Billige Dramatik

Beim Redigieren alter Texte für meine Donnerstags-Kolumne »geek-planet« fällt mir immer wieder auf, dass ich am Ende von Absätzen oder am Ende von Texten gerne auf drei Punkte zurückgegriffen habe. Als ob ich etwas anteasern wollte, das ich aber doch nie wirklich einlöse. Denn was kündigen sie wirklich an? Dass der Text weitergeht? Dass das Thema erneut aufgegriffen wird? Unwahrscheinlich.

Mittlerweile mache ich das hoffentlich nicht mehr, denn es ist eine wirklich absurde Weise, Texte spannender gestalten zu wollen. Entweder der Text gibt es natürlicherweise her, weil er eben so verfasst ist oder eben nicht. Aber drei mysteriöse Punkte am Ende, machen einen Text weder spannender noch motivieren sie Leser*innen dazu, den nächsten ebenfalls zu lesen. Es ist eine lustige Beobachtung, die mir in den vergangenen Wochen immer wieder bewusst geworden ist.

Was mich allerdings letzten Endes wirklich davon überzeugt hat, dass es sich um eine billige, absurde Technik handelt, um Dinge spannender zu machen, ist Critical Role. Zwar schaue ich die Reihe schon länger nicht mehr, aber bei einem Dungeon, den die Crew durchforstet hat, sind sie auf einen überzeichneten, narzisstischen Historiker oder Archäologen gestoßen. Dieser hat verschiedenste Statuen von sich anfertigen lassen, die ihn in unterschiedlichsten Situationen darstellen. Die Beschriftungen endeten stets mit »…«. Matthew Mercer, der Dungeon Master und Spielleiter, hat diese Texte stets mit einer solchen Belustigung gesprochen; ich konnte gar nicht anders, als deren Irrsinn zu realisieren.

Deshalb hoffe ich inständig, dass ich es mir in den vergangenen Jahren, in denen ich als technischer Redakteur und Blogger gereift bin, abgewöhnt habe, auf dieses unsägliche Stilmittel zurückzugreifen. Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel …

Geek-Planet: X-Men – Apocalypse

Ach, die X-Men-Filme. Über 19 Jahre haben uns diese Filme begleitet (von 2000 bis 2019). Vor Marvels erstem MCU-Film haben sie uns gezeigt, wie man nach und nach ein inhärentes Universum aufbauen könnte. Die Qualität war dabei leider nicht immer Priorität. Oft ist man zu sehr von den Geschichten aus den Comics abgewichen oder hat versucht, einen eigenen Spin zu finden. Das muss nicht unbedingt etwas Schlechtes sein (siehe Days of Future Past), ist aber stets eine Herausforderung.

Ich hätte mir gewünscht, dass man sich etwas mehr Mühe bei den Geschichten gibt. Sich näher an den Comics orientiert. In den vergangenen Jahren hat es in den Comics eine neue Ära der X-Men gegeben, die vom Genie Jonathan Hickman eingeleitet wurde: die Krakoa-Ära. Erst dadurch habe ich manche Charaktere von den X-Men so richtig kennengelernt. Wie eben den titelgebenden Charakter des Films: Apocalypse. Der Film wird dem Charakter in keiner Weise gerecht. Leider. Selbst die Geschichte Age of Apocalypse in den Comics sieht komplett anders aus, als der Film es darstellt. Ebenso funktionieren seine Kräfte anders. Sie sind sehr viel mysteriöser, unnahbarer.

Man kann nur hoffen, dass Marvel den X-Men gerechter wird, wenn sie sie ins MCU einführen. Die letzten Einträge ins MCU, seien es Filme oder Serien, lassen allerdings Zweifel aufkommen.

Wie dem auch sei; der folgende Text stammt vom 29. Mai 2016 und erschien damals auf meinem Blog Geek-Planet, den es mittlerweile nicht mehr gibt. Es ist immer wieder ein interessanter Blick in die Vergangenheit. Was ich damals über die Filme, Serien und Comics gedacht und geschrieben habe. Der Film kommt jedenfalls sehr viel besser weg, als ich es eingangs vermutet hätte. Heute würde ich sehr viel kritischer herangehen.


“Everything they’ve built will fall! And from the ashes of their world, we’ll build a better one!” – Apocalypse

Nachdem Days of Future Past das X-Men Universum quasi zurückgesetzt hat und den berühmt-berüchtigten dritten Teil von Brett Ratner ungeschehen macht, warteten viele Fans gespannt auf Brian Singers nächsten Coup. Prominent in der After-Credit-Szene angekündigt, war klar, dass es sich um nichts Geringeres, als den gottgleichen, ersten Mutanten Apocalypse selbst handeln sollte. Die Trailer waren vielversprechend gestaltet, mit fantastischen Effekten, einer tollen Rede und einer globalen Zerstörungswut, die Roland Emmerich stolz machen würden. Doch kann der Film das alles einhalten und dabei noch ein paar neue Charaktere einführen?

Fangen wir am besten bei der Geschichte an. Hier steigen wir ca. zweieinhalbtausend Jahre vor unserer Zeitrechnung ein und erleben hautnah, wie sich Apocalypse (Oscar Isaac) in einen neuen Körper transformieren möchte. Wie lange der Mutant tatsächlich schon auf der Erde wandelt, erfahren wir leider nicht, nur dass er sehr alt ist und die Fähigkeit hat, seinen Geist in einen anderen Körper zu transferieren. Praktischerweise nimmt er dabei sämtliche Mutanten-Fähigkeiten mit. Dies könnte ihn zu einem der gefährlichsten Gegner machen, dem die X-Men je gegenübergestanden sind, denn über die Jahrtausende hat er so einige Kräfte gesammelt. Unter anderem kann er die Fähigkeiten anderer verstärken, aber dazu später mehr. Dass Apocalypse eine Gefahr darstellt, haben auch schon die alten Ägypter erkannt und bei einem imposant dargestellten Putsch schließen sie den Gott unter Trümmern begraben ein, jedenfalls bis er im Jahr 2016 von Anhängern wieder befreit wird. Zurück unter den Lebenden hat er nichts von seinem Eifer verloren. Er erkennt, dass die Welt sich nicht gerade verbessert hat und macht sich auf die Suche nach seinen vier Reitern, um die Erde dem Erdboden gleichzumachen; sie in ein neues Zeitalter zu führen.

Seine vier Reiter der Apokalypse wählt er dabei mit viel Bedacht, denn sie sollen die mächtigsten Mutanten darstellen. Ob er wirklich mit so viel Bedacht vorgeht, sei mal dahingestellt, denn um ehrlich zu sein, bleiben diese zu 50 % sehr ersetzbar. Als Erstes hätten wir eine Ninja-Jedi-Kombination (Olivia Munn), deren Potenzial eher vergeudet wird. Schon besser kommt Angel (Ben Hardy) weg. Dieser wird auf coole Art eingeführt, bevor er ebenfalls in den Hintergrund rückt. Zumindest dürfen wir an ihm erleben, was Apocalypse in anderen Mutanten anstellen kann und wie er ihre Kräfte verstärkt. Die Standardflügel tauscht er durch metallische aus, die messerscharfe Klingen schleudern können. Da er sehr prominent im Trailer dargestellt wurde, habe ich mir etwas mehr von ihm erwartet; außerdem sieht er mit seinen Federn und ohne das Kostüm viel besser aus als seine seltsame transformierte Gestalt. Die Dritte im Bunde ist schon sehr viel interessanter und macht im Laufe des Filmes eine gute Entwicklung durch: Storm (Alexandra Shipp). Sie fängt als kleine Diebin in Ägypten an und wendet sich dann immer weiter den X-Men zu, als sie sieht, was für ein Monster Apocalypse tatsächlich ist.

Der vierte Reiter verdient seinen eigenen Absatz, denn hier handelt es sich um Erik »Magneto« Lensherr (Michael Fassbender). Er hat sich in den vergangenen zehn Jahren eine Familie in Polen aufgebaut und arbeitet in einer Metallfabrik. Natürlich überlebt seine Familie ihre Einführung nicht, was schade ist, da es mal eine nette Abwechslung gewesen wäre. Aber so werden sie gefridget; dienen also nichts weiter als einem story-point und der Motivation von Magneto. Um ihm dann den Rest zu geben und endgültig auf seine Seite zu ziehen, bringt ihn Apocalypse zu der Quelle all seiner Schmerzen: Auschwitz. Was folgt, ist die wohl beste Szene des Filmes. Der Gott zeigt Erik, wie er mit seinen Kräften bis ins Innere des Planeten reichen kann und dessen Magnetfeld beeinflussen kann. Seine Pein und sein Schmerz führen zur Zerstörung der gesamten Umgebung und man sitzt gebannt im Kinosessel und weiß nicht, ob man das, was einem gezeigt wird, cool finden darf. Es ist der emotionale Höhepunkt des Filmes.

Kommen wir nun zu der anderen Seite. Hier haben wir unsere altbekannten Charaktere rund um Xavier (James McAvoy): Mystique (Jennifer Lawrence), McCoy (Nicholas Hoult) und selbst Quicksilver (Evan Peters) gehören zur Stammbesetzung. Sein Auftritt in Days of Future Past war grandios und wohl die beste Sequenz des Filmes und es durfte klar bezweifelt werden, ob es den Machern gelingen würde, dies noch einmal zu wiederholen. Ohne zu übertreiben, kann ich an dieser Stelle versichern, dass sie zumindest eine sehr beeindruckende und andere Sequenz geschaffen haben. Seine Beziehung zu Magneto, er ist sein Sohn, wird kurz angerissen, doch nicht aufgelöst; wieder eine vertane Chance.

Neu bei der Garde ist Nightcrawler aka Kurt Wagner (Kodi Smit-McPhee). Er ist eine der stärksten Figuren im Film. Scott (Tye Sheridan) aka Cyclopse, wird ebenso gekonnt eingeführt wie sein Bruder. Jean Grey (Sophie Turner) darf natürlich auch nicht fehlen. Im Laufe der Geschichte dürfen alle ihre vollen Kräfte freilassen, was immer wieder beeindruckt. Wer leider nur einen Cameo-Auftritt haben darf, ist unser geliebter Hugh Jackmann als Wolverine. Er feiert demnächst in seinem dritten Solo-Film seinen Abschied und es bleibt zu hoffen, dass dieser dem Charakter gerecht wird. Immerhin wird dieser R-rated, was schon ein Schritt in die richtige Richtung ist.

Bei einem Film wie X-Men: Apocalypse darf man wohl erwarten, dass die Effekte entsprechend gut aussehen und bis auf die ein oder andere Szene tun sie dies allemal. Brian Singer und sein Team schaffen es tatsächlich, die unfassbare Macht von einem gottgleichen Mutanten wie Apocalypse greifbar oder zumindest vorstellbar zu machen. Mit einer gelungenen Kombination aus Mythos, der die Unsterblichkeit und Grausamkeit erst erläutert und nachträglichen Taten, die diesen Mythos wahrhaftig machen, bauen sie ihn gut aus. Die tolle Musik trägt ihr übriges zum Blockbuster bei. Das Einzige, was zu kurz kommt, sind ruhigere Szenen zwischen den Charakteren. Der Film hat ein hohes Erzähltempo und unsere Helden jagen von einem Action-Platz zum anderen. Zwar wird deren persönliche Geschichte klar, hier helfen die vergangenen Filme, doch gelegentlich wären weiterführende Unterhaltungen gut gewesen.

Alles in allem bietet der Film eine gute Unterhaltung und wird seinen Erwartungen, die durch die Trailer geweckt wurden, gerecht. Insgesamt würde ich ihm den dritten Platz von den drei First-Class Filmen zugestehen. Es bleibt zu hoffen, dass die folgenden Filme weiterhin auf der Qualität aufbauen können, selbst wenn der Verbleib von Brian Singer noch nicht sicher ist. Leider ist auch die Zukunft des Hauptcasts rund um Jennifer unsicher, denn deren Verträge scheinen abzulaufen. Beruhigen darf aber immerhin die Tatsache, dass sie gemeinsam eine Art Pakt geschlossen haben: Entweder werden alle vier Verträge verlängert oder keiner.

Wiederholung hilft

Ich habe wieder angefangen, das Buch Der Ernährungskompass von Bas Kast zu lesen. Ende vergangenen Jahres war das erste Mal, dass ich mich durch dieses fantastische Buch gearbeitet habe, jetzt lese ich es ein zweites Mal. Bas Kast packt sehr viele Informationen in das Buch und beim ersten Mal ist mal vielleicht etwas überfordert damit. Ich hatte es damals relativ schnell gelesen. Ich weiß noch, dass ich zu Silvester Freunde in Tübingen besuchte und deshalb im Zug viel Zeit hatte zu lesen. Da ist so ein spannendes, informatives und schlichtweg gut geschriebenes, wie recherchiertes Buch natürlich schnell durchgelesen.

Deshalb dachte ich mir, es kann ja nicht schaden, es sich noch einmal zur Brust zu nehmen. Die groben Züge sind mir zwar weiterhin im Kopf, aber die feineren Zusammenhänge, die Details und dergleichen müssen aufgefrischt werden. Besonders gut gefällt mir, dass er nicht die eine Lösung vorschlägt, so wie es viele selbst ernannte Ernährungsexperten und -gurus machen. Er zeigt die aktuelle Studienlage auf und jede*r kann sich daraus eine eigene Ernährungsform zusammenstellen.

Es scheint Dinge zu geben, die für die meisten Menschen gelten, doch wie so oft, ist die Ernährung eine sehr individuelle Angelegenheit. Die eine Formel zu Glück und Gesundheit gibt es nicht. Man muss nur bereit sein etwas zu experimentieren, Erkenntnisse sammeln und immer wieder gewillt sein etwas dazuzulernen. Das macht er in dem Buch immer wieder klar. Gibt für die verschiedenen Möglichkeiten Beispiele an.

Deshalb verstehe ich zum Beispiel manche Rezensionen nicht, die kritisieren, Bas Kast würde zu allgemein schreiben und keine konkreten Lebensmittel benennen. Zum einen: Doch das tut er. Er nennt, wie erwähnt, diverse Lebensmittel, die Studien zufolge für die meisten Menschen eher zu meiden sind und die für die meisten Menschen in ihre Ernährung aufgenommen werden sollen. Er bespricht ebenso die unterschiedlichen Ernährungsweisen immer wieder aus verschiedenen Blickwinkel. Sei es Low-Carb, Low-Fat, Atkins, Paleo, vegan, vegetarisch und so weiter.

Man muss allerdings schon noch selbst Arbeit hineinstecken. Bas Kast kann nicht sagen, welche dieser Ernährungsweisen oder welche Mischung aus Lebensmitteln mir am besten zusagt, für meinen Körper am verträglichsten ist und so weiter. Das muss ich schon selbst herausfinden. Ein sehr empfehlenswertes Buch, dass ich allen ans Herz legen kann, die sich etwas tiefgreifender mit Ernährung auseinandersetzen möchten.

Einmal anfangen und es flutscht

Wer kennt es nicht? Im Urlaub nimmt man sich vor, all die Arbeiten zu Hause endlich zu erledigen, die man seit Wochen, Monaten oder Jahren vor sich herschiebt. Keine großen Sachen, meistens jedenfalls, oder Dinge, die ständig nerven. Einfach nur Arbeiten, die lästig sind oder zu denen man nicht genug Motivation aufbringen kann. Dann kommt schließlich der nächste Urlaub; man hat nichts Konkretes geplant und kann diese aufgeschobenen Übel endlich machen.

Erst einmal jedoch muss man runterkommen. Mehr oder weniger spontane Tagesausflüge werden unternommen. Vielleicht kommt ein gutes Spiel in die Quere. Dann muss man natürlich noch das neue Rad einweihen und entsprechend ausfahren. Außerdem soll Ruhe und Entspannung natürlich ebenso nicht zu kurz kommen. Ein guter Mix will gefunden werden. Schließlich kommt der letzte Urlaubstag überraschend daher und es geht wieder mit der Arbeit los, ohne dass man diese lästigen Aufgaben erledigt hat. Alles natürlich rein fiktive Beispiele.

Allerdings dachte ich mir dieses Mal, ich will nicht an einem Montag in die Arbeit zurückkehren, sondern an einem Dienstag. Also plante ich für meinen Juli-Urlaub einen Tag mehr ein. Das war gar nicht mal so schlecht, wie sich herausstellen sollte. Ich habe zwar meine Pflanzen, wie bereits berichtet, umgetopft und teils mit frischer Erde versehen, doch um die Wohnung an sich hatte ich mich noch nicht gekümmert. Es passte dabei hervorragend, dass ich am Sonntag mit Lies of P fertig werden sollte, damit der Montag frei für eine eventuelle Radtour.

Doch das Wetter sagte mir nicht zu und an meinem letzten Urlaubstag wollte ich nicht um 6 Uhr morgens aufstehen. Also habe ich erst einmal meinen Wocheneinkauf früh am Tag erledigt, da unter der Woche noch ein paar Termine anstanden und ich nicht wusste, wann ich sonst Zeit dazu haben würde. Das führte zu einem Wohnungsputz. Das führte wiederum zu einer Auf- und Umräumaktion im Wohnzimmer und in anderen Teilbereichen der Wohnung. Alles immer wieder kleinere oder größere Arbeiten im Laufe des Tages. Nun bin ich wieder sehr zufrieden mit dem aktuellen Zustand. Ich habe mir Zeit gelassen und die Eingebungen während des Tages genutzt. Manchmal muss man nur mit etwas kleinem Anfangen und es entwickelt sich von da aus weiter.

Unnötige Kommentare

Letztens war ich morgens eine Runde laufen. Im Urlaub wurde mir erst wieder so richtig bewusst, wie viel Freude es mir bereitet, den Tag nicht nur früh zu starten, sondern wie fantastisch es ist, im Sommer früh Sport zu machen. Sei es eine Runde mit dem Rad zu fahren oder, wie an jenem Morgen, eine Runde zu laufen. Zum Aufwärmen etwas Yoga, um die Muskeln in Gang zu bringen und die Reste des Schlafs abzuschütteln, dann konnte es auch schon losgehen.

Eigentlich hatte ich nur eine kleine Runde geplant. Vor allem deshalb, weil mir seit ein paar Wochen das linke Knie beim Laufen Probleme bereitet. Doch das Radfahren scheint sich positiv auf das Knie ausgewirkt zu haben, da ich nach 15 Minuten noch nichts Unangenehmes spürte. Deshalb beschloss ich spontan, die Runde zu vergrößern. Unter anderem mit dem unlogischen Hintergedanken: wenn ich 40 Kilometer mit dem Rad fahren kann, dann kann ich ebenso 40 Minuten laufen. Ergibt absolut keinen Sinn, aber wenn es um Motivation geht, greift man nach jedem Strohhalm.

Die Runde verlief hervorragend. Es war sonnig, aber kühl. Es wehte ein leichter Wind, auf den Straßen war kaum etwas los. Außerdem war es Samstag, 8 Uhr morgens, von daher fiel der Berufsverkehr ebenso weg. Einfach fantastisch. Ich war schon fast zu Hause, auf dem Höhepunkt der Runde, fühlte mich fantastisch, da bemerkte ich eine Spaziergängerin mit Hund vor mir. Verständlicherweise nahmen sie den gesamten Gehsteig ein, der in 100 Metern oder so ohnehin endete.

Aufgrund meiner bisherigen Erfahrungen mit Hunden beschloss ich, auf die andere Straßenseite zu wechseln. Da der Gehsteig aufhörte, war die Straßenseite sowieso egal. Es fuhren keine Autos, niemand sonst war unterwegs. Wir beide gingen unseren jeweiligen Aktivitäten nach. Ich war schon ein Stück vor der Spaziergängerin mit dem Hund, da fuhr ein älterer Herr auf einem Fahrrad an mir vorbei. Er fühlte sich bemüßigt, in halblautem Ton und mehr zu sich selbst, als zu mir, zu sagen: „Angst vorm Hund?“

Was soll das? Alle drei, die wir morgens, an einem schönen Samstag unterwegs sind und uns um unsere jeweiligen Aktivitäten kümmern, nehmen niemanden etwas weg. Wir stehen uns nicht im Weg, es war genug Platz. Ich war gerade drauf und dran, eine für mich perfekte Runde zu laufen. Es gäbe viele Gründe, warum ich gerade auf dieser Straßenseite unterwegs war. Warum fühlt man sich bemüßigt, einem fremden Menschen seine dumme, beschränkte Meinung aufzuhalsen? Wenn ich anderen Menschen mit meinem Verhalten weder schade noch im Weg stehe, warum kümmert es dann andere, was ich mache? Was hat sich dieser alte Mann dabei erhofft, zu gewinnen?

Nicht nur einmal habe ich es erlebt, dass Hunde auf mich zu gerannt sind. Manche davon laut bellend. Manche konnten nur mit Mühe von ihren Besitzern aufgehalten werden. Wenn man sich die meisten Hundebesitzer ansieht, denen man im Alltag begegnet, scheinen eher die Hunde die Anführer zu sein und nicht die Menschen. Manche bleiben fast schon panisch mit ihren Hunden stehen und versuchen ihren Fokus auf sich zu ziehen, wenn man an ihnen vorbeigeht oder -läuft, weil sie nicht wissen, wie der Hund reagieren wird. Ich hatte schon Hunde, die bellend um mich herumgesprungen sind, während ich an deren Revier vorbeiging und kein Besitzer in Sichtweite war. Es ist nicht so, als hätte ich Angst vor Hunden. Es ist eher so, dass ich die Menschen verachte, die sich nicht um ihre Hunde kümmern und was diese anstellen könnten. Denen es egal zu sein scheint. Denen der Hund egal ist. Warum sie sich dann einen zulegen, entzieht sich meiner Vorstellungskraft. Mir tun diese Hunde leid.

Ich habe dann zu Hause noch etwas trainiert und einen restlichen, fantastischen Samstag genossen. Unter anderem mit dem tollen Spiel Lies of P und dem Erfolgserlebnis eines großartigen Laufes. Ich lasse mir vom beschränkten Horizont anderer Menschen meinen Tag nicht ruinieren. Immerhin hat er mir eine Idee und einen Grund für einen Text gegeben. Unnötig und dumm war der Kommentar trotzdem.

Einen Abschluss finden

Ich finde es immer wieder faszinierend, wie sich im Laufe des Lebens die Interessen verschieben. Das kann innerhalb eines Jahres natürlich mit den Jahreszeiten zusammenhängen. So habe ich mir vor Kurzem lieber ein neues Rad zugelegt, als mehr als doppelt so viel Geld in einen Gaming-PC zu investieren, weil ich im Sommer eben gerne draußen unterwegs bin. Außerdem lag mir ein neues Rad schon länger am Herzen und es war ein guter Zeitpunkt, um mir diesen kleinen Traum endlich zu erfüllen. Im Frühjahr, wenn es noch kälter und verregneter ist, verbringt man vielleicht mehr Zeit drinnen und liest entsprechend viel, während später Spiele interessanter werden und im Herbst die Warhammer-Sachen aus dem Schrank geräumt werden.

Vielleicht liegt es aber schlicht und ergreifend an mir, dass ich gerne Abwechslung haben möchte und mich gerne mit unterschiedlichsten Dingen beschäftige. Es gibt solche Phasen und diese Phasen und alle haben ihren rechtmäßigen Platz. Solange man sich nicht von diesen Dingen stressen oder unter Druck setzen lässt, ist alles in Ordnung. Immerhin sind all das Hobbys, die Freude bereiten sollen. Sie sind kein Beruf oder etwas, mit dem man Geld verdient. Wobei es manche schaffen, ihr Hobby zum Beruf zu machen. Dabei ist natürlich die Frage, ob man das möchte. Aber das führt für heute etwas zu weit.

Wenn man über viele Jahre ein Hobby verfolgt, sich darin regelrecht verbeißt und alle möglichen Aspekte davon lernt, kann das sehr viel Spaß machen. So war es bei mir mit Comics. Zwar lese ich schon mein ganzes Leben mehr oder weniger Comics und lese sie noch immer gerne, doch die Intensität und Frequenz hat deutlich abgenommen. Über 10 Jahre gab es für mich quasi kein anderes Hobby. Außer Sport natürlich, aber das betrachte ich als ein Muss, das bei mir immer mitläuft.

Jedenfalls habe ich mich über 10 Jahre intensiv mit Comics beschäftigt. Podcasts gehört, Reading Orders recherchiert und zusammengestellt, Rezensionen, Essays und andere Texte darüber geschrieben, Bücher gelesen und mich mit deren Geschichte beschäftigt. Es ist ein faszinierendes und leider immer noch vielfach unterschätztes Medium. Comics sind eben wie der Film nur ein Medium, in dem allerdings unzählige Geschichten erzählt werden können. Seien es welche für Kinder, Horror-Geschichten oder Biografien; die dominanten Superhelden-Comics oder Sci-Fi-Epen wie Saga, hin zu Indie-Meisterwerken wie Usagi Yojimbo oder eine Kombination aus allen, wie es zu den besten Zeiten von Sandman war. Es ist Grenzenlos.

Doch ich habe für mich festgestellt, dass diese intensive Phase am Abflachen ist. Ich möchte mich nicht mehr in diesem Detailgrad mit dem Thema beschäftigen. So manche WebComics bei Tapas oder WebToon habe ich natürlich weiterhin im Blick oder auch Künstler*innen, die ich seit Jahren über Patreon unterstütze. Ganz werde ich dieses Medium nie ablegen können, weil es für mich die interessanteste Weise ist, Geschichten zu erzählen. Außerdem möchte ich natürlich wissen, wohin sich das Medium hinentwickelt.

Der Punkt ist, dass es selbstverständlich in Ordnung ist, wenn man sich von einem Hobby entfernt. Dies kann die unterschiedlichsten Gründe haben. Nur sollte man sich eben dann nicht darauf versteifen und sich dazu zwingen. Es ist ein Hobby und Interessen verschieben sich. Man verändert sich mit der Zeit eben doch – hoffe ich zumindest – entwickelt sich weiter und damit verändern sich die Präferenzen der Freizeitgestaltung. Ebenso verändern sich die Menschen, die einem wichtig sind, mit denen man Zeit verbringt und die einen ebenso beeinflussen. All das ist in Ordnung und vielleicht findet man irgendwann auch wieder zurück zu einem einst geliebten Thema.

Schlaues Püppchen

Nach gut 40 Stunden ging die erste Runde Lies of P zu Ende. Ich schreibe »erste Runde«, da ich bereits in der zweiten bzw. Dritten stecke. Beide spiele ich mehr oder weniger parallel. Einmal im New Game Plus und einmal als komplett neuen Spielstand. Mal sehen, ob ich beide zu Ende bringen werde, aber aktuell macht das Spiel schlicht und ergreifen noch sehr viel Spaß. Die Gegner im NG+ sind nochmal ein Stück härter und gnadenloser, deshalb mal sehen, wie sehr meine Geduld ausreicht.

Allerdings sind alleine schon die Vielzahl an Entscheidungen, die man im Laufe des Spiels trifft, es wert, noch mindestens einen Durchgang zu starten. Wie wird sich der Protagonist entwickeln, wie verhalten sich die anderen Charaktere, welche Dialoge oder andere Begegnungen schaltet man frei? Es gibt immerhin drei Enden zu entdecken und da das Spiel von der Dauer her überschaubar ist, sind zwei weitere Durchläufe durchaus im Bereich des Möglichen.

Aber wie war denn nun das Spiel an sich? In einem Wort: episch. Die Bosskämpfe sind fantastisch gestaltet. Nicht nur von den Arenen her, sondern die musikalische Untermalung bereitet sehr viel Vergnügen und lindert die vielen Versuche, die man teilweise benötigt. Meistens kann man sich zwar Unterstützung dazu holen, doch am Ende, wo jeder Boss zwei Phasen hat, hilft das nur begrenzt weiter. Ich hatte allerdings nie das Gefühl, die Bosse wären unfair. Sie sind zum Teil rasant und wirken erratisch oder verzögern Attacken noch mehr als Morgot in Elden Ring, doch irgendwann erkennt man die Muster.

Das Level-Design ist fantastisch. Oft habe ich mir gedacht, wo das wohl hinführen mag und der letzte Stargazer (Orte, an denen man im Falle eines Todes wieder erwacht), scheinen kilometerweit entfernt zu sein. Doch kaum geht man um die nächste Kurve, schaltet man eine Abkürzung frei und befindet sich wieder am Anfang des Levels. Ich muss unbedingt nach einer Karte suchen, ob jemand versucht hat, diese nachzuzeichnen. Die verschiedenen Orte, die man aufsucht, die Biome, wenn man so will, sind abwechslungsreich und kurzweilig. Nur das finale Kapitel zieht sich wie ein Kaugummi. Ich hatte schon gehofft, bald auf den Endgegner zu treffen, da kommen immer mehr Gegner und Ebenen und Türme und Gegner und Ecken und Gegner. Das war schon frustrierend, gegen Ende hin. Das hätte man durchaus um die Hälfte kürzen können.

Man sollte wehmütig sein, wenn es vorbei ist und nicht froh darüber, es endlich hinter sich gebracht zu haben. Falls ein zweiter Teil kommt, würde ich mir wünschen, dass sie das Ende knackiger gestalten. Der letzte Kampf, in meinem Fall die Namenlose Puppe, war zwar nochmal knallhart und man kann sich keine Unterstützung holen. Doch dieser Kampf hat für das langwierige Ende entlohnt. Es hat Spaß gemacht, diesen Gegner zu lernen und schließlich darüber zu triumphieren.

Lies of P ist ein fantastisches Soulslike. Eines der wenigen grandiosen Spiele dieses Genres, das nicht von FromSoftware stammt. Die Entwickler*innen haben ganze Arbeit geleistet und ich freue mich schon auf das bereits angekündigte DLC. Alleine deshalb muss ich es ja nochmal durchspielen. Wenn ich mit dem NG+ durch bin, steht Lords of the Fallen an. Mal sehen, ob ich diese Entscheidung bereue oder die vielen Patches geholfen haben, es zu einem guten Spiel zu machen.

Urlaub, Auszeit und Nachrichten

In meinem Urlaub vergangene Woche, habe ich über knapp zehn Tage sehr wenig Nachrichten gelesen oder mich mit den ganzen Newslettern beschäftigt, die ich abonniert habe. Zufällig habe ich gestern im Newsletter der SN gelesen, dass Donald Trump angeschossen wurde, sonst wäre das ebenfalls an mir vorbeigegangen. Nur den Newsletter von Matthew Dicks habe ich gelesen und ansonsten die meisten tatsächlich relativ schnell gelöscht. Irgendwie gehört das für mich zum Urlaub dazu.

Man beschäftigt sich in der Freizeit mit allem möglichen, sollte sich halbwegs gut über das tägliche Geschehen informieren und am laufenden halten. Zwar mache ich das sehr gerne und habe mir entsprechend seriöse, gute Quellen für diese Inhalte herausgesucht und zusammengestellt, doch es ist natürlich stets zeitaufwendig. Jeden Tag komme ich nicht dazu und manches behalte ich dann auf meinem Lesestapel, wenn man so will. Man denkt sich, später würde man sicherlich dazu kommen, es zu lesen. Doch bis dieser Tag kommt, sind schon wieder zig neue Dinge dazu gekommen.

Deshalb nutze ich den Urlaub, um die aufgeschobenen Newsletter und Texte entweder endgültig zu löschen oder ich lese den Text. Allerdings wird rigoros aussortiert, denn wenn ich es bis jetzt nicht gelesen habe, dann werde ich es zukünftig ebenfalls nicht tun. Eine einfache Regel, die sich auf viele Bereiche ausdehnen lässt. Und manchmal ist es so, dass man sich einfach kurz überwinden muss, die Dinge, die anstehen, anzupacken, damit sie erledigt sind. Am Ende ist man froh, etwas erledigt, es geschafft zu haben und kann mit anderem weitermachen.

Nach dem Urlaub geht es dann in gewohnter Manier weiter. Dann lese ich die Newsletter und Texte wieder sehr gerne und mit neuem Interesse durch. Merke vielleicht auch, welche mich nicht mehr interessieren, finde dafür eventuell neue Angebote. Aber so viel werde ich schon nicht verpasst haben und wenn doch ein wirklich guter Text, von den Krautreportern beispielsweise, durchgerutscht ist, dann ist es eben so. FOMO (Fear of Missing Out), also die Angst etwas zu verpassen, ist oft selbst verschuldet. Man redet sich ein, oder einem wird eingebläut, dass man unbedingt x machen oder getan haben sollte. In Wahrheit legt man die Wichtigkeit einer Sache immer selbst fest. Man muss nur unterscheiden können zwischen dem eigenen Wollen und dem (von außen gegebenen) Sollen.

Von daher ist eine Pause von etwas manchmal gar nicht so schlecht. Seien es Newsletter, wie in meinem Fall, oder Social-Media-Feeds. So habe ich vor Jahren für mich festgestellt, dass ich weder Twitter noch Instagram oder Mastodon nutzen möchte, weil es keinen echten Mehrwert bietet. Und so originell sind die Inhalte dann auch wieder nicht. Da höre ich doch lieber einen guten Podcast über ein spannendes Thema mit einem gepflegten Gespräch oder lese einen gut geschriebenen Newsletter.

Geek-Planet: Ultimate Spider-Man – Volume 7

Wieder ist eine Woche vergangen und wir werfen einen Blick auf einen alten Text von mir. Der folgende ist am 02. September 2016 auf meinem ehemaligen Blog Geek-Planet erschienen.


Mein letztes Review zu einer Ultimate Spider-Man-Geschichte ist schon fast zwei Jahre alt und eigentlich habe ich den Blog gestartet, um eben jene Comics zu kommentieren. Nun geht es also weiter mit den nächsten sechs Ausgaben. Diese konzentrieren sich überraschenderweise sehr auf das Privatleben von Peter Parker. Einen expliziten Super-Bösewicht sucht man vergebens.

  • Ausgaben: #40 bis #45
  • Erscheinungsdatum: Juli bis November 2003
  • Autor: Brian Michael Bendis
  • Zeichner: Mark Bagley
  • Inker: Art Thibert
  • Colorist: Transparency Digital
  • Letterer: Chris Eliopoulus

“Another rule of life should be that teenage super heroes on a very fixed income should make a point of holding onto their costumes during elaborate fight sequences.” – Peter Parker

Irresponsible ist die etwas andere Spider-Man-Geschichte. In seinem letzten Kampf hat Peter sein Kostüm verloren. Dies zieht sich durch alle Ausgaben hindurch, wie ein running Gag. Brian Michael Bendis versteht es, die Tatsache immer im richtigen Moment zur Sprache zu bringen, sodass es sich nicht abnützt. Nebenbei muss sich Peter noch mit MJ auseinandersetzen. Die beiden hatten miteinander Schluss gemacht und müssen jetzt einen Weg finden, gut zu koexistieren. Natürlich darf auch Peter Parkers alter Ego Spider-Man nicht zu kurz kommen. In einer benachbarten Schule treibt ein neuer Mutant sein Unwesen und Tante May kommt dem Geheimnis ihres Neffen gefährlich nahe.

Vollgepackt geht es also weiter mit den Abenteuern unseres liebsten Helden. Da die Action nun etwas kürzer kommt, konzentriert sich vieles, was geschieht, auf kleine Momente, die gefüllt sind mit herausragenden Dialogen. So zum Beispiel in den schüchternen Unterhaltungen zwischen MJ und Peter, die sich nach einem Streit doch wieder näher kommen. Es ist schön den beiden zuzusehen, wie sie ihre Probleme aus den letzten Geschichten ausräumen können. MJ hat sogar angefangen, ein neues Kostüm für Peter zu machen. Nur die Größe kann sie noch nicht so ganz einschätzen.

Apropos. Die lustigsten Szenen sind diejenigen, in denen Peter versucht, sich irgendwoher die Stoffe und Dinge zu besorgen, aus denen er dann sein Kostüm herstellen kann. Ich frage mich, wie er sein erstes Kostüm gemacht hat und warum er das nicht einfach wiederholt. Aber gut, dass er es nicht macht, ansonsten hätten wir keine improvisierten Kleidungsstücke zu Gesicht bekommen, mit denen man sogar bei einer Comic Con ausgelacht würde.

Als kleiner Gegner tritt Geldoff auf, der mit seinen Gedanken Dinge explodieren lassen kann. Doch er hat keine bösen Absichten, sondern ist lediglich verwirrt und muss geleitet werden. Genau dies versucht Peter und scheitert bravourös. Seine Versuche sind aber sehr ehrenwert und von ehrlicher Natur. Da es sich bei Geldoff aber um so etwas wie einen Mutanten handelt, kommt ihm eine gewisse Gruppe zu Hilfe. Doch die Begegnung mit Prof. Xavier läuft nicht ganz so wie erhofft und Peter muss erneut lernen, dass man seine Idole besser nicht kennenlernen sollte – man wird nur enttäuscht. Ultimate Spider-Man weiß erneut voll und ganz zu überzeugen. Dialoge, die sich nicht nur glaubhaft und natürlich anfühlen, sondern den Charakteren mehr Tiefe verleihen, machen Freude beim Lesen und gehören ganz klar zu den großen Stärken eines Brian Michael Bendis. Natürlich dürfen auch die fantastischen Zeichnungen von Mark Bagley nicht unerwähnt bleiben. Die Mimik und Gestik sind einfach schön anzusehen und die Farben machen ihr übriges, um eine bunte Welt rund um Spider-Man zu kreieren.

Paris, Paracelsus und Pizza

Der Vorteil am Urlaub, außer natürlich dem offensichtlichen, ist, dass ich nicht nur viele Dinge erledige und Unternehmungen mache, sondern dadurch diverse Ideen für Texte bekomme. Der Nachteil ist, dass ich zum Teil sehr zeitsouverän über die Dinge berichte. Heißt: Es kann vorkommen, dass ein Text, den ich im Urlaub geschrieben habe, beispielsweise über eine Dom-Führung, erst eine Woche später erscheint. So wird es wahrscheinlich mit diesem hier sein. Grundsätzlich ändert das nichts, ich dachte mir nur, es könnte ein interessanter Blick hinter die Kulissen sein.

Wie dem auch sei. Vergangenen Freitag habe ich mich mit Freund J. mal wieder in Salzburg getroffen. Es standen zwei Führungen auf dem Plan. Die erste sollte eine allgemeine, touristisch angehauchte Tour durch Salzburg werden. Mittlerweile sind wir schon sehr spezifisch geworden, was die thematischen Führungen anbelangt. Da kann es zwischendurch nicht schaden, sich der Geschichte Salzburgs aus der Vogelperspektive zu nähern. Immerhin kennt man mittlerweile die berühmteren Namen und kann sie ihren Jahrhunderten zuordnen oder was sie für die Stadt getan haben.

Es passte hervorragend, dass die Führung um 12 Uhr Mittag starten sollte, da am Nachmittag / Abend ein Gewitter abzusehen war. Doch als wir uns um kurz vor 12 noch einen Kaffee genehmigten, fing es plötzlich an zu regnen. Innerhalb weniger Minuten entwickelte sich das zu einem regelrechten Schauer, weshalb wir entschlossen, die Führung nicht zu machen und stattdessen in der Steinbar auszuharren. Von der Bar aus, direkt an den Fenstern sitzend, hatten wir einen herrlichen Blick auf eine verregnete Stadt. Hatten wir so, in dieser Art, auch noch nicht erlebt.

Es war auch nichts verloren, da diese allgemeine Führung beinahe jeden Tag stattfindet, von daher kann man diese immer wieder nachholen. Was wir allerdings gemacht haben, ist die Dom-Führung. Diese finden ebenfalls täglich um 14 Uhr statt. Bisher sind wir noch nie dazu gekommen, eine wahrzunehmen. Der nette Guide, der uns über eine Stunde durch den Dom führte, machte nicht nur einen sehr kompetenten Eindruck, er verstand es, die Geschichte des Doms spannend und nahbar zu erzählen. Der angenehmen Stimme und seiner Erzählweise hätte ich noch einige Stunden mehr zuhören können.

Über die Jahre war ich schon häufig im Dom. Sei es, wenn Freunde zu Besuch sind, wenn spezielle Tage anstehen (zum Beispiel die Lange Nacht der Museen) oder einfach nur so. Doch der wirklichen Bedeutung des Doms, was die Erbauer damit zu erzählen versuchten, welches Thema sie verfolgen, war mir in dieser Weise nicht bewusst. Nicht nur die geografische Ausrichtung von West nach Ost, sondern dass man mit dem Beschreiten des Weges vom dunklen Eingang zum hellen Altar die Leidensgeschichte Jesu nachempfindet. Die Bedeutung der Bilder und ihre Reihenfolge, wenn man so will, war mir ebenso nicht bewusst, wie die Tatsache, dass die Wiederauferstehung das Kernthema des Gebäudes ist.

Ebenso neu war mir, dass die Gebetszeile „hinabgestiegen in das Reich des Todes“ nicht oft als bildliche Darstellung in Kirchen zu finden ist. Aber wenn man darüber nachdenkt und sich die Kirchen, die man besucht hat, ins Gedächtnis ruft, ist es durchaus nachvollziehbar. Diese Zeile wird oft ausgelassen und nicht dargestellt. Dabei ist es zentral, alles in dem Gebet zu zeigen, da die Menschen des gemeinen Volkes im Mittelalter natürlich nicht lesen konnten und sich deshalb dieser Geschichte und den Gebeten, über die Gemälde in der Kirche genähert haben. Deshalb gibt es so viele Gemälde in Kirchen. Auch etwas, das man vielleicht zu oft ausblendet und vergisst.

Deshalb mache ich so gerne diverse Führungen in Salzburg mit. Man lernt nicht nur die Geschichte der Stadt immer detaillierter, sondern ebenso die verschiedenen Perspektiven, aus denen man diese betrachten kann. Manche Führungen mache ich gerne mehrfach, da man sich die ganzen Daten, Namen und Fakten nicht auf Anhieb merken kann. Mit der Zeit entsteht allerdings ein immer größeres, vernetztes Bild. Vor allem, wenn man als Abschluss des Tages bei einem guten Stück Pizza über das gehörte und gesehene sinniert und philosophiert.