Kulturelle Berichterstattung

Ich glaube, es war die Episode 1569 des fantastischen Podcasts WRINT von und mit Holger Klein. Es war eine Ausgabe des mehr oder weniger regelmäßig erscheinenden Realitätsabgleichs, in der Holgi und Toby Baier ihre Realitäten abgleichen. Wer hätte es gedacht? Jedenfalls einer der besten, sogenannten Laberpodcasts – abgesehen von der Sprechkabine, die ich zum Einschlafen höre.

Darin unterhielten sich die beiden unter anderem über Spiele; Brettspiele, um genau zu sein und darum, dass dieses Thema eigentlich kaum in Zeitungen vorkommt. Spiele finden nur selten Platz in der kulturellen Berichterstattung. Dabei ist es egal, um welche Art von Spiele es sich handelt, seien es die zuvor genannten Brettspiele oder aber Videospiele jeglicher Plattform.

Wie sie in der Podcast-Episode richtigerweise angemerkt haben, spielen wahrscheinlich mehr Leute Spiele, als Menschen ins Kino gehen. Die Videospiel-Branche ist ein Milliardenmarkt. Richtig ernst zu nehmen scheint man sie in Redaktionen jedoch nicht so recht. Zwar erscheinen vereinzelt Rezensionen zu Titeln in den Online-Ausgaben von Zeitungen, aber diese konzentrieren sich meist auf die AAA-Spiele, die sich aktuell besonders hervortun und so zu mehr Klicks führen. Eine tiefere Auseinandersetzung mit der Thematik sucht man aber in den Zeitungen vergebens.

Eine interessante Beobachtung, über die ich mir eigentlich noch keine Gedanken gemacht habe. Dabei spiele ich doch selbst sehr gerne und kann sowohl eine PS5 als auch eine Xbox Series X mein Eigen nennen. Die zuletzt genannte Konsole habe ich mir zwei Jahre, wenn ich mich richtig erinnere, vor der PS5 gekauft, da ich einfach keine Playstation ergatterte und ich zuvor schon mit der Xbox Series X zufrieden war. Das Final Fantasy XVI Bundle der PS5 hat mich aber dann doch zu sehr gereizt, als dass ich den Deal hätte an mir vorbeigehen lassen. Aber das ist ein Thema für ein anderes Mal.

Ich werde jedenfalls in nächster Zeit etwas vermehrt mein Augenmerk darauf richten, was die Zeitungen und Redaktionen unter »Kultur« verstehen. Ein vollständiges Bild zeichnen sie jedenfalls nicht. Und auch wenn es vielleicht zu viel verlangt wäre, in jeder Ausgabe über Spiele zu berichten, so könnte man zumindest die Wochenendausgaben dafür nutzen. Eine ausführlichere Kolumne, die die letzte Woche der Branche zusammenfasst oder über konkrete Spiele berichtet, wäre schon mal ein Anfang. Nur mal so als Idee.

Throwback Thursday: Batman v Superman

Ach, Batman v Superman. Das waren noch Zeiten, als nur DC überteuerte Filme herausgebracht hat, die weit hinter den Erwartungen zurückliegen. Heute macht da Marvel ebenfalls mit. Und damit willkommen zu einer neuen Ausgabe meines wöchentlichen Rückblicks auf meine vergangenen Blogger-Tage. Am 26.03.2016 habe ich die folgende Rezension zu Batman v Superman auf meiner damaligen Webseite geek-planet veröffentlicht. Der Film hat mich so sehr beschäftigt, damals, dass er insgesamt drei Artikel inspiriert hat, die ich im Laufe der nächsten Monate ebenfalls wiederveröffentlichen möchte.

Der Hauptartikel über den Film, um den es heute gehen soll, ist etwas all-over-the-place, wie man im Englischen so schön sagt. Ich habe viele unterschiedliche Aspekte des Films aufgegriffen, aber gehe selten tiefgreifender darauf ein. Vielleicht hätte ich mir mehr Zeit lassen sollen und den Text dafür etwas ausführlicher gestalten. Dann wäre es allerdings ein über 2000 Worte umfassendes Monster geworden.

Ich hätte mir noch gewünscht, aus heutiger Sicht, mehr auf die philosophische Frage einzugehen, die mit dem Titel Batman v Superman einhergeht. Die Frage des David gegen Goliath oder Mensch gegen Gott, wie es im Film heißt. Was der Film, ob seiner pessimistischen und nicht gerade tiefgründigen Charakterzeichnung von Superman nämlich völlig versäumt darzustellen, ist, dass sich dieser immer im Zaum halten muss. Er hält sich in jedem Kampf zurück. In den Comics wird es (auch bei Spider-Man, übrigens) gelegentlich ausgearbeitet, dass die schiere, übermenschliche Kraft von Superman immer gezügelt werden muss. Dass er immer die Kontrolle haben muss. Es ist ein Aspekt des Charakters, der zu oft übersehen wird.

Ich habe den Film schon lange nicht mehr gesehen und offen gesagt auch keine Lust darauf. Snyders neue Version des Justice League Films, ein paar Jahre später, war ein interessantes Experiment und ich mochte den Film sehr gerne. Er ist so komplett anders, dass er eigentlich einwandfrei funktioniert. Batman v Superman allerdings ist chaotisch und es fehlt ein gewisser Fokus. Es sind doch oft die einfacheren Geschichten, die uns am meisten beeindrucken, solange sie gut umgesetzt sind.

Was ich bei Comic-Verfilmungen nie ganz verstehen werde, ist, dass man sich nicht näher an die Vorlagen hält. Teilweise werden in zweieinhalb Stunden Film, dutzende, wenn nicht Hunderte an Comics gepresst, was am Ende natürlich nur schiefgehen kann. Figuren und Momente benötigen Zeit zum Atmen – sie müssen auf die Zuschauer*innen wirken können. Aber wenn eben die Substanz im Drehbuch fehlt, dann versuchen das so manche mit Lärm und Slow Motion zu überspielen. Am Ende ist niemand so richtig zufrieden.


Man nehme eine große Portion The Dark Knight Returns, mische es mit The Death and Return of Superman und gebe eine Handvoll Justice League Comics hinzu. Zum Abschmecken dann noch eine Prise Batman Year One und ein beliebiger Darkseid-Prequel-Comic, je nach Geschmack. Was natürlich bei so einem Schmankerl auch nicht fehlen darf, ist Zack Snyders Geheimzutat und Masturbationsvorlage: Slow Motion!

Die Geschichte von Batman v Superman basiert auf so allerlei Comics. Der größte Einfluss ist allerdings der 1986 erschienene The Dark Knight Returns von Frank Miller. Es gilt bis heute als eines der großen Meisterwerke in Batmans langer Publikationshistorie und prägte lange Zeit den dunklen Detektiv. Worum geht es? Ein alter und eigentlich in Rente gegangener Bruce Wayne macht sich dort noch einmal auf, um gegen das Kriminelle in Gotham vorzugehen und endet schließlich mit einer großartigen Auseinandersetzung mit Superman. Allein dies in einem Live-Action-Film umgesetzt zu sehen, wäre fantastisch. Doch es kam anders.

Immerhin soll der Film nichts weniger als das gesamte Cinematic-Universe von Warner Bros. starten. Eine gewaltige Aufgabe. Und so hat man sich wohl gezwungenermaßen dazu entschlossen, sehr viel, zu viel, in diesen einen Film zu stecken. Doch alles der Reihe nach.

“And now, you will fly to him, and you will battle him to the death. Black and blue. Fight night. The greatest gladiator match in the history of the world. God versus man. Day versus night! Son of Krypton versus Bat of Gotham!” – Lex Luthor

Machen wir eine kurze Reise zurück ins Jahr 2005. Vor zehn Jahren hat uns Christopher Nolan Batman Begins geschenkt. Dieser Film erzählt wie kein anderer zuvor eine perfekte Origin-Story für den dunklen Ritter. Alle wichtigen Elemente werden aufgegriffen, die Charaktere werden super entwickelt, die Gegner sind klasse gestaltet und Gotham wirkt zum Greifen nahe. Später wurde die Geschichte in der Serie Gotham noch einmal aufgewärmt und ebenfalls gut erzählt. Sie bildete einen Startschuss für eine etwas andere Batman-Serie. Mittlerweile sollte also jeder die Geschichte, wie Bruce Wayne zur Fledermaus wurde, kennen und in allen Farben des Spektrums rekonstruieren können – besonders diejenigen, die sich Batman v Superman ansehen, kann man wohl zu dieser Gruppe zählen. Zack Snyder hat sich trotzdem dazu entschlossen, der Ermordung von Bruce Eltern seinen eigenen Stempel aufzudrücken. Gleich die erste Sequenz beschäftigt sich mit unfassbar langsamer und lang gezogener Slow Motion diesem schrecklichen und zugleich prägenden Ereignis. Die Sequenz zeigt aber auch, dass sich eine Art Spider-Man-Effekt einstellt: Die Origin-Story wurde einmal zu oft erzählt. Es werden keine neuen Aspekte hinzugefügt; es fehlt der emotionale Kontakt zu den Protagonisten und als Zuschauer hofft man nur, dass es bald vorüber ist.

Was als Nächstes folgt, ist dafür die wohl beste Einführung eines erwachsenen und erfahrenen Bruce Wayne: Wir steigen direkt in den finalen Kampf von Man of Steel ein und Bruce fährt mit seinem Wagen durch Metropolis. Es herrscht Chaos. Wolkenkratzer stürzen ein. Zwei Götter prügeln sich durch die Stadt. Bruce Wayne jedoch läuft direkt in die Staub- und Schuttwolken der Zerstörung hinein, um zu helfen. Er wirkt heroisch, selbstlos und am Ende, als er ein kleines Mädchen vor dem sicheren Tod rettet und es in den Armen hält, sieht man den Zorn und die Wut in seinen Augen. Sein nächstes Ziel steht fest: Superman neutralisieren.

Eine stringente, gut erzählte Geschichte, die den Zuschauer mit den Charakteren mitfühlen lässt und die einzelnen Schritte logisch miteinander verknüpft, sucht man in den ersten 60 bis 75 Minuten jedoch vergeblich – vielleicht sogar den ganzen Film über. Vielmehr ist es eine Art Best-of von Bruce Waynes nächtlichen Albträumen und einem verbitterten, seltsamen Superman, sowie Abenteuer von Lois Lane. Als es dann schließlich langsam darauf hinausläuft, dass Superman gegen Batman antreten soll, um seine Mutter vor Lex Luthor zu retten, nimmt die Geschichte endlich etwas an Fahrt und Spannung auf. Auch wenn meiner Meinung nach eine vielversprechende Möglichkeit verschenkt wurde, um Aquaman zumindest einen kurzen Auftritt zu schenken, verläuft der Film ab der Hälfte deutlich besser.

“Twenty years in Gotham. How many good guys are left? How many stayed that way? He has the power to wipe out the entire human race. I have to destroy him.” – Bruce Wayne

Zu der besten und von mir persönlich am meisten ersehnte Szene ist der Kampf zwischen Batman und Superman. Dieser geht eine Trainingsmontage von Bruce Wayne voraus, in der Ben Affleck deutlich zeigt, dass er es sich nicht nur verdient hat, den Charakter darzustellen; man sollte sich ihm schon gar nicht in die Quere stellen. Gewichte werden gestemmt, geschoben, geworfen und Dinge geschlagen und geboxt, was das Zeug hält. Es ist ein brachialer Zusammenschnitt aus purem Willen, Superman zu besiegen. Dieser weiß noch nichts von seinem Glück, bald sehr viel Kryptonit in verschiedenen Formen verabreicht zu bekommen. Auch wenn der Man of Steel den dunklen Ritter mit einem Fingerschnippen vernichten könnte, unterschätzt er dessen Kalkül deutlich und steckt dafür eine Menge Prügel ein. Es ist eine fantastisch gemachte Sequenz, denn dieser Superman hat nichts anderes verdient.

Es ist ein Superman, der zwischen depressiv und verbittert zu schwanken scheint. Die Beweggründe dafür sind mir offen gestanden nicht ganz klar. Ist es wegen des Kampfes mit Zod und dass er ihn töten „musste“? Ist es wegen der Ablehnung von so vielen Menschen? Ist er einfach nur mit der Gesamtsituation unzufrieden und weiß nicht, was er will? Es wird nicht deutlich und er spricht auch nicht sehr viel. Diese Version von Superman ist noch enttäuschender als diejenige aus Man of Steel. Somit war es dann ganz gut, dass ihm Batman eine Lektion erteilt.

Den Batman, den wir hier erleben, ist seit 20 Jahren im Dienst. Er hat schon einiges mitgemacht und verlor den ein oder anderen Verbündeten an verrückte Clowns und andere Schurken. Er scheint seinen ursprünglichen Antrieb, in der Welt etwas ändern zu wollen, verloren zu haben, kann aber doch nicht aufhören. Die Dialoge mit Alfred (Jeremy Irons) sind bewegend und toll geschrieben. Außerdem sind die Kämpfe und Einsätze, die er im Laufe des Films absolviert, angsteinflößend dargestellt und vermitteln einen gespenstischen Eindruck von einem Batman, der tut, was immer notwendig ist, um sein Ziel zu erreichen. Dabei ist es gewöhnungsbedürftig zu sehen, wie diese Inkarnation vor Folter und Mord nicht zurückschreckt. Allerdings passt es zum Gesamteindruck. Es ist ein stimmiges Konzept und Ben Affleck verkörpert diese innere Zerrissenheit bravourös; ein eigenständiger Batman-Film mit ihm kann nicht früh genug kommen.

Sprechen wir nun über andere Charaktere, die ebenfalls im Film auftauchen: Lois Lane (Amy Adams) ist eigentlich nichts anderes, als eine immer wieder auftauchende Deus-Ex-Machina. Zu dieser Welt würde es eigentlich besser passen, wenn sie statt Zod in Man of Steel gestorben wäre und sich Zack Znyders Universum als Injustice-Verfilmung herausstellte. Dann würde alles etwas mehr Sinn ergeben. Perry White (Laurence Fishburne) auf der anderen Seite hätte mehr Screentime bekommen können. Er ist witzig, lockert das ganze düstere Desaster etwas auf und versprüht sehr viel Charme. Eine willkommene kleine Anti-These zum Rest des Films.

Lex Luthor ist ein Charakter, der sich bisher nicht gut einschätzen lässt. Er wirkt wie eine Light-Version des Jokers, nur mit mehr Geld und anderen Zielen. Jedoch stellt ihn Jesse Eisenberg sehr wirr da, was aber wiederum zum Film passt. Die Cameo-Auftritte von Flash, Cyborg und Aquaman sind eigentlich nicht der Rede wert und so unnütz wie die erste Sequenz des Films. Wonder Woman hingegen ist wirklich fantastisch. Ihr erster Auftritt auf der großen Leinwand meistert sie bravourös und mit Gal Gadot hat das Studio eine Schauspielerin engagiert, die perfekt zum Charakter passt. Dafür hat sie sich dann in der Vorstellung auch den ein oder anderen Szenenapplaus verdient. Richtig Gänsehaut hat die Stelle beschert, wo sie mit Superman und Batman im Bild zu sehen ist und gemeinsam gegen Doomsday kämpfen. Wirklich fantastisch.

“That’s how it starts. The fever, the rage, the feeling of powerlessness that turns good men… cruel.” – Alfred

Kommen wir etwas zur Aufmachung und Technik des Films. Der durchgehende Sepia-Filter, den Zack Snyder wohl besonders lieb hat, ist nach einer Stunde wirklich anstrengend zum Zusehen und man wünscht sich Farben zurück. Sei es ein saftiges Grün für das Gras oder auch nur ein schönes helles Blau für den Himmel. Doch irgendwann akzeptiert man den Eindruck, den dieser Filter vermittelt, und beginnt langsam zu verstehen, warum alle Menschen in dieser Welt so schlecht gelaunt sind.

Hans Zimmer trägt dann den Rest dazu bei, dass die Stimmung weiter gedrückt wird und sich wirklich keine gute Laune ausbreitet. Die Musik ist zu laut, zu dominant, zu episch und einfach nur zu viel da. Sie schürt Erwartungen, die nicht eingelöst werden, drückt die Stimmung, wo es nicht notwendig wäre und man möchte sie gemeinsam mit dem Filter einfach nur abschalten. Wenn man als Zuschauer erleichtert ist, jedes Mal wenn die Musik leiser wird oder ganz aufhört, dann ist etwas falsch gelaufen und man muss es sich wirklich noch einmal überlegen, den Film später auf Blu-Ray anzusehen. Besonders, wenn Snyder seine Drohung wahr macht und einen über drei Stunden dauernden Director’s Cut beifügt.

Dahingegen sehen die Effekte an sich beeindruckend aus, aber dies gehört ja mittlerweile zum Standard. Wenn ein Film an die 250 Millionen Dollar kostet und dann keine guten Effekte aufweisen kann, ist etwas ziemlich falsch gelaufen. Allerdings können gute Effekte nicht über die restlichen Schwachpunkte hinwegtäuschen.

“Tell me. Do you bleed?” … “You will.” – Batman

Soll man sich nun Batman v Superman ansehen oder nicht? Diese Frage lässt sich abschließend nicht so einfach beantworten. Zum einen gibt es einen wirklich gut dargestellten Batman, den man sich in einem eigenen Abenteuer wünscht – vielleicht etwas weniger blutrünstig. Zum Anderen gibt es einen derart verunstalteten Superman, dass man froh ist, wenn er vom dunklen Ritter verprügelt wird. Der Film ist eine konstante Abwechslung zwischen stark inszenierten Szenen, die die Charaktere strahlen lassen und enttäuschenden Momenten, in denen man nur den Kopf schütteln oder ihn besser gegen die Wand schlagen möchte.

Ich bin an dem Punkt angelangt, an dem ich hoffe, dass das Studio jemand anderen an die restlichen Filme ran lässt und Zack Snyder ersetzt. Seine Filter, Slow Motion und teilweise seltsamen Inszenierungen passen für mich nicht mehr zu dieser Welt. Außerdem muss das Studio einsehen, dass sie sich mit dem Zwang, unbedingt Marvel Konkurrenz machen zu wollen, nur selbst schaden.

Als sehenswert kann man den Film auf jeden Fall einschätzen, da er interessante Aspekte anspricht und am Ende zumindest dazu führt, dass man sich die ganzen Comic-Vorlagen bestellt. Denn man sollte auf jeden Fall die echten, originalen und fantastisch geschriebenen bzw. gezeichneten Geschichten lesen.

Als Nächstes steht Suicide Squad auf dem Plan. Auch wenn die Erwartungen nun etwas vorsichtiger geworden sind, sollte dieser Film erfrischend anders sein. Es bleibt in jedem Fall spannend, wie es weiter geht mit dem Cinematic Universe von DC.

Mehr Anerkennung

Was mich immer wieder nachhaltig beeindruckt, sind Handwerksberufe. Natürlich gibt es Berufsstände wie Menschen, die in der Pflege arbeiten, Kinder betreuen, Lehrer und so weiter, die jeden Tag Anerkennung verdienen und eigentlich zu den erstrebenswertesten Berufen gehören sollten. Menschen, die sich buchstäblich um unsere Zukunft kümmern (wie eben Kinder) oder diejenigen betreuen, die nicht selbst dazu in der Lage sind oder es nicht mehr können. Das führt für heute allerdings zu weit und ist eine komplett eigene Diskussion als diejenige, die ich eigentlich im Kopf hatte, aber gesagt werden muss es trotzdem immer wieder.

Jedenfalls beeindrucken mich Handwerker stets aufs neue. Gerade deshalb, weil aktuell welche im Haus arbeiten und die anstehende PV-Anlage, welche aufs Dach kommt, vorbereiten. In wenigen Tagen haben sie gestemmt, meterweise Leitungen und Kabelschächte verlegt, einen Boiler aufgestellt, einen Wechselrichter montiert und noch mehr. Am Ende des Tages können sie nach Hause gehen und sehen vor sich, was sie vollbracht haben.

Ich sitze den ganzen Tag über vor einem Bildschirm und tippe auf eine Tastatur. Ich erstelle Gebrauchsanweisungen, Zeichnungen, Ersatzteillisten und so weiter, aber das meiste eben digital abrufbar – ja, manches wird gedruckt – und nur in einer virtuellen Welt lebend. Nicht dass mir mein Beruf als technischer Redakteur nicht taugen würde – oder gefallen, für diejenigen, die mit »taugen« nichts anfangen können – trotzdem hat es etwas Eigenes an sich, Dinge mit den Händen zu erschaffen.

Gerade deshalb mag ich es an Warhammer-Figuren zu arbeiten, wenn ich denn mal Muse dazu habe, im Garten auszuhelfen oder Sport zu treiben. Besonders Letzteres mache ich jeden Tag und mit großer Leidenschaft, da man sieht, was vorangeht. Ob man besser wird, weiter läuft, geht oder die Kraft zunimmt. Es ist ein Ausgleich, den ich für mich benötige. Auch als Ausgleich für diesen Blog. So gerne ich auch schreibe, existiert dieser nur virtuell. Und was bedeutet es schon, seit Oktober knapp 90.000 Worte geschrieben zu haben? Ich habe mir vorgenommen, am Ende eines Jahres ein kleines Buch zusammenzustellen, mit all den Texten, die ich so geschrieben habe. Nur für mich, damit ich etwas in der Hand habe und ins Regal stellen kann.

Es geht eben nichts über die reale Welt, die man anfassen und begreifen kann. Besonders in einer Zeit, in der durch KI immer mehr verschwimmt, was echt ist, wo Bilder, Videos und mehr nicht mehr der „Wahrheit“, was auch immer das sein mag, entsprechen. Jede*r kann sich mithilfe diverser Tools seine eigene Welt schaffen, ob das nun gut ist oder nicht, sei mal dahingestellt. Darüber nachzudenken, dazu hat mich eine der letzten Bitsundso-Episoden inspiriert, in der es um die miserabel gephotoshoppten Bilder der Royals ging – Kate, um genau zu sein.

Aber auch diese Diskussion führt für diesen Text viel zu weit. Aber so ist eben manchmal, wenn man über ein Thema nachdenkt und zu schreiben beginnt – so ergeht es mir zumindest bisweilen – ein Gedanke jagt den anderen und man driftet in philosophische Überlegungen ab. Worum es mir eigentlich ging, ist um mehr Anerkennung und Respekt für Handwerker*innen jeglicher Art. Dank ihnen haben wir es warm, werden mit Strom und Wasser versorgt und können unsere Gedanken im Internet verbreiten.

Gefinkeltes Spielprinzip – Elden Ring

Seit ich das Elden Ring Walkthrough von TheRadBrad verfolgt habe, geht mir dieses verdammte Spiel nicht mehr aus dem Kopf. Es ist ein fantastisches Spiel, in einer epischen Welt, in der es so viel zu entdecken gibt, dass man hunderte Stunden damit verbringen kann. Jeder Boss ist bis ins letzte Detail ausgearbeitet und mit viel Liebe gestaltet, die Welt so detailreich wie kaum eine zweite, ohne zu überborden zu wirken. Man wird nicht an der Hand genommen, sondern allen steht es selbst frei zu entscheiden, wie man sich dem Spiel nähern möchte. Die Möglichkeiten sind endlos. Allerdings habe ich noch nie ein Souls-like gespielt und muss mir erst die notwendige Geduld, die damit einhergeht, antrainieren.

Genauso wie das Durchhaltevermögen kann es notwendig sein, Level zu farmen, damit man Upgrades und Waffen verwenden kann, die beim Kampf gegen Bosse helfen können. Aber irgendwie will ich es doch selbst erleben. Elden Ring ist eines dieser Spiele, wo es mir egal ist, dass ich die Enden kenne oder schon zig YouTube-Videos gesehen habe, so sehr geht es darin um die Reise an sich. Jeder Run ist anders, jede*r Spieler*in verwendet andere Taktiken, Rüstungen – bewegt sich anders durch die Welt.

Aber um den Frust am Anfang nicht überzustrapazieren und den Controller verärgert wegzuwerfen, habe ich auch dank diverser Empfehlungen ein paar Guides und Hilfestellungen zurate gezogen. Angefangen vom Elden Ring Wiki, wo es eine tolle Map mit allen Locations für alles gibt. Anforderungen für NPCs sind dort aber genauso zu finden wie allgemeine Tipps und Tricks.

Dann gibt es natürlich noch die unerschöpfliche Quelle YouTube, mit allen möglichen Walkthroughs und Einsteiger-Guides. Hier sollte man sich am besten diejenigen YouTuber heraussuchen, mit denen man selbst am meisten anfangen kann. Spieler*innen haben ihre eigenen Präferenzen und Strategien, die sie anwenden wollen. Die, die ich am unterhaltsamsten finde, sind weiter unten aufgelistet. Bushy ist dort ebenfalls zu finden, weil es Spaß macht, ihm dabei zuzusehen, wie er die unterschiedlichsten Mods ausprobiert. So lernt man selbst auch etwas mehr über Zauber und die Bosse.

Vielleicht hilft es jemandem ebenfalls weiter, diese paar Ressourcen zu verwenden. Zu viele sollten es nicht sein, da es sonst schnell überhand nimmt und man gar nicht mehr spielt. Und darauf kommt es schließlich am Ende am meisten an – zu spielen, sich auszuprobieren und Spaß zu haben, an der Erfahrung und der Welt, die es zu entdecken gibt.

YouTube-Empfehlungen:

Der Weg ist das Ziel – Dead Space

Ich hatte letztens bereits davon berichtet, dass mich das Horror-Genre begeistert. Wobei »begeistert« wohl ein etwas zu großzügiges Wort ist – ich bin fasziniert davon. Normalerweise schaue ich eher Let’s Plays von Horror-Spielen, als sie alleine durchzustehen, aber Dead Space wurde mir wärmstens empfohlen und es war im Game Pass auf der Xbox dabei, da musste ich es einfach testen. Nun, da ich damit durch bin, kann ich sagen, dass ich vollends zufrieden bin, es gespielt zu haben.

Es ist ein sehr atmosphärisches Spiel, das aber trotzdem nicht zu sehr in die Horror-Richtung abdriftet, die mich alleine in Schockstarre verfallen lassen würde. Es ist doch noch eine gute Portion Shooter-Mechanik dabei und man kann sich den Aliens brachial zur Wehr setzen. Die Waffen und vor allem der ikonische Anzug lassen sich auf vielfältige Weise weiterentwickeln, sodass man sich auf diejenigen konzentrieren kann, die der eigenen Spielmechanik am besten zusagen. Wobei man bei diversen Abschnitten am besten das gesamte vielfältige Arsenal ausnutzt.

Der Protagonist Isaac und die ganze Story rund um Marker und die Ishimura waren immer wieder interessant zu verfolgen, auch wenn ich mich dabei erwischt habe, dass mir die anderen Charaktere nicht wirklich nahe kommen konnten. Dafür ist man über weite Strecken des Spiels doch zu sehr Einzelkämpfer. Auch die Textlogs habe ich nicht wirklich gelesen, weil es einfach zu viel ist und ich bei einem Spiel nicht stundenlang mit Lesen verbringen will. Das habe ich bereits bei Prince of Persia kritisiert und ist hier ebenfalls wieder der Fall. Es gehört allerdings zu so manchen Spielen dazu. Vielleicht kann man diese online auf diversen Wiki-Seiten nachlesen; spannend wären die Hintergründe mit Sicherheit.

Einziger Wermutstropfen ist das Ende des Spiels. Nach all dem fantastischen Worldbuilding der vergangenen, etwa 11 bis 12 Stunden, war es doch etwas unterwältigend und vorhersehbar, auch wenn ich mich getäuscht hatte, wer hinter der Eingebildeten steckt. Da hätte ich meine Theorie mit Dr. Mercer bevorzugt, aber mehr will ich dann auch schon nicht mehr verraten. Eingeweihte wissen hoffentlich, was ich meine.

Ich bin froh, Dead Space endlich eine Chance gegeben zu haben und es hat sich auf jeden Fall ausgezahlt. Ich werde noch ein New Game+ starten, wenn auch nur kurz, da ich einfach sehen will, wie der Level 6 Anzug von Isaac aussieht. Wahrscheinlich ist er dann einfach in einen kompletten Kupferblock gegossen. Das Design des Spiels ist unfassbar gut. Vom Schutzanzug angefangen, über das Level- und Waffen-Design, hin zu den Charakteren und Aliens – es passt alles perfekt zusammen.

Ich bin gespannt, wie es im zweiten Teil weitergehen wird. Vom Umfang her ist es laut howlongtobeat.com gleichwertig zum Ersten, was mir zusagt. Ich mag Spiele, die sich auf eine Sache konzentrieren, diese kompakt und stimmungsvoll umsetzen und wissen, wann man es zu Ende bringen soll. Ein anderes Spiel, welches ich vor nicht allzu langer Zeit endlich angefangen habe und mich sicherlich einiges an Nerven kosten wird, ist nicht so kompakt: Elden Ring. Aber dazu ein anderes Mal mehr.

Sandwiches, eine unterschätzte Form

In letzter Zeit habe ich Sandwiches für mich entdeckt. Diese doch unterschätzte Form der Essenszubereitung hat es mir angetan, als ich vor nicht allzu langer Zeit nicht zum Abendessen gekommen bin. Ein Kinobesuch am früheren Abend, noch ein nettes Beisammensitzen danach und Philosophieren über das Gesehene ist eben etwas ausgeartet. Am nächsten Tag wollte die Arbeit wieder zeitig aufgesucht werden, da blieb keine Zeit mehr, sich etwas Leckeres zuzubereiten. Aber auf eines habe ich mich dann gewissermaßen die ganze Nacht über gefreut: Frühstück.

Also bin ich ein paar Minuten früher aufgestanden und habe mir ein wunderbares, üppiges Käsesandwich zubereitet, um es mir ins Büro mitzunehmen. Ein größeres Stück, über Nacht frisch aufgetautes Baguette (ich friere Brot immer ein, um stets welches parat zu haben) diente als Grundlage. Den Boden etwas mit Butter bestrichen, dann konnte das Belegen beginnen: ein paar Salatblätter, Tomatenscheiben, Paprika, ein in Scheiben geschnittenes Ei, viele Scheiben Tilsiter Käse und Radieschen. Garniert mit etwas Salz und Pfeffer. Es war fantastisch.

Diese Woche habe ich mir ein Sandwich mit gebratenem Wildlachs Filet belegt. Auch hier war die Grundlage ein Stück Baguette, darauf Salat, Zwiebel, Tomaten und noch weiteres buntes Gemüse. Nur dieses Mal keine Butter als Grundbaustein, sondern Senf. Erst war ich etwas skeptisch, als ich das las, aber es hat wirklich gut geschmeckt. Freund C. hat mich auf die Idee gebracht, mit einem Steaksandwich, das eventuell demnächst gemeinsam zubereitet wird.

Sandwiches sind sehr vielfältig und der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Vor allem kann ich hier zwei Leidenschaften zusammenbringen: Brot und viel Gemüse essen, mit ein paar Proteinquellen dazu. Allein mit dem Brot kann man schon diverse Varianten entwerfen; ob man nun Toastbrot, Baguette, Vollkornbrot oder Semmeln verwendet, macht nicht nur vom Geschmack, sondern auch von der Konsistenz her einen Unterschied. Und der Belag kennt natürlich keine Grenzen. Ich bin begeistert.

Ein Hoch auf Game Pass und Co

Als ich mir vor ein paar Jahren die Xbox Series X gekauft habe, besorgte ich mir auch gleich den Game-Pass-Ultimate für knapp drei Jahre. Bisher habe ich die Entscheidung noch nicht bereut. Es erlaubt mir, diverse Spiele immer mal wieder zu testen, die ich mir anderweitig nicht gekauft hätte. Sei es das in den letzten Wochen getestete Forza 5 Horizon oder aber das Spiel, welches ich mir vor zwei Wochen installiert habe: Dead Space.

Über die Jahre haben sich so einige Spiele auf der Xbox wieder gefunden, die ich nur dank des Abos an- oder durchgespielt habe. Gleiches gilt ebenso für das Playstation-Abo. An beiden mag ich die Abwechslung, die sie in ihr Angebot bringen. Natürlich gibt es Spiele, die gefühlt immer Teil des Angebots sind, aber es kommen eben stets neue dazu. Manchmal sogar brandneue Titel, die an Tag 1 inbegriffen sind, wie Lies of P. Zwar habe ich es nicht durchgespielt, wollte aber die Welt etwas erleben und wie es ist, ein Souls-like zu spielen. Trotzdem empfand ich es als bemerkenswert, es so früh im Game-Pass wiederzufinden.

Es sind bei weitem keine günstigen Abos (abhängig natürlich, welche Stufe man wählt), aber es gibt immer mal wieder Angebote (hier lohnt es sich, die App mit dem grünen Krokodil im Auge zu behalten). So kann man sich eine durchaus beachtliche Bibliothek zusammenstellen. Allein das Grund-Abo bei Playstation bietet über die Zeit ein recht umfangreiches Angebot, da man sich die drei kostenfreien Spiele einfach zu der eigenen Bibliothek hinzufügt und dann so lange »behalten« kann, wie man das Abo hat.

Wenn man dann noch genug Geduld aufbringen kann und wartet, bis die gewollten neueren Spiele im jeweiligen Abo enthalten sind, muss man sich kaum mehr Spiele kaufen. Bei mir ist es durchaus weniger geworden, und ich greife, wie bei Büchern, gerne auf gebrauchte Artikel zurück. Nur Spiele, die ich von Tag 1 an erleben will, wie Spider-Man 2, werden dann sogar vorbestellt. Das ist aber eher die Ausnahme als die Regel.

Deshalb wollte ich heute mal eine Lanze brechen für diese beiden Angebote. Wenn man bereit ist, Neues auszuprobieren, nicht immer nur die aktuellsten Titel benötigt und gerne unbekanntere Spiele entdeckt, wird man sicher etwas finden. Man kann sich dazu Inspiration von YouTube-Kanälen wie Daryl Talks Games holen. Und AAA-Titel findet man dort sowieso zur Genüge.

Geschichten erzählen

Es gibt Menschen, denen kann man stundenlang zuhören. Dabei ist es nicht einmal so wichtig, worüber sie sprechen, ob das Thema mich nun voll und ganz interessiert oder ich bisher noch nicht einmal eine Ahnung hatte, dass es mich interessieren könnte. Sie haben ein Talent oder diese Fertigkeit gelernt und über Jahre geschliffen, um Geschichte, Wissenschaft oder was auch immer spannend zu erzählen. Vergangenes Wochenende hatte ich gleich zwei dieser Begegnungen.

Die eine betrifft eine Führung durch Salzburg. Mit Freund J. mache ich des Öfteren welche in Salzburg, weil es eben nicht nur die schönste Stadt ist, sondern es sich obendrein noch als ein geschichtlich spannender Ort darstellt. Eine Person, die uns dabei immer wieder begegnet und deren Führungen wir immer gerne mitmachen, ist Irene Gramel. Sie erzählt schlichte Daten und Fakten auf eine unterhaltsame Art und Weise und ist in der Lage, teils witzige Anekdoten aus dieser Zeit zum Besten zu geben. So wirken die Orte umso lebendiger und man wird in die Zeit, aus der sie gerade berichtet, zurückversetzt.

Stadtführungen sind sowieso eine unterschätzte Zunft. Das Wissen, das sich diese Leute angeeignet haben, ist immer wieder beeindruckend. Vor allem, wenn man Menschen durch die Stadt führt, die aus der Umgebung kommen, sich vielleicht schon seit längerem ebenfalls mit der Geschichte des Ortes auseinandersetzen, ist es umso wichtiger, präzise und genau berichten zu können. Vor allem den eigenen Wohnort oder die eigene Umgebung durch so ein Angebot besser kennenzulernen finde ich wichtig. Man muss nicht unbedingt ein detailliertes Wissen vorzeigen können, wie die Guides, aber ein Verständnis dafür zu haben ist nicht verkehrt. Sich vielleicht auch die unangenehmeren Teile einer Geschichte zu Gemüte zu führen, um daraus lernen zu können oder es sich gelegentlich bewusst zu machen, ist nie schlecht.

Das bringt mich zu meiner zweiten Begegnung mit einem faszinierenden Geschichtenerzähler. Ilko-Sascha Kowalczuk ist Historiker und hat eine umfassende, zweibändige Biografie über Walter Ulbricht geschrieben. Das hätte ich so nie erfahren, wäre er nicht in einem meiner liebsten Podcasts aufgetaucht: WRINT. Über knapp vier Stunden führen Holgi und Ilko-Sascha Kowalczuk ein Gespräch über diese Bücher, was es heißt Biografien zu schreiben, die Zeit, in der Walter Ulbricht gelebt hat und so viel mehr.

Zunächst wollte ich gar nicht reinhören, bis ich die vier Stunden gesehen habe, denn wenn jemand schon so lange mit Holgi in seinem Podcast spricht, muss es wirklich eine faszinierende Person sein. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich mir über Walter Ulbricht nicht so wirklich bewusst war. Aber einmal mit der Folge angefangen, konnte ich kaum mehr aufhören. Sie verfliegen zu schnell und Ilko-Sascha Kowalczuk hätte gerne noch länger erzählen können. Die Sichtweise eines Historikers in dieser Länge zu erfahren und was es bedeutet, sich als Historiker einem Thema, einer Biografie, einer Zeit zu nähern, fesselte mich.

Ein großartiges Gespräch und es hat mir wieder einmal gezeigt, warum ich das Podcast-Format so gerne mag. Es sind eben nicht nur wie im Radio zwei Minuten kurze Schnipsel, die ein Interview dauert, sondern es wird sich über Stunden einem Thema gewidmet, bis man es zu Ende diskutiert oder ausführlich genug durchgenommen hat. Genauso wie bei Führungen durch Städte und Orte kann man sich Zeit lassen, sich wirklich in die Zeit versetzen lassen und Geschichte spannend erleben.

Link: WR1577 Walter Ulbricht

Throwback Thursday: Call Me By Your Name von André Aciman

Letzten Donnerstag haben wir uns an dieser Stelle einen alten Text von mir angeschaut, in dem es um das Buch Der Tod in Venedig geht. Heute blicken wir zurück auf den 21. März 2018. An dem Tag habe ich auf meinem damaligen Blog geek-planet eine Rezension zu Call Me By Your Name von André Aciman veröffentlicht. Darin referenziere ich Thomas Manns Buch, da es durchaus gewisse Parallelen gibt, die ich im Text anspreche.

Außerdem ist seit Ende Februar der zweite Teil von Dune in den Kinos, wo Timothée Chalamet die Hauptrolle spielt. Auch in der Verfilmung von Call Me By Your Name spielt er neben Armie Hammer eine der beiden Hauptrollen. Also gleich noch ein Grund, sich wiederholt mit dem Buch zu beschäftigen.

Die Ansichten, die ich zu dem Buch beschreibe, sind heute noch genauso wahr wie damals. Dazu hat sich meine Einstellung nicht geändert. Eher das Gegenteil. Ich mag es heute noch queere coming-of-age Geschichten zu lesen, wo ich mich selbst und meine Lebensrealität wiederfinde. Repräsentation ist wichtig. Diversität ist wichtig. Wo die Homosexualität der Charaktere als etwas Normales dargestellt wird und nicht unbedingt ins Zentrum der Geschichte und deren Konflikte gerät. Sondern, wo es um komplexe Charaktere geht, die mehr sind, als nur diese eine Eigenschaft. Es ist ein feiner, aber bedeutsamer Unterschied. Bei coming-of-age Geschichten ist das vielleicht schwieriger darzustellen oder seltener anzutreffen. Call Me By Your Name bekommt den Spagat allerdings hervorragend hin.


Buchverfilmungen bieten ein breites Spektrum an Qualität, unabhängig, wie gut die Vorlage sein mag. Deshalb lese ich vor deren Sichtung gerne das dazugehörige Buch oder den Comic. Zum einen, weil ich dadurch mehr von den Charakteren, ihren Handlungen und Motiven erfahre und sich die geneigten Leser*innen so besser in diese hineinversetzen können. Zum anderen, weil es interessant ist zu sehen, welchen Kern sich die Macher für den Film herausgepickt haben. Bücher sind ein fantastisches Medium, aber meist nicht dazu geeignet, nur einen Film daraus zu machen. Es passiert entweder zu viel darin oder, wie im Falle von Call Me By Your Name, werden die Gedanken und Gefühle des Protagonisten sehr detailliert wiedergegeben. Wenn der Film nicht gerade mit permanentem Voice Over experimentieren will, ist solch eine Tiefe für einen Film fast nicht zu schaffen. Die Schauspieler*innen müssen es schaffen, die inneren Konflikte und Gedanken dem Publikum über Mimik und Gestik mitzuteilen.

Was beim aktuellen Beispiel dann noch hinzukommt, ist die Wahl der Perspektive. Denn Call Me By Your Name ist aus der Ich-Perspektive des 17-jährigen Elio erzählt. Er und seine Familie wohnen in Italien. Sie verbringen jeden Sommer dort und nehmen für sechs Wochen einen Sommergast auf. Diese genießen das abgeschottete Dasein und nutzen die Ruhe, an ihren künstlerischen, kreativen Projekten zu arbeiten. Die Italienischkenntnisse können natürlich ebenso vertieft werden. So kommt es, dass der 24-jährige Oliver Elios Welt auf den Kopf stellen sollte.

Wo genau die Handlung sich abspielt, wird nie so ganz klar, genauso das Jahr. Nur an einer Stelle wird es nebenbei angedeutet. Ansonsten ist es eine zeitlose Geschichte, die sich voll und ganz auf die Charaktere konzentriert. Sie und ihre Erlebnisse, ihre Gefühlswelten und wachsende Liebe stehen im Vordergrund. Natürlich wissen wir nur, was Elio wirklich empfindet. Von ihm bekommen wir erzählt, was er denkt, dass Oliver wohlfühlen mag und empfindet. Sein Verhalten bekommen wir ebenfalls nur über die Sichtweise des Erzählers mit, wie Oliver zu den anderen steht und mit welchen (Neben)Charakteren er sich umgibt. Lange habe ich mir Gedanken darüber gemacht, wie ich die Einzigartigkeit beschreiben soll, die Call Me By Your Name ausmacht, und bin, denke ich, auf einen Vergleich gestoßen, der den Roman gut einordnet.

In gewisser Weise ist Call Me By Your Name die Anti-These zu Ein Tod in Venedig, welches ich Anfang des Jahres gelesen habe. Darin ist der Protagonist, der sein Leben lang versteckt gelebt hat und seinen Gefühlen nicht nachgeben wollte/konnte, dazu verdammt, passiv einem Jungen nachzustellen, der ihn in den Wahnsinn treibt. Wie die tragische Geschichte interpretiert werden könnte, habe ich in einem eigenen Review genauer beschrieben. Elio dagegen ist jung, bekommt eine ähnliche Möglichkeit geboten, wie Aschenbach in Manns Erzählung; weiß damit zwar auch nicht so recht umzugehen, doch wagt schließlich den ersten Schritt, auf den Älteren zuzugehen.

Doch zwischen der ersten Begegnung und dem ersten Kuss vergeht so einige Zeit. Denn Elio macht sich sehr, sehr viele Gedanken über sein Ziel der Begierde. Mehr als ihm guttut. Allein darin steckt schon so viel Weisheit und so viele Lektionen, die man sich zu Herzen nehmen sollte. Elio leitet aus dem Verhalten eines für ihn völlig Unbekannten ab, wie sich dieser fühlt und was dieser empfindet. Dabei stellt sich oft heraus, dass er einfach falschliegt. Ohne Oliver zu fragen, weiß er einfach nicht, was in diesem vorgeht. Interpretationen sind immer von Ängsten und Sorgen, Hoffnungen und Sehnsüchten verfälscht. Darin liegt der große Spannungsbogen des ersten Teils, denn Elio steigert sich selbst so sehr in seine Interpretationen und Wahrnehmungen hinein, dass man als Leser*in einfach mitgerissen wird. Man kann nichts dagegen machen. Dafür sind die Formulierungen und Metaphern, Anspielungen und Referenzen zu gut umgesetzt, als dass man sich ihnen erwehren könnte.

Oft hat mich überrascht, in welchem Detail der Autor André Aciman die Beziehung zwischen Oliver und Elio beschreibt. Damit habe ich einfach nicht gerechnet. Es ist aber eine schöne Abwechslung. Doch dies unterstreicht teils die verwirrte Gefühlswelt von Elio und zu welchen Taten er sich selbst hinreißen lässt. Wie sehr er sich von diesem einen Mann vereinnahmen lässt. Seine Besessenheit ist manchmal nur schwer von seiner Liebe zu trennen.

Ähnlich zu Der Tod in Venedig hatte ich beim Lesen oft das Gefühl etwas zu verpassen, weil einfach so viel in den Szenenbeschreibungen steckt – in den Bildern, die vermittelt werden und in den Gefühlen, die die Protagonisten zeigen. Es werden so viele Bücher, Gedichte und klassische Musikstücke referenziert, dass man diese lesen müsste, um sich danach nochmals Call Me By Your Name zu widmen, damit dieses Buch seine emotionale Wucht vollends ausschöpfen kann. Doch selbst dann bleibt vieles ungeklärt und der Interpretation der Leser*innen überlassen. Es ist erfrischend, dass Aciman nicht alles erklärt und jedem einzelnen Gefühl auf den Grund geht. So bleibt es nahbar und man muss sich selbst Gedanken dazu machen.

Call Me By Your Name ist nicht nur eine Geschichte über die Liebe zwischen zwei Männern, sondern geht weit darüber hinaus. Das Setting, die Charaktere und die Zeitlosigkeit greifen wie Zahnräder perfekt ineinander und ziehen einen in diese außergewöhnliche Welt hinein. Klare Leseempfehlung.

Experimentelle Filme – Zone of Interest

Einen Film-YouTuber, den ich schon seit geraumer Zeit verfolge, ist David Hain. Ich mag seine Kritiken ganz gerne. Er stellt interessante Beobachtungen an und kann diese unterhaltsam in seinen Videos präsentieren und argumentieren. Manchmal ist er mir etwas zu kritisch, das ist mir besonders seit seinem Dune: Part Two Video noch einmal mehr bewusst geworden, aber das muss nicht unbedingt etwas Schlechtes sein. Unterschiedlicher Meinung zu sein, tut manchmal ganz gut. Jedenfalls funktioniert er für mich recht gut als Richtschnur, welche Filme mir ebenfalls gefallen könnten oder was man sich im Allgemeinen nicht entgehen lassen sollte.

Zone of Interest ist genau ein solcher Film. In einem seltenen Fall an Leichtsinnigkeit hat David Hain dem Film nämlich 5 Sterne gegeben. Das passiert eigentlich nur bei bestimmten Sternenkonstellationen, aber Zone of Interest war es das scheinbar wert. Er spricht in seiner Kritik von einer wahrlich grausamen, physischen Reaktion auf das, was da auf der Leinwand präsentiert wird. Auch Freund T. hat mir nach der Betrachtung des Films geschrieben, dass es ein schwieriger Film sei. Das ließ mich doch etwas vorsichtig werden. Glücklicherweise hat sich Freund C. bereit erklärt, mit ins Kino zu gehen. Denn nachdem ich mir zwei Wochen lang eingeredet habe, wie schlimm der Film werden würde, war es nicht möglich, diesen allein zu sehen.

Diese zwei Wochen der Spekulation hatten natürlich den „Nachteil“, dass ich mir alles Mögliche ausmalte und nun die Erwartungen dermaßen überzogen waren, der Film konnte das nicht mehr erreichen. Trotzdem hat er seine Wirkung nicht verfehlt. Für diejenigen, die gar nicht wissen, worum es in Zone of Interest geht:

Es zeigt das Leben von Rudolf Höss und seiner Familie. Er war SS-Obersturmbannführer und Kommandant des Konzentrationslagers Auschwitz. Genau davon berichtet der Film. Er zeigt aber nie, was im KZ passiert, sondern begleitet die Familie Höss, wie sie in einem regelrecht idyllischen Haus mit riesigem, gepflegtem Garten wohnen – direkt an der Mauer des Konzentrationslagers. So sieht man zwar nie, was dort drin passiert, hört es aber sehr wohl. Kinder spielen im Garten, es wird über Pläne diskutiert, wie der Wein in den nächsten Jahren wachsen soll, während im Hintergrund die Schornsteine qualmen, Schreie und Schüsse zu hören sind.

Es ist wahrlich kein einfacher Film und ich würde ihn sogar eher als eine Art Dokumentation einstufen. Derart nüchtern verfolgt nicht nur die Kamera den Alltag eines KZ-Kommandanten und seiner Familie, sondern so gefühllos und kalt reden die Personen über das, was hinter der Mauer passiert. Wer in Europa aufwächst, lernt in der Schule ausführlich über die Gräuel des Dritten Reichs, wie unvergleichlich es in der Geschichte der Menschheit war. Ich glaube, mit diesem Film habe ich zum ersten Mal so richtig verstanden, auf einer tieferen emotionalen Ebene, was damit gemeint ist. Es wird bei Besprechungen über Produktivität und Effizienz und dergleichen berichtet, als ginge es darum, etwas herzustellen und nicht, abertausende Menschen zu ermorden.

Das soll aber nicht heißen, dass nicht direkt darüber geredet wird oder sie gar verklausulierte Formulierungen verwenden. Eher das Gegenteil ist der Fall. Wenn über die Effizienz von Verbrennungsöfen geredet wird, ist klar, worum es geht. Auch die „außenstehenden“ Personen wissen sehr wohl, was innerhalb der Mauern passiert, reden sogar miteinander darüber. Diese Kälte, Nüchternheit oder emotionale Distanziertheit, ich tue mir schwer, es konkret benennen zu können, was es ist, machen diesen Film zu einem unvergleichlichen Erlebnis.

Jonathan Glazer hat mit Zone of Interst etwas Einzigartiges geschaffen. Die Schauspieler*innen sind gewaltig in ihrer Darstellung; man sieht und empfindet sie als die Charaktere, die sie darstellen. Egal, ob ich 500 oder 5.000 Worte über Zone of Interest schreiben würde, es würde dem Film nicht gerecht. Es ist ein wichtiger Film, eine auf vielen Ebenen beeindruckende Darstellung und eine Geschichte, die bei einem bleibt und nacharbeitet. Wie ich mit Freund C. festgestellt habe: auch wenn einen der Film nicht abholt, ob der Art und Weise wie er aufgebaut ist, redet man darüber, tauscht sich aus, gewinnt Perspektiven. Aber gleichgültig bleibt er einem bei Weitem nicht.