Mystische Stadt

Es trug sich zu, dass ich in der Weihnachtswoche nach Salzburg fuhr. Genauer gesagt, am Stefanitag. Ich stand um kurz nach 6 Uhr morgens auf, trank genüsslich eine Tasse Kaffee und las etwas in dem großartigen Buch »Cancel Cultur Transfer« von Adrian Daub. Um halb acht machte ich mich schließlich auf den Weg. Das Schöne, so früh unterwegs zu sein, noch dazu an einem Feiertag nach Weihnachten, ist die unendliche Ruhe. Die Welt war noch in dichtem Nebel getaucht, die Straßen beinahe leer. Ich parkte in der Linzergassengarage (man gönnt sich ja sonst nichts) und spazierte die gleichnamige Gasse entlang.

Zwar waren ein paar Menschen unterwegs, doch nur eine Handvoll. Nicht zu vergleichen mit dem dichten Gedränge vor Weihnachten, wo man sich einen Weg erkämpfen und Heerscharen von Touristen ausweichen muss. Man traf sich am Platzl und spazierte weiter die Getreidegasse entlang. Diese war wirklich leer. Das habe ich seit Corona nicht mehr erlebt. Die Stadt in dieser morgendlichen Ruhe zu erleben, ist wirklich etwas Besonderes. Natürlich bin ich am Wochenende gelegentlich früh unterwegs. Aber da bereiten sich die Geschäfte für den Tag vor, Lieferwagen und Postautos tragen Briefe und Pakete aus. Doch an einem Feiertag wie diesem ist auch das nicht der Fall.

Gepaart mit dem Nebel spürt man das Mittelalterliche der Stadt und die vergangenen Jahrhunderte wirken zum Greifen nahe. Die Modernität rückt in den Hintergrund, spielt keine Rolle mehr und weicht dem Mystischen. Die Festung war kaum mehr auszumachen und eine Welt außerhalb schien gar nicht mehr zu existieren. Eine wahrlich beeindruckende Stimmung und Atmosphäre. Ziel war der Dom. Dieses Mal jedoch nicht zwecks einer Führung. Sondern man wollte die Messe um halb neun besuchen. Zu diesem Anlass ist das mittlere der drei Tore geöffnet. Normalerweise verschlossen, stand die Pforte nun offen. So ist das Betreten des Doms ebenfalls etwas Besonderes. Wir suchten uns einen Platz relativ weit vorne, sodass wir aber noch einen guten Blick auf die Kunstwerke des Gebäudes und in die Kuppel hatten.

Ich bin kein gläubiger Mensch, aber den Ritualen der Kirche kann ich gelegentlich durchaus etwas abgewinnen. Die Dommesse an diesem Tag zu besuchen, war mir schon länger ein Anliegen. Diese Erfahrung mitzumachen. Aus Kindheitstagen, wo man noch regelmäßiger in die Kirche ging, kennt man natürlich die Abläufe. Hier stehen, da knien und dazwischen darf man sitzen. Ich habe davon abgesehen, mitzusingen oder mir die Eucharistie abzuholen, das kam mir dann doch falsch vor. Das überlasse ich den Gläubigen. Ich kann den Gemeinschaftssinn und die Sinnstiftung des Glaubens durchaus nachvollziehen, doch ich bin (leider) nicht dazu in der Lage, mich diesem hinzugeben. Aber das muss vielleicht auch gar nicht sein. Jeder findet seinen eigenen Weg.

Doch die Messe mitzuerleben, den Worten zu lauschen und einfach den Gedanken freien Lauf zu lassen, hatte etwas Meditatives. Ich bin durchaus interessiert, noch andere Messen mitzumachen und zu erleben. Wenn man sich darauf einlassen kann, holt einen die Atmosphäre durchaus ab. Man muss nicht unbedingt mit dem Religiösen etwas anfangen können. Aber vielleicht nimmt man etwas für sich selbst mit. Die Rituale dazwischen können als Inspiration dienen. Nächstes Jahr werde ich sicher wieder hingehen.

Everything X-Men | Thomas & Adams (Teil 2/2)

Wie jeden Donnerstag sehen wir uns auch heute einen Text aus grauer Vorzeit an. Obwohl mein Medienwissenschaftsstudium noch gar nicht so lange her ist. Jedenfalls habe ich für mein sogenanntes Projektstudium eine Textreihe zu den X-Men geschrieben. Diese möchte ich hier nach und nach präsentieren. Da ich die Texte damals auf Englisch geschrieben habe, sie aber auf Deutsch präsentieren will, übersetze ich diese initial mit DeepL, bevor ich sie redigiere.

Beim letzten Mal haben wir mit den Comics von Roy Thomas und Neal Adams angefangen. Heute kommt der zweite und letzte Teil des Textes.

Bisher sind folgende Texte erschienen:


Freunde und Feinde

Die Hauptgeschichten, die sich über mehrere Ausgaben erstrecken, sind ausgezeichnet. Der erste Handlungsbogen mit Scotts Bruder und dem Pharao entpuppt sich als eine umfangreiche, tiefgreifende Geschichte, und ich bin mir sicher, dass ich bei einer erneuten Lektüre noch mehr Symbolik und Bedeutung darin entdecken würde. Roy Thomas ist ein fantastischer Autor. Man kann sehen und spüren, dass sich die Erzählweise zwischen den letzten Ausgaben von Stan Lees und der, die wir jetzt besprechen, massiv verändert hat. Es ist eine lange Geschichte über die Wächter, Scotts Bruder, Bobbys Freundin, einen entgleisten Sohn, eine Yin-Yang-Symbolik zwischen dem Pharao und Alex und vieles mehr. Roy Thomas hetzt nicht durch die Geschichte. Stattdessen gibt er ihr Raum zum Atmen. Auf diese Weise können die Leser*innen jede Sequenz verarbeiten und würdigen.

In den meisten Ausgaben steht Alex im Vordergrund, und am Ende stellt sich heraus, dass dies die Entstehungsgeschichte von Havok ist. Das habe ich nicht kommen sehen und war angenehm überrascht. Es sollte viel mehr dieser Entstehungsgeschichten geben.

Einer der coolsten, seltsamsten und lustigsten Momente war während des finalen Kampfes zwischen den Sentinels und Scott. In dem Kampf ist er einer der letzten X-Men, die noch stehen. Er macht einen Asimov-ähnlichen Zug und besiegt diese schrecklichen Maschinen mit Logik. Danach fliegen sie in die Sonne und zerstören sich selbst. Ich bin mir nicht sicher, ob ich verstanden habe, wie er das gemacht hat, aber ich wurde an die ersten beiden Kurzgeschichten von Isaac Asimov in der Sammlung „I, Robot“ erinnert (die jeder lesen sollte).

Für den nächsten Bösewicht, über den ich sprechen möchte, möchte ich kurz Kontext liefern: Ich bin großer Fan von „Der Herr der Ringe“ und der gesamten Mythologie von J. R. R. Tolkiens Mittelerde. Leider muss ich zugeben, dass ich gerade erst anfange, tiefer in diese Welt einzutauchen, indem ich die Bücher „The History of Middle-Earth“, „The Silmarillion“ und so weiter lese. Allerdings schaue ich mir regelmäßig (das heißt einmal im Jahr) die „Herr der Ringe“-Filme von Peter Jackson an, und jedes Mal weine ich und mache tiefe emotionale Erfahrungen. Ich schaue YouTube-Videos darüber und beschäftige mich gerne mit dieser Welt. Und nein, wir sprechen an dieser Stelle nicht über die „Hobbit“-Filme.

Nachdem das gesagt ist, können wir nun über Dr. Klaus Lykos sprechen – er spielt eine entscheidende Rolle in den Ausgaben Nr. 60 bis Nr. 62. Er ist ein Mutant und kann anderen Lebewesen, sogar Tieren, die Lebensenergie entziehen. Als die X-Men ihm Scotts Bruder übergeben – Lykos soll ein Freund von Xavier sein –, erhält er endlich genug Energie, um sich in einen Pteranodon zu verwandeln. Vor vielen Jahren hatten ihn dieselben Kreaturen angegriffen und ihm seine Kraft verliehen. So weit, so gut. Aber natürlich ist er ein Fan von „Der Herr der Ringe“ und nennt sich selbst Sauron.

Warum? Einfach … warum? So etwas macht man nicht. Man benennt jemanden nicht nach einem der größten Bösewichte aller Zeiten. Wenn Lykos ein großes, böses Genie mit einem Plan und Fähigkeiten gewesen wäre, um die X-Men zu besiegen – vielleicht dann. Aber so wie die Geschichte umgesetzt ist, kaufe ich ihm sein böses Genie keine Sekunde lang ab. Sauron ist wie eine zweite Persönlichkeit in ihm. Er hat mehr Ähnlichkeit mit Dr. Jekill und Mr. Hyde als mit irgendjemandem aus „Der Herr der Ringe“. Vielleicht käme Gollum noch eher infrage als Sauron. Außerdem müssen die X-Men nicht handeln. Sie sind wie ein Publikum, das zusieht, wie sich die einzelnen Elemente entfalten. Am Ende dreht sich alles um Liebe und Vergebung.

The coming of Sunfire

… ist Teil des Titels der 64. Ausgabe. Es ist die tragische Geschichte eines Jungen, der von einem alten Mann dazu manipuliert wird, einen Krieg zu führen, der schon lange vorbei ist. Diese Geschichte behandelt ein komplexes Thema. Sie befasst sich mit den Folgen von Hiroshima und Nagasaki und damit, wie manche Menschen (im Jahr 1970, als der Comic erschien – und vielleicht auch noch heute) die Vereinigten Staaten dafür hassten und wollten, dass sie für ihre Taten büßen.

Der Junge heißt Shiro. Seine Mutter war ein Opfer von Hiroshima, und als Folge des nuklearen Fallouts erhielt Shiro seine Kräfte. In seinem Körper kann er die Kraft der Sonne speichern und sie in mächtigen Explosionen freisetzen. Ohne dass sein Vater davon wusste, erzählte der Onkel seit Shiros Kindheit von Hiroshima und dem, was seiner Mutter widerfahren war. Wie sehr er die Vereinigten Staaten dafür hasste und dass er Rache wollte. Es sei ihr Recht und ihre Pflicht, diejenigen zu rächen, die gestorben sind, und diejenigen, die noch immer leiden. Als sich Shiros Kräfte manifestieren, befiehlt ihm sein Onkel daher, Washington, D. C., anzugreifen und zu zerstören.

Shiro glaubt an den von seinem Onkel vorgegebenen Kurs und ist zu allem bereit. Doch in Washington ereignet sich ein schrecklicher Unfall und sein Onkel tötet Shiros Vater. Denn als dieser von Shiros Taten erfährt, opfert sich sein Vater, um die Menschen der Stadt zu retten und Shiro davon zu überzeugen, dass das, was er tut, falsch ist.

Man merkt schon an dieser kurzen Zusammenfassung, dass die X-Men tatsächlich nicht vorkommen. In diesem Fall ist das auch gut so. »The Coming of Sunfire« ist eine intime Geschichte, die sich mit einem Thema befasst, das man vielleicht nicht erwarten würde. Es geht nur um Shiro und den Schmerz seiner Vergangenheit. Es geht um einen jungen Mann, der leicht zu manipulieren ist, weil derjenige, dem er vertrauen sollte, ihn verrät. Andererseits: Kann man dem Onkel seinen Hass übelnehmen? Dann ist da noch der Vater, der zwischen ihnen steht. Eine bewegende Geschichte, die an ihrer Aktualität nichts verloren hat.

Roy Thomas und Neal Adams haben nicht nur ein paar X-Men-Geschichten geschaffen, sondern eine ganze Achterbahnfahrt der Gefühle. Vielleicht habe ich die Entwicklungen zwischen Ausgabe Nr. 19 und Nr. 55 etwas zu sehr gelobt. Ich wollte jedoch darauf hinweisen, wie viel sich in den wenigen Jahren dazwischen verändert hat. Es ist großartig, die Entwicklung des Geschichtenerzählens in diesem Medium mitzuerleben. Besser gesagt, in meinem Fall nachzuholen. Ich denke, die X-Men eignen sich perfekt als Anschauungsmaterial.

Im nächsten Artikel werden wir uns mit der Frage „Was ist ein Mutant?“ beschäftigen und danach werfen wir einen Blick auf eine neuere Interpretation der Entstehungsgeschichte der X-Men: »X-Men First Class v1« von 2007, geschrieben von Jeff Parker.

Quellen

  • Darowski, J. (2011). Reading The Uncanny X-Men: Gender, Race and the mutant metaphor in a popular narrative (Doctoral dissertation).

Taschenbuch

Wie bereits das erste Jahr des Blogs feiere ich auch das zweite mit einem Abdruck der Texte. Es ist etwas Besonderes, das Geschriebene in Buchform in Händen zu halten. Natürlich konnte ich nicht anders und habe erneut gleich mehrere Stücke bestellt, um diese verschenken zu können. Dieses Mal ging es allerdings etwas einfacher von der Hand. Immerhin konnte ich die Datei vom Vorjahr als Vorlage verwenden.

Als Programm diente mir erneut Affinity Publisher. Es ist ein tolles Programm und kann entsprechend große Dateien handhaben. Nicht unbedingt, was die Dateigröße betrifft, sondern eher den Umfang. Wobei ich auch mein Fotobuch von Island mit dem Programm mache und noch keinerlei Probleme hatte. Ich finde es mittlerweile sogar intuitiver als InDesign, welches ich gelegentlich bei der Arbeit verwende. Die Affinity-Programme sind zugänglicher, obwohl sie denselben Funktionsumfang haben.

Ein Grund, warum es dieses Jahr ebenfalls etwas leichter fiel, das Buch zu machen: Ich habe schon unterm Jahr immer wieder die Texte von meinem Schreibprogramm Ulysses in Affinity Publisher kopiert und formatiert. Vergangenes Jahr habe ich alles auf einmal gemacht, was am Ende etwas viel Arbeit war. Diese Arbeit über das ganze Jahr zu verteilen, werde ich auch weiterhin so machen.

Dann kommt natürlich noch das Format des Buches selbst. Es ist erneut A5. Doch die Qualität von Papier und Umschlag ist anders. Ich bin mir nicht sicher, ob ich es beim letzten Mal übersehen habe oder ob es wirklich eine neue Option von Wir-Machen-Druck ist. Jedoch gibt es die Option, eine explizite Taschenbuchvariante drucken zu lassen. Das Buch zu Jahr 1 hatte etwas stärkeres Papier und einen dickeren Umschlag. Aber wenn es schon eine Taschenbuchvariante gibt, muss ich diese auch ausprobieren. Außerdem war es etwas billiger. Das ist nie schlecht.

Der Ablauf bei Wir-Machen-Druck ist sehr angenehm. Man bestellt das Produkt, das man haben möchte, in dem Format, das man haben will, und am Ende lädt man die PDF-Dateien hoch. Manche Fehler aus dem ersten Jahr (ich nehme stets die Qualitätskontrolle als Option dazu) konnte ich heuer vermeiden. Der Druckprozess ging flott und die Lieferung erfolgte erstaunlich schnell. Einen Tag nachdem ich die Versandmitteilung erhalten hatte, lag das Paket auch schon vor der Tür. Ich hatte etwas Bedenken bezüglich der Druckqualität, da vergangenes Jahr manche der Bücher nicht korrekt beschnitten waren – was ich versäumt habe, zu reklamieren. Doch dieses Jahr sind alle 20 Stück identisch. Kein eingerissener Einband, keine Fehldrucke.

Die Bücher schwarz-weiß zu drucken, inklusive des Titelbildes, sieht am Ende besser aus, als ich erwartet hatte. Vielleicht gehe ich nächstes Jahr trotzdem zu einem farbigen Einband zurück. Mal sehen. Jedenfalls bin ich erneut begeistert. Die eigenen Texte gedruckt vor sich liegen zu haben und dann auch noch in einer kleinen Auflage von 20 Stück, ist bemerkenswert. Wie immer habe ich natürlich schon Ideen, wie ich das Buch weiter verfeinern und verbessern kann. Im Moment genieße ich aber, dass das Buch zu Jahr 2 vor mir liegt.

Double-Jump & Upgrades

Ich berichte mehr oder weniger regelmäßig über meine Fortschritte in dem fantastischen, brutal schweren Metroidvania-Videospiel »Silksong«. Langsam und stetig arbeite ich mich durch die Welt von Pharloom. Immer wieder bin ich beeindruckt von der Detailverliebtheit und dem zeitlosen Design des Spiels. Der Soundtrack fesselt und untermalt gekonnt die Atmosphäre der einzelnen Abschnitte. Erstaunlich ist auch, wie viele dieser Abschnitte eigentlich optional sind. Das war bereits im Vorgänger »Hollow Knight« der Fall. Man kann das Spiel durchspielen, ohne einen Großteil der Welt je gesehen zu haben. Und wie es eben bei Metroidvania-inspirierten Spielen so ist, schaltet man immer mehr Fähigkeiten frei. So auch bei »Silksong«.

Diese Fähigkeiten erleichtern nicht nur die Navigation durch die Welt, sondern machen manche Bereiche überhaupt erst zugänglich. Zu den Fähigkeiten gehören unter anderem der Dash, also ein schneller „Sprung“ nach vorne, um entweder Gegnern rasch ausweichen zu können oder größere Abgründe zu überwinden. Dann natürlich noch der Wall Climb/Wall Jump. Wie der Name sagt, kann man damit die Wände hochklettern und davon abspringen. Allein diese Fähigkeit macht vieles zugänglich. Und dann gibt es natürlich noch den Doppelsprung.

In Silksong ist dieser komplett optional. Um das Spiel durchzuspielen, ist dieser nicht notwendig. Aber wenn man die Waffe weiter upgraden, Maskenfragmente finden und weitere Dinge freischalten möchte, ist dieser unverzichtbar. Im ersten Teil bekam man diesen noch relativ leicht. In »Silksong« wird es deutlich, dass es sich um eine optionale Fähigkeit handelt. Nicht nur muss man eine ausgedehnte Parkourpassage überwinden. Diese Passage ist auch noch am Feenberg. Klingt putzig, ist aber eine Hölle aus Eis, in der man langsam erfriert und von Wärmequelle zu Wärmequelle hetzt. Dieser Zeitdruck führt, zumindest bei mir, häufiger zu Fehlern. Resetpunkte gibt es auch nicht allzu viele. Ich glaube, ich habe eineinhalb Stunden gebraucht, um mich zur Spitze des Berges hochzuarbeiten. Wenn man sich Zusammenschnitte auf YouTube ansieht, dauert dies vielleicht 10 Minuten; maximal.

Naiv habe ich mir danach gedacht, dass manche Abschnitte nun einfacher würden. Manchmal ist das auch der Fall. Doch viel öfter sind Parkourpassagen, die man ohnehin nur mit dem Doppelsprung erreicht, umso schwieriger gestaltet. Man muss das komplette Arsenal an Fähigkeiten einsetzen, um durch die Gebiete navigieren zu können. Und Bänke, an denen man rasten und speichern kann, sind rar gesät. Trotzdem hat mich Silksong fest im Griff und ich denke gar nicht daran, aufzugeben. Ich erarbeite mir jetzt diverse Upgrades, um es in Kämpfen einfacher zu haben. Es ist grundsätzlich ja erfreulich, dass es nicht nur harte Kämpfe sind, sondern auch Parkour ein zentraler Bestandteil ist. So, wie es eben sein soll.

Manchmal wäre es allerdings ganz nett, wenn es die Entwickler*innen ein bisschen einfacher gestaltet hätten. Vor allem, nachdem man durch eine Eishölle gegangen ist, um sich eine Fähigkeit freizuschalten.

Alles falsch

Für die Korrektur der Blogtexte verwende ich zwei Programme. Das hilft dabei, die Rechtschreib- und Grammatikfehler so gering wie möglich zu halten. Nur selten schreibe ich einen Text über mehrere Tage. Mein Vorgehen ist typischerweise so: Ich sammle Ideen, die ich mir entweder direkt in mein Schreibprogramm (Ulysses) notiere oder trage sie in eine Liste ein. Dann setze ich mich am Abend hin und schreibe zu einem dieser Themen einen Text. Oder mir liegt konkret etwas auf dem Herzen, was ich loswerden möchte, dann hat das natürlich Priorität. Ist der Text geschrieben, geht es in die Korrektur.

Ich tippe die Texte so, wie sie mir gerade einfallen. Meist ergibt sich von alleine eine Struktur oder ich denke kurz darüber nach, was ich mit dem Text aussagen möchte, aber dann geht es auch schon los. Ist der Text in Ulysses geschrieben, kopiere ich ihn in das Webinterface von LanguageTool. Dort habe ich einen Premium-Account. LanguageTool gefällt mir sehr gut. Es macht Vorschläge, wenn ich manche Wörter zu oft wiederhole oder Sätze zu oft mit demselben Wort anfangen. Manchmal macht es auch Vorschläge zur Formulierung. Rechtschreibung und Grammatik zu korrigieren, funktioniert ebenso gut. Nur kommt es mir manchmal so vor, als ob es für gewisse Eigenheiten der deutschen Sprache nicht geschaffen ist, selbst wenn man es entsprechend einstellt. Es scheint für mich so, als ob englische Eigenheiten durchscheinen würden.

Deshalb habe ich noch eine zweite Software im Einsatz: Scribbr. Die Gratisversion reicht mir hier allerdings vollkommen aus. Das heißt, von LanguageTool kopiere ich den Text nach Scribbr. Hierbei geht es mir darum, die Feinheiten, die LanguageTool eventuell übersehen hat, zu korrigieren. Mit diesen beiden Programmen fahre ich sehr gut. Das führt auch dazu, dass ich den Text insgesamt dreimal durchlese und so an gewissen Stellen nachschärfen kann.

Neuerdings ist mir allerdings bei Scribbr aufgefallen, dass nicht nur Fehler unterstrichen werden. Diese werden mit einer roten Linie markiert, wie man es aus anderen Schreibprogrammen kennt. Seit ein paar Wochen oder sogar schon Monaten gibt es blau unterstrichene Stellen. Diese sollen alternative Formulierungen vorschlagen, wenn ich das richtig verstanden habe. Man sieht den alternativen Text allerdings nur verschwommen, da man für diesen Dienst bezahlen muss. Der ist für mich allerdings überflüssig. Das wäre an sich kein Problem, nur unterstreicht Scribbr stets den kompletten Text. Das ist vollkommen übertrieben und unnötig. Außerdem führt das nur dazu, dass ich sicherlich keinen Cent einwerfen werde, wenn der Standard ist, dass mein kompletter Text von dieser Software umformuliert werden würde. Eigentlich eine absolute Frechheit.

Dass man an ein paar ausgewählten Stellen Vorschläge macht, ist kein Problem. Aber sobald mein gesamter Text geändert werden soll, geht das zu weit. So verliert der Text doch meinen Touch. Mein Schreibstil geht dabei verloren. Stattdessen klingt alles gleich. Zumindest ist es das, was ich befürchte. Wieso aber sollte die Software sonst immer alles blau unterstreichen? Leider lassen sich diese Einstellung oder diese blau unterstrichenen Vorschläge nicht deaktivieren. Für die „normale“ Fehlerkontrolle verwende ich Scribbr weiterhin sehr gerne. Vielleicht finde ich irgendwann eine Alternative. Aber vorerst kann ich mit den Einschränkungen leben. Vor allem, weil es nur eine zweite Instanz ist, die LanguageTool unterstützen soll.

Handschriftlich

Gedanken handschriftlich festzuhalten, ist für mich fast schon eine Notwendigkeit. Es hilft beim Nachdenken. Anders als beim Tippen am Computer, wo die Finger über die Tasten fliegen, verlangsamt sich die Welt durch das handschriftliche Schreiben; die Gedanken werden klarer. Ich mag das. Es hilft mir aber auch, einen Überblick über meine Aufgaben in der Arbeit zu behalten. Dafür habe ich dieses Jahr ein Bullet Journal für die Arbeit gestartet und bin weiterhin sehr begeistert, diese tolle Technik dort verwenden zu können. Doch habe ich dieses Jahr noch ein weiteres Anwendungsgebiet für Handschriftliches gefunden, was ich zuvor stets unterschätzt habe.

Zu Anlässen wie Geburtstagen, aber auch in Bezug auf Weihnachten habe ich dieses Jahr vermehrt Karten geschrieben. Lange Zeit hatte ich nicht wirklich einen Grund gesehen, warum man Glückwunschkarten schreiben soll. Meist steht sowieso nur ein Spruch eines Autors oder einer Autorin oder von Philosoph*innen darin, von denen man zuvor noch nie etwas gelesen hat. Ein paar Floskeln runden das Ganze dann noch ab, bevor man unterschreibt und die lästige Pflicht erfüllt ist. So in etwa war meine Herangehensweise an diese Karten. Doch meine Meinung darüber musste ich in den vergangenen Monaten ändern.

Wenn man sich etwas Mühe gibt und Zeit lässt, dann kann eine solche Karte durchaus etwas Besonderes sein. Natürlich kann man sich weiterhin Zitate heraussuchen. Dann aber doch eher von etwas, das man selbst kennt. Den persönlichen Touch sollte ein Eintrag nicht verlieren. Wenn man dann noch ein paar Worte an die Empfänger*innen richtet, die man vielleicht schon lange sagen wollte, aber noch nie die Gelegenheit oder den Mut dazu hatte, erhält ein einfaches Stück Papier sehr viel mehr Bedeutung. Ich mache das nicht immer oder zu jedem Anlass, aber mittlerweile doch häufig. Ich bin sogar dazu übergegangen, Karten zu verschiedenen Anlässen auf Reserve zu Hause zu lagern, für den Fall, dass ich spontan eine benötige.

Briefe zu schreiben, hat mir noch nie wirklich gelegen. Zumindest habe ich es noch nie wirklich ausprobiert. Laut Matthew Dicks ist es die beste Form, mit jemandem in Kontakt zu bleiben. Seither ist mir aufgefallen, wie wenig Adressen ich überhaupt habe. Auch von Menschen, die eine wichtige Rolle in meinem Leben spielen. Man weiß, wo sie wohnen und wie man dorthin kommt, aber wirklich dazu übergegangen, Adressen auszutauschen – dazu ist es nie gekommen. Dieses Versäumnis versuche ich nachzuholen. Manchmal ist es zwar seltsam, nach einer Adresse zu fragen, obwohl man sich schon Jahre kennt, aber über diesen metaphorischen Schatten zu springen ist nicht allzu schwierig. Vielleicht entwickelt sich meine neu gefundene Affinität des Kartenschreibens zu einer Leidenschaft für Briefe. Einen Versuch ist es auf jeden Fall wert.

Red Shirts

Ich schaue im Moment gerne »Star Trek: The Next Generation«. Ich lasse es nebenbei laufen. Beispielsweise während ich mich durch eine anstrengende Passage in Silksong kämpfe oder Hindernisse überwinden muss. Es lenkt etwas ab. Was vielleicht auch nicht gerade gut ist, aber ich schaue es eben gerne. TNG ist eine zeitlose Serie, die man sich auch heute noch ansehen kann. Oft kommt es vor, dass ich problematische Stellen identifiziere, diese aber später von den Charakteren direkt angesprochen werden. Das ist äußerst erfrischend. Und bedenkt man, dass die Serie Ende der 80er angefangen hat, ein Qualitätsmerkmal, das ich heute manchmal vermisse.

Was mir auch aufgefallen ist: Die Charaktere nehmen einander ernst und ziehen sich nicht gleich auf oder machen sich lustig. Aus der heutigen Mediensicht hatte ich das an manchen Stellen befürchtet, es trat jedoch nicht ein. In einer Episode in der vierten Staffel verschwinden Personen etwa spurlos von der Enterprise. Niemand kann sich an sie erinnern, und ihre digitalen Fußabdrücke sind verschwunden. Nur Dr. Crusher scheint sich an diese Verschwundenen erinnern zu können. Die Crew nimmt das allerdings ernst, schickt Suchtrupps los und versucht, das Mysterium zu lösen. Natürlich nur bis zu einem gewissen Grad. Doch Dr. Crusher hat ihr Vertrauen. Warum sollten sie sie also nicht ernst nehmen? Alles andere wäre völlig fehl am Platz gewesen.

Eine zweite Beobachtung, die ich gemacht habe, betrifft all die zusätzlichen Leute, die entweder auf der Enterprise vorkommen oder kurze Gastauftritte haben. Sei es als eine Alien-Rasse oder als menschenähnliche Wesen. Die Maskenbildner und Make-up-Artists haben ganze Arbeit geleistet. Die „Nähte“ muss man schon suchen und das selbst, nachdem die Serie noch einmal neu und hochauflösend eingescannt wurde. Es ist erstaunlich. Daran erkennt man die Hingabe und Leidenschaft, die die Leute hatten. Sie standen für die Serie, ihre Prinzipien und die Welt.

Zu den Gastauftritten gehören aber auch die schauspielerischen Leistungen. Das sind zum einen die Crewmitglieder, die einfach nur im Hintergrund Dinge machen oder in den Korridoren am Hauptcast vorbeigehen. Es wirkt stets natürlich und passend für die Welt. Sie beleben die Enterprise buchstäblich. Diejenigen mit Sprechrollen oder größeren Gastauftritten machen ebenso eine gute Figur.

All diese Menschen machen »Star Trek: The Next Generation« zu dem, was es ist. Sie sorgen dafür, dass die Enterprise und die Welt dieser Zukunft lebendig wirken. Ohne Sie würde der Hauptcast nicht so gut aussehen. Seien es die Statisten oder Nebenrollen, die Make-up-Artists im Hintergrund oder all die anderen, die an der Serie mitgearbeitet haben. Man entdeckt immer wieder mit Freude neue Details. So macht es heute, 40 Jahre nach der Erstausstrahlung, immer noch Spaß, die Serie anzuschauen.

Früher war mehr Weltuntergang

Wann hatten wir das letzte Mal eigentlich einen richtig schönen, zünftigen Weltuntergang? Nicht in dem Sinne, wie es aktuell immer wieder zu lesen ist, dass der Klimawandel es auf der Erde ungemütlich für uns machen könnte. Oder dass wir uns mit unseren Atomwaffen oder was auch immer selbst vernichten. Oder KI und Roboter uns überrennen werden. Nichts von diesen trostlosen, depressiv machenden, düsteren Szenarien. Ich meine eher die amüsierenden Gute-Laune-Weltuntergänge, auf die man sich freuen kann.

Wir hatten den Übergang ins neue Jahrtausend, bei dem vorausgesagt wurde, dass die Computer eingehen würden. Oder 2012, als der Maya-Kalender endete und das ultimative Ende bevorstand. Es sind Filme über diese Themen gedreht worden, Bücher geschrieben und die Wissenschaft hat sich damit auseinandergesetzt. Aber seit 2012 spurlos an uns vorbeiging, ohne einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen – der Film und das Jahr vielleicht auch –, gab es kein solches Datum mehr. Ich kann mich irren, aber mir fällt nichts ein.

Es wäre doch eigentlich mal wieder ganz nett, sich auf einen gepflegten Weltuntergang freuen zu können. Vielleicht brauchen wir das als Gesellschaft? Etwas, worauf wir uns fokussieren können. Wo wir unsere kreative und geistige Energie verschwenden können. Ansonsten ging es doch einfach nur bergab, seit 2012 an uns vorbeiging. Natürlich haben wir es ein paar Jahre ohne Untergangsszenario ausgehalten, aber spätestens Corona hat uns gezeigt, dass solche Szenarien durchaus Realität werden können. Seitdem drehen wir völlig am Rad.

Ich hätte gerne einen abstrakten Weltuntergang. Sei es ein Kalender, der endet, oder Aliens, die sich in irgendwelchen Hieroglyphen angekündigt haben. Wo bleiben die düsteren Prophezeiungen von Nostradamus? Der hat auch schon lange nichts mehr von sich hören lassen. Manche von uns haben diese Dinge ernster genommen als andere, aber ich meine doch, dass wir uns im Grunde einig waren, dass das alles eher nicht in der Realität verankerte Möglichkeiten sind. Heute schafft sich jeder und jede ihre eigene Realität und Fakten sind längst nicht mehr so fix wie vor ein paar Jahren noch.

Vielleicht findet sich demnächst eine Prophezeiung oder eine These, die den Weltuntergang vorhersagen möchte. Ich fände es nicht nur an sich spannend. Ich empfände es als interessant, ob ein solch kollektives Ereignis etwas mit uns machen würde. Früher war nicht alles besser, aber zumindest konnte man sich auf den nächsten Weltuntergang freuen. Wir hatten ja sonst nichts.

Everything X-Men | Thomas & Adams (Teil 1/2)

Wie jeden Donnerstag werfen wir auch heute wieder einen Blick in die Vergangenheit. Wir gehen zurück zu meinem Medienwissenschaftsstudium. Für das sogenannte Projektstudium habe ich mir die X-Men-Comics genauer angesehen und eine Textreihe dazu geschrieben. Da ich die Texte damals auf Englisch schrieb, ich sie aber hier auf Deutsch präsentieren will, übersetze ich diese initial mit DeepL. Natürlich redigiere ich sie anschließend. Auch Zitate sind übersetzt.

Beim Korrigieren des letzten Artikels ist mir aufgefallen, dass manche Formulierungen auf Deutsch gar nicht mehr so klasse klingen wie auf Englisch. Ebenso sind manche Aussagen, die ich vor gut acht Jahren getätigt habe, nicht mehr aktuell oder meine Ansicht ist nun etwas nuancierter. Das ist das Schöne, wenn man alte Texte noch einmal durchgeht und aufarbeitet: Man kann sie ändern und aktualisieren. Natürlich tue ich das nicht in detailliertem Umfang, aber hier und da ein paar Anpassungen vorzunehmen ist auf jeden Fall drin.

Bisher sind folgende Texte erschienen:


Was haben wir verpasst?

Als wir die X-Men das letzte Mal gesehen haben, kämpften sie gegen Mimic und besiegten ihn gemeinsam. Aber während wir zum 55. Heft gesprungen sind, scheint viel passiert zu sein. Scott jagt einen Pharao, der seinen Bruder Alex Summers entführt hat. Die X-Men haben ein neues Mitglied: Lorna Dane. Sie hat magnetische Kräfte und ist die Freundin von Bobby? Irgendwann in der Zukunft müssen wir vielleicht zurückgehen und auch die Ausgaben lesen, die zwischendurch veröffentlicht wurden. Das Schockierendste war allerdings, dass offenbar der Professor gestorben ist. Wir wissen nicht, wie oder warum oder was genau in den ersten beiden Ausgaben dieser Reihe passiert ist, aber es muss erst kürzlich geschehen sein.

Zu guter Letzt seien noch die Künstler der „Roy-Thomas-und-Neal-Adams-Reihe“ erwähnt. Werner Roth ist der Zeichner von Ausgabe Nr. 55. Neal Adams beginnt mit der Zeichnung des Comics ab Ausgabe Nr. 56.

Allein in den ersten beiden Ausgaben gibt es eine Menge Verwirrung, Fragen und faszinierende Story-Elemente, die wir diskutieren müssen. Fangen wir also an.

Storytelling & Artwork

In diesen Ausgaben finden sich viele Anknüpfungspunkte zu früheren Handlungssträngen. Aber es gibt auch genug neue Elemente und Bösewichte. So fühlt es sich erfrischend an, zugleich aber auch nach einer lebendigen Welt, in der auch Konsequenzen eine Rolle spielen. Die ursprünglichen Ausgaben waren meist Einzelgeschichten (mit wenigen Ausnahmen) und nur geringfügige Wechselwirkungen untereinander. Aber jetzt lernen wir nicht nur Trask Junior kennen (sein Vater war für das Sentinel-Programm verantwortlich), sondern treffen auch Ka-Zar wieder.

In Bezug auf die Zusammenstellung der Welt können wir einige Verbesserungen feststellen. In Ausgabe Nr. 58 sehen wir zum Beispiel eine kleine Szene mit Magneto und seinem neuen Kameraden Mesmero. Das vermittelt uns den Eindruck eines größeren, reichhaltigeren Universums, weil wir sehen können, dass die Zeit auch für andere Charaktere weitergeht. Wir betrachten ihre Handlungen und Vorbereitungen nicht nur im Rückblick, sondern während sie geschehen. Aber es sind nicht nur solche Dinge, die die Geschichte bereichern. Manchmal erhalten wir Informationen aus Nachrichtensendungen im Fernsehen, die sich natürlich in die Erzählung einfügen.

Auch die Panelstruktur unterscheidet sich von der ursprünglichen Serie. Es gibt Panels innerhalb von Panels, und die frühere 2×3-Struktur existiert mehr oder weniger nicht mehr. Panels variieren in Größe und Form. Dies sorgt für ein dynamisches Leseerlebnis, insbesondere während der Kampfszenen. Diese Änderungen waren längst überfällig und kommen perfekt zur Geltung, wenn Scott in Ausgabe Nr. 55 gegen den Hauptschurken antritt.

Eine Sache, die ich an modernen Comics liebe, sind Doppelseiten. Überraschenderweise handelt es sich um Zeichnungen, die sich über zwei Seiten erstrecken, oder um eine Ansammlung von Panels, die über eine Doppelseite reichen. Wenn sie gut gemacht sind, gehören solche Einstreuungen zu den Höhepunkten eines Comics. In letzter Zeit habe ich viele Comics von DC Comics gelesen, und die Doppelseiten, die in Green Arrow, Green Lantern oder den Titans-Comics zu finden sind, funktionieren einwandfrei. Manchmal treiben sie sogar die Erzählung voran. Das Gleiche gilt für einige Ausgaben dieser X-Men-Reihe. Sie präsentieren uns die erste Doppelseite der Serie (soweit ich das beurteilen kann – vielleicht gibt es noch einige in den Ausgaben Nr. 20 bis Nr. 54) und es ist wirklich beeindruckend. Neal Adams ist ein großartiger Künstler. Er kann alles. Ob seitenfüllende Action-Sequenzen mit intensiven Kämpfen oder emotionale Diskussionen zwischen Trasks Sohn und einem Richter – alles ist atmosphärisch und dabei auch noch schön anzusehen.

Bevor ich auf spezifischere Dinge eingehe, die mir gefallen oder nicht gefallen haben, möchte ich noch das Finale erwähnen. Man erkennt an der Ausgabe Nr. 65, dass Roy Thomas diese kleine Geschichte schon seit längerer Zeit vorbereitet. Doch es ist schade, dass sie in nur einer Ausgabe erzählt wird. Da die X-Men allerdings ihre erste Reihe abgeschlossen haben, erscheint es nicht logisch, einen weiteren epischen Handlungsbogen zu beginnen. Dies sind die letzten Ausgaben der X-Men. Zumindest für eine Weile. Nach der Ausgabe Nr. 66 veröffentlichte Marvel nur noch Nachdrucke älterer Geschichten. Es dauerte fünf Jahre, bis sie mit »Giant-Sized X-Men Nr. 1« zurückkehrten.

In der letzten Geschichte kehrt der Professor zurück! Yay? Hat jemand geglaubt, dass Xavier tot war? Nun, ich war mir offen gestanden nicht ganz sicher, aber jetzt haben wir den Beweis, dass er seinen Tod vorgetäuscht hat, um eine Strategie für die Invasion der Z’Nox vorzubereiten. Außerirdische Invasoren mit einem Todesstern-ähnlichen Schiff. Klingt großartig, oder? Leider ist das Ganze in nur einer Ausgabe erzählt und sehr schnell wieder vorbei. In der letzten Ausgabe müssen wir uns zudem mit einer seltsamen psychischen Neustartmaschine herumschlagen, damit der Professor wieder normal funktionieren kann. Eine verrückte Art, einen Handlungsbogen abzuschließen und eine Ära von X-Men-Comics zu beschließen.

Wie dem auch sei, die 66. Ausgabe fühlt sich wieder wie die alten an. Zurück zu den Wurzeln. Es gibt sogar eine kurze Trainingseinheit. Der Kreis schließt sich.

The Good, the Bad & the Ugly

Kennt ihr Backstorys? Das sind zusätzliche Seiten am Ende eines Comics (meist nicht mehr als zwei oder drei), die eine weitere Geschichte der Figuren aus dem Heft erzählen. Ich war erstaunt, so etwas in einem X-Men-Comic zu sehen. Dann entdeckte ich eine Tabelle in der Dissertation „Reading The Uncanny X-Men“ von Joseph Darowski. Darin sieht man, dass Backstorys seit der 38. Ausgabe Teil der Comics sind. Nun bin ich noch mehr daran interessiert, die anderen Geschichten zu lesen. Vor allem, weil die, die wir in den Ausgaben 55 bis 57 zu sehen bekommen, qualitativ äußerst unterschiedlich sind. Es ist jedoch schön zu sehen, dass sich die Geschichten seit Stan Lee weiterentwickelt haben. Beispielsweise dadurch, dass sie sich auf alte Geschichten beziehen oder Handlungsbögen über mehrere Hefte erstrecken. Es werden neue Dinge ausprobiert. Backstorys sind nur ein Teil des Prozesses, und Roy Thomas war eine ausgezeichnete Wahl als Nachfolger von Lee.

Worum ging es also in den Backstorys? Die Erste erzählt die Entstehungsgeschichte von Angel alias Warren Worthington oder, wie er sich selbst vor seinem Beitritt zu den X-Men nennt: The Avenging Angel! Er stoppt Einbrecher und Diebe auf eigene Faust. Bald werden die X-Men auf ihn aufmerksam und tauchen in seiner Wohnung auf. Ein weiteres hervorragendes Beispiel dafür, wie man jemanden NICHT für seine Sache gewinnt (aber dieses Thema haben wir bereits im zweiten Artikel dieser Reihe behandelt). Ob ihr es glaubt oder nicht, das ist noch nicht der schlimmste Teil der Geschichte. Nein, es gibt kurze Kämpfe zwischen Warren und den X-Men, sogar eine Atombombe spielt eine Rolle. Es ist absurd, irre komisch und ich finde es eigentlich ganz gut.

Der peinliche Teil beginnt, als Jean ihre Hintergrundgeschichte bekommt. Ihr wisst schon, um der Figur etwas Respekt zu zollen, einem Charakter noch etwas mehr Tiefe zu geben; die Vergangenheit überwinden, quasi. Nur ein Scherz. Sie bekommt eine Hintergrundgeschichte, die nicht nur die letzte ist, sondern auch in nur einer Ausgabe erzählt wird. Das Erste, was sie tun darf, ist, ihre Wohnung zu putzen und mit Hilfe ihrer Kräfte einen Apfelkuchen zu backen. So geht Feminismus! So stellt man eine X-Woman vor. Das ist natürlich sarkastisch gemeint. Es ist zum Fremdschämen. Ich hatte hohe Erwartungen. Diese wurden leider herb enttäuscht. Noch dazu, weil die Geschichte von einer Frau geschrieben wurde. Hatte sie Vorgaben? Musste sie gerade diese Geschichte erzählen? Geht das nicht cooler? Lasst Jean etwas tun. Was wir bekommen, ist nicht einmal eine richtige Geschichte. Es ist wie ein Tagebucheintrag, den Jean dem Publikum vorliest. Es gibt kein Thema und keine Handlung. Ich kann es kaum erwarten, Chris Claremont zu lesen, also machen wir weiter mit etwas Gutem.


Das war der erste Teil des Textes zu Roy Thomas und Neal Adams. Nächste Woche geht es mit dem zweiten und letzten Teil weiter.

The Old Guard 2

»The Old Guard« von 2020 gehört zu meinen absoluten Lieblingsfilmen auf Netflix. Ich kannte die Comicvorlage nicht. Ich wusste nur, dass Charlize Theron mitspielt und es ein gut gemachter Actionfilm sein soll. Deshalb hatte ich keinerlei Erwartungen. Das ist manchmal gar nicht schlecht. So hat mich »The Old Guard« von Anfang an in seinen Bann gezogen. Die Geschichte, die Charaktere, die Mythologie, die darin aufgebaut wird, alles ist faszinierend und wirkt durchdacht. Gekoppelt mit Schauspieler*innen, die förmlich in ihren Charakteren aufzugehen scheinen, und einem gekonnt geschriebenen Drehbuch, hat der erste Teil dieser Reihe einen festen Platz in meinem Herzen.

Der Film schien auch erfolgreich zu sein. Schnell wurde eine Fortsetzung angekündigt. Doch dann wurde es ruhig um den Film. Durch Theron erfuhr man schließlich, dass 2022 die Dreharbeiten abgeschlossen waren und der Film kurz nach dem Start der Postproduktion abgesagt wurde. Warum man die Fortsetzung eines erfolgreichen Films einfach so stoppt, ist mir ein Rätsel. Doch zum Glück wurden die Arbeiten doch noch fortgesetzt und beendet. Im Sommer 2025 erschien dann endlich »The Old Guard 2«.

Trotzdem hat es bis jetzt gedauert, dass ich mir den Film anschaue. Ich hatte einfach lange Zeit keinen Netflix-Account mehr. Zufällig bin ich letztens über den Film gestolpert und habe ihn endlich nachgeholt. Eigentlich kann man den Film an sich gar nicht bewerten. Mit nicht einmal zwei Stunden ist der zweite Teil erstaunlich kurz. Es ist auch nur ein halber Film. Denn kurz bevor das eigentliche Finale losgeht und man bereit ist für mehr, rollen schon die Credits über den Bildschirm. Natürlich ist es gut, wenn man mehr von etwas möchte, aber »The Old Guard 2« ließ mich äußerst unbefriedigt zurück.

Dabei ist der Film an sich gar nicht schlecht. Es geht nahtlos dort weiter, wo der erste Teil aufgehört hat. Vielleicht hätte ich mir tatsächlich den Ersten nochmal anschauen sollen, da ich anfangs etwas verloren war. So hat es etwas gedauert, bis ich mich auf die Geschichte einlassen konnte. Vielleicht muss ich mir die beiden nochmal an einem Abend gemeinsam anschauen. Alles, was der Vorgänger gut gemacht hat, wird in der Fortsetzung jedoch gekonnt weitergedacht. Die Mythologie der Unsterblichen erhält mehr Raum und wir verstehen mehr die Zusammenhänge.

Erneut ist Einsamkeit ein Thema und wie sie sich über die Zeit gefunden haben. Und wenn sie schließlich jemanden gefunden haben, der oder die so ist wie sie, bleiben sie meist auch zusammen. Ein Menschenleben ist nur ein Wimpernschlag im Vergleich zu den hunderten oder tausenden Jahren, die die Unsterblichen existieren. Doch sind sie wirklich unsterblich? Woher kommen sie? »The Old Guard 2« wirft interessante Fragen auf, die gerne näher ausgearbeitet werden dürften. Dazwischen gibt es erneut beeindruckende Kulissen und gut gemachte Actionsequenzen. Mit Uma Thurman hat man sich auch eine perfekte Gegenspielerin für die Truppe rund um Charlize Theron ausgesucht.

»The Old Guard 2« ist eine würdige Fortsetzung. Nur das abrupte Ende lässt einen unangenehmen Beigeschmack zurück. Es fühlt sich nicht rund an. Um einen dritten Teil ist es verdächtig ruhig. Wer weiß, ob wir je den Abschluss der Trilogie sehen werden. Die Reihe hätte ein würdiges Finale auf jeden Fall verdient.