Ich habe eigentlich eine kleine Hassliebe für Star Wars. Besonders, seit sich Disney Lucasfilm einverleibt hat. Davor war Star Wars etwas, das man alle paar Jahre (wenn es gut ging) im Kino erleben durfte. Zwischen Trilogien lagen dabei Jahrzehnte, das einzige offizielle, was es gab, waren Animationsserien, die qualitativ auf sehr hohem Niveau agierten und ansonsten gab es Bücher und Comics. Diese existierten allerdings in einer Art Kanons-Limbo. Einen Zustand außerhalb des Kanons, aber sich trotzdem wunderbar in die Geschichten der Filme einfügten, als zusätzliche Quelle an Geschichten und Legenden dienten, und die Welt ausarbeiteten und neue Charaktere einführten.
Wie schon bei Warhammer mit The Horus Heresy, habe ich bei Star Wars bereits des Öfteren Leseprojekte gestartet, mit dem Ziel, mich chronologisch durch diverse Stoffe zu lesen. Aber ich brauche Abwechslung und angesichts dessen leben diese ebenfalls in einer Art Limbo in meinem Hinterkopf. Nichtsdestoweniger gibt es Phasen, in denen ich dann doch wieder vier oder fünf Bücher hintereinander verschlinge.
Eigentlich mag ich das ganz gerne und genieße diese verschiedenen Phasen, denn es spiegelt auch meinen aktuellen Bedarf an Unterhaltung wider. Es muss nicht immer zwanghaft an einer Linie festgehalten werden, ich mag mich oftmals selbst überraschen, was ich in die Hand nehme. So ist es gerade das Buch Der Ernährungskompass von Bas Kast, das ich lese und sicherlich in Zukunft mal darüber berichte.
Natürlich spukt mir auch Star Wars aktuell wieder im Kopf herum. Sonst wäre die Überschrift dieses Beitrags eher sinnlos. Denn zwischen den ganzen, qualitativ eher schlechteren Live-Action-Serien und -Filmen hat die Disney-Ära von Star Wars durchaus gute Dinge hervorgebracht.
Kurzer Einschub zu den Serien und Filmen: die neue Trilogie ist ein absolutes Chaos, was ich bis heute nicht begreifen kann. Da kauft man sich eine der beliebtesten und langlebigsten Kino-IPs und dann wird eine Trilogie von Film zu Film geschrieben, als dass man sich eine Handvoll guter Autoren sucht, die etwas Ordentliches auf die Beine stellt. Das gibt man dann talentierten Regisseur*innen, die gerne ihre kreative Handschrift dort hinterlassen können. Stattdessen haben wir die Episoden VII bis IX bekommen, die wir heute kennen. Und die Serien leiden unter einer nicht nachvollziehbaren Angst davor, über die Skywalker-Saga hinaus zu denken und zu erzählen. Alles spielt sich innerhalb dieser Jahre ab, baut auf unnötiger Nostalgie und Wiedererkennungswerten auf, die es eigentlich nicht bräuchte. Der Film Rogue One und die Serie Andor sind da die einzigen Lichtblicke, innerhalb einer Ödnis, die ihresgleichen sucht. The Mandalorian würde ich dazu zählen, wobei die Serie mit Staffel drei in seltsame Richtungen abzudriften begann. Ich hoffe sehr, dass wir zukünftig etwas mutigere Unterfangen sehen werden. Es müssen ja nicht immer 300 Millionen Dollar teure Blockbuster sein. Der Film The Creator hat deutlich gezeigt, dass man gute Science Fiction mit vergleichsweise wenig Budget erschaffen kann. Man müsste sich nur vorher ein Konzept überlegen und dabei bleiben. Aber genug der Abschweifungen.
Seit Jahren bin ich großer Fan von dem YouTuber Patrick Willems, der hervorragende Essays zu Filmen macht und dabei auch sein eigenes Narrativ und eine Geschichte einbaut. Dies gipfelte vor ein paar Jahren in einem eigenen Film von ihm. Kann ich nur empfehlen. Vor langer Zeit hat er sich dazu entschieden, keine Videos mehr zu Star Wars zu machen, ob der toxischen Verhaltensweisen von Fans und vielleicht auch wegen des chaotischen Zustands bei Disney.
Vor Weihnachten hat er dann doch ein Video zu Star Wars gemacht und es treffender Weise ein Holiday Special genannt. Dort lässt er die letzten Jahre an Filmen und Serien Revue passieren und fasst diese gekonnt zusammen. Was ich dabei besonders mag ist, dass er nicht nur sagt, es ist schlecht, sondern Lösungsansätze bietet, wie man der Marke in Zukunft wieder etwas mehr Glanz verleihen könnte. Es ist eine differenzierte Auseinandersetzung mit dem Thema, was ich sehr schätze. Zwar ist es ein langes Video und meines Wissens nach nur auf Nebula verfügbar, allerdings ein Ansehen wert, wenn man Fan von Star Wars ist oder war.
In dem Video erwähnt er auch die Buchreihe The High Republic (Die hohe Republik). Dies ist eine Initiative von verschiedensten Autor*innen, die sich unter der Führung von Lucasfilm zusammengeschlossen haben, um gemeinsam eine fortlaufende, originelle und zusammenhängende Geschichte zu erzählen. Diese spielt sich mehrere hundert Jahre vor der Skywalker-Saga ab (ein ähnliches Vorgehen hätte ich mir für die neue Trilogie gewünscht) und bietet neue Charaktere, neue Bedrohungen und niemand kennt die Skywalkers.
Damals, als die Initiative der hohen Republik gestartet ist, habe ich es aus Gründen versäumt, mir die Bücher zuzulegen und mehr oder weniger parallel mit der Veröffentlichung mitzulesen. Aber angespornt durch Patrick Willems Video habe ich mir diese Woche den ersten Band Das Licht der Jedi von Charles Soule zugelegt. Ich bin schon sehr gespannt, was mich erwartet. Und es ist sicherlich eine nette Abwechslung, Star Wars zu lesen und dazwischen etwas The Horus Heresy von Warhammer einzustreuen. Zwei Science-Fiction-Universen, die unterschiedlicher nicht sein könnten.