Von Kinobesuchen

Früher bin ich quasi ständig ins Kino gegangen. Es war noch eine Zeit, da hat man die Tickets am Kinoschalter ausgedruckt bekommen und konnte diese sammeln, was ich gerne gemacht habe. So habe ich zu meinen Spitzenzeiten über 50 dieser Karten pro Jahr angehäuft. Dazu muss man wissen, dass es in Salzburg am Hauptbahnhof noch ein Cineplexx-Kino gab, das mittlerweile leider geschlossen ist. Von einem Tag auf den anderen wurde der Betrieb eingestellt – ich glaube, das war Ende 2020 oder Anfang 2021. Jetzt ist das einzige Cineplexx der Stadt nur noch in der Nähe des Flughafens zu finden. Seitdem haben sich meine Kinobesuche drastisch reduziert. Wenn ich eine zweistellige Anzahl an Besuchen im Jahr schaffe, ist das viel.

Es war einfach praktisch, nur zum Hauptbahnhof fahren zu müssen. Nicht weit entfernt, gut erreichbar, ich musste von meinem Wohnort weder durch die halbe Stadt fahren noch über die Autobahn. Sogar mit dem Zug war es perfekt erreichbar. Es war schlicht und einfach kommod.

Was allerdings ein besonders guter Pluspunkt des Cineplexx-Kinos am Hauptbahnhof war, waren die ganzen Spezialvorführungen. Allein die Anzahl an Filmen, die man dort im (meist englischen) Original schauen konnte, war überragend. Seit über 13 Jahren schaue ich keine Synchronfassungen mehr. Aus dem einfachen Grund, dass das Filmerlebnis so viel besser ist. Und dabei geht es nicht nur um Hollywood-Filme. Auch thailändische Filme oder Animes, spanische, schwedische oder französische Produktionen müssen im Original mit Untertiteln geschaut werden. Die Atmosphäre ist eine komplett andere und man erlebt den Film audiovisuell genau so, wie es die Filmschaffenden transportieren wollten – im Guten wie im Schlechten.

Jedenfalls fand man im dortigen Kino viele solche Vorstellungen. Durchaus auch von eher kleineren Filmen, was mich immer wieder dazu bewegte, in unbekanntere Streifen reinzuschauen. Es gab Aufnahmen von Opern, Musicals und Ballett-Aufführungen – die ich allerdings leider nie probiert habe, muss ich zu meinem Bedauern gestehen. Rückblickend ein großes Versäumnis. Aber die teils über 4 Stunden sind eben doch abschreckend.

Im Airport-Kino ist die Auswahl an Original-Aufführungen natürlich beschränkter, da man quasi zwei Kinos in einem abbilden muss. Ich mochte vom so genannten Cineplexx City-Kino auch den etwas brutalistischen Stil des Gebäudes. Ich brauche kein luxuriöses Gebäude bei einem Kino oder das alle auf Hochglanz poliert sein muss. Es kommt mir primär auf das Bild und den Ton der Säle selbst an. Diese müssen den hohen Qualitätsstandards entsprechen, die Kinos erfüllen sollten. Seien es IMAX-Säle oder Dolby-Cinema-Säle, ich will während des Films nicht daran erinnert werden, im Kino zu sitzen. Ich will mich in der Welt auf der Leinwand verlieren.

Ein paar Filme ziehen mich aber dann doch noch ins Kino. Avatar – The Way of Water natürlich, aber das ist auch schon wieder etwas her. Diese Woche wurde der erste Trailer zu Deadpool 3 veröffentlicht, oder Deadpool & Wolverine, wie er nun heißt. Ich freue mich schon sehr auf die dritte filmische Iteration dieses fantastischen Charakters. Hugh Jackman als Wolverine nochmal zu sehen, ist da die Kirsche auf dem Eis.

Ein anderer Film, auf den ich mich auch schon sehr freue, ist Dune 2. Der Erste hat mich von vorne bis hinten begeistert. Die Bücher habe ich leider noch nicht gelesen, aber die Welt ist so faszinierend und greifbar im Film umgesetzt, dass ich es kaum erwarten kann, den zweiten Teil zu sehen. Was mich aber wohl am meisten beeindruckt hat, war die Musik und das Sounddesign. Erst diese machen die gewaltigen Bilder zu etwas Unvergesslichem. Vielleicht bekommt man nochmal die Gelegenheit, auch den Ersten im Kino zu sehen.

Ja, das Kino hat durchaus seinen Charme und wenn man nicht mehr so oft reingeht, bekommt es wieder diese bestimmte Magie und das besondere Etwas.

Fotografische Erinnerungsstützen

Vor ein paar Tagen habe ich ein wenig über das Thema Selbstwahrnehmung philosophiert (Das Selbst im Spiegel). Nicht gerade ausführlich, aber so als kleiner Gedankenansatz fand ich die Idee spannend.

Das hat mich dann auf ein anderes Thema gebracht, bei dem man sich eigentlich keine, bis wenige Gedanken macht. Die täglichen Fotos, die wir erstellen, entsprechen eigentlich kaum der Realität. Die eigene Wahrnehmung der Situation, was man gesehen und gehört, gerochen oder mit wem man sie erlebt hat – sie sind immer anders als die abgebildeten Pixel. Ein Foto kann nie mehr sein als eine Art Trigger, um ein etwas zu inflationär gebrauchtes Wort einzustreuen, für Erinnerungen. Ein Auslöser, der uns hilft und dabei unterstützt, sich besser in die vergangene Situation hineinzuversetzen.

Das trifft dieser Tage vielleicht sogar mehr zu, als noch vor ein paar Jahren. Denn jedes Foto, das mit einem Smartphone geschossen wird, wird immer durch vielerlei Berechnungen optimiert. Es wird durch Prozessoren gejagt und überarbeitet, bevor es überhaupt in der Fotobibliothek landet. Vielleicht erstellt das Smartphone sogar dutzende Bilder gleichzeitig mit unterschiedlichsten Beleuchtungsstufen und mischt diese zusammen, sodass am Ende ein bestmögliches Ergebnis erzielt wird. Doch was ist dieses Ergebnis? Ganz davon abgesehen, dass die subjektiven Ebenen und Ansichten, die wir in dem Moment haben, sowieso nie wirklich abgebildet werden können. Versteht mich nicht falsch, es ist eine wunderbare Technologie und ich weiß es zu schätzen, Momente und Augenblicke jederzeit festhalten zu können. Allerdings sollte man sich hin und wieder bewusst machen, dass diese Fotografien auch immer eine Interpretation des Smartphones und des darauf laufenden Betriebssystems sind.

Ein Beispiel ist das unten angehängte Bild. Ich war mal wieder mit Freund J. in Salzburg unterwegs und da es ein sonniger Tag werden sollte, wanderten wir über den Mönchsberg. Die Sonne blieb zwar weitgehend von Wolken verdeckt, aber trotzdem war es eine tolle kleine Wanderung über einen der Stadtberge. Dabei haben wir unter anderem festgestellt, dass der Reinberg mal erklommen werden will, da wir das bisher noch nie in Betracht gezogen bzw. versäumt haben.

Jedenfalls war ein Ziel der Wanderung der Aussichtspunkt Richterhöhe, von dem man einen wunderschönen Blick über die Stadt und zu den Bergen am Horizont hat. Auf dem Weg dorthin sahen wir ein Flugzeug vom Flughafen aus starten. Es sah beeindruckend aus, wie sich dieses tonnenschwere Gefährt aus Metall immer weiter in die Höhe kämpfte und über den Häusern aufstieg. Es flog in Richtung Untersberg und der Blickwinkel von dem Weg aus war perfekt. So wirkte es fast so, als würde die Unterseite des Flugzeugs nur knapp der vordersten Spitze des Berges entwischen.

Das alles dauerte ein paar Sekunden, vielleicht etwas mehr als eine Minute, wenn es hochkommt. Die hervorstechenden Häuser der Stadt, die dunklen grau-blauen Wolken, gepaart mit dem Bergrelief und dem Flugzeug, das sich gegen die Gravitation stemmte, hat mich gefesselt. Es ist einer dieser speziellen, kleinen Momente, die leicht zu verpassen sind, wenn man nicht acht gibt. Im Eifer des Gefechts habe ich zwei Bilder gemacht, beide sehen sehr ähnlich aus. Aber sie verblassen, ob der beeindruckenden Kraft der Erinnerung.

In ein paar Jahren, wenn mir die iCloud Fotobibliothek dieses Bild hochspült, aus irgendwelchen algorithmischen Gründen, und ich das kleine Flugzeug am Horizont erblicke, erinnere ich mich vielleicht doch wieder an diesen einen besonderen Moment. Und damit an einen fantastischen Tag. Das Betätigen des Auslösers kann die Zeit überdauern und uns helfen, den Moment zu erinnern, so wie er vielleicht wirklich war – oder zumindest sich der Realität anzunähern.

Schlafenszeit

Wir schlafen, im Idealfall, ein Drittel unseres Lebens. Acht Stunden pro Tag. Da erstaunt es mich immer wieder, wie kurz man sich für Entscheidungen Zeit lässt, mit denen man buchstäblich Hunderte Stunden verbringen muss. Im Dezember habe ich beschlossen, dass ich endlich einen neuen Topper für mein Bett besorge. Der alte ist schon etwas in die Jahre gekommen und hat seinen Dienst getan. Er ist durchgelegen, zu weich, und mittlerweile am Ende angelangt.

Eine zweite Sache, die mich in Bezug auf unseren Schlaf und die damit einhergehende Auseinandersetzung immer wieder überrascht, ist das hinauszögern. Vielleicht schließe ich aber an dieser Stelle auch nur von mir auf andere. Jedenfalls habe ich es mit dem neuen Topper quasi so lange hinausgezögert, bis es wirklich kaum mehr ging. Ich wusste schon, dass es so oder so viel Geld sein wird. Die besseren, mit Thermo-irgendwas, Memory-Magie und einer Prise Feenstaub kosten nun mal etwas mehr. Nicht, dass ich das ganze Palaver darum nicht glauben würde, aber teilweise hat es schon so ein bisschen was Esoterisches an sich.

Jeder wirbt mit den noch besseren „Technologien“, die den Schlaf noch angenehmer und erholsamer machen sollen. Wie Wolken schwebt man dem Land der Träume entgegen. Aber egal, wie gut die Ausstattung des Bettes auch ist, um halb sechs Uhr morgens reißt einen doch der Wecker in die Realität zurück. Ich kann zum einen gut verstehen und nachvollziehen, warum man sich so viele Gedanken über Schlaf macht, um diesen besser zu machen, zu messen, tracken und Statistiken zu erheben. Aber die Menschheit hat tausende Jahre ohne Memoryschaumgedöns überlebt. Es gibt ganz andere Dinge, die unser Untergang sein könnten, als eine nicht vorhandene Wärmeableitfunktion. Allerdings, wenn die Möglichkeit besteht, etwas besser zu machen und vorwärtszuschreiten, warum nicht? Und guter Schlaf ist nunmal sehr viel wert und nicht zu unterschätzen.

Jedenfalls benötige ich einen neuen Topper und fuhr zum großen Möbelhaus mit dem roten Stuhl und ab ging es in die Bettenabteilung. Ich wollte extra einen etwas festeren, da das auch besser sein dürfte für meinen unteren Rücken, der aufgrund einer leichten Wirbel-Fehlstellung etwas Probleme bereiten kann. Die Auswahl beschränkte sich auf genau: einen. Kurz hingelegt, gefühlt und getestet, es für gut befunden und gekauft. Wenn es hochkommt, dauerte das Prozedere 15 Minuten. Nebenbei ging noch ein teurer, etwa sternförmiges Kopfkissen mit, das sich vor Ort hervorragend anfühlte – die Form sollte helfen, besser auf der Seite schlafen zu können.

Das Kopfkissen habe ich nach zwei gescheiterten Versuchen wieder durch mein altes, bewährtes ersetzt. Manche Neuerungen muss man dann auch nicht mitmachen. Und was den Topper angeht? Dann konnte ich nun, 10 Wochen später, endlich abholen. Der alte kommt erstmal in den Keller, vielleicht kann er noch für ein eventuelles Gästebett dienen. Den neuen auf das Bett geworfen, frisch bezogen und so hoffte ich, dass die erste Nacht damit eine erholsame werden würde. Es dauert ja immer etwas, bis man sich an etwas Neues gewöhnt; das gilt wahrscheinlich verstärkt für Matratzen und Ähnliches, mit dem wir so viel Zeit unseres Lebens verbringen.

Die erste Nacht war dann tatsächlich durchaus erholsam. Nur auf der Seite schlafen ist nicht mehr wirklich drin, da durch die Festigkeit des Toppers die Schultern nicht mehr einsinken. Also vielleicht doch damals mitgekauften, überteuerten Polster nochmal versuchen. Oder vermehrt auf dem Rücken schlafen, was wahrscheinlich die bessere Variante sein dürfte. Es muss also noch so manchen getestet werden. Aber es gibt schlimmeres, als im Bett zu liegen und zu testen, wie man den Schlaf verbessern und erholsamer gestalten kann.

Throwback Thursday: The Amazing Spider-Man – Back in Black

Für unseren allwöchentlichen Ausflug in die Vergangenheit habe ich mir einen Artikel herausgesucht, der an den Captain America: Civil War Artikel von letzter Woche anschließt.

Ich habe an dieser Stelle schon öfter darüber geschrieben, dass Spider-Man zu meinen Lieblingscharakteren gehört und ich des Öfteren Leseprojekte gestartet habe, wo ich mir seine Comics vornahm. So war der erste offizielle Auftritt von Spider-Man im MCU auch damals ein Auslöser für ein solches Projekt.

Die nächsten Wochen werden wir wahrscheinlich ebenfalls beim Thema Spider-Man bleiben. Es sind einfach faszinierende Geschichten, und Back in Black gehört sicherlich zu einer der besten. Ich finde es immer noch schade, dass Marvel diese Seite von Peter Parker nicht länger verfolgt hat. Es wäre etwas komplett anderes gewesen – eine Charakterstudie, die sich gelohnt hätte.

Beim Lesen der alten Artikel merke ich bereits, dass es mich erneut in den Fingern juckt, mich in die Comics von Peter Parker zu stürzen. Aber erst einmal habe ich noch ein paar Bücher vor mir. Es läuft ja nichts davon. Manchmal muss man auch soweit sein und die Vorfreude auf etwas genießen können.

Wie dem auch sei. Kommen wir zur Rezension, die ich am 03.06.2016 auf meiner damaligen Webseite geek-planet veröffentlichte.


  • Ausgaben: #539-543
  • Autor: J. Michael Straczynski
  • Künstler: Ron Garney, Bill Reinhold, Matt Milla

“You forgot something, Fisk. […] At the end of the day, you’re just a fat man with an attitude…a balloon just waiting for someone to stick a needle in it. And me? I’m the needle.” – Peter Parker

Auch wenn man ein großer Fan von etwas ist, benötigt man doch bisweilen einen kleinen Anstoß, um sich etwas intensiver mit dem Thema auseinanderzusetzen. Für mich war dieser Anstoß, was Spider-Man betrifft, Captain America: Civil War. Die Darstellung des Wandkrabblers, meines absoluten Lieblings-Comic-Charakters durch Tom Holland im neuesten Marvel-Film ist derart erstaunlich und entspricht so sehr seinem Pendant in den Comics, dass ich mich natürlich gleich daran machen musste, ein paar Abenteuer nachzulesen.

Doch wo fängt man in der 60-jährigen Geschichte an? Dazu habe ich zwei Anhaltspunkte gewählt:

Das Erste war relativ simpel. Dank Marvel-Unlimited, was ich an dieser Stelle nur empfehlen kann, hat man Zugriff auf beinahe alle Comics, die Marvel jemals veröffentlicht hat, und da habe ich einfach mal „Amazing Spider-Man (1999-2013)“ gewählt. Zufälligerweise fällt in diesen Zeitraum das ursprüngliche Civil War Event. Also ein perfekter Einstieg in die Comics. Allerdings muss man wissen, dass das Event hier etwas anders abläuft als im Film. Im Film von Captain America ist die Prämisse, dass die Avengers von einem Komitee geleitet werden sollen, das von 117 Regierungen der Welt zusammengestellt wurde. Wer sich diesem Komitee nicht beugt oder auf eigene Faust handelt, wird als Verbrecher gebrandmarkt und eingesperrt. Im Comic-Event Civil War geht es um eine ebenfalls von Tony Stark unterstützte Superhelden-Registrierungskampagne, die dazu aufruft, dass sich alle Superhelden dort eintragen lassen und ihre Identität preisgeben. Zwei ähnliche, aber doch sehr unterschiedliche Szenarien, die zum Zerfall der Avengers und damit zum Konflikt zwischen Iron-Man und Captain America führen.

Was ist nun also die Ausgangslage für Spider-Man? Peter Parker hat sich dazu überreden lassen, seine Identität preiszugeben. Etwas, das er so noch nie getan hat und selbst manche seiner besten Kamerad*innen wissen über seine wahre Identität nicht Bescheid. Da er sich natürlich viele Feinde im Laufe der Zeit gemacht hat, ergreift niemand Geringerer als Wilson Fisk aka Kingpin die Gelegenheit und lässt ein Attentat auf ihn verüben. Dieses läuft allerdings schief und Tante May wird tödlich getroffen und landet nicht nur im Krankenhaus, sondern fällt auch noch in ein Koma. Dies führt dazu, dass Peter nicht sein klassisches Kostüm anzieht, sondern das Schwarze, und sich aufmacht, den Drahtzieher hinter der Tat ausfindig zu machen und ein Exempel zu statuieren.

Was an der Geschichte so sehr fasziniert, sind nicht nur die Beweggründe, die dazu führen, dass Peter das schwarze Kostüm anzieht, sondern was es repräsentiert. Denn dieser Spider-Man scheint keine Grenzen zu haben. Für ihn gilt zwar auch der berühmte Ausspruch „with great power there must also come great responsibility“, doch unter dieser anderen Identität kann er sich dazu entschließen, die Verantwortung abzulegen und Rache für seine Tante zu nehmen. Es werden oft Situationen in der Geschichte gezeigt, die ermöglichen, dass er seine Regeln ad acta legt. Und man ist sich während der Lektüre nie 100 % sicher, ob er jetzt töten wird oder nicht.

Die fantastischen Dialoge, verbunden mit den grandiosen Zeichnungen, legen eine neue Seite von Peter offen und stellen seinen Zwiespalt, zwischen der Unterstützung von MJ bei der Versorgung seiner Tante im Krankenhaus und der Rache an Fisk, wunderbar dar. Auch der finale Schlagabtausch im Gefängnis ist sehr symbolisch gestaltet. Er sagt es Fisk auch direkt, dass er ihn nicht nur in seiner Persona Spider-Man besiegen möchte, sondern als Peter Parker.

Es ist schon erstaunlich, dass der Kingpin, ein Mann, dessen unfassbare körperlichen Ausmaße und Muskeln, keine Chance hat, wenn Peter seine gesamte Kraft und Agilität gegen ihn einsetzt. Es ist ein ungleicher Kampf, der mir erstmals einen Kingpin vor Augen führt, der verliert, und zwar nicht nur diesen einen Kampf, sondern seinen Respekt und die Furcht der anderen Insassen. Dies ist wohl dasjenige, das für ihn am wertvollsten ist, und das weiß Peter auch. In seinem nachfolgenden Monolog, den blutenden, gebrochenen Fisk zu seinen Füßen, macht er dann deutlich, dass es besser ist, sich nicht mit seiner Familie anzulegen. Die Kraft, die hinter diesen Bildern und Worten steckt, ist epochal und mitreißend.

„Back in Black“ mag jetzt zwar nicht gerade die typische Spider-Man-Geschichte sein, da man keinen Helden erlebt, der viel redet, Witze reißt oder sonstige typische Handlungen vollführt. Stattdessen bekommt man eine Geschichte geliefert, die mal eine ganz andere Seite zeigt. Eine verletzliche, rächende Seite, die sich trotzdem noch unter Kontrolle hat. Hier wird mir einmal mehr vor Augen geführt, warum Spider-Man zu den besten Comic-Charakteren der Geschichte zählt.

Das Selbst im Spiegel

Letztens habe ich in einem Podcast eine interessante, kleine Diskussion über Selbstwahrnehmung gehört. Leider bin ich mir nicht mehr ganz sicher, welcher Podcast es war – wahrscheinlich aber WRINT von Holger Klein. Darin ging es speziell darum, wie man sich selbst sieht, buchstäblich.

Denn wir sehen uns selbst nur in gewissen Situationen, über den Tag verteilt, so denn man eben einen Spiegel antrifft. Sei es im Bad, beim Händewaschen, vorm Kleiderschrank oder in Kleidungsgeschäften. Vielleicht auch wenn wir Selfies machen, eine Kunst, die sich mir noch nie so richtig erschlossen hat, außer im Urlaub mit Freunden. In diesen Fotos sieht man sich meist spiegelverkehrt und wenn wir das Foto spiegeln, erkennt man sich selbst kaum wieder. Es sieht etwas fremd aus – zumindest geht es mir so.

In der Diskussion ging es weiter darum, dass wir uns meistens nur in den oben beschriebenen Situationen sehen und auch immer nur für kurze Zeit. Da ist dann die Beleuchtung vielleicht nicht immer ideal, jedoch basiert die Wahrnehmung von uns selbst darauf. Dabei ist das ja nur ein kleiner Auszug.

Die anderen Menschen dagegen, die uns alltäglich begegnen (Familie, Freunde, Arbeitskolleg*innen) sehen uns ständig. Egal in welchen Situationen, unter welchem Licht auch immer. Sie haben ein kompletteres Bild, wenn man so will, als wir selbst – ein voll umfänglicheres Bild.

Seitdem kommt mir das gelegentlich in den Sinn. Deshalb wollte ich diesen kleinen Gedankenanstoß teilen. Es ist etwas Offensichtliches, über das man aber meistens nicht nachdenkt, bis jemand einen darauf hinweist – dann kann man es nicht mehr nicht sehen.

Altersgerechte Publikationen

Ich hatte ja bereits darüber berichtet, dass ich dieses Jahr vermehrt Star Wars Bücher lesen möchte. Nicht nur Publikationen, die sich mit den Geschehnissen zur Zeit der Skywalker-Saga auseinandersetzen oder auch die nun als Legends deklarierten Bücher, die vor der Übernahme von Lucasfilm durch Disney veröffentlicht wurden. Ich möchte mich eher auf die sogenannte Hohe-Republik-Ära konzentrieren. Eine Initiative, die seit ein paar Jahren regelmäßig neue Bücher veröffentlicht. Diese findet 200 Jahre vor der Skywalker-Saga statt und die ersten Bücher sind schon mal sehr vielversprechend.

Aber heute möchte ich nicht speziell über eines der Bücher reden, sondern über die Art und Weise, wie diese Bücher einer speziellen Zielgruppe zugeordnet werden und was eigentlich der Unterschied ist. Zwar hatte ich mir vorgenommen, nicht alles zu lesen, aber bei einem größeren Online-Händler für gebrauchte Bücher habe ich einen Sale genutzt und mir fast alle Bücher der ersten Phase besorgt – den Rest finde ich auch noch.

Jedenfalls gibt es im Englischen die Unterscheidung zwischen den folgenden Altersgruppen, wenn es um Bücher geht. Zumindest sind diese bei den Star Wars Büchern angegeben. Die Alterseinstufungen der beiden mittleren Kategorien habe ich mir dann separat herausgesucht, der Rest ergibt sich daraus:

  • children
  • middle grade (8 bis 12 Jahre)
  • young adult (12 bis 18 Jahre)
  • adult

Bei den middle grade und Kinderbüchern haben mich nicht nur die Geschichten interessiert, die erzählt werden, sondern tatsächlich auch, wie unterschiedlich die Sprache sein wird. Welche Charaktere werden eingeführt oder tauchen hier auf? Wie ist die Herangehensweise an die Geschichte und wie ist sie aufgebaut? Dass ich ein „Completionist“ bis, wie man im Englischen so schön sagt, also jemand, der gerne alles von etwas mitbekommt und nur selten etwas auslassen kann, spielt natürlich ebenfalls eine Rolle. Das ist etwas, was ich mir bei meiner Auseinandersetzung mit Comics angeeignet habe.

Zu den als adult und young adult Büchern muss ich, glaube ich, nicht viel sagen. Diese kennt man zur Genüge und begegnet man ja durchaus des Öfteren. Viele Verfilmungen, wie die Hunger Games oder Maze Runner bzw. Serie wie Heartstopper basieren auf Bücher und Comics der young adult Kategorie.

Das erste middle grade Buch, welches ich von Star Wars las, war Die Bewährungsprobe. Ich habe etwas gebraucht, bis ich mich auf die Geschichte habe einlassen können, aber es war durchaus unterhaltend, gut geschrieben und hatte spannende Charaktere. Es ist mir so vorgekommen, als das den geneigten Leser*innen mehr direkt gesagt wird, wie sich die Charaktere gerade fühlen, was sie durchmachen. Außerdem sind die middle grade Bücher deutlich kürzer als die der (young) adult Kategorien.

Worauf ich wirklich neugierig war, war tatsächlich das erste Kinderbuch der Reihe: The Great Jedi Rescue. Dieses kleine, etwa 24 Seiten umfassende Heft habe ich mir auf Amazon bestellen müssen, da ich es sonst nirgends gefunden habe. Die anderen Bücher lese ich in der deutschen Übersetzung; dieses scheint es nur in englischer Sprache zu geben. Ich bin mir nicht sicher, was ich erwartet hatte, aber vielleicht eine kleine Geschichte, fokussiert auf wenige Charaktere, mit einer offensichtlicheren Lektion oder Erkenntnis, die diese Charaktere am Ende haben. Eine süße, kleine Geschichte eben.

Was es dann tatsächlich war, hat mich durchaus überrascht. Denn anstatt eine originelle Geschichte zu erzählen, wurden die Ereignisse des ersten Buches, Das Licht der Jedi, stark verkürzt, zusammengefasst. Da jede Seite nur etwa zu einem Drittel (eventuell bis zur Hälfte) mit Text gefüllt und der Rest mit durchaus tollen Zeichnungen versehen ist, bleibt am Ende nicht viel Raum, um die Geschichte zu erzählen.

Ich traue Kindern durchaus viel zu, vor allem wenn ihre Eltern sie quasi mit Star Wars von der Wiege auf erziehen, aber das hier gebotene ist schon überfordernd. Gleich auf den ersten beiden Seiten geht es um die Hyperraum-Katastrophe, die der Auftakt zu dieser Die-Hohe-Republik-Initiative war. Es geht um komplexe Rettungsmanöver im Weltraum. Piraten tauchen auf, nur um eine Seite später (also maximal 10 Sätze) schon wieder besiegt zu sein. Es geht um einen Container, der mit Treibstoff gefüllt ist und mit Hilfe der Macht daran gehindert wird, ein komplettes Sonnensystem zu zerstören. Es passiert wirklich sehr sehr viel.

Aber so ist es eben, wenn man ein knapp 500 Seiten umfassendes Buch versucht auf 24 Seiten zusammen zu stampfen. Es werden eine Unmenge an Charakteren eingeführt, die teilweise nach einer Seite nicht wieder auftauchen. Natürlich wird auch viel ausgelassen und nicht erwähnt, einfach weil kein Platz ist. Ich finde es schade und eine verpasste Chance, dass man hier keine originelle Geschichte erzählt. Man hätte beispielsweise den Padawan und Wookiee Burryaga als Hauptcharakter nehmen können und von einer Lektion erzählen, die er mit seiner Meisterin erlebt hat. So viele tolle Möglichkeiten, um eventuell zu zeigen, was sich vor der Katastrophe im Hetzal-System ereignet hat.

Es gibt in der ersten Phase von Die hohe Republik noch zwei weitere Kinderbücher, die ich bereits bei mir habe, aber hohe Erwartungen habe ich daran wirklich nicht. Schade, das einzige Gute an dem Buch sind tatsächlich die Zeichnungen und die Sticker. Da kann ich stattdessen das middle grade Buch empfehlen. Die Bewährungsprobe fokussiert sich auf eine einfachere Geschichte, wenige Charaktere, zwei bis drei größere Handlungsorte und nutzt diese „Limitierung“ hervorragend aus. Die Charaktere entwickeln sich im Laufe der Geschichte und jede*r Leser*in sollte eine oder zwei Identifikationsfiguren in dem Buch finden, was ja besonders wichtig ist, wie ich finde. The Great Jedi Rescue schafft leider nichts davon.

Vermasselte Vorbestellungen

Manchmal bestelle ich Dinge gerne vor. In den vergangenen Jahren waren es meist irgendwelche Comics und Graphic Novels, die ich vorbestellt hatte, da ich wusste, die erste Auflage fällt eventuell etwas kleiner aus. Aber es können die Verlage dann natürlich auch entsprechend besser kalkulieren, wie viel sie von dem jeweiligen Produkt benötigen, um die erste Welle an Kund*innen zufriedenzustellen. So zumindest meine Theorie davon. Und wenn ich weiß, ich möchte das Buch, den Comic, sowieso lesen, ist es eine nette Art, mich zu überraschen und daran zu erinnern, indem ich einfach mal eine Vorbestellung tätige. Stornieren kann man es ja dann immer noch, sollte man es sich anders überlegen.

Eine gänzlich andere Strategie, wenn man es so nennen will, scheint Games Workshop zu fahren. Wie die geneigten Leser*innen vielleicht schon wissen, lese ich von Warhammer gerne die Horus Heresy. Es ist die große Vorgeschichte zum berühmt-berüchtigten 40k, Science-Fiction, Universum. Dutzende Bücher behandeln den großen Bruderkrieg zwischen den Legiones Astartes aus allen möglichen Blickwinkeln. Es ist ein faszinierendes Erlebnis, sich nach und nach durch die Bücher zu lesen. Ich mag die Geschichte, die teils verrückten Charaktere und das Setting ist sowieso unübertroffen.

Deshalb war ich ganz angetan, dass Games Workshop ein The Art of the Horus Heresy Buch herausbringen. Darin sind alle Cover der Bücher im Großformat abgebildet, mit Kommentaren und Hintergrundinformationen, hauptsächlich vom Künstler Neil Roberts. Bis auf ein einziges Cover zeichnet er sich für alle verantwortlich und ist deshalb auch maßgeblich dafür, wie man sich die Horus Heresy vorstellt und die Charaktere sich einem zeigen. Ich hatte mich auf das Buch gefreut.

Vergangenen Samstag sollte also die Vorbestellung starten. Die Zahl der Bücher war wie immer limitiert, und zwar auf 6.500 Stück. Warum man so ein Buch limitieren muss, erschließt sich mir nicht, aber gut, so ist die seltsame Strategie des Unternehmens eben. Ich war unterwegs, und nicht gleich um 10 Uhr oder wann auch immer die Vorbestellungen starteten, online. Um halb zwölf oder so ginge ich auf die Warhammer-Seite, rein in den Shop und da stand, das Buch sei online bereits ausverkauft. Keine zwei Stunden, nachdem das Angebot veröffentlicht wurde.

Jetzt könnte man natürlich sagen, ich sei selbst schuld, da ich nicht um Punkt 10 Uhr, mit diversen Rechnern, Smartphones und Tablets ausgestattet, die Seite immer wieder neu lud – aber da ist noch ein anderes, viel größeres Problem. Scalper. Der Abschaum der Menschheit, die sich alles an limitierten Veröffentlichungen bestellen, das sie nur kriegen können und dann für das teilweise 8- bis 10-fache, auf eBay weiter verkaufen. Games Workshop weiß um dieses Problem. Beim Release von Das Ende und der Tod – Vol. III, von vor ein paar Monaten, sind sie bereits gegen Bestellungen vorgegangen, die sich mehr als 1 Stück bestellt haben. Das Buch ist das große Finale der Horus Heresy und wurde unter anderem in einer limitierten spezial Edition veröffentlicht.

Da The Art of the Horus Heresy ebenfalls so schnell ausverkauft war, vermute ich mal stark, dass das Gleiche wieder passiert ist: Scalper haben sich auf den Release gestürzt. Ich hoffe nur, es folgt eine zweite Vorbestellungsrunde, wie beim vorhin genannten Buch. Meine Hoffnungen sind gering. Es ist schade, dass man als Fan so zweitklassig behandelt wird. Es gibt keine Möglichkeiten, sich über die Veröffentlichung irgendwie benachrichtigen zu lassen. BlueBrixx bekommt das um einiges besser hin mit ihren Klemmbausteinsets. Dort trägt man sich mit seiner E-Mail-Adresse beim jeweiligen, angekündigten Produkt ein und bekommt sofort die Nachricht, sobald es verfügbar ist. Eine tolle Sache und ich muss mich nicht erst online erkunden, wann eventuell die Vorbestellungen, in welcher Zeitzone starten.

Es ist unnötig, ärgerlich und schmälert die Freude an dem Ganzen. Warhammer ist gefühlt schon seit Anbeginn immer wieder ein Teil meines Lebens, aber bei dieser künstlichen Verknappung eines Buches (!) ist der Spaß an der Sache durchaus gedrückt. Ich hoffe sehr, dass noch eine weitere Auflage folgt.

Kundendiensterfahrungen

Mir scheint es so zu sein, dass es eine Diskrepanz gibt zwischen den Erwartungen, wenn man einen Kundendienst kontaktieren muss oder will, und der Realität. Denn die Erwartung ist meist pessimistisch. Lange Wartezeiten, einem wird nur in den seltensten Fällen wirklich geholfen und das Problem oder die Frage besteht am Ende weiterhin. Dieser voreingenommenen Einstellung möchte ich heute etwas entgegenwirken. Denn auch wenn es natürlich vereinzelt vorkommen kann, dass man schlecht behandelt wird, so sind meine Erfahrungen eigentlich äußerst positiv. Und seien wir mal ehrlich: Es kann jede*r einmal einen schlechten Tag haben. Besonders wenn man es den ganzen Tag mit teils sehr schwierigen Kund*innen zu tun hat, kann irgendwann der Geduldsfaden reißen.

Bei den großen Firmen, wie Microsoft, Apple oder Amazon hatte ich bisher eigentlich nie Probleme. Die von mir erwartete Lösung entsprach vielleicht nicht immer dem, was ich am Ende bekommen habe, aber auch dann haben die Personen am anderen Ende der Leitung es immer nachvollziehbar erklären können. Seien es irgendwelche Gratis-Zeiträume, die doch nicht mehr zur Verfügung stehen oder eine Stornierung, die nicht mehr durchgeführt werden kann.

Wenn es um Microsoft geht, oder auch andere amerikanische Firmen, kann ich übrigens empfehlen, den dortigen Kundendienst zu kontaktieren, wenn man des Englischen mächtig ist. Denn vor einigen Jahren hatte ich auf dem Mac eine Parallel-Installation von Windows installiert und hatte Probleme mit der Aktivierung. Besonders nach einem neuen Aufsetzen des Rechners konnte dies schon mal vorkommen. Beim deutschsprachigen Kundendienst bin ich aber nicht durchgekommen; da hatte ich ein Forum entdeckt, wo jemand genau das empfahl. Also habe ich quasi beim englischsprachigen Original angerufen und kam nach wenigen Augenblicken auch schon dran. Funktioniert sicher auch bei anderen Firmen.

Diese Woche hatte ich eine ausgesprochen positive Erfahrung mit dem Kundendienst von A1. Die nette Dame am Telefon war nie ungeduldig oder genervt, immerhin dauerte das Telefonat insgesamt etwa eine halbe Stunde. So hat sie mir nicht nur geholfen, den aktuellen Vertrag zu aktualisieren, sondern ich konnte am Ende auch noch Geld sparen. Sehr zuvorkommend und professionell durchgeführt. Das Einzige, was mich etwas stört, aber da kann der Kundendienst nichts dafür: man muss den Vertrag, den man per E-Mail bekommt, ausdrucken, unterschreiben und per Post (oder Fax – da musste ich kurz lachen) an A1 zurückschicken. Das sollte doch in der heutigen Zeit, wenn schon nicht per E-Mail, doch aber online über mein Kunden-Portal möglich sein.

Sogar bei der Bank erhält man sämtliche Versicherungsdokumente mittlerweile digital, kann neue Verträge digital unterzeichnen und sie werden in meinem Konto hinterlegt. Selbst den Führerschein habe ich am iPhone immer dabei. Da sollte es für einen Internet- und Mobilfunkanbieter doch auch möglich sein, entsprechendes einzurichten. Aber gut, manche Dinge ändern sich eben nur sehr langsam.

Jedenfalls wollte ich nach diesen durchaus positiven Erfahrungen einmal eine Lanze für den Kundendienst brechen. Wobei ich auch noch keine wirklich schlechten Erfahrungen mit Technikern hatte, die bei einem vorbeikommen.

Außer vielleicht das eine mal, wo zwei Herren meinen Kühlschrank lieferten und diesen dann im Treppenhaus haben stehen lassen, weil er nicht durch die Tür passte. War vielleicht auch nicht ihre Zuständigkeit, den unbedingt bis in die Wohnung zu liefern, aber es hatte schon etwas Absurdes, dass sie gefahren sind und der Kühlschrank noch im Treppenhaus stand. Inklusive Verpackung und auf der kleinen Palette, natürlich. Es war eine unglückliche Verkettung an Treppengeländern und Dachschräge, die es scheinbar unmöglich machte, ihn die letzten paar Meter in die Wohnung zu transportieren. Aber nachdem die Türen abmontiert, alle Schubladen und Ebenen herausgenommen und alles Sonstige, was abgeschraubt werden konnte, entfernt war, passte er auf den Millimeter durch die Tür. Ein paar Kratzer an der Dachschräge zeugen heute noch von diesem irrwitzigen Unterfangen, an dem am Ende dann auch noch sechs Personen beteiligt waren.

Manchmal sollte man eben vielleicht doch zur Sicherheit nachmessen. Aber so ist es nun einmal, wenn man sich einen alleinstehenden, Edelstahl-verkleideten, 2 Meter großen Kühlschrank, inklusive Gefrierfächer, einbildet. Bisher hat er aber hervorragende Dienste geleistet und tut das hoffentlich noch viele Jahre lang. In diesem Sinne, ein Hoch auf den Kundendienst.

Ein blasser, blauer Punkt

Eigentlich wollte ich schon vor ein paar Wochen über dieses Thema schreiben, aber der Gravitas, mit dem ich es besprechen wollte, hat mich einfach zu sehr abgeschreckt. Ich habe mir selbst eingeredet, dass das Thema oder genauer gesagt, das Bild, über das ich sprechen möchte, den besten Text verdient hat. Das führt wiederum zu sehr hohen Erwartungen an sich selbst, die man natürlich niemals einlösen kann. Je länger man schließlich noch wartet, um das Thema endlich anzugehen, desto höher werden die Erwartungen und der Druck. Deshalb dachte ich mir, einfach mal mit dem Schreiben anzufangen. Bisher war das doch auch keine so schlechte Strategie.

Worum soll es also gehen? Um das berühmte Bild von Voyager-1, welches aus einer unvorstellbaren Entfernung von 6 Milliarden Kilometern entstanden ist. Ich hatte es mit Sicherheit schon einmal gesehen, aber irgendwie wieder vergessen. Bis es mir bei einem Video des fantastischen YouTube-Kanals Veritasium wieder begegnet ist. Dabei handelt es sich um einen tollen Kanal, der wissenschaftliche Themen und alltägliche Phänomene anschaulich und unterhaltsam erklärt.

Bei dem Video ging es um die Dimensionen des Universums. Wissen Menschen, wie unfassbar groß es ist? Wie viele Galaxien gibt es? Wie viele Planeten? Wie ordnet man Monde, Planeten, Sterne und so weiter, der Größe nach? Wenn man sich nicht gerade mit dem Thema Astronomie auseinandersetzt, liegen die Schätzungen teilweise ganz schön daneben. Es ist dann immer wieder schön, die Reaktionen zu sehen, wenn sie gesagt bekommen, dass es allein in der Milchstraße etwa 200 Milliarden Sterne und 50 Milliarden Planeten gibt. Wenn man dann berücksichtigt, dass wir gerade einmal 100 Milliarden Galaxien beobachten können, es aber noch mehr außerhalb dieses beobachtbaren Bereichs geben kann, verliert man schnell jedwede Relationen.

Aber zurück zu dem, worüber ich eigentlich schreiben will: das Bild, welches die Voyager-1 Sonde im Jahr 1990 gemacht hat. Wobei es nicht schadet, die Dimensionen des Universums im Hinterkopf zu behalten. Denn das Bild zeigt auf beeindruckende Weise, wie klein und zerbrechlich die Erde ist. Es zeigt aber auch, dass die Erde etwas Besonderes ist, das wir schützen müssen. Oft wird über andere Planeten, wie den Mars, Terraforming, Raumbasen und dergleichen philosophiert, aber außerhalb der Science-Fiction sind das noch lange keine Alternativen, die wir in Erwägung ziehen könnten. Wir müssen auf unser zu Hause aufpassen und darauf achtgeben.

Wir leben alle auf diesem kleinen, zerbrechlichen Planeten und sollten gemeinsam daran arbeiten, diesen zu schützen. Alles, worüber man sich streiten kann, von Religion, über Weltanschauungen, Nationen und Lebensstilen verblasst im Angesicht dieses Bildes, wie ich finde. Denn genau das ist die Erde darauf auch: ein blasser, blauer Planet.

Es gibt auch eine überarbeitete Version, welche ich unten verlinken werde, aber ich mag das Original eigentlich am liebsten. Die bunten Sonnenstrahlen, die sich an der Linse brechen und im rechten, orangefarbenem Strahl, winzigst klein, sieht man einen hellen Punkt: die Erde. Wie Carl Sagan gesagt hat: „Look again at that dot. That’s here. That’s home. That’s us.“ („[…]wenn man es betrachtet, sieht man einen Punkt. [Dieser Punkt] ist hier. Er ist unser Zuhause. Wir sind das.“)

Ich betrachte dieses Bild sehr gerne, immer wieder. Ich habe es mir in meiner Photobibliothek gespeichert, um es jederzeit betrachten zu können. Man muss sich nur jedes Mal erneut bewusst machen und sich daran erinnern, welche technische Meisterleistung es war, dass dieses Bild überhaupt entstehen konnte. Und dass es aus 6 Milliarden Kilometern Entfernung entstanden ist. Ehrfurcht trifft es vielleicht am besten und klingt gleichzeitig wie die größte Untertreibung.

Vielleicht sollten wir alle des Öfteren dieses Bild betrachten.

Pale Blue Dot ©NASA/JPL-Caltech

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Ein musikalischer Nachtrag

Vor wenigen Wochen habe ich über meinen Musikgeschmack geschrieben (Musikalische Entdeckungsreisen). Besser gesagt, von meinem sehr weit gefassten Musikgeschmack, der mir grotesker Weise trotzdem äußerst eingeschränkt vorkommt. Im Eifer des Gefechts fällt einem ja meist nichts Originelles ein. Seitdem habe ich mich allerdings immer wieder dabei erwischt, über das Thema nachzudenken oder mich etwas mehr damit zu beschäftigen.

Das ist auch etwas, was ich nach fast einhundert Texten, die ich mittlerweile für meinen Blog geschrieben habe, sehr zu schätzen weiß. Es kommt mir eine Idee für ein Thema, über das ich schreiben möchte und ich verfasse dann ein paar (hoffentlich unterhaltsame) Absätze darüber. Manchmal beginne ich auch über etwas zu schreiben, worüber ich mir noch keine ausgeprägte Meinung gebildet habe oder was mir so im Kopf herumschwirrt. Das Schreiben darüber dient dann unter anderem dazu, dieses Chaos zu ordnen und in ein kohärentes Ganzes zusammenzufügen.

Wie es genau bei dem Text über Musik war, weiß ich offen gestanden nicht mehr. Aber was bisweilen passiert, nachdem ich einen Text verfasst und veröffentlicht habe, ist ein tieferes Beschäftigen mit dem Thema. Es wurde unbewusst die Aufmerksamkeit darauf gelegt. Ähnlich, wie wenn jemand sagt, man solle nicht an einen pinken Elefanten denken.

So habe ich in den vergangenen Wochen durch diverse Unterhaltungen mit Menschen diverse Künstler*innen wieder entdeckt. Durch die Newsletter, die ich abonniert habe, entdecke ich mittlerweile auch völlig neue Künstler*innen, die ich allein nie gefunden hätte. Schon interessant, das mitzuverfolgen. Zu den neuen, die mir sehr gefallen, zählt unter anderem Yazmin Lacey, die eine hervorragende Stimme hat und einen einzigartigen Sound in ihren Liedern. Zu den Wiederentdeckten gehören nicht nur Adele oder Falco, sondern auch Tracy Chapman.

Vielleicht nicht immer die Originellsten oder Neuesten, aber durchaus Personen, die ich aus den Augen verloren habe. Ich denke einfach im Moment dann nicht daran, diese Sänger*innen, Gruppen oder was auch immer in YouTube-Music herauszusuchen. Manchmal verlasse ich mich vielleicht auch zu sehr auf die automatisch zusammengestellten Playlisten oder auf diejenigen, die auf einem Song basieren und dann vermeintlich ähnliche Songs abspielen. Ein Algorithmus weiß eben doch nicht alles über die User vor dem Gerät. Und die persönlichen Mix-Playlisten, die es auf diversen Musikstreaming-Plattformen gibt basieren meist nur auf den bisher gehörten Sachen. Da ist es natürlich schwierig, Neues zu entdecken.

Aber meine Experimentierfreude wurde auf jeden Fall vermehrt geweckt. Außerdem ist mein pinker Elefant darauf getrimmt, bei Gesprächen und Texten, die mir begegnen, vermehrt auf musikalische Inspiration zu achten. Und ich nutze wieder vermehrt die Abo-Funktion auf YouTube-Music, um diese entdeckten Künstler*innen im Auge zu behalten.