Traditionen entwickeln

Ab wann zählt etwas als Tradition? An Silvester bin ich nunmehr schon zum zweiten Mal zu Freunden nach Stuttgart, genauer gesagt Tübingen gefahren. Für mich ist es eine schöne Art, das Jahr abzuschließen und ein neues zu beginnen. Ich weiß heute schon, am Abend des 1. Januar, wo ich diesen Text hier verfasse, dass ich für den nächsten Jahreswechsel wieder dorthin fahren werde. Es ist auf etwas, das ich mich verlassen kann, das einen ähnlichen Ablauf hat – jedes Mal. Doch trotzdem ist es immer wieder schön, es werden neue Dinge probiert, die Themen ändern sich, über die gesprochen wird. Andere Aspekte wiederum laufen nach einem ähnlichen Schema ab, wiederholen sich und geben dem Ganzen eine Rahmung.

Vielleicht ist das, was für mich eine gelungene Tradition ausmacht. Etwas, das sich für einen selbst und die Menschen darum herum entwickelt hat. An dessen Gestaltung man mitwirken kann. Die Stabilität einer etablierten Tradition, die allerdings trotzdem nicht festgefahren ist, die mit der Zeit und den Menschen mitgeht. Menschen entwickeln sich weiter, verändern sich, lernen hoffentlich neue Dinge kennen und lassen andere Perspektiven zu. Traditionen können so natürlich weitergegeben und übernommen werden, doch sollten sie stets flexibel genug sein.

Deshalb mag ich am Ende des Jahres das Konzept von Weihnachtsfeiern. Man setzt sich mit Kolleginnen und Kollegen zusammen. Spricht über die Arbeit, was gut und was schlecht gelaufen ist, widmet sich jedoch genauso privaten Themen. Ein Revue passieren lassen des Jahres und Wünsche an das neue werden gerichtet. Weihnachtsfeiern gibt es allerdings ebenso im privaten Bereich. Mit Freund J. hat sich unter anderem eine Tradition entwickelt, dass wir jedes Jahr vor Weihnachten noch einmal essen gehen.

Das ist etwas, was wir fast jede Woche machen, mit Führungen, in neuen Lokalen oder an etablierten Plätzen. Trotzdem ist es vor Weihnachten noch einmal etwas Besonderes, da es wahrscheinlich das letzte Mal in diesem Jahr sein wird. Die Stimmung ist anders, das Herangehen auf eine Weise entspannter. So hektisch manche in der letzten Arbeitswoche sind oder vor Weihnachten noch etwas erledigen wollen, so entspannt wird es mit der Zeit auch.

Das ist doch das schöne, wenn man erwachsen ist. Man kann selbst entscheiden, welche Traditionen es wert sind, fortgesetzt zu werden und welche lieber ad acta gelegt werden sollten. Mit welchen Menschen man seine Zeit verbringen möchte. Weihnachten gehört für mich der Familie, Silvester ist etwas anderes. So soll für mich das Jahr enden, mit den Menschen, die mich mitunter am besten kennen. Mit denen ich lache, aber genauso über tiefgründige und sehr persönliche Dinge sprechen kann. So kann das neue Jahr positiv starten. Denn egal, was die Weltlage bringen wird, ich kann es zum einen ohnehin nicht beeinflussen. Und zum anderen weiß ich, ich habe Menschen in meinem Leben, mit denen sich schwierige Zeiten durchstehen lassen.

Anna Kutokova | Unsplash

Neues Jahr, neues Glück

Man traf sich am Wochenende erneut in Salzburg zu einem kulinarischen Erkundungstrip. Das Jahr endete am letzten Abend in der Weinbar so wunderbar köstlich, da durfte natürlich das neue Jahr nicht anders losgehen. Meine Hoffnungen, dass es eventuell nicht so zugehen würde, wie vor Weihnachten oder zwischen den Jahren, haben sich allerdings recht schnell erübrigt. Die Lokalbahn beförderte eine ganze Wagenladung voller Menschen in den Salzburger Hauptbahnhof, wo sich dann schnell alle ihre entsprechende Richtung suchten und ihrer Wege gingen.

Ich war sehr froh über meine Kleidungswahl. Habe ich mich doch statt des üblichen Hemdes für den zu Weihnachten bekommenen, gemütlichen und dicken Pullover entschieden. Die wehenden Winde reduzierten die gefühlte Temperatur deutlich, so fanden wir uns schnell in einem beheizten Shop ein, der in der Nähe des Doms liegt. Man findet direkt neben dem Museumscafé das Salzburger Heimatwerk. In deren Keller gibt es aktuell eine kleine Ausstellung des Künstlers Johann Weyringer, der jedes Jahr ein neues weihnachtliches Motiv malt. Meistens handelt es sich um Interpretationen der Krippenszene. Die Bilder sind äußerst bunt und gefallen nicht schlecht, vor allem weil es durch die abstrakteren Darstellungsweisen immer wieder Neues zu entdecken gibt. Jedoch wären mir die Bilder für das eigene Wohnzimmer zu unruhig, da braucht es schon eine kleine Galerie dafür. Ganz abgesehen von den Preisen für die verschiedenen Drucke der Bilder.

Nachdem der kulturelle Teil des Abends damit beschlossen war, fanden wir uns im gemütlichen Wintergarten des Stieglkellers wieder. Der Ausblick am Nachmittag, mit einem dunkelblauen Himmel, den Gebäuden, die Scheinwerfern wunderbar beleuchteten, bot beeindruckende Motive und ich konnte nicht umhin, ein paar Bilder zu machen. Auch auf dem Weg zum Gasthaus Hinterbrühl konnte ich noch ein paar hübsche Bilder der Burg ergattern. Der Blick hoch auf den Mönchsberg vom Winkel aus dem Bereich Arnsberg bietet sich einem nicht jeden Tag. Der Berg wirkt ob der steilen Klippen höher und die Festung noch einmal imposanter.

Nach einem hervorragend zubereiteten Wiener Schnitzel, das so dünn geklopft war, dass man es fast übersehen könnte – so wie es sich eben gehört – und einer Panade, die Beulen formte, die selbst eine Luftpolsterfolie neidisch machen, ging es selbstverständlich Richtung Weinbar. Wie jeder weiß, schließt Käse immerhin den Magen und wenn man dazu noch einen großartigen australischen Wein präsentiert bekommt, der unterschiedlichste Traubenarten miteinander vereint, sodass ein fruchtiger, vielseitiger Geschmack entsteht, kann man den Abend bei heiteren Gesprächen über die seltsamen Verhaltensweisen der hiesigen Politiker*innen angenehm ausklingen lassen.

Die Erkenntnisse über die überraschend schwierigen Koalitionsverhandlungen und dass es sehr wohl ausreicht, eine Koalition zu schließen, wenn auch mit so einigen größeren Kompromissen, um einen Herrn dessen Name sich auf Wickl reimt, nicht zum Bundeskanzler ernennen zu müssen, erspare ich den geneigten Leser*innen. Immerhin hatte man gerade noch den leckeren Geschmack des Weins im Mund, verbunden mit dem wunderbar aromatisch-cremigen Genuss eines Trüffel-Käses. Gereicht mit Oliven und einem knusprig weißen Baguette, das in ein Olivenöl getunkt wird, so mild und wunderbar grün-gold glänzend, man möchte es am liebsten einfach so aus der Schüssel schlürfen. Das neue Jahr kann also kommen. Kulinarisch wird es auf jeden Fall ein Fest.

Haare und Bürsten

Was man sich im Eifer des Gefechts nicht alles einreden lässt. Aber wenn es hilft, dann macht man es doch gerne. Auch wenn es teuer scheint. Zudem investiert man einmal richtig und hat es dafür jahrelang. Wer billig kauft, kauft zweimal – ist das nicht der Spruch, der teure Anschaffung rechtfertigen soll? Es ist für das eigene Wohlbefinden, eine Kur für zu Hause quasi.

Neulich war ich beim Friseur, es ist mittlerweile ein paar Wochen her. Ich habe gefragt, ob sie Tipps hätte, wie ich morgens meine Haare schnell und einfach pflegen und stylen kann. Aktuell trage ich sie an den Seiten sehr kurz und oben länger – es geht in die Richtung Undercut. Meine Morgenroutine besteht im Grunde daraus, mit den Händen zu versuchen, das nächtliche Chaos in den Griff zu bekommen und halbwegs vorzeigbar auszusehen. Das erübrigt sich im Winter allerdings rasch wieder, wenn man eine Mütze aufsetzt, um sich gegen die Kälte zu wehren, die vor allem kurz vor sechs Uhr morgens, wenn ich das Haus verlasse, erbarmungslos bis tief in die Knochen vorrückt und man noch leicht verschlafen in Richtung Zug taumelt und hofft, diesen nicht zu verpassen oder dass zumindest die regelmäßigen Verspätungen einem zur Abwechslung mal etwas Gutes tun.

Jedenfalls will ich aktuell (noch) nicht auf meine typische Kurzhaarfrisur zurück. Seit Monaten und Jahren gehe ich schon zur selben Friseurin; wir kennen uns und sie ist eine der kompetentesten, die es in der Umgebung gibt. E. hat also den zugegebenermaßen indirekten Vorschlag unterbreitet, ich sollte vielleicht mit einer Wildschwein-Bürste arbeiten. Die pflegt nicht nur die Kopfhaut, sondern ebenso das Haar mit Hilfe der natürlichen Prozesse, die über Nacht auf der Kopfhaut stattfinden. Hört sich alles sehr fancy und schlüssig an. Kurzerhand nachgefragt, wo ich so eine bekomme (bei ihr natürlich) und am Ende der Session war ich im Besitz einer 150 € Haarbürste.

Ich meine, sie sieht wirklich toll aus, ist handgemacht, aus einem hübschen Stück Holz. Die Wildschweinhaare sind verkehrt herum in die Bürste eingebracht, um das Haar richtig kämmen zu können und die Kopfhaut zu pflegen. Es sind Pflegeprodukte dabei, damit die Bürste auch lange hält und alles kommt in einer schicken Holzkiste verpackt. Seitdem bürste ich mich jeden Morgen damit und bin mit dem Ergebnis recht zufrieden. Es ist nicht nur angenehm, es stylt das Haar auch wunderbar. Es bleibt genau in der Form, die ich haben möchte. Ob es unbedingt eine 150 € Wildschwein-Bürste sein muss, weiß ich nicht, aber man gönnt sich ja sonst nichts und das Weihnachtsgeld will ja schließlich ausgegeben werden. Man gönnt sich ja sonst nichts (außer vielleicht einem Steam Deck OLED, aber das ist eine andere Geschichte).

Noch ein Steam Deck

Mittlerweile ist es schon wieder über zwei Jahre, dass das Steam Deck erschienen ist. Valve hat mit einer Handheld-Konsole einen Trend gestartet, der bis heute anhält und immer leistungsfähigere Geräte nach sich zieht. Seit Jahrzehnten dominiert Nintendo den mobilen Gaming-Markt. Das Problem war nur, dass man damit nur Nintendo-Spiele spielen konnte. Eine Alternative, mit der man die eigene Steam-Bibliothek mit sich tragen konnte, hat noch gefehlt. Dieser Missstand gehört nun allerdings der Vergangenheit an. Man kann zwischen 500 € und 2.000 € für eine Handheld-Konsole ausgeben, je nachdem welchen Zweck sie erfüllen und welche Leistung dahinterstecken soll.

Vor zwei Jahren habe ich bereits ein Steam Deck mit LCD-Display getestet. Ich habe mir neue Spiele gekauft und Sales auf Steam ausgenutzt. Doch irgendwie wollte sich keine so richtige Spiellaune einstellen. Zwar habe ich damit das großartige Stray gespielt und so manch anderes Zeug probiert, doch wollte sich keine Routine einstellen. Ich habe es schließlich wieder verkauft. Nachdem ich inzwischen wieder mehr Zeit damit verbringe, Spiele zu spielen – auf der PS5 und der Xbox – wollte ich wieder einen Zugriff auf meine Steam-Bibliothek. Ein Gaming-PC war mir allerdings zu viel Geld. Also habe ich mich nach den aktuellen Handhelds erkundigt.

Das Asus Rog Ally X fiel mir dabei sehr schnell auf. Allerdings hatte es gemischte Rezensionen, was die Leistung, genauer gesagt die Verlässlichkeit des mobilen Windows anbelangt. Auch andere Handhelds hatten dieses Problem oder aber sie kosteten tausend Euro und mehr. Da kann man sich gleich einen PC kaufen. Also bin ich wieder auf das Steam Deck zurückgekommen. Dieses Mal allerdings auf dasjenige mit OLED-Display, welches nicht gleich von Anfang an verfügbar war. Es wurde die 512 GB Variante, da ich noch meine alte SD-Karte von meinem vorherigen Gerät hatte. Zwar hätte mich die weiße Limited Edition ebenso gereizt, aber der Aufpreis war es einfach nicht wert.

Nun habe ich das Steam Deck OLED mit 512 GB schon wieder seit ein paar Wochen zu Hause und bin sehr begeistert. Man kann zwischendurch eine Runde in Vampire Survivors spielen oder sich durch die fantastische Welt von Blasphamous II kämpfen. Es laufen aber ebenso Spiele wie Elden Ring oder The Witcher III darauf. Woran ich mich noch gewöhnen muss, ist die Steuerung. Die Art, wie man die seitlichen Controller-Teile hält, könnte Valve in einer zweiten Version gerne noch etwas ergonomischer gestalten und sich mehr an den Konkurrenten Xbox bzw. Playstation orientieren. Die 512 GB reichen vollkommen aus – man muss ja schließlich nicht immer die gesamte Bibliothek mit sich führen. Im Zweifel kann man natürlich Spiele auf die SD-Karte auslagern. Der OLED-Bildschirm ist großartig und die Lautstärke des Lüfters kommt mir leiser vor, als noch beim vorherigen Modell mit LCD (aber das kann auch Einbildung sein).

Aktuell bin ich sehr zufrieden mit dem Steam Deck und werde mir das hier sicherlich behalten und nicht gleich wieder verkaufen. Ob ich es wirklich auf Reisen mitnehmen werde, kann ich bisher nicht beantworten. Das hängt stark von der Art der Reise ab. Mobil spielen zu können, ist allerdings etwas Reizvolles. Es gibt die Steam Decks mittlerweile ebenso als Refurbished Varianten von Valve; also wiederaufbereitete Geräte, die zurückgeschickt wurden. Da kann man noch etwas Geld sparen. Wobei die 569 € für das Einsteiger-OLED-Modell im Vergleich mit den anderen Herstellern ein wirklich fantastischer Preis ist. Interessant wird es, wenn auch andere Hersteller das von Valve entwickelte SteamOS Betriebssystem verwenden dürfen. In den nächsten Jahren kommen sicherlich spannende Geräte dabei heraus.

Alexander Andrews | Unsplash

MCU Rewatch | Iron Man Three

Mit Iron Man 3 beginnt die zweite Phase des MCU. Bis heute ist es der letzte Solo-Auftritt von Robert Downey Jr. als Iron Man und wird es vermutlich auch bleiben. Umso erstaunlicher ist es, dass seine Präsenz im MCU trotzdem dermaßen spürbar ist. Allerdings ist der Film nicht gerade unumstritten oder ohne seine kontroversen Entscheidungen. Besonders beim ersten Mal, als ich den Film damals im Kino sah, ging ich eher enttäuscht wieder raus. Mit der Zeit wird der Film allerdings besser, vor allem wenn man den Twist kennt. Bis dorthin ist es allerdings zweifelsohne ein brillanter Eintrag ins MCU.

Iron Man 3 gelingt das, woran der Vorgänger scheiterte: eine glaubwürdige Darstellung der Belastungen, die die Erfahrungen in New York nach sich ziehen. Tony steigert sich nicht nur in die Konstruktion und den Bau immer neuer Anzüge, er ist regelrecht abhängig davon. Des Weiteren hat er immer wieder Panikattacken, will sich nicht einmal an die Situationen und seinen temporären Ausflug in die Weiten des Weltalls erinnern lassen. Er kompensiert es, indem er in alte Muster zurückfällt, bis ihn der Mandarin dazu zwingt zu reflektieren und sich auf seine Talente und Fähigkeiten zu besinnen. Er ist so viel mehr als Iron Man.

Die Szenen im verschneiten Tennessee sind fantastisch und stimmungsvoll umgesetzt. Der junge Harley als Counterpart nicht nur gut gecastet, sondern eine wunderbare Ergänzung zu Tonys mentalen Zustand. In dem Sinn, dass er ihm Paroli bieten kann, ihn auf die richtige Art herausfordert und aus den Reserven lockt. Die dann kommende Bedrohung wird somit persönlicher, intimer und es ist nicht gleich wieder die gesamte Welt bedroht. Es ist eine großartige Idee, nach den großen, weltumspannenden Krisen wieder auf bodenständige Abenteuer und Probleme zurückzukehren. Vielleicht etwas, was sich Marvel hätte merken sollen, für spätere Phasen. Denn nach Endgame hätte es mehr dieser intimeren Filme benötigt. Die großen Bedrohungen müssen erst wieder aufgebaut und verdient werden. Es kann nicht immer um die Rettung der Welt gehen.

Dieses intimere Erzählen von Geschichten setzt sich ebenso mit den Nebencharakteren fort. Pepper und Aldritch beispielsweise und Peppers Konflikte mit Tony. Natürlich ist in dieser Situation jemand anziehend, der sich mehr für sie interessiert. Pepper wird allerdings nie ihre Autonomie aberkannt, was schließlich im Finale damit endet, dass sie zur Abwechslung Tony das Leben rettet. Happy liegt zwar den halben Film im Krankenhaus, trotzdem nimmt er einen angenehmen Platz im Film ein. Seine Charakterstärke und der Drang, Tony zu unterstützen, etwas beizutragen, zeigen sich in den anfänglichen Szenen bis zum Attentat sehr deutlich. Rhodey darf sich ebenfalls weiterentwickeln, bleibt aber eher im Hintergrund. Trotzdem will ich ihn nicht missen und seine Rolle wird mit den kommenden MCU-Filmen weiter ausgebaut.

Kommen wir nun zu den beiden Gegenspielern oder dem einen Bösewicht, der zwei Rollen einnimmt. Aldritch als Extremis ist einem vergleichsweise jungen Comic entnommen worden (2005). Pearce stellt ihn wunderbar dar. Der Charakter ist elegant geschrieben und eignet sich als perfekter Drahtzieher hinter dem Mandarin. Kingsley als Mandarin ist brillant, und ich hätte mir gewünscht, es wäre der echte gewesen. Die TV-Einspieler im Film, die Monologe und One-Liner spricht Kingsley mit genau dem richtigen Maß an Gravitas. Einfach fantastisch unheimlich. Ich würde mir wünschen, dass er noch einmal die Rolle einnehmen darf, aber dieses Mal richtig. Scheinbar gibt es ja irgendwo den richtigen Mandarin im MCU – mal sehen, ob wir ihn auch antreffen werden.

Doch nicht nur die Geschichte, alles darum herum verstärkt die Sogwirkung des Films. Die Effekte können sich noch immer sehen lassen. All die unterschiedlichen Anzüge, die Tony entwickelt hat, teasern perfekt zukünftige Ereignisse an – allen voran der Hulkbuster. Die Musik hat den richtigen Retro-Touch, übertreibt es allerdings nicht. Und die Cinematographie fängt all das wunderbar ein. Wir erhalten tolle Bilder – den Film in der Weihnachtszeit anzusiedeln, war dafür die richtige Entscheidung. Bis auf den Twist bezüglich des Mandarin (den ich mittlerweile hinnehmen und akzeptieren kann) halte ich Iron Man 3 für einen der besten MCU-Filme (etwas, was ich wahrscheinlich noch des Öfteren schreiben werde). Er macht immer wieder Freude und schickt unseren Helden auf eine schmerzliche, aber lehrreiche Reise. Er darf sich weiterentwickeln und alle Beteiligten gehen stärker, ehrfahrungsreicher aus diesem Abenteuer heraus.

Beeindruckende Bilder

Seit ein paar Monaten habe ich ein Unsplash-Abo. Ich nutze die Bilder gerne für Texte hier im Blog oder auch andere Projekte. Manchmal begegnen mir auch einfach beeindruckende Bilder, die ich als Hintergrundbild verwende. Es ist eine sehr vielfältige Plattform, und wenn man sich etwas durch das üppige Archiv klickt, sucht und gräbt, findet man zu jedem Thema etwas Passendes. Man darf sich eben nicht mit dem erstbesten Bild zufriedengeben, das man findet. Auch wenn ich mich manchmal selbst dieser Taktik schuldig mache. Außerdem kann ich so die Fotografinnen und Künstlerinnen etwas unterstützen.

Alljährlich gibt es auf der Webseite Awards für verschiedenste Kategorien. Ich habe die Gewinner 2024 unten verlinkt. Es lohnt sich, einen Blick dort reinzuwerfen. Es sind wirklich tolle Ergebnisse dabei. Manches sind Fotos, die wirklich geschossen wurden, anderes sind Zeichnungen, Grafiken oder 3D-Renderings. Kreativität kennt eben keine Grenzen. Und wenn es klar ersichtlich ist, durch die Beschreibung beispielsweise, um was es sich handelt, finde ich keine Techniken oder Tools verwerflich. Aber eine KI-Debatte möchte ich hier nicht eröffnen. Es geht um die Unsplash Awards 2024 und wirklich tollen Ergebnisse der Künstler*innen.

Mich hat unter anderem das Bild des Jaguars nachhaltig beeindruckt – es dient seit Wochen als Wallpaper auf meinem iPhone. Tiere zu fotografieren und festzuhalten ist eine besondere Art der Fotografie, die mich immer wieder begeistert. Ich habe sogar einen Wildlife-Photography-Newsletter abonniert. Aber nicht nur der Jaguar hat es in sich. Das 3D-Rendering des trockengelegten Schiffes lädt zum Nachdenken ein. Zuerst dachte ich, es wäre ein Foto. Bei einem kurzen Blick fällt einem nichts Besonderes auf. Man fragt sich vielleicht nur, ob ein Schiff wirklich so stehen kann, aber das war es auch schon. Zu lesen, dass es sich tatsächlich um ein generiertes Bild handelt, inspiriert noch einmal etwas mehr. Denn dies hat sich jemand ausgedacht. Es gab ein Bild im Kopf, welches durch die digitalen Tools unserer Zeit Realität werden konnte.

Alex Shuper | Unsplash

Geek-Planet: East of West – We are all one

Es ist Donnerstag und das heißt, wir werfen einen Blick in die Vergangenheit. Dieses Mal auf den 2. Oktober 2016. An diesem Datum habe ich den folgenden Text auf meinem damaligen Blog »Geek-Planet« veröffentlicht, den es heute nicht mehr gibt. Trotzdem sollen alle meine Texte an einem Ort versammelt sein.

Ich kann mich überraschenderweise noch sehr gut an East of West erinnern. Beim Lesen des Textes sind mir die Szenen wieder eingefallen. Teilweise sogar die Panels, die im Comic vorkommen. Das ist eben der Unterschied, wenn ein fantastischer Autor mit einem hervorragenden Künstler zusammenkommt und etwas Einzigartiges erschaffen. East of West versprüht Unmengen an Style und ist eine toll designte Welt. Doch wo andere schließlich an der Geschichte scheitern würden, erzählt Hickman einen Politthriller in einem Sci-Fi-/Fantasy-Setting, das seinesgleichen sucht.

East of West habe ich öfter gelesen, bevor es später endete. Es ist eine komplexe Geschichte mit Intrigen und Affären, Machtspiele und Manipulation. Die Beziehungen und roten Fäden werden einem nicht gleich klar. Auch so manche Persiflage geht vielleicht unter, wenn man nicht genau hinsieht. Vielleicht war das auch der Prototyp für Hickmans spätere Neu-Interpretation der X-Men bei Marvel. Aber dieser Prototyp kann sich sehen lassen.


East of West ist ein wunderbarer Comic, den man am besten in einem Rutsch liest. Jeden Tag eine Story-Arc, dann taucht man immer wieder voll und ganz in diese verrückt fantastische Welt ein. Im zweiten Handlungsbogen werden neue Charaktere in Stellung gebracht und eine alte Macht betritt die Bühne.

  • Ausgaben: #6 bis #10
  • Jahrgang: 2013/14
  • Autor: Jonathan Hickman
  • Künstler: Nick Dragotta
  • Colors: Frank Martin
  • Letters: Rus Wooton

Crow: „How far down does it go?“
Death: „All the way.“

Wenn Richter bestechlich sind und dem Gesetz nicht mehr vertraut werden kann, nimmt man es am besten selbst in die Hand. Sehr eindrucksvoll und visuell ekelhaft schön werden die Ranger eingeführt. Sie haben es sich zum Ziel gemacht, Korruption, Bestechung und alles, was damit in Zusammenhang steht, auszutreiben. Nachdem das erledigt wurde, haben sie sich zur Ruhe gesetzt. Doch ein Mann engagiert den besten Ranger, um die Chosen zu vernichten. Vielleicht lässt sich so, das Ende der Welt verhindern.

In einem Rückblick erleben wir die vier Reiter der Apokalypse gemeinsam, wie sie Gläubige, die sich an einer Stelle in der Wüste versammeln, einfach abschlachten und über sie lustig machen. Doch sie erkennen die Macht, die von diesem Ort ausgeht, und entscheiden, hier ihr neues Zentrum zu errichten. Bei dem Massaker ließen sie ein Kind leben, Ezra. Er wird der Erbauer des Monuments in »Armistice«. Seine Geschichte ist voller Ergebenheit und Leid. Femine, die er als Mutter ansieht, will er immer zufriedenstellen. Doch sie gönnt ihm dies nicht. Leid ist sein Leben, Leben ist sein Leid. Diese Unerbittlichkeit zeigt sich auch im Design der Charaktere. Die erwachsenen Versionen der Reiter sind cool gestaltet, vor allem ihre futuristischen Reittiere, die eine Mischung aus Pferd, Roboter und Massenvernichtungswaffe sind.

Death macht sich derweil auf die Suche nach seinem verschollenen Sohn, der irgendwo auf der Welt gefangen gehalten wird. Dabei geht er zu einem uralten Wesen. Manche Seen gelten in dieser Welt als Spiegel zu anderen Welten und wenn man Kreaturen richtig beeinflusst, gewähren sie Eintritt. So geht Death mit seinen beiden Gefährten Crow und Wolf eine endlose Treppe hinunter und bringt sie durch ein Labyrinth aus Gängen und noch mehr Treppen. Schließlich gelangen sie an ihr Ziel. Ein Gefängnis. Das älteste Gefängnis der Welt, das Death selbst mit erbaut hat. Dort findet er das Orakel. Wie die beiden miteinander sprechen und die visuelle Umsetzung der Szene ist einfach beeindruckend. Umgeben von endloser Dunkelheit besprechen die beiden die Bedingungen, welche Death erfüllen muss, um einen weiteren Schritt in Richtung seines Sohnes zu machen. Der Preis, den sie verlangt, ist interessanterweise nicht ihre Freiheit.

Später gelangen wir mit Death an eine Grabstelle mitten in der Wüste: Heetse’isi‘. Dort begegnen sie niemand geringerem als Wolfs Vater. Dafür, dass er so mächtig ist, wird er leider zügig besiegt. Zwar ist der Kampf beeindruckend dargestellt, jedoch hätte ich mir von so einem Wesen mehr erwartet. Doch bevor er Death den Standort seines Sohnes verraten kann, kommt ihnen ein Ranger in die Quere.

In der Zwischenzeit ruft die neue Präsidentin der Union einen Militärstaat aus und greift beinhart durch. Nichts und niemand ist vor ihrem reuelosen Vorgehen sicher. Was mich an dem Charakter so beeindruckt, ist, dass sie die Sicherheit ihres White Tower verlässt und sich auf die Straßen hinaus begibt, um Informationen zu beschaffen. Dabei schreckt sie nicht vor Folter und Mord zurück. Vor ihr kann man tatsächlich Angst bekommen.

Auch die Machtspiele, die vonstattengehen, steigen in ein neues Level auf. The Kingdom, wo sich interne Intrigen zwischen den Söhnen des Königs entwickeln, geht sehr geschickt darin vor, dass die Union in ihrer Schuld steht. In New Shanghai hat Xiaolian eine gewaltige Armee zusammengestellt und macht sich auf den Weg zu „Verhandlungen“ bei der »Wall«. Mal sehen, wie diese so ablaufen werden.

Zu guter Letzt noch ein Wort zum Beast, dem Sohn von Death und Xiaolian. Er ist zwar ein Gefangener, hat aber überraschend viel Kontrolle über die künstliche Intelligenz, die ihm Dinge beibringt. Bewusst, dass sein Ende bevorsteht, verlagert er sein Training vom reinen Theoretischen ins Praktische, was auch immer das bedeuten mag. Aber ich vermute, er wird sich nicht nur in Waffenlehre, sondern vielleicht in Kampfkunst üben.

Die zweite StoryArc von East of West setzt den guten Einstieg wunderbar fort. Jonathan Hickman und Nick Dragotta verstehen die Kunst des Wordbuildings. Jeder Charakter hat seinen Zweck und ist nicht nur bloßer Plotpoint. Ich bin gespannt auf das Finale von Year One.

Buchdruck (Jahr 1)

Ich habe ein Buch geschrieben! Na ja, fast. Nachdem das erste Jahr dieses täglichen Blogs abgeschlossen war, habe ich mir gedacht, das muss gefeiert werden. Zwar verpasste ich im ersten Monat ein paar Tage, da ich Corona bekam und noch nicht wirklich einen Puffer an Texten aufgebaut hatte, aber das sollte mich nicht daran hindern, mein erstes Jahr zu feiern. Immerhin habe ich seitdem jeden Tag einen Text veröffentlicht. Aktuell stehe ich bei über 430 veröffentlichten Texten und noch sehr viel mehr geplanten. Am Beginn des zweiten Jahres dachte ich, dass die Luft raus wäre, doch das waren nur vorübergehende Ermüdungserscheinungen.

Immerhin erstellt sich so ein Buch nicht an einem Tag. Wenn ich mich richtig erinnere, habe ich im September damit angefangen. Zum Druck ging es Ende November. Ich bin zum Glück zufriedener Besitzer der Affinity Suite. Ein Teil davon ist der Publisher, eine Art Adobe InDesign. Allerdings zahlt man hier pro Version nur einmal und kann die Software behalten. Es steht InDesign in nichts nach. Wirklich ein tolles Produkt. Diese Art des Software-Vertriebs (ohne Abo) ist vielleicht ein veraltetes Modell, aber ein hervorragendes. Damit habe ich also angefangen, mein Buch des ersten Jahres zusammenzustellen. Da man dort bequem mit Master-Seiten, Vorlagen und dergleichen arbeiten kann, war die erste Herausforderung alle Texte in der Veröffentlichungsreihenfolge dort hineinzubekommen und mit dem korrekten Datum zu versehen.

Das war insofern nicht so einfach, da die Reihenfolge, in der ich die Texte schreibe, nicht unbedingt der Reihenfolge entspricht, in der die Texte erscheinen. Zudem habe ich das Buch in vier Teile aufgeteilt. Der Erste entspricht dem normalen Blog, mit allen neuen Texten, die ich über das Jahr geschrieben habe. Der zweite Teil beinhaltet sämtliche Geek-Planet-Texte. Also jene alten Texte, die ich wiederaufbereitet und mit einer Einleitung versehen habe. Dann gibt es die Kurzgeschichten, die ich veröffentlicht habe (nur zwei, aber immerhin). Und schließlich habe ich mich entschieden, noch vier Bonustexte exklusiv für das Buch zu schreiben. Das Buch, welches das erste Jahr eines täglichen Blogs abbildet, muss schließlich komplett sein. So zählt das erste Jahr insgesamt 366 Texte mit 213.840 Wörtern. Das Buch, inklusive ein paar Bilder (ich habe nur wenige ins Buch übernommen), kommt auf über 500 Seiten.

Drucken ließ ich das Ganze bei wir-machen-druck. Dort kann man minimalste Auflagen bestellen. Ich habe mich für ein A5-Format entschieden, damit es wie ein herkömmliches Taschenbuch daherkommt. Der Umschlag ist farbig, aber das Innenleben schwarz/weiß. Letzteres hatte Kostengründe. Ich habe mir 20 Stück bestellt und diese an Freunde und Familie verschenkt. Es war ein Weihnachts- bzw. Neujahrsgeschenk, deshalb berichte ich auch erst jetzt darüber. Es sollte ja eine Überraschung sein. Ich denke, diese ist durchaus gelungen.

Falls ich für das zweite Jahr wieder ein Buch mache und wenn auch nur für mich, habe ich bereits ein paar Ideen für Verbesserungen. Zum einen muss der Abstand vom Inhalt zum Buchrücken größer sein, der fiel etwas knapp aus. Schrift und Abstände kann man noch etwas nachbessern und so Seiten sparen. Aber vom grundlegenden Design des Buches bin ich ganz zufrieden. Ich habe das Design im Laufe des Erstellprozesses dreimal geändert. Man bekommt eben immer wieder neue Ideen oder lässt sich von anderen Büchern oder Magazinen inspirieren.

Es ist schon etwas Besonderes, die eigenen Texte in gedruckter Form vorliegen zu haben. Ein echtes Buch in Händen zu halten und so die investierte Zeit und den Aufwand (nicht nur für das Erstellen des Buches) physisch greifbar zu machen. Es bereitet mir immer noch Freude, jeden Tag zu schreiben und diese für mich nun etablierte Gewohnheit beizubehalten. Ich habe noch viele Ideen im Kopf und Projekte, die ich umsetzen möchte. Aber ich möchte mich auch Herausforderungen stellen und über schwierigere Themen schreiben, die im Moment unseren Alltag prägen. Ich schreibe zwar oft über popkulturelle Themen, was sich so in meinem Alltag abspielt, worüber ich nachdenke, viel über Spiele, Filme, Serien und Bücher.

Allerdings soll der Kern des Blogs sein: »ich schreibe über alles und nichts«. Und mit »alles« meine ich eben unter anderem kontemporäre Themen und Ereignisse. Sie beschäftigen mich ebenso, wie uns alle. Doch schrecke ich manchmal davor zurück darüber zu schreiben, da sich manchmal innerhalb weniger Tage, sehr viel ereignen kann, wie man Beispiel von Syrien sehr gut nachvollziehen konnte und kann. Solche Ereignisse lösen allerdings Debatten aus, die immer wieder in unserer Gesellschaft vorkommen, nur eben unter anderem Vorwand. Oft sind es Debatten, die geführt werden, damit man sich nicht um die echten, schwierigeren Probleme kümmern muss, wo es keinen schuldigen gibt, keine „einfachen“ Lösungen (die es nie gibt, egal, was jemand sagt). Aber das führt jetzt an dieser Stelle zu weit.

Jedenfalls will ich auch darüber schreiben. Meine eigenen Gedanken dadurch sortieren und vielleicht einen anderen Blickwinkel anbieten. Oder einfach nur auf Texte verweisen, die Geschehnisse und Themen gut zusammenfassen, besprechen und einordnen. Manchmal scheint mir selbst ein täglicher zu wenig, mit all den Dingen, die so vor sich gehen. Allerdings ist es manchmal förderlich, mit etwas Abstand die Dinge zu betrachten, und seien es nur ein paar Tage. Insofern freue ich mich auf das, was die Zukunft so bringen mag.

to the stars and back II

Bevor es an dieser Stelle nächste Woche mit einem neuen queeren Webcomic weitergeht (welchen ich vorstellen werde, weiß ich aktuell noch nicht), möchte ich noch einmal zu to the stars and back zurückkommen. Ende Oktober habe ich diesen großartigen Webcomic vorgestellt (to the star and back). Da habe ich den Autor noch gelobt für die tolle Inszenierung. Sowohl was die Charaktere anbelangt als auch das Tempo der Geschichte. Die Zeichnungen sind dynamisch, die Farbpalette toll und jeder Charakter hat etwas Eigenes an sich. Es findet Humor ebenso Platz, wie ernste Diskussionen über psychische Probleme und schwierige Vergangenheiten.

Jedoch hat to the star and back ein gewaltiges Problem: Es ist vorbei. Habe ich den Webcomic Ende Oktober 2023 noch bis unter die Wolken angepriesen, endet er wenige Wochen später im Dezember auch schon. Ich sammle immer einen Monat etwa Episoden zusammen, um diese in einem Rutsch zu lesen. Völlig unbelastet und frohen Mutes öffne ich eines Sonntagnachmittags im Dezember also die Webtoons-App auf meinem iPad. to the stars and back war noch relativ weit oben auf meiner Leseliste, also kurzerhand auf die Kachel geklickt. Drei oder vier Folgen hatte ich aufzuholen. Nur an der letzten Folge stand in Klammern »(Series Finale)«. Ich war nicht bereit dafür.

Ich will auch gar nicht mehr in aller Breite über diesen großartigen Webcomic schreiben (habe ich erwähnt, dass er wirklich gut ist?). Kang Dae und Bo Seon sind mir im Laufe der Monate und Jahre ans Herz gewachsen. Keiner der beiden lässt sich durch seine Vergangenheit prägen oder als Geisel nehmen. Sie wollen es besser machen. Natürlich kostet das Kraft, Überwindung und eine Bereitschaft anderen Menschen wieder etwas mehr Vertrauen zu schenken. Aber mit der Zeit stärkt das ihr Band immer mehr. Es ist eine schöne Dynamik zwischen den beiden und ich habe sie gerne verfolgt.

Ich habe noch nicht viele Webcomics so lange verfolgt, dass ich ihr Ende erlebt hätte. Oder ich bin zu früh abgesprungen, war nicht konsequent genug beim Lesen, und so weiter. Nach all den Kapiteln, schönen Kommentaren und dem Mitfiebern ist es jedenfalls nicht leicht einen guten Abschluss zu finden. Doch der Autor Peglo schafft einen wunderbaren Absprung. Wir sehen nicht nur die beiden Protagonisten Kang Dae und Bo Seon ein letztes Mal in der Gegenwart, sondern machen am Ende noch einen Zeitsprung von 30 Jahren.

Zeitsprünge sind eine gefährliche Methode, wie ich finde, da viel schiefgehen kann. Allerdings ist der Blick in ihre Zukunft gerade groß genug, damit man ungefähr sehen kann, wo ihre Reise hingeht, was sie erlebt haben und was sie noch erleben wollen. Die Zeichnungen der beiden lassen sie deutlich älter wirken, man erkennt sie im Kern aber doch wieder. Es ist erstaunlich, wie gut dieser Zeitsprung funktioniert. So bleibt es ein optimistisches und hoffnungsvolles Ende. Es lädt zum Spekulieren ein, was sie alles durchgemacht und erlebt haben. Doch was auch immer geschehen sein mag, so kann man sicher sein, sie lebten glücklich bis ans Ende ihrer Tage.

Ein letzter Abend in Salzburg

Am Samstag war ich ein letztes Mal dieses Jahr mit Freund J. in Salzburg unterwegs. Ich hatte schon die Hoffnung, dass es vielleicht in der Stadt nicht ganz so zugehen würde. Immerhin sind die Feiertage vorbei, manche sind unterwegs oder bei Verwandten, was man eben so macht zwischen den Jahren. Doch die Hoffnung auf eine ruhigere Stadt wurde bereits auf der Zugfahrt zunichtegemacht. Bereits in Oberdorf war der Zug sehr voll und wurde im Laufe der Fahrt nur noch gefüllter. In Salzburg selbst sah es ähnlich aus.

Allerdings war es ein herrlich sonniger Tag. So wie es die vergangenen Tage über stets der Fall war. Da muss man natürlich raus und wer kann es den anderen Menschen schon übel nehmen, dass sie einen solchen Tag in der schönsten Stadt verbringen wollen. Der Dom wurde herrlich angeleuchtet und von der Seite des Mönchsbergs bot sich ein wunderbarer Blick über Salzburg. Eingekehrt sind wir dann auch gleich beim Stieglkeller. War der dortige, kleine Wintergarten früher noch ein Geheimtipp, so ist er es nun scheinbar nicht mehr. Den letzten Platz, etwas abseits, hatten wir noch ergattert und verbrachten dort einen netten Nachmittag.

Wir hatten schon überlegt, wo wir etwas zu essen finden würden, und welche Restaurants aus unserer bisherigen Erfahrung eventuell noch nicht voll sein würden, als wir uns entschieden, doch gleich hierzubleiben. Das erwies sich als intuitiv richtig, denn innerhalb einer Stunde leerte sich der Wintergarten. Als wir dann unser Essen bekamen, ich gönnte mir einen wunderbaren Hirschrücken mit Knödel und Wurzelgemüse, waren wir allein in dem Eck. Wir setzten uns an den vordersten Tisch des Wintergartens und beobachteten die Stadt im Sonnenuntergang. Es war einfach großartig. Manchmal zahlt sich eben etwas Geduld aus.

Schließlich mussten wir natürlich noch unserer Stammweinbar einen Besuch abstatten. Wie könnten wir das Jahr, ohne Zeit im Coquette zu verbringen, vorübergehen lassen? Wir hatten schon befürchtet, dass sie geschlossen sein würde, doch wir hatten Glück und bekamen noch einen Platz an der Bar. Was mich immer wieder erstaunt, sind die unterschiedlichsten neuen Weine, die man dort präsentiert bekommt. Letztes Mal war es ein Wein aus Chile, an diesem Abend allerdings reisten wir bis nach Australien. »19 Crimes« nennt sich der vollmundige und geschmacksintensive Wein. Aus verschiedenen Traubensorten zusammengemischt, entsteht ein einzigartiges Geschmackserlebnis, das ich nicht erwartet hatte. Dazu noch eine Käseplatte und leckeres Olivenöl. So kann man ein Jahr wahrlich ausklingen lassen.