Manche Dinge benötigen ihre Zeit. Man kann ja nicht jeden Trend sofort mitmachen. Bei »Breaking Bad« bin ich erst in der vorletzten Staffel eingestiegen – wenn ich mich richtig erinnere. Ich weiß noch, dass ich damals eine Woche Urlaub hatte und nicht viel mehr gemacht habe, als »Breaking Bad« nachzuholen und zwischendurch etwas spazieren zu gehen oder Zeit im Garten zu verbringen. Es waren einfachere Zeiten. Doch so lange wie jetzt habe ich dann doch noch nie mit etwas gewartet. Die Rede ist selbstverständlich von »GTA V«. Dem scheinbaren Meisterwerk und einem Magnum Opus von Rockstar. Man könnte debattieren, ob ihr eigentliches Magnum Opus »Red Dead Redemption 2« ist, aber das habe ich auch noch nicht gespielt. Jetzt, wo wir also (kurz?) vor Erscheinen vom langersehnten Nachfolger stehen (GTA VI), habe ich mich in die Welt von Michael, Franklin und Trevor begeben und in die großartige Welt von Los Santos.
Wie kam es aber dazu? Wie so oft startet diese Geschichte auf Twitch. Denn dort habe ich gesehen, wie Sugarlieee das Spiel spielt, und es hat unterhaltsam ausgesehen. Also dachte ich mir, ich gebe dem Ganzen eine Chance. Zunächst wollte ich es am Steam Deck spielen, aber auf Steam kostet es knapp 30 €. Für ein 13 Jahre altes Spiel eindeutig zu viel. Warum es nicht standardmäßig 10 € kostet, ist mir ein Rätsel. Zum Glück bin ich noch treuer PS-Plus-Kunde und darin ist GTA V enthalten. Also kurzerhand über Nacht über 100 GB an Daten heruntergeladen und schon konnte es losgehen. Beim Schreiben dieser Zeilen habe ich in etwa 10 Stunden im Spiel. Und was soll ich sagen, es hat mich mal wieder gefesselt. Früher habe ich GTA 3 ohne Ende spielen können, San Andreas war ohnehin ein Meilenstein der Spielegeschichte, aber dann hat mich die Reihe verloren. Jetzt GTA V zu spielen, ist wie eine kleine Reise in die Jugend. Die Grafik ist nicht ganz auf aktuellem Niveau, es sieht allerdings so aus, wie die alten GTAs in meiner Erinnerung – man verklärt gerne frühere Erlebnisse, unter anderem auch Spiele und wie sie wirklich ausgesehen haben.
Fast jeden Abend sitze ich also jetzt auf der Couch und verbringe etwas Zeit mit unseren drei Hauptcharakteren. Und wenn es nur eine Nebenmission ist oder gechillt, mit einem coolen, geklauten Auto durch die Stadt zu fahren und dabei einen lässigen Radiosender zu hören. GTA kann mich noch immer fesseln. Ich dachte schon, ich wäre auf ewig an Soulslikes gebunden, aber wie mir scheint, ist das noch nicht ganz der Fall. Manche Spiele sind erfrischend anders und in der Lage, eine dynamische, offene, lebendige, beinahe schon echte Welt zu erschaffen, in der man sich nur allzu gerne verliert. Die Dialoge sind großartig geschrieben, die drei Charaktere so unterschiedlich, wie sie nur sein könnten, und trotzdem wachsen sie einem schnell ans Herz. Die Missionen sind ebenso abwechslungsreich wie die Welt von Los Santos und Umgebung. Es gibt immer etwas zu tun, aber es fühlt sich nie wirklich nach Arbeit an. Immerhin möchte man den Freund*innen unserer Charaktere helfen und erledigt auch mal Aufgaben, die zwar lästig sein können, aber trotzdem belohnen.
GTA V trifft den Sweetspot perfekt. Überraschend gut, muss ich schon fast sagen. Mein Bild von GTA war veraltet. Zugegeben, der fünfte Teil hat 13 Jahre auf dem Buckel. Bevor ich es angefangen habe, fragte ich mich, ob ein GTA, in einer sechsten Iteration, heute noch funktioniert und ob man es in unsere Zeit holen kann. In den vergangenen 13 Jahren hat sich doch einiges getan. Die Antwort ist erstaunlicherweise: ja. Denn schon GTA V funktioniert noch. Es ist zeitlos. Insofern bin ich gespannt, wie GTA VI werden wird. Die Veröffentlichung wird zwar noch etwas dauern und ich werde es mir nicht gleich beim Erscheinen besorgen, aber ich freue mich darauf. Erst einmal gilt es jedoch, die Abenteuer von Michael, Franklin und Trevor zu überstehen.

