach und nach kommen Abraham, Michonne und die anderen Bewohner hinzu, als sie sehen, wie sich ihr neuer Anführer durchzuschlagen versucht. So sieht gemeinsame Stärke aus. Einer für alle, alle für einen. Verstärkt wird dieser Eindruck davon, dass Glenn, Andrea und zwei andere das Geschehen von außen betrachten und kommentieren. Dadurch wird die Illusion verstärkt, man wäre mit ihnen hilflos auf einem Dach gestrandet und könnte nur dabei zusehen, wie sich dieses epische Geschehen abspielt.

Book Seven mag mit einer etwas mittelmäßigen Story starten, doch wie sich alles am Ende zu einer gewaltigen Schlacht ausweitet, ist einfach unfassbar cool gemacht. Ich kann kaum erwarten, dass es mit Book Eight weitergeht.

CSI: Miami

Von 2000 bis 2015 lief der Hauptteil des CSI-Franchise. Von »CSI: Crime Scene Investigation« über »CSI: Miami« und »CSI: NY« hin zu »CSI: Cyber« (welches ich dann nicht mehr geschaut habe). Und dann noch »CSI: Vegas« – ein Revival der Original-Serie, das es zwischen 2021 und 2024 gab. 838 Episoden. 39 Staffeln. Wenn man in dieser Zeit einen Fernseher anmachte, war die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass irgendeine CSI-Serie lief. Die Dominanz kann man sich kaum mehr vorstellen.

Für mich war Miami die Serie der Wahl, aber auch das Original schaute ich gerne. Nur strahlte Miami eine gewisse Coolness aus, die den anderen Serien fehlte. Besonders mochte ich, dass es mit der Zeit immer verrückter wurde. Die One-Liner mit übertriebener Sonnenbrillen-Gestik von Horatio sind legendär. Die überdramatisierten Bilder von Sonnenuntergängen und den Häuserschluchten der Stadt haben sich in mein Gedächtnis gebrannt. Später hat die Serie gewisse Sci-Fi-Elemente angenommen, was die Technologien anbelangt. Ich fand es klasse, dass sich die Serie selbst nicht so ernst nahm und alle Beteiligten sichtlich Spaß daran hatten, etwas Einzigartiges zu kreieren.

Ich kann mich noch gut an den Tisch erinnern, auf dem diverse Dinge analysiert wurden. Es war ein Glastisch. Sie konnten USB-Sticks oder CDs darauf platzieren und der Computer konnte sie lesen. Ich glaube, sie nutzten sogar transparente Bildschirme. Es war verrückt, aber passte irgendwie in diese Welt von CSI: Miami. Ich denke tatsächlich immer mal wieder daran. Die Serien haben mich so lange verfolgt, wie könnte ich sie je vergessen? Ob man es nun geschaut hat oder nicht, ob man sie gut findet oder nicht, sie waren ein kulturelles Phänomen, das seinesgleichen sucht. »Game of Thrones« mag sieben Jahre lang ein Gesprächsthema gewesen sein. CSI war es mehr als doppelt so lang und mit drei Serien, die alle über 9 Staffeln lang liefen.

Tatsächlich muss ich mich zusammenreißen, dass ich mir nicht die DVD-Boxen kaufe und einen Rewatch anfange. Aber so wie bei »Game of Thrones«, »Stargate«, »The Walking Dead« oder »Breaking Bad« hatten diese Serien ihre Zeit. Irgendwann ist es gut, sie einfach nur in seliger Erinnerung zu behalten. Wer hat schon die Zeit, sich dutzende Staffeln und hunderte Episoden anzuschauen? Es ist toll, es quasi live miterlebt zu haben. Genauso wie die anderen TV-Phänomene. Aber all den coolen Momenten, die sich ins Gedächtnis gebrannt haben, stehen ebenso langweilige, wiederholende und aus der Zeit gefallene Szenen gegenüber. Behalten wir sie uns mit der rosaroten Brille der Nostalgie im Gedächtnis. Das ist doch viel schöner, als es ein erneutes Ansehen je sein könnte.

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Ungebetene Ratschläge

Ein Podcast, den ich sehr gerne höre, ist »Alle bekloppt« von den WildMics. Moderiert von Tommy Krappweis und mit den Diplompsycholog*innen Sophia Krappweis und Alexander Waschkau. Im Twitch-Chat können die Zuschauer*innen Fragen stellen, die Sophia und Alexander versuchen zu beantworten. Es ist keine Beratung und ersetzt selbstverständlich keine Therapie. Allerdings können die Gedanken der beiden sehr hilfreich sein. Immer wieder bin ich erstaunt, wie offen die Fragesteller*innen sind und wie wohltuend, überlegt und empathisch die Antworten ausfallen. Selbst als Podcasthörer, der nicht live dabei ist, können diese Gedanken helfen, Dinge vielleicht etwas anders zu betrachten.

Ein wichtiger Aspekt, den vor allem Sophia immer wieder herausstellt und den ich brillant finde, ist: Gebt keine ungebetenen Ratschläge. Wenn jemand von einem Problem erzählt, dann will der- oder diejenige vielleicht nur Dampf ablassen, es jemandem erzählen, die Last etwas leichter machen. Zu oft ist der erste Impuls, den wir wahrscheinlich alle haben, Tipps zu geben, was man besser oder anders machen soll. Solange die Person aber nicht explizit danach fragt, sollte man keine Ratschläge geben. Allerdings kann man sehr wohl von der eigenen Erfahrung berichten, aus der eigenen Perspektive schildern, was mir geholfen hat, wie ich mit etwas umgegangen bin. Zurückhaltung ist nicht immer leicht, aber manchmal ist das Beste, was man machen kann, zuhören – nichts tun.

Ich komme auf dieses Thema, nicht nur wegen des Podcasts, sondern weil auf YouTube immer wieder Videos zu finden sind, die einem erklären, wie man etwas machen soll. Die Tipps geben, wie man etwas effizienter gestaltet; Im Grunde genommen Ratschläge erteilen. Nur ein paar Beispiele: Verwende 4 Notizbücher pro Jahr (es wird dein Leben verändern); 10 Tricks für [beliebiges Gerät, Spiel oder sonst etwas hier einsetzen]; Lerne, auf Papier zu denken; Schreiben für bessere Entscheidungen; Essentielles, das die meisten beim Abnehmen vergessen. Und da habe ich noch gar nicht die Produktivitäts-, Sport- und Ernährungsecke von YouTube mit eingebunden. Grundsätzlich sind diese Videos nicht schlecht, wenn man sich mit einem Thema neu auseinandersetzt. Allerdings vermitteln sie den Zuschauer*innen: Du hast bisher etwas falsch gemacht, so geht es richtig. Oder zumindest: Du verpasst etwas, wenn du X nicht machst. Und wenn man einmal ein solches Video geschaut hat, kommen sie immer wieder.

Ich mag YouTube. Sei es Let’s Plays, Reviews oder Erklärvideos oder einfach nur Unterhaltsames. Nur brauche ich nicht jeden Tag 17 Ratschläge, wie ich etwas scheinbar besser oder effizienter mache. Das ist unmöglich umzusetzen. Und noch schlimmer: Man verlernt, auf sich selbst zu hören und sich selbst zu vertrauen, dass man es schon irgendwie hinbekommt. Wenn die Methode, wie ich mein Tagebuch führe, funktioniert, warum sollte ich sie ändern? Ich kann, wenn es mich wirklich interessiert, recherchieren, was andere machen. Ich brauche aber niemanden, der mir ein schlechtes Gewissen macht. Ich gehe gerne blind in Spiele, ohne viel Vorwissen. Ich brauche niemanden, der mir 25 Tricks verrät, bevor ich überhaupt nur eine Minute in der Spielwelt verbracht habe. Und verbessert das wirklich mein Erlebnis?

Wir sollten mehr auf uns selbst vertrauen. FOMO (Fear of Missing Out), also die Angst, etwas zu verpassen, ist sehr real. Es ist mühsam, solche Videos zu ignorieren und den Algorithmus darauf zu trainieren, weniger von diesen Inhalten darzustellen. Ich bin aber davon überzeugt, am Ende schläft man ruhiger und hat mehr von Spielen, Büchern oder mit was auch immer man sich beschäftigen mag. Im Zweifel einfach YouTube (oder TikTok, Instagram oder sonstige sozialen Medien) schließen. Man verpasst nichts. Man kommt schon zurecht. Mehr auf sich selbst vertrauen.

Star Wars Builds

Nachdem mir »Andor« mit der zweiten Staffel erneut sehr eindrucksvoll gezeigt hat, was Star Wars alles kann, beschäftige ich mich wieder regelmäßig mit diesem tollen Universum. Aber ich versuche, es zu dosieren und nicht zu viel auf einmal zu machen. So stellen sich zu schnell Ermüdungserscheinungen ein. Ich möchte einen Blick in die Comics werfen und den ein oder anderen Roman lesen. Damit warte ich allerdings noch, bis ich »Bad Batch« fertig geschaut habe. In der Zwischenzeit kann ich aber ein paar Sets aus Klemmbausteinen bauen. In diesem Fall sind es sogar Lego-Sets. Auch wenn ich versuche, Sets dieser Firma weitgehend zu vermeiden, sind besonders die kleineren putzig, und im Angebot kann man da gerne zuschlagen.

Außerdem mag ich kleine Sets sehr gerne. Vor kurzem habe ich ein Mikro-Diorama von den Prequels vorgestellt, das BlueBrixx im Programm hat. Aber auch die kleinen Schiffe und Bauten, die Lego im Programm hat, gefallen mir mitunter hervorragend. Vor allem, weil noch Minifiguren darin Platz nehmen können. So habe ich mir vor ein paar Wochen ein Battle Pack mit ein paar Klonkriegern geklickt und ein Set des Mandalorianers. Den kleinen Grogu musste ich einfach haben. Doch besonders überzeugt hat mich ein MOC, das ich bei rebrickable gefunden habe. Hierbei handelt es sich um den Rainbow Falcon. Ein alternativer Build des Lego-Sets 31140; dem Einhorn (das selbstverständlich bereits bei mir zu Hause steht). Ich habe mir das Set also noch einmal gekauft und nun steht ein schöner bunter Millennium-Falke daneben.

Große, monströse, epische Sets, die eigene Tische benötigen, weil sie so massiv sind, habe ich wirklich gerne. Doch zwischendurch dürfen es gerne kleinere Sets sein. Ich mag es, wenn hier manche Dinge nur angedeutet sind, man aber trotzdem erkennt, was gemeint ist. Außerdem lassen sich solche Sets etwas schneller bauen und nehmen nicht für Wochen den Esstisch in Beschlag. Platz ist natürlich ebenso ein Thema. Ich würde nur ungern die Dachgeschosswohnung um einen Westflügel erweitern.

Literatur und Fantasy

Wer hat sich nicht schon einmal gefragt, wie ein Whiteboard aussehen würde, welches die gesamte Palette an Fantasy-Büchern zusammenfasst? Nun, es gibt eine Antwort auf diese Frage. Zufälligerweise bin ich letztens auf ein Video von Daniel Greene gestoßen. Keine Ahnung, warum YouTube meinte, dass mich das interessieren würde, aber es hatte recht. Der »Reading Guide« ist so ausführlich wie überfordernd. Allerdings auch irgendwie einfach. Alles startet selbstverständlich mit J. R. R. Tolkien und dem Hobbit. Wie könnte es anders sein? Von hier aus arbeitet man sich in verschiedene Richtungen, um die eigenen Vorlieben, den eigenen Geschmack an Fantasy immer besser kennenzulernen und einzugrenzen.

Ich habe vor Kurzem das erste Buch der originalen »Thrawn«-Trilogie abgeschlossen. Doch wollte ich nicht gleich mit dem zweiten weitermachen. Die »Horus Heresy« von Warhammer ist mir im Moment etwas zu grimdark. Ich möchte etwas mehr Eskapismus, aber eben nicht zu düster. Fantasy ist ein Genre, welches mir zwar grundsätzlich sehr zusagt, welches ich aber viel zu selten in die Hand nehme. Im vergangenen Jahr habe ich viele queere Bücher nachgeholt und hatte meine Freude daran. »Song of Achilles« würde sowohl das als auch Fantasy abdecken. Aber manchmal benötigt man etwas komplett Neues. »Song of Achilles« ist schon länger auf meiner Zu-lesen-Liste. Ich möchte etwas ausprobieren, das ich noch gar nicht kenne.

Ein Überfluss an Auswahl ist grundsätzlich nicht schlecht, aber es überfordert und führt manchmal dazu, dass man sich für nichts entscheidet. Also habe ich mir zwei Bücher (besser gesagt Reihen, denn in Fantasy gibt es so gut wie immer Buchreihen) herausgesucht. Zum einen den ersten Teil von »Dungeon Crawler Carl«, welcher sehr unterhaltsam zu sein scheint. Und dann noch den Klassiker (?) »Der goldene Kompass«. Die Leseproben liegen nun in der Kindle-App und werden demnächst getestet. Wer sich ebenfalls weiter mit Fantasy auseinandersetzen möchte oder neuen Input benötigt: Das Video von Daniel Greene kann ich sehr empfehlen.

Und wenn das noch nicht reicht, dann gibt es noch die diesjährige Reddit-Fantasy-Bestenliste (auch diese hat Daniel Green äußerst unterhaltsam kommentiert). Darauf befinden sich einige hundert Einträge, die nur darauf warten, gelesen zu werden. Die Liste ist unten verlinkt. Stoff gibt es auf jeden Fall genug. Ich nehme mir immer wieder vor, mehr zu lesen, aber dann bleibt man entweder bei YouTube hängen oder spielt doch eine Stunde länger als geplant. Gelegentlich mache ich auch etwas Produktiveres und schreibe Texte über das Lesen für den Blog. Mal sehen, ob ich es mit einem der beiden oben genannten Bücher hinbekomme, etwas regelmäßiger meinen eReader in die Hand zu nehmen.

Andrej Lišakov | Unsplash

MCU Rewatch | Black Panther: Wakanda Forever

Anders als die bisherigen drei Phasen endet die vierte nicht mit einem Avengers-Film oder einer sonstigen Zusammenkunft der Held*innen. Stattdessen ist es ein Abschiednehmen von Chadwick Boseman, ein Blick in die Zukunft und ein Erweitern der Welt des MCU. Ich hatte schon Sorge, dass der Film ähnliche qualitative Tiefen erreichen würde, wie Thor: Love and Thunder. Bei einer Laufzeit von zweieinhalb Stunden wollte ich mich da nicht durchquälen müssen. Erfreulicherweise ist es ein wunderschöner und gut gemachter Film.

Chadwick Bosemans plötzliches Ableben hat mich, zugegebenermaßen, schwerer getroffen, als ich vermutet habe. Nicht, dass ich ihn vor seiner Verkörperung des Black Panther und T’Challa groß gekannt hätte. Doch er hatte eine Präsenz und Ausstrahlung, die man nicht in Worte fassen kann. Jede Szene, die er gespielt hat, war on point und die Rolle des Black Panther war ihm auf den Leib geschrieben. Interviews mit ihm habe ich gerne geschaut. Er war eine einzigartige Persönlichkeit. Deshalb ist es schön zu sehen, dass sich Wakanda Forever nicht nur einmal die Zeit nimmt, um Chadwick Boseman zu gedenken.

Ihm ist das Marvel-Logo am Anfang des Films gewidmet. In Stille sitzt man da, sieht die Szenen von ihm in den wenigen Auftritten, die er hatte, vorbeihuschen, während sich der Bildschirm violett färbt. Am Ende sitzt Shuri an einem Lagerfeuer und gedenkt ihres Bruders. Dabei sieht man ebenfalls ein paar gut ausgewählte Szenen von Chadwick Boseman. Ebenfalls in leiser Andacht. Schließlich ist ihm der Film noch gewidmet. Ich hatte schon Befürchtungen, dass sie es irgendwie vermasseln würden. Zu kitschig oder klischeehaft. Doch es ist würdevoll und angemessen, wie ich finde. Ich war äußerst positiv überrascht.

Das Kernthema des Films ist Trauer. Shuri (Letitia Wright) verdrängt die Trauer um ihren Bruder. Will sich dem nicht stellen. Stattdessen stürzt sie sich in ihre Arbeit, sucht Ablenkungen, lässt sich von Zorn und Wut leiten. Ihre Mutter Ramonda (erneut genial gespielt von Angela Bassett) muss dagegen nicht nur mit dem Verlust ihres Sohnes zurechtkommen, sondern Wakanda als Königin führen. Sie darf keine Schwäche zeigen. Die Szenen im UN-Hauptquartier sind fantastisch und lassen jeden Zweifel an Wakandas Macht sofort verblassen. Doch sie sucht ebenso eine Verbindung zu ihrer Tochter. Versucht ihr einen Weg zu zeigen, mit ihrer Trauer umzugehen. Doch lange trauern können sie nicht.

Die Welt will sich des Vibraniums bemächtigen, es nutzen. Sie beschuldigen Wakanda nicht genug zu tun. Große Worte von Nationen, die Wakanda zu infiltrieren versuchen und in die »Outreach Center« eindringen, um das Vibranium gewaltsam in ihre Finger zu bekommen. Doch sie sind nicht die Einzigen. Denn die Welt des MCU öffnet sich in Wakanda Forever gewaltig.

Ich habe den Film im Zuge dieses Rewatch das erste Mal gesehen und völlig vergessen, dass Namor und sein Unterwasser-Königreich Talokan eingeführt werden. Eine ausgeprägte Unterwasserwelt durften wir bereits in Aquaman bewundern. Mir gefällt es ausgezeichnet, dass Marvel sich entschieden hat, einen realistischeren Look zu wählen. Die Szenen Unterwasser sind eher düster gehalten, es gibt wenig Licht. So, wie es eben in tieferen Gefilden ist. Es sieht realistisch aus und wirklich gut gemacht. Namor an sich wird toll gespielt von Tenoch Huerta Mejía. Selbst die Darstellung der geflügelten Füße gelingt, ohne dass es zu lächerlich aussieht.

Ich will gar nicht zu sehr ins Detail gehen, sonst wird das hier ein ausführliches Essay über den Film. Dafür ist später vielleicht einmal Zeit. Wakanda Forever ist sehr vielschichtig. Besonders Shuris Reise im Film und ihr Umgang mit der Trauer hat mich durchaus berührt. Sie ist ein toller Charakter und mitreißend gespielt wie geschrieben. Die Einführung von Riri Williams (Dominique Thorne) gelingt ebenfalls. Sie nimmt nicht zu viel Platz weg, sondern ergänzt den Film wunderbar. Okoye (Danai Gurira), einer meiner Lieblingscharaktere aus der Welt von Wakanda, erfährt ebenfalls ein interessantes Upgrade, von dem ich sehr gespannt bin, wo das hinführt. Leider müssen wir uns von einem Charakter verabschieden. Das hatte ich so nicht erwartet und finde ich sehr schade.

Wakanda Forever hatte eine schwere Aufgabe zu erfüllen. Chadwick Bosemans Tod hat ein großes Loch hinterlassen. Doch Ryan Coogler und sein Team finden eine tolle Balance zwischen der Ehrung von dem, was war und blicken doch in die Zukunft. Die Charaktere haben Platz zu trauern, doch die Action kommt nicht zu kurz. Auf die »Seeschlacht«, wenn man es so nennen will, hätte ich aber verzichten können. Ansonsten ist Wakanda Forever eine würdige Fortsetzung und der mittlerweile 30. Film im MCU. Ein schönes Jubiläum.