Gehaltsverhandlungen

Eigentlich wollte ich gar nicht über das Thema schreiben, aber es beschäftigt einen dann doch. Immerhin läuft heute, in diesen Stunden die sechste (?) Verhandlungsrunde der Metaller und es ist vielleicht eine Einigung in Sicht, vielleicht aber auch noch sehr weit entfernt. Aber um die Einigung und was am Ende dabei heraus kommt geht es mir gerade nicht. Vielmehr geht es mir um das sekundären und tertiären Gegebenheiten um diese Verhandlungen herum.

Egal wem man eigentlich zuhört oder welche Berichte man liest, der Anfang dieser Verhandlungen allein war schon ein Zeichen dafür, dass jedwedes Verständnis für die Arbeitnehmer, dass jedwede Menschlichkeit bei diesen Diskussionen verloren gegangen ist. Bei geforderten 11,9% (jetzt muss ich doch kurz auf Zahlen eingehen) mit 2,5% zu kontern ist einfach nur dumm. Wen wollte man damit beeindrucken? Imaginären Firmenentitäten? Sich aufspielen vor CEOs und Geschäftsführern? Wenn etwas in diesen Verhandlungen völlig fehl am Platz ist, dann ist es das eigene Ego.

Um wen geht es denn eigentlich? Klar, die Branche und Firmen und yadda yadda yadda. Aber eine allein erziehende Person, die sich kaum die Miete leisten kann und dem Kind vielleicht trotzdem schöne Weihnachten bereiten möchte, ist die Branche völlig egal. Man sieht nur Gewinnausschüttungen in Millionenhöhe, eine Zahl die von der eigenen Lebensrealität so weit entfernt ist, wie es nur möglich ist, und es werden um ein paar Prozentpunkte gestritten, die nicht einmal die Inflation der vergangenen 12 Monate abdecken.

So etwas entzieht sich auch meinem Hausverstand völlig. Wie kann man in Verhandlungen rein gehen, die mehr als 2% von der Inflation entfernt sind? Wie ist das möglich?

Ich würde mir in einer Zeit voller Krisen, Kriegen und Krankheiten ein bisschen mehr Nächstenliebe und Menschlichkeit wünschen. Ein bisschen mehr Verständnis und Einfühlungsvermögen in die Schicksale der einzelnen Personen, denen man im Begriff ist den Teppich unter den Füßen wegzuziehen. Es möchte doch kaum jemand wirklich streiken. Es macht alles mühsam und kompliziert, es ist unnötig. Nicht selten eskalieren dann einfache Diskussionen, man schreit sich an. Unfassbar, wie scheinbar erwachsene Menschen plötzlich anfangen sich zu benehmen wie Schulkinder, die sich um den letzten Bonbon streiten. Man kann doch über alles reden und diskutieren ohne auf ein gewisses Niveau verzichten zu müssen. Ego hat hier nichts verloren.

Besinnen wir uns doch ein bisschen zurück auf die Schicksale und Personen, um die es bei diesen Verhandlungen doch eigentlich gehen sollte. Reden wir miteinander wie vernünftige, erwachsene Menschen. Besonders in einer Zeit voller Herausforderungen, sollte es doch möglich sein, einen Schritt aufeinander zuzugehen und gemeinsam an Lösungen zu arbeiten, anstatt sich weitere Steine in den Weg zu legen.