Original oder Übersetzung

Bei Filmen mache ich es seit Jahren schon so, dass ich mir nur noch die Originalfassung anschaue. Meistens bedeutet das, den Film im englischen Original zu schauen. Es hat zwar anfangs etwas gedauert, sich daran zu gewöhnen, aber mittlerweile ist das kein Problem mehr. Ich mag es auch, mit englischen Untertiteln zu schauen, so wird das Hörverständnis immer besser. Doch nicht nur Hollywoodstreifen oder britische Filme und Serien schaue ich im Original, inzwischen mache ich das bei allen Produktionen so. Seien es koreanische, spanische oder französische Filme, es wird im Originalton geschaut, mit wahlweise deutschen oder englischen Untertiteln. Die Erfahrung der Geschichte ist eine andere, als wenn man sich eine synchronisierte Fassung ansieht.

Bei Büchern ist die Entscheidung etwas schwieriger. Hier entscheide ich von Fall zu Fall. Besonders bei Herr der Ringe habe ich mich beispielsweise viel damit beschäftigt, welche Übersetzung sich empfiehlt zu lesen. Wenn Klassiker wie Herr der Ringe schon ein paar Jahre auf dem Buckel haben, ist es nicht unüblich, dass es entweder eine überarbeitete oder komplett neue Übersetzung gibt. So habe ich auch Krieg und Frieden damals in der neu erschienenen Übersetzung gelesen. Aber bei herkömmlichen Romanen ist das eigentlich meist Gefühlssache. Entweder ich habe Lust, das englische Original zu lesen oder eben eine deutsche Übersetzung. Außer es gibt die Übersetzung nicht, dann wird mir die Entscheidung ohnehin abgenommen.

Bei Comics ist die Sache ebenso relativ einfach. Die meisten Online-Händler von Comics stammen aus dem amerikanischen oder britischen Raum, da werden kaum andere Sprachvarianten als die Originalen angeboten. Ebenso ist es bei Deals von HumbleBundle der Fall. Hier bekommt man die originalen englischen Comics angeboten oder die ins Englische übersetzten Versionen, wie es etwa bei Mangas der Fall ist.

Wenn man des Englischen mächtig ist, so kann ich es nur empfehlen, sich mit den genannten Medien etwas auseinanderzusetzen und die Originalversionen zu probieren. Anfangs mag es vielleicht etwas mühsam sein oder gewöhnungsbedürftig, aber die Mühe lohnt sich. Irgendwann fällt es einem kaum mehr auf und es wird egal. Bei mir kam die Lust, die Originale anzuschauen und zu lesen, auch erst nach der HTL (was nunmehr auch schon 16 Jahre her ist). Der Englischunterricht war nie wirklich das meine. Doch besonders durch meine Liebe zu Comics und das Anhören amerikanischer Podcasts, die sich mit dem Thema tiefgreifender auseinandersetzen, blieb mir nichts anderes übrig, als mich daran zu gewöhnen. Ich kann es mir nun gar nicht mehr anders vorstellen.

R.U. Screwed

Neben Valentine und to the stars and back (und ein paar anderen, die es allerdings noch zu besprechen gilt) gehört R.U. Screwed zu meinen liebsten Webcomics. Die Geschichte dreht sich um Howie und Sooch, die gemeinsam eine Universität besuchen und die schon länger eine Freundschaft verbindet. Howie hat jedoch tiefgehendere Gefühle für Sooch, sich aber noch nie getraut, diese anzusprechen. Vor allem auch deshalb nicht, weil er sich nicht einmal sicher ist, ob Sooch überhaupt schwul oder bisexuell ist.

Doch irgendwann überwindet sich Howie und die beiden haben ein ausführliches Gespräch, wie sie mit dem Ganzen umgehen wollen. Es gibt im Laufe der Geschichte so einige Stolpersteine zu überwinden und die Freundschaft zwischen den beiden auf die Probe gestellt. Schön ist, dass diese Freundschaft und das grundlegende, was die beiden Verbindet, ins Zentrum gestellt wird. So kann sich auf dieser Basis später mehr entwickeln. Vor allem für Sooch ist es eine schwierige Zeit, da er unter anderem mit psychischen Problemen und Konzentrationsschwierigkeiten zu kämpfen hat. Eine Identitätskrise benötigt er dann nicht auch noch.

R.U. Screwed besticht immer wieder durch gefühlvoll geschriebene Dialoge und gut pointierten Humor. Der Verzicht auf Farben und stattdessen mit Graustufen zu arbeiten, ist für diese Geschichte eine gute Wahl. So liegt der Fokus noch einmal mehr auf den Charakteren, ihrer Mimik und natürlich den Dialogen. Wenn ein Webcomic jahrelang läuft, vergisst man oft, wo die Künstler*innen dahinter herkommen und wie sie sich weiterentwickelt haben. Ich habe mir nochmal die ersten Kapitel angesehen und es ist schon erstaunlich, wie sehr sich die Autorin und Künstlerin verbessert hat. Ich dachte, der Stil wäre mehr oder weniger derselbe geblieben und in den Grundzügen stimmt das auch, trotzdem sind die Verbesserungen unübersehbar.

Was auffällt, an dem Format des Comics, ist, dass dieser als normale Comicseiten veröffentlicht und von rechts nach links gelesen wird. Die Veröffentlichung als normale Comicseiten hat den Vorteil, dass die Künstlerin später die vollständigen Kapitel als PDF-Datei zur Verfügung stellen kann. Ich mag es, wenn Künstler*innen ihre vergangenen Kapitel vollständig anbieten, so ist es leichter, sie nachzulesen. Dazu muss man wissen, dass es mehrere Möglichkeiten gibt, einen Webcomic zu präsentieren. Um genau zu sein, zwei. Zum einen eben als normale Comicseiten, mit Panels und allem, was dazu gehört.

Zum anderen mit vertikalem Bildverlauf (vertical scrolling). Vor allem auf Smartphones und kleinen Tablets ist dieses Format zu bevorzugen. Durch die vertikale Anordnung kommen die einzelnen Panels und Zeichnungen besser zur Geltung. Manche Künstler*innen entscheiden sich, beide Formate anzubieten. Erst werden die einzelnen Kapitel im vertikalen Format präsentiert und später die vollständigen Kapitel in einem PDF im üblichen Comic-Format zusammengefasst.

R.U. Screwed ist ebenso wie die anderen beiden, die ich bisher vorgestellt habe, ein Comic, den ich auf Patreon unterstütze. Da ich gerne mehrere Künstler*innen unterstütze, werfe ich meistens 1 € oder so in den Hut. Wenn einem etwas gefällt und man über Jahre eine Geschichte, die jemand zu erzählen hat, genießt, dann ist es angebracht, zumindest ein bisschen was beizusteuern. Der Vorteil ist, dass man nicht viel selbst investieren muss. Durch die Menge an Unterstützer*innen kommt aber doch etwas zusammen. Immerhin ist es aufwendig und zeitintensiv, einen Comic komplett selbst zu machen. Wenn jemand dann einen Teil seines Lebensunterhalts damit bestreiten kann, ist das eine erfreuliche Sache.

R.U. Screwed bei WebToon

Reis-Geheimnisse

Es heißt ja immer, man lernt nie aus. Was dieser kleine, vielleicht schon etwas angestaubte Spruch aber vergisst zu erwähnen, sind die steten Überraschungen, die damit einhergehen. Denn zu welchen Themengebieten man immer wieder etwas dazulernt, ist alles andere als vorhersehbar oder gar langweilig. Das mag ich so gerne an Podcasts wie Bitsundso, WRINT, Sprechkabine oder auch ThePod. Manche habe ich erst vor relativ kurzer Zeit entdeckt, manche verfolge ich seit Anbeginn oder bereits seit über 12 Jahren. Die Podcaster*innen plaudern, wenn so ein Projekt länger anhält, und die Themen es natürlich zulassen, über alles Mögliche. Abschweifungen gehören zum Konzept.

So ging es in einer der letzten Bitsundso-Folgen um Reis. Eine Speise, der ich nicht allzu viel Aufmerksamkeit schenke. Ich weiß gar nicht so genau warum, aber Reis ist eine Speise, die mir zwar in sehr vielen Varianten schmeckt, aber die ich mir kaum selbst zubereite. Wenn, dann verwende ich den abgepackten Reis. Diese vorportionierten Beutel ins kochende Wasser werfen, warten, bis dieser fertig ist, aus dem heißen Wasser herausfischen und schon kann man ihn essen.

Ich weiß, dass dies eigentlich keine Art ist, Reis zuzubereiten, doch welche Schritte dazu noch notwendig sind oder welche Werkzeuge es dafür gibt, war mir bislang nicht bewusst. Wie bei Kaffee kann man aus der Zubereitung von Reis eine eigene Wissenschaft machen.

Es fängt schon damit an, dass man natürlich nur losen Reis kauft. Bevor man auch nur daran denkt, diesen zu kochen, muss dieser gewaschen werden. Das hat irgendwas mit Stärke zu tun und dass die Körner in der Packung aneinander reiben. Gewaschen wird so lange, bis das Wasser klar ist. Nun kann man den Reis entweder kochen oder aber man legt ihn noch einmal ein paar Stunden in Wasser ein. Bei zweiter Variante lässt man ihn allerdings eher quellen, statt ihn richtig zu kochen. Es gibt verschiedene Herangehensweisen. Jedenfalls ist das Waschen von essenzieller Bedeutung; man kann sogar Waschschüsseln kaufen.

Wer sich näher damit befassen will, findet jede Menge Methoden, Rezepte und Vorgehensweisen, wie der Reis gelingt. Scheinbar schmeckt man allein schon den Unterschied zwischen gewaschenem und ungewaschenem Reis erheblich. Vielleicht sollte ich doch mal wieder etwas mit Reis kochen.

Mehr als nur Spider-Man

Inspiration kann von überall kommen. Seien es fiktionale Charaktere oder reale Menschen, zu denen wir emporblicken. Es können Inspirationen im Kleinen sein oder lebensverändernde Entscheidungen mit sich bringen, die wir so nicht vorhergesehen haben. Das Wichtige dabei ist, dass man sich vor diesen Menschen nicht verschließt, sondern mit einem offenen Herzen durch die Welt geht. Denn manchmal können einen besonders diejenigen überraschen, die man zuvor nur aus einem bestimmten Blickwinkel gesehen hat. Sie eventuell sogar in eine Schublade gesteckt hat.

Im Januar habe ich über ein langes Interview geschrieben, welches Tom Holland gehalten hat. Jetzt, fast ein Jahr später, hat er erneut ein solch längliches Interview geführt. Dieses Mal mit dem YouTube-Channel und Podcast Rick Roll. Im ersten Interview hat er sehr offen über mentale Gesundheit, seine persönliche Reise zu einem Leben ohne Alkohol, Filmprojekte und mehr gesprochen. Dies sind auch erneut die Kernthemen, aber eben mit einem Abstand von einem Jahr. Es ist erstaunlich, zu sehen, welche Entwicklung er durchgemacht hat.

Tom Holland ist nicht nur ein fantastischer Schauspieler, er wirkt bodenständig, bescheiden und sehr reif dafür, dass er erst 28 Jahre alt ist. Die Art, wie er an Projekte herangeht (nicht nur was Filme, Serien oder Theater anbelangt) ist inspirierend. Seine grundlegende Lebenseinstellung ist ansteckend. Ich bin sehr froh, erneut über ein so tolles und langes Interview mit ihm gestoßen zu sein. Zwar taucht er auch in diversen Late-Night-Shows und dergleichen auf, doch bei einem Gespräch, das über eineinhalb Stunden dauert, ist die Tiefe doch noch einmal etwas komplett anderes.

Außerdem mag ich die Art der Interviewführung bei diesen längeren Formaten sehr gerne. Sowohl der Interviewte als auch der Gastgeber lassen einander ausreden, hören sich zu und unterbrechen sich nicht dauernd. Es ist erfrischend und macht Freude. Ich könnte mir zwar nicht alle Interviews von den jeweiligen Formaten ansehen, weil mich nicht alle Menschen, die darin vorkommen interessieren, aber wenn man jemanden gefunden hat, den man respektiert und der vielleicht sogar eine kleine Vorbildrolle einnehmen kann, dann sind solche Formate großartig.

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Abstand von Social Media

Ich stelle gerne den Status quo infrage. Wobei von »gerne« eigentlich keine Rede sein kann, denn das Hinterfragen der eigenen Verhaltensweisen ist meist auch mit dem Verlassen der Komfortzone verbunden. Und wer verlässt schon gerne die eigene Komfortzone oder testet Dinge, die unangenehm (auf welche Art und Weise auch immer) sein könnten, wenn es doch in dieser Zone so schön gemütlich ist. Es gibt Kaffee, Kuchen, eine gemütliche Couch und so weiter. Natürlich nur im metaphorischen Sinne, denn die Komfortzone ist eine psychische Zone und hat nichts mit den eigenen vier Wänden zu tun, wie es manchmal fälschlicherweise missverstanden wird. Wie so oft, und ich versuche das stets so zu propagieren, müssen diese Veränderungen oder Dinge, die man infrage stellt, nichts Weltbewegendes sein.

Die Annahme ist doch häufig, dass Veränderungen immer etwas Großes sein müssen. Sei es etwas Sportliches, wie einen Marathon zu laufen oder etwas Gesundheitliches, wie 15 kg abzunehmen, oder etwas Kreatives, wie einen großen Roman zu schreiben. So vorbildlich diese Art von Zielen sein kann, so sind sie doch meist ein ganzes Stück weit von uns entfernt. Aber was führt uns zu diesen großen Zielen, wenn nicht kleine, inkrementelle Veränderungen? Veränderungen, die vielleicht gar nichts mit dem Ziel zu tun haben, sondern die wir nur ausprobieren wollen, damit wir sie ausprobiert haben. Sie können durchaus große Nachwirkungen mit sich ziehen, die man gar nicht vorhersehen kann.

Besonders gerne stelle ich Dinge infrage, bei denen meine automatische Antwort lautet: ohne das könnte ich nicht existieren, das brauche ich, das will ich nicht missen, nimm mir das auf keinen Fall weg. Was passiert wirklich, wenn ich mir dieses ominöse Ding wegnehme? Ich gehe gleich darauf ein, was es aktuell für mich ist. Im schlimmsten Fall finde ich heraus, dass es wirklich sehr wichtig für mich ist und dann kann ich mir Gedanken darüber machen, warum das so ist. Ich kann evaluieren, warum es diese Bedeutung für mich hat und ob ich es weiterhin nutzen will; weiterhin Zeit dafür »verschwenden« will. Im besten Fall finde ich heraus, dass es gar keine so große Rolle spielt, wie ich immer gedacht habe. Das kann schon eine Erleichterung sein.

Social Media habe ich schon vor einigen Jahren abgelegt. Instagram hat mir nicht gutgetan, Twitter war ein fantastischer Fundus an kreativen Menschen, bis es ein gewisser jemand gekauft hat und es nur mehr den Bach runterging. Meinen Facebook-Account habe ich schon lange gelöscht, mit Snapchat und TikTok und Co. wollte ich mich gar nicht mehr auseinandersetzen. Aber auf etwas, das ich seit Jahren nicht mehr verzichtet habe, war mein YouTube-Premium-Abo. Ich nutze YouTube mehr als alle anderen Streaming-Dienste zusammen. Netflix, Amazon, Apple TV+ und wie sie nicht alle heißen, abonniere ich immer nur monatsweise und kündige sie dann gleich wieder. Nur wenn mich wirklich etwas auf der Plattform interessiert, abonniere ich es, schaue mir die Serien oder Filme an und kündige wieder.

Aber YouTube-Premium zahle ich seit Jahren jeden Monat brav ein. Ich will einfach die Werbung nicht sehen. Ich schaue gerne lange Videos von Streamern über meine Lieblingsspiele, Essays zu den unterschiedlichsten Themen, verfolge per Held der Steine die Klemmbaustein-Welt oder folge diversen Warhammer-Kanälen. Es kommen jeden Tag neue Inhalte, die mich interessieren, von Kanälen, die ich im Abo habe, oder einfach nur zwischendurch in meiner Startseite landen. Doch in den vergangenen Monaten ist mir aufgefallen, dass ich doch sehr viel YouTube schaue. Das ist vielleicht auch an den Texten, die ich geschrieben habe, aufgefallen, da natürlich dann entsprechende Textideen aus diesem Konsumverhalten heraus entstehen. Und ich will für mich wissen, ob mir dieser Service wirklich so wichtig ist.

Deshalb habe ich vor einigen Tagen das Abo gekündigt. Es läuft noch bis Ende des Monats, dann ist es erst einmal vorbei mit werbefreiem YouTube schauen. Ich befürchte schon, dass mir die erste Werbung so sehr auf den Senkel geht, dass ich gleich wieder ein Abo abschließe. Aber manchmal muss es eben wehtun. Wer weiß, vielleicht schaue ich dadurch wirklich einfach weniger, selbst wenn ich es wieder abonnieren sollte, und das Experiment ist auf diese Art erfolgreich. Immerhin hängt mit dem Abo YouTube-Music zusammen und das nutze ich ebenfalls regelmäßig. Bevor ich dann einen anderen Musik-Service abonniere, kann ich auch wieder YT-Premium nutzen.

Wie gesagt, manchmal muss man oder besser gesagt will ich Dinge einfach nur ausprobieren. Festgefahrenes, das man schon seit Jahren so macht und nie etwas anderes ausprobiert oder getestet hat, muss bisweilen hinterfragt werden. Denn so werden Verhaltensweisen schnell zu Gewohnheiten. Das ist nicht unbedingt etwas Schlechtes, aber Hinterfragen lohnt sich dann doch gelegentlich.

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Die richtige Timeline

Mit einem ehemaligen Arbeitskollegen und heute guten Freund habe ich einen running gag. Dieser bezog sich auf das gerade frisch etablierte Multiversum im Marvel Cinematic Universe (MCU) und die unterschiedlichen Zeitlinien, die es dort gibt. Es ist kompliziert und nicht immer kohärent, aber ein durchaus interessantes Erzählmittel. Besonders in Avengers: Endgame, genauer gesagt dem ersten Teil davon, Avengers: Infinity War, spielt dabei die »korrekte« Zeitlinie eine wichtige Rolle. Denn aus Millionen möglicher Zukünfte sieht Doctor Strange nur in einem einzigen Szenario, dass die Avengers siegreich in ihrem Kampf gegen Thanos sind.

Der running gag war also, dass wir selbst in der richtigen Zeitlinie leben und darauf vertrauen, dass es sich schon irgendwie lösen lässt. Als wir diesen running gag eingeführt haben, schlug gerade der Coronavirus seine Infektionswellen. Die vergangene Woche hatte ebenfalls alles andere als gute Nachrichten. Präsidenten wurden gewählt, Regierungen zerfallen – die Zukunft scheint dunkel und düster. Doch auch wenn der anfängliche Schock noch tief sitzt, weigere ich mich, meinen Optimismus abzulegen, selbst wenn es schwerfällt.

Optimismus heißt allerdings nicht, dass man sich vor der Realität versteckt, sie verklärt und sich eine eigene konstruiert; dass man sich den Parolen hingibt oder falschen Propheten Glauben schenkt. Das ist genauso wenig sinnvoll. Die Angst, die man verspüren mag? Lasst sie zu. Sich mit anderen darüber austauschen, sie aufschreiben – was auch immer helfen mag. Wie es Alexander Waschkau auf Mastodon ausgedrückt hat: „Heute erlaube ich mir einfach mal Angst zu haben! Um die Ukraine, Israel, den nahen Osten, Taiwan, das Klima und Frauen und Migranten in den USA.“ (mastodon.social)

Das ist okay. Was man und damit meine ich mich, allerdings nicht mache, ist, mich in diese Gefühle hineinzusteigern. Akzeptanz heißt nicht aufgeben. Gerade jetzt. Auf welche Art auch immer, die Welt dreht sich weiter. Morgen ist genauso ein neuer Tag, wie der heutige einer war. Termine wollen wahrgenommen werden. Es gibt Haustiere zu füttern, Arbeiten zu erledigen, Texte zu schreiben, Filme zu schauen, Bücher zu lesen und besonders Zeit mit Familie und Freunden zu verbringen.

Ich bin keine Person, die auf Demonstrationen geht. Auf die ein oder andere Pride gehe ich sehr gerne, aber es ist nicht das Meine. Auch das ist okay. Ich bin allen dankbar, die es machen. Regelmäßig und mit so unfassbar viel Mut. Ich schreibe stattdessen lieber Texte. Texte über queere Filme, Bücher und Comics. Texte darüber, warum Repräsentation und Diversität wichtig sind. Texte über das, was mich bewegt, beschäftigt und bedrückt. Manche veröffentliche ich, manche nicht. Es sind Texte über alles und nichts. Jede*r muss einen eigenen Weg finden, mit allem, was gerade passiert, umzugehen.

Die Augen davor zu verschließen, hilft nicht. Genauso wenig hilft, sich in die Sache hineinzusteigern und alle Informationen zu schauen und zu lesen, die man finden kann – doom-scrolling hat noch niemandem etwas gebracht. Stattdessen informiere ich mich lieber anhand guten Journalismus und unterstütze diesen. Wir brauchen guten Journalismus. Sei es Der Standard, die Salzburger Nachrichten, die Krautreporter, Die Zeit, Der Falter oder all die anderen seriösen journalistischen Angebote.

Aber auch meine persönliche Auswahl an Newslettern, die ich abonniert habe und mich regelmäßig erreichen, weiß ich in dieser Woche besonders zu schätzen. Sie stammen von Menschen, die ich schätze und respektiere. Sie verklären nichts, beschönigen es aber auch nicht. So bleibt am Ende doch immer die Hoffnung und der Glaube, dass es besser wird. Wir leben in der richtigen Timeline.

Geek-Planet: Ultimate Spider-Man – Volume 18

Wie jeden Donnerstag werfen wir auch heute einen Blick in die Vergangenheit und beleuchten einen Text meines früheren Blogs »Geek-Planet«. Nach und nach will ich so meine alten Texte verfügbar machen. Der Folgende stammt vom 28. April 2017. Auf eine ausufernde Einleitung verzichte ich dieses Mal, denn der Text allein hat schon über 1.000 Worte. In diesem Sinne, viel Freude beim Lesen.


Über die letzten Geschichten hinweg hat sich der Kingping von New York, Wilson Fisk, einige Feinde gemacht. Doch statt ihn immer wieder einzeln anzugreifen, übernimmt Daredevil die Initiative und formt die »Ultimate Knights« (auch wenn er sie offiziell nie so nennt). Mit dieser Gruppe soll es gelingen, den Kingpin of Crime endgültig aus dem Verkehr zu ziehen.

  • Ausgaben: #106-111
  • Erscheinungsdatum: 2007
  • Autor: Brian Michael Bendis
  • Künstler: Mark Bagley
  • Inks: Drew Hennessy
  • Colors: Richard Isanove, Justin Ponsor
  • Letters: VC’s Cory Petit

Gleich zu Beginn der Geschichte wird eine interessante Frage aufgeworfen: Wer besitzt die Merchandise-Rechte eines Superhelden? Die einfache Frage auf diese Antwort ist, dass derjenige die Rechte besitzt, der zuerst diese Rechte anmeldet. Da Peter dies leider versäumt hat und ihm dadurch einige Millionen Dollar durch die Lappen gegangen sind, kommt der Kingpin persönlich in den Genuss des ganzen Geldes.

Wenn wir uns an die Storyline »Hollywood« zurückerinnern, dann gab es im Ultimate-Universum einen Spider-Man-Film. Dieser war scheinbar ganz erfolgreich und hat dazu geführt, dass ordentlich Merchandise-Artikel verkauft wurden. Nun besitzt Fisk über mehrere Ecken die Firma, die genau diese Rechte angemeldet hat. Doch statt daraus Geld zu schlagen, wie es jeder vernünftige Mensch tun würde, lässt er die ganze Linie gegen die Wand fahren – oder so zumindest der Plan. So will er Peters Ruf als Spider-Man schädigen. Was aber aus diesen Plänen wird, erfahren wir nicht mehr, denn Daredevil und seine Ultimate Knights kommen dem Unterweltboss in die Quere.

Es hat mich überrascht, welch eine Achterbahnfahrt diese Storyline ist. Mal ist sie vorhersehbar, mal komplett überraschend, dann wieder nicht nachvollziehbar. Doch fangen wir mit Peters Beziehungskrise an. Der junge Held hat sich in der letzten Geschichte wieder mit MJ versöhnt und die beiden sind wieder ein Paar. Yay! Doch nicht so schnell, denn da ist ja auch noch Kitty, die nun völlig überraschend in Peters Schule anfängt. Natürlich hat dies nichts mit Peters und MJs Situation zu tun, sondern damit, dass sie aus der X-Men Schule rausgeflogen ist. Das hat mich durchaus überrascht, dass so etwas überhaupt möglich ist.

Doch scheinbar hat sich Kitty mit Xavier gestritten, was zu dem Verweis geführt hat. Was mich irritiert, ist die Tatsache, dass sich Kitty in der Zeit, in der sie bei Xavier war, durchaus einige Feinde gemacht hat. Nun will sie dieser allein lassen? Zwar kann Kitty sehr gut auf sich selbst aufpassen, allerdings wäre sie um einiges besser bei den X-Men aufgehoben. Ihre Einführung in die Schule ist allerdings wunderbar umgesetzt, und Bendis zeigt sein Gefühl für Charaktere. Denn da jeder weiß, dass Kitty ein Mutant ist und eine Beziehung mit Spider-Man hat oder hatte. Natürlich belagern sie die anderen mit sehr vielen, teils persönlichen Fragen. Insgesamt eine beeindruckende und mitreißende Szene. Vor allem, weil Peter gezwungen ist, einfach zuzusehen. Er kann nicht einschreiten, ohne sich als Spider-Man zu outen.

Unterdessen beginnt Daredevil nach und nach die Rekrutierung diverser Helden. Nachdem er bereits Dr. Strange, Moon Knight, Danny Rand und Shang-Chi überredet hat, bei seinem kleinen Unterfangen mitzumachen, schaut er kurzerhand bei Peters Schule vorbei. Natürlich in Zivilklamotten, aber es ist schon erstaunlich, wie schnell es so manchen gelingt, darauf zu schließen, dass Peter Spider-Man ist. Wahrscheinlich ist es ein genauso offenes Geheimnis, wie das, dass Bruce Wayne Batman ist. Doch die beiden, Matt und Peter, funktionieren durch ihre Gegensätze ziemlich gut. Spider-Man, der alles macht, wie es ihm in den Sinn kommt, und nicht unbedingt große Pläne vorbereitet. Auf der anderen Seite haben wir den strengen und erwachsenen Daredevil, der vor Gewalt nicht zurückschreckt, sollte es notwendig sein.

Diese Zusammenarbeit ist auch deswegen sehr interessant, weil wir dadurch Bendis’ Interpretation einiger Charaktere sehen können. Da Ultimate Spider-Man die einzige Ultimate-Reihe ist, die ich lese, weiß ich nicht, ob sie in anderen Ausgaben bereits aufgetaucht sind. Doch teilweise unterscheiden sie sich doch sehr davon, was ich erwartet hatte. Darunter Dr. Strange, der ein sehr öffentliches Leben zu leben scheint und Danny Rand, der nicht so vertrauenswürdig ist, wie man vielleicht denken mag. Doch Moon Knight mag wohl der Interessanteste von allen sein. Mit seiner gespaltenen Persönlichkeit und dem, was wir hier geboten bekommen, wird er zu einem tragischen Fall, der trotz seiner Schwächen oder gerade deswegen sehr überzeugt. Ich mag seine Beweggründe gerne, weil er die anderen dazu zwingt, über ihre Schatten zu springen. Dadurch wird unter anderem gezeigt, wie weit zum Beispiel Daredevil bereit ist zu gehen, um den Kingpin auszuschalten.

Doch es gibt Grenzen, die Spider-Man nicht überschreitet, und so sehen wir unter anderem, wie sich dieser indirekt für den Kingpin einsetzt. Was alle Parteien überrascht. Wie das Ganze genau abläuft und wer sich wie und wo durchsetzt, will ich allerdings nicht verraten. Es führt allerdings zu beeindruckenden Momenten.

Wie ihr vielleicht wisst, endet mit der 111. Ausgabe die Zusammenarbeit zwischen Mark Bagley und Brian Michael Bendis. Was Marvel betrifft, haben sie damit einen neuen Rekord aufgestellt für die längste durchgehende Zusammenarbeit zwischen einem Autor und einem Künstler. Deshalb ergibt es für mich Sinn, dass diese Ausgabe, die den bedeutungsschwangeren Namen »The Talk« bekommen hat, das längst überfällige Gespräch zwischen Tante May und Peter darstellt. Die Hälfte davon hat dann auch schon der neue Künstler Stuart Immonen gezeichnet. Wir bekommen also einen langsamen Übergang von einem Künstler zum nächsten spendiert.

Es ist eine großartige Ausgabe. Die beiden funktionieren einfach herrlich miteinander (also Tante May und Peter). Tante May weiß nun endlich, dass Peter unter dem blau-roten Kostüm steckt. Langsam aber sicher nähern sie sich dem Thema an, denn beide wissen nicht genau, wie so ein Gespräch ablaufen und worüber sie eigentlich sprechen sollen. So werden Dinge Revue passiert, die in der Vergangenheit vorgefallen sind, und Grenzen abgesteckt, worüber Tante May mit wem sprechen darf und mit wem nicht (es bleibt schließlich nur MJ übrig). Also eine gelungene letzte Ausgabe von Bendis und Bagley.

Es war eine fantastische Reise, und ich werde Mark Bagleys Zeichnungen vermissen. Ich mag seinen Stil von ganzem Herzen und habe mich über die letzten Jahre sehr daran gewöhnt. Für mich ist er DER Künstler von Spider-Man geworden. Mal sehen, was uns Stuart Immonen in den nächsten Ausgaben so präsentieren wird. Es wird sicher spannend. Vor allem, weil auch bald die erste Inkarnation der Reihe Ultimate Spider-Man ihr Ende finden wird. Doch erst einmal geht es das nächste Mal mit »Death of a Goblin« weiter.

Kategorische Ablehnung

Ich finde es immer etwas befremdlich, wenn Menschen etwas kategorisch ablehnen. Meistens erlebe ich es selbst, wenn Menschen so etwas sagen, wie »Apple kommt mir nicht ins Haus«, oder »Ich abonniere doch nicht Apple TV+«. Gleichzeitig nutzen diese Menschen allerdings schön brav ein Smartphone mit Android und stellen so Google, die eigenen Daten sehr bereitwillig zur Verfügung. Oder kaufen bei Amazon ein, statt zu versuchen, die Dinge irgendwo lokal zu bekommen oder zumindest bei nationalen Händlern zu schauen. Oder aber sie nutzen mehrere andere Streaming-Dienste gleichzeitig und schieben diesen ihr hart verdientes Geld in den Rachen, obwohl sie kaum einen davon wirklich nutzen.

Firmen sind Firmen, man kann ihre Produkte nutzen oder nicht. Es sind einfach nur Entitäten, die Profit machen wollen. Es muss nicht unbedingt zu einem emotionalen Thema aufgebaut werden. Zu allem gibt es immer zwei Seiten und selten ist alles gut oder schlecht. Es gibt zu den meisten Dingen auch positive Aspekte. So mag Google die Daten der Nutzer sammeln, gleichzeitig haben sie vor ein paar Monaten die Trans-Ikone Sophia Xeon, mit einem entsprechenden Doodle gefeiert (Artikel dazu auf queer.de: Google ehrt trans Ikone Sophie Xeon posthum ).

Andere wollen Apple nicht nutzen, weil sie ihrer Meinung nach die Nutzer*innen zu sehr in ihrem Ökosystem einsperren. Außerdem stellen sie sich gerade in der EU etwas kindisch an, was das Öffnen ihres App-Stores angeht und die Einführung von Apple Intelligence. Gleichzeitig hat Apples iOS-System äußerst ausufernde Accessibility-Einstellungen, womit es Menschen mit unterschiedlichsten Einschränkungen ermöglicht wird, trotzdem diese Geräte zu nutzen.

Das sind beides Beispiele für etwas, das diese Firmen nicht machen müssen. Es würde ihnen nicht schaden, es nicht zu tun. Auf der anderen Seite hilft es natürlich ihrem Image, sie gewinnen sehr viel dadurch und ich kaufe es ihnen durchaus ab, es mit diesen Aktionen und Einstellungen ernst zu meinen. Die Welt ist eben komplex und nicht immer auf ein binäres Denken zu reduzieren. Das ist etwas Gutes, denn anders wäre es doch viel zu langweilig.

Valentine

Manchmal ist es erstaunlich zu sehen, wie lange man ein Projekt verfolgt. So ging es mir letztens, als ich mir überlegt habe, mal wieder Valentine zu lesen. Dabei handelt es sich um einen Webcomic, den man wahlweise auf tapas.io oder bei WebToon verfolgen kann. Ich bin mir nicht mehr sicher, seit wann ich den Comic verfolge oder seit wann ich das Projekt auf Patreon unterstütze, aber es muss schon sehr lang sein. Immerhin begann das erste Kapitel von Valentine Ende 2016.

Natürlich handelt es sich um eine queere coming-of-age Geschichte, wie könnte es anders sein. Sie startet an einem Valentinstag in einem College (oder einer Highschool, ich bin mir nicht ganz sicher). Dort wird scheinbar jedes Jahr eine Art Blind-Date-Situation veranstaltet. Mädchen ziehen eine pinke Karte, Jungs eine blaue. Dort stehen Nummern darauf, beispielsweise eine 8, und wenn sich beide 8 finden, gehen sie auf ein Date. Doch Max, der sich schon lange darüber im Klaren ist, dass er schwul ist, dachte sich, er zieht eine pinke Karte und hofft, dass er seinen Schwarm Alex bekommt. Alex allerdings weiß noch nichts von seinem Glück oder davon, dass er eventuell schwul oder bisexuell sein könnte. Die beiden kennen sich sonst auch nicht. Doch Alex geht etwas widerwillig mit Max auf einen Kaffee und langsam entsteht eine Freundschaft zwischen den beiden. Vielleicht mit der Zeit auch mehr.

Bei Valentine handelt es sich um eine klassische »slow burn« Romanze. Also eine Geschichte, die sich Zeit lässt, bis die beiden Protagonisten zusammenkommen. Was mich neulich allerdings etwas schockiert zurückgelassen hat, ist, wie sehr sich die Autorin Zeit lässt. Immerhin sind die ersten Seiten vor 8 Jahren erschienen, wir sind 8 Kapitel weit gekommen, über 450 Seiten und noch immer sind die beiden kein offizielles Paar. Die Anzeichen sind schon sehr stark da, aber die Geschichte bewegt sich mit der Geschwindigkeit eines Gletschers. Das ist nicht unbedingt etwas Schlechtes, es ist mir nur bewusst geworden, wie lange die Geschichte schon geht.

Letztens habe ich »To the stars and back« vorgestellt. Ebenfalls ein queerer Webcomic. Die dortige Beziehung läuft etwas flüssiger und schneller ab, auch wenn sich der Autor ebenfalls Zeit lässt. Ich schätze es, wenn Autor*innen ihren Charakteren Zeit lassen, sich zu entwickeln und sich selbst finden zu können. Was »to the star and back« meiner Ansicht nach allerdings besser macht als Valentine, ist die Handhabung der Nebencharaktere. In Valentine nehmen diese durchaus viel Platz ein. In Kapitel 8 findet viel Handlung in einem Club statt. Der Cast an Charakteren ist durchaus größer und gefühlt wird mir zu viel Zeit mit Nebencharakteren verbracht, die mich eigentlich nicht interessieren. Diese sollen sich gerne weiterentwickeln und ebenfalls ihre Momente bekommen, aber nicht zu sehr von den eigentlichen Protagonisten der Geschichte ablenken.

Bei einem „normalen“ Comic oder einer Graphic Novel, wo ich alle Kapitel auf einmal habe oder zumindest jeden Monat ein größeres Kapitel geliefert bekomme, machen solche Abschweifungen nicht viel aus. Aber wenn jede Woche nur eine Seite oder so erscheint, können sich Abschweifungen durchaus ein paar Monate ziehen. Das finde ich zwar etwas schade, aber wenn die Autorin allen Figuren etwas mehr Zeit im Rampenlicht gönnen möchte, dann ist das eben so. Ich mag die Geschichte von Valentine trotzdem aufrichtig.

Sie besticht mit tollen Dialogen, die mit viel Gefühl geschrieben sind, und die Charaktere wachsen einem ans Herz. Es ist ebenso schön zu sehen, wenn sich die Künstlerin weiterentwickelt und die Zeichnungen mit der Zeit besser und detaillierter werden. Ebenfalls etwas, was ich an Webcomics schätze. Die Menschen probieren sich mehr aus, als bei üblichen Comics, und der Stil entwickelt sich weiter, so wie sich auch die Menschen dahinter weiterentwickeln. Aber dazu mehr, wenn wir uns demnächst Race You ansehen.

Abschweifender Allerheiligenwecken

Ich schreibe diesen Text an einem sonnigen Nachmittag, des 1. November. Ein Monat, den vor allem Menschen, die gerne Schreiben, mit der NaNoWriMo-Challenge in Verbindung bringen. Diese tolle Abkürzung, die geradezu auf natürliche Weise flüssig von den Lippen rollt, steht für National Novel Writing Month. Die Herausforderung besteht darin, jeden Tag im November 1.000 Worte zu schreiben. So hat man am Ende des Monats einen kleinen Roman beisammen. Natürlich muss dieser dann noch redigiert und korrigiert, geschliffen und gefeilt werden, aber zumindest hat man einen Text.

Nun habe ich aktuell nicht wirklich eine Idee für eine Geschichte im Kopf, die für einen Roman ausreichen würde, trotzdem möchte ich meine eigene Version des NaNoWriMo machen. Über die vergangenen Monate habe ich es mir angewöhnt, Ideen für Texte am besten gleich aufzuschreiben. Wie das für mich genau funktioniert, habe ich bereits aufgeschrieben (Flüchtige Textideen). Das Wichtigste dabei für mich ist, dass ich die Ideen einfach wo stehen habe. Später mache ich mir dann Gedanken, ob daraus aus Text entstehen soll oder nicht.

Was ist nun meine Herausforderung? Ich möchte die Liste an Ideen etwas abarbeiten. Nicht alle Notizen habe ich aufgehoben, einige lösche ich einfach. Aber diejenigen, die ich noch in einer langen Liste stehen habe, sollen zu Texten werden. Selbst wenn mir nur wenige Zeilen dazu einfallen oder gar nichts und ich nur einen Text schreibe, wo ich erkläre, was ich im November eine eigene Variante der NaNoWriMo-Herausforderung angehe. Das soll die kreativen Muskeln etwas fordern und zu hoffentlich interessanten Texten führen.

Eine Idee, die ich vor wenigen Tagen aufgeschrieben habe, ist das Thema »Allerheiligenwecken«. Doch schon nach kurzer Zeit habe ich mich gefragt, was ich dazu eigentlich schreiben soll oder kann? Deshalb die lange, vielleicht unnötige Einleitung zu meiner persönlichen November-Challenge.

Was ich allerdings zu dem Thema sagen kann, ist, dass ich es schon mein Leben lang kenne, dass am 1. November einen Allerheiligenwecken gibt. Dieser wird beim örtlichen Bäcker angeschafft, der diese selbst macht und die fantastisch schmecken. Dabei handelt es sich um ein klassisches Milchbrot in Zopfform. Wahlweise mit Rosinen oder Zuckerguss oder beidem. Dieser wird dann über das verlängerte Wochenende zum Kaffee gereicht und mit viel Butter verschlungen.

Ich war durchaus überrascht, dass Arbeitskollegen, die nur wenige Kilometer weiter wohnen, diese Tradition gar nicht kennen und mich nur verdutzt angeschaut haben, als ich erzählte, ich würde mich jedes Jahr sehr auf den Wecken freuen. Aber so ist das eben mit Traditionen und der eigenen Perspektive – manchmal scheitert diese bereits nach wenigen Kilometern und wird auf die Probe gestellt. Ich mag so etwas. Der kurze Wikipedia-Eintrag zu dem Thema verrät auch, dass es sehr viele alternative Bezeichnungen für dieses Backwerk gibt.

Aber der Eintrag hat auch noch andere unterhaltsame Fakten zu bieten. Zum Beispiel, dass es im Burgenland Brauch war, dass junge Burschen den Mädchen, die sie mochten, so genannte »Verehrerstriezel« schenkten. Einen Brauch, den man gerne wieder einführen könnte. Mit einem richtig guten Allerheiligenwecken könnte ich mich schon zu einem Date überzeugen lassen. Wenn man sich nicht viel zu sagen hat, isst man währenddessen einfach das Brot auf und geht dann wieder seiner Wege.

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