Fehler eingestehen

Es ist nicht immer leicht, Fehler einzugestehen. Vor allem nicht als Unternehmen. Zusätzlicher Druck kommt dann natürlich hinzu, wenn dieses Unternehmen auf YouTube und Social Media besonders aktiv ist. Der Austausch mit der Community ist ihnen sichtlich wichtig. Doch niemand ist perfekt, und im Hintergrund agieren immer Menschen. Diese machen Fehler, schätzen Situationen vielleicht falsch ein oder reagieren nicht immer gleich auf Feedback. Vor allem das Feedback aus den Kommentaren von YouTube und Social Media will mit Vorsicht genossen werden. Ist es wirklich ein größeres Problem oder schreien nur wenige sehr laut und für die meisten ist es gar kein Problem? Entsprechend wollen natürlich die Reaktionen überdacht und nicht überstürzt werden.

Umso erfreulicher ist es, wenn eben ein Unternehmen oder wie im folgenden Fall zwei Personen eines Unternehmens sich vor eine Kamera setzen und sich entschuldigen. Entschuldigen, dass manches falsch gelaufen ist, welche Fehler passiert sind und was man zukünftig daraus lernt. Es zeigt, dass das Vertrauen in ein Unternehmen, eine Firma, nicht unberechtigt ist. Natürlich sollte man sich nie zu sehr mit einem Unternehmen identifizieren oder deren Produkte glorifizieren. Einen gesunden Menschenverstand und Abstand zu wahren, ist stets von Vorteil und nicht blind Produkte zu kaufen, nur weil eine bestimmte Marke draufsteht. Kritik darf man immer üben, auch wenn man ein Fan von etwas ist. Vielleicht besonders dann.

So ist es bei mir mit BlueBrixx. Ich mag die Marke sehr gerne und deren Klemmbaustein-Produkte zeugen in den meisten Fällen von einer fantastischen Qualität zu einem erschwinglichen Preis. Vor allem mag ich ihre Mittelalter-Welt, die sie mit immer besseren Produkten und neuen Ideen füllen. Natürlich sei Burg Blaustein hier erwähnt und das vor Kurzem eingeführte Kloster Blaubrunn. Bereits bei Burg Blaustein gab es Probleme mit der Verfügbarkeit, weil sie, von außen betrachtet, stets zu wenige Einheiten vom Lieferanten bestellt hatten. Dazu kamen Probleme mit den weltweiten Lieferketten und so weiter. Ich habe über ein dreiviertel Jahr gewartet, bis ich endlich das erste Set der Reihe ergattern konnte. Das hat sich allerdings über die vergangenen Jahre gebessert.

In den zurückliegenden Monaten, besonders vor dem Weihnachtsgeschäft 2024, las man jedoch immer wieder Kommentare in Bezug auf den schlechten Kundendienst (genauer gesagt die äußerst langen Reaktionszeiten) und dass Bestellungen nicht ausgeliefert wurden. Dazu gab es eine Deadline, bis wann man bestellen musste, damit man zu Weihnachten die Sets hatte. Diese Frist sollte sich als grandiose Fehleinschätzung herausstellen. Lange Zeit hörte man nichts oder zumindest sehr wenig von BlueBrixx zur angesprochenen Kritik. Im Nachhinein verständlich, denn als Firma muss man sich erst Gedanken machen, wie man die Probleme in Zukunft bewältigen möchte und kann. Etablierte Prozesse zu ändern, ist nie einfach, wie wahrscheinlich viele nachvollziehen können.

Mitte Januar hat BlueBrixx schließlich ein Statement auf YouTube veröffentlicht, wo sie die Zeit vor Weihnachten Revue passieren lassen, genau erläutern, was die Probleme waren, was sie kurzfristig dagegen getan haben und wie sie planen, die Herausforderungen zukünftig zu meistern. Ein tolles Video und etwas, das man nicht oft liest oder zu hören bekommt. Natürlich gibt es immer Leute, die sich auch darunter beschweren. Dass man das Video früher hätte machen sollen und so, aber das ist die Minderheit. Ich selbst habe mich wegen einer Fehllieferung an den Kundenservice gewandt und warte noch auf eine Antwort. Mal sehen, wann die kommt. Außerdem muss ich noch wegen zwei Fehlteilen in der Einsiedelei nachfragen, was wahrscheinlich lange dauern wird, bis eine Rückmeldung, geschweige denn Ersatz kommt. Aber nun weiß ich, warum und dass es eben so ist. Ich kann mich darauf einstellen und es stresst nicht. Eine Entschuldigung oder sich Fehler einzugestehen ist nie leicht. Deshalb ist es umso eindrucksvoller, wenn man solche Videos zu sehen bekommt.

Geek-Planet: Black Science – How to fall forever

Wie jeden Donnerstag sehen wir uns auch heute einen alten Text von mir an. Der folgende wurde am 02. November 2016 zum ersten Mal veröffentlicht. Auf meinem damaligen Blog Geek-Planet habe ich regelmäßig über Comics, Filme und mehr berichtet. Den Blog gibt es allerdings nicht mehr. Trotzdem will ich alle meine Texte an einem Ort versammelt haben. Deshalb redigiere ich diese für diese Seite etwas und versehe sie mit einer kleinen Einleitung.

Black Science ist mir sehr positiv in Erinnerung geblieben. Vor allem kann ich mich noch an die tollen Cover erinnern und die großartigen, kreativen Szenen der Geschichte. Indie-Comics, wie es eben Black Science einer ist, haben häufig etwas, das sie visuell von anderen unterscheidet. Deshalb habe ich, trotz meiner Begeisterung für Marvel und DC, immer gerne so viele Indie-Comics wie möglich mitgenommen. Sie erzählen Geschichten mit Charakteren, die man so nicht bei Marvel findet. Es sind im besten Fall intimste Geschichten, die von Menschen oder Wesen erzählen, die einen berühren und begeistern. Ich bin mir nicht sicher, ob ich Black Science je fertig gelesen habe, doch das, was ich las, war ein verrücktes und großartiges Abenteuer und strotzte nur so vor Kreativität.


Lange schon liegen die ersten beiden Collections von Black Science auf meinem zu-lesen-Stapel. Jetzt bin ich endlich dazu gekommen, den ersten Band nachzuholen. Ich habe mit vielem gerechnet, aber nicht mit einer so verrückten Reise durch verschiedenste Welten und Dimensionen. Es entfaltet sich etwas, das man sich nicht entgehen lassen sollte: ein wahres Eververse.

  • Ausgaben: #1 bis #6
  • Autor: Rick Remender
  • Künstler: Matteo Scalera
  • Painted Art: Dean White
  • Lettering + Logo Design: Rus Wooton

„Mind goes blank with rage. Rage pushes me over the edge. Same mistake I always make. Leap before I look.“ – Grant

In Black Science haben wir es nicht mit Zeitreisen zu tun, sondern mit Reisen in andere Dimensionen und Varianten unseres Universums. Grant und sein Team von Wissenschaftlern haben den so genannten „Pillar“ entwickelt. Dieses Gerät transportiert alle Wesen in der unmittelbaren Umgebung in eine andere Welt. Der Autor Rick Remender greift hier die Idee des Multiversums auf und modifiziert diese Theorie ein wenig. Das (herkömmliche) Konstrukt von mehreren Universen (Multiversum) ist meist so dargestellt, dass jedes Universum eine Blase ist und diese nebeneinander existieren. Sie sind quasi in einem ständigen Prozess, des immer wieder Entstehens, Entwickelns und Vergehens.

In Black Science aber ist dieses Multiversum wie eine Zwiebel aufgebaut – zumindest wird das Gemüse als Schaubild verwendet. Es gibt also Schicht um Schicht neue Versionen, die sich mit jeder Entscheidung, die getroffen wird, vervielfachen. Das heißt also in einer Version habe ich mich dazu entschieden, keinen Blog über Comics zu schreiben, sondern berichte über die verschiedenen Fortpflanzungsmöglichkeiten von Säugetieren (eigentlich keine so blöde Idee …). Die Theorie ist, dass es etwas im Zentrum dieser Zwiebel gibt – eine Art erste Entscheidung, die dieses Eververse, wie es von Grant genannt wird, gestartet hat.

Doch jemand hat den Pillar manipuliert und beschädigt, und nun springen sie nicht gezielt durch diese Schichten, sondern landen an zufälligen Orten in dieser Zwiebel. Auch die Dauer des Aufenthalts variiert. Normalerweise einstellbar, zählt der Countdown von einer zufälligen Zahl abwärts. So bleibt man mal zwei oder drei Tage an einem Ort und dann mal wieder nur 15 Minuten. Dies macht den besonderen Reiz von Black Science aus, da man sehr viele verschiedene Welten kennenlernen kann und das ein oder andere Mal auch Versionen unserer Protagonisten auftauchen. So begegnen wir zum Beispiel einem Affen-Grant, der ebenfalls einen Pillar zu bauen begonnen hat und die Theorie des Eververse verfolgt.

Ein anderes Mal begegnen wir fantastischen Froschwesen, die auf die Wissenschaftler nicht so nett zu sprechen sind. Früher oder später werden wir dann sicher auch fast identischen Varianten der Charaktere begegnen, wie es auch schon einmal der Fall war. Doch diese tolle Szene möchte ich nicht vorwegnehmen. Die Forscher haben aber auch an Situationen gedacht, wo es vielleicht keinen Sauerstoff zu atmen gibt und tragen entsprechende Anzüge, die sie vor diversen Umwelteinflüssen schützen. Schön, wenn mal etwas mitgedacht wird.

Die verschiedenen Charaktere, die mit dem Pillar gezwungen sind zu reisen, setzen sich aus Grant, seiner Frau und den beiden Kindern zusammen. Außerdem ist noch Grants bester Freund und Kollege Ward dabei. Er darf die ersten paar Ausgaben über den Erzähler mimen, wodurch man ein ziemlich gutes Bild von ihrer innigen Freundschaft erhält. Ward hat Grant ziemlich viel zu verdanken und opfert sich für ihn auf, wie man es sich nicht vorstellen kann. Bis zuletzt kämpft er um das Überleben seines besten Freundes, der ihm so viel ermöglicht hat.

Was natürlich an einer solchen Zusammenstellung an Charakteren auch nicht fehlen darf, ist ein Quertreiber. Jemand, der sich gegen die Gruppendynamik ausspricht und vielleicht sogar so etwas wie ein kleiner Antagonist ist. Es zeichnet sich zwar eine kleine Wandlung am Horizont ab, jedoch glaube ich diese erst, wenn sie in der nächsten Story-Arc passiert. Die Rede ist hierbei von Kadir, dem Finanzier der ganzen Geschichte und der mehr oder weniger zufällig in diesen Schlamassel reingeraten ist. Remender gelingt es jedoch, ihn nicht nur zu diesem typischen, nervigen Charakter zu machen, der am besten beim nächsten Sprung zurückgelassen wird, sondern er verleiht ihm etwas Interessantes. Dadurch will man doch mehr von ihm erfahren und hofft, dass er sich für das Wohl der Gruppe entscheidet.

Black Science ist eine fantastische Kombination aus Science-Fiction-Comic, mit einem Hauch Stargate. Die Zeichnungen vermitteln einen tollen Eindruck und verstehen es, die unterschiedlichsten Gegenden in Szene zu setzen. Teilweise sind mir die Farben nur etwas zu dunkel gewählt, vor allem am Anfang, wo wir direkt in die Geschehnisse hineingeworfen werden. Ich freue mich aber auf den nächsten Teil und wie es darin weitergeht. Den Protagonisten wurde bereits nahegelegt, dass sie mit ihren Reisen nicht gerade positiv auf die Eververse-Zwiebel einwirken, sondern geradezu Löcher in dessen feine Wände reißen. Wie sich das wohl bemerkbar machen wird, wenn das zutrifft, sehen wir hoffentlich in Volume 2.

Ein Deck voll Elden Ring

Seit Jahren begeistert mich das Spiel Elden Ring. Ich habe es diverse Male durchgespielt und mich voller Freude in den DLC Shadow of the Erdtree gestürzt, der vergangenes Jahr erschien. Aber das Spiel beschäftigt mich auf verschiedensten Ebenen weiter. Ich schaue mir gerne Challenge-Runs an oder das von Streamer Captain Domo veranstaltete Bingo Brawlers. Außerdem gibt es diverse Analysen, Zusammenfassungen und natürlich Hommagen an Elden Ring. Allen voran Carbot Animations.

Dabei handelt es sich um kurze Animationsvideos, die Videospiele aufs Korn nehmen. Jedoch machen sie sich nicht darüber lustig, sondern produzieren lustige Videos, die die Welt von Spielen aus einer anderen Perspektive zeigen. Die Videos sind mit viel Liebe zum Detail gemacht und haben einen einzigartigen Animationsstil, der mir ausgezeichnet gefällt. Es gibt Anspielungen auf eine Vielzahl anderer Spiele und popkultureller Erzeugnisse innerhalb dieser Videos. Dabei dauern diese nur wenige Minuten. Oft kommen sie ohne Sprache aus. Es ist eine Art Verbeugung vor Videospielen und die Produktionen sind auf einem erstaunlich hohen Niveau.

Besonders haben es mir natürlich die Videos zu Elden Ring angetan. Man erinnert sich dabei an die eigene Reise durch die Zwischenlande. Es sind immer wieder lustige Momente in den Videos; Momente, die einen im Spiel selbst wahrscheinlich haben verzweifeln lassen. In der Videoreihe zu Elden Ring begleitet man einen Tarnished auf der Reise zum Elden Lord, so wie man selbst auch diese Reise vollzogen hat. Anfangs bekommt man noch von allen Gegnern ordentlich aufs Maul, bevor man sich besser zurechtfindet und über sich hinauswächst. Es ist wirklich großartig und hat so manches Meme hervorgebracht oder gekonnt aufgenommen. Selbst die Kommentare unter den Videos sind toll zu lesen. Es ist eine nette Community.

Wenn es nur einen Weg gäbe, diese tollen Zeichnungen zu verewigen und zu Hause bestaunen zu können. Doch Carbot Animations enttäuscht auch hier nicht mit einer kreativen Lösung. So bestand Ende 2024 die Möglichkeit, ein Kartendeck mit der künstlerischen Interpretation der Elden Ring Charaktere zu erwerben. Da konnte ich natürlich nicht anders als zuzuschlagen. Carbot Animations hat eine tolle Sicht auf das Spiel und es ist eine schöne Erinnerung; nicht nur an die Videos, sondern ebenso auf die Reise durch die Zwischenlande und das Schattenreich. Die Karten sind letztens angekommen und haben nicht enttäuscht. Der Druck ist hochwertig, die Karten greifen sich toll an und alle Hauptfiguren und Stars aus den Videos, wenn man sie so bezeichnen möchte, kommen vor. Ein Kartendeck bietet eben viel Platz, um Kreaturen, Bosse und Charaktere aus den Videos aufzugreifen. Wahrscheinlich könnte man zwei oder drei Decks füllen, aber mit diesem hier bin ich mehr als zufrieden.

Ein neuer Anfang

Mir ist es wichtig, einen guten Überblick über meine Finanzen zu haben. Was sind meine regelmäßigen Ausgaben? Welche Abos laufen monatlich und jährlich? Wie kann ich mich auf Ausgaben vorbereiten, die nicht planbar sind? Was steht mir wirklich als Budget für meine Hobbys zur Verfügung? Alles Fragen, die ich seit langer Zeit beruhigt beantworten kann. Seit über fünf Jahren verwende ich für ein ruhiges Gewissen die App You Need A Budget (YNAB). Zwar sind die jährlichen Abo-Kosten mittlerweile im höheren Bereich angesiedelt, aber im Moment ist es mir der Seelenfrieden Wert, den mir YNAB bringt. Zudem ist mir bisher noch keine bessere Alternative, mit einem ähnlichen Funktionsumfang, über den Weg gelaufen.

Über das »Warum« von YNAB habe ich bereits in der Vergangenheit geschrieben (Impulskontrolle mit YNAB). Heute geht es mir um eine spezielle Funktion, die in der App steckt. Genauer gesagt eine Funktion, die ich gerne in der Desktop-Version nutze, die man über den Browser öffnet. Denn überraschend regelmäßig setze ich mein Budget auf null zurück und fange von vorne an. Jedoch nicht komplett von vorne, das wäre äußerst aufwendig, sondern mit dem, was YNAB als »Fresh Start« bezeichnet. Sämtliche Kontostände von nicht verknüpften Konten (was bei mir alle sind) und die aktuell budgetierten Summen in den einzelnen Kategorien werden auf null zurückgesetzt.

Was sich YNAB allerdings merkt, sind die Kategorien, die man sich angelegt hat, die zukünftigen Ausgaben, die man geplant hat und noch ein paar zusätzliche Kleinigkeiten, die einen Neustart angenehmer machen. Ich habe vorhin geschrieben, dass ich es überraschend regelmäßig mache. Man sieht in YNAB die alten Budgets in einem Archiv, sofern man diese nicht manuell löscht und beinahe jährlich, spätestens nach eineinhalb Jahren, scheine ich immer wieder einen »Fresh Start« zu machen. Mit der Zeit schleichen sich Dinge ein, die das Budget unnötig verkomplizieren. Seien es zu viele Kategorien, regelmäßige Ausgaben, die man aus Bequemlichkeit einer „falschen“ Kategorie zugewiesen hat oder regelmäßige Ausgaben, die eventuell unnötig geworden sind. Was auch immer der Grund sein mag, es tut wirklich gut, regelmäßig frisch anzufangen und die eigenen Kategorien neu zu bewerten.

Natürlich behalte ich die meisten Kategorien bei. Es gibt eben eine Basis, die man immer benötigt: Lebensmittel, Wohnungskosten, Kredit, Telefon- und Internetrechnungen, Versicherungen, Spar- oder Anlagen-Pläne und so weiter. Doch es sind die zusätzlichen Kategorien, hauptsächlich in Bezug auf Abos, die ich mir bei solchen Neustarts immer besonders genau anschaue. Benötige ich alle Patreon-Abos, die aktuell laufen, oder kann ich welche wegstreichen? Das eine Jahr von MyFitnessPal werde ich wahrscheinlich nicht verlängern, also fällt das dieses Jahr sowieso weg oder Hobbys, die ich schon lange nicht mehr verfolge, benötigen keine eigene Kategorie mehr. Ich streiche rigoros weg. Im Zweifel kann ich es später wieder hinzufügen, aber fürs Erste sollte das Budget einfacher werden.

Schließlich werden die einzelnen Konto-Stände wieder eingetragen und jeder Kategorie die benötigten Summen zugewiesen. Dabei startet man, wie es Hannah vor kurzen auf dem YouTube-Kanal von YNAB vorgestellt hat, mit den wichtigsten Kategorien zuerst. Sprich, die oben genannten Basis-Kategorien werden als Erstes versorgt, bis eben jeder Euro einen Job bekommen hat. Mit diesem »Fresh Start«, der Neubewertung von Abos und Ausgaben, kann das Jahr 2025 kommen. Für einen Neustart von YNAB ist es nie zu spät, und wenn man eine gute App für die eigenen Finanzen benötigt, kann ich die App nur empfehlen. Wie gesagt, beschert mir YNAB seit Jahren einen Seelenfrieden, den ich zuvor nicht hatte. Ich habe alle Ausgaben immer im Blick und bin auf fast alles vorbereitet. Mit einem Neustart fühlt es sich umso besser an, da ich meine aktuellen Prioritäten berücksichtigen kann, was mir in meinem Leben aktuell am wichtigsten ist. Immer nur das aktuelle Budget zu überarbeiten, ist da nicht ausreichend. Manchmal benötigt man einen neuen Anfang.

man-Formulierungen

Mit Freund T. hatte ich mich letztens über man-Formulierungen unterhalten. Es ging im konkreten um Rezensionen von Filmen, beispielsweise. In meinem ersten Semester Medienwissenschaften hatte ich einen Kurs zum Thema Nachrichtentexte; wie man diese schreibt, worauf es ankommt und dergleichen. Damals hatte ich noch meinen alten Blog »Geek-Planet«. Meine neuen Freunde bestanden darauf, dass ich diesen kurz vorstelle, da es in der konkreten Stunde um Rezensionen ging und ich entsprechende Texte schrieb.

Ich war äußerst zurückhaltend damit. Bin ich auch heute noch, wenn ich ehrlich bin. Irgendwas hindert mich manchmal daran, darüber zu reden, dass ich einen täglichen Blog betreibe. Es hat etwas Entblößendes an sich. Man gibt sehr viel von sich preis, sehr viel sogar, wenn man jeden Tag über die unterschiedlichsten Themen schreibt. Aber das ist ein Vorsatz, nicht unbedingt fürs neue Jahr, eher generell, dass ich offener bin, mit den Dingen, die mir wichtig sind, aber auch wenn mich etwas stört oder so.

Jedenfalls saßen wir in dem Seminar und Sprachen über Rezensionen. Wir kannten uns kaum ein paar Wochen und schon sollte ich meinen Blog dort vorstellen. Freund H. hat dies, wenn ich mich recht entsinne, damals an sich genommen und im Nachhinein bin ich froh darüber. Manchmal bedarf es einer externen Motivation, um über den eigenen Schatten zu springen. Es war gerade die Zeit, als Star Wars – The Force Awakens in den Kinos lief, und meine Rezension dazu war eine der obersten Texte. Ich wurde gebeten, ihn vorzulesen.

Selbst ob meiner Nervosität lief dies überraschend gut. Der Text kam, glaube ich, auch einigermaßen gut an und die Professorin bot etwas Feedback an. Der eine Kritikpunkt, der mir seither nicht mehr aus dem Kopf geht, ist, dass ich-Formulierungen im Text vorkommen. Dies sei aber ein Blog und da kann man so etwas machen. Heute frage ich mich, warum dies gerade bei Rezensionen etwas Schlechtes sein soll. Bei dieser Sorte Text sollte es geradezu deklariert werden, dass dies eine subjektive Meinung ist und keine objektive Untersuchung.

Natürlich gibt es immer objektive Kritiken und Elemente, die man entsprechend beurteilen kann. Doch eine finale Rezension jedwedes Medienerzeugnisses ist zwangsläufig eine subjektive. Man-Formulierungen versuchen dies nur zu verschleiern und die angeführten Thesen und Kritiken als universelle Wahrheit darzustellen. Ein solcher Text wirkt komplett anders, wenn man sämtliche »man« durch »ich« ersetzt. Er wirkt sehr viel persönlicher, subjektiver und sämtliche, zuvor generell angesehenen Kritiken, verlieren etwas von ihrer Schlagkraft.

Plötzlich ist die Gelegenheit für einen Dialog da. Okay, du siehst es so, ich sehe es aber vielleicht anders. Ich habe einen anderen Zugang zum Thema, oder mich berührt dieser Aspekt der Geschichte besonders, weil ich eine entsprechende Erfahrung gemacht habe. Ich kann Argumentieren und mich aktiv über etwas austauschen. Manchmal sind man-Formulierungen unumgänglich oder machen einen Text zugänglicher. Manchmal hilft es bei den Themen, etwas Distanz zu gewinnen und vereinfacht es, darüber zu berichten. Es ist stets ein Abwägen, welche Formulierung gerade am angebrachtesten ist. Doch ein Fehler sind ich-Formulierungen, besonders wenn es um Rezensionen geht, keinesfalls.

Sich selbst blockieren

Menschen haben manchmal schon seltsame Ansichten. Ich weiß, in der aktuellen Weltlage eine erstaunlich geistreiche Beobachtung. Ich klopfe mir auch gerade selbst auf die Schulter und bin stolz auf mich. Allerdings geht es mir nicht um das große Ganze, sondern eher um einen kleinen Ausschnitt menschlichen Verhaltens, der mir in letzter Zeit des Öfteren aufgefallen ist. Es scheint fast so zu sein, dass neue Gewohnheiten oder Vorlieben rasch als selbstverständlich wahrgenommen werden. Das, gepaart mit dem üblich ruppigen Verhalten, welches in YouTube-Kommentaren zu finden ist, ergibt eine belustigende Mischung. Doch worum geht es?

Wie regelmäßige Besucher*innen dieses Blogs vielleicht wissen, bin ich der Marke BlueBrixx recht angetan. Dabei handelt es sich um einen Klemmbausteinhersteller mit Sitz in Deutschland. Im Bereich der Klemmbausteine sind sie relativ frisch unterwegs, verbessern sich allerdings sichtlich Jahr für Jahr und konnten sich einen guten Ruf aufbauen. Das gelingt ihnen zum einen über einen gut geführten YouTube-Kanal. Dort stellen sie aktuelle Neuheiten vor, reagieren auf Feedback der Community und veranstalten regelmäßige Q&As. Die Menschen vor der Kamera sind sympathisch, brennen für die Themenbereiche und man merkt bei den Präsentationen, dass sie sichtlich Freude an ihrer Arbeit haben.

Besonders hervorgetan hat sich BlueBrixx durch Mittelaltergebäude, die mit sehr viel Liebe zum Detail gestaltet sind. Wenn man sich all die Sets, die in der Serie bisher erschienen sind, zulegen würde, bräuchte man ein großes Zimmer und könnte ein gewaltiges Diorama aufbauen. Seit kurzem hat BlueBrixx sogar eigene Minifiguren, die sie in immer mehr Themenwelten ausrollen und mit denen man die Welt bevölkern kann. Natürlich ist BlueBrixx nicht ohne Schwächen, besonders der Kundenservice gerät oft ins Kreuzfeuer und anfangs war die Qualität der Steine noch nicht von angemessener Qualität. Doch durch neue Lieferanten und Partnerschaften konnten die anfänglichen Qualitätsprobleme mittlerweile beseitigt werden. Ich würde sie jederzeit dem dänischen Markführer vorziehen, aber das hat noch weitaus mehr Gründe, auf die ich aber heute nicht eingehen möchte.

In der Welt des Mittelalters von BlueBrixx ist besonders ein Gebäude geradezu berühmt-berüchtigt: die Burg Blaustein. Anfänglich ein eher kleines Set mit 5.000 Teilen ist mit diversen Erweiterungen mittlerweile ein knapp 30.000 Teile umfassendes Monster daraus geworden und es scheint noch kein Ende in Sicht zu sein. Doch die Burg ist langsam nicht mehr zu bewältigen. Sie ist schwer, massig und eher schlecht zu tragen. Wenn sie steht, dann steht sie. Der Ausbau scheint sich, auch wenn man es sich vielleicht nicht eingestehen möchte, dem Ende zu nähern. Mal sehen, was noch kommen mag. Das nächste größere Projekt steht allerdings schon in den Startlöchern: Kloster Blaubrunn. Wie bei Burg Blaustein soll man die Entwicklung des Klosters über die Jahrhunderte begleiten. Irgendwann entsteht sicherlich eine prächtige Anlage. Doch eines hat sich an der Präsentation entscheidend geändert: die Verpackung und das Anleitungsdesign.

Burg Blaustein ist unter der Eigenmarke BlueBrixx Special vertrieben worden und wird auch noch mit diesem verkauft. Man bekommt schlichte, designfreie Kartons, die randvoll mit Klemmbausteinen sind. Die Anleitungen sind nur als PDF verfügbar und von der Webseite herunterzuladen. An sich praktisch. Man spart sich Papier und kann mit dem Tablet bauen. Kloster Blaubrunn allerdings wird über die Eigenmarke BlueBrixx Pro verkauft. Die Kartons sind hochwertiger, verfügen über ein ansprechendes Design und die Anleitung liegt gedruckt bei. Warum sie das nun geändert haben, kann ich nicht nachvollziehen, aber es ist eben so. Bisher kann man die Anleitungen der Pro-Sets leider (noch) nicht als PDF herunterladen. Es soll scheinbar eine Downloadfunktion kommen, aber wann das so weit ist, weiß man nicht.

Bei den Produktvideos für die ersten beiden Sets von Kloster Blaubrunn liest man immer wieder, wie begeistert die Kundinnen und Kunden doch von den Sets sind. Man muss für zukünftige Umbauten nicht so viel zerlegen, wie bei Burg Blaustein (auch wenn ich das sehr gerne so gehabt hätte), es sind Figuren dabei und die größere Modularität sei zu begrüßen. Das Team hat sich außerdem eine kleine Geschichte dazu überlegt, was ich sehr begrüße und die Welt rund um Blaustein und Blaubrunn lebendiger wirken lässt. Was allerdings erstaunlich oft auf diese Beglückwünschungen folgt, ist ein großes „aber“. Denn man würde sich das Set so nicht kaufen können, denn die Anleitung ist ja gedruckt beigelegt und noch gibt es keine Möglichkeit, diese digital herunterzuladen. Ich finde das eine erstaunliche Argumentation, etwas nicht zu kaufen, von dem man sichtlich ein Fan ist, das man gerne hätte, dafür sogar einen YouTube-Kommentar hinterlässt, es allerdings schließlich an der Form der Anleitung scheitert.

Wie gesagt, ist BlueBrixx eine noch recht junge Firma. Es ist von den neueren Marken eine der wenigen, die Anleitungen digital zur Verfügung stellen (eben bei den Specials). Kauft man Sets von Cobi, Funwhole, Pantasy, Cada und Co. liegt stets eine gedruckte Anleitung bei. Ich weiß nicht einmal, ob man digitale Anleitungen dieser Marken bekommt. Es ist mir auch egal. Es geht mir um den Bau der Sets. Um die Freude beim Aufbauen und das Entdecken der netten Details. Haben wir nicht alle als Kinder und Jugendliche die Sets mit gedruckten Anleitungen gebaut aus dem schlichten Grund heraus, dass es die digitale Infrastruktur nicht zuließ, Megabyte an PDFs herunterzuladen? Ist die Art der Anleitung so essenziell wichtig, dass man sich einem Produkt verwehrt, von dem man sichtlich Freude für sich herausziehen kann und das einen über Jahre begleiten wird? Besonders wenn man schon andere Sets zu Hause hat und das Kloster wunderbar als Ergänzung dienen würde?

An meiner Blaustein baue ich schon mehrere Jahre, weil immer wieder Sets erscheinen. Vom neuen Kloster erwarte ich mir etwas Ähnliches. Man fasst es immer wieder an, baut es um, ergänzt vielleicht eigene Ideen und Erweiterungen. Vielleicht hat man ein Diorama zu Hause, wo man es einbauen kann. Vielleicht zerlegt man es und baut die zig-tausend Teile erneut auf und verzweifelt etwas, weil man das eine spezielle Teil unter den tausenden anderen nicht mehr findet (nicht, dass ich so etwas schon einmal gemacht hätte oder mir etwas in der Form passiert wäre). Wenn ich so darüber nachdenke, finde ich die gedruckte Anleitung sogar ganz nett, weil man immer wieder darin blättern kann, anstatt auf einem Bildschirm herumzuscrollen. Ich mag beide Versionen von Anleitungen. Mir ist es egal, wie ich baue, solange das Set gut konstruiert ist und mir Freude bereitet. Dass man sich derart selbst blockiert und etwas verwehrt, finde ich äußerst erstaunlich. Könnte man mit einer klassischen, gedruckten Anleitung nicht noch etwas mehr das Gefühl von früher hervorrufen? Ich freue mich jedenfalls auf das Kloster und vielleicht liegen die ersten beiden Sets aktuell neben mir und warten nur darauf, gebaut zu werden.

MCU Rewatch | Avengers: Age of Ultron

Ich weiß nicht, wie oft ich den ersten Trailer zu Age of Ultron damals angeschaut habe. Aber es muss sehr oft gewesen sein. Die eingespielte Kindermusik, die Anspielungen auf Pinocchio, die endzeitliche Stimmung, sowie die grandiose Performance von James Spader haben mich nicht mehr losgelassen. Die Vorfreude auf den Film war gigantisch. Vor allem, weil dieser erneut von Joss Whedon inszeniert werden sollte. Mit dem ersten Avengers hat er bewiesen, dass er sich in dem Universum auskennt und nun soll er uns erneut mit einem Zusammentreffen unserer liebsten Helden beglücken.

Die Änderungen an der Comic-Vorlage, die in diesem Fall durchgeführt wurden, finde ich äußerst passend. Veränderungen, wenn sie der Geschichte dienen, sind nicht nur positiv zu bewerten, sondern willkommen. In den Comics hat Hank Pym (Ant-Man) Ultron ins Leben gerufen. Das hätte nicht ins MCU gepasst. Die dramatischen Ereignisse aus New York, die nicht nur Iron Man 3 und Captain America – The Winter Soldier geprägt haben, werden hier gekonnt vorgesetzt. So ist es Tony Stark, mit Hilfe von Bruce Banner, der die AI rund um Ultron zum Leben erweckt. Doch seine ursprüngliche Programmierung, genauer gesagt das eigentliche Ziel, die Menschheit zu beschützen, schlägt schnell in das Gegenteil um.

Das Perfide an Ultron ist, dass er mit jeder neuen Generation von sich selbst besser wird. Bessere Materialien, bessere Eigenschaften, mehr Vernetzungen in der Welt und so weiter. Jede Iteration macht etwas besser als die vorhergehende; Evolution in Überschallgeschwindigkeit. Erneut hat die Casting-Direktorin Sarah Halley Finn ihr Geschick bewiesen, als sie James Spader als den terrorisierenden Roboter engagierte. Auch hier sind die behind-the-scenes Videos sehr zu empfehlen. Es ist großartig zu sehen, wie diese Charaktere entstehen, und James Spader ist immer ein Genuss. Ich mochte ihn auch in den ersten Staffeln von Black List, aber die immer abstruser werdenden Geschichten haben mich irgendwann verloren. Jedenfalls ist er ein begnadeter Schauspieler. Ultrons Größenwahn transportiert er mit Bravour. Die Avengers haben einen beängstigenden Gegner, dem sie hier gegenüberstehen.

Ich fände es immer noch cool, wenn Ultron irgendwann vielleicht zurückkehren und eine neue Bedrohung für die Avengers darstellen würde. Die neue Generation der Avengers könnte sich auf ihre ganz eigene Art mit dieser Bedrohung auseinandersetzen. Wie kaum ein anderer Gegner könnte Ultron den aktuellen Zeitgeist aufgreifen und seine Bedrohung dadurch noch echter machen. Es wäre ein interessantes Experiment.

Was mir an Age of Ultron ebenso gut gefällt, abseits von den beeindruckenden Kulissen und Action-Sequenzen, sind die einfacheren Szenen. Die Momente, in denen unsere Helden einfach nur dasitzen oder -stehen und sich unterhalten. Das hat dieser Film wirklich fantastisch gemacht, und es ist etwas, das mir in aktuellen Filmen etwas fehlt. Sei es die Party-Szene, bevor Ultron sie so unhöflich unterbricht. Sie scherzen, diskutieren und testen, ob sie nicht doch Mjölnirs würdig sind (im Rückblick fantastisch umgesetzt, dass Cap nur vortäuscht, den Hammer nicht hochheben zu können; in Kombination mit Visions Fähigkeit dies zu tun und die humorvolle Art, wie dies umgesetzt wird, lenkt perfekt von der Tatsache ab, dass Steve es könnte; die Russo Brothers lösen das Rätsel schließlich in einer der besten Szenen in Endgame auf – aber dazu kommen wir in ein paar Monaten).

Zu diesen stimmungsvollen Momenten gehört ebenso die Zeit, die sie auf der Farm von Hawkeye verbringen. Es zeigt sie verletzlich. Die Dynamiken zwischen den Charakteren werden weiter ausgebaut, man versteht sie besser. Erst wenn wir diese Charaktere auf einer menschlichen Ebene sehen und begreifen, können die großen, heldenhaften Momente umso intensiver ihre Wirkung entfalten.

Die neuen Figuren, die mit Age of Ultron eingeführt werden, sollen noch eine große Rolle im weiteren Verlauf des MCU spielen. Allen voran natürlich Wanda und Vision, die am Ende bereits ihre angehende Beziehung andeuten. Elizabeth Olsen als Wanda ist ein ebenso genialer Zug, wie Paul Bettany von seiner Sprecherrolle als Jarvis hin zu Vision zu befördern. Beide passen perfekt in ihre Rollen und sind nicht mehr aus dem MCU wegzudenken. Ich hoffe, sie kehren bald wieder zurück. Dann haben wir natürlich noch Andy Serkis als Ulysses Klaue – ebenso ein hinterhältiger und gut umgesetzter Bösewicht, der noch eine größere Rolle im großen Ganzen einnehmen darf – und Aaron Tayler-Johnson als Quicksilver. Er verlässt uns zwar frühzeitig wieder, hinterlässt aber trotzdem einen bleibenden Eindruck.

Age of Ultron ist ein toll umgesetzter Film. Die Geschichte der Avengers wird gekonnt fortgesetzt. Man hält sich nicht lange mit der Etablierung des Teams auf oder wie sie in diesem Fall zusammenfinden, um die letzten Basen von Hydra zu beseitigen. Wir steigen direkt ein und es kann losgehen. Die Charaktere sind etabliert und man fokussiert sich auf das Team selbst, ihre Dynamik und den Problemen, denen sie gegenüberstehen. Action-Sequenzen und ruhigere Momente lösen sich wunderbar ab und halten eine Balance, die die Geschichte in einem angenehmen Tempo erzählt.

Am Ende dürfen wir dann noch einen Blick auf den großen Bösewicht des MCU werfen. Thanos nimmt es selbst in die Hand, um sich der Avengers zu entledigen und die Infinity-Stones zusammenzubringen. Der perfekte Teaser für Phase drei des MCU. Doch zunächst müssen wir die Zweite mit dem ersten Ant-Man-Film abschließen.

Und nur um den Überblick zu behalten und weil ich es selbst andauernd vergesse, welcher Stein wofür steht, hier eine Übersicht, welche wir bisher kennengelernt haben und wo sie sich befinden:

  • Der Tesseract beinhaltet den »Space Stone« und befindet sich, nach den Ereignissen von Avengers, in Asgard.
  • Lokis Zepter beinhaltet den »Mind Stone« und befindet sich in Vision, genauer gesagt auf seiner Stirn.
  • Der Äther, der den »Reality Stone« repräsentiert, ist irgendwo in der zerstörten Sammlung des Collectors in Knowhere
  • Der »Power Stone«, den zwischenzeitlich Ronan in seinem Hammer hatte, befindet sich auf Xandar

Zauberhafte Hexen

Von 1998 bis 2006 beglückten uns die drei, eigentlich vier, Halliwell Schwestern mit ihren Abenteuern in der fantastischen Serie Charmed. Mir war es gar nicht bewusst, dass es eigentlich einen fließenden Übergang zur Serie Supernatural gab, die 2005 startete. So hatte man über viele Jahre hinweg konstanten Nachschub an guten Mystery-Serien. Natürlich schwankte die Qualität der Staffeln und Episoden im Laufe der Zeit, wie das eben bei lange laufenden Projekten so ist, doch im Allgemeinen sind das wohl die beiden Serien mit der größten Relevanz, wenn es um Mystery und Horror-Elemente geht. Wobei letzteres eher in Supernatural zu finden ist.

Ende 2024 erschien, ohne dass ich davon informiert wurde, eine Blu-ray-Box von Charmed. Eine Frechheit, dass ich keine Mail oder Post erhielt, zähle ich doch zu den frühesten und wohl größten Fans der Serie. Es gibt kaum eine Serie, die mich in meiner Jugend mehr begeistert und verfolgt hat, als Charmed. Abgesehen von Stargate vielleicht, aber das war Science-Fiction. Ich hatte immer schon ein Herz für Mystery und mythologische Themen. Charmed traf diese Begeisterung genau zum richtigen Zeitpunkt. Ich habe mir von meinem Taschengeld sogar die einzelnen DVD-Boxen gekauft. Eine davon liegt, glaube ich, sogar noch im Keller.

Genau wie bei Supernatural steht auch bei_ Charmed_ Familie im Vordergrund. Es sind drei Schwestern, die eines Tages entdecken, dass sie eigentlich Hexen sind. So können wir gemeinsam mit den erwachsenen Halliwells ihre Fähigkeiten und diese spannende Welt der Magie entdecken. Waren es in den ersten drei Staffeln noch Prue (Shannen Doherty), Piper (Holly Marie Combs), und Phoebe (Alyssa Milano), die wir jede Woche verfolgt haben, so kam in der vierten Staffel Paige Matthews (Rose McGowan) hinzu – die lange verschollene Schwester. Der Abgang von Prue am Ende der dritten Staffel kam damals sehr plötzlich und hat einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Doch mit Paige kam ein frischer Wind in die Serie – andere Ansichten, andere Elemente, neue Figuren. Ich glaube, das tat der Serie an sich ganz gut, auch wenn ich gerne gewusst hätte, wie die Serie und die Schwestern sich mit Prue weiterentwickelt hätten.

Was mir nicht mehr bewusst war und ich erst durch Wikipedia (wieder) erfuhr, ist, dass es scheinbar 43 Bücher zur Serie gibt. Nur zwei davon erzählen Geschichten, die aus der Serie bekannt sind. Der Rest sind alles originelle, neue Geschichten. Ich wäre direkt daran interessiert, in ein paar davon einen Blick hineinzuwerfen, ob diese tatsächlich gut sind. Aber so schlecht können sie nicht sein, wenn so viele davon erschienen sind.

Vielleicht hätten mir die Bücher damals etwas dabei geholfen, mein eigenes Buch der Schatten zu erstellen. Ja, ihr habt richtig gelesen, ich wollte mein eigenes Buch der Schatten machen. Doch nicht einfach nur so, sondern am Original entlang. Deshalb waren die DVDs so praktisch. Man konnte pausieren und die Texte abschreiben. Leider hatte ich damals nur einen kleinen Röhrenfernseher. Entsprechend unscharf waren das Bild und die kleinen Texte. Trotzdem bin ich, wenn ich mich recht erinnere, einigermaßen gut vorangekommen. Ich hatte sogar stets die Reihenfolge der Seiten notiert, damit mein Buch irgendwann so authentisch wie möglich wird. Aber das Buch der Schatten in der Serie war eben nur eine Requisite, die sich ständig ändert. Das machte mein Unterfangen etwas schwierig. Trotzdem hat es mir sehr viel Freude bereitet, mich eingehend mit der Geschichte, den Kreaturen und Monstern zu beschäftigen.

Scheinbar ist die neue Blu-ray-Box allerdings nur eine Wiederauflage einer bereits 2021 erschienenen Collectors Edition. Doch mir reichen die einfachen Blu-rays vollkommen aus. Mit der Full-HD-Überarbeitung wurde nicht nur das Bildformat auf die heutigen Breitbild-Fernseher angepasst, sondern auch das Audio aktualisiert. Ob ebenso Effekte neu aufgelegt wurden, davon lasse ich mich beim Rewatch überraschen. Damit habe ich jetzt schon zwei Serien, die ich mir erneut zu Gemüte führen werde. Erst kam Supernatural unerwartet in meine Hände und jetzt Charmed. Natürlich werde ich auch diesen Rewatch mit Texten verfolgen. Zwar weiß ich noch nicht, wann ich diese ganzen Texte unterbringen soll, aber ich finde einen Platz. Allerdings wird es noch etwas dauern. Denn erst schließe ich meinen Rewatch des MCU ab.

Geek-Planet: The Fourth Planet #1-2

Es ist Donnerstag und das bedeutet, wir werfen erneut einen Blick in die Vergangenheit. Wie jede Woche sehen wir uns einen alten Text von mir an. Der folgende erschien am 23. Oktober 2016 auf meinem damaligen Blog geek-planet, den es heute nicht mehr gibt. Trotzdem will ich alle meine Texte an einem Ort versammelt wissen. Und es ist ein interessantes Unterfangen, alte Texte durchzugehen und was man früher über Dinge gedacht hat.

So wie in diesem Beispiel von The Fourth Planet. Die Naivität der Jugend ist in den Zeilen zu spüren, wie schon lange nicht mehr in einem Text, den ich wiederaufbereitet habe. Wobei »Jugend« hier natürlich etwas übertrieben ist, da es gerade einmal acht Jahre her ist, da war ich 27. Trotzdem habe ich seitdem viel gelernt und so manche Meinungen über Dinge geändert. Geschichte gehört da natürlich dazu. Ich habe The Fourth Planet seit damals nicht gelesen und kann mich auch nicht an die folgenden Ausgaben erinnern, geschweige denn ob ich sie gelesen habe. Doch erscheint mir die Geschichte sehr nah an der menschlichen Natur zu sein.

Die europäische Geschichte und damit auch die der Erde ist geprägt von unserem Entdeckerdrang. Von unserem intrinsischen Verlangen, buchstäblich neue Ufer zu entdecken. Wie Yucal Harari in »Eine kurze Geschichte der Menschheit« eindrucksvoll darlegt, ist dies allerdings eher eine europäische Veranlagung, als eine, die für die gesamte Menschheit gilt. So sind wir es gewesen, die zwar die Welt »entdeckt« haben wollen, doch wir sind es genauso gewesen, die Völker unterdrückt, versklavt und ausgerottet haben. Sind wir nicht großartig? Es ist ein Aspekt europäischer Geschichte, der mir oft zu harmlos dargestellt wird, auch wenn sich dies in den vergangenen Jahren etwas geändert hat. Vor allem sollten wir in Anbetracht unserer Geschichte und vergangenen »Leistungen« vielleicht etwas demütiger sein mit dem, was wir in Europa aufgebaut haben. Denn auf wessen Rücken stehen diese Fundamente?

Genau diesen Aspekt scheint mir The Fourth Planet zumindest andeutungsweise ebenfalls darzustellen. Es wäre durchaus interessant, noch einmal einen Blick in die Comics zu werfen. Scheinbar gibt es leider nur ein Volume von der Geschichte. Vielleicht riskiere ich mal einen Blick. Ich denke, ich hätte heute eine komplett andere Meinung über die Darstellung der Menschen, als es noch vor acht Jahren der Fall war.


The Fourth Planet war ursprünglich ein Webcomic, der nun von dem Verlag Chapter House Comics in regelmäßig erscheinenden Ausgaben veröffentlicht wird. Allerdings nur quartalsweise. Die Science-Fiction-Geschichte ist unterhaltsam und weiß vor allem visuell zu überzeugen. Allerdings weist sie ebenso das ein oder andere Problem auf – welche das sind und ob sie zu sehr den Fluss der Geschichte stören, finden wir gemeinsam heraus.

  • Autor: Fred Kennedy
  • Künstler: Miko Maciascek

„My ‚kind‘ don’t believe in magic. That’s your word. We believe victory lies in change! A change that embraces knowledge rather than rejects it“ – Hethen

Menschen sind in dieser Welt dazu verdammt, als Sklaven zu arbeiten. Doch James Borchek begehrt gegen das Imperium der Tythyk auf. Es gelingt ihm, ein Schiff zu stehlen und mit einigen seiner Leidensgenossen zu fliehen. Ihr Schiff ist aber beschädigt und so müssen sie auf einem der nächstgelegenen Planeten bruchlanden. Und genau hier beginnt unsere Geschichte. Auf dem Planeten gibt es drei rivalisierende intelligente Spezies. Dabei sieht eine beeindruckender aus als die andere. Manche erinnern ein wenig an die Aliens aus Independence Day, nur ohne die Tentakel und wieder andere sehen aus wie Eisbären, nur mit einem anderen anatomischen Aufbau. Also schon mal ein guter Start für diese Reihe.

Eines, was als Erstes auffällt, sind die beeindruckenden Zeichnungen. Wenn man diese Qualität und Kreativität jeden Monat abliefern müsste, muss man das hauptberuflich machen und nicht nebenbei, wie es die beiden kreativen Köpfe dieses Comics versuchen. Die Zeichnungen selbst sind teilweise abstrakt, aber doch detailliert und die Farben erinnern stark an Wasserfarben, wodurch alles miteinander zu verfließen scheint. Einfach fantastisch.

Der Stand der Technologie auf diesem Planeten ist noch recht primitiv und scheinbar gerade bei Schießpulver angelangt. Im Prinzip kein Vergleich zu den hochtechnologischen Menschen – aber dazu später mehr. Es herrscht hier noch ein sehr deutliches Patriarchat. Dies ist besonders an den Frauenrollen zu erkennen. Sie sind dazu da, als Sexsklaven und Geburtenmaschinen herzuhalten. Nachdem man Comics wie Rat Queen, Giant Days, Paper Girls und so weiter gelesen hat, ist dies ein ziemlicher Rückschritt. Klar kann man das als Plot-Point verwenden und dann dagegen vorgehen, doch so wie es hier präsentiert wird, finde ich das nicht gut. Es ist nur da, ohne Kontext oder dass es bewertet wird. Vielleicht ist aber auch genau das der Aspekt, den die Geschichte herausstellen will. Am Ende des ersten Comics etwa geht es in Richtung Befreiungsaktion mit einer Art magischen Wesen, doch in der zweiten Ausgabe hat der Autor dies noch nicht wieder aufgegriffen. Mal sehen, was daraus wird.

Der zweite Punkt, der mich unheimlich stört, ist, dass die Menschen als die größten Arschlöcher auftreten. Ausgestattet mit der richtigen Portion an Selbstvertrauen und einer Attitüde der Art: So, jetzt sind wir da, verpisst euch! Dass sie ein Camp aufschlagen und alles machen, um auf diesem Gebiet zu überleben, damit habe ich keine Probleme. Allerdings denkt Captain James, der im Übrigen aussieht wie eine Mischung aus Jesus und einer Michelangelo-Statue, gleich daran, sich hier, genau da, wo sie gelandet sind, ein Häuschen zu bauen und eine Familie zu gründen. Fehlt nur noch der Schaukelstuhl. Was soll das? Das ist für meinen Geschmack eine zu stereotypische und narzisstische Variante an Menschen, die man in einer Sci-Fi-Handlung unterbringen kann. Warum können sie sich nicht erstmal umsehen, das Schiff reparieren, versuchen, mit Einheimischen zu verhandeln oder zumindest Kontakt aufbauen?

Vor allem werden doch die Tythyk nach ihnen suchen, da mache ich mich nicht auf dem erstbesten Planeten, den ich finde, breit. Wirklich ärgerlich, wenn so etwas in einem eigentlich gut gemachten Comic passiert. Denn ansonsten ist die Geschichte und die verschiedenen Spezies durchaus überzeugend. Ich möchte mehr über die Aliens erfahren, da brauche ich keine Menschen. Das hätte leicht etwas in der Art von Saga werden können. Nur eben konzentriert auf einen Planeten und drei Spezies. Ich bin gespannt, wann die dritte Ausgabe erscheint und werde diese definitiv testen, da ich wissen möchte, was dieses magisch mystische Wesen ist.

Erwartungen an Essen und Wein

Man begab sich am Samstag, so wie es mittlerweile schon beinahe zum Brauchtum gehört – um eines der Worte zu gebrauchen, deren Bedeutung wie beim Tauziehen von verschiedenen Seiten eingenommen werden möchte – in die schöne Stadt namens Salzburg. Seit geraumer Zeit wartet dort ein kleines unscheinbares Lokal darauf, getestet zu werden, dessen Spezialität Weine sind und das durch ein bestechendes, wenn auch simples, wenn nicht sogar einfaches Menü überzeugen soll. Doch natürlich musste die Stadt zuvor erkundet und ihr weitere, kulturelle Geheimnisse entlockt werden, ansonsten wäre es kein vollständiger Besuch.

So trug es sich zu, dass man die Steingasse – an diesem Tag sollte es nicht das einzige Mal bleiben – entlang schlenderte, um die Aussicht vom kleinen Arenberg aus zu genießen. Es war ein herrlich sonniger Tag angekündigt worden, doch je öfter man diverse Wetter-Applikationen studierte, desto niedriger wurde auch die Anzahl an Sonnenstunden. Es sollten also keine weiteren Konsultationen entsprechender Apps stattfinden, um zu vermeiden, diese Zahl ins Negative rutschen zu lassen. Am Ende schuldet man dem geneigten Wettergott oder der geneigten Wettergöttin etwas und das kann niemand wollen.

Trotz aufkommender Wolken war der Anblick der Burg, wenn nicht gar der Festung Hohensalzburg, atemberaubend. Jedes Mal überrascht der Anblick, wie dieses lang gezogene, aber doch überaus vertikal gestaltete Bauwerk auf dem Mönchsberg thront. Steile Klippen zeichnen das Gelände. Es muss ein einschüchterndes Erlebnis gewesen sein, zu früheren Zeiten per Fluss in diese wohlhabende Stadt zu kommen. Dabei die prächtige, massive Festung bestaunen und schließlich dem Herren des Landes in eventuellen Verhandlungen gegenübersitzen zu müssen. Man antizipierte also wahrscheinlich von Anfang an die eigene, benachteiligte Position und wägte ab, was man in Kauf nimmt zu verlieren.

So beschäftigte man sich, den Ausblick und die Stadt genießend, in der üblichen Gesellschaft mit der Geschichte der Stadt. Allerdings in einem eher spezifischen Kontext, denn nach dem Besteigen des Arenbergs ergatterten wir gerade noch rechtzeitig die Führung durch den Dom. Zwar war dies bereits die zweite Führung durch dieses beeindruckende Gebäude, doch jeder Guide – um ein neudeutsches Wort zu bemühen – setzt andere Schwerpunkte und bietet andere Perspektiven auf die Geschichte. War die erste Führung noch sehr auf die religiösen Aspekte, das Metaphysische und was dies alles für die Bürgerinnen und Bürger bedeutet hat, fokussiert, so war die zweite weniger spirituell. Das hat der Faszination allerdings keinen Abbruch getan. Es ist immer wieder toll zu hören, wie man ein Gebäude liest und welche Zwecke es erfüllen kann.

Nach den Strapazen des Bergsteigens und dem Abstieg in die kulturelle Geschichte der Stadt hatte man sich eine Stärkung verdient, die im Altstadt-Hotel serviert werden würde. Eine äußerst freundliche und sympathische Kellnerin, bei der man sich stets willkommen fühlt, brachte Kaffee und einen Kaiserschmarrn mit Zwetschkenröster. Die Portion konnte sich durchaus sehen lassen und wollte schnell verdaut werden, da das angekündigte und reservierte 3-Gänge-Menü nur mehr eineinhalb Stunden entfernt war, doch schmeckte die klassisch und äußerst lecker zubereitete Mehlspeise dermaßen gut, dass keine getroffenen Entscheidungen zu bereuen waren. Es war schließlich noch genug Zeit, die Speise bei einem ausgedehnten Spaziergang zu verdauen.

Schließlich traf man, etwas verspätet im Ziel ein, dem kleinen Lokal, das sich Köchlverzeichnis nennt. Der Besitzer, Kellner und Koch in Personalunion, hieß uns äußerst freundlich willkommen und platzierte uns an dem großen Esstisch, bei dem man sich fragte, wie dieser in den kleinen Raum kam oder ob sich die Erbauer des alten Gebäudes vor Jahrzehnten der Einfachheit halber entschlossen, das Gebäude um den Tisch herum zu bauen. Was auch immer die Beweggründe waren, das Lokal machte einen schicken Eindruck. Dutzende, wenn nicht hunderte Weinflaschen, konnten in jeder Ecke erspäht und begutachtet werden. Leider war der Tisch etwas zu breit, um sich angenehm unterhalten zu können und die anderen Gäste, die kurze Zeit darauf ebenfalls eintrafen und am mächtigen Tisch Platz nahmen, machten es notwendig, die diversen Themen, die in den drei Stunden der Anwesenheit diskutiert werden wollten, durchaus lauter debattierte.

Drei Stunden für ein 3-Gänge-Menü klingt nun wahrscheinlich etwas extravagant und überlang, doch es dauert eben seine Zeit, bis die nächsten Gänge serviert und die dazu passenden Weine eingeschenkt wurden. Ein Lokal vollkommen alleine zu betreiben macht es notwendig, dass man Gäste bedauerlicherweise gelegentlich vernachlässigen muss. So waren die angebotenen Speisen zwar von der Menge her perfekt und schmeckten fantastisch, doch man verbrachte die meiste Zeit mit leeren Gläsern und ohne Essen vor sich. Doch in guter Gesellschaft und mit großartigen Unterhaltungen über das sprichwörtliche »Gott und die Welt« verging die Zeit wie im Flug und tat einem ansonsten großartig verbrachten Abend keinen Abstrich. Die Zeit zwischen den Gängen konnte man schließlich noch dazu nutzen zu spekulieren, was der ganze Spaß am Ende kosten würde, denn einen Preis suchte man vergebens und wurde zu Anfang auch nicht preisgegeben. Wir sahen auch davon ab, danach zu fragen; ob aus gedanklicher Ungeschicktheit oder aus Furcht vor dem endgültigen Preis, weiß der Autor dieses Textes nun nicht mehr zu rekapitulieren.

So ließ man sich am Ende die Rechnung kommen und teilte diese freundschaftlich durch zwei. Trotzdem musste jeder am Ende über 1.100 Schilling (oder knapp über 80 Euro) entlohnen. Das Essen war, wie bereits erwähnt, großartig, kulinarisch abwechslungsreich und bot dem Gaumen diverse Freuden an. Ebenso passte jeder vom Sommelier und Chef ausgewählte Wein wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge. Trotzdem schien der Preis übertrieben und stand leider in keinem Verhältnis zum gebotenen. Dafür war der Eigentümer der Lokalität zu sehr damit beschäftigt, jedem der Gäste das Menü zu servieren, zu erklären, was man vor sich fand und entsprechende Weine einzuschenken. Natürlich wäre das finale Urteil etwas milder ausgefallen, hätte man nicht sechs fünfzig (oder sagenhafte neunzig Schilling) für das stille Wasser berechnet. Das hätte man gut und gerne dem Essen zurechnen können, es wäre weniger störend gewesen, so war es enttäuschenderweise nur frech.

Der Magen war gut gefüllt, der Gaumen für diesen Abend befriedigt und das Geldbörserl leichter, doch zuckte es im Hinterkopf noch nach einem schönen Abschlussgetränk. Dieses fand man auch in der wundervollen Steinbar, nicht unweit des kleinen Lokals. Einen delektablen (ein Wort, das der Autor extra für diesen Text recherchierte) Schluck Rotwein schlürfend, blickte man ein letztes Mal für diesen Abend auf eine fast schon kitschig beleuchtete, wunderschöne Stadt, bevor man sich zufrieden gen Heimat aufmachte.