Power Rangers Deluxe

Wer in den 90ern aufgewachsen ist, ist nicht an den bunten Martial Arts Kämpfern mit ihren Megazords vorbeigekommen. Ich habe die Power Rangers geliebt und besaß sogar ein paar Actionfiguren – sowohl Rangers als auch Zords. Perfekte Unterhaltung für Kinder, in der es um Freundschaft ging, Zusammenhalt, wie man als Team gegen das Böse antritt und natürlich jede Menge cooler Action. Rita Repulsa und all ihre Verbündeten hatten keine Chance. Es war fantastisch.

Wenn man sich heute die Sendungen ansieht, hat man vielleicht ein etwas anderes Bild der Serie. Natürlich war es auf die billigste Art gemacht. Die amerikanische Interpretation der Serie musste die Actioneinlagen des Originals verwenden und eine Geschichte darum herumerzählen. Es war sicher nicht einfach, aber hat jede Menge Freude bereitet. Auf YouTube sind sämtliche Serien seither, die den Originalen Mighty Morphin Power Rangers gefolgt sind, abrufbar. Zur Verfügung gestellt vom offiziellen Power Rangers Account. Vielleicht werde ich mal einen Blick reinwerfen, doch aktuell begeistern mich die Comics – wieder einmal.

Vor kurzem gab es ein HumbleBundle in dem sämtliche verfügbaren Deluxe Editionen der Power Rangers Comics enthalten sind. Inklusive der darauffolgenden einzelnen Comics und dergleichen, damit man die letzten acht Jahre an Geschichten nachholen kann. Boom!Studios hat sich die Lizenz für Power Rangers geholt und erzählt seit 2016 eine fortlaufende Geschichte. Lange Zeit habe ich diese monatlich verfolgt, später dann nicht mehr ganz so regelmäßig, bis ich schließlich gar nicht mehr mitlas.

Doch das Bundle hat nicht nur mein Interesse an diesen Power Rangers Comics erneut entfacht, sondern meine Freude an Comics generell wieder geweckt. Es ist ein fantastisches Medium, das die besten Geschichten erzählt und in dem so viel kreatives Potenzial steckt, das die Autorinnen und Künstlerinnen jeden Monat aufs neue auskosten. Bundles erlauben es, jede Menge Indie-Comics auf einfache Weise zu beschaffen und sich einen thematischen Überblick zu verschaffen. Marvel und DC haben eine eigene App, aber daran habe ich aktuell kein Interesse.

Ich mag es, mich auf ein paar wenige, dafür größere Geschichten zu beschränken. Dafür allerdings voll und ganz in diese Welt einzutauchen, bevor ich mir die nächste anschaue. Zumindest ist das aktuell mein Vorgehen. Die Geschichten aus den ersten Deluxe Editionen der Power Rangers kenne ich zwar schon, es ist jedoch bereits wieder lange Zeit her, seit ich das letzte Mal einen Blick reingeworfen habe.

Von der ersten Seite an war ich wieder voll dabei und habe mich wohl in dieser tollen Welt gefühlt. Kyle Higgins, der den Startschuss für die neue Iteration an Power Rangers Comics gab und lange Zeit federführend für deren Geschichten war, legt den Fokus stets auf die Beziehung zwischen den Freunden. Außerdem erzählt er nicht nur Monster-of-the-week-Geschichten, sondern setzt die Abenteuer der Power Rangers immer weiter fort. Er spinnt einen Mythos, der seinesgleichen sucht.

Was mir ebenso gefällt, ist der Anfang. Als Leser*in wird man förmlich in die Geschichte hineingeworfen. Sie beginnt, als Tommy (der grüne Ranger) dem Bann Ritas entkommt und neu zur Gruppe hinzustößt. Es geht um Vertrauen, ob man in der Lage ist, sich weiterzuentwickeln und bereit, sich anderen Menschen zu öffnen. Ihnen die Chance gibt, einen zu überraschen. Es sind tolle Geschichten und es ist ein fantastischer Zeichenstil, der perfekt zu den Power Ranger passt. Die ruhigen Momente funktionieren genauso gut wie die Action-Sequenzen. Ein rundum gelungenes Gesamtpaket.

Ich weiß nicht, wie viele einzelne Comics in dem Bundle enthalten sind, aber ein paar Hundert könnten es schon sein. Es wartet also noch genügend Lesestoff auf mich und ich bin gespannt, wo die Reise hingehen wird. Boom!Studios, mit den verschiedenen Autorinnen und Künstlerinnen haben es geschafft, die Power Rangers zu modernisieren und die Geschichten zu vertiefen, ohne den Kern, das Herz der Figuren zu verlieren. So wird der nostalgische Blick auf die Power Rangers aufgenommen und für Erwachsene zugänglich. Doch ist es egal, wie alt man ist, oder ob man als Kind die Serien geschaut hat; die Geschichten funktionieren einfach, weil sie gut erzählt sind, sich auf die Charaktere konzentrieren.

Pizza, Brötchen und Kuchen

Ich weiß gar nicht mehr, welchen Kuchen ich vergangenes Jahr zu meinem Geburtstag gebacken habe. Ein Vorteil eines täglichen Blogs, wenn ich dieses nächstes Jahr genauso konsequent weiterführe, ist, dass ich dann einfach nachsehen kann. Die eigene Vergangenheit wird zu einem gewissen Grad durchsuchbar. Man kann Dinge Revue passieren lassen und Veränderungen feststellen.

Das merke ich besonders an dem Fünf-Jahres-Journal, das ich nun das vierte Jahr führe. Darin schreibt man jeden Tag ein paar Worte rein. Wie es einem geht, was man gemacht hat, einfach wozu man Lust hat, dass es notiert ist. Die jährlichen Einträge stehen immer direkt übereinander. So lässt sich leicht nachlesen, was man vor einem oder vor drei Jahren an diesem Tag gemacht hat. Eine schöne Idee, wie ich finde. Zwar lese ich natürlich nicht immer, was in den Jahren davor passiert ist, aber gelegentlich zu schmökern bringt Interessantes hervor.

Jedenfalls habe ich mich für dieses Jahr entschieden, einen Obstkuchen zu machen – Fotos gibt es weiter unten. Zunächst wollte ich ihn klassisch zubereiten. Sprich, in einer entsprechenden Form, die am Rand etwas höher und schön rund ist. Doch das schien mir etwas arg wenig, deshalb wurde es dann doch ein ganzes Blech. Als Teig dient eine leichte Sandmasse. Das Rezept ist aus einem Kochbuch der Eltern, das zwei Jahre älter ist als ich – also 37 Jahre. Darauf dann etwas selbstgemachte Pfirsichmarmelade als Puffer, zwischen Teig und Obst. Auf das unterschiedliche Obst kam schließlich noch ein Pudding-Belag.

Aber natürlich ist ein einfacher Kuchen zu wenig, da muss schon noch etwas Spezielles her. Oder zumindest etwas, bei dem man in melancholischen Erinnerungen schwelgen kann. Aus meiner Kindheit und den vielen Geburtstagen (nicht nur den eigenen), die man gemeinsam mit Familie und Freunden gefeiert hat, sticht ein Essen immer wieder hervor. Es ist etwas Einfaches; simpel zuzubereiten und schnell gemacht; skalierbar und so für eine große Varianz an Gästen verfügbar. Nicht unbedingt vegetarisch, aber man kennt ja die Leute, die an diesem Tag vorbeikommen – meistens zumindest. Die Rede ist natürlich von klassischen Pizzabrötchen.

Auf der Suche nach einem Rezept ist mir erst bewusst geworden, wie viele verschiedene Varianten es davon eigentlich gibt. Ich mag am liebsten die Variante mit Schinken, Zwiebeln, Eiern, Sauerrahm, Creme-Frech und etwas Kräutern. Nach Belieben noch etwas verfeinern oder auch mit Champignons erweitern. Auf Toastbrot geschmiert und rein in den Ofen. Perfekt als Snack bzw. kleines Mittagessen, bevor man sich über den Kuchen hermacht. So lässt sich ein Geburtstag schön feiern.

Fiction | God is in the rain

Schön, dass mein Geburtstag dieses Jahr auf einen Donnerstag fällt. Der Tag der Woche, an dem ich alte Texte von mir ausgrabe und vorstelle. Heute ist allerdings kein Blogbeitrag an der Reihe, sondern mal wieder eine Kurzgeschichte. Zwar hatte ich mir im Dezember, als ich die letzte Kurzgeschichte veröffentlicht habe, vorgenommen, mehr in diese Richtung zu Schreiben, doch fehlte es mir etwas an Inspiration. Deshalb freut es mich umso mehr, erneut eine Kurzgeschichte zu präsentieren.

Sie trägt den ominösen Titel »God is in the rain« und ich habe sie vor vielen Jahren im Rahmen eines VHS-Kurses zum Thema kreatives Schreiben verfasst. Zwar würde ich mich als etwas zwischen Atheist und Agnostiker bezeichnen, doch manche Fragen scheinen universell zu sein. Die Geschichte ist ein Philosophieren und Nachdenken, das ich diesem namenlosen Charakter auferlegt habe, das so manchen innewohnt. Besonders an melancholischen Herbstabenden, mit einer Tasse Tee in der Hand und einer Tastatur unter den Fingern.

Die Idee für diese Geschichte oder der spezifische Ausdruck »God is in the rain« kommt in diesem Fall vom Film V wie Vendetta, als die Protagonistin Evey nach ihrer Gefangenschaft und Folter das erste Mal an nach draußen kommt und es anfängt zu regnen. Ich wollte versuchen, dieses Gefühl einzufangen und weiter herunterzubrechen. Ob es mir gelungen ist, entscheiden Sie, liebe Leser*innen.


God is in the rain

von Christoph Staffl

Der Regen prasselt auf die viel beschäftigte Straße. Erst schwach und kaum wahrnehmbar, wie der Beginn eines klassischen Konzertes, wenn nur wenige Instrumente spielen. Dann immer stärker steigert sich die Szene, nähert sich dem Crescendo. Es beginnen sich Pfützen zu bilden. Menschen ohne Regenschirm suchen hektisch nach Unterschlupf. Warum fürchtet ihr den Regen und das, was er offenbart? Anderen macht diese nasse Überraschung nichts aus und gehen einfach weiter ihres Weges – unbeirrt, beinahe stur, doch entschlossen. Wie eine Hyäne, die ihre Beute ausspäht, sich ihr nähert und nicht durch einen Vogel ablenken lässt. Kinder spielen mit den neu entstandenen Pfützen, springen hinein, sehr zum Ärgernis ihrer Eltern, die zu Hause nun die Kleidung waschen müssen. Autos und Busse fahren die enge Straße entlang, spritzen Wasser auf die Fußgänger am Bürgersteig. Nichts bleibt so vor dem Regen sicher. Alles berührt und verändert er. Etwas Magisches wohnt ihm inne.

Die reinigende Kraft des Regens ist unbeirrbar. Sie ist eine Naturkonstante, gleich der Schwerkraft. Wie eine Gottheit, die sich nur durch den Regen in die Welt begeben kann und den Menschen versichert, dass sie da ist, über uns wacht, uns den Weg zeigt, uns begleitet und Leben spendet.

Gott ist im Regen.

Es war ein guter Tag. Die Tasse ist halb voll, jetzt wäscht der Regen die Münzen sauber. Trotzdem bleibe ich sitzen. Ein Hut mit Krempe schützt mich vor dem Regen. Ein Poncho, den ich kurzerhand übergeworfen habe, schützt den Rest meines Körpers, hält den Boden halbwegs trocken. Ich bleibe sitzen. Wer weiß, was noch so passieren mag, an meiner Ecke der Straße. Kein Schild ziert meinen Platz, kein offensichtliches Gebrechen peinigt meinen Körper, kein Anzeichen, warum ein junger Mensch wie ich hier sitzt, eine Tasse in seiner Hand und wortlos die Menschen um Hilfe bittet.

Doch ist das Warum wirklich so faszinierend? Ich schaue den Menschen lieber in die Augen, wenn sie vorbeigehen. So wie Gott im Regen ist, sitzt die Seele eines Menschen in seinen Augen. Katzen wissen das. Deshalb fühlt man sich auch so verletzlich, wenn einem eine Katze lange und tief in die Augen blickt. Sie urteilt über die Seele. Wägt sie ab, wie in der ägyptischen Mythologie scheinen sie die Seele gegen eine einzelne Feder abzuwiegen und zu prüfen – ihren Wert festzustellen. Die Augen eines Menschen sind das Tor zu seiner Seele, für jeden ersichtlich, der sie zu lesen weiß.

Und wenn Menschen nun zu hunderten jeden Tag an mir vorbeigehen, dann blicke ich ihnen in die Augen, lerne sie kennen, ihre Seelen, ihre Natur, ihre Verletzlichkeit. Viele fürchten diese offen zur Schau gestellte Blöße. Sie blicken schnell zur Seite oder blicken stur geradeaus. Sie sind die schlimmsten. Nicht für mich, aber für sich selbst. Ich habe Mitleid mit ihnen. Hassen sie sich selbst so sehr, dass sie einen Menschen, der so viele Schichten unter ihnen ist, nicht einmal eines Blickes würdigen können?

Doch es gibt auch andere. Diejenigen, die einem Respekt zollen. Ein kurzer Blick in die Augen hier, ein kurzes Nicken da. Sie nehmen mich und mein scheinbares Leid zur Kenntnis. Nehmen zur Kenntnis, dass ich hier sitze und warte. Es sind gütige Augen, mitleidvolle Augen, Augen, die Angst davor haben, zu enden wie ich. Auf der Straße, der Natur ausgeliefert, Gott ausgeliefert und die Seele für jeden offenzulegen, der sie beurteilen möchte. Eine Verletzlichkeit, die nicht viele ertragen. Mit den Jahren werden die Menschen entweder zu jenen gütigen, nachsichtigen Wesen, die ein paar Geldstücke erübrigen können oder zu denjenigen, die sich für zu gut halten, um den Blick überhaupt zu senken. Ich habe Hoffnung für sie. Hoffnung für sie alle.

Diejenigen, die dann doch ein paar Geldstücke übrig haben, um sie einem wildfremden Menschen in die Blechtasse zu legen, mögen im Inneren vielerlei Gründe dafür haben. Doch ich sehe nur zwei. Aus der Güte ihres Herzens, um einem anderen zu helfen. Oder aus Scham und aus einem irrwitzigen Schuldgefühl heraus. Die zweite Kategorie ist geschwind in ihren Bewegungen, wie Taschendiebe in einer Menge von Menschen. Sie wollen nicht gesehen werden, wie sie etwas geben. Scham ist ein mächtiger Motivator, beinahe so effektiv wie Hass.

So sitze ich hier, im beginnenden Regen, Menschen beobachtend und wartend. Jeden Tag. Andere sitzen in ihren Büros, sind gehetzt und warten auf das Ende eines Arbeitstages. Wieder andere sitzen nahe dem Ausgang eines Supermarktes, der sie zu verspotten scheint, werden sie ihn doch nie wirklich erreichen. Sitzen nur da, um eine nie enden wollende Flut an Produkten über einen Scanner zu ziehen.

Ich sitze hier, in Ruhe, im Reinen mit mir selbst und warte ebenso. Wir alle warten auf etwas. Doch was ist dieses Etwas? Wenn es so regnet wie jetzt, die Sonne am Horizont verschwindet, der Verkehr weniger wird und die Menschen es nach Hause treibt, dann kann man dieses Etwas beinahe hören. Es liegt in den Tropfen, die auf Dachrinnen landen und dann durch ein Rohr auf die Straße plätschern. Es liegt in den Bächen, die sich bilden und sich einen Weg durch die Straße suchen. Es liegt im Zauber des Regens, der die Menschen ausweichen macht, als handele es sich um etwas Ätzendes. Dabei scheint es so, als würde man am Ende dieser einzelnen Zweige aus Wasser den Sinn des Lebens finden.

Ich sehe diesen Rinnsalen gerne nach, genauso voller Neugier, wie ich in die Augen eines Menschen blicke und auf Erkenntnis hoffe. Ein Erwachen, einen Blick in Gottes Seele, der mir den Sinn des Lebens offenbart. Manchmal, an einem Abend wie heute, denke ich, dass ich kurz davor bin, etwas in ihnen zu entdecken. Die Muster, die sie über die Straßen ziehen, die Wege, die sie durch die Stadt nehmen. Ein großes Ganzes, wie die Muster und Nebel der Millionen an Galaxien. Kann das alles Zufall sein?

Das Einzige, was ich sehe, sind – nasse blaue Sportschuhe?

Ich war so in Gedanken, ich merkte gar nicht, dass die Tasse zu Boden gefallen war. Mein Gesicht war dem kalten Boden nun ganz nah. Ich beginne zu zittern, ob der Erkenntnis, dass die Kälte inzwischen auch meinen Körper erreicht hat. Und blicke auf diese blauen nassen Schuhe. Die Person kniet vor mir, ich setze mich auf. Blaue nasse Jeans kleiden die schlanken Beine. Die Jacke, zuvor mag sie grau gewesen sein, scheint nun schwer und schwarz. Ich sehe der Person ins Gesicht. Es sind gütige Augen, die darin zu Hause sind. Die Seele dieses Menschen sieht mich, erkennt mich und ich sehe und erkenne die Seele dieses Menschen. Die Tasse wird mir entgegengestreckt. Die Münzen sind nun wieder darin verstaut. Ich greife nach der Tasse. Unsere Finger treffen sich, wie sich unsere Augen getroffen haben. Und alles ändert sich.

Gott ist im Regen.

Ringe an die Macht

Fast zwei Jahre mussten wir auf eine Fortsetzung von Die Ringe der Macht auf Amazon Prime Video warten. Eigentlich hatte ich mir gedacht, ich schaue die erste Staffel noch einmal an, um das löchrige Gedächtnis wieder etwas aufzufüllen, doch das habe ich leider nie geschafft. Zum Glück gibt es vor der ersten Episode einen kleinen Zusammenschnitt von dem, was so alles passiert ist. Doch der ist bedauerlicherweise nicht besonders gut gelungen. Es sind eher Eindrücke und wirkt schon fast Trailer-haft, als eine echte Zusammenfassung der Geschehnisse zu sein. Hier hätte durchaus etwas mehr Liebe zum Detail sein dürfen. Am Budget hat es ja wohl nicht gelegen.

Ich beziehe mich im Folgenden auf die ersten drei Episoden, die initial veröffentlicht wurden. Die vierte erscheint, zum Zeitpunkt des Schreibens dieses Textes, erst in ein paar Tagen. Grundsätzlich bin ich von diesen drei Episoden sehr angetan gewesen. Sie scheinen weiterhin das Konzept zu verfolgen, dass sich jede auf ein Kernthema beschränkt. Seien es die Menschen in Númenor, die Zwerge in Khazad-dûm oder die Elben und ihre internen Streitigkeiten. Doch die meisten kommen in jeder Episode vor, nur verschiebt sich der Fokus stets etwas.

Ich mag dieses Vorgehen sehr gerne, da es alle Handlungsstränge vorantreibt, aber nicht zu viele Sprünge sind. Die Erzählung ist nicht zu dicht gepackt. Die Szenen können etwas atmen. Was natürlich auch an den Längen der Episoden liegt, die alle bisher über eine Stunde lang sind.

Kommen wir aber nun zur entscheidenden Frage: Ist die zweite Staffel gut oder schlecht? Ich würde sagen, weder noch. Es scheint mittlerweile leider ein Sport geworden zu sein, Verrisse zu Serien zu machen. Sei mal dahingestellt, ob die Serie es verdient hat oder nicht, finde ich es problematisch, so eine Sichtweise zu vertreten. Natürlich reicht die Qualität von Die Ringe der Macht nicht an Lord of the Rings heran. Die ursprüngliche Trilogie spielt in Sphären, von denen Ringe der Macht nur träumen kann. Aber es ist keine schlechte Serie.

Die Erzählung der Zwerge ist weiterhin mein Favorit. Das liegt den spannenden Macht-Dynamiken, aber vor allem an Prinz Durin IV und seiner Frau Disa. Die beiden haben eine tolle Chemie miteinander und die Schauspieler*innen machen einen bravourösen Job. Auch die Mythologie der Zwerge, ihre Beziehung zum Stein und zum Berg faszinieren mich.

Gleich danach kommen aber auch schon die Elben, die mit Sicherheit einen Großteil der Erzählung einnehmen. Galadriel finde ich weiterhin einen tollen Charakter. Sie ist getrieben von ihrem Fehler, Sauron vertraut zu haben und ihm den Weg nach Mordor und zu den ersten drei Ringen verholfen zu haben. Das ist natürlich ein stetiger Konflikt mit dem bedachteren Vorgehen von Gil-Galad. Nur Elronds Sturheit und Verbissenheit Galadriel gegenüber kann ich nicht ganz nachvollziehen. Statt zu helfen, schleift er lieber beleidigt an einem Schiff. Da habe ich ein anderes Bild von ihm im Kopf.

Allerdings muss man immer bedenken, dass ein paar tausend Jahre zwischen den Ereignissen in Ringe der Macht und Lord of the Rings liegen. Da kann man den Figuren etwas Entwicklung zugestehen. Viele scheinen das in ihren Kritiken nicht zu bedenken. Natürlich ist Galadriel anders in der Serie als in den Filmen. Die Zeit ist eine andere, sie ist eine andere Person. Wenn man in diesen Zeitdimensionen denkt, prägen etliche Ereignisse die Charaktere und verändern sie sicherlich tiefgreifend.

Am wenigsten nachvollziehen kann ich tatsächlich die politischen Intrigen und Macht-Spielchen in Númenor. Für mich ist nicht klar, wer was warum will und warum, wer jemanden nicht ausstehen kann. Auch die Symbolik ist nicht immer transparent. In der dritten Folge spielt beispielsweise ein Adler eine wichtige Rolle, aber nicht die, die ich erwartet hatte. Es wirkt sehr beliebig. Aber immerhin ist die Kulisse schön. Außerdem mag ich die Erzählung um Isildur und seine Abenteuer. Sie sind interessant und spannend gestaltet.

Ansonsten mag ich noch kein finales Urteilen fällen, das hebe ich mir für das Ende der Staffel auf. Was man noch sagen kann, ist, dass Sauron eine kleine Drama-Queen ist und auf große Auftritte steht. Etwas cringe (um dieses Wort auch einmal in einem Text verwendet zu haben) war allerdings sein erstes Auftreten als Annatar (Lord of Gifts) vor dem Schmied Celebrimbor. Die Autor*innen wollten scheinbar unbedingt die Phrasen Rings of Power und Lord of the Rings unterbringen. Kann man machen, wirft mich allerdings aus der Immersion. Aber die Manipulation von Celebrimbor ist durchaus nachvollziehbar. Allerdings ist das Schmieden der Ringe für die Zwerge zügig vonstatten gegangen. Ich bin jedoch ganz froh, dass sie es nicht unnötig in die Länge ziehen, sondern die Handlung vorantreiben.

Bisher bin ich von Die Ringe der Macht angetan und schaue die Serie wieder sehr gerne. Sie könnte aber noch besser sein und geschliffener. Es wirkt nicht immer zu 100 % stringent und ich bin mir nicht sicher, ob sie wissen, wo sie mit der Númenor-Geschichte hinwollen. Für ein Budget, wie es scheinbar diese Serie hat, kann man durchaus mehr verlangen. Aber grundsätzlich ein gelungener Auftakt.

Mittelalter Diorama

Vor ein paar Wochen bin ich mit meinem Mittelalter-Diorama fertig geworden. Dazu habe ich immer wieder kleinere Sets aufgebaut, die ich bereits vorgestellt habe. Jedoch wollte ich nicht allzu viele Klemmbaustein-Blogposts hintereinander posten, deshalb habe ich für derlei Updates den Dienstag auserkoren.

Jedenfalls ist das Diorama fertig und macht sich recht gut neben der Burg Blaustein. Jetzt sieht es nicht mehr nur so aus, als wären zufällige Sets lieblos nebeneinander gestellt worden, sondern es ergibt ein abgerundetes Bild. Ich habe darauf geachtet, Technik-Bricks als Rahmen zu verwenden, so kann man das Diorama eventuell noch erweitern. Zerlegen nicht, dafür habe ich oben zu viele Schichten an Plates übereinander gestapelt.

Anfangs wollte ich noch mehr Sets unterbringen. Zumindest was die Gebäude anbelangt. Es gibt von BlueBrixx zahlreiche tolle, mittelalterliche Gebäude und jedes ist anders zu bauen und mit viel Liebe zum Detail gestaltet. Aber schlussendlich bin ich mit der Entscheidung, es beim Wohnturm zu belassen, ganz zufrieden. Es handelt sich quasi um ein abgelegenes Stück Grund, mehr oder weniger in der Natur, wo sich die Bewohner um ihre Tiere kümmern. Nach und nach erschließen sie die Natur um sich herum und wollen ihren Kühen, Hühnern, Pferden, Schweinen, Hasen und so weiter ein gutes Leben bescheren. Natürlich drohen in der Natur auch gewisse Gefahren, die ich ebenfalls eingebaut habe.

Mir gefällt an dem Diorama, dass es sehr dicht bebaut ist. Dadurch gibt es immer wieder etwas zu entdecken. Ich habe ein paar MOCs und dergleichen gegoogelt oder was andere Klemmbaustein-Enthusiasten mit ihren Burg Blausteins so anfangen. Es ist wirklich beeindruckend, mit welcher Leidenschaft manche für dieses Thema brennen und was sie dabei erschaffen. Klemmbausteine sind genauso ein Modellbau-Hobby wie Warhammer-Figuren bemalen oder andere. Es unterscheiden sich nur die Materialien, mit denen man baut. Es ist entspannend und man kann der eigenen Kreativität freien Lauf lassen.

Immerhin erschafft man diese Welt für sich. Es gibt kein Richtig oder Falsch. So, wie man es macht, ist es korrekt. Es sollte nur Freude bereiten und nicht zu einer Belastung werden. Deshalb mag ich es auch in verschiedenen Hobbys zu Hause zu sein und mich immer wieder auszuprobieren. Dieses Diorama war mir schon länger ein Anliegen und ich bin froh, es geschaffen und beendet zu haben. Als nächstes Projekt steht die Münzturm-Erweiterung der Burg Blaustein an. Mal sehen, vielleicht ist sie sogar schon erschienen, wenn dieser Text veröffentlicht wird.

Verkaufsstrategie

Mit der Zeit häufen sich so einige Gegenstände in der Wohnung an. Seien es Bücher, DVDs, Blu-Rays, Spiele oder andere Staubfänger. Auch elektronische Geräte, die man nicht mehr benötigt, sammeln sich über die Jahre an. Kram, der eigentlich nur mehr herumsteht, als wirklich noch Freude zu machen. Deshalb entledige ich mich gerne ein- oder zweimal im Jahr genau dieser Dinge.

Es gibt diverse Webseiten und Services, die man dafür beanspruchen kann. Sei es Rebuy oder Momox, bei denen man beispielsweise den Barcode eines Buches scannt und schon ist es im zu-verkaufen-Warenkorb. Ich bediene mich ebenso gerne Willhaben, um Dinge loszuwerden. Besonders wenn mir der Ertrag der zuvor genannten Dienste etwas zu gering ist.

Das ist der Vorteil, aber auch der Nachteil an diesen Diensten. Es ist kommod und einfach, die Sachen zu scannen und zu verkaufen. Man druckt das fertige Versandlabel aus, packt die Sachen ordentlich ein und weg sind sie. Doch dafür bekommt man vielleicht etwas weniger Geld, als man sich erhofft hatte. Ein Kompromiss, den ich bei manchen Sachen gerne eingehe. Denn wenn etwas schon länger bei mir herumsteht und seinen Dienst getan hat, freue ich mich, wenn jemand anderes mehr damit anfangen kann. Wenn ich dann noch etwas Geld bekomme, umso besser.

Ähnlich ist es bei Willhaben. Ich schaue zuerst nach, was andere für einen ähnlichen oder gleichen Artikel verlangen und gehe meist etwas günstiger in den Markt, wenn man so will. Zwar bekomme ich dann etwas weniger, dafür verkauft es sich schneller und ich bin es los. Manches steht dann natürlich trotzdem länger bei mir herum, wie zwei Klemmbaustein-Schiffe von Cobi. Zwei tolle Objekte, die aber scheinbar keiner möchte. Aber Klemmbausteine sind auf Willhaben allgemein schlechter zu verkaufen. Da muss man schon Glück haben und den oder die Richtige finden.

Aber so ist es eben. Man braucht Geduld und muss sich etwas mit der Thematik befassen. Aber irgendwann wird es klappen. Im Zweifel verschenkt man es. Wie gesagt, wenn jemand Freude an etwas hat, das mir zwar gut gedient hat, das ich aber nicht mehr benötige, freut es mich ebenfalls. So haben alle etwas davon.

Nacht ohne Morgen

Seit einiger Zeit habe ich den Newsletter von Löwenherz abonniert. Einer Buchhandlung in Wien, für Schwule und Lesben, wie sie auf ihrer Webseite schreiben. Sie empfehlen verschiedenste Bücher zu queeren Themen und ich blättere gerne im Sortiment und lasse mich für mein nächstes Lese-Abenteuer inspirieren. So bin ich auf das Buch Nacht ohne Morgen von Benoit d`Halluin gestoßen.

Es ist eine Geschichte, die von zwei Leben erzählt. Zwei Leben, die in Frankreich beginnen und deren Schicksal schließlich nach New York führt. Alexis wird von einem unbekannten auf einer Brücke angefahren und liegt im Koma. Er ist bei seiner Familie in Frankreich nicht geoutet. Sein Freund, Marc, verständigt seine Mutter. Sie kennen sich nicht. Doch im Laufe der Nach ohne Morgen müssen sie einander vertrauen.

Ich hatte zuerst die Befürchtung, dass es ein sehr schweres Buch wird. Vollgestopft mit Klischees oder zu viele ach so tragische Dialoge. Aber so ist das Buch in keinem Fall. Die Leben von Marc und Alexis werden abschnittsweise erzählt. Drei Zeitlinien wechseln sich in einem tänzelnden Tempo geschickt ab. Das, was aktuell mit Alexis passiert und sich zwischen seiner Mutter und Marc abspielt. Das Leben von Alexis und das Leben von Marc, die an unterschiedlichen Orten und zu verschiedenen Zeiten beginnen. Sich getrennt voneinander entwickeln, sie aber doch irgendwann zusammenführt.

Die Leichtigkeit, mit der der Autor Benoit d`Halluin es schafft, diese Zeitlinien abzuwechseln und jede mit ihrer eigenen Atmosphäre aufzuladen, ist erstaunlich. Es ist wahrlich kein einfaches Buch, doch die Grundstimmung, die immer wieder aufkommt, ist lebensbejahend. Voller Hoffnung und Abenteuerlust, Entdeckerdrang und dem Wunsch, es heute ein Stück besser zu machen als gestern. Besonders die ersten zwei Drittel des Buches, in denen das Erzähltempo sich schier zu überschlagen droht, doch man nie verloren ist, sind bemerkenswert.

Mit der Zeit nimmt das Tempo aber etwas ab und die Charaktere können immer mehr atmen und mehr von sich preisgeben. Hier habe ich dann gemerkt, wie fantastisch die Charaktere ausgearbeitet sind. Sie wirken echt, weil sie fehlbar sind. Ihre Entwicklung ist keine gerade Linie. Sie stolpern, fallen zurück in alte Muster, hadern, kämpfen, scheitern. Doch stets mit dem Drang es besser zu machen. Besser zu machen für den anderen Menschen in ihrem Leben, der ihnen so viel bedeutet.

Ebenso geschickt erzählt ist die Entwicklung zwischen Marc und Alexis Mutter Catherine. Sie haben sich noch nie gesehen. Kennen sich nicht. Die Familie weiß nicht einmal, dass Alexis schwul ist, geschweige denn eine Beziehung hat. Je mehr Einblicke sie bekommt, desto mehr merkt sie, wie fremd ihr eigener Sohn ihr geworden ist. An diesen Stellen habe ich die Einblicke in die Gedankengänge der Charaktere besonders geschätzt. Von voreiligen Schlüssen, die durch neue Entdeckungen revidiert werden müssen. Von Vorurteilen und Vorwürfen, die sich ob der eigenen Fehler, die man begangen hat, wieder in Luft auflösen.

Nacht ohne Morgen ist ein tolles Buch, das ich kaum aus der Hand legen konnte. Es feiert das Leben, das Entdecken und die Freude an den kleinen alltäglichen Dingen, die man für selbstverständlich nimmt. Doch das heißt nicht, dass es immer einfach ist, unbeschwert oder keine Herausforderungen hätte. Es feiert das Leben, gerade weil wir schwierige Zeiten durchleben, die stärker machen und von denen wir uns nicht unterkriegen lassen dürfen.

Ein Pfau im Auge

Letztens als ich es mir auf der Terrasse im Garten gemütlich machte, schwirrten überraschend viele Schmetterlinge an einem Strauch herum. Ich finde es immer wieder faszinierend, Insekten bei ihrem täglichen Treiben zuzusehen. Welche Verhaltensweisen sie haben und wie sie dabei vorgehen, Nahrung zu sammeln. Die Schmetterlinge waren sehr aktiv und sind um die Blüten herumgekrochen, als gäbe es keinen Morgen. Das war natürlich die perfekte Gelegenheit, ein paar hübsche Bilder von diesen faszinierenden Kreaturen zu machen.

Den Geist beruhigen

Die Krautreporter haben letztens einen Artikel veröffentlicht, der sich mit den Auswirkungen von Hitze beschäftigt. Dabei ging es sowohl um die physischen Auswirkungen, als auch darum, wie sich das alles auf unsere Psyche niederschlägt. Manche stecken das besser weg, andere vielleicht nicht so gut. Wie so vieles ist es individuell zu betrachten.

Aus den Beobachtungen der vergangenen Wochen habe ich mich in den Schilderungen durchaus wiedererkannt. Vor allem die Temperaturschwankungen, die es aktuell jeden Tag gibt, empfinde ich als mühsam. In der Früh hat es 12 bis 15 Grad, am Nachmittag 30. Dazu eine hohe Luftfeuchtigkeit. Das setzt zu. Macht alles anstrengender. Der Körper ist gestresster.

Aber jede*r hat eigene Methoden, mit Belastungen umzugehen. Was ich mir immer wieder vornehme und versuche zu machen, ist, von meinen Gewohnheiten abzuweichen. Die Versuchung, es sich einfach nur auf der Couch gemütlich zu machen und YouTube zu schauen oder ein Spiel anzuwerfen, ist sicherlich groß. Doch funktioniert das wirklich? Diese Dauerbeschallung von mehr oder weniger sinnvollen Inhalten? Oder hilft es am Ende gar nicht und man fühlt sich nur noch zermürbter.

Deshalb habe ich angefangen, wieder öfter am Abend zu lesen, statt etwas anzusehen. Bücher holen mich auf vielen Ebenen ab. Sie regen die Fantasie an. Immerhin muss ich mir die Welt, die sie beschreiben, vorstellen. Im besten Fall lösen sie eine Vielzahl an Gefühlen aus, bewegen mich. Sind es Fantasy oder Sci-Fi-Romane, entführen sie in eine Welt, die anders ist als unsere. Aber vor allem ist es die Konzentration auf die eine Sache, die den Geist beruhigt. Ein oder zwei Stunden zu lesen fühlen sich anders an, als die gleiche Zeit auf YouTube zu verbringen oder Serien zu schauen.

Mag trivial klingen, aber manchmal muss man sich die trivialen Dinge wieder ins Gedächtnis rufen. Vor allem, wenn man psychisch angeschlagen ist oder gerade keine gute Phase hat, sind die trivialen Dinge oft am einfachsten zu übersehen. Dann ist es wichtig, von den gewohnten Pfaden, von den alten Gewohnheiten, die sich genau dann wieder einzuschleichen versuchen, abzuweichen.

Geek-Planet: Ultimate Spider-Man – Volume 13

In der heutigen Ausgabe von Geek-Planet sehen wir uns die nächste Collected Edition von Ultimate Spider-Man an. Sie trägt den prägnanten Titel Hobgoblin und enthält so einige spannende Themen. Der Text erschien ursprünglich am 02. Dezember 2016 auf meinem damaligen Blog, den es heute nicht mehr gibt.

Ich bin mir nicht sicher, wie ich die ganze Familiendynamik der Osborns finde. Wenn die Geschichten, wie hier, gut geschrieben sind, dann machen sie durchaus Freude beim Lesen. Sie können spannend sein und die unterschiedlichen Goblins sind eine echte, gespenstische Bedrohung für Spider-Man.

Doch schnell kann es in Geschichten sein, dass diese Charaktere übermäßig viel verwendet werden. Das over-acting, wenn man so will, dieser Figuren wirkt dann eher fehl am Platz oder ihre Kräfte scheinen zufällig. Je nachdem, was die Situation eben gerade benötigt. Es muss konsistent sein, innerhalb der Geschichte und glaubhaft dargestellt werden. Dann entsteht ein interessanter Konflikt, der sich auf die Beziehung zwischen den Charakteren fokussieren kann und eine nachvollziehbare Herausforderung für Peter Parker.


Peter befindet sich nach dem Tod von Gwen weiterhin in einem absoluten Tief. Er stellt sich andauernd die Frage, ob er weiterhin als Spider-Man in der Lage ist, Gutes zu tun. Bei diesem Prozess distanziert er sich immer weiter von MJ. Außerdem kehrt Harry Osborn nach Hause zurück. Keine leichten Zeiten für den jungen Helden.

  • Ausgaben: #72 bis #78
  • Erscheinungsdatum: April 2005 bis Juli 2005
  • Autor: Brian Michael Bendis
  • Zeichner: Mark Bagley
  • Inker: Art Thibert
  • Colorer: Transparency Digital
  • Letterer: Chris Eliopoulus

“I… can´t… breath. My hands. My hands are frozen cold.” – Spider-Man

Es ist schon etwas her, seit wir dem jungen Osborn das letzte Mal begegnet sind. Damals stand er seinem Vater, dem Goblin gegenüber und hat ihm die Stirn geboten, als dieser das weiße Haus angriff (siehe Ultimate Six). Harry hat die letzten Monate in der Obhut von SHIELD Chef Nick Fury verbracht und wurde scheinbar unter Beobachtung gestellt, um sicherzugehen, dass er sich nicht ebenfalls in einen Goblin verwandelt. Doch von psychologischer Betreuung hat man bei der Geheimorganisation wohl noch nichts gehört.

Kaum zurück, ist er nicht nur in der Schule Gesprächsthema Nummer Eins und bereitet Peter jede Menge Sorgen, nein, er wird auch noch mitten in der Nacht von einem mysteriösen Mann abgeholt. Dieser behauptet, für seinen Vater zu arbeiten. Der Mann bringt ihn in einen Wald, wo sich ein Labor von Norman befindet. Die Szenerie ist sehr unheimlich gestaltet und hätte Fury nicht zuvor bestätigt, dass Norman im Gefängnis sitzt, hätte ich darauf gewettet, dass dieser jeden Moment aus den Schatten emporsteigt. Doch stattdessen sehen wir das Labor, indem Norman am Goblin-Serum geforscht und einige neue Technologien entwickelt hat.

Harry, seit seiner Kindheit von einem Hypnotherapeuten behandelt, der dafür sorgen soll, dass alles Schlimme, was sein Vater in der Firma angestellt hat, hinter einer Wand verborgen bleibt, verarbeitet das Ganze, gelinde gesagt, nicht so gut. Der mysteriöse Mann namens Shaw sorgt zusätzlich dafür, dass genau diese Wand zu bröckeln beginnt und Harry verliert immer mehr die Kontrolle über sich. Es scheint beinahe so, als würde er vollkommen in einer Psychose aufgehen und dabei seinen Hass gegen Peter Parker wenden.

Er weiß, dass er Spider-Man ist und schließlich bricht doch das Goblin-Serum durch. Er transformiert sich in den Hobgoblin und sucht den Kampf in New York. Auf der einen Seite steht Peter, der seinem Freund zu helfen versucht und ihm nicht schaden möchte. Auf der anderen Seite haben wir den vor Wut kochenden und furiosen Harry, der den jungen Helden töten möchte. Die Inszenierung ist, wie von Bagley gewohnt, außergewöhnlich und alles, was auf dem Spiel steht, wird greifbar.

Während des Kampfes erfahren wir noch so einige andere Dinge. Beispielsweise, dass, bevor Harry vor neun Monaten verschwunden ist und nachdem Peter von der Spinne gebissen wurde, sich eine Beziehung zwischen MJ und Harry abgezeichnet hat. Kaum, dass Harry Peter sieht, bringt er dies zur Sprache. Das ist ein weiterer Grund, warum Peter mit ihr Schluss macht und sie von sich weg stößt; ein anderer ist, dass er sie in Sicherheit wissen möchte.

Dass MJ hier zwischen die Fronten gerät, ist spannend zu beobachten. Sie lässt sich nicht, wie man bei geringeren Autor*innen erwarten würde, von einem der beiden manipulieren. Es zeigt sich hier klar ihre Stärke, ihre Durchsetzungsfähigkeit und ihr Selbstvertrauen. Dies lässt sie auch Harry gegenüber raushängen. Sie will nicht mit ihm zusammen sein, sondern mit Peter. Es ist ihre Entscheidung. Peter bedeutet ihr so viel, dass sie es nicht in Worte zu fassen vermag und dies wird bei ihrer Gestik deutlich, als sie diese Worte ausspricht. Sie wird nicht aufgeben und sich von Peter nicht so einfach wegdrängen lassen. Bendis und Bagley haben mit ihr einen wirklich starken Charakter aufgebaut, den man gerne weiter verfolgt.

In der Collected Edition ist ebenfalls eine Ausgabe enthalten, die sich rein um MJ dreht – dies könnte Bendis gerne öfter machen. Hobgoblin ist eine tolle Geschichte, die den Fokus auf die Freundschaften rund um Peter setzt. Durch Gwens Tod und das, was er in Doctor Stranges Haus erlebt hat, drängt er sie alle von sich weg. Dabei muss er lernen, MJ mehr zuzutrauen und sich ihr zu öffnen. Er ist nicht so allein, wie er glaubt.