Pflanzen stutzen

Seit ein paar Monaten befindet sich eine schöne violettfarbene Orchidee unter meiner kleinen Pflanzenansammlung im Wohnzimmer. Doch, wie es eben so ist, sind die Blüten nach und nach abgefallen und die Stängel haben begonnen, braun zu werden. Das ist eben so, wenn man eine Orchidee hat. Die Blüten fallen ab und man muss manchmal sehr lange warten, bis neue daherkommen. Doch die Stängel waren schon dermaßen verdorrt, dass es Zeit wurde, diese abzuschneiden. Wie ich herausfand, macht man dies normalerweise sowieso bei Orchideen. Man stutzt sie, nachdem die Blüten abgefallen sind, ordentlich zusammen. Bis knapp über dem obersten Blatt, so kann wieder ein neuer Blütenstängel mit neuen Blüten heranwachsen.

Eine weitere Pflanze, mit herrlich weißen Blüten, hat ebenfalls seit einem Jahr keine neuen Blüten mehr bekommen. Entweder ich gieße sie zu wenig oder zu viel. Zwar verwende ich eine App dafür, aber trotzdem kann man immer noch etwas falsch machen. Jedenfalls sind auch dort die Äste, wenn man sie dort so bezeichnen kann, verdorrt, abgeknickt oder haben einfach nicht mehr gut ausgesehen. Was diese Pflanze jedoch geschafft hat, ist, einen Ableger an einem der Äste zu züchten. An dem waren sogar schon halbe Wurzeln dran. Ich habe also alles an dieser Pflanze abgeschnitten und den Sprössling in die Erde eingesetzt. Jetzt sieht es zwar etwas traurig aus, aber ich bin guter Dinge, dass es vielleicht etwas wird.

Demnächst bekommt der Sprössling noch etwas frische Erde dazu, außerdem muss ich das alte Wurzelwerk der vorherigen Pflanze aus dem Topf nehmen. Mein Elefantenbaum, der gut vor sich hin wächst, benötigt ebenfalls etwas frische Erde. So erwische ich zwei Fliegen mit einer Klappe. Zudem lassen sich solche kleinen Arbeiten bequem in der Wohnung erledigen. Dafür muss ich mich nicht bei 0 Grad draußen hinstellen. Es bleibt spannend, wie sich die beiden frisch gestutzten Pflanzen in den nächsten Monaten machen. Eine Orchidee ist mir schon einmal kaputtgegangen, weil ich sie aus Versehen im Wasser ertränkt habe. Das passiert mir allerdings kein zweites Mal. Hoffe ich.

MCU Intermission: Spider-Man Trilogie (Sam Raimi)

Wir haben ja schon des Öfteren festgestellt, dass Spider-Man zu meinen liebsten Comic-Charakteren gehört. Eigentlich zu meinen liebsten fiktiven Charakteren überhaupt. Nicht nur in den Comics kann ich mich verlieren, sondern mir ebenso die Filme immer wieder anschauen, ohne dass es langweilig wird. So sollte es nicht verwundern, dass ich vor vier Jahren, es war in einem wohligen, Corona-verseuchten Sommer im Jahre des Herren 2020, als ich mich auf die Suche nach 4k Blu-Rays der ersten Spider-Man-Trilogie machte.

Warum ich mich dafür speziell auf Ebay umsah und nicht direkt auf Amazon, kann ich heute nicht mehr nachvollziehen. Vielleicht gab es noch keine 4k Blu-Ray-Discs der gesamten Trilogie oder der »Extended Cut« des 2. Teils fehlte. Es waren wilde Zeiten und wir haben doch alle irrationale Dinge getan. Jedenfalls suchte ich nach einer Box, die alle 3 Filme der Sam Raimi Spider-Man Trilogie auf 4k enthielt. Das war international gar nicht mal so einfach, weil man aufpassen muss, dass die Discs die richtige Region haben. Also entweder sind sie Regionsfrei und können überall und von allen Blu-Ray-Playern und Spielekonsolen abgespielt werden, oder aber sie sind für Europa kompatibel, sprich, Region B. B2? Irgendwas mit B auf jeden Fall.

Schließlich, und das ist mein voller Ernst, wurde ich in Kanada fündig. Dort wurde eine spezielle Booklet-Version von der Spider-Man Trilogie vertrieben, die mit Europa kompatibel war und nicht nur die normalen Blu-Rays enthielt, sondern auch jene mit den 4k-Versionen. Ich glaube, es hat mich am Ende ungefähr 70 oder 80 € gekostet, in die Hände dieses wunderbaren Booklets zu kommen. Aber es war die Strapazen wert, denn bei dem Kauf ging erst noch etwas schief, dann dauert natürlich der Versand entsprechend lange und irgendwann kam ein unscheinbares Paket bei mir an. Die Filme funktionierten auf der Xbox One X wunderbar, und ich war äußerst zufrieden.

Mittlerweile gibt es sicherlich Boxen, die alle bisherigen Spider-Man-Filme enthalten, aber ob ich dafür nochmal nach Kanada schauen muss, wird sich zeigen. Jedenfalls habe ich mir gedacht, ich könnte das Ende der ersten Phase des MCU, welches wir letzte Woche mit dem Text zu _Avengers_erreichten, dafür nutzen, um die originale Spider-Man-Trilogie anzuschauen. Es sind echte Klassiker, wurden Jahre vor dem MCU veröffentlicht und sie halten weiterhin dem Zahn der Zeit stand.

Spider-Man

Kitschig? Ist das das richtige Wort? Ich bin mir nicht sicher. Der Film hat so vieles zu bieten. Aber in manchen Szenen, besonders zwischen Peter und MJ, ist der Film einfach kitschig. Die beiden gehen sehr seltsam und schüchtern miteinander um, aber diese Momente, wie auch der restliche Film, haben das Herz am rechten Fleck. Es ist pure Freude, Peter Parker dabei zuzusehen, wie er seine Kräfte entdeckt. Es ist herzzerreißend, mit ansehen zu müssen, wie Onkel Ben stirbt. Rosemary Harris als Tante May möchte man am liebsten umarmen und während man Apfelkuchen mit ihr isst und ein Glas Milch trinkt, ihr von unseren Sorgen und Ängsten erzählen oder einfach nur wie unser Tag war. Der Cast, die Effekte, die Musik, die Cinematographie – ich liebe diesen Film.

Spider-Man ist der perfekte Einstieg in eine neue Ära von Comic-Verfilmungen. Er nimmt sich selbst nicht zu ernst, aber ernst genug. Norman Osborn, perfekt verkörpert von Willem Dafoe, der scheinbar Andy Serkis Performance als Gollum channelt, mag einen Gummi-Anzug tragen, aber seine Bösartigkeit und echte Bedrohung überspielen das wunderbar. Haben wir heutzutage noch solche Filme? Die eine Balance kreieren zwischen zu goofy und zu ernst? Die wissen, dass sie zwar auf einem Comic basieren mögen, aber die Vorlage trotzdem mit Respekt behandeln? Ich bin mir offen gestanden nicht sicher. Deshalb bin ich umso glücklicher, jederzeit auf diesen Film zurückgreifen zu können. Wir werden über die nächsten Wochen und Monate ja sehen, wie sich die modernen Filme gegenüber den älteren Interpretationen schlagen.

Spider-Man 2

Der gemeinhin als bester Spider-Man-Film geltende Teil der Sam Raimi Trilogie. Wenn nicht sogar der beste Spider-Man-Film überhaupt. Sam Raimi und sein Team nehmen das, was im ersten Teil funktioniert hat, und bauen gekonnt darauf auf. Sie verfeinern ihre Techniken, engagieren Schauspieler*innen, die ihre Rollen mit Inbrunst verkörpern und fangen alles gekonnt cineastisch mit der Kamera ein, als wäre es ein Kinderspiel. Der Film tänzelt geradezu vor sich hin. Mühelos, wie es scheint. Alle einzelnen Teile greifen ineinander, um das größere Ganze zu konstruieren.

Doc Ock ist der perfekte Gegner und nicht ohne Grund einer der ältesten Bösewichte im Spider-Man-Kosmos. Das wird in diesem Film nochmal deutlich. Ein gescheiterter Wissenschaftler, der an seiner eigenen Hybris zugrunde ging. Der von der eigens kreierten Macht korrumpiert und manipuliert wurde, am Ende aber vielleicht doch so etwas wie Frieden findet.

Es gibt so viele gute Szenen, die teils 1:1 aus den Comics entnommen sind. Besonders als Peter sein Kostüm in den Müll wirft, sei hier als Beispiel erwähnt. Aber es gibt so viel mehr Großartiges. Sei es der Kampf auf dem Zug, die Menschen von New York, die ihrem Helden zur Seite stehen oder J. Jonah Jameson, der sich eingestehen muss, dass Spider-Man vielleicht doch nicht so schlecht ist, wie er immer glaubte. Doch die vielleicht beste und einfühlsamste Szene beinhaltet weder einen Kampf noch Spider-Man oder sonstigen Schnickschnack. Sie findet statt, einige Tage, nachdem Peter seiner Tante gestanden hat, dass er für den Tod seines Onkels verantwortlich ist.

May räumt mit der Hilfe des Nachbarsjungen Henry gerade die Garage aus, als Peter auftaucht. May und Peter versöhnen sich und schließlich kommt das Thema auf Spider-Man und warum er in letzter Zeit nicht mehr zu sehen war. Rosemary Harris ist eine begnadete Tante May. Sie weiß sich nicht nur mit Doc Ock anzulegen (bei einem Banküberfall) und Spider-Man zu unterstützen, sondern sagt Peter genau das, was er in diesem Moment hören muss. Es ist ein großartig geschriebener Monolog, den ich hier (mithilfe von DeepL übersetzt) gerne wiedergeben möchte:

„Er erkennt einen Helden, wenn er einen sieht. Es gibt zu wenige Figuren da draußen, die so herumfliegen und alte Frauen wie mich retten. Und Gott weiß, Kinder wie Henry brauchen einen Helden. Mutige, aufopferungsvolle Menschen. die uns allen ein Beispiel geben. Jeder liebt Helden. Die Leute stehen für sie an, jubeln ihnen zu, schreien ihre Namen. Und Jahre später werden sie erzählen, wie sie stundenlang im Regen standen, nur um einen Blick auf denjenigen zu erhaschen, der sie gelehrt hat, eine Sekunde länger durchzuhalten. Ich glaube, dass in jedem von uns ein Held steckt, der uns ehrlich hält, der uns Kraft gibt, der uns edel macht und der uns schließlich erlaubt, mit Stolz zu sterben, auch wenn wir manchmal standhaft sein und das aufgeben müssen, was wir am meisten wollen. Sogar unsere Träume.“

Herrlich. Beeindruckend finde ich auch die letzte Einstellung des Films. MJ und Peter haben sich versöhnt, doch da kommt schon der nächste Einsatz über den Polizeifunk herein. MJ nennt Peter »Tiger« und er schwingt sich heldenhaft in den Sonnenuntergang der nächsten Gefahr entgegen. Doch dann schneidet Raimi noch einmal auf MJ zurück, die ihrem Helden nachblickt. In diesem kurzen Augenblick liegt die ganze Schwere, die gesamte Last der Entscheidung, die sie gerade getroffen hat, auf MJs Gesicht.

Spider-Man 2 reiht sich ein in eine äußerst exklusive Reihe an herausragenden zweiten Teilen. Von Star Wars – The Empire Strikes Back hin zum 4 Jahre später erschienenen The Dark Knight. Der Film sieht noch immer fantastisch aus, er ist exzellent geschrieben und ein Meilenstein in der Geschichte von Comic-Verfilmungen.

Spider-Man 3

Kommen wir nun zum letzten Film der Reihe. So sehr über diesen Film geschimpft wurde, manche lassen heute noch kein gutes Haar an ihm, muss ich doch sagen, dass ich ihn eigentlich ganz gerne mag. Nur zeigt sich an Spider-Man 3, was Sony später noch einige Male wiederholen wird: entsetzliche Ungeduld. Sie haben gerade zwei herausragende Filme produziert, mit einem Regisseur, der zuvor mit einem Horrorfilm bekannt wurde. Der allerdings ein Händchen zu haben scheint für Spider-Man. Nun, nach den großen Erfolgen, zwingen sie ihn in eine Geschichte hinein, die so nicht geplant war. Sony ist wie ein Kind, das plötzlich zu viel Spielzeug im Zimmer hat und zu viele Ideen hat, um sich ein wirklich gutes Abenteuer auszudenken:

Und dann kommt Spider-Man, aber Harry entdeckt das Geheimnis seines Vaters und dann nimmt er das Serum, deshalb ist er so stark und dann kämpfen die beiden über den Dächern der Stadt und dann haut sich Harry den Kopf und vergisst alles was passiert ist und dann kommt Venom vom Himmel gefallen und Spider-Man küsst Gwen und Venom, der ein Alien ist, verschafft Peter den schwarzen Anzug, aber Sandman ist ja auch noch da und der braucht Geld und dann überfällt er einen Geldtransporter und dann wird Peter böse, so ein bisschen und dann erinnert sich Harry und dann schlägt Peter MJ und dann und dann und dann und dann.«

Leider sind diese »und dann« Entscheidungen, mit denen man als Kind gut durchkommt, nicht immer so gut ausgearbeitet. Weil es auch nicht funktionieren kann, quasi drei neue Bösewichte ausführlich in einem einzigen Film vorzustellen. Man kann sich ewig den Kopf zerbrechen, wie sie es hätten besser machen können. Sei es zuerst, den schon seit Teil 1 angekündigten Lizard als Gegner zu etablieren. In diesem Film hätte man Peters Konkurrenten beim Bugle einführen können. Teil 4 hätte dann mehr oder weniger so aussehen können, wie dieser, vielleicht sogar in zwei Teile geteilt. So hätte man Peter mehr Zeit im schwarzen Anzug verpassen können und Venom, sowie Sandman weiter ausbauen. Der Cliffhanger von 4.1 hätte die Kirchenszene sein können, in der sich Peter Venoms Fängen entledigt und Eddie Brock dieses schreckliche Erbe übernimmt.

Es stecken so viele tolle Ideen in diesem berühmt-berüchtigten dritten Teil. Aus jedem davon hätte man einen Film oder zwei machen können. Leider hat das Vertrauen in Sam Raimi gefehlt und die Ungeduld der Studiobosse zugeschlagen. Dennoch mag ich den Film. Gerade weil er so viele Ideen beinhaltet, über die man sich Gedanken machen kann. Und dass Peter peinlich rüberkommt, wenn er versucht cool zu sein, liegt wohl in der Sache der Natur. Es ist eine völlig okaye Szene. Ich mag es nicht, wenn man sich zu sehr über solche Dinge aufregt. Am Ende des Tages ist es nur ein Film von vielen, die wir mittlerweile über Spider-Man bekommen haben. Nicht alle machen es perfekt und man findet stets etwas zum Kritisieren. Trotzdem will ich mich eher auf die guten Dinge konzentrieren, was mir gefällt und was hätte sein können, wenn sie es anders gemacht hätten. Es ist ein nettes Gedankenspiel.

Sam Raimi hat uns drei Spider-Man-Filme geschenkt. Tobey Maguire war und ist für viele Fans der erste und einzig wahre Peter Parker. Ich sehe es eher wie die Rolle von James Bond. Es können viele in die Fußstapfen ihrer Vorgänger treten und in das Kostüm schlüpfen. Das ist die Idee hinter Spider-Man: Jede*r könnte hinter der Maske stecken. Und so bringt jeder Schauspieler etwas anderes für die Rolle mit, interpretiert Spider-Man und Peter Parker etwas anders. Es war eine großartige, dreiteilige Reise, mit der schließlich alles angefangen hat. Schön, dass es sie gibt.

Back on the road

Einen Tag nach meinem Geburtstag im Jahre 2005 fing alles an. Fünfzehn Staffeln, 327 Episoden und Millionen von Zuschauer*innen und Fans: Supernatural. Ich bin mir nicht einmal sicher, warum ich mich so sehr auf diese Serie einschieße. Na ja, eigentlich weiß ich es doch. Es ist der gleiche Grund, warum mir Stargate so sehr gefällt: Mythologie. Egal, ob griechisch, ägyptisch, nordisch oder verschiedenen Religionen entnommen, Mythen und Sagen haben es mir angetan. Die eigentlichen Geschichten lese ich zwar kaum, doch wenn sie in Filmen, Serien oder Spielen vorkommen, dann kann ich einfach nicht anders, als der Geschichte eine Chance zu geben. So auch bei Supernatural.

Geschickt haben Erik Kripke und sein Autor*innen-Team unterschiedlichste Horrorelemente und religiöse Einflüsse zu einer konsistenten und tiefgreifenden Geschichte ausgebaut. Kripke trat nach der fünften Staffel als Showrunner zurück, da seine Geschichte der Winchester Familie zu Ende erzählt war. Jedoch sollte sie noch 10 Jahre weiter laufen. Jede Staffel habe ich mit Spannung verfolgt. Die ersten fünf sogar des Öfteren angesehen. Ab Staffel 13 (wenn ich mich recht erinnere) war für mich allerdings die Reise zu Ende. Vielleicht weil ich eine zu lange Pause eingelegt hatte, bis die 13. Staffel über meinen Fernseher lief. Vielleicht war einfach die Luft raus oder das Leben kam dazwischen.

Als ich für diesen Text nachgesehen habe, wie viele Episoden insgesamt erschienen sind, wurde mir erst bewusst, dass selbst das Finale der Serie schon wieder vier Jahre zurückliegt. Gefühlt kam die Diskussion um das Ende und alles, was damit zusammenhängt, erst vor einem oder zwei Jahren auf. Vier Jahre erscheinen mir gefühlt zu lange. Aber es sind Corona-Jahre dabei. Zeit war in da sowieso ein abstraktes Konzept, das sich nicht wirklich greifen ließ. Selbst das Erscheinen der kompletten Bluray-Box liegt schon drei Jahre zurück. Aus irgendeinem Grund fühlte es sich in den vergangenen Wochen jedoch plötzlich sehr präsent an.

Diese ominöse Box, die sämtliche Staffeln der Serie enthält, inklusive allem Bonusmaterial und mehr, kam mir immer wieder unter. Werbung funktioniert eben doch, wenn sie den richtigen Nerv trifft. Außerdem eignet sich die dunklere Jahreszeit sowieso, um Spiele zu spielen und Serien zu schauen. Zudem erscheint Supernatural gerade auf Netflix oder wurde dort zumindest vor ein paar Wochen veröffentlicht. Das war nicht unbedingt ein positiver Start, da Netflix aus rechtlichen Gründen ein zentrales Element der Serie ändern musste: die Musik.

Wer Supernatural gesehen oder auch nur ein paar Episoden verfolgt hat, weiß, dass Musik ein essenzielles Element der Serie ist. Songs, die jede Staffel rahmen oder die den Charakteren wichtig sind. Die für running gags sorgen oder immer wieder an bestimmte Situationen erinnern. Oder sie sind einfach nur cool und passen perfekt zu Sam, Dean und der gesamten Atmosphäre der Serie. Wenn man dann dieses Element verändern muss (weil scheinbar übersehen wurde, die Streaming-Rechte für die Songs zu sichern) ist es nicht mehr dieselbe Serie. Ich kenne die Details nicht und weiß nicht, wie viel sie wirklich ändern mussten. Ich habe über die Jahre viele Playlisten bei den unterschiedlichsten Musik-Streaming-Diensten mit diesen Songs gefüllt und immer wieder angehört. Allein der Gedanke daran, dass auch nur ein einziger Song verändert wird, fühlt sich falsch an.

Aus diesem Grund musste ich mir die Bluray-Box besorgen. Es ist das Bewahren eines Zeitdokuments, so wie es vom Schöpfer und den späteren Showrunnern gedacht war. Wenn, dann will ich Supernatural im Original, mit den passenden Songs, sehen. Vielleicht fange ich bald mit einem Rewatch an oder erst in ein paar Wochen oder Monaten. Aber die Box musste ich mir sichern. Bevor es wie bei Stargate SG-1 ist und die Bluray-Box in unerschwingliche, preisliche Höhen weg driftet. Und Supernatural sollte ebenso seinen angestammten Platz im Wohnzimmer einnehmen. Es gibt eben Geschichten und Erzählungen, wiederkehrende Konzepte oder Ideen, die einen das ganze Leben über verfolgen. Supernatural gehört für mich zu diesem Kanon an Medien, die mir wichtig sind und die sich vergleichsweise einfach bewahren lassen. Spiele werden vielleicht inkompatibel und manchen Dingen entwächst man oder sie verschwinden in den Äther der Erinnerungen. Doch genauso gibt es Zeitloses, das sich immer wieder genießen lässt.

Geek-Planet: Birthright – Volume 2

Wie jeden Donnerstag sehen wir uns auch heute wieder einen alten Text von mir an. Der folgende erschien zum ersten Mal am 25. September 2016 auf meinem damaligen Blog geek-planet, den es heute nicht mehr gibt. Es ist mir allerdings ein Anliegen, dass alle meine Texte an einem Ort versammelt sind.

Es ist schon erstaunlich, wie man manche Geschichten, die man in der Vergangenheit wahnsinnig gefeiert hat, doch wieder vergisst. Im Laufe der Jahre habe ich sehr viele Comics gelesen, zigtausende, um ehrlich zu sein. Da kann es schon einmal passieren, dass manche etwas in die hinteren Räume des Gehirns gedrängt werden. So ist es auch mit Birthright passiert. Jedoch ist es ebenso erstaunlich, wie detailliert ich mich an die Geschichte erinnere, nachdem ich meine alten Texte dazu gelesen habe. Das ist das Wunderbare an Comics, man ist involvierter in die Geschichten als bei Filmen oder Büchern. Daher erinnert man sich wieder leichter an sie.


Birthright geht in die zweite Runde und setzt genau dort an, wo wir nach dem ersten Volume stehen geblieben sind. Mikey ist mit seinem Bruder auf dem Weg, um die übrigen »Mages« zu töten und so scheinbar Gutes zu tun. Doch wie definiert sich Gut genau und wer ist überhaupt mit wem alliiert? Die Antworten auf diese Frage bleiben weiterhin ziemlich vage.

  • Creator, Autor: Joshua Williamson
  • Creator, Künstler: Andrei Bressan
  • Colorist: Adriano Lucas
  • Letterer: Pat Brosseau

“I’m sick of not knowing the whole story of my son’s life. We’re going to find Mikey, not matter where he is.” – Wendy

Nachdem Aaron in der letzten Folge ziemlich handlungsfreudig unterwegs war und neben Brennan der Einzige, der Mikey geglaubt hat, ist er in diesem Handlungsbogen sehr still. Die meiste Zeit verbringt er in einer Verhörzelle, wo sich ein Mann der NSA aufspielt und scheinbar die Kontrolle über die ganze Situation zu bekommen versucht. Es ist immer wieder erstaunlich, wie in solchen Geschichten Agenten als die vermeintlich Bösen dargestellt werden. Natürlich ist die NSA jetzt hier ein schlechtes Beispiel, aber mich würde interessieren, wie sich die Mitarbeiter von FBI, CIA und Co. in der realen Welt verhalten. Spielen diese sich dort auch so auf oder ist es immer nur der Handlung der Geschichte geschuldet, dass sie eben so sein müssen. Die unsympathischen Typen (meistens dann auch noch weiße Männer), die den Protagonisten im Weg stehen und ihnen nicht glauben.

Jedoch haben wir die Mutter, Wendy. Sie hat Kopien von Brennans Tagebuch in die Finger bekommen, mit Hilfe ihres aktuellen Freundes, und will die komplette Geschichte verstehen. Ein für alle Mal klären, ob die monströse Gestalt eines Mannes tatsächlich ihr Sohn sein kann. Ihre Entwicklung finde ich äußerst nachvollziehbar und glaubhaft. Anfangs noch in dem Glauben vertieft, es handelt sich um einen Scherz, kommt sie langsam aus der Phase der Verleugnung heraus. Was dann natürlich auch noch hilft, ist die Freundin von Mikey, die aus Terranos gekommen ist und ihr gemeinsames Kind austrägt. Dabei darf sie ein paar ziemlich coole Stunt-Einlagen hinlegen und sorgt für freudige Momente. Ich bin sehr gespannt darauf, wie es mit den beiden weitergehen wird. Wendy und Rya sind ein unerwartetes Team-up, haben allerdings auf jeden Fall das Potenzial, der Höhepunkt der Geschichte zu sein. Außerdem tut es gut, zwei Frauen das Steuer in die Hand nehmen zu sehen und aktiv die Geschichte mitzuformen.

Mikey und sein Bruder Brennan sind abseits von aller Zivilisation unterwegs und überqueren dabei Felder, Flüsse und Wüsten. Die beiden haben eine tolle Chemie untereinander und funktionieren als Charaktere erstaunlich gut, vor allem in einem Moment, wo sich Brennan als der große Bruder schützend vor dem verletzten Mikey stellt. Solche Augenblicke sind für Protagonisten immer essenziell, da sie zeigen, aus welchem Holz sie geschnitzt sind. Ich brauche dazu keine Beschreibungen, ich will es sehen – dadurch kann es sehr viel besser auf die Leser*innen einwirken.

Was mich allerdings etwas stört, an diesem Handlungsablauf, ist ihre Zielstrebigkeit. Zum Beispiel, wie sie die magischen Messer finden, geht zu schnell. Es hätte nicht geschadet, wenn man noch ein paar Panels darauf verwendet hätte, wie sie recherchiert haben. Dies ist ein gutes Gegenbeispiel zum oben erwähnten Moment, da sie nur darüber reden, wie sie die Messer finden könnten, aber es wird nicht ausführlich genug, genauer gesagt überhaupt nicht, gezeigt.

Ansonsten bin ich aber sehr begeistert, wie die Geschichte voranschreitet. Die Mischung aus aktuellen Ereignissen und Rückblenden funktioniert wunderbar, vor allem da sie sich nun thematisch ähneln. Hier funktioniert sie genauso gut wie in den ersten beiden Staffeln der CW-Serie Arrow. Auch hier haben sich die Ereignisse der Vergangenheit und Gegenwart thematisch wunderbar ergänzt, bis zum fantastischen Finale der zweiten Staffel.

Wie wir schon im ersten Volume von Birthright herausgefunden haben, ist Mikey von einem Wesen, das Nevermind genannt wird, besessen. Wie die beiden in Beziehung stehen, wird aber nicht ganz klar. Mikey hat sich freiwillig von ihm in Besitz nehmen lassen, kann aber doch noch unabhängig von ihm handeln – mal mehr, mal weniger. Hoffentlich wird im dritten Band erläutert, was es mit dem Nevermind genau auf sich hat. Er führt Mikeys Handlungen in die Richtung, wie es der dunkle Lord möchte, da dieser noch nicht in der Lage ist in unsere Welt zu kommen. Allerdings bleibt es sehr vage, wie stark der Nevermind wirklich ist und was er kann.

Dies bringt mich auf die Frage, wie plötzlich diverse Wesen es schaffen, von Terrenos in unsere Welt zu kommen. Wurde nicht zuvor angemerkt, dass dies äußerst schwierig zu bewerkstelligen sei? Beinahe unmöglich, wurde uns gesagt. Immerhin hat es nun schon Rya geschafft und ein paar Geister, die Mikey angeblich helfen wollen. Aber darüber kann man hinwegsehen. Viel spannender ist die Frage, wem man trauen kann und wer welche Absichten verfolgt. Dies wird nie so richtig klar und macht sehr viel von der Spannung der Geschichte aus. Ich freue mich auf Volume 3.

Ich sollte …

In einem Podcast, den ich letztens gehört habe, ich glaube, es war The Pod, ging es darum, ob Spiele nicht eigentlich Zeitverschwendung sind. Ein ziemlich interessantes Thema. Es gibt immer wieder unterschiedlichste Vorwürfe zu den verschiedensten Zeitvertreiben. Entweder es wird generell als Zeitverschwendung deklariert oder als kindisch. Als Comic-Fan musste ich mich schon des Öfteren dafür verteidigen, dieses ausschließlich für Kinder wahrgenommene Medium als Erwachsener noch zu konsumieren. Auch jetzt wollte ich schon damit anfangen, was es nicht alles für Horror-Comics gibt und Geschichten, die ich keinem Kind in die Hand geben möchte. Aber das ist ein Reflex, den ich mittlerweile gut zurückhalten kann. Wenn jemand einfältig genug ist, ein gesamtes Medium als kindisch abzustempeln, ist das das Problem dieser Person.

Aber darum geht es mir eigentlich nicht. Es geht mir eher um das Thema Zeitverschwendung. Ich habe das Gefühl und das kam auch bei dem Podcast-Gespräch auf, dass wir die Erwartung haben, immer produktiv sein zu müssen. Es gibt unzählige Online-Kurse, YouTube-Videos und Bücher, die sich damit beschäftigen, immer noch produktiver zu werden. Ich verstehe zugegebenermaßen nicht ganz, wie man einen YouTube-Kanal zu dem Thema betreiben kann, ohne wahnsinnig zu werden. Wenn man wirklich alle diese Techniken anwenden würde, die vorgeschlagen werden, ist das mit Sicherheit mehr als ein Vollzeit-Job. Alleine die ganzen Morgenroutinen, die es gibt, würden den halben Tag dauern. Wenn ich diesen Personen erzählen würde, dass meine »Morgenroutine« unter der Woche gerade einmal 15 Minuten dauert, bis ich aus dem Haus und in die Arbeit gehe, würden sie wohl verzweifelt in Embryonalstellung am Boden liegen.

Gewisse Sachen effizienter gestalten zu wollen, ist ja in Ordnung. Man kann im Alltag manches optimieren und besser machen, damit es einfacher von der Hand geht. Doch es muss nicht immer alles auf Produktivität ausgelegt sein. Die meisten von uns arbeiten in irgendwelchen Jobs, die sowieso schon voll sind mit Zielen, die erreicht werden wollen, Projekten, die umgesetzt werden müssen und dergleichen, da muss man nicht auch noch die Hobbys in diese Richtung drängen. Denn genau das ist Freizeitbeschäftigung, die kein Geld einbringt: ein Hobby. Manchmal scheint mir das etwas unterzugehen.

Der Sport wird mit Smartwatches optimiert und auf das bestmögliche hingetrimmt. Natürlich kann man sich Ziele setzen und einen Marathon laufen wollen. Ein gewisser Druck ist da wahrscheinlich notwendig, um dieses Ziel zu erreichen. Trotzdem darf die Freude am Laufen und der Spaß am Sport nicht darunter leiden, sonst ist es kein nachhaltiges Ziel. Oder mein Blog-Projekt hier. Natürlich habe ich ein tägliches Ziel zu schreiben, aber darüber hinaus darf es nicht zu einem negativen Stress ausarten; einer Deadline, die mir jeden Tag im Nacken sitzt und mir ein schlechtes Gewissen macht. Natürlich will ich gewisse Schreibprojekte und Reihen umsetzen, wie meinen wöchentlichen Text zum »MCU Rewatch«, meine »Geek-Planet«-Texte oder dergleichen. Aber wer außer mir ist sauer, enttäuscht oder bestürzt, wenn ich es mal nicht schaffe, diese Textreihen einzuhalten? Niemand, außer mir, weil ich mir etwas eingeredet habe. Eine imaginäre Produktivitätsleistung, die mir im Grunde nur im Weg steht, als meinen kreativen Output zu fördern.

Ähnliches habe ich mir letztens auch gedacht, als mein Urlaub vergangenen Freitag anfing. Das Wochenende war eher verregnet, ich war erschöpft und hatte keine Lust, etwas anzureißen. Also bin ich am Samstag einfach nur mal meine typischen eineinhalb Stunden spazieren gegangen und habe Podcasts dabei gehört. Den restlichen Nachmittag/Abend habe ich viel YouTube oder Twitch geschaut und am SteamDeck Elden Ring gespielt. Dazwischen Pizza und Kekse gegessen. Einen mehr oder weniger faulen Tag genossen. Ich hätte stattdessen natürlich Texte schreiben können oder noch mehr trainieren oder etwas anderes »produktiveres« mit meiner Zeit anfangen können. Aber ich habe eben genau das gebraucht, um meine Batterien wieder etwas aufzufüllen. Am Sonntag habe ich dann diesen Text hier geschrieben, weil es mir etwas unter den Fingern brannte und ich unbedingt etwas zu virtuellem Papier bringen wollte. Die beiden Tage haben sich also gut ergänzt.

Ob es Zeitverschwendung ist, Elden Ring zum x-ten Mal durchzuspielen oder Twitch zu schauen, das müssen ehrlich gesagt andere beurteilen. Solange es mir Freude bereitet und ich nicht den ganzen Tag nur vor dem Fernseher herumhänge, ist es auch nicht so tragisch, mal ein paar Stunden damit zu verbringen. Es geht eher darum, die Waage zu halten, zwischen den Dingen, die einen persönlich voranbringen (in welcher Art das auch immer sein mag) und den Phasen, in denen man sich eine kleine Auszeit gönnt. Im Englischen gibt es unter anderem den Begriff des »guilty pleasure« (wörtlich übersetzt: schuldiges Vergnügen). Ich mag den Begriff nicht, weil er unterstellt, man müsse sich schuldig fühlen, sich schämen oder dergleichen. Das ist mir zu negativ. Es geht im Grunde um das große Ganze, das stimmen muss.

Fiction | Liebe auf den ersten Blick

Wie auch letztes Weihnachten habe ich mir für dieses Jahr eine Kurzgeschichte herausgesucht. Diese habe ich vor einigen Jahren in einem VHS-Kurs geschrieben; ich glaube, es war 2018 oder 2019. Es ist nicht gerade eine leichte, weihnachtliche Geschichte, sondern eher düster. Aber passt vielleicht in die dunklere Jahreszeit.

Es erstaunt mich immer wieder, welche Texte ich in der Vergangenheit geschrieben habe und wo ich die Ideen herhatte. Für diese konkrete Geschichte lässt sich das leider nicht mehr nachvollziehen, aber ich finde sie durchaus gelungen. Ich mag das Kurzgeschichten-Format gerne. Man kann innerhalb kurzer Zeit eine dichte Atmosphäre aufbauen und ohne viel Gewese auf das wesentliche der Geschichte kommen. Die Leser*innen sind natürlich ebenso gefragt, sich auf diesen kurzen Trip einzulassen und eventuell aus dem Kontext zu schließen, oder selbst zu überlegen, wer die Protagonisten sind, wo sie herkommen, wie sie sich fühlen, was sie durchmachen.

Dass man manchmal von sich selbst überrascht ist, was man im Laufe der Jahre so geschrieben hat, kommt vielleicht mit dem Handwerk des Schreibens. Vor allem, wenn man es regelmäßig und über viele Jahre betreibt und aufrechterhält. So sammeln sich einige Texte zusammen. Deshalb mag ich es so sehr, vergangene Texte von mir hervorzukramen. Manchmal bedarf es eines Blicks in die Vergangenheit, um zu sehen, wie weit man gekommen ist und wohin man gehen möchte. Auch solche Überlegungen passen zu dieser Jahreszeit und zum Jahreswechsel.

In diesem Sinne wünsche ich schöne, besinnliche Weihnachten und erholsame Feiertage.


Liebe auf den ersten Blick

von Christoph Staffl

Sven saß erschöpft im Bus. Ein anstrengender Tag liegt hinter ihm. Als ihm etwas auffällt:

Er sitzt einfach nur da. Tut nicht viel. Wippt leicht mit einem Fuß. Hört er Musik? Durch das Fenster hinter ihm sehe ich die Bäume und Häuser vorbeiziehen. Laternen beleuchten immer wieder, ganz kurz, sein schlankes Gesicht. Gleichgültig blickt er hinaus in die Nacht, lässt sich von ihr nicht einschüchtern. Bietet ihr die Stirn. Es ist eine gewisse Spannung in seiner Haltung, eine Intention. Wie die Aura einer Katze, die im noch feuchten Gras sitzt, scheinbar entspannt und ruhig, jedoch innerhalb eines Wimpernschlages dazu in der Lage, eine Amsel aus der Luft zu holen. Trainiert er? Ist er mir schon mal beim Laufen begegnet?

Was machst du hier? Du bist doch viel zu gut für uns, mit deinem gut gebauten Körper, deiner Haltung und deiner gleichgültigen, nachdenklichen Art.

Eine Station nach der anderen zieht am Bus vorbei. Schließlich greift er nach seinem gefüllten Rucksack – sind da Bücher drin – und verlässt die nach Matsch und Feuchtigkeit riechende Kloake. Das Dunkel und die Kälte verschlingen ihn, ohne dass ich den Mut hatte, ihm zu folgen und anzusprechen. Vielleicht beim nächsten Mal.

Endlich kommt meine Haltestelle – waren die anderen schon immer so langsam? Hastigen Schrittes bahne ich mir den Weg durch die Leute zu meiner WG. Hoffentlich hat Patrick nicht wieder einer seiner Partys in der Küche. Doch sie ist leer. Zum Glück. Schnell die Sachen im Zimmer verstaut, was zu essen gemacht – geduscht. Ich will es mir endlich auf der Couch gemütlich machen, doch zuerst muss frische Luft ins Zimmer. Ich gehe zum Fenster, nehme den Griff in die Hand und …

Nein, unmöglich. Ich wohne hier seit über einem halben Jahr. Und solche Zufälle gibt es nicht. Noch immer den Griff in der Hand starre ich aus dem Fenster auf das Gebäude schräg gegenüber. Sein noch feuchtes Haar hängt ihm ins Gesicht, ein Handtuch lässig um die schlanken Hüften geschwungen. Zwar verschleiert mein zur Abwehr von Insekten befestigtes Netz etwas den Blick, doch es gibt keinen Zweifel. Er ist es.

Willst du dich etwa vor mir verstecken? Aber du bist doch nicht schüchtern. Sonst würdest du dich nicht so zur Schau stellen. Vor der ganzen Nachbarschaft.

Seit dieser ersten Begegnung sind ein paar Tage vergangen. Das Fliegengitter habe ich kurzzeitig entfernt. Der Schreibtisch neben dem Fenster ist zu meinem Aussichtspunkt geworden. Ich habe schon gelernt, mein Licht abzudrehen, damit er mich nicht sieht. Aber das ist unwahrscheinlich – immerhin bin ich zwei Stockwerke höher.

Wenn ich so dasitze und auf ihn warte, komme ich mir vor wie ein Stalker. Aber das ist lächerlich. Stalker haben Kameras und sind Verrückte, die nur auf einen kurzen Kick aus sind. Ich will ihn kennenlernen. Mut aufbauen, um ihn schließlich anzusprechen. Stalker haben sich nicht unter Kontrolle. Ich kenne nichts anderes, als Kontrolle. Davon abgesehen, wer sieht sich nicht gerne attraktive Menschen an, wenn sie alle zwei Tage vom Sport zurückkommen und für den Abend vorbereiten? Immer um dieselbe Zeit.

Aber in einer Hinsicht habe ich ihn überschätzt. Er lernt nicht besonders lange an seinem Schreibtisch. Ist wohl nicht so fleißig, wie vermutet. Er verbringt eher Zeit damit, auf dem Bett zu liegen und in sein Smartphone zu starren.

Was fasziniert dich nur so darin?

Begehren ist schon etwas Erstaunliches. So flüchtig, wie ein Nebel, aber auch so hartnäckig. Kaum fassbar und trotzdem blockiert es die Sicht. Doch ich verliere mich nicht selbst in diesem Nebel. Ich weiß, wo ich mich befinde, was ich will. Außerdem ist es spannend, das Gefühl, selbst dabei ertappt zu werden, wie man vor dem Fenster sitzt. Werde ich auch beobachtet?

Der traurigste Moment des Tages ist, wenn er sich zum Schalter neben der Tür bewegt und diesen betätigt. Langsam schließen sich dann die Fensterläden. Wieder einmal geht ein Tag vorüber, ohne einen Blick auf seine bezaubernde Figur erhascht zu haben.

Das liebst du doch, nicht wahr? Mit mir zu spielen? Betrachtet zu werden, Wolllust auszulösen, bis sie in nagende Gier umschlägt. Du bist ein Monster.

Und dann erwache ich aus meiner Fantasie. Aus der Welt der Möglichkeiten. Mögliche Welten zusammengesetzt ohne festgetretene Pfade oder Limitierungen. Eine Welt, in der alles möglich scheint und doch das meiste aussichtslos ist. Limitierung. Ich hasse sie. Der Mensch kann nicht alles werden, was er will. Er ist geboren in einer Kaste, geboren in einer Schicht, geboren, um zu sterben. Doch das bin ich nicht. Ich habe die Kontrolle. Ich bin die Kontrolle.

Wir sehen uns, mein Liebster. Ich weiß auch schon genau, was ich zu dir sagen werde.

Fünf. Monate. Später.

Wenn ich jetzt so darüber nachdenke, dann war es schon ein Wahnsinn, dass ich so lange gewartet habe, um dich anzusprechen. So viel Zeit vergeudet, die wir hätten gemeinsam verbringen können. Doch es ist ja nochmal alles gut gegangen, findest du nicht auch?

Genau. Ich weiß noch, wie nervös auch du warst, bei unserem ersten Date. Wir waren Eisessen in dem Café nebenan. Ich kann es immer noch nicht fassen, dass wir uns in all den Monaten, die ich hier gewohnt habe, noch nie getroffen haben. Das Schicksal spielt einem manchmal schon gerne Streiche. Ich hoffe, du bist mir nicht bewusst aus dem Weg gegangen.

War nur ein kleiner Scherz. Entschuldige.

Aber jetzt ist ja alles gut, mein Liebster. Ich liebe es, die Sonntage lange mit dir im Bett zu bleiben und einfach nur so dazuliegen und zu reden. Ich liebe dich.

Auch wenn Sven immer noch an einigen Abenden erschöpft im Bus sitzt und die Leute beobachtet, so weiß er nun, dass zu Hause jemand auf ihn wartet. Davids Wohnung ist ideal für die beiden. Am Ende des Ganges, kompakt, keine neugierigen Nachbarn und perfekt, um ganze Tage gemeinsam zu verbringen.

Die Fensterläden bleiben nun jedoch immer geschlossen. Sven ist eine sehr private Person. Und falls doch jemand einen Blick in die Wohnung werfen könnte, würden sie ihm David nur wegnehmen. Doch er gehört ihm.

DU BIST MEIN!

Appelle und Vertrauen

Ich habe bereits des Öfteren von den ganzen Newslettern berichtet, die ich abonniert habe. Von Nachrichtenportalen und journalistischen Angeboten hin zu einzelnen Personen oder um bei Magazinen auf dem Laufenden zu bleiben. Der Newsletter von der Webseite Deine Korrespondentin ist eine Mischung. Das digitale Magazin präsentiert Frauen, die auf ihre eigene Art etwas Besonderes geleistet oder geschafft haben. Die sich durch den Alltag kämpfen und trotz widriger Umstände nicht aufgeben. Dabei sind nicht nur Persönlichkeiten wie Autorinnen, Politikerinnen oder Sportlerinnen vertreten, sondern Frauen aus allen möglichen Bereichen des Lebens. Das macht das Angebot so interessant und inspirierend.

Ich lese nicht jeden Text oder Artikel, der aus dieser wunderbaren Webseite hervorgeht, schaue aber doch gelegentlich rein. Ähnlich mache ich es übrigens auch bei dem Newsletter von queer.de. Ich schaue mir die Überschriften und Aufreißer in der Mail an und gelegentlich lese ich den Text dahinter. Aber um grob zu wissen, was so passiert ist, reicht der Blick in den Newsletter. Jedenfalls kam vor ein paar Tagen oder Wochen wieder eine Mail von Deine Korrespondentin hereingeflogen. Die Einleitung dazu war sympathisch geschrieben:

»[…] die Weihnachtszeit ist da und mit ihr unzählige Geschenkideen und -verwerfungen, Konsumappelle und „Stress-Besinnlichkeit“. Wie wäre es mit einem Geschenk, das nicht nur Freude macht, sondern auch langfristig Gutes bewirkt und super einfach zu bestellen ist?«

Soweit so gut. Wenn man diesen Text liest, denkt man, es geht um eine Empfehlung des Newsletters. Man soll ihn weiterleiten und andere mit diesem tollen Angebot in Verbindung bringen. Gute Angebote und Inhalte einfach nur per Empfehlung weiterzuverbreiten und bekannt zu machen, kann sehr erfolgreich sein. Manche neue Leserinnen bleiben hängen und schließen ein Abo ab. Jedenfalls gewinnt man neue Leserinnen und alle sind zufrieden. Besonders bei einer solch hochtrabenden Einleitung gehe ich davon aus, dass etwas in der Art kommt.

Allerdings ging der Absatz mit den Worten »Mit unserer Dezember-Aktion […]« weiter. Es war also genau das, was zwei Sätze vorher angeprangert wurde: ein Konsumappell. Wieso soll ich also jetzt gerade das Abo von Deine Korrespondentin abschließen und nicht etwas anderes, wenn es doch derselbe Aufruf ist, der gerade überall im Internet zu finden ist? Wenn es sich doch in dieselbe billige, mal mehr, mal weniger gut funktionierende Marketingschleife einreiht, die ich so geflissentlich versuche zu ignorieren? Besonders bei einem Newsletter eines Angebots, das ich als Integer, wertvoll und schlicht besser empfinde, als vieles, was sonst im Internet zu finden ist.

Am meisten stört mich nicht einmal der Aufruf zum Abo. Wirklich enttäuscht bin ich durch die Verwendung des Wortes »Konsumappell«. Es wird geradezu angeprangert und auf die anderen vom hohen Ross herabgeblickt, nur um kurz darauf selbst einen solchen Aufruf zu starten. Schade, dass man sich für so eine Art der Kommunikation entschieden hat. Diese durchaus in der Realität verankerte und in mancher Hinsicht Halt gebende Einleitung hätte man auf so viele Weisen schreiben können. Leider hat man sich für die falsche entschieden. Trotzdem lohnt sich ein Blick auf deren Webseite. Es bleibt ein wichtiges und gut geführtes Magazin.

Gaming Controller V

Es ist schon eine Weile her, seit ich über Gaming Controller geschrieben habe. Allerdings soll hier nicht die Saga um die Suche nach einem Controller fortgesetzt werden (Gaming Controller) oder gar die Xbox-Elite-Saga in die nächste Runde gehen (II, III, IV). Vielmehr möchte ich einen neuen vorstellen, den ich mir vor ein paar Wochen gegönnt habe. Nämlich den Elite-Controller von Playstation. Wobei ihn Sony »Dualsense Edge« nennt. Ich habe schon lange mit einem dieser überteuerten Dinger geliebäugelt, doch konnte mich nie überwinden, das Geld auszugeben.

Nun hat mich allerdings God of War davon überzeugt, das Geld zu investieren. Dazu muss man wissen, dass ich die Neuauflage von 2018 nie gespielt habe und den Nachfolger Ragnarök ebenso nicht kenne. Als God of War Fan, der die ursprüngliche Trilogie geliebt und unzählige Male durchgespielt hat, musste ich allerdings irgendwann die neuen Teile nachholen. Jetzt war es also so weit. Es kommen später noch eigene Texte zu den Spielen. Es hat sich allerdings bei God of War, wie bei Elden Ring für die Xbox, herausgestellt, dass ich gerne die Buttons customizen möchte. Ebenso habe ich mich beim Elite-Controller an die Tasten auf der Rückseite gewöhnt, die sehr praktisch sind.

Nach einigen Spielstunden und Testläufen kann ich nun berichten, dass sich der Dualsense Edge vor Microsofts Elite 2 Controller nicht verstecken braucht. Allerdings kommt dieser durchaus mit ein paar Makeln daher. Zum einen sei gesagt, dass der Edge zwar teurer ist, allerdings nur zwei zusätzliche Tasten auf der Rückseite hat (der Elite 2 hat 4 zusätzliche Tasten) und die Akkulaufzeit von Elite 2 bei weitem nicht erreicht. Außerdem hätte ich gerne eine Shift-Funktion, sodass ich Tasten doppelt belegen kann. Der Edge fühlt sich jedoch wertig an und die Joysticks können bei Bedarf relativ einfach gewechselt werden.

Ich finde immer noch, dass der Elite 2 der bessere Controller ist und würde diesen gerne mit meiner Playstation verwenden. Der Dualsense Edge macht zumindest einen Schritt in die richtige Richtung, hätte aber etwas mutiger und weiter gedacht sein dürfen. Einen Elite 2 Controller bekommt man für gut 150 €, mal mehr, mal weniger, je nachdem welche Angebote es gerade gibt. Ein satter, aber angemessener Preis für das, was er bietet. Vor allem, wenn man sich die Konkurrenz ansieht, die teilweise mehr kann, aber dafür mindestens mit 200 € zu Buche schlägt. Da sind die 200 €, die der Dualsense Edge kostet, gelinde gesagt, einfach zu viel. Fast schon eine Frechheit. Er hätte ebenfalls bei 150 € eingepreist werden sollen, vielleicht etwas weniger. Vor allem, weil der Funktionsumfang eingeschränkter ist als bei der Konkurrenz. Trotzdem eine nette Ergänzung für die PS5. Wäre dieser standardmäßig bei der PS5 Pro dabei, hätte ich mir sogar einen Kauf der neuen Konsole überlegt. So bleibt es beim Controller.

Daniel ZH | Unsplash

MCU Rewatch: Avengers

Und schon ist Phase 1 des MCU abgeschlossen. Auch wenn ich hier im Blog den Samstag nutze, um meinen MCU Rewatch zu dokumentieren (also bisher 6 Wochen), so habe ich tatsächlich diese sechs Filme innerhalb von fünf Tagen im November 2024 angesehen. Da es doch recht viele Marvel-Filme mittlerweile gibt, habe ich mich dazu entschlossen, nur einmal die Woche darüber zu berichten, damit es nicht zu viel auf einmal wird. Es sind ja immerhin zeitunkritische Inhalte. Aber soweit erst einmal der Blick hinter die Kulissen und wie ich diese Rewatch-Texte veröffentliche.

The Avengers kam 2012 in die Kinos und ist heute noch ein Meilenstein der Kinogeschichte. Dass das Konzept vom MCU und die Idee von Kevin Feige sich so umsetzen ließ, ist schon unfassbar. Eine Errungenschaft, die man würdigen und anerkennen muss. Über vier Jahre fünf Filme zu veröffentlichen, in denen mal mehr, mal weniger offensichtliche Hinweise eingestreut wurden und schließlich an den Punkt zu gelangen, The Avengers zu veröffentlichen, ist Wahnsinn. Und selbst jetzt, nachdem ich den Film schon einige Mal gesehen habe, bekomme ich noch Gänsehaut und fiebere mit unseren lieb gewonnenen Helden mit.

Es ist bemerkenswert, wie organisch sich der Film anfühlt. Von der Bedrohung Lokis, den einzelnen Begegnungen unserer Helden, deren Interaktionen und den Persönlichkeiten, die aufeinanderprallen. Erst eher schlecht als recht, doch vereint durch einen persönlichen Verlust, kämpfen sie schließlich als eine Einheit, als ein Team, das alles erreichen kann, was es sich in den Kopf setzt. Phil Coulson, der alle von Anfang an begleitet und geprägt hat. Mit seinem Tod ihn quasi als eine »women in refrigerators«-Trope zu missbrauchen, um die Avengers anzutreiben, finde ich durchaus genial.

Für mich ist immer noch der Hero-Shot, während die Avengers in New York kämpfen, immer noch die Messlatte, die es zu erreichen gilt. Der erste große Leviathan wurde durch den Hulk ins Nirvana geschlagen. Die Kamera umkreist die Avengers und fängt alle wunderbar ein. Iron Man, Thor, Captain America, The Hulk, Black Widow und Hawkeye. Dazu das perfekte und triumphierende Musikthema von Alan Silvestri. Es ist ein Moment der Kinogeschichte, den es kein zweites Mal geben wird. Auch hier muss man anerkennen, dass Joss Whedon und das Marvel-Team geniales geleistet haben. Wie auch beim Konzept des MCU haben viele versucht, an diesen Hero-Shot heranzukommen, sind aber kläglich gescheitert.

Ich könnte mich noch weiter in Details verlieren. Sei es die Wette zwischen Nick Fury und Steve Rogers, wo Nick Fury schließlich auf der Brücke des frisch enthüllten Helicarrier 10 Dollar bekommt. Die nahtlos geschnittene Kampfszene in New York, als unsere Helden endlich wie ein echtes Team kämpfen. Die letzten Momente von Phil Coulson. Mark Ruffalo als Bruce Banner. Lokis Auftritt in Stuttgart und der Mann, der sich ihm entgegenstellt. Das erste Aufeinandertreffen von Iron Man, Thor und Captain America. Ich finde nichts Falsches an diesem Film und feiere jede Sekunde. Ich bin wirklich begeistert.

In den vergangenen Monaten habe ich mich vielleicht etwas zu sehr darin verloren, was andere von Dingen halten. Seien es Filme oder Serien. Es ging so weit, dass ich Filmen nicht einmal mehr eine Chance gab. Es gibt diese negative Spirale im Internet, sei es in Social Media oder in den Kommentarspalten von YouTube, vor der man sich in Acht nehmen sollte. Ich habe schon fast meine Freude an Marvel, den Comics und dem MCU verloren. Bis ich diesen Rewatch gestartet habe. Doch seit ich YouTube um ein Vielfaches weniger benutze und sehr viel selektiver bin, was ich mir anschaue und mich wieder mehr auf Filme konzentriere, geht es mir nicht nur besser, mir ist schlichtweg egal, was andere von ihnen halten. Ich muss daran Spaß und Freude haben. Es muss mir gefallen.

So banal das klingen mag, so sehr müssen wir uns das immer wieder vor Augen halten. Uns nicht von anderen die Laune verderben lassen, ihnen nicht in eine imaginäre Welt voller Wut und Hass folgen, die es so nicht gibt. Die echte Welt, mit all ihren Schwierigkeiten und Herausforderungen, ist anstrengend und ermüdend genug. Ich möchte mir nicht auch noch etwas kaputt machen lassen, das mir mein Leben lang Freude bereitet hat. Dieser Rewatch des MCU hat mir das gezeigt.

Ich liebe diese erste Phase des MCU. Es ist großartig. Und ich freue mich auf die weiteren Filme, die noch kommen.

Der Sound von Nostalgie

Sony feiert gerade oder hat gefeiert (je nachdem, wann ich den Text veröffentliche) das 30. Jubiläum von Playstation. Es gibt natürlich die üblichen Angebote und Rabatte sowie Jubiläumseditionen von Controllern und Konsolen. Was mich aber am meisten begeistert, ist der neue alte Startbildschirm der Playstation. Sony hat mit dem neuesten Update nämlich den alten Sound ausgegraben und den Startbildschirm aufpoliert. Es ist ein wahrer Nostalgie-Trip. Zwar soll dieser nur temporär verfügbar sein, aber alle Playstation-Fans fordern online bereits, diesen behalten zu dürfen. Und warum auch nicht? Für jahrelange Treue darf man wohl einen einfachen Startbildschirm behalten.

Ich hatte nie die Playstation 2. Aus irgendeinem Grund habe ich die klassischste aller klassischen Spielekonsolen übersprungen. Aber die PS One konnte ich mein Eigen nennen. Später hatte ich die Dreier, eine Vierer und nun die Fünfer. Es ist toll, mit Freunden über die alten Spiele zu reden. Entweder hat man sie gemeinsam erlebt oder man hat über sie geredet, nachdem man sie zu Hause nach der Schule gespielt hatte. Coop, also das gemeinsame miteinander oder gegeneinander zu kämpfen und erleben der Spiele, stand damals noch höher im Kurs, als es heute der Fall ist. Zwar kann man sich jederzeit online verabreden, aber die Couch-Coop-Variante muss man schon suchen.

Was die Spiele anbelangt, so gibt es eine ellenlange Liste, die ich hier aufführen könnte. Deshalb nur ein kleiner Auszug. Twisted Metal kommt einem natürlich sofort ins Gedächtnis. Ich weiß nicht einmal, wie ich so ein Spiel beschreiben soll. Mit verrückt designten Autos versucht man sich gegenseitig zu zerstören, trifft es wohl am besten. Oder Fighting Force in dem man sich für einen von vier Charakteren entscheidet und sich durch die Bösewichte einer Stadt prügelt. Ich weiß nicht, wie oft ich dieses Spiel durchgezockt habe. MediEvil, in dem man einen skelettierten Ritter spielt und eine Fantasy-Welt durchschreitet. Crash Badicoot, eine Reihe, die es bis heute gibt. Diver 2, Test Drive 4 gehörten ebenfalls zu meinen all-time-favorites. Ich weiß noch genau, wie ich in Test Drive 4 über die Hügel San Franciscos sprang – einfach fantastisch.

Die Diskussionen und Erinnerungen an diese Spiele haben zu einer interessanten Frage geführt: Gibt es so eine Art Spiel heutzutage noch? So etwas wie Twisted Metal oder Soul Reaver (dessen Remake gerade erst erschienen ist)? Spiele, die man unter dem Begriff »casual games« zusammenfassen könnte. Einschalten und einfach darauf losspielen. Keine große Story, wie bei den aktuellen Meisterwerken von Sony (von God of War über Horizon bis The Last of us), sondern etwas Einfacheres. Hier landet man schnell bei Metroidvania-Spielen, wie Prince of Persia oder der Blasphamous-Reihe. Vampire Survivors zählt ebenfalls in diese Kategorie der casual games, wie roguelikes. Allerdings sind das genrespezifische Spiele, die alle super sind, aber nicht ganz das treffen, was wir meinen.

Space Marine 2 trifft am ehesten noch den damaligen Zeitgeist und hievt diesen ins aktuelle Jahrzehnt. Aber abseits von Remakes oder Neuauflagen sucht man diese Art von Spiel doch eher vergebens. Es bleibt spannend, zu beobachten, wo sich die Reise hinentwickelt. Allerdings wird es mit einer wachsenden Anzahl an Spielerinnen schwieriger, etwas zu entwickeln, was alle zufriedenstellt. Es ist eine unmögliche Aufgabe. Es gibt Spielerinnen, die jahrelang ein Spiel spielen und erst wechseln, wenn es einen Nachfolger gibt. Man findet sich eher in unterschiedlichsten Nischen zu Hause. Ich persönlich mag die Abwechslung, wie man an der oben genannten Auswahl an Nennungen sieht. Ich mag viele verschiedene Genres, begrenze mich allerdings auf Single-Player-Spiele. Mal sehen, an welche uns in 30 Jahren noch genauso gut in Erinnerung bleiben, wie Twisted Metal oder Tomb Raider.

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