MCU Rewatch | Black Panther: Wakanda Forever

Anders als die bisherigen drei Phasen endet die vierte nicht mit einem Avengers-Film oder einer sonstigen Zusammenkunft der Held*innen. Stattdessen ist es ein Abschiednehmen von Chadwick Boseman, ein Blick in die Zukunft und ein Erweitern der Welt des MCU. Ich hatte schon Sorge, dass der Film ähnliche qualitative Tiefen erreichen würde, wie Thor: Love and Thunder. Bei einer Laufzeit von zweieinhalb Stunden wollte ich mich da nicht durchquälen müssen. Erfreulicherweise ist es ein wunderschöner und gut gemachter Film.

Chadwick Bosemans plötzliches Ableben hat mich, zugegebenermaßen, schwerer getroffen, als ich vermutet habe. Nicht, dass ich ihn vor seiner Verkörperung des Black Panther und T’Challa groß gekannt hätte. Doch er hatte eine Präsenz und Ausstrahlung, die man nicht in Worte fassen kann. Jede Szene, die er gespielt hat, war on point und die Rolle des Black Panther war ihm auf den Leib geschrieben. Interviews mit ihm habe ich gerne geschaut. Er war eine einzigartige Persönlichkeit. Deshalb ist es schön zu sehen, dass sich Wakanda Forever nicht nur einmal die Zeit nimmt, um Chadwick Boseman zu gedenken.

Ihm ist das Marvel-Logo am Anfang des Films gewidmet. In Stille sitzt man da, sieht die Szenen von ihm in den wenigen Auftritten, die er hatte, vorbeihuschen, während sich der Bildschirm violett färbt. Am Ende sitzt Shuri an einem Lagerfeuer und gedenkt ihres Bruders. Dabei sieht man ebenfalls ein paar gut ausgewählte Szenen von Chadwick Boseman. Ebenfalls in leiser Andacht. Schließlich ist ihm der Film noch gewidmet. Ich hatte schon Befürchtungen, dass sie es irgendwie vermasseln würden. Zu kitschig oder klischeehaft. Doch es ist würdevoll und angemessen, wie ich finde. Ich war äußerst positiv überrascht.

Das Kernthema des Films ist Trauer. Shuri (Letitia Wright) verdrängt die Trauer um ihren Bruder. Will sich dem nicht stellen. Stattdessen stürzt sie sich in ihre Arbeit, sucht Ablenkungen, lässt sich von Zorn und Wut leiten. Ihre Mutter Ramonda (erneut genial gespielt von Angela Bassett) muss dagegen nicht nur mit dem Verlust ihres Sohnes zurechtkommen, sondern Wakanda als Königin führen. Sie darf keine Schwäche zeigen. Die Szenen im UN-Hauptquartier sind fantastisch und lassen jeden Zweifel an Wakandas Macht sofort verblassen. Doch sie sucht ebenso eine Verbindung zu ihrer Tochter. Versucht ihr einen Weg zu zeigen, mit ihrer Trauer umzugehen. Doch lange trauern können sie nicht.

Die Welt will sich des Vibraniums bemächtigen, es nutzen. Sie beschuldigen Wakanda nicht genug zu tun. Große Worte von Nationen, die Wakanda zu infiltrieren versuchen und in die »Outreach Center« eindringen, um das Vibranium gewaltsam in ihre Finger zu bekommen. Doch sie sind nicht die Einzigen. Denn die Welt des MCU öffnet sich in Wakanda Forever gewaltig.

Ich habe den Film im Zuge dieses Rewatch das erste Mal gesehen und völlig vergessen, dass Namor und sein Unterwasser-Königreich Talokan eingeführt werden. Eine ausgeprägte Unterwasserwelt durften wir bereits in Aquaman bewundern. Mir gefällt es ausgezeichnet, dass Marvel sich entschieden hat, einen realistischeren Look zu wählen. Die Szenen Unterwasser sind eher düster gehalten, es gibt wenig Licht. So, wie es eben in tieferen Gefilden ist. Es sieht realistisch aus und wirklich gut gemacht. Namor an sich wird toll gespielt von Tenoch Huerta Mejía. Selbst die Darstellung der geflügelten Füße gelingt, ohne dass es zu lächerlich aussieht.

Ich will gar nicht zu sehr ins Detail gehen, sonst wird das hier ein ausführliches Essay über den Film. Dafür ist später vielleicht einmal Zeit. Wakanda Forever ist sehr vielschichtig. Besonders Shuris Reise im Film und ihr Umgang mit der Trauer hat mich durchaus berührt. Sie ist ein toller Charakter und mitreißend gespielt wie geschrieben. Die Einführung von Riri Williams (Dominique Thorne) gelingt ebenfalls. Sie nimmt nicht zu viel Platz weg, sondern ergänzt den Film wunderbar. Okoye (Danai Gurira), einer meiner Lieblingscharaktere aus der Welt von Wakanda, erfährt ebenfalls ein interessantes Upgrade, von dem ich sehr gespannt bin, wo das hinführt. Leider müssen wir uns von einem Charakter verabschieden. Das hatte ich so nicht erwartet und finde ich sehr schade.

Wakanda Forever hatte eine schwere Aufgabe zu erfüllen. Chadwick Bosemans Tod hat ein großes Loch hinterlassen. Doch Ryan Coogler und sein Team finden eine tolle Balance zwischen der Ehrung von dem, was war und blicken doch in die Zukunft. Die Charaktere haben Platz zu trauern, doch die Action kommt nicht zu kurz. Auf die »Seeschlacht«, wenn man es so nennen will, hätte ich aber verzichten können. Ansonsten ist Wakanda Forever eine würdige Fortsetzung und der mittlerweile 30. Film im MCU. Ein schönes Jubiläum.

Fitness Tracking

Vor über zwei Monaten habe ich meine Apple Watch abgelegt und verkauft. Ich bereue es nicht. Es ist erstaunlich, wie sehr man sich daran gewöhnt hat, über alles Mögliche sofort eine Mitteilung zu bekommen. Natürlich kann man das anpassen – individualisieren – trotzdem bleiben doch immer welche übrig. Man kann doch nicht komplett auf Mitteilungen verzichten. Oder etwa doch? Dann noch der unterschwellige Druck, die Ringe zu schließen. All das ist seither weg. Ich schaue nun zwar öfter mal aufs iPhone (sei es wegen der Uhrzeit oder ob Nachrichten eingetroffen sind), aber ich denke nicht, dass es sehr viel mehr ist als vorher.

Selbst ohne Apple Watch treibe ich regelmäßig Sport. In den vergangenen Wochen ist es tendenziell sogar mehr oder zumindest regelmäßiger geworden. Sei es Kraftsport, Yoga, ausgiebige Spaziergänge, Pilates etc. Auf den eigenen Körper zu achten, ohne dass einem ein Gerät sagt, ob es gerade zu viel ist oder nicht, tut wirklich gut. Trotzdem wünsche ich mir manchmal ein paar Daten zu dem Sport, den ich so mache. Sei es einfach nur eine Schrittzahl, Kilometer oder Herzfrequenz – die Basics eben. Aber wo fängt man an und wo hört man auf?

Ich habe etwas recherchiert, welche Fitness-Tracker es abseits der Apple Watch so gibt. Bei den preiswerteren Modellen landet man schnell beim »Fitbit Charge 6«. Dieser kostet knapp über 100 Euro, je nach Angebot, hat GPS verbaut und scheint ein solides Gerät zu sein. Allerdings hat dieser schon zwei Jahre auf dem Buckel und wer weiß, wie lange Google diesen noch unterstützt. Es ist ein gewisses Risiko. Wenn man sich dann auf der Garmin-Seite umsieht und durch die Geräte und Eigenschaften liest, wird es sehr schnell sehr teuer. Selbst wenn es nicht die neueste Fenix ist, kostet eine gute Forerunner schon mal über 700 €. Das ist wieder etwas Overkill. So viele Funktionen brauche ich nicht und Laufen steht aktuell nicht auf dem Plan.

Eine Marke, die ich tatsächlich nicht im Blick hatte, war Xiaomi. Mit ihren »Smart-Band«-Geräten scheinen sie richtig gute Arbeit zu leisten. Die Herzfrequenzmesser können sich sehen lassen und die zusätzlichen Sensoren funktionieren scheinbar erstaunlich zuverlässig. Nur der Schlaftracker könnte besser sein, aber ob ich den überhaupt nutzen würde, steht in den Sternen. Eigentlich mag ich es nicht, die Nacht über etwas am Handgelenk zu tragen. Mit knapp 50 € ist der Preis allerdings unschlagbar. Jedoch hat die Standardversion kein GPS verbaut. Die Version 10 ist im Moment die aktuellste. Von der Vorgängergeneration gab es eine Pro-Variante mit eingebautem GPS. Mal sehen, ob bei der 10. Generation ebenfalls eine Pro-Variante folgt. Diese kosten immer noch unter 100 €.

Man möchte glauben, ein großer Markt an Fitnessgeräten würde die Suche vereinfachen. Doch so ist es leider nicht. Mit jedem Gerät wächst die Varianz und man muss sich durch noch mehr Möglichkeiten wühlen. Vor allem wenn man sich etwas Preisgünstiges zulegen möchte. Und es besteht immer die Gefahr, dass man aus Versehen in die nächste Preiskategorie rutscht. Man fängt bei 100 € an und kaum versieht man sich, weil diese oder jene Funktion ja ganz praktisch wäre – schon landet man beim x-ten Hersteller und gibt über 600 € für ein Gerät aus, dessen Funktionsflut man nie nutzen wird. Erstmal werde ich abwarten. Vielleicht kommt in den nächsten Wochen doch noch die »Xiaomi Smart Band 10 Pro« heraus. GPS wäre schon praktisch. Wobei das Gerät auf den Bildern durchaus klobig wirkt.

Manchmal ist die beste Entscheidung, die man treffen kann, keine. Einfach das Browser-Fenster schließen und einen Spaziergang machen. Wie lange der war, interessiert doch eh niemanden. Oder mal wieder eine Runde mit dem Rad fahren. Habe ich heuer auch noch nicht gemacht. Beim Sport kommt es doch darauf an, Freude an der Sache zu haben. Wie weit, wie hoch, ist nicht so wichtig. Ob es mir Spaß gemacht hat oder nicht, ob es anstrengend war oder noch mehr gegangen wäre, kann ich auch so beurteilen.

Mika Baumeister | Unsplash

Geek-Planet | The Walking Dead: Staffel 6

Wie jede Woche schauen wir uns auch heute wieder einen alten Text von mir an. Der folgende erschien am 19. Oktober 2016 auf meinem damaligen Blog »Geek-Planet«, den es heute allerdings nicht mehr gibt. Trotzdem sollen meine alten Texte weiterhin auffindbar bleiben. Deshalb suche ich mir jede Woche einen heraus, redigiere ihn ein wenig und versehe ihn mit einer kurzen Einleitung.

Zuerst einmal muss ich leider gleich eine schlechte Nachricht anbringen: Im Text erwähne ich ein Video, das ich damals scheinbar verlinkt habe; das ist nicht mehr der Fall. Heute notiere ich mir zumindest ein paar Informationen zu den Dingen, die ich mir so heraussuche. Sei es der Titel des Videos und von welchem Channel dieses stammt. Im Falle von Texten notiere ich mir die Webseite und den Titel des Textes. Vor neun Jahren scheine ich das nicht gemacht zu haben. Eine schöne Weiterentwicklung.

Ansonsten bin ich ehrlich überrascht, wie lange ich The Walking Dead mit einer gewissen Begeisterung geschaut habe. Ich war überzeugt, dass ich schon deutlich vor Staffel 7, wo Negan seinen berühmt-berüchtigten Auftritt feierte, die Lust an der Serie verloren hatte. So bin ich nun wirklich gespannt, was ich in den Rezensionen der siebten Staffel zu sagen habe. Ich schreibe hier in der Mehrzahl, weil ich ab Staffel 7 dazu übergegangen bin, die einzelnen Episoden zu besprechen. Wir werden das hier allerdings etwas zügiger machen. Aber das überlege ich mir noch.


Ende Oktober startet die siebte Staffel von The Walking Dead, also der perfekte Zeitpunkt, die Höhepunkte der sechsten Staffel Revue passieren zu lassen. Wenn man sich die sechste Staffel von The Walking Dead ansieht, könnte man meinen, dass die Autoren versuchen, dieses Mal etwas anders zu machen als bisher. Das Standard-Prozedere war dadurch geprägt, dass unsere Gruppe sich an einen mehr oder weniger sicheren Platz zur Ruhe setzen möchte, nur um dann doch von Zombies überrannt zu werden.

Zwar passiert dies hier weiterhin, doch zu guter Letzt bleibt Alexandria doch ihre Heimat. Die Wände stellen sich als ein ziemlich stabiles Konstrukt heraus (zugegeben, es gibt Verbesserungspotenzial) und wenn nicht bald, gänzlich zufällig natürlich, ein Governor auf der Bildfläche erscheint, sollte es einigermaßen sicher sein. Oder es stürzt mal wieder ein Turm ein, der ein paar Dutzend Zombies den Weg ins Innere freigibt. Dann gibt es natürlich noch ein paar andere Feinde und Gegner, die ebenfalls in die Stadt wollen. Immerhin ist es da so schön kuschelig.

  • Developed by Frank Darabont
  • Cast: Andrew Lincoln, Norman Reedus, Steven Yeun, Lauren Cohan, Chandler Riggs, Danai Gurira, Melissa McBride
  • Musik: Bear McCreary
  • Executive producers: David Alpert, Scott M. Gimple, Greg Nicotero, Robert Kirkman u.a.
  • Erstausstrahlung: 12. Oktober 2014 auf AMC

Es scheint über die gesamte Staffel hinweg weniger Zeit zu vergehen. Dies kann natürlich eine subjektive Wahrnehmung sein, da sich der Rezensent die gesamte sechste Staffel in zwei Tagen angesehen hat. Da kann der Blick auf so manche Details verschwimmen. Vor allem die erste Story-Arc, die in einer Zombie-Invasion gipfelt, scheint von Stunde zu Stunde erzählt zu werden. Dies tut der Spannung jedoch keinerlei Abbruch. Im Gegenteil, es ist eine intensive Seherfahrung und der emotionale Höhepunkt, bei dem sich die gesamte Stadt endlich dazu durchringen kann, gemeinsam gegen die Bedrohung vorzugehen, bringt eine Gänsehaut nach der anderen.

Nach diesem Ereignis wird angedeutet, dass ein paar Wochen vergangen sind – so konnten die Macher Carls Genesung überspringen und ihn direkt zurück in die Action bringen und als geeigneten Babysitter einsetzen. Warum sich die Autor*innen Wege einfallen lassen müssen, um die Handlung etwas zu strecken oder dichter gepackter zu erzählen, wird in dem unten angefügten Video hervorragend dargestellt.

Die beiden anderen Punkte greifen eigentlich etwas ineinander. Es gibt vermehrt Episoden, die sich auf einzelne Charaktere konzentrieren. Ebenso gibt es mehr übergreifende Entwicklungen zu beobachten. Besonders die bisher eher zurückhaltenden Einwohner Alexandrias realisieren, in welcher Welt sie nun überleben müssen. Da die Aktion, die Zombies aus der Umgebung wegzubringen, gezwungenermaßen scheitert (wer dachte von euch wirklich, dass dies gut ausgehen würde?), bleibt ihnen nichts anderes übrig, als Ricks Gruppe zu unterstützen und die Stadt zu verteidigen, während diese sich um die Horde kümmert.

Rick mausert sich währenddessen zu einem halbwegs menschlichen Anführer, auch wenn er weiterhin darauf aus ist, Menschen zuerst zu töten und danach die Fragen einfach nicht zu stellen. Dianas Tod und ihre letzten Worte an ihn sind äußerst bewegend. Es bleibt nur zu hoffen, dass der weitere positive Einfluss von Morgan ihn schließlich dazu bringen kann, nicht alles und jeden einfach umzubringen, der sich ihnen in die Quere stellt (wobei hier das Finale seine Einstellung doch verteidigt, aber dazu später mehr). Natürlich hilft es da nicht gerade, wenn sein Sohn Carl angeschossen wird und ein Auge verliert. Diese Szene kam so überraschend und hat den ersehnten Schockmoment mehr als getroffen. Lange Zeit war nicht ganz klar, ob Carl nun wirklich tot ist.

Apropos Tode: Dass Glenn nicht stirbt, war mir nicht erst durch die mit Spoilern gespickten Tweets von einigen Idioten klar, die sich einfach nicht zurückhalten konnten. Die Szene war einfach nicht glaubhaft gefilmt worden. Sein plötzlich suizidaler Kollege ist dermaßen offensichtlich auf ihn gefallen, dass man es nicht absichtlicher hätte inszenieren können. Außerdem war der Container hinter ihm auch sehr präsent – der schmächtige Glenn passt leicht darunter.

Weit mehr geschockt und überrascht hat dagegen der Tod der wunderbaren Denise. Die neue Ärztin in der Stadt war ein fabelhafter Charakter. Ihre Entwicklung von der ängstlichen, schüchternen Frau, die kaum wagt, ihre Patienten anzufassen, hin zu einer starken, durchsetzungsfähigen Person hat wunderbar funktioniert. Sie lässt sich nicht einmal davon abhalten, in Lebensgefahr zu geraten, nur um für ihre Freundin eine Soda aus einem Zombie besetzten Auto zu holen. Ganz davon zu schweigen, dass eine lesbische Frau die Vielfalt der Gruppe erneut um einiges erhöht hätte. Was aber noch mehr schockiert, als ihr eigentlicher Tod, ist die Sinnlosigkeit dahinter. Einfach so tritt sie ab. Zwar mit einer tollen Rede, aber mehr auch nicht. Ich muss jedoch gestehen, dass ich mich etwas schuldig fühle. Denn Denise hat sich zu einer meiner Lieblingsfiguren entwickelt und dies ist normalerweise ein todsicheres Zeichen (no pun inteded), dass dieser Charakter innerhalb weniger Episoden stirbt.

Im Gegensatz dazu darf der gute Eugene weiterleben. Diesen Charakter habe ich und werde ich wahrscheinlich auch nie verstehen oder auch nur ansatzweise mögen. Er mag zwar alle 20 Folgen oder so mutiger werden, doch sein Zweck bleibt mir weiterhin verschlossen. Nicht nur ist er ein feiges, vorlautes Arschloch, er beleidigt auch noch Abraham. Mal sehen, was aus ihm wird. Doch wenn es mit ihm so weitergeht, kann er nicht früh genug abtreten.

Kommen wir zu dem wohl friedfertigsten Charakter: Morgan. Über die letzten Staffeln hinweg wurde er, zumindest meiner Wahrnehmung nach, als ein weiterer Badass-Charakter eingeführt und aufgebaut. Sein psychischer Zusammenbruch scheint nur ein weiterer Schritt der Läuterung auf diesem Weg zu sein. Doch stattdessen überraschen die Autor*innen mit einer Entwicklung, die so nicht vorhersehbar war. Er trifft einen Mann namens Eastman und lernt durch ihn das Motto »Every life is precious« kennen, welches er nicht nur verinnerlicht, sondern beinahe naiv danach lebt und handelt. Es ist beeindruckend, wie stark ihn sein Mentor geprägt hat. Egal, wer ihm auch begegnet, er sieht davon ab, unnötigerweise ein Leben zu nehmen, mit dem festen Glauben, dass alles einen Zweck hat – einen bestimmten Sinn erfüllen wird. Bisher hat er recht und ich wage es gar nicht zu sagen, aber er mausert sich zu einem neuen Lieblingscharakter von mir. Und das nicht nur, weil er mit seinem Stock einen verdammt coolen Eindruck hinterlässt. Die Ausstrahlung des Schauspielers Lennie James, gepaart mit guten, tiefgreifenden Monologen und einer konsequenten Charakterzeichnung, all das macht ihn interessant.

Zu guter Letzt kommen wir noch auf Carol zu sprechen, die eine ähnliche Entwicklung wie Morgan durchmacht. Sie war bisher, wie es Rick so schön ausgedrückt hat, »a force of nature«, die alles und jeden, der sich ihr oder ihrer Gruppe in den Weg stellt, beseitigt und neutralisiert. Besonders die Phase, in der sie mit Maggie entführt wird und mit dem Rosenkranz herumspielt, wirkt beeindruckend. Eine Kombination aus weiser Voraussicht bzw. Kalkül und ehrlichem Leiden, machen sie zu einer Figur, mit der man sich identifizieren oder mitleiden kann. Auch wenn mir die Zahl 18, für Tode, für die sie sich direkt verantwortlich zeichnet, etwas gering erscheint, so nagen sie an ihr und führen schließlich dazu, dass sie nach der Entführung aus dem Lager abhaut. Wenn Morgan sie finden wird, woran eigentlich kein Zweifel bestehen dürfte, könnten die beiden ein fantastisches Duo werden.

Ansonsten weist die Staffel wieder die typische hohe Qualität auf, mit der man mittlerweile bei The Walking Dead auch rechnen kann. Da die Serie insgesamt etwas ruhiger zu werden scheint und etwas von dem bisherigen Tempo zurücktritt, können die gewaltigen, stimmungsvollen Bilder noch besser wirken. Vor allem der Score oder besser gesagt seine Abwesenheit an den geeigneten Stellen, führen zu einem intensiven Erlebnis.

Doch bevor wir in die Staffelpause entlassen wurden, durften wir noch Negan kennenlernen. Er bedroht die Bewohner von Hilltown und entführt schließlich die gesamte Gruppe rund um Rick. Am Ende wird angedeutet, dass jemand von ihm mit seinem schrecklich schönen Baseballschläger getötet wird. Ich bin sehr gespannt, wie sich das alles auflösen wird.

Schräge Erfahrungen

Manche Restaurantbesuche sind einfach nur schräg. Bereits vor über einer Woche wollte ich mit Freund J. das neue Lemon Chili in Salzburg ausprobieren. Wobei es nicht mehr Lemon Chili heißt, sondern Pizzeria »casaantonio«. Mit dem Ende des Lemon Chili und nun, wo auch der Name nicht mehr am Gebäude steht, geht eine Ära zu Ende. Das Lemon Chili war immer da. Mal unter neuer Führung und mit einer leicht geänderten Karte oder dergleichen, aber der Kern war stets derselbe. Nun heißt es also casaantonio. Ich weiß noch nicht, was ich davon halten soll.

Der erste Versuch, dort zu essen, scheiterte. Am Abend macht das Restaurant um 17:30 Uhr auf. Das wussten wir nicht und waren bereits zehn bis fünfzehn Minuten früher da. Es war sonnig und warm und ein Kellner war gerade dabei, die Tische fertigzumachen. Was würdet ihr tun, wenn Gäste vor der offiziellen Öffnungszeit auftauchen? Ich würde sie freundlich begrüßen und ihnen Bescheid geben, dass wir erst in etwa 10 Minuten öffnen, aber sie könnten sich schon einmal hinsetzen, wenn sie möchten. Sie müssten nur etwas warten. Vielleicht bietet man an, sie könnten doch zumindest Getränke bestellen. Immerhin ist das Restaurant erst seit ein paar Monaten geöffnet. Es muss sich noch einen Namen machen, selbst wenn es in Salzburg bereits mehrere Standorte gibt. In der Situation brauche ich alle Kund*innen, die positiv über mich berichten.

Stattdessen wurden wir weggeschickt. Es wäre ja noch nicht offen und wir sind zu früh dran. Okay. Zwar hatten wir die Absicht, an jenem Abend wiederzukommen, aber unweit von Casaantonio ist ein wunderbares kleines asiatisches Lokal. Es ist nur ein kleines Gebäude, betrieben von einem einzelnen Mann. Das »Uncle Van« hat Charme. Das Essen ist unfassbar schnell fertig, man kann sich etwas mitnehmen oder vor Ort essen und es schmeckt hervorragend. Außerdem ist es günstig. Wirklich toll. Und die Portionen sind nicht unbedingt klein. Eine schöne Entdeckung.

Letzten Freitag wollten wir Casaantonio eine zweite Chance geben. Wir gingen also hin und wurden halb freundlich begrüßt. Dazu muss man wissen, dass der Gastgarten sehr groß ist. Man betritt das Gelände durch ein breites Einfahrtstor. Auf der linken Seite ist das Gebäude mit Lokal, Küche und Wintergarten. Rechts ist der Gastgarten, der sich über zwei Ebenen erstreckt. Dazwischen können Autos durchfahren, da sich hinter dem Gebäude Parkplätze befinden. Es herrschte schon reges Treiben. Doch wirklich kümmern wollte sich keiner um uns. Bis wir bemerkt haben, dass weiter hinten ein Hochtisch mit einer netten Dame dahinter stand. Dort wird man einem Tisch zugeteilt. Das war im ersten Moment nicht erkennbar, da niemand der dort arbeitenden Personen das Gleiche trägt.

In einem Restaurant sollte zumindest das Oberteil immer gleich sein. Es ist eine Art Uniform, die den Gästen anzeigt, wer hier zuständig ist, wer hier arbeitet. Es ist eine Kleinigkeit, macht aber sehr viel aus. Hier trägt scheinbar jeder, was er gerade gefunden hat. Wir wurden unserem Tisch zugeteilt und haben erst einmal Getränke bestellt. Sofort fiel auf: Der Tisch wurde schon länger nicht mehr abgewischt und steht ungünstig unter einem mit Läusen befallenen Baum. Sie war der Tisch übersät mit den Viechern – hygienisch geht anders. Überhaupt machte der Gastgarten einen eher lieblosen Eindruck. Für ein neues Restaurant stehen zu viele Dinge herum (inkl. Holzteile und ungenutzte Metallkonstruktionen) oder wurden mit Ducktape gefixt. Unter den Sonnenschirmen tummelten sich die Insekten. Alles nicht so ideal.

Kurze Zeit später konnten wir unser Essen bestellen. Der Kellner machte einen unmotivierten, leicht genervten Eindruck. Überhaupt machten irgendwie alle 8+ Angestellten in dem Lokal diesen Eindruck. Ein junger Aushilfskellner (?), der nicht den Eindruck machte, dass er zum Personal gehören würde – dafür war er zu engagiert – brachte uns das Essen. Freund J. aß Nudeln, ich versuchte mich an Bruschetta. Wir waren beide mit dem Essen zufrieden. Es schmeckte gut und wurde hübsch präsentiert. Manches ist für den Preis etwas zu klein portioniert, aber im Großen und Ganzen in Ordnung. Nur die kleinen grellgrünen Käferchen nervten etwas.

Ich hatte vorhin die Durchfahrt erwähnt. Während unseres Aufenthalts kam ein älterer Herr mit einem viel zu großen Auto an und versuchte, durch diese zu navigieren. Diese war frei, war zumindest mein Eindruck. Doch irgendwie hat er es geschafft, den Tisch der Empfangsdame und ein Regal (?) mitzunehmen. Ich bin mir nicht ganz sicher. Jedenfalls ging einiges zu Bruch. Er blieb zwar kurz stehen und hat die Fenster geöffnet, aber fuhr dann stur weiter. Es knackte und krachte. Ob jemand die Reifen kontrollierte, weiß ich nicht. Wo jetzt überall Glasscherben herumliegen, weiß wahrscheinlich auch niemand. Als der Fahrer durch die Einfahrt zurückstolperte, wünschte ich, wir würden regelmäßig die Fahrtauglichkeit von Menschen kontrollieren, ob sie ihren Führerschein noch besitzen dürfen. Ich bin mir nicht einmal sicher, ob er irgendwie zum Restaurant gehört oder einfach nur irgendwo in der Nähe wohnt. Es war seltsam.

Ja, das alte Lemon Chili ist nicht mehr. Leider. Vielleicht kommt irgendwann, irgendwo ein neues Lokal mit diesem traditionsträchtigen Namen in Salzburg auf.

Wenn Katzen questen

Seit der Reaktivierung meines Steam Decks bin ich bemüht, meine Steam-Bibliothek nach geheimen Schätzen zu durchforsten. Das Gaming-Handheld von Valve eignet sich wunderbar, um Indie-Spiele nachzuholen. Durch diverse Bundle-Deals habe ich über die Jahre so einige kleinere und größere Indie-Spiele zusammengesammelt. Viele sagen mir nichts. Deshalb gehe ich bei der Auswahl eines Spiels nach zwei Kriterien vor: Wie gefällt mir das Artwork und was sagt mir der Titel? Und wie lange dauert ein normaler Durchlauf? Zweites lässt sich mithilfe eines kleinen Plugins direkt in der Spiele-Kachel anzeigen. So spiele ich mich langsam durch meine Sammlung.

Dieses Mal war »Cat Quest« an der Reihe. Das Artwork des Spiels schaut knuffig aus und ein Spieldurchgang sollte nicht mehr als sechs Stunden in Anspruch nehmen. Also, Spiel gestartet und los ging es. Nach einem kurzen Intro-Video kann es auch schon losgehen. »Cat Quest« ist ein kleines, nettes Rollenspiel. Es sind alle Elemente vorhanden, die man von den großen Produktionen kennt: Man kann sich den Charakter zusammenstellen, wie man möchte, sei es mehr als Krieger oder mehr als Magier. Wobei man stets beides verwenden sollte, um die Kämpfe gegen Drachen und andere Monster zu überstehen. Man sammelt Erfahrungspunkte, levelt auf und trifft unzählige NPCs, die einem Nebenquests geben. Auf der übersichtlichen Karte gilt es, Dungeons zu entdecken, Dörfer von bösen Magiern zu befreien und natürlich eine Hauptquest zu verfolgen.

Wie der Titel des Spiels erraten lässt, ist unser Held eine anthropomorphe Katze, die man steuert. Auch alle anderen Charaktere sind an Katzen angelehnt. Richtig wild wird es allerdings bei den Namen dieser Charaktere, der Städte, die sie bewohnen, und der Landstriche, die man durchquert. So gut wie alles ist mit einem mehr oder weniger guten Wortwitz versehen. Ich habe »Cat Quest« auf Englisch gespielt und da kommen diese Wortwitze natürlich noch einmal mehr zur Geltung. Man gewöhnt sich recht schnell daran und es ist irgendwie witzig. Natürlich dürfen auch Film- und Spielereferenzen nicht fehlen. So heißt eine Quest beispielsweise »The Lion King«. Oder eine Archäologin, die man trifft, nennt sich Cara Loft.

»Cat Quest« orientiert sich an den Genre-Gewohnheiten, dampft diese aber auf clevere Weise ein, sodass sie für die kleine Katzenwelt hervorragend funktioniert. Die Steuerung ist simplifiziert, verlangt aber in manchen Kämpfen durchaus, dass man Gegner lesen lernt und alle Fähigkeiten im Arsenal nutzt. So stehen die unterhaltsam geschriebenen Dialoge und die Charaktere im Vordergrund. Sprachausgabe gibt es an sich keine, man klickt und liest sich durch die Unterhaltungen. Besonders charmant finde ich, dass die Nebenquests in Kapitel aufgeteilt sind. Dadurch begegnet man Charakteren immer wieder. Manche Nebenquest macht man in einem Rutsch durch, bei manchen braucht man etwas mehr Zeit, bis man das empfohlene Level erreicht hat.

Durch diese Hinweise (u. a. empfohlene Level für Quests und Totenköpfe bei Gegnern, die zu stark für einen sind) nimmt »Cat Quest« Spieler*innen an die Hand und führt sie durch eine toll ausgearbeitete Welt. Ich habe knapp über 5 Stunden gebraucht. Das beinhaltet die Haupt- und einige Nebenquests. Es ist kurzweilig und nicht unerwähnt bleiben darf die ohrwurmtaugliche Musik. Fabelhaft. Die noch offenen Aufgaben werde ich sicherlich in den nächsten Tagen immer mal wieder angehen. Es gibt erstaunlich viel zu entdecken auf der kleinen Inselgruppe.

Eine Sache möchte ich noch kurz ansprechen. Denn Insgeheim verfolge ich eine Intention mit diesen Indie-Titeln und kürzeren Spielen: Ich möchte meinen inneren »Completionist« ablegen. Ich möchte es mir abgewöhnen, Spiele „platinieren“ zu wollen oder alles zu machen und zu schaffen. Das erzeugt nur unnötig Druck und steht teilweise einem tollen Spieleerlebnis im Weg. Es reicht völlig aus, eine nette Geschichte zu erleben, spannende Welten zu entdecken und interessante Charaktere kennenzulernen. Da kommt auch die einzige große Schwäche von »Cat Quest« ins Spiel: Das Ende ist recht abrupt und man darf sofort weiter erkunden. Ohne Abspann oder dergleichen. Das ist etwas unbefriedigend. Ansonsten hatte ich mit »Cat Quest« aber eine tolle Zeit.

Levi Meir Clancy | Unsplash

Die Schreinerei

Jeder Burgherr, der etwas auf sich hält, benötigt einen guten Schreiner. Immerhin wollen die Räumlichkeiten der Burg ordentlich ausgestattet werden. Außerdem wächst die Vorburg immer weiter und auch die Ritter und Bewohner*innen benötigen Möbel und Einrichtung. Es ist faszinierend zu sehen, wie die Vorburg von Burg Blaustein immer mehr mit Aufgaben betraut wird und der Burg zuarbeitet. Sei es durch die Stallungen, die sich um die Pferde kümmern, den Rüstmeister, der die Ritter ausstattet, das kleine Wachhäuschen oder nun eben den Schreiner. Sie alle finden Platz in der dicht besiedelten Vorburg.

Die Schreinerei hat knapp 2000 Teile und kommt, wie das Palisadentor, ohne Bauschrittunterteilung. Das heißt, man hat die 2000 Teile vor sich auf dem Tisch liegen und fängt an zu bauen. Ich mag das ganz gerne. Besonders wenn es überschaubar ist. Größere Sets baue ich mittlerweile lieber in Bauschritten. Zum einen, weil der Esstisch nicht über Tage mit Klemmbausteinen voll ist, und zum anderen, weil ich mir den Bau besser einteilen kann. Doch die Teileanzahl der Schreinerei eignet sich noch sehr gut, um alles vor sich zu haben. Und es sind viele kleine Teile dabei. Das ermöglicht, ein sehr detailliertes Inneres zu bauen.

Erneut beweist BlueBrixx mit diesem Set, dass sie verstanden haben, wie man gute Gebäude baut. Sei es einfach nur die Konstruktion der Wände, wie die einzelnen Räume aufgeteilt sind oder wie die Stockwerke ineinandergreifen. Ich entdecke beim Bau immer wieder Details, die mir ein Lächeln abringen und Freude machen. Es steckt ein Anspruch hinter diesen Bauten. Ein Anspruch an Glaubhaftigkeit und an einen Realitätsbezug. Die Gebäude hätten so irgendwo stehen können. Mit der Zeit lernen die Produktentwickler*innen immer mehr dazu und man merkt, sie werden besser. Das ist schön zu beobachten.

Die Schreinerei erweitert nur zu einem kleinen Teil die Palisade um die Vorburg herum. Das Gebäude selbst steht frei. Dadurch wird der Platz in der Mitte etwas gefüllt. Mir gefällt Burg Blaustein (inklusive Vorburg) in der aktuellen Ausbaustufe äußerst gut. Alles erfüllt einen Zweck und greift nahtlos ineinander. Fürs Erste soll es das auch gewesen sein (außer die kommenden Erweiterungen der Burg), denn die Tischplatte, die ich mir vor ein paar Monaten extra für die Burg besorgt habe, gelangt an ihre Grenzen. Nun kann ich erst einmal abwarten und beobachten, was noch so auf uns zukommt, bevor die Platte erweitert wird.

Zufriedenheit und Verzicht

Ich bin immer wieder froh und dankbar, dass ich vor vielen Jahren die App »You Need A Budget« (kurz: YNAB) entdeckt habe. Sie hilft mir, meine Finanzen im Blick zu haben. Ich habe sie nicht mit meinem Bankkonto verknüpft (u. a. weil meine Bank nicht unterstützt wird), aber auch deshalb, weil ich die Daten manuell eingeben möchte. Wenn Transaktionen und Ausgaben automatisch übernommen würden, sähe ich manche Dinge vielleicht gar nicht. So muss ich mir ein klein wenig Zeit nehmen – Ausgaben eintragen, sie einer Kategorie zuweisen und bewusster damit umgehen. Natürlich lassen sich regelmäßige Ausgaben als wiederholende Transaktionen eintragen, aber auch diese muss ich bestätigen. Ich mag das.

Mich beschleicht das Gefühl, in letzter Zeit mehr Texte geschrieben zu haben, in denen es um Ausgaben geht oder um Dinge, die ich mir gekauft habe. Sei es eine PS5 Pro oder eine Speichererweiterung für das Steam Deck. Und ja, das sind keine kleinen Ausgaben. Allerdings versuche ich, wenn ich mir etwas Größeres, Neues anschaffe, dass ich das durch den Verkauf von alten Sachen ausgleiche. Natürlich gelingt das nicht immer 1:1. Aber durch den Verkauf der alten PS5 sowie diverser Spiele, Bücher und Blu-rays habe ich die Pro-Version zumindest fast wieder hereingeholt. Ein paar Sachen muss ich noch auf Willhaben einstellen, aber dazu hatte ich noch keine Zeit. Neue Sachen sind schön und gut, aber für mich muss es sich lohnen. Passt es zu meinen aktuellen Prioritäten? Kann ich andere Sachen verkaufen, um es auszugleichen? Habe ich dazu Geld in meinem Budget (also in YNAB) zur Verfügung?

Besonders in den Sommermonaten ist die Versuchung groß, Anschaffungen mit dem Urlaubsgeld zu begründen. Doch wie viel bleibt davon wirklich übrig, wenn in zwei Monaten eine größere Versicherung zu zahlen ist, ein Kredit zurückgezahlt werden möchte oder andere Verpflichtungen anstehen? Muss es wirklich das neue Ding sein, oder reicht vielleicht das alte noch aus? Prioritäten setzen ist wichtig, genauso muss man aber mit dem, was man hat, zufrieden sein können. Ja, ich weiß, wer im PS5-Pro-Haus sitzt, soll nicht mit Controllern werfen. Aber so viele alte Dinge zu verkaufen, bis ich diese Anschaffung wieder hereingeholt habe – das war es mir wert.

In YNAB habe ich letztens eine tolle Möglichkeit herausgefunden, um meine Prioritäten stets sichtbar zu haben. Kern von YNAB sind Kategorien. Jede Ausgabe wird einer Kategorie zugewiesen. Ich habe Kategorien für Versicherungen, Miete, Lebensmittel, Friseur, Kreditrückzahlung, Sparmaßnahmen und Tanken, Werkstatt, aber auch für Luxusgüter wie Restaurantbesuche, Techniksachen und Hobbys. Wenn ich irgendwo sparen wollte, bin ich bisher dazu übergegangen, diejenige Kategorie einfach zu löschen. Wenn ich zwischendurch allerdings einen guten Deal entdeckt habe oder eine Ausgabe notwendig war, musste ich diese Kategorie wieder anlegen. Zum einen lästig, zum anderen schlecht für eine aussagekräftige Statistik – und wer mag keine schönen Statistiken über die eigenen Ausgaben? Deshalb ergänze ich beim Namen dieser Kategorien einfach ein »on hold«.

Diese kleine Ergänzung »on hold« verdeutlicht, dass ich in diesem Bereich, Hobby oder Teilaspekt sparen möchte. Es hat keine Priorität. Werde ich es schaffen, die »on hold«-Kategorien bis Ende des Jahres nicht anzufassen? Wahrscheinlich nicht. Allerdings ist dieser Zusatz ein mentales Hindernis. Es zeigt mir wiederholt, dass mir zurzeit etwas anderes wichtiger erschien. Bevor ich nun eine Ausgabe in dieser Kategorie tätige, kann ich darüber nachdenken, ob dies immer noch der Fall ist. Und da die Kategorien »on hold« sind, werden sie nicht befüllt, das heißt, es ist kein Geld darin, das ich ausgeben könnte. Ein netter Trick und ich bin gespannt, wie er über die nächsten Monate funktioniert.

Prime Days, Black Friday, Summer Sale und wie sie nicht alle heißen. Scheinbar gute Angebote und Rabatte warten um jede Ecke, lauern einem auf. Diesen Versuchungen zu widerstehen, ist nicht immer leicht. Ein bewusster Umgang mit den eigenen Finanzen wird umso wichtiger. Ein unverzichtbarer »Skill«. YNAB und deren fantastischen YouTube-Videos sind für mich das Mittel der Wahl. Aber jede*r muss hier einen eigenen Weg und eine eigene Methode finden. Ebenso wichtig erscheint mir, sich in Demut zu üben, zufrieden zu sein mit dem, was man hat, und ein bisschen nachzudenken, bevor man den »Kaufen«-Button drückt.

Towfiqu barbhuiya | Unsplash

MCU Rewatch | Thor: Love and Thunder

Irgendwann musste es ja so weit kommen. Ich wusste nur nicht, dass der Fall so abrupt und steil vonstattengehen würde. Ich kann mich glücklich schätzen, dass ich die bisherigen 28 Filme des MCU genießen konnte. Natürlich sind manche besser und manche schlechter, doch genervt hat mich bisher keiner. Sie sind Teil eines großen Kanons und in sich kohärent. Thor: Love and Thunder ist eine Beleidigung. Nicht nur für mich, sondern für alle Charaktere, die darin vorkommen.

Das einzige Positive, das ich dem Film abnehme, ist die Performance, die Darstellung und die Atmosphäre, die Christian Bales Bösewicht Gor umgibt. Es ist düster, ernst, gefährlich. Mir gefällt das. Vielleicht etwas überzogen, an manchen Stellen, aber im Allgemeinen gut gemacht. So hätte der Film sein müssen. Selbst den ersten Szenen mit Natalie Portman als krebskranke Jane Foster kann ich etwas abgewinnen. Ihre Reaktionen passen zum Charakter. Doch das war es an positiven Dingen.

Der Rest des Films geht unter in unlustigen Sprüchen, die so gar nicht in den Film passen. Ich hoffe inständig, dass dies der letzte Thor-Film von Taika Waititi ist. Er zerstört für mich den Charakter, zumindest im MCU. Ich hätte gerne gesehen, wie Thor mit den Guardians reist, seine Depression bekämpft und ein Vorbild für mich und so viele andere sein könnte, die diese Krankheit haben. Stattdessen wird es nur eine kurze Rückblendung. Thor nimmt weder sich selbst noch das, was vor sich geht, ernst. Das zerstört den Film und die Bedrohung, die eigentlich von Gor ausgehen sollte. Er ist der »God Butcher«. In den Comics ist es ein wahnsinnig gut geschriebener, vielschichtiger Charakter, eine konstante Bedrohung, die immer im Hintergrund lauert, selbst wenn man ihn nicht sieht. Was in den Comics über Jahre erzählt wurde, wird hier in nicht einmal zwei Stunden erzählt. Eine Schande für das MCU, so eine tolle Erzählung derart zu verbrennen.

Ich will mich nicht lange mit all den negativen Dingen aufhalten, die mir aufgefallen sind. Seien es die nervigen, dauernd schreienden Ziegen, die absolut nicht lustig sind. Auch ein Konzept aus den Comics, das ins Lächerliche gezogen wird. Das Kostüm von Thor sieht aus, als hätte er es aus einem billigen Souvenirladen geklaut. Russell Crowe als Zeus ist die größte Fehlbesetzung des gesamten MCU. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Sarah Halley Finn etwas damit zu tun hatte. Außerdem bekommen wir in den ersten 30 Minuten von Korg geschlagene zwei Nacherzählungen, was bisher geschah. Das sind mindestens zwei zu viel. So enttäuscht war ich schon lange nicht mehr. Es tut mir von Herzen weh, Geld für die Blu-Ray ausgegeben zu haben. Ich wünschte, ich hätte den Film nie gesehen und hoffe nun inständig, dass Black Panther: Wakanda Forever besser wird.

Zwei Terabyte

Die OLED-Variante des Steam Deck wird standardmäßig mit etwa 500 GB Speicher geliefert. Das ist zwar nicht wenig, aber wenn man bedenkt, dass manche Spiele mit Leichtigkeit die 100 GB knacken, ist es auch nicht gerade viel. Ich kann mich noch erinnern, dass ich mir sehr unsicher war, welche Variante ich nehmen soll. Denn es gibt durchaus eine 1-TB-Version. Diese ist jedoch mit einem „entspiegelten, geätzten Premiumglas” ausgestattet. Sprich: Das Display ist matt. Wozu kaufe ich mir das teurere OLED-Modell, wenn ich dann doch wieder ein mattes Display habe, das von den knalligen, lebendigen Farben etwas wegnimmt? Außerdem gibt es immer die Möglichkeit, eine entsprechende Schutzfolie auf das Display zu kleben, die ich jederzeit wieder entfernen kann.

Wie sich herausstellen wird, war dies eine gute Entscheidung. Nicht nur was das Display betrifft. Denn mit den Prime Days von letzter Woche konnte man eine 2-TB-M.2-SSD für das Steam Deck günstig erwerben. Vor Jahren habe ich bei meiner PS5 ebenfalls eine 2-TB-M.2-SSD installiert, was sehr einfach war. Sony ist hier äußerst benutzerfreundlich unterwegs. Und der zusätzliche Speicher ist einfach fantastisch. Außerdem findet man, was das Steam Deck betrifft, immer wieder Videos oder Artikel, die davon schwärmen, 2 TB an Speicher zu haben. So einfach wie bei der PS5 war es allerdings nicht.

Die M.2-SSD kam an und wollte eingebaut werden. Eine Videoanleitung von iFixit hat mir bei den folgenden Handlungsschritten geholfen. Die erste Herausforderung war, einen passenden Schraubenzieher zu finden. Die Schrauben auf der Rückseite des Steam Decks sind klein. Zum Glück wurde ich im Keller fündig. Die nächste Herausforderung bestand darin, das rückseitige Cover herunterzubekommen, ohne es zu zerstören. Es ist robuster, als man es ihm zutrauen würde. Trotzdem sind die Knack-Geräusche alles andere als beruhigend. Nun sah ich also den entblößten Rücken des Steam Decks. Eine M.2-SSD sucht man aber vergebens. Jetzt wurde es unnötig kompliziert und ich hoffe, Valve vereinfacht es bei der nächsten Generation an Steam Decks etwas, den Speicher zu erweitern.

Zuerst entfernt man den Stecker des Akkus vom Motherboard. Dann steckt man noch ein äußerst dünnes, fragil wirkendes Kabel von einer anderen Platine ab (fragt mich nicht nach Details). Das macht man, weil dieses Kabel auf dem Cover festgeklebt ist, welches das Motherboard umschließt. Mit einem stumpfen Messer und sanfter Gewalt habe ich nun dieses Kabel vom Cover gelöst. Vor meinem geistigen Auge sah ich schon Explosionen und ein nicht starten wollendes Steam Deck. Nachdem das Kabel gelöst war, ließ sich das Cover vergleichsweise einfach entfernen. Endlich sah ich die M.2-SSD. Eine letzte Schraube entfernt, konnte ich diese herausziehen. Die M.2-SSD ist von einer Abschirmung umschlossen, die man leicht auf die neue ziehen kann. Endlich konnte alles wieder zusammengebaut werden. Nach letzten nervösen Kabeleinsteckmanövern, bei denen der Angstschweiß erneut aufkeimte, war es geschafft. Aufwendiger als erwartet, aber doch machbar.

Bevor ich die M.2-SSD tauschte, habe ich das System auf die neue geklont. So konnte ich nach dem Umbau das Steam Deck einfach starten. Trotzdem hat das System (bereits vor dem Umbau) etwas gezickt. Startanimationen wurden keine angezeigt und der Wechsel vom Desktop-Mode in den Gaming-Mode dauerte beunruhigend lange. Also habe ich die ausgebaute 500-GB-M.2-SSD formatiert und die Spiele dorthin kopiert. Das erlaubte mir, das Steam Deck neu aufzusetzen und die Spiele einfach wieder raufzukopieren, ohne hunderte Gigabyte an Daten herunterladen zu müssen. Das Prozedere des Neuaufsetzens, Initialisierens und Einrichtens dauerte zwar sehr viel länger als erwartet (unter anderem deshalb, weil das Erstellen des bootfähigen USB-Sticks am MAC eine Herausforderung war und ich einen Windows-PC benötigte), aber irgendwann war auch das geschafft.

Das Steam Deck flutscht jetzt wieder wie am ersten Tag. Bei den Spielen muss man nur kurz auf „Installieren“ klicken, dann werden die kopierten Dateien verifiziert und ein paar letzte Daten heruntergeladen. Der Emulator läuft ebenfalls schon wieder. Es ist ein tolles Gerät und mit 2 TB fühle ich mich ganz wohl. So muss ich nicht mehr darüber nachdenken, ob noch Platz ist oder etwas gelöscht werden muss. Nun kann ich mich auf das Erleben toller Spiele konzentrieren. Zuletzt seien noch Reddit, die Steam-Seite und diverse andere Onlinequellen gelobt – man findet immer wieder tolle Unterstützung und Beiträge, die bei Problemen weiterhelfen. Das ist die großartige Seite des Internets.

Geek-Planet | The Walking Dead: Book 6

Es ist Donnerstag. Wie jede Woche schauen wir uns heute einen alten Text von mir an. Der folgende erschien am 28. September 2016 auf meinem damaligen Blog »Geek-Planet«. Den gibt es heute allerdings nicht mehr. Trotzdem möchte ich, dass alle meine Texte an einem Ort versammelt sind. Deshalb suche ich mir jede Woche einen alten Text heraus, redigiere diesen und versehe ihn mit einer kleinen Einleitung.

Ich kann nicht umhin, die Rezension zur sechsten Hardcover-Ausgabe von The Walking Dead als schlecht zu empfinden. Na ja, vielleicht nicht unbedingt als schlecht, aber zumindest als suboptimal würde ich sie bezeichnen. Ich springe sofort in den Inhalt des Buches hinein, ohne Kontext. Dann schreibe ich über Ereignisse, als wüssten alle, wovon die Rede ist. Und zu guter Letzt mache ich das auch nicht gerade gut, weil ich trotzdem sehr vage bleibe. Heute würde ich das auf jeden Fall anders und etwas ausführlicher machen.

Wobei ich gerade an meine Texte zum MCU Rewatch denken muss, die jeden Samstag erscheinen, und überlege, ob ich bei diesen Texten vielleicht ebenfalls zu viel voraussetze. Wobei das ein Rewatch durchaus verlangen kann. Trotzdem sollten die größeren Kontexte erklärt werden. Man kann Wissen voraussetzen, aber trotzdem genug erklären, sodass vielleicht mehr Menschen abgeholt werden. Das versuche ich beispielsweise bei den täglichen Texten, die ich schreibe. Ich kann nicht erwarten, dass jemand alle Texte liest. Also bemühe ich mich, Dinge zu erklären, selbst wenn ich schon des Öfteren darüber geschrieben habe, oder aber ich verlinke alte Texte, die näher beschreiben, auf was ich mich beziehe. Es ist ein schmaler Grat, auf dem man wandert, und ich hoffe ihn mit der Zeit immer besser bewältigen zu können.


Das sechste Hardcover-Buch von The Walking Dead beschäftigt sich mit einer Vielzahl an Themen und wir nähern uns langsam aber sicher dem Punkt, an dem uns auch die sechste Staffel der Serie zurückgelassen hat.

  • Creator, Writer: Robert Kirkman
  • Penciler, Inker, Cover: Charlie Adlard
  • Gray Tones: Cliff Rathburn
  • Letterer: Rus Wooton
  • Erstveröffentlichung: 2010
  • Ausgaben: #61 – #72

“I love you [Dad] because of what you do to keep me safe. I know why we do what we do. Protect the weak. To survive.” – Carl

Die erste Story-Arc „fear the hunters“ beschäftigt sich sehr mit den verschiedenen Auswirkungen, die die Apokalypse auf unterschiedliche Menschen hat. Wir haben zum einen die Zwillinge. Ben tötet seinen Bruder Billy, sagt den anderen aber, dass sie sich keine Sorgen machen sollen, da er ja wieder zurückkommt. Wieso hat er das getan? Mit Sicherheit kann man das natürlich nicht sagen, aber eine Vermutung von mir ist die Folgende: In einer Welt voller Zombies, in der jederzeit das Ende auf einen lauert, ist es einfacher, wenn man Teil des Problems ist und nicht dagegen ankämpft. Ben hat eine falsche Vorstellung von der Realität, in der sie leben, und wird deshalb zu einer Gefahr für die gesamte Gruppe.

Zugegeben, es ist ein brutaler und trauriger Moment, als Andrea die Jungen im Wald findet, aber es hat nichts darauf hingearbeitet. Die Zwillinge wurden kaum bei ihrem Namen genannt, noch konnte man sie, was ihren Charakter betrifft, je richtig einschätzen. Sie wurden ständig von Andrea und Dale beschützt, sobald es eine brenzlige Situation gab. Deshalb hatten sie wenig bis gar nichts zu tun. Mit ein wenig Vorarbeit wäre die Erkenntnis, was Ben getan hat, noch kraftvoller gewesen. Anders als das, was diese Tat in Carl hervorruft. Immerhin ist er Ricks Sohn, handelt nach dessen Vorbild und man traut ihm so einiges zu. Ob dies nun gut oder schlecht ist, sei mal dahingestellt.

Als Nächstes haben wir den Priester. Gabriel ist ein neuer Charakter und hat bis vor Kurzem in einer Kirche versteckt überlebt. Er verlässt sich komplett auf seinen Glauben, um zu überleben. Religion hat bisher nur eine Nebenrolle gespielt, und ich bin gespannt, wie dieses Thema in Alexandria noch weiter aufgegriffen wird. Der Charakter ist an sich interessant, da er ein komplett neues Weltbild für die Gruppe darstellt. Allerdings lassen seine vergangenen Taten diesen Glauben etwas verblassen. Dann haben wir noch die Außenstehenden, die Ricks Gruppe ausspioniert und verfolgt. Sie schnappen sich Dale und offenbaren daraufhin, dass sie Kannibalen sind. Stück für Stück verzehren sie ihr Opfer – so bleibt dieses am Leben und das Fleisch damit frisch. Was hier auffällt ist, dass wir nach dieser Story direkt nach Alexandria kommen und keinen Zwischenhalt in Terminus machen, so wie in der Serie. An der Endstation der Schienen wird auch noch einmal das Thema Kannibalismus aufgegriffen. Mal sehen, ob dies im Comic auch noch einmal kommt.

Ich finde den Aspekt äußerst spannend, da er eine Frage aufwirft, vor der auch unsere Protagonisten vielleicht einmal stehen werden. Wenn man absolut keine Rationen an Essen mehr hat, wie weit geht man, um zu überleben? Natürlich werden sie keine Kinder essen, so wie es die Fremden getan haben. Schockiert hat mich die Brutalität und Grausamkeit, mit der Rick, Abraham und Co. diese Gruppe bestraft hat. Einen nach dem anderen haben sie zerstückelt, wahrscheinlich bei lebendigem Leib, und dann ins Feuer geworfen. Was gibt ihnen das Recht, dieses Urteil auszusprechen? Diese Tat ist ein Schritt weiter in den Abgrund. Vor allem für den Anführer Rick, der sich immer weiter radikalisiert, was Fremde betrifft, wie man an Aaron sehen kann.

In der zweiten Geschichte „Life among them“, wird erst einmal Aaron bewusstlos geschlagen, auch wenn er besser behandelt wird als in der Serie. Die Version im Comic hat mir viel besser gefallen, allerdings finde ich es immer noch schade, dass sich die anderen nicht weiter zu Wort melden, wenn Rick solch fragwürdige Entscheidungen trifft.

Alexandria stellt sich als eine wachsende Community heraus, die es geschafft hat, ein Jahr lang zu überleben. Mit der neu gewonnen Unterstützung wollen sie sich verbessern. Sie haben aber nicht mit Ricks Rücksichtslosigkeit gerechnet, die von Glenn unterstützt wird. Sie könnten sich hier ein gutes Leben aufbauen. Die aktuellen Einwohner trainieren und für zukünftige Situationen ausbilden. Sie hatten nicht mal jemanden, der Ausschau nach Neuankömmlingen hält – sie haben sich einfach auf ihre Mauer verlassen.

Die anderen, hauptsächlich erkennbar an Abraham, leben sich aber scheinbar gut ein. Carls Befürchtungen, dass sie zu weich werden würden, um, sollte der Community etwas zustoßen, danach in der Welt da draußen zu überleben, finde ich allerdings berechtigt. Dies würde sich aber mit etwas Training eindämmen lassen.

Was ich in den letzten Reviews immer etwas unterschlagen habe, sind die Zeichnungen. Die schwarz-weißen Darstellungen sind einfach grandios. Besonders durch die Hardcover-Version, welche etwas größer ist, als ein normaler Comic, kommen diese wunderbar zur Geltung. Mir gefällt der Fokus auf die Charaktere und deren Positionierung. Wenn es die Situation zulässt, wird komplett auf Hintergründe verzichtet oder dieser sehr zurückgeschraubt. Dies sorgt für eine beklemmende Atmosphäre und als Leser*in kann man sich noch mehr auf die Dialoge konzentrieren. Als Bonus erhält man in den Hardcover-Versionen ein bisschen Bonusinhalt, in Form von kleinen Kommentaren zum Entstehungsprozess und einer Cover-Sammlung der enthaltenen Ausgaben. Alles in allem lassen diese hochwertigen Editionen keine Wünsche offen.