Urlaubsrevue: Lindau

Ich habe der Stadt etwas Unrecht getan. Als ich in Lindau ankam, sah ich an dem Tag nicht viel von der Insel. Zwar bin ich noch etwas spaziert und habe es ans Ufer des Festlands geschafft, aber es war ein langer Tag und ich wollte nicht mehr allzu viel unternehmen. Deshalb habe ich an jenem Abend drei Dinge konkret mitbekommen: Obdachlose im Park, einen nervigen Schranken am Bahnübergang und dass der Wasserspiegel sehr niedrig sein muss. Immerhin sah der Teil des Sees, der zwischen dem Festlandteil und der Insel Lindau sein sollte, eher wie eine Kloake als wie ein imposanter See aus. Der nächste Tag war nur marginal besser.

Ich bin mit dem Bus, der in der Nähe meines Hotels Halt machte, direkt auf die Insel gefahren. Die Altstadt und Fußgängerzonen sind wirklich nett. Kleine Läden, Gässchen und jede Menge Cafés und Restaurants bevölkern die Stadt. Hier bekommt man den Tourismus erst so richtig mit. Wenn man die Fußgängerzonen verlässt, wirkt es aber schnell vernachlässigt und heruntergekommen. Leer stehende Läden, die Straßen nicht allzu sauber, dubiose Menschen vor einem Rewe, der keinen einladenden Eindruck macht. Man merkt der Insel ihren Fokus auf Tourismus sehr an, wie ich an diesem Tag feststellen musste. Das, was die meisten Menschen zu sehen bekommen, wird sauber gehalten und gepflegt, der Rest ist nicht so wichtig. Die Gegend um den Bahnhof macht ebenso wenig einen ansehnlich Eindruck. Hier könnte man sich mehr Mühe geben.

So verstand ich den ganzen Trubel um Lindau nicht. Vielleicht ist es nur meine subjektive Wahrnehmung. Jedoch habe ich den Eindruck, dass Lindau als ein Ort gilt, den man besuchen sollte, wenn man den Bodensee sehen will. Es ist zwar nur eine Küstenstadt von vielen, trotzdem hat der Name Tradition. Nach einem Tag hat man allerdings das Wichtigste gesehen. Ich habe noch den südlichsten Leuchtturm Deutschlands erklommen und eine Panoramafahrt mit dem Schiff mitgemacht. Das war nett und es waren tolle Ausflüge, die den Tag erst so richtig abgerundet haben. Wenn man schon am Bodensee ist, muss man etwas mit dem Schiff unternehmen, das sollte ein ungeschriebenes Gesetz sein, wie ich finde.

So verging der erste Tag. Den nächsten verbrachte ich in anderen Ortschaften und setzte den Roadtrip fort, meine Basis blieb jedoch das Hotel in Lindau. An meinem letzten Tag wollte ich der Stadt aber noch eine Chance geben. Immerhin machte das Cavazzen Museum einen interessanten Eindruck und einen Comicladen gab es dort auch. Beides ist einen Besuch wert. Allein das Schlendern durch die Gebäude macht Laune. Die Insel konnte ihren Gesamteindruck verbessern. Der westliche Teil der Insel ist schön. Den übersieht man fast, weil man um den Bahnhof herum muss, was nicht gerade einladend wirkt. Man dort der Mauer am Ufer entlanggehen und die Aussicht genießen. Außerdem sieht man Reste von Schienen. Ich habe nicht recherchiert, was es damit auf sich hat. Vielleicht sind es Überreste älterer Gleisanlagen.

Natürlich habe ich mir noch einen Espresso bei der Rösterei Hensler gegönnt, wo ich mir zwei Tage zuvor ein paar Säckchen Kaffeebohnen kaufte. Der Kaffee dort ist hervorragend. Ich hoffe, die Bohnen entfalten in meinem Vollautomaten einen ähnlichen Geschmack.

Lindau, zumindest der Teil, der für Touristen am spannendsten ist, wirkt übersichtlich und klein. In zwei Tagen hat man das Meiste gesehen und erlebt. Eine Schifffahrt geht sich dabei genauso gut aus wie ein Besuch im Museum und das Testen diverser Lokalitäten. Bleibt man länger dort als nur ein paar Tage, sollte man mit dem Schiff zu anderen Orten aufbrechen. Bregenz, Konstanz oder Mainau bieten sich an. Für einen ersten Eindruck war es aber ein gelungener Urlaub.