Von Texten und Überschriften

Wie es den geneigten Leser*innen vielleicht aufgefallen ist, verwende ich gerne kreativere Überschriften für meine Texte. Überschriften, die bisweilen zwar andeuten, worum es sich eventuell handeln könnte, aber nicht direkt darauf hinweisen. Bei meinen letzten Blogs habe ich das komplett anders gehandhabt. Zugegeben, diese waren darauf fokussiert, über Filme, Serien und vor allem Comics zu berichten. Die Texte waren größtenteils Rezensionen oder Essay-artige Schriften, die sich mit einem bestimmten Thema auseinandersetzen. Wie ich das gehandhabt habe, sieht man jeden Donnerstag. Am sogenannten Throwback Thursday veröffentliche ich immer einen alten Artikel, mit dem Ziel, eines Tages alles, was ich so im Laufe der Jahre geschrieben habe, hier gesammelt stehen zu haben. Seien es meine Artikel, die ich für meinen privaten Blog geek-planet geschrieben habe, oder aber Texte, die ich für die amerikanische Webseite rogues-portal verfasste, die sich seit ein paar Jahren geek’d out nennt.

Das Ziel dieser Webseite hier ist nicht das Rezensieren aller möglichen medialen Inhalte. Für einen täglichen Blog wäre das ein sehr schwieriges und zeitintensives Vorhaben. Hier ist mein primäres Anliegen eigentlich relativ simpel: jeden Tag einen Text veröffentlichen. Sei es darüber zu schreiben, was mich gerade beschäftigt, oder was ich am Wochenende erlebt habe. Themen, über die ich mir Gedanken mache oder (in selteneren Fällen) aktuelle gesellschaftliche Themen aufzugreifen. Wobei sich ein gewisser Einfluss natürlich nie vermeiden lässt.

Gelegentlich sind natürlich Rezensionen ebenfalls Teil des Portfolios. Immerhin ist das mein Ursprung, wenn man so will. Egal, ob es Comics, Serien oder Filme sind. Ich beobachte mich aber immer wieder dabei, dass ich mir eher bestimmte Aspekte herauspicke, die ich in den Vordergrund dieser Rezensionen stelle. Das passiert besonders dann, wenn mich etwas besonders in den Bann zieht und ich mich eingehender damit beschäftigen möchte. Wie es zum Beispiel beim ersten Dune-Buch der Fall war, welches mindestens zwei Texte inspiriert hat (Von Kinobesuchen & Das erste Mal ist entscheidend).

Das ist ebenfalls ein Grund, warum ich mit den Texten nicht immer so eindeutige Überschriften geben möchte, da ich manchmal selbst nicht weiß, wohin mich das Schreiben führen wird. Denn der Titel steht häufig als erstes Fest und dient gleichsam als Ideengeber für den Text. Abschweifungen und dergleichen natürlich inbegriffen. Nur in den seltensten Fällen ändere ich tatsächlich den Titel eines fertigen Textes, der mir anfangs als geeignet erschien.

Seit ein paar Wochen verwende ich für meine Webseite das Plug-in Yoast SEO. Also eine Suchmaschinen-Optimierung. Diese solle dabei helfen, dass meine Webseite leichter gefunden wird, wenn man nach den Themen sucht, die in den Texten vorkommen. Das Plug-in sagt mir ständig, dass mein SEO-Score schlecht ist, weil die Keywords, die ich angebe, zu selten in den Texten vorkommen. Doch scheint es mir nicht zu meinem (aktuellen) Schreibstil zu passen. Vielleicht ändert sich das mit der Zeit, es mag ja durchaus vorkommen, dass man sich verändert, aber im Moment gefällt es mir so ganz gut.

Damit hätte ich nach über vier Monaten und 110 Texten endlich mal formuliert, worum es mir auf dieser Seite geht. Aber am Anfang ist das für mich nicht so recht greifbar gewesen. Ich wusste nur, ich will täglich schreiben, um meine kreativen Muskeln zu fordern. Der Rest hat sich im Laufe des Schreibprozesses entwickelt und wird sich weiterhin verändern, anpassen und entwickeln.

Die einfachen Dinge

Ich mache gerne Spaziergänge. Diese können gerne mal 2 Stunden oder mehr dauern. Ich fahre dazu nirgends speziell hin, da mir das unsinnig erscheint, zumindest für den alltäglichen Gebrauch. Deshalb gehe ich meist die gleichen Strecken. Mal variiere ich hier, mal gehe ich eine Abkürzung da, oder schaue, was sich hinter diesem Weg wohl verbergen mag, den ich seit Jahren nicht mehr gegangen bin. Es ist immer wieder eine kleine Entdeckungsreise. Und ich nutze die Zeit gerne, um Podcasts anzuhören.

Diese sammeln sich in einer meiner Podcast-Apps an, von denen ich gerne verschiedene am iPhone habe und gelegentlich wechsle. Der Dauerbrenner dabei ist eindeutig Overcast. Seit Jahren ist diese fantastische, einfache App dafür verantwortlich, dass meine Podcast-Listen aktuell sind und ich diese unkompliziert hören kann. Dann verwende ich zwischenzeitlich die Apple eigene Podcast-App und vor kurzen hat sich Instacast wieder dazu gesellt.

Instacast war für lange Zeit, bevor ich zu Overcast gewechselt habe, der Standard, wenn es darum ging Podcasts zu organisieren. Leider hat es sich für das kleine Team (ich glaube, es war sogar nur ein ein-Mann-Unterfangen) nicht rentiert und wurde irgendwann zu viel. So endete eine Ära, die man wirklich so bezeichnen kann, da es unter den Podcastern immer wieder zur Sprache kam und eine Institution darstellte. Nun wurde das Projekt von jemandem übernommen und unter dem Namen InstacastPlus wieder zum Leben erweckt. Bisher ist noch nicht viel passiert, aber ich bin gespannt, wo die Reise hingeht. Ein unerwartetes, aber willkommenes Comeback.

Jedenfalls bin ich immer wieder erstaunt, wie lange ich teilweise die Podcasts schon verfolge. Hoaxilla zählt zu meinen ersten Podcasts, die ich entdeckt habe. Dicht gefolgt vom Technik-Podcast Bitsundso, und WRINT, von Holger Klein. Die drei Projekte stehen immer ganz oben auf meiner Podcast-Liste und bilden die hohen Standards ab, an denen sich neue messen müssen. Ich bin buchstäblich Tausende Kilometer mit diesen dreien und unzähligen anderen, die ich über die Jahre verfolgt habe, gegangen. Vielleicht sollte ich mal eine Liste aller Podcasts zusammenstellen, die ich im Laufe der Zeit entdeckt habe, und die mir etwas bedeuteten. Oder es zumindest versuchen.

Denn egal, ob ich sie heute noch regelmäßig verfolge, nur mehr sporadisch reinhöre oder sie hinter mir gelassen habe, alle Podcasts, die mich in meinem Leben bisher begleitet haben, sind mir wichtig. Ansonsten hätte ich nicht zahllose Stunden damit verbracht, diesen Menschen zuzuhören.

Es ist auch eine interessante Beziehung, die man zu den Podcastern aufbaut, da sie komplett einseitig ist. Verfolgt man einen Podcast lange genug, erfährt man natürlich immer auch etwas über die Personen, die dahinterstehen. Zumindest bis zu einem gewissen Grad. Es werden fast schon gute Freunde, die einem teilweise jede Woche ins Ohr sprechen, ihre Meinungen und Ansichten teilen. Im Gegenzug wissen diese allerdings nichts von den Hörer*innen. Und als Hörer*in muss man sich diese Diskrepanz vielleicht bisweilen bewusst machen.

Ich glaube auch, ohne konkrete Zahlen nennen zu können, dass das Medium Podcast, zu dem am meisten genutzten von mir zählt. Mittlerweile hat sich mein Hör-Verhalten etwas verändert und ich habe die Zahl der Podcasts, die ich aktiv verfolge, reduziert. Es hat allerdings Zeiten gegeben, da habe ich jeden Tag ein paar Stunden damit verbracht. Immer auch nebenbei. Es wurde quasi zu dem, was andere in der Musik finden.

Ich hoffe noch auf viele weitere Stunden und Kilometer, die ich mit den oben genannten drei Podcasts verbringen kann. Aber auch auf neue Entdeckungen und altbekannte Stimmen, die ich weiterhin gerne höre. Podcasts sind etwas Fantastisches und vielleicht ein unterschätztes Medium. Aber irgendwie mag ich den Charme der Nische. Es ist wohlig, vor allem wenn man seit über 13 Jahren die Szene verfolgt.

Die Sache mit den E-Mails

Seit wann gibt es E-Mails? Wenn wir aufrunden, liegen wir mit 50 Jahren sicherlich nicht allzu weit daneben. Trotzdem muss ich immer wieder überrascht feststellen, dass es eigentlich noch immer ein ungelöstes Problem ist. Nicht unbedingt, was wir damit verschicken, aber wo wir unsere eigene E-Mail-Adresse herbekommen.

Die Frage nach dem „was“ ist ganz einfach beantwortet: alles. Und es ist ja grundsätzlich eine kommode Lösung, die E-Mail als glorifizierte Eier legende Wollmilchsau zu verwenden. Seien es Newsletter jeglicher Art, Anhänge, die in die Gigabyte gehen, Einladungen, Viren, Anfragen von ganz seriösen Prinzen, mit zu viel Geld, alltägliche Kommunikation, als Verifikationswerkzeuge – schlicht, einfach alles wird oder kann per E-Mail abgewickelt werden. Grundsätzlich bin ich dem nicht negativ gegenüber eingestellt. Es ist eine praktische Erfindung.

Umso mehr wundert es mich, dass es keine „offiziellen“ Lösungen dafür gibt. Wie auch immer diese aussehen würden. Entweder man muss sich selbst damit beschäftigen, irgendwelche Server und Rechner bei sich aufzustellen, um E-Mails verwalten zu können – ein eher schwieriges Unterfangen. Man kann sich natürlich entsprechenden „Space“ mieten, wie ich es bei Hostinger mache, worüber diese Webseite läuft. Mit den meisten solchen Verträgen sind E-Mail-Adressen dabei. Aber ist das nachhaltig? Was passiert, wenn ich die Webseite eines Tages nicht mehr haben sollte oder auf einen anderen Webspace umziehe?

Eine weitere und die am meisten genutzte Möglichkeit, vermute ich zumindest, ist, sich Firmen zuzuwenden, die (gratis) E-Mail-Adressen mit etwas Speicherplatz zur Verfügung stellen. Es handelt sich natürlich mehrheitlich um amerikanische Unternehmen und gratis sind sie auch nicht, da man mit den eigenen Daten bezahlt. Hier ist es genauso wie mit E-Mails allgemein: keine per se schlechte Lösung, da es viel Arbeit und Beschäftigung mit dem Thema erspart. Es funktioniert einfach. Und es ist vielleicht die langlebigste Lösung, denn es wird sicherlich noch etwas dauern, bis Google, Microsoft oder Apple nicht mehr existieren. Wobei man anhand von Nokia und Blackberry gesehen hat, dass es schnell gehen kann.

Ich selbst habe mehrere E-Mail-Adressen. Von Google, über Apple, bis zu Yahoo (ja, wirklich), besitze ich so manche Adressen, aber eine davon ist eben doch die mit Abstand am meisten genutzte. Vielleicht ist genau das der Fehler. Vielleicht sollte man sich breit aufstellen und bei unterschiedlichsten Angeboten, die eine E-Mail-Adresse erfordern (also die meisten Apps, Webseiten und Services) immer wieder eine andere angeben. So kann man, wenn man einmal gezwungen ist, eine E-Mail-Adresse aufzugeben, schneller wechseln.

Wie vorhin erwähnt bin ich hier selbst absolut kein Vorbild, aber nur mal eine Idee. Mit Apps und Programmen, beispielsweise Spark (mein E-Mail-Programm der Wahl) kann man dann auch diese unterschiedlichen Adressen gut verwalten und in einen Posteingang zusammenführen. Das Problem ist meistens, dass man gar nicht mehr weiß, wo man überall die Adresse(n) angegeben hat. Aber dafür gibt es ja dann wiederum Passwort-Manager, die wahrscheinlich das meiste abdecken sollten.

Ein letzter Vorteil von den großen Anbietern, der mir noch einfällt und der es eigentlich schon fast wieder wert ist, mit den eigenen Daten bezahlt zu werden, sind die Spamfilter. Es ist immer wieder unfassbar, welche Menge an Müll versendet wird. Wie viel Speicher diese verbrauchen, aber vor allem wie viel Zeit sie uns nehmen. Zeit, die man damit verschwendet, doch mal nachzusehen, ob nicht etwas aus Versehen im Filter hängen geblieben ist, oder sich von unfreiwilligen Newslettern abzumelden oder eine neue Regel festzulegen und so weiter.

Eine richtige Antwort gibt es wahrscheinlich nicht auf diese Fragen oder dieses Problem. Aber bisweilen mache ich mir doch Gedanken darüber, wie man es besser machen könnte.

Falsches Foreshadowing

Im Englischen gibt es den schönen Begriff des Foreshadowing. Dabei handelt es sich um ein erzählerisches Werkzeug. In einer Handlung wird einmal oder sogar mehrmals etwas angedeutet, das zu einem späteren Zeitpunkt wieder aufgegriffen wird. Diese Andeutungen können alle möglichen Formen annehmen – sei es direkt, über die Wünsche und Absichten eines Charakters, oder aber auch über Metaphern, Gemeinsamkeiten, rätselhafte Phänomene. Es gibt unzählige Alternativen.

Nachdem ich den Star Wars Jugendroman Die Bewährungsprobe gelesen und durchaus genossen habe, wollte ich weiter in diesem Universum bleiben. Außerdem war es ein recht kurzes Buch – ich brauchte noch mehr Geschichten über Jedi und die hohe Republik. Also nahm ich mir In die Dunkelheit von Claudia Gray aus dem Regal. Hierbei handelt es sich um einen YA-Roman. Die verschiedenen Alterseinstufungen, die es in der Star Wars Reihe gibt und damit wohl auch allgemein in amerikanischen Publikationen, habe ich bereits besprochen: Altersgerechte Publikationen.

Nachdem ich nun zwei Bücher aus der Ära der hohen Republik von Star Wars gelesen habe, die nicht zur Pflichtlektüre zählen, wenn man so will, bin ich sehr froh, mich dazu entschieden zu haben, alles von Phase I zu lesen. Unter Pflichtlektüre verstehe ich hier diejenigen Romane, die die Hauptgeschichte voranbringen und sich mit dem zentralen Konflikt zwischen den Jedi und den Nihil auseinandersetzen. Diese zusätzlichen Geschichten sind eine wirkliche Bereicherung. Man findet immer wieder faszinierende Charaktere von Spezies, von denen ich bisher noch nichts gewusst habe, denen ich aber gerne öfter begegnen würde. Es werden Geschichten erzählt, die andere Perspektiven einnehmen. Wie haben andere von den Nihil und der Hyperraum-Katastrophe erfahren? Wie muss man sich die Ära der hohen Republik abseits der Jedi vorstellen?

Außerdem haben die Autor*innen dieser Romane die Freiheit, mehr über die Philosophie der Jedi zu schreiben, in ihre Historie einzutauchen, verschiedene Standpunkte zu erzählen. Und es wird einem erst so richtig bewusst, wie sehr sich diese Zeit von der des Imperiums, welche 200 Jahre später stattfindet, unterscheidet. Die kleinen Details, die in In die Dunkelheit eingestreut sind, machen ebenfalls sehr viel Freude. Es begeistert mich, wie dieses Universum immer wieder wächst und quasi nebenbei weiter ausgefüllt wird. Sei es die Sith-Stätte im Herzen des Jedi-Tempels, die Wand aus Kyberkristallen verstorbener Jedi, oder auch nur, dass sich die Quartiere der Padawane ebenfalls im Tempel befinden und sie gelegentlich halb-erlaubte Partys schmeißen.

Claudia Gray ist eine Star Wars Veteranin und schreibt immer wieder faszinierende Geschichten in dieser Welt und findet jedes Mal neue Winkel, die es zu entdecken gibt. Ihre Protagonist*innen sind stets komplexe Charaktere, die sich nachvollziehbar weiterentwickeln. Jeder Nebencharakter scheint seine oder ihre Vergangenheit zu haben, die sie prägt, und dadurch werden Entscheidungen greifbar. In die Dunkelheit erzählt die Geschichte von Reath Silas, einem Padawan, der seine Zeit gerne im Archiv des Jedi-Tempels verbringt, viel liest und lieber Abenteuer aus zweiter Hand erlebt, anstatt sich selbst in welche zu stürzen. Doch gewisse Umstände und eine Meisterin, die die äußeren Welten erkunden will, machen ihm einen Strich durch die Rechnung.

Im Laufe des Romans heben sich neben Reath auch noch mehr als fünf Nebencharaktere hervor, die er auf seinen Abenteuern und Reisen trifft und mit ihm unterwegs sind. Geschickt wechselt Gray immer wieder die Perspektive der Geschichte und gibt uns so einen hervorragenden Einblick in jeden einzelnen Charakter. Die teils tragischen Entwicklungen und hart erarbeiteten Einsichten treffen einen dann umso härter.

Das Einzige, was mich wirklich gestört hat, war eine bestimmte Entscheidung, weil es gegen jede Andeutung, jedes Foreshadowing geht, was im Laufe der Geschichte aufgebaut wurde. Leichte Spoiler voraus.

Es geht darum, wie sich Reath seine Zukunft vorstellt. Seine Meisterin, Jora Malli, ist tragischerweise bei einem Kampf gegen die Nihil gestorben. Jetzt steht Reath vor der schwierigen Entscheidung, wen er sich nun als ihren Nachfolger vorstellen könnte, wenn er denn seine Ausbildung fortsetzen möchte. Jora hatte vor Reath nur einen anderen Schüler, Dez Rydan, der die Prüfungen vor einigen Jahren erfolgreich abgelegt hat und inzwischen ein respektabler Jedi-Ritter ist. Er macht viele, teils furchtbare Dinge durch, und am Ende zweifelt er an seiner Verbindung mit der Macht.

Alle philosophischen Ansichten, die im Laufe der Geschichte über Reath und Dez herauskommen, ihre gemeinsame Vergangenheit im Tempel und dass sie die gleiche Meisterin hatten, sind nur einige der Gemeinsamkeiten der beiden. Alles deutet quasi darauf hin, dass Reath Dez darum bittet, sein neuer Meister zu werden. Nicht nur um Jora zu ehren, sondern weil sie sich gut ergänzen. Sie könnten viel voneinander lernen. Reath könnte Dez sogar bei seinen Zweifeln helfen. Die Entscheidung, die Reath stattdessen trifft, kann ich gar nicht nachvollziehen und widerspricht irgendwie allem, was davor geschehen ist.

Es ärgert mich ein wenig, wie sich Reath entschieden hat. Allerdings ist das zugleich ein großes Kompliment an Claudia Gray, da mir Reath scheinbar ans Herz gewachsen ist. Ich bin gespannt, ob wir diesen Charakteren nochmal begegnen werden. Was aus ihnen wird, würde mich auf jeden Fall interessieren. Vielleicht finden die beiden ja doch noch irgendwie zueinander.

Nachvollziehbare Charakterentwicklung

Dune hat mich in den Bann gezogen. Als ich vor nicht ganz einer Woche mit dem ersten Buch anfing, hatte ich nicht erwartet, dass es mich derart begeistern wird. Mittlerweile bin ich bereits mit dem ersten Teil so gut wie durch und hoffe, die nächsten Teile treffen demnächst ein. Wie sich nämlich herausgestellt hat, bildet der erste Film von Denis Villeneuve etwas mehr als die Hälfte des ersten Buches ab. Nun will ich noch das Zweite lesen (Der Herr des Wüstenplaneten), damit ich für den zweiten Film, der Ende des Monats erscheint, bestens vorbereitet bin.

Warum ich aber diese Woche schon zum zweiten Mal über dieses faszinierende Universum schreiben will oder muss, ist die Art der Charakterentwicklung, die stattfindet. So etwas Tiefgehendes habe ich bisher kaum gelesen. Die Art und Weise, wie Frank Herbert uns mit den Charakteren durch diese Welt führt, ist immer wieder aufs neue fesselnd und mir wurde erst nach gut zwei Dritteln des ersten Buches so richtig bewusst, wieso.

Es ist nicht nur, wie ich erst vermutet habe, der fliegende Wechsel zwischen den Eindrücken der Charaktere. Dies trägt aber mit Sicherheit ebenfalls dazu bei. Jeder Absatz in einem Kapitel, dass sich um bestimmte Charaktere dreht (beispielsweise Paul Atreides und seine Mutter), kann sich auf einen anderen Gesichtspunkt fokussieren. Mal sind es Pauls Gedanken, die wir eindrücklichst erfahren und mitgeteilt bekommen, zwei Sätze weiter wechselt Herbert auf die Sichtweise von Pauls Mutter und wir erfahren ihre Schlussfolgerungen, Hoffnungen und Motive in dieser spezifischen Situation.

Dieser stete Wechsel ist zu einem gewissen Grad sicherlich auf erforderlich, da besonders diese beiden Charaktere mit ihrer speziellen Ausbildung darauf konditioniert sind, die feinsten Details und Verhaltensweisen an Personen festzustellen. Sei es an deren Verhalten, die Art wie sie sprechen, wie sie ihre Kleidung tragen oder wo sie stehen und wie. Es ist ein sehr analytisches Denken, aber durchaus nicht frei von Gefühlen. Dem machen sich die beiden, besonders Paul, immer wieder bewusst, vor allem, nachdem er erfahren hat, dass seine Ausbildung auf ein Mentaten-Training abzielte. Dazu kommen die schon fast evolutionär anmutenden, sprunghaften Entwicklungen, die Paul durchmacht, dank des Spice.

Auch von anderen Charakteren erfahren wir immer wieder ihre Überlegungen und wie sie Situationen wahrnehmen. Sei es der Baron Harkonnen, der Arzt Yueh oder vermeintliche Nebencharaktere. Diese tiefgreifende Einsicht macht die Welt von Dune derart greifbar und zu einem gewissen Grad real erscheinend. Dazu kommen die genial geschriebenen Dialoge. Da es sehr viel um Intrigen geht, alle darauf achten müssen, nicht zu viel zu verraten oder das Falsche zu sagen, ist es umso wichtiger, dass diese pointiert geschrieben sind. Die zum Teil wahr werdenden und quasi personifizierten Legenden und Mythen, die es auf dem Wüstenplaneten Arrakis gibt, machen es gewissen Charakteren schwierig, in jeder Situation das richtige Verhalten und die passenden Worte zu wählen.

Dank der Einsichten in ihre Überlegungen sind die Schlussfolgerungen der Personen nachvollziehbar. Genau das ist es, was mich so fasziniert und nachhaltig beeindruckt. Als Leser erfahre ich, wie die Charaktere zu ihren Schlussfolgerungen kommen. Es wird aber derart vorgekaut, sodass man sich als dummer Leser fühlt, dem man jeden Handlungsschritt erklären muss. Eine Gratwanderung, die ich so nicht erwartet hatte. Schlechtere Autor*innen würden vielleicht plumpe Dialoge schreiben, um Entscheidungen nachvollziehbar zu machen oder die Leserschaft auf gewisse Punkte förmlich mit dem Gesicht hineindrücken. Hier wird man ein Teil der logischen Folgerungen.

Aber, wie bereits erwähnt, spielen natürlich die Gefühle dabei ebenfalls eine große Rolle. Es ist auch nicht so, dass immer alle recht hätten oder nicht überrascht würden. Das würde es wiederum langweilig machen. Als Vergleich ist mir tatsächlich die Serie Breaking Bad eingefallen.

Wer die Serie gesehen hat, erinnert sich vielleicht an den Moment, wo Jesse an der Bushaltestelle stand. Es ist schon etwas länger her, seit ich die Serie geschaut habe, aber ich glaube, es war die letzte Staffel. An dieser Bushaltestelle stehend, nimmt er einen Gegenstand aus seiner Tasche und plötzlich ergibt alles für ihn Sinn. Er weiß, was Walter bzw. Heisenberg gemacht hat und alle Puzzleteile fügen sich zu einem Bild zusammen. Und er entscheidet sich, ihn zu konfrontieren. Oder auch der Moment, wo für Hank plötzlich klar wird, wer Walter wirklich ist. Beides, aber besonders ersterer, herausragende Momente, die mit wenigen visuellen Hilfsmitteln auskommen. Dank der genialen schauspielerischen Leistung sind sie aber nachvollziehbar. Man bekommt nicht alles vorgekaut, trotzdem weiß man, wie die Charaktere zu ihren Einsichten gekommen sind und erlebt es gleichsam mit ihnen mit.

Diese Momente gibt es konstant in Dune, aber natürlich in abgestuften Intensitäten oder genauer gesagt sind sie in ihrer Fundamentalität variabel. Jetzt haben mich schon vier Science-Fiction-Universen in ihren Bann gezogen, aber dazu ein anderes Mal mehr.

Einen Prinzen retten

Eigentlich wollte ich mit Prince of Persia: The Lost Crown noch ein wenig warten. Spiele sind doch immer recht teuer, wenn sie frisch auf dem Markt kommen. Aber dann habe ich es mir aus zweierlei Gründen doch recht kurz nach der Veröffentlichung gekauft. Zum einen habe ich angefangen, das Let’s Play von TheRadBrad auf YouTube zu schauen, was bei solchen Spielen immer ein großer Fehler ist. Das habe ich letztes Jahr bereits mit Blasphamous II durchgemacht.

Beide der genannten Titel sind sogenannte 2,5D Spiele oder auch Side-Scroller genannt. Man bewegt die Figur prinzipiell also nur nach links oder rechts, oben oder unten. Ich mag solche Spiele sehr gerne. Ihre scheinbare Einfachheit täuschen, denn die Geschicklichkeit und Strategien, die man aufwenden muss, machen sie zu echten Herausforderungen. Die offene Welt bietet verschiedenste Möglichkeiten, wie man die Welt entdecken möchte. Und ich finde es immer wieder faszinierend, welche Gemeinheiten sich die Entwickler einfallen lassen. Manche mögen ihre Elden Rings und Dark Souls (die schaue ich mir lieber per Let’s Plays an), ich mag meine Side-Scroller, mit teils frustrierenden Parcours-Abschnitten.

Aber es sind nicht nur die eher technischen Aspekte solcher Spiele, die mir mittlerweile ans Herz gewachsen sind, auch die Geschichten können einen fesseln. Eine meiner ersten moderneren Erfahrungen mit dieser Art Spiele war Ori and the blind forest. Der Charakter sieht auf dem Cover süß aus, die Welt ist putzig gestaltet und es fängt charmant an. Aber das tut Oben bzw. Up von Pixar auch. Aber die ersten 10 Minuten von diesem fantastischen Film reichen aus, um den härtesten und abgebrühtesten Wikinger in ein heulendes Elend zu verwandeln. Ich bin immer wieder erstaunt, was sie in diesen 10 Minuten schaffen, ohne dass auch nur ein einziges Wort gesprochen wird.

Ähnlich ist es bei Ori and the blind forest. Die erste Sequenz des Spiels ist eine emotionale Achterbahnfahrt, wie man so schön sagt, und reißt einen direkt in die Geschichte hinein. Die Charaktere wachsen ans Herz und man will nur das Beste für sie. Ich hätte mir eigentlich vorgenommen, auch dieses noch einmal zu spielen. Aber leider kommen ständig neue Spiele raus.

Jedenfalls war das Let’s Play von TheRadBrad zu schauen mein erster Fehler. Der Zweite war, mich auf dem Playstation-Store nach dem Spiel umzuschauen. Denn blöderweise hatte ich noch knapp über 10 € Guthaben auf meinem PS-Konto. Das hat die 50 € oder was das Spiel regulär gekostet hätte, gleich relativiert und ich konnte es vor mir rechtfertigen, dann doch zuzugreifen. Geklickt, gekauft, geladen und dann konnte es auch schon losgehen.

Der künstlerische Stil des Spiels ist fantastisch. Die Animationen und die Gestaltung der Charaktere begeistern. Ich mag es, wenn in solchen Spielen Charaktere gewisse übertriebene Eigenschaften haben, ohne dass es zu überborden wird. Prince of Persia: The Lost Crown schafft es, diesen schmalen Grat zu wandern. Die Geschichte um einen entführten Prinzen, den man in einem Labyrinth-artigen Gebirge und Palast retten muss, ist einfach, aber doch mit einer tieferen Historie versehen.

Die Gegner sind abwechslungsreich, herausfordernd, und wenn man wirklich mal an etwas scheitern sollte, kann man den Schwierigkeitsgrad sehr präzise verändern. Solch ein System würde ich mir öfter wünschen. Man kann nicht nur eine allgemeine Schwierigkeit einstellen, sondern wie viel Schaden man nimmt, wie viel Schaden man austeilt und so weiter. Ein ausgeklügeltes System. Wie zuvor erwähnt, mag ich die Parcours-Herausforderungen sehr gerne, aber mit einem Gegner 2 Stunden verbringen gehört nicht zu meinen Idealvorstellungen eines gelungenen Abends.

Was ich aber an solchen Spielen oder an Prince of Persia eher stört, ist die ausufernde Geschichte, die mittels Gegenständen erzählt wird. Man findet im Laufe des Spiels diverse Schriftrollen, Steintafeln, Pergamente und so weiter. Alle erzählen ein Stück mehr von der Geschichte dieser Welt und ihrer Vergangenheit. Aber teilweise sind es wirklich sehr lange Texte. Ich will aber nicht eine Stunde am Fernseher lesen. Ich fände es cool, wenn man diese Texte per Ubisoft-Connect herunterladen und dann am Tablet oder Smartphone lesen könnte. Wäre durchaus angenehmer. Wozu gibt es sonst solche Verbindungs-Angebote? Dadurch fehlt mir natürlich jetzt ein Teil der Geschichte, aber vielleicht hole ich das noch nach.

Die Dauer des Spiels, ich habe für meinen ersten Durchlauf knapp 20h benötigt, ist überschaubar und genau richtig. Was ich mir eventuell noch gewünscht hätte, wäre, dass es eine Beziehung zwischen dem Prinzen Ghassan und dem Protagonisten Sargon gegeben hätte. Wenn man will, könnte man zwischen den Zeilen lesen, dass sich im Laufe des Spiels etwas anbahnt, aber das wird leider nicht weiter verfolgt. Aber, dass meine eigene Lebensrealität öfter in Spielen wiederzufinden wäre, ist leider immer wieder mit Enttäuschungen verbunden. Besonders bei solch größeren Spielen. Assassins Creed hat das manchmal schon zu lösen gewusst, was ich zu schätzen wusste.

Jedenfalls war Prince of Persia: The Lost Crown eine hervorragende Spielerfahrung. Ich möchte mir auch noch die ein oder andere Playstation-Trophäe verdienen, also ganz bin ich damit ohnehin noch nicht durch. Und dafür, dass es, wenn ich mich recht entsinne, mein erstes Prince of Persia Spiel war, ebenfalls ein voller Erfolg. Einem zweiten Teil wäre ich nicht abgeneigt.

Throwback Thursday: The Amazing Spider-Man – One More Day

Wie jeden Donnerstag werfen wir einen Blick in die Vergangenheit meiner Blogger-Karriere. Heute sehen wir uns den Artikel über die Spider-Man-Geschichte One More Day an. Dieser erschien am 10.06.2016 auf meiner damaligen Webseite geek-planet.

Diese Geschichte, die One More Day erzählt, ist geradezu verhasst unter Spider-Man-Fans, weil sie als eine der schwächsten und stumpfsinnigsten gilt. Zwar haben wir daran anschließend den über Jahre dauernden Run von Dan Slott bekommen, einen der einflussreichsten Autoren von Spider-Man, aber es ist immer spannend, sich zu fragen: Was wäre, wenn?

Beim Lesen des Textes ist mir aufgefallen, dass ich sehr viel Vorwissen voraussetze. Für einen Blog, der sich wie damals eben an ein sehr spezifisches, Comic-affines Publikum richten sollte, nichts Tragisches, aber ein wenig mehr Hintergrundwissen zu vermitteln, wäre nicht schlecht gewesen. Welche Geschichte haben Tony Stark und Peter Parker in Civil War durchgemacht? Was hat mir an Back in Black so sehr gefallen? Und darauf aufbauend dann eventuell detaillierter und ausführlicher herleiten, warum One More Day ein Betrug an den vergangenen Geschichten und den Charakteren war.

Ich springe sehr viel herum und gehe nur selten auf Details ein, wie ich finde. Aber deshalb sehen wir uns ja die alten Texte an. Um daraus zu lernen und zu sehen, ob sich Einstellungen und Meinungen eventuell geändert haben. Wenn es zu One More Day kommt, bleibe ich dabei, dass es eine schlechte Storyline ist, die viel Potenzial zunichtegemacht hat. Schade darum. Aber seitdem haben wir viele andere, fantastische Spider-Man-Geschichten bekommen. Und wir wollen uns ja auf die positiven Aspekte konzentrieren und nicht immer nur jammern.


  • Ausgaben: Amazing Spider-Man #544-545; Sensational #41; Friendly Neighborhood #24
  • Autor: J. Michael Straczynski
  • Künstler: Joe Quesada, Danny Miki, Richard Isanove, Chris Eliopoulos

“I’ll find a way to save aunt may if it means storming the gates of hell itself.” – Spider-Man

Die Story-Line One More Day knüpft direkt an Back in Black an und konzentriert sich vorwiegend darauf, wie Peter verzweifelt nach einer Möglichkeit sucht, seine Tante vor dem Tod zu bewahren. Es handelt sich hier insofern um eine besondere Geschichte, als dass sie sich über drei verschiedene Spider-Man-Titel erstreckt und davon zwei (Sensational Spider-Man und Friendly Neighborhood Spider-Man) zu einem Ende führt. Damit wollte Marvel damals dazu übergehen, die Reihe The Amazing Spider-Man zukünftig dreimal im Monat auszuliefern.

Qualitativ unterscheiden sich One More Day und Back in Black so grundlegend voneinander, dass man kaum glauben mag, sie stammen von den gleichen Autoren. Der Start der Story-Arc ist fantastisch, und das nicht nur, weil die Geschichte direkt mit der gleichen Atmosphäre wie aus den vorherigen Ausgaben fortgesetzt wird. Sie ist so großartig, weil sie die Welt von Spider-Man noch ein Stück weiter öffnet. Wir sind mit Back in Black eingestiegen und kennen uns noch nicht so gut mit der Welt aus, mit der wir es hier zu tun haben. Lediglich die grundlegenden Ereignisse aus Civil War sind uns bewusst.

Um seine Tante zu retten, besucht Peter erst einmal überraschend seinen derzeitigen „Gegner“ Iron Man, auch bekannt als Tony Stark, in dessen Tower. Der Kampf, der entfacht, ist schnell vorbei, da Peter alles tut, um Tony zu stoppen, und die folgende Unterhaltung spielt großartig mit den Stärken der beiden Charaktere. Gleichzeitig wird sehr viel von ihrem derzeit angespannten Verhältnis und ihrer ereignisreichen Vergangenheit klar. Auch eine Beziehung zwischen dem Butler Jarvis und May wird angedeutet, der ich mir bisher nicht bewusst war.

Ich will hier nicht jedes einzelne Detail der Geschichte wiedergeben, sondern nur grobe Eindrücke vermitteln, also springen wir weiter zu Peters nächsten Halt, nachdem ihm Tonys Geld nicht wirklich weiterhilft. Niemand geringerer als The Sourcerer Surpreme Dr. Stephen Strange ist sein nächstes Ziel. Die Szenerie wechselt sofort zu einem mystischen Flair, den man aus Spider-Man-Comics wahrscheinlich nicht so sehr gewohnt ist. Auf sehr schmerzvolle Weise wird Peter hier beigebracht, dass niemand in der Lage ist, May das Leben zu retten und er sich mit der Tatsache abfinden muss, dass ihre Zeit gekommen sei. Schade finde ich an dieser Stelle, dass Strange hier vielleicht etwas zu naiv dargestellt wird und ich glaube ihm keine Sekunde. Mit Sicherheit wäre er in der Lage, May zu retten, zumindest wird das zwischen den Zeilen vermittelt. Warum er es allerdings nicht tun will, erläutert leider nicht.

Schließlich, und dies ist der große dritte Teil der Geschichte, konfrontiert ihn Mephisto, der König der Unterwelt persönlich, und bietet ihm einen Deal an. Wenn er seine Liebe zu Mary Jane aufgibt und damit nicht nur die Vergangenheit der beiden, sondern auch ihre Ehe, dann sorgt er dafür, dass May gesund wird. Er wolle sich aus ihrer heimlichen Sehnsucht zueinander nähren, was viel kostbarer sein soll, als eine Seele, die freiwillig für ein höheres Ziel geopfert wird.

Es ist sehr ärgerlich, wie eine so brillante Geschichte und Jagd nach einer Lösung dermaßen, und mir fällt ehrlich kein anderer Begriff ein, dumm zu Ende geführt werden kann. Die fantastisch inszenierte Begegnung zwischen Tony und Peter, in die so viel Herz gesteckt wurde, nicht nur was die Dialoge und die Handlung selbst betrifft, sondern auch die Zeichnungen. Diese vermitteln wunderbar den verzweifelten Peter Parker, der alles dafür tun würde, um seine Tante zu retten. Die mystische Begegnung mit Dr. Strange sowie die bewegenden Szenen im Krankenhaus. Alles toll ausgearbeitet. Doch dann folgt diese berühmt-berüchtigte Ausgabe #545.

Alles, was bis zu diesem Punkt aufgebaut wurde, wird zunichtegemacht. Nicht nur die Auflösung, wie May gerettet wird, ist ärgerlich, sondern auch die zusätzliche Klausel, wenn man so will, die Mary Jane in den Deal mit Mephisto eingebracht hat: Die ganze Welt soll vergessen, dass Peter Parker Spider-Man ist. Gerade erst vor drei Ausgaben haben wir gesehen, wie er an Wilson Fisk ein Exempel statuiert hat. Das alles wird jetzt nichtig.

Großartige Geschichten hätten sich aus den weiterführenden Prämissen von Civil War und Back in Black weben lassen (entschuldigt das Wortspiel). Aber anstatt die einzigartige Gelegenheit zu nutzen, machen sie alles ungeschehen. Natürlich wäre es ungewöhnlich und vielleicht auch etwas risikobehaftet gewesen, Spider-Mans Geschichte so sehr auf den Kopf zu stellen, aber einen Versuch wäre es wert gewesen. Zu allem Überfluss arbeiten die Autoren dann auch noch auf dermaßen billige und kitschige Weise die ewige Liebe zwischen Peter und MJ ein, dass einem übel werden könnte.

Gerade die letzten Seiten haben mich überraschend wütend gemacht. Denn statt auch mit dieser lächerlichen Prämisse zu spielen, wird bereits angedeutet, dass alles gut enden wird. An dieser Stelle hätte es der Reihe gutgetan, ein paar Risiken einzugehen und May vielleicht sterben zu lassen. Wie wir alle wissen, stirbt in Comics ja niemand wirklich (ausgenommen die Eltern von Bruce Wayne und Peters Onkel Ben).

So gut die Reihe begonnen hat, so schnell wird sie gegen die Wand gefahren und viel Potenzial verschenkt. Schade für die in Back in Black gelegten Grundsteine. Hoffentlich geht es besser weiter.

Das erste Mal ist entscheidend

… aber vielleicht nicht prägend. Oder es sollte es zumindest nicht sein. Aber alles der Reihe nach. 2021 kam die erste Dune-Verfilmung von Denis Villeneuve in die Kinos. Dieser erste Teil sollte in etwa die erste Hälfte des ersten Buches von Frank Herberts Dune-Saga abbilden. Der zweite Teil davon folgt Ende des Monats. Und da ich gerade in einem wahrlichen Lesefieber bin, schnappte ich mir Dune – Der Wüstenplanet aus dem Bücherregal und will es dieses Mal zu Ende lesen.

Bereits 2021, also vor drei Jahren, habe ich mir dieses Ziel gesetzt, nachdem mich der Film mit Timothée Chalamet in der Hauptrolle von den Socken gerissen hatte. Ich mag es, wenn Filme auf Atmosphäre aus sind und eine Welt kreieren können, ohne groß auf endlose Erklärungen und Beschreibungen zu setzen. Man darf den Zuschauer*innen durchaus etwas zutrauen. Es macht dann umso mehr Freude, den Film öfter anzuschauen, da man immer wieder Kleinigkeiten entdeckt, die die Welt ein bisschen erweitern. Die hervorragende schauspielerische Leistung aller Beteiligten steht sowieso außer Frage, dazu die stimmungsvollen Bilder, der einzigartige Soundtrack. Ich war damals sehr angetan von diesem Film und der Welt, in die er einführte.

Ich muss allerdings gestehen, dass ich den Film seit den zwei Kinobesuchen damals nicht wieder gesehen habe. Dazwischen stand immer das Vorhaben, erst das Buch zu lesen, um noch mehr Kontext und Wissen rund um diese faszinierende Welt zu haben. Was hat mich also vor drei Jahren davon abgehalten, das Buch zu lesen?

Dazu muss man wissen, dass ich mich gerne Hals über Kopf in etwas hinein stürze, wenn ich für etwas eine gewisse Leidenschaft entwickle und für ein Thema brenne. Also habe ich mir für meine erste Lektüre von Dune – Der Wüstenplanet einen Podcast herausgesucht, der mich auf meiner Reise begleiten sollte. Meine Wahl fiel auf Spice World, der zufälligerweise erst ein Jahr davor gestartet ist. Darin lesen die beiden sympathischen Gastgeber pro Folge ein Kapitel des Buches und unterhalten sich darüber. Der Twist daran, wenn man so will, ist, dass einer der beiden ein Dune-Connaisseur ist und der andere ein totaler Dune-Noob. Zweiterer nahm also genau meine Rolle ein – perfekt.

Doch für ein erstes Erlebnis war es mir dann doch irgendwann (nach 7 Kapiteln, um genau zu sein) zu anstrengend, nach jedem Kapitel 1 bis 3 Stunden Podcast zu hören. Versteht mich nicht falsch, die Infos, die man durch den Podcast erfährt, die Kontexte, Hintergründe, Verwandtschaftsbeziehungen und mehr sind nicht nur spannend, sondern helfen beim Verständnis des Buches. Außerdem hat man dadurch nur noch mehr Respekt und Anerkennung Frank Herbert gegenüber, für die Erschaffung einer solch komplexen, reichhaltigen Welt. Aber für ein erstes Erlebnis war es mir eben zu viel.

Also ist mein jetziges Vorhaben wohl etwas besser. Ich lese das Buch erst einmal für mich und höre danach wieder in den Podcast hinein. Erstens muss ich mir so keine Sorgen um Spoiler machen, obwohl das Buch selbst schon einiges vorwegnimmt. Immerhin ist es ja eher wie ein Geschichtsbuch strukturiert, wenn man so will. Vor allem, wenn man die Passagen am Anfang eines jeden Kapitels betrachtet. Zweitens kann ich den Podcast irgendwann hören und „muss“ nicht erst ein Kapitel davor lesen oder mich durch die Stunden an Audiomaterial „quälen“, bevor ich weiterlesen kann.

Hätte ich alles natürlich schon vorher machen können, aber wie gesagt, wenn ich für etwas brenne, dann will ich mich so tief in das Thema eingraben wie möglich. Und manchmal lande ich dabei in einem Loch oder sitze vor einem Haufen, der mir zu überwältigend erscheint. Es zerbricht nach einem anfänglichen Hoch die Leidenschaft, wie die hier verwendete Metapher.

Jedenfalls fällt es mir aktuell schwer, das Buch wegzulegen und pflüge gleichsam durch die Kapitel. Die Kapitel-langen Dialoge sind so pointiert geschrieben, wie ich es selten erlebt habe. Von jedem Charakter erfährt man, was sie denken, wie sie Situationen einschätzen und welche Motive sie antreiben. Alles ist natürlich immer mit einer Prise Skepsis zu betrachten und im Kontext der Kapitel-einführenden Passagen zu sehen. Ein wunderbares Erlebnis und dieses Mal mache ich es auch richtig – oder zumindest für mich richtig und nachhaltig.

Kalt geduscht ist halb gewonnen

Es ist unfassbar warm, dafür, dass es eigentlich erst Februar ist. Und in einem kürzlichen Falter-Newsletter hat Katharina Kropshofer darüber geschrieben, dass wir des Öfteren über das Wetter reden sollten. „Darüber, dass es nicht nur die Extreme sind (das Hochwasser, das im Sommer den Süden Österreichs verwüstete; die Waldbrände, die riesige Flächen vernichteten). Sondern auch über diese feinen, fast banal wirkenden Dinge wie einen warmen Februartag.“1

Dem kann ich eigentlich nur zustimmen. Denn wie so manches wird auch der Klimawandel vielleicht erst so richtig begreifbar, wenn wir offen darüber sprechen. All die kleinen Dinge, die wir im Alltag darüber beobachten, die eventuell unser eigenes Verhalten beeinflussen, wie wir uns dabei fühlen. Denn natürlich verhalten wir uns auch anders, wenn es draußen angenehm warm ist, die Sonne scheint und man es sich eigentlich mit einem kleinen Eis auf der Terrasse gemütlich machen kann.

Wenn ich zu Hause, im Homeoffice arbeite, nutze ich die Mittagspause immer gerne für einen kleinen Spaziergang. Es ist angenehm, etwas raus zu kommen, nicht nur den ganzen Tag in einen Bildschirm hinein zu starren und die Bewegung tut natürlich auch gut. Diese Woche war es tatsächlich mal über 15 Grad warm, um ich konnte nicht nur einen Spaziergang in kurzen Hosen und einem T-Shirt absolvieren.

Eigentlich ist das etwas zum Genießen. Ich empfinde es als angenehm, wenn die Sonne auf die Haut scheint und man richtig spüren kann, wie man mehr Energie bekommt und man sich glücklicher fühlt, als wenn es kalt und grau ist. Allerdings ist es nicht gerade normal, leichter gekleidet durch den Februar zu spazieren. Nachdem ich den oben verlinkten Newsletter gelesen habe, musste ich diesen Eindruck doch etwas revidieren.

Nicht, dass ich es nicht genießen könnte, aber es sollte doch im Hinterkopf mitschwingen, dass es nicht normal ist, im Februar mit kurzer Hose und T-Shirt herumzulaufen. Die Sorgen, die damit verbunden sind, sollten einen auch nicht lähmen oder überhandnehmen, aber vielleicht, wie Frau Kropshofer vorschlägt, einfach mehr darüber reden – sich die Sorgen teilen. Zu sehen, dass es okay ist, sich Gedanken über die Zukunft zu machen und damit auch vielleicht etwas Angst verspüren. Zu akzeptieren, dass man selbst nur in einem gewissen Rahmen dazu beitragen kann, dass es besser wird, es aber hauptsächlich von der Politik abhängt, eine entsprechende Richtung einzuschlagen.

Dazu gehört auch auszuhalten, dass es keine einfachen Lösungen für die Probleme gibt. Die Welt ist komplex und erfordert eben auch komplexe Lösungen. Ambivalenten auszuhalten, ist ebenfalls Teil dieser Welt. Es lässt sich nicht alles in Gut und Schlecht einteilen, so wie es in Star Wars und anderen Geschichten ist. Zur Zerstreuung sind diese fantastisch, aber keine Blaupause für die echte Welt. Es ist ebenfalls in Ordnung, wenn man nicht alle Zusammenhänge versteht, denn das ist nicht immer möglich. Wenn man den ganzen Tag arbeitet, vielleicht noch Familie hat, sich um jemanden kümmern muss, einkaufen, kochen und so weiter, dann bleibt am Ende des Tages eben nicht mehr so viel Zeit übrig. Dann will ich nicht auch noch über diverse Probleme der Welt recherchieren. Alles nachvollziehbar. Man sollte sich aber soweit mit der Welt auseinandersetzen, dass man Personen wählt, die tatsächliche Wege aufzeigen, die in eine bessere Zukunft führen können. Allerdings sind das meist nicht diejenigen mit den einfachen Lösungen. Denn diese zeigen nur auf vermeintlich Schuldige, können selbst aber keine praktikablen Auswege aufzeigen. Sie sind eben nur gegen etwas, stehen aber kaum für etwas ein.

Jetzt bin ich doch etwas abgeschweift, aber manchmal führt ein einfaches Thema, wie »wir sollten mehr über das Wetter reden« zu allerlei anderen Gedanken. Eigentlich wollte ich noch eine zweite Sache aufzeigen, an der ich erkenne, dass es ein nicht gerade typischer Februar ist. Denn von Frühling bis Herbst dusche ich fast ausschließlich kalt. Ich mag den Kontrast zum warmen Wetter sehr gerne, vor allem nach einem anstrengenden Training ist es für mich angenehm. Aber es hat auch etwas Psychologisches an sich, wenn man sich beim Duschen kurz überwindet und die Temperatur so weit es geht, herunterdreht. Ich bin mir nicht sicher, was genau dahintersteckt, aber es wirkt sich positiv auf die Gemütslage aus. Körper und Geist können sich gleichermaßen danach entspannen und erfrischt in den restlichen Tag starten.

Es hat sicher jede*r eigene Rituale, wenn man so will, die man schon beinahe unbewusst angeht, sobald es wieder wärmer wird oder ein wolkenloser Himmel auf einen wartet. Seien es kaltes Duschen, eine Anpassung der Ernährung, weil sich mit dem Wetter vielleicht auch der Appetit etwas verlagert oder man entdeckt oder die kurzen Hosen, die man wieder sporadisch trägt. In diesem Sinne reden wir doch mehr über das Wetter, die Veränderungen, den Klimawandel und die damit verbundenen Sorgen. Vielleicht hilft es zu etwas mehr Einsicht und Bereitschaft zur Veränderung.

  1. Falter Nachhaltigkeits-Newsletter ↩︎

Erwartungshaltungsmanagement

Erwartungen sind immer so eine Sache. Selten treffen unsere Erwartungen zu hundert Prozent oder treten genau so ein, wie wir es wollten. Aber mit der Zeit und entsprechenden Erfahrungen weiß man schon so in etwa abzuschätzen, was auf einen zukommt. Seien es Urlaube, Klemmbausteinsets von verschiedenen Herstellern, Restaurantbesuche oder Bücher.

Bei meiner letzten Bestellung von vor ein paar Wochen, bei der ich mir gebrauchte Star Wars Bücher besorgt habe, sah ich mich in dem Online-Shop noch etwas um. Vielleicht gab es ja noch ein paar Schnäppchen zu ergattern. So wurde ich auf Der Steppenwolf von Hermann Hesse aufmerksam. Nachdem mich schon sein letztes Buch, was ich von ihm gelesen habe, sehr begeisterte (Peter Camenzind), wollte ich mir noch mehr seiner Bücher zu Gemüte führen. Und für die paar wenigen Euro konnte ich nicht viel falsch machen.

Mir kam der Titel bekannt vor, allerdings habe ich nicht die geringste Ahnung, nicht im Entferntesten, worum es in Der Steppenwolf geht. Zwischen größten Fantasy-Abenteuern, herausforderndster Science-Fiction oder einfach nur einer Geschichte über Dorfromantik ist alles möglich. Aber genau das mag mich von Büchern überraschen lassen. Nicht viel darüber wissen, sondern einfach eintauchen in die Welt, die die Autor*innen für die geneigten Leser*innen geschaffen haben. Die Charaktere, die darin vorkommen, wissen ja auch nicht, worauf sie sich einlassen und welch Abenteuer sie erwarten. Da will ich, als Leser, genauso unwissend sein. 

Auf der Rückseite vom Hermann Hesse Buch ist allerdings ein Zitat von Thomas Mann abgedruckt. Es wird nichts über den Inhalt verraten, sondern nur Vergleiche mit „Ulysses“ und „Faux Monnayeurs“ gezogen. Auch diese beiden Werke habe ich bislang nicht gelesen, wecken aber schon mal größere Erwartungen. Dann kommt der zweite Teil des Zitats, welcher wie folgt lautet:

Der »Steppenwolf« hat mich seit langem zum erstenmal wieder gelehrt, was Lesen heißt.

Tja, das war es wohl dann mit der unvoreingenommenen Einstellung, dieses Buch betreffend.