Wie man sich einen Wurm angelt – Dune Part Two

Am Mittwoch dieser Woche war ich seit gut eineinhalb Jahren das erste Mal wieder im Kino. Dune Part 2 hat es einfach verdient, auf einer riesigen Leinwand mit dem besten Soundsystem geschaut zu werden. Außerdem musste die Vorstellung natürlich im englischen Original laufen. Also fand ich mich am frühen Mittwochabend im Dolby Cinema Saal des Cineplexx Airport Kinos in Salzburg wieder.

Zwar hatte ich den ersten Teil vor nicht allzu langer Zeit geschaut, trotzdem wurde ich von dem dröhnenden Sardaukar-Intro überrascht. Dieses kurze, tiefe Brummen einer Stimme versetzt die Zuschauer*innen direkt in diese Welt. Denis Villeneuves Filme leben oft von ihrem Sound, genauso wie von ihren Bildern. Beides brilliert in diesem zweiten Teil. Normalerweise würde man ja davon ausgehen, dass ein zweiter Teil etwas nachlässt, die Magie des Vorgängers nicht mehr so richtig einfangen kann, da alles schon bekannt ist. Nicht so bei Dune.

Es finden sich immer wieder neue Einstellungen und konträre Szenen zu dem, was auf Arrakis passiert. Seien es die Szenen mit Imperator oder die Szenen auf dem Heimatplaneten der Harkonnen. Besonders die Bilder von Letzterem haben es mir angetan. Es wirkt noch einmal eine Abstraktionsstufe fremder, brutaler und gnadenloser, als es Arrakis je sein könnte. Arrakis gilt es zu verstehen, die Herangehensweisen, Methoden und Strategien der Fremen anzuwenden, sie zu verinnerlichen und respektieren. Dann hat man auf dem Planeten eine Chance, kann seine scheinbar unüberwindbaren Hindernisse für sich nutzen und nicht nur überleben, sondern dort zu neuer Kraft finden.

Auf Giedi Prime, wie sich die Welt der Harkonnen nennt, gilt es nichts zu verstehen, als dass der Stärkere gewinnt – der Brutalere und Rücksichtslosere. Was außerdem zu einer beklemmenden Stimmung dieser Szenen beiträgt, ist die grelle Beleuchtung. Es ist mir vorgekommen, als dass die Szenen nicht in schwarz-weiß wären, sondern der Stern dieses Systems und die Atmosphäre des Planeten zu dieser Illusion beitragen. Die Hautfarbe der Harkonnen ist dort weißer als weiß, ihre Häuser, Gebäude und Raumausstattung erscheint schwarz in tiefstem schwarz gehalten, mit minimaler, meist indirekter Beleuchtung. Es ist erdrückend, ob der schieren, gefühllosen Leeren, die diese Welt und ihre Charaktere ausstrahlen.

Der Baron ist ein fantastischer Bösewicht und eine ständig präsente Persönlichkeit, auch wenn er nicht viel Screentime hat. Trotzdem empfinde ich es als etwas schade, dass sie einen, nennen wir es, Aspekt seines Charakters, weggelassen haben. Das hätte ihm nochmal mehr zu einem absoluten, grausamen Herrscher gemacht. Aber das darf jede*r selbst im Buch entdecken.

Sämtliche Schauspieler*innen sind hervorragend gewählt und die wiederkehrenden Rollen setzen eine tolle Charakterentwicklung fort. Besonders Timothée Chalamet und Zandaya finden neue Höhen in ihren Darstellungen. Sie brillieren nicht nur in den ruhigeren Charaktermomenten, sondern auch in den exzellent choreografierten Kampfszenen. Ich hätte mir zwar gewünscht, dass die Schlussszene ähnlich ausgefallen wäre wie im Buch, aber ich bin trotzdem sehr gespannt, wie sie es im dritten Teil weiterführen werden.

Dune ist eine besondere Filmwelt, da sie sehr auf praktische Effekte setzt und visuelle Effekte fantastisch einzusetzen weiß. Man kann reale Szenen und die digital hinzugefügten Aspekte und Effekte praktisch nicht voneinander trennen. Nur in einer einzigen Szene dachte ich mir, dass es etwas auffälliger gewesen ist, aber das mag auch an der Wahl der Beleuchtung gelegen haben. Ansonsten würde ich den Film visuell als makellos bezeichnen. Davon können sich sämtliche andere großen Cinematic Universes etwas abschneiden. Lieber allen daran beteiligten Personen mehr Zeit einräumen, dann könnten mehr Filme so fantastisch kohärent aussehen wie Dune. Mit Liebe zum Detail gemacht, man spürt förmlich, wie viele Gedanken sich alle gemacht haben, was in den Film hinein soll und wie man dessen komplexe Welt gut darstellen kann.

Besonders überrascht hat mich, wie simpel es ihnen gelungen ist, das Magie-System (ein besserer Begriff fällt mir für die Fähigkeiten der Bene Gesserit nicht ein) visuell packend zu inszenieren. Insbesondere in Verbindung mit der noch ungeborenen Tochter von Jessica und dem Ritual mit dem Wasser des Lebens. Ohne eine wirkliche Erklärung und nur mit gut gewählten visuellen Eindrücken versteht man sofort, was gemeint ist und akzeptiert es als gegeben. Natürlich hilft die Lektüre des Buches, aber ich würde es nicht als Voraussetzung sehen, um in die Tiefen des Films vordringen zu können.

Ich hatte wirklich nicht erwartet, dass mich dieser zweite Teil so sehr packt. Die nicht ganz drei Stunden sind nicht spürbar. Ich hätte, ohne es zu wissen, nicht sagen können, ob ich zwei Stunden oder sechs im Kino saß und wenn ich derart das Zeitgefühl verliere, empfinde ich das stets als etwas Positives. Ich hätte gerne noch mehr Zeit in dieser Welt verbracht. Dune Part Two ist ein epischer Nachfolger, der dem ersten Film um nichts nachsteht. Von den Schauspieler*innen, über das (Sound) Design und dem fantastischen Soundtrack von Hans Zimmer haben alle Teile ineinander gegriffen, um ein episches Erlebnis zu schaffen.

Boyfriend Material und die Kunst, zu inspirieren

Vergangenes Wochenende habe ich Boyfriend Material von Alexis Hall gelesen. Nachdem sich dieses Buch und der Nachfolger Husband Material schon seit längerer Zeit auf meinem Kindle befanden, wurde es Zeit, diese in Angriff zu nehmen. Außerdem habe ich zwischen all den Science-Fiction-Büchern, die ich in letzter Zeit gelesen habe, etwas Bodenständigeres gebraucht. Zudem wollte ich etwas lesen, wo schwule Personen und queere Charaktere im Allgemeinen vorkommen – auch als Protagonisten.

Repräsentation in verschiedensten Medien und Lebensbereichen ist wichtig. Für die breite Gesellschaft macht es die Themen, Personen und Identitäten zu etwas allgegenwärtigen und nahbaren. Für mich bedeutet es, mich selbst und meine Lebensrealität wiedergegeben zu sehen. Leider sind schwule Charaktere in populären Franchisen meist zu Nebenrollen verurteilt, wenn sie überhaupt vorkommen. Aber zum Glück gibt es genug Autor*innen, die bei verschiedensten (Indie) Publishern gute Geschichten und Bücher veröffentlichen, die auf verschiedenste Weise die unterschiedlichsten Lebensrealitäten abbilden. Genauso gibt es Plattformen wie WebToon oder Tapas, auf denen Künstler*innen ihre (Web)Comics so veröffentlichen können – genau nach der Idee, wie sie es wollen. Auch davon werde ich in den nächsten Monaten einige vorstellen.

Alexis Hall war mir schon länger ein Begriff und die Bücher (vor allem Boyfriend Material) kommen immer wieder in Bestenlisten vor. Nachdem ich nun das erste Buch selbst gelesen habe, kann ich mich dieser Meinung nur anschließen. Von der ersten bis zur letzten Seite haben mich die Charaktere von Boyfriend Material gepackt. Die Geschichte ist trotz der Länge von über 400 Seiten dicht geschrieben und es wird nie langweilig. Doch worum geht es eigentlich?

Der Ich-Erzähler des Buches ist Lucien. Sohn von zwei berühmten Rock-Stars, die ihre erfolgreichen Jahre allerdings schon hinter sich haben (vor allem seine Mutter; sein Vater hat die Familie nicht lange nach Luciens Geburt verlassen). Deshalb findet sich Lucien oft als Ziel von Klatschblättern wieder, die jede ungünstige Situation ausnutzen oder einfach peinliche Zufälle in ein schlechtes Licht zu rücken wissen. Da hilft es nicht gerade, dass sein Ex die Geschichte von ihm und Lucien für 50k£ an eines dieser Blätter verkauft hat. Zum Start des Buches ist das 5 Jahre her und er kämpft immer noch mit Vertrauens- und Bindungsängsten sowie großen Selbstzweifeln.

Er arbeitet bei einer Wohltätigkeitsorganisation, die sich der Rettung des dung beetles (also des Mistkäfer) verschrieben hat. Durch diverse Verkettungen von Ereignissen braucht Lucien ein Date zu ihrer jährlichen Spendenaktion, dem Beetle Drive, um sich in der Öffentlichkeit und bei Spendern wieder ein positiveres Image aufzubauen. Die Wahl fällt, da nicht gerade viele Optionen zur Verfügung stehen, auf Oliver Blackwood. Einem erfolgreichen, aufstrebenden Rechtsanwalt, der aber etwas steif, trocken und unflexibel rüberkommt.

Von außen betrachtet handelt es sich also um eine typische Liebesgeschichte, in der sich die beiden erst nicht ausstehen können, im Laufe des Buches aber immer näher kommen, bis sie es vielleicht doch schaffen, ihre Gefühle füreinander einzugestehen. Auf dem Weg dorthin gibt es so einige Auf und Abs, von denen man ein paar vorhersehen kann, aber die Reise dorthin ist packend geschrieben. Vor allem die Geschichte aus Luciens Perspektive zu erleben ist immer wieder spannend und eindrucksvoll. Der Autor weiß die komplexe Gefühlswelt von Lucien gekonnt einzufangen und mit viel Mitgefühl zu erzählen.

Durch vergangene Ereignisse und ist sein Selbstwertgefühl am Boden, Vertrauen kann und will er nur einer Handvoll von Freund*innen. Man will ihm wiederholt gut zureden, vor allem wenn er sich davor sträubt, das Gute zu sehen, das sich gerade in seinem Leben abspielt und sich so gesehen unbewusst selbst manipuliert. Oliver ist ebenfalls alles als perfekt, auch wenn er es immer wieder versucht zu sein und die hohen Erwartungen anderer, so gut es nur geht, zu erfüllen.

So finden Lucien und Oliver trotz ihrer vielen Differenzen eine gemeinsame Basis. Die Geschichte weiß um die Stärke der beiden Figuren und die Chemie, die sie haben. Die Dialoge und Beschreibungen von Alexis Hall sind nachvollziehbar und dadurch, dass man immer mehr von der Vergangenheit der Charaktere erfährt, durchaus realistisch dargestellt. Ich konnte mich selbst mit Teilen der Figuren identifizieren und vielleicht gerade auch deshalb das Buch einfach nicht weglegen. Wahrscheinlich ein Grund, warum ich gerade einmal drei Tage gebraucht habe, um es durchzulesen.

Die zahlreichen Nebencharaktere, die vorkommen, finden natürlich ihren Platz in der Geschichte. Es kommt nicht selten vor, das die beiden Hauptcharaktere in queeren Geschichten in einem Vakuum zu existieren scheinen und man bekommt nicht viel davon mit, was abseits dieser anbandelnden Beziehung passiert. Das ist hier anders. Vor allem die verschiedenen Dynamiken werden hervorragend dargestellt. Hinzu kommt, dass die Auftritte dieser Nebencharakter nie zu überborden werden, sodass der Fokus auf Oliver und Lucien bleibt. Sie sind das Zentrum der Handlung, vor allem Lucien, da sie aus seiner Sicht geschrieben ist. Wie es bei solchen Geschichten des Öfteren der Fall ist, kommen natürlich auch Entscheidungen und Situationen vor, wo man als Leser*in einfach nur die Hände über dem Kopf zusammenschlagen möchte. Diese sind aber immer in der Charakterisierung der Personen verankert und so zu einem gewissen Grad nachvollziehbar.

Aber auch wenn die Geschichte viele schwierige Themen anspricht, ist es nie trocken oder schwerfällig in der Erzählung. Es kommen so einige wirklich lustige Szenen und Sequenzen vor, die Boyfriend Material zu einem schönen Gesamtpaket machen. Das Buch hat mich begeistert und mitgenommen auf eine Reise, die ich so nicht erwartet hatte. Es kommt ja gelegentlich vor, dass man Bücher liest, mit Charakteren, mit denen man sich zu einem gewissen Grad identifizieren kann. Deren Mut und Entwicklung bei einem bleiben und vielleicht sogar positiv beeinflussen können. Inspiration kann von vielen Punkten ausgehen, verschiedenste Formen annehmen. Dieses Buch ist sicherlich einer davon.

Throwback Thursday: The Witcher 3 – Wild Hunt

Reden wir über Witcher 3. Als ich den folgenden Artikel in meinen Archiven gefunden habe, musste ich lachen. Denn es gibt wohl kaum ein Spiel, welches mich anfänglich so begeistert hat, dass ich aber dann doch nie beendet habe. Trotz diverser weiterer Versuche.

Werfen wir also, wie jeden Donnerstag, einen Blick in die Vergangenheit. Am 05. Juni 2015 habe ich auf meiner damaligen Webseite geek-planet einen ersten Eindruck zu dem Spiel The Witcher 3 veröffentlicht. Wie sich später herausstellte, war das etwas zu früh. Denn nach knappen 50 Spielstunden habe ich das Spiel für mich für beendet erklärt. Ich hatte mich zu sehr in Nebenmissionen verrannt, bin in Gebiete vorgedrungen, die ich eigentlich erst im späteren Spielverlauf hätte erkunden sollen und war einfach nur verloren. Es ging sogar so weit, dass ich gar nicht mehr genau wusste, was mein aktuelles Ziel in den Hauptmissionen war und welche Entscheidungen ich so getroffen hatte.

Im Laufe der Jahre habe ich es dann zwar noch ein paar Mal versucht, aber so fesseln, wie am Anfang, konnte mich das Spiel nicht. Nicht einmal das große PS5-Update, mit überarbeiteten Texturen und besserer Grafik, konnte mich überzeugen. Aber so ist es eben manchmal. Auch wenn ich ein starker Vertreter des Konzeptes bin, Dinge einfach mal zu Ende zu bringen, auch wenn es vielleicht schwerfällt, muss man auch wissen, wann es sich nicht auszahlt. Das gilt für Spiele genauso wie für andere Lebensbereiche. Manches muss man versuchen, vielleicht wiederholt, immer wieder, bis man am Ende erfolgreich da steht. Sei es etwas Berufliches, ein sportliches Ziel, das man sich gesetzt hat oder die Warhammer-Figuren, die zusammengebaut auf Farbe warten.

Witcher 3 zählt eindeutig nicht zu diesen Dingen. Zumindest nicht für mich. Aber nicht nur das Spiel hatte es schwer bei mir, auch die Bücher habe ich angefangen, aber nach dem ersten Buch war das Interesse irgendwie weg. Deshalb war es ganz lustig, den folgenden Artikel auszugraben und die darin abgebildete Begeisterung für dieses Spiel zu entdecken. Vielleicht hat es ja der nächste Witcher-Teil einfacher bei mir. Wer weiß.


Fans der bisherigen zwei Teile mussten lange auf einen Nachfolger warten. Nun ist er endlich da und ich als Neueinsteiger bekomme die wunderbare Gelegenheit, den Zauber, den diese Reihe anscheinend hat, selbst erleben zu dürfen.

Um ehrlich zu sein, hatte ich eigentlich nicht vor, Witcher 3 zu spielen. Die Trailer waren zwar ziemlich beeindruckend und von GameStar gibt es ein tolles Video dazu, doch zum Kauf konnten sie mich doch nicht bringen. Zum einen haben Rollenspiele bei mir sowieso einen schweren Stand und zum anderen hat mich das schiere Ausmaß der Welt abgeschreckt. Über 100 Stunden soll man angeblich beschäftigt sein, um dem Spiel all seine Geheimnisse zu entlocken. Doch ein gewisser jemand hat mich dann doch kontinuierlich bearbeitet und versucht mich von dem Spiel, welches „episch sein wird“, zu überzeugen.

Also habe ich mich breit klopfen lassen und es an einem grauen Donnerstag nach der Arbeit und vor einem langen Wochenende gekauft. 35 Spielstunden später war das Wochenende dann auch schon wieder vorbei und ich musste mich mit der Realität vertraut machen. Es gibt hier keine Dialogauswahl, keine Monster, die mich bei meinen Läufen im Wald angreifen und kein Pferd, welches nach einem kurzen Pfiff auf mich zugeritten kommt. Ich war enttäuscht (von der Realität, nicht vom Spiel). Aber lasst uns die einzelnen Elemente genauer betrachten:

Patches. Es ist mittlerweile üblich, am Tag der Veröffentlichung auch gleich einen Patch zur Verfügung zu stellen, der grobe Bugs und Fehler beseitigt. Am PC sind diese gleich mal heruntergeladen, doch auf der PS4 kann das schon ein Weilchen dauern. Mir kommt es so vor, als sei das PS-Network besonders lahm, zumindest teilweise. Nachdem der Patch schließlich installiert war, konnte ich das Spiel endlich starten und war gefangen in einer wunderbaren Welt voll mit Hexern, Monstern und unzähligen Missionen, Gegenständen und alchemistischen Formeln.

Wie gesagt, war das erste Wochenende ziemlich Spiel-intensiv, aber was andere als Sucht bezeichnen, ist für mich ausgiebige Recherche. Am Anfang ist alles noch ziemlich überschaubar und anfängerfreundlich. Es werden die wichtigsten Charaktere vorgestellt und man bekommt einen sehr groben Überblick über die bisherigen Ereignisse. Kaer Morhen ist eine schöne alte Burg, mit vielen Gängen und Gerüsten, mit deren Hilfe auch gleich die Steuerung getestet werden kann. Das bringt mich zum nächsten Punkt: die Grafik.

Egal, ob Geralt von Riva sich in Wiesen bewegt, über Felder reitet oder in den Bergen Freunde besucht und Monster jagt, es sieht alles atemberaubend aus. Der Detailgrad hat mich ziemlich überrascht und es ist schon erstaunlich, was die Entwickler aus einer Konsole heraus kitzeln. Haare bewegen sich rhythmisch beim Reiten, Bäume rascheln und knistern, das Wasser in den Seen würde man am liebsten gleich trinken und wenn man in Skellige am Rand der Burgmauer steht und die Sonne hinter den Bergen verschwindet, verblasst die Umgebung und die Mission wird irrelevant – es ist einfach nur schön!

Ich hatte schon die Befürchtung, dass manche Stellen auf der Karte leer und trostlos wirken würden, doch die offene Welt, die sich langsam mit den Missionen immer weiter ausdehnt und umfangreicher wird, ist sowohl abwechslungsreich als auch mit vielen verschiedenen Personen gefüllt. Alles wirkt glaubhaft. Es scheint keine Ecke zu geben, die die Entwickler eingefügt und nicht durch Kleinigkeiten aus Flora und Fauna ergänzt hätten. Eine wahre Meisterleistung. In detailliert ausgearbeiteten Städten begegnen dem Protagonisten die unterschiedlichsten Charaktere, welche alle ausnahmslos ihre eigene Geschichte haben. Man kann intensiv nachfragen, wenn es interessiert, oder nur die wichtigsten Punkte abklappern, je nach Bedarf.

Wovon ich ebenfalls sehr positiv überrascht war, ist der ungeheure Freiheitsgrad, den dieses Spiel aufweist. Dieser würde nur noch übertroffen, wenn man Geralt individuell gestalten könnte. In den Dialogen lässt sich nicht nur der Ablauf einer Mission beeinflussen (friedlich oder mit Gewalt), ganze Quests scheinen den Spieler*innen verloren zu gehen, wenn man mit dem „falschen“ Text antwortet oder nicht rechtzeitig auf einen Hilferuf reagiert.

Auch bietet das Spiel immer wieder nicht umkehrbare Entscheidungen, wie das Töten, Retten oder Hintergehen eines Monsters (bis auf die so genannten „godlings“; wer diesen sympathisch witzigen Kreaturen etwas antut, tötet auch Katzenbabys). Entscheidungen wirken sich oftmals auf spätere Missionen aus und machen sie dadurch leichter oder schwieriger. Wäre es nicht so zeitaufwendig, könnte durch strategisch richtiges Speichern oder ein zweites Durchspielen jede Möglichkeit abgearbeitet werden, aber jetzt steht erst einmal der Spielspaß im Vordergrund. Mir scheint auch, als ob sich teilweise entscheiden lässt, wer Freund und wer zu einem Feind wird.

Apropos Missionen. Diese gestalten sich äußerst abwechslungsreich. Bis auf die Hauptmissionen lassen sich alle Aufträge von der Reihenfolge und teilweise vom Inhalt her individuell gestalten. Es gibt verschiedene Typen von Nebenmissionen. Es wird einem vieles geboten, sodass es nie langweilig werden muss. Was mich etwas stört, aber das ist mein Problem mit Rollenspielen, ist die oft sehr Dialoglastige Abwicklung einer Mission. Da rennt man von A über B nach C, nur um wieder nach A zu gelangen und bei jedem Standort redet man ununterbrochen mit den verschiedensten Personen. Das wird mir manchmal zu viel und dann kümmere ich mich um unentdeckte Orte oder erledige ein paar andere Aufträge.

Eine weitere interessante Frage, welche gleich zu Anfang beantwortet werden muss, später aber jederzeit geändert werden kann, ist die Einstellung des Schwierigkeitsgrades.

Zwar habe ich mit Stufe 2 begonnen, da mir dieser aber mit der Zeit zu schwierig und die Ladezeiten der PS4 zu lang wurden, reduzierte ich auf Stufe 1 und fahre bis jetzt relativ gut damit.

Alles in allem bin ich von Witcher 3 sehr begeistert und freue mich auch die nächsten 50 Stunden, die ich gemeinsam mit Geralt und seinem treuen Pferd Plötze erleben darf. Ich muss noch so manche Level aufsteigen und Rüstungen schmieden lassen, bis ich mich schließlich der Wild Hunt stellen und Ciri von ihren kalten Händen retten kann, auch wenn sie sich gut selbst in der Welt zurechtfindet.

Das Buch zum Film

Auf Büchern finden sich immer wieder interessante Aufkleber. Von denen, die verkünden, dass es eine dazu passende Serie auf einem Streaming-Anbieter gibt, dass es bald im Kino zu sehen sein wird, oder aber eine passende Lektüre für Filmfans sei. Und es mag vereinzelt durchaus so sein, dass Bücher auf Basis eines Films geschrieben werden, doch eigentlich ist die Reihenfolge andersherum. Und wenn schon ein Buch verfilmt wird, vor allem wenn es sich um ein erfolgreiches geht, ist immer wieder die Frage, was man zuerst konsumieren sollte.

In den meisten Fällen dürfte es eigentlich egal sein. Idealerweise gleichen sich die Charaktere und die grundlegenden Aspekte der Geschichte in beiden Medien. Die Unterschiede sind aber meist doch erheblich. Sei es die Sichtweise, aus der erzählt oder die Tiefe, mit der über die Charaktere berichtet wird. Dadurch sollte es aus meiner Sicht eher so sein, dass sich die beiden Varianten ergänzen und jeweils die Stärke des Mediums voll ausnutzen. Natürlich sollte man sich an die Vorlage halten, den Motiven der Autor*innen treu bleiben und nicht eine eigene Interpretation der Charaktere wiedergeben. Dabei kann man sicherlich Aspekte modernisieren, wenn die Werke bereits einige Jahre auf dem Buckel haben, aber weicht man zu sehr vom Ursprung ab, wird es schnell zu Fan-Fiction als zu einer echten Verfilmung.

Wie ich bereits berichtet habe, ging ich bei Dune erst den Weg über die Verfilmung (Das erste Mal ist entscheidend). Ich hatte mich beim Buch etwas verzettelt und parallel dazu einen Podcast gehört, der die Hintergründe erzählt. Beides war etwas viel für den Anfang. Also sah ich zuerst den Film vor drei Jahren, als dieser ins Kino kam, nachgeholt. Nun habe ich im Februar das Buch nachgeholt. Auch wenn sich meine Meinung zum Film geändert hat oder besser gesagt ich diese leicht relativieren muss, finde ich immer noch, dass Dune ein hervorragendes Beispiel dafür ist, wenn sich beide Medien ergänzen.

Zwar hatte ich den Film seit dem Kino nicht mehr gesehen, trotzdem hatte ich immer wieder die darin vorkommenden Schauspieler*innen bei der Lektüre im Kopf. Zum Teil habe ich die Szenen deutlich vor mir gesehen und konnte so die ausufernden, komplexen Dialoge umso mehr genießen. Immerhin ging ich davon aus, diese ja im Film nochmal erleben zu dürfen. Natürlich nicht in der Breite, aber ich war gespannt auf die Umsetzung im Film, da ich mich nicht mehr zu hundert Prozent erinnern konnte, was alles darin vorkam. Als ich schließlich nach der Lektüre den Film auf Apple TV ausgeliehen und angesehen hatte, war ich direkt enttäuscht, als Schlüsselszenen fehlten. Oder zumindest Szenen, von denen ich felsenfest davon ausging, dass sie im Film sind und für die Handlung relevant.

Zugegeben, ich habe mich schon sehr in das erste Buch hinein gesteigert und es in nicht einmal einer Woche verschlungen. Ich habe zuvor schon des Öfteren darüber geschwärmt (u. a. hier: Nachvollziehbare Charakterentwicklung). Es war nur überraschend zu sehen, welch ein falsches Bild ich vom Film hatte. Nicht, dass ich ihn nun für schlecht empfinden würde – auf keinen Fall. Die visuelle Umsetzung der Welt fasziniert mich weiterhin. Das Design, der Sound und die Schauspieler*innen vermitteln einen fantastischen Eindruck vom Dune-Universum.

Aber durch die komplexen Wesenszüge und Gedankenprozesse der Charaktere und deren detailliert ausgearbeiteten Schlussfolgerungen machen es schwer, dies der Vorlage getreu in einem Film darzustellen. Dazu kommt ein Magie-System (wenn man es überhaupt so bezeichnen kann), das sehr subtil arbeitet und funktioniert. Dieses wird ebenfalls meist in den inneren Monologen der Charaktere erarbeitet, als von einem Erzähler geradeheraus erläutert. Das macht Dune so faszinierend, aber eben schwierig als Film umzusetzen. Trotzdem kann ich beides nur wärmstens empfehlen. Vor allem in Kombination funktionieren sie super. Die Reihenfolge, ob zuerst Buch oder Film, ist dabei nicht so wichtig.

Schreibmodi

Matthew Dicks hat in einem seiner letzten Newsletter über einen Klienten geschrieben, der behauptete, nur unter spezifischen Bedingungen schreiben zu können.1 Es würde bestimmte Parameter bedürfen, unter denen er arbeiten müsse. Andernfalls könnte er nicht die volle Leistung erbringen. Sei es eine bestimmte Zeit, eine gewisse Umgebung oder andere Details, die stimmen sollen. Doch Matthew Dicks stempelt das alles als Blödsinn ab. Egal wo, egal wann, man sollte immer bereit sein, kreativ zu arbeiten, da es sich manchmal einfach nicht anders realisieren lässt.

Als ich die Beschreibung seines Klienten las, habe ich zuerst gedacht: ja, das klingt nachvollziehbar. Aber sobald Dicks diese Behauptungen als Null und Nichtig abgestempelt hatte, dachte ich weiter darüber nach. Mir ist aufgefallen, dass ich meine Texte für den Blog ebenfalls immer unter denselben Bedingungen schreibe. Meist zu ähnlichen Zeiten, am selben Ort. Ich setze mich am Abend hin, häufig nach dem Abendessen, in der Küche beim Esstisch und fange an zu schreiben. Manchmal höre ich Musik, aber das kommt eher selten vor.

Ich habe mir vorgenommen, diese Routine etwas herauszufordern. Denn ich will schreiben. Täglich. Und es sollen nicht nur tägliche Texte für den Blog sein, sondern eventuell Kurzgeschichten und mehr werden. Dabei kann und will ich mich nicht auf eine Routine verlassen, die mir irgendwann im Weg stehen kann. Deshalb schreibe ich diesen Text auf der Couch sitzend, während eine Folge von Star Trek – The Next Generation läuft. Vielleicht etwas Overkill, was Ablenkungen angelangt, aber irgendwo muss man ja anfangen.

Es war, glaube ich, Malte Welding, der in einem Podcast-Gespräch mit Holger Klein gesagt hat, dass er manchmal neben Serien wie Dr. House schreibt. Oder sogar des Öfteren. Ich bin mir nicht mehr sicher. Die Gespräche, die die beiden im Laufe der Jahre in Holgis WRINT-Podcast geführt haben, sind schon einige Zeit her. Laut Weldings Wikipedia-Seite fand das letzte Gespräch 2017 statt. Aber trotzdem ist mir die Anekdote über das Schreiben, während nebenbei eine Serie läuft, im Gedächtnis geblieben.

Natürlich können solche Ablenkungen mit Sicherheit zu einem gewissen Grad helfen. Mit bestimmten Serien kann man sich in eine bestimmte Stimmung bringen oder kann sich von gewissen Charakteren, deren Eigenschaften und Fehlern inspirieren lassen. Oder aber man ist abgelenkt, während sich ein aufmüpfiger Telepath in die Routinen der Enterprise einmischt. Es ist halb lustig, aber erinnert mich eher an Young-Adult-Romane, die etwas zu vorhersehbar geschrieben sind.

Worauf ich hinaus will, denke ich, ist Folgendes: Manchmal ist es ganz hilfreich, die eigenen Routinen zu hinterfragen. Zu sehen, ob wir sie wirklich brauchen oder uns nur einreden, sie haben zu müssen, um funktionieren zu können. Ein voller Alltag, mit Arbeit, Familie und anderen Verpflichtungen, erlaubt natürlich nicht immer, sich diese Freiheit zu nehmen. Aber manchmal ist es nur jammern auf hohem Niveau. Sich einzureden, nur schreiben zu können, wenn eine bestimmte Musik läuft, die Sonne gerade richtig steht und der eine Tisch in der Ecke des Cafés frei ist, fällt mit Sicherheit in die zweite Kategorie.

  1. JD Salinger: Bullets, bombs, and a book ↩︎

Pinsen-Weisheiten

Wenn mich jemand fragen würde, für welche kulinarische Küche ich mich im Zweifelsfall entscheiden würde, müsste es nach reiflicher Überlegung wohl doch die mediterrane/italienische sein. Olivenöl, verschiedenste Käsesorten, Pizza und Nudeln sollten doch ein Teil der Ernährung bleiben. Zumindest meiner. Außerdem ist sie sehr variabel; was immer man auf eine Pizza tun kann oder mit dem man eine Nudelsauce verfeinern und zu etwas Besonderem machen kann, sind im Grunde keine Grenzen gesetzt. Und nein, damit meine ich nicht nur Ananas.

Nicht selten kommt es vor, dass ich mir neue Rezepte für Pizzateig heraussuche, die verschiedene Komplexitätsstufen annehmen können. Auch die Kombination verschiedener Mehle und die Wahl des Olivenöls sind selbstverständlich nicht dem Zufall zu überlassen. Von Teigen, bei denen alle Zutaten gemischt und gut verrührt werden, mit einer anschließenden Gehzeit von mindestens 48h oder zu den aufwendigeren Varianten, die immer wieder gefaltet und gestreichelt werden wollen. Es ist für alle Geschmacksrichtungen und Situationen etwas dabei. Egal, ob man viel Zeit hat oder wenig. Nur eine Gehzeit von mindestens einem Tag, kann ich allen ans Herz legen, da die Hefe richtig schön Zeit sich zu entfalten und der Teig wird etwas fluffiger und lockerer.

Der Belag kann selbstverständlich jedes Mal variiert werden. Von den verschiedensten Tomaten- oder Pizzasaucen, die das Supermarktregal hergibt, bis zu den kreativsten Käsesorten, sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Doch zuweilen bleiben doch die Klassiker, wenn man so will, die Favoriten. Schinken mit Mais und vielleicht etwas Gemüse dazu. Salami mit Unmengen an Champignons. Thunfisch mit Zwiebeln und Fetakäse. Einfach nur ein guter Büffelmozzarella. Die Variationen sind schier endlos und die Kombinationen herrlich zu erkunden.

Die Pizza hat allerdings einen gewissen Nachteil, um den man nicht so recht umhinkommt. Sie muss immer in den Ofen geschoben und gebacken werden. Alles wird erhitzt, schmilzt, verbindet sich, wird geröstet, gebräunt und ergibt am Ende ein fantastisches Geschmackserlebnis. Trotzdem – es ist eben immer alles gebacken und nichts „frisch“. Deshalb war ich umso begeisterter, vor Kurzem die nicht minder leckere Pinsa für mich zu entdecken. Wie konnte sie mir nur so lange entwischen?

Der Teig wird für sich selbst dem Ofen überlassen, bäckt vor sich hin und wird köstlich gebräunt und knusprig. Erst danach wird dieser mit den gewünschten Zutaten garniert und alles frisch und saftig verzehrt. Meist bildet die Basis auf dem warmen Teig ein Häufchen (manchmal wird es ein Haufen) Rucola. Darauf verteilt werden ein paar Blätter köstlich zartem Prosciutto und einige Scheiben eines würzigen Käses. Weinkäse scheint mir hier besonders gut zu passen. Vielleicht noch etwas Paprika oder Cocktailtomaten darauf verteilt und das Ganze kann mit einer großzügigen Portion Olivenöl beträufelt werden. Oder wenn man ehrlich ist: übergossen.

Ich gehe dabei gerne so vor, dass ich nach der Rucola-Gabe mit einem großen, breiten Pizzaschneider über die Pinsa gehe und so handliche Rechtecke forme. Danach kommen die restlichen Zutaten drauf und man muss sich nicht mehr mit dem Schneiden von kleinen Stücken plagen.

Eine frisch zubereitete und gut belegte Pinsa ist eine wunderbare Köstlichkeit. Besonders wenn man einen Supermarkt findet, der diese vorgebackenen Teige anbietet, ist der Aufwand noch geringer. Ich muss mich erst noch damit beschäftigen, wie man einen ordentlichen Pinsa-Teig zubereitet und welche Geheimnisse es hier zu entdecken gibt. Aber meine kulinarische Entdeckungsreise wurde wieder einmal um ein Stück erweitert.

Wo die Gedanken hinfallen

Vor ein paar Tagen habe ich hier einen Text veröffentlicht, mit dem Titel »Die einfachen Dinge«. Der Text fing damit an, dass ich über meine alltäglichen Spaziergänge berichtete. Schnell bin ich jedoch abgeschweift und habe mich voll und ganz auf das Thema Podcasts konzentriert. Dabei hatte ich eigentlich nur einen kleinen Schwenker in die Thematik im Sinn. Am Ende ging es über ein paar Hundert Worte, nur mehr um das Thema Podcasts und nicht um die Spaziergänge.

Nicht, dass Podcasts ein schlechtes Thema wären. Ganz im Gegenteil. Auf meiner Themenliste für Artikel und Texte habe ich so manche Notizen, die sich auf bestimmte Podcast-Episoden berufen. Manche davon sind schon etwas länger her und ich weiß natürlich nicht mehr die exakten Folgen, zu denen ich mir diese Notizen gemacht habe, aber die Themen werden ja grundsätzlich nicht schlecht. Jetzt werden sie allerdings weniger ein Kommentar zu etwas, als dass sie eine Inspiration für meine eigenen Herleitungen und Ansichten zu diesen Themen darstellen. Aber dazu mehr, wenn ich diese tatsächlich in Angriff nehme.

Dieses Mal will ich nämlich nicht allzu weit abschweifen, bevor ich auf meine eigentliche Kernaussage zu sprechen komme. Denn um was es mir bei dem Thema mit den Spaziergängen eigentlich geht und was auch der Grund für die Überschrift »Die einfachen Dinge« war, ist Dankbarkeit. Wenn wir einmal ehrlich sind, stellt sich der Alltag für die meisten von uns immer wieder ähnlich zusammen. Zumindest, wenn man es von der Vogelperspektive aus betrachtet.

Wir gehen in den meisten Fällen zur Arbeit und verbringen dort den größten Teil des Tages. Danach geht es vielleicht noch zum Supermarkt einkaufen, bevor wir schließlich wieder zu Hause ankommen. Manche betreiben Sport – dies kann im Fitnessstudio sein, im Freien oder in den eigenen vier Wänden. Zeit mit Familie oder Freunden verbringen, Abendessen zubereiten, vielleicht etwas Fernsehen/Streamen oder auch Lesen, bevor man ins Bett geht und es am nächsten Tag von vorne beginnt. Wer an dieser Stelle Ähnlichkeiten mit David Foster Wallace legendären Vortrag »This is water« erkennt, Glückwunsch – auch über den will ich seit Monaten schreiben, aber irgendwann komme ich dazu.

Aber diese scheinbare Eintönigkeit ist eben genau nur das: ein scheinbarer Mangel an Abwechslung. Denn die täglichen Aufgaben in der Arbeit wechseln sich vielleicht ab. Die Unterhaltungen und Begegnungen mit Kolleg*innen, Freund*innen und der Familie sind nie dieselben, weil wir selbst nicht jeden Tag dieselben sind. Wir verändern uns, entwickeln uns. Dabei handelt es sich um keine großen, den Atem raubende Veränderungen, sondern um inkrementellen und kontinuierlichen Fortschritt.

Ich höre immer Podcasts beim Spazieren, aber es sind nie dieselben Episoden. Es sind immer andere Unterhaltungen, auch wenn es manchmal sehr ähnliche Themen sind, die besprochen werden, so entwickeln sich auch diese Gespräche weiter, weil sich die Personen dahinter verändern. Die Gegend, durch die ich mich bewege, ist niemals dieselbe, auch wenn die Runden natürlich ähnlich sind. Genau das ist es, was es bedeutet, im Moment zu leben, zumindest für mich. Sich diese kleinen Veränderungen bewusst zu machen, immer wieder von Neuem. Die Geschichten im Alltag zu finden, die man vielleicht übersehen hätte, wenn man nicht genau hinsieht.

Dabei kann man verschiedenste Hilfen zurate ziehen. Sei es die »Homework for Life«, von Matthew Dicks, das Betreiben eines täglichen Blogs, ein Tagebuch schreiben, Dinge, die man macht und Gedanken oder Gefühle in einem Fünf-Jahres-Journal festhalten, Fotos machen – es gibt unzählige Möglichkeiten, jeden Tag intensiv zu erleben. Die guten Dinge festzuhalten, die Schlechten zu akzeptieren lernen, denn morgen gibt es eine neue Möglichkeit, es besser oder anders zu machen. Es anders zu sehen und die Welt von Neuem zu entdecken.

Dankbarkeit dafür zu entwickeln, dass man überhaupt die Möglichkeit hat, jeden Tag aufs neue zu erleben. Die Dinge, aber vor allem natürlich die Personen, die einen durchs Leben begleiten, zu schätzen wissen. Das mag jetzt vielleicht esoterisch klingen, muss es aber nicht sein. Manche haben Religion, worüber sie diese Dankbarkeit und Demut zu kanalisieren und auszudrücken lernen; andere, wie auch ich, wollen einfach nur mit einer optimistischen und positiven Grundeinstellung durchs Leben gehen. Die Zukunft als etwas Optimistisches und Erstrebenswertes sehen. Sehen zu wollen, wohin wir uns entwickeln und welche Überraschungen der morgige Tag bereithält.

Von Büchern und wüsten Planeten

Der Februar war erneut ein Lese-intensiver Monat. Es macht sich bezahlt, anstatt abends Filme und Serien zu schauen, ein Buch aufzuschlagen und darin ein bis zwei Stunden zu lesen. Oder sich an einem verregneten Wochenende in den Wintergarten zu setzen und sich dort mit Kaffee, Kuchen und einem guten Buch die Zeit zu vertreiben.

Wobei das, wie Philipp Seidel in einer Folge des Podcasts Sprechkabine einmal gesagt hat, eine interessante Beschreibung ist: ein gutes Buch lesen. Als würden sich manche zum Ziel setzen, mal wieder ein richtig beschissenes Buch zu lesen. Aber das sind solch interessante sprachliche Verwirrungen, die man mit der Zeit einfach hinnimmt, ohne sie weiter zu hinterfragen. Natürlich sollte jedes Buch, das man sich aus der Unmenge an angebotenem Material heraussucht, ein gutes sein.

Dabei ist die Zuschreibung »gut« natürlich etwas sehr Subjektives. Was die Aussage, »ich will ein gutes Buch lesen«, noch mehr ad absurdum führt. Wie dem auch sei, meine sechs Bücher, die ich im Februar las, haben mich alle durchweg begeistert. Wie ich jetzt allerdings feststellen muss, war kein einziges Warhammer-Buch dabei. Ein Versäumnis, das ich im März auf jeden Fall nachholen möchte. Die Welt von Dune hat mich die letzten eineinhalb bis zwei Wochen des Monats zu sehr in den Bann gezogen, als dass ich mich mit einem anderen Universum hätte beschäftigen wollen.

Hier die Liste der Bücher und falls ich bereits über diese geschrieben habe, sind die entsprechenden Texte daneben verlinkt:

  1. Hermann Hesse: Peter Camenzind (Stadt, Land, Fluß)
  2. Peter Falk: Just One More thing (Der Blick zurück)
  3. Justina Ireland: Star Wars DHR: Die Bewährungsprobe (Altersgerechte Publikationen)
  4. Claudia Gray: Star Wars DHR: In die Dunkelheit (Falsches Foreshadowing)
  5. Frank Herbert: Dune – Der Wüstenplanet (Nachvollziehbare Charakterentwicklung)
  6. Frank Herbert: Der Herr des Wüstenplaneten

Das zweite Buch von Frank Herberts Dune-Epos hat mich tatsächlich mehr gefordert als der erste Teil. Und zwar in dem Sinne, dass es ein anstrengenderes Buch zum Lesen war. Der Bruch im Stil macht sich deutlich bemerkbar und ich bin in keinen richtigen Lesefluss hinein gekommen. Das erste war zwar ebenfalls komplex und in seiner Tiefe schier grenzenlos, dem zweiten fehlt aber vielleicht in gewisser Hinsicht der rote Faden. Ich mochte die darin erzählte Geschichte sehr gerne. Jedoch machen es die vielen Ansichten der Protagonist*innen, die Planen und ihre eigenen Ziele verfolgen, insgesamt etwas schwierig, sich mit jemandem zu identifizieren – eine Bezugsperson fehlt.

Ich bin gespannt, wie das dritte Buch sich weiterentwickelt und ob es von der erzählerischen Struktur her vielleicht wieder mehr in Richtung des ersten Buches geht. Der Herr des Wüstenplaneten ist zudem ein sehr kompaktes, dicht gepacktes Buch. Die Kinder des Wüstenplaneten (also Teil 3) scheint sich allein von der Länge des Buches her bemessen, etwas mehr Zeit zu lassen, aber da lasse ich mich überraschen.

Erst einmal stehen zwei Bücher an, die schon eine Weile auf meinem Kindle warten, gelesen zu werden. Außerdem brauche ich mal wieder queere Hauptcharaktere in einer Geschichte. So modern sich die neuen Star Wars Bücher anfühlen, so sehr fehlt ihnen eine LGBTQIA+-Person als echte Protagonist*in. Daher habe ich mir schon vor einer Weile die beiden Bücher Boyfriend Material und Husband Material in einem Sale gegönnt. Zudem will ich zur Abwechslung mal wieder etwas Bodenständigeres, da die letzten Wochen doch sehr Science-Fiction-lastig waren.

Vor dem nächsten Teil der Horus Heresy (Thousand Sons) schrecke ich noch etwas zurück, da das ebenfalls wieder so ein ausufernder Schmöker zu sein scheint, der die Hälfte eines Sammelbandes einnimmt. Aber es liegen ja noch genug Bücher in der Wohnung herum, die über die Jahre ein Zuhause hier gefunden haben, allerdings nie gelesen wurden. An interessantem Lesestoff fehlt es also auf keinen Fall.

Kino im Kopf

Ein Grund, warum ich keine synchronisierten Filme und Serien mehr schauen kann, sind leider die deutschsprachigen Synchronsprecher*innen. Vor allem in den vergangenen Jahren ging der Trend dahin, gerade bekannte YouTuber und TikToker oder andersgeartete Influencer*innen zu verwenden. Meist geschieht dies aus dem einfachen Grund heraus, dass sich diese gut im Marketing einsetzen lassen – wäre zumindest eine starke Vermutung meinerseits. Ungünstigerweise sind die wenigsten davon aber tatsächlich in der Lage, vor einem Mikrofon einen ordentlichen Job bei der Synchronisation zu machen. Es ist nun mal etwas anderes »Content« für Social Media und Co. zu machen, als eine filmisch dargestellte Szene mit Leben zu füllen.

Hinzu kommt, dass die Übersetzungen zuweilen krude Formulierungen zutage fördern. Es wird zu sehr darauf geachtet, dass die Lippenbewegungen exakt passen, was das ganze Unterfangen von Anfang an zum Scheitern verurteilt.

Wie wichtig es ist, dass die Personen hinter dem Mikrofon in der Lage sein müssen, den richtigen Ton für die Charaktere und Atmosphäre zu finden, merkt man besonders gut bei Hörbüchern. Früher habe ich zusätzlich zu Podcasts gerne Hörbücher gehört. So habe ich mich durch viele Stephen King Bücher gearbeitet und so manche Schmankerl entdeckt. Zum Beispiel Andreas Eschbachs »Eine Billion Dollar«. Doch schnell sucht man sich die Bücher nicht mehr nur nach den Autor*innen aus, sondern nach denjenigen, die Vorlesen. Zumindest ging es mir so. David Nathan beispielsweise wird mir immer in Erinnerung bleiben. Die Inbrunst, mit der er die Bücher liest und die Fähigkeit, diese Welten zum Leben zu erwecken, ist einmalig. Seine Leistungen bei »Es« oder »The Standing« waren phänomenal. Wer mich am meisten überrascht hat, ist der leider viel zu früh verstorbene Dirk Bach. Er hat unter anderem einige Bücher von Walter Moers vertont. Die Stadt der träumenden Bücher war meine erste Begegnung sowohl mit Moers als auch mit Bach als Sprecher und beide haben mich nachhaltig beeindruckt.

Ein anderes Beispiel wäre Critical Role, von dem ich bereits berichtet habe (Formen der Unterhaltung). Darin spielen amerikanische Synchronsprecher*innen Dungeons & Dragons. Man sieht ihnen quasi dabei zu, wie sie um einen Tisch herum sitzen und Pen&Paper-Rollenspiele spielen. Klingt vielleicht langweilig, aber auch hier zeigt sich, dass professionelle Sprecher*innen das Um und Auf sind, wenn es darum geht, in den Köpfen der Zuhörer*innen lebendige Charaktere zu erschaffen. Gleiches gilt natürlich ebenso für Schauspieler*innen, die wir in Filmen und Serien bewundern. Es geht etwas verloren, wenn man die synchronisierte Fassung schaut. (Ausnahmen wie die Bud Spencer Filme bestätigen hier die Regel.)

Besonders in Zeiten, in denen man alles streamen kann, ist es besonders einfach immer die Originalfassung zu schauen und sich dann entsprechend die Untertitel einzublenden. Seien es deutsche oder englische Untertitel. Bei Englischen kann man nebenbei sogar noch das Hörverständnis verbessern.

Aber wie ich eigentlich darauf gekommen bin, mal wieder über das Thema nachzudenken und zu Schreiben, ist tatsächlich Warhammer. Genauer gesagt, der Fantasy-Ableger davon: Age of Sigmar. In den Werbeclips für neue Figuren setzen sie seit ein paar Monaten eine neue Sprecherin ein (ich glaube zumindest, dass sie neu ist, aber zuvor ist sie mir noch nicht aufgefallen). Der irische oder schottische Akzent, ich bin mir offen gestanden nicht sicher, welcher es ist, verbunden mit der Leidenschaft und den Nuancen, mit denen sie die Geschichten hinter den Charakteren vorträgt, ist immer wieder faszinierend anzuschauen. Sie schafft es, den Figuren Leben einzuhauchen.

Gute Synchronsprecher*innen sollten mehr Platz im Rampenlicht bekommen. Vielleicht kann man es am besten mit Filmmusik vergleichen. Wenn sie gut ist, bemerkt man sie meist gar nicht. Sie wird Teil des Erlebnisses. Nur wenn sie so gar nicht passt, drängt sie sich gleichsam in den Vordergrund. Genauso ist es bei den Sprecher*innen. Deshalb sollte man diese vielleicht unterschätzte Form des Schauspiels mehr feiern.

Throwback Thursday: Marvel’s Civil War – Eine Perspektive

In den vergangenen Wochen ist es an dieser Stelle häufig um das Marvel-Comic-Event Civil War gegangen. Sei es nebenbei, in den The Amazing Spider-Man Geschichten Back in Black oder One More Day oder dem gleichnamigen MCU-Film. Um den Monat rund um Marvel und Spider-Man also gebührend abzuschließen, gehen wir heute zurück zum 16.03.2018.

An dem Datum habe ich auf meiner damaligen Webseite geek-planet einen Artikel über Civil War geschrieben. Dabei geht es aber nicht um das Hauptevent, sondern um eine Geschichte, die sich parallel dazu abgespielt hat. Es geht um eine kleinere Geschichte und ein Schicksal, welches ich damals, offen gesagt, so nicht erwartet hatte. Es ist mittlerweile fast sechs Jahre her, seit ich diesen Artikel und damit den Comic gelesen habe, und die Geschichte rund um den Charakter Robbie Baldwin hatte ich tatsächlich vergessen.

Bei der Lektüre des Textes sind mir aber sofort wieder die Bilder und Szenen in den Kopf gekommen. Es ist eine eindrucksvolle Geschichte, die ihresgleichen sucht. Solch einen Mut, durchaus tragische Schicksale zu erzählen, sich auszuprobieren in den Charakteren und Stilen, würde ich mir heute im MCU wünschen. Aber vielleicht kommen wir ja eines Tages dorthin. Heute jedenfalls soll es erst einmal um Robbie Baldwins Charakter gehen.


Stamford, Connecticut. Die New Warriors sind seit einiger Zeit mit ihrem Van unterwegs, auf der Suche nach Bösewichten, die sie dingfest machen können. Dabei spielt es keine Rolle, welche sie finden, es geht ihnen hauptsächlich um die Einschaltquoten. Grund dafür ist, dass sie ihr Leben als Reality-Show verkaufen und darauf achten müssen, dass immer wieder spannende Sachen passieren. Dann stoßen sie in Stamford auf eine Gruppe von Bösewichten ohne speziellen Gruppennamen. Schnell werden die New Warriors entdeckt. Es bricht ein Kampf aus. Ihre Kameras zeichnen alles auf und werden später als Beweise verwendet.

Sie zeigen, wie sich Speedball über die Einschaltquoten Sorgen macht, One-Liner wiederholt und versucht cool rüberzukommen. Bis einer von ihnen auf Nitro trifft. Er hat die Fähigkeit, eine gewaltige Explosion auszulösen, und genau das macht er. Hunderte Menschen sterben, darunter auch viele Kinder. Die New Warriors waren überfordert. Alles für die Einschaltquoten. Alles für gute Kamerawinkel.

Dieser Vorfall ist Auslöser von Marvels berühmten Civil War und einer Debatte, auf die es keine einfachen Antworten gibt. Eine Debatte, bei der sich selbst die Gewinner, die am Ende stehen bleiben, fragen werden, ob es das Ganze wert war. All die Opfer, all die Toten, all die Konflikte. Aufgeteilt auf zwei Seiten. Gezwungen sich zu entscheiden. Zwischen Captain America, der sich gegen den Superhuman Registration Act ausspricht. Und zwischen Iron Man, der diesen mit aller Macht durchsetzen möchte und dafür buchstäblich über Leichen geht.

Neben dem Hauptevent Civil War, welches in sieben Ausgaben präsentiert wird, gibt es über 80 sogenannte Tie-ins und One-Shots – also zusätzliche Comics, in diversen Sonderformaten, die mit allem beschäftigen, was sonst noch während des Civil War geschieht. Es ist ein Event, welches das gesamte Marvel-Universum beansprucht und für Monate in seinen Klauen hatte. Selbst danach lässt der Superhuman Registration Act nicht locker. SHIELD jagt Superhelden, die sich nicht registrieren wollen, genauso hartnäckig wie Bösewichte. Niemand ist davor gefeit. Doch am tragischsten ist wohl die Figur des Robbie Baldwin, auch bekannt als Speedball.

Er ist der einzige Überlebende von Stamford Vorfall und natürlich wird er dafür verwendet, ein Exempel zu statuieren. Sonst ist niemand da, dem man die Schuld geben könnte und die Öffentlichkeit benötigt nun mal ein Opfer. Seine Fähigkeiten werden im Laufe der Geschichte ein wenig ausführlicher erklärt, aber es läuft darauf hinaus, dass er von einer Art kinetischem Feld umgeben ist, welches ihm Fähigkeiten verleiht, die stark an The Flash aus dem Hause DC erinnern. Dieses Feld hat ihn vor der Explosion geschützt, ist aber inzwischen weitestgehend aufgebraucht. Es wurde durch die Explosion mehr oder weniger neutralisiert. Er besitzt also keine übermenschlichen Fähigkeiten mehr.

Wie alt Robbie wirklich ist, wird aus der Geschichte nicht klar, aber er kann nicht älter als 17 sein. Auf vielen Ebenen ist er wohl das griffigste Beispiel, welche Opfer der Civil War mit sich bringt. Denn auch wenn Robbie nicht gestorben ist, so ist sein Leben seit Stamford von Leid, Scham und einem Schuldbewusstsein geprägt, das ihn unter sich zerbricht. Da er der einzige Überlebende ist, wird er natürlich für alles verantwortlich gemacht, was geschehen ist. Was er alles durchmachen muss, wird in jedem grausamen Detail in der Mini-Comic-Reihe Front Line gezeigt.

Dabei handelt es sich um eines der besten Tie-ins, da es in jeder Ausgabe drei bis vier Geschichten erzählt – selbst kleine Geschichten aus dem realen Civil War werden erzählt. Der Rest handelt von Charakteren, die sonst nicht sehr im Zentrum stehen, wie dem Journalisten Ben Urich.

Aber zurück zu Robbies Geschichte. Jessica Walters auch bekannt als She-Hulk und Anwältin der Superhelden, versucht alles, um ihren Klienten aus dem Gefängnis zu holen. Sie handelt sogar einen Deal aus. Doch Robbie bleibt drin. Er hätte es verdient, sagt er, im Gefängnis zu sein. Hier gehört er hin. Er besteht auf seinen Prinzipien. Es ist eine Tiefe, die im Kontrast zu dem steht, wie Robbie anfänglich eingeführt wurde, doch es ist eine logische Entwicklung, wenn man die Umstände berücksichtigt.

Da er keine Superkräfte mehr hat, kommt er in ein normales Gefängnis. Ohne Sonderbehandlung. Natürlich weiß jeder, wer er ist und er wird als Kinder-Mörder abgestempelt. Er wird geschlagen, misshandelt. Selbst die Wachen verpassen ihm diverse Abreibungen. Er verteidigt sich, wenn nötig, aber lässt es über sich ergehen. Bei einem späteren Transport wird er sogar einmal angeschossen.

Robbies Perspektive ist es auch, die es den Leser*innen erlaubt, hinter die Kulissen des Gefängnisses zu blicken, welches Tony Stark und Reed Richards für diejenigen errichtet haben, die sich weigern, sich zu registrieren. Es ist kein normales Gefängnis. Nein, es ist ein aus Stahl und Beton errichteter Albtraum der Einsamkeit. Gebaut an einem Ort, aus dem es kein Entkommen gibt: der Negative-Zone. Dabei handelt es sich um eine Art Parallelwelt, zu der man nur mithilfe von speziellen Portalen gelangt. Viele von diesen Portalen gibt es nicht, vielleicht sogar nur das eine, von Reed Richards konstruierte. Von diesem Ort gibt es kein Entkommen.

Schwer bewacht, macht es von außen tatsächlich den Anschein, dass dies das Ende ist – es fehlen nur noch die schwarz rauchenden Kamine, und die (vielleicht unbeabsichtigte) Anspielung wäre perfekt. Grundsätzlich ist es ein Guantánamo für Superhelden. Ohne Richter, ohne Chance auf eine faire Verhandlung, wird man dort eingesperrt und der Schlüssel weggeworfen. Es ist trostlos. Einsam. Bis sich die Insassen dafür entscheiden, sich zu registrieren. Tun sie es nicht, bleiben sie lebenslang hier. Tony Stark und Reed Richards – zwei Genies, die alles verraten, wofür Superhelden stehen sollten. Der Anblick des Gefängnisses ist auch für Peter Parker der Auslöser, sich endlich gegen den Superhuman Registration Act zu wenden. Zwar, nachdem er seine Identität der Öffentlichkeit präsentiert hat, doch immerhin.

Während also die Kämpfe weiter gehen und Tony Stark weitere Monstrositäten erschafft, die ihm helfen sollen, Unregistrierte festzunehmen, aber nur weiteren Opfern das Leben kostet, befindet sich Robbie im Gefängnis in der Negative Zone. Nur zu seiner eigenen Sicherheit, natürlich. Später, gegen Ende des Events, gelingt schließlich ein Ausbruchsversuch, angeführt von Captain America. Es bricht der finale Kampf zwischen den Helden aus.

Robbie macht sich unterdessen auf die Suche nach einer neuen Identität. Wer ist er nun? Speedball ist an dem Tag gestorben, an dem auch so viele andere Menschen den Tod gefunden haben. Er leidet. Und genau dieses Leid ist es, was ihm neue Kräfte verleiht. Angefacht durch Schmerz, Leid und Pein, wird er zu einer der wohl tragischsten Figuren, die in diesem Moment im Marvel Universum existieren: Penance (zu Deutsch: Buße). Er beschafft sich eine Rüstung, die mit 612 internen Nadeln, Spitzen und Spikes ausgestattet ist – der Anzahl der Opfer. Der dadurch verursachte Schmerz dient als Trigger für seine neuen Fähigkeiten.

Civil War fordert viele Opfer. Selbst nach dem Event fordert er noch Leben von Menschen und Superhelden ein. Am berühmtesten wohl Captain America persönlich. Die Debatte findet unterdessen keine richtige Antwort. Die Zuspitzung ist aber zum einen notwendig und ergibt sich zwangsweise aus den Handlungsweisen der verschiedenen Protagonist*innen. Allen voran Captain America und Iron Man. Es ist angebracht, sich Fragen zu stellen, wie: Wäre Stamford passiert, wenn die New Warriors eine führende Hand gehabt hätten? Eine Ausbildung und entsprechendes Training? Vielleicht nicht. Aber ist es dazu notwendig, sich dem Superhuman Registration Act unterzuordnen oder gibt es eine ausdifferenziertere Alternative?

Eine einfache Antwort gibt es nicht. Doch Robbie Baldwin bleibt das herausragendste Beispiel, was passiert, wenn Menschen blind vor Wut und Gerechtigkeitswahn ein Exempel statuieren wollen. Wenn man diesem gebrochenen jungen Mann nicht hilft, über seine Taten hinwegzukommen, sondern stattdessen in den Wahnsinn hinein treibt, aus dem er vielleicht nicht mehr heraus kommt.

Civil War erschien in den Jahren 2006/2007 (Autor: Mark Millar; Künstler: Steve McNiven). Die Geschichte von Robbie Baldwin in Marvels Front Line Mini-Serie wurde geschrieben von Paul Jenkins und gezeichnet von Steve Lieber. Titel: The Accused (Der Beschuldigte).