Vor ein paar Tagen habe ich hier einen Text veröffentlicht, mit dem Titel »Die einfachen Dinge«. Der Text fing damit an, dass ich über meine alltäglichen Spaziergänge berichtete. Schnell bin ich jedoch abgeschweift und habe mich voll und ganz auf das Thema Podcasts konzentriert. Dabei hatte ich eigentlich nur einen kleinen Schwenker in die Thematik im Sinn. Am Ende ging es über ein paar Hundert Worte, nur mehr um das Thema Podcasts und nicht um die Spaziergänge.
Nicht, dass Podcasts ein schlechtes Thema wären. Ganz im Gegenteil. Auf meiner Themenliste für Artikel und Texte habe ich so manche Notizen, die sich auf bestimmte Podcast-Episoden berufen. Manche davon sind schon etwas länger her und ich weiß natürlich nicht mehr die exakten Folgen, zu denen ich mir diese Notizen gemacht habe, aber die Themen werden ja grundsätzlich nicht schlecht. Jetzt werden sie allerdings weniger ein Kommentar zu etwas, als dass sie eine Inspiration für meine eigenen Herleitungen und Ansichten zu diesen Themen darstellen. Aber dazu mehr, wenn ich diese tatsächlich in Angriff nehme.
Dieses Mal will ich nämlich nicht allzu weit abschweifen, bevor ich auf meine eigentliche Kernaussage zu sprechen komme. Denn um was es mir bei dem Thema mit den Spaziergängen eigentlich geht und was auch der Grund für die Überschrift »Die einfachen Dinge« war, ist Dankbarkeit. Wenn wir einmal ehrlich sind, stellt sich der Alltag für die meisten von uns immer wieder ähnlich zusammen. Zumindest, wenn man es von der Vogelperspektive aus betrachtet.
Wir gehen in den meisten Fällen zur Arbeit und verbringen dort den größten Teil des Tages. Danach geht es vielleicht noch zum Supermarkt einkaufen, bevor wir schließlich wieder zu Hause ankommen. Manche betreiben Sport – dies kann im Fitnessstudio sein, im Freien oder in den eigenen vier Wänden. Zeit mit Familie oder Freunden verbringen, Abendessen zubereiten, vielleicht etwas Fernsehen/Streamen oder auch Lesen, bevor man ins Bett geht und es am nächsten Tag von vorne beginnt. Wer an dieser Stelle Ähnlichkeiten mit David Foster Wallace legendären Vortrag »This is water« erkennt, Glückwunsch – auch über den will ich seit Monaten schreiben, aber irgendwann komme ich dazu.
Aber diese scheinbare Eintönigkeit ist eben genau nur das: ein scheinbarer Mangel an Abwechslung. Denn die täglichen Aufgaben in der Arbeit wechseln sich vielleicht ab. Die Unterhaltungen und Begegnungen mit Kolleg*innen, Freund*innen und der Familie sind nie dieselben, weil wir selbst nicht jeden Tag dieselben sind. Wir verändern uns, entwickeln uns. Dabei handelt es sich um keine großen, den Atem raubende Veränderungen, sondern um inkrementellen und kontinuierlichen Fortschritt.
Ich höre immer Podcasts beim Spazieren, aber es sind nie dieselben Episoden. Es sind immer andere Unterhaltungen, auch wenn es manchmal sehr ähnliche Themen sind, die besprochen werden, so entwickeln sich auch diese Gespräche weiter, weil sich die Personen dahinter verändern. Die Gegend, durch die ich mich bewege, ist niemals dieselbe, auch wenn die Runden natürlich ähnlich sind. Genau das ist es, was es bedeutet, im Moment zu leben, zumindest für mich. Sich diese kleinen Veränderungen bewusst zu machen, immer wieder von Neuem. Die Geschichten im Alltag zu finden, die man vielleicht übersehen hätte, wenn man nicht genau hinsieht.
Dabei kann man verschiedenste Hilfen zurate ziehen. Sei es die »Homework for Life«, von Matthew Dicks, das Betreiben eines täglichen Blogs, ein Tagebuch schreiben, Dinge, die man macht und Gedanken oder Gefühle in einem Fünf-Jahres-Journal festhalten, Fotos machen – es gibt unzählige Möglichkeiten, jeden Tag intensiv zu erleben. Die guten Dinge festzuhalten, die Schlechten zu akzeptieren lernen, denn morgen gibt es eine neue Möglichkeit, es besser oder anders zu machen. Es anders zu sehen und die Welt von Neuem zu entdecken.
Dankbarkeit dafür zu entwickeln, dass man überhaupt die Möglichkeit hat, jeden Tag aufs neue zu erleben. Die Dinge, aber vor allem natürlich die Personen, die einen durchs Leben begleiten, zu schätzen wissen. Das mag jetzt vielleicht esoterisch klingen, muss es aber nicht sein. Manche haben Religion, worüber sie diese Dankbarkeit und Demut zu kanalisieren und auszudrücken lernen; andere, wie auch ich, wollen einfach nur mit einer optimistischen und positiven Grundeinstellung durchs Leben gehen. Die Zukunft als etwas Optimistisches und Erstrebenswertes sehen. Sehen zu wollen, wohin wir uns entwickeln und welche Überraschungen der morgige Tag bereithält.