Cancel Culture

Beim Stöbern durch Online-Buchabteilungen ist mir ein vermeintlich kleines, violettes Büchlein aufgefallen. Wie man es von Edition-Suhrkamp-Büchern kennt, ist das Cover recht schlicht gestaltet. Darauf zu lesen sind nur zwei Dinge: der Name des Autors und der Titel des Buches: Adrian Daub; Cancel Culture Transfer – Wie eine moralische Panik die Welt erfasst. Etwas widerwillig habe ich es in den Warenkorb gelegt und bestellt. Doch die Neugierde hat dann doch gewonnen.

Warum habe ich es widerwillig bestellt? Weil ich »Cancel Culture« schon nicht mehr hören kann. Vor allem scheint jeder eine andere Definition des Begriffs zu haben. Rechte, intolerante Idioten verwenden den Begriff genauso, wie linke Einfaltspinsel, und alles, was dazwischenliegt, wirft ebenfalls mit dem Begriff um sich. Aber was steckt wirklich dahinter? Selbst die Beispiele, die für diese moralische Panik herangezogen werden, scheinen oft an den Haaren herbeigezogen. Ich frage mich immer wieder: Stimmt das wirklich? Ist das so passiert? Gibt es Quellen oder noch mehr Beispiele? Gibt es wirklich eine Tendenz in die eine oder andere Richtung? Deshalb hat die Neugierde schließlich gewonnen und ich habe das Buch gelesen. Auf das, was mich zwischen den Buchdeckeln erwarten würde, war ich nicht vorbereitet.

Adrian Daub hat einen sehr angenehmen Schreibstil. Wahrscheinlich hat jede*r unterschiedliche Herangehensweisen an Bücher. Egal, ob es Sachbücher sind oder Belletristik. Manchmal macht man sich Notizen, markiert Stellen und tritt in einen Dialog mit dem Buch. Manchmal ist es aber auch so, dass ich einfach nur vor mich hin lesen möchte. So habe ich es bei diesem Buch getan. Deshalb ist es ganz angenehm, dass Daub immer wieder gewisse Kernelemente wiederholt. Das ist der Struktur des Buches geschuldet. Denn der Autor des Buches nähert sich dem Thema »Cancel Culture« aus unterschiedlichsten Richtungen. Von der Herkunft als Diskursobjekt, über die Wortherkunft und Geschichte des Begriffs hin zu einer ausführlichen Analyse, wie das Phänomen entstanden ist. Manchen mag das etwas zu viel sein, aber ich finde es eine angenehme und sogar notwendige Zerlegung des Begriffs. Des Weiteren ist das Buch gespickt mit Beispielen und gut geschriebenen Analysen.

Wer sich auch nur annähernd für das Phänomen »Cancel Culture« interessiert, dem würde ich das Buch nur wärmstens empfehlen. Adrian Daub zerlegt Stück für Stück alles, was je über diese irrsinnige Diskussion gesagt oder behauptet wurde. Vieles, was immer wieder als Beispiel für »Cancel Culture« durch die Medien getrieben wird, wie eine Dorfkuh, ist oft Jahrzehnte her und/oder nicht so passiert, wie es dargestellt wird. Das hat oft vielerlei Gründe. Sei es „lost in translation“, da viele Beispiele aus den USA stammen und manche Medien es mit der Überprüfung dieser Fälle nicht so genau nehmen oder es eben falsch verstehen. Manchmal werden scheinbare Fakten 1:1 übernommen, obwohl nichts dahintersteckt. »Cancel Culture« hat eine jahrzehntelange Geschichte, die immer wieder in neuem Gewand daherkommt. Sei es »politische Korrektheit« oder »Cancel Culture« – es steckt im Grunde dasselbe dahinter.

Es hilft natürlich auch, dass es nicht die eine Definition der Begriffe gibt. Oft kann man aus dem Kontext schließen, was eventuell gemeint ist, aber wirklich sicher kann man sich nicht sein. Deshalb ist das Buch von Adrian Daub so ein Genuss. In knapp 350 Seiten wird die komplette Debatte zerlegt, auf den Kopf gestellt und ihres mythischen, panischen Status beraubt. Es sollte wirklich zu einer Pflichtlektüre werden. Vielleicht wappnet es auch für zukünftige Diskussionen und dafür, dass man sich selbst nicht von der moralischen Panik anstecken lässt. Man kann etwas gelassener und standfester agieren und reagieren.

Everything X-Men | Was ist ein Mutant? (Teil 1/2)

Wie jeden Donnerstag werfen wir auch heute wieder einen Blick in die Vergangenheit. Die Textreihe »Everything X-Men« habe ich als sogenanntes Projektstudium für mein Medienwissenschaftsstudium geschrieben. Darin habe ich mich ausführlich mit den X-Men beschäftigt. Die Texte habe ich damals auf Englisch verfasst, möchte sie heute aber auf Deutsch präsentieren. Die initiale Übersetzung (auch der vorkommenden Zitate) habe ich mit DeepL gemacht. Natürlich redigiere ich die Texte danach noch.

Ich habe mir den Text mittlerweile mehrfach durchgelesen und immer wieder Stellen überarbeitet. Um ehrlich zu sein, finde ich ihn nicht gut. Vielleicht liegt es zum Teil auch an der Übersetzung. Denn hier bin ich tatsächlich an gewisse Grenzen gestoßen. Beispielsweise bei der Bezeichnung von kleinwüchsigen Menschen. Erkenntnisse und Begrifflichkeiten, die zu verwenden sind, beziehen sich nicht nur auf die damaligen Recherchen, sondern stammen auch noch aus dem nordamerikanischen Raum. Trotzdem wollte ich den Text der Vollständigkeit halber in dieser Reihe behalten.

Außerdem behandelt der Text zwei getrennte Themen, die ich auch in zwei getrennten Texten hätte behandeln müssen. Dieses Versäumnis kann ich heute begleichen, indem ich den Text einfach in zwei Schritten veröffentliche. Heute geht es um den biologischen Teil. Wie definiert man Mutation und was bedeutet sie? Ein faszinierendes Thema, das ich damals noch sehr viel ausführlicher hätte bearbeiten können. Als Einstieg in das Thema ist es allerdings nicht schlecht.

Bisher sind folgende Texte erschienen:


Ein Artikel auf der Website ScienceClarified beginnt mit einem sehr interessanten Satz. Ich werde diesen Satz ebenfalls verwenden, um das Interesse für das Thema Mutation zu wecken: „Jedes einzelne menschliche Merkmal – blaue Augen, rote Haare, ‚zystische Fibrose‘, ein zweiter Zeh, der länger ist als der große Zeh, und so weiter – ist das Ergebnis einer genetischen Mutation, die irgendwann in der Vergangenheit stattgefunden hat.“

Mutation

Der oben erwähnte Artikel befasst sich ausführlich mit verschiedenen Mutationen. Diese können auf natürliche oder künstliche Weise entstehen. Natürliche Mutationen entstehen, wenn eine Zelle bei ihrer Vermehrung einen Fehler macht (was zu Krankheiten führen kann). Sie können aber auch als eine Form der Evolution auftreten und somit zum Wohlergehen einer Spezies und ihrer Ausdauer beitragen. Oder, wie ScienceClarified schreibt: „Nützliche Mutationen sind in der Tat die treibende Kraft hinter der Evolution.“ Diese Entwicklungen können viele Generationen dauern.

Künstliche Mutationen hingegen „werden durch Mutagene verursacht – chemische oder physikalische Faktoren, die die Mutationsrate erhöhen“ (ScienceClarified, o. J.) Die meisten dieser Mutagene sind vom Menschen verursacht, wie z. B. Drogen, Tabak oder Alkohol sowie Wasserstoff- und Atombomben. Aber auch Viren können Mutagene sein, da sie „sich in die DNA des Wirts einfügen“. (ScienceClarified, o. J.)

Wie bereits erwähnt, können Mutationen eine Ursache für natürliche Evolution sein. Sie können Krankheiten oder körperliche Veränderungen eines Individuums hervorrufen. Veränderungen wie Albinismus oder die bereits erwähnten roten Haare. Aber auch drastischere Veränderungen fallen darunter, wie bei Kleinwüchsigen (früher als „Midgets“ bezeichnet). Ich hoffe, ich beleidige niemanden mit diesen Begriffen. Nach meinen Recherchen zu urteilen, gibt es bei dieser Form der Mutation Unterschiede, wie diese kategorisiert werden. Das hängt damit zusammen, ob jemand »normal« proportioniert ist oder es weiterführende genetische Erkrankungen gibt. Dann können unterschiedliche Körperteile unterschiedlich proportional sein.

Auch im Tierreich gibt es solche Mutationen. Um ein besseres Verständnis dafür zu bekommen, was Mutation bedeuten kann, biete ich folgende drei Definitionen an:

  • Cambridge Dictionary zu »mutant«: „Ein Organismus, der sich aufgrund einer dauerhaften Veränderung seiner Gene von anderen seiner Art unterscheidet.“
  • Wikipedia zu »mutant«: „Ein Organismus oder ein neues genetisches Merkmal, das durch eine Mutation entsteht oder daraus resultiert, wobei es sich um eine Veränderung der DNA-Sequenz eines Gens oder Chromosoms eines Organismus handelt.“
  • Urban Dictionary zu »mutant«: „Eine relativ dauerhafte Veränderung des Erbguts, die entweder eine physikalische Veränderung der Chromosomenbeziehungen oder eine biochemische Veränderung der Codons, aus denen Gene bestehen, beinhaltet; auch: der Prozess der Entstehung einer Mutation.“

Mutationen und die X-Men

Wie man sieht, gibt es Mutationen überall. Es gibt sie in allen Formen und Größen. Und sie können eine Spezies verbessern und ihre Fähigkeiten auf ein außergewöhnliches Niveau heben. Professor Xavier fragt zu Beginn des zweiten X-Men-Films, ob die X-Men nur „das nächste Glied in der Evolutionskette oder eine neue Spezies der Menschheit sind, die um ihren Anteil an der Welt kämpft“ (Arad & Singer, 2003). Mein erster Gedanke war, dass sie offenbar das nächste Glied in der Kette sind. Aber um sich dessen sicher zu sein, müsste man sich wohl die Herkunft verschiedener Arten ansehen und wann sie sozusagen als separate Ketten betrachtet werden. Aber das ist ein Thema für einen anderen Artikel. So oder so, die X-Men haben individuelle Fähigkeiten und werden dafür gefürchtet. Aber woher kommen sie?


Nächste Woche kommt der zweite Teil des Textes. Darin geht es um die literarischen Ursprünge der X-Men. Außerdem gebe ich dort die Quellen an, die ich für den Text verwendet habe.

Maria Theresia

Am Wochenende war ich mit Freund J. einen Tag in Wien. Anlass war das Musical »Maria Theresia« der Vereinigten Bühnen Wien. Fünf Jahre war das Musical in Entwicklung, bis es das Licht der Welt erblickte und nun regelmäßig vor einem ausverkauften Saal aufgeführt wird. Die Besetzung ist durchweg hochkarätig. Es war für mich die erste Aufführung einer VBW-Produktion, die ich im Ronacher sah. Ich wurde nicht enttäuscht. »Maria Theresia« ist bis jetzt eine der besten Bühnenperformances, die ich erleben durfte.

Ich wusste nicht genau, was mich erwarten würde. Natürlich habe ich mir vorher durchgelesen, was in den beiden Akten passiert, sodass man nicht ganz verwirrt ist von den ganzen Personen und Namen. Man kennt natürlich die Geschichte. Trotzdem kann es in einem Musical verwirrend sein, wenn man nicht alle Details der Songs mitbekommt und auf die Nuancen achtet. Doch darüber hätte ich mir keine Sorgen machen müssen. Die Aufführung ist bis ins letzte Detail durchdacht. Jeder Charakter hat ein eigenes Farbschema, was etwa die Kleidung anbelangt. So kann man jeden sehr einfach erkennen. Außerdem haben einige Charaktere eigene musikalische Themen, die ihre Ankunft ankündigen. Besonders das Thema von Friedrich II. von Preußen gefällt mir äußerst gut. Es hat etwas Düsteres und Aggressives. Ich würde es fast mit dem »Imperial March« vergleichen (Darth Vaders Thema aus Star Wars).

Die Songs und die Musik haben mich alle durchweg abgeholt. Es kommen immer wieder unterschiedliche musikalische Genres zum Einsatz oder werden durchmischt und erschaffen so eine einzigartige Erfahrung. Der Cast ist atemberaubend gut, und das, obwohl wir an diesem Nachmittag die Zweit- und teils Drittbesetzung sahen. Aber das tut dem Ganzen keinen Abbruch. Es bringt mich eher dazu, dass ich irgendwann noch einmal eine Abendvorstellung besuchen und die anderen Castmitglieder sehen möchte. Jede und jeder auf der Bühne bekommt ihren oder seinen Augenblick im Rampenlicht. Sei es ein kleines Solo zwischendurch oder ein Ensembleauftritt, der einzelne Charaktere immer wieder ins Zentrum stellt. Selten ist es, dass mich eine Show so fesselt, wie »Maria Theresia«.

Historisch, soweit ich das beurteilen kann, orientiert sich das Musical an den geschichtlichen Ereignissen. Sie haben lange recherchiert, hatten eine historische Expertin für die Habsburger an ihrer Seite und gaben sich Mühe, alles so nahe an der Realität wie möglich darzustellen. Das merkt man dem Musical auch an. Selbst wenn die Musik und die Choreografie modern sind, wirkt stets das Klassische mit. Dazu trägt auch die Bühne an sich bei. Die Technik, die sich hinter der Bühne verbirgt, ist gewaltig. Mit einfachen Transformationen können sehr viele Locations und Zeiten dargestellt werden. Charaktere werden zueinander positioniert, sodass man ihre Hierarchie in der Szene versteht und um was es zwischen den Zeilen geht. Auf der anderen Seite werden mit vergleichsweise einfachen Mitteln gewaltige, einprägsame Bilder geschaffen, die ich so schnell nicht vergessen werde. Ein Genuss sondergleichen. Dazwischen gibt es Parkour-Einlagen, Auftritte im Publikum und Songs, die Ohrwurmpotential haben.

»Maria Theresia« ist ein absolutes Highlight, das man sich nicht entgehen lassen sollte. Es zeigt die nicht immer unkritische Seite einer Frau, die so viel für Österreich geschaffen und erreicht hat. Reformen, die wir heute noch spüren und leben. Es feiert ihr Leben, ihr Schaffen, zeigt ihre Kämpfe und Herausforderungen, denen sie sich stellen musste. Es betont die Opfer von Maria Theresia, die notwendig waren, damit sie so regieren konnte, wie sie es tat. Eine Kaiserin, wie es Österreich danach nicht mehr hatte. Man möchte nach der Show noch mehr über sie wissen, noch mehr von ihr lesen und sich eingehender mit ihrer Person auseinandersetzen. Zumindest geht es mir so. Und wünscht sich, dass die Show länger gedauert hätte. Einfach großartig.

Silksong – Bis zur Unendlichkeit

Ich habe schon so einige Male über Silksong geschrieben. Dass ich das Spiel großartig finde, muss ich also nicht wiederholen. Ich habe mich dazu entschieden, meinen ersten Durchlauf erst einmal für beendet zu erklären. Der finale Boss ist besiegt und das optionale Zeug hole ich später einmal nach. Doch nach knapp 50 Stunden benötige ich nicht nur eine Pause, sondern möchte anderen Spielen die Möglichkeit geben, mich ebenfalls so in den Bann zu ziehen. Ich habe von den letzten Stunden ein paar Eindrücke gesammelt, die ich hier zusammenfasse. Die Punkte sind nicht speziell geordnet, nur habe ich sie in drei Kategorien aufgeteilt: das Finale (was das Finale von Akt 2 meint), die Zeit danach und noch ein paar abschließende Gedanken. Offensichtlich werde ich ungehemmt spoilern.

Finale

  • Ich habe knapp über 40 Stunden gebraucht, um ins Finale zu kommen. Wobei ich hier noch Vorbereitungen für das optionale Ende getroffen habe. Für gut 20 € also eine gewaltige Ausbeute und es gibt noch sehr viel mehr zu entdecken.
  • Zu diesen Vorbereitungen gehörte unter anderem, den wohl nervigsten Boss des gesamten Spiels zu besiegen. „Optionales Ende“ heißt natürlich, dass man es nicht machen muss, aber dabei lässt man einen großen Teil des Spiels liegen. Und wie auch schon beim Vorgänger heißt das für mich, dass ich es machen möchte.
  • Silksong ist wahrlich kein einfaches Spiel. Nicht nur Bosse haben mich Nerven gekostet, in manchen Gebieten jagte ein frustrierender Moment den nächsten. Das Finale hat mich allerdings wieder versöhnt. Es ist episch.
  • Wenn man viele optionale Parkour-Passagen, Gebiete und Bosse bestreitet, ist man hervorragend für den Boss von Akt 2 und damit die eigentliche Geschichte vorbereitet. Für das eigentliche Ende habe ich nur einen Versuch benötigt, für das optionale Ende zwei. Das hat mich etwas überrascht. Es fühlte sich aber trotzdem gut an. Hier hatte ich zum ersten Mal das Gefühl, dass sich all die hart erlernten Lektionen der vergangenen Stunden wirklich ausgezahlt haben.
  • Silksong ist ein Wahnsinnsspiel und wenn das Finale von Akt 2 das Ende gewesen wäre, wäre ich damit mehr als fein gewesen. Doch es gibt noch den „geheimen“ dritten Akt.

Zugabe und Endzeitstimmung

  • Den Boss von Akt 2 kann man auf zwei Arten besiegen. Entweder man besiegt das Wesen, das die Bewohner*innen von Pharloom heimsucht, und bindet dessen Kraft und wird selbst zur Herrscherin (die es hoffentlich besser macht). Oder man baut eine Falle und versucht, diesen Zyklus zu durchbrechen. Doch damit macht man es erst einmal für alle schlimmer. Die Falle ruft die Schatten, die wir bereits aus dem Vorgänger kennen, und reißt das gesamte Reich ins Dunkel. Nun muss man Pharloom also erneut befreien, von einem Fluch, den wir quasi verursacht haben.
  • Der Start von Akt 3 ist fantastisch gemacht. Mehr sage ich dazu nicht. Man sollte es selbst erleben. Ich hatte Gänsehaut. Team Cherry hat großartige, kreative Ideen, die ich so noch nicht gesehen habe.
  • Nach all den Strapazen von Akt 1 und besonders Akt 2 meint man vielleicht, das Spiel verstanden zu haben; es zu kennen. Doch Team Cherry weiß um diesen Hochmut. Augenblicklich wird man auf den Boden der eigenen Unfähigkeit zurückgerissen. Der Schwierigkeitsgrad in Akt 3 zieht noch einmal deutlich an.
  • Es gibt eine gewisse, obligatorische Parkour-Passage. Man muss dabei aus dem Abgrund flüchten. Ich musste am ersten Abend mit zitternden Händen das Steam Deck auf die Seite legen, sonst hätte ich es wahrscheinlich zerbrochen. Dafür klappte es am nächsten Tag beim zweiten Versuch. Unfassbar. Aber als Connaisseur von Spielen aus dem Soulslike-Genre kennt man das.

Abschließendes

  • Auch wenn man sich viel über den Schwierigkeitsgrad von Silksong aufregen könnte, so ist es nun einmal das Spiel, das uns Team Cherry präsentiert hat. Man muss nicht alles beim ersten Mal sehen, erleben oder schaffen. Es ist okay, zu sagen, dass es fürs Erste genügt. Ich bin froh, Akt 2 beendet und das eigentliche Ende des Spiels erlebt zu haben. Alles Weitere hole ich später nach.
  • Bevor ich mich an Silksong herangewagt habe, spielte ich Hollow Knight. Den Vorgänger habe ich lange Zeit außer Acht gelassen, bis er mich vor ein paar Monaten doch gepackt hat. Wenn man die Spiele mehr oder weniger direkt hintereinander spielt, ist der Schwierigkeitsgrad von Silksong nicht überraschend, sondern eine natürliche Entwicklung dieses Gameplays.
  • Die Welt von Hollow Knight ist durch Silksong ein großes Stück gewachsen. Ich bin gespannt, ob wir noch mehr Spiele aus dieser Welt, dieser Mythologie bekommen. Vielleicht wird es ja eine Trilogie. Ich würde gerne noch weitere Einträge sehen. Erst einmal schließe ich dieses Spielekapitel und wende mich anderen zu. Es wird aber nicht das letzte Mal gewesen sein, dass ich Hollownest oder Pharloom durchstreift habe.

Von Überschriften, die viel zu lang sind und versuchen, den kompletten Text zu erklären, wofür aber eigentlich kein Platz

Wenn es um die Titel meiner Texte geht, bin ich nicht unbedingt konsequent. Aber bei einem täglichen Blog darf man gerne kreativ sein. Zumindest wähle ich stets kurze Überschriften. Meistens haben diese etwas mit dem Inhalt des Textes zu tun. Dadurch kann man zumindest erahnen, um was es gehen könnte. Etwas anderes ist es bei Nachrichtenportalen. Die Überschrift sollte darüber informieren, was das Thema ist. Es kurz zusammenfassen. Prägnant sein, neugierig machen. Das gilt für sämtliche News-Outlets, auch diejenigen im Gaming-Bereich.

Ich stöbere immer mal wieder bei GameStar durch. Was mich aber jedes Mal aufs Neue abschreckt, sind die grauenvollen Überschriften der Texte. Nicht nur sind diese viel zu lang, sie versuchen auch noch, den Text, dessen Twist oder Thema und die darin vorkommenden Protagonisten zu erklären. Hier ein paar Beispiele:

  • „Steam – Ein Holländer hat einfach sein eigenes Mount & Blade gemacht und updatet es seit 3 Jahren, obwohl es kein Mensch spielt“
  • „Valve stellt komplette Steam-Bibliothek wieder her, um einem User mit psychischer Erkrankung zu helfen“
  • „Als Strategie-Entwickler top, als Publisher ein Flop – dass es so nicht weitergehen kann, hat Paradox inzwischen selbst verstanden“
  • „Dieser Handheld löst eines meiner größten Probleme als Gaming-Vater und überzeugt dazu mit einer herausragenden Leistung“

Wieso steht beim ersten Beispiel „Steam“ als Erstes da? Diese Information benötige ich nicht. Meistens, wenn es sich um Videospiele handelt, ist Steam in irgendeiner Weise involviert und sei es nur als Plattform, auf der besagtes Spiel gekauft wurde. Das muss nicht in jeder Überschrift stehen. Beim zweiten Beispiel hätte es ausgereicht, zu schreiben: „Valve hilft User mit psychischer Erkrankung“ oder „Valves Kundendienst zeigt Herz bei Spieler mit psychischer Erkrankung“. Das reicht doch vollkommen aus. Denn jetzt frage ich mich, warum sie Herz zeigen oder wie sie den User unterstützen.

Diese Erklärbär-Überschriften sind nicht nur zu lang, meist hat nicht einmal der komplette Text auf der Webseite Platz. Manche gehen über fünf Zeilen. Dann kommt noch der Anreißer zum Text. Das ist zu viel und führt nur dazu, dass die Webseite überladen wirkt. Gibt es keinen Redaktionsleitfaden oder Richtlinien über die Länge und wie Überschriften formuliert werden sollen? Ich habe drei Jahre bei einem amerikanischen Blog mitgearbeitet, in meiner Freizeit. Jeder hat dort in seiner Freizeit am Blog mitgearbeitet, weil es eine Leidenschaft war. Selbst dort gab es Richtlinien und Leitfäden, an die man sich gehalten hat.

Gibt es Statistiken, dass diese Art, Texte zu betiteln, bei den Klicks hilft? Wann hat sich das eingeschlichen oder hatte GameStar schon immer diese seltsam überbordenden Überschriften? Ich kann mich offen gestanden nicht mehr erinnern, wie diese früher ausgesehen haben. Aber da habe ich meist auch das Magazin gelesen und war weniger auf der Webseite unterwegs. Es kann natürlich nur eine persönliche Anwandlung von mir sein. Jedoch finde ich die GameStar-Seite allgemein weder schön gestaltet noch von der textuellen Aufbereitung ansehnlich oder einladend. Das könnte man moderner und schlichter designen. Vielleicht liegt es aber auch nur an mir.

Fire & Ash

Eigentlich wollte ich mir »Avatar – Fire & Ash« nicht im Kino anschauen. Zumindest war ich hin- und hergerissen. Doch schließlich bin ich doch gleich zum Kinostart Mitte Dezember reingegangen. Ausschlaggebend dafür waren diverse YouTube-Thumbnails, die in derselben Woche in meinen Feed gespült wurden. Diese verzeichneten keinen positiven Ausblick auf den Film. Dazu muss man wissen, dass ich großer Fan des zweiten Teils bin. Die Geschichte von Jake rückt in den Hintergrund und den Kindern wird mehr Zeit gegeben, besonders Lo’ak. Seine Geschichte hat mich einfach mitgerissen. Kann da der dritte Teil mithalten? Ich wollte mir eine eigene Meinung bilden, bevor mich diverse Kanäle mit ihren Eindrücken beeinflussen können.

Im ersten Moment bin ich gewillt dem zuzustimmen. »Fire & Ash« ist ein atemberaubendes Stück Kinogeschichte. Die Qualität der Figuren, Effekte und von Pandora wurde erneut angehoben. Dachte man schon, dass »The Way of Water« realitätsnah aussah, legt »Fire & Ash« eine Schippe obendrauf. Hinzu kommt, dass Pandora eine faszinierende Welt ist. Wir bekommen mit jedem Eintrag in dieses Franchise ein Stück mehr gezeigt. Der Vorhang um diese mysteriöse Welt wird etwas weiter zurückgezogen. Und was man dahinter erblickt, kann nichts anderes als beeindrucken. Ich liebe die Lebewesen, die Kreativität hinter den Völkern und Stämmen. Es wirkt wie eine lebende, atmende Welt, die eine reichhaltige Geschichte hat. Ich würde gerne gut geschriebene Bücher über Pandora lesen. Ohne Menschen oder dergleichen. Einfach nur Geschichten über die Vergangenheit von Pandora und ihren Bewohner*innen.

Aber »Fire & Ash« sieht nicht nur gut aus, auch die Geschichte hat mich erneut in ihren Bann gezogen. Lo’ak spielt erneut eine zentrale Rolle. Wie ich später lernte, sollten Teil 2 und 3 eigentlich ein Film werden, wurden aber dann aufgeteilt. Es macht also Sinn, dass Lo’aks persönliche Entwicklung weiterhin im Zentrum bleibt, und das gefällt sehr gut. Es werden teils schwierige Themen angesprochen, die ich einem solchen Blockbuster nicht zugetraut hätte. Diese Themen kommen recht unvermittelt und können im ersten Moment überfordern. Man kann James Cameron viel vorwerfen, aber der Mann weiß, wie man Geschichten erzählt. Es ist faszinierend, wie ohne viel Dialog trotzdem tiefgründige Themen angeschnitten werden, die mich teils den Tränen nahebrachten. Davor kann ich nur meinen Hut ziehen.

Leider bleibt es aber, wie auch schon beim zweiten Teil, nur beim Anschneiden der Themen. Ich hätte mir gewünscht, vor allem nach dem Ende des zweiten Teils, dass die Charaktere mehr miteinander reden würden. Das berühmte »I see you«, welches am Ende von Teil 2 von Jake an Lo’ak gerichtet wird, bedeutet so viel. Bedauerlicherweise macht der dritte Teil daraus allerdings nichts. Die beiden machen dieselben Punkte noch einmal durch. Dabei hatten sie doch die großen Hindernisse bereits im Vorgänger überwunden. Das finde ich äußerst schade. Natürlich hatten sie in »The Way of Water« keine Zeit, den Verlust von Lo’aks Bruder zu verarbeiten. Ich hätte mir gewünscht, dass sie hier mehr als Familie machen würden. Mehr Dialoge, Kommunikation und gemeinsam die schwierige Zeit bewältigen.

Das sind alles Themen, die Jake immer wieder der Familie einzuprägen versucht. Allerdings schafft es der Charakter nicht, seine militärische Seite beiseitezulegen. Das finde ich schade, denn im ersten Teil hatte er eine andere Entwicklung durchgemacht. Ich habe Jakes Charakter nie als den durchtriebenen Militärtypen gesehen. Dass Neytiri das alles so mitmacht und die beiden nicht versuchen, gemeinsam mit dem Verlust umzugehen und auf ihre Familie zu achten, ist bedauerlich. Neytiri ist ein so toller Charakter, aber seit Teil 2 darf sie hauptsächlich reagieren. Sie hat zwar ihre Momente, aber was die Familiensituation anbelangt, hält sie sich unverständlicherweise sehr zurück und darf nicht mitreden. Dass sie Spider nicht mag oder akzeptiert, ist verständlich und nachvollziehbar und ein toller Handlungsbogen. Daraus hätte man mehr machen können.

Allerdings muss ich auch sagen: Es muss nicht immer alles ein Konflikt sein und hart erarbeitet werden. Manchmal kann ein Film auch einfach nur Wohlfühlkino sein. Es gibt genug Möglichkeiten, Konflikte in dieser Welt einzubauen und Charaktere, die sich zusammenraufen müssen. Man muss es nicht übertreiben. Falls es einen vierten Film gibt, hoffe ich sehr, dass die Action vielleicht etwas zurückgeschraubt wird und dafür mehr Charaktermomente Platz finden. Mehr Dialogszenen und dergleichen. Lohnenswert ist »Fire & Ash« aber auf jeden Fall. Wer den zweiten Teil mochte, wird auch den dritten genießen können. Und die über drei Stunden Laufzeit vergehen wie im Flug.

John Blanche

Die Welt von Warhammer begleitet mich schon mein ganzes Leben. Ich mag sowohl das Fantasy- als auch das Science-Fiction-Setting. Doch 40k, also die Science-Fiction-Seite, hat mich stets etwas mehr in ihren Bann gezogen. Allein die Tagline zieht einen in ihren Bann. Man will wissen, was passiert ist, ob es Hoffnung gibt, wie die Menschheit ums Überleben kämpft. Es ist episch, over-the-top übertrieben, brutal und hat ihren Ursprung als Satire. Was kann man daran nicht lieben?

»In the grim darkness of the far future, there is only war.«

Manche scheinen zwar den satirischen Aspekt etwas aus den Augen zu verlieren und die Welt zu ernst zu nehmen, doch das ist nur ein kleiner Teil einer ansonsten großartigen Community. Es ist Eskapismus pur. Ich habe mich im Laufe der Zeit mit vielen Aspekten von Warhammer 40k auseinandergesetzt. Sei es das Bemalen der Figuren, ein paar Runden des Table-Top-Spiels zu testen oder mich in den unzähligen Büchern zu verlieren. Man kann YouTube-Videos über die verschiedenen Seiten des Hobbys schauen oder die tollen Videospiele spielen. Mittlerweile gibt es einen eigenen Streaming-Service von Games Workshop mit Kurzfilmen, Serien und anderen Angeboten. Es ist wirklich schön zu sehen, wie diese Welt immer vielseitiger wird und jede*r entscheiden kann, wie man sich damit auseinandersetzen möchte.

Das alles hat aber einen Kern. Ein Grundgerüst, auf dem alles fußt. Es ist der unverwechselbare Look dieses dystopischen Universums. Die Zeichnungen in den Regelbüchern, die Artworks der Boxen, die Charakterdarstellungen auf den Websites. »Grimdark« ist nicht nur eine Zuschreibung der Welt, sondern ein komplett eigener Stil. Wie ich in den vergangenen Wochen gelernt habe, geht dieser Stil auf einen Mann zurück, der über 30 Jahre bei Games Workshop gearbeitet hat und damit ausschlaggebend für das ist, was wir uns als Fans unter Warhammer 40k vorstellen: John Blanche.

Seine Biografie zu lesen, war äußerst spannend und aufschlussreich. Man bekommt nicht nur Einblicke in sein Leben, sondern erfährt außerdem etwas über die Ursprünge von Games Workshop und Citadel. Ich hatte schon die Befürchtung, dass es etwas trocken werden würde, doch die Hälfte des Buches ist gespickt mit Zeichnungen von Blanche, sodass man eine sehr gute Vorstellung von seiner Kreativität bekommt. Ich blättere immer wieder gerne durch die Seiten und betrachte die Zeichnungen. Es ist erstaunlich, was ein Mensch in der Lage ist, aus dem Nichts zu erschaffen. John Blanche kann als Inspiration und Vorbild dienen, sich nicht an Konventionen zu halten, sondern das zu machen, was man für richtig hält, und der Kreativität freien Lauf zu lassen.

»John Blanche«, geschrieben von John Wombat und Ruth Moreira, ist eine tolle Biografie und ein schön designtes Buch. Sie schreiben nicht nur über John Blanche, es kommen ebenso Zeitgenossen zu Wort. So erfährt man viel über den Charakter von John Blanche, seine Arbeitsweisen und wie die frühen Tage von Games Workshop aussahen. Auch wenn der Fokus natürlich auf seiner Arbeit bei Games Workshop liegt, erfährt man auch außerhalb davon etwas über den Meister von Grimdark. Ein tolles Buch und eine klare Empfehlung für alle Fans von Warhammer 40k.

Mystische Stadt

Es trug sich zu, dass ich in der Weihnachtswoche nach Salzburg fuhr. Genauer gesagt, am Stefanitag. Ich stand um kurz nach 6 Uhr morgens auf, trank genüsslich eine Tasse Kaffee und las etwas in dem großartigen Buch »Cancel Cultur Transfer« von Adrian Daub. Um halb acht machte ich mich schließlich auf den Weg. Das Schöne, so früh unterwegs zu sein, noch dazu an einem Feiertag nach Weihnachten, ist die unendliche Ruhe. Die Welt war noch in dichtem Nebel getaucht, die Straßen beinahe leer. Ich parkte in der Linzergassengarage (man gönnt sich ja sonst nichts) und spazierte die gleichnamige Gasse entlang.

Zwar waren ein paar Menschen unterwegs, doch nur eine Handvoll. Nicht zu vergleichen mit dem dichten Gedränge vor Weihnachten, wo man sich einen Weg erkämpfen und Heerscharen von Touristen ausweichen muss. Man traf sich am Platzl und spazierte weiter die Getreidegasse entlang. Diese war wirklich leer. Das habe ich seit Corona nicht mehr erlebt. Die Stadt in dieser morgendlichen Ruhe zu erleben, ist wirklich etwas Besonderes. Natürlich bin ich am Wochenende gelegentlich früh unterwegs. Aber da bereiten sich die Geschäfte für den Tag vor, Lieferwagen und Postautos tragen Briefe und Pakete aus. Doch an einem Feiertag wie diesem ist auch das nicht der Fall.

Gepaart mit dem Nebel spürt man das Mittelalterliche der Stadt und die vergangenen Jahrhunderte wirken zum Greifen nahe. Die Modernität rückt in den Hintergrund, spielt keine Rolle mehr und weicht dem Mystischen. Die Festung war kaum mehr auszumachen und eine Welt außerhalb schien gar nicht mehr zu existieren. Eine wahrlich beeindruckende Stimmung und Atmosphäre. Ziel war der Dom. Dieses Mal jedoch nicht zwecks einer Führung. Sondern man wollte die Messe um halb neun besuchen. Zu diesem Anlass ist das mittlere der drei Tore geöffnet. Normalerweise verschlossen, stand die Pforte nun offen. So ist das Betreten des Doms ebenfalls etwas Besonderes. Wir suchten uns einen Platz relativ weit vorne, sodass wir aber noch einen guten Blick auf die Kunstwerke des Gebäudes und in die Kuppel hatten.

Ich bin kein gläubiger Mensch, aber den Ritualen der Kirche kann ich gelegentlich durchaus etwas abgewinnen. Die Dommesse an diesem Tag zu besuchen, war mir schon länger ein Anliegen. Diese Erfahrung mitzumachen. Aus Kindheitstagen, wo man noch regelmäßiger in die Kirche ging, kennt man natürlich die Abläufe. Hier stehen, da knien und dazwischen darf man sitzen. Ich habe davon abgesehen, mitzusingen oder mir die Eucharistie abzuholen, das kam mir dann doch falsch vor. Das überlasse ich den Gläubigen. Ich kann den Gemeinschaftssinn und die Sinnstiftung des Glaubens durchaus nachvollziehen, doch ich bin (leider) nicht dazu in der Lage, mich diesem hinzugeben. Aber das muss vielleicht auch gar nicht sein. Jeder findet seinen eigenen Weg.

Doch die Messe mitzuerleben, den Worten zu lauschen und einfach den Gedanken freien Lauf zu lassen, hatte etwas Meditatives. Ich bin durchaus interessiert, noch andere Messen mitzumachen und zu erleben. Wenn man sich darauf einlassen kann, holt einen die Atmosphäre durchaus ab. Man muss nicht unbedingt mit dem Religiösen etwas anfangen können. Aber vielleicht nimmt man etwas für sich selbst mit. Die Rituale dazwischen können als Inspiration dienen. Nächstes Jahr werde ich sicher wieder hingehen.

Everything X-Men | Thomas & Adams (Teil 2/2)

Wie jeden Donnerstag sehen wir uns auch heute einen Text aus grauer Vorzeit an. Obwohl mein Medienwissenschaftsstudium noch gar nicht so lange her ist. Jedenfalls habe ich für mein sogenanntes Projektstudium eine Textreihe zu den X-Men geschrieben. Diese möchte ich hier nach und nach präsentieren. Da ich die Texte damals auf Englisch geschrieben habe, sie aber auf Deutsch präsentieren will, übersetze ich diese initial mit DeepL, bevor ich sie redigiere.

Beim letzten Mal haben wir mit den Comics von Roy Thomas und Neal Adams angefangen. Heute kommt der zweite und letzte Teil des Textes.

Bisher sind folgende Texte erschienen:


Freunde und Feinde

Die Hauptgeschichten, die sich über mehrere Ausgaben erstrecken, sind ausgezeichnet. Der erste Handlungsbogen mit Scotts Bruder und dem Pharao entpuppt sich als eine umfangreiche, tiefgreifende Geschichte, und ich bin mir sicher, dass ich bei einer erneuten Lektüre noch mehr Symbolik und Bedeutung darin entdecken würde. Roy Thomas ist ein fantastischer Autor. Man kann sehen und spüren, dass sich die Erzählweise zwischen den letzten Ausgaben von Stan Lees und der, die wir jetzt besprechen, massiv verändert hat. Es ist eine lange Geschichte über die Wächter, Scotts Bruder, Bobbys Freundin, einen entgleisten Sohn, eine Yin-Yang-Symbolik zwischen dem Pharao und Alex und vieles mehr. Roy Thomas hetzt nicht durch die Geschichte. Stattdessen gibt er ihr Raum zum Atmen. Auf diese Weise können die Leser*innen jede Sequenz verarbeiten und würdigen.

In den meisten Ausgaben steht Alex im Vordergrund, und am Ende stellt sich heraus, dass dies die Entstehungsgeschichte von Havok ist. Das habe ich nicht kommen sehen und war angenehm überrascht. Es sollte viel mehr dieser Entstehungsgeschichten geben.

Einer der coolsten, seltsamsten und lustigsten Momente war während des finalen Kampfes zwischen den Sentinels und Scott. In dem Kampf ist er einer der letzten X-Men, die noch stehen. Er macht einen Asimov-ähnlichen Zug und besiegt diese schrecklichen Maschinen mit Logik. Danach fliegen sie in die Sonne und zerstören sich selbst. Ich bin mir nicht sicher, ob ich verstanden habe, wie er das gemacht hat, aber ich wurde an die ersten beiden Kurzgeschichten von Isaac Asimov in der Sammlung „I, Robot“ erinnert (die jeder lesen sollte).

Für den nächsten Bösewicht, über den ich sprechen möchte, möchte ich kurz Kontext liefern: Ich bin großer Fan von „Der Herr der Ringe“ und der gesamten Mythologie von J. R. R. Tolkiens Mittelerde. Leider muss ich zugeben, dass ich gerade erst anfange, tiefer in diese Welt einzutauchen, indem ich die Bücher „The History of Middle-Earth“, „The Silmarillion“ und so weiter lese. Allerdings schaue ich mir regelmäßig (das heißt einmal im Jahr) die „Herr der Ringe“-Filme von Peter Jackson an, und jedes Mal weine ich und mache tiefe emotionale Erfahrungen. Ich schaue YouTube-Videos darüber und beschäftige mich gerne mit dieser Welt. Und nein, wir sprechen an dieser Stelle nicht über die „Hobbit“-Filme.

Nachdem das gesagt ist, können wir nun über Dr. Klaus Lykos sprechen – er spielt eine entscheidende Rolle in den Ausgaben Nr. 60 bis Nr. 62. Er ist ein Mutant und kann anderen Lebewesen, sogar Tieren, die Lebensenergie entziehen. Als die X-Men ihm Scotts Bruder übergeben – Lykos soll ein Freund von Xavier sein –, erhält er endlich genug Energie, um sich in einen Pteranodon zu verwandeln. Vor vielen Jahren hatten ihn dieselben Kreaturen angegriffen und ihm seine Kraft verliehen. So weit, so gut. Aber natürlich ist er ein Fan von „Der Herr der Ringe“ und nennt sich selbst Sauron.

Warum? Einfach … warum? So etwas macht man nicht. Man benennt jemanden nicht nach einem der größten Bösewichte aller Zeiten. Wenn Lykos ein großes, böses Genie mit einem Plan und Fähigkeiten gewesen wäre, um die X-Men zu besiegen – vielleicht dann. Aber so wie die Geschichte umgesetzt ist, kaufe ich ihm sein böses Genie keine Sekunde lang ab. Sauron ist wie eine zweite Persönlichkeit in ihm. Er hat mehr Ähnlichkeit mit Dr. Jekill und Mr. Hyde als mit irgendjemandem aus „Der Herr der Ringe“. Vielleicht käme Gollum noch eher infrage als Sauron. Außerdem müssen die X-Men nicht handeln. Sie sind wie ein Publikum, das zusieht, wie sich die einzelnen Elemente entfalten. Am Ende dreht sich alles um Liebe und Vergebung.

The coming of Sunfire

… ist Teil des Titels der 64. Ausgabe. Es ist die tragische Geschichte eines Jungen, der von einem alten Mann dazu manipuliert wird, einen Krieg zu führen, der schon lange vorbei ist. Diese Geschichte behandelt ein komplexes Thema. Sie befasst sich mit den Folgen von Hiroshima und Nagasaki und damit, wie manche Menschen (im Jahr 1970, als der Comic erschien – und vielleicht auch noch heute) die Vereinigten Staaten dafür hassten und wollten, dass sie für ihre Taten büßen.

Der Junge heißt Shiro. Seine Mutter war ein Opfer von Hiroshima, und als Folge des nuklearen Fallouts erhielt Shiro seine Kräfte. In seinem Körper kann er die Kraft der Sonne speichern und sie in mächtigen Explosionen freisetzen. Ohne dass sein Vater davon wusste, erzählte der Onkel seit Shiros Kindheit von Hiroshima und dem, was seiner Mutter widerfahren war. Wie sehr er die Vereinigten Staaten dafür hasste und dass er Rache wollte. Es sei ihr Recht und ihre Pflicht, diejenigen zu rächen, die gestorben sind, und diejenigen, die noch immer leiden. Als sich Shiros Kräfte manifestieren, befiehlt ihm sein Onkel daher, Washington, D. C., anzugreifen und zu zerstören.

Shiro glaubt an den von seinem Onkel vorgegebenen Kurs und ist zu allem bereit. Doch in Washington ereignet sich ein schrecklicher Unfall und sein Onkel tötet Shiros Vater. Denn als dieser von Shiros Taten erfährt, opfert sich sein Vater, um die Menschen der Stadt zu retten und Shiro davon zu überzeugen, dass das, was er tut, falsch ist.

Man merkt schon an dieser kurzen Zusammenfassung, dass die X-Men tatsächlich nicht vorkommen. In diesem Fall ist das auch gut so. »The Coming of Sunfire« ist eine intime Geschichte, die sich mit einem Thema befasst, das man vielleicht nicht erwarten würde. Es geht nur um Shiro und den Schmerz seiner Vergangenheit. Es geht um einen jungen Mann, der leicht zu manipulieren ist, weil derjenige, dem er vertrauen sollte, ihn verrät. Andererseits: Kann man dem Onkel seinen Hass übelnehmen? Dann ist da noch der Vater, der zwischen ihnen steht. Eine bewegende Geschichte, die an ihrer Aktualität nichts verloren hat.

Roy Thomas und Neal Adams haben nicht nur ein paar X-Men-Geschichten geschaffen, sondern eine ganze Achterbahnfahrt der Gefühle. Vielleicht habe ich die Entwicklungen zwischen Ausgabe Nr. 19 und Nr. 55 etwas zu sehr gelobt. Ich wollte jedoch darauf hinweisen, wie viel sich in den wenigen Jahren dazwischen verändert hat. Es ist großartig, die Entwicklung des Geschichtenerzählens in diesem Medium mitzuerleben. Besser gesagt, in meinem Fall nachzuholen. Ich denke, die X-Men eignen sich perfekt als Anschauungsmaterial.

Im nächsten Artikel werden wir uns mit der Frage „Was ist ein Mutant?“ beschäftigen und danach werfen wir einen Blick auf eine neuere Interpretation der Entstehungsgeschichte der X-Men: »X-Men First Class v1« von 2007, geschrieben von Jeff Parker.

Quellen

  • Darowski, J. (2011). Reading The Uncanny X-Men: Gender, Race and the mutant metaphor in a popular narrative (Doctoral dissertation).

Taschenbuch

Wie bereits das erste Jahr des Blogs feiere ich auch das zweite mit einem Abdruck der Texte. Es ist etwas Besonderes, das Geschriebene in Buchform in Händen zu halten. Natürlich konnte ich nicht anders und habe erneut gleich mehrere Stücke bestellt, um diese verschenken zu können. Dieses Mal ging es allerdings etwas einfacher von der Hand. Immerhin konnte ich die Datei vom Vorjahr als Vorlage verwenden.

Als Programm diente mir erneut Affinity Publisher. Es ist ein tolles Programm und kann entsprechend große Dateien handhaben. Nicht unbedingt, was die Dateigröße betrifft, sondern eher den Umfang. Wobei ich auch mein Fotobuch von Island mit dem Programm mache und noch keinerlei Probleme hatte. Ich finde es mittlerweile sogar intuitiver als InDesign, welches ich gelegentlich bei der Arbeit verwende. Die Affinity-Programme sind zugänglicher, obwohl sie denselben Funktionsumfang haben.

Ein Grund, warum es dieses Jahr ebenfalls etwas leichter fiel, das Buch zu machen: Ich habe schon unterm Jahr immer wieder die Texte von meinem Schreibprogramm Ulysses in Affinity Publisher kopiert und formatiert. Vergangenes Jahr habe ich alles auf einmal gemacht, was am Ende etwas viel Arbeit war. Diese Arbeit über das ganze Jahr zu verteilen, werde ich auch weiterhin so machen.

Dann kommt natürlich noch das Format des Buches selbst. Es ist erneut A5. Doch die Qualität von Papier und Umschlag ist anders. Ich bin mir nicht sicher, ob ich es beim letzten Mal übersehen habe oder ob es wirklich eine neue Option von Wir-Machen-Druck ist. Jedoch gibt es die Option, eine explizite Taschenbuchvariante drucken zu lassen. Das Buch zu Jahr 1 hatte etwas stärkeres Papier und einen dickeren Umschlag. Aber wenn es schon eine Taschenbuchvariante gibt, muss ich diese auch ausprobieren. Außerdem war es etwas billiger. Das ist nie schlecht.

Der Ablauf bei Wir-Machen-Druck ist sehr angenehm. Man bestellt das Produkt, das man haben möchte, in dem Format, das man haben will, und am Ende lädt man die PDF-Dateien hoch. Manche Fehler aus dem ersten Jahr (ich nehme stets die Qualitätskontrolle als Option dazu) konnte ich heuer vermeiden. Der Druckprozess ging flott und die Lieferung erfolgte erstaunlich schnell. Einen Tag nachdem ich die Versandmitteilung erhalten hatte, lag das Paket auch schon vor der Tür. Ich hatte etwas Bedenken bezüglich der Druckqualität, da vergangenes Jahr manche der Bücher nicht korrekt beschnitten waren – was ich versäumt habe, zu reklamieren. Doch dieses Jahr sind alle 20 Stück identisch. Kein eingerissener Einband, keine Fehldrucke.

Die Bücher schwarz-weiß zu drucken, inklusive des Titelbildes, sieht am Ende besser aus, als ich erwartet hatte. Vielleicht gehe ich nächstes Jahr trotzdem zu einem farbigen Einband zurück. Mal sehen. Jedenfalls bin ich erneut begeistert. Die eigenen Texte gedruckt vor sich liegen zu haben und dann auch noch in einer kleinen Auflage von 20 Stück, ist bemerkenswert. Wie immer habe ich natürlich schon Ideen, wie ich das Buch weiter verfeinern und verbessern kann. Im Moment genieße ich aber, dass das Buch zu Jahr 2 vor mir liegt.