Typische Touristen

Am Wochenende, genauer gesagt am Samstag, war ich früh in Salzburg unterwegs. Es steht ein größerer Besuch an und natürlich will ich die Stadt von ihrer schönsten Seite zeigen und ein paar nette Lokale sowie Führungen oder Museen anbieten können. Ich hatte einen Plan, der bei einer leckeren Tasse Kaffee und einem zauberhaften Pofesen noch ein letztes Mal überarbeitet, korrigiert und mit Alternativen ausgestattet wurde. Damit konnten die ersten Termine fixiert und reserviert werden. Zu dritt findet man durchaus Plätze, vor allem wenn man gewillt ist, etwas zu suchen und viele Cafés und Restaurants kennt. Zu fünft ist das schon etwas schwieriger. Deshalb wollte ich vorbereitet sein.

Es war schönes Wetter und deshalb unfassbar viel los. Eigentlich kann ich so etwas schon auf dem Weg in die Stadt sehen, je nachdem wie viele Menschen mit der Lokalbahn fahren. Doch dieses Mal sollte sich dieses Indiz als falsch herausstellen. Denn es war tatsächlich sehr viel los in der Stadt. In der Steinbar war gar kein Platz mehr zu bekommen, trotz dem wir es zu unterschiedlichen Zeiten versuchten. Aber wir kennen uns mittlerweile gut aus und wissen, wo meist noch ein Plätzchen frei ist, besonders wenn man nur zu zweit ist.

Das sonnige und viel zu warme Wetter für meinen dicken Pullover stellte sich als ideal heraus, um einen Spaziergang durch die Altstadt zu machen und die benötigten Plätze zu reservieren. Natürlich hätte ich das per Telefon oder zum Teil auch online erledigen können. Ich mag aber das Persönliche an einer Reservierung, besonders wenn ich sowieso in der Nähe bin. Nachdem das alles erledigt war, wurde es Zeit für den kulturellen Teil des Tages. Das Wohnhaus von Mozart hatten wir noch nie besucht, daher stand es dieses Wochenende ganz oben auf der Liste. Man könnte darin locker eineinhalb Stunden verbringen, hieß es. Es wäre interessant, hieß es. Wir waren voller Erwartung, neues zu lernen und sich auf das Haus, seine berühmten Bewohner und ihre Geschichte einzulassen.

Der Eintritt ist saftige 15 €. Für ein Museum nicht wenig. Besonders wenn man es mit den sprechenden Häusern vergleicht, die meist ebenso 15 € verlangen. Da ist man dann mindestens zwei Stunden unterwegs und sieht Örtlichkeiten, die der Öffentlichkeit vielleicht nicht immer so leicht zugänglich sind. Aber man will ja positiv bleiben. Tickets gekauft, begaben wir uns in den ersten Stock, wo der Großteil der Ausstellung und des Museums zu finden ist. Es begann mit ein paar einleitenden Worten (schriftlich, auf einer Tafel) über das Gebäude, dem berühmten, hölzernen Flügel von Mozart und seinem Porträt. Dann bog man geschichtlich ins 20. Jahrhundert ab, zu einem Dirigenten, der Mozart vielfach und auf berühmte Weise aufgeführt haben soll. Den Namen kann ich weder aussprechen noch schreiben oder mich im Detail daran erinnern, wenn ich ehrlich bin. Denn eigentlich kam ich, um mehr über Mozart, seine Familie und dergleichen zu erfahren.

Man geht durch die Räume, liest mal mehr, mal weniger aufmerksam die Tafeln und Beschreibungen durch, bis man bei einem Modell des Wohnhauses ankommt. Dieses ist zum Teil von oben her offen und mit gut gemachten Modellen des früheren Mobiliars ausgestattet. Man kann sich so ein gutes Bild machen, wie es damals aussah. Das hätte ich eigentlich gerne in Originalgröße gehabt, aber ein Modell ist ja auch gut. Dann ging es durch die Tür einen Stock tiefer und wir standen im obligatorischen Shop. War es das? Hatten wir etwas übersehen? Noch einmal zurück und eine unscheinbare Tür benutzt, entdeckten wir ein lieblos hingestelltes, größeres Gartenhaus. Doch das war es. 15 € für knapp 30 Minuten, in denen man mehr über einen Dirigenten erfährt, als über die Person, die hier tatsächlich gewohnt hat.

Ich wusste nicht, was mich erwartet, zugegeben. Es sollte aber schon mehr sein als das. Vielleicht ließe sich durch eine Führung das ganze Erlebnis auf eine Stunde oder sogar eineinhalb strecken, aber trotzdem sind es nur eine Handvoll Räume und sehr wenig zu sehen. Über die Familie lernt man nicht viel. Mozart hatte doch viele Geschwister, man hätte mehr zu denen machen können, seinem Vater und seiner Mutter. Es heißt immerhin Wohnhaus, also möchte ich doch mehr über die Bewohner erfahren. Seit vielen Jahren beschäftigen wir uns nun schon mit der Geschichte und Kultur der Stadt. Doch das Wohnhaus ist bisher die größte Touristenfalle, die wir entdeckten. Dann lieber noch einmal durch die Domquartiere oder Mozarts Geburtshaus ansehen.

Übersetzt und Illustriert

Aktuell höre ich wieder vermehrt die Specials von den WildMics. Diese habe ich während der Coronazeit, als dieses tolle Podcast-Format entstand, häufig und regelmäßig gehört. Damals wurden diese Gesprächsrunden als Ferngespräche deklariert. Tommy Krappweis moderiert dieses Format. Sophia Krappweis gehört natürlich ebenso zur Stammbesetzung, wie die Hoaxillas Alexa und Alexander Waschkau. Die Gäste wechseln sich ab, besprochen werden die unterschiedlichsten Themen. Diskutiert wird alles, von politischen über gesellschaftlichen hin zu popkulturellen Themen und alles dazwischen liegt. Es sind wirklich fantastische Diskussionen, und ich lerne stets etwas Neues oder andere Aspekte kennen.

Als die Coronazeit langsam ausklang, wurde das Format allerdings neu gestartet, unter dem Namen Nachsitzen. Ich kann gar nicht genau sagen, woran es lag, aber irgendwie haben sie mich mit diesem Reset verloren. Es war nicht mehr dasselbe. Deshalb verlor ich das Format etwas aus den Augen, auch wenn ich natürlich weiterhin Hoaxilla hörte und die Folgen vom Nachsitzen in deren Feed auftauchten. Doch vor ein paar Wochen, ausgelöst vom ebenfalls fantastischen Format Alle bekloppt, habe ich dem Nachsitzen nochmal eine Chance gegeben und bin mit neuer Leidenschaft dabei. Manchmal benötigt man einfach eine Pause von etwas oder zumindest eine Weile Abstand, bevor man sich mit neuem Elan daran machen kann. Das hatte ich bei Podcast durchaus schon öfter, dass ich auf einmal keine Lust mehr hatte, es mir zu viel wurde oder was auch immer. Dann tun ein paar Wochen oder sogar Monate Pause, wie in diesem Fall, durchaus gut.

Der Vorteil an so einer Pause ist natürlich, dass man sehr viele Episoden nachzuholen hat, wenn man wieder damit anfängt. So liegen aktuell einige Folgen vom Nachsitzen in meinem Podcatcher und warten nur darauf, angehört zu werden. Eine Folge, die ich letztens aus dem Jahr 2024 nachholte, war zum Thema J.R.R. Tolkien und Herr der Ringe. Dazu waren zwei Experten eingeladen, die sich schon Jahrzehnte mit den Büchern, respektive den Filmen auseinandersetzen. Die Leidenschaft war deutlich zu spüren und hat mich natürlich sofort wieder angesteckt. Ich bin großer Fan von Peter Jacksons Trilogie und habe sie schon unzählige Male gesehen. Den Hobbit holte ich vor einigen Jahren das erste Mal nach und war begeistert. Leider muss ich gestehen, den Herrn der Ringe nie komplett gelesen zu haben. Nur die Hörbücher der ersten zwei Teile habe ich mir vor vielen Jahren mal angehört und das erste Buch auf Englisch angefangen, allerdings nie beendet. Es wurde Zeit, dieses Versäumnis nachzuholen.

Ich nahm also die Leidenschaft des Podcasts nur zu gerne auf und machte mich auf die Suche nach geeigneten Versionen der Bücher. Ich wollte die Bücher zunächst auf Deutsch lesen, bevor ich mich später an die englischen Varianten machte. In der Tolkien-Episode des Nachsitzens lernte ich von der Übersetzung von Margaret Carroux. Es ist die erste und wohl auch treffendste Übersetzung des Herrn der Ringe. Diese gibt es allerdings bedauerlicherweise nur als Luxusausgabe mit den Illustrationen von Tolkien. Wobei »bedauerlicherweise« hier sehr relativ ist, denn wenn man die Trilogie schon liest, dann doch im hübschen Hardcover mit den Zeichnungen des Schöpfers. Beim Hobbit habe ich mir die Übersetzung von Wolfgang Krege besorgt, da es scheinbar nur diese gibt, aber auch in der schönen Luxusausgabe mit den Zeichnungen Tolkiens. Die entsprechende Version des Silmarillion liegt ebenfalls schon in einem virtuellen Warenkorb und wartet nur darauf, bestellt zu werden.

Erst habe ich mich gefragt, warum die Ausgabe des Hobbits fast genauso viel kostet wie die des Herrn der Ringe. Wenn man das gewaltige Buch aber erstmal in Händen hält und die Detailverliebtheit sieht, mit der diese Ausgabe gestaltet ist, versteht man den Preis durchaus. Es ist wirklich hochwertig gemacht und sieht verdammt schick aus. Mit dem Hobbit habe ich bereits angefangen und bin erneut begeistert. Es ist schön, wieder in diese Welt abzutauchen. Eigentlich wollte ich mir demnächst mal wieder die Filme des Herrn der Ringe zu Gemüte führen, aber das muss wohl warten, bis ich mit den Büchern durch bin. Beides ist etwas viel auf einmal. Ich kann die Bücher in diesen Ausgaben wirklich empfehlen, wenn man Fan von Tolkiens Welt ist. Ich kann es kaum erwarten, dass ich mit dem Hobbit durch bin und in Herr der Ringe abtauchen kann.

Alle bekloppt

Schwierige Zeiten durchzumachen, ist nicht immer mit der aktuellen Lage der Welt verbunden. Manchmal sind es persönliche Herausforderungen, die uns zusetzen oder psychische Probleme, die uns zu schaffen machen. Seit vielen Jahren höre ich gerne Podcasts mit Psycholog*innen, die alle möglichen Themen aus ihrer Perspektive diskutieren. Dabei geht es natürlich um den Umgang mit verschiedensten psychischen Krankheiten und Leiden, aber eben auch um allgemeinere Themen und wie man diese aus psychologischer Sicht einordnet.

Lange Zeit war es der Podcast Psycho-Talk, der mich dahingehend unterhalten hat. Dieses Projekt fand bedauerlicherweise vor einigen Jahren sein Ende. Doch die Themen sind immer noch relevant und verlieren nicht an Bedeutung. Vielleicht höre ich mal wieder in alte Sendungen rein. Während der Corona-Pandemie habe ich schließlich ein anderes Projekt entdeckt. Die WildMics haben die so genannten Specials gestartet (später wurden diese Talks als nachsitzen neu gestartet), wo sich Wissenschaftler*innen und Autor*innen aus den verschiedensten Sparten und Genres zusammengefunden haben, um gesellschaftliche, politische sowie popkulturelle Themen zu besprechen. Ebenfalls ein tolles Format. Eingeweihte Leser*innen werden nun schon wissend nicken, denn beide Projekte verbindet die Waschkaus.

Alexa und Alexander Waschkau habe ich vor über 10 Jahren entdeckt; durch ihren großartigen und noch immer laufenden Podcast Hoaxilla. Darin beschäftigen sie sich mit Sagen, Mythen, Urban Legends, nehmen Verschwörungstheorien auseinander und bieten einen skeptischen Blick auf alle möglichen Themen. Ein wirklich tolles Projekt, das man sich nicht entgehen lassen sollte. Hoaxilla war damals meine Einstiegsdroge, was Podcasts anbelangt. Sie haben mir das Tor zu einer völlig neuen Audio-Welt eröffnet. Vielleicht zähle ich irgendwann einmal auf, welche Podcasts mich über die Jahre geprägt und beeinflusst haben.

Wie dem auch sei. Kommen wir zu dem Podcast, um den es mir eigentlich geht: Alle bekloppt. Ebenfalls ein Projekt der WildMics. Darin beantworten die Diplom-Psychologen Sophia Krappweis und Alexander Waschkau Fragen aus der Community. Moderiert wird das Ganze von Tommy Krappweis. Natürlich ersetzt das keine Therapie oder dergleichen, aber sie geben eine Einordnung und können durch ihre einfühlsamen, fundierten Kommentare durchaus weiterhelfen. Ich habe mich lange geweigert, in Alle bekloppt reinzuhören, weil ich mir dachte, es wird eine Art Jammer-Stunde oder es würde mich runterziehen. Das Gegenteil ist der Fall. Natürlich werden auch schwierige Themen besprochen, wie könnte es bei einem solchen Format anders sein. Doch stets auf eine respektvolle Weise, auf Augenhöhe mit den Fragestellern und es wird jede Frage ernst genommen.

Es ist eine wirklich tolle Sendung, die mich zum Teil auf einer emotionalen Ebene berührt und einfach nur schön ist zuzuhören. Die dankbaren Kommentare, die Tommy teils vorliest, zeugen davon, wie sehr ein solches Projekt helfen kann. Einfach nur die Tatsache zu wissen, dass man mit den eigenen Problemen nicht alleine ist, kann eine immense Last von den Schultern nehmen. Egal, ob man gerade eine schwierige Zeit durchmacht, mit der psychischen Gesundheit kämpft oder was man erleben mag, Alle bekloppt kann durchaus eine kleine Stütze sein. Eine stabile Brandung in einer tosenden See. Es sollte natürlich nicht die einzige Stütze sein, aber es ist eine gute Ergänzung. Mir fehlen etwas die Worte, um anzuerkennen, was Sophia Krappweis und Alexander Waschkau mit diesem Podcast und diesem Projekt leisten. Am besten einfach mal reinhören und sich selbst überzeugen. Ich höre jedenfalls allmählich die alten Sendungen nach und freue mich auf jede neue.

Über Notizbücher und Journals

Gewohnheiten zu hinterfragen, ist stets eine Herausforderung. Denn es bedeutet Veränderung. Dinge ans Tageslicht zu zerren und vielleicht am Ende eines Reflexionsprozesses etwas besser zu machen, als es in der Vergangenheit der Fall war. »Life gets in the way«, wie es im Englischen so schön heißt – Das Leben kommt dazwischen. So häufen sich Dinge an, die einem vielleicht gar nicht mehr guttun und am Ende ist es Zeit für eine Veränderung. Auch wenn es schwerfällt.

Ich mag die Idee, das Smartphone wegzulegen und einfach nur mit Stift und Papier etwas festzuhalten. So führe ich seit über 10 Jahren ein Tagebuch oder Journal. Journal finde ich in diesem Zusammenhang tatsächlich den besseren Begriff, da er für mein Verständnis allumfassender ist, als das, was gemeinhin unter Tagebuch verstanden wird. Natürlich ist ein Teil eines Journals das Aufschreiben von Gedanken, Gefühlen und dergleichen. Ich mache das gerne in Langform, also vollständigen Sätzen, und lasse mir dabei Zeit. Aber es besteht ebenso aus dem, was ich vorhabe, über den Tag schaffen möchte und dem Revue passieren des Tages – es ist immer auch ein Reflexionsprozess. Für mich haben sich zwar über die Jahre die Methoden immer wieder geändert, ein Journal zu führen, so habe ich auch digitale getestet. Doch komme ich stets zurück zu Stift und Papier. Wenn es um Journals geht, schlägt keine App die analoge Technik.

In den vergangenen Jahren haben sich immer mehr Systeme angehäuft, die ich eigentlich nicht alle benötige. So ist manches doppelt oder sogar dreifach vertreten. Beispielsweise habe ich von der Marke Leuchtturm ihr Notizbuch »Some lines a day«. Darin sind fünf Jahre abgebildet. Jede Seite ist in fünf große Zeilen unterteilt, die jeweils den gleichen Tag in fünf Jahren darstellen. So kann ich auf einen Blick sehen, was ich beispielsweise am 9. Januar 2025, 2024, 2023 und so weiter getan habe. Ich mag das eigentlich sehr gerne. Ich schreibe auf, was mich bewegt hat und was ich getan habe. Alles kompakt in wenigen Zeilen.

Doch seit Oktober 2023 habe ich zudem noch eine Numbers-Tabelle (so nennt sich die Excel-Variante von Apple), wo ich das von Matthew Dicks empfohlene »Homework for Life« betreibe. Dies ist eine Methode, um Geschichten über das eigene Leben zu sammeln und sich an vergangenes besser erinnern zu können. Ziel ist dabei allerdings nur eine Sache aufzuschreiben. Etwas, das an diesem Tag besonders war oder worüber man jemandem fünf Minuten erzählen könnte. Und ja, man findet immer etwas. Eine schöne Methode. Doch hat sie sich im Laufe der vergangenen Monate von ihrem Zweck weg entwickelt und ist nun fast eine Doppelung der Einträge, die ich in »Some lines a day« hineinschreibe.

Für den Tagebuch-Teil meines Journals habe ich schließlich noch ein A4 Notizbuch, ebenfalls von Leuchtturm. Darin schreibe ich regelmäßig in Langform meine Gedanken nieder. Dort kommt alles rein, was mir im Kopf herumschwirrt, mich beschäftigt, ärgert, freut und so weiter. Einfach alles. Mal sind die Einträge länger, mal nur ein paar Zeilen lang. Doch natürlich greife ich hier ebenfalls manche Themen auf, die entweder in »Homework for Life« vorkommen oder in »Some lines a day« angerissen wurden. Es ist alles in allem sehr viel und es wird höchste Zeit aufzuräumen. Peter McKinnon hat diesen Reformprozess angestoßen.

In dem Video, welches unten verlinkt ist, beschreibt er seinen Umgang mit Notizbüchern und wie er sein Journal handhabt, dafür nutzt er A6 kleine Pocket-Notebooks. Also habe ich ein altes herausgesucht und angefangen, es ihm gleichzutun. Um zu testen, ob es mir zusagt. Dort trage ich mir jeden Tag fünf bis acht »critical tasks« ein, die ich erledigen möchte. Unter der Woche sind es acht, weil Aufgaben der Arbeit dazukommen, am Wochenende fünf. Das ist aber meine persönliche Ableitung dieser Technik. Dazu kommt noch ein A5 Notizbuch (natürlich von Leuchtturm, aber dieses Mal Softcover), um Gewohnheiten zu tracken und andere Dinge aufzuschreiben (z. B. der Tagebuch-Teil).

Das Wochenende und die letzten Tage des Februar nutze ich dazu, so manche Notizbücher und Methoden auslaufen zu lassen. »Some lines a day« wandert damit ab 1. März zu meinen anderen alten Notizbüchern und Journals. Vier Jahre hat es mir gute Dienste geleistet, doch es ist Zeit, etwas Neues auszuprobieren. Genauso, wie ich »Homework for Life« nicht mehr digital festhalte, sondern analog. Dazu habe ich alle bisherigen Tabellen ausgedruckt und in das A4 Notizbuch eingeklebt. Ich finde es toll, wenn man durch solche Einträge blättern kann. Wie oft sieht man sich schon alte Word-Dokumente an oder Listen, die man irgendwo am Rechner liegen hat? Schließlich habe ich noch ein paar andere Notizbücher, die ich gefunden habe und die nur wenige Einträge enthalten, buchstäblich auseinandergenommen und in das große integriert. Damit wandert es ebenfalls zu den anderen ins Regal.

Das Letzte, was ich dann noch getan habe, war, alle meine digitalen Tagebücher, Einträge und Journal-Versuche in einem großen Dokument zu sammeln. Dazu habe ich alte Festplatten durchforstet und durchaus überraschendes gefunden. Über 180 A4 Seiten sind zusammengekommen, voll beschrieben. Zwischen 2020 und 2023 habe ich scheinbar ausführliche Texte geschrieben – das war mir gar nicht mehr so bewusst. In ausgedruckter Form kann ich nun darin schmökern. Diese Ausdrucke kommen in eine Mappe und dürfen sich ebenfalls zu meinen anderen Journalen gesellen. Damit habe ich vier oder sogar mehr (je nachdem, wie man zählen mag) unterschiedliche Systeme, die sich in den vergangenen Jahren angesammelt haben, aufgeräumt.

Ziel ist es jetzt, ein einfacheres System zu finden und zu entwickeln. YouTube bietet hier einen echten Fundus an Möglichkeiten. Doch das Wichtigste ist mir, es einfach zu halten. Sich nicht von all den Varianten, Vorschlägen und scheinbaren Vorbildern zu sehr beeinflussen zu lassen. Immerhin soll das System mir dienen und nicht andersherum. Vorerst werde ich mich an dem System von Peter McKinnon orientieren. Ein paar Inspirationen nehme ich mir allerdings aus der Bullet Journal Methode von Ryder Carroll, die mir bereits in der Vergangenheit gute Dienste geleistet hat. Ich werde von der Entwicklung berichten.

Das analoge Festhalten von dem, was man getan hat, was man erlebt hat, der eigenen Gedanken und Gefühle ist mir weiterhin ein Anliegen. Doch soll das Reflektieren und Lernen, was geholfen hat, was gut und was schlecht gelaufen ist, mehr Platz einnehmen. Man will sich schließlich weiterentwickeln. Stift und Papier, so simpel sie sein mögen, haben dabei etwas Magisches an sich. Und was in unserem digitalen Zeitalter nicht außer Acht zu lassen ist: sie gehören mir, sie liegen nicht auf irgendeinem Server und können nicht gehackt werden. Es ist etwas absolut persönliches und sollte es auch bleiben.

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Aaron Burdon | Unsplash

MCU Rewatch | Captain America: Civil War

Es ist erstaunlich, wie schnell Marvel in dieser Phase neue Charaktere eingeführt hat. Wobei es eigentlich mehrere Phasen sind, denn Ant-Man bezeichnete das Ende der zweiten und Civil War den Beginn der dritten. Es sollte die längste und letzte Phase der Infinity Saga sein. So haben wir in Age of Ultron Wanda und ihren Bruder Pietro kennengelernt. Dann kam Ant-Man dazu. In Civil War sind es gleich zwei neue Charaktere, die das MCU noch für lange Zeit prägen sollten: Peter Parker aka Spider-Man und T’Challa aka Black Panther.

Die Einführung von Peter Parker gelingt hervorragend. Dieses Mal schenkt sich Marvel eine Erzählung der Origin-Story. Wie das funktioniert und ob es vielleicht besser gewesen wäre, einen entsprechenden Film später noch einzufügen, können wir bei den Spider-Man-Filmen des MCU besprechen. Tom Holland als Peter Parker ist exzellent besetzt. Ich finde, er kombiniert die besten Eigenschaften von Tobey Maguire und Andrew Garfield, um seine eigene Interpretation des Charakters zu finden. Dass er Schrott sammelt und daraus Dinge bastelt, seine Web-Flüssigkeit selbst entwickelt hat und mit einem improvisierten Anzug durch die Gegend schwingt, um Leute zu retten, ist eine tolle Umsetzung seiner Anfangszeit. Er versprüht die Awkward-Teenager-Vibes, die der Charakter benötigt, und ist sowohl redselig als auch schnell zu begeistern. Man denke nur an die erste Begegnung mit Bucky und seinem Metall-Arm.

Schließlich haben wir noch die Einführung von T’Challa. Wir werden noch mehr über Chadwick Boseman und seine hingebungsvolle Interpretation des Charakters sprechen, wenn wir ihn in folgenden Einträgen des MCU sehen. Boseman hat dem Charakter neues Leben eingehaucht. Leider hatte er viel zu wenig Zeit, den Charakter weiterzuentwickeln. Trotzdem ist es ihm gelungen, in gerade einmal vier Auftritten als T’Challa zu einem Symbol aufzusteigen und hat sich als der einzig wahre Black Panther im MCU zementiert. In Civil War gerät er zwischen die Fronten, wenn sein Vater bei einem Anschlag auf das UN-Hauptquartier in Wien getötet wird. Erst wird er von Rache und Wut gelenkt, doch je mehr er sich mit seinem Gegner beschäftigt und die Avengers kennenlernt, desto mehr versteht er, was dahintersteckt. Seine Reise in dem Film ist etwas losgelöst von den anderen. Er macht sein eigenes Ding und lässt sich nicht davon abbringen. Eine großartige Umsetzung des Charakters, und Boseman weiß sowohl die Action-Sequenzen als auch die ruhigeren Momente gekonnt zu spielen.

Mir gefällt sehr, wie sich der Konflikt zwischen den Held*innen im Laufe des Films entwickelt und durch den Bösewicht Helmut Zemo noch verstärkt wird. Im Gegensatz zum ersten Avengers-Film oder Age of Ultron ist es kein Untergangsszenario oder ein drohendes Ende des Universums. Es ist eine überraschend intime Geschichte, die auf die einzelnen Beziehungen der Avengers untereinander eingeht. Sie beschäftigt sich mit der Frage von Konsequenzen und Verantwortung. Wer soll entscheiden, ob und wann die Avengers eingreifen? Kann das ein Panel der UN überhaupt entscheiden? Sollen sie weiterhin unbeaufsichtigt agieren können? Kann man darauf vertrauen, dass sie immer aus den richtigen Gründen handeln? Wer finanziert den Wiederaufbau, wenn die Kämpfe vorbei sind? Was ist mit den Kollateralschäden?

Es sind Fragen und Herausforderungen, die logischerweise aufkommen und behandelt werden sollten. In den Comics ist dies natürlich sehr viel ausführlicher geschehen, als es ein zweieinhalbstündiger Film je könnte. Die vielen Comics, die um das Event Civil War geschrieben und veröffentlicht wurden, erlauben es, den Blick auf unterschiedlichste Themen, Charaktere und Sub-Konflikte zu richten. Trotzdem sind die Dialoge und Diskussionen im Film meiner Meinung nach gut umgesetzt. Man weiß, wo welcher Charakter steht. Wenn man die bisherigen Filme gesehen hat, weiß man auch, wo die Charaktere herkommen und warum sie diese Meinung vertreten. Hier liegt der Fluch und Segen des MCU. Durch die vielen Filme muss ein Film wie Civil War nicht alles erklären, weil es bereits in anderen gemacht wurde. Dennoch setzen damit Avengers-Filme von Natur aus voraus, dass man alle anderen Einträge i, MCU gesehen hat. Auch wenn es sich hier offiziell um den dritten Teil von Captain America handelt, ist es so etwas wie Avengers 2.5.

Selbst der Standpunkt von relativ neuen Charakteren, wie Scott Lang, ist nachvollziehbar. Er wurde von Hank Pym geprägt, der eine starke Ablehnung gegenüber den Avengers, aber besonders Tony Stark gegenüber hat. Peter Parker wiederum verehrt Tony wegen seiner Technik-Affinität und kreativen Weise, Dinge umzusetzen. T’Challa verfolgt seine eigene Agenda und lernt im Laufe des Films, dass es kein Richtig und Falsch geben kann. Clint und Wanda stehen natürlich gemeinsam auf einer Seite. Seit Age of Ultron halten sie zusammen. Der Tod von Pietro scheint sie noch mehr verbunden zu haben. Vision meint es gut, ist aber vielleicht noch zu frisch dabei oder sein einzigartiger Blick auf die Welt treibt ihn auf die Seite von Tony. Leidtragender ist natürlich James Rhodes. Dass es hier Vision ist, der ihn beinahe für immer als Querschnittgelähmter zurücklässt und von Himmel schießt, jemand, der eigentlich auf seiner Seite sein soll, ist ein cleverer, erzählerischer Schachzug. So kann man nicht die andere Seite beschuldigen, sondern muss sich selbst fragen, was schiefgelaufen ist. Wie es so weit kommen konnte.

Civil War ist ein toller Abschluss für die Captain America Trilogie. Der Charakter hat sich nicht nur in diesen, sondern ebenso während der Avengers-Filme, sehr verändert. Vom patriotischen Soldaten, der alles für sein Land tut, hin zu jemandem, der Dinge hinterfragt und für das Wohl der Menschen eintritt, selbst wenn er es als Verbrecher tun muss. Selbst sein Schild lässt er am Ende zurück. Trotzdem bleibt er für seine Freunde und Kollegen immer abrufbereit, sollte die Welt ihn brauchen. Manchmal geben diese Art von Filmen nur Auszüge an Diskussionen, ohne alle Möglichkeiten selbst auszuschöpfen oder die Themengebiete in aller Ausführlichkeit darzulegen. Aus den Konflikten über die »Sokovia Accords« hätte man natürlich noch sehr viel mehr herausholen können. Doch geben die Filme genug Stoff für Spekulation und arbeiten die Eckpunkte deutlich genug heraus, sodass man die Lücken selbst ausfüllen kann. Es bleibt alles nachvollziehbar, baut aufeinander auf und man kann sich selbst genug Gedanken darüber machen.

Das ist der Kern eines Konzeptes, wie dem MCU. Man darf es nicht überstürzen. Es braucht Zeit, trotzdem benötigt es einen gewissen Tiefgang in die Diskussionen und Themen. Natürlich kann man dem Publikum viel zutrauen und zumuten. Die Zuschauer*innen schaffen es, Punkte selbst zu verbinden und sich Dinge herzuleiten, wenn ihnen dazu die erzählerischen Eckpunkte und Story-Beats gegeben werden. Doch genauso werden unlogische, überhastete und faule Versuche abgestraft, wie man beim gescheiterten DC-Film-Universum gesehen hat. Wenn man es richtig macht, kommt ein so großartiger Film wie Civil War dabei heraus.

Ein Frühjahrsputz II

Eigentlich wollte ich vergangene Woche keinen Frühjahrsputz machen, aber wie so oft, kam das eine zum anderen und am Ende lief nicht nur die Waschmaschine den ganzen Tag durch, wie im Dauertest, auch die Wohnung war von oben bis unten gereinigt. Ich wusste noch irgendwo im Hinterkopf, dass ich über das Thema Frühjahrsputz bereits einen Text geschrieben hatte und wurde im April 2024 fündig: Ein Frühjahrsputz. Deshalb trägt der diesjährige Eintrag auch eine römische zwei im Namen. Was ich allerdings nicht mehr wusste, war, dass der Frühjahrsputz so spät stattfand und daraus hervorkam, dass sich Unmengen an Sahara- und Blütenstaub in der Luft vermengten. Vieles in der Wohnung war gelb.

Der heurige Frühjahrsputz hatte allerdings keinen solchen Grund. Vielmehr habe ich immer mehr gefunden, was schon längst mal wieder gewaschen, abgewischt oder einfach nur sauber gemacht werden wollte. Wie oft zieht man den Kissen im Wohnzimmer oder auf der Holzbank im Esszimmer die Überzüge ab und wäscht sie? Ein- oder zweimal im Jahr. Außerdem befinden sich diverse Lammfälle in der Wohnung verteilt, die einen schönen, heimeligen Eindruck vermitteln, doch sollten diese ebenso regelmäßig vor der Haustür entstaubt und anschließend mit dem Staubsauger abgesaugt werden. Ich traue mich nicht, diese in die Waschmaschine zu geben. Zwar könnte man sie darin waschen, aber ich habe weder eine Fellbürste zu Hause noch andere Pflegemittel für diese tollen Felle. Vielleicht sollte ich das mal nachholen.

Was ich allerdings durchaus in die Waschmaschine werfe, sind Teppiche, zumindest wenn sie nicht allzu groß sind. So sammelte sich ein immer größerer Wäscheberg aus Kissenbezügen, Teppichen, Kleidung, Handtücher und Bettwäsche zusammen, den ich irgendwann einfach in die Badewanne warf, damit nicht der Boden des Badezimmers voller Sachen war. Eigentlich war ich der Annahme, dass sich mein Waschtrockner, der mittlerweile schon über 14 Jahre alt ist, langsam seinem Lebensende nähert, aber wenn man nicht zu viel Wäsche auf einmal reingibt und die Schleuderzahl niedrig hält, macht er kaum seltsame Geräusche. Manchmal hilft so ein Dauertest, um das Vertrauen in die Geräte wieder herzustellen. So viel auf einmal habe ich schon lange nicht mehr gewaschen und das bleibt hoffentlich fürs Erste auch wieder so.

Doch was wäre eine Grundreinigung, wenn nicht auch die Holzbalken mal wieder abgewischt würden? Das schiebe ich immer wieder vor mir her, weil es eine eher nervige Arbeit ist. Zwar hält sich der Verschmutzungsgrad in Grenzen, doch im Bad, mit der Feuchtigkeit, klebt Staub besonders gut an den Balken fest. Zum Glück hatte ich etwas Unterstützung. Was diese Woche ebenfalls dazu kam, war die Sanierung des Kamins. Der Ofen befindet sich im Erdgeschoss, trotzdem mussten die Handwerker die Zugänge zum Kamin, die sich in jedem Stockwerk, also auch in meiner Wohnung befanden, öffnen und Dinge machen, von denen ich keine Ahnung habe. Zwar merkte man nicht wirklich was von den Arbeiten, trotzdem trug dieses Ereignis dazu bei, dass ich den Frühjahrsputz dieses Jahr etwas früher anging. Und wenn man sich mal wieder um wirklich alles gekümmert hat, fühlt man sich in der Wohnung gleich wieder wohler.

Etwas aufgeräumter ist es ebenfalls wieder, immerhin findet man bei solchen Aktionen immer Dinge, die überflüssig sind, länger nicht mehr benutzt wurden, oder sich einfach woanders besser machen. Ich mag es durchaus immer mal wieder, Sachen umzustellen oder anders zu gestalten und sei es auch nur in kleinen Details. Beispielsweise, wo man die Lammfelle auf der Couch platziert oder indem man die Farben durchwechselt. Was ich dieses Jahr ebenfalls in die Waschmaschine gab und sogar trocknete, war Larry, mein Lama. So kann man es sich auf der Couch wieder gemütlich machen und entspannt den Herrn der Ringe lesen.

Geek-Planet: tschick von Wolfgang Herrndorf

Wie jeden Donnerstag sehen wir uns auch heute wieder einen Text aus alter Vorzeit an. Der folgende erschien am 17. Januar 2018 auf meinem damaligen Blog »geek-planet«, den es heute allerdings nicht mehr gibt. Dennoch möchte ich alle meine Texte an einem Ort versammelt wissen. Also gibt es einmal die Woche einen leicht redigierten, alten Text von mir, mit ein paar einleitenden Worten.

Zum Einschlafen höre ich immer noch und seit vielen Jahren den Podcast Die Sprechkabine. Philipp Seidel und Timo Hetzel haben angenehme Stimmen, sie sprechen im Podcast über alles und nichts. Man kann wunderbar dazu abschalten und einschlafen. Wenn ich durch bin mit den Folgen, fange ich einfach wieder von vorne an. Ich weiß nicht, wie oft ich den Podcast schon durchgehört habe. Jedenfalls kommt unweigerlich immer wieder die Folge zum Vorschein, wo sie über tschick sprechen.

Philipp Seidel ist angetan von dem Buch und aufgrund dessen habe ich es dann auch gelesen oder sogar kurz davor gekauft. Ich weiß die genauen zeitlichen Abläufe nicht mehr, es ist schon ein paar Jahre her. Trotzdem habe ich gute Erinnerungen an das Buch und verbinde sehr viel damit. Zu dieser Zeit habe ich ein paar Klassiker nachgeholt, über die ich noch Texte hervorkramen werde. tschick ist auf jeden Fall empfehlenswert und auch mit der alten Rezension von vor acht Jahren bin ich noch zufrieden.


Bereits 2010 erschienen, fiel mir das Buch von Wolfgang Herrndorf erst letzte Woche so richtig auf. Das Cover kam mir bekannt vor und irgendwo in den Untiefen meines Unterbewusstseins verband ich den Titel mit einem Film. Schließlich schwärmte Philipp Seidel in einer Folge der Sprechkabine (bitte fragt mich nicht welche) davon und so musste ich es mir einfach zulegen. Ich wusste nicht wirklich, was mich erwartet, und war deshalb sehr positiv überrascht. Tschick überzeugt auf allen Ebenen und sollte von so vielen Menschen, wie nur möglich, gelesen werden.

Die beiden Protagonisten in diesem Buch sind Maik und der titelgebende Tschick. Letztgenannter kommt neu an Maiks Schule. Seine aufregende Vergangenheit, sein eigentümliches, verschlossenes Verhalten sowie die Tatsache, dass er Russe ist, machen ihn zu einem Außenseiter. Ebenfalls ein Außenseiter, jedoch von einem ganz anderen Kaliber, ist Maik. Unauffällig, ja geradezu unsichtbar bewegt er sich durch die Schule, ist verliebt in das hübscheste Mädchen und kommt aus einer, na ja, schwierigen Familie. Als dann sein Vater mit der Sekretärin auf „Geschäftsreise“ fährt, während seine Mutter mal wieder die „Beauty-Farm“ besucht, überzeugt ihn Tschick zu einem Roadtrip in die Walachei. Es sollte der Beginn einer Reise werden, in der beide Protagonisten neue Seiten an sich entdecken, über sich hinauswachsen und Begegnungen durchmachen, die sie Deutschland nicht zugetraut hätten.

Genau dies ist es, was ich an dem Buch schätze. Man könnte die Ortsnamen einfach durch andere ersetzen und es würde nichts an der Faszination verloren gehen. Denn wo der Roadtrip stattfindet, ist nicht so wichtig. Zentraler Punkt ist, was auf diesem Roadtrip geschieht und wie die beiden Jungen immer wieder Grenzen überschreiten und Auswege finden müssen. Dabei muss man sich vor Augen halten, dass sie gerade einmal vierzehn Jahre alt sind. Dies macht das Abenteuer gleich nochmal spannender, da beide Charaktere Aspekte verkörpern, die jeder Mensch an sich wiedererkennt. Wer war nicht schon einmal verliebt und egal, ob diese nun erwidert wurde oder nicht, das Gefühl ist doch vertraut. Jeder hatte in der Klasse einen Außenseiter oder war sogar selbst einer und kennt auch das Gefühl, blamiert zu werden. Somit werden viele Entscheidungen, die die beiden treffen, nachvollziehbar. Selbst die Begegnungen auf dem Weg durch Deutschland sind insofern transparent, als die Reaktionen einem bekannt vorkommen. Hätte man nicht selbst ähnlich entschieden?

Doch reine Nachvollziehbarkeit macht noch keinen modernen Klassiker aus. Der Eindruck von Zeitlosigkeit entsteht nicht nur durch die Beschreibung der Landschaften und Städtchen, die so wunderbar zu lesen sind. Die Zeitlosigkeit wird durch die fast vollständige Abwesenheit moderner Technologien (wer braucht die schon auf einem Roadtrip) verstärkt. Genauso, wie die von Herrndorf entwickelte, künstliche Jugendsprache zu diesem Eindruck beiträgt. Wer jetzt denkt, dass klassische Jugendbegriffe Verwendung finden, die schon beim Druck des Buches wieder veraltet sind, darf ich beruhigen. Herrndorf schafft es, mit einfachen Begriffen, so manchen wirren Formulierungen, garniert mit dem ein oder anderen Jugendwort (mir fällt im Moment kein besserer Begriff ein), eine Sprache erzeugen, die die Leser*innen einfach in den Bann ziehen muss.

Ich habe das Buch innerhalb von drei Tagen durchgelesen und konnte nicht glauben, dass es schon vorbei ist. Die Welt, die zwar unsere ist, aber doch ganz anders, lässt einen nicht mehr los. Ich will wissen, was mit Maik und Tschick passiert und wünschte, ihr Trip hätte länger gedauert. Doch nachdem ich das Buch fünf Minuten, nachdem die letzten Seiten gelesen waren, angestarrt hatte, in der Hoffnung, es würden sich noch irgendwo ein paar Seiten mehr finden, kam ich zu der Überzeugung: Es ist perfekt. Weder zu kurz noch zu lang. Am Gipfel der Euphorie kommt das Ende so schnell um die Ecke, dass es einen noch länger verfolgt. Herrndorf bringt die Leserinnen dazu, über die Welt nachzudenken. Ich bin davon überzeugt, dass jeder etwas aus Tschick lernen und für sich selbst mitnehmen kann.

Den Film kann ich übrigens ebenfalls sehr empfehlen. Diesen habe ich mir kurz nach dem Genuss des Buches zu Gemüte geführt und hatte ähnliche emotionale Reaktionen wie beim Buch. Manche Übergänge gelingen zwar aufgrund fehlender Beschreibungen nicht ganz so glatt wie im Buch und nicht alle schauspielerischen Momente gelingen. Trotz dieser Mängel oder vielleicht auch gerade deshalb hat der Film Charme und ist jede Minute, die man investiert, wert.

Leopolds Krone

Jeden dritten Samstag im Monat veranstalten die Sprechenden Häuser eine Führung in Salzburg oder in der näheren Umgebung. Da ich mit Freund J. bereits vor Jahren angefangen habe, die Stadt mit Hilfe von Führungen und kulturellen Angeboten zu erkunden, ihre schillernden sowie weniger schillernden Persönlichkeiten, ihre Geschichte und versteckten Orte zu erkunden, haben wir wohl tatsächlich aus Versehen einen Trend gesetzt. Denn es ist zu beobachten, dass sich jedwede Führung durch die Stadt immer größerer Beliebtheit erfreut und nicht nur Touristen, sondern sehr viele Einheimische die vielfältigen Angebote nutzen.

Die_Sprechenden Häuser_ sind davon natürlich nicht ausgenommen. Erst seit Kurzem sind wir dazu gekommen, auch dieses Angebot regelmäßig in Anspruch zu nehmen. Die Gruppe hat sich über die Jahre sicher eine ansehnliche Stammkundschaft aufgebaut, aber es kommt eben die Beliebtheit der Führungen noch obendrauf. So waren es vor einem Monat im Wehrgeschichtlichen Museum eine stattliche Anzahl an Menschen, die sich in der Schwarzenbergkaserne eingefunden haben. Das Schloss Leopoldskron, welches vergangenes Wochenende am Plan stand, musste sich, was den Besucheransturm anbelangte, nicht verstecken. Es waren sicherlich 150 Leute oder mehr, die sich eingefunden hatten, um das scheinbar seltene Angebot einer Führung durch das Schloss wahrzunehmen.

Es ist immer wieder erstaunlich, wie es den tollen Menschen, die sich hinter den Sprechenden Häusern verbergen, gelingt, große Menschenmengen zu bewältigen. Wenn man ankommt, kauft man erst einmal die Karten für die reservierten Plätze. Dann bekommt man von Heidi ein farbiges Pickerl verabreicht und wird so einer Gruppe zugeordnet. Jedes Mitglied der Sprechenden Häuser hat eine dazu passende farbige Karte und wenn es losgeht, marschieren die Gruppen in ihre jeweilige Richtung. So löst sich ein scheinbar heilloses Durcheinander schnell auf und die Führung kann beginnen. Innerhalb weniger Augenblicke haben sie die Kontrolle über die Menge. Toll organisiert und ein System, welches einfach ist und funktioniert.

Im Schloss Leopoldskron waren es insgesamt sechs Gruppen und damit auch sechs Stationen, die man durchmachte. Über zweieinhalb Stunden hielten wir uns in dem großartigen Gebäude auf und erkundeten dessen reiche Geschichte. Die Stationen wurden von der immer gleichen Person der Sprechenden Häuser betreut, bevor wir weitergeschickt wurden. Zwei weitere Damen kümmerten sich darum, dass niemand sich verlief. Eine effektive Methode, da die Stationen auch nicht allzu weit voneinander entfernt waren. So erkundete man das erste und zweite Stockwerk des Schlosses. Vom Speisesaal über die Bibliothek, das asiatische Zimmer und ein Spiegelzimmer und noch weiteren erstaunlichen Räumlichkeiten erschloss man sich nach und nach das Gebäude.

Es ging sowohl um das Gebäude selbst, was es auszeichnete, als auch warum es so lange in einem eigentlich sumpfigen Moorgebiet überstehen konnte, wer es erbaut und über die Jahrzehnte und Jahrhunderte gepflegt und renoviert hat. Es wurden viele Jahreszahlen genannt, noch mehr Persönlichkeiten beschrieben und so manche Eigenheiten und Besonderheiten in lustigen bis tragischen Anekdoten wiedergegeben. Zweieinhalb Stunden sind eine lange Zeit, sich mit einem Gebäude zu beschäftigen, und irgendwann ist man voll der Eindrücke und Informationen, die irgendwie verarbeitet werden wollen. Für eine Klausur oder einen ausführlichen Aufsatz würde es zwar nicht mehr reichen, aber darum geht es im Grunde auch nicht.

Es geht um das Besichtigen der wichtigen historischen Orte der Stadt, ihre Geschichten und Menschen mit der Zeit immer besser kennenzulernen. Es ist eine Faszination, die nie so recht abreißen will, und es gibt immer wieder Neues zu entdecken und kennenzulernen. Man entdeckt neue Winkel der Stadt und Ecken, von denen man gar nicht wusste, dass es sie gibt. Man hört Namen immer wieder in verschiedenen Kontexten, bis sich irgendwann ein vollständiges Bild ergibt. Wie ein Puzzle setzt man so immer wieder Teile ineinander und mit der Zeit wird ein Konzept, ein größeres Ganzes sichtbar. Deshalb macht es auch Spaß, Führungen immer wieder zu machen und neue Verbindungen herzustellen. Geschichte ist ein großartiges, faszinierendes Hobby.

Eine Kapelle im Wald

Die mittelalterliche Klemmbaustein-Welt von BlueBrixx wird immer größer und detaillierter ausgestaltet. Mit den Gebäuden, die sie sich weiterhin einfallen lassen, werden sie immer spezifischer und aktuell haben sie sogar eine Video-Reihe auf YouTube, in der sie zeigen, wie man ein Diorama baut. Von der Reihe habe ich mir zwar nur die ersten paar angesehen, aber für Enthusiasten ist es sicherlich ein guter Zugang. Ich hoffe nur, sie machen irgendwann eine Video-Reihe dazu, wie man das Monster Burg Blaustein ordentlich in ein Diorama einbaut oder zumindest alles auf eine weitere, abschließende Grundplatte stellen kann.

Immerhin haben sie letztens mit der Veröffentlichung des nächsten größeren Projekts begonnen. Denn so wie man Burg Blaustein über die Jahrhunderte durch die Geschichte verfolgt hat und so gut nachvollziehen kann, wie sich eventuell real existierende Burgen verändert und erweitert haben, machen sie dasselbe nun mit einem Kloster. Vielleicht wird es irgendwann eine gigantische Kathedrale – wer weiß schon, was sie sich Verrücktes ausdenken. Das Kloster Blaubrunn unterscheidet sich von Burg Blaustein dabei nicht nur in der Art, wie der Bau an sich erfolgt, auch die Zusammenstellung der Erweiterungssets scheint anders konzipiert zu werden.

Aktuell gibt es zwei Sets für das Kloster: eine Kapelle und die Einsiedelei. Beide stehen auf eigens gebauten Grundplatten und können durch Pins miteinander verbunden werden. Wenn man allerdings nur ein Set möchte, kann man dies genauso für sich stehen lassen. Wie es aussieht, sind mindestens noch die nächsten beiden Erweiterungen ebenfalls getrennt voneinander aufzubauen. Entweder man erweitert die Einsiedelei oder eben die Kapelle. Irgendwann werden sie sicherlich beide Teile des Klosters zu einer großen Anlage verbinden (müssen). Bis es allerdings so weit ist, kann man sich für eine der beiden Sets entscheiden oder baut eben gleich beide auf. Das ist insofern anders als bei Burg Blaustein, weil hier wirklich jede Erweiterung mitgenommen werden muss, da diese stets aufeinander aufbauen.

Diese Modularität des Klosters gefällt mir an sich hervorragend. Es bietet mehr Flexibilität und außerdem mag ich es, dass beide Gebäude auf einer gebauten Grundplatte stehen, so fügt es sich wunderbar in mein Diorama ein, welches ich für den mittelalterlichen Wohnturm gebaut habe. Das Einzige, was mir nicht so gut gefällt oder wo ich zumindest etwas Sorgen habe, ist der Bau der Gebäude. Denn vieles wird so gebaut, dass man es einfach auseinandernehmen kann. Wände werden nicht stabil gebaut und ineinander verkeilt, wenn man dies so bezeichnen will, sondern man baut einzelne Wandelemente, die für sich stehen können. Dies soll das spätere Erweitern und Auseinandernehmen erleichtern. An und für sich keine schlechte Idee, ich habe allerdings die Befürchtung, dass diese Bauweise übertrieben werden könnte.

Ich sehe die Gefahr, dass sich BlueBrixx hier auf zu einfache Bauschritte konzentriert, statt einer detaillierten, realistischen Bauweise. So könnte die durchaus kleinteilige und manchmal auch experimentelle Konstruktionen, die Burg Blaustein zu etwas Besonderem gemacht hat und macht, dieser einfacheren Bauweise zum Opfer fallen. Ich lasse mich gerne eines Besseren belehren und warte erst einmal gespannt auf die nächsten Sets und Erweiterungen. Der Bau der Kapelle an sich ist allerdings nicht der spannendste. Freude bereitet es, die Grundplatte und Dekorationen wie Bäume oder Werkzeuge zu bauen. Da die Kapelle jedoch eckig ist und symmetrisch, baut man sehr viele Sachen doppelt, bis 64 Mal, so wie es bei den Verzierungen der Ecken der Fall ist. Das ist allerdings dem Gebäude geschuldet. Ich würde empfehlen, mit diesem anzufangen und danach den Rest zu bauen, so hat man die eintönige Arbeit gleich zu Beginn erledigt.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Es ist eine schicke, kleine Kapelle mit jeder Menge Details. Da es ein BlueBrixx-Pro Set ist, sind ein paar Figuren enthalten und man bekommt eine gedruckte Anleitung. Das tut dem Bauspaß allerdings keinen Abbruch. Es ist ein schönes Set und der Beginn einer hoffentlich längeren, spannenden Reise durch die Zeit des Mittelalters und darüber hinaus.

Teigtaschen

Ich mache mir gerne selbst Pizza. Zwar gibt es gelegentlich auch die Tiefkühlvariante, doch gehe ich mehr und mehr dazu über, selbst kurzerhand den Teig zu belegen. Bis auf die Vorbereitung des Teiges dauert dies nicht lange und schmeckt um einiges besser. Größte Herausforderung war bislang, dass ich den Teig vorher entsprechend portionieren kann. Denn ich hatte bis vor Kurzem nur eine sehr große Teigschüssel, die quasi den halben Kühlschrank einnahm. Es musste eine andere Lösung her.

Auf Amazon bin ich schließlich auf ein Set an kleinen Silikonschüsseln gestoßen, die speziell dafür da sind, kleine Portionen Teig aufzubewahren. Sie verschließen sich auch nicht komplett luftdicht, womit die ein oder zwei Schreckmomente entfallen, wenn sich der Deckel meiner großen Schüssel aufgrund des Drucks absprengt und einen unfassbar lauten Knall verursacht. Aus meiner üblichen Menge an Zutaten sollte ich drei dieser Schüsseln mit Teig ausstatten können und habe so immer welchen im Kühlschrank. Das ist der Vorteil an Pizzateig. Dieser kann gerne mal ein paar Tage kühl gelagert werden und wir dabei eigentlich nur besser.

Bei dem ersten Test habe ich mich jedoch an das Rezept gehalten, welches den Schüsseln beilag. Ich teste immer wieder gerne neue Varianten. Was mich überrascht hat, war die geringe Menge an Hefe. Normalerweise gebe ich bei einem Teig mit 460 g Mehl einen kompletten Hefewürfel dazu. Dann geht dieser entsprechend besser und schmeckt fluffiger. Doch hier waren es nur gut 6 g Hefe auf eine ähnliche Menge Mehl. Beim Test mit meinem typischen Teigrezept wird es spannend werden zu beobachten, ob der Teig dann aus den Schüsseln quillt oder es sich ausgeht, wenn der Teig auf drei Schüsseln aufgeteilt ist.

Von den Schüsseln an sich bin ich allerdings angetan. Ich streiche sie noch mit Öl ein, bevor ich die Teiglinge hineingebe, damit sie sich noch besser lösen. Zwar liegen jetzt vier Schüsseln mehr in den Küchenschubladen herum, aber meistens ist dann doch Teig drin und sie befinden sich im Kühlschrank. Durch das Silikon sind sie außerdem sehr weich, was das Herauslösen des Teiges vereinfacht. Zudem sind sie für die Spülmaschine geeignet. Was ich mir zusätzlich noch mitbestellt habe, ist ein neues Mehl, das ich noch nicht hatte. Normalerweise gehört manitoba Mehl in den Teig, aber von der gleichen Marke gibt es ein Tipo 00 Mehl, welches ich aktuell zu Hause habe. Manitoba Mehl kann ich sehr empfehlen, da es den Teig geschmeidiger und glatter macht. Es erstaunt mich immer wieder, wie unterschiedlich man Pizzateig zubereiten kann.