Wie jeden Donnerstag blicken wir auch heute etwas in die Vergangenheit, als ich noch einen Blog namens »geek-planet« hatte. Der folgende Text stammt vom 12.10.2015, als ich mich intensiv mit The Walking Dead auseinandergesetzt habe. Ich habe die Serie und die Comics parallel angeschaut bzw. gelesen; dadurch wollte ich die unterschiedlichen Herangehensweisen unter die Lupe nehmen. Am Ende war das sehr verwirrend, muss ich sagen, weil alles irgendwie ineinander floss. Doch davon wusste ich bei Buch 2 der Hardcover-Editionen noch nichts.
Der letzte Walking Dead Artikel, den ich herausgesucht hatte, liegt schon ein paar Monate zurück, deshalb dachte ich mir, wir nehmen diese etwas mehr in die Rotation. Spider-Man und The Walking Dead wird sicher eine interessante Mischung.
Der schnelle Wechsel zwischen Comic und Serie zeigt seine ersten Nachwirkungen und ist mir mit diesem Buch so richtig bewusst geworden. Beide Medien legen zwar ihre Schwerpunkte auf die Charaktere, doch es gibt auch große Unterschiede, was dazu führt, dass jedes Team seine eigene Dynamik hat. So empfinde ich das Serien-Team als deutlich angespannter, getrennter und das Comic-Team mehr als eine Einheit.
- Autor: Robert Kirkman
- Zeichner: Charlie Adlard
- Grautöne: Cliff Rathburn
- Letterer: Rus Wooton
- Erstveröffentlichung: 2007
- Ausgaben: #13 – #24
„Don’t you get it? We ARE the walking dead!“ – Rick
In dem Buch gibt es wieder zwei Kapitel. Sie tragen die Titel »Safety behind bars« und »The heart’s desire«. Es spielen beide davon im Gefängnis und wie es aussieht, werden wir auch noch eine Zeit lang dort verweilen. Dadurch wurde mir bewusst, warum dieser Ort in der Serie so einen zentralen Punkt darstellt. Es ist eine faszinierende Basis für einen ausgedehnten Handlungsstrang, der viel Potenzial für spannende Geschichten birgt. Die einzelnen, voneinander abgeriegelten Blocks, alle möglichen versteckten und verwinkelten Räume, außerdem enthält er eine Bibliothek, einen riesigen »Garten« und einen Generator. Anders als im ersten Buch auf der Farm scheinen wir hier nicht zu einem Punkt zu kommen, wo wir einen Zeitsprung machen, sondern im Detail mitbekommen, was sich abspielt und wie sich die Gruppe weiterentwickelt.
Anfangs sind sie noch eine große Familie, die gemeinsam im RV übernachtet, doch nach und nach zerschlägt sich die Gruppe in einzelne Fragmente. Diverse vorschnelle Entscheidungen zeigen erste Konsequenzen und das liegt nicht nur an der Führungsposition von Rick. So entfernen sich zum Beispiel Glenn und Maggie immer weiter von den anderen und genießen ihre junge, frische Liebe (ich hoffe ehrlich, dass die beiden noch länger zu leben haben, besonders, da die Szenen so liebevoll gestaltet sind).
Es hilft der Gruppe nicht, dass sie vier neue Mitglieder ins Team bekommen, die eine potenzielle Bedrohung darstellen. Dann geschehen noch grausame Morde an den beiden Zwillingen. Dexter ist zwar zu offensichtlich nicht der Täter, doch dass er sich später als Revolutionär versucht, hatte ich nicht erwartet. So ist dann ausgerechnet Axel, derjenige, der sich am besten in die Gruppe eingliedert, auch wenn er weitgehend ein Außenseiter bleibt. Er könnte sich zu einem wertvollen Teil des Teams entwickeln und Hershel hilft er beim Ackerbau.
Rick driftet immer weiter in eine Psychose ab und man merkt ihm deutlich die Last an, die er zu tragen hat. All die Entscheidungen, die er für alle treffen muss, der Druck um das kommende Baby, alles treibt ihn dazu hin, einen Mord zu begehen und Allen ein Bein zu amputieren – auf wirklich grausame und billige Art und Weise (selbst ich wüsste, dass ich vor dem Abtrennen zumindest das Bein abbinde und nicht einfach mit der Hacke darauf einprügle). All das gipfelt in einer gewaltigen Auseinandersetzung mit Tyreese. Am Ende hat er sogar einen Blackout und ist für über 25 Stunden außer Gefecht.
Während seiner Abwesenheit trifft die Gruppe eine Entscheidung, die ich ehrlicherweise nicht erwartet hätte: Sie wählen keinen neuen Anführer, sondern ein Komitee, das sich immer gemeinsam beraten und dann die Entscheidungen treffen soll. Auch wird angesprochen, dass sich keine Frauen darin befinden. Die Ausrede, dass keine wollte, finde ich zwar etwas an den Haaren herbeigezogen, denn Andrea hätte sich angeboten, doch damit müssen wir uns erst einmal abfinden.
In der Serie sind wir noch weit davon entfernt, so etwas wie eine demokratische Struktur aufzubauen, immerhin hat Rick dort gerade erst eine Diktatur ausgerufen (ähnlich wie der Imperator bei Star Wars das galaktische Imperium ausruft, nur nicht ganz so subtil). Mal sehen, wie die Entscheidungen ausfallen, denn wenn es Schlag auf Schlag kommt, haben sie nicht viel Zeit sich zu beraten, dann kommt es darauf an, wer sich durchsetzen kann.
Es sind ähnliche Motive in beiden Medien zu erkennen. Zum Beispiel wird im Comic das Thema Hinrichtung angesprochen, auch wenn es nicht so beeindruckend und emotional dargestellt wird, wie in der Serie. Dies ist mir schon in der zweiten Staffel aufgefallen: es gibt zwar immer wieder größere Diskrepanzen zwischen der Vorlage und der Serie, die wichtigen, prägenden Unterhaltungen und Aussagen bleiben aber erhalten. Teilweise werden sie von anderen Personen getätigt, zu denen es dann besser passt, aber mir gefällt die Treue, die die Autoren an den Tag legen.
Visuell weiß der Comic wieder zu beeindrucken. Besonders das »Schauspiel« der Charaktere ist immer wieder faszinierend zu beobachten. Durch punktgenaue Darstellung hat man das Gefühl immer zu wissen, was in ihnen vorgeht. Die Kulissen, wenn man so will, können allerdings ebenso überzeugen und bestechen durch den intensiven, düsteren, Gefängnis-Look. Es wird viel mit Schwarz gearbeitet und mit dunklen Schattierungen – es wirkt beinahe Klaustrophobisch.
Es erhöht die Spannung der Geschichte deutlich und mein Blick flog nur so über die Sprechblasen und Panels hinweg, da ich unbedingt wissen wollte, wie es weitergeht. Ein Punkt, den ich schon bei früheren Comics erwähnt hatte, ist, dass man sich teilweise zusammennehmen muss und innehalten, um die großartigen Zeichnungen zu genießen. Besonders im zweiten Kapitel gibt es vermehrt doppelseitige Panel-Strukturen und eine markante, ebenfalls doppelseitige Darstellung während des Kampfes zwischen Rick und Tyreese. Hier zeigt sich das ganze Talent der Künstler. Die Mimik und Brutalität, das Spiel mit den Schattierungen, einfach alles an dem Bild gefällt mir. Jetzt noch der Titel in eine Ecke und man könnte es als Poster aufhängen.
Einziger Nachteil bei schwarz-weißen Zeichnungen ist, dass man tendenziell nicht weiß, wann es wirklich dunkel ist oder wann es beginnt, Nacht zu werden. So muss dies über die Unterhaltungen wiedergegeben werden, was manchmal gut eingebaut wird, teilweise aber etwas zu offensichtlich. Es kann einen aus der Geschichte reißen. Beide Kapitel waren allerdings gelungene Fortsetzungen von »The Walking Dead«.