Es ist Donnerstag. Das heißt, wir schauen uns einen alten Text von mir an. Ich habe einige Jahre einen Blog namens Geek-Planet betrieben und hunderte Texte zu Comics, Filmen und mehr geschrieben. Den Blog gibt es nicht mehr, die Texte sollen aber trotzdem nicht im Nirvana des Internets verschwinden. Deshalb gibt es jede Woche einen kleinen Rückblick. Der folgende Text zu Birthright – Volume 1 erschien am 11. September 2016.
Ich erinnere mich noch erstaunlich gut an Birthright, auch wenn es nun schon 8 Jahre her ist, dass ich den Comic gelesen habe. Es gibt Geschichten, egal in welchem Medium, die einen einfach packen und nicht mehr loslassen. Seien es die Charaktere, die Welt, in der sie spielen, die Art, wie die Geschichte geschrieben ist, ihre Dialoge oder ein Zusammenspiel aus allem. Birthright war für mich so ein Phänomen. Es ist nicht immer leicht zu sagen, woran es liegt, dass man so sehr in die Charaktere und ihr Schicksal investiert ist.
Allerdings empfinde ich es als schön, sich hineinziehen und den Gefühlen quasi freien Lauf zu lassen; mitzufiebern. Es ist wie eine kleine Ersatztherapie, indem man sich so sehr mit diesen Charakteren identifiziert, sich in sie hineinversetzt. Ich hoffe, dass ich diese Fähigkeit nie verlerne und stets offen und voller Abenteuer- und Entdeckerdrang an neue Geschichten herangehen kann. Es ist das innere Kind, welches man nie ganz ablegen sollte. Es bringt einem die Wunder der Welt näher, versetzt einen in Staunen und begeistert. Auch davon handelt Birthright.
Birthright ist der etwas andere Fantasy-Comic. Zwei Welten treffen hier aufeinander: die Unsrige und Terrenos. Ein Land voller Trolle, Drachen und anderer fantastischer Wesen, die nur darauf warten, entdeckt und zurückerobert zu werden. Denn ein dunkler Herrscher hat sich diese Welt untertan gemacht und nur einer ist dazu bestimmt, ihn zu stürzen.
- Schöpfer, Autor: Joshua Williamson
- Schöpfer, Künstler: Andrei Bressan
- Colorist: Adriano Lucas
- Letterer: Pat Brosseau
“Five war criminals escapted Terrenos and came to earth … and only when they have been sent back to Terrenos will all the dark forces be truly defeated.” – Mikey
Ein Vater spielt mit seinem Jungen Ball. Der Junge rennt in den Wald und kommt nicht wieder zurück. Panik. Ein Jahr lang keine Spur. Dann taucht ein Mann auf. Ein Mann, der aussieht wie ein Schlächter, ein Krieger frisch aus dem Set vom Herrn der Ringe. Unglaublich, aber es handelt sich um eben jenen Jungen, der damals im Wald verschwunden ist. Und er ist zurückgekommen, um die Welt zu retten. Dies ist die Geschichte von Mikey.
Die ersten Seiten des Comics erzählen genau diese Geschichte. Voll gepackt mit allen Schwierigkeiten, die man als Familie durchstehen muss, wenn der Sohn, gerade mal neun Jahre alt, verschwindet. Beschuldigungen werden ausgesprochen, man lebt sich auseinander und irgendwann will es keiner mehr hören. Es ist erstaunlich, wie viel emotionales Gewicht diese wenigen Seiten tragen. Eine Last, die diese Familie ertragen muss.
Dann taucht der Mann auf, der behauptet, Mikey zu sein. Nun wird die Handlung gesplittet, ähnlich wie in der Arrow-Serie wird zum einen die aktuell voranschreitende Geschichte erzählt und zum anderen, die Abenteuer des kleinen Mikey reflektiert. Eine sehr interessante Art, diese Geschichte zu erzählen, vor allem da es auf den ersten Blick keine gemeinsamen Themen gibt, auf denen diese getrennten Handlungen aufbauen. Trotzdem funktioniert es erstaunlich gut und man bekommt einen guten Eindruck der Welten und der Charaktere, die eine Rolle für die zukünftige Handlung spielen.
Am beeindruckendsten ist dabei das Verhältnis zwischen Mikey und seinem eigentlich großen Bruder Brennan (der mit der Rückkehr eines Erwachsenen Mikey zum kleinen Bruder degradiert wurde). Die Liebe, die diese beiden verbindet, ist auf jeder Seite zu spüren. Vor allem bei den Unterhaltungen zwischen den beiden. Sie würden alles füreinander tun. Konträr dazu steht die Beziehung (oder auch Nichtbeziehung) zwischen Aaron und Wendy – den Eltern. Sie haben sich über das eine Jahr so sehr zerstritten und so viel durchgemacht, ich bin mir nicht sicher, wohin es mit den beiden geht.
Birthright ist ein fantastischer Fantasy-Comic, der zwei Welten gekonnt zum Leben erweckt. Die Zeichnungen verstehen es dabei, sowohl ruhige, emotionalere Momente in Szene zu setzen, als auch actionreiche. Ebenso beeindrucken die gewaltigen Landschaftsaufnahmen. Vor allem, wenn man sieht, wie sich langsam Terrenos vor den eigenen Augen entfaltet und diese Welt aufgebaut wird, bekommt man Lust darauf, selbst so eine Welt zu erschaffen.
Doch die Geschichte ist nicht immer so „straight forward“, wie man im Englischen sagt. Es ist nicht alles Gold, was glänzt, und die Vertrauensfrage steht immer wieder im Zentrum. Das wird in den nächsten Ausgaben sicher noch äußerst spannend. Denn die dunklen Mächte wissen zu manipulieren, und ein vormals vermuteter Feind könnte sich doch als Verbündeter entpuppen. Alle beteiligten Personen wachsen einem recht schnell ans Herz und man will unbedingt wissen, wie es weitergeht. Ob sie es heil aus dem Abenteuer herausschaffen oder Wunden zurückbleiben, welcher Art auch immer, die sich nicht so leicht wieder schließen lassen.



