Geek-Planet: East of West – The Promise

Wie jeden Donnerstag sehen wir uns auch heute wieder einen alten Text von mir an. Der folgende erschien am 18. September 2016 das erste Mal auf meinem damaligen Blog Geek-Planet. Diesen gibt es allerdings nicht mehr. Trotzdem sollen irgendwann alle meine Texte auf meinem Blog hier zu finden sein. Deshalb gibt es jede Woche einen kleinen Blick in die Vergangenheit.

Ach, East of West. Dieser Comic hat mich damals so sehr begeistert, es lässt sich kaum in Worte fassen. Es ist die Ausstrahlung von Jonathan Hickman, die diesen Comic so besonders macht. Jonathan Hickman weiß, wie man gute, aber auch komplexe Geschichten erzählt. Er verwendet Karten, Graphen und Abbildungen, um seine kreierten Welten zu erläutern, realer wirken zu lassen und den Leser*innen näherzubringen. Sie machen die Welt greifbarer.

East of West ist einer meiner Lieblingscomics von Jonathan Hickman. An diesem stimmt fast alles. Seine Kollaborateure sind fantastisch und heben die Geschichte auf ein Level, mit dem ich nicht gerechnet habe. East of West strahlt eine Coolness aus, die man nur selten in Geschichten erlebt. Jede Seite ist großartig gestaltet und man kann es kaum erwarten weiterzulesen. Ich habe damals auch immer wieder von vorn angefangen zu lesen, weil man beim ersten Mal nicht alles mitbekommt. Man überliest Dinge, vergisst Details und verliert sich in den tollen Dialogen. Gute Geschichten zeichnen sich auch dadurch aus, dass man sie öfter lesen kann, ohne dass es langweilig wird. Die Reise an sich ist Belohnung genug. East of West ist eine solche Geschichte.


Wenn mich Charaktere immer wieder zu begeistern wissen, dann sind es die vier Reiter der Apokalypse. Verbunden mit Jonathan Hickman als Autor, kann man dann nichts anderes machen, als zuzugreifen. Deshalb habe ich mir gleich das 15 Ausgaben umfassende Hardcover-Buch gekauft, mit dem wunderbaren Titel: »The Apocalypse: Year One«. In den nächsten Wochen präsentiere ich also Reviews zu den drei enthaltenen Story-Arcs.

  • Ausgaben: #1 bis #5
  • Jahrgang: 2013
  • Autor: Jonathan Hickman
  • Künstler: Nick Dragotta
  • Colors: Frank Martin
  • Letters: Rus Wooton

“I can’t fathom the reasonin’ behind it. Why Death would chase the living, when they all reach him soon enough.” – Witch

Hickman hat East of West mit dem Ausspruch beworben: »The Things that devide us are stronger than the things that unite us« (»Die Dinge, die uns trennen, sind stärker als die Dinge, die uns vereinen«). In der Krise und kurz vor dem Weltuntergang sieht jeder nur auf seinen eigenen Teller und möchte sich nicht auch noch mit anderen beschäftigen müssen. Machtspiele, Konflikte und Intrigen sind Elemente, die dazu führen, dass sich die Welt selbst vernichtet. Die vier Reiter nehmen dabei lediglich die Figuren von Ratgebern ein, um diese Tendenzen zu verstärken.

Die Geschichte East of West spielt in der Zukunft. Wir befinden uns zum Großteil im Jahre 2064. Mitten in der Wüste, an einem mystischen Ort, stehen die apokalyptischen Reiter wieder auf. Doch etwas ist schiefgelaufen. Nur Famine (Hungersnot), Conquest (Eroberung) und War (Krieg) sind die einzigen, buchstäblichen Kinder der Apocalypse, die erneut das Licht der Welt erblickt haben. Death (Tod) fehlt.

In der ersten Story-Arc lernen wir nicht nur die wichtigsten Charaktere der Geschichte kennen, sondern auch das Land, indem die Geschichte spielt. Auf dieser Sci-Fi-Erde, gemischt mit vielen Elementen aus diversen Western, hat sich ein komplexes Machtkonstrukt entwickelt. Wie genau dieses zusammengesetzt ist, kann ich noch nichts beschreiben. Jedenfalls befinden wir uns im ehemaligen Gebiet der Vereinigten Staaten von Amerika. Aber die genaue Aufteilung davon und wie die Machtverhältnisse der einzelnen Parteien aufgeteilt sind, wird sicherlich in den nächsten Ausgaben klarer werden. Die Regierenden von Teilstaaten werden als »Chosen« (Auserwählte) bezeichnet und es gibt eine Art Präsidenten, der alles überwacht. Doch die drei jungen Reiter sind mit ihm nicht zufrieden und töten alle in der Rangfolge, bis sie auf eine Frau stoßen, die ihren Ansprüchen genügt. Die an sie glaubt. Die an »The Message« glaubt.

Bei »The Message« handelt es sich um eine alte Prophezeiung, die eine wichtige Rolle spielt. Sie dient als eine Art Leitfaden für das, was noch kommen wird. Eine Anleitung für das Ende. Interessant ist an dieser Stelle, dass sie nicht von einer Person geschrieben wurde, sondern drei Menschen in unterschiedlichen Jahrzehnten diese Schrift immer weiter geführt haben, bis sie komplett war. Wenn man dieses Instrument richtig zu interpretieren weiß, kann es ein mächtiges Werkzeug sein.

Wohin uns die Geschichte führen wird, ist mir bisher noch nicht ganz klar, genauso wenig die Absichten der Reiter. Bisher ist alles auf ein Machtspiel zwischen den Teilstaaten aus. Da die Reiter die Union kontrollieren, wollen sie mit ihrer Hilfe wahrscheinlich die Kontrolle über die Welt erlangen.

Death, das erfahren wir auch relativ früh, ist nicht auferstanden, weil er gar nicht gestorben ist. Er hat das überlebt, was die anderen auch immer vernichtet haben mag und ist weiterhin diese ehrfürchtige Gestalt, die mit zwei Hexen durch die Wüsten reitet. Bei seinen Helfern handelt es sich um mächtige Magier, die sich in Krähen bzw. in Wölfe verwandeln können. Daher auch deren Name Crow und Wolf. Warum sich Death wirklich von den anderen abgewandt hat, kann man an dieser Stelle nur vermuten, allerdings spielt Liebe eine überraschend wichtige Rolle. In New Shanghai ist seine Geliebte gefangen. Mit seinen beiden Hexen macht er sich also auf den Weg dorthin, um sie zu befreien. Interessanter Punkt an ihrer Beziehung ist, dass sie sehr viel Macht und Einfluss auf ihn hat. Das macht den Charakter mit dem Namen Xiaolian, sehr Furcht einflößend und bedrohlich.

Die visuelle Gestaltung des Comics ist sehr überzeugend. Death und seine beiden Anhänger sind in reinem schwarz-weiß gehalten, womit sie nicht zu dieser Welt zugehörig scheinen. Sie sind etwas anderes, vielleicht besseres, aber auf jeden Fall älteres. Sie wandeln gefühlt seit Jahrhunderten durch die Gegend. Auch die Städte sind sehr individuell gestaltet. Alle haben ihre Eigenheiten, seien sie in Schluchten gebaut, riesige Metropolen oder komplett in Schwarz gehüllt. Dazu kommt die matte Farbgebung – einfach perfekt.

Am Ende des Handlungsbogens wird dann noch etwas Grausames offenbart. Death und Xiaolian haben ein Kind. Dieses wurde ihnen genommen und in eine Einrichtung gesperrt. Angeschlossen an eine gewaltige Apparatur, die unmenschlich und grausam wirkt, wird es großgezogen und ist ständig am Lernen. Gefangen in einer virtuellen Realität, die es nicht verlassen kann.

East of West hat mich bisher auf voller Länge überzeugt. Die komplexe Geschichte mit Intrigen, Affären und Machtspiele ist nicht nur unterhaltend, sondern auch visuell beeindruckend. Außerdem ist das dicke Hardcover-Buch wunderschön und qualitativ hochwertig gestaltet.

Ecken, Nüsse und Pofesen

Das vergangene Wochenende war ein kulinarischer Hochgenuss. Zum Glück war ich Samstagvormittag noch auf einer kleinen Shopping-Tour im ZiB in Salzburg. Am Sonntag hätte ich die Hosen wahrscheinlich um eine Nummer größer nehmen müssen. Nein, so schlimm war es nun auch wieder nicht, aber es war ein regelrechtes Fest.

Angefangen hat es am Samstagnachmittag. Mit der Family ging es zum Adventmarkt am Holzöstersee in Oberösterreich. Dort findet (leider nur an einem Adventwochenende) der treffend bezeichnete Advent am See statt. Am Weg des Ufers entlang sind Stände aufgebaut, die einen nicht nur kulinarisch versorgen, sondern jedweden Krimskrams andrehen wollen. Das klingt jetzt negativer, als es gemeint ist. Es gibt durchaus praktische Dinge, wie Alpaka-Socken und entsprechende Schuheinlagen, die in den kalten Wintermonaten die Füße warm halten. Natürlich gibt es ebenso passende Stofftiere dazu. Zudem findet man alle möglichen Schmuck und Deko-Gegenstände, die zum Teil wirklich gut aussehen. Schon lange möchte ich eine dieser wunderschönen Holzschüsseln, die an den Rändern noch die Rinde des Baumes aufweist. Ich wüsste allerdings beim besten Willen nicht, was ich darin lagern soll.

Zurück zum Kulinarischen. Darum geht es auf Adventmärkten zumindest für mich hauptsächlich. Ich will nicht nur mit gutem Glühwein, sondern ebenso mit gezuckerten, fettigen Teigprodukten versorgt werden. Den Start bildete eine wirklich leckere Feuerzangenbowle. Leider war dies, was die flüssige Nahrungsaufnahme anbelangt, bereits das beste, was der Markt zu bieten hatte (außer vielleicht das kleine Bierchen zum Burger, aber damit hatten Standbetreiber recht wenig zu tun, außer die Flasche zu öffnen). Der Tee mit Schuss war viel zu stark und der Rum nicht gut und der Glühwein schmeckte auch nicht wirklich. Ich teste gerne die unterschiedlichen Angebote durch, aber wenn man mit einem Höhepunkt wie der Feuerzangenbowle einsteigt, sollte man wohl entweder dabei bleiben oder es für den restlichen Abend sein lassen.

Dafür haben es mir die Essens-Themen angetan. Es gab den berühmt-berüchtigten Wild-Burger. Vor zwei Jahren, als ich das letzte Mal beim Advent am See war, sollte es nicht so einfach sein, an einen dieser Burger zu kommen. Die netten Standbetreiber kamen zu der späteren Uhrzeit mit der Produktion von Patties nicht nach. Das sollte dieses Jahr, wir waren ja bereits am Nachmittag dort, kein Problem sein. Das Beste war jedoch mit Abstand die angebotenen Pofesen eines einzigen Standes. Pofesen sind die beste Erfindung seit geschnitten Brot. Was sich als durchaus praktisch erweist, da man zwei Toastbrotscheiben dafür benötigt und wenn man nicht weiß, wie man Brot schneidet, fehlt schon mal eine essenzielle Zutat. Außer den zwei Toastscheiben muss dazwischen jede Menge herrlicher Powidlmarmelade, dann wird das Ganze in Milch und Eier getunkt, frittiert und schließlich gezuckert. Es war fantastisch. Eigentlich wollte ich noch die frisch gedrehten und frittierten Kartoffelchips probieren, aber es wurde dann doch noch ein zweiter Pofesen. Leider findet man sie nur selten bei Bäckern, entdeckt sie auf Märkten allerdings doch noch am häufigsten. Diese Chancen muss man nutzen.

Somit war der Samstag kulinarisch bereits ausgereizt und konnte nicht mehr getoppt werden. Am Sonntagvormittag habe ich dann noch eine dritte Kekssorte gebacken. Meine persönliche Tradition ist es mittlerweile, an jedem Adventwochenende eine Sorte zu backen. Bisher waren es Lebkuchen und Kokosbusserl. Es fehlten also nur mehr die äußerst leckeren Nussecken. Zwar ist das Verteilen des klebrigen, patzigen Teiges auf dem Backblech stets eine Herausforderung, genauso wie den Nussbelag darauf zu verteilen, ohne, dass der mit Marmelade bestrichene Teig darunter zerreißt, doch das Ergebnis kann sich durchaus sehen lassen. Dann noch etwa die Hälfte in weißer Schokolade getunkt und Weihnachten kann kommen. Natürlich wird ein Teil des Backerfolges an die Kolleg*innen verfüttert. Man ist in der Adventzeit schließlich großzügig. Mal sehen, was das nächste Wochenende an kulinarischen Abenteuern bereithält. Ich bin guter Dinge.

Breaks

Breaks gehört zu den frühesten Webcomics, die ich entdeckt habe. Es ist leider nicht mehr ganz nachvollziehbar, wann ich den Comic von Emma Vieceli & Malin Ryden entdeckt habe. Aber das Kickstarter-Projekt zum zweiten Volume habe ich 2019 unterstützt, das heißt, ein paar Jahre davor muss ich mir Volume 1 gekauft haben. Und davor habe ich den Comic via der Tapas-App gelesen und verfolgt.

Es gibt immer wieder Dinge im Leben, seien es Filme, Serien, Comics, Spiele oder Podcasts, die einem viel bedeuten. Man trägt sie im Herzen mit sich herum, auch wenn man sie nicht (mehr) regelmäßig verfolgt. Es müssen nicht einmal qualitativ hochwertige oder gute Dinge sein, vielleicht haben sie uns in einem Lebensabschnitt erwischt, wo wir genau so eine Geschichte gebraucht haben. Vielleicht haben uns die Charaktere an einem wunden Punkt erwischt und schon wird man sie so schnell nicht mehr vergessen. Ich glaube, Breaks ist für mich so eine Geschichte. Wobei hier noch hinzukommt, dass es ein fantastischer Comic ist, der nicht nur eine mitreißende Geschichte erzählt, sondern auch noch kreativ umgesetzt ist.

Was bei Breaks gleich auffällt, wie bei den meisten Comics, weil es sich immerhin um ein visuelles Medium handelt, ist der Zeichenstil. Breaks kommt ohne Farben aus und ist in einem grau-grünen Olivton gehalten. Man sieht die Kernfarben der Protagonisten Cortland Hunt und Ian Tanner, was sie tragen und so weiter, anhand der Titelseiten und anderer Artworks. Doch die Welt, in der sie sich bewegen, die Schule, ihre beiden Zuhause und Freunde muss man selbst mit eigenen Ideen und Farben füllen. Ich finde es immer wieder toll, wenn Autorinnen und Künstlerinnen solche Methoden anwenden, um die Leser*innen tiefer in die Geschichte hineinzuziehen. Man ist involvierter in das Ganze.

Doch worum geht es? Cortland Hunt ist trotz seiner jungen Jahre bereits ehemaliger erfolgreicher Boxer, musste aber aufgrund diverser Vorfälle ausscheiden. Ian läuft für sein Leben gerne, aber hat leider so manche schlechten Einflüsse in seinem Leben, die ihm nicht gerade guttun. Doch wie sich herausstellen wird, ergänzen sich Hunt und Ian optimal, wissen sich zu unterstützen. Ihre angehende Beziehung ist nicht gerade leicht, denn immer wieder gibt es Menschen, die ihnen nichts Gutes wünschen oder vergangene Ereignisse, die sie belasten. Doch die beiden sind dermaßen liebenswürdig geschrieben und gestaltet, ihre Chemie wunderbar und sie funktionieren einfach nur toll miteinander. Es macht Freude, trotz diverser Rückschläge, ihre Geschichte zu verfolgen und auf ein Happy End zu hoffen.

Wenn es um queere Geschichten geht, dann mag ich es, wenn es Feel-Good-Erzählungen sind. Sprich, wenn sich die (meist klischeehaften) Probleme der Charaktere in Grenzen halten und man sich auf die angehende Beziehung konzentrieren kann. Sie in ihrer individuellen Reise verfolgt. Aber eine Geschichte, völlig losgelöst von Konflikten, funktioniert nicht. Es braucht Konflikte, wie auch immer diese aussehen mögen, um es für die Leser*innen spannend zu machen. Denn erst, wenn die Protagonisten Hindernisse überwinden und Rückschläge wegstecken können, aus Herausforderungen vielleicht siegreich und aber auf jeden Fall stärker hervortreten, wie der Phoenix aus der Asche, wiegen die positiven, schönen Momente umso größer und besser.

Welche Konflikte und Möglichkeiten es gibt, eine Geschichte spannend zu erzählen, haben wir uns in den vergangenen Wochen immer wieder angesehen.

Breaks sticht hier vielleicht noch einmal besonders heraus, da es sich um eine Geschichte handelt, die vor Gewalt nicht zurückschreckt; sowohl physischer als auch psychischer Natur. Es ist zwar schon eine Weile her, seit ich den Comic das letzte Mal gelesen habe, allerdings kann ich mich an die emotionalsten Momente noch hervorragend erinnern. Es lohnt sich, Breaks eine Chance zu geben. Wie Cortland und Ian selbst wird man gestärkt und motiviert aus diesen Erlebnissen herausgehen.

Wenn dieser Text hier erscheint, sind es nur noch wenige Tage, bis das letzte Volume von Breaks erscheint. Zwar hätte ich mir gewünscht, dass es auch zu diesem Band eine Kickstarter-Kampagne gäbe, aber ich bin schon um eine gedruckte Version des Comics froh. Ich habe davon abgesehen, den Comic auf Tapas fertig zu lesen, da ich wirklich das Hardcover in Händen halten wollte. Ich bin schon sehr gespannt, wie die Geschichte enden wird. Die letzten Tage vor dem Erscheinen des finalen dritten Bandes werde ich unter anderem dafür nutzen, mein Gedächtnis etwas aufzufrischen und die beiden Vorgänger erneut zu lesen.

Der Traum einer Kolumne

Was definiert eigentlich eine Kolumne? Es ist eine eigene Meinung enthalten, eventuell fließen interessante Beobachtungen aus dem Alltag ein. Wenn es eine gute Kolumne ist, spielen genauso sprachlich geschickte Formulierungen eine Rolle. Sie erscheint regelmäßig. Lange Zeit hatte beispielsweise Max Goldt in der Titanic eine monatliche Kolumne. Bekannt geworden ist er mir erst mit seinem aktuell letzten Buch »Lippen abwischen und lächeln. Die prachtvollsten Texte von 2003–2014« aus dem Jahr 2016. Die Kolumnen, die darin abgedruckt sind, machen Freude beim Lesen und sind elegant geschrieben. Ich habe auch andere Textsammlungen von ihm im Regal stehen, aber das letzte enthält schon die genialsten Kolumnen von ihm.

Wenn man nicht nur fiktionale Texte (also Geschichten aller Art) schreibt, sondern sich im Blog-Format austobt, so wie ich es hier tue, kommt man nicht umhin, der eigenen Kolumne nachzuträumen. Natürlich könnte man die täglichen Texte, die hier erscheinen, als eine Art Kolumne bezeichnen. Immerhin sind es meistens nicht nur kurze Gedankenfetzen, die zu digitalem Papier gebracht werden. Ich versuche stets komplette Texte zu schreiben, auch wenn sie manchmal kürzer ausfallen. Unter »komplett« verstehe ich, dass Gedanken ausformuliert werden und ich auf einen Punkt hinarbeite. Nicht alles ist natürlich bis ins kleinste Detail ausdiskutiert oder hinterfragt, dafür ist das tägliche Ziel zu kurz. Dafür kommen manche Themen immer wieder in unterschiedlichen Gewändern vor.

In den vergangenen Jahren habe ich mich immer wieder an Formaten ausprobiert, die regelmäßig erscheinen und einem gewissen Muster folgen. Bei Rogues Portal beispielsweise habe ich in Briefform an Serien und Comics geschrieben, die mich bewegt oder mir viel bedeutet haben. Bei meinem ersten Blog Geek Planet waren es Wochenrückblicke und andere Experimente. Aktuell tobe ich mich in drei regelmäßig erscheinenden Formaten hier aus. Jeden Dienstag bespreche ich Geschichten, die sich mit queeren Charakteren beschäftigen (hauptsächlich Webcomics, aber später sollen andere Medien ebenso vertreten sein). Am Donnerstag gibt es wiederaufbereitete alte Texte von mir, die ich nicht nur redigiere, sondern mit einer kurzen Einleitung versehe. Dann gibt es jeden Samstag ein Update zu meinem MCU Rewatch. Alles zwar medienzentrierte Texte, aber man könnte sie im weitesten Sinne als Kolumnen bezeichnen.

Ich bin immer wieder am Überlegen, was für mich eine Kolumne wirklich ausmacht. Worauf es ankommt und was mir persönlich wichtig wäre, dass sie abdeckt. Vielleicht muss ich die Texte von Max Goldt wieder hervorholen. Das letzte Mal habe ich sie während des Studiums genossen, und das ist mittlerweile über 6 Jahre her. Eventuell kommt mir dabei die entscheidende Idee. So wie es bei diesem Blog-Projekt Matthew Dicks war, der mir die finale Inspiration gab, einfach jeden Tag zu schreiben.

Yeehaw äh Yazio

Das Thema Ernährung beschäftigt mich in den vergangenen Wochen wieder etwas intensiver. Eigentlich beschäftige ich mich schon mein Leben lang damit. Aber aktuell begegnen mir häufiger Texte (speziell bei den Krautreportern), die sich mit dem Thema beschäftigen. Natürlich beschäftigt sich der Arnold Schwarzenegger Newsletter »The Pump« regelmäßig damit, und auch anderswo ist das Thema brandaktuell. Besonders in der Advents- und Weihnachtszeit kommt es mir so vor, als ob die Bemühungen intensiviert werden, über Ernährung zu sprechen. Das kommt wahrscheinlich von den unterschiedlichen Traditionen, wie diese Jahreszeit essenstechnisch verbracht wird.

Bei den Diskussionen und Texten geht es selbstverständlich um Übergewicht, Abnehmen und so weiter. Aber es geht ebenso dahin zu fragen: warum wir überhaupt essen, wann wir essen oder wenn wir essen? Es ist kein Geheimnis, dass die Menschheit schwerer wird, und das liegt nicht unbedingt daran, dass wir immer mehr werden. Wir werden individuell auch immer mehr. Da liegt es nahe, sich immer mal wieder mit dem Thema auseinanderzusetzen und selbst darüber zu reflektieren. Denn nur weil etwas Gewohnheit ist oder sich scheinbar gut anfühlt, heißt es nicht, dass es gut für einen ist. Besonders dann, wenn man selbst denkt sowieso kein Problem zu haben oder es doch eh weiß, ist es manchmal nicht schlecht, eigene Muster zu hinterfragen.

Ich mache selbst immer mal wieder gerne Experimente. Sei es Intervall-Fasten, penibler darauf zu achten, was ich esse oder mir neue Rezept-Ideen einzuholen. Aktuell nutze ich dafür beispielsweise die Yazio-App, die mir in der Vergangenheit bereits gute Dienste geleistet hat. Ich denke, viele Menschen, wie auch ich, haben teilweise ein Problem damit, Portionsgrößen richtig einzuschätzen. Dass eine Tüte Chips vielleicht nicht unbedingt einer Portion entspricht, mag jetzt einleuchtend und selbstverständlich klingen. Bei so manch anderen Dingen, die man im Supermarkt entdeckt und mitnimmt, ist das nicht immer ganz so einfach.

Wenn man dann die Dinge mit einer App, wie eben Yazio abscannt, sieht man wirklich, was eine Portionsgröße ist und wie vielen Kalorien das entspricht. Kalorien sind natürlich nur ein Annäherungswert. Bas Kast erklärt in seinem Buch »Der Ernährungskompass« eingehend, wie der Körper manche Lebensmittel verarbeitet und die Kalorienzahl dafür nicht immer ein aussagekräftiger Wert sein kann. Wie immer gilt bei der Ernährung, wie in anderen Lebensbereichen: Es ist sehr individuell und man muss für sich selbst herausfinden, was gut ist und welche Form der Ernährung passt.

Trotzdem ist das Hinterfragen immer eine gute Idee. Theresa Bäuerlein hat dazu auf Krautreporter immer wieder tolle Artikel parat (zwei habe ich unten verlinkt). In letzter Zeit beschäftigt sie sich eingehend mit dem Buch »The Hunger Habit« von Judson Brewer und den darin vorkommenden Themenbereichen. Ich möchte mir das Buch ebenfalls besorgen und lesen, es klingt sehr spannend und informativ. Zum einen geht es unter anderem darum, nicht mehr so exzessiv über Essen nachzudenken und zum anderen, ob wir überhaupt das essen wollen, was wir täglich in uns hineinstopfen. Auf die Details möchte ich hier nicht eingehen, die Artikel von Theresa Bäuerlein sind hervorragend geschrieben und recherchiert. Und ein Krautreporter-Abo lohnt sich sowieso immer.

So manches von unserem Verhalten geht oft auch darauf zurück, wie wir über uns selbst, aber auch über andere reden. Manches Mal hat ein einfacher, unschuldig gemeinter Kommentar größere Auswirkungen, als man beabsichtigt. Der Autor und Blogger Matthew Dicks postet an jedem Ersten des Monats seine Liste an Jahresvorsätzen und wie der Stand ist. Ein Punkt, der mir nicht mehr aus dem Gedächtnis geht, ist: »Ich werde mich weder positiv noch negativ über das Aussehen einer Person äußern, außer über meine Frau und meine Kinder, um den Fokus auf das Aussehen in unserer Kultur insgesamt zu verringern.« (Übersetzt mit Unterstützung von DeepL)

Es ist ein wunderbarer Vorsatz, den sich mehr Menschen vornehmen könnten. Ich versuche das selbst ebenfalls in meinem Alltag zu berücksichtigen. In Anbetracht der Nutzer*innen von Social Media, wie Instagram, TikTok und dergleichen, scheint dies allerdings eine weit entfernte Utopie zu sein. Bilder werden schon lange nicht mehr nur mit Photoshop ausgebessert oder manipuliert, sondern mit Hilfe von Filtern und KI „gefälscht“ oder sie sind überhaupt nicht mehr echt. Das schafft eine wahnsinnige Kluft, eine unüberbrückbare Diskrepanz zwischen Erwartungen, Anforderungen sowie Anspruch an die einzelne, normale Person und dem, was realistisch ist. Die Realität kann eben nur schwer mit einer scheinbar idealisierten, manchmal fiktiven Welt mithalten.

Eigentlich wollte ich nur über die Yazio-App schreiben und dass ich sie gerade sehr gerne verwende. Ich zähle nicht akribisch alle Kalorien, aber als Richtwert und dergleichen eignet sie sich wunderbar. Außerdem sind die Rezepte darin gut. Ich habe schon so manches nachgekocht und Smoothies probiert. Es bringt neue Ideen ins alltägliche Kochen, und man kann vorgeschlagene Rezepte sowieso immer modifizieren. Aber die obigen Abschweifungen zeigen, dass Essen eben ein sehr vielschichtiges Thema ist. Man kann sich ihm von unterschiedlichsten Seiten annähern. Reflexion und Hinterfragen der eigenen Gewohnheiten sind eine Sache. Es ist aber ebenso wichtig, unterscheiden zu können, was ich wirklich selbst möchte und was mir eventuell von der Gesellschaft eingeredet wird.

Texte von Theresa Bäuerlein:

Bild von Unsplash

MCU Rewatch: Captain America – The First Avenger

Captain America ist der erste Film im MCU, der einen Zeitsprung in die Vergangenheit wagt. Bis auf Rückblenden oder seltenen Einträgen wie Captain Marvel bleibt diese Technik weitgehend einzigartig im MCU – zumindest wenn mich meine Erinnerung nicht trügt. Sie sind eher darauf bedacht, die Geschichte des MCU fortzuerzählen. Wobei man die tatsächliche Chronologie der Abläufe sehr viel ernster nehmen kann. So gibt es Listen im Internet zu finden, die nicht nur die Post-Credit-Szenen der Filme aufschlüsseln und die seltenen Kurzfilme von Marvel einbetten, sondern auch noch sämtliche Episoden von Serien in eine richtige chronologische Reihenfolge bringen. Das wirkt aber furchtbar anstrengend, etwas so anzuschauen. Da bleibe ich doch lieber bei den Filmen als Ganzes und ihrer Reihenfolge der Veröffentlichung.

Was bis heute an Captain America beeindruckt, ist die digitale Veränderung von Chris Evans in der ersten Hälfte des Films. Nicht nur wird seine Statur kleiner, sondern er ist entsprechend dünn und mager. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Die Proportionen wirken in keiner Szene falsch oder seltsam. Es wirkt nicht überborden oder fake, sondern passt sich gekonnt in die Szenarie ein. Die Interaktionen mit den anderen Schauspieler*innen, deren Blickrichtungen und alles, was dazugehört, ist stimmig. Wenn man den Studios, die für das CGI verantwortlich sind, ausreichend Zeit gibt, dann bekommt man so ein Ergebnis, das sich Jahre später noch sehen lassen kann.

Wie auch bei den bisherigen Filmen ist die Besetzung des Films überragend. Tommy Lee Jones als Colonel Phillips, Stanley Tucci als Dr. Erskine und Hayley Atwell als Agent Carter ergänzen sich hervorragend. Alle drei, auf ihre eigene Weise, wollen, dass das Supersoldier-Programm erfolgreich ist. Im Laufe des Films mag ich ihre Entwicklung und besonders Phillips beweist später eine Menschlichkeit und ein Vertrauen in Captain America. Aber besonders mag ich es, wenn Charaktere kleine Gesten oder Handlungen in Szenen bekommen, die das auf subtile Art unterstreichen. So ist es bei Phillips eine der letzten Szenen des Films, wo er Agent Carter den Raum allein überlässt, während sie und Steve Abschied nehmen.

Auf der anderen Seite haben wir Hugo Weaving als Red Skull und Toby Jones als Arnim Zola. Weaving verkörpert den Red Skull mit einer regelrechten Inbrunst und scheint Spaß an der Rolle zu haben. Er dominiert jede Szene, in der er agieren darf, und versprüht eine Machtbesessenheit, die Welt zu erobern. Die Technologien, die der Tesseract ermöglicht, sind so größenwahnsinnig, wie der Schädel von Skull rot ist.

Captain America gehört zu einem meiner absoluten Lieblingsfilme des MCU. Die Geschichte ist unterhaltsam, die Charaktere sind mit viel Herz geschrieben und verkörpert, und es stimmt einfach das Gesamtpaket. Chris Evans ist Captain America, da führt kein Weg daran vorbei. Manche Charaktere mag man neu besetzen können, wenn es mit dem Schauspieler nicht mehr funktionieren sollte, aus welchen Gründen auch immer, aber jemand anderen als Captain America zu sehen wird für Jahre sehr schwer sein. Genauso wie Hugh Jackman der einzig wahre Wolverine ist, gilt das auch für Chris Evans als Captain America.

Ananas-Debatte

Wenn es ein Thema gibt, das seit Jahren, nein seit Generationen, die Menschen spaltet, dann ist es wohl die Ananas. Man muss nur das Thema Pizza- oder Toast-Hawaii erwähnen und schon löst man eine stundenlange Diskussion aus, ob man das nun darf oder nicht. Ist es gestattet, eine Pizza mit Ananas zu belegen oder einen Toast mit einer perfekt rund ausgeschnittenen Scheibe, dieser goldgelben Frucht auszustatten? Sollte man das noch mit Kirschen verfeinern oder doch Paprika-Pulver? Hat man völlig den Verstand verloren? Ergibt überhaupt noch etwas Sinn? Und was zum Teufel haben Meerschweinchen damit zu tun?

Ich bin schon aus einer Laune heraus großer Verfechter der mit Ananas belegten Gerichte. Auch wenn ich selbst kaum solche Arten von Pizza oder Toast esse. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal einen Toast Hawaii gegessen habe (abgesehen von dem, vergangener Woche). Nicht unbedingt, weil ich es nicht mag, sondern weil ich kaum Ananas zu Hause habe und auch nicht daran denke. Trotzdem ist es witzig zu beobachten, wie sich manche Menschen darüber echauffieren können. Es ist ein Paradebeispiel für Diskussionen, die unnötigerweise mit sehr viel Emotionen geführt werden. Aber das haftet dem Thema Essen wohl an sich schon an: eine sehr emotionale Sichtweise auf das Thema. Immerhin zeichnet Essen eine Kultur aus, ist ein Aushängeschild und definiert ein Teil ihrer Identität. Auch wenn manche Gerichte, die man speziellen Nationen zuteilt, nichts mit dieser zu tun haben. Aber das ist einfach nur Ignoranz oder simples Unwissen. Von dem ich übrigens selbst nicht gefeit bin.

Jedenfalls hatte ich mit Kollege J. das Thema Toast und Ananas (schon das zweite Mal, dass mich ein Essensthema aus einem Kaffeegespräch in der Arbeit weiter verfolgt, nach meinem Kraut-Abstecher). Zufälligerweise befand sich noch eine Dose mit Ananas-Scheiben (besser gesagt Ringen) in meiner Vorratsschublade, also habe ich mir noch Schinken und Käse besorgt und schon konnte es an dem Abend losgehen. Toastbrot hat man natürlich immer im Tiefkühlfach vorrätig. Seit Jahren friere ich Toastbrot in der Packung immer gleich ein, wenn ich es gekauft habe. Man kann die gefrorenen Scheiben wunderbar voneinander abbrechen und dann ganz normal im Toaster toasten. Schöner Lifehack. Toastbrot ist ja fast wie Kaffeesatz: beide haben den intrinsischen Drang zu schimmeln. So kann man zumindest dem Toastbrot ein Schnippchen schlagen.

Toast ist eine wunderbare Form des Essens. Ich habe auch ein Waffeleisen mit austauschbaren Platten. Ein Paar davon ist für Toast. Natürlich kann man damit keinen Toast-Hawaii machen, da sich die Eisen komplett zusammendrücken. So entstehen die dreieckigen Toast-Formen. Eine Ananas-Scheibe hätte da keinen Platz. Also habe ich mir diesen klassisch im Ofen gemacht. Statt extravaganter Sachen wie Kirschen habe ich allerdings einfach einen Doppeldecker daraus gemacht und eine weitere Toastscheibe darauf gelegt. Wenn man die oberste Scheibe mit etwas Butter einstreicht, wird diese etwas knuspriger und herrlich goldbraun.

Was ich allerdings bei Toast gerne ergänze, um den Eiweißgehalt etwas zu erhöhen (man lebt ja schließlich gesund) und weil es einfach fantastisch dazu passt: Spiegelei. Zwei Spiegeleier gebraten, auf den fertigen Toast platziert, etwas Pfeffer darauf und einen davon als Experiment noch mit etwas Parmesan bestreut. Fertig war das einfache, aber schmackhafte Essen. Was nun allerdings Meerschweinchen damit zu tun haben, kann ich auch nicht beantworten, aber auf Unsplash gab es ein entsprechendes Bild, das ich natürlich niemandem vorenthalten will.

Geek-Planet: Birthright – Volume 1

Es ist Donnerstag. Das heißt, wir schauen uns einen alten Text von mir an. Ich habe einige Jahre einen Blog namens Geek-Planet betrieben und hunderte Texte zu Comics, Filmen und mehr geschrieben. Den Blog gibt es nicht mehr, die Texte sollen aber trotzdem nicht im Nirvana des Internets verschwinden. Deshalb gibt es jede Woche einen kleinen Rückblick. Der folgende Text zu Birthright – Volume 1 erschien am 11. September 2016.

Ich erinnere mich noch erstaunlich gut an Birthright, auch wenn es nun schon 8 Jahre her ist, dass ich den Comic gelesen habe. Es gibt Geschichten, egal in welchem Medium, die einen einfach packen und nicht mehr loslassen. Seien es die Charaktere, die Welt, in der sie spielen, die Art, wie die Geschichte geschrieben ist, ihre Dialoge oder ein Zusammenspiel aus allem. Birthright war für mich so ein Phänomen. Es ist nicht immer leicht zu sagen, woran es liegt, dass man so sehr in die Charaktere und ihr Schicksal investiert ist.

Allerdings empfinde ich es als schön, sich hineinziehen und den Gefühlen quasi freien Lauf zu lassen; mitzufiebern. Es ist wie eine kleine Ersatztherapie, indem man sich so sehr mit diesen Charakteren identifiziert, sich in sie hineinversetzt. Ich hoffe, dass ich diese Fähigkeit nie verlerne und stets offen und voller Abenteuer- und Entdeckerdrang an neue Geschichten herangehen kann. Es ist das innere Kind, welches man nie ganz ablegen sollte. Es bringt einem die Wunder der Welt näher, versetzt einen in Staunen und begeistert. Auch davon handelt Birthright.


Birthright ist der etwas andere Fantasy-Comic. Zwei Welten treffen hier aufeinander: die Unsrige und Terrenos. Ein Land voller Trolle, Drachen und anderer fantastischer Wesen, die nur darauf warten, entdeckt und zurückerobert zu werden. Denn ein dunkler Herrscher hat sich diese Welt untertan gemacht und nur einer ist dazu bestimmt, ihn zu stürzen.

  • Schöpfer, Autor: Joshua Williamson
  • Schöpfer, Künstler: Andrei Bressan
  • Colorist: Adriano Lucas
  • Letterer: Pat Brosseau

“Five war criminals escapted Terrenos and came to earth … and only when they have been sent back to Terrenos will all the dark forces be truly defeated.” – Mikey

Ein Vater spielt mit seinem Jungen Ball. Der Junge rennt in den Wald und kommt nicht wieder zurück. Panik. Ein Jahr lang keine Spur. Dann taucht ein Mann auf. Ein Mann, der aussieht wie ein Schlächter, ein Krieger frisch aus dem Set vom Herrn der Ringe. Unglaublich, aber es handelt sich um eben jenen Jungen, der damals im Wald verschwunden ist. Und er ist zurückgekommen, um die Welt zu retten. Dies ist die Geschichte von Mikey.

Die ersten Seiten des Comics erzählen genau diese Geschichte. Voll gepackt mit allen Schwierigkeiten, die man als Familie durchstehen muss, wenn der Sohn, gerade mal neun Jahre alt, verschwindet. Beschuldigungen werden ausgesprochen, man lebt sich auseinander und irgendwann will es keiner mehr hören. Es ist erstaunlich, wie viel emotionales Gewicht diese wenigen Seiten tragen. Eine Last, die diese Familie ertragen muss.

Dann taucht der Mann auf, der behauptet, Mikey zu sein. Nun wird die Handlung gesplittet, ähnlich wie in der Arrow-Serie wird zum einen die aktuell voranschreitende Geschichte erzählt und zum anderen, die Abenteuer des kleinen Mikey reflektiert. Eine sehr interessante Art, diese Geschichte zu erzählen, vor allem da es auf den ersten Blick keine gemeinsamen Themen gibt, auf denen diese getrennten Handlungen aufbauen. Trotzdem funktioniert es erstaunlich gut und man bekommt einen guten Eindruck der Welten und der Charaktere, die eine Rolle für die zukünftige Handlung spielen.

Am beeindruckendsten ist dabei das Verhältnis zwischen Mikey und seinem eigentlich großen Bruder Brennan (der mit der Rückkehr eines Erwachsenen Mikey zum kleinen Bruder degradiert wurde). Die Liebe, die diese beiden verbindet, ist auf jeder Seite zu spüren. Vor allem bei den Unterhaltungen zwischen den beiden. Sie würden alles füreinander tun. Konträr dazu steht die Beziehung (oder auch Nichtbeziehung) zwischen Aaron und Wendy – den Eltern. Sie haben sich über das eine Jahr so sehr zerstritten und so viel durchgemacht, ich bin mir nicht sicher, wohin es mit den beiden geht.

Birthright ist ein fantastischer Fantasy-Comic, der zwei Welten gekonnt zum Leben erweckt. Die Zeichnungen verstehen es dabei, sowohl ruhige, emotionalere Momente in Szene zu setzen, als auch actionreiche. Ebenso beeindrucken die gewaltigen Landschaftsaufnahmen. Vor allem, wenn man sieht, wie sich langsam Terrenos vor den eigenen Augen entfaltet und diese Welt aufgebaut wird, bekommt man Lust darauf, selbst so eine Welt zu erschaffen.

Doch die Geschichte ist nicht immer so „straight forward“, wie man im Englischen sagt. Es ist nicht alles Gold, was glänzt, und die Vertrauensfrage steht immer wieder im Zentrum. Das wird in den nächsten Ausgaben sicher noch äußerst spannend. Denn die dunklen Mächte wissen zu manipulieren, und ein vormals vermuteter Feind könnte sich doch als Verbündeter entpuppen. Alle beteiligten Personen wachsen einem recht schnell ans Herz und man will unbedingt wissen, wie es weitergeht. Ob sie es heil aus dem Abenteuer herausschaffen oder Wunden zurückbleiben, welcher Art auch immer, die sich nicht so leicht wieder schließen lassen.

Backe, backe, Kekse

In der Weihnachtszeit backt man Kekse oder man kauft sie bei der guten Bäckerei, die sie noch selbst per Hand macht. Es ist großartig, wenn auf dem Wohnzimmertisch eine kleine Dose steht, aus der man sich bedienen kann. Entweder zum Kaffee oder einfach nur zwischendurch. Ich mag die Mischung aus selbst gemachten und gekauften Keksen, so ist eine gewisse Vielfalt vorhanden. Was ich allerdings fast jedes Jahr selbst mache, sind Lebkuchenkekse. Wobei ich mir für dieses Unterfangen den Teig gerne beim Bäcker hole.

Zwar ist der Lebkuchenteig an sich nicht aufwendig, trotzdem habe ich mich noch nie wirklich getraut, es zu versuchen. Ich habe schon verschiedenste Brote gebacken und etliche Pizza-Teig-Varianten getestet, doch manches scheint mir dann den Aufwand nicht wert zu sein oder ist ein Berg, den ich noch nicht erklimmen möchte. Der Teig für Flammkuchen gehört beispielsweise auch dazu. Ich kann gar nicht genau sagen, woran es liegt. Zum einen hatte ich noch keine Motivation, mich genauer damit zu befassen, auf der anderen Seite sind die gekauften Teige nicht schlecht. Aber irgendwann versuche ich mich daran. Beim Lebkuchenteig war es dieses Jahr noch nicht so weit.

Der Vorteil ist zudem, dass die Kekse so recht schnell fertig sind. Den Teig ausrollen, mit Mehl bestäuben, sodass er nicht überall festklebt und ausstechen. Es sind insgesamt vier Bleche voller Kekse aus dem Teig herausgekommen, was eine ordentliche Menge ist. Jedes Blech ist anders. Mal habe ich den Teig zu viel, mal zu wenig ausgerollt und mal hat es perfekt gepasst. Vor dem Backen mit Eiklar bestreichen, die Hälfte der Lebkuchen mit Mandeln ausstatten und schon konnten sie in den Ofen. Ein großer Vorteil an Lebkuchen ist, dass sie nur besser werden, je länger sie liegen. Die halten die Weihnachtszeit über.

Dieses Wochenende habe ich allerdings noch eine zweite Sorte dazu gemacht. Kollege J. hat mich auf die Idee gebracht, Kokosbusserl zu machen. Erst dachte ich, diese wären etwas aufwendiger. Stellt sich heraus, man benötigt nur drei Zutaten: Eier, Staubzucker und Kokosflocken. Das zweite Blech habe ich gerade aus dem Ofen genommen und es duftet herrlich in der Küche, während ich diese Zeilen schreibe. Natürlich bekommen die Kollegen ein bisschen was davon ab. Man ist in der Adventszeit ja schließlich immer etwas großzügiger.

Ich brauche nicht viele Kekse, aber ein paar sollten es schon sein. Seien es gekaufte oder selbst gemachte. Aber ein paar zumindest aus eigenem Antrieb heraus zu backen gehört für mich zur Adventzeit dazu. In manchen Jahren backe ich jedes Wochenende eine Sorte (von Florentiner bis Zimtecken), manchmal werden es nur die Lebkuchen. Ich finde es eine tolle Einstimmung für Weihnachten.

Webcomics

Webcomics sind ein großartiges Medium. Lange Zeit habe ich es als eigenständiges Medium unterschätzt oder nicht ernst genommen, doch Podcasts, wie Talking Comics haben mich vor mittlerweile einigen Jahren schon bekehrt. Es ist eben ein weiteres Medium unter vielen. Wie bei Filmen, Serien, Büchern und Comics gibt es eine Unmenge an Geschichten, die von den unterschiedlichsten Autor*innen erzählt werden. Man muss sich erst etwas umsehen und herausfinden, was einem gefällt, ob einem das Medium anspricht und zusagt, bis man wirklich darüber urteilen kann.

Ich würde sogar fast sagen, dass der Zugang zu Webcomic einfacher ist als zu gewöhnlichen US-Comics oder Mangas. Bei diesen Ausprägungen muss man sich vielleicht erst damit beschäftigen, wo man anfangen will zu lesen. Welche Comics und Geschichten gut sind, was sich zu lesen lohnt. Doch bei Webcomics lädt man sich einfach nur die App herunter (Tapas und Webtoons sind die Platzhirschen), legt sich einen Account an und fängt an zu lesen. Es gibt die Bestenlisten direkt in den Apps und schon nach wenigen Kapiteln kann man meist beurteilen, ob einem die Geschichte taugt oder eben nicht. Außerdem kann man durch die eigenen in-App-Währungen die Autor*innen und Künstler*innen direkt dort unterstützen.

Viele bieten zudem an, sie per Patreon zu unterstützen, wodurch man als Leser*in noch ein paar Goodies bekommt. Seien es PDF-Ausgaben der gesamten, bisher erschienenen Kapitel oder zusätzliche Zeichnungen, Hintergründe zu den Charakteren, FAQs und was sie sich nicht sonst noch einfallen lassen. Viele berücksichtigen auch, dass man gerne mehrere Autorinnen unterstützt und fangen bereits bei einem oder drei Euro an.

Allerdings mag ich es auch, live in den Apps von Tapas und Webtoons mitzulesen, auch wenn ich die oder den Autor*in bereits auf Patreon unterstütze. Die Kommentare unter den jeweils erschienenen Kapiteln sind zum Großteil schön mitzulesen. Es gibt einem den Glauben an die Menschheit zurück. Man freut sich kollektiv über die Geschichte, fiebert mit den Charakteren mit und spricht den Künstlerinnen gut zu, wenn sie eine schwierige Zeit durchmachen oder gerade nicht so viel posten können. Denn auch das ist natürlich intensiver als bei herkömmlichen Comics: der Zugang zu den Schöpfer*innen dieser großartigen Geschichten.

Dadurch, dass meist wöchentlich oder zweiwöchentlich neue Episoden erscheinen und manche Autor*innen unter den Kapiteln entweder aus ihrem Leben berichten oder an was sie gerade arbeiten, was sie durchmachen, fühlt man sich ihnen umso näher. Und seien es nur ein paar Worte, die sie ihrem Publikum hinterlassen. Es verändert das Lese-Gefühl. Was wahrscheinlich auch erklärt, warum man leichter bereit ist, sie auf Patreon oder ähnlichen Plattformen direkt zu unterstützen: Man wünscht ihnen den Erfolg und nur das Beste.

Webcomics sind ein großartiges Medium. Ich kann mich nur wiederholen. Eine fantastische Art, Geschichten zu erzählen, von Menschen, deren Comics man ansonsten vielleicht nie sehen würde. Geschichten über Charaktere, über Themen und Welten, die man ansonsten vielleicht nie entdecken oder veröffentlicht sehen würde. Deshalb macht es mir so viel Freude, jeden Dienstag einen neuen zu präsentieren. Bisher waren das: