Weihnachtsmarktwahnsinn

Der ganze Schnee von Anfang Dezember war relativ rasch wieder weg, dem warmen Wetter und mehreren Tagen Regen geschuldet. Damit verschwand auch meine Weihnachts- und Adventstimmung. Bei sieben oder acht Grad, mehr oder weniger schönem Wetter und grünen Wiesen ist es nicht so einfach, sich auf Weihnachten einzustellen, was ja bereits am kommenden Sonntag stattfindet.

Dem hat allerdings ein Besuch des Salzburger Christkindlmarkts etwas entgegengewirkt. Zuerst Glühwein bei den Franziskanern, wo beim Vorbeigehen zufälligerweise die Tore offen standen und freundliche Menschen Glühwein zu einem angemessenen Preis ausschenkten. Anschließend ein bisschen über den eigentlichen Christkindlmarkt schieben lassen, ein Raclette-Speck-Brötchen genießen und etwas von dem hervorragenden Ausseer-Lebkuchen kaufen – so stellt sich dann durchaus etwas winterliche Stimmung ein.

Es war verrückt, wie viele Menschen am Samstagabend auf dem Markt waren oder allgemein in Salzburg unterwegs. Sei es in der Linzer- oder Getreidegasse oder, offen gestanden, auch überall sonst – gefühlt war die gesamte Stadt und Umgebung draußen und wollte den herrlich sonnigen Tag mit einem Glühwein oder ähnlichen Heißgetränken ausklingen lassen. Aber irgendwie gehört dies auch dazu, ein wenig Chaos.

Was mir einfach besonders gefällt zur Weihnachtszeit, ist auf Märkten oder in Geschäften unterwegs zu sein und nicht unbedingt dem Kapitalismus zu frönen (wobei ich das durchaus auch tat), sondern die Dekorationen und Beleuchtungen zu bewundern. Ich selbst habe in der Wohnung einen schlichten Adventkranz und ein paar saisonale Servietten, aber das war es dann auch schon. Da begrüße ich die Extravaganz und das überbordende, was die Geschäfte an den Tag legen.

Deshalb wollte ich auch unbedingt noch in den Europark, was ich am Wochenende ebenfalls geschafft habe. Sei es der überdimensionierte Weihnachtsbaum, die viel zu großen golden-glitzernden Würfel mit riesigen Christbaumkugeln, die Kränze oder all das (künstliche?) Grünzeug, sowie die geschmückten Läden und der Weihnachtsmarkt. Es ist einfach toll, ein bisschen durchzuschlendern und alles auf sich wirken zu lassen.

Das Einzige, was ich nicht unbedingt brauche, sind rücksichtslose und zum Teil offen respektlose Menschen. Selbst in einem Chaos und wenn die halbe Bevölkerung des Bundeslandes sich durch Ikea und Einkaufszentren schiebt, kann man trotzdem aufeinander achtgeben und entspannt einkaufen. Doch viele scheinen dies verlernt zu haben. Sei es an der Supermarktkasse, wo ich noch nicht einmal gezahlt hatte und sich die nächsten bereits mit ihren Einkaufswagen und -taschen hinter und neben mir breit machten. Oder Leute, die mitten am Weg stehen bleiben, um etwas verwackelt und mit maximalem digitalem Zoom zu fotografieren, was am Ende ohnehin niemand mehr identifizieren kann.

Wir leben immerhin in einer Gesellschaft des Überflusses, in einem wohlhabenden Land, da sind ein paar Sekunden, die ich vielleicht später ins Geschäft komme, nicht so ausschlaggebend, als das ich sämtliche Rücksicht und jedweden Respekt ablege, ob der irrsinnigen Idee, sinnlose materielle Dinge etwas früher kaufen zu können, als die anderen. Es ist mehr als genug da. Für jeden und jede. Wir wollen doch alle nur eine halbwegs schöne Zeit verbringen, das Jahr gut abschließen und mit frischem Elan in das neue Jahr starten.

Da wäre es nicht zu viel verlangt, sich selbst etwas zurückzunehmen und auf die Menschen im Umfeld zu achten. Denn eigentlich geht es zu Weihnachten nicht darum, wer die besten, meisten Geschenke bekommt, sondern darum, eine schöne Zeit mit den liebsten Menschen im Leben zu verbringen. Und wenn man dann noch gute Ideen und Inspirationen für gute Geschenke hat, ist das ein willkommener Bonus obendrauf. Aber eben nicht der Kern. Die Winterzeit im Allgemeinen ist doch eine Zeit, in der die Natur zurückschaltet und eine Ruhe einkehrt, die wir manchmal zu vergessen scheinen. Viele Termine zu haben, Besorgungen machen zu müssen und dorthin bzw. hierhin zu müssen – all das muss nicht gleich Stress bedeuten. Man kann sich auch entscheiden, alles mit einer gewissen inneren Ruhe anzugehen, sich nicht anstecken zu lassen von der Hektik der anderen. Es mag etwas Kraft oder bewusstes Handeln erfordern, doch was man dadurch gewinnt, ist so viel mehr wert.