Büro & Hobby

Ich dachte mir, es wäre ganz nett, das zweite Jahr meines täglichen Blogs mit einer kleinen Trilogie an Texten zu beginnen, die sich mit Veränderungen beschäftigen. Zwar handelt es sich vorwiegend um Veränderungen in der Wohnung, ums Ausmisten und Platz schaffen, aber solche Aktionen, egal wie klein oder umfangreich sie ausfallen, können große Auswirkungen haben. Und so passt das thematisch, meiner Ansicht nach, gut zu einem neuen Jahr an täglichen Texten. Bewährtes wird beibehalten, während man sich genauso bereit macht, sich in neue Abenteuer zu stürzen.

Nachdem das Schlafzimmer um- und aufgeräumt war, alte Kleidung entsorgt und die neue Kommode, sowie das neue Nachttischchen aufgebaut waren, kam das letzte größere Projekt an die Reihe: das neue Büro. Dieses war zuvor ein Wohnzimmer und hat praktischerweise einen Balkon. Meine Dachgeschoss-Wohnung hat ja aus technischen Gründen leider keine direkt anschließende Terrasse oder gar einen Balkon. Daher freue ich mich nun, einen Stock tiefer, besagten Balkon nutzen zu können.

Doch bevor das Büro bezogen werden konnte, standen so einige Arbeiten an. Da ich am Feiertag, dem 1. November, nicht ausmalen wollte, begannen die vorbereitenden Arbeiten am Dienstag. Löcher wurden gestopft, improvisierte Regale entfernt, der Boden mit Plastik ausgelegt, Vorhangstangen demontiert. Zuerst wollte natürlich ausgemalt werden. Zwar waren die Wände alles andere als fleckig, aber einmal drüber malen und die frisch gestopften Löcher überpinseln hilft bei einem frischen Gefühl im Raum. Ausgemalt wurde natürlich in einem neutralen weiß, denn Farbe kommt durch Deko und Bilder rein. Anschließend eine Wand mit neuen Bodenleisten versehen, ordentlich durchwischen und die bereits vorhandenen Möbel konnten aufgestellt werden.

Schließlich fehlte nur noch ein Trip zu Ikea, sodass ein großer, geräumiger Eckschreibtisch entstand. So kann eine Ecke als Home-Office-Platz dienen, während die andere Seite für etwaige Hobby-Zwecke genutzt werden kann. Und ja, ich habe tatsächlich eine vorwiegend schwedische Einrichtung, auch wenn natürlich andere Möbelhäuser in der Wohnung vertreten sind. Das Büro ist allerdings hauptsächlich skandinavisch. Ein Regal und ein gemütlicher Sessel haben ebenfalls schon darin Platz gefunden, sodass ich den Raum entsprechend einräumen konnte.

Ich vertrete bei neu eingerichteten Räumen oder Wohnung, anfangs nicht zu viel Kram zu besorgen. Seien es Möbel oder etwaige Dekoration, wie Bilder. Man sollte immer erst auch etwas Zeit darin verbringen. So bekommt man ein Gefühl für den Raum und was man wirklich benötigt. Nicht nur um sich wohlzufühlen, sondern auch um den Zweck des Raums herauszufinden.

Mit der Neuorganisation des Schlafzimmers und dem Einrichten eines Büros/Hobby-Raums endet ein großes Vorhaben, welches mich schon länger beschäftigt. Seit einiger Zeit überlege ich bereits, wie ich gewisse Räume umgestalten kann und was ich loswerden möchte. Nun kann es an diverse Kleinigkeiten gehen. Bestimmte Sachen gehören noch verkauft oder in den Keller geräumt. Wobei sich auch dort Dinge befinden, die entsorgt werden möchten. Aber das sind alles Vorhaben, die sich perfekt eignen, um über die dunkleren Herbst- und Wintermonate erledigt zu werden. Aufräumen soll in gewisser Weise auch Freude bereiten, sodass man sich in den eigenen vier Wänden wieder wohler fühlt. Da sollte man nichts vom Zaun brechen.

Nachttisch & Zwecke

Gestern habe ich darüber berichtet, wie ich mein Schlafzimmer neu eingerichtet habe. Damit ging nicht nur die Anschaffung einer neuen Kommode einher, sondern auch ein neuer Nachttisch. Ich glaube, es ist das erste Mal, dass ich so ein dediziertes Möbelstück besitze. In den vergangenen Jahren reichte ein 2 × 2 Billy-Regal von Ikea aus. Doch dieser war zugleich Lagerplatz für alles Mögliche und ich wollte mal etwas Kleineres und vielleicht auch nützlicheres. Davor nutzte ich aus Platzgründen ein Bücherregal als entsprechendes Möbelstück, und davor war es mal ein kleines Beistelltischchen oder sonstige Dinge.

Die Kommode und das Nachtkästchen sind nun aus der Hemnes-Kollektion und passen wunderbar ins Schlafzimmer. Man könnte fast sagen, sie verströmen einen Hauch Landhausstil. Doch nun, da ich ein solches Möbelstück habe, stellt sich die Frage: wofür nutzt man das überhaupt? Klar, obendrauf stellt man einen Wecker und eventuell etwas, das Licht spendet. In der Nacht finden darauf Apple Watch und iPhone Platz. Unter anderem, um Podcasts zum Einschlafen abspielen zu können. Ich habe außerdem gerne ein Glas Wasser parat. Doch wozu nutzt man die Schubladen?

Alles, was davor im Billy-Regal stand, ist anderswo verstaut oder hat erneut in diesem simplen, doch praktischen Möbelstück Platz gefunden, das an anderer Stelle steht. Ich benötige sonst in der Nacht nichts und die Schubladen bleiben vorwiegend leer. Es hilft natürlich, eine entsprechend große Kommode im Raum zu haben, damit man Dinge verstauen kann. Ich bin mir noch nicht recht sicher über den Zweck eines solch spezifischen Möbelstücks. Vielleicht war es doch keine so schlechte Idee, quasi etwas Multifunktionales unterzubringen. Doch bin ich froh um den Platzgewinn im Schlafzimmer.

Jetzt, wo kein mittelgroßes Regal im Raum steht, kann ich sogar im Schlafzimmer trainieren, statt Küche/Esszimmer dazu zu nutzen. Und vielleicht reicht das schon als Grund aus, sich ein platzsparendes Möbelstück, wie einen Nachttisch, zu besitzen. Und es finden sich auch noch Dinge, die darin verstaut werden können. Vielleicht etwas, das ich nicht so oft benötige und dann in zwei bis drei Jahren überraschend hervorkramen kann.

Schlafzimmer & Organisation

Ich bin gerade dabei, meine Wohnung etwas umzugestalten. Vorwiegend das Schlafzimmer. Bisher hatte ich für Home-Office-Zwecke einen Schreibtisch darin stehen und nutzte es ebenfalls als Lagerplatz für alles Mögliche. Das sollte sich aber ändern. Ich habe das Glück, mir ein eigenes Büro einrichten zu können, das dann ebenso als Hobbyraum dient. Aber erst einmal sollte das Schlafzimmer fertig werden.

Die Arbeit begann vergangene Woche Freitagmittag direkt nach der Arbeit, und um halb zwei morgens war ich schließlich im Bett. Zuerst musste ich natürlich sämtliche Regale und den Schrank ausräumen. Dann haben wir Schränke abgebaut, entsorgt und einen anderen aufgebaut. Dinge wurden im Haus herumgeschleppt. Warum müssen alte Möbel immer so schwer sein? Außerdem war ein Trip zu IKEA notwendig, um eine neue Kommode und einen Nachttisch zu besorgen. Zudem haben wir gleich alles zum nahe gelegenen Altstoffsammelzentrum gebracht, damit es nicht wieder wochenlang herumliegt.

Es war ein ereignisreicher und anstrengender Tag. Die größte Herausforderung allerdings war nicht, zwei Schränke ab- und aufzubauen oder alles wieder halbwegs geordnet einzuräumen. Das waren alles Kleinigkeiten. Das komplizierteste war überraschenderweise, die Kommode von IKEA ab neun Uhr abends aufzubauen. Es gibt einige fast identische Teile, die die Anleitung nicht ordentlich identifiziert. Ich kann mich täuschen, aber ich glaube, die Anleitungen von IKEA sind in den vergangenen Jahren schlechter geworden. Natürlich liegt das zweimalige falsche Zusammenbauen gewisser Teile keinesfalls an Müdigkeit oder so. Doch etwas besser hätte man die Anleitung durchaus machen können. Ein zusätzlicher Hinweis hier und eine Markierung dort hätten ausgereicht. Doch auch das war irgendwann geschafft.

Das ganze Unterfangen war eine gute Gelegenheit, sich von Dingen zu verabschieden, die schon viel zu lange irgendwo herumliegen. Wer kennt es nicht, man denkt sich, man benötigt etwas mit Sicherheit später noch einmal, nur um es nach zwei bis drei Jahren in einer dunklen Ecke des Schrankes zu finden. Auf- und Ausräumen ist zwar stets anstrengend, aber die Mühen am Ende wert. Die Hoffnung ist nur, dass man sich nicht allzu schnell Neues anschafft, das man zu gegebener Zeit erneut im Schrank entdeckt. Aber man wird ja älter und weiser, denke ich zumindest.

Jedenfalls ist das Schlafzimmer geschafft, es sieht durch die helleren Möbel größer und geräumiger aus und es gefällt mir wirklich gut. Gelegentlich etwas in der Wohnung zu verändern, ist etwas Tolles. Immerhin verändert man sich mit der Zeit auch selbst und damit die eigenen Anforderungen und Bedürfnisse. Manchmal ignorieren wir das vielleicht zu lange. Es können schon Kleinigkeiten sein, die einen großen Unterschied machen.

Geek-Planet: The Sculptor von Scott McCloud

Morgen jährt sich dieser Blog zum ersten Mal. Seit einem Jahr schreibe ich jeden Tag einen Text zu einem beliebigen Thema. Was mich eben gerade so beschäftigt und interessiert. Aber auf diese Texte und das vergangene Jahr blicke ich an anderer Stelle zurück. Heute soll es um diese Kolumne im Speziellen gehen.

Da heute Donnerstag ist, muss natürlich ein alter Text von mir her. Für dieses kleine Jubiläum habe ich mir einen herausgesucht, der den Comic The Sculptor von Scott McCloud behandelt. Immerhin begann diese Kolumne und mein alter Blog Geek-Planet mit ihm und seinem Buch Understanding Comics. Daher scheint es passend, das erste Jahr auch mit ihm zu beschließen. Der Text erschien am 29. März 2015.

Wie schon bei vorherigen Texten habe ich die Links leider nicht mehr, die ich am Ende erwähne. Aber der Vollständigkeit halber habe ich die Zeilen trotzdem nicht entfernt. Zwar bin ich mit der Zeit dazu übergegangen, meine alten Texte etwas zu redigieren und zu überarbeiten, aber das waren stets kleine Änderungen. Habe ich die ersten Texte noch unbearbeitet wiedergegeben, so habe ich schnell gemerkt, dass eine kleine Überarbeitung notwendig ist.

Dabei war mir stets ein Anliegen, diese Texte verständlicher zu machen. Sätze umzuschreiben, die zu lang sind oder zu konfus geschrieben. Den Lesefluss zu verbessern und manches genauer zu erläutern. Oder aber auch, in äußerst seltenen Fällen, Sätze zu entfernen, da sie nicht mehr zeitgemäß sind oder nicht mehr in das Gesamtkonzept des Textes passen. Immerhin ist es über 10 Jahre her, seit ich den Blog Geek-Planet gestartet habe, da entwickelt man sich hoffentlich weiter.

In dem einen Jahr, wo es nun meine neue Webseite christophstaffl.eu gibt, haben wir uns 49 alte Texte von mir angesehen und es macht mir immer noch Freude. Ich entdecke immer wieder Neues und bin teilweise selbst überrascht, über was ich so alles geschrieben habe. Oder auch welche Meinungen ich zu gewissen Themen hatte oder aufgeschrieben habe.

Für das kommende Jahr habe ich ein paar spezielle Texte im Sinn, die ich mir gerne ansehen und erneut veröffentlichen möchte. Es handelt sich dabei um ein Studienprojekt, welches dann den Weg zu einem anderen Blog-Projekt fand, an dem ich teilnehmen durfte. Aber dazu mehr, wenn es so weit ist. Heute geht es erst einmal um Scott McCloud und seinen großartigen Comic The Sculptor.


Den meisten dürfte Scott McCloud wohl durch seine theoretischen Abhandlungen von Comics bekannt sein. Seine fantastischen Bücher Understanding Comics, Reinventing Comics und Making Comics sind ein Fundus an Informationen über das THema. Nach deren Lektüre, die er ebenfalls als Comic präsentiert, betrachtet man die Panels, Zeichnungen und Sprechblasen anders – sie öffnen den Leser*innen die Augen.

„It’s like they’re demanding that I make them, demanding to be seen, demanding to exist … and now I’m scared I’ll never finish a single one.“ – David

Ich habe nie die frühen Werke von Scott McCloud gelesen. In den achtziger und neunziger Jahren hat er Comics hervorgebracht, die von vielen Kritiker*innen hochgelobt wurden (zum Beispiel Zot! und The New Adventures of Abraham Lincoln). Dadurch war ich sehr daran interessiert, wie wohl ein Comic von ihm aussehen würde, der eine originelle Geschichte erzählt. Wie hat ihn die Erforschung und analytische Auseinandersetzung mit Comics beeinflusst?

Eigentlich müssten seine Erkenntnisse dazu führen, dass es ein Meisterwerk par excellence wird. Wobei diese Erwartungshaltung natürlich unfair ist. Allerdings bleibt eine der interessantesten Fragen für mich, worüber er schreiben wird. Welches Genre, welches Thema, welche Personen werden darin vorkommen? Und das Ergebnis seiner fünf Jahre andauernden Arbeit, in der er geschrieben, gezeichnet und sogar einen eigenen Font hat erzeugen lassen, ist ein Comic, so umfangreich und tiefgreifend wie das Leben selbst.

„Life doesn’t always turn out the way we plan, David.“ – Harry

Wie schon angedeutet ist das Graphic Novel The Sculptor sehr vielfältig. Im Zentrum steht David. Ein verlorener Künstler, der einen Deal mit dem Tod eingeht, um doch noch etwas Einzigartiges schaffen zu können. Dafür hat er 200 Tage Zeit, danach muss er sterben. Scott McCloud scheint mit einer unvergleichlichen Leichtigkeit, die Vielfalt des menschlichen Daseins in einen 500-seitigen Comic zu packen. Es geht um das Leben, die Liebe, Leidenschaft, Tod, Sex, Gefühle, Familie, Freunde, Träume, Erfahrungen, Ziele, Lektionen, Geld, Glück, Trauma, Hilfs- und Risikobereitschaft und so weiter. Alles findet seinen Platz.

Je weiter die Geschichte voranschreitet, desto weiter wird man in sie hineingezogen und sie lässt einen nicht mehr los, bis man am Ende des Buches angelangt ist und erschöpft den Deckel zuklappt. Die Charaktere sind liebevoll ausgearbeitet. Sie sind glaubwürdig dargestellt, haben Fehler. Jede Minute mit ihnen muss man genießen, denn man weiß nie, wann es zu spät ist. Wenn es in The Sculptor an einem nicht fehlt, dann sind es überraschende Wendungen. Dabei sind es keine großen WTF-Momente, die die Leser*innen schockieren sollen. Nein, es sind die einfachen und stillen Momente, in denen die Charaktere über sich hinauswachsen, der Angst und Herausforderung ins Gesicht blicken und handeln.

Ebenso wie die Geschichte sind auch die Zeichnungen fantastisch. Der typische Stil von McCloud passt perfekt zu dem Comic, da es den Leser*innen genug Spielraum für Interpretationen lässt. Die nur zweifarbige Darstellung des Geschehens regt die Fantasie an und wirkt inspirierend. Die Handlungsorte wie die Stadt, Wohnungen, Parks und Seitengassen sind lebendig, man hört förmlich die typischen Geräuschkulissen der Umgebung. Es macht Spaß, mit den Figuren immer mehr zu entdecken und Davids Kreativität zu beobachten.

Die Dialoge und Gespräche wirken natürlich, nachvollziehbar und ich könnte stundenlang den Gesprächen zwischen Harry und David lauschen, während sie ihr Schachspiel bestreiten. Es gibt viele Höhepunkte in dem Comic, die ich nur zu gerne beschreiben und besprechen möchte, aber ich will nicht zu viel verraten, denn die Geschichte sollte ohne allzu viel Vorwissen gelesen werden. So entfaltet sie ihre gesamte Kraft und verfolgt einen noch über Tage hinaus. Auf jeden Fall lädt sie zum erneuten Lesen ein, denn sicherlich übersieht man beim ersten Mal etwas oder bestimmte Aspekte der Geschichte gehen unter.

Ich kann dieses Buch nur jedem empfehlen. Kauft es, verschenkt es, gebt es weiter.

„You’ll leave. Everybody leaves.“ – Meg

Vor kurzem habe ich Meldungen auf diversen Blogs und Websites gelesen, welche mich regelrecht nervös werden lassen. Filmstudios haben sich angeblich um die Rechte an dem Buch gestritten und es ist zu einer Art Wettstreit geworden. Ich weiß nicht mehr, welches Studio die Filmrechte schließlich bekommen hat und es ist mir eigentlich auch egal. Bitte, wer auch immer für die Verfilmung zuständig sein wird, lasst es langsam angehen. Arbeitet mit McCloud zusammen, wenn er es möchte. Haltet die Geschichte und die Effekte einfach und lasst die Protagonisten für sich sprechen, so wie im Comic auch. Denn erst dadurch entfaltet sich die Magie der Geschichte. Kein übermäßiger Einsatz von CGI, keine schnulzig übertriebene Romanze oder erzwungene Dreiecksbeziehung, welche es nicht gibt.

Als Abschluss verlinke ich noch zwei Interviews mit Scott McCloud. Das Erste könnt ihr gleich lesen, ohne das Buch zu kennen. Das Zweite würde ich allerdings erst für später empfehlen, da es doch einige Spoiler enthält. In jedem Fall bekommt man einen netten Eindruck über die Entstehung von The Sculptor.

Elden Ring & Gatekeeping

In den vergangenen Wochen war es Spiele-technisch abwechslungsreich. Erst habe ich einen weiteren Durchlauf in Lies of P, als Vorbereitung auf das DLC, hinter mich gebracht; es ist und bleibt ein fantastisches Spiel. Es überzeugt nicht nur mit brillanter Kampftechnik, sondern tollen und geradezu ausufernden Möglichkeiten, Waffen anzupassen und einen eigenen Stil zu finden. Dann habe ich Zelda: A Link to the Past angespielt, um Erinnerungen nachzuhängen und in nostalgischen Gefühlen zu schwelgen. Schließlich kam noch eine Remaster-Version von Darksiders 2 für die aktuelle Konsolen-Generation heraus. Treffender Titel ist natürlich Deathinitive Edition.

Gerade hat mich allerdings wieder einmal das Elden Ring Fieber gepackt. Es ist mir unerklärlich, wie mich ein Spiel, in das ich schon weit über 300 Stunden investiert habe, noch immer so begeistern kann. Nicht nur, dass ich einen eigenen Challenge-Run begonnen habe, nein, ich schaue zusätzlich noch etliche Videos darüber. Es wird einfach nicht langweilig. Vor allem schaue ich gerne Videos, in denen Mods verwendet werden oder sich zwei Streamer eine Art Duell liefern. Es geht darum, wer am schnellsten ein bestimmtes Ziel erreicht hat.

Mods sind leider kein Thema auf Konsolen und sich extra dafür einen Gaming-PC zuzulegen, lohnt sich nicht. Zum Glück gibt es YouTube und man kann trotzdem in den Genuss von Mods kommen. Meine Standard-YouTuber Jokerface und Bushy habe ich dafür noch um einen erweitert: Captain Domo. Seine Videos sind hervorragend geschnitten und dadurch kurzweilig, aber sehr unterhaltsam. Jeder YouTuber scheint seine eigene Art zu finden, an ein Spiel heranzugehen, auch wenn sie dasselbe Spiel spielen. Es fasziniert mich immer wieder.

Aber was mich eigentlich dazu gebracht hat, einen erneuten Durchlauf in Elden Ring zu wagen, waren die Videos von OneGhostyBoi (die Namen der Kanäle sind einfach grandios). Bedauerlicherweise macht dieser nicht allzu oft Videos. Er hat auch viel zu wenige Abonnent*innen für die Qualität, die er abliefert. Die Videos sind fantastisch und hochwertig gemacht, er ist ein toller Sprecher und hat einen guten Sinn für Humor. Zudem informiert er sich scheinbar ausführlich für seine Videos und Challenge-Runs und hat tolle, inspirierende Sichtweisen auf die teils toxischen Seiten der Souls-Community.

Diese Seite wurde besonders bei Elden Ring sichtbar. Immerhin bietet das Spiel diverse Möglichkeiten, sich den Schwierigkeitsgrad selbst anzupassen. Nicht dadurch, dass man diesen direkt einstellt, sondern durch geschickte Spielmechaniken. Zum einen gibt es unzählige Möglichkeiten, den eigenen Spielstil zu gestalten und zu optimieren. Von Krieger über Magier hin zu spezifischen Builds, die sich spezielle Statuseffekte zunutze machen, kann man sehr viel testen. Zum anderen kann man sich sogenannte Aschen bei Kämpfen zu Hilfe rufen. Das sind Geister von Kriegern, die man zuvor bezwungen hat und nun für seine eigenen Zwecke nutzen kann. Oder aber man nutzt die diversen NPCs, die in Bosskämpfen unterstützen.

All diese Optionen dienen dazu, das Spiel einsteigerfreundlich zu machen, ohne den allgemeinen Schwierigkeitsgrad zu reduzieren. FromSoftware hat hier eine wunderbare Möglichkeit gefunden, sowohl Neueinsteiger als auch Veteranen von Souls-Spielen abzuholen. Doch manchen Spielern scheint das nicht zu passen. Für meine ersten beiden Durchläufe habe ich alle möglichen Hilfestellungen benutzt, weil ich die Erfolgserlebnisse brauchte und mich nicht stundenlang mit Bossen beschäftigen wollte. Mir ging es um das Erkunden der Welt, das Erleben des Spiels.

Doch für manche bedeutet das Nutzen dieser Hilfestellungen, dass man das Spiel nicht wirklich durchgespielt hat. Man hat es nicht verdient, man hat es falsch gemacht; hat es nicht so gespielt, wie es die Schöpfer im Sinn hatten. Richtige Souls-Spieler brauchen nichts weiter als ein Schwert (nicht einmal ein Schild ist erlaubt) und die eigenen Fähigkeiten. Sich durch Bosse zu quälen und nach stundenlangen Kämpfen siegreich hervorzugehen, ist Pflicht. So muss das sein. Nicht anders.

Alles natürlich kompletter Blödsinn. Wenn mir Spiele Mechaniken zur Verfügung stellen, die ich nutzen möchte, um mich etwas zu unterstützen, damit ich nicht frustriert nach ein paar Stunden aufhöre, dann nutze ich diese. Dieses künstliche Gatekeeping, welches natürlich nicht nur Souls-Spiele betrifft, sondern auch in anderen Communitys und Hobbys vorkommt, ist toxisch und sollte von allen ignoriert werden. Es sind einfältige Menschen, die sich wichtig vorkommen wollen. Spiele sollen Spaß machen und jede*r sollte sie auf die eigene Art erleben.

Elden Ring ist ein Meisterwerk der Spielgeschichte und wenn es schon Möglichkeiten bietet, damit umso mehr Spieler*innen diese großartige Welt erkunden und entdecken können, dann ist das doch großartig. Besonders wenn es, wie für mich, das erste soulslike-Spiel ist, dass man spielt, sollte und muss das erste Erleben ein Erfolg sein. Niemand sollte sich von anderen einreden lassen, wie er oder sie ein Spiel zu spielen hat. Solange es Freude bereitet und mir Spaß macht, habe ich alles richtig gemacht.

Für mich selbst habe ich entdeckt, dass ich nach über 300 Stunden bereit bin für etwaige Herausforderungen. Nur mein Schwert und ich, sonst nichts. Der Fokus liegt auf den Bossen und ich stelle mich ihnen allein. Ich entdecke das Spiel von einer neuen Seite und es ist großartig. Aber für meinen ersten Durchlauf wäre das fatal gewesen. Ich hätte es nie durchgespielt, geschweige denn mir das DLC gekauft.

Und selbst wenn ich mir selbst diese Herausforderung stelle, inspiriert von OneGhostyBoi, und ich mir bei Gegnern besonders schwertue, dann rufe ich die entsprechenden NPCs zur Unterstützung. Bisher war das beim »Draconic Tree Sentinel« und »Radahn« (die Variante in Caelid) der Fall. Der Sentinel hat mich frustriert und Radahn ist ein chaotischer Kampf; für mich völlig unübersichtlich. Aber dann ist es immer noch meine Entscheidung und ein valider Durchlauf.

Wir opfern Zeit und Geld, um diese großartigen Spiele zu erleben. Elden Ring, Lies of P und all die anderen, die versuchen, in ihre Fußstapfen zu treten, erschaffen faszinierende Welten und eigene Mythologien. Die Charaktere sind spannend geschrieben und manchmal sehr ominös oder mysteriös. Das Design der Bosse ist durchdacht und in den besten Spielen dieser Art nie unfair. Außerdem sehen die meisten einfach nur verdammt cool aus und bestechen durch tolle Sprecher*innen. Wie so oft muss man die negativen Stimmen ausblenden und auf sich selbst hören. Spiele sollen Spaß machen. Sie sind ein Hobby. Alles andere kann man ignorieren.

To the stars and back

Ich schreibe mittlerweile schon seit Jahren Texte über Comics, Filme und Serien. Mal mehr, mal weniger. Trotzdem fällt es mir immer wieder schwer, einen geeigneten Einstieg zu finden. Nicht immer natürlich, allerdings merke ich einen besonders hohen Anspruch an den eigenen Text, wenn mir das Material, über das ich schreibe, wichtig ist. Es ist mir ein Anliegen, jeder Geschichte einen eigenen Twist zu geben, etwas, das heraussticht. Es wird schnell langweilig, immer wieder dieselben Punkte und Superlative zu lesen.

»To the star and back« ist ein Beispiel dafür, dass mir eine Geschichte viel bedeutet. Besonders bei Webcomics fällt mir immer wieder auf, dass eine stärkere Verbindung zu den Charakteren und ihren Erlebnissen besteht als bei anderen Geschichten. Das liegt zu einem großen Teil sicherlich am Format selbst. Webcomics werden traditionellerweise wöchentlich aktualisiert und mit einem neuen Kapitel versehen. Wie umfangreich diese ausfallen, ist von den Autor*innen abhängig. Die Tatsache ist, dass, selbst wenn ich wollte, ich nicht schneller weiterlesen kann, da es keine weiteren Kapitel gibt. Ich muss warten, bis der Autor oder die Autorin neues Material veröffentlicht.

Dadurch, dass die Autor*innen meist „nur“ einmal die Woche neue Kapitel zur Verfügung stellen, kommt es nicht selten vor, dass ich alle bisherigen Kapitel erneut lese. Etwa einmal im Jahr oder alle zwei Jahre würde ich sagen. Immerhin ist es keine Seltenheit, dass Webcomics eine dreistellige Anzahl an Kapiteln aufweisen und über viele Jahre laufen. Da dauert es schon eine Weile, bis man mit allem durch ist.

Wenn ich mich recht erinnere, ist »To the stars and back« einer der jüngsten Webcomics, die ich verfolge, aber das mittlerweile auch schon mehrere Jahre. Seit ich nicht mehr so häufig Comics lese, sinkt natürlich auch meine Entdeckungsrate für neues Material. Aber mit meinem Vorhaben, mehr queere Geschichten vorzustellen, wird sich das sicherlich bald ändern. Aber kommen wir zum eigentlichen Comic.

»To the stars and back« ist eine slice-of-life Geschichte, wie man im Englischen so schön sagt. Es wird also ein Stück aus dem alltäglichen Leben der Charaktere erzählt, ohne übernatürliche Ereignisse, Fantasy- oder Science-Fiction-Elemente. Die beiden Protagonisten sind der introvertierte Einzelgänger Kang Dae und sein neuer, lebensfroher, eher extrovertierter Nachbar und Studienkollege Bo Seon. Schnell merken die beiden, dass sie sich sehr gut verstehen und lernen sich immer besser kennen.

Besonders schön an der angehenden Beziehung zwischen Kang Dae und Bo Seon ist, dass sie sehr selbstverständlich mit ihrer Homosexualität umgehen. Die Identitätsfindung ist für beide, sie sind etwa Anfang 20, was dieses Thema anbelangt, weitgehend abgeschlossen. Eine wirkliche Beziehung hatten beide allerdings noch nicht. Ihr respektvoller Umgang miteinander ist immer wieder toll zu beobachten. Sie gehen auf die Bedürfnisse des jeweils anderen ein und verstecken ihre Beziehung auch nicht. Ich mag es, wenn coming-of-age-Geschichten (wenn man »to the stars and back« als solche bezeichnen kann) mit Konventionen brechen und versuchen einen eigenen Weg zu gehen.

Jedoch haben beiden ihre Päckchen aus der Vergangenheit zu tragen, wenn nicht zu sagen, große Lasten. Diese werden nach und nach immer mehr behandelt. Hier besticht das fantastische Talent des Autors für pointierte Dialoge und gefühlvolle Szenen. Die beiden müssen erst lernen, was es heißt, jemandem wirklich zu vertrauen und mit ihrer Vergangenheit zurechtzukommen. Besonders Bo Seon fällt dies sichtlich schwer. Kang Dae drängt ihn allerdings nicht dazu, sich zu öffnen, sondern lässt ihm Zeit. Er redet mit Freunden und versucht einfach nur so gut es geht für Bo Seon da zu sein.

Wir als Leser*innen lernen dabei ebenfalls Stück für Stück mehr über ihre Vergangenheit. Mal sind die Brotkrumen deutlicher zu lesen oder auch expliziter dargestellt, manchmal sind es nur kleine Anmerkungen. So hat »to the stars and back« für mich ein enormes Potenzial, öfter gelesen zu werden. Man entdeckt immer wieder Kleinigkeiten oder Verbindungen, die man zuvor nicht bemerkt hat.

Was ebenfalls positiv auffällt, ist, dass die Nebencharaktere gut ausgearbeitet sind. Bei solchen Geschichten kann es durchaus vorkommen, dass Nebencharaktere schnell nervig ausfallen oder zu viel Platz einnehmen. Peglo, der Autor, findet allerdings stets die richtige Dosierung. Es macht sehr viel Freude, diese Geschichte zu lesen. Vor allem auch deshalb, weil sich die schwierigeren Themen und Szenen mit leichtfüßigen, tänzelnden, schönen Szenen wunderbar abwechseln. Der Alltag von Kang Dae und Bo Seon findet ebenso Platz wie die besonderen Ereignisse. Es ist eben wie im echten Leben auch. Es ist meistens nicht alles stets düster und traurig, sondern vieles wechselt sich ab, findet manchmal sogar gleichzeitig statt. Diese nachvollziehbare und realitätsnahe Darstellung der Charaktere gelingt immer wieder aufs Neue.

»To the stars and back« ist ein großartiger Webcomic. Die Geschichte von Kang Dae und Bo Seon ist mit viel Feingefühl, Witz und Leidenschaft geschrieben. Die Zeichnungen bestechen durch eine Dynamik, sodass stets ein kleiner Film im Kopf abläuft. Sowohl die Charaktere selbst als auch ihre Welt und die Personen darin wirken lebendig, durchdacht und mit Liebe zum Detail gestaltet. »To the stars and back« gehört zu meinen absoluten Favoriten, was Webcomics anbelangt.

Zu lesen ist »to the stars and back« auf Webtoons.

80 + Mozartkino

Am Samstag war ich zum ersten Mal im Mozartkino in Salzburg. Eigentlich eine Schande, gehört es doch zu den ältesten Kinos Europas. Doch besser spät als nie, wie man so schön sagt. Passenderweise sah ich mit Freund J. einen österreichischen Film im dortigen Römersaal an. Diesen wollten wir unbedingt aufsuchen, da dort noch ein Teil einer alten römischen Mauer steht. Ich hatte mir zwar etwas mehr erwartet als einen unförmigen Stein, trotzdem ein beeindruckendes Stück Geschichte.

Der Rest des Saals ist mit römisch angehauchten Bildern und Säulen geschmückt. Um ehrlich zu sein, hatte ich mir ein etwas heruntergekommenes Kino erwartet. Wie gesagt, war ich noch nie drin und habe mich auch nicht damit beschäftigt. Manchmal hat man allerdings unbegründete Vorurteile, selbst Gebäuden gegenüber. Umso positiver war ich überrascht, als ich entdeckte, dass es zwar ein kleiner, eher eng bestuhlter Saal war, in dem man sich trotzdem schnell wohl fühlte. Nur Getränkehalter fehlen leider.

Angesehen haben wir uns 80 Plus mit Christine Ostermayer (Helene), Margarethe Tiesel (Toni) in den Hauptrollen. Bei Helene ist Krebs zurückgekommen, und sie möchte sich den Torturen der Behandlungen nicht ein zweites Mal aussetzen. Deshalb will sie in die Schweiz, um Sterbehilfe zu bekommen. Ihr Neffe will sie allerdings aus Gründen nicht dorthin fahren. Im Pflege- oder Kurheim lernt sie allerdings Toni kennen, die anbietet, sie in die Schweiz zu fahren. Die beiden unternehmen also einen spontanen Roadtrip über Land und Berg.

Trotz des durchaus ernsten Grundthemas ist es ein überaus lustiger Film. Es ist eine hohe Kunst, die richtige Dosis zu finden zwischen den ernsthafteren, tiefgründigen Momenten und den lustig heiteren Augenblicken. Doch dieser Film schafft dies mit Bravour. Hollywood-Produktionen, die mehrere hundert Millionen Dollar kosten, schaffen nicht, was dieser Film mit einer scheinbaren Leichtigkeit hinbekommt. Das liegt sicherlich auch an den beiden fantastischen Hauptdarstellerinnen.

Die beiden haben eine wunderbare Chemie und ergänzen sich großartig. Ihr komödiantisches Timing ist bestechend, und man bekommt nicht genug von den tollen Interaktionen zwischen Toni und Helene. Die Situationen, in die sie sich hineinmanövrieren, sind so absurd, wie die Lösungen dafür realistisch und glaubwürdig ausfallen. In dem Film steckt sehr viel drin und so wirken die 95 Minuten sehr viel länger. Es ist stets gutes Zeichen, wenn man es schade findet, dass eine filmische Reise zu Ende geht, als das man froh ist, endlich aufstehen zu können.

80 Plus ist ein großartiger Film, den man sich nicht entgehen lassen sollte. Die emotionale Reise in die Schweiz wird mit beeindruckenden Bildern untermalt. Die Berge werden wunderbar eingefangen und dienen als perfekte Kulisse für die Abenteuer von Helene und Toni. Bei solchen Filmen ist es schwierig, ein gelungenes Ende zu finden, doch selbst das schafft 80 Plus. Der Film lädt ein, sich selbst über das Thema und die vorkommenden Diskussionen Gedanken zu machen.

Nostalgie und Neuauflagen

Manchmal kommen überraschende Dinge zusammen, mit denen man so gar nicht gerechnet hat. Geschweige denn, dass man sich daran erinnert. Erst wurde ich von einem Podcast an das fantastische Zelda: A Link to the Past erinnert, das ich unzählige Male in meiner Kindheit gespielt habe. Nun kommen noch zwei Remakes von Spielen in kurzer Zeit heraus. Wobei ich mich an eines sehr gut erinnere und das Zweite vollkommen verdrängt hatte.

Bei erst genannten handelt es sich um das Remaster von Darksiders 2, das für die neue Konsolen-Generation erscheint und den treffenden Namen Deathinitive Edition trägt. Darksiders ist eine Reihe, die mich seit dem ersten Spiel sehr begeistert. Leider ist es mit dem regelmäßigen Erscheinen neuer Teile nicht ganz so einfach. Genauer gesagt stand die Fortsetzung der Reihe nicht immer fest. Ich suche mir auch immer die Franchise aus, die unter keinem besonders tollen Stern stehen.

Im ersten Teil (2010 erschienen) spielt man den apokalyptischen Reiter »Krieg«, der durch eine List gerufen wurde und dem die Schuld am Ende der Menschheit in die Schuhe geschoben wird. Es war eines dieser klassischen Spiele, die man locker, lässig nebenbei zocken konnte. Die Bosskämpfe waren zwar durchaus etwas anspruchsvoll, aber ansonsten hat man sich durch Dämonenhorden geschnetzelt und die coole Geschichte genossen. Der Stil des Spiels hat mich schon immer begeistert. Alles war übertrieben und over-the-top. Grandios gemacht, mit tollen Sprecher*innen.

Auch hier gab es sechs Jahre nach Erscheinen des Originals ein Remaster (2016), das den treffenden Namen: Warmaster Edition trägt. Ich hatte damals versucht, es nochmal zu spielen, aber das Original hatte ich dermaßen oft genossen, dass es sich nicht mehr richtig anfühlte. Man merkte ebenfalls die Schwächen des Spiels deutlicher und es machte nicht mehr so viel Spaß wie beim ersten Mal.

2012 kam der Nachfolger heraus. Hier schlüpft man in die Rolle von Tod. Die Handlung findet mehr oder weniger parallel zum Ersten statt. Tod will seinem Bruder helfen, dessen Unschuld zu beweisen und die Menschheit zurückbringen. Es war etwas Rollenspiel-artiger und offener gestaltet, als es noch das erste Spiel war. Trotzdem standen die Hack-and-Slay-Elemente im Zentrum, genauso wie die Rätsel und Parkour-Einlagen.

Da ich aber Darksiders 2 nur maximal zweimal durchgespielt habe, wollte ich unbedingt das kürzlich erschienene Remaster noch einmal spielen. Weit bin ich leider noch nicht gekommen, da mir ein erneuter Elden Ring Durchlauf in die Quere kam, doch die ersten Stunden haben mir Freude bereitet. Ich kann mich nicht mehr an viel erinnern, aber viele Elemente kommen mir bekannt vor. Das Remaster sieht toll aus und ich freue mich schon noch weiter spielen zu können. Von der Länge her ist es überschaubar und daher kein großer Zeitfresser; ist auch nicht immer selbstverständlich.

Die restlichen Teile von Darksiders habe ich dann nicht mehr gespielt. Den dritten Teil habe ich zwar irgendwann mal getestet, aber da war ich noch unerfahren, was soulslike-Spiele anbelangt. Es geht mehr in diese Richtung, ebenfalls sollen Metroidvania-Elemente ihren Platz finden, was mich damals allerdings abgeschreckt hat. Im dritten Teil übernimmt man die Rolle von Fury. Schließlich erschien noch eine Art Spin-Off (Darksiders Genesis), welches die Vorgeschichte von Krieg, mit seinem Bruder Strife, erzählt. Vielleicht hole ich Teil 3 und Genesis nach, wenn ich mit dem Zweiten durch bin.

Immerhin wurde dieses Jahr ein weiterer Teil angeteasert. Ich würde mich freuen, wenn die Reihe fortgesetzt werden würde. Es wird Zeit, Kriegs Geschichte zu Ende zu bringen. Am besten im klassischen Hack-and-Slay-Format. Ich lasse mich überraschen und bleibe vorsichtig optimistisch.

Das andere Remaster, welches ich zu Beginn des Textes angedeutet habe, ist Soul Reaver. Ein Spiel, an das ich mich nicht mehr aktiv erinnern konnte, bis ich ein paar Bilder sah. Zwar weiß ich nichts mehr über das Spiel, aber der Protagonist und ein paar Gegner kommen mir sehr bekannt vor. Natürlich habe ich es mir vorbestellt und hoffe, es wird gut. Immerhin bekommt man hier gleich zwei Teile spendiert. Wenn ich es gespielt habe, werde ich natürlich davon berichten.

Remaster von Spielen, die man aus der Kindheit kennt und gerne gespielt hat, sind stets ein zweischneidiges Schwert. Soll man wirklich noch einmal einen Blick riskieren und vielleicht die guten Erinnerungen trüben? Was ist, wenn die Geschichte und Dialoge miserabel gealtert sind? Oder man sieht es heute zu sehr durch die rosarote Brille der Nostalgie und es war nie so gut, wie man es sich eingeredet hat. Ich mag es allerdings, Spielen eine zweite Chance zu geben, mich zu begeistern. Darksiders 2 hat es geschafft, und Zelda: A Link to the Past spiele ich seit Jahrzehnten. Sould Reaver steht zumindest schon einmal unter guten Sternen.

Aber natürlich muss man die alten Spiele nicht immer gleich erneut spielen. Manchmal reicht es aus, eine gute Folge des Stay Forever Podcasts über Max Payne zu hören und etwas in Erinnerungen zu schwelgen. So kann man das beruhigt abhaken und zu neuen virtuellen Abenteuern aufbrechen.

Einmal am Tag

Ich bin weiterhin im Aufräumen-Modus. Zwar bin ich in den vergangenen Wochen schon so einiges losgeworden, doch besonders in den vergessenen Schubladen, dunklen Ecken im Schrank und sonstigen guten Versteckmöglichkeiten lässt sich noch so einiges finden. Doch wie geht man am besten weiter vor? Alles nacheinander durchschauen und wieder sehr viel auf einmal ausmisten? Oder doch lieber mehr Zeit lassen und überlegen, was ich wirklich benötige?

Zufälligerweise war genau das auch Thema in der aktuellen Folge des Podcasts Sprechkabine. Zwar höre ich diesen meist nur zum Einschlafen, aber neue Folgen höre ich doch zumindest gerne einmal im wachen Zustand durch. Philipp Seidel hat darin erzählt, wie er seit Monaten jeden Tag ein Ding wegwirft, verschenkt oder verkauft. Denn nur weil man aufräumt und etwas nicht mehr benötigt, heißt das nicht, dass man es gleich wegwerfen muss. So wie ich es beispielsweise mit den ganzen Büchern gemacht habe. Und wenn jemand anderes noch Freude mit etwas hat, das mir ausgedient hat, umso besser.

Jedenfalls ist die Herausforderung, jeden Tag ein Ding loszuwerden. Um dem Ganzen etwas mehr Schwung zu verleihen, habe ich nachträglich mit dem 1. Oktober angefangen und so gleich mal 17 Teile auf einmal entsorgt. Seither mache ich mich einmal am Tag auf die Suche nach etwas, das ich nicht mehr benötige. Das Charmante an diesem Vorgehen ist, dass es alles Mögliche sein kann. Mal wirft man einen Monat nichts anderes als Stifte weg, die sich über die Jahrzehnte angesammelt haben und sowieso nicht mehr funktionieren. Mal sind es Farben zum Bemalen von Warhammer-Figuren, die schon längst eingetrocknet sind (nicht, dass mir so etwas passieren würde).

Schritt für Schritt wird es so weniger und man macht sich vielleicht häufiger Gedanken darüber, welche Gegenstände tatsächlich nützlich sind und welche nicht. Einen Nebeneffekt, den ich mir durch diese kleine Herausforderung ebenfalls erhoffe, ist, dass ich mir bei der Anschaffung von Neuem bewusster entscheide, ob ich das wirklich möchte. Oder ob es etwas ist, das ich sowieso in einem oder zwei Jahren wieder entsorgen möchte – auf welche Art auch immer.

Bewusstere Entscheidungen zu treffen und sich nicht nur durch äußere Einflüsse oder vermeintlichen gesellschaftlichen Druck zu etwas verleiten zu lassen, ist etwas, wovon wir alle etwas profitieren könnten. Social Media, Influencer, YouTube, Werbung und noch so viel mehr versuchen uns zu etwas zu verleiten, wovon sie gar nicht wissen, ob wir es wirklich benötigen. Mal sehen, ob diese Herausforderung etwas dabei hilft, gegenzusteuern. In jedem Fall macht es Freude, sich nach und nach von Dingen zu trennen. Ballast loszuwerden und Platz zu schaffen.

Sex Education – Season 4

Ja, ich bin ein bisschen spät dran. Die vierte Staffel von Sex Education erschien bereits vor über einem Jahr, im September 2023. Aber da ich gerade mal wieder ein Netflix-Abo habe, weil die dritte Staffel von Heartstopper geschaut werden musste, bietet es sich an, ein paar andere Serien nachzuholen.

Ich bin sehr froh, dass es meistens einen kleinen Zusammenschnitt darüber gibt, was bisher geschehen ist, wenn man eine neue Staffel bei Netflix anfängt. Leider ist das nicht bei allen Serien der Fall, aber bei Sex Education war es notwendig. Nach zwei Jahren Pause war ich mir während des Zusammenschnitts zum Teil nicht sicher, ob ich die Staffel davor überhaupt gesehen hatte. Aber langsam kamen die Erinnerungen zurück. So war ich gut eingestellt auf das wahrscheinlich letzte Abenteuer von Otis, Maeve, Eric, Adam, Ruby, Aimee und Co.

Die vierte Staffel umfasst wieder acht Folgen, die jeweils etwa eine Stunde lang sind. Nur die letzte Folge sticht mit knapp eineinhalb Stunden heraus. Ich weiß nicht, ob sie bewusst alle Handlungsstränge in der vierten Staffel beendet haben oder die Chancen auf eine Fortsetzung derart schlecht standen, dass sie keinen anderen Ausweg sahen. Was auch immer passiert ist, diese Staffel ist sehr voll mit alten und neuen Charakteren, Plots, Sub-Plots und Sub-Sub-Plots, dass es mindestens zwei Staffeln hätte füllen können. So bleibt es am Ende leider eine durchwachsene Staffel. Aber alles der Reihe nach.

Bereits die ersten 10 Minuten der ersten Folge fühlen sich anders an. Die Clique kommt für das letzte (?) Schuljahr (ich kenne mich beim englischen Schulsystem nicht aus) auf eine neue Schule. Das Cavendish College ist ein von Studierenden geführtes College und sehr modern. Man bekommt Tablets ausgehändigt, es ist bunt, farbenfroh, scheinbar sehr optimistisch und überaus divers. Es ist ein derartiger Kontrast zur vorherigen Staffel und Location, dass es sich beinahe falsch anfühlt. So als ob die Produzent*innen eine Checkliste für Diversität durchgegangen sind und einfach zu allem Ja gesagt haben.

Nicht falsch verstehen, Sex Education war schon immer mit unterschiedlichsten, auch queeren Charakteren ausgestattet. Aber dadurch, dass es in keiner Großstadt per se spielt, zeigten die Produzent*innen ein gutes Händchen dafür, dass es glaubwürdig bleibt. Von jetzt auf gleich haben sie allerdings einen regenbogenfarbenen Eimer über der Serie ausgeschüttet, der nicht so ganz zu den Staffeln davor passt. Allerdings ist das ein Muster, dieses zu viel von etwas, das sich durch die gesamte Staffel zieht.

Ein Kern der Serie war immer die Sex-Klinik, die Otis für die Studierenden hatte. Dadurch, dass seine Mutter Therapeutin ist und er sich scheinbar für das Thema interessiert, gut zuhören kann und intelligent ist, scheint er ein geborener Therapeut. Auf der neuen Schule gibt es allerdings schon eine solche Therapeutin: O. O hat aber nicht nur diese Klinik, sondern auch noch einen erfolgreichen YouTube-Kanal (sie nennen es nicht YouTube, aber wir wissen alle was gemeint ist). Otis ist davon sehr überrascht. Der ganze Konflikt zwischen den beiden, der sich durch die gesamte Staffel zieht, ist unnötig.

Wenn sich Otis wirklich für seine Freundinnen und die anderen Studierenden interessieren würde, würde er sich dann nicht über gewisse Themen informieren. Würde er nicht für seine Sex-Klinik recherchieren und sich weiterbilden? Ich denke schon. Deshalb scheint es unglaubwürdig, dass er noch nie über ein Video von O gestoßen ist und nichts von ihr weiß. Und dafür, dass er als der große Therapeut dargestellt wird, ist er unheimlich schlecht darin, mit seinen Freundinnen und Mitstudierenden zu reden. Haben wir die Entwicklungen der letzten Staffeln vergessen?

Eric macht eine sehr interessante Entwicklung in dieser Staffel durch. Es geht dabei nicht nur um seine Homosexualität, sondern um Religion, wer seine wirklichen Freunde sind und dergleichen. Ncuti Gatwa ist ein begnadeter Schauspieler und es macht einfach Freude, ihm zuzuschauen. Es ist großartig. Aber auch hier finde ich den Konflikt, der sich in der zweiten Hälfte der Staffel mit Otis, seinem besten Freund seit ihrer Kindheit, unglaubwürdig. Ja, Otis vernachlässigt ihn, nimmt ihn nicht ernst und hört ihm nicht zu, aber eine 5- bis 10-minütige Szene, wo die beiden einfach nur miteinander reden, hätte ausgereicht, um alles zu lösen.

In dem Konflikt geht es unter anderem darum, dass Eric sich von Otis teilweise nicht ernst genommen fühlt. Er fühlt sich von ihm nicht nur wegen seiner sexuellen Orientierung missverstanden oder genauer gesagt, dass er nicht mit ihm darüber reden kann. Genauso hat er das Gefühl, mit ihm nicht über sein Schwarzsein reden zu können und allem, was damit zusammenhängt. Zwar verstehen sie sich am Ende wieder, aber es gibt keine solchen Unterhaltungen. Die Stärke von Sex Education war es stets, nicht vor schwierigen, tiefgründigen Dialogen zurückzuschrecken. Ich hätte gerne den beiden bei solchen Unterhaltungen gelauscht, aber dieses Versprechen löst die Staffel leider nie ein.

Cal macht ebenfalls eine beeindruckende Entwicklung durch. Er kämpft mit seiner Transsexualität, fühlt sich von seiner Mutter nicht verstanden und weiß nicht, wie er mit allem umgehen soll. Auch hier gibt es oberflächlich eine Lösung des Konflikts, aber wirkliche Unterhaltungen und Dialoge gibt es nicht. Genauso bei Jackson und seiner Suche nach dem leiblichen Vater. Zwar gibt es eine Versöhnung mit seinen Müttern, aber es wäre durchaus mehr gegangen.

Diese weiteren Ebenen der Tiefgründigkeit kann die Staffel auch gar nicht erreichen, weil es mit der neuen Schule auch jede Menge neue Charaktere gibt. Diese benötigen ebenso Platz, um sich zu entwickeln. Sie alle kommen mit ihren eigenen Problemen, Herausforderungen und Schwierigkeiten. Es ist einfach zu viel. Ich mag manche der neuen Figuren ganz gerne, aber hätten sie mindestens noch eine Staffel gebraucht, um einen ähnlich wichtigen Standpunkt einzunehmen, wie die alten Charaktere.

So fühlen sich die schönen Momente der neuen Charaktere und deren schlussendlichen Lösungen nicht so aufrichtig und verdient an, wie von den alten. Nehmen wir Adam und Aimee als Beispiel. Adam und seine Familie sind seit Staffel 1 ein Thema. Der emotionslose Vater, der Adam immer unter Druck setzt und unterjocht, Adams Bisexualität und all die Konflikte, die mit der Trennung der Eltern einhergehen. Seine Reise in dieser Staffel fühlt sich authentisch und verdient an, weil wir ihn vier Staffeln lang begleitet haben.

Genauso Aimee. Die unmöglich zu erfüllenden Erwartungen ihrer Mutter, ihr überspielen von traumatischen Erlebnissen, wie dem Übergriff im Bus, sind alles Themen, die immer wieder aufgetaucht sind in den letzten Staffeln. Ihre Beziehung mit Isaac, den wir ebenfalls schon lange kennen, fühlt sich echt an und verdient. Sie hat endlich jemanden gefunden, der sie erst nimmt, ihre quirlige Art versteht und ihr hilft, sich von alten Lasten zu befreien. Adam und Aimee, gemeinsam mit Eric, sind die Höhepunkte der Staffel.

Ein weiterer Höhepunkt, den ich nicht unerwähnt lassen will, war für mich persönlich der Auftritt von Hanna Gatsby als Leiterin eines Radiosenders. Otis Mutter Jean fängt früh nach der Geburt ihrer Tochter dort zu arbeiten an. Ihre Klinik hat sie nicht mehr und der Sender sucht jemanden für eine Sex-Talkshow, wo Leute mit ihren Problemen anrufen können und echte Hilfe bekommen. Es sind schöne Szenen, und Jeans Kampf mit postnataler Depression ist auf vielen Ebenen beeindruckend.

Leider wird aber auch hier zu viel Zeit mit einem neuen Charakter verschwendet, den es nicht gebraucht hätte: Jeans Schwester. Hätte man sich hier auf Hanna Gatsbys Charakter fokussiert und hier eine Freundschaft entstehen lassen, wäre es um einiges besser gewesen. Außerdem ist der Vater, der lange Zeit nicht erwähnt wird, alles andere als eine gute Auflösung. Mit Jakob hatte man in den Staffeln davor einen wunderbaren Charakter eingeführt und entwickelt. Warum man diesen nicht weiter aufgebaut hat, verstehe ich nicht. Stattdessen wird viel Zeit mit der Schwester vergeudet, mit der man in der kurzen Zeit gar keine Verbindung aufbauen kann.

So bleibt diese Staffel mit gemischten Eindrücken zurück. Die vierte Staffel von Sex Education wirkt fremd, weil sich zu viel auf einmal ändert. Die Autor*innen sind mit einem sehr breiten Pinsel drüber gegangen. Dabei hätte eine letzte Staffel von sehr viel feineren Justierungen besser profitieren können. Die alten Charaktere zu sehen, wie sie ihre Probleme angehen und miteinander agieren sind die besten Momente der acht Folgen. Die neuen Charaktere, ihre Schule und die Probleme, die sie mitnehmen, hätte es nicht gebraucht. Zumindest nicht in diesem Ausmaß. Trotzdem bleibt Sex Education eine klare Empfehlung.

Besonders in den ersten drei Staffeln geht die Serie wichtige Themen an, die man sonst nicht auf diese direkte Art besprochen sieht. Die Schauspieler*innen sind großartig, allen voran natürlich Gillian Anderson, und man fiebert stets mit ihnen mit. Schade, dass die finale Landung nicht ganz gelingt, aber was sie davor aufgebaut haben, bleibt dennoch bestehen.