Ende September heirateten zwei Freunde von mir in Baden-Württemberg. Das nahm ich als Anlass, um damit einen Urlaub zu verbinden. In Ehingen, das in der Nähe der Hochzeit lag, buchte ich mir für zwei Nächte ein Hotel. Dann ging es weiter nach Lindau zum Bodensee. Normalerweise fahre ich über die Autobahn. Das ist der schnellste Weg. Allerdings überlegte ich mir eine Regel: hauptsächlich über Landstraßen zu fahren. So sehe ich mehr von der Landschaft, den Orten, komme an Gegenden vorbei, die ich sonst nie zu Gesicht bekomme. Außerdem schien es mir deutlich entschleunigter, als mich dem Trubel der Autobahn auszusetzen.
Zudem ermöglichte es mir, öfter Halt zu machen und Dinge anzuschauen. So blieb ich an einem McDonald’s in Bad Tölz stehen, sah mir in Kempten einen Manga-Store an und ging durch die Ulmer Altstadt. Auch dort gab es ein paar nerdige Läden, die nicht unbeachtet bleiben durften. Manchmal ist man zwar über eine halbe Stunde länger unterwegs, als wenn man über die Autobahn fährt, aber wenn ich im Urlaub eines habe, dann ist es Zeit. Zeit, mir die Gegend anzuschauen, die Fahrt an sich zu genießen und mich in Ruhe fortzubewegen. Die Fahrt ist für mich Teil des Urlaubs, egal ob es per Zug oder Auto ist. Der Urlaub beginnt nicht erst, wenn ich an meinem Ziel angekommen bin. Bis dorthin gibt es viele kleine Erlebnisse, die man mitnehmen kann, wenn man nur die Augen dafür öffnet.
Natürlich kommt es einem so vor, als könnten die anderen nicht Autofahren. Etwa, wenn mal wieder jemand meint, 70 auf der Landstraße zu fahren – bei trockenem, sonnigem Wetter. Und das kam nicht nur einmal vor. Oder die diversen Lkws und Traktoren, die einem unterkommen. Oder all die anderen Kleinigkeiten. Aber mir ist das (meistens) egal. Wie gesagt: Ich habe keinen Stress, irgendwann komme ich an meinem Ziel an. Sollte es länger dauern, heißt das nur, dass ich mehr FM4 hören kann, der dank der App stets im Auto lief. Für mich hat sich FM4 als perfekter Roadtrip-Sender herauskristallisiert. Die Musikauswahl ist abwechslungsreich und die Moderator*innen sympathisch.
Ich bin in den Stunden, die ich auf der Straße verbracht habe, durch Alleen und Wälder gefahren. Ich habe in Städten Straßen durchquert, die aussahen, als dürfte ich da nicht entlang. Manchmal war es eng, unübersichtlich oder einfach nur verwirrend. Apple Maps hat mir bei einer Unterführung in einer Stadt sogar einmal mitgeteilt, ich wäre an meinem Ziel, einem Parkhaus, angekommen. Dem war nicht so. Ich habe viele Vororte gesehen und Bauernwege. Es gibt unzählige schöne Gegenden, die ich durchquert habe. Es geht hierbei nicht darum, dass man sich an all diese Dinge im Detail erinnert. Aber das Gefühl, darauf zurückzublicken, ist sehr viel positiver, als wenn ich 400 km über die Autobahn gebrettert wäre.
Ich schreibe diese Zeilen an meinem letzten Tag im Hotel. Am frühen Nachmittag geht es heute zurück. Ich möchte mir noch ein Kloster anschauen und in eine Rösterei reinhüpfen. Entsprechend spät werde ich zu Hause ankommen. Am meisten freue ich mich aber tatsächlich auf das Abend- und Nachtprogramm von FM4. Coole Tunes, ein Ziel vor Augen und kein Stress. The Winchester way of life – nur Steinsalz habe ich keines dabei.
