Everything X-Men | X-Men First Class v1 (2007)

Wie jede Woche am Donnerstag werfen wir auch heute wieder einen Blick in die Vergangenheit. Genauer gesagt auf eine Reihe von Texten, die ich im Rahmen des Projektstudiums während meines Medienwissenschaftsstudiums geschrieben habe. In diesen Texten habe ich mich eingehend mit den X-Men beschäftigt. Damals habe ich die Texte auf Englisch verfasst, möchte sie heute jedoch auf Deutsch präsentieren. Dazu habe ich sie zuerst mit DeepL übersetzt (inkl. der Zitate) und anschließend redigiert.

Der heutige Text befasst sich mit einer alternativen Origin-Story der X-Men. Die letzten Texte haben sich mit Stan Lee und Jack Kirby auseinandergesetzt und damit, wie Roy Thomas deren Ideen weitergedacht hat. Doch wie sähe eine alternative Fassung aus? Macht sie es besser, wird die Geschichte modernisiert?

Als Letztes sind erschienen:


Die letzten Artikel habe ich den frühen Jahren der X-Men gewidmet. Wo ihre Geschichte begann und wo sie endete, bevor es zum kleinen Reboot kam. Dieser Reboot war der Auftritt von Chris Claremont. 20 Jahre hat er die X-Men geprägt, wie kein anderer. Doch bevor wir uns seinen Geschichten zuwenden, werfen wir einen Blick auf eine andere Interpretation der Entstehung der X-Men.

Die Schöpfer

»X-Men First Class« von 2007 umfasst acht Ausgaben. Jeff Parker schrieb sie und Roger Cruz ist für die fantastischen Zeichnungen verantwortlich. Für Jeff Parker war »First Class« einer seiner ersten Aufträge für Marvel. Bevor er mit dieser limitierten Serie begann, schrieb er »Agents of Atlas«. Dabei handelt es sich um ein Superheldenteam, das sich aus Figuren zusammensetzt, die erstmals in den 50er- und 60er-Jahren vorgestellt wurden. Der Name »Atlas« bezieht sich auf Marvels geistigen Vorgänger »Atlas Comics«. (Wikipedia, 2017) Roger Cruz hat viel für Marvel Comics gearbeitet. Er hat eine DeviantArt-Seite, die einen Besuch wert ist. Die beeindruckenden Kunstwerke von Cruz stammen nicht nur von den Seiten von Comics. Sie strotzen vor Kreativität und unterstreichen sein Gespür für Körpersprache. Mir gefallen auch die verschiedenen Gesichtsausdrücke, die er auf dieser Seite gepostet hat. DeviantArt ist etwas, das man öfter besuchen sollte – und damit meine ich auch mich selbst. Es ist ein großartiger Ort, um sich inspirieren zu lassen. Aber kommen wir zurück zum Thema.

Die Charaktere

Ich habe den ersten Band von »First Class« gelesen, der aus acht Ausgaben besteht. Wie es in einem Beitrag auf Comicvine über die Lesereihenfolge der gesamten X-Men-Reihe heißt: „Diese Serie eignet sich besonders gut für jüngere Kinder, die X-Men lesen möchten.“ (TEC2030, 2017).

Diesmal werden die Charaktere von Bobby Drake alias Iceman vorgestellt. Er schreibt einen Brief an seine Eltern und erzählt ihnen von seinem letzten Abenteuer. Wir erfahren, was er über seine Klassenkameraden denkt und was sie können. In den ursprünglichen X-Men von Jack Kirby und Stan Lee wussten die Eltern nicht, dass ihre Kinder Mutanten sind. Daher können die Kinder nicht offen über ihre Schule und ihre Erfahrungen sprechen. Dies wird besonders deutlich, als Angels Eltern zu Besuch kommen. Bobby scheint sich schon vor einiger Zeit geoutet zu haben, und es ist schön, zu sehen, wie er über die aktuellen Ereignisse spricht.

Im gesamten ersten Band ist präsent, dass wir es mit einer echten Schule zu tun haben, mit jungen Erwachsenen, die erst noch aufwachsen müssen. Das beginnt schon auf der Einführungsseite jeder Ausgabe. Dort wird jeder Charakter kurz vorgestellt. Nur ein Bild ihres Gesichts und eine Beschreibung mit ihrem Namen und ihren Fähigkeiten. Diese Seiten werden von den Charakteren selbst zum Zeichnen und Kommentieren genutzt. Natürlich ist in jeder Ausgabe eine andere Person dran. Was denken sie über sich selbst? Wen mögen sie? Es sind spannende Einblicke in die Dynamiken des Teams. Aus diesen kleinen Kommentaren kann man viel über Beziehungen und Freundschaften herauslesen.

Neben Bobby werden uns auch die ursprünglichen Mitglieder der X-Men vorgestellt. Warren alias The Angel, Scott alias Cyclops, Jean alias Marvel Girl, Hank alias The Beast und natürlich der Professor. Cerebro wurde aufgerüstet. Es ist nicht nur ein Gerät, mit dem man Mutanten finden kann, sondern es kann nun die Schüler unterrichten. Dieser Aspekt der „Schule“ wurde in der ursprünglichen Serie völlig ignoriert, was mich immer ein wenig gestört hat. Es gab keine richtigen Unterrichtsstunden, nur Trainingseinheiten. Aber jetzt, wie wir auch in den ersten drei X-Men-Filmen gesehen haben, bekommen die Schüler Unterricht mit Hausaufgaben, Tests usw.

Die Geschichten

Das Team hat es meist mit neuen Bösewichten zu tun. Der erste ist zum Beispiel ein Busch. Ja, ein Busch. Die X-Men kämpfen gegen einen Busch. Genauer gesagt gegen einen Azaleenbusch. Von diesem Moment an war mir klar, dass ich ein Buch für Kinder vor mir hatte. Das ist keine Beschwerde, sondern nur eine Beobachtung. Und es braucht diese Comics ebenso. Sie bringen Kindern die Charaktere näher. Aber normalerweise steckt hinter der Geschichte ein größerer Plan oder ein Thema, mit dem die Autor_innen und Künstler_innen aktuelle Diskussionen anstoßen wollen.

Zuerst konnte ich es nicht genau benennen. Aber ich wusste, dass etwas fehlte. Es war wie bei einem faden Gericht. Man weiß, dass etwas fehlt, aber man weiß nicht, was man noch hinzufügen soll. Genauso war es mit dieser Geschichte. Bis ich eine Rezension auf The Literary Omnivore (McBride, 2013) las: „In diesem Fall handelt es sich um eine Reihe von geradlinigen Abenteuern, die keine besonders tiefgründigen Themen behandeln.“

Und genau das ist es. Jeff Parker geht nicht tiefer. Die meisten Geschichten beginnen mit dem Alltag des Teams. Sie machen Urlaub, werden in etwas verwickelt, das sich im Kopf des Professors abspielt, oder gehen einfach nur aus. Sie stolpern zufällig über ein Abenteuer und einige Bösewichte, und das war’s. Das meiste wird auch in einer Ausgabe erledigt. Die Comics machen Spaß zu lesen, aber man darf keine großartigen, tiefgreifenden Charaktermomente oder gar eine Verbesserung gegenüber Stan Lees Jean-Grey-Problem erwarten. Ich habe in einem der letzten Artikel geschrieben, dass der Professor in Jean verliebt war. Das war einer der gruseligsten und unangenehmsten Momente. Leider wird es hier nicht besser:

„Aber in einer Geschichte befiehlt Professor X Cyclops und Jean, sich in einem gemieteten Haus in Florida auszuruhen. Cyclops ist niedergeschlagen, aber Professor X zwinkert ihm telepathisch zu und sagt ihm, dass er dafür gesorgt hat, dass Cyclops Zeit allein mit Jean verbringen kann.“ Aus dem Zusammenhang gerissen ist das ein netter Moment. Zwar klingt es so, wie aus einer Teenie-Komödie, aber nett. Jedoch bekommen wir in diesen Geschichten nicht viel von Jeans Gedanken mit, sodass sie eher wie ein Preis als wie ein Mitglied des Teams wirkt. Es wird besser – beispielsweise gibt es eine Geschichte, in der Angel mit Scarlet Witch ausgeht und Jean ihrem Bruder Pietro sagt, er solle aufhören, ihr Verhalten kontrollieren zu wollen –, aber es fühlt sich trotzdem nicht richtig an. (McBride, 2013)

Das Ende

Was mir gefallen hat, waren die Crossovers mit anderen Marvel-Charakteren. So bekommt man ein echtes Gefühl für ein größeres Universum. Ich verstehe, dass Stan Lee und Jack Kirby am Anfang nicht so viele Crossover machen konnten, weil die relevanten Charaktere erst vorgestellt werden mussten. Jetzt gibt es Geschichten mit Doctor Strange, Curt Conners und den Skrulls. Sogar die alten Bösewichte haben einen Gastauftritt in der dritten Ausgabe.

Zu dieser Serie gibt es nicht mehr viel zu sagen. Sie ist eine großartige Einführung in die Charaktere, insbesondere für jüngere Leser*innen. Aber um ehrlich zu sein, freue ich mich nun auf die Comics von Chris Claremont und darauf, wie er die X-Men neu erfunden hat. Wie er ihnen eindrucksvolle Geschichten verliehen und aus ihnen vielfältige, dreidimensionale Charaktere gemacht hat. Wir werden uns dann die X-Men-Ausgaben Nr. 94 bis Nr. 110 etwas genauer ansehen.

Quellen

  • Agents of Atlas. (o. D.). In Wikipedia. Abgerufen am 19. September 2017.
  • TEC2030. (2017, 02. April). Guide to Reading X-Men Comics, Blogpost | comicvine.gamespot.com
  • McBride, C. (27. September 2013). Review: X-Men: First Class, Volume 1, Blogpost | theliteraryomnivore.wordpress.com

Ballet Revolución

Anlässlich eines Geburtstags war ich übers Wochenende in Stuttgart. Wenn ich in Städten wie Stuttgart ein paar Tage verbringe und ich an einem Abend noch nichts Spezifisches vorhabe, schaue ich gerne nach Veranstaltungen, die ich besuchen könnte. Das letzte Mal, als ich hier war, habe ich mir beispielsweise »Queen – We Will Rock You« angeschaut. Auch wenn das Musical ein Genuss war, so wollte ich es nicht schon wieder anschauen. Immerhin ist es erst ein paar Monate her. Also fiel meine Wahl dieses Mal auf »Ballet Revolución« – und ja, ich habe es immer falsch ausgesprochen.

Es sollte mein erstes „reines“ Ballett werden, wenn man so möchte. Doch da der Beiname „Revolución“ versprach, dass es etwas moderner gestaltet sein würde, war ich guter Hoffnung. Ich schaue mir ungern im Vorhinein etwas zu den Veranstaltungen an, die ich besuche. Ich möchte mich überraschen lassen. Es zum ersten Mal live mit den anderen Zuschauer*innen erleben. Ich machte mich zu gegebener Zeit also auf den Weg zum Theaterhaus. Da ich das Ticket schon einige Zeit zu Hause hatte, wusste ich nicht mehr genau, wo ich meinen Platz gebucht hatte. Die Nummerierung der Plätze lässt darauf auch nicht immer Schlüsse zu. Es war leicht abseits der Mitte, in der ersten Reihe der Tribüne. Also perfekter Blick über die Parkett-Reihen auf die Bühne.

Die ersten zehn Minuten waren wohl die anstrengendsten? Ich weiß nicht, ob dies das richtige Wort dafür ist. Es fiel mir schwer, reinzukommen, aber das ist durchaus des Öfteren der Fall. Ich schaue mir gerne neue Dinge an, da braucht es eine gewisse Eingewöhnungsphase. Die ersten zehn Minuten waren auch geprägt durch klassisches Ballett. Sofern ich das mit meinem vollumfänglichen Unwissen beurteilen kann. Die Musik wirkte etwas eintönig, dazu Balletttanz und gelegentliches Schreien der Tänzer*innen. Ich wusste nicht, ob es eine Zurschaustellung der Fertigkeiten ist, also reine Choreografie zur Musik, oder ob ich die Sprache des Balletts kennen müsste, um das, was auf der Bühne passiert, verstehen zu können.

Jedenfalls waren es beeindruckende Fertigkeiten, die alle auf der Bühne präsentierten, soweit ich das beurteilen kann. Die Dame, die neben mir saß, war ein guter Indikator, wenn schwierige Techniken oder Sprünge stattfanden, da sie diese stumm lobte. Eine gute Orientierung. Ich habe mich anfangs auch damit abgelenkt, herauszufinden, wer der attraktivste Tänzer des vorwiegend männlichen Casts ist. Eine selbstverständlich oberflächliche, unnötige und unfaire Ablenkung, aber was soll’s. Die Frage stellte sich rasch als irrelevant heraus, sobald der komplette männliche Cast plötzlich oben ohne auf der Bühne erschien. Für wenige Minuten hatte die Show den Anstrich einer Stripper-Show à la Chippendales. Ich hatte nichts dagegen.

Nach den anfänglichen Schwierigkeiten fand ich somit dann doch noch in die Show hinein. Wie sich herausstellen sollte, sind nur die anfänglichen ca. 10 Minuten der beiden Akte der Show von klassischem Ballett geprägt. Bereits am Anfang des zweiten Aktes konnte ich diesen schon mehr genießen, vor allem weil die Tänzer*innen einmal mehr mit den wohl schwierigsten Posen und Tanzeinlagen des Balletts aufwarteten. Der Rest der beiden Akte war gefüllt mit durchweg gut gespielten Covers von Songs. Den Anfang bildete ein gekonnt gesungenes Cover von Adeles »Hello«. Die Cover führten zu abwechslungsreichen und energiegeladenen Tanz-Performances. Die Tänzer*innen, gemeinsam mit der Band, verstanden es, Stimmung zu machen und das Publikum zu animieren, wie ich es selten erlebt habe – besonders bei dem eher zurückhaltenden deutschen Publikum.

Ich bin sehr froh, mich für »Ballet Revolución« entschieden zu haben. Es war eine neue Erfahrung. Mein erstes Ballett und dann auch noch in modernem Gewand. Etwas enttäuscht war ich, dass es keinen Merch zu kaufen gab. Seit Maria Theresia wollte ich es mir eigentlich angewöhnen, jedes Mal die CD mitzunehmen, als kleines Andenken und um immer wieder in die Show reinhören zu können. Entweder es gab wirklich keinen Merch oder ich habe den Stand einfach nicht gesehen. »Ballet Revolución« ist jedenfalls einen Besuch wert.

Schätze in Kisten

Es ist immer wieder erstaunlich, was man so alles in alten Kisten finden kann. Seit ein paar Wochen beschäftigt mich das Hobby Musik. Dazu gehört natürlich eine qualitativ gute Möglichkeit, diese anzuhören. Also mussten gute Kopfhörer her. Ich habe zuerst die »Sennheiser Momentum 4« getestet, aber die haben mir nicht ordentlich gepasst. Ungute Druckstellen machten das Tragen auf Dauer unangenehm. Ich habe sie wieder zurückgeschickt. Sie waren mir außerdem zu teuer, wenn man ehrlich ist. Ich brauche den ganzen Schnickschnack nicht. Noise-Cancelling und Bluetooth sind überflüssig, wenn man Lossless-Audiodateien im FLAC-Format anhört, da das alles zu Beeinträchtigungen führen kann.

Ein synaptischer Kurzschluss führte dazu, dass sich mein alterndes Gehirn daran erinnert hat, dass ich mir vor vielen, vielen Monden Beyerdynamic-Kopfhörer gekauft habe (DT 770 Pro, um genau zu sein). Nachdem ich diese ein paar Jahre hatte, habe ich aus Versehen den AUX-Anschluss am Kabel verbogen, was zu unschönen Effekten geführt hat. Aber vielleicht kann man sie günstig reparieren lassen. Ein entsprechendes Formular findet man auf der Herstellerseite recht schnell. Also habe ich sie mir herausgesucht und war erst einmal positiv überrascht. Der AUX-Anschluss war gar nicht so sehr verbogen, wie ich es in Erinnerung hatte. Man musste schon genau hinsehen, um es zu erkennen. Also habe ich sie getestet.

Weder am MacBook noch mit dem »Snowsky Echo Mini« waren irgendwelche Einschränkungen, Verzerrungen oder andere störende Effekte zu hören. Ich sparte mir also die Reparatur. Ich hatte sie sogar schon auf Reisen mit und sie haben problemlos ihre Dienste vollbracht. Das Einzige, was mich an den Beyerdynamic-Kopfhörern stört, ist das fixe Kabel. Warum nicht auch am Kopfhörer einen AUX-Anschluss anbringen, sodass man die Länge den eigenen Bedürfnissen anpassen kann? So läuft man ständig mit einem über 2 m langen Kabel herum. Entschieden zu viel. Vielleicht werden es noch Teufel Massive Kopfhörer, die durchaus gute Bewertungen haben und mit einem wesentlich kürzeren Kabel aufwarten, das man tauschen kann. Mehr Bass ist natürlich auch immer gut.

Ich habe nicht nur alte CDs gefunden, sondern auch noch perfekt funktionierende, hochwertige Kopfhörer. Ich glaube, dass sie die letzten 10 Jahre in der Kiste verbracht haben. Es lohnt sich also, immer mal wieder in den eigenen Beständen zu graben. Vielleicht entdeckt man den ein oder anderen Schatz, der ein neu entdecktes, altes Hobby wieder aufleben lässt.

Auf die Bahn ist Verlass

Ich schreibe diese Zeilen im Zug auf dem Weg nach München (es ist ein Freitagmorgen). Dort werde ich dann in einen anderen Zug umsteigen und mich in Richtung meines Ziels aufmachen: Stuttgart. Welcher Zug das sein mag, weiß ich noch nicht genau. Das hängt davon ab, wann genau ich in München ankomme. Der Zug, in dem ich sitze, sollte eigentlich um halb neun wegfahren. Verspätung war eine halbe Stunde, vier Waggons fehlten von vornherein. Unter anderem derjenige, in dem mein Sitzplatz reserviert war. Übrig bleiben vier Waggons. Zwei davon sind Schlafwägen. Der Platz ist also durchaus knapp bemessen.

Ich fahre durchaus des Öfteren mit Zügen. Ich fahre gern damit, weil es entspannter ist – meistens zumindest. Allerdings versuche ich auch an Tagen wie diesen, an denen von Anfang an alles schiefzulaufen scheint, was nur schieflaufen kann, entspannt zu bleiben. Es hilft ja nichts. Die einzige Alternative wäre gewesen, nach Hause zu fahren, ins Auto zu steigen und mit dem zu fahren. Dann wären alle Kosten für die Zugfahrt, die sich dieses Mal erstaunlicherweise in Grenzen gehalten haben, umsonst gewesen. Doch gerade als ich tatsächlich überlegt hatte, ob das Auto eine Alternative wäre, traf der Zug nach München doch noch ein.

Wie es eben so ist, wenn vier Waggons fehlen, ist ziemlich viel los. Der erste Waggon war ein Schlafwagen. Durch den zweiten mit normalen Abteilen bin ich durchgegangen und suchte vergeblich nach einem Sitzplatz. Der Dritte war erneut ein Schlafwagen. Dort lagen zwar nicht allzu viele Leute, aber ich denke nicht, dass das toleriert werden würde, wenn ich mich in ein Abteil legen würde. Also machte ich es mir in einem kleinen Zwischenabteil auf dem Boden gemütlich. Meinen kleinen Koffer als Mini-Hocker, konnte man es im Zweifel auch hier aushalten. Ein älterer Herr saß bereits dort, und ich gesellte mich zu ihm. Bahnfahren verbindet.

Eine halbe Stunde saßen wir da, brachen von Salzburg auf und parkten zwischenzeitlich in Freilassing. Es werden immer noch akribische Kontrollen durch die Polizei durchgeführt. Warum? Keine Ahnung. Wurde jemals jemand aus einem Zug gezerrt? Bringt das irgendwas, außer das Vorgaukeln von Aktionismus, ohne wirklich etwas verändern zu müssen? Aber das ist eine andere Diskussion. Immerhin erfuhren wir, dass es ein 6er-Abteil gibt, in dem nur eine Person sitzt. Dort haben wir es uns nun gemütlich gemacht. Hier lässt es sich bis München leicht aushalten. Bahnfahren ist immer wieder aufs Neue spannend. Dass der gesamte Salzburger Hauptbahnhof ausfällt, habe ich allerdings auch noch nicht erlebt. Bis heute. Immerhin ist es eine spannende Geschichte. Zumindest habe ich einen Text herausgeholt.

Gebrauchte CDs sind gute CDs

Letztens habe ich darüber berichtet, wie ich meine alte CD-Sammlung verloren habe (Die verlorene Sammlung). Das war mir zwar über lange Zeit egal, aber wie so oft werden alte Dinge irgendwann wieder wichtig. Deshalb tue ich mir (manchmal zumindest) schwer, etwas wegzuwerfen, wenn es sich um etwas handelt, was ich schon länger besitze. Man weiß ja nie, ob das Hobby oder das Interesse noch einmal aufkommt oder man es vielleicht jemandem weitergeben möchte. Hauptbestandteil meiner CDs waren Alben, Singles, DVDs und eine Videokassette von Michael Jackson. Diesen Bestandteil wollte ich als Erstes wiederherstellen.

Ich habe mich also auf die Suche nach Michael-Jackson-Sammlungen gemacht. Konvolute von CDs, wo einiges von ihm enthalten ist, oder wenn jemand seine Sammlung auflöst und es weg haben möchte. Zwar hat eBay so einige Ergebnisse geliefert, doch manche überschätzen auch den Wert ihrer Habseligkeiten. Besonders wenn es um spezielle Alben geht, werden oft Hunderte, wenn nicht Tausende Euro verlangt. Wucher. Das bin ich nicht bereit, zu zahlen. Doch manche sind vernünftig geblieben. Man darf sich bei solchen Suchaktionen nicht aus der Ruhe bringen lassen. Wir sind es gewohnt, dass man etwas bestellt und in den nächsten Tagen in Händen hält. Das ist hier anders.

Das Glück war mir jedoch hold. Auf Willhaben habe ich jemanden gefunden, der seine komplette MJ-Sammlung für gerade einmal 40 € loswerden wollte (50 € inklusive Versand). Da musste ich zuschlagen. Zwar war es nicht über das von Willhaben eingerichtete Payment-System, sondern ich habe demjenigen das Geld überwiesen und gehofft, ein Paket dafür zu erhalten. Doch die Chance konnte ich nicht vorbeiziehen lassen. Das kleine Risiko hat sich gelohnt. Ein paar Tage nachdem wir uns geeinigt hatten, er das Geld erhalten hatte und ich ihm meine Adresse gegeben hatte, hielt ich das Paket in Händen. Es war hervorragend verpackt. Ich dachte schon, ich bin vorsichtig und großzügig, was Verpackungsmaterial angeht, aber das hier war noch einmal ein Level höher.

Es waren ein paar Alben doppelt, dafür aber mit alternativen Covern. Jede Menge Singles und ein paar DVDs waren auch dabei. Auf einen Schlag habe ich also einen großen Teil meiner alten Sammlung wiederhergestellt. Und das auch noch zu einem exzellenten Preis. Ich bin sehr zufrieden damit und glücklich, diese CDs wieder im Regal stehen zu haben.

Dank eines neuen, günstigen, externen Laufwerks und entsprechender Software konnte ich die CDs auch gleich rippen (was genau ich dafür verwende, berichte ich in einem separaten Text). Natürlich kann man heutzutage alles bei Spotify, YouTube Music, Apple Music und Co. abrufen, jederzeit und überall. Aber es ist etwas anderes, wenn man die CDs zu Hause stehen hat, sich die Mühe gemacht hat, diese zu digitalisieren, und sie dann anhört. Das fängt bei der Qualität an. Ich kann die Songs lossless rippen. Zwar gibt es lossless bereits bei mehreren Anbietern, aber nicht alle Songs oder Alben sind in einem entsprechenden Format verfügbar. Und man geht bewusster mit der Musik um. Ich baue mir gerne eine neue Bibliothek an Musik auf. Aber bei einem Streaming-Anbieter mache ich mir diese Mühe nicht. Ich besitze die Musik nicht. Die Beziehung dazu ist eine andere.

Ich bin gespannt, wie dieses Experiment, zu dem ich mich dieses Jahr entschieden habe, weitergeht. Bisher sind nur jede Menge Michael-Jackson-Sachen in meiner Bibliothek und das Musical „Maria Theresia“ (das Album habe ich schon viel zu oft gehört, seit ich es gesehen habe; aber es ist einfach fantastisch). Ein paar weitere habe ich bestellt (gebraucht oder im Angebot). Ich beschäftige mich gerne damit und habe auch Klassiker geordert, die man gehört haben sollte. Vielleicht entdecke ich neue Favoriten und Sänger*innen, denen ich zuvor nie eine Chance gab.

Final Destination: Bloodlines

Einen der vorangegangenen Teile von »Final Destination« habe ich im Kino gesehen. Ich bin kein expliziter Horror-Fan oder dergleichen, aber gelegentlich setze ich doch gerne einen Fuß ins Genre. »Final Destination: Bloodlines« kam im Sommer 2025 raus, aber explizit ins Kino wollte ich dafür nicht gehen. Im Dezember war der Film dann bei Apple TV im Angebot, was eine gute Gelegenheit war, diesen nachzuholen. Immerhin hatte er gute Kritiken abgeräumt und scheint die vergangenen Teile aufzugreifen oder zusammenzuführen.

Die Geschichte ist klassisch für »Final Destination«. Zumindest von dem, was ich über das Franchise weiß. Besonders gefällt, dass die Kreativen hinter dem Film es verstehen, mit der Erwartungshaltung der Zuschauer*innen zu spielen. Was genau passiert mit dem abgebrochenen Stück Glas? Ist die Theorie der Protagonistin richtig? Wer hat diese Vision der Tode gehabt? Es ist immer wieder schön, falsch zu liegen. Besonders für mich, wo ich noch nicht so viele Teile des Franchise gesehen habe, wurde ich hervorragend unterhalten und immer wieder positiv überrascht. Es hat selten so viel Spaß gemacht, den Menschen beim Sterben zuzusehen.

»Final Destination: Bloodlines« ist brutaler, als ich es erwartet hatte, was nichts Schlechtes ist. Die Effekte und Tode sind toll inszeniert und sehen äußerst absurd, aber genauso realistisch aus. Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal so viel bei einem Film gelacht habe. Manche Szenen sind so überraschend plötzlich brutal, dass man nicht anders kann, als es lustig zu finden. Immer wieder wird auf Gegenstände gezoomt und man rätselt, wie damit der oder die Nächste umgebracht werden soll. Somit haftet diesen Filmen auch etwas Detektivisches an. Ist das der Reihe inhärent, dass sie zwar brutal sind, aber die Inszenierung der Tode auch humorvoll gemacht? Ich muss die anderen Teile unbedingt nachholen und es herausfinden. Ich weiß nur, dass ich mich schon bei dem Teil, den ich im Kino sah, hervorragend amüsiert hatte.

Scheinbar wird bereits am Nächsten gearbeitet, aber sie sollen sich ruhig Zeit lassen. Die Abfolge der Ereignisse und die Inszenierung der Tode sind unfassbar wichtig für diese Filme. Das sollte man nicht überstürzen. Man erkennt in dem Film eine Leidenschaft und Liebe zum Detail. Er wirkt handwerklich gut gemacht und praktische Effekte und CGI gehen mehr oder weniger nahtlos ineinander. Besonders die ständige Präsenz des Todes als Bösewicht, obwohl man ihn nie sieht, funktioniert exzellent. Auch das will gekonnt in eine Fortsetzung eingebaut werden. Gleichzeitig braucht es Charaktere, die man in der kurzen Zeit sympathisch findet und dadurch von ihrem plötzlichen Ableben schockiert ist. All das schafft »Final Destination: Bloodlines« mühelos.

Kleingedrucktes

Als ich das letzte Mal mit der Deutschen Bahn nach Stuttgart gefahren bin, habe ich mir eine Probe-BahnCard geklickt. Es war eine Aktion der DB und diese sollte für drei Monate gültig sein. Der Preis dieser speziellen Reise war nicht wirklich günstiger, aber eben auch nicht teurer. Und wäre ich nochmal nach Stuttgart oder anderswo hingefahren, hätte sie sich auf jeden Fall bezahlt gemacht. Ich hatte die Probe-BahnCard schon ganz vergessen. Erinnert wurde ich freundlicherweise von der Deutschen Bahn selbst.

Es kam nämlich die Rechnung für die BahnCard 25 herein geflattert, die ich doch bitte zahlen soll. Ich hatte anlässlich eines Geburtstags gerade die nächste Reise gebucht und mich im Zuge dessen auch mit der BahnCard beschäftigt. Mir war nicht bewusst, dass ich sie gekauft hatte. Meine Vermutung war, dass ich diese in den Warenkorb gelegt und dann mit der Reise mitgekauft hatte. Also ein Versehen. Kein Problem. Man kann die Bestellung einfach per Formular stornieren. Formular ausgefüllt, abgeschickt, erledigt.

Doch da kam die ernüchternde Nachricht, dass die BahnCard 25 erst Ende Januar 2027 storniert werden könne. Es war also keine neue Bestellung, sondern eine automatische Verlängerung der Probe-BahnCard. Ich habe nirgends gelesen, dass sie sich automatisch verlängern würde. Dann hätte ich das Angebot gar nicht erst wahrgenommen. Die Frist zur Kündigung (4 Wochen vor Ablauf) habe ich natürlich übersehen. Natürlich kommt die Rechnung ebenfalls nicht vor den vier Wochen, sodass man nicht mehr stornieren kann.

Nun bin ich gezwungenermaßen Besitzer einer BahnCard 25, habe meine aktuelle Reise selbstverständlich ohne diese gebucht, weil sie natürlich nicht automatisch berücksichtigt wird, und hoffe, dass sie sich im Laufe des Jahres bezahlt macht. Kundenfreundlichkeit geht anders. Warum kommt keine Erinnerung, dass sich die BahnCard automatisch verlängert? Warum wird nicht explizit darauf hingewiesen, dass sie sich überhaupt automatisch verlängert? Obacht bei Angeboten, die sich zu gut anhören. Irgendwie müssen sich solche Angebote für Firmen bezahlt machen. Dieses Mal war ich an der Reihe und bin reingetappt.

Das Gute ist, dass ich durch das Ausfüllen des Formulars diese BahnCard bereits storniert habe. Denn erneut wird nicht darauf hingewiesen, dass sie sich automatisch verlängert. Man kann es aus dem Kontext der Mail schließen, da ein Dokument für eine SEPA-Lastschrift beiliegt. Aber explizit steht nichts von einer Verlängerung drin. Auch auf der Rechnung selbst steht nichts. Das kann nicht in Ordnung sein. Das nächste Mal also wirklich genau hinsehen und kontrollieren, ob es irgendwelche Hinweise gibt, dass es sich um ein Abo handelt und nicht um eine einmalige Aktion.

Everything X-Men | Was ist ein Mutant? (Teil 2/2)

Es ist wieder so weit. Wie jede Woche werfen wir auch heute wieder einen Blick in die Vergangenheit. Und zwar in die Zeit meines Medienwissenschaftsstudiums. Damals habe ich für das sogenannte Projektstudium eine Textreihe über die X-Men-Comics geschrieben. Ich habe sowohl die Comics analysiert als auch Texte zu Themen geschrieben, die in diesen Ausgaben vorkamen. Das letzte Mal haben wir uns mit dem Thema Mutationen befasst.

Eigentlich hätte ich das Thema damals schon in zwei Teile aufteilen und getrennt voneinander behandeln sollen. Vergangene Woche war die biologische Seite dran. Diese Woche geht es um die literarische Seite. Welche Bücher wurden vor den X-Men veröffentlicht, die sich mit Mutationen auseinandergesetzt haben? Dienten sie vielleicht als Vorlage oder Inspiration für die Comics? Die Inhalte der Bücher lesen sich auf jeden Fall äußerst faszinierend und vielleicht muss ich sie tatsächlich noch einmal nachholen.

Bisher sind folgende Texte erschienen:


Werfen wir einen Blick auf die literarischen Ursprünge. Es gibt bestimmte Bücher, die größtenteils Anfang der 1950er Jahre erschienen sind und den X-Men sehr ähnlich sind. Zumindest was ihre Fähigkeiten und die Stellung in der Gesellschaft angeht. „Ob Lee und Kirby diese Werke gelesen haben, lässt sich nicht sagen, aber die Ähnlichkeiten sind signifikant.“ (Darowski, 2011)

Ich habe drei Beispiele, die immer wieder genannt werden, wenn man etwas über den Ursprung der X-Men liest. Ich muss leider sagen, dass ich die Bücher noch nicht gelesen habe. Deshalb werde ich nur einen kurzen Überblick geben. Um ehrlich zu sein, habe ich nicht allzu viele Kommentare oder Rezensionen darüber gelesen, weil ich mir nicht zu viel vorwegnehmen wollte – und ja, mir ist bewusst, dass diese Bücher über 60 Jahre alt sind.

  • Henry Kuttner & C. L. Moore: Mutant
    Das Buch erschien 1953, aber – wie auch bei „Children of the Atom“ – wurden die ersten Kapitel zunächst in der Zeitschrift „Astounding Science Fiction“ veröffentlicht. Das Buch enthält fünf Kapitel („The Piper’s Son“, „Beggars in Velvet“, „The Lion and the Unicorn“, „Three Blind Mice“ und „Humpty Dumpty“). Diese Kapitel erzählen verschiedene Geschichten derselben Figuren in verschiedenen Phasen ihrer Abenteuer. Die Beschreibungen des Inhalts klingen sehr vertraut und könnten leicht aus einem X-Men-Comic stammen. Einige der Mutanten in den Geschichten wollen beispielsweise friedlich leben, während andere die Menschheit vernichten wollen. Das klingt vertraut. Sofern ich das beurteilen kann, können die meisten Mutanten Gedanken lesen, und die Autoren „verwenden kursive Schrift und Absätze in Klammern, um telepathische Gespräche zwischen mehreren Personen effektiv zu vermitteln; eine der größten Stärken des Buches“ (Ferber, 2013).
  • Wilmar Shiras: Children of the Atom
    Dieses Buch wurde ebenfalls 1953 veröffentlicht. Wikipedia bezeichnet das Buch als eines der „bedeutendsten SF- und Fantasy-Bücher der letzten 50 Jahre, 1953–2002“. Leider ist die Quelle dafür nicht mehr verfügbar, aber es klingt faszinierend. Die beste Zusammenfassung, die ich finden konnte, stammt von Arthur Bangs. Er erwähnt auch die Ähnlichkeit der Geschichte mit den X-Men, deren erstes Abenteuer nur zehn Jahre später stattfand. Bangs (2005) schreibt: „Dies ist keine Superheldengeschichte, sondern eine Geschichte über begabte Kinder, die lernen, ihre Fähigkeiten zu verstehen und anzunehmen und ihr Gefühl der Isolation zu überwinden, indem sie sich zu einer Gemeinschaft zusammenschließen.“
  • A. E. van Vogt: Slan
    Dies ist der älteste Roman der drei; er erschien 1946. „Slans sind weiterentwickelte Menschen, benannt nach ihrem angeblichen Schöpfer Samuel Lann. Sie verfügen über die psychischen Fähigkeiten, Gedanken zu lesen, und sind überaus intelligent. Sie besitzen nahezu unbegrenzte Ausdauer, ‚Nerven aus Stahl‘ sowie überlegene Kraft und Geschwindigkeit. Wenn Slans krank oder schwer verletzt sind, fallen sie automatisch in eine heilende Trance.“ (Slan, o. J.)

Fazit

Es gibt viele Geschichten, insbesondere aus den 1940er- und 1950er-Jahren, die sich auf die eine oder andere Weise mit Mutationen befassen. Sie handeln von der Angst vor Atombomben und davon, wie diese andere Menschen beeinflussen könnten. Leider weiß ich nicht mehr, wo ich das gelesen habe, aber jemand sagte über diese Bücher, dass die meisten Kritiker sie heute nicht mögen, weil sie die Zukunft nicht richtig vorhergesagt haben. Das ist jedoch eine unfaire Aussage. Das Hauptziel von Science-Fiction-Büchern ist es nicht, dem Publikum die Zukunft zu beschreiben und genau aufzuzeigen, was in den nächsten zehn, zwanzig oder tausend Jahren passieren wird. Sie bieten eine Möglichkeit. Wie es sein könnte. Sie sind Warnungen oder Hoffnungsträger, beschäftigen sich mit Ängsten und Befürchtungen. Das ist die Kraft des Geschichtenerzählens.

Quellen

  • Arad, A. (Producer), & Singer, B. (Director). (2003). X-Men 2 [Motion Picture]. USA: Twentieth Century Fox.
  • Bangs, A. (October 23rd, 2005). sffworld.com | Children of the Atom by Wilmar Shiras.
  • Darowski, J. (2011). Reading The Uncanny X-Men: Gender, Race and the mutant metaphor in a popular narrative (doctoral dissertation).
  • Ferber, S. (April 15th, 2013). fantasyliterature.com | Mutant: Kuttner & Moore’s final novel.
  • ScienceClarified (n.d.) scienceclarified.com | Mutation – Real-life applications.
  • Slan. (n.d.) en.wikipedia.org
  • Norman, C. (2014). Mutating Metaphors: Addressing the Limits of Biological Narratives of Sexuality. In J.J. Darowski (Ed.), The Ages of the X-Men: Essays on the children of the atom in changing times (pp. 165–177). United States: McFarland & Company, Inc., Publishers.

Live-Streams

Ich schicke gleich mal voraus, dass es heute ein sehr nischiger und nerdiger Text wird. Es geht um Twitch, Gaming und Elden Ring sowie das Wesen des Streamings. Bis vor Kurzem war ich mir nicht sicher, ob ich den Text überhaupt schreiben soll, da er doch ein gewisses Wissen voraussetzt. Außerdem habe ich keinen direkten Punkt, den ich machen möchte, sondern eher eine Beobachtung, die ich schildern möchte. Ich gebe mir Mühe, es so gut es geht zu erklären. Grundsätzlich trifft das allerdings auch auf ein paar andere Texte zu. Immerhin schreibe ich täglich einen Text und decke dadurch ein sehr breites Spektrum an Themen ab. Was mir eben so unterkommt. Durch meine vielfältigen Interessen sind eben auch solche Texte dabei. Aber genug der Vorrede.

Jedenfalls verfolge ich seit ein paar Monaten regelmäßig den YouTuber und Twitch-Streamer »Jack_Fromsoft«. Sein Steckenpferd sind Soulslikes, insbesondere natürlich die Originale von FromSoftware und das 2022 erschienene »Elden Ring«. Ende letzten Jahres startete er eine der wohl schwierigsten Herausforderungen: die French-Challenge. Randomizer, also Mods (Modifikationen für Spiele, die von anderen Spielern programmiert werden), die wahlweise Items und/oder Gegner zufällig austauschen und in der Spielwelt platzieren, sind ein beliebter Sport bei Streamern. Doch die French-Challenge setzt noch einen obendrauf. Es sind alle Items und Gegner/Bosse randomisiert, Gegenstände, die man aufhebt (Waffen, Rüstungen, Talismane und so weiter), werden automatisch ausgerüstet und man ist gezwungen, damit weiterzumachen. Außerdem darf man nicht sterben, bis man alle 207 Bosse von Elden Ring besiegt hat.

Jack_Fromsoft hat die Herausforderung nun genommen und etwas modifiziert und daraus die Austro-Challenge gemacht. Das finde ich äußerst sympathisch. Er hat es sich dabei zwar etwas schwerer gemacht als notwendig, aber ich mag es, wenn sich Streamer nicht immer punktgenau an irgendwelche Vorgaben halten, sondern die Regeln für sich anpassen. Das macht das Ganze etwas spannender und individueller. Es gibt genügend Herausforderungen, an denen man sich messen kann, da darf es zwischenzeitlich auch mal was anderes sein. Vergangene Woche habe ich jeden Tag mehrere Stunden damit verbracht, Jack_Fromsoft bei dieser Herausforderung zuzusehen. Mehr als ich es sonst mache.

Es war allerdings furchtbar spannend. Durch den Randomizer entstehen immer wieder kinoreife Momente, Kämpfe, die man nicht erwartet, spannende Situationen – es ist einfach unfassbar, guter Content und sehr unterhaltsam. Spoiler: Er hat es in der Nacht von Samstag auf Sonntag doch tatsächlich geschafft. Eine unfassbare Leistung. Aber es derart intensiv über vier Tage zu verfolgen, war dann doch anstrengender als vermutet. Mir ist noch einmal deutlicher bewusst geworden, dass Streams doch eine andere Form des Konsums sind als Filme oder Serien. Man schaut zwar in beiden Fällen passiv etwas an, aber psychologisch passiert etwas anderes.

Ich weiß nicht, woran es liegt. Gibt es Untersuchungen zu dem Thema? Beispielsweise ist der Entspannungseffekt beim Schauen von Streams nicht so groß wie bei Filmen oder Serien. In all diesen Fällen fiebere ich mit den Charakteren oder dem Streamer/der Streamerin mit, aber es ist doch anders. Mir fällt es schwer, den Finger darauf zu legen, was es ist. Liegt es an der ungewissen Dauer? Eine Folge einer Serie oder ein Film hat eine definierte Länge, ein Stream kann sehr lange dauern und man muss sich vielleicht selbst überwinden, einfach abzuschalten. Liegt es an den Kommentaren, seien es die vom Streamer oder die von den Zuschauer*innen? Sind es die Spiele selbst, die es anstrengend machen? Diesen Effekt stelle ich bei allen Stream*innen fest, die ich gerne schaue. Es ist faszinierend, zu beobachten. Vielleicht liegt es auch an mir. Vielleicht bin ich das Problem. Das ist natürlich niemals auszuschließen. Vielleicht habe ich irgendwann den richtigen synaptischen Kurzschluss. Erst einmal wollte ich diese Beobachtung einfach festhalten. Manchmal passiert alleine schon durch das Aufschreiben etwas im Gehirn. Lassen wir uns überraschen.

Valhalla

Valhalla ist die einfache Bezeichnung eines Spiels, das ich den Dezember über gespielt habe. Eigentlich heißt es »VA-11 Hall-A – Cyberpunk Bartender Action«. Dahinter verbirgt sich ein schon etwas älteres Spiel, das manche aber traditionell im Dezember zu spielen scheinen, da die Handlung genau zu der Zeit stattfindet. Man spielt Jill, eine Kellnerin in einer etwas heruntergekommenen, aber durchaus netten Bar. Man hat nur eine Sicht, und zwar von der Bar aus ins Lokal, und bedient die hereinkommenden Kund*innen. Kernaufgabe ist es, die Bestellungen zu mischen und ansonsten viel mit ihnen zu reden. Was man eben so als Kellnerin macht. Es arbeitet noch der mysteriöse Gillian in der Bar, und unsere Chefin ist Dana, die wir im Laufe des Spiels ebenfalls besser kennenlernen.

Valhalla besteht aus drei Bestandteilen. Zum einen gibt es den Prolog, eine Demo mit dem Titel »Anna« und dann das eigentliche Spiel. Man startet am 9. Dezember und wenn man jeden Tag ein Kapitel spielt, ist das Finale am 31. Dezember. Eigentlich eine schöne Tradition. Doch mir wurde es offen gestanden zu viel. Ich habe am Ende mehrere Tage auf einmal gespielt und wollte zum Ende kommen. Denn das Spiel hat für mich ein Problem: Es ist zu lang. Knapp 12 Stunden hat der erste Durchlauf gedauert. Dabei habe ich aber nicht alle Dialoge gelesen oder mich mit allen Charakteren eingehend auseinandergesetzt. Es gibt außerdem ein New-Game-Plus, wo man sich noch mehr Dinge erarbeiten und Musik freischalten kann. Denn am Beginn jeder Schicht in der Bar steht man an der Jukebox und legt eine Playlist für den Abend fest. Eine äußerst charmante Idee.

Die Charaktere selbst sind großartig geschrieben. Das komplette Spiel findet in der Bar statt, man verlässt quasi diese Location nicht. Man hat nur eine fixe Sicht in die Bar hinein, von der aus man die Menschen und Roboter (die hier Lillim genannt werden) bedient. Zwischen den Schichten ist man zu Hause, doch auch hier hat man nur eine fixe Sicht auf die Wohnung. Man kann jeden Tag drei kurze Nachrichten lesen und ist in Formen unterwegs, die noch etwas mehr Einblicke geben, was in dieser Welt passiert und was unserer Protagonistin wichtig ist. Den Rest erfährt man ausschließlich durch die Dialoge in der Bar.

Die Dialoge sind pointiert geschrieben. Vom ersten Moment an war ich gefesselt von den unterschiedlichen Charakteren, die die Bar besuchen. Jede*r bringt eine eigene Geschichte mit. Die Charaktere wirken dreidimensional und so, als hätten sie tatsächlich ein Leben außerhalb dieser Bar. Sie kommen, um mit Jill zu reden oder einfach ein Bier zu genießen. Dadurch lernt man mit der Zeit nicht nur die Menschen besser kennen, sondern hat auch eine sehr gute Vorstellung dieser Cyberpunk-Welt im Allgemeinen. Es ist erstaunlich, wie viel Worldbuilding möglich ist, wenn man sich mit den Dialogen Mühe gibt.

Ich bin froh, Valhalla eine Chance gegeben zu haben. Ein nettes, kleines Spiel, und ich kann nur empfehlen, es im Laufe des Dezembers zu spielen. Jeden Abend eine halbe oder dreiviertel Stunde eine Schicht in der Bar zu verbringen und mit den Gästen zu reden, hat etwas Entspannendes und sie werden ein kleiner Teil des eigenen Alltags.