MCU Rewatch | Guardians of the Galaxy Vol. 2

Auf ein Wiedersehen mit Guardians of the Galaxy Vol. 2 habe ich mich nicht wirklich gefreut. Zwar habe ich ihn seit dem Kino-Release damals nicht mehr gesehen, trotzdem sind die Erinnerungen, die ich daran habe, nicht gut. Vor allem die Sprüche von Drax sind mir sehr sauer aufgestoßen damals und haben sich in mein Gedächtnis gebrannt. Sie überschatten den Rest des Films. Doch vielleicht sollte mich, wie schon die Filme zuvor, Guardians of the Galaxy Vol. 2 ebenfalls zu überraschen wissen.

Der Film ist gleichzeitig besser und schlechter, als ich ihn in Erinnerung habe. Die Geschichte rund um Peter und seinen Vater funktioniert für mich einwandfrei. Es ist nachvollziehbar, dass Ego so lange nach seinem Sohn gesucht hat und die anfängliche Täuschung ist clever gemacht. Vor allem, wenn man Egos Geschichte aufmerksam lauscht, merkt man einige Ungereimtheiten daran. Woher wusste er beispielsweise, wie Menschen aussehen und konnte seine physische Repräsentation danach formen, wenn er doch noch keinem anderen Wesen zuvor begegnet ist? Außerdem ist natürlich Mantis Verhalten ein Indiz dafür, dass etwas nicht stimmen kann. Aber dazu gleich mehr.

Doch die Höhepunkte des Films sind für mich allerdings eher die Nebenschauplätze als Peters Geschichte. Wir haben Gamora und ihre Schwester Nebula. Letztere versucht immer noch die andere zu töten und Rache dafür zu nehmen, was alles in ihrer Kindheit falsch gelaufen ist. Thanos hat in diesem Konflikt eine unfassbare Präsenz, wenngleich man ihn nie zu Gesicht bekommt. Sein Ruf wird so weiter ausgebaut und er bleibt dadurch ein unbeschreibliches Böses. Zum Glück wissen wir, dass Marvel es gelingt, dieses Versprechen eines erbarmungslosen Bösewichts einzulösen. Vor allem, weil er glaubt, das Richtige zu tun, wirken seine Handlungen noch grausamer.

Der Konflikt zwischen Gamora und Nebula löst sich zwar etwas zu schnell auf, doch wir kennen die Charaktere schon aus dem vorherigen Film und es bleibt nachvollziehbar. Trotzdem muss man als Zuschauer*in so einige Lücken selbst füllen oder eben mit dem Flow der Handlung mitgehen. Beide waren Kinder und haben nur getan, was ein grausamer Vater von ihnen verlangt hat. Sie haben ums Überleben gekämpft, nur Nebula hat dafür einen brutalen Preis bezahlen müssen. Deshalb ist es schön, sie nun auf derselben Seite kämpfen zu müssen.

Der zweite Nebenschauplatz findet zwischen Yondu, Rocket und Groot statt. Yondu, der seine Crew verliert und versucht Buße zu tun. Rocket, der Angst davor hat, seine neue Familie zu verlieren und sie deshalb in einer Tour beleidigt und von sich wegstößt, um eine Enttäuschung, wenn sie ihn doch fallen lassen, zu mildern. Groot ist gewissermaßen noch ein Baby in dem Film und lernt erst so richtig mit seinen Kräften umzugehen und versteht nicht unbedingt, was man ihm sagt. Ihm gehören die lustigsten Momente im Film. Dass gerade Rocket und Yondu ein tolles Team abgeben würden, hätte ich mir nicht gedacht, doch der Ausbruch aus dem Gefängnis, wenn man so will, ist einfach fantastisch inszeniert. Die Macht von Yondus Waffe wird immer wieder toll in Szene gesetzt.

Man merkt auch, wie wichtig Yondu die Ravagers sind. Die Interaktionen auf dem Basis-Planeten der Gruppe (oder wo sie einen Zwischenstopp machen), zeigen dies eindeutig. Doch er lässt sich von arbiträren Regeln nicht in die Irre führen. Er hat seinen eigenen moralischen Kompass und versucht so, seine vergangenen Fehler wiedergutzumachen. Damit hat er angefangen, als er Peter nicht zu seinem Vater gebracht hat. Das muss schließlich auch Peter einsehen. Yondus Opfer am Ende gehört zu den bewegendsten Momenten des MCU und hat mich auch bei diesem Rewatch wieder kalt erwischt.

Leider sind die großartigen Momente in dem Film, von denen es tatsächlich einige gibt, immer wieder überschattet von Drax Verhalten gegenüber Mantis. Ich habe nach Kritiken und Beiträgen gesucht, die dieses Thema behandeln, viele gibt es bedauerlicherweise nicht. Es ist schlicht ein misogynes Verhalten. Anders kann man es nicht bezeichnen und ich verstehe nicht, warum es im Film ist. Mantis wurde als Kind oder Baby von Ego entführt, hatte nie Kontakt mit anderen, wurde ihr Leben lang unterdrückt und ausgenutzt. Dann kommt Drax daher und bezeichnet sie als hässlich, würgt sogar in einer Szene und redet ihr schlecht zu, wenn sie die Guardians retten soll. Am Ende wird sie sogar K.-o.-geschlagen und von Drax vom Schlachtfeld getragen. Mantis ist buchstäblich ein punching-bag in dem Film und ich weiß nicht warum.

Sie ist grundsätzlich ein cooler Charakter und hätte eine bessere Story-Arc verdient. Immerhin lehnt sie sich gegen ihren „Meister“ auf und schließt sich Fremden an, die sie nicht kennt, um gegen Ego zu kämpfen. Sie will sich selbst befreien. Es ist toll und hätte ein wirklich heroisches Ende für sie sein können, endlich in Freiheit selbst zu entscheiden, sich den Guardians anzuschließen. Selbst ihre Kräfte sind ein passender Gegensatz zum Rest der Charaktere. Sie ist in den Comics zwar ein Martial Arts Profi, was sie hier bislang nicht wirklich zeigen konnte, aber ihre empathischen Kräfte kann sie unter Beweis stellen. Man hätte mehr damit machen können. Sie im Finale beispielsweise mit Groot zusammenbringen. So hätten die beiden Underdogs, die alle wahrscheinlich unterschätzen, den Tag retten können. So war es nur Groot. Eine wirklich verpasste Chance.

Leider sind die diskriminierenden Kommentare über den ganzen Film verteilt und überschatten so immer wieder tolle Szenen. Man kann es jetzt gerne versuchen, mit dem Hintergrund von Drax und wie sein Volk die Dinge sieht zu erklären. Doch sind das auch Filme für Kinder und die sehen nur, dass ein Mann eine schlanke, durchtrainierte, hübsche Frau als hässlich beschimpft und niemand etwas dagegen tut. Nur Gamora versucht halbherzig dagegen vorzugehen, aber das verschwindet schnell wieder. Drax Verhalten wird weder wirklich erklärt, noch in die Schranken gewiesen. Marvel versucht immer wieder Regisseurinnen und Autorinnen hineinzureden und Dinge zu ändern, damit sie in ihr Konzept passen, aber so etwas lassen sie einfach stehen. Schade. Guardians of the Galaxy Vol. 2 hätte ein wirklich grandioser Film sein können, quasi ein Empire Strikes Back für die Guardians. So bleibt stets ein fahler Beigeschmack zurück.

Formate Wirrwarr

Ich teste gerade verschiedene Pocket Notebooks. Genauer gesagt, werde ich diese noch eine ganze Zeit lang ausprobieren. Ich habe mir nämlich verschiedene Marken zugelegt, um herauszufinden, welches Papier und welches Format mir am besten passen. Papier ist klar. Jeder Hersteller verwendet eventuell andere Zulieferer, produziert vielleicht sogar selbst und es kann Unterschiede in der Qualität und Schwere geben, als auch im Aufbau der kleinen Notizbücher. Die Formate sind allerdings durchaus frustrierend, wenn man sich mit mehr als einem Hersteller auseinandersetzt.

Im Bild unten sind die Marken Moleskin, Leuchtturm und Roterfaden abgebildet. Die Variante eines Pocket Notebooks von Leuchtturm kommt einmal mit knapp über 55 Seiten und einmal als kleines Notizbuch. Das Gute an Leuchtturm ist, sie nummerieren die Seiten, haben ein kleines Inhaltsverzeichnis und geben die Formate in den DIN-Größen an. Die kleinen entsprechen also dem Format A6. Roterfaden und Moleskin arbeiten mit Small, Medium und Large, sowie ein paar Größen dazwischen. Natürlich decken diese sich nicht untereinander, sondern sind verschieden breit oder hoch. Im Regal sieht das später natürlich furchtbar aus, wenn jeder Monat ein anderes Format hat, aber das ist der Perfektionist in mir und wird erstmal unterdrückt.

Ich dachte eigentlich, der Sinn von DIN-Größen wäre, dass wir uns auf Formate geeinigt hätten, die funktionieren. A4, A5 und A6 sind tolle Formate und haben alle für sich genommen, ihre Vor- und Nachteile. Moleskin müsste sich nicht noch eigene ausdenken. Natürlich gibt es noch die amerikanischen Größen, aber die werden hier einfach gekonnt ausgeklammert. Für Europa erwarte ich mir DIN-Formate. Mal sehen, ob ich im Laufe der nächsten Monate noch mehr entdecke.

Ich mag mein Pocket Notebook inzwischen nicht mehr als mein EDC (Every Day Carry) missen. Sie sind klein, es ist ein tolles Format und ich kann es perfekt für eine Art Bullet Journal to go verwenden. Ziel oder besser gesagt am wahrscheinlichsten ist es, pro Monat etwa eines zu benötigen. Ob das aufgeht, wird sich zeigen. Aber mit der »8 critical tasks« Methode, die ich für mich etwas angepasst habe, bin ich im Moment äußerst zufrieden. Aktuell bin ich noch auf der Suche nach einem kleinen faltbaren Jahreskalender, den ich in die rückseitige Tasche, die die meisten Pocket Notebooks haben, stecken und ebenfalls bei mir tragen kann. Ich mag es gerne, eine Jahresübersicht zu haben und auf einen Blick zu sehen, was auf mich zukommt und dieses Jahr noch so ansteht. Mal sehen, ob ich etwas Zufriedenstellendes finde. Doch auch hier sind die meisten Formate etwas größer als A6 und somit eher unbrauchbar. Trotzdem sind Pocket Notebooks auf jeden Fall einen Blick wert, wenn man immer etwas zu schreiben mithaben möchte und nicht dauernd auf das Smartphone starren will.

Geek-Planet: Inside Out

Wie jeden Donnerstag werfen wir auch heute wieder einen Blick in die Vergangenheit meines Blogger-Daseins. Am 08. November 2015 erschien der folgende Text auf meinem damaligen Blog »Geek-Planet«, den es heute nicht mehr gibt. Trotzdem möchte ich alle meine Texte auf einer Webseite vereint wissen.

Da spekuliere ich vor knapp neun Jahren über einen zweiten Teil und schon ist dieser in den Kinos. Genauer gesagt war dieser in den Kinos und das gar nicht mal so unerfolgreich. Zu dem Zeitpunkt, wo ich diesen Text hier schreibe, habe ich die Fortsetzung leider noch nicht gesehen. Nach der Lektüre des alten Textes und meiner damaligen Begeisterung für den ersten Teil muss ich den zweiten allerdings bald nachholen. Auf den Streaming-Plattformen wird es doch sicher ein entsprechendes Bundle im Angebot geben.


Pixar gehört definitiv zu den besten Animationsstudios unserer Zeit. Konstant liefern sie einen Hit nach dem anderen. Nachdem sie sich eine Pause gegönnt haben, kehren sie dieses Jahr mit gleich zwei Filmen in die Kinos zurück. Den Anfang macht Inside Out. Nach den Trailern zu urteilen, möchte dieser Film in einem äußerst ambitionierten Versuch nicht weniger als das Leben selbst erklären. Ist ihnen das gelungen?

“Crying helps me slow down and obsess over the weight of life’s problems.” – Sadness

  • Regie: Pete Docter
  • Drehbuch: Pete Docter, Meg LeFauve, Josh Cooley
  • Produktion: Jonas Rivera
  • Musik: Michael Giacchino
  • Schnitt: Kevin Nolting
  • Cast: Amy Poehler, Phyllis Smith, Bill Hader, Lewis Black, Mindy Kaling

Die grundlegende Geschichte von Inside Out ist sehr einfach gestrickt. Diese dreht sich um das Mädchen Riley und ihre Familie. Sie ist ein aufgewecktes fröhliches Kind, hat viele Freunde, Spaß beim Hockey spielen und scheint ein perfektes Leben zu führen. Doch dann kommt ein Umzug und ihre ganze Welt bricht zusammen. Diese simple Prämisse erlaubt es, eine zweite, komplexere Geschichte in Gang zu treten, welche sich in Rileys Kopf abspielt. Dabei scheint jeder Mensch fünf Basisemotionen zu besitzen, deren Mischung, ähnlich dem Farbspektrum, zu einem Kaleidoskop an Gefühlen führt. Diese fünf Basisemotionen sind: Joy (Freude), Sadness (Traurigkeit), Anger (Zorn), Fear (Angst) und Disgust (Abscheu).

Pixar gelingt es, mit einfachen Mitteln die Funktion des Gehirns zu erläutern, sodass es wirklich jeder versteht und es Spaß macht, mehr davon zu entdecken. Angefangen von den tagtäglichen Erinnerungen, die wir uns aneignen und von denen viele ins Langzeitgedächtnis wandern, hin zum Vergessen von Unwichtigem oder nicht Relevantem, ist alles dabei. Es wird erläutert, dass sich unsere Persönlichkeit aus vielen verschiedenen Aspekten aufbaut und immer wieder neue hinzukommen können, sei es durch Lernen, Erfahrung oder ähnliche Dinge. Natürlich darf nicht vergessen werden, dass wir im Schlaf das Erlebte weiter verarbeiten.

Die Welt von Inside Out ist bunt, detailliert, fantasievoll und wunderbar ausgearbeitet. Alles hat eine logische Funktion und ich komme nicht umhin, immer mal wieder zu denken: Was würde sich wohl gerade in meinem Kopf abspielen? Allein dass die Macher es geschafft haben, mich emotional so sehr zu berühren, dass ich mir weiterhin Gedanken darüber mache, nicht nur wie der Film war, sondern darüber, wie mein Leben davon betroffen sein könnte, verdient großen Respekt.

Der Film schafft »awareness«, wie es im Englischen so schön heißt. Eine Art bewusst werden der eigenen Existenz und des eigenen Lebens. Ich stelle mir die Frage, welche Ereignisse an diesem Tag es wert sind, ins Langzeitgedächtnis gespeichert zu werden. Genieße ich das Leben tatsächlich in vollen Zügen? Was kann ich machen, um noch mehr herauszuholen? Vielleicht berührt mich der Film im Moment deswegen so sehr, da ich selbst gerade eine große Veränderung durchmache. Ich bin von zu Hause ausgezogen, um in Tübingen zu studieren, und dies liegt doch über 400 km weit entfernt und deshalb kann ich mich mit Riley umso besser identifizieren. Doch auch wenn ihr nicht gerade umzieht oder eine große Veränderung durchmacht, kann man aus dem Film etwas lernen, da er etwas Alltägliches so gefühlvoll und tiefgreifend erläutert, wie ich es selten gesehen habe.

Die vielschichtige Achterbahnfahrt der Gefühle bringt einem bei, die Erinnerungen und Ereignisse eines Tages nicht nur aus einer Perspektive zu betrachten. Natürlich möchten wir alle, dass nur Joy am Steuer sitzt, doch das Leben besteht nicht nur aus Positivem. Auch das Negative muss man erfahren, damit man daraus lernen kann. Wobei „negativ“ wahrscheinlich etwas Falsches suggeriert, denn Sadness oder Anger sind keine negativen Gefühle per se. Inside Out zeigt, dass alle Gefühle ihre Daseinsberechtigung haben und zum Beispiel Sadness nicht weggesperrt oder ignoriert werden darf.

Doch nicht nur die Geschichte des Films ist fantastisch. Auch alle anderen Aspekte des Films passen wundervoll zusammen: die bereits erwähnten Animationen entführen uns in eine Welt, die man gerne selbst entdecken möchte. Die Stimmen der einzelnen Protagonisten sind exzellent gewählt und lassen keine Wünsche offen. Auch die Musik, das Editing – alles fügt sich zusammen wie die einzelnen Teile eines Puzzles.

Da fällt mir ein, dass es in dem Film nicht den klassischen Bösewicht gibt. Ein Bösewicht, der sich gegen unsere Protagonisten stellt und ihre Pläne vereiteln möchte. Dies ist äußerst erfrischend zu beobachten, denn normalerweise hat man immer jemanden, der nur auf seine eigenen Interessen achtet und diese in jedem Fall durchsetzen möchte. Ich begrüße dessen Abwesenheit sehr. Alle ziehen an einem Strang und wollen die Herausforderungen, die vor ihnen liegen, lösen.

Den Machern ist es gelungen, eine Welt aufzubauen, in der ich gerne mehr Zeit verbringen würde. Sie erläutern unser Dasein mit so einfachen, doch effektiven Mitteln, dass ich nichts anderes als großen Respekt davor haben kann. Ich kann nicht sagen, ob es gut wäre, die Geschichte mit einem zweiten Teil fortzuführen, da der erste so perfekt ist. Die lustigen Dialoge und die witzigen Situationen, in die sich unsere innersten Gefühle verstricken, sind es wert, immer wieder angesehen zu werden, und wenn den Autor*innen ein Weg einfällt, dies so fortzusetzen, bin ich gerne wieder dabei. Besonders deswegen, weil Rileys Pubertät ansteht und dies sicher zu vielen interessanten und humoristischen Geschehnissen führt.

Plauderei in Textform

Mir ist aufgefallen, dass ich in letzter Zeit zu längeren Texten neige. Aus Neugier habe ich mir die Statistik aus dem Februar angesehen. Wie sich herausstellt, schrieb ich beispielsweise im Februar 39 Texte, die im Durchschnitt knapp über 800 Worte haben. Das ist an sich eine coole Leistung, doch geht es etwas am Grundgedanken dieses täglichen Blogs vorbei. Denn es sollten sowohl Texte mit eintausend Worten Platz finden als welche mit zweihundert. Vielfalt und Abwechslung sind mir wichtig. Ein Sammelsurium an Gedanken zu allen möglichen Themen.

Die Themenvielfalt ist mir, denke ich, gelungen und gelingt mir weiterhin. Kurze Texte finden demnächst also wieder vermehrt Platz. Schriftstücke, die schneller zum Punkt kommen. Es ist schön, vorproduzieren zu können, doch sollte ein täglicher Blog seine Aktualität nicht verlieren. Denn das war mein Hauptanliegen, als ich dieses Projekt vor knapp eineinhalb Jahren gestartet habe. Täglich zu schreiben. Wenn ich mehr Zeit habe und entsprechende Muße, kann es natürlich ein ausführlicherer Text sein. In den vergangenen Wochen sind die Schreibsessions aber eher Richtung Wochenende gewandert und haben entsprechend viel Platz eingenommen. Dort hatte ich die Ruhe und die Zeit, mich intensiver mit Themen zu befassen.

Ich möchte zukünftig also einen guten Mittelweg gehen. Natürlich tragen die aktuellen Rewatch-Projekte rund ums MCU, Supernatural und Charmed ebenso dazu bei, dass es wortreichere Texte werden. Doch auch dort kann ich mir etwas mehr Mühe geben, meine Punkte prägnanter zusammenzufassen und nicht ausufernd zu werden. Ebenso ist interessant, wie mit der Zeit die eigenen Ansprüche unbewusst wachsen. Denn wenn ich an einem Tag 500 Worte geschrieben habe, kann es am nächsten natürlich nicht weniger sein. Manchmal reicht es, nur Gedankenanstöße mitzugeben. Zudem habe ich in jüngster Vergangenheit kurze YouTube-Videos gelobt, die schnell zum Punkt kommen und nicht meine Zeit mit Belanglosem verschwenden. Da muss ich in Textform natürlich mit gutem Beispiel vorangehen.

Fundstücke

Letztens war es mal wieder an der Zeit, den Kühlschrank auf- und vor allem auszuräumen. Normalerweise brauche ich das meiste auf, bevor es schlecht wird und vieles hält sowieso länger, als das Mindesthaltbarkeitsdatum vermuten lässt. Trotzdem rutscht einem manchmal etwas durch die Finger. So musste ich überrascht feststellen, dass eine Zuckermelone wohl schon deutlich über ihren Reifegrad hinaus von mir gelagert wurde. Der findige Freund der Melone erkennt dies leicht durch die Beobachtung, dass sich an den Rändern besagter Melone nicht nur weiße Stellen befinden, die flauschiger Natur sein könnten, sondern ebenso schwarze Stellen sich dazugesellt haben. Zum Glück war die Melone in einer Frischhaltefolie verpackt. Ein ironischer Name, bedenkt man den Zustand der Frucht, aber selbst die Folie gibt irgendwann auf und verweigert den Dienst.

Wie es dazu kam, dass eine einfache Melone versuchte, neues Leben in meinem Kühlschrank zu züchten, kann ich offen gestanden nicht mehr sagen. Ebenso wenig, wie ich sagen kann, wann die Melone den Weg in den Kühlschrank fand. Der dazu passende Prosciutto wurde jedenfalls schon lange zuvor anderweitig verarbeitet. Manchmal verliert man allerdings den Inhalt des Kühlschranks etwas aus den Augen. Sei es, weil man einfach nicht dazu kommt, bestimmte Speisen zuzubereiten, beschäftigt ist und somit auf gewohntes Essen zurückgreift oder eine Kombination an verschiedenen Umständen.

Die Entdeckung der Melone führte schließlich dazu, dass ich den Kühlschrank mal wieder genauer inspizierte und alles entsorgte, was ich nicht mehr essen würde. Sei es, weil die Packung sowieso fast leer war und man (also ich) es nicht mehr aufbrauchen würde, weil es ebenso eine unbestimmte Zeitspanne im Kühlschrank zubrachte, oder es die Melone zu imitieren und neues Leben zu schaffen versuchte. Was mich bei manchen Dingen wirklich überrascht hat. Beispielsweise bei dem äußerst leckeren und sehr empfehlenswerten Efko Karotten-Sellerie-Salat. Normalerweise hält dieser nach dem ersten Öffnen einige Zeit, dieses Mal allerdings nicht. Und wer kennt nicht die quasi-leeren Marmeladengläser.

Vor längerer Zeit habe ich mir von der Apotheke Weingeist besorgt, um beim Tausch der Fliegengitter die Klebereste der Vorgänger von den Fenstern zu entfernen. Diese tolle Flüssigkeit habe ich nun ebenso genutzt, um die Regale und Schubladen des Kühlschranks zu desinfizieren und zu säubern. Die ganze Aktion hat nicht lange gedauert, aber es war zum einen bitter nötig und zum anderen hatte ich danach wieder einen wunderbaren Überblick über den Inhalt meines Kühlschranks. Ich habe die schlechte Angewohnheit, aus dem Supermarkt Dinge mitzunehmen, von denen ich glaube, dass sie bald ausgehen würden. Nicht selten enden solche Aktionen damit, dass ich gut 30 Eier im Kühlschrank habe oder eine vielfältige Auswahl an Cottage Cheese. Einen Überblick zu haben, hilft dabei ungemein. Und sich wirklich an den Einkaufszettel zu halten natürlich ebenso.

Die Einsiedelei

Kloster Blaubrunn ist das nächste große Projekt von BlueBrixx. Nachdem sich Burg Blaustein langsam dem Ende nähert (vermute ich mal, vielleicht wird es auch ein 50k Teile umfassendes Monster, das man sich irgendwann auf den Fußboden stellen muss) war es nur eine Frage der Zeit, bis das nächste Projekt kommt. Nun wissen wir, es wird ein Kloster. Wie groß und umfangreich das wird, weiß noch niemand, aber wenn es ähnlich erfolgreich wird wie Burg Blaustein, muss ich meiner Wohnung wohl einen Westflügel anhängen.

Die ersten Sets von Kloster Blaubrunn sind bereits erschienen. Diese bestehen aus der Kapelle und der Einsiedelei. Zwei getrennte Sets, die man allerdings miteinander verbinden kann. Auch die ersten Erweiterungen dieser Sets sind noch getrennt voneinander. Jedoch werden sie wohl irgendwann zusammenwachsen müssen, wenn eine große Klosteranlage daraus entstehen soll. Ich bin äußerst neugierig, wie es hier weitergeht. Nachdem ich bereits die Kapelle aufgebaut habe und sich der Bauspaß etwas in Grenzen gehalten hatte, was dem symmetrischen Aufbau der Kapelle und den damit oft wiederholenden Bauschritten geschuldet war, freute ich mich auf die Einsiedelei.

Tatsächlich ist der Bauspaß hier um einiges größer. Man beginnt mit dem Bau der Grundplatte, wie es bereits bei der Kapelle der Fall ist. Anschließend wird das Gebäude gebaut. Das ist insofern interessant, als das Gebäude schräg in die Umgebung eingefügt wird, was man nicht oft zu sehen bekommt. Klemmbausteine bestechen durch rechte Winkel und Ecken, da ist es schwierig, irgendwo andere Winkel unterzubringen. Aber es gelingt dem Team von BlueBrixx auf eine nachvollziehbare Art, die Einsiedelei entsprechend in die Umgebung einzubetten. Die Einsiedelei selbst besteht aus zwei Räumen: dem Essens- oder Aufenthaltsraum und einem Schlafsaal für die aktuell vier Mönche. Schließlich kommt noch das geteilte Dach drauf, welches erneut durch eine spannende Bauweise besticht. Wie es scheint, meint es BlueBrixx ernst damit, dass jedes Dach etwas anders gebaut wird.

Als Letztes kümmert man sich um die Umgebung, die Verzierungen, Bäume, Sträucher und einen kleinen Steinbruch beinhaltet. Die Bäume sind einzigartig in ihrer Konstruktion und habe ich so in noch keinem Set gesehen. Durch die dichte Flora wirkt es tatsächlich so, als hätten sich die Mönche irgendwo im Wald dazu entschlossen, dass hier ein Kloster entstehen soll. Irgendwann kommen die Menschen schon nach und es wird sich ein kleines Dorf darum versammeln. Es passt hervorragend zur Kapelle. Zwar halte ich die beiden Gebäude noch getrennt und werde sie erst später, mit den kommenden Erweiterungen miteinander verbinden, aber schon jetzt sieht es großartig aus.

Von der Bauweise her bin ich dem neuen Konzept vorsichtig angetan. Die Wände werden nämlich nicht von vornherein ineinander gebaut und verkeilt, wenn man es so bezeichnen möchte, sondern man baut immer wieder einzelne Wandstücke. Diese verbindet man zwar oben mit Platten, sodass sie stabil stehen, doch es bleiben einzelne Wandstücke. Damit ist es weniger kleinteilig als Burg Blaustein. Im Produktvideo wurde dies damit begründet, dass man dadurch weniger Dinge zerlegen muss, als bei Burg Blaustein, da es von Anfang an als großes Kloster konzipiert wurde. Ob das Konzept am Ende aufgeht oder es etwas vom Bauspaß nimmt, wenn man so lange in die Zukunft plant, muss sich erst noch zeigen. Ich hoffe nur, dass die Detailverliebtheit und Realitätstreue diesem Konzept nicht zum Opfer fallen. Es ist eine neue, andere Herangehensweise, als an Burg Blaustein und ich bin gerne bereit, diese Reise mitzugehen und das Experiment zu wagen.

Das Ergebnis kann sich durchaus sehen lassen. Die Einsiedelei ist ein schönes Set und da es sich um ein BlueBrixx-Pro handelt, sind Figuren dabei, die das Ganze etwas mit Leben füllen. Allerdings fehlen mir Tiere, die es sicherlich in diesem Wald ebenso gegeben hat und die sich die neuen Nachbarn eventuell ansehen möchten. Vielleicht kommen diese mit den zukünftigen Erweiterungen noch dazu. Apropos Figuren: Ich warte ja noch immer mit Spannung darauf, dass spezielle Figurensets für Burg Blaustein erscheinen; mit schönen Metallic-Waffen und Werkzeugen. Ich bleibe optimistisch. Kloster Blaubrunn geht sicherlich in die richtige Richtung und ist eine gute Fortsetzung der Mittelalter-Welt.

Produktivität und Effizienz

Manchmal schleichen sich diese Begriffe ins Leben ein, ohne dass wir es aktiv bemerken. Abseits vom beruflichen Alltag, wo solche Dinge natürlich eine Rolle spielen können, sollen oder müssen. Doch greifen die Tentakel des Min/Maxing schon längst ins private Leben hinein. Sei es durch Influencer*innen auf Social Media oder andere Kanäle, die uns Morgenroutinen und dergleichen nahelegen, damit wir so viel wie möglich in unseren Tag hinein quetschen können. Oder wir sind es selbst, die wir uns Ziele stecken und Kennzahlen erreichen wollen. Ich rede nicht davon, dass wir unser Leben verschwenden sollten oder einfach nur auf der Couch herumgammeln, oder davon, dass es falsch ist, Ziele zu haben. Wenn man einen Marathon laufen möchte, sind ein Trainingsplan, Etappenziele und vielleicht auch ein Ernährungsplan und dergleichen sehr sinnvoll. Es geht darum, in manchen Bereichen die Ungezwungenheit, Neugierde, vielleicht sogar Langeweile wiederzuentdecken. Man muss nicht ständig mit Informationen, Geräuschen oder sonstigem beschallt werden.

Ironischerweise bin ich durch ein YouTube-Video erneut auf dieses Thema gestoßen, über das ich mir gelegentlich Gedanken mache. Das Video von Shirt (Stop Playing Games Efficiently) ist unten verlinkt. Dort wird es anhand von Videospielen erläutert, aber es gilt natürlich ebenso für andere Hobbys, wie das Bemalen von Warhammer-Figuren oder was auch immer man tun mag. Zu unzähligen Spielen gibt es nicht nur einen Guide im Internet zu finden. Abertausende schreiben und berichten darüber, wie man ein Rätsel löst, eine bestimmte Waffe findet, welcher Build der beste für welchen Spieltyp ist. Kaum scheitern wir an einer Stelle oder kommen für drei Minuten nicht weiter, zücken wir Smartphone oder Tablet und es wird recherchiert. Ich nehme mich davon nicht aus.

Doch ist das wirklich, was wir wollen? Unsere Freizeit so effizient wie möglich zu gestalten? So schnell wie möglich durch ein Level, durch ein Spiel zu kommen, um das nächste angehen zu können? Den Berühmten »Pile of Shame« immer höher zu stapeln, weil es gerade einen Sale gibt? Egal, was es ist; seien es Bücher, Spiele, Warhammer-Figuren, Filme, Serien – am besten natürlich, man kombiniert verschiedene Hobbys, weil man dann mehr schafft. Produktivität und Effizienz in allem, was wir tun, zu steigern. Führt das wirklich zu einem erfüllteren Leben, nur weil es mit Zeug und Inhalt gefüllt ist?

Was mir bei dem Thema ebenfalls eingefallen ist, wo ich mir allerdings noch nicht sicher bin, ob es passt, sind »Reading Orders« in Comics. Dabei handelt es sich um eine empfohlene Reihenfolge, in der man die Comics liest. Besonders verbreitet sind diese natürlich in Superhelden-Comics mit ihren unzähligen Reihen und Ausgaben, Events und parallelen Welten. Doch natürlich findet man auch im Indie-Bereich mittlerweile etliche Beispiele. Über die Jahre habe ich mich durchaus intensiv mit der ein oder anderen »Reading Order« beschäftigt. Besonders natürlich von meinem Lieblingscharakter Spider-Man, aber natürlich auch von anderen Charakteren und Teams oder von Autor*innen. Seien es die X-Men oder Brian Michael Bendis langjährige und prägende Phase bei Marvel.

Zum einen handelt es sich dabei um eine Liste an Comics, die es sozusagen abzuarbeiten gilt. Zum anderen dient es als Liste, wenn man wirklich alles mitnehmen will, die interessierte Leser*innen mit der maximalen Anzahl an möglichen Comics ausstattet. Dann kann man immer noch selbst entscheiden, ob man wirklich alles lesen möchte oder nur Auszüge. Allerdings handelt es sich ebenso um eine Art produktivitätssteigernde Methode, um das maximal Mögliche aus meinem Interesse und meiner Leidenschaft für Comics herauszuholen. Statt mich lange mit einer Reading Order und dergleichen aufzuhalten, könnte ich kurz nach Einstiegspunkten oder Autor*innen suchen oder mir digital diverse Collected Editions zulegen und anfangen zu lesen. Irgendwo werde ich schon landen.

Immerhin hat so meine Leidenschaft an Comics einmal angefangen. Ich wollte Batman lesen und andere Comics von DC und natürlich Marvel. Indie-Comics wurden ausschließlich aufgrund dessen gekauft, weil das Cover geil aussah oder ich den Autoren, die Autorin, mir bekannt vorkam. Es lag mehr Überraschung in der Luft, mehr Spannung und Neugierde. Man, also ich, war bereit, mich mehr auf die Reise einzulassen, die sich jemand mit der Geschichte und den Bildern überlegt hatte. Ich hörte einen Podcast über Comics und von dort gab es diverse Empfehlungen, aber bis ich zum Lesen dieser Empfehlungen gekommen bin, hatte ich meist schon wieder vergessen, worum es eigentlich ging. Ich wollte einfach nur eine gute Geschichte erleben, mit interessanten, spannenden Charakteren.

Genau darum ging es in dem YouTube-Video und genau darum geht es mir heute. Produktivität, Effizienz – das sind alles Begriffe, die in Hobbys eigentlich nichts verloren haben. Wenn ich meinen täglichen Text für den Blog schreibe, Sport treibe und andere Dinge mache, die eben im Haushalt oder im Leben allgemein erledigt werden müssen, dann kann ich gerne mit solchen Begriffen um mich werfen. Dann habe ich etwas getan, was mir zwar auch Freude bereitet und Spaß macht, aber es hat mich in irgendeiner Weise vorangebracht, und sei es nur inkrementell. In Spielen und anderen Hobbys möchte ich mir eine kindliche Neugierde beibehalten und Überraschungsmomente zurückholen. Und sei es nur, indem ich nicht gleich einen Guide heraussuche, wie man sich einen Strength-Faith-Build in Elden Ring zusammenstellt, sondern es selbst versuche herauszufinden. Indem ich mich in God of War vom nächsten Gegner überraschen lasse oder etwas länger an einem Rätsel sitze.

  • YouTube-Channel Shirt | Stop Playing Games Efficiently

MCU Rewatch | Doctor Strange

Langsam etabliert sich ein Thema, mit jedem weiteren Film, den ich mir aus dem MCU zu Gemüte führe. Und zwar bin ich doch überrascht, wie gut ich manche Filme finde. Natürlich hat man stets gewisse Vorstellungen eines Films, vor allem wenn man diesen des Öfteren gesehen hat. Jedoch verliert man mit der Zeit das Gesamtbild aus den Augen. Zurück bleiben bruchstückhafte Erinnerungen an bestimmte Szenen, vielleicht noch ein Zitat oder zwei oder ein Musikstück. Wie allerdings der Film als Konzept auf einen gewirkt hat oder wie es ist, wenn dieser seine komplette Kraft entfalten kann, gerät immer weiter ins Unterbewusstsein.

Vielleicht warte ich unbewusst einfach nur darauf, dass dieses Kartenhaus, welches Marvel hier aufgebaut hat, zusammenbricht. Dabei weiß ich doch, dass es mindestens bis Endgame hervorragende Filme sind. Natürlich schwankt die Qualität. Wie könnte sie das nicht, bei einer 23-teiligen Saga? Aber selbst Doctor Strange hat mich erneut überrascht. Ant-Man war der einzige bisher, der meine Befürchtungen etwas angefeuert hat, aber das auch nur kurzzeitig und weil die Produktion hinter den Kulissen scheinbar sehr schwierig war. Doctor Strange funktioniert jedoch fantastisch als Einführung des letzten Puzzlestücks.

Es kommen zwar noch die Solo-Filme von Spider-Man und Black Panther, sie hatten jedoch ihre offizielle Einführung ins MCU in Civil War. Nun kommt der letzte große Charakter zum Vorschein und mit ihm ein völlig neues Element, das wir bisher noch nicht kennenlernen durften: Magie. Guardians of the Galaxy und zu einem gewissen Teil auch Thor haben die Welt der Avengers und des MCU vergrößert. Man weiß inzwischen, dass es noch mehr da draußen gibt, als nur die Held*innen auf der Erde. Thor verkaufte uns ihre Magie nur als fortschrittliche Technologie, die wir noch nicht verstehen können. Doch jetzt kommt echte Magie ins Spiel, mit Zauberern, Astral-Ebenen und anderen Dimensionen. Das Multiversum wird so ganz nebenbei erwähnt und feiert ebenfalls sein Debüt.

Natürlich gab es bei dem Release von Doctor Strange eine Kontroverse, da Tilda Swinton die Rolle des Ancient One bekommen hat. Sie macht ihren Job zwar wunderbar, verkörpert die Rolle mit einer gewissen Eleganz, aber ebenso einer lockeren Attitüde, die so einem alten Wesen wahrscheinlich anhaften sollte. Trotzdem kippt es nicht ins Lächerliche oder ins unlustige Sprücheklopfen. Die Interaktionen mit Strange funktionieren ebenso wie die spätere Offenbarung, dass sie sich der dunklen Magie bedient, wie ihr eigentlicher Gegner und früherer Schüler Kaecilius. Dieser wird porträtiert von Mads Mikkelsen. Er passt gut in seine Rolle und spielt sie mit einer Ernsthaftigkeit und Dominanz, die der Film als Gegenstück zu Strange benötigt. Strange ist noch neu in dieser Welt der Magie, nimmt alles anfangs noch nicht ganz so ernst und setzt sich über Regeln hinweg. Eigentlich genauso wie Kaecilius es getan hat, aber eben ohne die Tendenz, die Welt ins Dunkel stürzen zu wollen.

Aber ich bin von der Kontroverse abgekommen. In den Comics ist der Ancient One ein älterer asiatischer Mann. Selbst wenn man den Charakter als Frau oder eher androgyn darstellen wollte, hätte man eine asiatische Schauspielerin engagieren können. Wenn man sich den Wikipedia-Artikel durchliest und auch nur dem Hauch einer Wahrheit entspricht, liest sich das heute, acht Jahre später, sehr schwierig. Sie wollten so sehr sämtliche Stereotype vermeiden, dass sie unweigerlich ein Whitewashing betrieben haben, das nicht notwendig war. Wieso gibt oder gab es denn diese Stereotype? Weil es wenig prominente asiatische Rollen in Filmen gibt. Man muss erst dazu übergehen, asiatische Schauspielerinnen in unterschiedlichsten Rollen zu engagieren, damit diese Stereotype endlich durchbrochen werden. Wenn man dann behauptet, man möchte diese vermeiden und castet deshalb keine asiatischen Schauspielerinnen, klingt das wie eine schlechte Entschuldigung.

Der Film ist allerdings sehr unterhaltsam. Die Trailer bestachen durch eine Inception-artige Optik, die im Film noch mehr auf die Spitze getrieben wurde. Zu dem Zeitpunkt lag Inception immerhin schon sechs Jahre zurück, die Techniken und Möglichkeiten im Hinblick auf CGI haben sich weiterentwickelt. Das Falten von Städten in der Spiegel-Dimension können sich heute noch genauso sehen lassen, wie der LSD-Trip von Strange, als ihm der Ancient One die Augen öffnen möchte und zeigt, dass die Welt so viel größer ist, als er ahnt. Doch trotz all dieser Effekthascherei und visuell überbordenden Kämpfen bleiben die Charaktere im Zentrum des Geschehens.

Angefangen von der Arroganz eines Doctor Strange, der alles daran setzt, seine Finger zu heilen und wieder im OP-Saal stehen zu können. Hin zu Christine, die nur ihrem Freund helfen möchte, ein neues Leben aufzubauen, aber harsch weggestoßen wird. Die Reise nach Kathmandu, das Training, die Veränderung des Charakters Strange und seiner Einsicht, dass es mehr für ihn in der Welt gibt, als zu operieren, schnelle Autos zu fahren und teure Uhren zu kaufen. Doch ebenso dürfen sich Nebencharaktere wie Karl Mordo weiterentwickeln, der einsieht, dass der Ancient One eben nicht alles weiß und sich selbst der Praktiken bedient, die eigentlich verboten sein sollten. Und natürlich Wong, der seine Liebe zu Musik entdeckt.

Es sind immer wieder die Kleinigkeiten, die diesen Film zu einem äußerst unterhaltsamen Unterfangen machen. Zwischen den großen Action-Sequenzen und Verfolgungsjagden in der Spiegel-Dimension stechen die Charaktermomente hervor. Doctor Strange ist ein toller Eintrag ins MCU und präsentiert uns einen weiteren Infinity Stone, mit dessen Hilfe die Zeit kontrolliert werden kann. Ich mag, dass es keine große finale Schlacht gibt, sondern Dormammu mit einem Twist besiegt wird. Das sieht man viel zu wenig in großen Blockbuster-Filmen und vor allem natürlich Comic-Verfilmungen. Es muss nicht immer die große Schlacht sein, es geht auch anders. Was nicht heißt, man muss auf epische Szenen zwischendurch verzichten. Es geht beides.

Es wurde Zeit

Ich beschäftige mich nun schon seit geraumer Zeit mit der Geschichte Salzburgs. Meist mittels Führungen verschiedenster Art und zu den unterschiedlichsten Themen. Manche beschäftigen sich mit der spezifischen Geschichte eines Klosters, mit Brunnen, spezifischen Gebäuden oder den unzähligen Persönlichkeiten, die über die Jahrhunderte in Salzburg residierten. Andere wiederum versuchen, die lange Geschichte in ein bis zwei Stunden zusammenzufassen und so einen Gesamteinblick zu geben. Immer wieder bekommt man dadurch Puzzleteile in die Hand gedrückt, die in eine gewisse Ordnung zu bringen sind. Namen hört man immer wieder oder einschneidende Ereignisse werden aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet, wie große Brände oder natürlich der Zweite Weltkrieg.

Mit der Zeit fällt es immer leichter, Wappen den Persönlichkeiten zuzuordnen oder weiß grob, wer wofür verantwortlich ist, was er oder sie gegründet hat und wann sie in etwa zeitlich einzuordnen sind. Aber es sind noch große Lücken offen. Eine wirkliche chronologische Ordnung fehlt. Doch wie bekommt man diesen Fundus an Informationen zusammengetragen? Recherchiert man auf Wikipedia, lässt sich von den einzelnen Guides Bücher und Magazine empfehlen oder wühlt man sich durch die Geschichtsabteilungen verschiedener Büchereien und Buchhändler? Zumindest der letzte Ansatz geht in die richtige Richtung.

Denn es gibt sie, die ganze Geschichte der ältesten Stadt Österreichs, zusammengetragen in einem dicken Schmöker. Empfohlen von Freund J., der sich dieses umfassende Werk bereits vor einiger Zeit zugelegt hat, sah ich mich gezwungen, mir dieses Buch nun ebenfalls zuzulegen. Aktuell lese ich nämlich ein äußerst spannendes Werk, welches die Geschichte des Mittelalters erzählt. Das Buch von Dan Jones trägt den Titel »Mächte und Throne« und sei an dieser Stelle allen Fans und Interessierten empfohlen. Er fängt mit der Römerzeit an und arbeitet sich dann durch die Jahrzehnte und Jahrhunderte. Ich bin noch relativ am Anfang des Buches und lese pro Woche etwa ein Kapitel und arbeite mich so Stück für Stück vor.

Eine Frage, die mir allerdings immer wieder in den Sinn kommt, ist, wie es wohl zu der Zeit in Salzburg ausgesehen hat? In den vergangenen Jahren habe ich so viele Informationen über Salzburg gesammelt und mitgeteilt bekommen, ich möchte all das in einen größeren Kontext setzen. Also ist mein Ziel, neben dem Mittelalterbuch das umfassende Werk über Salzburg zu lesen. So kann ich mich bequem durch das Mittelalter arbeiten und weiß dazu, wann sich welche Ereignisse in Salzburg abgespielt haben. Mal sehen, ob mein Plan aufgeht, aber wenn ich mir Zeit lasse und Kapitel für Kapitel durchgehe, sehe ich aktuell noch kein Problem.

Geschichte ist und bleibt ein spannendes Hobby. Vor allem Salzburg und das Mittelalter haben es mir angetan, was man vielleicht an meiner zig-tausend-Teile umspannenden Burg aus Klemmbausteinen erkennen kann, über die ich schon des Öfteren berichtet habe (Der Münzturm in voller Pracht). Bücher, wie »Mächte und Throne« oder eben das Buch zu Salzburg machen es einem Laien und Einsteiger, wie ich es einer bin, relativ einfach, sich einem Thema zu nähern, da es sich hier um Gesamtwerke handelt, die versuchen, eine ganze Epoche zusammenzufassen. Sie sind dicht gepackt mit Informationen, aber man bekommt einen guten Eindruck der Zeit, was wirklich wichtig war, was sich verändert hat und kann sich später immer noch mit speziellen Persönlichkeiten oder Zeitperioden auseinandersetzen.

Geek-Planet: Die nackte Sonne von Isaac Asimov

Wie jeden Donnerstag werfen wir auch heute wieder einen Blick in die Vergangenheit. Der folgende Text erschien am 25. März 2018 das erste Mal auf meinem damaligen Blog »geek-planet«. Diesen Blog gibt es zwar nicht mehr, trotzdem will ich alle meine Texte an einem Ort versammelt wissen. Außerdem ist es ein nettes Experiment, diese alten Rezensionen zu lesen, zu redigieren und mit einer kleinen Einleitung zu versehen. Herauszufinden, ob sich Sichtweisen geändert haben.

Die Romane von Isaac Asimov habe ich sehr gerne gelesen. Auch wenn ich nie fertig geworden bin. Ich glaube, es sind beinahe 30 Romane, die er innerhalb seines Roboter-Zyklus geschrieben hat. Von ihren frühen Anfängen reichen seine Geschichten Jahrtausende in die Zukunft. Dass die Bücher vor über 60 Jahren geschrieben wurden, tut ihnen dabei keinen Abbruch. Es sind zeitlose Geschichten, in denen die Menschen im Vordergrund stehen. Trotzdem war Asimovs Vision einer Zukunft atemberaubend und brillant geschrieben. Science-Fiction auf dem höchsten Niveau.


Anders als erwartet, knüpft Die nackte Sonne direkt an Die Stahlhöhlen an. Protagonist ist erneut Elijah Baley, der einen außergewöhnlichen Mordfall lösen muss. Doch dieses Mal ist dieser nicht im vertrauten zu Hause der Stahlhöhlen geschehen, sondern auf einer der 50 Äußeren Welten: Solaria. Solaria ist eine Gesellschaft, die allem widerspricht, was den Menschen zum Menschen macht. Die Bewohner leben in kompletter Isolation voneinander, direkter Sichtkontakt ist verpönt und sie sind komplett abhängig von Robotern. Wie ist es zu einer solchen Gesellschaft gekommen?

Baley wird also in diese buchstäblich fremde Welt entlassen. Erneut begleitet ihn sein früherer Kollege R. Daneel Olivaw. Doch scheint Daneel von seinem Planeten Aurora eine eigene Mission bekommen zu haben und steht des Öfteren Baley im Weg. Dazu erneut ein kurzer Ausflug in die gesellschaftlichen Strukturen:

Während ich bei Die Stahlhöhlen Probleme hatte, mir vorzustellen, wie das Leben auf der Erde genau aussieht, bekommt man mit diesem zweiten Roman ein klar gezeichnetes Bild geliefert. Die Stahlhöhlen sind nämlich genau das: von der Außenwelt komplett abgeschottete, gewaltige Bauwerke, die autark funktionieren. Die Menschen haben Angst vor dem „Draußen“. Nicht die Wohnungen am Rand sind die teuersten, sondern diejenigen in der Mitte. Immerhin ist man dort am weitesten vom „Draußen“ entfernt und geschützt. Die Menschen leben also in einer künstlich beleuchteten Welt und haben jeden Bezug zur Natur verloren.

Die Solarianer dagegen begrüßen die Natur, doch haben sie jeden menschlichen Kontakt abtrainiert bekommen. In der Geschichte von Solaria hat sich dies durch die dünne Bevölkerungsdichte ergeben, wie auch deutlich im Buch erklärt wird. Es leben nur zwanzigtausend Menschen auf dem Planeten und hundertmal so viele Roboter, die jeden Handgriff erledigen. Jeder lebt allein auf gewaltigen Grundstücken, sich buchstäblich zu sehen ist nicht nur verpönt, sondern die Menschen dort haben auch Angst davor, sich von den Erdenmenschen anzustecken. Der Vergleich mit tierischem Verhalten wird des Öfteren angewendet. Im ersten Teil dieser Dilogie hatte ich noch die Vorstellung von perfekt reinen Menschen, die in künstlichen Umgebungen leben. Doch sie gehen in die Natur, begrüßen sie sogar. Sie haben also durchaus ein gutes Immunsystem, nur es wurde ihnen antrainiert, Erdenmenschen zu verachten.

Auch die Erziehung, welche sehr speziell auf diesem seltsamen Planeten ist, könnte direkt aus einem Horrorroman entsprungen sein. Außerdem sind Wissenschaften keine echten Wissenschaften, sondern Meinungen. So weiß ein Soziologe dort nichts von den antiken Griechen oder irgendwelchen Gesellschaftstheorien. Abstrakte Kunst ist die einzige Kunst und nicht nur eine von vielen. Lediglich die Robotik ist diejenige Wissenschaft, die stets Fortschritte macht. Solaria ist die führende Welt im Hinblick auf Robotik, weshalb andere äußere Planeten Angst vor ihnen haben.

Unter diesen schwierigen Bedingungen muss Baley nun also seine Ermittlungen durchführen, die immer größere Dimensionen anzunehmen scheinen. Die nackte Sonne ist ein perfektes Beispiel, wie ein Charakter, der in eine Situation hinein geworfen wird und eigentlich stets nur reagieren kann, schließlich eine Entscheidung trifft und eine Wandlung durchmacht: vom reaktiven hin zum aktiven Verhalten. Denn sobald sich Baley allen Mut zusammen nimmt und in das „Draußen” geht, sich Stück für Stück daran gewöhnt, nimmt die Handlung erst richtig Fahrt auf. Es ist bemerkenswert, wie er den Solarianern Paroli bietet und auch Daneel herausfordert.

War ich mir bei Die Stahlhöhlen noch unsicher, so zementiert Die nackte Sonne Baley als einen herausragenden Charakter. Er hat etwas, was vielen Menschen zu fehlen scheint, in dieser zukünftigen Welt: Hausverstand und gute Intuition. Guter Detektiv zu sein bedeutet, guter Soziologe zu sein. Ein echter Soziologe und nicht alles zu glauben, was einem gesagt wird – mit Vorurteilen zu brechen und die eigenen Ängste zu überwinden. Die nackte Sonne ist ein Testament für menschliche Neugier und Mut.

Am Ende bleiben zwei mögliche Wege offen, in denen sich die Menschheit entwickeln kann. Es bleibt abzuwarten, ob wir im nächsten Teil erfahren, welchen Weg sie eingeschlagen hat. Der sechste Teil des Zyklus hat den Titel: Sterne wie Staub.