Auf die Bahn ist Verlass

Ich schreibe diese Zeilen im Zug auf dem Weg nach München (es ist ein Freitagmorgen). Dort werde ich dann in einen anderen Zug umsteigen und mich in Richtung meines Ziels aufmachen: Stuttgart. Welcher Zug das sein mag, weiß ich noch nicht genau. Das hängt davon ab, wann genau ich in München ankomme. Der Zug, in dem ich sitze, sollte eigentlich um halb neun wegfahren. Verspätung war eine halbe Stunde, vier Waggons fehlten von vornherein. Unter anderem derjenige, in dem mein Sitzplatz reserviert war. Übrig bleiben vier Waggons. Zwei davon sind Schlafwägen. Der Platz ist also durchaus knapp bemessen.

Ich fahre durchaus des Öfteren mit Zügen. Ich fahre gern damit, weil es entspannter ist – meistens zumindest. Allerdings versuche ich auch an Tagen wie diesen, an denen von Anfang an alles schiefzulaufen scheint, was nur schieflaufen kann, entspannt zu bleiben. Es hilft ja nichts. Die einzige Alternative wäre gewesen, nach Hause zu fahren, ins Auto zu steigen und mit dem zu fahren. Dann wären alle Kosten für die Zugfahrt, die sich dieses Mal erstaunlicherweise in Grenzen gehalten haben, umsonst gewesen. Doch gerade als ich tatsächlich überlegt hatte, ob das Auto eine Alternative wäre, traf der Zug nach München doch noch ein.

Wie es eben so ist, wenn vier Waggons fehlen, ist ziemlich viel los. Der erste Waggon war ein Schlafwagen. Durch den zweiten mit normalen Abteilen bin ich durchgegangen und suchte vergeblich nach einem Sitzplatz. Der Dritte war erneut ein Schlafwagen. Dort lagen zwar nicht allzu viele Leute, aber ich denke nicht, dass das toleriert werden würde, wenn ich mich in ein Abteil legen würde. Also machte ich es mir in einem kleinen Zwischenabteil auf dem Boden gemütlich. Meinen kleinen Koffer als Mini-Hocker, konnte man es im Zweifel auch hier aushalten. Ein älterer Herr saß bereits dort, und ich gesellte mich zu ihm. Bahnfahren verbindet.

Eine halbe Stunde saßen wir da, brachen von Salzburg auf und parkten zwischenzeitlich in Freilassing. Es werden immer noch akribische Kontrollen durch die Polizei durchgeführt. Warum? Keine Ahnung. Wurde jemals jemand aus einem Zug gezerrt? Bringt das irgendwas, außer das Vorgaukeln von Aktionismus, ohne wirklich etwas verändern zu müssen? Aber das ist eine andere Diskussion. Immerhin erfuhren wir, dass es ein 6er-Abteil gibt, in dem nur eine Person sitzt. Dort haben wir es uns nun gemütlich gemacht. Hier lässt es sich bis München leicht aushalten. Bahnfahren ist immer wieder aufs Neue spannend. Dass der gesamte Salzburger Hauptbahnhof ausfällt, habe ich allerdings auch noch nicht erlebt. Bis heute. Immerhin ist es eine spannende Geschichte. Zumindest habe ich einen Text herausgeholt.

Gebrauchte CDs sind gute CDs

Letztens habe ich darüber berichtet, wie ich meine alte CD-Sammlung verloren habe (Die verlorene Sammlung). Das war mir zwar über lange Zeit egal, aber wie so oft werden alte Dinge irgendwann wieder wichtig. Deshalb tue ich mir (manchmal zumindest) schwer, etwas wegzuwerfen, wenn es sich um etwas handelt, was ich schon länger besitze. Man weiß ja nie, ob das Hobby oder das Interesse noch einmal aufkommt oder man es vielleicht jemandem weitergeben möchte. Hauptbestandteil meiner CDs waren Alben, Singles, DVDs und eine Videokassette von Michael Jackson. Diesen Bestandteil wollte ich als Erstes wiederherstellen.

Ich habe mich also auf die Suche nach Michael-Jackson-Sammlungen gemacht. Konvolute von CDs, wo einiges von ihm enthalten ist, oder wenn jemand seine Sammlung auflöst und es weg haben möchte. Zwar hat eBay so einige Ergebnisse geliefert, doch manche überschätzen auch den Wert ihrer Habseligkeiten. Besonders wenn es um spezielle Alben geht, werden oft Hunderte, wenn nicht Tausende Euro verlangt. Wucher. Das bin ich nicht bereit, zu zahlen. Doch manche sind vernünftig geblieben. Man darf sich bei solchen Suchaktionen nicht aus der Ruhe bringen lassen. Wir sind es gewohnt, dass man etwas bestellt und in den nächsten Tagen in Händen hält. Das ist hier anders.

Das Glück war mir jedoch hold. Auf Willhaben habe ich jemanden gefunden, der seine komplette MJ-Sammlung für gerade einmal 40 € loswerden wollte (50 € inklusive Versand). Da musste ich zuschlagen. Zwar war es nicht über das von Willhaben eingerichtete Payment-System, sondern ich habe demjenigen das Geld überwiesen und gehofft, ein Paket dafür zu erhalten. Doch die Chance konnte ich nicht vorbeiziehen lassen. Das kleine Risiko hat sich gelohnt. Ein paar Tage nachdem wir uns geeinigt hatten, er das Geld erhalten hatte und ich ihm meine Adresse gegeben hatte, hielt ich das Paket in Händen. Es war hervorragend verpackt. Ich dachte schon, ich bin vorsichtig und großzügig, was Verpackungsmaterial angeht, aber das hier war noch einmal ein Level höher.

Es waren ein paar Alben doppelt, dafür aber mit alternativen Covern. Jede Menge Singles und ein paar DVDs waren auch dabei. Auf einen Schlag habe ich also einen großen Teil meiner alten Sammlung wiederhergestellt. Und das auch noch zu einem exzellenten Preis. Ich bin sehr zufrieden damit und glücklich, diese CDs wieder im Regal stehen zu haben.

Dank eines neuen, günstigen, externen Laufwerks und entsprechender Software konnte ich die CDs auch gleich rippen (was genau ich dafür verwende, berichte ich in einem separaten Text). Natürlich kann man heutzutage alles bei Spotify, YouTube Music, Apple Music und Co. abrufen, jederzeit und überall. Aber es ist etwas anderes, wenn man die CDs zu Hause stehen hat, sich die Mühe gemacht hat, diese zu digitalisieren, und sie dann anhört. Das fängt bei der Qualität an. Ich kann die Songs lossless rippen. Zwar gibt es lossless bereits bei mehreren Anbietern, aber nicht alle Songs oder Alben sind in einem entsprechenden Format verfügbar. Und man geht bewusster mit der Musik um. Ich baue mir gerne eine neue Bibliothek an Musik auf. Aber bei einem Streaming-Anbieter mache ich mir diese Mühe nicht. Ich besitze die Musik nicht. Die Beziehung dazu ist eine andere.

Ich bin gespannt, wie dieses Experiment, zu dem ich mich dieses Jahr entschieden habe, weitergeht. Bisher sind nur jede Menge Michael-Jackson-Sachen in meiner Bibliothek und das Musical „Maria Theresia“ (das Album habe ich schon viel zu oft gehört, seit ich es gesehen habe; aber es ist einfach fantastisch). Ein paar weitere habe ich bestellt (gebraucht oder im Angebot). Ich beschäftige mich gerne damit und habe auch Klassiker geordert, die man gehört haben sollte. Vielleicht entdecke ich neue Favoriten und Sänger*innen, denen ich zuvor nie eine Chance gab.

Final Destination: Bloodlines

Einen der vorangegangenen Teile von »Final Destination« habe ich im Kino gesehen. Ich bin kein expliziter Horror-Fan oder dergleichen, aber gelegentlich setze ich doch gerne einen Fuß ins Genre. »Final Destination: Bloodlines« kam im Sommer 2025 raus, aber explizit ins Kino wollte ich dafür nicht gehen. Im Dezember war der Film dann bei Apple TV im Angebot, was eine gute Gelegenheit war, diesen nachzuholen. Immerhin hatte er gute Kritiken abgeräumt und scheint die vergangenen Teile aufzugreifen oder zusammenzuführen.

Die Geschichte ist klassisch für »Final Destination«. Zumindest von dem, was ich über das Franchise weiß. Besonders gefällt, dass die Kreativen hinter dem Film es verstehen, mit der Erwartungshaltung der Zuschauer*innen zu spielen. Was genau passiert mit dem abgebrochenen Stück Glas? Ist die Theorie der Protagonistin richtig? Wer hat diese Vision der Tode gehabt? Es ist immer wieder schön, falsch zu liegen. Besonders für mich, wo ich noch nicht so viele Teile des Franchise gesehen habe, wurde ich hervorragend unterhalten und immer wieder positiv überrascht. Es hat selten so viel Spaß gemacht, den Menschen beim Sterben zuzusehen.

»Final Destination: Bloodlines« ist brutaler, als ich es erwartet hatte, was nichts Schlechtes ist. Die Effekte und Tode sind toll inszeniert und sehen äußerst absurd, aber genauso realistisch aus. Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal so viel bei einem Film gelacht habe. Manche Szenen sind so überraschend plötzlich brutal, dass man nicht anders kann, als es lustig zu finden. Immer wieder wird auf Gegenstände gezoomt und man rätselt, wie damit der oder die Nächste umgebracht werden soll. Somit haftet diesen Filmen auch etwas Detektivisches an. Ist das der Reihe inhärent, dass sie zwar brutal sind, aber die Inszenierung der Tode auch humorvoll gemacht? Ich muss die anderen Teile unbedingt nachholen und es herausfinden. Ich weiß nur, dass ich mich schon bei dem Teil, den ich im Kino sah, hervorragend amüsiert hatte.

Scheinbar wird bereits am Nächsten gearbeitet, aber sie sollen sich ruhig Zeit lassen. Die Abfolge der Ereignisse und die Inszenierung der Tode sind unfassbar wichtig für diese Filme. Das sollte man nicht überstürzen. Man erkennt in dem Film eine Leidenschaft und Liebe zum Detail. Er wirkt handwerklich gut gemacht und praktische Effekte und CGI gehen mehr oder weniger nahtlos ineinander. Besonders die ständige Präsenz des Todes als Bösewicht, obwohl man ihn nie sieht, funktioniert exzellent. Auch das will gekonnt in eine Fortsetzung eingebaut werden. Gleichzeitig braucht es Charaktere, die man in der kurzen Zeit sympathisch findet und dadurch von ihrem plötzlichen Ableben schockiert ist. All das schafft »Final Destination: Bloodlines« mühelos.

Kleingedrucktes

Als ich das letzte Mal mit der Deutschen Bahn nach Stuttgart gefahren bin, habe ich mir eine Probe-BahnCard geklickt. Es war eine Aktion der DB und diese sollte für drei Monate gültig sein. Der Preis dieser speziellen Reise war nicht wirklich günstiger, aber eben auch nicht teurer. Und wäre ich nochmal nach Stuttgart oder anderswo hingefahren, hätte sie sich auf jeden Fall bezahlt gemacht. Ich hatte die Probe-BahnCard schon ganz vergessen. Erinnert wurde ich freundlicherweise von der Deutschen Bahn selbst.

Es kam nämlich die Rechnung für die BahnCard 25 herein geflattert, die ich doch bitte zahlen soll. Ich hatte anlässlich eines Geburtstags gerade die nächste Reise gebucht und mich im Zuge dessen auch mit der BahnCard beschäftigt. Mir war nicht bewusst, dass ich sie gekauft hatte. Meine Vermutung war, dass ich diese in den Warenkorb gelegt und dann mit der Reise mitgekauft hatte. Also ein Versehen. Kein Problem. Man kann die Bestellung einfach per Formular stornieren. Formular ausgefüllt, abgeschickt, erledigt.

Doch da kam die ernüchternde Nachricht, dass die BahnCard 25 erst Ende Januar 2027 storniert werden könne. Es war also keine neue Bestellung, sondern eine automatische Verlängerung der Probe-BahnCard. Ich habe nirgends gelesen, dass sie sich automatisch verlängern würde. Dann hätte ich das Angebot gar nicht erst wahrgenommen. Die Frist zur Kündigung (4 Wochen vor Ablauf) habe ich natürlich übersehen. Natürlich kommt die Rechnung ebenfalls nicht vor den vier Wochen, sodass man nicht mehr stornieren kann.

Nun bin ich gezwungenermaßen Besitzer einer BahnCard 25, habe meine aktuelle Reise selbstverständlich ohne diese gebucht, weil sie natürlich nicht automatisch berücksichtigt wird, und hoffe, dass sie sich im Laufe des Jahres bezahlt macht. Kundenfreundlichkeit geht anders. Warum kommt keine Erinnerung, dass sich die BahnCard automatisch verlängert? Warum wird nicht explizit darauf hingewiesen, dass sie sich überhaupt automatisch verlängert? Obacht bei Angeboten, die sich zu gut anhören. Irgendwie müssen sich solche Angebote für Firmen bezahlt machen. Dieses Mal war ich an der Reihe und bin reingetappt.

Das Gute ist, dass ich durch das Ausfüllen des Formulars diese BahnCard bereits storniert habe. Denn erneut wird nicht darauf hingewiesen, dass sie sich automatisch verlängert. Man kann es aus dem Kontext der Mail schließen, da ein Dokument für eine SEPA-Lastschrift beiliegt. Aber explizit steht nichts von einer Verlängerung drin. Auch auf der Rechnung selbst steht nichts. Das kann nicht in Ordnung sein. Das nächste Mal also wirklich genau hinsehen und kontrollieren, ob es irgendwelche Hinweise gibt, dass es sich um ein Abo handelt und nicht um eine einmalige Aktion.

Everything X-Men | Was ist ein Mutant? (Teil 2/2)

Es ist wieder so weit. Wie jede Woche werfen wir auch heute wieder einen Blick in die Vergangenheit. Und zwar in die Zeit meines Medienwissenschaftsstudiums. Damals habe ich für das sogenannte Projektstudium eine Textreihe über die X-Men-Comics geschrieben. Ich habe sowohl die Comics analysiert als auch Texte zu Themen geschrieben, die in diesen Ausgaben vorkamen. Das letzte Mal haben wir uns mit dem Thema Mutationen befasst.

Eigentlich hätte ich das Thema damals schon in zwei Teile aufteilen und getrennt voneinander behandeln sollen. Vergangene Woche war die biologische Seite dran. Diese Woche geht es um die literarische Seite. Welche Bücher wurden vor den X-Men veröffentlicht, die sich mit Mutationen auseinandergesetzt haben? Dienten sie vielleicht als Vorlage oder Inspiration für die Comics? Die Inhalte der Bücher lesen sich auf jeden Fall äußerst faszinierend und vielleicht muss ich sie tatsächlich noch einmal nachholen.

Bisher sind folgende Texte erschienen:


Werfen wir einen Blick auf die literarischen Ursprünge. Es gibt bestimmte Bücher, die größtenteils Anfang der 1950er Jahre erschienen sind und den X-Men sehr ähnlich sind. Zumindest was ihre Fähigkeiten und die Stellung in der Gesellschaft angeht. „Ob Lee und Kirby diese Werke gelesen haben, lässt sich nicht sagen, aber die Ähnlichkeiten sind signifikant.“ (Darowski, 2011)

Ich habe drei Beispiele, die immer wieder genannt werden, wenn man etwas über den Ursprung der X-Men liest. Ich muss leider sagen, dass ich die Bücher noch nicht gelesen habe. Deshalb werde ich nur einen kurzen Überblick geben. Um ehrlich zu sein, habe ich nicht allzu viele Kommentare oder Rezensionen darüber gelesen, weil ich mir nicht zu viel vorwegnehmen wollte – und ja, mir ist bewusst, dass diese Bücher über 60 Jahre alt sind.

  • Henry Kuttner & C. L. Moore: Mutant
    Das Buch erschien 1953, aber – wie auch bei „Children of the Atom“ – wurden die ersten Kapitel zunächst in der Zeitschrift „Astounding Science Fiction“ veröffentlicht. Das Buch enthält fünf Kapitel („The Piper’s Son“, „Beggars in Velvet“, „The Lion and the Unicorn“, „Three Blind Mice“ und „Humpty Dumpty“). Diese Kapitel erzählen verschiedene Geschichten derselben Figuren in verschiedenen Phasen ihrer Abenteuer. Die Beschreibungen des Inhalts klingen sehr vertraut und könnten leicht aus einem X-Men-Comic stammen. Einige der Mutanten in den Geschichten wollen beispielsweise friedlich leben, während andere die Menschheit vernichten wollen. Das klingt vertraut. Sofern ich das beurteilen kann, können die meisten Mutanten Gedanken lesen, und die Autoren „verwenden kursive Schrift und Absätze in Klammern, um telepathische Gespräche zwischen mehreren Personen effektiv zu vermitteln; eine der größten Stärken des Buches“ (Ferber, 2013).
  • Wilmar Shiras: Children of the Atom
    Dieses Buch wurde ebenfalls 1953 veröffentlicht. Wikipedia bezeichnet das Buch als eines der „bedeutendsten SF- und Fantasy-Bücher der letzten 50 Jahre, 1953–2002“. Leider ist die Quelle dafür nicht mehr verfügbar, aber es klingt faszinierend. Die beste Zusammenfassung, die ich finden konnte, stammt von Arthur Bangs. Er erwähnt auch die Ähnlichkeit der Geschichte mit den X-Men, deren erstes Abenteuer nur zehn Jahre später stattfand. Bangs (2005) schreibt: „Dies ist keine Superheldengeschichte, sondern eine Geschichte über begabte Kinder, die lernen, ihre Fähigkeiten zu verstehen und anzunehmen und ihr Gefühl der Isolation zu überwinden, indem sie sich zu einer Gemeinschaft zusammenschließen.“
  • A. E. van Vogt: Slan
    Dies ist der älteste Roman der drei; er erschien 1946. „Slans sind weiterentwickelte Menschen, benannt nach ihrem angeblichen Schöpfer Samuel Lann. Sie verfügen über die psychischen Fähigkeiten, Gedanken zu lesen, und sind überaus intelligent. Sie besitzen nahezu unbegrenzte Ausdauer, ‚Nerven aus Stahl‘ sowie überlegene Kraft und Geschwindigkeit. Wenn Slans krank oder schwer verletzt sind, fallen sie automatisch in eine heilende Trance.“ (Slan, o. J.)

Fazit

Es gibt viele Geschichten, insbesondere aus den 1940er- und 1950er-Jahren, die sich auf die eine oder andere Weise mit Mutationen befassen. Sie handeln von der Angst vor Atombomben und davon, wie diese andere Menschen beeinflussen könnten. Leider weiß ich nicht mehr, wo ich das gelesen habe, aber jemand sagte über diese Bücher, dass die meisten Kritiker sie heute nicht mögen, weil sie die Zukunft nicht richtig vorhergesagt haben. Das ist jedoch eine unfaire Aussage. Das Hauptziel von Science-Fiction-Büchern ist es nicht, dem Publikum die Zukunft zu beschreiben und genau aufzuzeigen, was in den nächsten zehn, zwanzig oder tausend Jahren passieren wird. Sie bieten eine Möglichkeit. Wie es sein könnte. Sie sind Warnungen oder Hoffnungsträger, beschäftigen sich mit Ängsten und Befürchtungen. Das ist die Kraft des Geschichtenerzählens.

Quellen

  • Arad, A. (Producer), & Singer, B. (Director). (2003). X-Men 2 [Motion Picture]. USA: Twentieth Century Fox.
  • Bangs, A. (October 23rd, 2005). sffworld.com | Children of the Atom by Wilmar Shiras.
  • Darowski, J. (2011). Reading The Uncanny X-Men: Gender, Race and the mutant metaphor in a popular narrative (doctoral dissertation).
  • Ferber, S. (April 15th, 2013). fantasyliterature.com | Mutant: Kuttner & Moore’s final novel.
  • ScienceClarified (n.d.) scienceclarified.com | Mutation – Real-life applications.
  • Slan. (n.d.) en.wikipedia.org
  • Norman, C. (2014). Mutating Metaphors: Addressing the Limits of Biological Narratives of Sexuality. In J.J. Darowski (Ed.), The Ages of the X-Men: Essays on the children of the atom in changing times (pp. 165–177). United States: McFarland & Company, Inc., Publishers.

Live-Streams

Ich schicke gleich mal voraus, dass es heute ein sehr nischiger und nerdiger Text wird. Es geht um Twitch, Gaming und Elden Ring sowie das Wesen des Streamings. Bis vor Kurzem war ich mir nicht sicher, ob ich den Text überhaupt schreiben soll, da er doch ein gewisses Wissen voraussetzt. Außerdem habe ich keinen direkten Punkt, den ich machen möchte, sondern eher eine Beobachtung, die ich schildern möchte. Ich gebe mir Mühe, es so gut es geht zu erklären. Grundsätzlich trifft das allerdings auch auf ein paar andere Texte zu. Immerhin schreibe ich täglich einen Text und decke dadurch ein sehr breites Spektrum an Themen ab. Was mir eben so unterkommt. Durch meine vielfältigen Interessen sind eben auch solche Texte dabei. Aber genug der Vorrede.

Jedenfalls verfolge ich seit ein paar Monaten regelmäßig den YouTuber und Twitch-Streamer »Jack_Fromsoft«. Sein Steckenpferd sind Soulslikes, insbesondere natürlich die Originale von FromSoftware und das 2022 erschienene »Elden Ring«. Ende letzten Jahres startete er eine der wohl schwierigsten Herausforderungen: die French-Challenge. Randomizer, also Mods (Modifikationen für Spiele, die von anderen Spielern programmiert werden), die wahlweise Items und/oder Gegner zufällig austauschen und in der Spielwelt platzieren, sind ein beliebter Sport bei Streamern. Doch die French-Challenge setzt noch einen obendrauf. Es sind alle Items und Gegner/Bosse randomisiert, Gegenstände, die man aufhebt (Waffen, Rüstungen, Talismane und so weiter), werden automatisch ausgerüstet und man ist gezwungen, damit weiterzumachen. Außerdem darf man nicht sterben, bis man alle 207 Bosse von Elden Ring besiegt hat.

Jack_Fromsoft hat die Herausforderung nun genommen und etwas modifiziert und daraus die Austro-Challenge gemacht. Das finde ich äußerst sympathisch. Er hat es sich dabei zwar etwas schwerer gemacht als notwendig, aber ich mag es, wenn sich Streamer nicht immer punktgenau an irgendwelche Vorgaben halten, sondern die Regeln für sich anpassen. Das macht das Ganze etwas spannender und individueller. Es gibt genügend Herausforderungen, an denen man sich messen kann, da darf es zwischenzeitlich auch mal was anderes sein. Vergangene Woche habe ich jeden Tag mehrere Stunden damit verbracht, Jack_Fromsoft bei dieser Herausforderung zuzusehen. Mehr als ich es sonst mache.

Es war allerdings furchtbar spannend. Durch den Randomizer entstehen immer wieder kinoreife Momente, Kämpfe, die man nicht erwartet, spannende Situationen – es ist einfach unfassbar, guter Content und sehr unterhaltsam. Spoiler: Er hat es in der Nacht von Samstag auf Sonntag doch tatsächlich geschafft. Eine unfassbare Leistung. Aber es derart intensiv über vier Tage zu verfolgen, war dann doch anstrengender als vermutet. Mir ist noch einmal deutlicher bewusst geworden, dass Streams doch eine andere Form des Konsums sind als Filme oder Serien. Man schaut zwar in beiden Fällen passiv etwas an, aber psychologisch passiert etwas anderes.

Ich weiß nicht, woran es liegt. Gibt es Untersuchungen zu dem Thema? Beispielsweise ist der Entspannungseffekt beim Schauen von Streams nicht so groß wie bei Filmen oder Serien. In all diesen Fällen fiebere ich mit den Charakteren oder dem Streamer/der Streamerin mit, aber es ist doch anders. Mir fällt es schwer, den Finger darauf zu legen, was es ist. Liegt es an der ungewissen Dauer? Eine Folge einer Serie oder ein Film hat eine definierte Länge, ein Stream kann sehr lange dauern und man muss sich vielleicht selbst überwinden, einfach abzuschalten. Liegt es an den Kommentaren, seien es die vom Streamer oder die von den Zuschauer*innen? Sind es die Spiele selbst, die es anstrengend machen? Diesen Effekt stelle ich bei allen Stream*innen fest, die ich gerne schaue. Es ist faszinierend, zu beobachten. Vielleicht liegt es auch an mir. Vielleicht bin ich das Problem. Das ist natürlich niemals auszuschließen. Vielleicht habe ich irgendwann den richtigen synaptischen Kurzschluss. Erst einmal wollte ich diese Beobachtung einfach festhalten. Manchmal passiert alleine schon durch das Aufschreiben etwas im Gehirn. Lassen wir uns überraschen.

Valhalla

Valhalla ist die einfache Bezeichnung eines Spiels, das ich den Dezember über gespielt habe. Eigentlich heißt es »VA-11 Hall-A – Cyberpunk Bartender Action«. Dahinter verbirgt sich ein schon etwas älteres Spiel, das manche aber traditionell im Dezember zu spielen scheinen, da die Handlung genau zu der Zeit stattfindet. Man spielt Jill, eine Kellnerin in einer etwas heruntergekommenen, aber durchaus netten Bar. Man hat nur eine Sicht, und zwar von der Bar aus ins Lokal, und bedient die hereinkommenden Kund*innen. Kernaufgabe ist es, die Bestellungen zu mischen und ansonsten viel mit ihnen zu reden. Was man eben so als Kellnerin macht. Es arbeitet noch der mysteriöse Gillian in der Bar, und unsere Chefin ist Dana, die wir im Laufe des Spiels ebenfalls besser kennenlernen.

Valhalla besteht aus drei Bestandteilen. Zum einen gibt es den Prolog, eine Demo mit dem Titel »Anna« und dann das eigentliche Spiel. Man startet am 9. Dezember und wenn man jeden Tag ein Kapitel spielt, ist das Finale am 31. Dezember. Eigentlich eine schöne Tradition. Doch mir wurde es offen gestanden zu viel. Ich habe am Ende mehrere Tage auf einmal gespielt und wollte zum Ende kommen. Denn das Spiel hat für mich ein Problem: Es ist zu lang. Knapp 12 Stunden hat der erste Durchlauf gedauert. Dabei habe ich aber nicht alle Dialoge gelesen oder mich mit allen Charakteren eingehend auseinandergesetzt. Es gibt außerdem ein New-Game-Plus, wo man sich noch mehr Dinge erarbeiten und Musik freischalten kann. Denn am Beginn jeder Schicht in der Bar steht man an der Jukebox und legt eine Playlist für den Abend fest. Eine äußerst charmante Idee.

Die Charaktere selbst sind großartig geschrieben. Das komplette Spiel findet in der Bar statt, man verlässt quasi diese Location nicht. Man hat nur eine fixe Sicht in die Bar hinein, von der aus man die Menschen und Roboter (die hier Lillim genannt werden) bedient. Zwischen den Schichten ist man zu Hause, doch auch hier hat man nur eine fixe Sicht auf die Wohnung. Man kann jeden Tag drei kurze Nachrichten lesen und ist in Formen unterwegs, die noch etwas mehr Einblicke geben, was in dieser Welt passiert und was unserer Protagonistin wichtig ist. Den Rest erfährt man ausschließlich durch die Dialoge in der Bar.

Die Dialoge sind pointiert geschrieben. Vom ersten Moment an war ich gefesselt von den unterschiedlichen Charakteren, die die Bar besuchen. Jede*r bringt eine eigene Geschichte mit. Die Charaktere wirken dreidimensional und so, als hätten sie tatsächlich ein Leben außerhalb dieser Bar. Sie kommen, um mit Jill zu reden oder einfach ein Bier zu genießen. Dadurch lernt man mit der Zeit nicht nur die Menschen besser kennen, sondern hat auch eine sehr gute Vorstellung dieser Cyberpunk-Welt im Allgemeinen. Es ist erstaunlich, wie viel Worldbuilding möglich ist, wenn man sich mit den Dialogen Mühe gibt.

Ich bin froh, Valhalla eine Chance gegeben zu haben. Ein nettes, kleines Spiel, und ich kann nur empfehlen, es im Laufe des Dezembers zu spielen. Jeden Abend eine halbe oder dreiviertel Stunde eine Schicht in der Bar zu verbringen und mit den Gästen zu reden, hat etwas Entspannendes und sie werden ein kleiner Teil des eigenen Alltags.

Doomsday

In den vergangenen Wochen sind zwei Teaser für »Avengers: Doomsday« erschienen. Der erste konzentrierte sich auf Steve Rogers, der zweite auf Thor. Der Ton, besonders vom neuesten, mit Thor, ist ernst. Ruhige Musik spielt im Hintergrund. Sie dauern gerade einmal eine Minute. Am Ende das Versprechen, dass der Charakter zurückkehren wird, nämlich in »Avengers: Doomsday«. Seit den frühesten Tagen des MCU ist dies ein Versprechen: »Iron Man will return«, »Captain America will return« usw. Manchmal gekoppelt an einen bestimmten Film. Nun wird dieses Versprechen, dieser letzte Satz von so vielen Filmen genutzt, um »Avengers: Doomsday« anzukündigen. Es ist großartig.

Nachdem die letzten Phasen des MCU und die darin enthaltenen Filme eher gemischte Kritiken bekommen haben, ist dieses alte Versprechen mehr als nur eine bloße Ankündigung. Besonders seit ich den Teaser mit Thor gesehen habe, geht mir der Gedanke nicht mehr aus dem Kopf. Taika Waititis Version von Thor hat mir noch nie gefallen und hatte seinen Tiefpunkt in »Love and Thunder«. Thor jetzt ernst zu sehen, besorgt und auf den Knien zu seinen Ahnen betend, ist ein starkes Zeichen, dass wir zu einem anderen Thor zurückkehren. Den Thor der ersten Filme, den aus »Avengers: Infinity War«. Es verspricht, episch zu werden.

Ich hoffe sehr, dass sie diese Art von Teaser beibehalten. Kurz, prägnant und nichts über den eigentlichen Film verratend. So wie sie es bei »Avengers: Endgame« gemacht haben. Der Hype um den Film baut sich durch die Fans und Theorien, die sich unweigerlich entspinnen werden, fast schon alleine auf. Es braucht wahrscheinlich wirklich nicht mehr als diese Teaser. Die Rückkehr von Robert Downey Jr. trägt ihr Übriges dazu bei, um die Fans anzulocken. Ich bin äußerst gespannt auf den Film. Der Countdown läuft, auch das haben die Teaser gemeinsam – die Doomsday-Clock tickt.

Die verlorene Sammlung

Es ist sicherlich 20 Jahre und länger her. Ich war riesiger Michael-Jackson-Fan, bin ich auch heute noch. Aber damals war ich geradezu besessen. Ich habe nicht nur diverse CDs gekauft. Ich hatte jede Menge DVDs und Blu-Rays von Konzerten und Musikvideos. Sogar eine Videokassette war dabei. Die Älteren werden sich noch an diese steinzeitliche Technologie erinnern. Darauf war der Kurzfilm »Ghosts«. Zu der Zeit war sogar noch ein entsprechender Player am kleinen Fernseher angeschlossen, womit man sich diese ansehen konnte. Natürlich durften etliche Poster nicht fehlen. Dann kam der Prozess 2005.

Bereits im Vorfeld habe ich angefangen, Zeitungsschnipsel und Nachrichten, Ausschnitte aus Magazinen und dergleichen zu sammeln. Es gab Sonderausgaben und es wurde über alles Mögliche, was diesen Prozess betraf (oder auch manchmal nur tangierte), berichtet. Wenn ich also sage, dass ich eine umfangreiche Sammlung rund um die Person Michael Jackson hatte, dann meine ich das multimedial und sie war äußerst umfangreich. Wie es aber manchmal so läuft, wenn man älter wird, ändern sich die Interessen. Zumindest werden manche weniger wichtig. Deshalb habe ich irgendwann die ganzen Sachen in eine Kiste gepackt und im Keller verstaut. Es kam ein Umzug, die Kiste wanderte natürlich mit, aber wanderte erneut in den Keller. Dann kam Tag X.

Eigentlich war der Keller recht ordentlich und gut organisiert. Es sah vielleicht nicht danach aus, aber alles hatte seinen Platz und wir hatten ein Konzept. Leider sahen die Mäuse das genauso und fühlten sich scheinbar in den Räumen wohl. Mit diversen Mitteln und Fallen haben wir versucht, es wieder unter Kontrolle zu bringen. Es waren nicht viele, aber ein paar reichen auch schon aus, um Chaos anzurichten. Wie wir später feststellen würden, haben sie sich in diversen Kisten und Kartons eingenistet. Damals waren wir noch nicht so clever und haben ausschließlich Plastikkisten verwendet. Vom Umzug blieben diverse Kisten aus Karton übrig. Warum diese nicht verwenden? Das war der große Fehler. Vieles war angefressen, zerstört oder sonst wie verunreinigt. Zwar betraf es nur drei Kartons oder so, trotzdem waren diese voller Erinnerungen, Andenken und Zeug aus der Jugend. Darunter eben auch meine umfangreiche Michael-Jackson-Sammlung. Vielleicht hätte man noch etwas retten können. Aber es war ekelig und so wurde alles entsorgt.

Ich hatte die CDs gerippt und meiner iTunes-Bibliothek einverleibt, also hatte ich weiterhin Zugriff auf die Alben. Außerdem kamen Streaming-Dienste immer mehr auf, was den Besitz von CDs sowieso überflüssig zu machen schien. Doch angespornt durch diverse YouTube-Videos und Reddit-Foren bin ich heute auf der Suche nach diversen Musikalben. Ich durchstöbere eBay nach Konvoluten, Willhaben und andere Gebrauchtwarenläden. Ich möchte meine Musiksammlung wieder herstellen. Denn wie es scheint, war nicht nur Michael Jackson unter den Opfern der Mäuse. In der Kiste waren scheinbar auch all meine anderen CDs. Ich habe mir sogar ein externes Laufwerk für den Mac gekauft, um die Musik in einer entsprechenden Software ordentlich verwalten zu können. Aber warum sich die Mühe machen, diese CDs zu suchen und zu kaufen? Ist das nicht zu altmodisch?

Musik zu besitzen, physische Medien in der Hand zu haben, ist etwas Besonderes. Ist es nur das nostalgische Gefühl oder steckt vielleicht mehr dahinter? Natürlich sind Dinge wie Apple Music oder YouTube Music gut dafür, neue Dinge zu entdecken, aber besonders Klassiker und Alben, die man gerne in der Jugend gehört hat, möchte ich doch als physisches Medium haben.

Ich überlege sogar, ob ich mir einen gemoddeten iPod Classic bestellen soll. Mit neuem Akku und SSD ausgestattet, scheint dieser wunderbar zu laufen. Es gibt sogar ein Open-Source-Betriebssystem »Rockbox« dafür, welches einen ähnlichen Look & Feel wie das alte Betriebssystem hat. Ich habe früher nie einen iPod besessen. Ich hatte zwar diverse MP3-Player, aber nie einen iPod. Warum das so ist, daran vermag ich mich nicht mehr zu erinnern. Aber vielleicht ist es also an der Zeit, dieses Versäumnis nachzuholen. Für 2026 habe ich also doch noch ein neues, altes Hobby für mich entdeckt: Musik. Mal sehen, wie sich das in den nächsten Wochen und Monaten entwickeln wird. Ich werde auf jeden Fall davon berichten.

28 Zeiteinheiten später

Es ist der letzte Dienstag des Jahres 2025. Ich hatte Urlaub. Wie bereits die vergangenen Tage war es grau und nebelig. Es schneite. Das hat mich allerdings nicht davon abgehalten, einen sehr langen Spaziergang zu machen und gute Podcasts zu hören. Aber was macht man den restlichen Tag über? Richtig: gute Filme schauen. Oder vermeintlich gute Filme. Auf Apple TV gab es »28 Years Later« im Angebot, auf Disney+ »28 Weeks Later« im Abo inklusive und »28 Days Later« konnte man sich überall günstig ausleihen. Also habe ich mir einen gemütlichen Nachmittag und Abend mit Zombies gemacht.

Bisher hatte ich lediglich »28 Weeks Later« gesehen. Das war allerdings schon wieder sehr lange her. Ich hatte nur mehr vage Erinnerungen. Den ersten beiden Filmen kennt man ihr Alter deutlich an. Bei Horrorfilmen dieser Art ist es allerdings der Stimmung zuträglich. Die Unschärfe, das Filmrauschen, das Look & Feel tragen zu einer Art Found-Footage-Look bei. Es wirkt unheimlicher, undeutlicher. Man wird mehr in den Bann dieser düsteren Welt gezogen. Es schadet natürlich auch nicht, wenn ein Meister wie Danny Boyle hinter der Kamera sitzt und Alex Garland das Drehbuch schrieb.

Ich mag die Struktur der Filme. Jeder Film zeigt uns einen neuen Zeitabschnitt. Es wird am Anfang kurz zusammengefasst, was passiert ist. Dann fokussieren wir uns allerdings nicht auf das große gesellschaftliche Bild, sondern konzentrieren uns auf wenige Charaktere. Wie gehen die Menschen mit dem Virus um? Wie wehren sie sich gegen die Zombies? Wie überlebt man in einer solchen Welt? Der erste Teil muss natürlich erst noch alles einführen. Es hilft, dass unser Protagonist, gespielt von Cillian Murphy, aus einem Koma erwacht und sich erst in dieser Welt zurechtfinden muss. Er ist quasi wir, die Zuschauer*innen. Es ist fast schon eine Trope im Genre. Denn »The Walking Dead« machte etwas sehr Ähnliches in der ersten Ausgabe. Der erste Comic der berühmten Zombie-Reihe von Robert Kirkman erschien ein Jahr nach »28 Days Later«. Danny Boyle und Alex Garland haben also nicht nur Zombies in den Mainstream gebracht, sondern nebenbei die erste Szene für die Zombie-Reihe schlechthin inspiriert.

Der zweite Teil macht einen Zeitsprung von knapp 6 Monaten. Wir wissen nicht, was mit unserem Protagonisten aus dem ersten Teil passiert ist, und das finde ich gut so. Jeder Teil steht für sich. Die Perspektive wechselt zu anderen Charakteren. Interessant ist, dass der neue Protagonist, den wir zu Anfang kennenlernen, kein Held ist. Kein aufopfernder Ehemann und Vater. Er hat seine Frau einfach zurückgelassen und nimmt sich wichtiger, als er ist. Man kann ihm das vorwerfen, aber was würde man selbst in dieser Situation tun? Langsam wird er von seinen Kindern als Protagonist des Films abgelöst. Imogen Poots und Mackintosh Muggleton spielen ihre Figuren gekonnt und werden hervorragend von Jeremy Renner unterstützt. Ich wusste gar nicht mehr, dass Hawkeye in dem Film mitspielt. Dieses Mal darf er aber ein Scharfschützengewehr verwenden und muss sich nicht mit Pfeil und Bogen wehren. Das bleibt den Charakteren des dritten Teils überlassen.

23 Jahre nach dem ersten Teil haben wir letztes Jahr den dritten Teil der 28-Reihe bekommen. Erneut zeichnen sich Danny Boyle und Alex Garland dafür verantwortlich. Es trägt zu einer besonderen Seherfahrung bei, wenn man alle drei Teile hintereinander schaut. Außerdem hatte ich den Vorteil, dass ich keinerlei Erwartungen an den Film hatte oder auch nur ahnte, was mich erwarten würde. Ich habe keinen Trailer gesehen und mich nicht mit den Kritiken beschäftigt, als der Film herauskam. Umso positiver war ich überrascht, dass »28 Years Later« die Geschichte gekonnt weiterdenkt. Es ist kein großes gesellschaftskritisches Werk, obwohl man sicher Dinge hineininterpretieren kann, wenn man sich mehr mit britischer Popkultur und dergleichen auskennt. Ich fühlte mich auf jeden Fall stets hervorragend unterhalten.

Anfangs dachte ich, es wird eine Art Buddy-Movie zwischen Aaron Taylor-Johnsons Charakter Jamie und dessen Sohn Spike, gespielt von Alfie Williams. Dabei ist Alfie Williams‘ Charakter Spike derjenige, der den Film trägt. Und das als Schauspieler von gerade einmal 14 Jahren zu tun, ist eine herausragende Leistung. Natürlich gibt es diverse Nebencharaktere, die dabei unterstützen. Etwa Jodie Comer als seine Mutter Isla und Ralph Fiennes als Dr. Ian Kelson. Eine Starbesetzung, die ihresgleichen sucht. Beide überzeugen immer wieder durch ihre Feinfühligkeit und schaffen emotionale Szenen, mit denen ich so nicht gerechnet hatte. »28 Years Later« ist ein großartiger Film, der mich nicht nur als atmosphärischer Horrorfilm abgeholt hat, sondern der mit seiner schonungslosen Brutalität schockiert. Trotzdem bleiben die Charaktere im Fokus. Natürlich ist der Film auch noch wunderschön anzuschauen.

Ich habe nach Betrachtung des Films feststellen dürfen, dass Mitte Januar gleich die Fortsetzung herauskommt oder demnächst im Kino laufen sollte, wenn dieser Text hier erscheint. Die beiden Filme wurden scheinbar back-to-back gedreht. Eine schöne Überraschung. Vielleicht muss ich dafür ins Kino gehen. Ich würde gerne wissen, wie es mit Alfie und der Siedlung weitergeht. Außerdem haben spannende neue, bunte Charaktere die Bühne dieser Welt betreten, bevor der Abspann über den Bildschirm flimmerte.

Die »28«-Filme sind bei weitem keine perfekten Filme. Aber sie unterhalten doch auf sehr hohem Niveau. Besonders der erste Teil hat Zombies so richtig populär gemacht und ist ein Meilenstein. Damit kann der dritte zwar nicht mithalten, trotzdem sind immer wieder kreative Einfälle dabei. Danny Boyle und Alex Garland bleiben sich selbst und ihrer Welt treu. Ich mag auch das Sounddesign der Filme sehr gerne, das zu der dichten Atmosphäre beiträgt. Quasi nebenbei bekommt man noch traumhafte Bilder einer schrecklichen Welt serviert, was das Gesamtpaket schön abrundet.