Open World Rollenspiele haben mich schon immer fasziniert. Eine Welt zu entdecken, ihre Geheimnisse zu lüften, meinen Charakter so weiterzuentwickeln, wie ich es möchte. Manchmal geschieht dies natürlich in einem engeren Rahmen. Seien es Spiele wie Assassins Creed oder The Witcher III. Aber es gibt Abstufungen in der Freiheit, die einem die Entwickler*innen gewähren. Über die vergangenen Jahre ist mir aber ein Konzept von Open World Spielen immer unsympathischer geworden: Fragezeichen auf der Karte.
Es ist ein Ubisoft-Problem, aber andere haben sich das ebenfalls angeeignet. Man reist durch die Welt, schaltet Gebiete frei und so weiter. Auf dem Weg deckt man automatisch die Karte auf oder findet Kartenfragmente. Damit werden allerdings Punkte auf der Karte markiert, die man sich ansehen sollte. Meistens mit Fragezeichen oder ähnlichen Markierungen wird den Spielerinnen suggeriert: hier könnte etwas Interessantes sein. Es ist prinzipiell ein gutes Konzept, das die Spielerinnen an die Hand nimmt und durch die immer größeren Welten führt. Doch seit ich Elden Ring spiele, mag ich dieses automatische Markieren auf der Karte nicht mehr.
In Elden Ring findet man Kartenfragmente, schaltet damit also einen Teil der Karte frei und kann sich daran etwas orientieren. Aber Katakomben, Ruinen, Burgen und Festungen – kurz: alle Arten von Dungeons – werden erst auf der Karte markiert, wenn man sie gefunden hat. Wenn man sich die Mühe gemacht hat, jeden Winkel abzugrasen und abzusuchen. Es ist vielleicht etwas mühsamer und langwieriger, aber es ist sehr viel befriedigender, es selbst entdeckt zu haben. Außerdem stellt FromSoftware verschiedenste Marker zur Verfügung, die man selbst auf der Karte platzieren kann, damit man später an den Punkt erinnert wird, wo noch etwas zu erledigen war.
Wenn die Karte vorab mit vielen Fragezeichen markiert ist, dann fühle ich mich bemüßigt, diese zu erkunden. Es ist eine Liste an Aufgaben in einem Spiel, die ich eigentlich gar nicht haben möchte. Damit wird es schnell zu Arbeit. Denn es sind ja nicht nur fünf oder sechs, sondern es werden schnell dutzende Markierungen, die abgearbeitet und erkundet werden wollen. Wenn allerdings die Karte leer ist, dann bleibt es mir überlassen, wie weit ich in meiner Reise gehen will. Es steckt die Spieler*innen in eine aktive Abenteurerrolle. Es ist ein kleiner, aber durchaus essenzieller Unterschied, der mir mit Elden Ring erst so richtig bewusst geworden ist.
Einen Kritikpunkt habe ich allerdings. Denn man findet in Elden Ring gelegentlich Notizen und Nachrichten von diversen Charakteren oder bekommt entsprechendes überreicht. Manchmal sind es Schatzkarten oder handgezeichnete Karten mit Markierungen. Ich würde mir wünschen, dass man diese auf die Karte der Welt übertragen könnte, damit diese leichter aufzufinden sind. Es würde schon ausreichen, wenn ich die Notizen mit der tatsächlichen Karte übereinanderlegen könnte und damit nach den Stellen besser suchen kann. Dann noch entsprechend mit den Markern, die es gibt, markieren und es passt. Es wäre noch so ein kleines Feature, das das Spiel noch besser machen würde.
Andere Studios können sich für zukünftige Rollenspiele eine große Scheibe von FromSoftware und Elden Ring abschneiden. Und Karten sind ein wichtiger Teil dieses Konzepts. FromSoftware hat nicht nur gezeigt, wie man Open World Rollenspiele auf ein neues Level heben kann, sie haben auch gezeigt, wie ein DLC aussehen kann.
